Gitarre: Grundsätzliches zum Greifen der Akkorde
Aus Wikibooks
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Lektion 1a
Grundsätzliches zum Greifen der Akkorde
Es gibt nicht nur eine Möglichkeit, Akkorde und Griffe und Töne zu greifen. Ich stelle dir hier eine Art vor, die sich besonders gut für einfache Akkorde in der Liedbegleitung eignet.
Ziel ist es, alle Griffe möglichst bequem und mit wenig Kraftaufwand greifen zu können. Eine möglichst natürliche Haltung macht deine Finger viel flexibler und verhindert unnötige Verkrampfungen. Man möchte ja nicht schon nach dem ersten Lied k.o. sein.
[Bearbeiten] Lage des Daumens
Der Daumen liegt bei den einfachen Griffen in der Regel über dem zweiten Bund, etwa auf der eingezeichneten Höhe. Er ist bei den einfachen Akkorden fast immer genau gegenüber vom Mittelfinger. Praktisch bedeutet dies, dass dein Daumen in der ersten Zeit immer hinter dem zweiten Bund ist (siehe auch weiter unten bei: "Wohin mit den Fingern"). Dadurch ist es bei Griffen, die über drei Bünde gehen, leichter, den ersten Finger im ersten Bund, den zweiten Finger im zweiten Bund und den dritten Finger in den dritten Bund zu bekommen (vgl. C-Dur-Akkord in der 3. Unterrichtseinheit). Ist der Daumen zu weit in Richtung Steg, dann kommt man mit dem Ringfinger und dem kleinen Finger nicht mehr in den 3. Bund. Ist man dagegen mit dem Daumen zu weit in Richtung Schallloch, dann rutscht der Zeigefinger vom ersten Bund gerne in den zweiten hinein.
Die linke Hand berührt das Griffbrett nur an zwei Punkten. Damit bleibt der Handteller beweglich.

Die Hauptaufgabe des Daumens ist bei den einfachen Akkorden, die Hand am Herunterfallen zu hindern. Dieses mag im ersten Moment banal klingen, aber viele Anfänger verwenden den Daumen wie eine Schraubzwinge, um einen Gegendruck zu den Fingern aufzubauen. Dieses klappt zwar, aber der Daumen ist viel zu schwach und ermüdet schnell. Dann verkrampft die Hand und alles macht keinen Spaß mehr.
Die Lösung? Der Druck auf die Saiten wird nicht mit dem Daumen erzeugt, sondern durch den Zug des Armes; fast so, als wollest du eine Schublade von unten öffnen:

Der Gegendruck wird durch den Ellbogen der Schlaghand erzeugt, indem dieser den Gitarrenkörper ein wenig andrückt und damit das Griffbrett nach vorne wegschiebt. Die Greifhand braucht nur das Griffbrett wieder zurückzuziehen, um genügend Kraft für die Akkorde zu haben.
Jede Anspannung oder Verspannung des Handtellers ist ein Zeichen, dass du mehr Muskeln als notwendig anspannst. Natürlich soll man auch nicht am Gitarrenhals so fest reißen, dass sich der Ton dadurch verändert. Es wird viel weniger Kraft für das Greifen benötigt, als ihr vielleicht jetzt noch glaubt. Ziel ist es, so wenig Druck wie möglich auszuüben, aber gerade genug, dass die Saiten nicht schnarren. Wenn sich die Hand dabei nicht verkrampft, werden die Finger für Griffwechsel (und später für das Solospiel) viel lockerer und dadurch schneller.
| Tipp: |
(etwas, das man mal im Unterricht ausprobieren kann.)
Fingerhakeln
Lernen, dass die Kraft zum Greifen aus dem Unterarm und nicht vom Daumen her kommt |
|---|
[Bearbeiten] Übung
Auch wenn man beim Griffwechsel kaum auf den Daumen verzichten kann (allein schon wegen der Orientierung), ist es eine gute Übung, die ersten Griffe, die du lernen wirst, auch mal probeweise ohne Daumen zu spielen.
Für die Übung greifst du den Akkord zuerst wie gewohnt mit Daumen; aber dann, wenn der Akkord gut klingt, nimmst du während des Spielens den Daumen weg. Der Akkord soll auch ohne Daumen voll und fehlerfrei klingen. Beim nächsten Akkordwechsel kann dann der Daumen natürlich wieder zur Orientierung aufgesetzt werden.
- Ziel dieser Übung
Einen sauberen Fingersatz zu bekommen, und zu erkennen, dass der Daumen gar keinen riesigen Druck aufbauen muss und der Akkord trotzdem klingt. Wenn man erkennt, das der Akkord schon ohne Daumen gut klingt, dann kann man auch ganz auf einen "Schraubzwingengriff" verzichten. Die Finger finden auch ohne ein verkrampftes Greifen die Positionen. Ohne Daumen müssen sie vielleicht eine andere Haltung annehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Oftmals sind diese Positionen bequemer, oder eröffnen einem neue Haltungsmöglichkeiten, auf die man mit Daumen allein gar nicht gekommen wäre. Leider funktioniert eine verkrampfte Haltung ja irgendwie, und daher kommt man nicht auf die Idee, dass es auch einfacher gehen könnte.
Man braucht einiges an Übung, bis man herausgefunden hat, wie viel Druck gerade notwendig ist, um eine Saite niederzudrücken. Anfangs drückt man meistens zu stark.
| Tipp: |
Manchmal ist es hilfreich, noch zwei Finger zwischen das Griffbrett und die Greifhand des Gitarrenschülers zu legen. Dieser muss dann zusätzlich noch um die Finger des Gitarrenlehrers herumgreifen, um seine Finger aufzusetzen.
Viele können anfangs gar nicht glauben, dass sie viel mehr Platz mit ihren Fingern haben, als sie dachten. Bei den meisten Griffen hat man noch viel Luft, und man kommt trotzdem überall hin. Zuerst muss man aber die ungewohnte Haltung erst einmal kennenlernen. |
|---|
Natürlich ist die hier gezeigte Griffweise nicht die einzig mögliche. Doch mit ihr läuft man gerade als Anfänger am wenigsten Gefahr, dass sich die Finger unnötigerweise verkrampfen. Später (Rockdiplom) zeigen wir dir für die Barrégriffe noch weitere Griffweisen, bei der man den Daumen etwas tiefer ansetzen kann. Auch beim Zupfen und bei Soli hält man den Daumen gerne etwas tiefer, da man dann beweglicher ist. Aber das heben wir uns auf, bis es so weit ist. Bei Lehrern, die zuerst die klassische Gitarre mit Noten-Lesen vermitteln, ist es oftmals verpönt, den Daumen im oberen Halsbereich anzusetzen. Doch ein hoher Daumenansatz ist erst dann wirklich ungünstig, wenn dadurch die Reichweite der Finger-Grundgelenke (insbesonders des 4. Fingers) beeinträchtigt wird. Für die ersten einfachen Akkorde kann man die bequeme Art wählen, auf die man auch immer wieder zurückgreifen kann, wenn man mal seine Finger nach einem anstrengenden Solo entspannen möchte.
[Bearbeiten] Weiterführendes
[Bearbeiten] Wohin mit den Fingern
Jetzt wäre im Unterricht ein guter Zeitpunkt für ein kurzes Herumdrücken auf den Saiten. Mal kreuz und quer, mal nur auf einer Saite, und vielleicht auch eine einfache Melodie auf einer Saite.
Dir jetzt eine Melodie zu zeigen, die man sofort spielen kann, bringt allerdings nicht viel. Es würde zum jetzigen Zeitpunkt viel zu lange dauern, bis alles aufgeschrieben wurde, und (was wichtiger wäre) bis dir erklärt wurde, wie man das Aufgeschriebene liest. In der Zeit hast du schon ein oder zwei Lieder gelernt.
Wenn du aber selber ein wenig herumprobierst, wirst du feststellen, dass ab und zu mal die Saiten unschön schnarren.
(Es könnte natürlich sein, das es sich um einen Baufehler der Gitarre handelt, weil die Saitenlage nicht stimmt. Der Steg könnte zu hoch sein, so dass die Saiten viel zu hoch sind. Dann müsstest du zu einem Profi, der dir da helfen kann...)
Gerade am Anfang liegt der Fehler oft daran, dass die Finger zwar genügend Druck ausüben, jedoch zu dicht oder zu weit weg vom Bund sind.
Übrigens:
der Name "Bund" kommt daher, dass man früher tatsächlich eine Kordel, einen Draht oder so was ähnliches um das Griffbrett "gebunden" hat, um so die richtigen Abstände zu haben.
[Bearbeiten] Saiten nicht abwürgen
Ärgere dich aber nicht, weil nicht gleich alles auf Anhieb klappt. Bei den ersten Übungen darf es (wenn man keine wirklich groben Fehler macht) ruhig ein wenig daneben klingen, und da darf man ruhig mal drüber hinweg hören. Erfahrungsgemäß verschwinden solche Fehler nach ein paar Unterrichtsstunden.
[Bearbeiten] Unnötiges Abspreizen der Finger vermeiden
[Bearbeiten] Der erste Akkord fürs erste Lied
Du erreichst die meisten Positionen auf dem Griffbrett durch einfaches Strecken und Beugen der Finger.
| lieber so: | als so: |
![]() |
![]() |
Die meisten Akkorde kann man ganz unverkrampft greifen. Der Handteller sollte dabei, wie oben schon beschrieben, beweglich bleiben und nicht am Gitarrenhals festkleben.
![]() |
Übrigens siehst du hier gleich, wie man Griffbilder zeichnet, nämlich auf dem Kopf! Genau so wie du es siehst, wenn du von oben auf deine Finger schaust. |











