MB-Technik/ 107/ Holzabdeckungen aufarbeiten
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Werkzeug, Materialien
- Beize, z.B. Bondex Holz oder 120er Schleifpapier
- Schleifpapier
- 240
- 600
- 1000
- 2000
- Politur (richtige, kein Wachs mit Politur)
- Schwingschleifer, Bandschleifer
- Poliermaschine, Polieraufsatz
- Pinsel, Spritzpistole
- Beize oder Lasur (Palisanderfarben für Wurzelholz)
- Lack/Grundierung (z.B. 2K PU)
[Bearbeiten] Lackentfernung
Der Lackabtrag ist problematisch, da
- zumindest die Furniere in den 80ern derart dünn sind, dass es hochgradig wahrscheinlich ist, sie durchzuschleifen
- Polyesterlacke (wie sie zumindest bei den späteren Zebrano- und Wurzelholzfurnieren benutzt wurden) eigentlich nicht abgebeizt werden können.
Abbeizer hat den Nachteil, dass Verfärbungen des Holzes nicht ausgeschlossen werden können.
Daher hatte ich mich für das Schleifen entschieden, zumal ich noch ein altes Bruchstück einer Armaturenbrettleiste hatte, wo das Furnier hinreichend dick aussah. Nur ist das Furnier in der Mittelkonsole erheblich dünner als an der besagten Leiste, ich würde es auf 0,2mm schätzen. So hatte ich ganz schnell einige "Löcher" im Furnier.
Meine Empfehlung geht eindeutig in Richtung Abbeizer. Wer neu furnieren möchte – z.B. weil er das Furnier durchgeschliffen hat – blättert anschließend weiter runter zum Abschnitt Furnieren.
[Bearbeiten] Abbeizen
Bondex Abbeizer Holz oder mit Aceton geschärfte STS-2 Abbeize wurden als nicht ganz untauglich identifiziert. Jedoch tragen sie die Schicht nicht auf einmal ab, sondern man muss in vielen Einzelschritten Abbeizer auftragen und die gelöste Schicht abtragen.
[Bearbeiten] Abschleifen
Vorsichtig mit dem 120er Papier den alten Lack anschleifen.
Dann mit dem 240er den restlichen Lack abtragen.
An den Kanten ist der Lackabtrag am höchsten, weswegen dort das Holz zuerst freigelegt wird. Auch sind die Abdeckungen meist nicht eben, wodurch ein unterschiedlicher Abtrag entsteht. Vermutlich sollte man spätestens mit Hand weiterschleifen, sobald der Lack an den ersten Stellen ab ist.
Beide Schritte geschehen trocken. Darauf achten, dass keine dunklen Bereiche von der ursprünglichen Beize verbleiben. Zudem daran denken, dass vorsichtig schleifen viel kürzer als Nachfurnieren dauert!
[Bearbeiten] Färben
Zumindest die Wurzelholzfurniere von Mercedes Benz sind gefärbt. Eine teiltransparente Schicht (wie die Lasur) gleicht die Furniere von den unterschiedlichen Bäumen einander an und überdeckt Fehlstellen. Sie sitzt zwischen dem Furnier und dem klaren Polyesterlack. Beim Schleifen und Abbeizen geht diese Einfärbung verloren, weswegen sie erneuert werden muss. Als Farbton eignet sich Palisander. Er kann entweder als Beize oder als Lasur aufgetragen werden. Der professionelle Lackierer schafft es evtl. auch durch Einfärben des Klarlacks mit rotbraunem Lack. Da Beize wasserlöslich ist, kann diese nicht zum Einfärben mit dem Lack genommen werden.
Beide Methoden, Beizen und Lasieren, führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wer ein schadhaftes Teil aus einer Gruppe von Holzabdeckungen aufarbeitet, sollte zum Lasieren greifen. Werden jedoch alle Holzabdeckungen aufgearbeitet, bringt die Beize ein ganz anderes Holzerlebnis mit mehr Kontrasten und Brillanz. Ein Hauch von Jaguar und Rolls-Royce erscheint im Benz.
Das Färben erfolgt je nach gewähltem Verfahren vor oder nach der Grundierung.
Das Beurteilen der Farbe geschieht möglichst mit natürlichem Licht und nie unter Neonlicht.
[Bearbeiten] Beizen
Dieses ist die handwerklich bessere Methode. Sie ermöglicht den glänzendsten Lackaufbau, lässt sich vom Farbton aber schlechter an die anderen Holzteile angleichen, da diese nicht gebeizt sondern mit eingefärbten Klarlack versehen sind.
Gebeizt wird vor dem Grundieren.
Nur – man benötigt etwas Furnier zum Bestimmen des richtigen Farbtons. Der endgültige Farbton stellt sich erst nach der Grundierung ein, so dass es keinen Sinn macht, das lediglich gebeizte Furnier an eine Vorlage zu halten. Wer dies auf gut Glück probiert, dem sei geraten, lieber etwas weniger abzudunkeln und weniger ins Rot zu färben, da man notfalls mit einer Lasur weiter abdunkeln, aber nicht aufhellen kann.
Mir wollte der Farbton mit Palisander- und Nussbaumbeize nicht recht gelingen, daher habe ich die Beize von einem erfahrenen Tischler anrühren lassen. Dessen Ergebnis war dann doch recht nah an meinen Versuchen. Der fehlende Gelbstich kommt seiner Aussage nach infolge Sonnenlichts nach einer weile von allein. Und schließlich muss man sich von dem Gedanken trennen, die Farbe genau an das Original angleichen zu können, da sich durch die hohen Kontraste eine größere Farbenvielfalt ergibt.
Die Beize auf das Furnier der Abdeckung gleichmäßig auftragen, überschüssige Flüssigkeit nach wenigen Sekunden abwischen.
Abschließend mit 600er-Papier einmal vorsichtig die Oberfläche abziehen.
[Bearbeiten] Lasieren
Die „Tiefe“ und der Glanz des Holzes wird durch die Lasuren vermindert. Zudem bärgen sie das Risiko, dass sie chemisch unverträglich zum weiteren Lackaufbau sind. Die Produkte, die ich mir anschaute, beschrieben nicht, ob und mit welcher Art Lack sie überziehbar sind. Dafür kann man mit ihnen ein Bauteil am besten an angrenzende Holzabdeckungen angleichen (da die Holzabdeckungen von Mercedes leider billig in der Massenproduktion gefertigt werden).
Wählt man das Lasieren, zunächst die Fläche grundieren und dann – nach und nach – mehrere verdünnte Schichten der Lasur auftragen, bis der Farbton passt. Mit 600er zwischenschleifen.
[Bearbeiten] Lackieren
Wie immer erhält man von drei Experten vier Meinungen, wenn es um die Auswahl des besten Lacksystems geht. Nach einigen Recherchen entschied ich mich für einen 2K PU Yachtlack (auch DD-Lack genannt). Ein angeblicher Restaurator im TR-Forum hat diese Lacke verdammt und Acryllack auf Nitrogrund empfohlen, wovon aber wieder alle Lackierer abrieten. Als Produkt habe ich International Perfection-Varnish gewählt. Als ich beim Hersteller wegen der Bedenken des Restaurators nachfragte, erhielt ich folgende Antwort:
“es ist für uns so nicht nachvollziehbar was damit gemeint ist das ein Lack nicht farbneutral sein soll. Dass ein Klarlack, egal ob es sich um ein 1- oder 2-komponenten Polyurethan oder einen alkydharzbasierenden Lack handelt, eine Blaustichigkeit zeigt ist uns zumindest von unseren Produkten nicht bekannt. Allerdings können wir auch nicht beurteilen wie Holzabdeckungen in der KFZ Branche versiegelt werden. Eventuell kommt dieser Blaustich durch Vorbehandlungen. Wenn eine neu gebaute Holzyacht mit unserem 2-k PU Lack Perfection Varnish beschichtet wird kommt es zu keinen komischen Verfärbungen, letztlich wird das Holz nur dunkler. Dieser 2-k Lack behält hier in Nordeuropa seine Glanzbeständigkeit für ca. 7 Jahre, vorausgesetzt der Lack wird nicht durch polieren und ähnliches vorzeitig "totgepflegt". In Yachtbereich bei rohem Holz werden deutlich mehr Schichten Lack aufgetragen, je mehr Lackschichten desto höher wird der so genannte Tiefenglanz. Auf geschliffenem Holz sind in der Regel erst einmal 3 Lackschichten nötig um eine Filmbildung auf der Oberfläche zu erzielen und wenn diese Filmbildung erreicht ist sollten wenigstens 4 weitere Anstriche aufgetragen werden. Da es für eine wirklich optimale Oberfläche nötig ist zwischen zu schleifen erhöht sich oftmals die Anzahl der Anstriche. Zu Beschichtungsverfahren in der KFZ Branche liegen uns leider keine Informationen vor, aber warum das Holz erst mit nitrobasierenden Grundierungen beschichtet werden soll ist uns schleierhaft.“
Dieser Lack ist sehr UV- und chemikalienstabil und wirklich hoch glänzend. Zum Polieren ist evtl. ein Polyesterlack besser geeignet, da er härter ist. Dadurch zerkratzt der Polyesterlack später aber auch leichter.
[Bearbeiten] Grundieren
Wer dachte, das alte Furnier sei durch die ursprüngliche Polyesterlackierung bereits grundiert, wird nach dem Abschleifen eines Besseren gelehrt. Selbst die großen und tiefen Poren des Wurzelholzfurniers sind wieder komplett offen und bilden große Krater.
Idealerweise feuchtet man das Holz noch einmal zuvor ein wenig an (wenn gebeizt wurde, so hat dies die Beize bereits getan) und zieht die aufgerichteten Holzfasern vorsichtig mit 600er Papier ab.
Gebeiztes Holz sollte die erste Lack- bzw. Grundierungsschicht immer aufgespritzt und nicht gepinselt bekommen. Wird die Abdeckung lasiert, kann die Grundierung auch mit dem Pinsel aufgetragen werden.
Der von mir verwendete Lack wird 10% zum Grundieren verdünnt. Bei rohem Furnier 3-4 Schichten nass in nass auftragen, d.h. je nach Temperatur in 5-24h-Intervallen ohne Zwischenschliff auftragen.
1-2 Tage trocknen lassen
Mit 600er-Papier glattschleifen
[Bearbeiten] Oberflächenlackieren
Nun werden die weiteren Schichten nass in nass aufgetragen. Trocknung im Backofen bei 50°C beschleunigt den Prozess. Steht der angerührte Lack mit dem Pinsel derweil im Kühlschrank (dampfdicht abgeschlossen), so können 2-3 Lackschichten mit einmal anrühren und Pinsel reinigen aufgetragen werden.
Sobald die Oberfläche zu uneben wird, mit 600er planschleifen. Dabei zeigt sich, dass sich Jahresring ähnliche, glänzende Linien an den Übergangsstellen zwischen den Lackschichten ergeben. Daher sollte insbesondere die vorletzte Lackebene akkurat geschliffen sein. Da der Lack gute 50% beim Aushärten schrumpft, sollten zwischen erstem und letzten Anstrich einige Tage vergehen, damit der Lack nicht weiter an im Holz unebenen Stellen (z.B. Poren) nachsackt.
Bei mir wurden es insgesamt 11 Schichten.
Die Ausschnitte an Schaltern und dem Gangwahlhebel sind im Original kantig. Daher nach dem Grundieren Tesafilm in den Ausschnitt kleben
Abschließend mit 1000er und 2000er (evtl. sogar 3000er) Papier nass schleifen und die Oberfläche mit der Politur polieren. Nicht jeder (wie auch ich nicht) hat eine Profi-Poliermaschine zu hause, bei der kleinen Oberfläche tun es notfalls aber auch einfache Geräte aus dem Baumarkt. Von Hand dürfte es allerdings schwer werden.
Und so sieht es schließlich aus. Die Schalter sind noch nicht perfekt eingepasst, das kommt aber noch.
[Bearbeiten] Furnieren
Wer ordentlich gearbeitet hat, muss hier nicht weiterlesen, außer die Abdeckung hatte zuvor ernsten Schaden genommen.
In den Gelben Seiten findet sich hoffentlich ein Furnierhändler. Vor Ort wird man feststellen, dass Holz ein Naturprodukt ist. Evtl. kommt das Furnier aus einem anderen Land als das von MB; sollte es genau passen, hat man Glück. Mein gekauftes Wurzel-Nussbaumfurnier hat z.B. eine etwas andere Farbe und Maserungsstruktur. Den Farbunterschied kann man aber mit Beize anpassen.
Benötigt werden:
- Furnier
- Wasserfester Leim
- 2 dicke (ab 2cm) und ebene Platten (Bretter)
- weiches Tuch
- Haushaltsfolie (PE)
- große Schraubzwingen (mind. 4)
- Klingenmesser
Zunächst die Abdeckung auf das Furnier legen und die Konturen der Abdeckung aufzeichnen. Ggf. nochmals die Position korrigieren. Wenn das Furnierstück zu klein ist und man in dem Fall hoffentlich ein benachbartes Stück gekauft hat, kann man die Furniere spiegeln. Beim Spiegeln werden zwei aufeinander liegende (und beim Baum in der Anordnung gewachsene) Furnierblätter wie ein Buch aufgeklappt. Da, wo das Buch gebunden wäre, liegt die Spiegelachse. Üblicherweise sollten alle Blätter gleichzeitig aufgeleimt werden, wobei auf die Stoßkante ein dünnes Klebeband kommt. Da die Abdeckung am Schaltstock beim R107 gebogen ist, habe ich zunächst das ebene Blatt aufgeleimt.
Soll ein Blatt gebogen werden, dieses zunächst an der entsprechenden Stelle anfeuchten und anschließend ohne Leim über die Krümmung legen. Hilfreich sind weitere Furnierbögen (nicht Wurzelholz, sondern welches mit paralleler Maserung), die ein wenig Druck aufzubauen helfen. Nachdem das Furnier in der gebogenen Position getrocknet ist, kann es aufgeleimt werden (langsame Trocknung hilft Risse im Furnier vermeiden).
Nun kommt auf die eine Platte das weiche Tuch und die PE-Folie (zur Trennung bei austretendem Leim). Die abgeschliffene Abdeckung mit Leim dünn und gleichmäßig einstreichen, das Furnierblatt auflegen und mit dem Furnier nach unten auf die Platte legen. Mit der zweiten Platte und den Schraubzwingen das Furnier kräftig aufdrücken (viel hilft viel).
Das Furnier ist jetzt noch mit deutlichem Übermaß auf der Abdeckung. Speziell bei so brüchigem Furnier wie dem Wurzelholz empfiehlt es sich, den genauen Zuschnitt erst nach dem Grundieren vorzunehmen.
Dazu mit einem scharfen Klingemesser mit wenig Druck etwas neben der späteren Kante schneiden, bis sich das Furnier trennt. Dann mit 240er Papier planschleifen. Wo gewünscht, eine kleine Phase anschleifen. Bei den Schaltern und dem Schaltstock keine Phase erzeugen, da hier eine möglichst scharfe Kante entstehen soll.
Beim Beizen können kleine Beulen im Furnier entstehen, wenn die Leimung an einer Stelle nicht zustande gekommen ist. Hier mit einer dünnen Kanüle Lack unter das Furnier spritzen (Leim ist zu dickflüssig für die Kanüle) und das Furnier erneut anpressen.
Für die Richtigkeit der Angaben und Vorgehensweisen wird keine Gewähr geleistet. Wer nach diesem Erfahrungsbericht Reparaturen durchführt, handelt eigenverantwortlich.




