Beweisarchiv: Analysis: Differentialrechnung: L'Hospitalsche Regel

Aus Wikibooks
Wechseln zu: Navigation, Suche

Beweisarchiv: Analysis

Ungleichungen: Grönwall'sche Ungleichung · Young'sche Ungleichung
Konvergenz: Herleitung des WALLIS-Produktes · Produktformel von Vieta
Differentialrechnung: Differentiation der Sinusfunktion · Kriterien für lokale Extrema · Satz von Rolle · Mittelwertsatz · L'Hospitalsche Regel · Taylor-Reihe mit Konvergenzradius Null
Integralrechnung: Gaußsches Integral


Der geläufigste Beweis der Regeln von L'Hospital benutzt den Mittelwertsatz von Cauchy.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Voraussetzung

Sei a<b und seien die Funktionen f,g\colon (a,b)\to\R auf dem offenen Intervall (a,b) stetig und differenzierbar. Es sei \lim_{x\to a}f(x)=\lim_{x\to a}g(x)=0 und es existiere der Grenzwert

\lim_{x\to a} \frac{f'(x)}{g'(x)}.

[Bearbeiten] Behauptung

Dann gilt

\lim_{x\to a} \frac{f(x)}{g(x)} = \lim_{x\to a} \frac{f'(x)}{g'(x)},

d.h. der Grenzwert links existiert und hat den angegebenen Wert.

[Bearbeiten] Beweis

Wir dürfen f und g nach a fortsetzen, indem wir f(a)=g(a)=0 setzen. Nach Voraussetzung sind die Funktionen dann auch in a stetig.

Damit \lim_{x\to a} \frac{f'(x)}{g'(x)} existiert, darf für keine gegen a konvergente Folge von Stellen x der Nenner g'(x)=0 sein, insb. gibt es ein \varepsilon>0 mit g'(x)\ne 0 für a<x<a+\varepsilon.

Für 0<h<\varepsilon sind also f,g auf [a,a+h] stetig, auf (a,a+h) differenzierbar und g' verschwindet nirgends in (a,a+h). Es darf daher der (erweiterte) Mittelwertsatz der Differentialrechnung angewendet werden, d.h. es gibt zu jedem h mit 0<h<\varepsilon ein c_h mit a < c_h < a + h , so dass gilt:

{f'(c_h) \over g'(c_h)} = {f(a + h) - f(a) \over g(a + h) - g(a)} = {f(a + h)\over g(a + h)},

hierbei Letzteres wegen f(a) = g(a) = 0.

Wenn h \to 0, dann c_h\to a, also

\lim_{x\to a}{f'(x)\over g'(x)} = \lim_{h\to 0}{f'(c_h)\over g'(c_h)} = \lim_{h\to 0}{f(a+h) \over g(a+h)} = \lim_{x\to a}{f(x)   \over g(x)},

was zu zeigen war.

Eine andere Version der Regel von L'Hospital, die nicht sofort aus der eben gezeigten folgt, ist die folgende:

[Bearbeiten] Voraussetzung

Sei a\in \R und seien die Funktionen f,g\colon (a,\infty)\to\R auf dem offenen Intervall (a,\infty) stetig und differenzierbar. Es sei \lim_{x\to \infty}g(x)=+\infty und es existiere der Grenzwert

\lim_{x\to \infty} \frac{f'(x)}{g'(x)}.

[Bearbeiten] Behauptung

Dann gilt

\lim_{x\to \infty} \frac{f(x)}{g(x)} = \lim_{x\to \infty} \frac{f'(x)}{g'(x)},

d.h. der Grenzwert links existiert und hat den angegebenen Wert.

[Bearbeiten] Beweis

Für jedes \varepsilon>0 gibt es ein \alpha>a, sodass

\left|\frac{f'(x)}{g'(x)} - L\right| < \frac{\varepsilon}{4} \quad \text{for } x> \alpha.

Weil g gegen \infty divergiert, gibt es ein \beta>\alpha mit

 g(x)>g(\alpha) \quad \text{für } x> \beta.

Nun definieren wir eine neue Funktion h: ]\beta,\infty[ \to \R mittels

h(x) = \frac{f(x)-f(\alpha)}{g(x)-g(\alpha)}

Nach Wahl von \beta ist der Nenner niemals Null, die Funktion ist also sinnvoll definiert.

Nun gilt für alle x>\beta:

h(x)-L = \frac{f(x)-f(\alpha)}{g(x)-g(\alpha)}-L
             = \frac{f(x)-f(\alpha)-Lg(x)+Lg(\alpha)}{g(x)-g(\alpha)}
             = \frac{f(x)-Lg(x)+Lg(\alpha)-f(\alpha)}{g(x)-g(\alpha)}
             =\frac{\frac{f(x)}{g(x)}-L+\frac{Lg(\alpha)-f(\alpha)}{g(x)}}{1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}}.

Dies lösen wir nach \frac{f(x)}{g(x)}-L auf und erhalten:

\frac{f(x)}{g(x)} -L= (h(x)-L)\left(1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right)+\frac{f(\alpha)-Lg(\alpha)}{g(x)}.

Nun nehmen wir den Betrag auf beiden Seiten und erhalten mit der Dreiecksungleichung:

\left|\frac{f(x)}{g(x)} -L\right|
                                        \leq |h(x)-L| \left|1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right| + \frac{\left| f(\alpha)-Lg(\alpha)\right|}{|g(x)|}
.

Wir müssen nun noch zeigen, dass dieser Ausdruck kleiner als \varepsilon wird, wenn x groß genug wird.

Weil g(x) gegen unendlich geht, erhalten wir die folgenden Grenzwerte:

\lim_{x\to\infty} \left|1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right| =  1 \quad und  \quad \lim_{x\to\infty}\frac{\left| f(\alpha)-Lg(\alpha)\right|}{|g(x)|} = 0  .

Weil \left|1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right| gegen 1 konvergiert, wird es irgendwann kleiner als 2 sein. Und weil \frac{\left| f(\alpha)-Lg(\alpha)\right|}{|g(x)|} gegen 0 konvergiert, wird es irgendwann kleiner als \frac{\varepsilon}{2} sein. Kombinieren wir diese beiden Ideen, so wissen wir, dass es ein \gamma>\beta gibt, sodass für alle x>\gamma die beiden folgenden Abschätzungen gelten:

\left|1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right| < 2 und \frac{\left| f(\alpha)-Lg(\alpha)\right|}{|g(x)|} < \frac{\varepsilon}{2}.

Nun, wo wir die Zahl \gamma fixiert haben, sei x eine beliebige reelle Zahl größer als \gamma. Dann gilt:

\left|\frac{f(x)}{g(x)} -L\right|                                          \leq |h(x)-L| \underbrace{\left|1-\frac{g(\alpha)}{g(x)}\right|}_{<2} + \underbrace{\frac{\left| f(\alpha)-Lg(\alpha)\right|}{|g(x)|}}_{<\varepsilon/2}
                                                                                 <    |h(x)-L|\cdot 2 + \frac{\varepsilon}{2}.

Der Ausdruck |h(x)-L| wird nun mit Cauchy's Mittelwertsatz behandelt:

|h(x)-L| = \left|\frac{f(x)-f(\alpha)}{g(x)-g(\alpha)}-L\right| = \left|\frac{f'(\xi)}{g'(\xi)}-L\right|<\frac{\varepsilon}{4}.

Die Zahl \xi liegt irgendwo zwischen \alpha und x und die letzte Abschätzung folgt aus der Definition von \alpha am Beginn dieses Beweises.

Zusammengefasst heißt das nun, dass wir für jedes \varepsilon>0 eine Zahl \gamma konstruiert haben, sodass für alle  x>\gamma gilt:

\left|\frac{f(x)}{g(x)} -L\right| <    |h(x)-L|\cdot 2 + \frac{\varepsilon}{2} < \frac{\varepsilon}{4}\cdot 2 + \frac{\varepsilon}{2} = \varepsilon.

Das war zu zeigen.

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Werkzeuge
Drucken/exportieren