Mathematik: Analysis: Stetigkeit
Einleitung
| A: Grundlagen | B: Reelle Zahlen | C: Folgen und Reihen | D: Stetigkeit | E: Differentialrechnung | F: Integralrechnung | G: Differentialgleichungen |
1. Umgebungsstetigkeit
Bei der numerischen Berechnung von Funktionswerten
ist man häufig auf Näherungswerte
für den Argumentwert
angewiesen wie z. B. bei
, die man aber je nach Bedarf beliebig nahe bei
wählen kann. Das hat jedoch zur Folge, dass eine Abweichung vom Argumentwert im Allgemeinen eine mehr oder weniger große Abweichung vom zugehörigen Funktionswert nach sich zieht. In praktischen Fällen wird jedoch die zugelassene Abweichung vorgeschrieben sein, und zwar dadurch, dass man eine positive reelle Zahl
vorgibt, die festlegt, wie weit der Näherungswert
sich vom Funktionswert
nach "oben" bzw. nach "unten" unterscheiden darf:

Dann stellt sich aber sofort die Frage, ob man die Abweichung des Näherungswertes
von der Stelle
so eingrenzen kann, dass die Forderung (1) erfüllt wird. Es müsste dazu eine positive reelle Zahl
so angebbar sein, dass für jedes
aus der Definitionsmenge
von
mit

die Ungleichung (1) gilt. Diese Eigenschaft, die für eine näherungsweisige Berechnung von Funktionswerten wesentlich ist, fasst man in folgende
- Definition - (lokale) Stetigkeit
- Eine Funktion
heißt stetig an der Stelle (oder kurz: bei)
genau dann,
- wenn
und zu jedem reellen
ein reelles
existiert, so dass für alle
gilt:

Es sei hier auf eine besondere Konsequenz aus dieser vorstehenden Definition hingewiesen, nämlich dass jede Funktion, deren Definitionsmenge nur aus isolierten Punkten besteht, stetig ist; denn die Ungleichung
ist für eine isoliert in
liegende Stelle bei hinreichend kleinem
nur für
erfüllbar, und damit hat man dann die trivialerweise erfüllte Ungleichung
. Somit sind insbesondere alle Folgen stetige Funktionen!
Als eine weitere Konsequenz aus der Definition der (lokalen) Stetigkeit ergibt sich, dass
bei
nicht stetig ist, falls
. In einem solchen Fall aber
"Unstetigkeitsstelle" zu nennen, wäre nicht angebracht; denn eine Funktion kann eine Eigenschaft nur an solchen Stellen haben, an denen sie auch definiert ist. Deshalb legt man fest:
heißt Unstetigkeitsstelle von
genau dann, wenn
und
nicht stetig bei
ist.
- Definition - (globale) Stetigkeit
- Eine Funktion
heißt (global) stetig genau dann, wenn sie an jeder Stelle
stetig ist.
Die Menge
stellt eine Umgebung von
dar und die Menge
eine Umgebung von
. Beachtet man, dass jetzt
ist (und nicht gleich
; denn
bildet nur diejenigen Elemente von
ab, die auch zu
gehören), so kann man die Definition der (lokalen) Stetigkeit mittels des Umgebungsbegriffes umformulieren.
- Satz - Umgebungskriterium für (lokale) Stetigkeit
- Eine Funktion
ist stetig an der Stelle
genau dann, wenn
und - zu jeder Umgebung
von
eine Umgebung
von
existiert, so dass
ist.
2. Folgenstetigkeit
Unter Verzicht auf solche Funktionen, deren Definitionsmenge isolierte Punkte enthält oder nur aus isolierten Punkten besteht, kann man die Stetigkeit auch noch anders fassen.
- Satz - Folgenkriterium für (lokale) Stetigkeit
- Eine Funktion
ist stetig bei
genau dann, wenn Folgendes gilt:
, außerdem
Häufungspunkt von
, und für jede Folge
, deren Glieder in
liegen und deren Grenzwert
ist, existiert
und ist gleich
.
Verkürzt formuliert besagt das Folgenkriterium, dass im Stetigkeitsfall Limesbildung und Funktionswertberechnung vertauschbar sind:

Falls es sich um eine Funktion
handelt, so ist in der Definition der (lokalen) Stetigkeit anstatt des Betrages die jeweils für
bzw.
zugrunde gelegte Norm zu verwenden.
Oft ist es so, dass für einen lokalen Stetigkeitsnachweis das
-
-Kriterium geeignet ist, für einen Nachweis der Unstetigkeit an einer Stelle jedoch das Folgenkriterium bequemer zu handhaben ist.
heißt stetig an der Stelle (oder kurz: bei)
ein reelles
gilt:
von
ist.
, deren Glieder in
und ist gleich