Gitarre: Repertoire 1
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[Bearbeiten] Lektion 5b: Repertoire erweitern
Du wirst es zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht glauben, aber dir stehen allein mit den vier Akkorden G - Em - C - D nun Hunderte von Liedern offen, so dass man langsam anfangen kann, sich ein Repertoire an Liedern für jede Gelegenheit anzueignen.
Es lohnt sich also, sein Liederbuch aufzuschlagen und nach Liedern zu suchen, die man vielleicht schon spielen kann.
Für das Aneignen von neuen Liedern hier noch ein paar Tipps:
- Viele Bibliotheken führen Liederhefte, die nur auf Akkordspiel abzielen (und oftmals stehen dort auch Kopierer günstig zur Verfügung).
- Erkundigt euch bei euren Freunden und Bekannten, es gibt garantiert viele Gitarrenspieler unter ihnen.
- Nutzt das Internet, eine Suche nach einem beliebigen Liedtitel + "Chords" ergibt viele Ergebnisse.
- Durchstöbert Musikgeschäfte. Es gibt inzwischen sehr viele sehr gute Bücher, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Bücher sind oft handlicher, als eine lose-Zettel-Sammlung. Noch dazu findet man viele neue Stücke, auf die man von selbst nicht gekommen wäre. Und das Layout der Bücher übertrifft die Internetausdrucke bei weitem. Und wenn man einmal den Zeitaufwand und die Druckerkosten gegenrechnet, ist ein Liederbuch kaum teurer als alles aus dem Internet zu kopieren. Zudem ist die Qualität der Bearbeitungen in den meisten Fällen besser, als die Quellen aus dem Internet.
[Bearbeiten] Notenbücher bevorzugen
Auch wenn es hervorragende Liedersammlungen nur mit Text und Akkorden gibt, empfiehlt es sich als Anfänger, auch Liederbücher mit Noten zu kaufen. Selbst wenn man "noch" keine Noten lesen kann, helfen einem die Taktstriche dabei zu erkennen, wie lange ein Schlagmuster ausgehalten werden muss, und wann man den Akkord wechseln muss. Und selbst diejenigen, die noch überhaupt nichts mit Noten anfangen können, von Taktstrich zu Taktstrich zu schauen. Jeder Taktstrich entspricht einem vollen Schlagmuster (in manchen Liedern auch zwei Schlagmuster, wenn ein Schlagmuster viel zu langsam wäre).
Durch die Taktstriche findet man auch Stolpersteine, wie zum Beispiel einen schnellen Griffwechsel oder lange Pausen, viel einfacher heraus. Selbst sehr eingeschränkte Notenkenntnisse können einen helfen, wenigstens schon mal den Anfangston eines Liedes richtig auf der Gitarre zu bestimmen.
Selbst ein wähnendes Erahnen von Noten, bei der man nur erkennt, das eine Melodie um so höher werden muss, je höher die Noten in den Notenlinien stehen, hilft einem Orientierungen für den Melodieverlauf zu bekommen. Oftmals reichen auch recht eingeschränkte Fähigkeiten im Notenlesen aus, um zumindest Anfangstöne von Liedern zu finden oder schwierigere Stellen einen Anhaltspunkt zu finden, wie es weitergehen muss.
Man sollte sich wirklich vornehmen, sich bei der nächsten Gelegenheit mal intensiver mit Noten zu befassen.
[Bearbeiten] Lieder im Original hören
Viele Lieder werden nicht exakt nach dem Original gespielt. Sie werden vereinfacht oder auf eine besser sing- und spielbare Tonart transponiert. Trotzdem lernt man Pausen und Rhythmus viel einfacher durch simples Zuhören.
[Bearbeiten] Lieder vereinfachen
- Gerade am Anfang empfiehlt es sich, nur Lieder mit einfachen Akkordfolgen zu spielen. Dafür kann man ruhig versuchen, einige Sachen zu vereinfachen.
- Sehr oft kann man einige schnelle Griffwechsel dadurch umgehen, dass man einen der beiden Akkorde einfach weglässt. Welchen man weglässt, ermittelt man durch Versuch und Irrtum. Es klappt nicht immer, aber oft genug, um es einfach mal auszuprobieren.
- Viele Ziffern, die bei Akkorden stehen, können meist problemlos weggelassen werden. Es mag zwar sein, dass sich die Version mit den Ziffern wesentlich besser anhört, doch für den Hausgebrauch ist die vereinfachte Version oft ausreichend. Sobald man dann ein paar "Diplome" aufgestiegen ist, wird man die Akkorde mit Ziffern oder die schnelleren Griffwechsel ohne Probleme meistern. Doch bis es so weit ist, kann man anstelle eines D7 oder eines D4 oder eines D6 einfach ein D-Dur spielen.
- Wenn der Barré-Akkord Hm (bzw.Bm) auftaucht, dann kann man versuchen, diesen durch seine Durparallele D-Dur zu ersetzen (substituieren). Es klappt nicht immer, aber oft genug.
- Ein A-Moll könnte man auch durch ein C-Dur auszutauschen versuchen, doch ehrlich gesagt lohnt sich diese Mühe nur selten. Hier spielt der eigene Geschmack bzw. das eigene Ohr die größere Rolle.
[Bearbeiten] Achte auf Wiederholungen
Bei vielen Liedern taucht über längere Zeit der gleiche Griffwechsel auf. Solche typischen Griffwechsel sind schon bei den Liedbeispielen aufgetaucht.
Wenn beim Lied Leaving On A Jet Plane (John Denver) © folgende Akkordfolge auftaucht
so lässt sich das ganze Stück viel leichter lernen, wenn man beobachtet, das sich meist G und C abwechseln..
Wenn man dann beobachtet, dass D-Dur oft am Ende eines Satzes auftaucht und länger ausgehalten wird
Und wenn man dann noch weiß, dass Lieder oft in 4er oder 8er-Gruppen eingeteilt sind,
dann lässt sich das Lied in überschaubare Sinnabschnitte einteilen.
[Bearbeiten] Trotz aller Regelmäßigkeiten auf die Ausnahmen achten
Beim Lied Danke für diesen Guten Morgen © oder beim Lied Stay (just a little bit longer) © wird fast ausschließlich die folgende Akkordfolge mit schnellem Griffwechsel (hier durch Klammern angedeutet) verwendet.
Man muss um so genauer auf die Schlusswendungen des Liedes achten, damit man nicht einfach die Akkordfolge so weiterspielt. Es schadet nichts, wenn man die Ausnahmen ein paar Mal isoliert übt, bis sie ebenso automatisch ablaufen wie die gleichmäßige Akkordfolge.
Bei dem Lied Danke ist es die Schlusswendung (G-D) G wobei das letzte G einen Takt lang ausgehalten wird.
Bei dem Lied Stay sind es nur die beiden Akkorde C und D, die jeweils einen Takt ausgehalten werden.
Übrigens ist das Lied Stay ein hervorragendes Zwischenstück für ein Medley aus Liedern in G-Dur.
[Bearbeiten] Achte auf Standard-Akkordfolgen
Was genau eine Standard-Akkordfolge ist, kann man gar nicht so einfach sagen. Es reicht, wenn bestimmte Akkordfolgen häufiger vorkommen.
- So taucht die "Schlusswendung" G-D(7)-G oft am Abschluss eines Liedes auf.
- Natürlich ist auch der "Schubiduba" G-Em-C-D eine typische Standard-Akkordfolge.
- G-D-Em-C kommt auch sehr häufig vor.
- Auch den so genannten "Kirchenschluss" G-C-G hat man öfter nach einer Strophe oder Refrain, also in einer Pause.
Der Vorteil solcher "Standards" ist, dass bestimmte Akkordfolgen als Einheit gesehen und gespielt werden. Man hangelt sich dann nicht mehr von Akkord zu Akkord, sondern spielt immer gleich 3 bis 4 Akkorde als eine Einheit. Solche Wiederholungen erkennt man nach einer Weile auch durch bloßes Zuhören wieder. Es sind kleine Module, die man beim Spielen wie Bausteine aneinandersetzen kann. Lieder teilen sich nach einiger Spielpraxis in bekannte Akkordfolgen und Ausnahmen auf. Je mehr Übung man bekommt, auf Standard-Akkordfolgen zu achten, desto einfacher fällt es einem auch, auf Akkordfolgen zu achten, die (noch) nicht in ein bekanntes Schema passen.
- Beispiele (nur Auszugsweise)
Father & Son © lässt sich sehr leicht mit zwei Standard-Akkordfolgen begleiten:
- It's not G time to make a D change, just re- Em lax and take it C easy
- You're still G young that's your Em fault, there's so C much you have to D know
Die erste Zeile G-D-Em-C ist eigentlich keine besondere Akkordfolge. Es gibt keine augenfällige Ordnung in der Abfolge (Tonleiter rauf, Tonleiter runter, Quintenkette...). Doch man kann diese Folge bei mehreren Liedern wiederentdecken. Und das, was man häufig gebraucht, wird zu einer Standard-Akkordfolge.
Der "Schubiduba" G-Em-C-D wiederum ist eine sehr beliebte Akkordfolge, die man schon 1000 Mal gehört hat. Es gibt sogar viele Lieder, die fast ausschließlich aus dieser Akkordfolge bestehen (ein paar hast du in den letzten Lektionen kennengelernt).
Im Refrain von "Country Roads" © entdeckt man die erste Akkordfolge von "Father & Son" wieder:
- Country G roads, take me D home, To the Em place, I be- C long
- West vir- G ginia, mountain D momma Take me C home, country G roads
Die "Schlussformel" G-D-G wird in der zweiten Zeile durch das eingeschobene C etwas hinausgezögert, so dass es fast so wie der "Kirchenschluss" G-C-G klingt.
Ein und dieselbe Akkordfolge zuerst mit dem Schubiduba, dann mit der verzögerten Schlussformel passt auch bei "Let It Be" ©
- When I G find myself in D times of trouble Em Mother Mary C comes to me,
- G speaking words of D wisdom, Let It C Be G .
Es kann sehr gut sein, dass bei den einzelnen Liedern auch andere Akkorde passen können. Wenn man die Wahl hat, lohnt es sich am Anfang auf ein Klischee (hier: anderes Wort für Standard-Akkordfolge) zurückzugreifen. Der Grund, ein Klischee zu bevorzugen, ist schlicht, weil man es sich einfacher merken kann. Zuerst sollte man das normale Handwerkzeug der Harmonielehre und der Kompositionstechnik kennen lernen, bevor man sich mit dem Experimentieren beschäftigt. Natürlich klappt es nicht immer, eine Standard-Akkordfolge zu finden, aber wenn man schon mal drei oder vier Akkorde zu einer Einheit zusammengefasst hat, braucht man sich nur noch auf die Ausnahmen zu konzentrieren. Einen Teil kann man ja durch die einfache Dur- oder Mollkadenz ableiten, andere Klischees wird man auch noch später kennen lernen, dann bleiben nur noch wenige Akkordfolgen übrig, die man völlig neu und speziell nur für ein Lied lernen muss.
[Bearbeiten] Auf Melodie und Text achten
Manchmal gibt die Akkordfolge selbst keine nennenswerten Hilfen. Aber oft tritt eine Ausnahme immer bei einem bestimmten Wort auf (insbesondere bei Refrains). So wurde beim Lied Er hält die ganze Welt in seiner Hand fast immer beim Wort "ganze" gewechselt.
Beim Lied "Über den Wolken" (nächste Lektion) wird die Akkordfolge erst bei dem Wort "und dann" unterbrochen. Also merke man sich: "und dann" kommt C
Manchmal hilft einem auch die veränderte Melodieführung, auf Ausnahmen zu achten. Z.B. wird das Lied When You Say Nothing At All (Ronan Keating) © hauptsächlich mit dieser Akkordfolge begleitet:
Das Zupfmuster des Originals darf ruhig durch den Lagerfeuerschlag mit schnellem Griffwechsel ersetzt werden.
Erst bei der Liedzeile " C Try as I may I can D never explain " verlässt man den schnellen Griffwechsel.
Und auch beim Refrain " C catch me wherever I D fall (C pause D) pause C You say it best D when..."
wird der schnelle Griffwechsel kurz unterbrochen, bis es wieder im gleichen Trott weitergeht.
Wenn man darauf achtet stellt man fest, dass sich die Melodieführung während dieser Passagen etwas ändert (der Melodieverlauf wird etwas "weicher" "fließender" was zur Subdominante C-Dur passt...). Aber selbst wenn man es nicht gleich merkt, so redet man es sich jedes Mal, wenn man über diese Stelle stolpert, so lange ein, dass sich die Melodie geändert haben muss, bis man es dann auch hört (wäre dem nicht so, dann wären eigentlich auch keine anderen Akkorde notwendig).
Hierbei geht es aber gar nicht so um die Feinheiten der Harmonie und Formenlehre, sondern um eine recht grobe Möglichkeit, sich die Akkordfolge irgendwie zu merken. Sollte man falsch mit seiner Vermutung liegen, so hat man aber wenigstens die Akkordfolge gemeistert. Wenn einem das eigene Ohr oder die Harmonielehre einen Verdacht nahe legt, so darf man diesem erst mal unbesehen glauben. Zum jetzigen Zeitpunkt kennt man vielleicht nur "das große Dreigestirn" Tonika-Subdominante-Dominante und ein oder zwei Standard-Akkordfolgen (G-Em-C-D, G-D-Em-C). Aber später lernt man mehr. Vielleicht werden euch weitere Erfahrungen später eines Besseren belehren. Doch mit den kleinen Fehlinterpretationen, die einem als Anfänger zustehen, kann man ganz gut leben. Das Erfolgserlebnis setzt dann ein, wenn man mit seinen Vermutungen immer häufiger ins Schwarze trifft. Wenn sich die eigenen Vermutungen dann noch mit dem decken, was man in der Harmonielehre gelernt hat, dann ist man nicht mehr weit davon entfernt, Lieder frei nach dem Gehör (und nach Erfahrung) richtig zu begleiten.
[Bearbeiten] Textmarker
Wenn aber alle Stricke reißen, und einem das Gehör, die Worte und auch sonst nichts hilft, sich bestimmte Akkordfolgen zu merken, so schrecke man nicht davor zurück, einen Textmarker oder ähnliche Hilfsmittel zu verwenden. Aus der Bemerkung des Lehrers: "Achtung, hier kommt der schnelle Griffwechsel D-G)" wird ein "Achtung, Gelb", was einen erstaunlichen Lernerfolg nach sich ziehen kann. Dazu zählt auch, dass man Akkorde, bei denen ein schneller Griffwechsel vorkommt, in Klammern setzt.
[Bearbeiten] Auf Pausen achten
Was schon beim letzten Beispiel angedeutet worden ist: auf Pausen zu achten. Auch diese gehören mit zum Stück und dürfen auf gar keinen Fall gekürzt werden. Oft macht man sonst eine schöne Vierer-Teilung des Taktes kaputt. Zum Üben des Liedes kann man ruhig das "Pause" laut aussprechen (wie es oben schon gezeigt wurde). Wenn man es dann Vorführt, macht man es dann automatisch richtig.
Ebenso sollte man immer noch einen extra Takt für die Pausen sowie den Schluss des Liedes mit einplanen, obwohl der Schlussakkord vielleicht vergessen wurde aufzuschreiben. In den allermeisten Fällen endet man mit dem Akkord, in dessen Tonart auch das ganze Lied steht.
Auch hier hilft wieder, was eingangs gesagt wurde: an Noten orientieren und das Original anhören.
[Bearbeiten] Zusammenfassung
Also bei jedem neuen Lied schauen:
- Kenne ich die Tonart (Akkorde)?
- Kann ich unbekannte Akkorde durch einfachere ersetzen?
- Gibt es Wiederholungen?
- Ist das Lied irgendwie gegliedert?
- Finde ich im Stück Standard-Akkordfolgen?
- Kann ich mir die Besonderheiten durch Text oder Melodie leichter merken?
- Muss ich bestimmte Passagen extra markieren oder isoliert lernen?
- Ziel
Aus den vielen Einzel-Akkorden und Einzelversen in einem Lied werden wenige Blöcke, die man sich im Zusammenhang leichter merken kann.

