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Mathematik: Analysis: Reelle Zahlen: Metrik

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Analysis    Reelle Zahlen   Eigenschaften reeller ZahlenUngleichungen (Eigenschaften)Wichtige UngleichungenMetrik –    
TopologieSätze v. Bolzano-Weierstraß u. Heine-Borel  
Folgen und Reihen


In diesem Abschnitt werden Eigenschaften der reellen Zahlen beschrieben, die sich unter dem Begriff Topologie zusammenfassen lassen. Topologie ist die Lehre von "Lage und Anordnung der Dinge im Raum". Nach Einführung des absoluten Betrages wird der Abstand zweier Punkte (reeller Zahlen) definiert. Dies führt zum Begriff des metrischen Raumes. Die Untersuchung bestimmter Teilmengen von \mathbb R zeigt dann, dass durch die Metrik (den Abstand) die reellen Zahlen auch eine topologische Struktur tragen.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Absoluter Betrag

Bisher haben wir uns hauptsächlich mit der Ordnungsstruktur von \mathbb R beschäftigt. Mit Hilfe dieser Ordnungsstruktur lässt sich eine metrische Struktur auf \mathbb R einführen wenn man den Abstand zwischen 2 Elementen von \mathbb R definiert. Über die Folgen ergibt sich dadurch später auch eine Verbindung zur Vollständigkeit.


[Bearbeiten] Definition - Absoluter Betrag

Für eine reelle Zahl x heißt:
 |x| =
\begin{cases}
\ \;\, x &\mathrm{f\ddot ur}\ x \ge 0\\
-x       &\mathrm{f\ddot ur}\ x  <  0
\end{cases}


der absolute Betrag von x.


[Bearbeiten] Rechenregeln und Eigenschaften

Für \ n \in \N ,\ a_n,\  x ,\ y \in \mathbb{R} gilt:
  1. |x| \ge 0
  2. |x| = 0 \Leftrightarrow x = 0
  3. |xy| = |x| \cdot |y|
  4.  \left| \frac{x}{y}\right| = \frac{|x|}{|y|}\ f\ddot ur\ y \ne 0
  5.  |x| \ge x,\ \ |x| \ge -x,\ \ |x| = |-x|

  6.  ||x| - |y||\ \le\  |x + y|\ \le\  |x|\ +\ |y|   (Dreiecksungleichung)

  7.  |x| \le y\ \Leftrightarrow\ -y \le x \le y

  8.  \left|\sum_{k=1}^n a_k \right| \le  \sum_{k=1}^n |a_k|


Der Name Dreiecksungleichung kommt aus der Geometrie und besagt anschaulich, dass eine Gerade Strecke die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist. Man bezeichnet eine reelle Zahl in diesem Zusammenhang auch oft als Punkt.


Beweis
Die Behauptungen lassen sich durch Fallunterscheidung (< 0, > 0 und = 0) und vollständige Induktion leicht zeigen.
Die Dreiecksungleichung lässt sich wie folgt zeigen:
Aus         x ≤ |x|   und   y ≤ |y|         bzw.         −x ≤ |x|   und   −y ≤ |y|
folgt         x+y   ≤   |x|+|y|         bzw.         −(x+y)   ≤   |x|+|y|.
Wählt man die Gleichung, bei der die linke Seite nicht negativ ist (also |x+y| steht), so folgt die eigentliche Dreiecksungleichung.
Der andere Teil folgt mit der eben bewiesenen Ungleichung:
        |x| = |x+y−y|   ≤   |x+y| + |y|     ⇒     |x| − |y|   ≤   |x+y|
        |y| = |y+x−x|   ≤   |x+y| + |x|     ⇒     |y| − |x|   ≤   |x+y|
Wählt man die Gleichung, bei der die linke Seite nicht negativ ist so folgt wieder die Behauptung.


[Bearbeiten] Metrischer Raum

Bei den folgenden Betrachtungen der Topologie von \mathbb{R} sollen Eigenschaften bestimmter Untermengen von \mathbb{R} gezeigt werden. Hierzu wird zunächst der Begriff des Abstandes zweier Punkte mit Hilfe des absoluten Betrages definiert:


[Bearbeiten] Definition (Abstand)

Für  x,\ y \in \mathbb{R} heißt d(x,y) := |x-y|\;\, der Abstand der Punkte x und y.


Diese Definition entspricht sehr anschaulich der Länge einer Strecke. Es lassen sich auch Eigenschaften zeigen, die von Strecken zu erwarten sind:


Satz
Für alle  x,\ y,\ z \in \mathbb{R} gilt:
  1. d(x,y) = 0\ \Leftrightarrow\ x=y
  2. d(x,y) = d(y,x)\;\,
  3. d(x,y)\ \leq\ d(x,z)+d(z,y)


Übersetzt in Umgangssprache bedeuten die drei Eigenschaften:
  • Zwei Punkte haben genau dann den Abstand Null, wenn sie aufeinander liegen.
  • Es ist unerheblich für den Abstand, ob ich den Abstand von x nach y messe oder umgekehrt.
  • Fahre ich von x nach y und besuche dazwischen noch einen weiteren Punkt z, so kann der Gesamtabstand dadurch nicht kleiner werden. Letztere Eigenschaft ist als Dreiecksungleichung bekannt.
Dreiecksungleichung.jpg
Dreiecksungleichung
Beweis
Die Beweise ergeben sich unmittelbar aus den Eigenschaften und Rechenregeln des Absoluten Betrages.


Mit geeigneten Abstandsdefinitionen lassen sich die drei Eigenschaften auch für andere Mengen, beispielsweise die komplexen Zahlen, nachweisen. Mengen, die diese Struktur aufweisen, sind von allgemeinem Interesse, man ihnen den Namen metrischer Raum gegeben.

[Bearbeiten] Definition (Metrischer Raum)

Sei X eine Menge, und  d: \, X \times X \rightarrow \mathbb{R}^{+}_{0} eine Funktion, dann heißt das Tupel (X,d) genau dann Metrischer Raum falls gilt:

  1. d(x,y) = 0 \Leftrightarrow x=y
  2. d(x,y) = d(y,x) \, \forall x,y \in X
  3. d(x,y) \leq d(x,z)+d(z,y)


[Bearbeiten] Intervalle

Die folgenden Untersuchungen der reellen Zahlen betreffen bestimmte Teilmengen von ihnen, die offenen und abgeschlossenen Mengen. Um diese Begriffe einführen zu können werden zunächst offene und abgeschlossene Intervalle von \mathbb R definiert.


Für die Definition von unendlichen Intervallen muss zuvor noch geklärt werden, welche Bedeutung das Zeichen \infty hat, da unendlich keine reelle Zahl ist. Charakteristisch für die reellen Zahlen war ja, dass genau jede nichtleere nach oben beschränkte Menge reeller Zahlen ein Supremum in \mathbb R besitzt und gleiches gilt sinngemäß auch für das Infimum. Die Existenz von Supremum und Infimum nicht beschränkter Mengen wird deshalb durch folgende Definition "erzwungen":


Definitionen (\infty,\ -\infty)
Für eine nichtleere Teilmenge M von \mathbb R wird definiert:
    sup\ M\ :=\ \infty \Leftrightarrow M ist nicht nach oben beschränkt
    inf\ M\ :=\ -\infty \Leftrightarrow M ist nicht nach unten beschränkt


Mit diesen Definitionen lassen sich jetzt eine ganze Reihe unterschiedlicher Intervalle festlegen:


Definitionen (Intervalle)


Für a,\ b \in \mathbb R heißen:
    ]a,b[\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in \R ,\ a<x<b\ \rbrace } offenes Intervall
    ]a,b]\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a<x \le b\ \rbrace } links halboffenes Intervall
    [a,b[\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a\le x< b\ \rbrace } rechts halboffenes Intervall
    [a,b]\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a \le x \le b\ \rbrace } abgeschlossenes Intervall
    ]-\infty,a[\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ x<a\ \rbrace } unendliches Intervall
    ]-\infty,a]\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a < x\ \rbrace } unendliches Intervall
    ]a,\infty[\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a < x\ \rbrace } unendliches Intervall
    [a,\infty[\ \ := \!\, { \lbrace x | x \in\R ,\ a \le x\ \rbrace } unendliches Intervall
    ]-\infty,\infty[\ \ := \!\, { \mathbb R  } unendliches Intervall
Die Punkte a und b nennt man Randpunkte des Intervalls.


Intervalle sind also zusammenhängende Teilstrecken der Zahlengeraden und können auch leer (eine leere Menge) sein. Wenn die Randpunkte dazugehören, heißen sie geschlossen, sonst offen.


[Bearbeiten] Umgebung

Mit Hilfe der offenen Intervalle wird jetzt der grundlegende Begriff der Umgebung einer reellen Zahl, der in den folgenden Abschnitten dann exzessiv benutzt wird, eingeführt:


Definition (Umgebung)

  1. Für   a,\ \varepsilon \in \mathbb R,\ \varepsilon > 0   heißt

    U_\varepsilon (a) := \lbrace x | x \in \mathbb R,\  d(x, a) < \varepsilon \rbrace \ =\ ]a-\varepsilon,a+\varepsilon[       ε-Umgebung von a.

  2. Eine Menge  U \subset \R heißt Umgebung von a \in \R wenn es ein   \varepsilon > 0   mit

    U_\varepsilon (a) \subset U gibt.
Umgebung.jpg
Umgebung in einer Zahlenebene



Auf Intervalle und Umgebungen lassen sich natürlich Mengenoperationen wie Vereinigung und Durchschnitt anwenden. Das Ergebnis soll dann möglichst wieder eine Umgebung sein. Dies ist bei Intervallen im Allgemeinen nicht der Fall und bei Umgebungen bei der Durchschnittsbildung nur mit Einschränkung der Anzahl der beteiligten Umgebungen.


Satz (Vereinigung , Durchschnitt von Umgebungen)


Sei U eine Umgebung von  x_o \in \mathbb R. Dann gilt:
  1. Jede Obermenge von U ist eine Umgebung des Punktes x0, d. h.
    die Vereinigung von (beliebig vielen) Umgebungen des Punktes x0 ist eine Umgebung von von x0.

  2. Der Durchschnitt von endlich vielen Umgebungen eines Punktes x0 ist wieder eine Umgebung von x0.


Beweis
  1. Der Beweis ist einfach: Sei M eine Obermenge der Umgebung U von x0. Also gibt es ein ε > 0 mit Uε(x0) ⊂ U. Da M eine Obermenge von U ist, folgt: Uε(x0) ⊂ U ⊂ M. Die Vereinigung von Mengen ist stets eine Obermenge aller zu vereinigenden Mengen. Daraus folgt die zweite Behauptung.

  2. Für für i = 1,...,n seien \ U_i \!\,\ die endlich vielen Umgebungen von x0 mit  U_i \subset U_{ \varepsilon_i } (x_0) . Dann gibt es ein ε mit ε := min {ε1,...,εn}.

    Wegen
     U_{ \varepsilon } (x_0) \subset U_{ \varepsilon_i } (x_0) \subset U_i \ \mathrm {f\ddot ur\ i = 1,...,n\ gilt:\ } U_{ \varepsilon } (x_0) \subset \bigcap_{i=1}^n U_{ \varepsilon_i } (x_0) =: U
    ist auch U eine Umgebung von x0.


Wie das folgende Beispiel zeigt kann bei der Durchschnittsbildung beliebig vieler Umgebungen nur noch ein Punkt übrig bleiben, der dann aber keine Umgebung seiner selbst ist, da das ε bei Umgebungen positiv sein muss.


Beispiel
Sei    U_n := U_{\frac{1} { n }} (0)\ \mathrm {f\ddot ur\ } n \in \N.   Dann gilt:    \bigcap_{n \in \N} U_n = \lbrace 0 \rbrace .
\mathbb R\!\,   ist archimedisch. Es gibt also zu jedem   x \in \mathbb R\!\,   ein   n \in \N \!\,  , so dass   n > \left| \frac{1} { x } \right|   bzw.    |x| >  \frac{1} { n }   .

Für x und dieses n folgt:

 x \notin U_{\frac{1} { n }} (0) \text { , also } x  \notin \bigcap_{n \in \N} U_n   .

Der Nullpunkt ist aber in allen Umgebungen enthalten, wie man leicht durch vollständige Induktion zeigen kann.


Der folgende Trennungssatz ist an dieser Stelle selbstverständlich. Er besagt, dass es zu zwei verschiedenen Punkten disjunkte, also punktfremde, Umgebungen gibt.


Satz (Trennungssatz)
Seien    a,\ b \in \mathbb R   mit    a \ne b . Dann gibt es Umgebungen   U(a),\ V(b)\!\,   mit   U(a) \cap V(b) = \emptyset.


Beweis (Trennungssatz)
Wegen a ≠ b ist r := d(a, b) > 0. Sei 0 < ε < r/2, U=Uε(a) und V=Vε(b).
Annahme: z ∈ U∩V. Dann gilt wegen der Dreiecksungleichung: d(a,b)  ≤  d(a, z) + d(z, b)  <  2ε  <  r. Das ist aber ein Widerspruch. Also ist die Annahme falsch und damit die Behauptung gezeigt.


[Bearbeiten] Offene Mengen

Wenn eine Teilmenge der reellen Zahlen für jedes ihrer Element eine Umgebung ist, nennt man diese Teilmenge eine offene Menge. Die offenen Intervalle sind solche Mengen, denn für alle Elemente des Intervalls, auch für die fast am Rand liegenden, lassen sich Uumgebungen ausschließlich aust Intervallelementen konstruieren.


Definition (offene Menge)
Eine Menge  M \subset  \mathbb R\!\, heißt offen, falls es zu jedem x ∈ M ein ε > 0 gibt, so daß Uε(x) ⊂ M ist.


Eine offene Menge ist also Umgebung jedes ihrer Punkte.


Beispiele für offene Mengen:

  • Natürlich ist    \emptyset   offen, da sie keine Punkte enthält und damit "leicht" Umgebung ihrer Punkte sein kann.

  • Auch    \mathbb R \!\,   ist offen, da es zu jedem x ein ε > 0 gibt mit U_\varepsilon (x) \subset \mathbb R


Satz (Eigenschaften offener Mengen)
  1.  \emptyset und  \mathbb R \!\, sind offen.
  2. Vereinigungen beliebig vieler offener Mengen sind offen.
  3. Durchschnitte endlich vieler offener Mengen sind offen.
  4. Jede ε-Umgebung ist eine offene Menge.


Mit Hilfe von 4. ist es nun einfach zu zeigen, dass ein offenes Intervall auch eine offene Menge ist.


Beweis
  1. ist trivial, siehe Beispiele weiter oben.
  2. Es sei  I\!\, eine Indexmenge, \mathcal M = {\lbrace M_i\ |\ i \in I \rbrace} eine Familie von offenen Mengen, M = \bigcup_{i \in I} M_i deren Vereinigung und x \in M. Dann gibt es ein i \in I\!\, mit x \in M_i. Da  M_i \!\, offen ist, folgt die Existenz eines  \epsilon > 0\!\,, so daß  U_\epsilon(x) \subset M_i . Dann gilt aber auch  U_\epsilon(x) \subset \mathcal M .

  3. Sei n \in \N und M_1, \ldots,M_n eine endliche Anzahgl offener Mengen. Sei weiter  M := M_1 \cap \ldots \cap M_n und x_0 \in M. Da die Mengen M_1, \ldots,M_n Umgebung von x0 sind, ist nach dem obigen Satz auch deren Durchschnitt eine Umgebung von x0.

  4. Sei Uε(x0) eine ε-Umgebung von x0 und y ∈Uε(x0). Gesucht ist ein δ für das gilt: Uδ(y) ⊂ Uε(x0).
    Sei r := d(y, x0). Dann ist 0 ≤ r < ε also 0 < (ε - r).
    Sei δ := (ε - r) / 2.
    Für x ∈ Uδ(y) gilt dann d(x, y) < δ. Damit ergibt sich d(x, x0) ≤ d(x, y)+d(y, x0) < δ+r < (ε-r)+r = ε. Das zeigt wie gewünscht: Uδ(y) ⊂ Uε(x0)



Die offenen Mengen von  \mathbb R \!\, sind eine Teilmenge der Potenzmengen  \mathfrak{P} ( \mathbb R ) \!\,. Teilmengen \mathfrak{T} der Potenzmengen  \mathfrak{P}(M), die die obigen Eigenschaften 1, 2 und 3 für offene Mengen aufweisen, sind von allgemeinem mathematischen Interesse. Man hat ihnen den Namen Topologie gegeben.



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