Musiktheorie: Das Problem mit dem Notennamen H
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[Bearbeiten] Das Problem mit dem Notennamen H
Jeder Musiker, der sowohl englischsprachige als auch deutschsprachige Musikstücke spielt, wird früher oder später über ein Problem stolpern. Der Name der Note "B" bzw. die Note "H" wird nicht einheitlich dargestellt. Im englischsprachigen Raum (und noch einigen anderen Ländern) wird die Note auf der mittleren Notenlinie (ohne Vorzeichen!) "B" genannt.
Daraus ergibt sich die einfache Buchstabenfolge
- A B C D E F G
Diese Reihenfolge ist zum Lernen der Notennamen sehr einprägsam, so dass man sich fragen muss, wie es dazu kommt, dass man so was einleuchtendes wie das Alphabet einfach durchbricht.
Wie man in im englischen Sprachraum sehen kann reichen die 7 Notennamen vollkommen aus, um alle Noten zu bezeichnen. Möchte man höhere Noten oder tiefere Noten haben als die sieben Stammtöne, fängt man einfach wieder mit den gleichen Buchstaben von vorn an. Die Analogie zu den sieben Tagen einer Woche, die ja auch immer wieder von vorne anfangen, kann für das Lernen ganz hilfreich sein.
- A B C D E F G A B C D E F G
Diese Notenfolge entspricht der natürlichen A-Moll-Tonleiter. Nun zwingt sich förmlich eine Hypothese auf. Wenn zu der Zeit, als man die Notennamen eingeführt hatte, gerade Lieder in Moll populär gewesen wären (wie es zum Beispiel in slavischen Ländern wie Russland und Polen durchaus der Fall ist), dann hätte man eine sehr gute Erklärung gehabt, warum das Notensystem mit "A" anfängt. Dass später Melodien in Dur beliebter geworden sind, und man hinterher lieber mit der Note "C" gestartet ist, wäre kein Widerspruch zu dieser Hypothese.
- A B ( C D E F G A B C) D E F G A
Wie gesagt, mit dieser Hypothese hätte man vieles erklären können, aber sobald man sich tiefer mit der Materie befasst, wird alles recht undurchsichtig. Daher merken wir uns, das diese Hypothese mit der populären Mollltonleiter zwar falsch ist, aber trotzdem ganz nützlich fürs Erlernen der Notennamen ist.
Man könnte vielleicht vermuten, dass man deshalb mit der Note "A" anfängt, da dieser Ton der Kammerton ist. Zwar ist "A" tatsächlich der Kammerton, aber es ist leider nicht belegt, dass man gerade deswegen mit dem "A" anfängt. Daher lässt sich auch diese Hypothese nicht stützen.
Noch undurchsichtiger wird die Angelegenheit im deutschsprachigen Raum. Die Note "B" scheint irgendwann einmal zu einem "H" umbenannt worden zu sein. Wenn man sich erkundigt, warum dies so ist, erhält man meist die Antwort: "Das ist halt so!" oder "Das ist so Tradition!" oder man bekommt die Legende aufgetischt, das irgend ein Mönch beim Abschreiben von Liedern vergessen hat, bei dem kleinen "b" unten den Bogen richtig zu schließen, und ein unkundiger Abschreiber dieses als ein "h" interpretiert hat. So etwas mag zwar durchaus mal vorgekommen sein, aber hält man die Gelehrten im Mittelalter wirklich für so dumm, dass der Fehler nicht irgendjemandem aufgefallen wäre? Diese Legende entspricht auf keinen Fall der Wahrheit, obwohl sie sich wieder gut eignen würde, um das Phänomen überhaupt zu lernen.
Wenn man weiter in der Musikgeschichte zurückgeht, wird man feststellen, dass man im frühen Mittelalter tatsächlich nur 8 (!) Stammtöne für die Stimmung von Instrumenten verwendet hat.
- A B C D E F G H.
Mittelalterliche Melodien waren meist so einfach, das man nicht mehr als sechs Töne für ein Lied brauchte. Es gab nicht so viele Instrumente, die aufeinander gestimmt werden mussten, so dass man nur wenige Tonleitern brauchte die nur mit sechs Tönen ausgekommen sind.
Grob vereinfacht gab es die Tonart (genauer der Hexacord) C mit den sechs Tönen
- C D E F G A
Weiterhin gab es die Tonart F mit den sechs Tönen
- F G A B C D
Für die dritte Tonart G benötigte man einen weiteren Ton, der zwischen dem B und dem C liegt.
Da man im Mittelalter noch keine Versetzungszeichen verwendete (da die Melodien so einfach waren) verwendete man einfach den nächsten Buchstaben im Alphabet. Also bekam man für die G-Tonart die sechs Töne
- G A H C D E.
Erst später merkte man, dass es noch viel mehr Halbtonschritte gibt, die man einsetzen kann, und 8 Töne nicht ausreichen. So kam es letztlich zu den Vorzeichen.
Allerspätestens seit dem wohltemperierten Klavier zu Zeiten Johann Sebastian Bachs war die Notwendigkeit des Notennamen H überflüssig geworden.
Die harmonischen Möglichkeiten und Fähigkeiten in der heutige Musikpraxis haben sich durch die gleichstufige Stimmung so erweitert, dass die geschichtliche Herleitung der beiden Notennamen H und B praktisch keine Rolle mehr spielt.
Dennoch wird man als deutschsprachiger Musiker immer beide Bezeichnungen vorfinden. Da sich viele Musiker (entgegen aller Systematik und Logik) der Tradition verpflichtet fühlen, und sich keine "Rechtschreibreform" in der Musik abzeichnet, muss man beide Varianten kennen und können.
Wie dem auch sei, im deutschsprachigen Raum lauten die Namen der sieben Stammtöne
- C D E F G A H
Der Notenname "B" taucht im deutschen bei den Vorzeichen auf.
Im englischsprachigen Raum lauten die Namen der sieben Stammtöne einfacher
- C D E F G A B
Wegen der Popularität englischsprachiger Lieder muss man mit beiden Bezeichnungen rechnen, und daher beide Bezeichnungen lernen.
[Bearbeiten] semi-deutsche Notation
Ein Musiker hat bei der Bezeichnung "B" immer das Problem, dass er nicht genau weiß, um welchen Ton es sich eigentlich handelt. Gerade bei englischen Liedern findet man gerade bei Akkordbezeichnungen immer wieder B oder B7 anstelle von H und H7.
In der populären Musikliteratur gibt es keinen einheitlichen Standard. Es kommt sogar vor, dass die Bezeichnung in einem einzigen Buch uneinheitlich ist.
Um eine Verwechslung zwischen dem englischen "B" und dem deutschen "B" zu vermeiden, hat sich in der deutschsprachigen populären Musikliteratur die "semi-deutsche Notation" eingebürgert. Mit H wird immer das deutsche H gemeint, mit Bb wird immer das englische B gemeint. H und Bb lassen sich eindeutig und unzweifelsfrei bestimmen. Damit sind Verwechslungen beim Ton "B" praktisch ausgeschlossen.