Mathe für Nicht-Freaks: Reelle Zahlen: Körperaxiome
Die Körperaxiome beschreiben die 4 Grundrechenarten der reellen Zahlen: Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Die Axiome sind folgende:
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Die Körperaxiome [Bearbeiten]
Auf der Menge der reellen Zahlen
sind 2 Verknüpfungen definiert:
- eine Verknüpfung der Addition:

- eine Verknüpfung der Multiplikation:

Diese Verknüpfungen genügen folgenden Eigenschaften (den so genannten Körperaxiomen):
| Eigenschaften der Addition | Eigenschaften der Multiplikation |
|---|---|
| Assoziativgesetz der Addition: Für alle reellen Zahlen gilt . |
Assoziativgesetz der Multiplikation: Für alle reellen Zahlen gilt . |
| Kommutativgesetz der Addition: Für alle reellen Zahlen und gilt ![]() |
Kommutativgesetz der Multiplikation: Für alle reellen Zahlen und gilt ![]() |
| Existenz der Null: Es gibt mindestens eine reelle Zahl , für die für alle reellen Zahlen gilt. |
Existenz der Eins: Es gibt mindestens eine reelle Zahl mit , für die für alle reellen Zahlen gilt. |
| Existenz des Negativen: Für jede reelle Zahl gibt es mindestens eine reelle Zahl mit . |
Existenz des Inversen: Für jede reelle Zahl gibt es mindestens eine reelle Zahl mit . |
| Distributivgesetz: Für alle reellen Zahlen gilt . |
|
Definitionen im Zusammenhang mit den Körperaxiomen [Bearbeiten]
Definition (Körper):
Eine Menge, die wie die reellen Zahlen eine Addition und eine Multiplikation mit den obigen Eigenschaften besitzt, nennt man einen „Körper“.
So ist
ein Körper. Es gibt aber auch andere Körper, wie die Menge der rationalen Zahlen
. Für das Studium der reellen Analysis ist der Körperbegriff für dich nur insofern wichtig, als dass du wissen musst, dass die reellen Zahlen die Körperaxiome erfüllen (
also ein Körper ist). Ein genaues Studium von Körpern findest du in der Algebra.
Definition (Subtraktion und Division):
Die Subtraktion wird auf eine Addition und die Division auf eine Multiplikation zurückgeführt:
So entpuppt sich nach unserer Definition die Subtraktion als eine Addition und die Division als eine Multiplikation, so dass auch die Eigenschaften der Division und der Subtraktion durch die Körperaxiome beschrieben werden. In der Mathematik sagt man dementsprechend zu Differenzen oft Summen und zu Quotienten oft Produkte.
Wie du vielleicht bereits erkannt hast, ist die obige Definition nur dann sinnvoll, wenn das Negative und das Inverse einer reellen Zahl eindeutig bestimmt ist. Wenn zum Beispiel eine Zahl
zwei Negative
und
hätte, so wäre die Differenz
nicht eindeutig – es könnte
oder
gemeint sein. Zwar wissen wir bereits aus den Körperaxiomen, dass es für jede reelle Zahl ein Negatives und für jede reelle Zahl ungleich 0 ein Inverses gibt – jedoch wissen wir nicht, ob dieses Negative/Inverse eindeutig bestimmt ist (gibt es reelle Zahlen mit mehr als ein Negatives/Inverses?). Es lässt sich jedoch mit den obigen Körperaxiomen zeigen, dass das Negative und das Inverse eindeutig bestimmt sind, so dass die obige Definition zur Subtraktion bzw. Division gerechtfertigt ist.
Im Folgenden verwenden wir die aus der Schule bekannten Bezeichnungen:
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Anmerkungen zu den Körperaxiomen [Bearbeiten]
Wie du bereits merkst, sind dir die Inhalte der Körperaxiome bereits aus der Schulzeit bekannt. Vielen Studienanfängern bereitet aber gerade dies Schwierigkeiten, da ihnen die Aussagen, die mit Hilfe der Körperaxiome bewiesen werden, selbstverständlich erscheinen (Wozu soll man etwas beweisen, was einem schon aus der Grundschule bekannt ist?!). Auch haben einige Probleme, die genaue Beweisstruktur zu erkennen. Deswegen gebe ich dir hier einige Anmerkungen zu den obigen Axiomen, damit du diese und ihre Bedeutung für die Theorie der reellen Zahlen besser verstehst.
Um den oben beschriebenen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, kannst du dir vorstellen, dass du gar nichts über die reellen Zahlen weißt. Stell dir einmal vor, du hättest noch nie in deinem Leben gerechnet und du wusstest nicht, was Zahlen sind. Nun kommt jemand zu dir und möchte dir erklären, was „reelle Zahlen“ sind. Dabei fängt er an, dir die Körperaxiome zu nennen. Was weißt du nun über die reellen Zahlen?
Nun, du weißt, dass es (mindestens) zwei Arten gibt, wie du reelle Zahlen miteinander verknüpfen kannst (Sprich: Es gibt (mindestens) zwei Rechenarten auf den reellen Zahlen). Es wird dir jedoch nicht erklärt, wie du diese durchführen kannst! Du weißt zwar, dass es möglich ist,
oder
zu rechnen, aber du weißt nicht, dass
und
ist. Auch weißt du noch nicht, dass das Produkt von 0 mit irgendeiner anderen reellen Zahl immer 0 ist. Jedoch ist es möglich, diese und andere dir bereits aus der Schule bekannte Tatsachen über Addition und Multiplikation allein aus den obigen Axiomen herzuleiten. Unsere Aufgabe besteht im nächsten Kapitel vor allem darin, solche dir bekannten Tatsachen mit Hilfe der Körperaxiome zu beweisen. Dabei dürfen zum Beweis nur Körperaxiome und bereits bewiesene Sätze verwendet werden!. Diese Beweise sind auch deswegen wichtig für dich, weil dir die dahinter stehenden Beweisideen noch häufig im Mathematikunterricht begegnen werden (zum Beispiel in der Algebra und in der Linearen Algebra).
Hier noch einige Anmerkungen zu den Axiomen:
| Axiome | Anmerkung |
|---|---|
| Assoziativgesetz der Addition/Multiplikation | Dank des Assoziativgesetzes ist die Reihenfolge der Ausführung einer endlichen Addition/Multiplikation egal. Dementsprechend können Klammern in einer endlichen Summe/Produkt weggelassen werden. (Dies gilt nicht für unendliche Summen/Produkte!) |
| Kommutativgesetz der Addition/Multiplikation | Dank dieses Axiom ist die Reihenfolge der Terme in einer endlichen Summe/Produkt egal. (Dies gilt nicht für unendliche Summen/Produkte!) |
| Existenz der Null/Eins | Hier wird explizit nur die Existenz, nicht die Eindeutigkeit der Null/Eins definiert. (Die Eindeutigkeit folgt aber direkt aus der Anwendung der Axiome.) Weil nach Axiom Eins ungleich Null ist, muss ein Körper mindestens zwei Elemente besitzen (in der Algebra wirst du lernen, dass es einen Körper mit genau zwei Elementen gibt). |
| Existenz des Negativen/Inversen | Auch hier wird erstmal nur die Existenz des Negativen/Inversen gefordert. Wir werden aber im nächsten Abschnitt die Eindeutigkeit des Negativen/Inversen beweisen. |
| Distributivgesetz | Dieses Axiom stellt eine Verbindung zwischen Addition und Multiplikation her und ist deshalb ziemlich hilfreich. |
Folgerungen aus den Körperaxiomen [Bearbeiten]
Wie bereits angesprochen, geht es in diesem Kapitel darum, viele dir bereits aus der Schule bekannte Tatsachen über reelle Zahlen allein aus den Körperaxiomen herzuleiten. Da, wie du der obigen Tabelle mit den Körperaxiomen entnehmen kannst, die ersten Axiome zur Addition und zur Multiplikation analog sind, sind auch die daraus herleitbaren Eigenschaften mit ihren Beweisen analog. Deswegen werde ich die entsprechenden analogen Eigenschaften von Addition und Multiplikation zusammen behandeln.
Eindeutigkeit der Null/Eins [Bearbeiten]
Satz (Eindeutigkeit der Null/Eins):
Die Null und die Eins sind durch ihre Eigenschaften (für alle
ist
bzw. für alle
ist
) eindeutig bestimmt.
Zunächst werden wir die Eindeutigkeit der Null beweisen. Die Beweisidee ist dabei folgende: Wir zeigen, dass zwei reelle Zahlen
und
mit der Nulleigenschaft gleich sind.
Doch wie beweist dies die Eindeutigkeit der Null? Nun, nehmen wir an, dass die Null nicht eindeutig wäre. So gebe es mindestens zwei verschiedene reelle Zahlen
und
, die die Nulleigenschaft besitzen. Da wir aber gerade gezeigt haben, dass zwei reelle Zahlen mit der Nulleigenschaft identisch sind, kann es keine 2 solche verschiedene reelle Zahlen
und
geben. Aus diesem Widerspruch folgt, dass es höchstens eine Null geben kann und damit die Null eindeutig ist. (Gehe diese Beweiskette Schritt für Schritt durch, bis du diese verstanden hast!)
Beweis (Eindeutigkeit der Null):
- Nehmen wir an, wir hätten zwei reelle Zahlen
und
mit der Nulleigenschaft.
und
erfüllen also für alle
die Gleichung
bzw. die Gleichung
. (Beachte, dass
nicht zwangsläufig ungleich
sein muss, sie könnten auch dieselbe reelle Zahl bezeichnen). - Setzen wir in der ersten Gleichung
für
und in der zweiten Gleichung
für
ein, so erhalten wir
und
. - Wegen des Kommutativgesetzes der Addition ist
und dementsprechend ist:
- Damit sind zwei reelle Zahlen mit der Nulleigenschaft nach der obigen Gleichung gleich.
Beweis (Eindeutigkeit der Eins):
Die Eindeutigkeit der Eins kannst du analog zum obigen Eindeutigkeitsbeweis der Null führen.
- Nehmen wir an, wir hätten zwei reelle Zahlen
und
mit der Einseigenschaft. - Es gilt also für alle
die Gleichung
und die Gleichung
. - Setzen wir in der ersten Gleichung
und in der zweiten Gleichung
so erhalten wir
beziehungsweise
. - Wegen des Kommutativgesetzes der Multiplikation ist
und damit:
- Damit sind zwei reelle Zahlen mit der Einseigenschaft gleich.
Eindeutigkeit des Negativen/Inversen [Bearbeiten]
Satz (Eindeutigkeit des Negativen/Inversen):
Für jede reelle Zahl
gibt es genau eine negative Zahl
mit
.
Für jede reelle Zahl
gibt es genau ein Inverses
mit
.
Die Beweisidee für diesen Satz ist dieselbe wie für den Eindeutigkeitsbeweis der Null/Eins. Nach den Körperaxiomen wissen wir bereits, dass es für alle
mindestens ein Negatives und für alle
mit
mindestens ein Inverses gibt. Es muss nur noch gezeigt werden, dass zwei Negative einer Zahl gleich sind (und analog, dass zwei Inverse einer Zahl ungleich 0 auch gleich sind).
Beweis (Eindeutigkeit des Negativen):
Sei
eine beliebige reelle Zahl. Wir müssen zeigen, dass
höchstens ein Negatives besitzt. Seien also
und
zwei Negative von
– für die also
und
ist. Es ist:
Damit ist
und somit gibt es für
höchstens ein Negatives.
Die Eindeutigkeit des Inversen kannst du analog beweisen:
Beweis (Eindeutigkeit des Inversen):
analog zum obigen BeweisSei
eine beliebige reelle Zahl ungleich 0. Sei außerdem
und
zwei Inverse von
– es gilt also
und
. Es ist:
Damit ist
und somit gibt es für
höchstens ein Inverses.
Das Negative der Null ist Null/Das Inverse der Eins ist Eins [Bearbeiten]
Satz (Null ist sein eigenes Negative/Eins ist sein eigenes Inverse):
Es gilt
und
(in Worten: Null ist das eindeutig bestimmte Negative zur Zahl Null und Eins ist das eindeutig bestimmte Inverse zur Zahl Eins)
Zum Beweis dieses Satzes verwenden wir den gerade bewiesenen Satz zu Eindeutigkeit des Negativen/Inversen:
Beweis (Null ist sein eigenes Negative):
erfüllt die Nulleigenschaft: Es gilt für alle
, dass
ist. Setzen wir in diese Gleichung für
, so erhalten wir die Gleichung
.- Diese Gleichung kann man so interpretieren: Die Zahl
ist ein Negatives von
(zur Erinnerung: Eine Zahl
ist genau dann ein Negatives der Zahl
, wenn
ist. Wenn man
setzt, so sieht man, dass nach obig gefundener Gleichung
die Zahl
ein Negatives der Zahl
ist.) - Nun ist nach dem obigen Satz das Negative einer reellen Zahl eindeutig bestimmt (es kann nur genau ein Negatives einer Zahl geben). Da
ein Negatives von
ist, muss es damit das eindeutig bestimmte Negative von
sein. (in Formeln ausgedrückt, bedeutet dies:
)
Beweis (Eins ist sein eigenes Inverse):
Dies kannst du wieder analog zum obigen Beweis durchführen.
erfüllt die Einseigenschaft: Es gilt für alle
, dass
ist. Setzen wir in diese Gleichung für
, so erhalten wir die Gleichung
.- Nach obiger Gleichung ist
ein Inverses von
. - Da das Inverse einer reellen Zahl ungleich
eindeutig bestimmt ist, muss
das eindeutig bestimmte Inverse
der Zahl
sein. Es gilt also
.
Weitere Eigenschaften für Negatives/Inverses [Bearbeiten]
Der Beweis zu diesem Satz ähnelt stark dem Beweis des obigen Satzes. Wenn du willst, kannst du versuchen, diesen Beweis selber zu finden.
Beweis:
ist
ist nach Definition das Negative der Zahl
, also diejenige reelle Zahl
mit
.- Nun ist
eine solche Zahl, da
ist. Also ist
ein Negatives der Zahl
. - Da das Negative eindeutig bestimmt ist, ist
das einzige Negative von
und somit
.
ist
ist nach Definition das Inverse der Zahl
, also diejenige reelle Zahl
mit
.- Nun ist
eine solche Zahl, da
ist. Also ist
ein Inverses der Zahl
. - Da das Inverse einer Zahl ungleich 0 eindeutig bestimmt ist, ist
das einzige Inverse von
und somit
.
Satz:
Das Negative von
ist
(in einer Formel:
) und das Inverse von
für
und
ungleich Null ist
(in einer Formel:
).
Dies ist eine weitere Tatsache, die du aus der Schule kennst. Kannst du sie auch beweisen?
Beweis:
ist
ist ein Negatives der Zahl
, denn es gilt:
- Da das Negative von
eindeutig bestimmt ist, ist
.
ist.
ist ein Inverses der Zahl
, denn es gilt:
- Da das Inverse von
eindeutig bestimmt ist, ist
.
Umformungen von Gleichungen [Bearbeiten]
Wir interessieren uns nun für die Umformung von Gleichungen der Form
, wobei
und
zwei beliebige, reelle Zahlen sind. Aus der Schule wissen wir, dass diese Gleichung die eindeutig bestimmte Lösung
besitzt. Doch können wir dies auch aus den Körperaxiomen und den bisher bewiesenen Sätzen herleiten?
Beweis:
Wir müssen zwei Dinge zeigen (Beachte, dass beide Schritte notwendig sind):
ist eine Lösung von
. (Dieser Schritt beweist nur die Existenz, aber nicht die Eindeutigkeit einer Lösung für alle Fälle von
und
)- Wenn
ist, so ist
. (Dieser Schritt beweist nur die Eindeutigkeit, aber nicht die Existenz einer Lösung für alle Fälle von
und
)
eine Lösung von
istUm zu zeigen, dass
eine Lösung von
ist, müssen wir für
den Term
in den Term
einsetzen und schauen, dass sich dann der Term unter Anwendung der Körperaxiome zu
vereinfachen lässt:
ist,
sein muss.Hier müssen wir zeigen, dass wenn
, dass dann
ist. Sein nun also
. Wenn wir beide Seiten von rechts mit
addieren, so erhalten wir
(Wegen dem Kommutativgesetz ist es zwar egal, von welcher Seite wir
addieren, dir werden aber später in der Mathematik Fälle von Strukturen begegnen, die nicht kommutativ sind, wo es also relevant ist, von welcher Seite du etwas verknüpft). Für die linke Seite der Gleichung erhalten wir
und für die rechte Seite der Gleichung erhalten wir
. Also ist
.
Man kann diesen Beweisschritt auch so aufschreiben:
Wenn du möchtest, kannst du versuchen, folgenden Satz zu beweisen:


gilt
.
.

, für die
für alle reellen Zahlen
mit
, für die
für alle reellen Zahlen
mit
.
mit
.
.




bzw. die Gleichung
. (Beachte, dass
und in der zweiten Gleichung
ein, so erhalten wir
und
.
und dementsprechend ist:
und
mit der Einseigenschaft.
und die Gleichung
.
und in der zweiten Gleichung
so erhalten wir
beziehungsweise
.
und damit:


erfüllt die Nulleigenschaft: Es gilt für alle
, so erhalten wir die Gleichung
.
ist. Wenn man
setzt, so sieht man, dass nach obig gefundener Gleichung
ein Negatives der Zahl
erfüllt die Einseigenschaft: Es gilt für alle
, so erhalten wir die Gleichung
.
der Zahl
ist nach Definition das Negative der Zahl
, also diejenige reelle Zahl
.
eine solche Zahl, da
ist. Also ist
ist nach Definition das Inverse der Zahl
, also diejenige reelle Zahl
.
ist. Also ist 



für
):

