Go: Leben
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In der Vielzahl der möglichen Brettstellungen gibt es einige typische Muster oder Figuren, die einem das strategische Überleben am Spielbrett erleichtern. Zwei der wichtigsten Spielsteinmuster werden hier vorgestellt: "2 Augen" und "Seki".
Bei der Erklärung der Regeln haben wir erwähnt, dass es Steinformationen (im Fachjargon Gruppe genannt) gibt, die der Gegner nicht mehr schlagen kann. Da das Wissen um solche Gruppen ziemlich nützlich ist, wollen wir uns dies als erstes strategisches Konzept einmal anschauen. Zuerst werden wir uns nur mit der einfacheren und wesentlich häufiger vorkommenden Formation der "Gruppe mit zwei Augen" zuwenden:
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[Bearbeiten] Leben mit 2 Augen
Im Bild rechts sind vier verschiedene schwarze Gruppen zu sehen. Diese wollen wir uns nun der Reihe nach anschauen. Oben links ist eine Gruppe, die einen Gebietspunkt 'A' umschließt. Dummerweise kann weiß auf 'A' spielen und die drei schwarzen Steine fangen. So geht's nicht!
Wie sieht es mit der Gruppe oben rechts aus? Wenn schwarz hier einen Stein auf eines der beiden Felder 'B' oder 'C' spielt, so haben wir im Wesentlichen die Gruppe von oben links: Weiß kann auf das andere der beiden Felder spielen und alle Steine fangen. Also wird schwarz das wohl eher bleiben lassen.
Was passiert, wenn weiß auf eines der beiden Felder 'B' oder 'C' spielt? Schwarz kann dann auf das andere der beiden Felder setzen und den soeben gespielten Stein von weiß fangen. Das nutzt schwarz aber nicht viel. Danach haben wir wieder die Situation aus der Ecke oben links, und da wissen wir ja schon, dass das nichts taugt. Aber schwarz muss ja nicht den weißen Stein fangen. Was passiert, wenn schwarz das nicht macht? Dann spielt weiß auf das noch leere Feld und fängt alle schwarzen Steine. Schon wieder nix. Ergo: Eine Gruppe, mit zwei benachbarten Gebietspunkten ist tot. (Das ist schon wieder Fachjargon: Eine Gruppe ist tot, wenn der Gegner sie schlagen kann, egal was man selbst macht.)
Wie sieht das unten links aus? Auch hier haben wir eine schwarze Gruppe, aber diesmal sind die beiden Gebietspunkte nicht direkt benachbart, sondern durch einen schwarzen Stein getrennt. Wenn schwarz auf eines der beiden Felder 'D' oder 'E' spielt, so haben wir wieder die Situation aus der Ecke oben links. Aber anders als oben rechts, darf hier weiß nicht auf eines der beiden Felder 'D' oder 'E' spielen, da der weiße Stein in diesem Fall ja keine Freiheiten mehr hätte. Das ist aber nach den Spielregeln verboten. Diese Gruppe lebt also. (Auch das ist schon wieder Fachjargon: Eine Gruppe lebt, wenn der Gegner sie nicht mehr schlagen kann, egal was er macht.)
An diesem Beispiel wird auch klar, warum man so eine Formation "Gruppe mit zwei Augen" nennt.
Wie sieht das in der Ecke unten rechts aus? Wenn schwarz auf 'F' oder 'H' spielt, dann haben wir die Ecke oben rechts und die Gruppe ist tot. Aber wenn schwarz auf 'G' spielt, kommen wir zur Ecke unten links und die Gruppe lebt. Soweit so gut. Doch muss schwarz überhaupt auf 'G' spielen, damit die Gruppe lebt? Vielleicht lebt die Gruppe ja schon so, und dann hätte schwarz unnützerweise einen Gebietspunkt von sich verschenkt. Bevor Sie weiterlesen, versuchen Sie einmal diese Frage selbst zu beantworten.
Links oben im zweiten Bild sehen wir nochmal diese Gruppe. Diesmal hat aber weiß schon einen Stein in die Mitte gesetzt. Der Schwarze kann diesen Stein nicht fangen, denn würde er auf einen der beiden Punkte 'A' oder 'B' setzen, so könnte weiß im nächsten Zug alle schwarzen Steine schlagen. Aber wenn weiß auf 'A' oder 'B' setzt, so könnte doch schwarz diese Steine schlagen, oder nicht? Ja schon, aber dann sind wir wieder bei der Gruppe mit zwei Feldern, die wir oben schon angeschaut hatten.
Wir merken uns also: Bei einer Gruppe mit genau drei zusammenhängenden Feldern hängt das Leben und Sterben der Gruppe davon ab, wer zuerst spielt. Bei Gruppen mit weniger zusammenhängenden Feldern ist es egal, wer zuerst spielt, diese Gruppen werden immer gefangen.
Wie sieht das mit Gruppen aus, die vier Felder groß sind? Rechts sind drei der fünf möglichen Formen zu sehen. Die anderen beiden Formen (welche sind das?) verhalten sich wie die Form oben rechts. Also schauen wir uns diese doch mal genauer an.
Wenn weiß auf 'C' setzt, so setzt schwarz auf 'D' und hat damit zwei Augen. Weiß kann nichts mehr machen. Und aus Symmetriegründen funktioniert das auch andersrum, wenn weiß auf 'D' setzt, so kann schwarz auf 'C' setzen. Die Gruppe lebt also, egal was weiß auch versucht.
Bei der Gruppe unten links sieht das anders aus. Wenn schwarz hier auf den zentralen Punkt 'E' setzt, so hat die Gruppe sogar drei Augen, also mehr als genug zum Leben. Aber wenn weiß diesen wichtigen Punkt besetzt, so kann schwarz nichts mehr dagegen unternehmen, dass die Gruppe geschlagen wird. Probieren Sie das einfach mal aus.
Zuletzt noch die Gruppe unten rechts. Was ist hier los? Naja, selbst wenn schwarz dran ist, und einen Stein in die Gruppe setzt (egal wo) so bekommt er die Gruppe mit drei Feldern, bei der es darauf ankommt, wer gerade am Zug ist. Dummerweise ist nach schwarz weiß dran und der wird es sich nicht nehmen lassen, die schwarzen Steine mitgehen zu lassen. Diese Viererformation ist also bedingungslos tot, genau wie die Zweierformation.
Wie sieht das mit fünf Felder großen Gruppen aus? Hier gibt es zwei Formationen, bei denen es darauf ankommt, wer als erstes spielt. Alle anderen Formationen leben bedingungslos. Sie sollten das mal selbst versuchen nachzuweisen.
Bei sechs Feldern gibt es nur noch genau eine Formation, die noch nicht bedingungslos lebt, und alle Gruppen mit mehr als sechs Feldern leben.
Damit kennen wir schon alle toten Gruppen und alle bei denen es auf der Kippe steht. (Wenn man mal von ein paar Ausnahmen absieht, die es noch in der Ecke geben kann. Auf die gehen wir aber erst später ein.)
[Bearbeiten] Unechte Augen
Wie wir gerade gesehen haben, ist es wichtig, dass eine Gruppe zwei Augen hat. Wenn man aber dabei nicht aufpasst, dann hat man eine Gruppe, die zwar so aussieht, als hätte sie zwei Augen, in Wirklichkeit ist aber eines ein falsches Auge.
Im Bild rechts sieht man so ein Beispiel. Sieht doch so aus, als hätte diese Gruppe zwei Augen, oder? Aber was ist, wenn weiß auf 'A' spielt? Dann stehen plötzlich drei schwarze Steine auf atari und weiß kann im nächsten Zug auf 'B' diese drei Steine und im Zug darauf auf 'C' die restlichen Steine fangen.
Was ist, wenn schwarz selbst auf 'B' spielt? Nutzt nix, dann fängt weiß die Steine alle auf einmal auf 'C'. Da hier weiß einen Teil der Gruppe wegfangen kann, sagt man, das Auge bei 'B' ist ein falsches Auge.
Wie kann man denn nun ein echtes und ein falsches Auge unterscheiden?
Vereinfacht: um ein "echtes" Auge zu erhalten müssen mindestens drei der vier diagonal benachbarten Felder von schwarz besetzt sein.
Kompliziert: Dies gilt nicht am Rand und in den Ecken. Ausserdem gibt es einige Ausnahmen, die mit nur zwei besetzten Diagonalfeldern auskommen, dabei muss aber zumindest das dritte Diagonalfeld wiederum in einem "echten" Auge liegen.
(Ein echtes Auge mit der Existenz eines zweiten echten Auges zu erklären ist natürlich ungünstig. Am besten lernt man das Erkennen von unechten Augen und toten Gruppen durch das Lösen von Tsumego-Problemen ("Leben und Tod").)
[Bearbeiten] Seki
Seki bezeichnet eine spezielle Situation beim Go.
Eine solche Situtation liegt dann vor, wenn sich die schwarzen und weißen Steine Freiheiten teilen, die keiner von beiden ausfüllen kann, ohne selbst geschlagen zu werden. Da also kein Spieler die Gruppe des anderen töten kann, leben beide Gruppen. Nach japanischer Zählweise gibt es im Seki keine Punkte, da die Freiheiten von beiden Farben umgeben sind und daher als neutral (jap. Dame) gelten.
Hinweis: Natürlich steht es jedem Spieler frei, in ein Seki zu spielen, aber niemand wird dies absichtlich tun!
Im Beispiel-Bild sind die zwei geteilten Freiheiten die Positionen A2 und D1. Besetzt schwarz eine dieser Positionen, wird weiß die verbleibende Freiheit besetzen (und so die schwarze Gruppe schlagen). Umgekehrt kann weiß auch keine dieser beiden Freiheiten besetzen, ohne im nachfolgenden Zug ebenfalls geschlagen zu werden.
[Bearbeiten] Tsumego
Tsumego ist der japanische Ausdruck für "Leben-und-Tod"-Probleme. Dabei wird eine (fast immer) begrenzte Brettsituation dargestellt und es gilt, einen lokal besten Zug zu finden. Zumeist bedeutet dies, eine Gruppe zu töten oder eben zum Leben zu erwecken. Das Studium dieser Probleme verbessert die Fähigkeit, "lebenswichtige" (Schwach-)Punkte intuitiver zu erkennen.
Beispiele:
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Weiss am Zug, schwarze Gruppe zu töten. |
Schwarz am Zug, schwarze Gruppe soll leben. |
(hier noch einzufügen: Aufgaben, die verlinkt sind auf Musterlösungen (evtl. nummerierte Züge))
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