Geheimschriften
Dieses Buch beschreibt bekannte Geheimschriften und wie man diese knackt.
| Dieses Buch wird durch intensive Zusammenarbeit sicher schnell besser. Der Hauptautor freut sich über jeden, der mitmacht. Kaputtmachen kannst du nicht viel – also sei mutig. Wenn etwas nicht passt, rührt sich der Hauptautor bestimmt. Danke. |
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Cäsar-Chiffre
Eines der ältesten Beispiele für eine Geheimschrift ist die Cäsar-Chiffre. Diese wird durch eine einfache Buchstabenverschiebung erzeugt (ein Buchstabe wird durch einen um n Stellen im Alphabet verschobenen Buchstaben ersetzt (n = 1,2,3 ...)). Im Informatikumfeld dient z.B. die "ROT-13" Cäsar-Chiffre dem Schutz der Leser von Newsgruppen vor versehentlichem Lesen von Spoilern.
[Bearbeiten] Beispiel
Zum Beispiel wird bei Cäsar-3 jeweils der drittnächste Buchstabe verwendet, das heißt, dass an Stelle von A ein D, an Stelle von B ein E und so weiter geschrieben wird. Kommt man auf diese Weise beim Z an, so wird einfach wieder bei A angefangen. Im Beispiel also X durch ein A, Y durch ein B und Z durch ein C ersetzt. Der Text WIKIBOOKS würde damit so verschlüsselt: ZLNLERRNV
Zum Entschlüsseln muss man nur wieder zurück verschieben, und schon ist man fertig.
[Bearbeiten] Schwachpunkte der Cäsar-Chiffre
Größter Schwachpunkt der Cäsar-Chiffre ist der Angriff durch die Häufigkeitsanalyse (die Buchstabenhäufigkeit wird durch die Cäsar-Chiffre nicht verändert). Auch gegenüber Brute-Force (alle 25 Möglichkeiten durchprobieren) bietet die Cäsar-Chiffre keinen Schutz.
Bei einem Angriff mit wahrscheinlichen Klartext lässt es sich auch ausnutzen, dass in der Cäsar-Chiffre niemals ein Zeichen mit sich selbst verschlüsselt wird. Findet man die Stelle im Geheimtext an der einerseits kein Zeichen mit dem Klartext übereinstimmt und andererseits sich jedem Zeichen des Klartexts ein Zeichen des Geheimtexts zuordnen lässt, kann man daraus mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verschiebung bestimmen.
[Bearbeiten] Trivia
Der Name des Computers HAL im Film "2001, Odyssee im Weltraum" ist das durch die Cäsar-Chiffre (Rot-1) codierte Akronym des Computerherstellers IBM. (Diese Aussage ist sehr umstritten, MGM (Produktionsfirma des Films) streitet diese These ab. Laut MGM und dem Autor der Romanvorlage von "2001" ist HAL einfach nur eine Abkürzung für "HalbALgorythmischer Rechner". MGM zeigte sich ob dieses Vorwurfs sehr betroffen, da der Computer HAL im Film eher negativ dargestellt wird, IBM aber bei der Produktion des Films mitgeholfen hat. Man kann also eher davon ausgehen, das diese angebliche Rot-1 Verschiebung keine ist, sondern ein Zufall.) Dasselbe wird vom Kürzel des Betriebssystems WNT (Windows-NT) behauptet, dieses Kürzel entspricht dem Kürzel des Betriebsystemes VMS (ebenfalls Rot-1).
[Bearbeiten] Ersetzen durch Symbole (Varianten der Cäsar-Chiffre)
Eine andere Idee des Verschlüsselns ist die, jeden Buchstaben durch ein anderes Symbol (evtl. auch wieder einen Buchstaben) zu ersetzen. Sender und Empfänger der geheimen Nachricht müssen sich dafür auf eine Ersetzungstabelle einigen.
Ist die Sprache, in der der Originaltext geschrieben wurde, bekannt, so kann man diesen Geheimcode dadurch knacken, dass man die Häufigkeiten der Symbole ermittelt und mit den Wahrscheinlichkeiten, mit denen Buchstaben in der entsprechenden Sprache auftreten, vergleicht.
Eine Abwandlung der Ersetzung durch Symbole des gleichen Alphabets ist die Ersetzung mit Symbolen eines anderen Alphabets. Hierbei beruht die vermeintliche Sicherheit darauf, dass das andere Alphabet nicht allgemein bekannt ist. Ein (veraltetes) Beispiel ist das sogenannte
Freimaurer-Alphabet, andere Beispiele sind das
kyrillische, oder das (fiktive)
elbische Alphabet. Die Entschlüsselung erfordert entweder die Kenntnis des Alphabets oder eine simple Häufigkeitsanalyse.
Bei einer anderen Methode werden Buchstaben einfach durch Zahlen ersetzt; das findet man u.a. auch in Zahlenkreuzworträtseln.
Wikibooks könnte dabei verschlüsselt heißen: 1-2-3-2-4-5-5-3-6
Auch diese Verschlüsselungstechnik lässt sich mit Hilfe der Häufigkeitsanalyse einfach decodieren, sie nutzt also nur bei kürzeren Texten mit höherer Abweichung von der statistischen Durchschnittshäufigkeit.
[Bearbeiten] Trivia
Eine Form dieser Verschlüsselung wurde vom berüchtigten Illuminatenorden verwendet. Dabei wurden den Buchstaben die Zahlen folgendermaßen zugeordnet und mit einem "." voneinander getrennt.
| Buchstabe | A | B | C | D | E | F | G | H | I | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | W | X | Y | Z |
| Wert | 12 | 11 | 10 | 9 | 8 | 7 | 6 | 5 | 4 | 3 | 2 | 1 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 |
z.B. Ingolstadt -> 4.13.6.14.2.18.19.12.9.19
[Bearbeiten] Spezialisierte Geheimschriften
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Gaunerzinken
"Zinken" sind Zeichen die von fahrendem Volk verwendet wurden, um nachfolgenden "Kollegen" deutlich zu machen, was sie an einem Ort zu erwarten hat. So gab es Zeichen für "hier kann man Betteln", "hier gibt es Essen für Arbeit" aber auch andere wie "besser nicht nachfragen, hier wird man mit Gewalt vertrieben".
Auch Verbrecher machten sich diese Zeichen zu Nutze.
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Warchalking
Das Warchalking ist eine moderne Anwendung von "Gaunerzinken". Mit dem Aufkommen von WLAN-DSL-Routern wurde es eine beliebte Beschäftigung, umherzuziehen und offene WLANs zu suchen (sog.
Wardriving), um etwa kostenlos im Internet zu surfen, oder dort Unfug anzustellen, ohne nachverfolgt werden zu können.
Viele WLANs sind unverschlüsselt oder mit einer schwachen Verschlüsselung ausgestattet - daher wurden mit Kreide die Möglichkeiten zum Zugang an die Wand o.ä. geschrieben, damit nachfolgende Wardriver nicht erst suchen müssen.
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QR-Codes
QR-Codes sind grafische Verschlüsselungen kurzer Texte. Sie werden meist aufgedruckt, oder durch Aufkleber angebracht und enthalten beispielsweise URLs.
So können diese "Tags" zum Beispiel an historischen Gebäuden angebracht sein, eine spezielle Java-Software auf dem Foto-Handy kann aus dem Foto direkt die URL auslesen und automatisch eine Website mit Informationen über das Gebäude laden.
[Bearbeiten] Entschlüsselung alter Schriften
Bisher haben wir in diesem Buch nur Schriftstücke behandelt, welche mit Absicht unleserlich gemacht wurden. Es gibt jedoch auch Schriftstücke, welche nicht mit Absicht unleserlich wurden, sondern weil niemand mehr in der Lage ist ihre Schrift zu lesen.
[Bearbeiten] Linear B
Ein Beispiel für eine vergessene Schrift ist Linear B. Diese auf kleine Tontäfelchen geritzte Schrift wurde auf bronzezeitlichen Ausgrabungstätten in Griechenland (Pylos, Tiryns, Mykene, Theben, Khandia und Knossos) gefunden. Sie hat den Forschern lange Rätsel aufgegeben, wurde aber schließlich durch den Architekten und Sprachforscher Michael Ventris entschlüsselt.
Die auf Kreta nachgewiesene Schrift Linear A ist dagegen immer noch nicht entschlüsselt.