Faust II Zusammenfassung
Aus Wikibooks
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Der erste Akt
In der ersten Szene „Anmutige Gegend“ wird die inhaltliche Verbindung zwischen Faust I und II hergestellt. Der Luftgeist Ariel spricht in seinem Gesang von einem „grimmigen Strauß des Herzens“, von den „bittren Pfeilen des Vorwurfs“ und von „erlebtem Graus“. Damit kann nur Fausts Erlebnis in Gretchens Kerker gemeint sein, der innere Konflikt zwischen seiner Liebe und seinem unstillbaren Wissensdurst.
Jedoch überwindet Faust seine seelischen Schmerzen und Schuldgefühle durch einen Heilschlaf, der ihm mit Hilfe von Elfen Vergessen, Genesung und Stärkung bringt. All dies besingt Ariel und umreißt so, ebenso wie Raphael in der Tragödie erstem Teil, den kosmischen Rahmen des Dramas.
Darauf folgt der Monolog „des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig“, der deutlich mit dem Monolog der Nachtszene in Beziehung gesetzt ist.
Hier zeigt sich, dass Faust eine Entwicklung erfahren hat, da er erstmals die Schönheit eines Naturerlebnisses zu empfangen vermag (des Tagesanbruchs). Zwar nennt Faust das Streben nach dem „höchsten Dasein“ als Ziel, doch wird er nicht mehr von dem Anspruch gelenkt, ein Ebenbild einer Gottheit zu sein. Das Motiv des Strebens, das ebenfalls im ersten Teil des Werkes von großer Bedeutung ist, wird in einen anderen Zusammenhang gestellt. „Das Streben seiner ganzen Kraft“, welches der Wette mit Mephisto ihren Akzent gab, wird Mephisto im zweiten Teil zum Verhängnis.
Faust ist ebenfalls erstmals bereit, Lehren aus seinen Natureindrücken zu gewinnen. Diese Lehre wird erkenntlich, wenn man Fausts Blick folgt: Zunächst schaut er ins Tal, wo das Dunkel weicht und die Farben freigibt. Dann hebt er das Auge zu den Gipfeln, muss sich jedoch, von der Sonne geblendet, abkehren. Sein Blick wendet sich nun wieder der Erde zu, da er nicht fähig ist, das „Flammenübermaß“ zu ertragen. Schließlich lässt er die Sonne im Rücken und betrachtet einen Wasserfall, auf dem das Licht der Sonne alle Farben hervorbringt. Ihm wird bewusst, dass er sich mit seinem Erkenntnisdrang an den Regenbogen statt an die Sonne halten müsse, die ihn hervorbringe.
„Der spiegelt ab das menschliche Bestreben. Ihm sinne nach, und du begreifst genauer: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.“
Hieraus schließt er, dass eine unmittelbare Anschauung des Göttlichen den Menschen vorenthalten bleibe. Jedoch vermöge es der menschliche Geist, es an seinem Abglanz zu erfassen, das Wirkliche folglich als etwas zu sehen, das auf Göttliches hindeutet. Er empfindet die irdische Wirklichkeit als gleichnishaft.
In der zweiten Szene „Kaiserliche Pfalz“ – Saal des Thrones“ beginnt der zweite Teil von Mephistos „Reiseprogramm“ in die große Welt. Die erste Station der neuen Lebensreise führt Faust sogleich an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie des Mittelalters, an den kaiserlichen Hof. Das Reich befindet sich in der Auflösung, im Prozess des Niedergangs, der Kaiser ist verarmt. Es herrschen Habsucht, Korruption und Gewalt. Mephisto weist auf Schätze hin, die überall im Boden lägen und das Land retten könnten, doch der Kaiser möchte erst Karneval feiern.
Diese Feierlichkeiten werden in der dritten Szene „Weitläufiger Saal mit Nebengemächern“ vorgeführt. Die mittelalterliche Hofgesellschaft verkleidet sich und der Kaiser erscheint als „großer Pan“. Er kann dem Anblick des glühenden Goldes in einer Schatztruhe nicht widerstehen, verbrennt sich jedoch den Bart, bei dem Versuch, sich ihr zu nähern. Auf diese Weise wird der Kaiser als ewig unvernünftig demaskiert.
Darauf folgt die Szene im „Lustgarten“ in der nochmals die Unreife und Naivität des Kaisers dargestellt wird, der sich weitere „Scherze“ von Mephisto wünscht. Ebenfalls geht in dieser Szene die Meldung ein, dass das Land durch das von Mephisto ausgegebene Papiergeld gerettet sei.
In der Szene „Finstere Galerie“ wünscht der Kaiser durch „Helena und Paris“ amüsiert zu werden, was Faust zu einem Abstieg zu den „Müttern“ ins Reich „des nicht mehr Vorhandenen“ zwingt. Dort muss er den Dreifuß, das heilige Gerät Apolls (des Gottes der Dichtung) holen, welchen Mephisto benötigt, um die Figuren aus Homers Epos erscheinen zu lassen.
Während seines Abstieges wird Mephisto in der Szene „Hellerleuchtete Säle“ als Wunder- und Liebesdoktor in Anspruch genommen. Die Sorgen, die hier von der Spitze der Gesellschaft geäußert werden, sind von der gleichen Banalität, wie die der kleinen Leute in der Szene „Vor dem Tor“ aus Teil I.
Die letzte Szene spielt im „Rittersaal“, wo der Hofstaat dem Schauspiel Homers beiwohnt. Während die Damen Paris bewundern und Helena nur kritisieren, machen es die Herren umgekehrt. Faust, der mit seiner Begeisterung also völlig allein ist, greift nach den Figuren, die sich ihm aber entziehen.
[Bearbeiten] Der zweite Akt
Nachdem Faust das antike Schönheitsideal nicht festhalten konnte, führt Mephisto ihn in sein altes Studierzimmer. Scheinbar ist dort alles unverändert, doch das Blut in der Feder, mit der er den Teufelspakt unterschrieben hatte, ist eingetrocknet. Faust fällt von „Helena paralysiert“ in Ohnmacht, was Mephisto nutzt, um erneut in dessen Rolle zu schlüpfen. Während der Famulus ihn bei Dr. Wagner anmeldet, empfängt Mephisto den Schüler, den er im ersten Teil des Dramas so ausführlich belehrt hatte und der inzwischen zum Baccalaureus promoviert hat. Dieser trägt die Haarmode der Befreiungsgeneration und vertritt die philosophischen Thesen des deutschen Idealismus. Hierbei preist er die Jugend, wohingegen Mephisto das Alter hervorkehrt und den jungen Mann auffordert, alt zu werden, um den Teufel zu verstehen.
In der zweiten Szene im „Laboratorium“ besucht Mephisto Dr. Wagner, der gerade auf experimentellem Wege einen künstlichen Menschen (Homunculus) erzeugt hat, der körperlich jedoch noch ungebunden ist. Homunculus kann in das Innere des schlafenden Faust sehen und berichtet, dass dieser von der Zeugung Helenas träumt. Des Weiteren kann Homunculus Faust und Mephisto zur „Klassischen Walpurgisnacht“ geleiten. Mephisto ist daher auf ihn angewiesen, da er nur „romantische Gespenster“ kenne und seine Macht nicht ausreiche.
Die den Rest des zweiten Aktes füllende „Klassische Walpurgisnacht“ ist in fünf Szenen gegliedert. Die erste „Pharsalische Felder“ hat Einleitungsfunktion. In ihr tritt die thessalische Hexe Erichtho auf und kündigt die reale historische Antike sowie die mythologische Antike an, die sich in der Nacht versammeln sollen. Als Faust, Mephisto und Homunculus sich nähern, entfernt sie sich. Nachdem Faust erwacht ist, fragt er sofort nach Helena. Mephisto schlägt vor, jeder solle „sich sein eigen Abenteuer“ suchen und die drei Luftfahrer trennen sich.
Mephistos Weg: Die zweite Szene „Am oberen Peneios“ ist vor allem Mephisto gewidmet. Er begegnet Ungeheuern, Greifen (Löwenadler), Sirenen (Vogeljungfrauen) aus der vorheroischen Zeit. In einer Unterhaltung mit der Sphinx fragt auch sie (wie Faust) ihn nach seinem Wesen, wobei sie ihm ihr eigenes als Rätsel aufgibt. Man erkennt zwar Parallelen zwischen dem Wesen, das Gott Mephisto nachsagt und dem, welches die Sphinx von sich erahnen lässt, jedoch akzeptieren die anderen Fabelwesen Mephisto nicht als einen der Ihren. Mephisto entfernt sich auf der Suche nach „lustfeinen Dirnen“.
Fausts Weg: Faust wird von den Fabelwesen zu Chiron, dem weisen Kentauren geleitet. Die Szene „Am unteren Peneios“ stellt seinen weiteren Weg dar. Den Ohnmachtstraum, den Faust im Schreibzimmer hatte, sieht Faust nun leibhaftig vor sich, setzt dann seine Reise auf Chirons Rücken fort. Dieser belehrt ihn, dass Helena eine dichterische Schöpfung sei, zu deren „Auferweckung“ Faust in erster Linie als Künstler gefordert sei. Chiron bringt ihn zur Seherin Manto, womit Faust am Ziel seines Weges angelangt ist und erst im dritten Akt wieder in der Handlung auftaucht.
In der nächsten Szene „Am oberen Peneios wie zuvor“, treten alle drei Wanderer nicht mehr auf, und die Aufmerksamkeit wird auf ein Elementarereignis gerichtet. Ein Erdbeben findet statt, bei dem die griechische Gebirgslandschaft mit ihren Göttersitzen entsteht. Das Ereignis legt Gold frei, welches die Greife erspähen, aber von den Ameisen bergen lassen. Anhand des Goldsymbols wird aus dem Naturphänomen des Erdbebens eine politische Allegorie, welche die Unterdrückung des Proletariats durch die Bourgeoisie symbolisiert. Mephisto lobt sich gegenüber diesen Vorgängen seinen Blocksberg.
Homunculus erscheint daraufhin, nach einer Möglichkeit suchend, zu „entstehn“, was er ebenso verbissen tut, wie Faust nach Helena sucht.
Im vierten Abschnitt gelangt Mephisto an das Ziel seines Weges. Er findet in einer Höhle im „Dreigetüm“ der Phorkyaden das Inbild der Hässlichkeit, verbindet sich mit den Phorkyaden und hat nun die Rolle gefunden, in der er im 3. Akt Faust und Helena zusammenführen kann.
In der letzten Szene „Felsbuchten des Ägäischen Meeres“ findet Homunculus das Ziel seines Weges. Proteus nimmt die Gestalt eines Delphins an und nimmt den „Verkörperlichung“ begehrenden Homunculus auf den Rücken. Er will ihm mehrere Formen darbieten, jedoch zerschellt das Gefäß des Homunculus und er vermählt sich mit dem Ozean.
Diese Feier des „Entstehens“ steht im Kontrast zur nordischen Walpurgisnacht, die von Mephisto, dem Geist, der stets verneint, beherrscht wurde.
[Bearbeiten] Der dritte Akt
Zu Beginn des dritten Aktes wird Helena als Gestalt der Dichtung vorgestellt; sie selbst referiert ihren Mythos. Sie weiß nicht, was sie erwartet, ist besorgt. Als Mephisto ihr in Gestalt der Phorkyas den Eintritt in den Palast des Menelas in Sparta verwehrt, kann er ihr in einem Gespräch klar machen, dass sie eine fiktive Gestalt und ein Idol sei, deren Geschichte einem Traum gleiche. Er zeigt ihr auf, dass sie ihrem durch Vergessenheit drohenden Tod nur entfliehen könne, wenn sie sich in eine andere Zeit begebe, in der sie mit Faust in der mittelalterlichen Burg lebt. Kurz darauf befindet sie sich im „Inneren Burghof“ in dem Faust auftritt und sofort seine Macht mit ihr teilt, in dem er ihr die Bestrafung eines unachtsamen Wächters überlässt. Sie spricht ihn frei, da er sich erklärt und aussagt, er sei von ihrer Schönheit geblendet worden. Faust erkennt sie als Herrin an.
Symbolik: Fausts Welt, die in der europäischen Geschichte über die politische Macht verfügt, aber ohne Schönheit geblieben ist, öffnet sich zunehmend der antiken Kunst und Kultur.
Phorkyas stört das Idyll mit der Meldung, Menelas nahe mit einem Heer. Faust versammelt alle seine Vasallen und in ihrem Gespräch werden die Ereignisse der Kreuzzüge rekapituliert. Jedoch verdrängt die kulturelle Auseinandersetzung immer mehr die politische und am Ende steht der Entwurf „Arkadiens“ zur idealen Daseinsweise des Menschen.
Aus Fausts und Helenas Verbindung geht ein Sohn hervor: Euphorion, der sich als „künftiger Meister alles Schönen“ darstellt. Ihn drängt es aus Arkadien, somit symbolisiert er die moderne Poesie, die sich nicht in das klassische Maß fügt. Sein Freiheitsdrang lässt ihn zum Krieger werden, wenig später stirbt er als 2. Ikarus. Helena stirbt kurz darauf mit den Worten, „dass Glück und Schönheit dauerhaft sich nicht vereint.“ Der Traum von Arkadien ist vorbei. Mephisto nimmt die Maske ab und zeigt sich in seiner wahren Gestalt.
[Bearbeiten] Der vierte Akt
Zu Beginn des vierten Aktes befindet sich Faust an einem Wendepunkt seines Lebens, und wendet sich dem Guten zu. Sofort erscheint Mephisto und versucht Faust mit dem „Gelüst nach Macht“ zu locken, wie Satan es mit Jesus gemacht hat. Obwohl Faust Mephistos Auffassung von Politik nicht teilt, ist er einverstanden, mit Mephisto und dem Kaiser zeigt sich die Kirche als gierig und geschäftstüchtig. Sogar das Land, das Faust noch gewinnen will, wollen sie schon versteuern. Somit kann man sagen, dass Faust in seinem Innern trotz negativer Umgebung, ,,rein" geblieben ist.
[Bearbeiten] Der fünfte Akt
In diesem letzten Akt des Dramas wird Faust wieder sesshaft. Statt des Studierzimmers bewohnt er nun jedoch einen Palast, von dem aus er sein Wirtschaftsreich lenkt. In der ersten Szene „Offene Gegend“ erscheint dieses Reich aus einer Außenperspektive (vom Anwesen des alten Ehepaars Philemon und Baucis aus) betrachtet. Ein Wanderer tritt bei ihnen auf, der einst nach einem Schiffbruch von dem Paar errettet wurde. In einem Dialog zwischen ihm und Philemon zeigt sich, dass Faust seinen Plan verwirklicht hat und dort wo einst Meer gewesen ist, heute eine Gartenlandschaft erblüht, die Faust errichten ließ. Sie bot Raum für Siedlung und Handel, jedoch misstraut Baucis Faust und gibt zu verstehen, dass „des klugen Herren“ Arbeiter mit ihrem Blut und Leben dafür zahlen mussten. Eine Parallele zu den Greifen aus Akt zwei.
Hier wird die moderne Welt (symbolisiert durch Fausts Reich) der alten Welt gegenübergestellt. Hilfsbereitschaft, Frömmigkeit, Dankbarkeit und Gastfreundschaft sind in der alten Welt zu erkennen. Ihnen gegenüber stehen Ausbeutung, Gottlosigkeit, Anmaßung und der Glaube an das Recht des Stärkeren in der neuen Welt. Dafür brachte die Modernisierung Wohlstand, während in der alten Welt ein einfaches Leben in einer Hütte dargestellt wird.
Die zweite Szene im „Palast“ stellt die Perspektive Fausts bzw. „von innen“ dar. Als Faust ein Glöckchen hört, das immer ertönt, wenn Philemon, Baucis und der Wanderer beten, beginnt er zu fluchen. Es erregt in ihm Gefühle von Hass, Neid, Groll und Habsucht, da es ihm verdeutlicht, dass sein Besitz nicht völlig „sein“ ist. Mephisto berichtet ihm von der ;Dreieinigkeit’ von Krieg, Handel und Piraterie, wobei er an die frühkapitalistische Epoche der Handelskompanien erinnert, in der durch diese Symbiose ungeheure Reichtümer angehäuft wurden. Er plädiert hier für das Recht des Stärkeren und versucht Faust dazu zu bewegen, sich den Teil der nicht sein eigen ist, anzueignen. Da eine Umsiedlung scheitert, werden falsche Zeugen engagiert, die das Ehepaar vor Gericht der Gotteslästerung bezichtigen, wofür diese dann zum Tode verurteilt werden. (1. Kön 21, 1-16 König Achabs Frau ersann diese List, um Naboths Weinberg zu erlangen)
In der nächsten Szene ist es „Tiefe Nacht“ und Faust beobachtet mit Schrecken, wie das Anwesen von Philemon und Baucis verbrennt. Das seit Jahrhunderten gewohnte Bild der Welt ist zerstört. Kurz darauf erfährt er vom Tod des Ehepaares und gibt Mephisto die Schuld, dieser jedoch rechtfertigt sich mit dem alten Wort: „Gehorche willig der Gewalt“.
Darauf folgt das Unheil und so lösen sich Schatten aus den Trümmern der niedergebrannten Hütte, die sich Faust nähern. Die Schatten geben sich als „vier graue Weiber“, die Mangel, Schuld, Sorge und Not symbolisieren, zu erkennen, jedoch kann nur die Sorge den Palast der Reichen betreten. Auch der Bruder der Weiber, der Tod, naht und Faust, der seine Nähe spürt, überdenkt sein Leben. Er realisiert, dass er die Anwesenheit der Geschwister immer schon spürte, jedoch verdrängte und beschließt nun, dem Weg der Magie zu entsagen. Faust stellt sich der Sorge und erkennt bald ihren Doppelcharakter. Sie kann heilsam sein, aber auch frustrierend und damit lähmend. Er strebt also weiter die Realität an und verwehrt sich der Lähmung, trotz seiner Erblindung, hat aber nicht mehr genügend Zeit und so erreicht sein Geist nicht mehr die Realität. Während Faust darum kämpft, die Realität zu erreichen, gräbt Mephisto sein Grab. Faust hält das Spatengeklirr für ein Zeichen dafür, dass seine Arbeiter, die von ihm angestrebte Landgewinnung voran treiben und verliert sich in der Vorstellung, vom freien Volk, das freiwillig für seine Vision und somit ihn arbeitet. In seinem Schlussmonolog wiederholt Faust, das Stichwort der Wette:
„Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön, dann magst du mich in Ketten schlagen.“
Mephisto meint, das Spiel gewonnen zu haben. Die Worte „Es ist vollbracht“, die Christus bei seinem Kreuzestod spricht, benutzt Mephisto, um Fausts Tod in seinem Sinne zu interpretieren: Der Tod beendet alles und nimmt dem Leben jede Bedeutung, wie auch dem Schaffen und Streben den Sinn. Ein weiterer Hinweis dafür, dass Mephisto sich seines Sieges sicher ist, besteht darin, dass er Faust genauso charakterisiert, wie am Anfang: als unruhigen Charakter mit unstillbarem Wissensdurst.
Es folgt ein Monolog Mephistos, in dem er sich erneut als Geist, der stets verneint, darstellt. Als er sich daran begibt, die ihm versprochene Seele zu suchen, nähert sich ihm eine Schar Engel, die den Sündern in einem Lied Vergebung verkünden. Mephisto beruhigt seine Teufel, indem er sagt, die Engel seien vom gleichen Geschlecht, wie sie. Als die Engel ihn jedoch mit Liebesflammen angreifen, gerät er in einen Kampf mit sich selbst; kann zwar seine Identität wiederfinden, jedoch nutzen die Engel seine Unaufmerksamkeit und stehlen Fausts Seele.
Im Unterschied zur christlichen Lehre, die an die Auferstehung des Fleisches glaubt, besteht die Erlösung Fausts in der Abtrennung des Geistes vom Körper.
Als Gretchen Faust im Himmel sieht, bittet sie die ,glorreiche Mutter’ ihn belehren zu dürfen, was ihr gewährt wird. Es gibt einen Himmel der begnadeten Büßerinnen, deren Fürbitte zur Erlösung verhilft. Das „Ewig-Weibliche“ weist folglich den Weg zu Gott, den der Mann allein nicht gehen kann.
Zum Abschluss gibt der mystische Chor die Anweisung, das gesamte Spielgeschehen als ein „Gleichnis“ zu nehmen.

