Mathematik: Topologie: Zusammenhang
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[Bearbeiten] Zusammenhängende Räume
Ein wichtiges Konzept in der Topologie ist der Zusammenhang von Räumen. Man unterscheidet dabei verschiedene Stufen des Zusammenhangs. Die schwächste Form des Zusammenhangs liefert die folgende
| Definition: Zusammenhang |
Sei X ein topologischer Raum. X heißt zusammenhängend, wenn es keine Zerlegung von X in zwei disjunkte, nicht leere offene Mengen U und V gibt. Anders gesagt, sind U,V offen, und , dann folgt oder .
Ist A eine Teilmenge eines topologischen Raumes X, so heißt A zusammenhängend, wenn A mit der Unterraumtopologie ein zusammenhängender Raum ist. |
Beispiel: Das Intervall [0,1] ist zusammenhängend.
Beweis: Sei also
offen. Angenommen,
. Dann gibt es eine kleinste obere Schranke x > 0 von A. Angenommen
. Dann ist
, B ist offen, und daher gibt es ein kleines Intervall ]x − ε,x] um x, das noch ganz in B enthalten ist. Also ist
, und damit ist x nicht die kleinste obere Schranke von A. Es muß also
sein. Angenommen, es ist
. Da A offen ist, gibt es ein Intervall ]x − δ,x + δ[ um A, das noch ganz in A ist. Also ist x wegen
keine obere Schranke von A. Es muß also x = 1 sein. Falls auch
ist, überlegt man sich genauso, daß für eine obere Schranke y von B y = 1 sein muß. Dann ist aber
im Widerspruch zur Voraussetzung.
Der Zusammenhang liefert eine Idee davon, daß der anfangs definierte Rand einer Menge seinen Namen verdient. Es gilt nämlich der folgende
Satz: Sei B irgendeine Teilmenge eines topologischen Raumes X und sei
zusammenhängend. Wenn A sowohl das Innere Bo von B als auch das Äußere
trifft, dann trifft es auch den Rand
von B. In Formeln: aus
und
folgt
.
Beweis: Da
per Definition abgeschlossen ist, ist
offen. Bo ist ebenfalls per Definition offen. Wegen
ist
. Bo und
sind also offene, disjunkte Mengen. Nun ist aber
. Wenn also
wäre, wäre
im Widerspruch zum Zusammenhang von A. 
Satz: Ist
eine zusammenhängende Teilmenge eines topologischen Raumes X, so ist auch der Abschluß
von A zusammenhängend.
Beweis: Seien U,V disjunkte in X offene Mengen mit
. Dann ist auch
. Sei
. Da A zusammenhängend ist, muß
sein. Also ist
. Da V offen und damit X − V abgeschlossen ist, folgt
. Dann ist aber
und das bedeutet, daß
zusammenhängend ist.
Satz: Sei
eine Familie zusammenhängender Teilmengen eines topologischen Raumes X. Wenn
, dann ist
zusammenhängend.
Beweis: Nehmen wir an, daß
nicht zusammenhängend ist. Es gibt also zwei in X offene disjunkte Mengen U,V, so daß
,
und
. Wegen
ist
für ein
. Wegen
ist auch insbesondere
. Da Aν zusammenhängend ist, muß
sein, und das bedeutet
. Dann ist aber wegen
auch
für jedes
. Weiter ist für jedes λ wegen
auch
, und wegen des Zusammenhangs von Aλ muß dann
sein. Dann folgt aber
im Widerspruch zur Annahme.
Ein weiterer Satz betrifft stetige Abbildungen.
Satz: Ist X ein zusammenhängender Raum und
stetig, so ist das Bild f(X) von X zusammenhängend.
Beweis: Wäre f(X) nicht zusammenhängend, so gäbe es zwei disjunkte, nicht leere und offene Mengen U und V in Y, so daß
und
. f − 1(U) und f − 1(V) sind dann nicht leer, disjunkt und wegen der Stetigkeit von f auch offen in X. Schließlich ist dann
im Widerspruch zum Zusammenhang von X. 
Satz (Zwischenwertsatz): Ist X ein zusammenhängender Raum und
eine stetige Funktion von X in die reellen Zahlen. Seien weiter
mit s < t. Dann wird auch jeder Wert zwischen s und t angenommen, ist also s < y < t, so folgt
.
Beweis: Zunächst ist wegen des vorigen Satzes f(X) zusammenhängend. Angenommen es gibt ein s < y < t mit
. Dann sei
die offene Menge aller reellen Zahlen, die kleiner als y sind, und
die offene Menge aller Zahlen größer als y. Offensichtlich ist
. Wegen
sind
und
nicht leer. Schließlich ist
im Widerspruch zum Zusammemhang von f(X).
| Definition: Zusammenhangskomponente |
Sei X ein topologischer Raum und . Die Zusammenhangskomponente K(x) von x ist die Vereinigung aller zusammenhängenden Teilmengen von X, die x enthalten. Anders gesagt, ist und zusammenhängend , so ist . |
Satz: Die Zusammenhangskomponente K(x) ist zusammenhängend und abgeschlossen.
Beweis: K(x) ist als Vereinigung zusammenhängender Mengen mit nicht leerem Durchschnitt (mindestens x ist drin) wieder zusammenhängend. Falls K(x) = X ist, ist K(x) trivialerweise abgeschlossen. Sei andernfalls
. Dann ist nach Definition von K(x) die Menge
nicht zusammenhängend. Es gibt also offene, disjunkte Mengen U,V mit
,
und
. Da K(x) zusammenhängend und
ist, ist
oder
. Sei ohne Beschränkung der Allgemeinheit
. Dann muß aber
oder anders gesagt
sein. Das bedeutet aber, daß es zu
noch eine offene Umgebung, nämlich U, gibt mit
. Das ist aber gerade die Offenheit von X − K(x), und K(x) ist daher abgeschlossen.
Satz: Die Zusammenhangskomponenten zweier Punkte x,y sind entweder gleich oder disjunkt.
Beweis: Sei
. Dann ist
zusammenhängend, und daher ist
. Es gilt also
und daher
. Genauso schließt man
und damit folgt K(x) = K(y). 
Satz: Ist
gleichzeitig offen und abgeschlossen und ist
, dann ist
.
Beweis: Da O offen und abgeschlossen ist, sind O und X − O offene disjunkte Mengen. Sei A eine zusammenhängende Teilmenge von X und
. Dann ist
und
. Wegen des Zusammenhangs von A ist dann
und daher
. Dies gilt für jede zusammenhängende Menge die x enthält, und das bedeutet
.
Die nächst stärkere Stufe des Zusammenhangs ist der Wegzusammenhang. Wie der Name schon vermuten läßt, bedeutet diese Form des Zusammenhangs, daß sich je zwei Punkte eines Raumes durch einen Weg verbinden lassen. Das wird präzisiert durch die folgende
| Definition: Wegzusammenhang |
Ein topologischer Raum X heißt wegzusammenhängend oder bogenweise zusammenhängend, wenn es zu je zwei Punkten eine stetige Abbildung gibt mit w(0) = x und w(1) = y. Die Abbildung w heißt Weg von x nach y.
Eine Teilmenge |
Der nächste Satz gibt Auskunft darüber, warum der Wegzusammenhang eine stärkere Eigenschaft als der Zusammenhang ist.
Satz: Eine wegzusammenhängende Teilmenge A eines topologischen Raumes X ist zusammenhängend.
Beweis: Angenommen, A ist nicht zusammenhängend. Dann gibt es zwei nicht leere, disjunkte offene Mengen U,V mit
und
. Sei nun
und
ein Weg von x nach y. Dann sind w − 1(U) und w − 1(V) offen in [0,1] wegen der Stetigkeit von w. Es ist
wegen
. Weiter ist
wegen
und ebenso
. Schließlich ist
wegen
im Widerspruch zum Zusammenhang von [0,1].
Als nächstes werden ein paar Beispiele vorgestellt.
- Der reelle Raum
ist wegzusammenhängend, denn für
definiere den Weg
von x nach y durch w(t): = ty + (1 − t)x.
- Eine Menge X mit der indiskreten Topologie ist wegzusammenhängend.
- In einer Menge X mit der diskreten Topologie sind alle Punkte isoliert, man kann keine zwei Punkte durch einen Weg verbinden.
- Schließlich noch ein Beispiel für einen Raum, der zusammenhängend, aber nicht wegzusammenhängend ist, und zwar der Graph der Funktion
, genauer:
mit der Unterraumtopologie des
.
- Beweis: Angenommen, X wäre wegzusammenhängend. Dann gäbe es einen Weg
mit
und
. Ein solcher Weg ist auch eine Abbildung in den
und man kann w schreiben als
mit stetigen Funktionen
und
. Betrachte die Funktion
mit
und
. Nach dem Zwischenwertsatz wird jeder Wert
angenommen und damit ist auch
. Da {0} abgeschlossen ist, ist auch
abgeschlossen in [0,1] und es existiert das Maximum s von
. Dann ist w1(s) = 0 und w1(r) > 0 für alle
. In jeder Umgebung U von s ist ein Intervall von s bis s + δ enthalten, so daß
und w1(s + δ) > 0. Die Funktion w1 ist auf [0,1] und damit auch auf dem Intervall [s,s + δ] stetig, und daher werden nach dem Zwischenwertsatz auch alle Werte 0 < z < w1(s + δ) angenommen. Wähle nun eine natürliche Zahl n > 1 so, daß
. Dann ist
. Es gibt also ein s < r < s + δ mit
. Wegen
ist w(r) = (w1(r),w2(r)) = (w1(r),1). Betrachte nun die Kugel
um (0,0) mit Radius 0,5. Wie gerade ausgeführt gibt es in jeder noch so kleinen Umgebung U von s ein
mit
im Widerspruch zur Stetigkeit von w. - Bleibt noch zu zeigen, daß X zusammenhängend ist. Man kann sich leicht überlegen, daß die Teilmenge
wegzusammenhängend und damit auch zusammenhängend ist. Ebenso ist
zusammenhängend. Nach einem der vorigen Sätze sind dann auch
und
zusammenhängend. Weiter ist
und damit folgt, daß
zusammenhängend ist. 
Analog zur Zusammenhangskomponente kann man natürlich auch eine Wegzusammenhangskomponente definieren.
| Definition: Wegzusammenhangskomponente |
Sei X ein topologischer Raum und . Die Wegzusammenhangskomponente oder auch Bogenkomponente W(x) von x ist die Menge aller Punkte in X, die durch einen Weg von x erreichbar sind. Also . |
Bemerkungen
- Die Bogenkomponente eines Punktes x ist wegzusammenhängend und damit zusammenhängend.
- Die Bogenkomponente W(x) eines Punktes ist in der Zusammenhangskomponente enthalten, also
. - Ist
und O gleichzeitig offen und abgeschlossen, so ist
, also 
Satz: Sind x,y zwei Punkte des Raumes X, so ist entweder
oder W(x) = W(y). Die Bogenkomponenten sind also entweder gleich oder disjunkt.
Beweis: Angenommen,
und
. Dann gibt es einen Weg
von x nach z und einen Weg
von y nach z. Wir wollen nun zeigen, daß
ist. Sei dazu
. Falls
ist, ist nichts zu tun. Anderenfalls ist
, und es gibt einen Weg w3 von y nach v. Definiere die Abbildung
durch
Dann ist w stetig und ein Weg von x entlang w1 nach z, von z rückwärts entlang w2 nach y und schließlich von y entlang w3 nach v. Es ist also
und damit
wie behauptet. Daraus erhält man schließlich
, also
. Genauso schließt man, daß
ist, und das bedeutet W(x) = W(y). 
Schließlich gibt es auch noch lokale Versionen der Zusammenhangsdefinitionen, in denen es um den Zusammenhang in der Umgebung eines Punktes geht.
| Definition: lokaler Zusammenhang |
Sei X ein topologischer Raum und . X heißt lokal zusammenhängend in x, wenn es in jeder Umgebung U von x eine zusammenhängende Umgebung U' von x gibt mit . X heißt lokal zusammenhängend, wenn X für alle Punkte lokal zusammenhängend in x ist. |
| Definition: lokaler Wegzusammenhang |
Sei X ein topologischer Raum und . X heißt lokal wegzusammenhängend in x, wenn es in jeder Umgebung U von x eine wegzusammenhängende Umgebung U' von x gibt mit . X heißt lokal wegzusammenhängend, wenn X für alle Punkte lokal wegzusammenhängend in x ist. |
Zum Schluß folgt noch ein Beispiel dafür, daß die beiden letzteren Versionen wirklich etwas Neues bedeuten. Der "Kamm" ist ein Raum, der zwar wegzusammenhängend und damit auch zusammenhängend ist, aber im Punkt (0,1) ist er weder lokal zusammenhängend noch lokal wegzusammenhängend, da die "Zinken" für x gegen 0 immer dichter werden.
Der Kamm ist definiert als
.
Weiter mit Filter und Konvergenz
, dann folgt
oder
.
. Die Zusammenhangskomponente
und
zusammenhängend
, so ist
.
eine stetige Abbildung
einen Weg von
mit 
.
. 