Die Kommunikationsschwelle in öffentlichen Nahverkehrsmitteln/ Charakteristika zwischenmenschlicher Kommunikation im öffentlichen Raum
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Kurt Lewin (Vgl.: Lewin, 1969) sieht in seiner Analyse des sozialen Abstands eine Möglichkeit, zwischen einem öffentlichen und einem privaten Bereich des Persönlichen deutlich zu unterscheiden. Lewin unterscheidet zwischen einem „peripheren“ Raum und den „zentralen“ Regionen einer Person. Den zentralen Regionen ist alles Intime, Persönliche vorbehalten. Das Individuum ist in diesem Bereich empfindlicher als im peripheren. Der periphere Bereich ist durch größere Offenheit gekennzeichnet, der Einzelne leistet hier weniger Widerstand gegen teilnehmende Aktionen von außen. Es stellt sich hier die Frage, ob es eine unterschiedliche Grenzziehung zwischen dem zentralen und peripheren Bereich gibt und in welche Richtung sich die Kommunikation zwischen Individuen mit deutlich unterschiedlicher Differenzierung zwischen öffentlich und privat in weiterer Folge entwickelt.
Die wechselseitige Bedingtheit und Abhängigkeit von Individuellem und Gesellschaftlichem, von zwischenmenschlicher Kommunikation und dem topologischen Verhältnis der Regionen des Öffentlich-Peripheren und des Persönlich-Zentralen im Individuum liegt auf der Hand. In einer Studie von Hans Paul Bahrdt (Vgl.: Bahrdt, 1971) wurde festgestellt, was sich auf dem Markt im weitesten Sinne, also auch auf der Ladenstraße eines städtischen Vorortes oder im Geschäftsviertel einer Großstadt, anschaulich beobachten lässt. Nämlich, dass im städtischen Raum nicht Exponenten von Gruppen, sondern Einzelpersonen die Kontakte aufnehmen. Ihre Begegnungen werden nach gewissen Regeln abgewickelt, die Beziehungen sind aber keine dauerhaften. Ein großer Teil der aufgenommenen Kontakte dient nur dem Zweck, jeden ungestört seiner Wege gehen zu lassen. In typisch städtischen Situationen bleibt außerdem die Integration des Einzelnen unvollständig. Die Gruppenzugehörigkeit des einzelnen spielt im öffentlichen Raum eine untergeordnete Rolle. Eine derart unvollständige Integration gibt es dagegen nicht in einem "geschlossenen System", einer Sozialordnung, in der so gut wie alle sozialen Beziehungen durch ein dichtes, theoretisch lückenloses Netz personaler Bindungen vermittelt sind. Die Individualität bleibt hier eingehüllt in die Erscheinungsform der sozialen Gruppe. Eine Begegnung der Individuen als Individualitäten wird nur dort möglich, wo die Integration unvollständig ist. Bahrdt stellt auch eine "sorgfältig gepflegte Distanz" bei zwischenmenschlicher Kommunikation im städtischen Raum fest, die zur Folge hat, dass nur ein kleiner, zufälliger, abstrakter Ausschnitt der Persönlichkeit sichtbar wird. Persönliches, das für die Öffentlichkeit sozialer Kontakte zu empfindlich ist, versucht man zu verdecken, zu privatisieren. In einem geschlossenen System ist eine Privatisierung, also eine Aussonderung ganzer Lebensbereiche aus den übergreifenden sozialen Zusammenhängen nicht möglich. So wird im nicht durchstrukturierten öffentlichen Raum dem Einzelnen die Möglichkeit gegeben, seine soziale Rolle zu manipulieren bzw. soziale Rollen zu entwickeln und sie je nach Situation auszuwechseln. Die Aussonderung von Persönlichem in einer Gesellschaft ist also nur dann denkbar, wenn unvollständige Integration vorliegt, d.h. wenn Beliebigkeit und Distanz charakteristisch sind für einen Großteil der sozialen Kontakte. Die unvollständige Integration erweckt das Bedürfnis nach Privatisierung, ist aber auch die Voraussetzung dafür, dass sie praktiziert werden kann.