LaTeX-Schnellkurs: Erste Schritte
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Für das erste Herumprobieren sollte man das oben aufgeführte minimale Beispieldokument als Ausgangspunkt verwenden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Lokalisation
Da wir uns im deutschen Sprachraum bewegen, müssen wir LaTeX dies auch mitteilen, damit z.B. die Sortierung im Index sowie vor allem die Trennregeln korrekt verarbeitet werden.
Dies geschieht mit dem Befehl \usepackage[ngerman]{babel} in der Präambel, am besten direkt als erstes nach der Dokumentklasse. Nimmt man stattdessen \usepackage[german]{babel}, werden die Regeln der alten Rechtschreibung befolgt. Damit werden dann auch gleich die Überschriften für Kapitel, Abschnitte sowie die Verzeichnisse auf die entsprechenden deutschen Begriffe geändert.
Als zweites sollte festgelegt werden, welche Ausgabefonts LaTeX verwenden soll. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten, aber solange man nicht gerade kyrillische Gedichte oder japanische Kanji setzen muss (ist alles möglich!), reicht die Angabe \usepackage[T1]{fontenc} völlig aus.
Das dritte ist das Gegenteil dazu, die Eingabecodierung. LaTeX-Quellcodes bestehen ja nur aus ASCII-Textdateien, LaTeX kann aber sehr viel mehr Zeichen setzen, als nur die 127 bzw. 255 möglichen Zeichen der Eingabedatei. Alle Nicht-ASCII-Zeichen müssten normalerweise als spezielle Befehle eingegeben werden, auf den meisten Tastaturen sind aber die landessprachlichen Sonderzeichen (z. B. die deutsche Umlaute oder die akzentuierten Zeichen) verfügbar und können direkt eingegeben werden. Mit dem Befehl \usepackage[latin9]{inputenc} sorgt LaTeX dafür, dass die notwendige Umwandlung automatisch geschieht. Übrigens lässt sich so auch das Euro-Zeichen direkt eingeben.
Auf einigen Betriebssystemen, wie zum Beispiel allen neueren Linux-Distributionen, verwendet man statt \usepackage[latin9]{inputenc} besser \usepackage[utf8]{inputenc}, auf Applesystemen verwendet man \usepackage[macce]{inputenc} (oder das für ältere Modelle gültige \usepackage[applemac]{inputenc}).
[Bearbeiten] Grundeinstellungen
Als nächstes folgen die Einstellungen, die für den Inhalt direkt Relevanz haben:
- Der Name des Autors wird mit \author{name} festgelegt.
- Das Datum wird mit \date{Datum} gewählt. Der Standardbefehl \today setzt automatisch das aktuelle Datum.
- \title{Worum geht es?} schließlich legt den Namen des Dokumentes fest.
Hinweis: Durch diese Befehle werden die Angaben nicht gesetzt! Sie werden nur für die spätere Verwendung hinterlegt.
Angezeigt werden sie erst durch den Befehl \maketitle im Dokumentkörper, der zweckmäßigerweise als erstes stehen sollte.
So, und jetzt nochmal alles zusammen auf einem Haufen:
\documentclass[a4paper,10pt]{scrartcl}[2003/01/01]
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin9]{inputenc} % wenn Sie an einem Mac sitzen verwenden Sie macce anstatt latin9
\title{Beispiel für ein einfaches \LaTeX-Dokument}
\author{Max Mustermännchen}
\date{\copyright\today}
%
\begin{document}
\maketitle
Hallo Leute!
\end{document}
Gibt man das ein und lässt es übersetzen, bekommt man eine ordentlich formatierte Seite mit Titel, Autor, Datum, Seitennummer und halt der einen Zeile Text.
Für den Anfang doch schon mal gar nicht so schlecht, oder?
Die Befehle \LaTeX und \copyright machen genau, was sie sagen, sie setzen das LaTeX-Logo und das Copyright-Zeichen. Wer für freie Texte das Copyleft-Zeichen benötigt muss mit \usepackage{textcomp} die TC-Fonts verfügbar machen und kann es dann mit \textcopyleft setzen.
[Bearbeiten] Erste Strukturierung
Als nächstes wollen wir unser Dokument besser strukturieren. Dazu gehört zuerst mal ein Inhaltsverzeichnis. Mit \tableofcontents kann es (am besten direkt nach \maketitle) gesetzt werden. Dabei gleich noch ein Hinweis: Auch wenn die gleich besprochenen Strukturbefehle verwendet werden, ist das Inhaltsverzeichnis beim ersten Compilerlauf immer leer! Das ist prinzipienbedingt, denn beim Setzen sind ja die später kommenden Teile noch nicht bekannt. Einfach ein zweites Mal compilieren lassen und ab da stimmt dann alles.
Der Text kann in Abschnitte und Unterabschnitte und in Paragraphen und Unterparagraphen (nur selten verwendet) unterteilt werden. Mit \section{Name} wird ein neuer Abschnitt begonnen und dessen Überschrift festgelegt. Mit \section[Kurzbezeichnung]{Überschrift} kann für das Inhaltsverzeichnis ein abweichender Name gewählt werden, was auch im Beispiel genutzt wird. Das gleiche gilt für \subsection[Kurzname]{Überschrift}, \paragraph{Bezeichnung} und \subparagraph{Bezeichnung}. Auch bei Absätzen (Paragraphen) und Unter-Absätzen kann man eine Kurzbeschreibung angeben, bringt aber nichts, da diese normalerweise nicht im Inhaltsverzeichnis auftauchen. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied: Bei (Unter-)Absätzen dient die angebene Beschreibung direkt als Anfang des Paragraphentextes und wird nur hervorgehoben gesetzt. Bei (Unter-)Abschnitten hingegen wird eine eigene, numerierte Überschrift gesetzt, deren Nummerierung auch im Inhaltsverzeichnis aufgeführt ist.
So, genug der Theorie. Man erweitere das bisherige Beispiel wie folgt und lasse es kompilieren und nicht vergessen: Zweimal kompilieren!
\documentclass[a4paper,10pt]{scrartcl}[2003/01/01]
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin9]{inputenc} % wenn Sie an einem Mac sitzen verwenden Sie macce anstatt latin9
\usepackage{textcomp}
\title{Beispiel für ein einfaches \LaTeX-Dokument}
\author{Max Mustermännchen}
\date{\textcopyleft\today}
%
\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents
%
\section{Erster Abschnitt}
Hier sollte jetzt der Text des ersten Abschnitte stehen, da mir aber noch nicht viel eingefallen ist,
labere ich halt erstmal ein bisschen herum. Es sollte nur soviel Text werden, dass er mehrere Zeilen füllt.
\subsection[Nebensächlichkeiten]{Erster Unterabschnitt}
Unterabschnitte dienen zur weiteren Untergliederung von Abschnitten in einzelne, logische Einheiten.
Sie können aber auch als erklärender Text oder weiter hergeholte Einschübe dienen.
\section{Sektion Zwei}
Der zweite Abschnitt unterscheidet sich nicht wesentlich vom ersten, nur dass es halt der zweite ist.
(Wieviel Text muss hier eigentlich noch hin?)
\paragraph{1.\,Absatz}
Ein Absatz, meist für die klare Aufteilung von Gedankengängen verwendet.
Wie zu sehen, kann ein Absatz auch mehrere Text-Absätze enthälten.
\subparagraph{\ldots und immer weiter}
Diese Schachtelung kann man mit Unter-Paragraphen noch eine Stufe weiter treiben\ldots
\section[noch nichts]{Hier geht's gleich weiter}
Dieser Abschnitt wird gleich gebraucht.
\end{document}
[Bearbeiten] Aufzählungen und Nummerierungen
Nun widmen wir uns einem häufigen Stilelement, nämlich Aufzählungen und Nummerierungen.
Wollen wir eine einfache Auflistung von Elementen, z.B. Tagesordnungspunkte einer Sitzung, bedienen wir uns der itemize-Umgebung. Diese wird mit \begin{itemize} eröffnet. Nach jeweils einem item-Befehl kommt dann ein Eintrag in der Liste, der auch mehrere Textabsätze umfassen kann. Mit \end{itemize} wird die Aufzählung wieder geschlossen.
Sollen die einzelnen Punkte hingegen nummeriert werden, wird stattdessen enumerate benutzt, die Anwendung ist die gleiche. Die beiden Arten lassen sich auch verschachteln, wie das folgende Beispiel zeigt.
Hinweis: Ab jetzt wird der Rahmen "drumherum", also Präambel und Dokumenteinleitung, weggelassen und nur noch die wesentlichen Teile betrachtet.
\section[Aufzählungen]{Aufzählungen und Nummerierungen}
\begin{itemize}
\item Erster Tagesordnungspunkt
\item Zweiter Tagesordnungspunkt
\item Dritter Tagesordnungspunkt
\item Mittagspause.\\Folgende Gerichte werden angeboten:
\begin{enumerate}
\item Gänsebraten
\item Heringsfilet mit Kroketten
\item Diätkost (trockene Scheibe Brot)
\end{enumerate}
\item Letzter Tagesordnungspunkt
\item Feierabend
\end{itemize}
Dieses Beispiel zeigt einen typischen Sitzungsablauf ;-)

