Beweisarchiv: Analysis: Konvergenz: Herleitung des WALLIS-Produktes

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Beweisarchiv: Analysis

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[Bearbeiten] Herleitung des Wallis Produktes

Das Wallis-Produkt ist eine Näherungsformel zur Berechnung von \frac{\pi}{2}.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Konvergenz des Wallis-Produktes zu zeigen. Eine Herleitung mit analytischen Mitteln soll hier kurz vorgestellt werden. Es mag sein, dass die folgenden Schritte nicht sofort intuitiv nachvollziehbar sind, da gute mathematische Grundkenntnisse vorausgesetzt werden. Jedoch ist dieser Ansatz ein raffinierter Weg, den Grenzwert zu bestimmen, den es zu betrachten lohnt.


[Bearbeiten] Vorbereitungen

Man untersucht die Folge  i_{n} := \int\limits_{0}^{\frac{\pi}{2}} {\sin (x)}^{n} \mathrm{d}x   mit    n \in \mathbb{N}_{0}.


a)   Je zwei Glieder von in sind rekursiv vernüpft durch  i_{n+2} = \frac{n+1}{n+2} \cdot i_{n} mit den Anfangsbedingungen i_{0} = \frac{\pi}{2} und i1 = 1.

Beweis: durch partielle Integration:

 i_{n+2} = \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2} } \sin {(x)}^{n+2} \, \mathrm{d}x = \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2} } \sin {(x)}^{n+1} \cdot \sin(x) \, \mathrm{d}x = \left[ \sin {(x)}^{n+1} \cdot \left(- \cos {(x)} \right) \right]_{0}^{ \frac{\pi}{2}} - \int\limits_{0}^{ \frac{ \pi }{2} } (n+1) \cdot \sin {(x)}^n \cdot \cos (x) \cdot \left( - \cos (x) \right) \mathrm{d}x =(n+1) \cdot \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2}} \sin (x)^n \cdot \cos (x)^2 \mathrm{d}x =(n+1) \cdot \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2}} \sin (x)^n \cdot \left( 1- \sin (x)^2 \right) \mathrm{d}x =(n+1) \cdot \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2}} \left( \sin (x)^n - \sin (x)^n \cdot \sin (x)^2 \right) \mathrm{d}x =(n+1) \cdot \left( \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2}} \sin (x)^n \mathrm{d}x - \int\limits_{0}^{ \frac{\pi}{2}} \sin (x)^n \cdot \sin (x)^2 \mathrm{d}x \right) =(n+1) \cdot (i_n-i_{n+2})

Umordnung des Resultates i_{n+2}=(n+1) \cdot (i_n-i_{n+2}) ergibt i_{n+2} = \frac{n+1}{n+2} \cdot i_n


b)   Man kann die Quotientenfolge \frac{i_{n}}{i_{n+1}} abschätzen durch 1 \le \frac{i_n}{i_{n+1}} \le  1+ \frac{ 1 }{n+1}. Dies ist gleichbedeutend mit \lim_{n \to \infty} \frac{ i_n }{ i_{n+1} } = 1.


Beweis:

Sei x \in [0;\frac{\pi}{2}]. Dann gilt 0 \le \sin (x) \le 1 .  \Longrightarrow \, \, \sin (x)^{n+1} \le \sin (x)^n \Longrightarrow \, \, \frac{ i_n }{ i_{n+1} } \le \frac{ i_n }{ i_{n+2} }

Wegen der Rekursionsformel gilt: \frac{ i_n }{ i_{n+2} } = \frac{n+2}{n+1} = 1 + \frac{1}{n+1}

Zusammengefasst gilt: 1 \le \frac{i_n}{i_{n+1}} \le \frac{i_n}{i_{n+2}} = 1+ \frac{ 1 }{n+1}.

Der Quotient \frac{i_n}{i_{n+1}} wurde hierdurch per Sandwich eingegrenzt 1 \le \frac{i_n}{i_{n+1}} \le  1+ \frac{ 1 }{n+1}.

[Bearbeiten] Definition der WALLIS-Folge

Nach diesen Vorbereitungen wird nun die "WALLIS-Folge" definiert zu   w_{n}:=\frac{i_{2n}}{i_{2n+1}}.

Die Konvergenz dieser Folge ist auf zwei Wegen ersichtlich. Deren Kombination führt direkt zum WALLIS-Produkt:

a)  

Analog zu in besitzt auch wn eine rekursive Darstellung w_{n} = w_{n-1} \cdot r_n   mit Faktor   r_n:=\left( 1 - \frac{1}{4 n^2} \right).

Beweis:  

\frac{w_n}{w_{n-1}} =w_n \cdot \left( w_{n-1} \right)^{-1} =\frac{i_{2n}}{i_{2n+1}} \cdot \frac{ i_{2(n-1)+1} }{i_{2(n-1)}} =\frac{i_{2n}}{i_{2n+1}} \cdot \frac{i_{2n-1}}{i_{2n-2}} =\frac{i_{2n-1}}{i_{2n+1}} \cdot \frac{i_{2n}}{i_{2n-2}} =\left( \frac{i_{2n+1}}{i_{2n-1}} \right)^{-1} \cdot \frac{i_{2n}}{i_{2n-2}} =\left( f_{2n-1} \right) ^{-1} \cdot f_{2n-2} =\frac{(2n-1)+2}{(2n-1)+1} \cdot \frac{(2n-2)+1}{(2n-2)+2} =\frac{(2n+1) \cdot (2n-1)}{(2n)^2} =\frac{4n^2-1}{4n^2} =1-\frac{1}{4n^2} = rn


Mit Hilfe der rekursiven Verknüpfung rn zweier Glieder von wn kann man auch etwas über das Verhalten von wn für große n sagen. Die Taktik hier ist die Verknüpfung konkreter Folgenglieder wn durch den Rekursionsfaktor rn, wobei alle unerwünschten Terme durch ständiges ineinander Einsetzen der Erkenntnisse eliminiert werden:

 w_1 = w_0 \cdot r_1

w_2=w_1 \cdot r_2 = w_0 \cdot r_1 \cdot r_2

w_3=w_2 \cdot r_3 = w_0 \cdot r_1 \cdot r_2 \cdot r_3

 \vdots

 w_n = w_0 \cdot \prod_{i=1}^{n} r_i

 \vdots

 \lim_{n \to \infty} w_n = w_0 \cdot \prod_{i=1}^{\infty} r_i mit w_0 = \frac{\pi}{2}     (\mathfrak{b})


b)    

Die Erkenntnis über den Quotienten \frac{i_n}{i_{n+1}} aus der Vorbereitung liefert \lim_{n \to \infty}w_n=\lim_{n \to \infty}\frac{i_{2n}}{i_{2n+1}}=\lim_{n \to \infty} \frac{ i_n }{ i_{n+1} }=1     (\mathfrak{a})


Man hat nun zwei präzise Angaben über das Verhalten von wn für große n erhalten.

Durch Gleichsetzen von (\mathfrak{a}) und (\mathfrak{b}) ergibt sich das WALLIS-Produkt zu   \frac{\pi}{2} \cdot \prod_{i=1}^{\infty}{\left( 1 - \frac{1}{4 i^2} \right)} = 1.

Durch elementare Umformungen erhält man die optisch ansprechendere Darstellung \frac{\pi}{2} = \prod_{i=1}^{\infty}{ \frac{ 4 i^2 }{4 i^2 - 1}}.

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