Mathe für Nicht-Freaks: Mengenlehre: Kartesisches Produkt
[Bearbeiten] Geordnetes Paar und Tupel
Wie können Listen in der Mathematik beschrieben werden? Im Abschnitt „Mengenlehre“ hast du erfahren, wie du in der Mathematik Ansammlungen von Objekten mit Hilfe von Mengen beschreiben kannst. Nun möchte ich dir zeigen, wie du endliche Listen von Objekten beschreiben kannst, welche man als Tupel bezeichnet. Der wesentliche Unterschied von Listen zu Mengen ist der, dass bei Listen auch die Reihenfolge der Objekte entscheidend ist. So sind zwei Listen dann und nur dann gleich, wenn sie dieselben Objekte in derselben Reihenfolge und Anzahl besitzen. Zur Erinnerung: Bei Mengen (aufgeschrieben in der aufzählenden Mengenschreibweise) ist die Reihenfolge ihrer Elemente für die Identität zweier Mengen irrelevant. So ist etwa
.
Eine Liste von Objekten wird Tupel genannt. Die einzelnen Objekte eines Tupels sind seine Komponenten. Die Schreibweise für eine endliche Liste von
Objekten
bis
ist
. Die einzelnen Komponenten eines Tupels werden also durch Kommata „,“ (oder auch Semikolons „;“ getrennt) und in runden Klammern
zusammengefasst. Wie bereits gesagt, ist die Reihenfolge der Komponenten eines Tupels wichtig. So sind zwei Tupel dann und nur dann gleich, wenn sie dieselben Objekte in derselben Reihenfolge und Anzahl besitzen. Dies bedeutet:
In Übersetzung:
Wenn du deutlich machen möchtest, dass ein Tupel
Komponenten besitzt, so kannst du ihn
-Tupel nennen. So nennt man ein Tupel mit 2 Komponenten „2-Tupel“, ein Tupel mit 3 Komponenten „3-Tupel“ und so weiter.
Es gibt einen besonderen Name für 2-Tupel. Sie werden geordnetes Paar oder kurz Paar genannt. Geordnete Paare
sind also 2-komponentige Listen mit der ersten Komponente
und der zweiten Komponente
.
und
besitzen, damit folgende Paare gleich sind?
und 
und 
und 
- Für alle
ist
, da zwei Tupel nur dann identisch sein können, wenn sie dieselbe Anzahl an Elementen besitzen. - Es ist
genau dann, wenn
. - Es ist
genau dann, wenn
und
.
,
,
und
erfüllen, damit die Paare
und
gleich sind?Damit zwei Paare
und
gleich sind, muss
und
sein:
Wir fassen zusammen:
| Definition (Tupel):
Ein Tupel |
| Definition (geordnetes Paar):
Ein geordnetes Paar |
[Bearbeiten] Modellierung durch Mengen
Oft werden neu eingeführte Objekte auf bereits bekannte Objekte zurückgeführt, indem die neuen Objekte mit Hilfe der bereits bekannten Objekte definiert werden. Diese Zurückführung kann später in Beweisen genutzt werden.
Bisher haben wir nur Mengen als Objekte der Mathematik kennen gelernt. Wie können also geordnete Paare und Tupel im Allgemeinen als Mengen definiert werden? Die wesentliche Eigenschaft von Tupeln ist die, dass
dann und nur dann ist, wenn
und
für alle natürlichen Zahlen
mit
ist. Diese Eigenschaft muss auch eine Definition von Tupeln mit Hilfe von Mengen erfüllen.
Hierzu gibt es folgende rekursive Definition des Tupels:
| Definition (Definition von Tupel durch Mengen):
Tupel sind rekursiv definiert durch:
|
Die Wirkungsweise dieser rekursiven Definition lässt mit Hilfe der folgenden Animation nachvollziehen:
Tupel
:
Tupel
:
Tupel
:
Wir haben noch nicht gezeigt, dass unsere obige Definition von Tupel über Mengen auch die wesentliche Eigenschaft von Tupel erfüllt, nämlich dass zwei Tupel dann und nur dann identisch sind, wenn sie dieselben Objekte in derselben Anzahl und Reihenfolge besitzen. Wir müssen also noch folgenden Satz zeigen:
| Satz (Identität von Tupeln):
Zwei Tupel |
Diesen Satz werden wir über vollständige Induktion beweisen:
| Beweis (Identität von Tupeln):
Zu beweisende Aussage: Induktionsvariable: Induktionsanfang: Sei also Für Nun ist nach Rekursionsanfang Sei also Induktionsschritt: Nun müssen wir folgende Aussage beweisen Auch hier ist folgende Implikation eine direkte Folgerung: Damit müssen wir noch beweisen: Sei also Weil Aus |
[Bearbeiten] Kartesisches Produkt
Das kartesische Produkt ist eine besondere Verknüpfung zwischen zwei Mengen. Die Schreibweise für das kartesische Produkt zwischen den Mengen
und
ist
(ausgesprochen: „
kreuz
“). Das kartesische Produkt
ist die Menge aller geordneten Paar
mit
und
. So ist beispielsweise:
| Definition (kartesisches Produkt):
Das kartesische Produkt
|
eine endliche Menge mit
Elementen und
eine endliche Menge mit
Elementen. Wie viele Elemente enthält die Menge
?Seien
bis
die Elemente der Menge
und
bis
die Elemente der Menge
. Dann sieht
so aus:
Man sieht, dass es für jedes
genau
verschiedene
mit
gibt. Damit enthält
genau
verschiedene geordnete Paare als Elemente.
Man kann auch das kartesische Produkt von mehr als zwei Mengen bilden. Analog zum Fall von zwei Mengen ist das kartesische Produkt
der drei Mengen
,
und
gleich der Menge aller 3-Tripel
mit
,
und
:
?Allgemein ist das kartesische Produkt
der
Mengen
bis
die Menge aller n-Tupeln
mit
,
und so weiter bis
:
Für kartesische Produkte von Mengen mit sich selber gibt es eine abkürzende Schreibweise: Es ist
,
und so weiter. Allgemein ist
.
?

und 
und 
und
, da zwei Tupel nur dann identisch sein können, wenn sie dieselbe Anzahl an Elementen besitzen.
genau dann, wenn
.
genau dann, wenn
und
.
des Tupels wird seine
sind dann und nur dann identisch, wenn sie dieselben Objekte in derselben Reihenfolge und Anzahl besitzen:



![\begin{array}{llll}
& (1) & \left|\ (1) = \{ (),\, \{ 1 \} \} \right. & \text{(Rekursionsschritt)} \\[5px]
=\ & \{ (),\, \{ 1 \} \} & \left|\ () = \emptyset \right. & \text{(Rekursionsanfang)} \\[5px]
=\ & \{ \emptyset,\, \{ 1 \} \}
\end{array}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/9/8/e/98eae898112e1cda7eeebc0fc6c3b5d7.png)
![\begin{array}{llll}
& (a,b) & \left|\ (a,b) = \{ (a),\, \{ b \} \} \right. & \text{(Rekursionsschritt)} \\[5px]
=\ & \{ (a),\, \{ b \} \} & \left|\ (a) = \{ (),\, \{ a \} \} \right. & \text{(Rekursionsschritt)} \\[5px]
=\ & \{ \{ (),\, \{ a \} \},\, \{ b \} \} & \left|\ () = \emptyset \right. & \text{(Rekursionsanfang)} \\[5px]
=\ & \{ \{ \emptyset,\, \{ a \} \},\, \{ b \} \}
\end{array}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/c/8/d/c8d178bb922164fabbdd894a82376ce3.png)
![\begin{array}{llll}
& (()) & \left|\ () = \emptyset \right. & \text{(Rekursionsanfang)} \\[5px]
=\ & (\emptyset) & \left|\ (\emptyset) = \{ (),\, \{ \emptyset \} \} \right. & \text{(Rekursionsschritt)} \\[5px]
=\ & \{ (),\, \{ \emptyset \} \} & \left|\ () = \emptyset \right. & \text{(Rekursionsanfang)} \\[5px]
=\ & \{ \emptyset,\, \{ \emptyset \} \}
\end{array}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/e/a/d/ead35f85e709c34070844cdf73d7d973.png)

. Wir müssen zeigen

ist
eine direkte Folgerung, so dass wir nur noch die Implikation
zeigen müssen.
, so dass wir die Implikation
zeigen müssen (die Implikation
haben wir gerade gezeigt).
. Da für
nach dem Rekursionsschritt
ist, ist für
nicht größer als 0 sein, da wir sonst einen Widerspruch erhalten würden. Damit ist 


. Da
ist, ist nach dem Rekursionsschritt
und damit nicht leer. Da 
zweielementig und für
und
. Analog ist
und
. Damit gilt obige Gleichung nur dann, wenn
und
.
also
und
. Aus
und damit
.









![\begin{align}
\{ 1,\, 2 \} \times \{3,\, 4\} \times \{5,\, 6\} = \{ & (1,\, 3,\, 5);\, (1,\, 3,\, 6); \\[3px]
& (1,\, 4,\, 5);\, (1,\, 4,\, 6); \\[3px]
& (2,\, 3,\, 5);\, (2,\, 3,\, 6); \\[3px]
& (2,\, 4,\, 5);\, (2,\, 4,\, 6)\} \\[3px]
\end{align}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/7/c/e/7ce4b43435a6aef6cb52db68dd93ed27.png)

.![\begin{align}
\{1,\,2\}^3 = \{ 1,\, 2 \} \times \{1,\, 2\} \times \{1,\, 2\} = \{ & (1,\, 1,\, 1);\, (1,\, 1,\, 2); \\[3px]
& (1,\, 2,\, 1);\, (1,\, 2,\, 2); \\[3px]
& (2,\, 1,\, 1);\, (2,\, 1,\, 2); \\[3px]
& (2,\, 2,\, 1);\, (2,\, 2,\, 2)\} \\[3px]
\end{align}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/0/5/c/05ce6bada46ec167c8cdd715c93d6d28.png)