Einführung in die Theorien der Internationalen Beziehungen: Konstruktivismus

Aus Wikibooks

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wikibooks buchseite.svg Zurück zu 6. Marxismus | One wikibook.svg Hoch zu Titelseite | Wikibooks buchseite.svg Vor zu 8. Postmoderne Theorien


Konstruktivismus
Erkenntniskategorien
  • - Interessenkonstruktion
  • - Identitäten und Ideale
  • - Veränderungen der Struktur des Staatensystems
Grundannahmen
  • - Die Struktur des internationalen Systems ist nicht unveränderlich, sondern wird von den Akteuren beständig konstruiert.
  • - Die selbst geschaffene Struktur wirkt sich wiederum auf die Akteure aus, die ihr Verhalten danach ausrichten.
  • - Wandel ist in diesem sich selbst beständig rekonstruierenden System durch Einzelakteure möglich, muss aber bestimmten Bedingungen genügen.
Zentrale Akteure
  • - Individuen
  • - Gruppen
  • - Staaten
  • - Zwischenstaatliche Institutionen (mittelbar)
Vertreter/innen
  • - Alexander Wendt
  • - Martha Finnemore
  • - Friedrich Kratochwil
  • - Christian Reus-Smit

[Bearbeiten] 7. Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen

In den 1980er Jahren beherrschten vor allem zwei Debatten das Forschungsfeld der Internationalen Beziehungen. Auf der einen Seite diskutierten strukturelle oder Neo-Realisten und Institutionalisten oder Neo-Liberale die Möglichkeiten der Staatengemeinschaft für Kooperation. Die Realisten vertraten eine pessimistischere Sichtweise und gingen davon aus, dass Kooperation zwischen Staaten nur dann stattfinde, wenn jeder Staat für sich einen relativen Gewinn daraus zieht. Das heißt, er muss mehr aus einem Handel ziehen als sein Handelspartner, andernfalls beende er die Kooperation. Die Institutionalisten hingegen glaubten, es reiche für die Staaten aus, wenn sie absolute Gewinne erzielten. Staaten würden so lange kooperieren, wie sie für sich unter dem Strich keinen Verlust bei dem Geschäft machten ("Geschäft" ist hier keineswegs nur ökonomisch gemeint, sondern kann z.B. auch Abrüstungsverträge oder grenzüberschreitende Umweltschutzverträge umfassen). Aufgrund der Ähnlichkeit in ihren Grundannahmen, die in der Annahme einer anarchischen Staatenwelt und dem, neben anderem, daraus hervogehenden Prinzip der Selbsthilfe aller Staaten bestanden, wurde die Diskussion zwischen den beiden Schulen auch "Neo-Neo-Debatte" genannt.

Die andere Diskussion fand zwischen Rationalisten und Vertretern der Kritischen Theorie statt. Letztere hielten den Rationalisten vor, sie wären sich der ihrer Theorie inneliegenden, aber versteckten normativen Aussagen nicht bewusst. Und Erstere behaupteten, die Kritische Theorie würde keine wirklich verwertbaren Erkenntnisse liefern. Aus diesem Streit bildeten sich im Laufe der 1990er Jahre, also nach Ende des Kalten Krieges, zwei neue Debatten heraus. Christian Reus-Smit (2005: 188) setzt in die Mitte dieser Debatten den aus der kritischen Theorie hervorgegangenen Konstruktivismus. Dieser stritt sich mit den Rationalisten auf der einen Seite, und auf der anderen Seite versuchte er sich gegen die ihm zugrunde liegende Kritische Theorie abzugrenzen.

In diesem Kapitel wird der Konstruktivismus als Theorie der Internationalen Beziehungen beschrieben. Seine grundlegenden Annahmen werden vorgestellt, und einige sich daraus ergebende Konsequenzen für die wissenschaftliche Betrachtung der Staatengemeinschaft erörtert.

[Bearbeiten] Literatur

  • Wendt, Alexander (1992): Anarchy is What States Make of it. The Social Construction of Power Politics, in: Inernational Organisation, 46, 2, Spring, S. 391-425.
  • Wendt, Alexander (1999). Social Theory of International Politics. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Finnemore, M. (1996). National Interests in International Society. Ithaca: Cornell University Press.

empfehlenswert auch als Sammelband: P. J. Katzenstein (ed.) (1996). The Culture of National Security: Norms and Identity in World Politics. New York: Columbia University Press.

[Bearbeiten] Links

[Bearbeiten] Übungen

Wikiversity

[Bearbeiten] Lizenz

CC SomeRightsReserved.png
Dieses Buch ist parallel zur GNU-FDL unter folgender Creative Comons-Lizenz erstellt worden:

CC-BY-SA 2.5 deutsch. Bei der Weiterverwendung kann eine der beiden Lizenzen gewählt werden.

Persönliche Werkzeuge