Lineare Algebra: Lineare Gleichungssysteme: Determinanten
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[Bearbeiten] Definition
[Bearbeiten] Einführende Beispiele
a) Das Spatprodukt.
Im Dreidimensionalen wird von den Vektoren a, b, c ein Spat, d.h. ein von 6 Parallelogrammflächen berandetes Prisma aufgespannt. Sein Volumen wird formal durch V =

- =

aufgeschrieben. Diese systematische Schreibweise war bisher ja eine Abkürzung für
c1 (a2b3 - a3b2) - c2 (a3b1 - a1b3) + c3 (a1b2 - a2b1).
Man nennt

die Determinante der quadratischen Matrix
und schreibt auch
- det (A).
Also ist das Spatvolumen V = det (A) = det (a b c).
Übrigens sind
sogenannte Unterdeterminanten der "großen" Determinante, berechenbar als Differenz der (über Kreuz stehenden) Produkte aibj.
Eine Determinante ist also eine Funktion, die einer gegebenen Matrix A eine Zahl zuordnet, die mit det(A) bezeichnet wird.
Eine Determinantenfunktion
muss übrigens folgenden Forderungen genügen:
- Δ ist alternierend, d.h.
für 
- Δ ist mutilinear, d.h. linear in jedem Argument.
Mit der genannten Systematik läßt sich sehr schnell das Volumen eines n-dimensionalen Spats anschreiben, wobei wir jetzt a11, a12, a13, a14, ..., a1n für die Elemente der ersten Zeile ( i=1 ), a21, a22, a23, a24, ..., a2n für die der zweiten Zeile ( i=2 ), usw. bis an1, an2, an3, an4, ..., ann für die der letzten, n-ten Zeile notieren.
Damit ist
- V = det (A) =
.
Dabei bilden die waagrecht angeordneten aik die Zeilen, die senkrechten Reihen der Elemente aik die Spalten der n × n Determinante. Wir müssen jetzt nur noch erfahren, wie eine solche n × n - Determinante berechnet werden soll.
b) Gleichungssysteme.
Das lineare Gleichungssystem (LGS)
- a11 x1 + a12 x2 + a13 x3 = b1
- a21 x1 + a22 x2 + a23 x3 = b2
- a31 x1 + a32 x2 + a33 x3 = b3
ist zu lösen.
Um x1 zu erhalten, multiplizieren wir die erste Gleichung des LGS mit dem Faktor ( a22a33 - a23a32 ), die zweite Gleichung mit - ( a12a33 - a13a32 ) und die dritte mit ( a12a23 - a13a22 ). Dann addieren wir die so multiplizierten Gleichungen und erhalten zunächst
- x1 [ a11 ( a22a23 - a32a23 ) +
a21 ( a22a13 - a12a23 ) + a31 ( a12a33 - a22a13 ) ]
- = b1 ( a22a23 - a32a23 ) +
b2 ( a22a13 - a12a23 ) + b3 ( a12a33 - a22a13 ),
d.h. wir erhalten für x1 einen Bruch mit dem
- Zähler:
b1 ( a22a23 - a32a23 ) + b2 ( a22a13 - a12a23 ) + b3 ( a12a33 - a22a13 )
- Nenner:
[ a11 ( a22a23 - a32a23 ) + a21 ( a22a13 - a12a23 ) + a31 ( a12a33 - a22a13 ) ] .
Damit können folgende Feststellungen getroffen werden:
- Die Faktoren von bi im Zähler und aik (i,k = 1,2,3) im Zähler bzw im Nenner sind dieselben. Sie können wie im Beispiel a) (als Unterdeterminanten) geschrieben werden:
- d11 =

- d21 = -

- d31 =

- Man kann den ganzen Nenner des Bruches als Determinante D der (quadratischen) Koeffizientenmatrix A (sie enthält nur die aik geschrieben werden.
- Auch den Zähler kann man als Determinante D1 einer quadratischen Matrix schreiben. Dabei streicht man die erste Spalte der zunächst rechteckförmigen Ausgangsmatrix (drei Spalten aik, vierte Spalte bi) und an ihre Stelle notiert man die vierte Spalte. Dann haben wir
- x1 = D1 / D.
Sinngemäß haben wir auch noch
- x2 = D2 / D und
- x3 = D3 / D
wo dann D2 die Determinante derjenigen quadratischen Matrix ist, die man durch Streichen der zweiten Spalte und Ersetzen durch die vierte bi Spalte bekommt. D ist die Determinante der aik und entsprechen bekommt man noch D3. Diese Bestimmung der Lösungen xi heißt CRAMER'sche Regel.
- Auch jetzt ist eine Erweiterung von 3 Gleichungen auf n Gleichungen naheliegend
- x1 = D1 / D,
- x2 = D2 / D
- x3 = D3 / D
- . . . .
- xn = Dn / D.
Bleibt noch zu klären, wie wir die Determinante allgemein einer n × n - Matrix, einer sogenannten Determinante n-ter Ordnung zu berechnen haben.
[Bearbeiten] Berechnung der Determinante
Wir knüpfen an den vorigen Abschnitt an. Dort war
- d11 =

- d21 = -

- d31 =
.
d11 entsteht aus der (quadratischen) aik (i,k = 1,2,3) -Matrix, wenn dort die erste Zeile und die erste Spalte gestrichen wird, d21, wenn die zweite Zeile und die erste Spalte gestrichen wird, das Vorzeichen ist hier ein Minus, d31, wenn man die erste Spalte und die dritte Zeile streicht. Über das Vorzeichen entscheidet anscheinend das Vorzeichen der Summe i + k aus Zeilen- und Spaltenindex. Ist diese Summe gerade wie etwa im ersten Fall (i=1, k=1), so ist i + k = 2, gerade also, das Vorzeichen ist Plus. Wenn i = 2 und k = 1, so ist i+k = 3, das Vorzeichen ist Minus, usw. Wir können also schreiben
- Dik = ( -1 ) i + k dik
und nennen Dik die (mit passendem Vorzeichen versehene) Unterdeterminante die Adjunkte (zum Element aik).
So ist beispielsweise bei der 3 × 3 - Matrix die Adjunkte
- D31 = ( -1 ) 3+1 d31 = ( -1 ) 4

- = 1 ( a12a23 - a13a22 ).
Demnach ist: Det (A) = a11 D11 + a21 D21 + a31 D31 bei einer dreireihigen Matrix A. Man erhält also den Werte der Determinante (A), indem man die mit ihren Adjunkten multiplizierten Elemente a11, a12 und a13 multipliziert. Man hat, so sagt man, die Determinante nach den Elementen der ersten Spalte entwickelt.
[Bearbeiten] Definition der Determinante n-ter Ordnung
Das Bisherige kann in weitgehender Verallgemeinerung zu folgender Definition führen:
- Die Determinante einer quadratischen n × n - Matrix ist eine Funktion, die dieser Matrix eine Zahl zuordnet, welche mit det (A) bezeichnet wird. Diese Zahl berechnet man durch
- (*) det (A) = a1k D 1k + a2k D 2k + a3k D 3k + . . . . . + ank D nk mit k = 1, ... n
und man sagt, man habe die Determinante nach der k-ten Spalte entwickelt, weil die aik die Elenente der k-ten Spalte sind. D ik sind die zugehörigen Adjunkten:
- D ik = ( -1 )a i+k dik.
Beispiele
- a) Eine 4 × 4 - Determinante wird nach der ersten Spalte entwickelt:

- =

- oder
- = 1 ( 0 · 4 - 2 · 0 + 0 · 3)
- - 2 ( 0 · 4 - 2 · 16 + 0 · ( -5 ))
- + 7 ( 0 · 0 - 0 · 16 + 0 · 12 )
- - 3 ( 0 · ( -3 ) - 0 · ( -5 ) + 2 · 12 )
- = 64 - 72 = - 8.
- b) Eine dreireihige Determinante soll nach der ersten Spalte entwickelt werden.
- =

- = a1 ( b2 c3 - b3 c2 ) - a2( b1 c3 - b3 c1 ) + a3( b1 c2 - b2 c1 )
- = a1 b2 c3 - a1 b3 c2 - a2 b1 c3 + a2 b3 c1 + a3 b1 c2 -a3 b2 c1.
- =
Ordnet man nach ci, erhält man
-
- = c1 ( a2 b3 - a3 b2 ) - c2 ( a1 b3 - a3 b1 ) + c3 ( a1 b2 - a2 b1 ) .
Das ist dasselbe Resultat wie im ersten einführenden Beispiel: Dort ist die Determinante nach der dritten Spalte entwickelt worden.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- Es ist zweckmäßig, eine Determinante nach derjenigen Spalte zu entwickeln, die die meisten Nullen enthält.
- In der oben aufgezeigten Berechnung läßt sich feststellen, daß eine Determinanteberechnung auch als Summe aller Permutationen der arbsctgelesen werden kann. Diese Definitionen einer Determinante geht auf G. F. LEIBNIZ (1646 - 1716) zurück. Demnach ist
Dabei enthält das Produkt a1 s1 a1 s2 a1 s3 . . . a1 sn genau ein Element aus einer Zeile und einer Spalte und ( s1,s2,s3, . . . , sn ) ist eine von den insgesamt n! "Vertauschungen". Wenn die betrachtete Permutation eine gerade Anzahl von Inversionen , das sind Umstellungen gegenüber der natürlichen Reihenfolge 1, 2, 3, . . n, hat, etwa k = 2, so ist das Vorzeichen dieser Permutation ein Plus, sonst ein Minus. Wie das gemeint ist, soll am Beispiel der Determinante
gezeigt werden. Es gibt n ! = 4 ! = 24 Permutationen. So sind etwa
- a11 a22 a33a44 oder
- a31 a12 a23a44 oder
- a41 a32 a23a14 oder
- a13 a21 a34a42
vier dieser Permutationen. Dabei ist das Vorzeichen der erstgenannten oder zweiten Permuatation positiv, da dort keine Inversion auftritt. Bei der vierten Permutation ist das Vorzeichen negativ, weil (s1,s2,s3, s4 = ( 3, 1, 4, 2 ) die drei Inversionen (3 1), (3 2) und (4,2) besitzt. Schließlich hat die dritte Permutation (4, 3, 2, 1) die Inversionen (4 3), (4 2), (4 1), (3 2), (3 1) und (2 1), also sechs insgesamt und das Vorzeichen muß also positiv sein.
- Zur Berechnung von dreireihigen Determinanten ( und nur für diese ! ) kann die Regel von SARRUS ( 1798 - 1861 ) verwendet werden. Man schreibt die erste und zweite Spalte der Determinante rechts neben diese noch einmal und addiert die dreifaktorigen nach rechts unten bzw nach rechts oben verlaufenden "schrägen" Produkte. Dabei bekommen a11 a22 a33, a12 a23 a31 und a13 a21 a32 positives Vorzeichen, die anderen, also a31 a22 a13, a32 a23 a33 und a33 a21 a12 erhalten negatives Vorzeichen. Das SARRUS-Schema ist in folgendem Bild skizziert:
[Bearbeiten] Einige Determinanteneigenschaften
- Macht man die Spalten einer Determinante zu Zeilen und die Zeilen zu Spalten - man sagt dann, man habe die Matrix A zur Matrix AT transponiert -, dann gilt
-
- det (A) = det (AT).
- BEISPIEL:
- Es ist
- =

- Werden zwei Zeilen oder zwei Spalten einer Determinante vertauscht, so wechselt die Determinante ihr Vorzeichen.
- Ein gemeinsamer Faktor, der in den Elementen einer Zeile oder Spalte steckt, kann als Faktor vor die Determinante gezogen werden.
- Sind zwei Zeilen oder Spalten gleich, so hat die Determinante den Wert 0.
- Wenn zu einer Zeile (oder Spalte) einer Determinante ein Vielfaches einer anderen Zeile bzw Spalte addiert wird, ändert sich der Wert der Determinante nicht. So haben
-
und 
denselben Wert - 2.
- Enthält eine Determinante unterhalb oder oberhalb der Hauptdiagonalen a11, a22, a33, . . . ann lauter Nullen - die zugehörige Matrix ist dann eine sog. Dreiecksmatrix -, so ist der Wert dieser Determinanten gleich dem Produkt der Hauptdiagonalglieder:
-
- det (A) = a11 a22 a33 . . . ann.
- Der Nachweis dieser Behauptung ist einfach: Wenn die Determinante oberhalb der Hauptdiagonalen lauter Nullen aufweist, so kann a11, das einzige Element ungleich Null in dieser ersten Zeile, als Faktor vor die Determinante gezogen werden. Die erste Zeile lautet dann 1, 0, 0, 0, . . . 0. Entwickelt man nach dieser "1", so bleibt eine Unterdeterminante, bei der man entsprechen verfahren kann ( a22 ) herausziehen, usw).
[Bearbeiten] Der Entwicklungssatz von LAPLACE
Nach unserer ursprünglichen Definition einer Determinante kann man eine Determinante nach ihrer ersten Spalte entwickeln: es werden die Elemente a11, a12, . . . a1n verwendet und mit den Adjunkten multipliziert. Der nachstehende Satz, der Entwicklungssatz von LAPLACE zeigt, daß man eine Determinante nach einer beliebigen Zeile oder Spalte entwickeln kann:
-
- det (A) = ∑ ( -1 ) i + k a ik dik
- Dabei läuft die Summe von i = 1 bis n und k, der Spaltenindex k ist eine der Zahlen 1, 2, . . . n.
- oder
- det (A) = ∑ ( -1 ) i + k a ik dik
- Dabei läuft die Summe jetzt von k = 1 bis n und k, der Zeilenindex i ist eine der Zahlen 1, 2, . . . n. dik sind die Unterdeminanten, die man durch Streichen der i-ten Zeile und k-ten Spalte aus der ursprünglichen Determinante erhält.
[Bearbeiten] Abschliessende Anmerkungen
Das Spatprodukt und die LGS hatten uns zur Definition der Determinante geführt. Es zeigt sich darüber hinaus, daß solche Anordnungen und Berechnungen recht oft in der Mathematik und in den Naturwissenschaften brauchbar sind. So spielen die Determinanten bei den Abbildungen (s. entsprechendes Kapitel) eine Rolle. Es ist a -1 die zu A inverse Matrix, die nur dann existiert, wenn ( im R2) die Determinante von A, also a11 a22 - a12a21 nicht Null ist.
Gleichungssysteme, bei denen die rechten Seiten alle Null sind, heißen homogene Gleichungssysteme, die mit einer Matrix A' und dem Vektor x kurz so angegeben werde können:
- A x = 0
Ein solches LGS hat stets eine Lösung, mindestens die triviale x1 = x2 = x3 = . . . xn = 0. Vorausgesetzt, es liegt eine quadratische Matrix vor, das heißt es gibt genau gleich viele Gleichungen wie Unbekannte, so folgt aus der CRAMERschen Regel
- x det (A) = 0.
Damit ist x genau dann ein nichttrivialer Lösungsvektor, wenn det (A) = 0. Geht man von
- A x = λ x, wo λ ein Parameter ist.
Mit der "Einheitsmatrix" I, die in der Hauptdiagonalen lauter Einsen aufweist, sonst Nullen, kann die letzte Gleichung auch so formuliert werden:
- ( A - λ I ) x = 0.
Damit nun dieses Gleichungssystem eine nichttriviale Lösung hat, muß
- det ( A - λ I ) = 0
sein. Diese Bedingung ist nun aber nur für bestimmte λ , das sind die sog. Eigenwerte , die zur Matrix A gehören, erfüllt. Die Gleichung, der diese Eigenwerte genügen müssen, heißt charakteristische Gleichung oder auch Eigenwertgleichung. Schließlich heißt die zu einem Eigenwert λ gehörende (nichttriviale) Lösung von ( A - λ I ) x = 0 ein Eigenvektor der Matrix A. Diesbezügliche Überlegungen stellt man in der nichtlinearen Dynamik bei Stabilitätsfragen an. Auch bei linearen Differentialgleichungssystemen wird man auf charakteristische Gleichungen geführt.
Und noch etwas: Determinantenberechnungen erfordern großen Rechenaufwand, vorallem wenn n etwas größer ist. Übergibt man solche Determinantenrechnungen einem Computer, so sind wegen deren endlicher Zahlendarstellung Rundefehler möglich. Das wird plausibel, wenn wir folgendes Zahlenbeispiel betrachten: Das LGS
- 2,6251 x1 + 0,3114 x2 = 4,9388
- 1,3021 x1 + 0,1551 x2 = 2,4491
hat die beiden exakten Lösungen 2 und - 1. Schneiden wir von den vier Nachkommaziffern die beiden letzten ab, so erhält man gerundet
- 2,63 x1 + 0,31 x2 = 4,94
- 1,30 x1 + 0,16 x2 = 2,45.
Die Lösungen dieses Systems sind aber x1 = 1,736 und x2 = 1,2, also ganz andere Werte als die bei dem nicht gerundeten System.




