Gitarre: Bauarten und Typen der elektrischen Gitarre
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[Bearbeiten] Einleitung
Es gibt im Grunde genommen drei E-Gitarrentypen:
- die Akustikgitarre mit Tonabnehmer
- die halbakustische Gitarre (Semi Solid)
- die E-Gitarre mit massivem Korpus (Solid Body)
Und unter diesen drei Typen gibt es noch jeweils die folgenden Eigenschaften:
- 6 Saiter
- 7 Saiter
- 8 Saiter
- 12 Saiter
Dann gibt es noch spezielle Anfertigungen, in denen die Eigenschaften der drei Typen vereint wurden.
Die sechssaitigen E-Gitarren sind die populärsten, da akustische Sechssaiter schon im Europa des 17. Jahrhunderts gespielt wurden. Die Siebensaiter haben in Russland eine lange Tradition, die ersten E-Gitarren mit sieben Saiten waren allerdings halbakustische Jazzgitarren. Siebensaiter mit massivem Korpus sind erst in den letzten Jahren duch Steve Vai und diverse Nu Metal Bands wie Korn und Limp Bizkit populär geworden. Den Gitarristen reichte der Tonumfang der normalen Gitarren nicht aus, denn der Klang sollte noch tiefer und brachialer klingen. Deshalb wurde über die tiefe E-Saite noch eine tiefere H-Saite gelegt. Außerdem kann man durch dieses Verfahren auch den Gesang unterstützen, der bei den meisten Sängern im Bereich der Mitten liegt.Neuerdings werden sogar Achtsaitige Gitarren eingesetzt um die tiefste Töne zu Spielen.
Und obwohl es vielleicht unglaubwürdig klingt, die Eigenschaften und Ursprünge der meisten Solid Body Gitarren lassen sich dennoch auf zwei Gitarrenmodelle zurückführen - die Fender Stratocaster und die Gibson Les Paul. Habt Ihr erst einmal ihre Eigenschaften begriffen, so wird es euch leicht fallen, andere Gitarren zu beurteilen, zu kategorisieren und zu verstehen.
[Bearbeiten] Fender Stratocaster: klassischer und neuerer Typ
Die Strat ist typisch für den Klang von Gitarristen wie Mark Knopfler, Jimi Hendrix oder Jeff Beck.
[Bearbeiten] Konstruktionsmerkmale
Eine Strat besitzt einen einteiligen Massivholzkorpus mit Doppel-Cutaway (Ausfräsungen zur besseren Halsbespielbarkeit) und angeschraubtem Hals mit eingelassenem Halsstab. Üblicherweise besitzt eine Stratocaster ein Tremolo bzw. Vibrato (s.u.). In den Korpus der klassischen Stratocaster sind drei Singlecoils (Einzelspul-Tonabnehmer) eingelassen, die sich über einen 3-fach (modern: 5-fach) Wahl-Schalter miteinander kombinieren lassen.
Die klassische Stratocaster verfügt über drei Potis (Drehregler), wobei zwei davon für die Tonregelung gedacht sind und das dritte für die Gesamtlautstärke.
Neuere Modelle sind mit Singlecoil-Tonabnehmern und Humbucker (Doppelspul-)Tonabnehmern bestückt. Sie verfügen somit über Schalt-Kombinationen von Singlecoil- und Humbucker-Kombinationen. Dadurch ist ein weitaus größeres Soundspektrum möglich, als bei der klassischen Strat. Humbucker liefern ein stärkeres Ausgangssignal, mit dem moderne, stark verzerrte Klänge einfacher möglich sind. Typisch sind ein Humbucker in Stegposition und zwei Singlecoils in Mitten- und Halsposition oder auch zwei Humbucker in Steg- und Halsposition und ein Singlecoil in der Mittenposition.
So hat zum Beispiel die neue Modell-Serie "American Stratocaster HSS" (Stand 2007) ein Singlecoil in Halsposition, ein Singlecoil in Mittenposition und einen Humbucker in Stegposition. Dieses Modell hat einen sogenannten "S1-Switch". Darunter versteht man das Master-Volume-Poti,(ursprünglich zuständig für Lautstärke) daß bei diesem Modell als Push-Pull-Poti ausgelegt ist und die Tonabnehmer-Kombinationen schaltet. Durch Druck oder Druckentlastung auf dieses Poti sind insgesamt 10 Kombinationen von Singlecoil-Tonabnehmern mit Humbuckern möglich. 1. = Neck ; 2. = Neck + Bridge, parallel; 3.= Mid; 4.= Mid + Bridge, parallel; 5. = Bridge, seriell; 6. = Neck + Mid; seriell; 7. = Neck + Bridge seriell mit Bridge parallel; 8. = Neck + Mid seriell mit Bridge parallel; 9. = Mid + Bridge parallel; 10: = Bridge parallel.
Ein anderes wichtiges Konstruktionsmerkmal dieses Gitarrentyps ist der Vibratohebel. Da Leo Fender dieses Vibratosystem in der Patentschrift allerdings als synchronised tremolo angemeldet hat, wird diese technische Besonderheit bis heute häufig fälschlicherweise Tremolosystem statt "Vibratosystem" genannt. Die ausgeklügelte Mechanik erlaubt ein gezieltes Verstimmen der Saiten. Darüber hinaus lässt es zu, die Bundreinheit und die Saitenlage jeder Saite einzeln einzustellen. Generell wird zwischen verschiedenen Bauformen wie dem "Floyd-Rose-Vibrato" und "Bigsby-Vibrato" unterschieden.
Das Kopfende des Halses nimmt die Stimmwirbel auf, die bei einer Strat in einer Sechser-Reihe angebracht sind. Außerdem werden die zwei hohen Saiten am Kopfende durch Saitenniederhalter (Clips) niedergedrückt, um eine bessere Stimmstabilität bei Einsatz des Vibratohebels zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die Saiten nicht aus dem Sattelkamm springen. Bei modernen Stratocastern sind Klemmsättel nicht unüblich, bei denen die Saiten durch Schraubklemmen fixiert werden.
[Bearbeiten] Klangeigenschaften
höhenreich (durchsetzungsfähig/bissig), dynamisch (knackiger Anschlag), transparent (definierte Bässe), sustainarm (klingt nicht lange aus)
[Bearbeiten] Gibson Les Paul Model
Die Paula - ein gebräuchlicher Kosename für die Les Paul - ist typisch für den Klang von Gitarristen wie Saul Hudson (Slash) oder Jimmy Page. Die Urform der Les Paul Gitarre ist das Modell "Standard" und das Top-Line Modell "Custom". Die bis heute gültigen Konstruktionsmerkmale beider Modelle stammen im wesentlichen aus den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.
[Bearbeiten] Konstruktionsmerkmale
Eine typische klassische Gibson Les Paul ist das Modell Standard. Hiervon existieren unzählige Nachbau-Varianten anderer Hersteller. Das Original besitzt meist einen Korpus aus Mahagoni, auf dem eine gewölbte Decke aus Ahorn aufgeleimt ist. Bei höherwertigen Les Paul Custom Modellen ist die Decke auch aus Mahagoni, um noch bessere Klangqualität zu erzeugen. Beide Modelle haben ein "Cutaway", also eine Ausfräsung des unteren Korpus, um dem Spieler das Erreichen der der Kopfplatte engegengesetzten unteren Bünde für hohe Lagen zu ermöglichen.
Les Paul Typen haben ganz überwiegend zwei Humbucker. Die Klangregelung umfasst je einen Lautstärke- und einen Tonregler pro Pickup und einen Umschalter. Les Paul Gitarren haben im Gegensatz zu Strats meist eine feste Brücke.
Der Hals einer Paula besteht ebenfalls meist aus Mahagoni und ist in den Korpus mittels Schwalbenschwanz-Verbindung eingeleimt. Er ist hohl gebohrt und enthält innen ebenfalls einen verstellbaren stählernen Halsstab (Truss Rod). Er dient dazu unterschiedliche Spannungen auf den Hals auszugleichen, beispielsweise bei höherer Zugspannung nach dem Aufziehen von Saiten mit größerem Querschnitt. Das aufgeleimte Griffbrett ist meist aus Palisander. Aber bei Les Paul Custom Modellen ist das Griffbrett aus dem extrem harten Ebenholz, um ein wärmeres Tonbild mit lang anhaltendem Klang zu gewährleisten. Die Tonhölzer beider Modelle gelten als die besten weltweit. Frühere Modelle waren aus dem sagenhaften Rio-Mahagoni (Brasil-Mahagoni) gefertigt, dem man legendäre Klangeingenschaften nachsagt. Heutzutage stammt das Tonholz der Gibson-Produktion aus Indien.
In den Hals sind Nuten gefräst, in die insgesamt 22 Bünde eingelassen sind.
Bei Modellen des Types Custom traten ab circa 1975 oft Dissonanzen in den ersten drei Bünden auf, beispielsweise bei D-,G- oder C-Griff-Akkorden.
Diese Modelle werden heutzutage in Handarbeit nach historischen Vorbildern in Kleinserie nachgebaut, wo bei deren neuesten Modellen die Hälse mittels "Plek-Treatment" gefertigt werden. Dieses Verfahren wurde in Deutschland entwickelt. Darunter versteht man das Vermessen, Fräsen, Abrichten und Einpassen der Nuten und Bundstäbe mittels Hochtechnologie-Verfahren in Tausendstel bis Hunderstel-Milimeter Toleranzen. Merkmale dieser Präzisions-Hälse sind absolute Klangreinheit - unter anderem Oktavenreinheit sowie Bundreinheit -, eine niedrige Saitenlage und deshalb eine sehr leichte Bespielbarkeit.
Saitenhalterung: Die Saiten sind in einem so genannten "Stop Tailpiece" (Saitenhalterung) eingefädelt und laufen über eine "Tune-O-Matic Bridge" (Brückenkonstruktion) über den Korpus und das Griffbrett zum Sattel und von dort zu den Stimmmechaniken.
- Tune-O-Matic Bridge: Diese Brücke kann höher oder niedriger gesetzt werden, um Saitenlagen zu kompensieren oder andere Saitenstärken zu verwenden. Sie erlaubt es, die Oktavreinheit für jede Saite individuell zu justieren. Die Saitenlage ist allerdings nur für alle sechs Saiten gemeinsam einstellbar.
- Sattel: Der Sattel besteht aus Knochen oder einem speziellen Kunststoff.
- Stimmmechaniken: Sie sind in klassischer Drei-zu-Drei-Anordnung (Drei links, Drei rechts) der Kopfplatte montiert, ähnlich wie bei Westerngitarren. Bei höherwertigen Modellen werden ölgelagerte, robustere Kidney-Beane-Style Mechaniken genutzt, um bessere Stimmstabilität gegenüber dem Modell Standard zu gewährleisten.
Elektronik: Die elektrische Abnahme übernehmen zwei Humbucker-Tonabnehmer, die sich über einen 3-Wege "Toggle-Switch" (Dreiwegeschalter) anwählen lassen. In der oberen Position (1) kann man den Halstonabnehmer allein auswählen. Beide zusammen sind in Parallelschaltung in der mittleren Wahlposition (2) oder den Brückentonabnehmer einzeln in der unteren Position (3) anwählbar.
In der oberen Position werden die niedrigen Töne akzentuiert (Rhythm) und in der unteren Wahlstellung die klaren, hohen typisch singenden Töne (Treble).
Pro Tonabnehmer befindet sich noch jeweils ein separates Volumen-Poti und ein Ton-Poti an der Gitarre, also insgesamt vier Drehregler. Dreht man die Ton Potis gegen den Uhrzeigersinn nimmt man die Höhen zurück und erhält einen dunkleren Ton. Mit dem Uhrzeigersinn gedreht erzielt man hellere Töne.
Varianten: Die meisten historischen Les Paul Custom Modelle verfügen über insgesamt drei Humbucker-Tonabnehmer. Hier wird in der oberen Position des Toggle-Switch der Halstonabnehmer aktiviert. In der mittleren Position wird der Brückentonabnehmer und der mittlere Humbucker-Tonabnehmer zusammen ausgewählt. Die untere Position des Dreiwegeschalters wählt allein den Brückentonabnehmer aus. Die Volumen- und Ton-Poti-Bedienung funktioniert hier wie bei dem Modellen mit zwei Tonabnehmern.
Die Klinkenbuchse wird von einer kleinen Platte (Metall oder Kunststoff) im unteren Zargenbereich gehalten.
[Bearbeiten] Klangeigenschaften
mittig, fett, typisch glockig und singend, weich, sustainreich (klingt lange aus)
[Bearbeiten] Andere Modelle
Die hier aufgeführten Gitarren sind Weiterentwicklungen der Fender-Stratocaster und der unterschiedlichen Gibson-Les-Paul-Modelle. Die Unterschiede sind allerdings teilweise beträchtlich, so dass auch diese Gitarren ein eigenes Kapitel verdienen.
[Bearbeiten] Fender Telecaster
Die Fender Telecaster war die erste serienmäßig gebaute Solidbody-E-Gitarre (Elektrisch verstärkte Gitarre mit nicht ausgehöhltem Korpus) überhaupt.
Entstanden ist sie ursprünglich unter dem Namen Broadcaster. Broadcast heißt auf Englisch Radioübertragung. Da aber jemand anderes bereits ein Patent auf ein Schlagzeug mit dem Namen Broadcaster angemeldet hatte, musste Leo Fender, ihr Erfinder, eine Namensänderung vornehmen. Das gerade aufkommende Fernsehen (Television) inspirierte ihn zum Namen Telecaster.
Klanglich ist die Tele nicht so vielseitig wie die Stratocaster, was in Zeiten von Multieffektgeräten allerdings nicht mehr so entscheidend ist. Doch wenn die Buchse mal hin ist, hat man ein Problem!
Verfechter der Telecaster vertreten häufig eine less-is-more-Philosophie. Die Tele hat nur zwei Tonabnehmer (gegenüber dreien bei der Strat), aber das hat den Vorteil, daß die Saiten in ihrem Schwingverhalten nicht so stark von den Magnetfeldern der Tonabnehmer beeinflußt werden. Sie hat keinen Whammy-Bar, aber das bedeutet auch, daß der Steg stabil ist, und man nach Belieben die Hand zur Saitendämpfung dort ablegen kann.
Zwei der wohl bekanntesten Telecaster werden von Rick Parfitt und Francis Rossi von der Gruppe Status Quo gespielt. Keith Richards von den Rolling Stones dagegen spielt eine Fender Esquire. Diese war ursprünglich ein Prototyp/Vorläufer der Telecaster, und verfügte noch nicht über einen Stahlstab im Gitarrenhals. Sie ging aber erst nach dem Erfolg der Telecaster in Serienproduktion, und erreichte nicht deren Stückzahlen.
[Bearbeiten] Gibson SG
Die vorübergehende Nachfolgerin der Les Paul besitzt die gleichen Konstruktionsmerkmale der Les Paul auf einem dünneren, simpleren Body mit zwei Cutaways, die in kurzen, spitzen Hörnchen enden. Bekannt wurde die Gitarre nicht zuletzt durch Angus Young der australischen Rockgruppe AC/DC und durch Pete Townsend der britischen Rockgruppe The Who.
[Bearbeiten] Ibanez 555-Reihe
In der heutigen Gitarrenszene haben sich die Ibanez-Modelle aus der 555er Reihe einen Namen gemacht. Sie sind alleine von der Form her sehr Fender-Typisch aufgebaut und auch der Hals ist geschraubt.
Der Vorzug dieser Gitarren liegt vor allem darin, dass sie mit wesentlich moderneren Komponenten bestückt sind. So verfügen die meisten Ausführungen über ein Floyd-Rose-Tremolosystem, Humbucker-Tonabnehmer und 24-bündige Hälse.