Aus Deutschland in die USA umziehen: In den USA ein Kind bekommen

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] In den USA ein Kind bekommen

Ein Arbeitsverhältnis mit einem amerikanischen Arbeitgeber schwanger oder mit akutem Kinderwunsch anzutreten, dürfte wegen des miserablen Mutterschutzes in den USA wenig ratsam sein. Dieses Kapitel wurde dennoch aufgenommen, weil viele Ehefrauen deutscher Arbeitsmigranten, die kein eigenes Visum und damit keine Arbeitserlaubnis haben, die erzwungene berufliche Auszeit als Gelegenheit zur Familiengründung ansehen. Um es vorwegzunehmen: Wenn man dabei auf die Nähe von Eltern, Geschwistern und deutschen Freundinnen verzichten kann (das fällt manchen Frauen leichter, anderen schwerer) und auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, ist das nicht die schlechteste Art und Weise, einen vorübergehenden USA-Aufenthalt zu verbringen bzw. einen längerfristigen Aufenthalt zu beginnen, denn die USA sind ein überaus kinderfreundliches Land, das Familien mit Kindern trotz fehlender sozialer Vergünstigungen eine weitaus höhere Lebensqualität bietet als Deutschland.

[Bearbeiten] Schwangerschaft

Wenn man schwanger in die USA einreist, kann die Suche nach einer Krankenversicherung schwierig werden, da viele profitorientierte Versicherungen schwangere Frauen nicht aufnehmen. Auch Reisekrankenversicherungen, die in Deutschland abgeschlossen wurden, übernehmen meist keine Kosten, die durch Schwangerschaft und Geburt entstehen. Am aussichtsreichsten ist die Bewerbung bei einer HMO oder PPO (siehe Krankenversicherung). Im Zweifelsfall sollte der berufstätige Partner seinen amerikanischen Arbeitgeber fragen, wie das Problem gelöst werden kann.

Mit Schwierigkeiten müssen Sie auch rechnen, wenn der Umzug in den letzten Schwangerschaftsmonat fällt, da die meisten Fluggesellschaften schwangere Frauen dann nicht mehr mitnehmen.

Für die medizinische Betreuung schwangerer Frauen sind in den USA nicht Gynäkologen (Gynecologists) zuständig, sondern Geburtshelfer (Obstetricians). Das sind niedergelassene Frauenärzte, die auch auf dem Gebiet der Geburtshilfe einschließlich der Durchführung von Kaiserschnitten ausgebildet sind. Der Arzt, der eine Frau während der Schwangerschaft betreut, wird meist auch die Geburt leiten. Die Entbindung findet in einem Krankenhaus statt, an das der Arzt vertraglich gebunden ist. Wenn Sie Ihr Kind in einem bestimmten Krankenhaus zur Welt bringen wollen (z. B. dem nächstgelegenen), müssen Sie sich rechtzeitig erkundigen, welche Ärzte dort entbinden.

Aufgrund der Kostenexplosion im Gesundheitswesen bieten in zunehmendem Umfang auch Hebammen (midwife, certified nurse midwife, kurz: CNM) ihre Leistungen an. In größeren Städten gibt es von Hebammen geleitete Geburtshäuser (birth centers). Etwa 4% der Kinder kommen in solchen Zentren zur Welt. Meist jedoch gehören Hebammen zu einem Team niedergelassener Obstitricians; andere arbeiten allein bzw. mit Kolleginnen in einer eigenen Praxis und entbinden in einem Krankenhaus, mit dem sie vertraglich verbunden sind. Anders als in Deutschland werden Hebammen bei einer Krankenhausgeburt nicht routinemäßig hinzugezogen. In den meisten Bundesstaaten leiten Hebammen auch Hausgeburten; in einigen Bundesstaaten (z. B. Illinois, Maryland und Washington, D. C.) ist ihnen dies jedoch verboten.

Abgesehen davon, dass der Arzt bzw. die Hebamme, von der man während der Schwangerschaft betreut wird, auch die Entbindung leitet, unterscheidet sich für eine Frau, die ein Kind bekommt, die Betreuung und medizinische Versorgung in den USA nur wenig von der in Deutschland. Einen Mutterpass, wie er in Deutschland üblich ist, erhält man allerdings nicht. Und um sich vor Schadensersatzansprüchen zu schützen, legen amerikanische Ärzte mehr Wert als ihre deutschen Kollegen auf bestimmte Untersuchungen. Beispielsweise werden Schwangere, die über 35 Jahre alt sind, mit noch mehr Nachdruck als in Deutschland zu pränataldiagnostischen Verfahren wie Triple-Test (multiple marker screening, AFP test) oder Fruchtwasseruntersuchung (amniocentesis, kurz: amnio) angehalten. Für Frauen, die solche Untersuchungen ablehnen – z. B. weil ein Schwangerschaftsabbruch nach der 20. Woche für sie aus ethischen Gründen nicht in Betracht kommt – gibt es wie in Deutschland Gelegenheit zu Ultraschalluntersuchungen, die bereits in der 10. Schwangerschaftswoche erste Hinweise auf Anomalien (z. B. Down-Syndrom) liefern können.

[Bearbeiten] Geburt

In den USA werden rund 85% der Kinder im Krankenhaus geboren.

Aus demselben Grund – um bei Komplikationen Schadensersatzforderungen vorzubeugen – werden Geburten in den USA häufiger als in Deutschland hormonell eingeleitet (induced). Während es in Deutschland oft kein Problem ist, ein Kind, das keinerlei Anzeichen von Stress zeigt, zwei Wochen zu „übertragen“, werden amerikanische Ärzte bereits eine Woche nach Verstreichen des errechneten Geburtstermins nervös und drängen auf eine Einleitung der Geburt.

Leichter als in Deutschland ist in amerikanischen Krankenhäusern der Zugang zu einem wirkungsvollen Schmerzmanagement. Während in Deutschland nur ca. 20% der Frauen eine Periduralanästhesie (epidural) verlangen und erhalten, sind es an amerikanischen Krankenhäusern oft mehr als 85%. Da eine Periduralanästhesie durch einen Anästhesisten verabreicht werden muss, ist sie nur im Krankenhaus möglich; in kleineren Krankenhäusern empfiehlt es sich allerdings, rechtzeitig zu fragen, ob ein Anästhesist rund um die Uhr im Hause ist. Auch Hebammen, die im Krankenhaus entbinden, haben keine Einwände, wenn die Frau eine Periduralanästhesie wählt. Wer will, kann sein Kind natürlich auch ohne Schmerzmedikamente zur Welt bringen und sich dabei auf die Unterstützung von Hebammen, Doulas, Hypnosetherapeutinnen und anderen Spezialistinnen verlassen, zu denen freilich rechtzeitig Kontakt aufgenommen werden muss.

Ähnlich hoch wie gegenwärtig in Deutschland ist in den USA seit jeher die Bereitschaft der Ärzte zur Schnittentbindung (cesarean section, c-section), die z. B. bei Steißlagen und bei Frauen, die früher bereits per Kaiserschnitt entbunden haben, meist routinemäßig gewählt wird. Die Ärzte fürchten teure Schadensersatzklagen und operieren im Zweifelsfall lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Trotz aller Bemühungen, diese Zahl zu senken, beträgt der Anteil der Schnittgeburten in den USA immer noch rund ein Viertel. Wer auch unter etwas komplizierten Bedingungen (Steißlage, eine frühere Schnittentbindung, Mehrlingsgeburt) eine Vaginalgeburt vorzieht, findet dafür in den meisten amerikanischen Städten einen Spezialisten. Minimieren kann man das Risiko einer unnötigen Schnittgeburt auch, indem man von vornherein sicherstellt, dass eine Hebamme die Geburt leiten wird.

Alternativen zur Krankenhausgeburt sind in großen Städten grundsätzlich leichter zu finden als in Kleinstädten und ländlichen Regionen. Auch Hausgeburten sind in vielen Bundesstaaten üblich und werden von jungen Paaren oft schon aus Kostengründen bevorzugt. Die meisten Kinder kommen jedoch im Krankenhaus zur Welt. Die finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser unterscheidet sich erheblich; infolgedessen findet man in großen Städten Geburtsstationen (labour & delivery units), die deutlich komfortabler und aufwändiger eingerichtet sind als viele deutsche Stationen. Daneben gibt es Stationen, in denen nicht einmal Duschen, geschweige denn spezielle Einrichtungen wie z. B. Becken für Wassergeburten vorhanden sind. Die Geräteausstattung ist jedoch fast überall sehr modern und die Betreuung mindestens ebenso sachkundig und gut wie in Deutschland.

Männliche Neugeborene werden in den USA am Tag nach der Geburt routinemäßig beschnitten (circumcision). Wer seinem Kind diese vermeintlich hygienische, medizinisch sinnlose Maßnahme, die es ohne Widerspruchsmöglichkeit über sich ergehen lassen muss, ersparen will, sollte seinen Arzt rechtzeitig darauf hinweisen.

[Bearbeiten] Staatsbürgerschaft und Papiere

Für ein in den USA geborenes Kind können Sie einen amerikanischen Pass beantragen.

Ein in den USA geborenes Kind besitzt unabhängig von der Nationalität seiner Eltern automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Einen Reisepass können Sie in Ihrem zuständigen Postamt beantragen. Sie müssen dafür einen Termin vereinbaren, zu dem Sie dann gemeinsam mit Ihrem Ehepartner erscheinen. Auch das Kind müssen Sie mitbringen, weil der Postbeamte es fotografieren muss. Ein Antragsformular können Sie von der Website der Post herunterladen und schon vorher ausfüllen. Außerdem benötigen Sie eine Geburtsurkunde des Kindes (Original), die Social-Security-Nummer des Kindes und Ihre eigenen Reisepässe. Die Geburtsurkunde wird einbehalten, Sie bekommen Sie erst mit dem fertigen Pass zurück. Wenn Sie für das Kind bereits früher einmal einen Pass erhalten haben, der inzwischen nicht mehr gültig ist, müssen Sie auch diesen alten Pass einreichen.

Beim Antrag auf einen amerikanischen Reisepass werden Gebühren von rund 100 Dollar fällig. Für diese Gebühren sollten Sie entweder ein Scheckheft bereithalten oder eine Debit Card, damit Sie am Postschalter eine Money Order kaufen können. Eine Kreditkarte können Sie in diesem Fall nicht verwenden. Den Pass erhalten Sie nach 1-2 Monaten Bearbeitungszeit mit der Post. Er ist fünf Jahre gültig und muss dann neu beantragt werden.

Wenn das Kind neben der amerikanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen soll, müssen Sie die Geburt innerhalb eines Jahres in korrekter Form der zuständigen deutschen Botschaft mitteilen. Ein Formular können Sie von der Website der Botschaft herunterladen. Am besten, man beantragt gleich auch einen deutschen Reisepass. Wenn die Eltern keinen gemeinsamen Ehenamen führen und es sich um das erstgeborene Kind handelt, müssen beide Elternteile die Botschaft persönlich aufsuchen, um dort eine Erklärung über den für das Kind gewählten Familiennamen abzugeben. Da jüngere Geschwister den einmal gewählten Namen automatisch erhalten, reicht bei ihnen die Geburtsmitteilung und der Passantrag; eine Namenserklärung ist in diesem Fall nicht nötig.

Bei Besuchen außerhalb der USA ist unbedingt ein US-Pass erforderlich, da jeder US-Bürger (und damit jedes in den USA geborene Kind, unabhängig von allfälliger Doppelbürgerschaft) verpflichtet ist, bei der Einreise in und Ausreise aus den USA sich mit US-Papieren auszuweisen.

Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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