Mathe für Nicht-Freaks: Beweis: Beweisarten

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Es gibt zwei wichtige Arten von Beweise: direkte Beweise und indirekte Beweise (auch Widerspruchsbeweise genannt)

Inhaltsverzeichnis

Direkter Beweis [Bearbeiten]

Beim direktem Beweis wird der zu beweisende Satz S direkt bewiesen. Dies bedeutet, dass man mit den Voraussetzungen von S beginnt und aus diesen die zu beweisende Aussage direkt durch logische Schlussfolgerungen herleitet. Ein direkter Beweis nimmt also folgende Form an:


Prämissen und Voraussetzungen von S

|

logische Schlussfolgerungen

\downarrow

Konklusion von S

Beispiel [Bearbeiten]

Betrachten wir ein Beispiel. Stell dir vor, wir müssen den Satz

„Die Summe 3er aufeinander folgender natürlicher Zahlen ist durch 3 teilbar.“

beweisen. Dieser Satz lässt sich folgendermaßen als Implikation formulieren:

„Wenn n eine natürliche Zahl ist, dann ist n+(n+1)+(n+2) durch 3 teilbar.“

In dieser Implikation ist „n ist eine natürliche Zahl“ die Prämisse und „n+(n+1)+(n+2) ist durch 3 teilbar“ die Konklusion. Ein direkter Beweis hätte also folgende Form:


n ist eine natürliche Zahl.

|

logische Schlussfolgerungen

\downarrow

n+(n+1)+(n+2) ist durch 3 teilbar.


Ein solcher Beweis könnte so aussehen (Implikationen der logischen Schlussfolgerungen sind orange):


n ist eine natürliche Zahl.

|

Wenn \color{RedOrange} n eine natürliche Zahl ist, dann ist auch \color{RedOrange} n+1 eine natürliche Zahl.

\downarrow

n+1 ist eine natürliche Zahl.

|

Ist \color{RedOrange} k eine natürliche Zahl, dann ist \color{RedOrange} 3\cdot k durch 3 teilbar.

\downarrow

3 \cdot (n+1) ist durch 3 teilbar.

|

\color{RedOrange} 3 \cdot (n+1) = 3\cdot n + 3

\downarrow

3 \cdot n+3 ist durch 3 teilbar.

|

\color{RedOrange} 3 \cdot n + 3 = n + n+ n + 1 + 2 = n +(n+1)+(n+2)

\downarrow

n + (n+1) + (n+2) ist durch 3 teilbar.


Anstatt deinen Beweis so wie obigen zu strukturieren , kannst du ihn auch als Fließtext schreiben (dies ist meistens kompakter):

„Sei n eine natürliche Zahl. Damit ist auch n+1 eine natürliche Zahl und somit 3\cdot(n+1) durch 3 teilbar. Da n+(n+1)+(n+2)=3\cdot n+3 ist, ist n+(n+1)+(n+2) durch 3 teilbar.“

Widerspruchsbeweis [Bearbeiten]

Neben dem direkten Beweis gibt es eine zweite Art des Beweises, den Widerspruchsbeweis oder indirekten Beweis. Wenn du einen mathematischen Satz S indirekt beweisen möchtest, so führst du seine Negation \neg S durch logische Schlussfolgerungen zu einem Widerspruch. Dabei nenne ich im Folgendem \neg S Widerspruchsannahme. Ein Widerspruchsbeweis hat also folgende Form:


Widerspruchsannahme \neg S

|

logische Schlussfolgerungen

\downarrow

Widerspruch


Um einen Widerspruchsbeweis erfolgreich durchzuführen, musst du zunächst den zu beweisenden Satz S richtig negieren. Wie du dies machen kannst, kannst du im Abschnitt „Aussagen negieren“ nachlesen.

Doch wie haben wir den Satz S bewiesen, wenn wir die Widerspruchsannahme \neg S zu einem Widerspruch geführt haben? Wenn du die Widerspruchsannahme \neg S zu einem Widerspruch geführt hast, so weißt du dass \neg S falsch sein muss, also \neg S = \mathrm F ist. Damit ist die doppelte Verneinung \neg\neg S von S wahr (\neg\neg S = \neg \mathrm F = W). Nun ist \neg\neg S \Leftrightarrow S eine Tautologie, was du an folgender Wahrheitstabelle erkennst:

S \neg S \neg \neg S \neg \neg S \Leftrightarrow S
\mathrm W \mathrm F \mathrm W \mathrm W
\mathrm F \mathrm W \mathrm F \mathrm W

Da \neg\neg S \Leftrightarrow S eine Tautologie ist, ist \neg\neg S dann und nur dann wahr, wenn S wahr ist (siehe Definition der Äquivalenz). Wir haben durch den Widerspruchsbeweis bewiesen, dass \neg \neg S wahr ist (da \neg S falsch ist). Damit muss aber wegen obiger Tautologie S wahr sein. Genau dies ist zu zeigen, wenn wir den Satz S beweisen wollen.

Beispiel [Bearbeiten]

Stell dir vor wir wollen den Satz

„Die Summe 3er aufeinander folgender natürlicher Zahlen ist durch 3 teilbar.“

durch einen Widerspruchsbeweis beweisen (diesen haben wir bereits oben direkt bewiesen). Diesen Satz können wir als Implikation definieren:

„Wenn n eine natürliche Zahl ist, dann ist n+(n+1)+(n+2) durch 3 teilbar.“

Um diese Implikation indirekt zu beweisen, müssen wir zunächst die Widerspruchsannahme formulieren, also die obige Implikation negieren. Wir erhalten:

Widerspruchsannahme: „n ist eine natürliche Zahl und n+(n+1)+(n+2) ist nicht durch 3 teilbar.“

Diese Annahme müssen wir nun durch logische Schlussfolgerungen zu einem Widerspruch führen. Eine solche Herleitung könnte so aussehen:


Widerspruchsannahme: n ist eine natürliche Zahl und n+(n+1)+(n+2) ist nicht durch 3 teilbar.

|

Ist \color{RedOrange} A \and B wahr, so ist \color{RedOrange} A wahr.

\downarrow

n+(n+1)+(n+2) ist nicht durch 3 teilbar.

|

\color{RedOrange} n+(n+1)+(n+2) = 3\cdot n + 3

\downarrow

3\cdot n + 3 ist nicht durch 3 teilbar.

|

\color{RedOrange} 3\cdot n + 3 = 3 \cdot (n+1)

\downarrow

3\cdot (n+1) ist nicht durch 3 teilbar.

|

Ist \color{RedOrange} 3 \cdot k nicht durch 3 teilbar, so ist \color{RedOrange} k keine natürliche Zahl.

\downarrow

n+1 ist keine natürliche Zahl.

|

Ist \color{RedOrange} k keine natürliche Zahl, so ist \color{RedOrange} k-1 keine natürliche Zahl.

\downarrow

(n+1)-1 ist keine natürliche Zahl.

|

\color{RedOrange} (n+1)-1 = n

\downarrow

n ist keine natürliche Zahl.

\downarrow

Widerspruch ↯ (n ist nach Widerspruchsannahme eine natürliche Zahl)

Auch diesen Beweis kannst du in einem Fließtext schreiben:

Widerspruchsannahme: Sei n eine natürliche Zahl und n+(n+1)+(n+2) nicht durch 3 teilbar. Wegen n+(n+1)+(n+2)=3\cdot n+ 3 = 3\cdot(n+1) ist 3\cdot (n+1) nicht durch 3 teilbar. Damit ist n+1 keine natürliche Zahl, da, wenn n+1 eine natürliche Zahl wäre, so wäre 3\cdot(n+1) durch 3 teilbar. Wenn n+1 keine natürliche Zahl ist, ist auch n keine natürliche Zahl. Dies ist aber ein Widerspruch dazu, dass n nach Widerspruchsannahme eine natürliche Zahl ist ↯.