Instabilitäten und fixierte Dislokationen im Bereich der oberen Halswirbelsäule
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Inhaltsverzeichnis
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[Bearbeiten] Vorwort
Dieses Wikibook basiert auf den Buchentwürfen von http://www.kopfgelenke.de/symptome-bei-kopfgelenksinstabilitaten/2008/10/31/ als Text-Basis im Rahmen der gesundheitlichen Aufklärung. Ich würde mich freuen, wenn Sie den Link auf die Seite www.kopfgelenke.de im WikiBook beließen. Dort finden Sie sukzessive auch Bildmaterial das unter CC veröffentlicht wird.
[Bearbeiten] Schnelle Symptomübersicht
- Kopfschmerzen, beginnend am Hinterhauptansatz
- befremdliche ziehende oder brennende Schmerzen am Nacken oder Hinterkopf
- Nackenschmerzen, Schulterschmerzen
- Kombinationen von Schwindel und Kopf-/Nackenschmerzen
- Dumpfer Hinterhauptschmerz, dumpfe Schmerzen am Hinterkopf
- Schwächegefühl, einfaches Schwächegefühl
- Lähmung, Lähmungserscheinungen (Schwäche oder spastisch)
- Störungen der Feinmotorik, auch Unfähigkeit zu Gehen, Schwankschwindel
- Gehäuftes Stolpern, Gehstörungen
- Gefühlsverlust, sensorische Störungen, verändertes Körpergefühl
- Zittern
- Augenflimmern, Sternchen sehen, Funken sehen, kortikale Blindheit
- Sehschwäche, Verschwommensehen
- Verschlechterung des Sehens bei Nacht (auch in Dämmerung / Dunkelheit). Probleme sich bei Dunkelheit zu bewegen / Unsicherheit
- Gesichtsfeldausfälle, eingeschränktes Gesichtsfeld, fehlende Bereiche im Gesichtsfeld
- Hörverlust, Gehörverlust
- Tinnitus (meist hochfrequenter Pfeifton)
- Druckgefühle hinter dem Ohr
- Normales Hören ist irritiert / gestört
- Variabler Verlust an Körpergefühl, Empfindungsfähigkeit des Körpers, des Körperempfindens, der Körperwahrnehmung
- Unterschiedliche Empfindungen zwischen rechter und linker Körperhälte. Unterschiedliche Empfindung zwischen rechten und linken Extremitäten (Armen und Beinen)
- Verlust des Raumgefühls (der körperlichen Wahrnehmung im Raum)
- Raumgefühl nur mit offenen Augen möglich *Selbstwahrnehmung/Körperwahrnehmung im Raum nur mit geöffneten Augen möglich (Feeling the position of body in room only with open eyes)
- Gefühlseinschränkungen (Tastgefühl, Wärmegefühl)
- Brennende Sensationen (im Gesicht, am Körper)
- Pelziges Gefühl/Parästhesien im Gesicht, am Körper, an Armen oder Beinen, Kribbeln in Armen oder Beinen
- Vigilanzstörungen,Psychologische Störungen
- Depersonalisation
- Derealisation
- Störungen der Wachheit
- Bewußtseinsstörungen, abnorme Schläfrigkeit (Somnolenz), präkomatöse Zustände
- Erleben in dumpfem gefühllosen diffusen Raum zu leben
- “Nicht mehr in dieser Welt”-Empfinden
Ursachen für diese Symptome bei Kopfgelenksverletzungen, insbesondere bei Frakturen, fixierten Dislokationen und Kopfgelenksinstabilitäten sind:
- Atlantookzipitale (kraniozervikale) fixierte Dislokation oder Instabilität
- Verletzungen/Überdehnungen/Rupturen der Gelenkkapseln (C0/C1)
- Verletzungen/Überdehnungen/Rupturen der Alarligamente (Ligamenta alaria)
- Verletzungen/Rupturen der Membrana atlantooccipitalis anterior, der Membrana tectoria
- Frakturen des Dens axis und dessen Basis und Frakturen des Atlas (Jefferson “Burst Fracture”, Hangman-Fraktur), Os odontoideum
- Atlantoaxiale fixierte Dislokation, rotatorische Subluxation oder Instabilität
- Verletzungen/Überdehnungen/Rupturen der Gelenkkapseln (C1/C2) (Articulationes atlantoaxiales laterales)
- Verletzungen/Überdehnungen/Rupturen der Alarligamente (Ligamenta alaria)
- Verletzungen/Rupturen der Membrana atlantoaxialis anterior/posterior, der Membrana tectoria
- Verletzung des densnahen Zapfen- oder Drehgelenks (Articulatio atlantoaxialis mediana)
- Verletzungen/Rupturen des Ligamentum cruciatum atlantis, insb. des Ligamentum transversum
- Verletzungen des Vorderen Längsbandes oder des Ligamentum apicis dentis
[Bearbeiten] Pathophysiologische Erklärung
Mechanische Reizung des ZNS, also des Hirnstammes, bzw. der absteigenden Gehirnbereiche (Medulla oblongata, ...) durch den Dens, durch komplexe paradoxe Beweglichkeit von Schädelbasis, Atlas und Axis, mit mechanischer Reizung oder auch diffus-hypoxische, (intermittierend) ischämische oder (intermittierend) minderperfundierende vaskuläre Störungen durch rotatorische oder translative atlantoaxiale Subluxation oder kombinierte Verkippung. Auch bei Fehlbeweglichkeiten zwischen Kondylen des Hinterhauptbeins und des Atlantoaxialkomplexes kann es zu Durchblutungsstörungen im Vertebralisstromgebiet kommen.
[Bearbeiten] Differentialdiagnostik
[Bearbeiten] Differentialdiagnostische Untersuchungsschritte
[Bearbeiten] Anamnese
Die nachfolgende Beschreibung einer möglichen Differentialdiagnostik ist eventuell nicht vollständig.
- Unfall vorausgegangen? Gestürzt?
- HWS-Beschwerden (auch subakute), knacken, Gefühl einer (wiederholten) Fehlstellung?
- HWS-Manipulation, Einrenkmanöver?
[Bearbeiten] Neurologische Abklärung
Untersuchung auf infektiöse, zerebrovaskuläre, insbesondere ischämische Ursachen im Bereich des ZNS
- Ausschluß spezifischer neurologischer Erkrankungen, z.B. NMR-Bildgebung mittels MRT (Kernspin-Tomographie) und MR-Angiographie (Kernspin-Tomographie mit kontrastierter Gefäßdarstellung oder Bolus-/Flußdarstellung) von Gehirn und Halsgefäßen
- Ausschluß zervikovaskulärer Befunde: Vertebralisdissektion, Aneurysmen, A. vertebralis-Fenestration, Subclavian-Steal-Syndrom (Strömungsumkehr), u.a. mittels Kernspin-Angiogramm (MR-A) und zusätzlicher Farbduplex-Sonographie; soweit möglich in verschiedenen Kopfhaltung (insb. Seitneigung)
[Bearbeiten] Orthopädische bzw. neuroorthopädische Abklärung
- HWS-Röntgen in 4 Ebenen
- HWS-Funktionsaufnahmen in Anteflexion und Retroflexion
- MRT (Kernspin-Tomographie) der Halswirbelsäule unbedingt nötig. Bei instabilen Verletzungen der Haltestrukturen im Bereich der Kopfgelenke sind diese Untersuchungen sehr sehr häufig befundarm oder befundfrei
- Spezielles Funktions-Röntgen vorzugsweise unter Bildwandler in Form einer Densprojektion bei massiver Lateralflexion (Seitenneigung des Kopfes) bei geöffnetem Mund, wie andernorts in dieser Website beschrieben:
Beispiel einer Röntgenanweisung wäre: V.a. Instabilität okzipito-atlanto-axial, bzw. Weichteilläsion im Bereich der Ligg. alaria, Ligamentum apicis dentis (im Rahmen eines Dens-Spitzen-Traumas), Verletzungen und Zerreißungen der Gelenkkapseln C0/C1/C2 und/oder des Dens-Gelenks. Erbitte anteroposteriore transorale (durch geöffnetem Mund) Dens-Projektion mit Kopf in leichter Anteflexion und ausgeprägter Lateralflexion. Abbildung Kondylen des Os occipitale bis Wirbel C2 komplett. Bds. Zur Lage-Beurteilung des Dens zu den Massae laterales C1. Neigt sich Dens axis seitlich gegen Massa lateralis? Verringert sich der Dens-Spalt?
Wenn bisher alle Untersuchungen ohne nennenswerten Befund im Bereich der Kopfgelenke ist:
[Bearbeiten] Neurootologische Untersuchung
Untersuchung der Sinnesorgane auf hypoxische oder diffuse, bzw. unmarkante Störungen hin
[Bearbeiten] Funtionsradiologische Untersuchungen
[Bearbeiten] Funktions-MRT der Kopfgelenke
Das Funktions-MRT der Kopfgelenke stellt die wichtigste Untersuchung bei der Beurteilung der Integrität der Kopfgelenke dar.
Untersuchung auf Strukturveränderungen der Bänder und Gelenkkapseln: Untersuchung der Alarligamente, des Lig. apicis dentis, der Gelenkkapseln, des Dens-nahen Gelenks, des Lig. transversum atlantis und der Fasciculi longitudinales.
Untersuchung in Rotationsstellung, Anteflexion, Retroflexion, Lateralflexion mit Rotation
Zusätzlich Beurteilung der Arteria vertebralis in diesen Positionen: z.B. auf “rotational vertebral artery occlusion”, Okklusionen der Vertebralarterien können durch atlantoaxiale Subluxationen oder translatorische Gegenbeweglichkeiten entstehen oder auch bei Verlust der anatomischen Zuggurtung der Wirbel
[Bearbeiten] Eventuell Funktions-CT des kraniozervikalen Übergangs, oder der HWS gesamt mit axialer Schnittfolge und plastischer Rekonstruktion
[Bearbeiten] Eventuell Glucose-Utilisations-PET
[Bearbeiten] Therapie
Ventrale (transorale) oder vorzugsweise dorsale Instrumentierung. Das heißt posteriore Fusion mit Stab- und oder Plattensystemen von C0 (Hinterhaupt) bis mindestens C3. Dazu transartikuläre C1-C2-Verschraubung nach Magerl und winkelstabile Verankerung der Magerlschrauben an dem Stab- oder Plattensystem. Zusätzlich wäre noch die weitergehend stabilisierende Möglichkeit von Halifax-Klammern eine mitunter sinnvolle Option. Sollten aus anatomischen Gründen Schrauben nach Magerl nicht möglich sein, wären auch Isthmusschrauben und Pedikelschrauben eine mögliche Kombination das Bewegungssegment C1/C2 kurzfristig zu stabilisieren.
Unbedingt zu beachten ist, daß als definites Ziel bei einer Instabilitätsverletzung eine vollständige Spondylodese von C0-C3 (oder weiter) anzustreben empfohlen ist, da in den allermeisten Fällen die Zeit kurz ist, bis aufgrund der zwangsläufigen wiederholten Mikroimpulse und der daraus resultierenden Haarrisse in den Schrauben, diese brechen werden. Dabei ist zu beachten, daß der Raum für eine Reinstrumentierung, eine Revision mit neuen transartikulären C1/C2-Schrauben, im Atlas sehr sehr begrenzt ist und oftmals nicht möglich ist, noch einmal Magerlschrauben zu setzen.
Deshalb gilt, sofort eine Verknöcherung der instabilen Segmente anzustreben.