Einführung in die Soziologie/ Einführung

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Soziologie (lat. socius „Gefährte“ und -logie (von griechisch lógos: Lehre) ist die Wissenschaft von den Voraussetzungen, Abläufen und Folgen des Zusammenlebens von Menschen; die Lehre vom menschlichen Zusammenleben, von der Gesellschaft und den Wirkweisen des Sozialen aus mikro-, meso- und/ oder makrologischer Perspektive.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Über dieses Buch

Dieses wikibook ist für all diejenigen gedacht, die die Soziologie kennen lernen wollen, ohne sich gleich kopfüber in dicke Bücher eingraben zu müssen. Es ist eine Einführung in ein komplexes und heterogenes Feld, die nichts übermäßig kompliziert erklärt, aber auch nicht auf Fachwörter verzichtet, denn ohne ebendiese wäre eine weitere Beschäftigung mit der Soziologie unnötig verkompliziert, werden doch die Beherrschung von Fachvokabular, Recherchefähigkeiten (zum Beispiel nach ebendiesem Fachvokabular) und die Fähigkeit zum verstehenden Lesen komplizierter und langer Texte wenn nicht vorausgesetzt, so doch gefordert.

Zunächst wird dafür das Feld eingegrenzt auf dem wir uns im Folgenden bewegen werden, danach wird Anhand von konkreten Beispielen erläutert, wie Textarbeit in der Soziologie durchgeführt werden kann. Mit diesem Wissen ausgestattet beginnen wir dann die Beschäftigung mit einigen Teilbereichen der Soziologie Anhand weiterer Grundlagentexten.

[Bearbeiten] Was ist Soziologie?

Die Soziologie ist eine multiparadigmatische Wissenschaft. Es existieren eine Vielzahl von Theorien parallel zueinander, die sich durchaus auch widersprechen können. Neueinsteigern bereitet gerade diese Theoriefülle so manches Kopfzerbrechen, nichtsdestotrotz ist ein so komplexes Phänomen wie "das Soziale" anders nicht zu fassen. Wobei die Vorstellung der Theorien als Brillen mit unterschiedlicher Vergrößerungskraft häufig hilft, um zu verstehen was hier gemeint ist: Für ein möglichst großes Blickfeld nimmt man ein Fischauge, für ein möglichst detailliertes ein Mikroskop. Analog strukturiert eine Theorie unsere Wahrnehmung: Eine Makro-Theorie für die großen Zusammenhänge ("Gesellschaft"), eine Meso-Theorie auf der mittleren Ebene (Organisationen oder Institutionen) oder eine Mikro-Theorie für Details (persönliche Interaktion).


Als systematisch-kritische Wissenschaft des Sozialen ging die Soziologie aus dem Zeitalter der Aufklärung hervor und nimmt eine vermittelnde Stellung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ein. Ihren Namen erhielt sie ursprünglich von Auguste Comte (1778-1857), bevor sie sich in der späten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eigenständige universitäre Disziplin durchsetzte. Ferdinand Tönnies, Georg Simmel und Max Weber gelten als Begründer der deutschsprachigen Soziologie.


Emile Durkheim, einer der Begründer der Soziologie.

Die Soziologie ist ein Zweig der Sozialwissenschaft, der die systematischen Methoden der empirischen Untersuchung und kritischen Analyse verwendet, um das Wissen über die menschlichen Sozialstrukturen aufzubauen und zu verfeinern. Manchmal geschieht das mit dem Ziel, um die Kenntnisse für die Erstellung politischer Richtlinien zu verwenden und die allgemeine soziale Fürsorge zu fördern. Die Themen reichen dabei von der Mikro- bis zur Makroebene. Mikrosoziologie beinhaltet das Studium von Menschen in direkten Interaktionen. Mesosoziologie analysiert die Einbettung der Individuen in soziale Teilsysteme, wie z.b. Organisationen. Makrosoziologie beinhaltet das Studium von weitverbreiteten sozialen Prozessen.

Soziologie ist eine breite Lehre sowohl in Bezug auf die Methodik als auch auf den Gegenstand. Die traditionellen Schwerpunkte beinhalten soziale Beziehungen, soziale Schichten, soziale Interaktion, Kulturen, Abweichungen und deren Annäherungen. Enthalten sind sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden. Vieles was Menschen machen passt in die Kategorie der sozialen Struktur oder sozialen Aktivität. Die Soziologie hat sich allmählich auch auf Themen wie die Untersuchung der wirtschaftlichen Aktivität, gesundheitliche Ungleichheiten und sogar die Rolle des sozialen Handelns im Aufbau von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgedehnt. [1] Der Bereich der sozialwissenschaftlichen Methoden hat sich ebenfalls weit ausgedehnt. Die "kulturelle Wandlung" der 1970er und 1980er brachte mehr humanistisch interpretierte Ansätze zur Lehre über die Kultur in der Soziologie. Umgekehrt wuchsen in der selben Zeit neue, mathematische strenge Konzepte wie die Analyse sozialer Netzwerke.

Die soziale Welt ist im Wandel. Einige argumentieren sie wachse; andere sagen sie würde schrumpfen. [2] Wichtig ist aber zu begreifen, dass sich die Gesellschaft stetig verändert. Weiter unten wird detailierter erörtert, dass die Soziologie ihre Wurzeln in bedeutenden gesellschaftlichen Veränderungen wie z. B. der industriellen Revolution, der Schaffung von Weltreichen oder dem Zeitalter der Aufklärung hat. Frühe Praktiker entwickelten diese Lehre als einen Versuch, um soziale Veränderungen zu verstehen.

Einige frühe soziologische Theoretiker wie z. B. Marx, Weber oder Durkheim waren beunruhigt von den sozialen Prozessen von denen sie glaubten, dass sie der Antrieb der Veränderung seien. Zu diesen Prozessen gehört z. B. das Streben nach Solidarität, die Verwirklichung sozialer Ziele und der Aufstieg und Fall von Klassen. Die Gründer der Soziologie waren einige der ersten die sich mit dem beschäftigten, was C. Wright Mills (ein bekannter, amerikanischer Soziologe des 20-Jahrhundert) als "soziologische Phantasie" beschrieb: die Fähigkeit, persönliche Probleme innerhalb eines informierten Rahmens zu benennen. [3] Mills schlug vor:

"What people need... is a quality of mind that will help them to use information and to develop reason in order to achieve lucid summations of what is going on in the world and of what may be happening within themselves. The sociological imagination enables its possessor to understand the larger historical scene in terms of its meaning for the inner life and the external career of a variety of individuals." ["Was die Menschen brauchen, ist eine Qualität des Geistes, die ihnen hilft, Informationen zu verwenden und ein Bewusstsein zu entwickeln, um zu verstehen, was in der Welt los ist und was in ihnen selbst geschieht. Die soziologische Phantasie ermöglicht es seinem Besitzer, große, historische Szenen in Hinblick auf ihre Bedeutung für das innere Leben und die externe Karriere von einer Vielzahl von Menschen zu verstehen."] [3]

Mills sah, dass die soziologische Phantasie den Menschen helfen kann, mit der sozialen Welt zurechtzukommen und aus ihrer eigenen, selbst-zentrierten Welt herauszutreten. Wenn sich die Menschen mit der sozialen Phantasie befassen, sind sie in der Lage, zu erkennen wie die Ereignisse und sozialen Strukturen Verhalten, Haltungen und Kultur beeinflussen.

Die soziologische Phantasie geht über die Sessel Soziologie und den normalen Menschenverstand hinaus. Viele Menschen glauben, sie verstehen die Welt und die darin stattfinden Ereignisse, auch wenn sie noch keinen systematischen Versuch unternommen haben, die soziologische Welt so zu verstehen wie es Soziologen tun. Menschen neigen dazu, Gründe für Ereignisse zu suchen und versuchen dann zu verstehen, was um sie herum geschieht.[4] Das ist auch der Grund, weshalb die Menschen schon seit Jahrhunderten mit religiösen Zeremonien versuchen, den Willen der Götter für sich zu gewinnen. Sie glauben, dass die Götter bestimmte Elemente der Natur wie z. B. das Wetter kontrollieren. Genauso wie das opfern zweier Ziegen um den sicheren Betrieb einer Boeing 757 zu gewährleisten (und sich mit dem Hindu-Gott des Himmels Bhairab Akash zu versöhnen) ist es ein Versuch, die Welt zu beeinflussen, ohne vorher zu verstehen wie diese funktioniert.[5] Sessel Soziologie ist der Versuch die soziale Welt zu verstehen, ohne dabei mit wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten.

Es wäre falsch zu sagen, dass Soziologen nie sitzen würden (manchmal sogar in gemütlichen Sesseln) während sie versuchen, herauszufinden, wie die Welt funktioniert. Aber die Induktion ist nur ein erster Schritt zum Verständnis der sozialen Welt. Um ihre Theorien zu testen, stehen Soziologen aus ihren Sesseln auf und begeben sich in die soziale Welt. Sie sammeln Daten und bewerten ihre Theorien anhand der erhobenen Daten (Deduktion). Soziologen schlagen nicht nur Theorien darüber vor, wie die soziale Welt funktioniert. Soziologen testen ihre Theorien auch mit wissenschaftlicher Methodik.

Wie alle Menschen haben Soziologen Werte, Glauben und sogar vorgefasste Vorstellungen davon, was sie bei ihren Forschungen herausfinden werden. Aber wie auch Peter Berger, ein bekannter deutscher Soziologe, argumentierte: "[the] sociologist tries to see what is there. He may have hopes or fears concerning what he may find. But he will try to see, regardless of his hopes or fears. It is thus an act of pure perception..." ["Der Wissenschaftler unterscheidet sich von einem Laien dadurch, dass er versucht zu erkennen, was da ist. Er mag vielleicht Hoffnungen oder Befürchtungen haben vor dem was er findet, aber er wird versuchen zu sehen was da ist - unabhängig von seinen Hoffnungen oder Befürchtungen. Es ist also ein Akt der reinen Wahrnehmung..."][6]

Soziologie ist ein Versuch, die soziale Welt anhand von Ereignissen in ihrer entsprechenden Umgebung (z. B., soziale Struktur, Kultur oder Geschichte) und der Sammlung und Analyse von empirischen Daten zu verstehen.

[Bearbeiten] Geschichte

Die Soziologie ist eine relativ junge Wissenschaftsdisziplin. Sie entstand im früheren 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Herausforderungen der Moderne. Zunehmende Mobilität und der technologische Fortschritt führten zu einer zunehmenden Exposition von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Gesellschaften von ihrer eigenen. Die Auswirkungen dieser Exposition variierten, aber für manche Menschen schloss sie den Zusammenbruch von Traditionen und Gewohnheiten ein und gewährleistete ein Verständnis dafür, wie die Welt funktioniert. Soziologen reagierten auf diese Veränderungen, indem sie versuchten zu verstehen, was soziale Gruppen zusammenhält und durch die Erforschung möglicher Lösungen gegen den Abbau der sozialen Solidarität.

[Bearbeiten] Auguste Comte und andere Gründer

Auguste Comte, der den Begriff Soziologie prägte

Der Begriff Soziologie wurde von Auguste Comte (1798-1857) 1838 vom lateinischen Wort socius (Gefährte, Geselle) und dem griechischen Wort logia (Lehre des Sprechens) geprägt. Comte hoffte, alle Wissenschaften unter der Soziologie zu vereinheitlichen; er glaubte, die Soziologie hätte das Potential, die Gesellschaft und die direkten menschlichen Tätigkeiten, inklusive der Wissenschaften zu verbessern.

Während diese Theorie die Soziologie nicht länger beschäftigte, argumentierte Comte für ein Verständnis der Gesellschaft das er The Law of Three Stages [Das Gesetz der drei Phasen] nannte. Comte glaubte, wie alle aufgeklärten Denker, dass die Gesellschaft sich in Phasen entwickelt. Die erste war die theologische Phase in welcher die Menschen eine religiöse Sicht auf die Gesellschaft hatten. Die zweite war die metaphysische Phase in welcher die Menschen die Gesellschaft als eine natürliche verstanden (nicht übernatürliche). Comtes letzte Phase war die positive wissenschaftliche Phase, von der er glaubt, sie sei die Spitze der gesellschaftlichen Entwicklung. In der wissenschaftlichen Phase würde die Gesellschaft durch zuverlässiges Wissen und im Lichte der Erkenntnisse aus Wissenschaft, hauptsächlich der Soziologie, geregelt sein. Während vage Verbindungen zwischen Comtes Law und der menschlichen Geschichte zu sehen sind, sieht die Soziologie Comtes Ansatz über die soziale Entwicklung als stark vereinfacht und schlecht begründet an. Siehe auch demographische Übergangstheorie.

Andere klassische Theoretiker der Soziologie aus dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert waren Karl Marx, Ferdinand Toennies, Emile Durkheim, Vilfredo Pareto, und Max Weber. Als Pioniere der Soziologie waren die meisten von ihnen in anderen akademischen Gebieten gebildet. Darunter Geschichte, Philosophie und Wirtschaftswissenschaft. Die Vielfalt dieser Ausbildungen spiegelt sich auch in den Gebieten, die sie erforschten, wider, wie z. B. Religion, Bildung, Ökonomie, Psychologie, Ethik, Philosophie und Theologie. Vielleicht mit Ausnahme von Marx, hatten sie ihren größten und immer noch am meisten angesehenen Einfluss in der Soziologie.

[Bearbeiten] Die Entwicklung der Lehre

Das erste Buch mit dem Begriff Soziologie im Titel wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem englischen Philosophen Herbert Spencer geschrieben. In den Vereinigten Staaten wurde das erste Soziologie Studium 1890 an der Universität von Kansas, Lawrence unter dem Titel Elemente der Soziologie unterrichtet (das älteste, noch unterrichtete Sozial Studium der USA). Das erste vollwertige Studium für Soziologie in den Vereinigten Staaten wurde im Jahre 1892 an der Universität von Chicago von Albion W. Small eingeführt, welcher 1895 das American Journal of Sociology gründete. Das erste europäische Studium für Soziologie wurde 1895 an der Universität von Bordeaux von Emile Durkheim eingeführt. Er gründete auch 1896 das Année Sociologique. Im Jahre 1919 wurde ein Soziologie Studium in Deutschland an der Ludwig-Maximilians-Universität München eingeführt. Damals von Max Weber. 1920 wurde dann von Florian Znaniecki ein Soziologie Studium in Polen eingeführt. In Großbritannien wurde das erste Soziologische Studium nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt.

Die internationale Zusammenarbeit in der Soziologie begann im Jahre 1893 als Rene Worms das kleine Institut International de Sociologie gründete, welches aber 1949 in den Schatten der viel größeren International Sociological Association geriet. 1905 wurde die weltweit größte Vereinigung von professionellen Soziologen unter dem Namen American Sociological Association gegründet.

[Bearbeiten] Frühe soziologische Studien

Das Einsatzgebiet früher soziologischer Studien wurde zu den Naturwissenschaften wie Physik oder Biologie gezählt. Daraus resultierte, dass viele Forscher argumentierten, die Methoden der Naturwissenschaft würden auch perfekt für die Sozialwissenschaft geeignet sein. Durch die Verwendung von wissenschaftlichen Methoden und der Betonung des Empirismus hatte die Unterscheidung der Soziologie von der Theologie, Philosophie und der Metaphysik zum Effekt.. Aus diesen Gründen wurde die Soziologie auch als empirische Wissenschaft anerkannt. Der von August Comte geführte frühe soziologische Ansatz führte zum Positivismus, einem methodischen Ansatz der auf dem soziologischen Naturalismus basiert. Das Ziel des Positivismus so wie der Naturwissenschaft ist die Vorhersage. Im Falle der Soziologie ist es die Vorhersage des menschlichen Verhaltens, was ein komplizierter Ansatz ist.

Schnell war klar, dass das Ziel, die Vorhersage des menschlichen Verhaltens, ein bisschen zu hoch war. Wissenschaftler wie Wilhelm Dilthey und Heinrich Rickert argumentierten, dass sich die natürliche Welt von der sozialen Welt unterscheidet. Im Gegensatz zu anderen Gesellschaften wie die von Tieren (die ihre "Kulturen" genetisch weitergeben), wird die menschliche Kultur von Generation zu Generation durch Sozialisation weitergegeben. Deshalb wurde ein weitere Ziel für die Soziologie vorgeschlagen. Max Weber[7] and Wilhelm Dilthey[8] führte das Konzept des verstehens ein[9]. Das Ziel des verstehens ist weniger das vorhersehen des Verhaltens, als viel mehr das verstehen des Verhaltens. Außenstehende Beobachter einer Kultur beziehen sich auf eine Stammbevölkerung in der die Beobachter und die beobachteten eigene Regeln haben, um die kulturellen Bedingungen zu verstehen. Bis zum erreichen des Verständnisses vom verstehen einer Kultur mit systematischen Methoden wie dem positivistischen Ansatz zur Vorhersage menschlichen Verhaltens, ist es oft ein subjektiver Prozess.

Die Unfähigkeit der Soziologie und anderen sozialen Wissenschaften zur perfekten Vorhersage des Verhaltens von Menschen oder das vollständige Verständnis verschiedener Kulturen führte dazu, dass die Sozialwissenschaft als "weiche Wissenschaft" bezeichnet wurde. Während einige diese Bezeichnung als herabwürdigend ansehen, ist es in gewissem Sinne ein Eingeständnis an die bemerkenswerte Komplexität der Menschen als soziale Tiere. Jedes Tier das so komplex ist wie der Mensch, ist daher schwierig in vollem Umfang begriffen zu werden. Hinzu kommt, dass die Menschen, die menschliche Gesellschaft und die menschliche Kultur sich ständig wandeln. Daher ist die Sozialwissenschaft im ständigen Fortschritt.

[Bearbeiten] Quantitative gegen qualitative Soziologie

In der modernen Soziologie wurden die unterschiedlichen Ansätze vom verstehen und der positivistische Soziologie jeweils als qualitative und quantitative Ansätze umformuliert. Die quantitative Soziologie wählt in der Regel einen breiten Ansatz zum Verständnis des menschlichen Verhaltens. Umfragen mit großen Teilnehmerzahlen werden in gesammelten Datensätzen anhand von Statistiken analysiert, was den Wissenschaftlern erlaubt, Muster im menschlichen Verhalten zu erkennen. Qualitative Soziologie bevorzugt die Tiefe über die Breite. Der qualitative Ansatz verwendet tiefgreifende Interviews, Testgruppen oder Analysen von Inhalten aus Quellen wir Büchern, Magazinen, Journalen, TV-Sendungen etc. als Datenquellen. Diese Quellen werden dann systematisch nach Mustern analysiert um ein besseres Verständnis über das menschliche Verhalten zu erlangen.

Die beiden Ansätze von qualitativer und quantitativer Soziologie aber strikt zu trennen wäre irreführend. Der erste Schritt in allen Wissenschaften ist es, eine Theorie und überprüfbare Hypothesen zu entwickeln. Es gibt zwar Personen, die mit der Analyse von Daten beginnen, ohne eine theoretische Orientierung zu haben[10], die meisten beginnen aber mit einer theoretischen Idee oder Frage und sammeln Daten um diese Theorie zu überprüfen. Der zweite Schritt ist die Erfassung von Daten. Hier unterscheiden sich die beiden Ansätze wirklich voneinander. Quantitative Soziologie konzentriert sich auf die breite Darstellung der Forschungsgebiete (z. B. verbringen christlich-konservative Väter mehr Zeit - gemessen in Stunden - mit ihren Kindern als nicht-gläubige Väter?[11]). Qualitative Soziologie konzentriert sich in den Ideen des Diskurs und der Rhetorik der Versuchspersonen (z. B. was ist die Erklärung homosexueller Männer, dass sie weiterhin Mitglied einer Religion sind, die ihre sexuelle Orientierung verurteilt?[12]). Das Ziel beider Ansätze ist es, eine Frage zu beantworten und / oder eine Theorie zu prüfen.

[Bearbeiten] Soziologie und andere soziale Wissenschaften

Die Sozialwissenschaften umfassen die Anwendung von wissenschaftlichen Methoden um die menschlichen Aspekte der Welt zu studieren. Die Psychologie studiert den menschlichen Verstand und die Mikro-Ebene (oder das individuelle) Verhalten. Soziologie untersucht die menschliche Gesellschaft und die Politikwissenschaft untersucht das regieren von Gruppen und Ländern, während die Kommunikationswissenschaft den Fluss des Diskurses über verschiedene Medien untersucht. Die Wirtschaft befasst sich mit der Produktion und Verteilung des Reichtums in der Gesellschaft und die Soziale Arbeit ist die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der sozialen Gesellschaft. Sozialwissenschaften weichen von der Humanities in so fern ab, als dass viele Sozialwissenschaften vorhaben, sich wissenschaftlicher Methoden zu bedienen oder andere strenge Maßstäbe bei der Beweisführung bei der Studie der Menschheit zu verwenden.

[Bearbeiten] Die Entwicklung der Sozialwissenschaft

In der antiken Philosophie gab es keinen Unterschied zwischen den freien Künsten der Mathematik und dem Studium von Geschichte, Poesie und Politik. Erst mit der Entwicklung des mathematischen Beweises hat sich allmählich eine wahrnehmbare Differenz zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen und den Humanities oder den freien Künsten ergeben. So studierte Aristoteles die Planetenbewegung und Poesie mit den selben Methoden. Plato vermischte geometrische Beweise mit seinen Demonstrationen des Zustands des inneren Wissens.

Diese beschreibende Einheit der Wissenschaft verblieb zum Beispiel in der Zeit von Thomas Hobbes der argumentierte, dass das deduktive bedenken von Axiomen einen wissenschaftlichen Rahmen schuf. Sein Buch Leviathan war eine wissenschaftliche Beschreibung eines politischen Gemeinwesens. Innerhalb von Jahrzehnten hatte in Hobbes' Arbeit eine Revolution stattgefunden, zusammengestellt aus Wissenschaft insbesondere mit der Hilfe von Isaac Newton in der Physik. Newton, veränderte die Rahmenbedingungen mit denen Menschen die Wissenschaft verstanden durch die damals sogenannte Revolutionierung der Naturphilosophie.

Während Newton lediglich die Urform eines beschleunigenden Trend war, lag für ihn der entscheidende Unterschied im mathematischen Fluss einer vermuteten Eigenständigkeit des Beobachters und dass es durch seine eigenen Regeln funktionierte. Für Philosophen dieser Zeit wurden der mathematische Ausdruck philosophischer Ideale auch symbolisch für natürliche menschliche Beziehungen übernommen. Die selben Gesetze bewegten die körperliche und geistige Wirklichkeit. Als Beispiele können genannt werden: Blaise Pascal, Gottfried Wilhelm Leibniz und Johannes Kepler. Jeder von ihnen nahm mathematische Beispiele direkt als Modell für menschliches Verhalten. In Pacals Fall war es eine berühmte Wette, bei Leibniz die Erfindung des Binärcodes und Kepler entdeckte die Bewegung der Planeten.

Im Bereich andrer Disziplinen erzeugte dies einen Druck, neue Ideen in der Form von mathematischen Beziehungen zu entwickeln. Solche Beziehungen - im Laufe der Zeit auch "Gesetze" genannt (siehe: Wissenschaftstheorie) - wurden das Modell, dass andere Lehren nachahmen würden. Im späten 19. Jahrhundert mehrten sich Versuche, der Gleichstellung von Aussagen über das menschliche Verhalten. Unter den ersten "Gesetzen" der Philosophie waren Versuche, die Veränderung von Lauten in einer Sprache über längere Zeit aufzuzeichnen. Im frühen 20. Jahrhundert kam eine Welle der Veränderung über die Wissenschaft. Die Statistik und die Wahrscheinlichkeitstheorie waren so weit entwickelt, dass sie als "wissenschaftlich" angesehen wurden. Dies sorgte für eine weite Verbreitung der Statistik in den Sozialwissenschaften (sie wurden auch in vielen anderen Wissenschaften wie Biologie angewendet).

Die ersten Denker, die versuchten die wissenschaftliche Forschung mit der Erforschung menschlicher Beziehungen zu kombinieren waren Sigmund Freud in Österreich und William James in den Vereinigten Staaten. Freuds Theorie über die Funktionsweise des Geistes und James' Arbeit an der experimentellen Psychologie hatten einen enormen Einfluss auf ihre Nachfolger.

Einer der überzeugendsten Verfechter der Ansicht für wissenschaftlichen Verfahrender Philosophie war John Dewey (1859-1952]]. Er begann wie Marx in einem Versuch den Hegelschen Idealismus mit der Logik der experimentellen Wissenschaft zu verschweißen, z. B. in seinem "Psychology" von 1887. Er gab jedoch die Hegelschen Konstrukte auf und schloss sich einer Bewegung an, die in Amerika als Pragmatismus bekannt war. So konnte beginnen, seine grundlegende Lehre über die Phasen des Prozesses der Nachforschung zu formulieren:

  1. Problematische Situation, deren typische Antwort unzureichend ist
  2. Isolierung von Daten oder Thema
  3. Reflektieren, was empirisch erprobt ist

Mit dem Aufkommen der Idee der quantitativen Messung in den Naturwissenschaften (vgl. z. B. Ernest Rutherford 's berühmte Maxime, dass jede Erkenntnis, die man nicht numerisch messen kann "eine schlechte Erkenntnis ist") war die Bühne frei für die Trennung der Studie der Menschheit in die Geisteswissenschaften und den Sozialwissenschaften.

[Bearbeiten] Soziologie Heute

Obwohl die Soziologie aus Comtes Visionen der Lehre entstand, die alle anderen Bereiche der wissenschaftlichen Nachforschung zusammenfasste, war das nicht die Zukunft der Soziologie. Weit davon entfernt, hat die Soziologie ihren Platz als eine bestimmte Perspektive beim untersuchen des menschlichen sozialen Lebens eingenommen.

In der Vergangenheit waren die soziologischen Forschung auf die Organisation von komplexen Industriegesellschaften und ihr Einfluss auf die einzelnen Menschen konzentriert. Heute studieren Soziologen eine breite Palette von Themen. Einige Beispiele für soziologische Forschungen sind Makro-Strukturen, die die Gesellschaft organisieren wie die Rasse, Volkszugehörigkeit, Geschlechterrollen und Institutionen wie die Familie. Andere Soziologen studieren soziale Prozesse die die Aufteilung von Makro-Strukturen repräsentieren, darunter soziale Abweichungen, Kriminalität und Scheidung. Zusätzlich studieren einige Soziologen die Mikro-Prozesse wie zwischenmenschliche Interaktionen und die Sozialisierung des Einzelnen. Es sollte erwähnt werden, dass die jüngsten Soziologen mit Hilfe von Anthropologen die westliche Betonung dieser Lehre verwirklichten. Im Gegenzug fördern viele soziologische Abteilungen auf der ganzen Welt jetztdie multi-kulturelle Forschung.

In den nächsten beiden Kapiteln dieses Buches wird der Leser in eine umfassendere Diskussion der Methoden und Theorien mit denen die Soziologie beschäftigt ist eingeführt. Die verbleibenden Kapitel sind Untersuchungen der aktuellen Gebiete dieser Lehre.

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Moore, Kelly. 2008. Disrupting Science: Social Movements, American Scientists, and the Politics of the Military, 1945-1975. Princeton University Press.
  2. Putnam, Robert D. 2001. Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community. 1. Auflage. Simon & Schuster.
  3. 3,0 3,1 Mills, C. Wright.. 2000. The Sociological Imagination. 40. Auflage Oxford University Press, USA.
  4. Boyer, Pascal. 2002. Religion Explained. Basic Books.
  5. Tierney, John. 2008. “Appeasing the Gods, With Insurance.” The International Herald Tribune, May 7 http://www.iht.com/articles/2008/05/07/healthscience/06tier.php (Accessed August 17, 2008).
  6. Berger, Peter L. 1963. Invitation to Sociology: A Humanistic Perspective. 1. Auflage. Anchor. ISBN 0385065299
  7. Weber, Max. 1997. The Theory Of Social And Economic Organization. Free Press.
  8. Dilthey, W. 1978. Descriptive Psychology and Historical Understanding. 1. Auflage. Springer.
  9. Glass, John E. 2005. “Visceral Verstehen.” Electronic Journal of Sociology.
  10. Denzin, Norman K., and Yvonna S. Lincoln. 2007. Collecting and Interpreting Qualitative Materials. dritte Auflage. Sage Publications, Inc.
  11. Civettini, Nicole H. W., and Jennifer Glass. 2008. “The Impact of Religious Conservativism on Men's Work and Family Involvement.” Gender & Society 22:172-193.
  12. Loseke, Donileen R., and James C. Cavendish. 2001. “Producing Institutional Selves: Rhetorically Constructing the Dignity of Sexually Marginalized Catholics..” Social Psychology Quarterly 64:347-362.

[Bearbeiten] Externe Links

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