Innere Medizin kk: Synkope

Aus Wikibooks
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zurück zur Übersicht

Eine Wikipedia-logo-v2.svg Synkope ist eine anfallsartige, kurzdauernde Bewußtlosigkeit (Ohnmacht) infolge Minderdurchblutung des Gehirns. Im Unterschied zum epileptischen Anfall läuft die Synkope meist ohne motorische Krampfzeichen ab. Meist passieren Synkopen im Stehen und enden in horizontaler Lage.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste[Bearbeiten]

  • Synkope = kurze Ohnmacht, Aussetzer, Blackout
  • an lebensbedrohliche Ursachen denken:
    • Lungenembolie (plötzliche Atemnot/Synkope, pleuritische Thoraxschmerzen, typ. Anamnese)
    • Akuter Infarkt/NSTE-ACS (Synkope wg. Rhythmusstörungen, Thoraxschmerz etc.)
    • Bradykarde bzw. tachykarde Rhythmusstörungen (häufig typ. Anamnese, EKG)
    • Basilaris-TIA (typische Anamnese, Untersuchungsbefund)
    • Volumenmangel (z.B. auch an GI-Blutung, Retroperitonealhämatom unter Cumarinen etc.)
    • Nicht-synkopale Bewusstlosigkeiten bedenken: Hypoglykämie, Epilepsie, Apoplex etc.

ICD 10[Bearbeiten]

R55 Synkope und Kollaps 
    Blackout
    Ohnmacht

Einteilung[Bearbeiten]

harte Synkope          weiche synkope
-------------------------------------
mit Verletzungen       ohne Verletzungen 

Orthostatische Synkope[Bearbeiten]

  • Primäre autonome Dysfunktion
    • Shy Dräger Syndrom, Morbus Parkinson
  • Sekundäre autonome Dysfunktion
    • bei Diabetes mellitus
    • Amyloidose
  • Volumenmangel

Reflexsynkope Neural vermittelte Synkope[Bearbeiten]

  • Wikipedia-logo-v2.svg Vasovagale Synkope = typische Ohnmacht
  • Karotissinussyndrom = hypersensitiver Carotissinus
  • viszerale Reflexsynkope
    • Miktion,Husten,Schlucken,Schmerz, Defäkation, psychischem Stress
  • Glossopharyngeus- oder Trigeminusneuralgie

kardiale Synkope[Bearbeiten]

Synkope mit struktureller Kardialer Erkrankung(meist mit mechanischer Obstruktion)[Bearbeiten]

  • Aortenstenose
  • Myxom
  • Herzbeuteltamponade
  • Lungenembolie
  • HOCM
  • sonstiges Vitium
  • Andere Kardiale Tumoren
  • Aortendissektion
  • Pulmonalarterielle Hypertonie

Rhythmogene Synkope[Bearbeiten]

  • langsame Rhythmusstörung Block , Pause
    • Sinusknotendysfunktion
    • AV-Überleitungsstörung
  • schnelle Rhythmusstörung VT, KF, SVT
    • Ventrikuläre Tachykardien
    • Supraventrikuläre Tachykardien
    • Angeborene Rhythmusstörungen

(Brugada-, Long-QT-Syndrom)

  • Schrittmacher- und ICD-Fehlfunktion

Zerebrovaskuläre Synkope[Bearbeiten]

  • Subclavian-steal-Syndrom
  • Shuntgefäße

Synkopenähnliche Zustände[Bearbeiten]

Mit Bewusstlosigkeit[Bearbeiten]

  • Metabolische Entgleisungen
    • Hypoglykämie
    • Hypoxie
    • Hyperventilation mit Hypokapnie
    • Epilepsie
    • Intoxikationen
    • Transiente ischämische Attacke im vertebrobasilären Stromgebiet

Ohne Bewusstlosigkeit[Bearbeiten]

  • Kataplexie
  • Drop attacks
  • Somatisierungsstörungen
  • Transiente ischämische Attacke im Karotisstromgebiet

Epidemiologie und Statistik[Bearbeiten]

Ungefähre Häufigkeitsverteilung der Ursachen 1[Bearbeiten]

sehr abhängig vom untersuchten Krankengut

unklare Ätiologie         ca 34%
neurogen-reflektorisch    ca 24%   vasovagal,situativ (Husten, Miktion),Carotis-Sinus-Syndrom
kardial                   ca 18%   rhythmogen, Herzinfarkt, Lungenembolie
neurologisch              ca 10%   vertebrobasilär, TIA
orthostatisch             ca  8%
medikamentös              ca  3%   z.B. Psychopharmaka

Ursachen nach einer größeren Statistik 2[Bearbeiten]

Unbekannt                  36,6 %
Vasovagal                  21,2 %
Kardial                     9,5 %
Orthostatisch               9,4 %
Medikamente                 6,8 %
Andere definierbare Ursache 7,5 %
Schlaganfall oder TIA       4,1 %
Epilepsie                   4,9 %

Quelle Soteriades ES, Evans JC, Larson MG, et al. Incidence and prognosis of syncope. N Engl J Med 2002;347:878-85.

Diagnose Synkope , stationäre Aufnahme, Deutschland[Bearbeiten]

Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000 (Eckdaten der vollstationären Patienten und Patientinnen). Region: Deutschland, ICD10: R55 Synkope und Kollaps

Sachverhalt                    Jahr 2000   2001   2002   2003   2004   2005   2006   2007   2008 
--------------------------------------------------------------------------------------------------
Absolute Fallzahl gesamt             97716  98063 102628 108524 122595 136762 137950 147050 156280 
                männlich             40581  41133  43431  46411  53003  59317  60656  65000  69044 
                weiblich             57135  56925  59196  62113  69592  77445  77292  82049  87236 
             Sterbefälle               498    492    468    508    512    753    633    714    761 
Durchschnittliche Verweildauer Tage    7,7    7,3    6,9    6,5    6,2    6,1    5,7    5,6    5,3 
Altersspezifische Fallzahl je 100.000 Einwohner  
   unter 15 Jahren                      29     34     37     39     41     47     52     56     62 
   15 bis unter 45 Jahre                49     53     54     55     59     63     72     76     83 
   45 bis unter 65 Jahre                ??     87     92     97    108    115    119    123    130 
   65 Jahre und älter                  426    407    416    433    488    543    509    537    561 

Quelle: Gesundheitsstatistik Deutschland

Diagnose Synkope + die dabei angegebenen häufigsten Nebendiagnosen[Bearbeiten]

Hauptdiagnose: "R55 Synkope und Kollaps"          153.862        
Alle Nebendiagnosen für diese Hauptdiagnose       649.051 100,0% 
Summe der 10 häufigsten Nebendiagnosen mit R55    228.383  35,2%
I10 Essentielle (primäre) Hypertonie               63.588   9,8 
I25 Chronische ischämische Herzkrankheit           24.755   3,8 
E11 Typ-II-Diabetes                                23.332   3,6 
E78 Erhöhte Fettwerte                              21.397   3,3 
I48 Vorhofflattern und Vorhofflimmern              17.499   2,7 
E87 Störungen des Wasser-,Salz- und Säurehaushalts 17.262   2,7 
Z03 Ärztliche Beobachtung von Verdachtsfällen      17.026   2,6 
N18 Chronische Niereninsuffizienz                  14.856   2,3 
Z95 kardiovaskuläres Implantat oder Transplantat   14.531   2,2 
Z92 Medizinische Behandlung in der Eigenanamnese   14.137   2,2 

Quelle Gesundheitsberichterstattung in Deutschland

Ursachen von 2000 Verkehrsunfällen bei denen ein Verlust des Bewusstseins am Steuer ursächlich war[Bearbeiten]

Epilepsie                      38% 
Synkope                        21% 
Diabetes mit Insulin behandelt 18% 
Herzerkrankung                  8% 
Schlaganfall                    7% 
Andere                          7% 

Quelle: Guidelines on management (diagnosis and treatment) of syncope, Task Force on Syncope, European Society of Cardiology†: M. Brignole (Chairman),doi:10.1053/euhj.2001.2739

Anamnese[Bearbeiten]

Bei der Synkopendiagnostik ist eine akribische Anamnese sehr wichtig, um einer Ursache näher zu kommen. Es muß eine Eigen- und Fremdanamnese erfolgen.

Allgemeines[Bearbeiten]

  • Haben Sie sich bei der Synkope verletzt ?
  • Wie oft hat sich die Synkope schon ereignet ?
  • 1 * , 2 * oder rezidivierend
  • Wie lange hat die Synkope gedauert ?
  • Waren Sie bewußtlos ?
  • Mußten sie sich hinsetzen oder legen ?
  • Wurden Ihre Beschwerden nach dem Hinlegen besser ?
  • Sind sie auf dem Boden liegend wieder aufgewacht ?
  • Zu welcher Tageszeit ist die Synkope aufgetreten ?
  • Was haben sie da gerade gemacht ?
  • Haben Sie vorher gegessen ?
  • Haben Sie vorher Alkohol zu sich genommen ?
  • Haben Sie vorher stark gehustet ?
  • Waren Sie gerade auf der Toilette ?
  • Haben Sie ihren Kopf oder ihren Hals vorher gerade stark bewegt ?
  • Waren Sie gerade in der Kirche ?
    • Da muß man stehen, da muß man nach dem Knien stehen, Da gibt es viel Weihrauch, Da sind viele hilfsbereite Menschen um einen herum , die sehr erschrecken wenn jemand umfällt
  • Haben Sie sich vorher angestrengt ?
  • Sind sie gerade aufgestanden , bevor die Synkope auftrat ?
  • Hat eine zweite Person die Synkope miterlebt ?
  • Wann ist die Synkope zuletzt passiert ?
  • Haben Sie sich dabei verletzt ?

Provokation[Bearbeiten]

  • Läßt sich die Synkope provozieren ?
    • durch Hyperventilation ,
    • durch Kopfdrehung
    • durch schnelles Aufstehen aus der Hocke ?
    • durch vermehrte Bewegung des Armes

Begleitsymptome[Bearbeiten]

  • Kam es im Zusammenhang mit der Synkope oder schon vorher zu starkem Schwindel ?
  • Schwarz vor den Augen werden ?
  • Schwankschwindel ?
  • Drehschwindel ? ( Karussell)

Epilepsie ?[Bearbeiten]

  • Hatten Sie dabei einen Zungenbiß ?
  • Haben Sie dabei eingenässt ?
  • Sind sie nach der Synkope müde oder schläfrig ?
  • Haben Sie während der Synkope gekrampft ?
  • Sind bei Ihnen Krampfanfälle , epileptische Anfälle bekannt ?
    • wenn ja seit wann ? wie oft ? wie lang ?
    • wo schon untersucht ?
    • welche Tabletten nehmen Sie ein ?
  • Hatten Sie nach der Synkope Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen ?

kardiale Synkope?[Bearbeiten]

  • Hatten Sie kurz vor der Synkope schon leichtere Schwindelerscheinungen ?
  • Haben Sie im Zusammenhang mit der Synkope ein Herzstolpern, andere Herzrhythmusstörungen selbst bemerkt ?
  • Schlägt ihr Herz eher langsam oder schnell ?
  • Haben Sie eine vorbestehende Herzerkrankung ?
    • Herzinfarkt, , Herzfehler , Herzmuskelschwäche , Herzmuskelentzündung ?
  • Ist bei Ihnen schon einmal ein Herzkatheter durchgeführt worden ?
  • Ist bei Ihnen schon mal ein Langzeitekg gemacht worden ?
    • wenn ja , wann und mit welchem Ergebnis ?
  • Ist bei Ihnen schon einmal über einen Herzschrittmacher diskutiert worden ?
  • Hatten Sie im Zusammenhang mit der Synkope Luftnot oder ein Brennen in der Brust ?
  • Haben Sie schon einen Herzschrittmacher implantiert bekommen ?

Carotissinussyndrom?[Bearbeiten]

  • Wird Ihnen bei Kopfdrehungen schwindelig ?
  • Wird ihnen beim Friseur oder beim Krawattenbinden schwindlig ?
  • Wird Ihnen beim Rasieren schwindelig ?
  • Tritt dieser Schwindel oder diese Anfälle verstärkt in aufrechter Körperhaltung,
    • gewöhnlich im Stehen, auf ?

Schwindelanamnese[Bearbeiten]

  • Verspüren Sie momentan einen Schwindel ?
  • Wenn ja Drehschwindel ?
  • Wenn ja Schwankschwindel ?
  • Wenn ja schwarz vor den Augen ?
  • Haben sie schon einmal einen regelrechten Schwindelanfall gehabt ?
    • mit Erbrechen ?
    • mit Sturz ?
    • ist bei Ihnen eine Menieresche Krankheit bekannt ?
  • Werden Ihre Schwindelerscheinungen besser oder schlechter, wenn sie die Augen zu machen ?
  • Läßt sich der Schwindel durch schnelle Körper- oder Kopfbewegungen auslösen ?

Orthostase ?[Bearbeiten]

  • Ist bei Ihnen ein niedriger Blutdruck bekannt ?
  • Sind sie schon mal wegen ihres niedrigen Blutdruckes umgefallen
    • zb in überheizten , schlecht gelüfteten Räumen, bei emotionaler Anspannung ?
  • Hatten Sie schon mal einen Kreislaufkollaps ?
  • Wurde dabei der RR gemessen ?

Medikamentöser Einfluß ?[Bearbeiten]

  • Trat Ihre Synkope im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten ein ?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein und wann ?
  • Tritt die Synkope oder die Schwäche immer vormittags auf ?
  • Ist die Synkope ihrer Meinung nach in Zusammenhang mit der Einnahme von Tabletten zu sehen ?
  • Nehmen Sie blutdrucksenkende Tabletten ein ? Wenn ja welche ?
  • Benutzen Sie Nitrospray ? Haben Sie kurz vor der Synkope Nitrospray benutzt ?
  • Nehmen Sie Kreislauftropfen ein ? Wenn ja welche und warum ?
    • Carnigen , Effortil , Dihydergot ?
  • Nehmen Sie Betablocker, Verapamil oder Cordarex ein ?

Prädisposition durch andere Erkrankungen[Bearbeiten]

  • Sind sie Zuckerkrank ? Hatten Sie schon einmal einen Unterzucker ?
  • Sind sie Leberkrank ? Waren Sie schon einmal wegen der Leber im Krankenhaus ?
  • Haben Sie in letzter Zeit stark an Gewicht abgenommen ?
  • Leiden Sie an einer chronischen Krankheit ? ( Niere , Herz , Hochdruck , Lunge etc)
  • Mußten Sie in letzter Zeit das Bett hüten ?
  • Hatten Sie in letzter Zeit einen größeren Blutverlust ?
  • Werden Sie an der künstlichen Niere behandelt ?


Diagnose[Bearbeiten]

Basisdiagnostik[Bearbeiten]

  • Anamnese und klinische Untersuchung,
  • EKG, Langzeit-EKG, Schellong-Test,
  • Echokardiographie, Carotis-Doppler,
  • Laborwerte(Blutzucker, CRP, kleines BB+ Hb)
  • Fiebermessung

Falls trotz der Basisdiagnostik die Ursache der Synkope unklar bleibt lohnt sich eine ausführliche Anamnese:

  • siehe weiter unten

Welche Fragen sollte man sich stellen[Bearbeiten]

  • Liegt eine kardiale Synkope vor ?
    • ist mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert
  • Liegt eine neurologische Synkope vor ?
    • ist mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert
  • Liegt eine weitere Erkrankung vor, die bedrohlich verlaufen kann und stationär therapiert werden sollte
    • z.B. dekompensierte Herzinsuffizienz , KHK, Infektion etc.
  • Ist die ambulante Versorgung gewährleistet (z.B. bei eingeschränkter Funktionalität, etc.)

Stationäre Aufnahme ?[Bearbeiten]

San Francisco Syncope Rule (CHESS)

C Vorliegen von Congestive Heart Failure ( Herzinsuffizienz NYHA 2-4 )?
H Hämatokrit unter 30%? 
E 12-Kanal EKG pathologisch (neu) verändert?
S Shortness of Breath (Luftnot )?
S Systolic Hypotension (systolischer RR <90mmHg)

Aufnahme wahrscheinlich sinnvoll, wenn 1 Punkt pathologisch verändert ist

Niedriges Risiko (Ambulant abklären)[Bearbeiten]

  • Alter < 45 Jahre
  • Anamnestisch kein Hinweis für kardiovaskuläre Erkrankung
  • nicht bei körperlicher Anstrengung aufgetreten
  • Symptome vereinbar mit Reflex-vermittelter oder vasovagaler Synkope
  • normale kardiovaskuläre Untersuchung
  • unauffälliges EKG

Mittleres Risiko (Hospitalisation erwägen)[Bearbeiten]

  • Alter > 45 Jahre
  • bekkannte KHK, Z..n. Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz
  • Herzerkrankung mit kardialer Medikation
  • Block ohne Akutänderungen im EKG
  • Vorhofflimmern
  • Familienanamnese (<50 Jahre) mit plötzlichem Herztod
  • Nicht vereinbar mit neuro-reflektorischer Synkope
  • Einnahme kardiovaskulärer oder neurologischer Medikamente
  • Schrittmacher oder ICD ohne erkennbare Fehlfunktion
  • Kardiale Synkope nach Einschätzung des behandelnden Arztes möglich

hohes Risiko Aufnahme im Krankenhaus empfehlenswert[Bearbeiten]

  • Brustschmerz wie bei Akutem Koronar Syndrom
  • Zeichen einer Herzinsuffizienz
  • Moderate/schwere Herzklappenfehler
  • anamnestisch ventrikuläre Herzrhythmusstörungen
  • im EKG Zeichen einer kardialen Ischämie
  • Lange (>0.44s) / oder zu kurze QTc - Zeit (<0.34s)
  • Brugadasyndrom Kriterien V1-V3
  • Arrhythmogene Rechtsventrikuläre Erkrankung ARVD (Kriterien V1-V3!)
  • positive Familienanamnese für plötzlichen Herztod
  • Trifascikulärer Block
  • Pausen von 2 bis 3 sec im EKG, Monitoring oder LangzeitEKG
  • Anhaltende Sinusbradykardie (40-60 / min)
  • Schrittmacher oder ICD mit erkennbarer Fehlfunktion
  • Zerebrale Ischämie (oder Blutung)

Laboruntersuchungen bei Synkope[Bearbeiten]

  • Blutzucker: Unterzucker ?
  • Hämoglobin im Blut Anämie ? Blutung ?
  • Blut im Stuhl oder Magensaft
    • evt. Magensonde legen und anspülen, Rectal untersuchen
  • Drogen
    • evt. Urin für Drogenschnelltest asservieren
  • Medikamentenspiegel: zB Digitalis, Antiepileptika etc
  • Kalium , Magnesium Elektrolytmangel ?
  • Exsikkose ? (Hb-Wert, Hämatokrit, Natrium, Gesamteiweiß )
  • Kachexie ? ( Trigylzeride, Cholesterin )
  • CPK, Myoglobin, Troponin Anstieg ( Sturz ? Krampfanfall ? Herzinfarkt ?)
  • CRP oder Leuko Anstieg ? ( Infekt ?)

Untersuchungsmethoden zur Abklärung einer Synkope[Bearbeiten]

  • Körperliche Untersuchung zur Ursachenabklärung
  • Patienten aufstehen lassen
  • Patienten stehen lassen
  • Patienten laufen lassen
  • Patienten schubsen und schauen wie er reagiert
  • Finger Finger Versuch
  • Finger Nase Versuch
  • Patienten im Stehen auf der Stelle drehen lassen
    • dann schneller STOP und Augen anschauen
      • ( wie lang bleibt der Nystagmus zu erkennen)
  • RR bds und an den Beinen
  • Leistenpuls und Radialispuls
  • Auskultation des Herzens : Aortenstenosegeräusch ?
  • Puls tasten und gleichzeitig Carotis druckversuch
  • EKG
  • LangzeitEKG
    • (BelastungsEKG)
  • Echo
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
  • Eventrekorder
  • Reveal Ereignisrekorder von Medtronic
  • RR Sebstmessung
  • Langzeit RR
  • EEG
  • Schädel CT oder NMR
  • Vertebralisprüfung
  • kalorischer Nystagmus
  • Tretversuch
  • auf einer Linie laufen
  • Carotisdruckversuch
  • Aufstehversuch
  • Hocktest
  • Schellongtest
  • Kipptisch ohne Isoproterenol
  • Kipptisch mit Isoproterenol
  • Carotisdoppler
  • Videoüberwachung der Synkope
  • Innere Blutung ? Magensonde, GSK, Rectale US, Sono Bauch
  • Laborwerte ( Elektrolyte, Nierenwerte, Entzündungswerte, Blutbild etc)

Weitere Diagnostik[Bearbeiten]

  • cCT, Craniales Kernspin, neurologische Abklärung
  • Kipptisch,LZ-RR, Eventrekorder

Differentialdiagnostik[Bearbeiten]

Keine Synkope[Bearbeiten]

Cerebrale Ereignisse nicht-synkopaler Genese

Ereignis             Ursache                             Warum keine Synkope? 
-------------------------------------------------------------------------------------
Epileptischer Anfall enthemmte Erregungsausbreitung      keine globale Hirnischämie 
Einschlafattacke     Narkolepsie                         keine globale Hirnischämie 
Drop-attack          unklar                              fehlender Bewusstseinsverlust 
TIA                  cerebrale Stenose oder Verschluß    umschriebene Ischämie 
Psychogene Ohnmacht  psychodynamisches Phänomen          keine globale Hirnischämie

EKG[Bearbeiten]

  • Beweisend
    • Vollständiger AV-Block
    • Anhaltende ventrikuläre oder supraventrikuläre Tachykardie
    • Bradyarrhythmie (<35/min)
    • Typischer ST-Hebungsinfarkt
  • Verdächtiges EKG
    • Bifaszikulärer Block
    • Andere intraventrikuläre Leitungsstörung (QRS > 12 msec)
    • AV-Block 2. Grades Mobitz I
    • Asymptomatische Sinusbradykardie oder sinuatrialer Block
    • Präexzitation
    • Verlängertes QT-Intervall
    • Dysplasie des rechten Ventrikels (negative T-Welle in den rechtsseitigen Ableitungen)
    • Auf Myokardinfarkt verdächtige Q-Zacke
    • Zeichen der schweren LV-Hypertrophie

Wikipedia-logo-v2.svg Kipptisch[Bearbeiten]

Indikation[Bearbeiten]

  • Klasse I
    • Einzelsynkope in Risikokonstellation
      • Auftreten von oder mögliches Risiko für körperliche Verletzungen oder berufliche Konsequenzen
    • Rezidivierende Episoden ohne organische Herzkrankheit
    • Ausschluss sonstiger Synkopenursachen bei kardialer Grundkrankheit
    • Wenn es von klinischem Nutzen ist, dem Patienten seine Neigung zu neurokardiogenen Synkopen zu demonstrieren
  • Klasse 2
    • Verständnis des hämodynamischen Reaktionsmusters zur Therapieplanung
    • Differenzierung von Synkopen mit Krämpfen und Epilepsie
    • Evaluation von Patienten mit unerklärter und rezidivierender Fallneigung
    • Abklärung wiederholter Präsynkopen und Schwindelzustände
  • Klasse 3
    • Therapiekontrolle
    • Einzelepisode ohne Verletzung und ohne Hochrisikokonstellation
    • Eindeutiges klinisches Bild ohne Änderung der Behandlung durch Kipptischergebnis

Beispiel Neurokardiogene Synkope[Bearbeiten]

Mit Wikipedia-logo-v2.svg Isoproterenol 2 mikrog/min iv

Stehend 80 Grad ist stehend leicht nach hinten gekippt

Zeit    Lage             RRsys      RRdia         Hf
-----------------------------------------------------
1 min   stehend 80 Grad  140        60            120
2 min   stehend 80 Grad  140        60            120
3 min   stehend 80 Grad  140        60            120
4 min   stehend 80 Grad  140        60            120
5 min   stehend 80 Grad   60        40             60
6 min   liegend           60        40             60
7 min   liegend           70        50             70
8 min   liegend           75        55             90
9 min   liegend           90        50            100
10min   liegend          120        60            130
11min   liegend          120        60            150
12min   liegend          120        60            130
13min   liegend          120        60            130

Mit Isoprotereneol 4 mikrog/min iv und Metoprolol 2 * 100 mg oral

Zeit    Lage             RRsys      RRdia         Hf
-----------------------------------------------------
1 min   stehend 80 Grad  120        70            110
2 min   stehend 80 Grad  110        60            120
3 min   stehend 80 Grad  100        60            130
4 min   stehend 80 Grad  110        55            135
5 min   stehend 80 Grad  110        55            135
6 min   stehend 80 Grad  110        55            140
7 min   stehend 80 Grad  110        50            150
8 min   stehend 80 Grad  110        55            145
9 min   stehend 80 Grad  110        50            145
10min   stehend 80 Grad  110        55            130
20min   stehend 80 Grad  110        55            120
30min   stehend 80 Grad  110        55            120

Therapie[Bearbeiten]

  • Betablocker bei neurokardiogenen Synkopen
  • Kochsalzlösung hilft gegen Synkopen
    • Neu-Isenburg (eb). Einer oft wiederkehrenden kurzzeitigen Ohnmacht (vasovagale Synkope) bei älteren Menschen läßt sich offenbar mit einer Kochsalzlösung 120 Millimol pro Tag über acht Wochen gegeben wirkungsvoll entgegenwirken. Einer randomisierten Studie zufolge waren 75 Prozent von 31 Patienten, die Synkopen ohne kardialen oder neurologischen Grund hatten, nach der Behandlung symptomfrei (Heart 75, 1996, 134).
      • El-Sayed H, et al. Salt supplement increases plasma volume and orthostatic tolerance in patients with unexplained syncope. Heart. 1996 Feb;75(2):134-40.
  • Herzschrittmacher bei Bradykardie
  • ICD bei VT,Kammerflattern

Therapie Hypotonie[Bearbeiten]

  • Vor dem Aufstehen aus dem Liegen erst ein paar Sekunden sitzen bleiben
  • Immer langsam Aufstehen
  • vermeiden sie langes Sonnenbaden oder Aufenthalt in der Wärme
  • vermeiden sie langes warmes Duschen
  • Vermeiden sie komplettes Fasten
  • Schrittmacher sind bei der Therapie des Vasovagalen Synkopen unwirksam
  • Stehtraining in sicherer Umgebung (30 min Stehen gegen die Wand)
  • Kompressionsstrümpfe
  • ausreichend Flüssigkeit und Kochsalz
  • Trinken von Wasser
  • Alpha-Agonisten wie Midodrin (2,5-10mg 3 mal täglich) Gutrontropfen
  • Fludrocortison (0,1-0,2mg, z.B. Astonin-H)

Literatur[Bearbeiten]

  • http://www.evimed.ch/AGORA/HTZ000/downloads/schrittmachersynkope.pdf
    • Schrittmacher nicht wirksam bei rezidivierenden vasovagalen Synkopen
      • Connolly S. et al: Pacemaker Therapy for Prevention of Syncope in Patients With Recurrent Severe Vasovagal Syncope: Second Vasovagal Pacemaker Study (VPS II): A Randomized Trial. JAMA. 2003;289:2224-2229

Niedriger Blutdruck kann auch Folge sein von

  • Einnahme von Hochdruckmitteln
  • starkem Schwitzen
  • Schwangerschaft
  • Zuckerkranheit
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Unterfunktion der Nebenniere

Komplikationen[Bearbeiten]

Prognose[Bearbeiten]

Fälle[Bearbeiten]

Fragen[Bearbeiten]

Was ist der Unterschied zwischen einer neurokardiogenen Synkope und einer orthostatischen Synkope ?

Wann kann es zu einer Synkope während oder kurz nach der Nahrungsaufnahme kommen ?

Was ist eine Dropattack ?

Literatur[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

  • Arthur W, Kaye GC. Important points in the clinical evaluation of patients with syncope. Postgrad Med J

2001;77:99–102.

  • Alboni P, Brignole M, Enozzi C, Raviele A, Del Rosso A, Dinelli Met al. Diagnostic value of history in patients with syncope with or without heart disease. J Am Coll Cardio 2001;37:1921
  • Diehl RR, Linden D. Differentialdiagnose der orthostatischen Dysregulationen. Nervenarzt

1999: 70:1044-1051

  • Hilz MJ; Marthol H, Neundörfer B. Synkopen – eine systematische Übersicht zur

Klassifikation, Pathogenese, Diagnostik und Therapie. Fortschr Neurol Psychiat 2002;70:95- 107.

  • Kapoor WN. Syncope. N Engl J Med 2000;343:1856-1862.
  • Kapoor WN. Diagnostic evaluation of syncope. Am J Med 1991;90:91–106.
  • Linzer M, Yang EH, Estes NAM, Wang P, Vorperian VR,Kapoor WN. Diagnosing syncope. Part 1: Value of history,

physical examination and electrocardiography.Ann Int Med 1997;126:989–96.

  • Mathias CJ, Kimber JR. Postural hypotension: causes, clinical features, investigation and

management. Annu Rev Med 1999;50:317-336.

  • Manolis AS, Linzer M. Salem D, Estes NAM. Syncope: Current diagnostic evaluation and management. Ann Int Med

1990;112:850–63.

  • Oh JH, Hanusa BH, Kapoor WH. Do symptoms predict cardiac arrhythmias and mortality in patients with syncope. Arch Intern Med 1999;159:375–80.
  • Task Force on Syncope, European Society of Cardiology: Task Force Report: Guideline on management (diagnosis and treatment) of syncope. European Heart Journal 2001;22:1256- 1306.
  • A. Becker S. Noachtar C. Reithmann, T. Brandt, G. Steinbeck, Synkope und epileptischer Anfall
    • Internist 2005 46:994–1005
  • Schuchert A, Wille E. Synkopendiagnostik: Wann ambulant, wann stationär? Herz. 2008 Sep;33(6):412-8.
  • Schuchert A, Meinertz T. Synkope. Herz. 2006;31(9):901-7.

Vasovagale Synkope[Bearbeiten]

  • Fenton AM, Hammil SC, Rea RF, Low PhA, Shen WK. Vasovagal syncope. Ann Int Med 2000;133:714–25.

CSS Carotis Sinus Syndrom[Bearbeiten]

  • Parry SW, Richardson DA, O’Shea D. Diagnosis of carotid sinus hypersensitivity in older adults: carotid sinus massage in the upright position is essential. Heart 2000;83:22.
  • Case Report July 2002, CJC, Volume 18 Issue 7: 763-767, Match:40%
  • Differential effect of right and left carotid sinus massage: Implications for sudden rate drop pacing algorithm
    • J Champagne, P Poirier, G O'Hara, M Gilbert, B Soucy, F Philippon
      • July 2002, CJC, Volume 18 Issue 7: 763-767
        • This present report describes a patient with syncope in whom asystole was triggered by right carotid sinus massage and complete atrioventricular block with slight bradycardia by left carotid sinus massage. A dual-chamber, rate-responsive

Links[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Vasovagale Synkope[Bearbeiten]

  • http://www.evimed.ch/AGORA/HTZ000/downloads/schrittmachersynkope.pdf
    • Schrittmacher nicht wirksam bei rezidivierenden vasovagalen Synkopen
      • Connolly S. et al: Pacemaker Therapy for Prevention of Syncope in Patients With Recurrent Severe Vasovagal Syncope: Second Vasovagal Pacemaker Study (VPS II): A Randomized Trial. JAMA. 2003;289:2224-2229