Gitarre: Akkordformen

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Der nachfolgende Inhalt ist als ein Überblick bzw. eine Zusammenfassung über das Thema gedacht. Es stellt komprimiert das Wissen zu dem Thema systematisch zusammen. Der Inhalt selbst ist nicht für eine praktische Unterrichtsstunde aufbereitet, sondern er dient als Nachschlagewerk, und zur Übersicht. Die einzelnen Inhalte werden in einzelnen Lektionen aufgefächert und mit geeigneten Lektionen und Übungsbeispielen versehen. Wenn es zu dieser Zusammenfassung Verständnisprobleme gibt, so sind in den einzelnen Lektionen nach Lösungen dafür zu suchen. Für diese einzelnen Lektionen stellt diese Seite eine Vorausschau bzw. eine Zusammenfassung dar.

Mindest-Voraussetzungen
Einfache Barrégriffe
Verwandte Kapitel
die 5 Hauptskalenformen (Lektionen)
Weiterführende Kapitel
Skalen und Patterns

Inhaltsverzeichnis


In der populären Gitarrenliteratur hat sich der Begriff Akkord-Form etabliert[1]. Auf der Gitarre können Akkorde in verschiedenen Lagen gespielt werden. Man findet für alle Dur-Akkorde quer durch die Tonarten jeweils fünf Haupt-Akkordformen, die im Aussehen (Fingersatz) deckungsgleich sind und die sich nur in der Lage (Bund) unterscheiden. Bei reinen Moll-Akkorden findet man grifftechnisch bedingt nur drei Lagen bzw. drei Haupt-Akkordformen, in denen sich der Akkord überzeugend darstellen lässt. Für die fehlenden Formen können jedoch problemlos Moll7-Formen genommen werden. Alle Akkorde, die vom Griffbild her identisch (genauer: deckungsgleich) sind, fasst man zu einer Akkord-Form zusammen. In dieser Form wird der Begriff praktisch nur bei Gitarrenspielern (und der Gitarre ähnliche Saiteninstrumente wie Banjo und Ukulele) verwendet.

Akkordformen (Kurzdefinition)
Eine Akkordform auf der Gitarre ist (meist) ein Barré-Akkord. Sein Name leitet sich von den Grundakkorden ab, fast so, als hätte man anstelle des Barré-Zeigefingers ein Capo in den entsprechenden Bund gesetzt, und den einfachen Akkord gegriffen.
Beispiel
Grundakkord Akkordform Grundakkord Akkordform
Crd Am.svg Crd Form Am.svg Crd Em.svg Crd Form Em.svg

[Bearbeiten] Ausführliche Beschreibung

Man braucht als leicht fortgeschrittener Gitarrist nicht alle Akkordformen, die folgen, zu üben; und man muss sie daher auch nicht greifen können. Dieses bleibt den "Profis" unter den Gitarrenspielern vorbehalten. Aber man soll verstehen, warum eine Skala, eine Pentatonik oder einen Akkord nach diesen 10 Grundformen katalogisieren werden kann.

[Bearbeiten] Zuerst das Problem

Zuvor machen wir aber einen Schritt zurück, und überlegen uns, warum man überhaupt solch einen Begriff wie "Akkordform" braucht.

Der Akkord H-Dur soll als Barré-Akkord gegriffen werden.
Sofort taucht die Frage auf:

  • in welchem Bund soll/kann der Akkord gegriffen werden
  • welche Form (Typ, Fingersatz) hat der Barré-Akkord auf diesem Bund.

Bevorzugt werden für das Barré zwei Akkordformen verwendet.

entweder

H-Dur als Barré
im zweiten Bund
Crd Form A Bb.svg

oder

H-Dur als Barré
im 7. Bund

Crd Form E F.svg

[Bearbeiten] Herleitung der A-Form

Im ersten Fall hat man den Akkord A-Dur in den zweiten Bund verschoben

A-Dur
0. Bund
Bb-Dur
1. Bund
H-Dur
2. Bund
Crd A.svg
Crd Barré Bb-Typ.svg

Crd Barré Bb-Typ.svg

Es ist sehr leicht einsichtig, dass sich in der oberen Tabelle alle Akkorde vom Akkord A-Dur ableiten.

[Bearbeiten] Herleitung der E-Form

Im zweiten Fall leiten sich alle Barré-Akkorde vom Grundakkord E-Dur ab.

E-Dur
0. Bund
F-Dur
1. Bund
F#-Dur
2. Bund
... Bb-Dur
6. Bund
H-Dur
7. Bund
Crd E.svg Crd Barré F-Typ.svg Crd Barré F-Typ.svg ... Crd Barré F-Typ.svg Crd Barré F-Typ.svg


Attention green.svg

Merke
Alle Barré-Akkorde, die sich vom Grundakkord A-Dur ableiten sind Barré-Akkorde der A-Dur-Formes.

Alle Barré-Akkorde, die sich vom Grundakkord E-Dur ableiten sind Barré-Akkorde der E-Dur-Formes.


Nach dem selben Prinzip lassen sich ohne weitere Mühe noch andere Akkord-Formen ableiten.

Crd Am.svg Crd Em.svg
Am-Form Em-Form
Crd Barré Am-Typ.svg Crd Barré Em-Typ.svg

Attention green.svg

Merke
Alle Barré-Akkorde, die sich vom Grundakkord Am ableiten sind Barré-Akkorde der Am-Formes.

Alle Barré-Akkorde, die sich vom Grundakkord Em ableiten sind Barré-Akkorde der Em-Form.


Wer schon ein wenig mit Barré-Akkorden gearbeitet hat, mag dieses für trivial halten, sollte aber mit dieser Herleitung keine nennenswerten Probleme haben. Wenn man diese Methode jedoch konsequent erweitert, lässt sich noch viel mehr damit anfangen.

[Bearbeiten] Das Grundtonschema

Man kann noch einen Schritt weiter gehen.

einfacher Dur-Akkord
Crd A.svg
Dur-Akkord-Form
Crd Form A Bb.svg
einfacher Moll-Akkord
Crd Am.svg
Moll-Akkord-Form
Crd Form Am.svg
Grundtöne der A(Bb)-Form[2]
Crd Typ ABb.svg
einfacher Dur-Akkord
Crd E.svg
Dur-Akkord-Form
Crd Form E F.svg
einfacher Moll-Akkord
Crd Em.svg
Moll-Akkord-Form
Crd Form Em.svg
Grundtöne des E(F)-Form[3]
Crd Typ EF.svg

Vergleicht man alle Akkorde, die in der Tabelle in einer Reihe stehen, dann stellt man leicht fest, dass die Grundtöne dieser Akkorde alle nach dem gleichen Muster aufgebaut sind. Dieses Muster gilt es sich besonders gut einzuprägen. Mit diesem Muster lassen sich später relativ einfach nicht nur Akkorde, sondern auch Skalen wie Tonleitern und Pentatoniken klassifizieren bzw. typisieren.

Um diese Formen zu kennen muss man nichts weiter wissen, als wo bei den einfachen Akkorden die Grundtöne sind.

[Bearbeiten] Die 5 Akkordformen

Es gibt nicht nur Barré-Akkorde vom E- und A-Akkord-Formen. Man kann fast aus jedem einfachen Grund-Akkord eine Akkordformen ableiten.

Wichtig für die 5 Grundformen sind vor allem die Lage der Grundtöne. Daher werden der Systematik wegen der B-Form (deutsch = H-Form) und der C-Form zu einer Grundton-Form zusammengefasst.

Alle Akkordformen werden hier für die Übersicht als vollständige Barré-Akkorde dargestellt. Aber in der Praxis werden diese nicht unbedingt auch genau so gespielt. Bei einigen Akkorden (G-, Hm7- und D(m)-Form) werden oft nur einige Töne verwendet. Wenn man nicht alle Finger verwendet, und evtl. noch einige leere Saiten mit nutzen kann, dann werden die Fingerbrecher wieder greifbar. Man muss dann nicht alle Finger aufsetzen. Sobald weitere Optionstöne (z.B. Sus4, Add6, 7, j7 etc.) oder Basstöne hinzukommen, ergeben sich weitere Fingersatzmöglichkeiten, welche sich mitunter viel einfacher greifen lassen.

Dennoch werden hier die Akkorde nicht in der einfach greifbaren Form aufgeschrieben, sondern so, dass man die Grundform besser von den Standard-Akkorden ableiten. Von diesen Grundformen lassen sich hinterher viel leichter die tatsächlich gegriffenen Akkorde, Pentatoniken und Skalen ableiten.

Für einige Mollakkorde gibt es keine sinnvollen Moll-Akkordform. Da eine Septime bei Moll-Akkorden keinen funktionseinschränkenden Charakter hat, wie eine die Septime bei Dur-Akkorden, kann man einen Moll-Akkord meist mit einem Moll7-Akkorde substituieren.

zugrundeliegender
Dur-Akkord
Akkordform
in Dur
Grundton-
schema
Akkordform
in Moll
zugrundeliegender
Moll-Akkord
Crd C.svg Crd Form C.svg Crd Typ CB.svg Crd Form Bm7.svg Crd Hm7 x20202.svg
Crd D.svg Crd Form D.svg Crd Typ D.svg Crd Form Dm.svg Crd Dm.svg
Crd E.svg Crd Form E F.svg Crd Typ EF.svg Crd Form Em.svg Crd Em.svg
Crd G.svg Crd Form G.svg Crd Typ G.svg Crd Form Gm7.svg Crd Gm7.svg[4]
Crd A.svg Crd Form A Bb.svg Crd Typ ABb.svg Crd Form Am.svg Crd Am.svg


Attention green.svg

Merke
Wichtig für die eindeutige Typisierung eines Gitarrenakkordes ist einzig und alleine die Lage der Grundtöne.


[Bearbeiten] Übung:

Man spiele folgende Akkordfolge und achte jeweils darauf, mit welchem Grundton ein Akkord endet, und mit welchem Grundton der nächste Akkord beginnt.

1. Beispiel
G-Dur in allen Lagen
Crd G.svg 3.Bund
Crd Form E F.svg
5.Bund
Crd Form D.svg
7.Bund
Crd Form C.svg
10.Bund
Crd Form A Bb.svg
12.Bund
Crd Form G.svg

Man erhält also einen G-Dur-Akkord, wenn man einen Barré der E-Dur-Form im 3. Bund spielt: Man erhält ebenfalls einen G-Dur-Akkord, wenn man einen Barré als D-Dur-Form im 5. Bund spielt. (ebenso C-Dur-Form im 7. Bund etc.)

2. Beispiel
Dm(7)-Dur in allen Lagen

Einige Moll-Akkorde können in der Barré-Form praktisch nur als Moll7er gegriffen werden.

Crd Dm.svg 3.Bund
Crd Form Bm7.svg
5.Bund
Crd Form Am.svg
7.Bund[5]
Crd Form Gm7.svg
10.Bund
Crd Form Em.svg
12.Bund
Crd Form Dm.svg

Hier wird das gleiche Prinzip angewandt. Bei jedem der Akkorde handelt es sich in den entsprechenden Lagen um ein D-Moll-Akkord.

[Bearbeiten] Das Grundtonschema auf dem Griffbrett

Grundsätzlich laufen die Akkordformen die Tonleiter herunter, je höher sie die Bünde raufklettern.

F/E(2) D(4) C/H(7) Bb/A(9) G(11) F/E(14) ...

Mit dieser Vorübung kann man sich ein Schema herleiten.

Grundtöne zusammenhängend
Crd Grundtonschema.svg


Man kann sich also bei den Akkorden gut von Grundton zu Grundton hangeln.

Crd Grundtonschema ani.gif
Grundtöne in Formen zerlegt
Crd Typ CB.svg Crd Typ ABb.svg Crd Typ G.svg Crd Typ EF.svg Crd Typ D.svg Crd Typ CB.svg Crd Typ ABb.svg Crd Typ G.svg Crd Typ EF.svg
Crd Grundtonschema moll ani.gif

[Bearbeiten] Schlussbemerkung

Einige Grundtonformen haben zwar zwei Bezeichnungen meinen aber den gleichen Akkordform. Es ist ähnlich wie die Töne F# und Gb, die ja auch ein und der selbe Ton sind, aber je nach dem in welchem Zusamenhang sie stehen mal mit Kreuz und mal mit B bezeichnet werden. Es gibt also rein grifftechnisch gesehen insgesamt nur 5 Grundtonschemata.

Mit diesen 5 Grundtonschemata lassen sich Akkorde und Skalen gut klassifizieren bzw.typisieren. Mit den Akkordformen entdeckt man auch Akkordkombinationen wieder, die man auch von den einfachen Standard-Akkorden her kennt; nur eben als Barré-Akkord transponiert.

Man kann die Formen anwenden für:

  • Powerchords
  • einfache Akkorde
  • Barré-Akkorde
  • Jazz-Akkorde
  • Pentatonik
  • Tonleiterskalen

Bis auf die Powerchords gibt es in der Regel für jeden Form eine Dur- und eine parallele Moll-Variante.

Wenn also von einer Pentatonik der E-Moll-Form die Rede sein sollte, weiß man, dass die Grundtöne der Skala genau wie die Grundtöne des E-Moll-Akkordes auf den beiden E-Saiten und der D-Saite liegt.


Fußnoten
  1. Neben dem Begriff Akkordform wird auch synonym der Begriff Akkordtyp, Akkordfamilie oder Akkordmodus verwendet. Es gibt für alle Begriffe noch keinen einheitlichen Standard, jedoch sollte man das Wort "Form" bevorzugen. "Typ" wäre im Englischen ein Rechtschreibfehler. Dort heißt es "Type" oder "Shape". Das Synonym "Form" wird jedoch nicht nur in Deutschland und England problemlos verstanden, sondern auch in allen romanischen Sprachen (Frankreich, Italien, Spanien etc. sowie in vielen weiteren Ländern.
  2. Die Formenbezeichnung ist ein klein wenig inkonsequent. Sie hängt etwas vom Kontext der anderen Akkorde bzw. der vorherrschenden Tonleiterformes ab. Akkorde mit dem gleichen E-Form-Grundtonmuster können bei der Akkordfolge eher einer F-Dur-Tonleiter gleichen und dann F-Form gennannt werden, und in einem anderen Zusammenhang lässt sich das gleiche Grundtonmuster eher von einem Em-Akkord (G-Dur-Tonleiter) ableiten, wo dann die Bezeichnung E-Form vorziehen würde. Sobald man sich ein wenig mit Tonleitern und Akkordfolgen auskennt, und weiß, welche Akkorde üblicherweise zusammengahören, wird einem diese Unterscheidung einleuchtend erscheinen.
  3. s.o. (Formbezeichnung...)
  4. Beachte beim Gm7 den ausgegrauten Gruntton, der hier auf der G-Saite durch den Ringfinger verdeckt wird. Vergleiche dieses mit dem Grundtonschema und dem G-Dur-Akkord in der ersten Spalte.
  5. Die Gm7-Form wird eigentlich im 10. Bund gespielt, und nicht im 7. Doch dann würde man den nicht gespielten Grundton (der durch den Ringfinger verdeckt ist) im 7. Bund nicht mit berücksichtigen.


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