Die Kommunikationsschwelle in öffentlichen Nahverkehrsmitteln/ Bedeutung von Kommunikation im urbanen Raum
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Als definitorische Merkmale von Urbanität gelten Heterogenität, eine große Dichte und eine hohe Anzahl von Menschen (Maier-Rabler 1995, S. 4).
Europäische Städte machen momentan den zweiten großen Transformationsprozess seit ihrem Bestehen durch. (ebenda, Seite 6ff.) Die mittelalterlichen Stadtstrukturen wurden im 19. Jahrhundert den Erfordernissen der Industrialisierung angepasst. Jetzt wird die Stadt den Erfordernissen der Informationsgesellschaft angepasst. Die Informationsgesellschaft ist gekennzeichnet durch einen dominierenden, informationsverarbeitenden Dienstleistungssektor in der Wirtschaft und die zunehmende Verbreitung neuer Kommunikationstechnologien so wie deren Verschmelzung in Form des Internet.
Verkehrsnetze stellen als Problemfeld der industrialisierten Gesellschaft eine Parallele zu den Datennetzen als Problemfeld der postindustriellen Informationsgesellschaft dar. In der Tat erfüllen Verkehrsnetze gleichzeitig die Funktion von Datennetzen, wenn Informationen mit physischen Elementen verknüpft sind. Boten transportierten Informationen über die gleichen Wege, über die Händler Waren beförderten. Informationsaustausch war lange Zeit eine Nebenfunktion physischer Ortsveränderungen, schlicht und einfach aus dem Grunde, dass jemand der von einem anderen Ort kommt anderes erlebt hat. Seit der Entstehung von Massenmedien, und mehr noch seit der Entstehung von digitalen Datennetzen, ist Kommunikation immer mehr zu einem Zweck an sich geworden, zu etwas, dass nicht mehr nebenbei als selbstverständlich vorhandene, aber nicht absichtlich geschaffene Möglichkeit der Warenhandelsinfrastruktur, sondern über eine eigene Informationsinfrastruktur stattfindet.
Kommunikation allerdings, als die Möglichkeit des Austausches zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, war also schon immer eine zentrale Funktion der Stadt. Es wäre anzunehmen, dass neue Kommunikationstechnologien mit ihrer dezentralisierenden Tendenzen die Stadt als Kommunikationsraum überflüssig machen. Das ist aber nicht so, denn die Struktur der Dienstleistungsindustrie mit ihrer Tendenz zu Spezialisierung erfordert räumliche Nähe. Vor allem „sperrige Information“ wie beispielsweise Geruch, Ausstrahlung, Sympathie lässt sich nur schwer in Datennetzen übertragen. Aber genauso wie es naiv wäre anzunehmen, neue Kommunikationstechnologien würden alte ersetzen, wäre es ebenso naiv anzunehmen, sie würden sie unbeeinflusst lassen. (ev. Quellen, Zitate?)
Die definitorischen Merkmale von Urbanität sind, wie oben erwähnt, Anzahl, Dichte und Heterogenität. Diese Merkmale erzeugen Spannungsfelder, die Potential für Entwicklung und Kreativität, aber auch zu Ungleichheit und sozialen Probleme mit sich bringen. Um die positiven Auswirkungen dieser Spannungsfelder zu verstärken und die negativen abzuschwächen, fällt der Kommunikation, genauer gesagt der Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zwischen heterogenen Teilen des Stadtgefüges, eine Schlüsselfunktion zu.
Diese Merkmale von Urbanität finden sich auch in öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie U-Bahn, Stadtbus oder Straßenbahn. Dort sieht der einzelne Mensch, der sich auch als Stadtbewohner meistens eingebunden in kleinere soziale Strukturen wie Familie oder Arbeitsplatz bewegt, mit diesen Merkmalen konfrontiert. Aber im Gegensatz zu etwa einer belebten Einkaufsstraße verweilen die Menschen in öffentlichen Nahverkehrsmitteln eine Zeit lang nebeneinander, es kommt unvermeidlich zu sozialer Interaktion. Die Fahrgäste blicken einander an, weichen den Körpern oder den Blicken der anderen aus, machen sich Gedanken über ihre Mitfahrer. Aber kommt es auch zu Kommunikation?