Linux-Kompendium: Verzeichnisse unter Linux
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Schon eine minimale Linux-Installation kommt mit einigen tausend Dateien daher, eine Vollinstallation der »großen« Distributionen dürfte einen Umfang von ca. 500.000 Dateien haben!
Wohin mit all den Daten?
In diesem Kapitel betrachten wir die typische Verzeichnisstruktur eines Unix-Systems. Anhand des Filesystem Hierarchie Standard FHS verfolgen wir die Eingliederung der verschiedenen Dateiarten in die Verzeichnisstruktur. Sie werden kennen lernen, wo Sie nach Konfigurationsdateien suchen müssen, welche Verzeichnisse Programme enthalten können, wo die Dokumentationen zu finden sind usw.
Und Sie erfahren, wie Sie auf eine Diskette oder CDROM zugreifen können.
Inhaltsverzeichnis |
Ziel des Kapitels
Nach dem Studium dieses Abschnitts sollten Sie wissen:
- welche drei Hierarchiestufen in der Verzeichnisstruktur existieren
- in welchen wesentlichen Verzeichnissen Programme abgelegt sind
- wo die Konfigurationsdateien liegen
- was Devices sind
- was es mit dem Begriff des Mountens auf sich hat
- wie Sie eine Diskette ins Dateisystem integrieren
Strukturierung ist notwendig
Abbildung 1: Die Linux-Verzeichnisstruktur
Bei der Unmenge von Dateien in Unix-Systemen (es können über 100.000 sein) ist eine hierarchische Struktur unabdingbar. Lange Zeit brachte jedes Unix-Derivat seine eigenen Vorstellungen vom Aufbau seiner Dateiverwaltung mit, aber unterdessen ist sich ein Gremium, bestehend aus den wichtigsten Unix-Distributoren, System- und Paketentwicklern, mehr oder weniger einig geworden und erarbeitete den Filesystem Hierarchie Standard, der wichtige Strukturen definiert. Die meisten Distributionen folgen diesen Richtlinien, wobei Abweichungen oft durch unterschiedliche Auslegung des Standards begründet werden.
Neben der Beschreibung der vorgesehenen Verwendung jedes Verzeichnisses werden auch konkrete Kommandos genannt, die mindestens in diesen Verzeichnissen vorhanden sein müssen. Des Weiteren finden systemspezifische Vorgaben und optionale Komponenten Erwähnung.
Ausgangspunkt ist die Wurzel (auch als Root bezeichnet)
Sobald der Kernel aktiv ist, lädt er als erstes das Root-Dateisystem, in dem alle für die Aufgaben des Kernels notwendigen Programme und Konfigurationsdateien angesiedelt sein müssen. Das Zeichen hierfür ist / am Anfang einer Pfadangabe (s. Abb.1).
Zu den Programmen gehören:
- Dienstprogramme zum Prüfen und Reparieren des Dateisystems
- Programme zum Sichern der Systemdaten und zur Installation neuer Systemteile
- Eventuell wichtige Netzwerkprogramme
Übersicht über das Dateisystem
Das Konsolenkommando
man hier
liefert eine aktuelle Übersicht über Ihr Linuxdateisystem. Das Wort "hier" steht in diesem Fall für hierarchy und beschriebt die Hierarchie ( auf Deutsch Rangordnung) Ihres Dateisystems. Man steht für Manual, d.h Bedienungsanleitung.
Verzeichnisse in der Wurzel
Wenden wir uns zunächst dem Inhalt des Wurzelverzeichnisses zu. Verzeichnisse und Dateien, die als optionale Komponenten im Standard enthalten sind, werden farblich hervorgehoben. Haben wir uns aus dem Wurzelverzeichnis (erstes / ) herausbegeben trennt das nächste Zeichen / zwei Verzeichnisse, z.B. /usr/local.
/bin
Die wichtigsten Kommandos, um mit dem System arbeiten zu können, finden Sie hier. Sie dürfen von jedem Benutzer ausgeführt werden. Zu den Kommandos gehören cat, chgrp, chmod, chown, cp, date, dd, df, dmesg, echo, ed, false, kill, ln, login, ls, mkdir, more, mount, mv, ps, pwd, rm, rmdir, sed, setserial, sh, stty, su, sync, true, umount, uname (sh ist in Linuxsystemen zumeist ein Link auf bash).
/boot
Hier finden Sie die statischen Dateien des Bootmanagers und die Kernel (In früheren Linux-Versionen wurden der »Haupt«-Kernel im Root-Verzeichnis installiert und nur die optionalen Kernel in diesem Verzeichnis.).
/dev
In diesem Verzeichnis stehen die Treiber zur Ansteuerung der gesamten Hardware (Festplatte, Floppy, RAM...). Gemäß der UNIX-Philosophie »Alles ist eine Datei« werden diese Treiber durch Dateien repräsentiert, die so genannten Gerätedateien (»device special files« oder »device nodes«). Einige dieser Gerätedateien erfüllen spezielle Aufgaben (Beispiele finden Sie an etlichen Stellen des Buches) und sind mit keiner realen Hardware verbunden. Dennoch stellen sie aus Sicht des Systems Treiber dar.
Wenn Sie den Inhalt des Verzeichnisses »/dev« betrachten, entdecken sie unzählige Einträge, deren Anzahl unmöglich der vorhandenen Hardware entsprechen kann. Tatsächlich wurde für jedes denkbare Stück Hardware vorsorglich ein solcher »Eintrittspunkt« geschaffen, dessen definierter Name es Anwendungsprogrammen erst ermöglicht, auf ein konkretes Gerät zuzugreifen. Solange keine entsprechende Hardware und der zugehörige Treiber installiert wurden, sind diese Eintrittspunkte nur »leere Hülsen« und würde eine Anwendung darauf zugreifen, erhielte sie eine Fehlermeldung, dass das angeforderte Gerät nicht verfügbar ist.
Obige Verfahrensweise beinhaltet jedoch einige Schwächen, auf die wir im einzelnen an dieser Stelle nicht eingehen werden. Als Lösung bahnt sich seit Kernelversion 2.4. das so genannte Device File System an, womit erst bei der Registrierung eines Treibers beim Kernel eine entsprechende Gerätedatei unterhalb von »/dev« generiert wird. Noch dazu werden Geräte entsprechend ihrer Klasse (bspw. IDE-Festplatten, Terminals, SCSI-Geräte) in separate Unterverzeichnisse eingeordnet, sodass der Inhalt von »/dev« die tatsächliche Hardware des Systems in strukturierter Form repräsentiert. Im Abschnitt Systemadministration>Dateisysteme widmen wir uns konkret diesem neuen Dateisystem.
Noch aktiviert keine Distribution standardmäßig das neue Verfahren und selbst bei dessen Verwendung werden zur Unterstützung älterer Programme die »alten« Gerätedateien zusätzlich verwendet (ein Prozess überwacht hierzu die Anforderungen der Programme und kümmert sich ggf. um das Mapping auf die neuen Einträge unter »/dev«), sodass nachfolgende Aussagen weiterhin ihre Gültigkeit behalten.
Drei Informationen sind für jedes Device relevant:
Art des Zugriffs
brw-rw-rw- 1 root disk 2, 0 Nov 8 20:48 /dev/fd0 crw-rw---- 1 root lp 6, 0 Nov 8 20:48 /dev/lp0 Blockorientiert (b) - gepufferter Zugriff, z.B. Festplatten Zeichenorientiert (c) - ungepufferter Zugriff, z.B. Bildschirm, Drucker Hauptgerätenummer (major device number) brw-rw-rw- 1 root disk 2, 0 Nov 8 20:48 fd0 crw-rw-rw- 1 root tty 2, 0 Nov 8 20:48 ptyp0
Diese Nummern spezifizieren den zu verwendenden Treiber. Befinden sich im System bspw. zwei IDE-Festplatten, werden beide über einunddenselben Treiber angesprochen. Nicht allein die Nummer benennt den Treiber, sondern die Art des Geräts (zeichen- und blockorientiert) ist ebenso entscheidend. Identische Nummern für zeichen- und blockorientierte Geräte (z.B. Nummer 2 für Pseudoterminals (c) und Floppys (b)) beziehen sich also auf unterschiedliche Treiber!
Die Hauptgerätenummern werden von einer zentralen Instanz verwaltet; der aktuelle Stand bei Auslieferung der Kernelquellen ist in der Datei »/usr/src/linux/Documentation/devices.txt« zu finden.
Nebengerätenummer (minor device number) brw-rw-rw- 1 root disk 2, 0 Nov 8 20:48 /dev/fd0
Diese Nummer dient dem Treiber zu entscheiden, welche Instanz einer Hardware anzusprechen ist. Sind bspw. vier IDE-Festplatten im System installiert, erkennt der Treiber anhand der Nebengerätenummer, ob er den Master oder den Slave des ersten oder zweiten IDE-Controllers anzusteuern hat.
Spezielle Devices
Als erstes Beispiel eines solchen »Pseudotreibers« soll hier /dev/null, der »Mülleimer von Unix« angeführt werden. Sie werden bei der täglichen Arbeit mit Linux noch genügend Situationen erfahren, in denen Sie die Bildschirmausgaben von Programmen gern unterdrücken möchten. Im vorhergehende Kapitel zu den Grundlagen der Bash haben Sie die Umleitung der Ausgaben in eine Datei kennen gelernt. Das Resultat wäre eine Datei. Sie könnten diese abschließend löschen oder aber gleich anstatt der regulären Datei den Mülleimer verwenden:
user@linux> find / -name "*" 2> /dev/null
Wichtige Gerätedateien
- cdrom Link auf eine entsprechende Datei (z.B. cdu535)
- cua* (Veraltetes) Devices für serielle Schnittstellen, das für ausgehende Modemverbindungen verwendet wurde (und in manchen Distributionen noch immer wird). Physisch zeigt ein solches Device auf dasselbe Gerät wie /dev/ttys*, jedoch blockiert ein Programm nicht, wenn es das Gerät eröffnet und noch kein Verbindungssignal anliegt. Aktuell sollten die Schnittstellen /dev/ttyS* bevorzugt werden.
- fd* Diskettenlaufwerke
- hd* IDE-Festplatten
- kmem Speicherauszug (core)
- lp Parallele Schnittstellen
- mouse Link auf die entsprechende Datei
- port IO-Ports
- sd* SCSI-Festplatten
- tty* Terminalkonsolen
- ttys* (Veraltetes) Device für die seriellen Schnittstellen, das vornehmlich zur Überwachung eingehender Verbindungen genutzt wurde. Ein Programm, das diese Datei eröffnet, wird blockiert, solange das Modem kein »Carrier Detect« meldet. Aktuell sollten die Schnittstellen /dev/ttyS* bevorzugt werden.
- ttyS* (Neues) Device für die seriellen Schnittstellen, das sowohl für eingehende als auch für ausgehende Verbindungen genutzt werden sollte. Die bei /dev/cua* und /dev/ttys* angedeuteten Probleme mit blockierenden Programmen werden vollkommen durch den Kernel behandelt. Somit ist es (ohne Umwege) möglich, auf einer Schnittstelle auf eingehende Verbindungen zu warten. Solange eine solche Verbindung nicht eröffnet wurde, kann auf derselben Schnittstelle eine ausgehende Verbindung eröffnet werden. Für den Zeitraum einer aktiven Verbindung bleibt der jeweils andere Prozess blockiert.
/etc
Enthält alle lokalen Konfigurationsdateien (Tastatur, X, Netzwerk...)
/home
Alle Heimatverzeichnisse der Nutzer finden Sie standardmäßig hier. Nach dem Login landet jeder Benutzer i.d.R. in seinem »Home«. Heimatverzeichnisse können vom Systemverwalter auch an anderer Stelle angesiedelt werden.
/lib
Die beim Systemstart benötigten Bibliotheken stehen hier. Ebenso liegen die Kernelmodule in einem eigenen Unterverzeichnis unterhalb von /lib.
/mnt
Mountpunkt für temporäre Partitionen
/opt
Software, die nicht zum üblichen Installationsumfang von Unix-Systemen gehören, werden oft unter diesem Zweig installiert. So werden nahezu alle kommerziellen Softwarepakete hier eingerichtet; auch die Programme zur KDE befinden sich hier.
/root
Heimatverzeichnis des Administrators. In realen Unix-Installationen werden die Heimatverzeichnisse aller Benutzer oft auf einem Server gehalten. Bei einem Ausfall eines solchen Servers sollte aber zumindest Root in der Lage sein, vernünftig mit dem System zu arbeiten. Daher liegt dessen Heimatverzeichnis direkt unterhalb der Verzeichnisbaumwurzel.
/sbin
Wichtige Systemprogramme (beim Booten benötigt; Ausführung erfordert Root-Rechte)
/tmp
Temporäre Dateien können hier abgelegt werden, jeder Nutzer ist dazu berechtigt.
/usr
usr steht für "unix system resources" und nicht für "Users", wie häufig vermutet wird. Siehe Verzeichnisse unter /usr.
/var
Variable Daten, siehe Verzeichnisse unter /var.
Verzeichnisse unter /usr
Der Filesystem Hierarchie Standard bezeichnet die Verzeichnisse unter /usr (unix system ressources) als »zweite Hierarchie«. Schauen wir uns an, was dort stehen sollte:
X11R6 X Window System (Version 11, Release 6) X386 X Window System (Version 11, Release 5 auf x86er) bin Die meisten Nutzerprogramme games Spiele und Lernprogramme include Headerdateien für C-Programme lib Allgemeine Bibliotheken (außer X11) local Lokale Hierarchie. Hier hat der Administrator die Möglichkeit, Nicht-Standard-Pakete einzuspielen. sbin (weniger wichtige) Systemprogramme share Architektur-unabhängige Dateien src Quelldateien zu den Paketen
Links unter /usr
Einige (symbolische) Links sind ebenso vorgeschrieben:
/usr/spool Link auf /var/spool /usr/tmp Link auf /var/tmp /usr/spool/lock Link auf /var/lock
Verzeichnisse unter /var
Es gibt eine Menge Daten, die permanenter Veränderung unterliegen oder nur kurze Zeit existieren. Protokollierungen fallen ebenso in diese Kategorie, wie auch Mails, zu druckende Dateien, News, ... Insbesondere auf Servern sollte dem Verzeichnis »/var« eine eigene Partition gegönnt werden.
account Prozessnutzungsprotokoll (falls unterstützt) cache Zwischenspeicher von Programmen crash Speicherauszug bei Systemabsturz (falls unterstützt) games Variable Spieledaten lock Sperren (Dateien, Geräte, etc.) log Protokolle über Systemvorgänge mail Mailboxen der Nutzer opt Variable Daten der optionalen Programme run Dateien zu laufenden Prozessen spool Von Anwendungen gespoolte Daten state Variable Status Informationen tmp Temporäre Dateien, die zwischen Reboots erhalten bleiben yp Dateien des Network Information Systems
Linux Systeme
Speziell für Linux-Systeme definiert der Standard Weiteres: allgemein Der Name des Standard-Kernels ist vmlinux oder vmlinuz
- /dev Enthält nur die im Dokument »Linux Allocated Devices« beschriebenen Links (sonst wie oben)
- /proc Enthält Kernel- und Prozessinformationen in einem virtuellen Dateisystem
- /sbin Enthält zusätzlich Routinen zum ext2-Dateisystem und lilo
- /usr/src Enthält zusätzlich die Kernelquellen
Des Weiteren werden im Standard Daten nach folgenden Kriterien unterschieden:
- Statische und variable Daten
- Gemeinsam und exklusiv nutzbare Daten
Pfadangaben und ./
Es gibt absolute Pfadangaben unter linux: z.B ist
/usr/bin
ein ganzer Pfad.
Und es gibt relative Pfadangaben. Relativ gesehen aus dem Verzeichnis in dem ich mich befinde. Bin ich z.B im Verzeichnis /usr so ist
./bin
auch das Verzeichnis /usr/bin. Der Punkt vor dem slash bedeutet: Das Verzeichnis in dem Du Dich befindest.
Wo Du bist, kriegst Du mit dem Befehl pwd (print working directory, Zeige Arbeitsverzeichnis) heraus.
Bist Du jetzt nicht in /usr sondern dem Wurzelverzeichnis / so kannst Du mit cd usr dorthin wechseln.
Wenn Du jetzt
cd ..
eingibst bist Du wieder im übergordneten Verzeichnis / , denn .. (zwei Punkte) bedeuten das vorhergehende Verzeichnis. Nach cd ein Leerzeichen ist wichtig.
Das ist wichtig, denn später kommt oft der Befehl ./configure beim Installieren vor. Das heißt das script configure sollte in dem Verzeichnis sein, in dem Du Dich gerade befindest. Das heißt also, wenn Du installieren willst, mußt Du in das Verzeichnis wechseln, wo das neue Programm gespeichert ist, und configure suchen. Hast Du es und bist Du im selben Verzeichnis funktioniert es. Hier werden in den Installationshandbüchern wohl keine absoluten Pfade angegeben weil jedes Linux etwas anders ist. Hast Du noch z.B.ein Programm hallo selbst geschrieben, z.B. in Deinem Heimatverzeichnis, so mußt Du es aus Deinem Heimatverzeichnis mit ./hallo oder dem ganzen Pfadnamen aufrufen, weil der Computer dort meist keine Programme sucht und den Fehler: Befehl nicht gefunden (command not found), ausgibt, obwohl das Programm da ist.
cd . cd ./
machen also garnichts, Du bleibst, wo Du bist.


