Kdenlive/ Videobearbeitung

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Im Kapitel über Digitales Video haben Sie erfahren, auf welchen z.T. verschlungenen Wegen das digitale Video mit älteren analogen Techniken zusammenhängt, welche Standards und Begriffe aus der Zeit der analogen Bilder (Kino und Fernsehen) übernommen wurden, und was bei der Digitalisierung analoger Quellen beachtet werden muss.

Egal wie, sobald nun Videodaten in digitalisierter Form vorliegen, können sie auf einem mit entsprechender Software ausgestattetem Computer bearbeitet werden. Diese digitalisierte Videobearbeitung unterscheidet sich in einigen Aspekten grundlegen vom traditionellen Filmschnitt am Schneidetisch. Die Bearbeitung am Computer ist, entsprechende Software vorausgesetzt, zerstörungsfrei und nicht-linear. Das ist ein großer Vorteil gegenüber dem Schneiden (und also teilweisen Zerstören) eines Filmstreifens nach der alten Methode, aber auch gegenüber dem (immer qualitätsmindernden) Umkopieren von analogem Material in der Studiotechnik der 70er und 80er Jahre. Um sinnvoll arbeiten zu können, muss man aber die zugrunde liegenden Vorgänge verstanden haben.

Zerstörungsfreiheit[Bearbeiten]

Das wichtigste, was es in Bezug auf Videobearbeitung in Kdenlive (und auch praktisch allen anderen Videoschnittprogrammen) zu verstehen gilt, ist das Wesen oder Status eines "Clips".

Clips tauchen im Projektfenster in der Projektliste und in der Zeitleiste auf. Sie sind das "Material", aus dem Sie Ihr Video zusammen bauen. Doch sind diese Clips nie die tatsächlichen (physischen) Daten auf ihrer Festplatte! Clips stellen vielmehr eine Art Verweis oder Referenz auf das auf der Festplatte gespeicherte Material dar, und Kdenlive bedient sich dieses physischen Materials lediglich in lesendem (nicht schreibendem) Zugriff.

Wenn Sie also einen Clip "schneiden", gehen die physisch gespeicherten Daten außerhalb des In- und Out-Punktes nicht verloren. Vielmehr wird eine Anweisung erzeugt, von den physisch gespeicherten Daten nur das Material zwischen In- und Out-Punkt zu verwenden. Alles, was Sie innerhalb von Kdenlive tun (mit der Ausnahme von Capturing und Rendern), sind lediglich solche Anweisungen zur Auswahl und zur Überlagerung des physisch gespeicherten, im Dateisystem abgelegten Materials.

Was unbeabsichtigtes Löschen betrifft, so bedeutet das folgendes:

  • Wenn Sie einen Clip aus Kdenlives Projektliste löschen, so werden dadurch nicht die referenzierte Datei auf der Festplatte (bzw. im Dateisystem) gelöscht. Hingegen werden, sofern Sie den Clip bereits in Ihrem Video verwendet haben, alle Instanzen des Clips aus der Zeitleiste gelöscht. (Kdenlive fragt deshalb vor dem Löschen nach.)
  • Wenn Sie umgekehrt (z.B. über Konqueror) Dateien aus Ihrem Dateisystem löschen, auf die in einem Ihrer Kdenlive-Projekte als Clip referenziert wird, dann findet Kdenlive beim nächsten Öffnen des Projekts die erforderlichen physischen Daten nicht mehr und fordert Sie auf, danach zu suchen. Das kann auch passieren, wenn Sie Clipdaten in andere Verzeichnisse verschoben oder solche von Wechselmedien (CDROMs usw.) verwendet haben. Versuchen Sie also, alle Clipdaten einmal zu Arbeitsbeginn auf der Festplatte zu organisieren und dann nicht mehr zu verändern, bis Sie das fertige Video gerendert und exportiert haben und Sie sicher sind, nichts mehr daran verändern zu werden.

Nicht-Linearität[Bearbeiten]

Die spezielle elektronische Hardware, mit der man Video (also elektrisch abgespeicherte Daten bewegter Bilder) vor der Zeit des Computers bearbeitete, war durch die Linearität des Bearbeitungsprozesses charakterisiert. Im Wesentlichen bedeutete das: Man spielte das gefilmte Material mit einem Videorekorder ab, um mit einem zweiten die ausgewählten Szenen wieder aufzunehmen. Der Prozess wird linear genannt, da die alle Szenen in der richtigen Reihenfolge überspielt werden mussten. Wenn man so zehn Minuten produziert hatte und dann feststellte, dass bei Minute fünf eine Szene fehlt, musste man alles davor, dann die fehlende Szene und schließlich alles danach ebenfalls noch einmal schneiden, d.h. umkopieren.

Demgegenüber ist die nicht-lineare Videobearbeitung erheblich flexibler. Szenen können an beliebigen Stellen innerhalb des entstehenden Videos platziert werden (das wird in Kdenlive durch die Zeitleiste dargestellt), man kann sie hin und her schieben wie man will und sie in einer ganz anderen Reihenfolge anordnen. Das beste daran: Man kann jederzeit „Play” drücken und sich anschauen, was man bisher gemacht hat.