Konfliktsoziologie

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Gnome-applications-office.svg Dieses Buch steht im Regal Soziologie.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung des Projekts[Bearbeiten]

  • Zielgruppe: Alle, die an Konflikttheorien, Konfliktmanagement, Soziologie und gemeinsamen Lebenswelten und in Ihr begriffene Interaktion interessiert sind.
  • Projektumfang: Das Buch wurde im Rahmen eines Seminars des Instituts der Soziologie der TU Dresden angefertigt. Daher soll es keine vollständige Version des Themas darstellen, sondern zum mit- und weiterarbeiten zum Thema anregen.
  • Themenbeschreibung: Grundlagen der Konflikttheorien in der Soziologie werden angeschnitten und weiterentwickelt über das Konfliktmanagement bis zur Übertragung auf alltägliche Fälle der Konfliktbearbeitung in Sportdiszilpinen
  • Lernziele: Zusammenfassung von Falluntersuchungen nach sozialwissenschaftlicher Methode und Herangehensweise
  • Richtlinien für Co-Autoren:
    1. Sowohl Kapitel zur theoretischen Erweiterung, als auch die Übertragung auf andere Fallbeispiele sind denkbar
    2. Ein sozial-/geisteswissenschaftlicher Anspruch wird an die Co-Autoren gestellt. Co-Autoren sollten sich zunächst die Frage stellen, ob sie das wissenschaftliche Niveau halten können
    3. Bitte keine alltagswissenschaftliche Fallbeschreibungen (d.h. wissenschaftliche und empirische Untermauerungen sollten enthalten sein)
    4. Neue Fälle anhand der Untersuchungsrichtlinien (siehe Aikido, Frisbee) erläutern
  • Autoren: Matthias Ritter und Juliane Artner
  • Aufbau des Buches: zunächst soziologische Konflikttheorien, dazu auch die Theorien zum Dritten (sehr ausbaufähig)/ Dann Konfliktmanagement mit Rollen, Funktionen, etc./Zuletzt Fallbeschreibungen, eine Kategorie Sport, parallel auch andere Felder denkbar

Einleitung[Bearbeiten]

Die hier vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Seminars ‚Konfliktmanagement’ im Wintersemester 2007/ 2008 an der TU Dresden am Institut für Soziologie unter Leitung von Herrn Dipl. Soz. M. Fücker angefertigt. In dieser Arbeit wurden mit soziologischer Perspektive Konflikte im Sport thematisiert und versucht - zunächst anhand von 2 Sportarten- zu verdeutlichen. Die studentischen Autoren, Juliane Artner und Matthias Ritter, sind zum einen der Budosportart ‚Aikido’, zum anderen der modernen Mannschaftssportart ‚Ultimate Frisbee’ seit mehreren Jahren verbunden. Diese Arbeit soll als Beitrag zur theoretischen Fundierung - in Bezug auf den Konflikt - innerhalb dieser Sportarten dienen. Zunächst wurde jedoch auf die Konfliktsoziologie selbst, dem Begriff ‚Konflikt’ und die Entwicklung der Konflikttheorien kurz eingegangen. Danach wurden konfliktsoziologische Ansatzpunkte im Sport sowie die Dimensionen von Konflikten im Sport beschrieben. Nachdem die Konfliktbewältigung theoretisch – im und durch – den Sport dargestellt wurde, konnten die oben genannten Sportarten an dem theoretischen Konstrukt beispielhaft illustriert werden.

Den Verfassern ist bewusst, dass diese Arbeit, schon allein aufgrund des Umfangs, unvollständig ist. Die Einteilung der Kategorien und die Tiefe der dargestellten Theorien sind, wenn nicht anders erwähnt, selbstständig gewählt und unterliegen pragmatischen Überlegungen. In Hinblick auf die Unvollständigkeit unserer Arbeit laden wir die Wiki-community ein, unser Buch um weitere Kapitel zu erweitern und weiterzuentwickeln. Zum einen können die theoretischen Grundlagen im Bereich der Konfliktsoziologie um Theoretiker erweitert und der Bereich der Eskalationstheorien noch ausgeführt werden. Zum anderen sollte auch unser Schwerpunkt der sportbezogenen Konfliktsoziologie um ein Spektrum verschiedener Sportarten ergänzt werden. Einblicke in das Konfliktmanagement anderer Sportarten kann von uns nur als Bereicherung angesehen werden. Wir hoffen das Buch bietet Motivation und Anregungen zum Selbst- und Weiterschreiben.

Konfliktsoziologie[Bearbeiten]

Konflikt, Konfliktsoziologie, Konfliktmanagement[Bearbeiten]

Als Teildisziplin der Soziologie beschäftigt sich die Konfliktsoziologie mit den Konflikten der Gesellschaft. Deren Interesse richtet sich neben den Prozessen der Konflikte, vor allem auf die Arten der Institutionalisierung und auf Regelungen zur Bewältigung eines Konflikts. Der Begriff des Konflikts ist aber innerhalb der Disziplin sehr umstritten. Konflikte werden zumeist als soziale Konflikte begriffen, die aus strukturell vorgegebenen Interessen, Wert- oder Erwartungsdiskrepanzen entstehen - d.h. sie entstehen aus Widersprüchen von Werten, Normen, Zielsetzungen, Erwartungen und Interessen. Der Zusatz des Sozialen intendiert dabei für einige Sozialwissenschaftler einen zwingenden Dyadischen Prozess, d.h. zwischen zwei Personen stattfindend. Einen triadischen Konflikt, also mit drei Konfliktparteien, halten einige Wissenschaftler auch für möglich, wobei deren Kritiker argumentieren, dass Konflikte zwischen drei Konfliktparteien auf eine dyadische Interaktion zurückgeführt werden könnte. Nach unserem Verständnis können drei Personen am Konflikt beteiligt sein. Es gibt in diesem Modell dann zwei Konfliktparteien und einen mit dem Konflikt in Beziehung gesetzten Dritten, der eine vermittelnde Rolle einnimmt. Die Rolle des Dritten wird im Folgenden noch auszuführen sein. Dyadisch soll nicht nur zwischen zwei Personen heißen, sondern auch zwischen zwei Gruppen. Ein Konflikt mit sich selbst (intrapsychologisch), wie in der Psychologie behandelt, wird dadurch ausgeschlossen. Konflikte können unserer Ansicht nach auch übertragen bzw. externalisiert werden. Konfliktpartner ist durch die Transformation nicht mehr eine im Lebensbereich vorhandene Person, sondern abstrakte Objekte (z.B. Maßstabskriterien beim Sport).

Der dyadische Aspekt eines Konflikts zeigt sich auch in der vorausgesetzten Kommunikation. Ein Konflikt muss von zwei Personen kommuniziert werden. Kommunikation ist nicht an eine zeitliche und räumliche Gemeinsamkeit, aber an das Vorhandensein eines Kommunikations- und Konfliktpartners, ein gemeinsames Streitobjekt (sofern bekannt) und Einigkeit über die Streitregeln gebunden. Unter Kommunikation sollte dabei nicht nur die verbale Kommunikation verstanden werden. Kommunikation ist ein soziales Bedingen auf verbaler, aber auch auf mimischer und gestischer Ebene. Die vermittelten Zeichen können sowohl sehr offensichtlich, als auch nur für die Beteiligten wahrnehmbar sein. Durch die Kommunikation werden Widersprüche abgesichert gegenüber Missverständnissen.

Simmel folgend, wird Gesellschaft hier als Vielzahl ineinander verflochtene Wechselwirkungsbereiche verstanden. Aufgrund der Interdependenz ist ein immanentes Konfliktpotential gegeben. Konflikten wird dabei eine vergesellschaftende Funktion zugeschrieben. Innerhalb einer Gruppe wirken Konflikte integrierend. Man spricht in diesen Fällen auch von Prozessen der Gruppenkohäsion. Gegenüber dem Konfliktpartner, also zwischen den Wechselwirkungsbereichen, wird eine Beziehung höchsten Engagement aufgebaut. Die Integrationsleistung des Konflikts wird über dessen Bearbeitung erreicht. Konflikte stabilisieren Gruppen (oder Systeme) auch über die Abgrenzung von anderen Gruppen.

Zum Konflikt kommt es, wenn auf eine Sinnofferte mit Ablehnung reagiert wird und beide Konfliktparteien auf ihrem Standpunkt beharren. Konflikte stellen durch den Widerspruch in grundlegenden Normen, Werten, etc. die bis daher bestehende Ordnung zur Disposition. Die bestehenden Strukturen, zu denen die Werte, Normen und Interessen gehören, werden in Konflikten verhandelt, diskutiert und gegenübergestellt. (ordnende Funktion)

Konflikte werden in der Fachliteratur häufig untergliedert in latente und manifeste Konflikte. Bei latenten Konflikten sind die Widersprüche zwar sozial-strukturell angelegt, aber dem Subjekt nicht bewusst und werden auch nicht im Handeln wirksam. Demgegenüber werden manifeste Konflikte im Handeln wirksam ausgelebt und Lösungsversuche unternommen. Einige Fachleute kritisieren diese Untergliederung, da sie den Konflikt als interaktiven Prozess begreifen. Diesem Aspekt zur Folge gibt es keine latenten Konflikte, also keine unkommunizierten, unterbewussten und unwirksamen Konflikte. Konflikte sollen hier immer manifest sein. Eine weitere Untergliederung, die häufig zu finden ist, unterscheidet echte (institutionalisierte) und unechte (nicht-institutionalisierte) Konflikte. Bei echten Konflikten ist der Gegenstand der Auseinandersetzung sozialstrukturell vorgegeben, aber es gibt mehrere Möglichkeiten des Konfliktmanagements. Unechte Konflikte sind nicht an einen bestimmten Gegenstand gebunden, kennen aber meist nur eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung. In der Gegenüberstellung sind echte Konflikte in ihren Zielen begrenzt und in ihren funktionalen Alternativen variable, unechte Konflikte sind in ihren funktionalen Mitteln festgelegt aber in ihrer Zielsetzung variabel.

Konflikte sind auf verschiedenen Ebenen verortet. Auf der Mikroebene sind Konflikte zwischen Individuen zu betrachten. Die Mesoebene umfasst Konflikte zwischen Gruppen. Im Bereich der Makroebene werden Konflikte von Institutionen und Organisationen betrachtet. Damit sind sowohl Konflikte von Verbänden oder Unternehmen gemeint, als auch bis hin zu Konflikten auf Nationalitätenebene. Die meisten Konflikte werden sehr schnell nach ihrer Verbalisierung erfolgreich bearbeitet. Dennoch haben Konflikte die Tendenz sich unkontrolliert zu entwickeln und letztlich zu eskalieren. Glasl beschreibt diese Konflikteskalation in drei Stufen, wobei auf der ersten Stufe beide Konfliktparteien positiv aus dem Konflikt hervorgehen können (win-win). Im weiteren Eskalationsstrudel können erst ein Konfliktpartner(win-lose) und letztlich beide (lose-lose) als Verlierer des Konflikts gelten.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Konflikte strukturell erzeugte, aus Widersprüchen von Normen, Werten, Interessen, Zielen und Erwartungen entstandene, soziale, dyadische und kommunikative Prozesse der Gesellschaft im allgemeinen sind, die eine zeitliche und räumliche Gemeinsamkeit der Beteiligten nicht voraussetzen. Konflikte sind stets manifest und lassen sich in echte und unechte Konflikte unterteilen.

Diskursstränge – Entwicklung der Konflikttheorien[Bearbeiten]

Historisch gibt es verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten der Einordnung des Konfliktbegriffs und damit einer Soziologie des Konflikts.

Hier wollen wir nun grob 3 Diskursstränge kategorisieren: zunächst der Diskurs, welcher ausgehend von einer Naturhaftigkeit bzw. biologischen Determiniertheit entwickelt wurde, anschließend der Diskurs, welcher aus einer Gesellschaftstheoretischen Perspektive - und schließlich die Theorien, die aus einem interaktionistischen – akteurstheoretischen - Blickwinkel hervortraten. Jeweils werden die Klassiker genannt, kurz auf jene eingegangen und dann moderne Theorien bzw. Anschlüsse genannt.

Naturhaftigkeit und biologische Determiniertheit[Bearbeiten]

Der Konfliktbegriff taucht genau dann in der Gesellschaft auf, als es an Ordnung fehlt bzw. es bewusst wird, dass die Gesellschaft ihre Ordnung selbst herstellen muss. Soziale Ordnung wird seit Ende des Mittelalters und mit Beginn der Aufklärung zum Projekt der Moderne, da die Gesellschaft nicht mehr auf religiöse oder natürliche Ordnung zurückgreifen kann.

Im 16./17. Jahrhundert nehmen vor allem die auf der Natur des Menschen begründeten Theorien das Ordnungsproblem auf, welche zumeist an einen ‚Gesellschaftsvertrag’ gekoppelt sind. Namentlich verbinden wir diese Theorien mit J. J. Rousseau, J. Locke und allen voran Thomas Hobbes.

Für Thomas Hobbes liegt die Ursache des sozialen Konflikts in dem von Natur aus destruktiven miteinander der Menschen selbst. Diese Annahme führt Hobbes konsequenterweise zu der Überlegung eines „Kampf[es] aller gegen aller“, aufgrund dessen eine Herrschaftsordnung hergestellt werden muss, welche die Triebe kanalisiert und somit abmildert.

Auch in der modernen Theorielandschaft gibt es Theorien, die im weitesten Sinne auf den Naturzustand bzw. den biologischen Grundmustern der Evolution aufbauen. Die Grundüberlegung der Soziobiologie, wie sie durch Wilson (1980) maßgeblich bekannt geworden ist, beruht auf der Überzeugung, dass animalisches Verhalten auf menschliches Sozialverhalten übertragbar ist. Gestützt durch evolutionstheoretische Befunde seitens Darwin ist der zugrunde liegende Mechanismus im Selektionsprinzip zu finden, welcher an den Genen eines jeden Individuums festgemacht werden kann. In dieser Perspektive wird dem Menschen soziales handeln abgesprochen, denn nur die Gene bestimmen das Verhalten. Das soziale Verhalten wird auf die beiden über alles stehenden Ziele: dem Kampf um Ressourcen und dem Kampf über Reproduktionschancen reduziert. Konflikte finden somit nicht statt, da kein reflektiertes handeln vorliegt. Jedoch wird der Begriff des Kampfes weiterentwickelt: Im konventionellen rohen Kampf, im geregelten Wettkampf innerhalb des Sports bis hin zur geregelten Konkurrenz am Markt ist er heute (Weber: 1972) omnipräsent.

Gesellschaftstheorie[Bearbeiten]

Eine weitere Unterteilung der Diskursstränge konflikttheoretischer Bemühungen bilden die Gesellschaftstheorien. Im Gegensatz zu den naturhaften Perspektiven gehen gesellschaftstheoretische Überlegungen auf die Strukturen oder auch die Werte der Gesellschaft als Ganzes ein.

a) Strukturen

Ein Klassiker philosophischen Denkens geht auf die strukturellen Widersprüche der Gesellschaft wie folgt ein: Nach Karl Marx beruhen Konflikte auf grundsätzlichen Interessensgegensätzen zwischen sozialen Klassen, welche sich in einem ständigen Klassenkampf äußern. Der Konflikt ist somit ein notwendiger Schritt in eine klassenlose Gesellschaft, in der das Eigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist. Der Konflikt wird seitens Marx als notwendiges Vehikel der Veränderung der Gesellschaft gesehen. Eine bedeutende moderne Theorie, die im Anschluss (und gleichzeitig in Kontrast) zum Marx’schen Ansatz steht, ist die Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf: Nicht das Eigentum an Produktionsmitteln ist der allgemeine Grund der Konflikte, sondern die Herrschaft, die immer die an ihr teilhabende Minderheit mit der ausgeschlossenen Mehrheit konfrontiert. Der Konflikt ist demnach unvermeidlich und ist nur durch Konfliktregelung entgegenzukommen.

Weitere Konflikttheorien wie beispielsweise der Ansatz von Samuel P. Huntington (weitere?) sind hier ebenso zu nennen und sind gegebenenfalls hier noch einzufügen.

b) Werte

Gesellschaftstheoretische Überlegungen zum Konflikt finden sich ebenso im Bereich der Kultur und Werte orientierten Soziologie, wie beispielsweise der ‚verstehenden Soziologie’ Max Webers (1972). Für Weber führt die Auflösung allgemein verbindlicher Handlungsorientierungen im Zuge der Rationalisierung von Weltbildern zu einem Wertepluralismus, welcher keine gesellschaftliche Hierarchie mehr zulässt. Somit kommt es in der Moderne, neben einen für sie typischen Sinnverlust, zwangsläufig zu Konflikten zwischen verschiedenen Werten. Konflikte stellen in dieser Perspektive daher auch Freiheit her. Im Anschluss an Weber haben sich zahlreiche soziologische Theorien entwickelt. Besonders hervorheben wollen wir hier die, zunächst von T. Parsons entwickelte, dann von Luhmann völlig neu entfaltete, Systemtheorie. Luhmann beschreibt den Konflikt als soziales System. Konflikte treten immer dann auf, wenn in der Kommunikation widersprochen wird. Ein Konflikt ist also ein in der Anschlusskommunikation kommuniziertes ‚nein’ zur vorherigen Kommunikation - d.h. allein die Äußerung der Ablehnung ist ein Konflikt. Damit wird der Konflikt aber eher als ein alltägliches zufälliges Ereignis beschrieben und Situationen mit strukturell hohem wiederkehrendem Konfliktpotenzial negiert bzw. nicht thematisiert. Vorteile der systemtheoretischen Sicht liegen vor allem darin, dass keine ‚negativen’ oder ‚positiven’ Konflikte unterschieden werden müssen, das Verhältnis der Konflikte zum „gastgebenden System“ ersichtlich wird, und das keine Ausschließung umgangssprachlich als Konflikte bezeichneter Auseinandersetzungen vorgenommen werden muss.

Über diese komplexe theoretische Herangehensweise hinaus gibt es außerdem noch weitere Theorien, die sich im Sinne eine von der Struktur bzw. Werte der Gesellschaft orientierten Perspektive zum Thema Konflikt thematisieren lassen. Zum einen können beispielsweise aus der geschlechtsspezifischen Ungleichverteilung, wie es die feministische Theorie als Grundlage nimmt, Konflikte entstehen. Zum anderen können ungleich verteilte Lebenschancen, wie es Bourdieu mittels der Differenzierung nach den Kapitalsorten veranschaulicht, mögliche Ursachen sozialer Konflikte sein.

Eine kurze Erläuterung weiterer oder eben genannter Ansätze wäre hier noch wünschenswert.

Interaktionismus und Akteurstheorie[Bearbeiten]

Die interaktionistische bzw. akteurstheoretische Perspektive geht nicht von den gesellschaftlichen Strukturen aus, sondern schließt aus der anderen Richtung, d.h. von den Akteuren bzw. den sozialen Beziehungen, auf die ‚Gesellschaft’ an sich. Als soziologischer Klassiker einer solchen akteurstheoretischen Perspektive gilt Georg Simmel. Er sah den Konflikt als entscheidenden Faktor zur Integration der Menschen in Gruppen. Der Konflikt, so Simmel, gefährdet nicht die Gesellschaft, sondern ist eine Form der Vergesellschaftung.

In der modernen Soziologie hat Lewis A. Coser in Anlehnung an Georg Simmel den Konflikt als Bedingung für den sozialen Wandel beschrieben und ihm eine sozialisierende Funktion zugeschrieben: Konflikte führen zu einer Anpassung bzw. Neuschaffung sozialer Normen und Regeln, dadurch entstehen neue soziale Strukturen, und im Konfliktgeschehen werden sich die Beteiligten dieser Regeln bewusst. Darüber hinaus gibt es weitere akteurstheoretische Überlegungen bezüglich des Konflikts: Innerhalb der soziologischen Theorien (Mead, Goffmann, Esser u.a.) selbst, sowie im Rahmen der (Sozial)psychologie und der Ökonomie lassen sich zahlreiche akteurstheoretische Ansätze finden. Beispielsweise die Spieltheorie, welche eine Verbindung ökonomischer und soziologischer Überlegungen darstellen kann. Obwohl eher in der (Mikro)Ökonomie verankert, stellt die Spieltheorie eine Erweiterung der soziologischen Theorie rationaler Entscheidungen dar. Eine Besonderheit von Konflikten, welche auch unter die akteurstheoretische Perspektive fällt, stellt die Eskalationstendenz von Konflikten dar. Einmal wahrgenommen können sich Konflikte schnell hochschaukeln, bis dahin, dass die Ursache des Konflikts nicht mehr dominant ist, sondern nur der Konflikt selbst. Im ersten Abschnitt wurden schon die 3 Entwicklungsstufen thematisiert. Glasl (1993) hat darüber hinaus 5 „Basismechanismen der Eskalationsdynamik“ beschrieben, die ich hier kurz vorstellen will

    1. Zunehmende Projektion bei wachsender Selbstfrustration – Alles Negative wird auf die Gegenseite projiziert, zudem frustrieren sich die Personen mit unbeherrschten Aktionen selbst.
    2. Ausweitung strittiger Themen bei gleichzeitiger Komplexitätsreduzierung – Es kommt zu einer ‚Issue-Lawine’, jedoch neigen die Konfliktparteien zur Simplifizierung, da die komplexen Zusammenhänge nur beschränkt bearbeitet werden können.
    3. Wechselseitige Verflechtung von Ursache und Wirkung bei gleichzeitiger Simplifizierung der Kausalbeziehungen – Vermischung subjektiver und objektiver Sphäre, zudem wird die Situation stark vereinfacht wird.
    4. Ausweitung der sozialen Dimension bei gleichzeitiger Tendenz zum Personifizieren des Konflikts – Einbeziehung weiterer Personen zur Unterstützung, zudem wird die Schuld personifiziert und die Konfliktparteien sehen sich weniger.
    5. Beschleunigung durch Bremsen – Was als Abschreckung beabsichtigt ist, wirkt als Provokation und Beschleunigung.

Die Rolle des Dritten im Konflikt[Bearbeiten]

Wir haben im ersten Kapitel schon erwähnt, dass ein Konflikt sich in diesem Text nur in der Dyade abspielt (Simmel, Berger und Luckmann: Dyade als Grundform des Sozialen verstanden). Dennoch kann ein Dritter in den Konflikt einbezogen werden. Alois Hahn unterscheidet (in Fortführung von Simmel 1908) verschieden Arten von Dritten:

  • Der „lachende“ Dritte
  • Koalitionär
  • Vermittler und Mediator.

In der Soziologie wird der Dritte auch als

  • „Fremder“

verstanden, wobei Simmel auch den nahestehenden Dritten kennt (1908), der in der unparteiischen Konfliktbegleitung ebenfalls Rollen einnehmen kann. Ist der Dritte der „Fremde“ muss er über Kriterien in den Konflikt in Beziehung gesetzt werden. Der Dritte kann in unserem Konfliktverständnis weder als „lachender“ Dritter, noch als Koalitionär verstanden werden. Als Koalitionär kann der Konflikt wieder auf eine Dyade zerlegt werden (Konflikt zwischen Gruppe und Individuum).

Der Dritte tritt als Richter, Mediator, Schlichter oder Vermittler auf. Die verschiedenen Rollen sind jeweils mit Handlungserwartungen und Sinnzuschreibungen verbunden, die den Dritten in den Konflikt integrieren. Der Dritte vermittelt durch seine Allparteilichkeit zwischen den Konfliktparteien. Die Konfliktparteien ihrerseits können ihm so Machtressourcen übertragen und damit einen Teil ihrer Verantwortung abgeben, ohne in ihren Handlungskompetenzen eingeschränkt zu werden. Durch den Dritten entsteht eine Fläche jenseits der Dualität der Sinnofferte. Der Konflikt wird über eine indirekte Beziehung über den Dritten ausgetragen. Der Dritte ermöglicht, so Lindemann, eine Objektivität des sozialen Gebildes.

Konflikte im Sport[Bearbeiten]

Konfliktsoziologische Ansatzpunkte im Sport[Bearbeiten]

Konflikte sind in der Gesellschaft (wie bereits erwähnt) allgegenwärtig. Aber gerade im Bereich des Sports treten Konflikte vermehrt auf. Konflikte sind im Sport institutionalisiert. Der Wettkampf gehört zu vielen Sportarten als Konfliktbearbeitung hinzu. Es wird vermutet, dass Wettkämpfe in früheren Zeiten den Kampf um Leben und Tod ersetzen sollten. So konnten sich die Krieger vergleichen, ohne dass sie als Arbeitskraft für die Gemeinschaft verloren gingen.

Im Sport werden aber nicht nur institutionalisierte (d.h. nach Regelwerken stattfindende) Konflikte mit Gegnern oder gegnerischen Teams ausgetragen. Im Sport gibt es die Besonderheit der Externalisierung des Konflikts. (dazu mehr in Kapitel 2.2.)

Die Besonderheit des sportlichen Konflikts ist, dass dessen Lösung bzw. Bearbeitung institutionalisiert und kanalisiert ist. Im Sport werden Konflikte nicht nur explizit vorgeschrieben, sondern in Regelwerken deren Bearbeitung bis ins kleinste festgelegt. Über diese Regelwerke muss Einigkeit bei den Konfliktbeteiligten herrschen. Diese Regelwerke schreiben meist auch die Selektionsprinzipien, Konfliktobjekte und –klassen vor. Selektionsprinzipien können objektive Messungen der Geschwindigkeit, Weite, Höhe oder Anzahl an Toren, aber auch subjektive Einschätzungen der Ästhetik, Schönheit, Gelenkigkeit, etc. sein. Auch werden im Wettkampf häufig Eigenschaften der Sportler unterschieden, wie Alter, Geschlecht oder Körpergewicht, und ihnen dementsprechend die Wettkampfpartner zugewiesen. Konfliktobjekte sind in Wettkämpfen meist Trophäen, Medaillen und Pokale. Genauso wichtig sind aber auch der dadurch gewonnene Prestige und in manchen Sportarten die nicht unerhebliche Geldprämie.

Auf die Einhaltung des Regelwerkes achten meistens Dritte, am Konflikt/Wettkampf Unbeteiligte. Es können Schiedsrichter und Juroren sein, aber auch Trainer und Trainingspartner bzw. Mannschaftsmitglieder.

Die verschiedenen Konflikt- und Bewältigungsdimensionen, die Institutionalisierung des Regelwerks und dessen Durchsetzung, die Rolle des Unbeteiligten und die Sonderform der Externalisierung sind die Ansatzpunkte für eine Konfliktsoziologie im Bereich des Sports.

Dimensionen von Konflikten im Sport[Bearbeiten]

Nun nehmen wir die Konfliktdimensionen aus dem ersten Abschnitt wieder auf und betrachten diese im System Sport. Differenziert nach Erscheinungsform sind Konflikte (unserer Ansicht nach) immer manifest, können aber auch transformiert werden. Beispielsweise kann Frust in der Beziehung oder im beruflichen Alltag in ein ‚unfaires’ Foul am Gegner transformiert und somit gegebenenfalls kompensiert werden. Weiterhin unterteilen wir die Konflikte im Sport in institutionalisierte und nicht- institutionalisierte Konflikte. Innerhalb der Konfliktforschung haben sich hier äquivalent die Begriffe echte und unechte Konflikte etabliert. Außerdem soll folgend der schon oft angesprochene Spezialfall der Externalisierung von Konflikten im Sport erläutert werden.

Externalisierung der Konflikte im Sport[Bearbeiten]

Im Sport sind Konflikte externalisiert, dass bedeutet, dass ein soziokultureller Transformationsprozess stattgefunden hat. Historisch gesehen hat sich der ‚Kampf’ zu einem Wettkampf transformiert: Bereits in der Antike fand man es nicht mehr ‚unbedingt’ als erstrebenswert sich gegenseitig zu verletzten oder zu töten, sondern war es sinnvoller (vor allem innerhalb der eigenen Sippe) das Leben zu erhalten. Man hat sich nun in einem Wettkampf messen können und so Macht, Geld, Prestige oder Ruhm erlangen können. Diese Entwicklung fand selbstverständlich schubweise und eingebettet in den unterschiedlichen Orientierungen im Zeitverlauf der verschiedenen Kulturen statt. Als Beispiel kann der (inszenierte) Ritterkampf des Adels im Mittelalter dienen. Das umkämpfte Gut hat sich nach außen verlagert und liegt nicht mehr in der physischen Verletzung oder sogar Tötung des Gegners, sondern in der Herrschaftsgewalt, in der Macht, in der Gunst um Frauen, im Geld bzw. im Prestige oder Image einer Person. Entscheidend hierbei ist, dass das umkämpfte Gut nicht teilbar ist und von beiden Seiten mit gleicher Wertigkeit gesehen wird. Das Selektionskriterium zur Entscheidung über Sieg und Niederlage, welches sich im modernen Sport etabliert hat, liegt in der Anzahl der erreichten Punkte bzw. Tore, der Höhe, der Weite, der Art der Darbietung oder der Zeit innerhalb derer man sich misst. Plastisch wird dies, wenn man sich die ausdifferenzierten Messverfahren vergegenwärtigt, die sich gleichsam entwickelt haben und weiterhin verfeinert werden, damit auch im Bereich von Millimetern und Zehntel Sekunden der Gewinner ermittelt werden kann.

Institutionalisierung der Konflikte im Sport[Bearbeiten]

Die Unterscheidung von echten und unechten Konflikten richtet sich nach der Gebundenheit an ein Objekt. Bei echten Konflikten ist der Gegenstand der Auseinandersetzung sozialstrukturell vorgegeben, beispielsweise das Fouls eines Gegners im Spiel, dessen Umgang im Regelwerk beschrieben wird. Unechte Konflikte hingegen sind nicht an ein Objekt gebunden. Unechte Konflikte sind im System Sport nicht vorhanden, jedoch im täglichen Umgang allgegenwärtig – dies mag zunächst paradox klingen, doch folgend soll versucht werden dieses Paradox aufzulösen.

Echte - institutionalisierte - Konflikte, im Sinne der vom Regelwerk getragenen Konflikte sind zentral für die Konflikte im Sport. Am System des Rechts orientierend, können Konflikte nur entstehen, wenn sie im Rahmen des Regelwerks wahrgenommen werden. Institutionalisierte Konflikte sind an Regelungen gebunden und werden nur dann zu solchen, wenn sie im Regelwerk verankert sind. Im Sport kann davon ausgegangen werden, dass es in den meisten Sportarten zu ständigen Regelverletzungen kommt. Das Regelwerk gibt dabei die verbindlichen Handlungsspielräume vor.

Unechte – nicht institutionalisierte - Konflikte kommen ständig in Form von alltäglichen Konflikten oder Streitigkeiten der Sportmitglieder untereinander vor und sind vom System Sport analytisch zu trennen. Jedoch müssen diese hier auch erwähnt werden, da sie im Kontext sportlicher Aktivitäten, wie in allen anderen Bereichen, allgegenwärtig sind. Nicht institutionalisierte Konflikte, wie sie hier dargestellt sind, werden von den in der Gesellschaft befindlichen Regulierungen alltäglicher Konflikte bestimmt. Nach Luhmann und Goffmann liegt in jeder Ablehnung einer Sinnofferte ein Konflikt vor. Dieser wird in unterschiedlicher Art und Weise entgegnet. Goffmann beispielsweise argumentiert, dass mittels eines ‚korrektiven Austausches’ Konflikte verriegelt werden können und somit wieder Ordnung hergestellt wird. So zum Beispiel wenn das Bewusstsein um eine Normübertretung durch eine Entschuldigung wieder „gerade gerückt“ wird. Andere Theoretiker sprechen von einer Ausgleichshandlung.

Im institutionalisierten Sport wird diese Ausgleichshandlung durch das Regelwerk bestimmt. Sanktionen oder die Drohung möglicher Sanktionen werden mittels der Rolle des Schiedsrichters durchgeführt. Diese Sanktionen beinhalten oft im Sinne der Fairness bzw. dem Ziel des Gewinns eine Begünstigung für den/ die Gegner. Diese Aspekte sollen nun erläutert werden.

Konfliktmanagement im Sport[Bearbeiten]

Regelwerk[Bearbeiten]

Das Regelwerk spielt in jedem Konflikt eine herausragende Rolle. Es konzipiert den Konflikt als echten manifesten, das heißt institutionalisierten Konflikt. Im Regelwerk sind das umkämpfte Gut, die erlaubten und nicht erlaubten Handlungen und auch den erfolgreichen Abschluss festgelegt. Das Regelwerk macht einen Konflikt zwischen zwei Parteien erst möglich. Erst durch die Einigkeit über die Rahmenbedingungen ist es ein echter, mit Sinn besetzter Konflikt. Wenn zum Beispiel einer um Geld Spielt und ein anderer die Medaille gewinnen will, dann haben sie keine konfligierenden Ziele, d.h. jeder kann sein Ziel, unabhängig vom (Wett-)Kampf erreichen. Das Regelwerk ist für Konfliktparteien auch anstrebenswert, da Sie den Konflikt, oder im Falle des Sports, den Wettkampf regelt und somit teilweise vorhersehbar macht. Das Risiko für die Konfliktparteien sinkt, die Chance den Ausgang abzuschätzen steigt.

Beobachtet man Kinder beim freien Spiel, kann man deutlich beobachten wie wichtig die Einigkeit über Regeln ist. Das Regelwerk wird beim freien Spiel verhandelt und ausgefochten, genauso wie in Konflikten bei Erwachsenen. Doch bei Erwachsenen mit abgeschlossener (Primär- und Sekundär)Sozialisation sind vermehrt vorgefertigte Verhaltensmodelle zur Orientierung vorhanden, welche Verhaltenserwartungen darstellen. So sind einige unausgehandelte Konfliktregelungen beim Erwachsenen Vorhanden, wie zum Beispiel dass ein Konflikt eine Spannungsdynamik enthält. Wird am explosivsten Punkt von einem Konfliktpartner ein Witz eingeworfen, wird der andere wohl eher nicht lachen, aber mit Unverständnis reagieren.

Im Sport ist das Regelwerk häufig vorher schon festgelegt worden und wird nicht mehr von den Sportlern ausgehandelt. Um an einem Wettkampf teilnehmen zu dürfen, muss sich der Sportler dem bestehenden Regelwerk unterwerfen und muss bei Nichtachtung mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss rechnen. Das Regelwerk beim Sport kann von verschiedenen Instanzen vertreten werden, angefangen von den Konfliktgegnern, über den Trainer, den Kapitän, den Trainingspartnern und den bereits erwähnten Schiedsrichter oder den Juroren, aber auch den Zuschauern. Häufig ist das Regelwerk der einzelnen Sportarten schriftlich festgehalten und so (meist) für jeden objektiv zugänglich.

Fairness[Bearbeiten]

In den letzten Jahr(zehnt)en lässt sich immer mehr im Sport beobachten, dass der Fairnessgedanke, der erlernten Unfairness weichen muss. Vor allem im Leistungs- und Profisport wird bewusst List, Betrug und Täuschung eingesetzt. (z.B. im Fußball Fouls vorzutäuschen, Doping, etc.) Damit besteht die Gefahr, so Manfred Messing, dass der Wettkampf nicht mehr ein Leistungsvergleich ist, sondern ein Vergleich der besten Betrugsstrategien. Wischmann führt diesen Gedanken weiter: „Die Fairness stellt also eine sittliche Forderung dar, die nur in der agonalen Situation verwirklicht wird und sich nur an den Menschen richtet.“ (eine agonale Situation beschreibt einen konflikthaften sozialen Austausch)

Unter Fairness wird nicht nur die Einhaltung der Spielregeln verstanden. Guttmann verortet die Entstehung des Fairnessgedanken in die Mittel- und Oberschicht der viktorianischen Epoche. Er formulierte vier Thesen von Fairness:

    1. Halten an Spielregeln
    2. Ziel soll das Gewinnen des Spiels sein.
    3. Der bestmögliche Gegner soll gesucht und es ihm ermöglicht werden, seine beste Leistung zu erbringen.
    4. Die Zuschauer sollen unparteiisch sein.

Damit argumentiert Guttmann, dass moderne Fairness nicht in der Antike schon vorherrschend war (Vor allem weil der die Leistung des Verlierers nicht respektiert wurde)

Fairness wird heute sowohl als universalistisch (McIntosch), also das ganze Alltagsleben betreffend, als auch partikulär (Jost), d.h. nur auf den Bereich des Sportwettkampfs ausgerichtet, verstanden. Wischmann formulierte dazu: „Sie (die Fairness) kann nur dort, wo sich Menschen auf der Ebene des Kampfes oder Wettstreits gegeneinander bewegen, in Erscheinung treten, z.B. im Kampf der Völker, Klassen, Parteien oder im Wettstreit der Sportler oder überall dort,[…], wo Rivalität herrscht[…].“

Fairness und Unfairness sind, Parsons folgend, von der Umwelt abhängig. Der Psychologe Volkamer bringt in seiner Studie eine ungewohnte Umgebung mit einer niedrigeren Frustrationstoleranz in Verbindung. Die ungewohnte Umgebung versetze den Sportler in einen erhöhten Erregungszustand, der die Wahrscheinlichkeit für unfaires Verhalten steigert.

Die Einstellung zu Fairness, so Messing, variiert mit Sportart, Sportmodell, Persönlichkeit und Umwelt. Vor allem die ersten beiden Einflussgrößen lassen die Idee eines „Ethos“ in verschiedenen Sportarten zu.

Der Dritte[Bearbeiten]

Schiedsrichter, Juror[Bearbeiten]

Der Schiedsrichter ist am sportlichen Konflikt nicht beteiligt. Aber er nimmt die Rolle des außenstehenden Dritten ein. Er achtet auf die Durchsetzung des Regelwerks und richtet zwischen den Konfliktpartnern. Er stellt Regelverstöße fest und verhängt Sanktionen, wie z.B. Zeitstrafen, Punktabzüge und Ausschluss vom Wettkampf. Der Schiedsrichter entscheidet auch den Wettkampf. Er entscheidet über die Vergabe von Punkten, er wertet die Leistung und entscheidet damit über den Ausgang des Kampfes. Gerade deshalb gilt für Schiedsrichter der Anspruch der Unparteilichkeit.

Eine ähnliche Position nimmt der Juror ein. Der Juror kann auch über den Wettkampf entscheiden und achtet auf die Einhaltung des Regelwerks. Aber im Gegensatz zum Schiedsrichter ist der Juror vom Wettkampf weiter entfernt. Der Schiedsrichter nimmt meist am Wettkampf teil, läuft beim Fußball auf dem Spielfeld mit oder befindet sich beim Boxen im Ring. Der Juror sitzt meist am Rand und beobachtet das ganze Spielfeld. Außerdem gibt es meisten mehrere Juroren, mit gleichem Entscheidungsgewicht. Es entscheiden also mehrere Juroren gleichberechtigt. In einigen Sportarten (z.B. Fußball) gibt es auch mehrere Schiedsrichter, aber diese stehen in einer Entscheidungshierarchie. Jeder hat sein Entscheidungsgebiet und es gibt einen leitenden Schiedsrichter.

Schiedsrichter und Juroren erhalten ihre Handlungsressourcen meist über das Regelwerk zugewiesen. Sie unterliegen diesem also auch. Ihre Legitimation erhalten sie sowohl durch die Konfliktparteien, als auch durch Institutionen der Sportarten.

Der Schiedsrichter oder Juror stellt im Wettkampf eine Form der Konfliktbearbeitung. Denn in einem Wettkampf lassen sich die Gegner auf das Regelwerk des Spiels ein und geben gegebenenfalls die Entscheidung über den Sieg an die Instanz des Schiedsrichters oder Jurors ab. Der Schiedsrichter erhält die Entscheidungsgewalt über den Konflikt und damit über das umkämpfte Gut. Er steuert auch den Wettkampf. Er kann ihn unterbrechen, kommentieren und Wettkämpfer austauschen. Die Wettkämpfer unterwerfen sich seiner Entscheidung. Damit stellt er eine Form der Konfliktbearbeitung dar.

Trainer, Kapitän[Bearbeiten]

Sowohl der Trainer als auch der Kapitän einer Mannschaft nehmen eine Sonderstellung im Konflikt ein. Der Trainer oder Kapitän stellt für den Sportler zum einen eine Vertrauensperson dar, zum anderen ist er Mentor und Vorbild. Durch Sie werden neue Mitglieder in die Gruppe integriert und in der Sportart sozialisiert, d.h. Spiel- und Verhaltensregeln werden durch non-formales und informelles Lernen weitergegeben. Damit hat der Trainer einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Sportlers und dadurch auf den Wettkampf. Der Trainer bestimmt nicht nur die Strategie bei Wettkämpfen, sondern legt schon von Anfang an, in der Sozialisation als Sportler, entscheidende Grundlagen für dessen Konfliktbearbeitungsstrategien. Der Trainer begleitet den Sportler meist seit er mit dem Sport begonnen hat und begleitet ihn meist mehrere Jahre. Er ist die Bezugsperson für den Sportler- in Individualsportarten noch mehr als in Mannschaftssportarten.

Der Kapitän in Mannschaftssportarten hat weniger Einfluss im Sozialisationsprozeß, doch stellt er ebenfalls eine Bezugsperson für die Mitspieler und Trainingspartner dar. Er leitet die anderen an und koordiniert die Mannschaft. Er steht in einer Hierarchie zu den Mannschaftsmitgliedern.

Sowohl Trainer als auch Kapitän können in Konflikte der Sportler bestimmend eingreifen.

Gruppen und Trainingspartner[Bearbeiten]

Man sollte den Einfluss der Mannschaft bzw. Trainingsgruppe nicht unterschätzen. In verschiedenen Experimenten wurde von Psychologen der Einfluss von Gruppen nachgewiesen. In psychologischer Perspektive wird durch den Majoritäteneinfluss Anpassungstendenzen beschrieben. D.h. eine einstellungshomogene Gruppe kann die Einstellung von einem Einzelnen entscheidend beeinflussen.

Auch die Gruppenkohäsion ist entscheidend. (Als Gruppenkohäsion wird in der Soziologie und Psychologie der Zusammenhalt einer Gruppe verstanden (Carron, Brawley und Widmeyer:„Cohesion can be defined as a dynamic process that is reflected in the tendency for a group to stick together and remain united in the pursuit of its instrumental objectives and/or for the satisfaction of member affective needs“). Man unterscheidet dabei zwischen sozialer Kohäsion und aufgabenbezogener Kohäsion.) In einer Gruppe versucht man sich in Interessen, Normen, Werten und Einstellungen anzugleichen, um den Zusammenhalt zu stärken, indem Konflikte vermieden werden. Im Gegensatz dazu werden möglichst viele Differenzen gesucht, um die Gruppe von anderen Gruppen abzugrenzen. Dies wird im Wettkampf von Mannschaften häufig im und vor dem Spiel in den Anfeuerungsreden der Trainer und Kapitäne deutlich. Beide Einflussmöglichkeiten können sowohl Konfliktverstärkend, als auch konflikthemmend eingesetzt werden. Wird eine Konfliktbearbeitung (z.B. Gewalt) einer Einzelperson von der Mannschaft oder Trainingsgruppe nicht unterstützt oder ist mit Sanktionen besetzt, wird der Konflikt von der Einzelperson (sofern sie weiter Teil der Gruppe ist und bleiben möchte) sozial konform gelöst oder gar ganz gemieden. Im Gegenteil dazu gibt es in vielen Mannschaftssportarten generationenwährende Konflikte zwischen Sportclubs, der fortwährend von der Mannschaft und auch den Fans geschürt wird.


Sport als Konfliktmanagement – Funktionen des Sports[Bearbeiten]

Wie wird der Sport als konfliktregulierendes System verstanden? Oder anders, wie können Konflikte durch den Sport bewältigt werden? Dahinter steht die Frage welche Funktionen dem Sport in der Gesellschaft zukommen, bzw. welchen Beitrag der Sport für den Erhalt oder Erreichung eines sozialen Systems, also einer Rolle, einer Gruppe oder Institution, leisten kann. Aus einer struktur-funktionellen Sichtweise, kann angenommen werden, dass der Sport ein wichtiges Element des sozialen Systems per se darstellt. Der Sport dient vor allem der Anpassung an bestimmte Gegebenheiten und die Erreichung bestimmter Ziele, welche nun erläutert werden sollen. Neben dem Erwerb physischer Fitness liegen die Ziele, beispielsweise des Schulsports, in der Übernahme oder Erlernung bestimmter positiv besetzter Werte, wohingegen innerhalb des Leistungssports die Erzielung von Gewinn die höchste Priorität besitzt. Ebenso ist die Integration der Mitglieder ein entscheidender Faktor im Sport, was bedeutet, dass die Teilnehmer die Normen und Werte des Sports billigen müssen, ansonsten werden sie sanktioniert – oder sogar ausgeschlossen.

Um ein soziales System dauerhaft zu etablieren, ist es notwendig, dass sich gleichsam Mechanismen der Konfliktbewältigung herausgebildet haben. Eine Analyse der Funktionen des Sports kann aufzeigen welche Konflikte, des Alltags, also in der ‚Gesellschaft’, mittels Sport gelöst werden können.

Vom Sport wird angenommen, dass er die 4 folgenden Funktionen erfüllt: (Röthig: 2003)

Sozio-emotionale Funktion[Bearbeiten]

Sport kann Spannungen und Aggressionen regulieren und beeinflussen, dass heißt, dass durch den Sport intra-individuelle Konflikte gelöst werden können. Anspannungen im schulischen oder beruflichen Alltag werden mit Hilfe des Sports einerseits gemildert, andererseits wird versucht Anspannungen – ‚Nervenkitzel’ - mit Hilfe des Sports zu erzeugen. Entspannung und Aggressionsbewältigung stellen in der sozio- emotionalen Funktion ein Kontinuum dar, werden dementsprechend (individuell) gesucht oder abgelehnt.

Etabliert hat sich im Kontext dieser Funktion die Sporttherapie, welche versucht Menschen unter neurologischen Aspekten zu rehabilitieren. Es werden vor allem physische, psychische und soziale Funktionen der Person versucht zu stärken oder wiederherzustellen. Im psychologisch therapeutischen Bereich sind zum einen Therapien zur Erhöhung des Selbstbewusstseins, zum anderen Bewältigungstechniken von Aggression durch den Sport etabliert. Entspannungstechniken, wie autogenes Training, Yoga oder Hypnose etc. sollen beispielsweise die psychische Anspannung verringern. Gleichsam existieren zunehmend häufig psychologische Coachings zur Optimierung der Motivations- und Leistungssteigerung, oder zur Stabilisierung und Wiederherstellung der Arbeitskraft, die auf Elemente des Sports zurückgreifen.

Sozialisationsfunktion[Bearbeiten]

Die Sozialisationsfunktion verdeutlicht die kulturelle Verankerung der Moralvorstellungen einer Gesellschaft durch den Sport. Die Sozialisation beeinflusst, so wird angenommen, die Charakterentwicklung entscheidend. Konflikte zwischen Werten und Normen werden hier aufgearbeitet. Die Sozialisation ermöglicht ein moralisches, sozial-normatives und symbolisch strukturiertes Handeln im Sport. (Schäfers: 2006), indem vor allem Normen und Symbole vermittelt werden. Sozialisation bedeutet aber auch den Aufbau eines eigenen Selbst, dass heißt die Entwicklung der Fähigkeit zu autonomen handeln. Beispielsweise, dass man auch dann sicher handeln kann, wenn Konflikte gelöst werden müssen, oder wenn die stabilisierende Kraft sozialer Normen fehlt oder soziale Normen einen breiten Handlungsspielraum lassen - Sport kann einen solchen Rahmen bieten. (Heinemann: 2007) Zu beachten ist, dass der Prozess der Sozialisation eines Individuums in ein soziales System, hier des Sports, abhängig von den bereits vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten, sowie den Sozialisationsagenten, den Eltern, (Sport)- Lehrern oder Trainern ist.

Sozial-integrative Funktion[Bearbeiten]

Die sozial- integrative Funktion beschreibt den Prozess der Eingliederung in die Sozialstruktur eines sozialen Systems. Das Individuum kann durch den Sport in ein Kollektiv unterschiedlicher Gruppen und sozialer Schichten eingebunden werden, womit sich Identifikationsmöglichkeiten eröffnen bzw. ein Wir-Bewusstsein geschaffen wird. Der Zerfall eines sozialen Systems soll damit verhindert werden, denn die Wahrung der Stabilität eines sozialen Systems steht im Vordergrund. Ungelöste Probleme der Integration resultieren in Wandel, in Innovation, aber auch allzu oft in Konflikten. Beispielhaft kann hier die Integration von Kindern oder Erwachsenen in eine Mannschaft oder Trainingsgruppe gesehen werden.

Es wird oft proklamiert, dass die Integration im Sport Gefühle der Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Gleichheit von Personen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, oder auch unterschiedlicher ethnischer Zusammensetzung etc. herstellen kann und soll, so dass ein ‚Zusammengehörigkeitsgefühl’ entsteht. Durch den Sport kommt es zu einer Verringerung der sozialen Distanz. Jedoch kann man gleichsam sehen, dass Sport ebenso soziale Distanz schaffen kann, da beispielsweise die Mitgliedschaft in Sportmannschaften eher homogen ausfällt. (Bourdieu: 2000) Vor allem aber, da jedem Wettkampf die Betonung des eigenen Könnens innewohnt, also auf individuelle Fähigkeiten reduziert werden kann, ist die Möglichkeit zur sozialen Polarisierung gegeben. Zudem beruht der Wettkampf oftmals auf die Zugehörigkeit, der Loyalität mit der eigenen Mannschaft bzw. des gewünschten Siegers, welcher Anlass zu konfliktträchtigen Verhalten geben kann, beispielsweise in Fußballstadien in der Auseinandersetzung zwischen Fans zweier Mannschaften.

Politische Funktion[Bearbeiten]

Das Kollektivgefühl wird auch in der politischen Funktion des Sports aufgenommen. Auf der Makroebene beschreibt die politische Funktion die Regulierung und Mobilisierung der politischen Ordnung mit Mitteln des Sports. D. h., dass beispielsweise durch den Sport Identitätsgefühle geweckt werden können, so dass das soziale Prestige gefördert werden kann, wie es wohl im Nationalsozialismus oder auch im Sozialismus der DDR der Fall war. Der Sport - in jedem Falle - bringt Menschen zusammen, was politisch instrumentalisiert werden kann. Beeinflusst, instruiert oder gefördert durch die Politik gibt es internationale Wettkämpfe zur ‚kulturellen Eingliederung’, wie es bei den Olympischen Spielen angedacht war bzw. noch ist. Gegenwärtig –im Zuge der kommenden Olympischen Sommerspiele in Peking- wird versucht über das Medium Sport politischen Einfluss auf die chinesische Regierung zu nehmen. Durch den Sport werden somit politische Ziele und Interessen vor allem in Bezug auf Fairness und Gleichheit (inter)kulturell thematisiert und vermittelt.

Konfliktmanagement am Beispiel verschiedener Sportarten[Bearbeiten]

Exkurs: Einteilung der Sportarten[Bearbeiten]

Es finden sich verschiedene Möglichkeiten das System Sport zu beschrieben. Beispielsweise nach den Sportbereichen, den Grundtypen des Sports oder auch nach Sportarten. Auf letztere Kategorie wollen wir genauer eingehen. Zur Charakterisierung der Sportarten wollen wir zunächst eine mögliche Unterteilung der Sportarten vornehmen. Die 4 Merkmale sollen als Orientierung bezüglich verschiedener Dimensionen von Konflikten im Sport dienen.

Sportarten können nach vier unterschiedlichen Kriterien wie folgt eingeteilt werden: (Haag: 1995)

  • Sozialbezug (Einzel-, Partner-, Mannschaftssportart)
  • Umweltbedingtheit: Innen-, Außenbereich, Wasser, Schnee
  • Art der Leistungsfeststellung: cgs-Sportart (Leichtathletik) Kunstsportart, Spielsportart
  • Art der Bewegungsleistung: Bewegung des eigenen Körpers, Bewegung eines Gerätes unter Einschaltung eines Zwischenmediums, Bewegung an einem Gerät, Bewegung durch äußere Kraft

Die Einteilung des großen Gebiets des Sports in Sportbereiche soll anhand von fünf Fragestellungen im Einzelnen dargestellt werden, da hiermit ein Gesamtüberblick zur Vielfalt des Sports möglich ist. a) Warum treibt man Sport? (Leistungs-, Gesundheitssport etc.) b) Wer treibt Sport? (Kinder-, Studenten-, Frauen, Seniorensport etc.) c) Wann wird Sport getrieben? (Pausen-, Urlaubs-, Wochenendsport etc.) d) Wo wird Sport getrieben? (Schul-, Vereins-, Hochschulsport etc.) e) Wieweit ist der Sport in Wettkampfstrukturen eingebettet? (Wettkampf-, Wettkampfloser Sport) Jedes Sporttreiben kann damit – wenigstens grob - eingeordnet werden, ebenso wird die Vielfalt der Ausprägungsformen des Sports Rechnung getragen. Diese differenzierte Sichtweise ist notwendig, da oftmals falsche Informationen bzw. Einschätzungen im Hinblick auf bestimmte - zumeist eher unbekannte- Sportarten, gegeben werden.

Konfliktmanagement beim Aikido[Bearbeiten]

Einordnung[Bearbeiten]

Aikido wird als asiatische Sportart zu den Budosportarten gezählt, bzw. als Martial Arts bezeichnet. Budosportarten sind Kampfsportrichtungen oder -künste die vorwiegend im asiatischen Raum unter Einfluss verschiedener religiöser und kultureller Bedingungen (vorwiegend Bushido, Budismus, Taoismus, ect.) entstanden sind und einen Anteil an Charakterschulung für sich beanspruchen. Im Wesentlichen wird von einem Kampf von zwei Personen ausgegangen. In seltenen Fällen werden auch Formen trainiert, in denen einer von mehreren Gegnern angegriffen wird.

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, d.h. dass es keine Wettkämpfe, wie in den Kampfsportarten gibt. Es werden keine Meisterschaften abgehalten oder Weltranglisten entworfen. Im Aikido sind Unterscheidungen nach Gegebenheiten, wie Geschlecht, Alter, Größe oder Gewicht verpönt. Eine Unterscheidung wird teils nach abgelegten Graduierungen, teils nach Fähigkeiten unternommen, welche aber durch die vielen verschiedenen Maßstäbe (der Schulen, Richtungen und Präferenzen) sehr ungenaue Grenzen ergeben.

Aikido ist trotz des Strebens nach Harmonie eine Vollkontaktsportart. Im Training wird im Duell gekämpft, wobei vorher abgesprochen wird, wer Angreifer (Uke, Verlierer) und wer Verteidiger (Nage/Tori, Gewinner) sein wird. Die Trainingspartner nehmen wechselseitig beide Rollen ein und werden dazu angehalten beide Positionen zu schätzen. Es werden auch Formen mit mehreren Angreifern trainiert oder unter Fortgeschrittenen ohne den Verlauf des Kampfes abzusprechen, d.h. es wird nicht festgelegt, wer Angreifer ist, wie dieser angreift und welche Verteidigungstechniken verwendet werden (meist werden diese Kämpfe betont spielerisch und harmoniebetont durchgeführt).

Entstehung[Bearbeiten]

Das Vormoderne Japan[Bearbeiten]

Japan war bis ins 19. Jahrhundert von europäischen und westlichen Einflüssen kaum betroffen. Daher soll dieses „alte“ Japan hier in seinen kulturellen Einflüssen auf die Entstehung von Aikido dargestellt werden.

Japan zeichnet sich in Hinblick auf die chinesischen Einflüsse durch einen starken Synkretismus aus. Bestehende kulturelle und religiöse Systeme werden durch neue Einflüsse ergänzt und mit diesen verschmolzen. Bei den Religionen ist so bis heute ein Synkretismus aus Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus und Shintoismus entstanden.

Shintoismus

Der Shintoismus ist in Japan die Religion mit der ältesten Tradition. Bis Mitte des 6. Jahrhunderts war in Japan keine Religion bekannt. Der ursprüngliche Shintoismus zeichnete sich laut Andrè Protin eher durch „Streben nach Harmonie zwischen Menschen, der Natur und den Gottheiten, von Achtung vor allem, was lebt, vom Ahnenkult und von einem Gefühl der Heiterkeit und Beständigkeit“ aus. Im 7. Jahrhundert (Mikado-Epoche) wandelte sich der Shintoismus durch den Einfluss des Buddhismus. Disziplin, ausgeprägte Riten und Kunstformen kamen hinzu. Im 18. Jahrhundert (Meji-Epoche) gab es aber wieder Tendenzen zum ursprünglichen Shintoismus zurückzukehren, wodurch der „moderne Shintoismus“ entstand. Dieser Shintoismus zeichnet sich durch eine sehr einfache Glaubenspraxis aus. Es gibt kein Glaubensbekenntnis und keine komplizierten Rituale und Gebote. Verehrt werden die Naturgottheiten (Wind, Wasser) und die Ahnen. Der Ahnenkult umfasst dabei sowohl den häuslichen Kult der Familienahnen, als auch der Sippenahnen und vor allem den Ahnenkult der kaiserlichen Familie.

Zen-Buddhismus

Der Buddhismus hat drei Grundannahmen:

  • Spirituelle Angst aus der Unsicherheit der Lage heraus
  • Illusion (alles ist nur Illussion)
  • Hinfälligkeit alles Erschaffenem

Diese Verneinung des Lebens und der menschlichen Wahrnehmung wurde in Japan aus der shintoistischen Tradition heraus abgelehnt. Der Glaube an die Gottheiten im Paradies wurde aber übernommen. Taoismus Tao bedeutet Ursprung allen Werdens und Ergebnis allen Wandels. Es ist die leitende Einheit von der Ordnung des Universums - so glauben die Taoisten. Die Natur bildet dabei das Vorbild für den Menschen. Der Taoismus geht auch von einer Dreiteilung des Körpers aus. Das Hara ist dabei die Mitte des Körpers, welche auch im Aikido eine zentrale Bedeutung als Ursprung von Kraft (Ki) zukommt.

Konfuzianismus

Aus dem Konfuzianismus wurde in den japanischen Alltag das Streben nach Ordnung und Menschlichkeit übernommen. Der Konfuzianismus wurde von Mönchen in der Feudalzeit aus China mitgebracht. Durch ihn wurde eine strenge Klassenordnung eingeführt. Diese beruhte auf der konfuzianischen Annahme der Abhängigkeit zwischen den Menschen. Die Klassen waren ursprünglich noch miteinander verbunden, wurden aber in der Tokugawa-Periode streng getrennt. Die entstandene Gesellschaftspyramide bildete ein solides Fundament der Feudalherrengesellschaft. Das Individuum wurde in diesem System als Teil des Ganzen verstanden, welches im Ideal mit einer Wunsch- und Anspruchslosigkeit seine alltäglichen Handlungen ausführt. Auch wurde die ständige Selbstbeherrschung im Alltag und in den zwischenmenschlichen Beziehungen gefordert. Durch die Forderung nach Beherrschung der eigenen sozialen Identität entstanden für die verschiedenen Klassen gesonderte Sittenlehren. Die bis heute bekannteste und im Aikido besonders eingeprägte Sittenlehre ist die der Samurai, das Bushido („Weg des Kriegers“).

Bushido

Das Bushido festigte in der Feudalzeit die Stellung des Shoguns (höchster Samurai). Der Bushi (Krieger) war sowohl Diener, als auch Untertan seines Herren (bis in den Tod). Er musste alle Aufträge ohne Nachfragen nach Charakter, Wert oder Folgen erledigen, ohne dass seine Meinung eine Rolle gespielt hat. Da in Japan die Auffassung bestand, dass der Mensch nicht Herr seines Lebens ist, entstand daraus die Norm, dass der Herr über das Leben seiner Bushi verfügt. Die Bushi wurden von Kindheit an darauf trainiert, ihr eigenes Leben nicht als für sich wertvoll zu betrachten und die Todesfurcht zu unterdrücken. So war das durchführen des befohlenen Seppuku (Hara kiri, ritueller Selbstmord) ein Beweis für die absolute Selbstbeherrschung und bedingungslose Treue des Bushi. Der Samurai hatte in der postmodernen Zeit Japans eine herausragende Rolle. Yamago Soko fasste diese so zusammen: „Aufgabe des Samurai ist es, über den eigenen Platz im Leben nachzudenken, seinen Herrn […] und sich […] vor allem der Pflichterfüllung zu widmen…“. Bis heute existiert das Vorbild des gebildeten Samurai in der japanischen Gesellschaft.

Das Bushido wurde durch Jigaro Kano erstmals in einer Leibeserziehung (Bujutsu) mit Persönlichkeitsschulung (Budo) eingeführt. Jigaro Kano gilt als Begründer für Judo.

Die Entstehung des Aikido[Bearbeiten]

Aikido wurde (um 1920) begründet von Morihei Ueshiba (1883- 1969), der im Aikido daher als O Sensei (großer Meister) bezeichnet wird. Morihei Ueshiba trainierte seit 1902 verschiedene Kampfsportarten, die er als Grundlage zur Konzeptualisierung des Aikido verwendete. 1902 begann er mit dem Studium von Jiu Jitsu beim Kito- Institut Tokyo. Das Kito-Institut war für seine Hebel- und Wurftechniken berühmt und sie trainierten „Koshi-no-Kata“, welche in vielen Budosportarten heute als Katas betrieben werden. Er trainierte dort zusammen mit Jigaro Kano die harmonischen Bewegungen welche er zusammen mit dem Prinzip der harmonischen Beziehung ins Aikido übernahm. 1903 meldete Ueshiba sich freiwillig für die Armee und diente bis 1907 im russisch-japanischen Krieg. Nach seiner Rückkehr trainierte er im Yagyu-Institut unter anderem das Fechten mit verschiedenen Waffen (Katana, Taichi, Tanto, Hamadashi, Naginata, Wakizashi) bei Masakatsu Nakai. Das Waffentraining schult besonders die eigene Wahrnehmung, Wachsamkeit, Genauigkeit, Gewandheit und Stabilität, welche auch für das waffenlose Aikidotraining eine große Rolle spielt. 1912 siedelte Ueshiba um nach Hokkaido und trainierte beim Daito-Ryu Jiu Jitsu (bei Sokaku Takeda). Die Daito-Sekte betrieb eine geheime Ken Justu-Technik (Schwertfechten).

Aikido setzt sich also synkretisch aus verschiedenen Kampfsporteinflüssen zusammen. Ueshiba übernahm von den verschiedenen Schulen die für Ihn am Besten erscheinenden Techniken und Lehrmethoden (er hatte auch in verschiedenen Schulen Lehrlizenzen erworben). Für die spirituelle Komponente gilt heute die Begegnung Ueshibas mit dem Religionsführer Onisaburo Deguchi und seiner Omoto-Sekte in Ayabe (1920). Er wurde sein Leibwächter und war fasziniert von Deguchis Lehre der Harmonie und Liebe zur Einigung der Welt. Ueshiba zog nach Ayabe wo er ein Dojo errichtete und Ju Jutsu lehrte. 1922 benannter er seinen Stil des Ju Jutsu in Aiki-Bujutsu und später in Aikido um. 1924 unternahm er mit Onisaburo eine Reise in die Mandschurei und Mongolei, um die Lehre der Omoto-Sekte zu verbreiten. Die Reise endete in einem chinesischen Gefängnis, aus dem sie kurz vor der Exekution durch den japanischen Kaiser begnadigt wurden. Nach seiner Rückkehr trainierte er den Kronprinzen in Tokyo, welches ihm hohes Ansehen einbrachte. 1930 wurde das auch noch heute bekannte Aikikai Hombu Dojo gegründet, welches bis heute den ursprünglichen Stil von Ueshiba vertritt. Seit 1950 lehrte Ueshiba in ganz Japan in unterschiedlichen Standorten. Er verstarb 1969 in Tanabe.

Im Aikido wird versucht die alte japanische Tradition zu bewahren. So erhielt sich die ursprüngliche Philosophie, die Morihei Ueshiba an seine Schüler weitergegeben hat. Im Bujutsu entwickelten die Schüler der ersten Generation ihre eigenen Stile und Schulen. Diese differenzierten sich mit der Zeit und Verbreitung immer weiter aus. Der Bekannteste Stil ist der Aikikai-Stil. Nach Europa kam Aikido erstmal 1951 (nach Frankreich). Der Hauptvertreter des Aikikai ist in Frankreich Sensei Christian Tessier, der wohl bekannteste eurpäische Aikido-Sensei (Meister). In Deutschland wird der Aikikai durch den japaner Sensei Katsuaki Asai vertreten, es gibt aber mittlerweile sehr viele verschieden Schulen (Ki-Aikido, Yoshinkan, Shodokan, Nishio, Shinki Rengo etc.).

Aikido zeichnet sich heute durch ein verschlungenes Regelwerk aus. Die Hierarchie ist im Aikido für europäische Verhältnisse sehr streng. Die Schüler sind über Zeiten und Distanzen hinweg ihrem Sensei (Lehrer) verpflichtet und erhalten über ihre verschiedenen Lehrer einen Teil ihrer sozialen Identität und Einordnung in die Hierarchie im Aikido. Für die Charakterschulung, das Budo, ist der jeweilige Sensei zuständig. Die Senseis sind ihrerseits dem Leiter ihrer Schule verbunden und diese dem Aikikai und nicht zu letzt den Lehren Morihei Ueshiba. Der Sensei ist also nicht nur für die körperliche, sondern auch für die charakterliche Unterweisung zuständig, welche auch die Sozialisation in die Sportart betrifft. Verhaltensregeln und Rituale werden meist informell oder non-formal erlernt. Im Aikido gibt es den Anspruch, die in ihm integrative Komponente der Harmonie auf das ganze Alltagsleben auszuweiten und so mit sich und seiner Umwelt in Einklang zu gelangen.

Konfliktdimensionen[Bearbeiten]

Wie in allen Kampfsportarten ist die Inszenierung des Konflikts für das Training essentiell. Ohne einen (ernstgemeinten) Angriff, können die Techniken nicht ausgeführt werden. Im Training werden also nicht nur die Techniken, sondern auch der ernsthaft gespielte Angriff geübt. Im Training werden die Rollen des Angreifers (Uke) und Verteidigers (Tori/Nage) abgesprochen und beständig gewechselt. Das trainieren der Selbstverteidigung soll zum einen den Körper leistungsfähiger machen, aber auch auf einen in Gewalt eskalierenden Konflikt vorbereiten (Aikido als Selbstverteidigung).

Da Aikido in seinen Lehren Harmonie und Liebe in den Beziehungen anstrebt, ist ein manifester echter Konflikt im Sinne eines Wettkampfes nicht möglich. Konflikte in institutionalisierter Form werden im Aikido ausgeklammert. Der Ethos der Harmonie gebietet den Aikidokas auch andere Konflikte zu vermeiden. Dies steht im Gegensatz zu unserer These, dass Konflikte im alltäglichen Leben omnipräsent sind. Man sollte die Harmonie aber eher als Anspruch als als omnipräsente Realität verstehen. Der Harmonieanspruch wird eher in der Konfliktbearbeitung verwirklicht, so dass Gewalt (körperliche und psychische) als Konfliktbearbeitung abgelehnt wird.

Konflikte werden auf verschiedenen Ebenen produziert. Konflikte zwischen Individuen im Training, d.h. in derselben Trainingsgruppe, sollen während des Trainings unterdrückt und erst nach dem Training verbal ausgelebt werden. Das betrifft sowohl Konflikte die in das Training hineingetragen werden, also schon vorher bestanden und noch nicht abschließend bearbeitet sind, als auch Konflikte die im Training entstehen. Häufig kommt es (zumindest im deutschen Raum) zu einer Rivalität zwischen den Trainierenden. Diese Rivalität wird zum Teil durch die Graduierung geklärt, die eine Hierarchie erzeugt. Es wird aber häufig (vor allem zwischen den Schulen) anhand verschiedener Kriterien die Leistung anderer Aikidokas verglichen und über deren Eignung für eine Graduierung auch von den Trainierenden diskutiert. Konflikte von Individuen gibt es auch auf der höheren Ebene der Senseis (meist Intersessen- und Meinungskonflikte über die Lehre, aber auch über Persönliche Empathie) Die Bearbeitung dieser Konflikte sind meist schwieriger. In der Makrosoziologischen Perspektive gibt es noch die Konflikte der verschiedenen Schulen und Stile, darüber welcher Stil der Beste ist.

Die bisher beschriebenen Konflikte kann man in die unechten (nicht-institutionalisierten) manifesten Konflikte einteilen. Eine Eskalation des Konflikts wird möglichst versucht zu vermeiden und ist stark (sozial) sanktioniert. Daher kommt es kaum zur Eskalation.

Konfliktmanagement[Bearbeiten]

Im Sport[Bearbeiten]

Wie im vorhergehenden Kapitel wurde bereits erwähnt, dass eine Bearbeitung von Konflikten im Training nicht erwünscht ist, da auch keine Verbalisierung des Konfliktes während des Trainings stattfinden soll. Konflikte werden im Anschluss an das Training verbal bearbeitet. Bei einem Konflikt zwischen Trainierenden stellt der Sensei oder Trainer einen Mediator dar bei Konflikten die im Training entstanden sind. Konflikte (Aikido betreffend), die schon vor dem Training vorhanden waren und noch nicht ausgeräumt wurden, können auch vom Trainer oder Sensei beraten werden, werden aber oft auch unter Einbezug anderer trainierender oder einer Gruppe bearbeitet.

Sowohl die Gruppe als auch der Sensei haben eine sehr starke Sanktionsmacht, wobei der Sensei außerhalb des Dojos (Übungsraum) diese Macht teilweise abgibt. Es gibt aber auch Schüler die mehr im Sinne des Bushido auch außerhalb des Dojos und in sportfremden Konflikten ihrem Sensei , eine Entscheidungsmacht zugestehen. Die Entscheidungsmacht der Trainingsgruppe ist aufgrund der sozialen Integration der Mitglieder über die Grenzen des Dojos hinaus geht. Die Gruppenkohäsion wird im Aikido auch über den gemeinsamen Ethos erzeugt. Wenn ein Mitglied diesen Ethos nicht beachtet, wird er meist vom Rest der Gruppe isoliert. Regelverstöße im Dojo werden meist durch den Sensei oder Trainer sanktioniert. Die Sanktion kann sich von einer Ermahnung bis hin zum Ausschluss aus dem Training bewegen.

Bei einem Konflikt zwischen Senseis oder Trainern, der nicht selbst geklärt werden kann, wird meist der in der Hierarchie höher stehende Sensei oder der Leiter der Schule als Mediator oder Richter gewählt.

Durch Sport[Bearbeiten]

Aikido wird häufig von anderen Kampfsportlern und Außenstehenden als esoterischer Bewegungssport vorzugsweise für Frauen verstanden. Aikido versteht sich dazu ganz im Gegenteil, wie in vielen Abhandlungen zu lesen ist, als effektive Selbstverteidigung im Konfliktfall. Das scheint im Konflikt zu stehen mit dem Anspruch an Harmonie in Beziehungen. Tatsächlich schult Aikido zunächst Aggressionsvermeidung. Die Schüler lernen, dass sie die erlernten Techniken nur als letzte Bearbeitung eines Konfliktes und zur Sicherung des eigenen Wohls und das Anderer einsetzen darf. Die Techniken werden aber im Training effektiv auf verschieden Angriffe trainiert und können dabei auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Die Techniken werden aber auch so gelehrt, dass man den Gegner im Ernstfall nicht verletzen muss und ihn dennoch kontrollieren und letztlich von der Sinnlosigkeit seines Angriffs überzeugen kann.

Konflikte außerhalb des Sportes werden im Aikido nicht aktiv bearbeitet. Die Verhaltensregeln sehen vor, dass alle Geschehnisse im Alltag im Dojo abgelegt und unterdrückt werden. Dennoch hat Aikido als Bujutsu eine anspannungsabbauende Funktion und man kann davon ausgehen, dass sich Aikido als Sport auf Konfliktbearbeitung im Alltag nicht nur in der Charakterschulung auswirkt.

Konfliktmanagement beim Ultimate Frisbee[Bearbeiten]

Einordnung[Bearbeiten]

Ultimate Frisbee (UF) ist eine berührungslose Mannschaftssportart, die klassisch im Außenbereich auf Rasen, aber auch auf Sand und im Winter zumeist in einer Halle mittels einer Wurfscheibe gespielt wird. Ultimate Frisbee ist primär dem organisierten Freizeitsport verbunden. Es haben sich auch Ligastrukturen -nationale und internationale Meisterschaften- etabliert, die jedoch eine relativ geringe Anzahl der häufig über ein ganzes Wochenende stattfindenden Turniere darstellt. Ultimate Frisbee wird von allen Altersgruppen und gleichermaßen von Frauen und Männern praktiziert. Neben wenigen reinen Frauen- und Männerteams gibt es zumeist so genannte Mixed (‚Coed’) - Teams, in denen Frauen und Männer gemeinsam trainieren und zu Turnieren fahren. Weltweit ist UF am häufigsten in den USA und Kanada verbreitet. In über 42 Ländern wird Ultimate Frisbee mittlerweile von mehr als hunderttausend Männern, Frauen und Kindern gespielt (www.upa.org, 2007). Im Deutschen Frisbee Verband sind gegenwärtig 78 Teams bzw. Vereine mit ca. 2000 Mitgliedern eingetragen, die zu einem groß Teil aus dem Universitätsport gespeist werden. In den letzten Jahren hat sich UF im kleinen Rahmen, aber stetig zunehmend, auch als moderner Schulsport etabliert oder wird im Rahmen einer AG angeboten.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der ersten Frisbeescheibe kam mit der Frisbie Pie Company, einer Backwarenfirma, zustande, indem die runden Bleche als Wurfgeschosse benutzt worden. Die Firma Wham – O erkannte den Markt zuerst und stellte nun Frisbees massenhaft her (www.wfdf.org, 2008). Eine solche ‚Disc’ wurde im ersten offiziellen Ultimate Frisbee Spiel an der Columbia High School in Maplewood, New Jersey genutzt. Im Jahr zuvor, 1968, stellte Joel Silver das Spiel an jener Highschool vor. Seit 1983 finden regelmäßig Weltmeisterschaften statt, auch bei den World Games ist Ultimate Frisbee seit 2001 vertreten. Weitere Spiele mit der Frisbeescheibe, wie Frisbeegolf, Freestyle, Guts etc. haben sich zwischenzeitlich entwickelt. Die ‚World Flying Disc Federation’ (WFDF), welche 1984 gegründet wurde, vereingt all diese ‚Disc’- Sportarten, wobei Ultimate Frisbee jedoch den größten Anteil an Mitgliedern einnimmt.

Spielregeln[Bearbeiten]

Ultimate Frisbee verbindet Elemente aus dem American Football und dem Basketball und zeichnet sich zudem durch hohe Anforderungen hinsichtlich Kondition, Wurftechnik, Sprintstärke sowie taktisches Denken aus (Gartz: 2007). Gespielt (im offiziellen Spiel) wird auf einem rechteckigen, 100 Meter langen und 37 Meter breiten Spielfeld, in dem zwei Endzonen markiert sind, die ein 18 Meter langes und 37 Meter breites Rechteck an beiden Spielfeldenden ausmachen.

In einem Spiel treten zwei Mannschaften mit 5 oder 7 Spielern gegeneinander an, die sich zunächst an der jeweiligen Grundlinie aufstellen. Das Spiel beginnt mittels eines Anwurfs, indem die Scheibe zunächst Richtung Gegner geworfen wird. Ziel des Ultimate Frisbee ist es, die Wurfscheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen und somit einen Punkt zu erzielen. Im Scheibenbesitz darf der Spieler nicht mehr weiterlaufen und hat 10 Sekunden Zeit die Frisbee seinen Mitspieler zuzupassen, die sich frei im gesamten Spielraum bewegen. Die gegnerische Mannschaft versucht die Scheibe abzufangen bzw. einen Scheibenverlust, d.h. die Scheibe landet auf dem Boden oder im Aus, zu erzwingen, um daraufhin selbst einen Punkt zu erzielen. Nach jedem Punkt wechselt die Spielrichtung und das Spielgeschehen beginnt bis zum Ablauf der Zeit oder der zu erreichenden Punktezahl erneut.

Hier sollte nur die Grundform des Spiels skizziert werden. Detaillierter können die Spielregeln hier ( http://www.frisbeesportverband.de/sportarten/ultimate/WFDF07_D.pdf ) nachgelesen werden.

Besonderheit des Umgangs mit Regelverletzungen[Bearbeiten]

Die Besonderheit bei dieser berührungslosen Mannschaftssportart ist, dass es keinen externen Schiedsrichter oder Juroren gibt. Jeder Spieler ist dafür verantwortlich, die Regeln des Ultimate Frisbees zu kennen, sie zu befolgen und deren Einhaltung zu überwachen. (Gartz: 2007). Ausnahmen gibt es mittlerweile in Form eines ‚Observers’, welcher in heiklen Situationen, beispielsweise bei großen Meisterschaften ab und an eingesetzt wird. Im großen, überwiegenden Teil der Spiele und Turniere wird jedoch die Aufgabe des externen Dritten -des Schiedsrichters- auf die beiden Mannschaften und somit jeden einzelnen Spieler übertragen. Dies schlägt sich im Regelwerk nieder: Die erste und wichtigste Regel beruht auf dem Sportsgeist, dem ‚Spirit of the Game’, der die Verantwortung des Fair Plays jedem Spieler als die wichtigste Aufgabe überträgt. (www.efdf.org, 2007). Genauer wird im Abschnitt 3.2.6.1 ‚Konfliktmanagement im Sport’ auf diesen Aspekt eingegangen.

Konfliktdimensionen[Bearbeiten]

Die Einteilung der Konflikte in echte (institutionalisierte) und unechte (nicht institutionalisierte) Konflikte lässt sich innerhalb des Ultimate Frisbees gut nachvollziehen:

Institutionalisierte Konflikte sind an das Regelwerk gebunden und werden durch eine wahrgenommene und kommunizierte Regelüberschreitung manifest. In der Spielsituation liegt dieser Fall vor, wenn ein Spieler eine Regelüberschreitung mittels eines ‚Calls’ ausruft. Das Regelwerk wurde in den letzten Jahren für nicht geregelte Aspekte immer weiter angepasst bzw. auch bewusst im Sinne einer kooperativen Übereinkunft frei gehalten. Da im Spielbetrieb oftmals nicht die offiziellen formalen Richtlinien, wie die Spielzeit oder die Spielfeldgröße etc. angewandt werden, müssen diese jeweils vorher oder ggf. im Spiel ausgehandelt oder vorgegeben werden. Die Basismechanismen der Konfliktbewältigung, wie sie im folgenden Abschnitt erläutert werden, bleiben jedoch immer gleich. Nichtinstitutionalisierte Konflikte bilden die große Breite der persönlichen Konflikte innerhalb eines Teams, zwischen verschiedenen Teams oder der Beteiligten im Kontext des UF. Abhängig von Persönlichkeit, Gruppenzugehörigkeit etc. greifen hier die Mechanismen der alltäglichen Konfliktregulierung. Konflikte auf dieser Sozialebene werden beispielsweise oft der Zugehörigkeit und den Werten des Teams untergeordnet und finden somit kaum Fläche zur Eskalation. Da der ‚Frisbeeethos’ auf einen fairen Umgang miteinander fußt, so eine mögliche These, werden potenzielle Konflikte vielmals im Keim verriegelt.

Konfliktmanagement[Bearbeiten]

Wie oben schon erwähnt besteht die erste und wichtigste Regel aus dem Ethos der Fairness, welcher sich in einer hohen Autonomie der Spieler und einer kooperativen Konfliktbewältigung niederschlägt. Darüber hinaus sollen daraufhin mögliche Mechanismen der Konfliktbewältigung durch Ultimate Frisbee kurz erläutert werden.

Im Sport[Bearbeiten]

Trotz des im Sport inhärenten kämpferischen Einsatzes stehen die Freude am Spiel und der gegenseitige Respekt im Vordergrund des Spiels. Dies setzt ein Mindestmaß an Selbstdisziplin und Empathie voraus. Es wird davon ausgegangen, dass es keine absichtliche Verletzung des Regelwerks gibt und im Falle einer Überschreitung kooperativ gehandelt wird. Ein festgelegtes Muster zur (effizienten) Konfliktbewältigung hat sich daraufhin -verankert im Regelwerk- etabliert. Im Falle einer Regelüberschreitung ist jedem Spieler die Autonomie gegeben das Spiel mittels eines Ausrufes - ‚Call’ - anzuhalten und den Sachverhalt zu klären. Wenn die gegnerische Mannschaft bzw. der beteiligte Spieler die Regelüberschreitung anerkennt, kommt es zu einer Sanktion im Sinne des Spiels– zumeist zum Wechsel des Scheibenbesitzes. Im Falle eines Widerspruchs (‚Contest’) seitens des Gegners wird die Spielsituation zumeist wiederholt, d.h. dem Einspruch des Spielers wurde nicht stattgegeben, jedoch die Spielsituation erneut hergestellt. Detailliert sind die verschiedenen Auswirkungen und Sanktionen der Konfliktbearbeitung im Regelwerk dargestellt. Das Grundmuster der Konfliktbewältigung im Ultimate Frisbee findet aber immer in dieser Form statt. Das hohe Ausmaß an Autonomie, welches der Mannschaft und gleichzeitig jedem einzelnen Spieler gegeben wird, wird durch das tief verankerte Gebot der Fairness, des ‚Spirit of the Game’, reguliert. Dies ist auch der Grund warum es nicht zu ständigen - absichtlich herbeigeführten – ‚Calls’ kommt und somit ein ‚flüssiges’ Spiel gewährleistet werden kann. Im Falle einer solchen ‚unfairen’ Spielweise – beispielsweise durch absichtliche Fouls und Calls – greifen moralische –nicht institutionalsierte - Mechanismen der Konfliktbewältigung, da zumindest ein Grossteil der Spieler, so wird angenommen, den Ethos des Fair Play internalisiert haben und diese dann regulativ einwirken.

Durch Sport[Bearbeiten]

Dem Freizeitsport verbunden, kann angenommen werden, dass Ultimate Frisbee, wie die meisten Sportarten, zur Kompensation von Anspannungen förderlich ist. Frisbee ist unabhängig von Alter und Geschlecht offen für alle und wirkt damit integrierend. Eine Eingliederung in ein Team kann somit inneren und sozialen Konflikten vorbeugen. Deutlich wird dies auch daran, dass es zumeist problemlos ist bei anderen Teams mitzutrainieren oder aufgenommen zu werden (selbst auf internationaler Ebene). Jedoch gibt es ebenso bestimmte Filter, die eine Integration verhindern können. Der Zugang zu Ultimate Frisbee geschieht beispielsweise oftmals über Hochschulen, so dass eine hohe Anzahl von Personen schon strukturell ausgeschlossen werden, weiterhin ist die Anzahl der Teams deutschlandweit (78) relativ gering, was ebenso lediglich räumlich eine Integration erschwert. Zu guter letzt ist auch das eigene Können zu erwähnen, welches einer Integration hinderlich sein kann.

Ultimate Frisbee deckt über den Sport hinaus eine soziale Ebene freizeitlicher Lebensgestaltung ab, was diverse zusätzliche Aktivitäten verdeutlichen. Diese sind zumeist schon selbst ein fester Bestandteil des Turnieralltages, wie beispielsweise die obligatorische Party am Abend. UF spiegelt, wie die meisten anderen Sportarten –implizit- die Grundeinstellungen, die Werte und Normen, der an ihr Beteiligten Personen wider und hilft so den Beteiligten zur Verwirklichung der eigenen Identität. Die Grundeinstellungen, so die These, liegen im Frisbee in einem freiheitlich-demokratischen und zugleich modernen gemeinschaftlichen Miteinander.

Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

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  • Kreuser, Karl (2011): Mediationskompetenz, Waxmann, Münster
  • Kreuser, Karl (2012): Konfliktkompetenz - eine strukturtheoretische Betrachtung, VS-Verlag, Wiesbaden
  • Robrecht, Thomas (2012): Organisation ist Konflikt., EWK Verlag, Kühbach

Speziell Aikido:

  • Endres, Franz Carl(1994): Die großen Religionen Asiens. Eine Einführung in das Verständnis ihrer Grundlagen.Rascher. Zürich.
  • Heckler, Richard: Aikido und der neue Krieger. Synthesis
  • Nitobe, Inazo: Bushido. Die Seele Japans.Angkor
  • Protin, Andrè (2004): Aikido. Die Kampfkunst ohne Gewalt: Ein Weg der Selbstfindung und Lebensführung. Kösel
  • Stevens, John (1992):Unendlicher Friede. Die Biografie des Aikido-Gründers Morihei Ueshiba. Kristkeitz, Leimen
  • Ueshiba, Kisshomaru: Der Geist des Aikido. Kristkeitz. Heidelberg
  • Ueshiba, Morihei (1997): Budo. Das lehrbuch des Gründers des Aikido. Kristkeitz. Heidelberg

Speziell Frisbee:

  • Kunert, M. (2004). Frisbee – Scheiben im Schulsport. Mainz: DiscSport Verlag.
  • Gartz, Lisa (2007). Sozial- und leistungspsychologische Aspekte im Ultimate Frisbee, Deutsche Sporthochschule Köln (zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichte Diplomarbeit)
  • Geissler, A. (1995). Ultimate Frisbee- eine Einführung in den Frisbee-Sport & Technik und Taktik im Ultimate. Karlsruhe: Grässerverlag.
  • Wahrmann, H. (1990). Frisbee – Freizeitspaß und Wettkampfsport. München: Copress.

Links[Bearbeiten]