Pathologie: Druckversion
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Inhaltsverzeichnis
- Einführung in die Pathologie
- Technik und Methoden
- Anpassungsreaktionen
- Zell- und Gewebsschäden
- Exogene Noxen
- Kardiovaskuläres System: Herz - Gefäße - Mediastinum
- Respiratorisches System: Obere Atemwege - Untere Atemwege und Lungen - Pleura
- Gastrointestinaltrakt: Mundhöhle und Pharynx - Ösophagus - Magen - Darm - Leber - Gallenwege - Pankreas
- Urogenitaltrakt: Niere - Ableitende Harnwege - Mamma - Ovar - Uterus und Zervix - Vagina und Vulva - Schwangerschaft - Testes - Prostata
- Hormonsystem: Endokrines System - Hypophyse - Schilddrüse - Nebenschilddrüsen - Nebennieren - Endokrines Pankreas und APUD-Zell-System
- Neuropathologie: Angeborene ZNS-Erkrankungen - Exogene ZNS-Schäden - Störungen der Blut- und Liquorzirkulation - Entzündliche ZNS-Erkrankungen - Degenerative ZNS-Erkrankungen - Tumoren des Nervensystems - Wirbelsäule und Myelon - Peripheres Nervensystem - Muskel
- Bewegungsapparat und Zähne: Gelenke - Knochen - Knorpel-Knochen-Tumoren - Sehnenscheiden, Faszien und Bindegewebe - Kiefer und Zähne
- Dermatopathologie: Haut und Hautanhangsgebilde - Erbliche Hauterkrankungen - Blasenbildende Autoimmundermatosen - Kollagenosen - Mikrobielle Hauterkrankungen - Tumoren der Haut - Hauterscheinungen bei internistischen Erkrankungen
- Blutbildendes und immunologisches System: Hämatopoetisches System - Lymphatisches System - Hämatologie - Immundefekte - Pathologische Immunreaktionen
- Sinnesorgane: Auge
- Stoffwechsel: Stoffwechselkrankheiten
- Glossar
- Literatur und Weblinks
Einführung
Die Pathologie
Die Pathologie ist die „Lehre von den Leiden“ (griech. Pathos = Leiden) und erforscht die Ursachen, Entstehungsmechanismen, sichtbaren Veränderungen und Verläufe von Krankheiten mit morphologisch fassbaren Methoden.
Nach der Dimension des Untersuchungsobjektes unterscheidet man die pathologische Anatomie, die Histopathologie, die Zytopathologie, die ultrastrukturelle Pathologie und die Molekularpathologie.
Geschichte
Hippokrates von Kós ca. 5 Jhd. v. Chr.:
Humoralpathologie (Säftelehre), Krankheiten entstehen durch eine Imbalance (Dyskrasie) der Säfte Sanguis (Blut), Phlegma (Schleim), Cholos (gelbe Galle) und Melancholos (schwarze Galle).
Giovanni Battista Morgagni (1681-1771): „De sedibus et causis morborum“ (1761)
Rudolf Virchow (1821-1902):
Zellularpathologie (1858)
Berufsbild des Pathologen
Aufgaben des Pathologen:
- Durchführung von Sektionen.
- Verarbeitung, Untersuchung und Beurteilung von Abstrichen, Punktaten, Biopsaten, Schnellschnitten und der bei Operationen entnommenen Gewebe als Grundlage der weiteren Diagnostik und Therapie.
Arbeitsfelder:
- Sektionssaal - Durchführung von Obduktionen
- Zuschnitt - Präparation und makroskopische Befundung von OP-Präparaten, gezielte Probeentnahmen zur Weiterverarbeitung (Einbettung, bei Nativpräparaten auch Kryokonservierung).
- Schnellschnitt - Direktverarbeitung von Nativmaterial aus dem OP, während der Patient in Narkose verbleibt. Nur sinnvoll, wenn die Diagnose den Operationsverlauf beeinflusst. Ablauf: Transport, Befundung und Probeentnahme am Schnellschnittplatz, Anfertigung von Gefrierschnitten, H&E-Färbung, mikroskopische Befundung, Schnellschnitt-Durchsage an den Chirurgen. Weitgehendere Untersuchungen (Sonderfärbungen, Immunhistochemie) sind in diesem Zeitfenster nicht möglich.
- Mikroskopie - Das tägliche Brot des Pathologen
- Ggf. Molekularpathologie - Arbeit im Labor (PCR & Co)
- Ggf. Elektronenmikroskopie - Ultrastrukturelle Diagnostik bei ausgewählten Fragestellungen (z.B. Glomerulonephritiden)
- Klinisch-pathologische Konferenzen - Interdisziplinärer Austausch und Besprechung von Patienten
- Hörsaal - Vorlesungen und Studentenunterricht an Uni und Lehrkrankenhäusern
- Forschung - Uni
Die Ausbildung zum Pathologen:
- Reguläres Medizinstudium über mind. 6 Jahre und 3 Monate.
- Weiterbildung zum Facharzt (FA) für Pathologie oder zum FA für Neuropathologie. Dauer jeweils mind. 6 Jahre. Die Weiterbildung wird von den Landesärztekammern geregelt und orientiert sich an der Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO). Die Muster-Weiterbildungsrichtlinie 2003 sieht folgende Nachweise vor:
- Weiterbildung zum Pathologen: 200 Obduktionen, 15.000 histologische Untersuchungen, 10.000 zytologische Untersuchungen, 500 Schnellschnittuntersuchungen.
- Weiterbildung zum Neuropathologen: 200 Hirn-Sektionen, 1.000 histologische Untersuchungen, 1.000 histochemische, molekularbiologische o.a. Untersuchungen.
Was bietet die Pathologie:
- Eine spannendes, vielfältiges und sehr anschauliches Arbeitsgebiet
- Als interdisplinäres Fach regelmäßiger Kontakt zu fast allen anderen medizinischen Fachrichtungen (klinisch-pathologische Konferenzen)
- Gute berufliche Perspektive (Uni-Karriere, Praxis)
- I.d.R. familienfreundliche Arbeitszeiten
Weblinks:
- Nickolaus, Barbara. “Pathologie: Von der Diagnostik zum Lotsen in der Therapie”. Deutsches Ärzteblatt, 103(20):Seite A-1351 / B-1149 / C-1105, 19. Mai 2006.
- Walter Schmidt. “Tumor statt Todesschuss”. DIE ZEIT, (24), 3. Juni 2004.
- (Muster-)Weiterbildungsordnung und (Muster-)Richtlinie
Grundbegriffe
- Ätiologie: Ursachen
- Pathogenese: Krankheitsentstehung
- Kausale Pathogenese: Summe aller ätiologischen Faktoren
- Formale Pathogenese: Summe aller morphologischen und funktionellen Veränderungen
Krankheitsverlauf
- akut - Plötzlicher Beginn, gute Heilungstendenz
- akut
- perakut
- hyperakut
- chronisch - Häufig schleichender Beginn, oft schlechte Heilungstendenz
- primär chronisch
- chronisch persistierend
- chronisch progredient
- chronisch rezidivierend
- chronisch aggressiv
Krankheitsausgang
- Völlige Ausheilung (restitutio ad integrum)
- Defektheilung = „Leiden“ = „Ausfall“ = dauerhafte Störung = Zustand, der nach einer Krankheit zurückbleibt
- Exitus letalis
Der Tod
- Klinischer Tod, gekennzeichnet durch die unsicheren Todeszeichen
- Kreislaufstillstand
- Atemstillstand
- Irreversible Areflexie
- Abfall der Körperkerntemperatur
- Vita reducta oder minima - Scheintod: Zustand, der mit einem klinischer Tod verwechselt werden kann. Vorkommen bei Intoxikation, Unterkühlung, verschiedenen Erkrankungen u.a.m. Auch Bezeichnung für den Übergang in den biologischen Tod.
- Biologischer Tod, gekennzeichnet durch sichere Todeszeichen wie
- Totenflecken (Livores) - Nach 1/4 bis 3 h. Blau-livide Flecken durch Absinken des Blutes in den Kapillaren in den abhängigen Körperpartien unter Aussparung der Aufflageflächen. (Kirschrot bei CO-Vergiftung oder Unterkühlung, Schwach bei Anämie/Blutverlust.)
- Leichenstarre (Rigor mortis) - Nach 1 bis 2 (0,5 bis 7) h meist an Augen- und Kaumuskeln beginnend, vollständig nach 2 bis 20 h, temperaturabhängig. Entstehung durch ATP-Defizit und Fixierung der Aktin-Myosin-Bindung. Lösung nach einem bis mehreren Tagen durch Zersetzung.
- Fäulnis, Verwesung, Mumifikation - Autolyse, chemisch, bakteriell.
- Mit dem Leben nicht vereinbare Verletzungen
- Nachweis des Hirntodes
Die Feststellung des Todes erfolgt anhand der sicheren Todeszeichen.
Weitere Begriffe:
- Hirntod (Individualtod)
- Irreversibler Ausfall der Hirnfunktion
- Null-Linien-EEG
- Sistierender Hirnkreislauf (angiographisch darstellbar)
- Intermediäres Leben: Phase vom Individualtod bis zum Absterben der letzten Körperzelle. Supravitale, d.h. langlebige Gewebe sind besonders Knorpel und Hornhaut (72 h). Supravitale Reaktionen zeigen aber auch Spermien und Muskeln.
Todesart
Juristischer Begriff:
- Natürlicher Tod: Tod durch innere Ursachen bzw. Erkrankung. -> Domäne der Pathologie.
- Nicht-natürlicher Tod: Tod durch äußere Einwirkung, selbst beigebracht (z.B. Suizid, Tod durch Alkoholvergiftung, Unfall) oder durch Fremdeinwirkung oder Tod infolge des vorgenannten Gründe. -> Domäne der Rechtsmedizin.
Todesursache
Medizinischer Begriff: Erkrankungen und Veränderungen des Körpers, die zum Tode geführt haben.
Sterbetypen
- linear
- divergierend
- konvergierend
- komplex
Krankheitsstatistik
- Morbidität: Anzahl Erkrankter pro Zeit und Bevölkerung
- Mortalität: Anzahl an einer bestimmten Krankheit Verstorbenen pro Zeit und Bevölkerung
- Letalität: Prozentsatz derer, die an einer bestimmten Krankheit verstirbt bezogen auf die Zahl der Erkrankten
- Inzidenz: Neuerkrankungen pro Jahr
- Prävalenz: Morbidität an einem Stichtag
Klassifikation von Krankheiten
Man kann Erkrankungen verschiedentlich klassifizieren, z.B. nach ihrer bevorzugten Organmanifestation und nach ihrer Ätiologie oder Pathogenese. Für den Alltagsgebrauch und differentialdiagnostische Überlegungen bietet sich als Eselsbrücke bzw. Merkhilfe die 5-Finger-Regel an, um keine wesentlichen DDs zu vergessen:
- Daumen: Kongenital - Genetische Schäden, Fehlbildung, Perinatalschädigung
- Zeigefinger: Exogen - Trauma, Strahlung, Toxine
- Mittelfinger: -itis - Entzündung (1. infektiös, 2. immunopathisch)
- Ringfinger: -ose - Chronisch-degenerative Erkrankungen
- Kleiner Finger: -om - Tumor
Eine offizielle Klassifikation für Erkrankungen ist die
International Classification of Diseases and Related Health Problems der WHO, aktuell der ICD-10.
Technik und Methoden
Untersuchungsmaterial und Materialgewinnung
- Shave-Biospie
- Stanzbiopsie
- Exzisionsbiopsie
- Feinnadelbiopsie (FNA)
- Schnellschnitt
- Resektat
Markierung des Resektats mit Fäden (Operateur) zur Nachvollziehbarkeit der räumlichen Orientierung, falls evtl. nachreseziert werden muss.
Materialtransport
Nativmaterial (NM)
Natives (unbehandeltes) Gewebe wird benötigt für die Schnellschnittdiagnostik (Anfertigung von Gefrierschnitten) und für Fluoreszenzfärbungen (IFA), PCR, für die mikrobiologische Diagnostik (IFT, PCR, Kultur) und den Nachweis enzymatischer Reaktionen.
Nativmaterial ist nicht haltbar, trocknet leicht aus (evtl. Transport auf NaCl) und muss daher so rasch wie möglich weiterverarbeitet werden, evtl. gekühlter Transport.
Formalin-fixiertes Material (FFM)
Formalin-fixiertes Material ist die Grundlage für die konventionelle histologische Untersuchung inklusive Immunhistochemie. Hierzu wird das Gewebe unmittelbar in gepufferte 4 bis 10 %ige Formalinlösung verbracht, um es zu fixieren und damit vor Zersetzung und Austrocknung zu schützen. Die notwendige Dauer der Fixierung ist abhängig von der Dicke und Konsistenz des Gewebes und beträgt i.d.R. etwa 24 h (Eindringtiefe etwa 1 mm pro Stunde). Hohlorgane (z.B. Darm, Harnblase) sollten nach Möglichkeit vor Fixation eröffnet werden, um eine ausreichende Fixation auch der inneren Präparateanteile zu gewährleisten.
Zytologie
- Flüssigkeiten, Punktate, Liquor, Sputum
- Abstriche, Ausstriche
Begleitformular
Klinische Angaben sind unbedingt notwendig, um eine zuverlässige Diagnostik zu gewährleisten. Dazu gehören z.B.:
- Organ (incl. Seitenangaben, Z.n. Vorbiopsien, Z.n. Voroperationen)
- Vorbefunde
- Verdachtsdiagnosen
- Therapien (z.B. Anti-Androgene-Therapie bei Prostatakarzinom, Z.n. neoadjuvanter Chemotherapie)
- Bei gynäko-pathologischen Präparaten Angaben zum Zyklus bzw. Menopause
- Evtl. klinische Symptomatik, Familienanamnese u.a.
Materialaufbereitung
- Gefrierschnitttechnik (Kryostat) für die Schnellschnittdiagnostik oder Enzymtests (Nativmaterial)
- Paraffineinbettung
- Ggf. Vorbehandlungen:
- Knochen und verkalktes Gewebe muss vor der weiteren Aufarbeitung entkalkt werden, z.B. mit Säuren oder EDTA-Lösung. Letzteres ist schonender und zumindest dann notwendig, wenn am Material noch immunhistochemische Untersuchungen durchgeführt werden sollen.
Zuschnitt und makroskopischer Befund
- Schnittrandkontrolle
- Peripherie-Methode
- Lamellieren (Brotleibtechnik)
Die Schnittränder werden vom zuschneidenden Pathologen ggf. mit Tusche markiert, um diese im Präparat auffinden zu können. Dies ist notwendig um zu beurteilen, wie nahe z.B. ein Tumor an den Schnittrand heranreicht und ob die Resektion in sano (im Gesunden) erfolgt ist.
Der Untersucher erhebt den makroskopischen Befund und beschreibt z.B. Größe, Gewicht, Farbe, Form, Konsistenz und Topologie des Gewebes. Dies ist in Zusammenschau mit der Histologie ein wesentliches Element vieler Diagnosen.
Einbettung
FFM wird entwässert (Alkoholreihe, dann Xylol) und dann in Paraffin eingegossen.
Schnittanfertigung
Vom fertigen Paraffinblock werden mit dem Mikrotom 2-4 μm dünne Schichten geschnitten, in ein warmes Wasserbad verbracht und dort auf die vorher beschrifteten Objektträger aufgezogen. Anschließend werden die Paraffinschnitte (PS) im Wärmeschrank bei 37 °C getrocknet.
Histochemie (Färbungen)
Ungefärbtes Gewebe stellt sich mikroskopisch weitgehend transparent dar. Eine Beurteilung der Morphologie ist hier nicht möglich. Daher müssen Präparate gefärbt werden. Da die verschiedenen Färbechemikalien mit den Gewebe-, Faser- und Zellbestandteilen in unterschiedlicher Weise reagieren, lassen sich aus der Histochemie auch Aussagen über die biochemische Zusammensetzung des Präparates ableiten bzw. es lassen gezielt bestimmte Strukturen anfärben. Beispielsweise bindet das basische Hämatoxylin an saure und damit basophile Zellbestandteile (Zellkern (DNA), geringer Zytoplasma (RNA)), das saure Eosin bindet an azidophile Zellbestandteile (Zytoplasma). Eine erhöhte Basophilie von Zellkern (Hyperchromasie) und/oder Zytoplasma weist daher auf einen gesteigerten Nukleinsäure-Stoffwechsel hin.
- Hämatoxylin-Eosin (H&E) - Standardübersichtsfärbung. Zellkerne, Kalk blau. Kollagen, Muskeln, Nerven rot.
- Perjodsäure-Schiff-Reaktion (PAS) - Färbung von Kohlenhydraten (Glycoproteine, Mucine, Fibrin, Basalmembran) inklusive Pilzen (Zellmembran), purpurrot.
- Giemsa - Differentialfärbung, Lymphomdiagnostik, Bakterien.
- Elastica-van-Gieson (EvG) - Färbung von kollagenen Fasern (Bindegewebe) rot, elastische Fasern färben sich schwarz-braun.
- Masson-Goldner - Kollagen (Bindegewebe) grün, Erythrozyten kräftig rot.
- Berliner Blau - Färbung von Eisen, z.B. in Siderophagen, blau.
- Grocott-Methenamin-Silber-Färbung - Pilzfärbung (Pilze dunkel vor grünem Hintergrund).
- Kongorot - Darstellung von Amyloid (rot).
- Alcianblau - Muzin blau
- Papanicolaou (PAP) - Färbung für Exfoliativ- und andere Zytologien, z.B. Zervixabstrich.
- Perjodsäure-Schiff-Methenamin-Silber (PAM)
- Gram - Bakterien.
| Fragestellung | Geeignete Färbungen |
|---|---|
| Pilze | PAS, Grocott |
| Bindegewebe (Fibrose, Narben,...) | EvG, Masson-Goldner, Ladewig |
Immunhistochemie (IHC)
Mit der Immunhistochemie können spezifisch bestimmte Zellproteine sichtbar gemacht werden. Damit lassen sich Zellen bestimmten Zellpopulationen zuordnen oder die Verteilung innerhalb der Zelle oder in einem Gewebe kann beurteilt werden.
Methode: Antigene werden mit einem spezifischen meist monoklonalen Primärantikörper markiert. Der Antigen-Antikörper-Komplex wird dann mit einem Farbstoff-markierten bzw. Enzym-gekoppelten Sekundärantikörper sichtbar gemacht.
Material: Die Immunhistochemie erfolgt überwiegend am Paraffinschnitt. Bestimmte Lymphommarker sind jedoch nur am Nativmaterial möglich (Lymphomdiagnostik!)
Bedeutung der Immunhistochemie:
- Pathologische Differentialdiagnostik insb. bei Tumoren (Bsp.: DD Adenokarzinom der Lunge vs. Pleuramesotheliom, Lymphom-Klassifikation)
- Aussagen über die Prognose (Bsp.: Mammakarzinome mit einer Her2neu-Überexpression haben eine schlechtere Prognose)
- Identifikation von Zielstrukturen für eine spezifische Therapie (Bsp. CD20-exprimierende Lymphome, Östrogen- und Progesteronrezeptor-positive Mammakarzinome)
Antigen-Tabelle geordnet nach Gewebe
Proliferationsmarker
- Ki-67 (MIB-1)
Epithel
- AE1/3 - Panzytokeratin (Epithel, Mesothel)
- Epithelial Membrane Antigen (EMA)
- Zytokeratinfraktionen (CK), ca. 20 verschiedene
- CK5/6 - Plattenepithel(karzinom), Mesothel
- CK7 - Drüsenepithel, Adenokarzinom von Lunge, Brust
- CK18 - Drüsenepithel, Adenokarzinom
- CK20 - Adenokarzinom des Colons
Neuroepithel
Neuroendokrine Zellen, Karzinoid/APUDom/Neuroendokrines Karzinom/Kleinzeller-Spektrum:
- Chromogranin A
- Neuronen spezifische Enolase (NSE)
- Synaptophysin
- CD56 (NCAM)
Nervengewebe:
- S-100 - Neuronales Gewebe, Melanom
- Neurofilamentprotein (NFP) - Axonfärbung
- GFAP (Glial fibrillary acidic protein, saures Gliafaserprotein) - Gliales zytoplasmatisches Intermediärfilament (Astrozyten, weniger Oligodendrozyten), findet sich v.a. subplasmalemmal und in den Zellfortsätzen.
Primitive neuroektodermale Tumoren (PNET)/Ewing-Sarkom:
- CD99
- NSE
- Vimentin
Melanozyten
- S-100 - Neuronales Gewebe, Melanozyten, Melanom
- HMB-45
- Melan A
- Tyrosinase
Schilddrüse
- Thyreoglobulin
- TTF-1 (thyroid transcription factor 1) - Schilddrüse, Lunge
Plazenta
- Humanes Chorion-Gonadotrophin (HCG)
Ovar
- CA-125
Mamma
- Hormonrezeptoren: Östrogenrezeptor, Progesteronrezeptor
- Wachstumsfaktorrezeptoren: Her2neu / c-erbB-2
- Cadherin E: DCIS +, LCIS -
Prostata
- Sekretorische Zellen: PSA, CK 7, 8, 18, 19, Androgenrezeptor
- Prostata-Basalzellen: 34ßE12, Östrogenrezeptoren, Progesteronrezeptoren
- Einzelne neuroendokrine Zellen: Chromogranin A
- Saure Phosphatase
Mesenchym
- Vimentin
- Aktin
- Desmin
- CD 34
Muskel:
- Glatter Muskel - Smooth Muscle Actin
- Glatter und quergestreifter Muskel - Desmin
GIST: CD 34, CD 117
Endothel
Blutgefäße:
- Von Willebrand Faktor (vWF)
- CD 31
- CD 34
Lymphgefäße:
- D2-40
Blut/Knochenmark
- CD 34 - Hämatopoetische Stammzelle und Vorläuferzellen, kapilläres Endothel, GIST
- Myeloische Zellinie:
- Myeloische Vorstufen:
- CD 13 - Myelomonozytische Zellen
- CD 33 - Myeloide Vorläuferzellen, Monozyten
- CD 41 - Thrombozyten, Megakaryozyten
- Granulozyten und Vorstufen (Blasten):
- MPO (Myeloperoxidase)
- CAE (Chlorazetatesterase) - Granulozyten vom frühen Promyelozyten bis zum reifen Neutrophilen
- ANAE (alpha-Naphtylacetatesterase) - Monozyten und Megakaryozyten in allen Stadien
- CD 68 - Monozyten, Makrophagen (evtl. auch Granulozyten-Vorläufer, Mastzellen)
- LANGHANS-Zellen - S-100, CD 1a
- Myeloische Vorstufen:
- Lymphozytenlinie:
- T-Zelle:
- CD 3 - Pan-T-Lymphozytenmarker
- CD 4 - T-Helferzellen
- CD 5
- CD 8 - Zytotoxische T-Zellen
- CD 15 - Neutrophile, Eosinophile, Monozyten, Reed-Sternberg-Zellen
- CD 30 - Ki-1 Antigen (u.a. CD 30 + CTCL)
- CD 45 RA - Naive T-Lymphozyten
- CD 45 RO - Memory-T-Lymphozyten
- CD 56 - NK-Zellen
- B-Zelle:
- CD 10 - Mittlere Reifestadien der B-Lymphozyten
- CD 19 - Pan-B-Lymphozytenmarker (außer Plasmazellen)
- CD 20 - B-Zellen
- CD 23 - B-Lymphozyten, dendritische Zellen
- CD 79a
- T-Zelle:
- Myeloische Zellinie:
Lunge/Pleura
Kleinzelliges Bronchialkarzinom der Lunge:
- Chromogranin A (evtl. -)
- Neuronen spezifische Enolase (NSE) (evtl. -)
- Synaptophysin (evtl. -)
Plattenepithelkarzinom der Lunge:
- AE1/3 - Panzytokeratin (Epithel, Mesothel)
- CK5/6 - Plattenepithel(karzinom), Mesothel
Adenokarzinom der Lunge:
- CEA
- TTF-1 - Adenokarzinom der Lunge, Schilddrüsenkarzinome
- CK7
Pleuramesotheliom:
- AE1/3 - Panzytokeratin (Epithel, Mesothel)
- D2-40
- Calretinin
Magen-Darm-Trakt
- CDX2
Antigen-Tabelle geordnet nach Marker
- AE1/AE3 bzw. AE1/3 - Panzytokeratin (Epithel, Mesothel)
- α-Fetoprotein - HCC, Dottersacktumor
- Cadherin E - DCIS +, LCIS -
- Calbindin - Zerebelläre Purkinje-Zellen
- Calretinin - Pleuramesotheliom
- CD 31 - Endothelien
- CD 34 - Hämatopoetische Vorläufer, Weichteiltumoren, Kapillarendothel, GIST
- CDX2 - Magen-Darm-Trakt
- CEA (Carcinoembryonales Antigen) - Embryonales Gewebe, verschiedene Karzinome
- D2-40 - Lymphendothel, Pleuramesotheliom
- GFAP (Glial fibrillary acidic protein, saures Gliafaserprotein) - Gliales zytoplasmatisches Intermediärfilament (Astrozyten, weniger Oligodendrozyten), findet sich v.a. subplasmalemmal und in den Zellfortsätzen
- HMB45 - Melanom, Angiomyolipom
- Neurofilamentprotein (NFP) - Axonfärbung
- S-100 - Glia, Ependymzellen, Melanozyten, häufig auch Speicheldrüsentumoren
- TTF-1 (Thyroid Transcription Factor 1) - Adenokarzinom der Lunge, Schilddrüsenkarzinome
Antigene mit therapeutischer Relevanz
| Antigen | Erkrankungen | Therapeutischer Ansatz/Implikaqtion |
|---|---|---|
| Östrogenrezeptor | Mammakarzinom | Östrogenrezeptorantagonisten/-modulatoren (z.B. Tamoxifen) |
| Human epidermal growth factor receptor 2 (HER2/neu) | Mammakarzinom mit HER2/neu-Überexpression | Monoklonale Antikörper (MAB) gegen HER2/neu (z.B. Trastuzumab) |
| Epidermal growth factor receptor (EGFR) | verschiedene EGFR-exprimierende Tumoren | Monoklonale Antikörper gegen EGFR (z.B. Cetuximab, Panitumumab). Tyrosinkinasehemmer (z.B. Gefitinib, Erlotinib, Lapatinib). |
| CD20 | B-Zell-Lymphome | Rituximab |
| CD117 (c-kit) | CML, GIST u.a. | Tyrosinkinasehemmer (z.B. Imatinib) |
| ERCC1 | Die Expression des DNA-Reparaturgens im Tumorgewebe deutet auf ein verschlechtertes Ansprechen auf eine Therapie mit Platin-Verbindungen hin |
Weblinks:
- http://www.immundefekt.de/cd.shtml - CD-Tabelle - ImmunDefektCentrum Berlin
- http://www.pathologen-luebeck.de/Methoden/Immunhistologie/Antikorper/antikorper.html
- http://www.ukneqasicc.ucl.ac.uk/mod1.shtml
- http://www.unipathllc.com/antibodies.html
- http://www.ccpathology.com/page.asp?pageid=3
- http://www.researchd.com/rdicdabs/cdindex.htm
- http://pathologyoutlines.com/stains.html
- http://www.hmds.org.uk/aml.html#CYTOCHEMISTRY
- http://www.cn-pathology.com/shownews.asp?newsid=14
Elektronenmikroskopie (EM)
Die EM ist eine wichtige Spezialuntersuchung für Fragestellungen, bei denen die Ultrastruktur des Präparats entscheidend zur Diagnose beitragen kann. Mögliche Anwendungen sind z.B.:
- Glomerulonephritiden - Diagnose (Minimal-change-GN, ALPORT-Syndrom) und Diagnosesicherung
- Kardiomyopathien, Mitochondriopathien, Speicherkrankheiten
- Zilienerkrankungen (KARTAGENER-Syndrom bzw. primäre ziliäre Dyskinesie).
- Schnelldiagnostik von viralen Erkrankungen (Bestimmung der morphologisch definierten Virusfamilie)
Immunfluoreszenz-Techniken (IF)
Immunfluoreszenz-Techniken arbeiten ebenfalls mit Antikörpern und dienen ebenfalls zur Darstellung von Antigenen.
Direkte Immunfluoreszenz (DIF)
Bei der DIF werden Antigene mit einem Fluoreszenz-markierten Antikörper markiert. Diese können dann in einem speziellen Fluoreszenzmikroskop sichtbar gemacht werden.
Material: Nativ-Material
Molekularbiologische und genetische Methoden
Nachweis spezifischer DNA (Erreger wie Tbc oder HPV, Translokationen in Tumoren). Aufwändig, i.d.R. in Referenzzentren durchgeführt.
Material: Je nach Fragstellung ist natives oder formalinfixiertes Material besser geeignet.
- nativ: besser für die DNA-Isolierung (PCR)
- formalinfixiert: kann für die RNA-Isolierung (RT-PCR) günstiger sein, da Formalin auch die RNAasen inaktiviert.
Beispiel: Nachweis von aktivierenden KRAS-Mutationen. KRAS ist in den EGF-Rezeptor-Weg eingeschaltet. Verschiedene Tumorerkrankungen sprechen auf eine Therapie mit therapeutischen Antikörpern gegen EGFR (Cetuximab, Panitumumab) an, aber nur wenn der KRAS-Wildtyp vorliegt. Methode: PCR, dann Sequenzierung. Anwendung z.B. beim metastasierenden Kolonkarzinom.
Anpassungsreaktionen
Die Gewebe des Körpers reagieren dynamisch auf Veränderungen der Umwelt, auf metabolische und mechanische Belastungen und auf Veränderungen des inneren Mileus. Man unterscheidet unter morphologischen und ätiologischen Gesichtspunkten verschiedene Formen der Anpassung.
- Hypertrophie: Zunahme der Organgröße/Gewebemasse durch Zunahme der Zellgröße.
- Kompensatorische Hypertrophie - Z.B. Herzmuskelhypertrophie bei chronischer arterieller Hypertonie.
- Aktivitätshypertrophie - Z.B. die Skelett- und Herzmuskelhypertrophie bei Sportlern.
- Hormonell induzierte Hypertrophie - Z.B. die Skelettmuskelhypertrophie bei Einnahme anaboler Steroide.
- Hyperplasie: Gewebsvermehrung durch Zunahme der Zellzahl.
- Regeneratorisch - Z.B. die Verdickung der Epidermis an mechanisch belasteten Hautstellen.
- Endokrin - Z.B. die Hyperplasie der Nebennierenrinde bei CRH/ACTH-produzierendem Tumor.
- Atrophie: Gewebereduktion durch Verminderung von Zellgröße und/oder Zellzahl.
- Involution - Altersgebundene Gewebsrückbildung, z.B. des Thymus im Jugend- und Erwachsenenalter und des Uterus nach Eintritt der Menopause, hormonell- und altersbedingt.
- Inaktivitätsatrophie - Z.B. Atrophie der Skelettmuskulatur bei Lähmungen.
- Altersatrophie - Mischform aus Involution und Inaktivitätsatrophie, Bsp.: Osteoporose.
- Hungeratrophie - Gewebsrückbildung aufgrund nutritiver Unterversorgung (besonders Proteinmangel).
- Vaskuläre Atrophie - Atrophie von Gewebe durch ischämischen Substratmangel, z.B. Hautatrophie bei bei diabetischem Fuß oder pAVK.
- Druckatrophie - z.B. Abbau von Knochen neben einem pulsierenden Aneurysma.
- Metaplasie: Umschlag der Gewebsdifferenzierung in ein ähnlich differenziertes und der spezifischen Belastung besser gewachsenes Gewebe. Bsp.: die Zylinderepithelmetaplasie beim Barret-Ösophagus bei chronischem Magensaftreflux (Austausch des unverhornten Plattenepithels gegen Zylinderepithel) und die bronchiale Plattenepithelmetaplasie bei Rauchern (Austausch des Zylinderflimmerepithels gegen Plattenepithel).
Zell- und Gewebsschäden
Ursachen von zellulären Schäden
- Physikalisch: Mechanische Einwirkung, Strahlung, Hitze, Kälte, Elektrizität
- Chemisch: Säuren/Laugen/pH-Verschiebung, Toxine, Pharmaka, ROS (reaktive Sauerstoffspezies)
- Mikrobiell: Viren, Bakterien, Parasiten, Pilze
- Metabolisch-nutritiv: Über- oder Unterversorgung mit Nährstoffen
- Hypoxie (Sauerstoffmangel) und Ischämie (Durchblutungsstörungen)
- Immunologische Reaktionen (autoaggressiv oder „Kollateralschaden“)
- Genetische Störungen (Enzymdefekte, Chromosomenaberration, erbliche Dispositionen)
Noxen können akut oder chronisch, einzeln oder kombiniert in unterschiedlichem Ausmaß einwirken.
Allgemeine Schädigungsmechanismen
- Membranschädigung
- Plasmalemm: Wasser- und Ca2+-Einstrom -> Hydropische Schwellung der Zelle und der Zellorganellen, Mitochondrienschädigung, Enthemmung Ca2+-aktivierter Enzyme
- Mitochondrien (s.u.)
- Lysosomen -> Freisetzung von zellulären Verdauungsenzymen -> Autolyse
- Mitochondrienschädigung
- -> ATP-Defizit
- -> Steigerung der anaeroben Glycolyse -> Azidose (Lactat)
- -> Erliegen der Na+/K+-Pumpe -> Zusammenbruch der Ionengradienten und der sekundären Transportprozesse -> Wasser- und Ca2+-Einstrom (s.o.)
- -> Erliegen des Zellstoffwechsels (viele ATP-abhängige Reaktionen inklusive der Proteinbiosynthese)
- Freisetzung von Cytochrom c -> Apoptose-Induktion
- -> ATP-Defizit
- DNA-Schädigung (Mutationen) -> Zelltod, bei Stammzellen Krebsentstehung, bei Keimzellen Enzymdefekte u.a.
- Hemmung der Proteinsynthese -> Mangel an Bauproteinen, Enzymen usw.
- Akkumulation von physiologischen oder pathologischen Stoffwechselprodukten durch vermehrten Anfall oder Störung der Weiterverstoffwechselung
Spezielle Schädigungsmechanismen findet man im Kapitel Exogene Noxen.
Folgen
- Reversibler Zellschaden -> Regeneration
- Irreversibler Zellschaden (in Art und/oder Ausmaß)
- -> Nekrose (bei massiver Schädigung)
- -> Apoptose-Induktion (eher bei geringergradiger nicht-letaler Schädigung)
- -> Krebs (bei irreparablen DNA-Schäden, wenn keine Apoptose induziert wird)
- -> Defekte (pathologische Veränderungen von Zellorganellen)
Morphologisch sichtbare Schäden der Zellorganellen
Viele pathologische Prozesse führen zu mehr oder weniger spezifischen Veränderungen einzelner Zellorganellen in bestimmten Zellpopulationen. Diese sind neben der Histologie und anatomischen Pathologie vielfach wegweisend bei der Diagnose und Beurteilung von Erkrankungen.
Zellkern
- Unspezifische Reaktionen des Zellkerns auf Noxen
- Kernschwellung
- Kernpyknose - Kernschrumpfung durch Kondensation des Chromatins
- Karyorrhexis - Kernfragmentierung
- Karyolyse - Kernzerfall
- Apoptose - Suizidprogramm der Zelle, ausgelöst durch Aktivierung des Fas-Ligand-Rezeptor-Weges oder Freisetzung von Cytochrom C aus den Mitochondrien -> morphologisch: Apoptosekörperchen
- Kerneinschlüsse
- Glykogen („Lochkerne“) - Z.B. bei Diabetes mellitus
- Zytoplasma („Milchglaskerne“) - Z.B. beim papillären Schilddrüsenkarzinom
- Viren („Eulenaugen“) - Einschluss von Virusmaterial, z.B. bei CMV-Infektion
- Mehrkernige Riesenzellen - Sie entstehen durch Verschmelzung mehrerer Zellen oder bei inhibierter Zellteilung und kommen sowohl physiologisch als auch im Rahmen pathologischer Prozesse vor.
- Physiologisch: Skelettmuskelzellen, Megakaryozyten, Osteoklasten, Trophoblast
- Pathologisch:
- Histiozytäre Zellen:
- Fremdkörper-Riesenzellen - Typisch in Fremdkörpergranulomen, die Zellkerne sind etwas zufällig und oft in einem Haufen zusammengelagert, Nachweis von birefringentem (doppelbrechendem) Fremdmaterial.
- LANGHANS-Riesenzellen - In Tuberkulosegranulomen, die Kerne sind hufeisenförmig angeordnet
- ANITSCHKOW-Riesenzellen - Bei rheumatischer Myokarditis
- TOUTON-Riesenzelle - Schaumzellen, bei denen um eine kleine schaumfreie Insel mehrere Kerne ringförmig angeordnet sind, Vorkommen z.B. bei juveniler Xanthogranulomatose, siehe Abb.
- Riesenzelle bei Epulis
- Tumor-Riesenzellen:
- REED-STERNBERG-Riesen-Zellen (Morbus HODGKIN)
- Karzinom/Sarkom-Riesenzellen
- Histiozytäre Zellen:
- Polymorphie - Zeichen der Malignität
Nukleolus
- Vergrößerung
Zeichen eines erhöhten RNA-Umsatzes und damit Indikator für Aktivität, Proliferation oder Malignität der Zelle.
- Veränderungen
Schalen-, Ring-, Schwammnukleolen
- AgNOR - Versilberbare Nucleolus-Organisator-Regionen
Anzahl, Größe und Fläche geben Auskunft über Aktivität und Malignität
Glattes Endoplasmatisches Retikulum
Pathologische Veränderungen:
- Feinvakuoläre Degeneration
- Hyperplasie bei chronischer Detoxifikation, z.B. in der Leberzelle bei langjähriger Medikamenteneinnahme
- Milchglaszellen bei Hepatitis B durch Ablagerung von HBs-Ag
- Dilatation und Zisternenbildung bei zellulären Sekretionsstörungen
Rauhes Endoplasmatisches Retikulum
Vergrößerung bei gesteigerter und/oder gestörter Funktion (vakuoläre Degeneration), z.B. bei Fibroblastom (Fibroblastentumor) oder Osteogenesis imperfecta (Osteoblasten).
Golgi-Apparat
- Sekretionsstörungen führen zu Dilatation und Einschlüssen
- Verstärkte Sekretionsleistung führt zur Hyperplasie
Mitochondrien
- Verkalkung (Mitochondrien sind Kalziumfänger)
- Megamitochondrien bei chronisch-toxischen Einflüssen
- Schwellung: Crista-Typ (reversibel) oder Matrixtyp (irreversibel)
- Feingranuläre Degeneration, trübe Schwellung
- Einschlüsse
- In Onkozyten (geschwollene, eosinophile Zellen mit vergrößerten Mitochondrien)
Lysomen
- Lysosomale Restkörperchen - Bestehen aus Ablagerungen von Lipofuszin (Alterspigment)
- Lysosomale Defekte - CHEDIAK-HIGASHI, Morbus WHIPPLE
- Lysosomale Speicherkrankheiten - Morbus POMPE, Morbus GAUCHER, Morbus NIEMANN-PICK
Zellmembran
Z.B. Verlust der Mikrovilli des Darmepithels bei Zöliakie.
Zytoplasma
Verschiedene Viren führen zu intrazytoplasmatischen Einschlusskörperchen, so z.B. Tollwutviren (Negri bodies).
Degeneration
- Fettige Degeneration
- Mukoide Verquellung
- Chondroide Metaplasie
- Dystrophische Verkalkung
- Metaplastische Ossifikation
- Entzündungsreaktion
Fettablagerung
Intrazelluläre Verfettung
- Fettkörnchenzellen, Schaumzellen (lipidbeladene Phagozyten)
- Fettleber (nutritiv, metabolisch, toxisch, hypoxisch)
- Degenerative Herzmuskelverfettung (Makro: Tigerfellzeichnung)
- Nierenverfettung
- Skelettmuskelverfettung (Muskeldystrophie)
- Xanthome
- Xanthelasmen am Auge
Extrazelluläre Verfettung
- Lipomatosis cordis (alter Infarkt, nutritiv)
Adipositas
- Größenzunahme der Adipozyten bei Überernährung
Tumore des Fettgewebes
- Lipom (benigne)
- Liposarkom (maligne)
Eiweißablagerungen
Amyloid
Amyloid bedeutet stärkeähnlich. Wie Stärke färbt es sich schwarz, wenn es mit Jodlösung (Lugol'sche Lösung) behandelt wird.
Eigenschaften: Extrazellulär, homogen, spezifisch anfärbbar mit Kongorot, apfelgrün-gelbe Doppelbrechung in der Polarisation, irreversibel wasserunlöslich, immer pathologisch (von den Corpora amylacea der Prostata abgesehen).
Diagnose: Bioptisch mit Kongorot und Polarisation.
Formen:
- Generalisiert
- Amyloid A - ein alpha-Globulin. Vorkommen bei chronischen Entzündungen und Tumoren sowie beim autosomal-rezessiv erblichen Mittelmeerfieber.
- Amyloid L - Leichtkettenamyloid (Lambda > Kappa), entspricht dem Bence-Jones-Protein im Harn. Vorkommen bei Ig-Ketten produzierenden Lymphomen wie dem Plasmozytom oder beim Morbus Waldenström.
- Lokalisiert
- Hämodialyse-Amyloid - ein beta-Globulin.
- ZNS-Amyloid - Amyloid-β-Peptid. Vorkommen beim Morbus ALZHEIMER.
Fibrinoid
Eigenschaften: Extrazellulär, homogen, vorkommen bei Autoimmunerkrankungen (z.B. fibrinoide Nekrose in subkutanen Rheumaknötchen).
Hyalin
Eigenschaften: Milchglasartig, homogen, eosinophil, Protein und MPS.
Formen:
- Intrazellulär
- MALLORY-bodies („Alkoholisches Hyalin“ in Hepatozyten bei alkoholischer Hepatitis, bestehend aus mehr oider weniger abgebauten Keratinfilamenten)
- Russelkörperchen (Plasmazellen bei chronischer Entzündung)
- Extrazellulär
- Bindegewebiges H. : Zuckergußmilz, Leberkapsel, hyaline Pleuraplaques
- Vaskuläres Hyalin : Diabetes mellitus, Hypertension
- Councilman-bodies : Apoptotische Hepatozyten bei Virushepatitis
- Pulmonale hyaline Membranen : ARDS, Beatmung, Frühgeborene
- Hyaline Zylinder : Eiweißzylinder im Urin (TAM-HORSFALL-Protein)
- Hyaline Thromben : Endotoxinschock
Pigmentablagerungen
Exogene Pigmente
- Tätowierungepigment (Kohle, Tusche)
- Anthrakose der Lunge (Kohlenstaub, Ruß), unschädlich
- Anthrakosilikose der Lunge (Quarzstaub/Siliziumoxid SiO2), toxisch
- Saturnismus (chronische Bleivergiftung)
- Argyrismus (chronische Silbervergiftung)
Endogene Pigmente
- Häm- und Hämoglobinderivate
- Hämosiderin - Vitale Reaktion, intrazytoplasmatisch, eisenhaltig, pyrrolfrei, gelbbraun, Vorkommen z.B.: in Herzfehlerzellen, bei Transfusions-Hämosiderose, Hämochromatose
- Hämatin - Entstehung: Hb + HCl, schwarz-braun, Bsp.: Kaffeesatzerbrechen, Teerstuhl bei oberer GI-Blutung
- Hämatoidin = Indirektes Bilirubin - Entsteht ohne vitale Reaktion, extrazellulär, eisenfrei, pyrrolhaltig, gelb-orange, Bsp.: Bluterguss, Ikterus, Kernikterus
- Hämatozoidin - Malariapigment in Kupfer-Stern-Zellen, schwarz-braun-grau
- Porphyrin (Häm-Vorstufen) - Einlagerung in Haut und innere Organe, Bsp.: Porphyrie
- Hämoglobinzylinder im Urin - Bsp.: Transfusionszwischenfall
- Myoglobinzylinder im Urin - Bsp.: Crash-Niere
- Phenylalaninstoffwechsel
Überblick über die Biochemie des Phenylalanin- bzw. Tyrosinstoffwechsels:
.-> Homogentisat -3-> ... -> Acetoacetat + Fumarat
|
Phenylpyruvat <- Phenylalanin -1-> Tyrosin -2-> L-Dopa -> Dopamin -> Noradrenalin -> Adrenalin
u.a. toxische | |
Metabolite V V
T3/T4 Melanin
1.: Phenylalaninhydroxylase (PAH)
2.: Tyrosinase
3.: Homogentisatdioxidase
Melanozyten versorgen, stimuliert durch MSH, die Keratinozyten über ihre Fortsätze mit Melanin. UV-Licht oxidiert das Melanin und aktiviert die Tyrosinase.
- Hypopigmentierung:
- Phenylketonurie : Phenylalaninhydroxylase-Mangel
- Albinismus : Tyrosinase-Defekt
- Vitiligo : Fehlen von Melanozyten
- Hyperpigmentierung:
- Morbus ADDISON : Hyperpigmentierung (NNR↓ -> CRH↑ -> POMC↑ -> ACTH↑, α-MSH↑, β-Endorphin↑)
- Chloasma uterinum : hormonell
- Sommersprossen (Ephelides) : Melaninreiche Flecken
- Sonstiges:
- Alkaptonurie : Homogentisatdioxidase-Mangel (schwarz-brauner Urin, Einlagerung von schwarzem Homogentisat in Knorpel und Bindegewebe)
- Tumoren:
- Naevuszellnaevus
- Malignes Melanom
Verkalkung
Physiologische Verkalkung
An der Knorpel-Knochen-Grenze
Dystrophische Verkalkung
Normaler Ca-P-Stoffwechsel, Zellschäden, Calcium reichert sich in saurem Gewebe an und fällt bei intermittierend besserer Durchblutung und pH-Anstieg aus. Z.T. ohne Einschaltung der Mitochondrien (degeneriertes Gewebe), z.T. mit (nekrotisches Gewebe mit Restdurchblutung).
Bsp.: Verkalkte Tuberkulome, Psammomkörperchen, Atherosklerose, Kalzium-Nierensteine.
Metastatische Verkalkung
Hyperkalzämie, keine Zellschäden (bzw. erst sekundär), Ablagerung in Säure-abgebenden Organen (Lunge H2CO3, Niere Harnsäure, Magen HCl).
Bsp.: Tuffsteinlunge, Nierenkalzinose
Idiopathische Verkalkung
- Kalzium-Hydroxylapatit - Degenerativ, lokalisiert am geschädigten Bindegewebe, nicht doppelbrechend, Bsp.: Tendinosus calcanea des M. supraspinatus.
- Kalzium-Pyrophosphat (Kalkgicht, Chondrokalzinose) - Bei Stoffwechselstörungen (Diabetes, Gicht), lokalisiert in bradytrophen Geweben (Menisken), doppelbrechend.
Kalkspritzer
Bei schwerer Pankreatitis: Freigesetzte Lipasen spalten Fette im Bauchraum in Glyzerin und Fettsäuren. Fettsäuren fangen Kalziumionen ein.
Bindegewebsveränderungen
Kollagen
Kollagentypen:
- I - Knochen, Sehnen, Muskel, Gefäße
- II - Knorpel
- III - Retikulin
- IV - Basalmembran
I, II und III interstitielle Typen
Störung der Kollagensynthese
- Skorbut
- Osteogenesis imperfecta (Kollagen I)
- EHLERS-DANLOS-Syndrom (EDS)
Störung der Kollagenvernetzung
- EHLERS-DANLOS Typ V (Kollagen III)
- Morbus WILSON (Kupferspeicherkrankheit)
- Dornenkollagen : Vermehrter Proteoglycananteil
- Asbestfasern : Verminderter Proteoglycananteil, z.B. bei arthrotischem Gelenkknorpel (Demaskierung der Kollagenfasern)
Störung der Kollagenzusammensetzung
- Kollagen I vermehrt : Atherosklerose, Sklerose, Fibrose
Störung des Kollagenabbaus
- Hypertrophe Narben
Kollagenosen
Kollagenosen haben primär nichts mit Kollagenstoffwechsel zu tun, die Kollagenschäden entstehen erst sekundär.
Ursachen: Chronisch-rezidivierende Autoimmunerkrankungen (SLE, Dermatomyositis, Morbus WEGENER, CP).
Folgen: Generalisierte Bindegewebsveränderungen, fibrinoide Nekrose
Proteoglykane
Aufg.:
- Organisation der Interzellularsubstanz des Bindegewebes
- Gefäßpermeabilität
- Mechanischer Schutz der Zelle vor Zerquetschung
Komplexierungsstörung
Mukoide Degeneration -> Wasserbindung -> Gewebsschwellung
Ursachen: MARFAN-Syndrom, idiopathische Medianekrose ERDHEIM-GSELL
Synthesestörung
Erkrankungen: Multiple epiphysäre Dyplasie, Chondrodystrophie
Folge : Zwergwuchs
Sekretionsstörung
Erkrankung: Mukoviszidose (Chlorid-Kanal CFTR defekt)
Entwicklungsstörungen
Allgemeine Entwicklungsstörungen
Gametopathien (Einzelheiten siehe im Buch Klinische Humangenetik)
- Autosomale Trisomien
- Trisomie 13 - Pätau-Syndrom
- Trisomie 18 - Edwards-Syndrom
- Trisomie 21 - Down-Syndrom
- Gonosomale Trisomien
- XXY - Klinefelter-Syndrom
- Gonosomale Monosomien
- X0 - Ullrich-Turner-Syndrom
- Triploidien
Blastopathien
- Doppelmißbildungen
- Symmetrisch: Siamesische Zwillinge
- Assymetrisch: Autosit und Parasit (z.B. Steißbeinparasit)
Embryopathien
Entscheidend ist der Zeitpunkt und das Ausmaß des Schädigung, die Art der Noxe ist weniger bedeutsam.
Ät.: Störung der Organogenese
- Fetales Alkoholsyndrom (FAS, Alkoholembryopathie) - Klinik: Untergewicht, hypoplastisches Mittelgesicht, enge kurze Lidspalten, Mikrozephalie, Hydrozephalus, Ventrikelseptumdefekt (VSD), Intelligenzminderung. Weblink: Fasworld.de
- Rötelnembryopathie - Klinik: Kongenitales Rubella-Syndrom (GREGG-Syndrom) mit Taubheit, Mikrozephalie, Mikrophthalmie, Katarakt, Herzfehler (PDA) u.a.m.
- Strahlenembryopathie
- Thalidomidembryopathie - Klinik: Fehlbildungen der Extremitäten, typisch ist die Phokomelie (Hände und Füße setzen direkt an Schultern und Hüften an).
Fetopathien
Ät.: Störung der Organreifung
- Alkohol
- Infektionen:
- Röteln
- Listerien
- CMV
- Lues
- Toxoplasmose - Klinik: Intrazerebrale Verkalkungen, Chorioretinitis, Hydrozephalus u.a.m. Das Erkrankungsrisiko ist bei Infektion in der Spätschwangerschaft am höchsten.
- Diabetes mellitus der Mutter - Klinik: Polyhydramnion, Makrosomie, Ateminsuffizienz, Hypoglykämien, Herzfehler.
- Morbus haemolyticus neonatorum - Ät.: Eine Rhesusfaktor-negative Mutter entwickelt nach einer Schwangerschaft/Fehlgeburt mit Rhesusfaktor-positivem Kind Anti-D-Antikörper. Diese passieren bei der nächsten Schangerschaft die Plazenta und führen beim zweiten Rhesusfaktor-positiven Kind zur Hämolyse -> Kernikterus, Hydrops congenitus.
Minderwuchs
- Genetische Variante
- Proportioniert - z.B. bei Pygmäen
- Kongenitale Skelettdysplasien (meist dysproportioniert)
- Osteogenesis imperfecta (Kollagen I)
- Achondroplasie (aut.-dom., Neumut., enchondrale Ossifikation)
- Thanatophore Dysplasie (enchondrale Ossifikation, letal)
- Achondrogenesis I und II (aut.-rez., letal)
- Erworben
- Rachitis - Ät.: Vitamin D-Mangel (alimentär, Lichtmangel). Kl.: Rachitischer Rosenkranz, Auftreibung der Epiphysenfugen, Caput quadratum.
Riesenwuchs
- Hypophysärer Riesenwuchs (STH-produzierendes Adenom bei noch offenen Epiphysenfugen)
- Akromegalie (nach Epiphysenschluss)
Lokale Entwicklungs- und Differenzierungsstörungen
- Agenesie - Ein Organ oder Körperteil wurde nicht angelegt.
- Aplasie - Fehlen eines Organs oder Körperteils bei vorhandener embryonaler Anlage.
- Hypoplasie - Unterentwicklung eines Organs oder Körperteils durch Wachstumsstillstand.
- Atresie - Angeborener Verschluss einer Körperöffnung oder Hohlorganlichtung. Bsp.: Ösophagusatresie, Duodenalatresie, Analatresie.
Zelltod
Apoptose
„Programmierte Zelltod“
Ursachen:
- Freisetzung von Cytochrom c aus Mitochondrien oder Bindung von Fas-Ligand an den Fas-Ligand-Rezeptor (Todes-Rezeptor) -> Aktivierung von Caspasen -> Aktivierung von Proteasen, Endonucleasen usw., die den Zellkern und andere Zellbestandteile fragmentieren.
- Aktiver, energieverbrauchender Prozess der Zelle („Suizidprogramm“).
- Das Apoptose-Programm wird durch intra- und extrazelluläre Signal getriggert. Pathologische Auslöser sind Zellschäden (Mitochondrien, DNA). Physiologisch werden mittels Apoptose gezielt überflüssige oder gefährliche Zellen ausgeschaltet, z.B. im Rahmen der embryologischen Entwicklung oder zur Abtötung autoreaktiver T-Zell-Klone im Thymus.
Mikro: Keine Entzündungsreaktion, Beginn mit Kernpyknose, später Apoptose-Körperchen, Phagozyten (Makrophagen).
Nekrose
Nekrose ist das intravitale Absterben von Zellen. Es beinhaltet den Zelltod und die Abwehrreaktion des Körpers (Inflammation). Die Nekrose ist immer pathologisch.
Mikro: (nach Ablauf der Manifestationszeit!)
- Zellschwellung
- Homogenisierung des Zytoplasmas
- Azidophilie, Eosinophilie
- Kernpyknose, -lyse, -rhexis
- Verlust zellspezifischer Parameter (z.B. Querstreifung beim Herzinfarkt)
- Entzündungsreaktion
Einteilung nach Ausmaß:
- Einzellzellnekrosen
- Gruppenzellnekrosen - Bsp.: Tubulusnekrosen bei der Schockniere
- Gewebs-/Organnekrosen
Morphologische Formen:
- Koagulationsnekrose - Eiweißdenaturierung, Verfestigung, Narbenbildung, Bsp.: Anämische Infarkte in eiweißreichen Organen (Herz, Niere, Milz), Säureverätzungen
- Kolliquationsnekrose - Verflüssigung, Pseudocysten statt Narben, Bsp.: Infarkt in eiweißarmen, fettreichen Organen (Gehirn), Laugenverätzungen, bakteriell infizierte Nekrosen
SF:
- Enzymatische Fettgewebsnekrose - Bsp.: Pankreatitis: Die freigesetzten Lipasen setzten aus dem Fettgewebe z.B. des Mesenteriums Fettsäuren frei, die mit Calzium Kalkseifen bilden.
- Traumatische Fettgewebsnekrose
- Käsige Nekrose - Bsp.: Tbc (Epitheloidzelliges Granulom mit LLANGHANS-Riesenzellen und zentraler käsiger Nekrose)
- Gangränöse Nekrose (chirurgischer Begriff)
- Trockene Gangrän - Oft oberflächlich, Koagulationsnekrose
- Feuchte Gangrän - Sekundärnfektion mit Fäulniserregern (Anaerobier), Verflüssigung und übler Geruch
- Hämorrhagische Nekrose - Nekrose mit Einblutung, Bsp.: Hämorrhagische Pankreatitis
- Fibrinoide „Nekrose“ - Keine echte Nekrose, Entstehung im Bindegewebe oder in der glatten Muskulatur,
Makrophagenreaktion (Histiozyten), Bsp.: Autoimmunerkrankungen (CP, M. Wegener).
Entzündungspathologie
Eine Entzündung ist eine Gewebsabwehrreaktion gegen lokale Schädigungen.
Einteilung:
- Spezifische Entzündung - Entzündungsmanifestationen, die für eine Erkrankung typisch sind z.B. Tbc, Sarkoidose
- Unspezifische Entzündung
Ursachen:
- Mikroorganismen (siehe auch das Kapitel Exogene Noxen)
- Bakteriell -> Eher eitrige, d.h. granulozytäre Entzündung
- Viral -> Eher seröse, lymphoplasmazelluläre Entzündung
- Nekrosen und Gewebsschädigung (mechanisch, thermisch, chemisch, ionisierende Strahlen, hypoxischer oder ischämischer Gewebsschaden usw.)
- Autoaggressiv bzw. allergisch (siehe auch das Kapitel Pathologische Immunreaktionen)
Ablauf:
- Schädigung
- Gefäßreaktion (Vasodilatation -> Rötung, Überwärmung). Erhöhte Gefäßpermeabilität v.a. der postkapillären Venolen mit Austritt eiweißreicher Flüssigkeit (Exsudat) -> Ödem (Schwellung). Verlangsamung des Blutstroms (Hämostase) -> Thrombosierung (Auskopplung vom Blutkreislauf). Das Endothel exprimiert nach Aktivierung durch Entzündungsmediatoren, die von gewebsständigen Immunzellen gebildet werden vermehrt Selektine und Integrin-Rezeptoren -> gesteigerte Leukozytenadhäsion am Endothel (Rolling -> Bindung -> Diapedese).
- Granulo-monozytäre Reaktion (meist wandern zuerst kurzlebige neutrophile Granulozyten ein (neutrophiles Infiltrat), nach einigen Stunden bis Tagen zunehmend Monozyten, die sich im Gewebe zu Makrophagen differenzieren und untergegangene Granulozyten und sonstige Debris abräumen.) Granulozyten sprechen für eine aktive bzw. floride Entzündung und ätiologisch eher für Bakterien als Viren.
- Lympho-plasmazelluläre Reaktion (adaptive Immunabwehr). Lymphozyten und Plasmazellen (außerhalb der normalen Aufenthaltsorte) finden sich in der Spätphase einer abklingenden Entzündung und bei einer chronischen Entzündung sowie grundsätzlich bei viralen Entzündungen. In der Heilungsphase finden sich auch vermehrt eosinophile Granulozyten (die „Morgenröte“ der Wundheilung), allerdings sind Eos auch und besonders für allergische und parasitäre Entzündungen typisch.
- Bes. bei größeren Defeken oder chronischer Entzündung Bildung von Granulationsgewebe: Fibroblasteneinwanderung und Angioneogenese, Kollagenfaserbildung, Vernarbung, Architekturstörung.
Entzündungsformen:
- Serös - Klares Sekret. Bsp.: Rhinitis, virale Infektionen
- Fibrinös - Proteinreiches Sekret. Bsp.: Fibrinöse Perikarditis
- Eitrig (purulent, granulozytär) - Trübes bis weißlich-gelbliches Sekret.
- Steril - z.B. Pyoderma gangraenosum, Psoriasis pustulosa
- Infektiös - Meist bakteriell
- Abszess - Abgekapselter Eiterherd in einem nicht präformierten Hohlraum
- Empyem - Eiterherd in einer präformierten Körperhöhle
- Phlegmone - Sich diffus ausbreitende eitrige Entzündung (oft durch Staphylokokken)
- Hämorrhagisch - Bsp.: Hämorrhagische Enterokolitis
- Nekrotisierend - Bsp.: Verätzung
- Putride gangräneszierend - Bsp.: Gasbrand
- Granulomatös - Granulome (granum (lat.): Körnchen) bestehen aus rundlichen evtl. konfluierenden Ansammlungen von Histiozyten (Makrophagen-Subtyp; größere rundliche bis ovoide (schuhsohlen-förmige) Zellen mit hellem Zellkern und gut sichtbaren Nukleolen) häufig mit eingelagerten Riesenzellen, die von einem Lymphozytensaum (kleine blaue Zellen) umgeben sind. Granulome sind oft für bestimmte Erkrankungen typisch. Bsp.: Tuberkulose-Granulome (mit zentraler käsiger Nekrose und Riesenzellen vom Langhans-Typ), Fremdkörper-Granulome (mit Fremdkörper-Riesenzellen), Sarkoidose (Granulome in den hilären Lymphknoten mit asteroid- und conchoid-bodies).
- Lymphozytär - Meist chronische Entzündung
- Eosinophil - Allergische oder parasitäre Entzündung
- Sonstige:
- Erysipel - Oberflächliche Entzündung der Lymphpalten (meist durch Streptococcus pyogenes), Rezidivneigung.
Klassische Entzündungszeichen:
- Dolor - Schmerz
- Calor - Überwärmung
- Rubor - Rötung
- Tumor - Schwellung
- Functio laesa - Funktionseinschränkung
Entzündungsmediatoren:
- Chemotaxis - C5a, Leukotrien B4 (LTB4), Bakterienprodukte, Chemokine, IL-1, TNF
- Fieber - IL-1, TNF, Prostaglandin E2 (PGE2)
- Gewebsschädigung - O2- und NO-Radikale, lysosomale Enzyme, Proteasen
- Permeabilitätserhöhung - Histamin, C3a, C5a, Bradykinin, Leukotriene C4/D4/E4, PAF (platelet activating factor), Substanz P
- Schmerz - PG, Bradykinin
- Vasodilatation - Histamin, PG, NO
Systemische Entzündungsreaktion
- Akute-Phase-Reaktion bzw. SIRS (systemic inflammatory response syndrome)
- Sepsis = SIRS mit Nachweis einer Infektion
SIRS ist eine sterotype unspezifischen Immunreaktion des Organismus auf stärkere Gewebsschädigungen (Verletzungen, operative Eingriffe, Infektionen, Verbrennungen). Bei Dekompensation wird die inflammatorische Kaskade zum Selbstäufer und kann nicht mehr gestoppt werden (circulus vitiosus).
Enzündungsmediatoren
Endothelzellen, Fibroblasten und Gewebsmakrophagen im geschädigten Gewebe setzen Entzündungsmediatoren frei, z.B. IL 1, IL 6, TNF-α, Transforming Growth Factor-β (TGF-β), IF-γ, Epidermal Growth Factor (EGF), Leukozyten induzierender Faktor (LIF) u.a., die einerseits für lokalen Effekte verantwortlich sind und andererseits in Anwesenheit von Cortisol die Leber zur vermehrten Synthese der etwa 30 verschiedenen Akute-Phase-Proteine stimulieren, deren Konzentration innerhalb von 6-48 Stunden nach dem schädigenden Ereignis auf das zwei- bis eintausendfache zunimmt.
Akute-Phase-Proteine
Aufgabe:
- Lokalisierung der Entzündung
- Verhinderung der Ausbreitung
- Unterstützung des Immunsystems bei der Sanierung des Entzündungsherdes
Beispiele für Akute-Phase-Proteine:
- Fibrinogen -> lokale Thrombusbildung im Entzündungsgebiet -> Erreger werden nicht weiter in die Blutbahn ausgeschwemmt.
- α1-Antitrypsin und α-Antichymotrypsin -> reduzieren als Anti-Proteasen die Gewebsschädigung.
- C-reaktives-Protein (CRP) -> Opsonierung
- Saures Alpha1-Glykoprotein
- Haptoglobin
- Coeruloplasmin
- Komplement-C3
- Plasminogen
- Transferrin
Stresshormone
Weiterhin werden die klassischen Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, sowie weitere Hormone (ADH, Aldosteron) freigesetzt. Diese Hormone dienen u.a. der Kreislaufstabilisierung durch Vasokonstriktion, Natrium- und Wasserretention (ggf. Zentralisation) und der Energiebereitstellung (Lipolyse, Glykogenolyse, Glukoneogenese).
Bakterielle Zellwandprodukte (bei Sepsis, bes. LPS gramneg. Keime)
bakterielle Zellwandprodukte ->
- -> Komplementaktivierung und
- -> primäre Mediatoren (TNF,IL1,IFN..) -> Leukozytenaktivierung -> sekundäre Mediatoren (PAF, Eicosanoide, IL)
- => Aktivierung von PMN -> Kapillar- und Endothelschäden -> Volumenverlust ins Interstitium
- -> ACTH/Endorphine -> Gerinnungsaktivierung -> Aktivierung d. Kallikrein-Kinin-Systems -> Vasdodilatation, Endothelschäden -> absoluter und relativer Volumenverlust
- ==>> Schock, MOV, DIC
- ===>>> Tod
- ==>> Schock, MOV, DIC
Klinische Symptome:
- Fieber > 38 °C oder < 36 °C
- Herzfrequenz > 90/min
- Tachypnoe > 20/min oder Hyperventilation mit pCO2 < 4,3 kPa (33 mmHg)
- Leukozytose (> 12.000/μl) oder Leukopenie (< 4.000/μl) oder Linksverschiebung (d. h. > 10 % unreife Leukozytenformen)
bei Säuglingen oft unspezifisch!
Regeneration
Die Regenerationsfähigkeit verhält sich reziprok zur Gewebedifferenzierung.
- Physiologische Regeneration
- Einmalig: Milchgebiss
- Zyklisch: Endometrium
- Dauernd: „Mausergewebe“, z.B. Endothel, Epidermis, hämatopoetisches System, Spermatogenese
- Pathologische bzw. reparative Regeneration
- Vollständig: Restitutio ad integrum.
- Unvollständig: Defektheilung mit Bildung von Ersatzgewebe (Narbe).
Wundheilung
Phasen:
- Exsudationsphase (seröses Exsudat, Antikörper, Fibrin, Plasmafaktoren)
- Resorptionsphase (Granulozyten, Makrophagen, Lymphozyten)
- Proliferationsphase (Fibroblasten, Myofibroblasten, Kapillareinsprossung (Granulationsgewebe), Reepithelialisierung)
- Reparationsphase (Bildung extrazellulärer Matrix v.a. Kollagen, Schrumpfung) -> Narbe (nach 3 Monaten volle Belastbarkeit).
Formen der Wundheilung:
- Primäre Wundheilung (per primam, p.p.) - Frische, saubere Wunde, adaptierte Wundränder - rasche Heilung, minimale Bindegewebsneubildung und geringe Narbenbildung.
- Sekundäre Wundheilung (per secundam, p.s.) - Ältere, offene, infizierte, chronische Wunden - Heilung aus der Tiefe, längere Heilungsdauer, Narbenbildung.
Störungen:
- „Wildes Fleisch“ : Überschießendes Granulationsgewebe.
- Narben-Keloid : Hypertrophische Narbe bei überschießender Bindegewebsbildung.
- Kontrakturen : Inbesondere bei großflächigen Verbrennungen durch starke Schrumpfung der Narben.
Knochenheilung nach Frakturen
Arten der Knochenheilung:
- Primäre/direkte Knochenheilung (nur bei anatomischer Reposition und Ruhigstellung, Osteosynthese) : direkte knöcherne Überbrückung des Frakturspalts (Osteoklasten bohren sich in den gegenüberliegenden Knochen, Osteblasten füllen die verbindenden Kanälchen wieder auf).
- Sekundäre/indirekte Knochenheilung (bei konservativer Frakturbehandlung) : Frakturhämatom -> Kallusbildung (bindegewebige Organisation) -> Faserknochen -> Lamellenknochen
Störungen:
- Pseudarthrose - Bindegewebige Überbrückung des Frakturspalts. Hypertrophe Pseudarthrose durch mangelnde Ruhigstellung, atrophe Pseudarthrose durch mangelnde Versorgung.
- Frakturkrankheit, SUDECK-Dystrophie - Lokale Atrophie und Schrumpfung von Muskeln, Knorpel, Knochen, Gelenkkapsel und Bandapparat in der Nähe der Fraktur durch chronische Störungen der Trophik (Mikrozirkulation, Innervation).
- VOLKMANN-Kontraktur - Ischämische und/oder neurogene Kontraktur der Armmuskulatur nach inadäquat versorgter Humerusfraktur mit Kompression der A. brachialis, des N. ulnaris, des N. medianus oder anderer Strukturen. Nekrose und Atrophie der Unterarmmuskulatur, besonders der Flexoren, die Hand befindet sich häufig in Krallenhandstellung.
- Osteomyelitis - Bakterielle Entzündung des Knochenmarks, insbesondere bei offenen Frakturen zu erwarten.
Nervenheilung
Periphere Nerven können heilen, da sich jede Schwannsche Gliazelle in zahlreichen Windungen um jeweils nur ein Axon wickelt und nach Absterben des Axons die Axonhülle stehen bleibt. Im ZNS isolieren Oligodendrozyten gleichzeitig zahlreiche Axone, hier ist keine Heilung möglich.
Verletzung mit Durchtrennung des Axons -> WALLER'sche Degeneration des peripheren Axonteils -> proximales Axon wächst wieder in die stehengebliebende periphere Axonhülle (ca. 1 mm/Tag). Voraussetzung: Genaue Adaptation, z.B. durch Nervennaht.
Störungen:
- Neurom - Bei Amputationsverletzungen oder nicht adaptierten durchtrennten Nerven wachsen die Axone unkontrolliert aus und bilden schmerzempfindliche Nervenfaserknoten.
Tumorpathologie
Gutartige und bösartige (Krebs) Tumoren sind quasi der Preis für die Regenerationsfähigkeit vieler Gewebe. Es handelt sich dabei um Ansammlungen von Zellen mit überschießendem und unkontrollierten Wachstum.
Tumorklassifikation
- Typing : Histologischer Typ (welches Ursprungsgewebe ahmt der Tumor nach)
- Grading : 3 Malignitätsgrade (gegenläufig zum Differenzierungsgrad). Nicht definiert für Metastasen und bei Z.n. nach Radio-/Chemotherapie
- Staging : Ausbreitung im Körper nach dem TNM-Schema der UICC (Union internationale contre le cancer):
- T: Primärtumor - Tis (Tumor in situ), T0 bis T4, TX (keine Aussage möglich)
- N: Regionärer Lymphknotenbefall - N0 bis N2 oder N3, NX (keine Aussage möglich)
- M: Fernmetastasen - M0 bis M1, MX (keine Aussage möglich)
- Resektion: R0: Makroskopisch und mikroskopisch im Gesunden. R1: Nur makroskopisch im Gesunden. R2: Auch makroskopisch nicht im Gesunden.
- cTNM: klinische Einteilung. pTNM: Nach pathologischer Untersuchung.
- Weitere Vorzeichen: y: Z.n. Radiochemotherapie, a: autoptisch. r: Rezidiv.
- Zusatzangaben: L0/1: Lymphgefäßinvasion. V0/1/2: Hämangiosis (keine, mikroskopisch, makroskopisch)
Einteilung der Tumoren nach Dignität
- Benigne - Verdrängend wachsend, langsam wachsend, oft abgekapselt, Organgrenzen respektierend, Ausdifferenzierung der Zellen, keine Metastasenbildung.
- Maligne - Infiltrativ-invasiv wachsend, rasch wachsend -> Nekrosen, Einblutungen, unreife, atypische Zellen, Metastasen.
- Semimaligne - Lokal destruierend, selten Metastasen bildend.
Kriterien der Malignität
- Makroskopisch: Infiltrierend/diffus wachsend
- Histologisch: Infiltratives Wachstum, Angioinvasion (z.B. Lymphangiosis, Hämangiosis), Nekrosen, Kapillarisierung (Neoangiogenese), Aufhebung der normalen Histologie.
- Zytologisch: Vergrößerte Zellen, Polymorphie, basophiles Zytoplasma (RNA-Gehalt!), erhöhte Kern/Plasma-Relation.
- Nukleär: Polymorphie, Polychromasie, Hyperchromasie, Aneuploidie, (vergrößerte) Nukleolen, vermehrt Mitosen, atypische Mitosen, erhöhter Proliferationsindex (Ki-67 = MIB-1).
- Molekularbiologisch/zytogenetisch: Nachweis genetischer Veränderungen.
Kanzerogenese
Mutagene:
- Chemikalien - Z.B. Aromatische polyzyklische Kohlenwasserstoffe (Benzpyren, Anthrazen, in Tabakrauch und Abgases), Aromatische Amine (Anilin), Aflatoxin (Aspergillus flavus), Benzidin, Benzol, Epoxide, Nitrosamine
- Pharmaka (Zytostatika)
- Viren: Virale Onkogene v-onc (Physiologische Protoonkogene (c-onc), z.B. c-erb oder Bcl2, die durch Virus-DNA-Insertion verändert werden). Bsp.:
- Humane Papillomaviren (HPV) v.a. Typ 16 und 18 -> Zervixkarzinom
- Epstein-Barr-Virus (EBV) -> Burkitt-Lymphom (vor allem in Afrika) und Nasopharynxkarzinom (Asien)
- Humanes Herpes-Virus 8 (HHV-8) -> Kaposi-Sarkom
- Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) -> Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
- Humanes T-Zell-Leukämie-Virus 1 (HTLV-1) -> Leukämie
- „Merkel cell polyoma Virus“ (MCV) -> Merkelzell-Karzinom
- Bakterien/Parasiten: Kanzerogenese evtl. durch den chronischen Entzündungsreiz.
- Helicobacter pylori: MALT, Magenkarzinom
- Schistosoma sp. (Billharziose) -> Blasenkrebs
- Ionisierende Strahlung (Röntgen-Strahlung, Gamma-Strahlung), UV-Licht
- Chronische Entzündungen (Colitis ulcerosa)
Synkanzerogenese: Mutagene können sich bezüglich einer bestimmten Tumorentität additiv, überadditiv oder multiplikativ zueinander verhalten. Bsp.: Das Risiko für ein Bronchialkarzinom wird durch Asbestexposition 5x erhöht, durch Rauchen 10x. Asbest und Rauchen verhalten sich beim BC multiplikativ, das Risiko für einen Asbestexponierten Raucher ein BC zu entwickeln liegt also 50fach höher als beim nicht-rauchenden Bevölkerungsdurchschnitt!
Wichtige Mutagene und Risikofaktoren nach Organsystemen:
- Atemwege:
- Nasen und NNH: Eichen- und Buchenholzstäube, Nickelverbindungen, Zinkchromat
- Rachen: HPV, Rauchen, Alkohol
- Larynx: HPV, Asbest, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH)
- Lunge: Rauchen, Passivrauchen, Radon, aromatische Amine, Arsen, Asbest, Beryllium, Bischlordimethylether, Cadmiumverbindungen, chromhaltiger Staub, Hartmetalle (Wolframkarbid, Cobalt), Faserstäube, ionisierende Strahlen, Monochlordimethylether, Nickelverbindungen, Nitrosamine, PAH, Teer, Zinkchromat, Quarzstaub, Senfgas, Thorium, Uran
- Pleura: Asbest
- Seröse Häute (Pleura, Peritoneum, Tuncica vaginalis, Perikard): Asbest
- MDT:
- Magen: Helicobacter pylori, Nitrosamine
- Darm: Faserarme Ernährung, Nitrosamine, Adipositas
- Leber: Arsen, Vinylchlorid, chronische Hepatitis B und C
- Gallengänge: Leberegel (Clonorchis, Opisthorchis)
- Harnwege: 4-Aminodiphenyl, Benzidin, 4-Chlor-o-Toluidin, 2-Naphthylamin, Azofarbstoffe, Bilharziose, Arsen, Nitrosamine
- Haematopoetisches System: Benzol, ionisierende Strahlen, Trisomie 21
- Haut: UVB-Licht, ionisierende Strahlen, Arsen, Teer
Genotoxine erhöhen die Inzidenz maligner Tumoren, sie vorverlagern den Erkrankungszeitpunkt (= Verkürzung der Latenzzeit) und sie erweitern das Tumorspektrum in einem Gewebe.
Mechanismen: Durch verschiedenen Faktoren kommt es direkt oder indirekt zu genetischen Schäden in den gewebsansässigen Stammzellen, z.B. zu:
- Punktmutationen: Basenaustausch, Addition, Deletion
- Translokation (zB. t(9;22) -> Philadelphia-Chromosom Bcr-Abl -> Genprodukt ist eine daueraktivierte Tyrosinkinase)
- Amplifikation
Folgen:
- Aktivierung von Protoonkogenen c-onc, die physiologisch vorkommen und für an der Proliferation beteiligte Gene kodieren, zB. Wachstumsfaktoren, Wachstumsfaktorrezeptoren, Tyrosinkinasen u.a.
- Abschaltung von Tumorsupressorgenen, zB. DNA-Reparaturgene, Cycline
Durch genetische Mutationen (ein Allel betroffen) kann die individuelle Anfälligkeit erhöht sein! Präkanzeröse Konditionen: XP, FAP, HNPCC u.a.m.
Formale Pathogenese:
- Initiation - Initialer DNA-Schaden, Mutation
- Latenz - Bis zu Jahrzehnten!
- Promotion - Akkumulation weitere Mutationen, Hormonwirkung
- Progression - Entartung
Morphologische Stadien: Bei vielen Karzinomen lassen sich Vorstufen definieren. Diese werden oft in low grade und high grade eingeteilt oder in die Stufen 1, 2 und 3. Das Gewebe zeigt hier Atypien, jedoch liegt noch kein invasives Wachtum vor. Bei einem Karzinom, dass zytomorphologisch einem Karzinom entspricht, aber gerade noch nicht invasiv wächst (d.h. die Basalmembran ist nicht durchbrochen) spricht man von einem Carcinoma in situ (Cis).
Letztlich entsteht ein Tumor nicht von heute auf morgen, sondern die Zellen entarten über zahlreiche, teilweise auch morphologisch fassbare Zwischenschritte, bei denen diverse Gene an- und abgeschaltet werden. Bsp.: Adenom-Karzinom-Sequenz bei Darmkrebs unter Beteilung des Oncogens c-Ki-ras und der Tumorsupressorgene p53, APC, DCC u.a.m. Betroffen sind besonders Gewebe mit hoher regeneratorischer Aktivität (Epithel -> Karzinom, Knochenmark/Immunsystem -> Leukämie, Lymphome). Die Zunahme der Zellteilungen durch die Entartung beschleunigt dabei die Anhäufung von Mutationen im Sinne eines Circulus vitiosus und die Entstehung verschieden gut angepasster Zellklone, was den Tumorzellen einen Selektions- und Wachstumsvorteil gegenüber den körpereigenen Abwehrmechanismen und Geweben beschert.
Weblinks: KEGG: Colorectal cancer - Homo sapiens (human), KEGG: Melanoma - Homo sapiens (human)
Invasion
Abfolge:
- Orientierung (Lamininrezeptoren)
- Lokale Proteolyse (Cathepsin D, Kollagenasen, Matrix-Metalloproteinasen)
- Dissoziation - Die Krebszelle zieht die Adhäsionsmoleküle ein, kann den Zellverband verlassen, Verlust der Kontaktinhibition
- Lokomotion (Migration)
Metastasierung
Abfolge:
- Infiltration - Einwachsen in umliegende Gewebe
- Invasion - Eindringen in Blut- und Lymphwege
- Disseminierung (lymphogen, hämatogen) - Verteilung im Organismus
- Arrest im Zielorgan - Adhäsion an Rezeptoren oder Oberflächenmoleküle oder Steckenbleiben von Tumorzellemboli im Kapillarbett.
- Reinvasion - Einwachsen ins Zielorgan
- Angiogenese - Der Tumor bildet angiogenetische Wachstumsfaktoren, die das Wachstum neuer Gefäße stimulieren.
- Anschluß an Arteriolen
- Arterialisierung des Tumors (keine Venenbildung!)
Metastasierungswege:
- Lymphogen - Über die Lymphwege
- Hämatogen - Über den Blutweg (direkt oder erst lymphogen und dann über den Angulus venosus Eintritt in die Zirkulation)
- Kanalikulär - Entlang seröser Häute
- Per continuitatem - Direkt durchwachsend
Metastasierungstypen:
- Cava-Typ : Organ -> Lunge
- Arterieller Typ : Lunge -> Körper
- Pfortadertyp : GIT -> Leber
- Paravertebraler Venenplexus-Typ : Organ -> Wirbelsäule (Mamma-, Prostata-, Ovarial-Ca)
- Cavitär : Organ -> Pleura, Peritoneum, Pericard
- Lymphogen-hämatogen : Lymphgefäß -> Ductus thoracicus -> Venenwinkel -> Blutbahn
Folgen der Tumorerkrankung
- Kompression umliegender Strukturen, Abflussstörungen -> Harnstauungsniere, Cholestase
- Stenosierung, z.B. stenosierendes Ösophagus- oder Colonkarzinom -> Dysphagie, Ileus
- Ulzeration -> Blutung, Perforation
- Gefäßarrosion -> Blutung, Thrombusbildung
- Osteolysen bei Knochenmetastasen, Plasmozytom -> Pathologische Frakturen
- Fistelung
- Nekrose
- Anämie (Ursachen: Chronische Blutung, Hämatopoesehemmung durch Tumorfaktoren, Knochenmarksverdrängung durch Metastasen, AIHA)
- Gewichtsverlust/Tumorkachexie -> Körperlicher Verfall, Infektionen
- Paraneoplastische Syndrome (U: Entstehen indirekt durch vom Tumor freigesetzte Zerfallsprodukte und hormonähnliche Substanzen an primär nicht betroffenen Organen und Autoimmunphänomene (Kreuzantigenität)) Bsp.:
- Hautveränderungen (Akanthose, Acanthosis nigricans maligna, Hyperkeratose, Dermatomyositis, Bullöses Pemphigoid)
- Hämatologische Veränderungen (Anämie, leukämoide Reaktionen, Polyzythämie, Thrombosen -> Lungenarterienembolie, Nichtbakterielle thrombotische Endokarditis (NBTE)
- Endokrinopathien - M. Cushing (ACTH), Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH), Hyperkalzämie (PTH), Hypoglykämien (Insulin), Karzinoidsyndrom (5-HT, Histamin, Bradykinin), Polyzythämie (EPO)
- Myasthenia gravis (bei Thymomen)
- Paraneoplastische Kleinhirnatrophie, Polyneuritis
- Glomerulonephritis
- Pierre-Marie-Bamberger-Syndrom (Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel) bei Bronchialkarzinom
Spontane Tumorregression
Zerstörung von Tumorgewebe durch Makrophagen, NK, CD8-Zellen, AK (durch Kreuzantigenität auch Autoaggressionserkrankungen)
Spontanremission
Vollständige oder teilweise, vorübergehende oder dauerhafte Rückbildung sämtlicher oder einiger Aktivitätsmerkmale einer bösartigen Erkrankung, ohne Behandlung oder unter einer Behandlung, wo dies nicht zu erwarten gewesen wäre. Nicht unbedingt gleichbedeutend mit Heilung (Spontanheilung)!
Häufigkeit: 1:60.000 bis 1:100.000, Dunkelziffer!
In mehr als der Hälfte der Fälle betrifft die Spontanremission folgende Tumoren: Malignes Melanom, malignes Lymphom, kindliche Neuroblastome, Nierenzellkarzinom
Tumormarker
Dienen hauptsächlich der Verlaufskontrolle und Rezidivfrüherkennung, einige auch zum Screening (PSA) und zur histopathologischen Diagnose (Immunhistochemie).
- Onkofetal
- AFP - Hepatozelluläres Karzinom, physiologisch fetale Leber und Dottersack
- CEA - Kolorektale Karzinome, Magenkarzinom u.a.
- Hormone
- HCG - Trophoblasttumor
- Calcitonin - C-Zell-Karzinom (medulläres Schilddrüsenkarzinom)
- Katecholamine - Phäochromozytom
- Isoenzyme
- Saure Prostataphosphatase
- Neuronen spezifische Enolase (NSE) - Kleinzeller, neuroendokrin differenzierte Tumoren
- Glykoproteine
- CA 125 - Ovarialkarzinom
- CA 19-9 - Pankreaskarzinom, Kolonkarzinom, Magenkarzinom
- CA 15-3 - Mammakarzinom
- CA 72-4 - Magenkarzinom
- Intermediärfilamente
- Keratin - Epithel
- Vimentin - Bindegewebe
- Neurofilamente - Nervenzelle
- Desmin - Muskel
- Aktin - Muskel
- Leukozytenantigen (LCA, CD45)
- Spezifische (Glyko)Proteine
- Ig - Plasmazelltumoren
- PSA - Prostatakarzinom
- Thyreoglobulin - Schildrüsenkarzinom
- β2-Mikroglobulin (kl. UE von MHC I) - Lymphome
Weblinks
Exogene Noxen
Das Kapitel Exogene Noxen überschneidet sich mit den medizinischen Fächern der Traumatologie, der Biophysik und Radiologie, der Medizinischen Mikrobiologie, der Pharmakologie und Toxikologie, der Arbeits- und Umweltmedizin sowie der Rechtsmedizin.
Ziel dieses Kapitels kann es also nur sein, einen (unvollständigen) Überblick zu geben über die wichtigsten pathologisch relevanten Noxen. Für detaillierte Informationen sei auf die genannten Fachrichtungen hingewiesen.
Physikalische Noxen
- Mechanisch -> Dekubitus (Druckgeschwür), Trauma (Verletzung, operativer Eingriff)
- Hitze -> Verbrennung, Verbrühung, Hitzeschaden
- Kälte -> Erfrierung, Hypothermie
- Elektrizität -> Verbrennung, Herzrhythmusstörungen
- Druck
- Anstieg -> Barotrauma (Hämatotympanon)
- Abfall -> Gasembolie (CAISSON'sche Krankheit)
- Strahlung
- Ionisierende Strahlung -> Strahlenkrankheit, Tumorinduktion
- UV-Strahlung -> Sonnenbrand, Tumorinduktion
- Infrarot-Strahlung -> Glasbläserkatarakt
Chemische Noxen
- Säuren -> Koagulationsnekrosen
- Laugen -> Kolliquationsnekrosen
- Anorganische Verbindungen
- Metalle
- Blei -> Saturnismus (chronische Bleivergiftung): Neurologische Schäden, Störung der Häm-Synthese, Infertilität
- Cadmium -> Itai-Itai-Krankheit: Schmerzen, Knochenerweichung, Nierenversagen
- Quecksilber
- -> Akute Vergiftung: Übelkeit, Neurologie, Metallgeschmack, Mukositis, Koliken, blutige Diarrhoe, Erbrechen, Nierenversagen, Kreislaufzusammenbruch, Tod.
- -> Chronische Vergiftung: Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Stomatogingivitis mit dunklen Säumen am Zahnfleisch, Zittern, Neurologie, Tod.
- Amalgam
- Chrom-VI-Verbindungen -> Ulzera nach Bagatellverletzungen
- Mangan -> PARKINSON-Syndrom
- Stäube
- Quarzstaub -> Sillikose: Lungenfibrose
- Stein-Stäube (Steinbruch, Steinschleifer) -> Zahn-Abrasionen
- Asbest -> Asbestose (Lungenfibrose durch Asbest), Lungenkrebs, Pleuraerguss, Pleuraplaques, diffuse Pleuraverdickung, Pleuramesotheliom
- Hartmetallstäube -> Lungenfibrose
- Aluminiumoxid -> Lungenfibrose
- Kohlenstaub -> Anthrakose: inert, kein Krankheitswert
- Gase
- Kohlenmonoxid (CO) -> Bindung an Hb -> Hypoxidose
- Chlorgas (Cl2) -> Reizt Atemwege, Augen, Haut, ab 0,5 Vol% in der Atemluft tödlich
- Stickoxid (NO-Verbindungen) -> Lungenödem
- Schwefeldioxid (SO2) -> Kopfschmerzen, Übelkeit, Bronchial- und Lungenschäden
- Ozon (O3) -> Atemwegsirritation
- Pentachlorphenol (PCB) -> Allgemeinsymptome
- Cyanide/Blausäure (CN-) -> „Bittermandelgeruch“, Bindung an das Eisen-III der Cytochromoxidase -> Innere Erstickung
- Melamin -> Nierensteine
- Anorganische Kanzerogene
- Cadmium
- Arsen
- Akute Vergiftung: -> Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen, innere Blutungen, Durchfall und Koliken, bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen, Koma, Tod durch Nieren- und Herz-Kreislaufversagen. Arsenwasserstoff: Hämolyse
- Chronische Vergiftung: -> Hauterkrankungen, Blutgefäßschäden mit ischämischer Nekrose (Black Foot Disease), Krebs (z.B. Hautkrebs).
- Metalle
- Organische Verbindungen
- n-Hexan -> Polyneuropathie
- Alkohol -> Zelltoxisch
- Xylol -> Schädigt Haut, Atemwege, Nervengewebe
- Benzol -> DNA-Schäden, Krebs (Leukämie), Knochenmarkschädigung, neurologische Symptome
- Phosgen (Kampfgas) -> Lungenverätzung, -ödem
- Benzochinon -> Hornhautschäden
- Styrol (Vinylbenzol) -> Reizungen von Haut- und Schleimhäuten
- Organische Pestizide
- Pentachlorphenol (PCB)(Fungizid) -> Allgemeinsymptome
- Paraquat (Herbizid) -> Ätzwunden, kanzerogen
- E605/Parathion (Insektizid, Kontaktgift!) -> blauer Schaum/Speichel, AChE-Hemmer -> Cholinerges Syndrom, Krämpfe, Atemlähmung, Tod
- Organische Kanzerogene
- Aromatische Amine wie z.B. Anilin, beta-Naphtylamin (Farbindustrie) -> Urothelkarzinom
- N-Nitrosoverbindungen wie z.B. Nitrosamine (Pökelsalz) -> Magenkrebs
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie z.B. Benzpyren (Zigarettenrauch, Teerdämpfe, Abgase) -> Bronchialkarzinom
- Vinylchlorid -> Hämangiosarkom der Leber
- Chlorkohlenwasserstoffe
Biologische Noxen
Biologische Gifte
- Bakterielle Gifte
- Tetanospasmin und Tetanolysin - Clostridium tetani -> Risus sardonicus, Trismus, Opisthotonus, Atemversagen.
- Diphterietoxin - Corynebacterium diphteriae -> Epiglottitis, Myokarditis
- Botulinumtoxin - Clostridium botulinum -> Paralyse durch Hemmung der Acetylcholin-Sekretion (stärkstes bekanntes Gift, LD50 1ng/kgKG!)
- Pilzgifte
- α-Amanitin - Knollenblätterpilz -> Hepatotoxisch
- Secale-Alkaloide - Mutterkorn -> Wirkung an Serotonin- und Katecholamin-Rezeptoren -> Darmkrämpfe, akrale Ischämie mit Nekrosen, Halluzinationen
- Aflatoxin - Aspergillus flavus -> Kanzerogen (Leberkrebs), allergisierend
- Pflanzengifte
- Digitalis - Fingerhut -> Hemmung der Na-K-Pumpe -> Erhöhte intrazelluläre Na-Konzentration -> Hemmung des Na-Ca-Antiports -> Anstieg der intrazellulären Ca-Konzentration -> Neurotoxisch, kardiotoxisch (Herzrhythmusstörungen).
- Atropin - Tollkirsche -> M-Blocker, anticholinerges Syndrom
- Colchizin - Herbstzeitlose -> Mitosespindelgift
- Ameisensäure - Brennnessel, Ameisen -> Hautreizend
- Tierische Gifte
- Schlangengifte - Giftnattern (neurotoxisch), Vipern und Ottern (gewebetoxisch, thrombotisch)
- Nesselgift - Quallen
Prionen
-> Transmissible spongiforme Enzephalopathie (TSE): BSE, neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD), Kuru
Viren
Schädigungsmechanismen:
- Ausbeutung des Zellstoffwechsels für die virale Proteinsynthese.
- Zytopathischer Effekt (CPE)
- Bildung von zytoplasmatischen (Bsp.: Negri bodies in Neuronen bei Tollwut) oder intranukleären (Cowdry bodies bei HSV und VZV) Viruseinschlußkörperchen wahrscheinlich durch Aggregation von viralem Protein.
- Zytolyse bei lytischer Virusvermehrung. Bp.: HSV, VZV
- Karyopyknose (Kernschrumpfung durch Chromatinkondensation).
- Zellfusion mit Bildung von Riesenzellen. Bsp.: Masern-Virus
- Proliferation und Tumorinduktion. Bsp.: HPV
- Abwehrreaktion des Wirts (Entzündung, Zellzerstörung, Narbenbildung). Bsp.: MHC-I-vermittelte Zerstörung virusinfizierter Zellen durch CD8+ zytotoxische T-Zellen.
Spezies und typische Erkrankungen:
- DNA-Viren
- Parvoviridae - Erythroviren - Parvovirus B19 -> Ringelröteln
- Poxviridae
- Adenoviridae - Adenoviren -> Respiratorische und gastrointestinale Infekte, Keratokonjunktivitis epidemica
- Papovaviridae - Papovaviren - Humane-Papilloma-Viren (HPV) -> Warzen, Condyloma accuminatum, Zervixkarzinom
- Hepadnaviridae - Orthohepadnaviren - Hepatitis-B-Virus (HBV) -> Hepatitis B
- Herpesviridae
- Alphaherpesvirinae
- Simplexviren
- Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1, HHV-1) -> Herpes simplex, Stomatitis aphtosa, Herpes neonatorum (Enzephalitis)
- Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2, HHV-2) -> Herpes simplex, Herpes genitalis, Herpes neonatorum (Enzephalitis)
- Varicelloviren
- Varizella-Zoster-Virus (VZV, HHV-3) -> Windpocken, Herpes zoster (Gürtelrose)
- Simplexviren
- Betaherpesvirinae
- Zytomegalievirus (CMV, HHV-5) -> Zytomegalie, opportunistische Infektionen z.B. bei AIDS
- Roseoloviren
- Humanes-Herpesvirus 6 und 7 (HHV-6 und HHV-7) -> Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum)
- Gammaherpesvirinae
- Lymphocryptoviren
- EPSTEIN-BARR-Virus (EBV, HHV-4) -> PFEIFFERsches Drüsenfieber, BURKITT-Lymphom, Nasopharynxkarzinom (in Asien)
- Rhadinoviren
- Humanes Herpesvirus 8 (HHV-8) -> KAPOSI-Sarkom
- Lymphocryptoviren
- Alphaherpesvirinae
- Poxviridae
- Orthopox-Variola-Virus -> Pocken
- Molluscipoxvirus -> Molluscum contagiosum (Dellwarze)
- RNA-Viren
- Reoviridae - Rotaviren –> 70 % der GIT-Infekte bei Kindern: Wässrige Diarrhoe, Erbrechen, Fieber
- Picornaviridae
- Rhinoviren -> Erkältung, Schnupfen
- Hepatoviren -Hepatitis-A-Virus (HAV) -> Hepatitis A
- Enteroviren
- Poliovirus -> Poliomyelitis (Kinderlähmung)
- Coxsackieviren A und B -> Myokarditis, Meningitis, „Sommergrippe“, Herpangina (Coxsackie A)
- ECHO-Viren -> Meningitis, grippale Infekte, Exanthem
- Enteroviren -> Paralysen, Konjunktivitis, Pneumonie, aseptische Meningitis
- Astroviridae - Astroviren -> (bes. Kleinkinder) wässrige Diarrhö mit Fieber und Erbrechen
- Caliciviridae
- Caliciviren
- Hepatitis-E-Virus (HEV) -> Hepatitis E
- Norovirus -> Krämpfe, Brechdurchfälle, Fieber
- Caliciviren
- Flaviviridae
- Hepaciviren
- Hepatitis-C-Virus (HCV) -> Hepatitis C
- Hepatitis-G-Virus (HGV) -> Hepatitis G
- Flaviviren
- FSME-Virus -> Frühsommer-Meningoenzephalitis
- Dengue-Virus -> Dengue
- West-Nil-Virus -> West-Nil-Fieber
- Gelbfieber-Virus -> Gelbfieber
- Japan-B-Enzephalitis-Virus -> Japanische B-Enzephalitis
- Hepaciviren
- Togaviridae - Rubiviren - Rubellavirus -> Röteln
- Coronaviridae
- SARS-Virus -> SARS (severe acute respiratory syndrome)
- Coronaviren -> (bei Kindern) Atemwegsinfekte, nekrotisierende Enterokolitis
- Orthomyxoviridae
- Influenza-A-Viren (H1N1, H3N2, H5N1) -> Influenza (Grippe)
- Influenza-B- und C-Viren -> Influenza (weniger relevant)
- Paramyxoviridae
- Paramyxoviren - Parainfluenza-Virus -> Parainfluenza
- Morbilliviren - Masernvirus -> Masern
- Rubulaviren - Mumpsvirus -> Mumps
- Pneumoviren - Respiratory-Syncytical-Virus (RSV) -> Respiratorische Infekte
- Bunyaviridae
- Krim-Kongo-Fieber-Virus -> Krim-Kongo-Fieber
- Hantaviren -> Hämorrhagisches Fieber
- Rhabdoviridae - Lyssaviren - Rabies-Virus -> Tollwut
- Filoviridae
- Marburg-Virus -> Hämorrhagisches Fieber
- Ebola-Viren -> Hämorrhagisches Fieber
- Arenaviridae - Arenaviren - Lassa-Virus -> Lassa-Fieber
- Retroviridae
- Lentiviren - HI-Virus -> AIDS
- HTLV -> T-Zell-Leukämie
Bakterien
Schädigungsmechanismen:
- Toxin-Bildung
- Begleiteffekte der Immunreaktion (Gewebsschädigung durch freigesetzte Proteasen, Schock bei massiver Zytokinfreisetzung).
- Tumorinduktion bei chronischer Entzündung. Bsp.: Helicobacter pylori
Spezies und typische Erkrankungen:
Gram-Positive
- Staphylococcus aureus -> Eitrige Infektion, Toxinbedingte Fernwirkung (Toxic Shock Syndrome, Scaled Skin Syndrome), Intoxikation (Lebensmittelvergiftung)
- Staphylococcus epidermidis -> Opportunistische und neonatale Infektionen, Fremdkörperinfektion, Biofilmbildung
- Streptococcus pyogenes (β-häm. Gruppe A) -> Pharyngitis, Tonsillitis, Scharlach (nur best. Stämme), Erysipel, Phlegmone, Impetigo contagiosa, Fasciitis necrotisans (FOURNIER'sche Gangrän), Rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis
- Streptococcus agalactiae (β-häm.B) -> Neonatalsepsis und -meningitis
- α-hämolysierende Streptokokken
- Viridans-Gruppe -> Karies, Endokarditis lenta
- Streptococcus pneumoniae -> Pneumonie, Meningitis, Otitis media
- Enterokokken -> nosokomiale Infektionen
- Corynebacterium diphtheriae -> Toxin -> Diphtherie (Rachen-, Haut-)
- Listeria monocytogenes -> Opportunistisch: Sepsis, Meningitis, granulomatöse Hepatitis, Schwangerschaft: Abort, granulomatöse Neonatalerkrankung
- Bacillus anthracis -> Milzbrand (Lungen-, Haut-, Darm-)
- Aktinomyzeten - Meist aerob-anaerobe Mischinfektionen -> Fisteln, Abszesse
- Nocardien -> Subakute Bronchopneumonie, Endokarditis, Hirnabszesse
- Mykobakterien - Mycobacterium tuberculosis -> Tuberkulose
- Clostridium tetani -> Tetanospasmin -> Tetanus (Trismus, Risus sardonicus, Opisthotonus)
- Clostridium botulinum -> Botulinumtoxin -> Schlaffe Lähmung, anticholinerges Syndrom
- Clostridium perfringens, C. septicum, C. histolyticum -> Gasbrand
- Clostridium difficile -> Antibiotika-assoziierte pseudomembranöse Colitis
- Andere Anaerobier - Oft Mischinfektionen (Bauch, gynäkologisch, oropharyngeal)
Gram-Negative
- Neisseria gonorrhoeae -> Gonorrhoe
- Neisseria meningitidis (Meningokokken) -> Meningitis
- Bordetella pertussis -> Pertussis-Toxin -> Keuchhusten, Pneumonie
- Brucella sp. -> Zoonose, zyklische Allgemeininfektion, multipler Organbefall
- Campylobacter -> Brechdurchfall, GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom
- Helicobacter pylori -> B-Gastritis, MALT-Lymphom, Magenkarzinom
- Legionella pneumophila u.a. -> Atypische Pneumonie, Mitbeteiligung anderer Organe
- Haemophilus influenzae B -> Meningitis, Sepsis, respiratorische und HNO-Infekte, akute Epiglottitis
- Anaerobier - oft Mischinfektionen
- Pseudomonas aeruginosa (ubiquitär, Feuchtkeim) -> Opportunistische Infektionen, Sepsis, Otitis externa, chronische Pyelonephritis, Wundinfektionen
- Vibrio cholerae -> Toxin -> Cholera
- Enterobacteriaceae
- Escherichia coli -> Fäkalindikator, nosokomiale Infektionen, Harnwegsinfekte
- Obligat enteropathogene Stämme: EPEC, ETEC (Reisediarrhoe), EHEC (HUS) u.a.
- Typhöse Salmonellen - Typhus/Paratyphus
- Enteritische Salmonellen - Enteritis
- Shigellen -> Shigellen-Ruhr, HUS
- Yersinia enterocolitica -> Gastroenteritis, intestinale Lymphadenitis
- Yersinia pestis -> Pest (Lungen-, Beulen-)
- Escherichia coli -> Fäkalindikator, nosokomiale Infektionen, Harnwegsinfekte
Atypische
- Chlamydia psittaci (Vögel) -> Atypische Pneumonie
- Chlamydia trachomatis -> Trachom (-> Erblindung)
- Chlamydia pneumoniae -> Atypische Pneumonie
- Mykoplasmen -> Atypische Pneumonie, Urethritis
- Rickettsien (Läuse, Flöhe, Zecken) -> Fleckfieber
- Bartonella quintana -> Fünftagefieber, Wolhynisches Fieber
- Bartonella henselae -> Katzenkratzkrankheit
- Coxiella burnetii -> Q-Fieber
- Ehrlichia -> Ehrlichiose
- Tropheryma Whippelii -> Morbus WHIPPLE (Malabsorption, Diarrhö, Polyarthritis, Uveitis)
- Spirochäten
- Treponema pallidum -> Lues (Syphillis)
- Borrelia burgdorferii -> Lyme-Borreliose
- Leptospiren -> Morbus Weil (Zoonose): Generalisierte Vasculitis, fulminanter Beginn
Protozoen
Schädigungsmechanismen:
- Zellzerstörung z.B. im Rahmen der Vermehrung. Bsp.: Plasmodien
- ...
Spezies und typische Erkrankungen:
- Plasmodien -> Malaria tertiana (P. vivax/ovale), quartana (P. malariae), tropica (P. falciparum)
- Trypanosoma sp.
- Trypanosoma brucei gambiense und rhodesiense -> Schlafkrankheit, Überträger: Tsetse-Fliege
- Trypanosoma cruzi -> CHAGAS-Krankheit, Überträger: Raubwanzen
- Leishmania sp., Überträger: Sandmücken
- Leishmania tropica -> Orientbeule
- Leishmania donovani -> Kala Azar (viszerale Leishmaniose)
- Giardia lamblia -> Durchfall, Fieber
- Entamoeba histolytica -> Amöbenruhr
- Toxoplasma gondii -> Toxoplasmose (ZNS-Befall embryonal, bei AIDS)
Pilze
Schädigungsmechanismen:
- Gewebszerstörung durch oberflächliches bis (v.a. bei kompromittierter zellulärer Immunität) invasives Wachstum. Bsp.: Dermatophyten, Candida, Aspergillus
- Toxin-Bildung. Bsp.: Aspergillus flavus (Aflatoxine)
- Begleiteffekte der Immunreaktion. Bsp.: Allergische Bronchopneumopathie durch Inhalation von Aspergillus fumigatus-Bestandteilen.
Spezies und typische Erkrankungen:
- Candida albicans -> Soor, Candidasepsis (bei Immundefizienz)
- Cryptococcus neoformans -> Pneumonie, Meningitis (bei Immundefizienz)
- Aspergillus fumigatus -> Allergische Bronchopneumopathie mit Asthma, Farmers Lung, Aspergillom (nicht invasiver Pilzball in Lunge (Tbc-Kavernen), Nasennebenhöhlen), invasive Aspergillose (bei Immundefizienz)
- Pneumocystis carinii -> Pneumocystis carinii-Pneumonie (PCP) bei AIDS
- Pityrosporum sp. -> Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte)
Helminthen (Würmer)
Schädigungsmechanismen:
- Zell- und Gewebszerstörung bei Wanderung und Ausbreitung im Körper.
- Durch Immunreaktion
- Tumor-Induktion bei chronischer Entzündung. Bsp.: Blasen-Billharziose
Spezies und typische Erkrankungen:
- Trematoda (Saugwürmer)
- Schistosoma sp. (Pärchenegel) -> Billharziose
- Fasciola sp. (Leberegel)
- Cestoda (Bandwürmer)
- Taenia saginata (Rinderbandwurm)
- Taenia solium (Schweinebandwurm)
- Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) -> Diffuse Echinococcuszyste
- Echinococcus granulosus (Hundebandwurm) -> Rundliche Echinococcuszyste
- Nematoden (Fadenwürmer)
- Enterobius vermicularis (Madenwurm) -> Bei Kindern, harmlos
- Trichuris trichiura (Peitschenwurm)
- Ascaris lumbricoides (Spulwurm)
- Trichinella -> Trichinellose (intestinale und muskuläre Symptome)
- Filarien -> Filariose, Elephantiasis
Arthropoden
Schädigungsmechanismen:
- Zell- und Gewebszerstörung durch Bisse, Stiche (Toxine), Eindringen in den Körper
- Übertragung von Krankheitserregern
- Durch Immunreaktion
Spezies und typische Erkrankungen:
- Insekten
- Pediculidae (Läuse) -> Überträger des Fleckfiebers (Kleiderlaus)
- Flöhe -> Überträger der Pest
- Dasselfliegen
- Spinnentiere
- Sarcoptes scabei (Krätzmilbe) -> Scabies (Krätze)
- Ixodida (Zecken) -> Überträger von FSME, Borreliose
Kardiovaskuläres System
Herz
Herzinsuffizienz
Def.: Unfähigkeit des Herzens das peripher benötigte HZV zu fördern.
Ät.: KHK, Herzinfarkt, Myokarditis, Kardiomyopathie, Klappenvitien, Hypoxämie, hypertensive Entgleisung, Perikarderguss, HRST (z.B. Vorhofflimmern), toxische Einflüsse (Alkohol, Medikamente), Lungen- und Lungengefäßerkrankungen u.a.m.
Pg.:
- Die Ursache führt links/rechts/global zu einer systolischen Pumpstörung und/oder einer diastolischen Füllungsstörung mit Zunahme des intrakardialen Drucks und peripherem Sauerstoffdefizit anfangs nur unter Belastung (NYHA II,III), später in Ruhe (NYHA IV).
- Bei der chronischen Herzinsuffizienz treten Kompensationsmechanismen in Kraft: Gesteigerte periphere Sauerstoffausschöpfung, Frank-Starling-Mechanismus, Freisetzung von Atrialem Natriuretischem Peptid (ANP) und Katecholaminen (Noradrenalin), Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Netto kommt es zur Natrium- und Wasserretention (Ödeme), zu einem erhöhten zirkulierenden Blutvolumen, sowie peripherer Vasokonstriktion, was die kardiale Belastung noch erhöht (circulus vitiosus).
Auf eine klinisch relevante bzw. dekompensierte Herzinsuffizienz weisen pathomorphologisch hin:
- Exzentrische Hypertrophie des Myokards, d.h. hypertrophierte und dilatatierte Ventrikel (erhöhtes Herzgewicht bei normaler oder nur mäßig erhöhter Ventrikelwanddicke, erhöhter Querdurchmesser, ausgerundete Herzspitze) und Vorhöfe (dilatierter Vorhof mit sandbankartiger Endokardriffelung).
- Zeichen des linkskardialen Vorwärtsversagens: Blasse schlaffe Leber, blasse Organe.
- Zeichen des linkskardialen Rückwärtsversagens: Zeichen der chronischen Lungenstauung (Induratio fusca pulmonum, Pulmonalarteriensklerose bei Durchstau in den rechten Kreislauf) und/oder des akuten Lungenödems (erhöhtes Lungengewicht, ablaufende Ödemflüssigkeit).
- Zeichen des rechtskardialen Herzversagens (Cor pulmonale): akut oder chronisch gestaute Leber, Stauungszeichen im Gastrointestinaltrakt (Stauungsgastropathie), Pleuraergüsse, periphere Ödeme. Die Organe sind rot durch die Blutfülle.
Klinik:
- Linksherzinsuffizienz: Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Lungenödem, kardiogener Schock.
- Cor pulmonale: Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Hepatosplenomegalie, gestaute Halsvenen, hepatojugulärer Reflux (Druck auf die Leber -> Füllung der V. jugularis externa), Ödeme (Knöchel, Aszites, Pleuraergüsse), Trikuspidalinsuffizienz (Systolikum 4. ICR rechts parasternal), kardiogener Schock.
Angeborene Fehlbildungen des Herzens
Ep.: 1:100 Neugeborene
Azyanotische Vitien
Herzfehler mit Links-Rechts-Shunt ohne Zyanose und hyperkinetisch bedingter pulmonaler Hypertonie und Überdurchblutung der Lunge.
Persistierender Ductus arteriosus BOTALLI (PDA)
patent ductus arteriosus
Der physiologische Verschluss nach der Geburt unterbleibt.
Folge: Kontinuierlicher (Windkessel!) Links-rechts-Shunt
Vorhofseptumdefekt (ASD)
atrial septal defect
Embryologie: Am Anfang sind beide Vorhöfe über das Foramen primum offen verbunden. Das Septum primum wächst von oben Richtung Herzskelett (Klappenebene) herunter und fusioniert dort mit einem Endokardkissen. Gleichzeitig reißt es in der Mitte ein, der Riss bildet das Foramen secundum bzw. Foramen ovale. Dieses wird durch das rechts vom Septum primum ebenfalls von oben herunterwachsende Septum secundum teilweise bedeckt - das Septum primum fungiert nun gegenüber dem Foramen ovale als Ventil und gibt die Flussrichtung vom rechten zum linken Vorhof vor. Das Foramen ovale wird kurz nach der Geburt durch Umkehr der Druckverhältnisse bei etwa etwa 1/3 der Kinder funktionell, in 2/3 strukturell durch Verklebung verschlossen. Das Forman ovale dient im fetalen Kreislauf neben dem Ductus arteriosus BOTALLI der Umgehung des Lungenkreislaufs.
ASD I:
Eine Störung der Fusion des Septum primum mit dem Herzskelett direkt über den Klappen führt zum offenen Foramen primum, das in seiner vollen Ausprägung dem Atrioventrikulären Septumdefekt (AVSD) entspricht. Einen partieller AVSD (PAVSD) nennt man ASD I. Häufig bei Trisomie 21 anzutreffen. Assoziiert mit weiteren Störungen, z.B. Reizleitungsstörungen durch Fehlentwicklung des Reizleitungssystems und einem fehlenden Sprung zwischen Mitral- und Trikuspidalebene.
ASD II und PFO:
Der nur funktionelle Verschluss des Foramen secundum nennt sich auch persistierendes (offenen) Foramen ovale (PFO). Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung bleibt es nach der Geburt offen. Dies ermöglicht dann einen spontanen, oder einen nur bei erhöhtem rechtsatrialen Druck (Valsalva Manöver) bestehenden Rechts-Links-Shunt. Dieser kann in seltenen Fällen durch paradoxe Embolien symptomatisch werden. Bestehen an dieser Stelle hämodynamisch bedeutsame Strukturdefekte, die zum Links-Rechts-Shunt führen so liegt ein ASD II vor, der im Ggs. zum ASD I weiter oben lokalisiert ist und im Unterschied zum PFO eine Fehlbildung darstellt. Der Betroffene hat oft wenig Symptome und der Herzfehler wird oft erst im Erwachsenenalter erkannt. Der Links-Rechts-Shunt kann im EKG zu Zeichen der Rechtsherzbelastung führen (Rechtslagetyp, P pulmonale, inkompletter Rechtsschenkelblock ohne Hypertrophie-Zeichen (rsr's') als Zeichen der rechtsventrikulären Volumenbelastung) und bei starker Ausprägung zu klinischen Symptomen führen.
Ventrikelseptumdefekt (VSD)
ventricular septal defect
Ep.: Häufigster Herzfehler bei Kindern.
Makro: Loch im Kammerseptum, meist im membranösen Teil.
Folge: Links-rechts-Shunt
Truncus arteriosus communis
truncus arteriosus
Ep.: Selten
Makro: Fehlende Trennung von Aorta und A. pulmonalis, oft 4-segelige Taschenklappe.
Atrioventrikulärer Kanal (AVSD)
Canalis atrioventricularis communis
Makro: Partielles Fehlen von Vorhof- und Ventrikelwand (siehe ASD I).
Zyanotische Vitien
Herzfehler mit primärem Rechts-links-Shunt und dadurch Ausbildung einer Zyanose
FALLOT-Tetralogie
tetralogy of Fallot
Die Fallotsche Tetralogie ist ein komplexer Herzfehler mit:
- Pulmonalstenose, genauer gesagt mit einer Hypoplasie des rechtsventrikulären Ausflusstraktes (die auch entscheidend für die klinischen Symptome ist), einer
- Rechtsherzhypertrophie als Folge der Stenose, einem
- Subaortaler (nicht perimembranöser) Ventrikelseptumdefekt und der
- „Reitende Aorta“. Letzteres meint, dass der Anfangsteil der Aorta nicht wie üblich links neben dem Septums liegt, sondern nach rechts-vorne direkt über das Septum bzw. hier über den VSD verschoben ist.
Klinik: Die Zyanose tritt erst einige Wochen nach der Geburt auf, da die Lunge pränatal kaum durchblutet ist und der rechte Ventrikel erst nach der Geburt belastet wird und hypertrophiert. Die Hypertrophie verstärkt im circulus vitiosus zunehmend die muskuläre Obstruktion des rechtsventrikulären Ausflusstraktes. Die Klinik der Obstruktion tritt dabei anfallsartig in Form „hypoxämischer Anfälle“ auf. Wenn unbehandelt, nimmt das Kind später im Anfall automatisch eine typische Hockstellung ein, um den venösen Rückfluss zu hemmen und das Herz zu entlasten. Auskultatorisch fällt das pulmonale Stenosegeräusch auf. Der VSD erzeugt wegen dem Druckausgleich zwischen linker und rechter Kammer kaum Turbulenzen und ist daher kaum zu hören.
Transposition der großen Gefäße (TGA)
transposition of great vessels
Makro: Die Aorta ist - inklusive der Koronarien - mit dem rechtem, die Pulmonalis mit dem linkem Ventrikel verbunden. Die Kreisläufe sind nicht seriell sondern parallel geschaltet. Die periphere Sauerstoffversorgung kann sich nach der Geburt sehr rasch und lebensbedrohlich verschlechtern durch Verschluss der embryonalen Kurzschlüsse (Foramen ovale, Ductus arteriosus BOTALLI).
Klinik: Hyperaktives Präkordium, Zyanose
Sonstige Vitien
Pulmonalstenose / Pulmonalatresie
Makro: Verengung des pulmonalen Ausflusstraktes. Bei relevanter Druckbelastung entwickelt sich eine Rechtsherzhypertrophie.
Aortenstenose
Makro: Sub-, supra- oder valvuläre Stenose der Aorta aszendens. Folge ist eine Linksherzhypertrophie durch Druckbelastung.
Aortenisthmustenose
coarctation of aorta
Makro: Es handelt sich um eine hinter dem Abgang der linken A. subclavia gelegene Verengung der Aorta.
Es gibt zwei Formen:
- Die proximale, präduktale (supraduktale) oder infantile Form, die vor dem Ductus arteriosus gelegen ist (95 % der Fälle). Das Blut fließt von der A. pulmonalis über den offenen Ductus in die Aorta deszendens und führt zur Zyanose der unteren Körperhälfte (Differentialzyanose).
- Die distale, postduktale (infraduktale) oder adulte Form, die hinter dem Ductus arteriosus liegt (5 % der Fälle) geht mit einem geschlossenen Ductus arteriosus einher. Folgen sind Bluthochdruck in der oberen Körperhälfte mit Linksherzhypertrophie und Aortendilatation, sowie die Ausbildung eines Umgehungskreislaufs (Aa. thoracicae internae, Aa. intercostales, Ae. epigastricae)
Klinik der infantilen Form: Die Kinder sind bei Geburt typischerweise "gesund" (und passieren oft auch unbemerkt die U2), da die Stenose durch den offenen Ductus arteriosus umgangen wird und auskultatorisch kaum etwas zu hören ist. Die Femoralispulse sind allerdings häufig schon abgeschwächt und ihre Palpation ist die wichtigste diagnostische Maßnahme! Nach etwa 10 bis 14 Tagen entwickeln die Kinder durch den Verschluß des Ductus arteriosus unspezifische Symptome der Linksherzinsuffizienz wie Tachypnoe, Gewichtszunahme (kaum sicht- oder hörbare Ödeme) und Symptome der peripheren Minderperfusion wie Oligurie/Anurie, Trinkschwäche, Verlängerung der Rekapillarisierungszeit, kühle untere Extremitäten. Die Kinder können dann sehr rasch am - im Grunde vermeidbaren - Herzversagen sterben. In diesem Stadium erkannte Kinder müssen sofort notfallmässig behandelt werden, um sie zu retten.
Hypoplastisches Linksherzsyndrom
hypoplastic left heart syndrome
Makro: Hypoplasie des linken Herzens und der Aorta aszendens, defekte Mitral- und Aortenklappe. Der rechte Ventrikel muss daher die volle Herzfunktion übernehmen.
Das Blut aus dem Körperkreislauf gelangt über den rechten Vorhof und rechten Ventrikel in den Truncus pulmonalis, von dort teilweise in die Lunge und teilweise über den Ductus arteriosus BOTALLI in die Aorta descendens (Rechts-Links-Shunt) und in den Körperkreislauf. Das oxygenierte Blut aus der Lunge gelangt in den linken Vorhof und von dort über neugebildete Entlastungsgefäße, die z.B. zur V. cava ziehen wieder zum rechten Herzen.
Totale Lungenvenenfehlmündung (TAPVR)
total anomalous pulmonary venous return (TAPVR)
Bei diesem angeborenen Herzfehler münden die Pulmonalvenen nicht in den linken Vorhof, sondern in den rechten. Die betroffenen Babys können nur bei einem offenen Septum (ein ASD oder VSD) überleben, was dem oxygenierten Blut den Weg in den großen Kreislauf ermöglicht. Demnach besteht ein primärer Rechts-Links-Shunt.
EBSTEIN-Anomalie
Makro: Atrialisierter Ventrikel (tiefsitzende Trikuspidalklappen) oder Trikuspidaldefekt (Verdickung der Trikuspidalklappe, zusätzlich häufig Pulmonalstenose).
Folge: Volumen- und Kontraktilitätsdefizit.
Endokardfibroelastose
Ep.: Säuglinge, Kinder
Mikro: Verdickung des Endokards
Weblinks: OMIM - endocardial fibroelastosis, OMIM - endomyocardial fibroelastosis
Erworbene Herzfehler
Aortensklerose
Ähnlich der Atherosklerose spielen sich degenerative Prozesse auch an den mechanisch stark beanspruchten Aortenklappe ab. Beginn der Veränderungen an den Noduli der Taschenklappen.
Makro: Verdickung, Verkalkung.
Mikro: Fibrose, Verkalkungen (violett in der H&E), Gefäße als Zeichen der Neovaskularisierung (die Klappen sind normalerweise gefäßfrei), Entzündungszellen.
Kompl.: Aortenstenose, Aorteninsuffizienz
Erworbene Aortenstenose
Ät.: Degenerativ (Aortensklerose), rheumatisch
Makro: Die Taschenklappen sind plump verdickt, verkalkt und fusioniert. Die Querschnittsfläche ist verkleinert (< 2,5 cm²).
Klinik: Leistungsminderung, Belastungsdyspnoe, Synkopen, Schwindel, spindelförmiges Systolikum 2. ICR rechts parasternal mit Fortleitung in die Karotiden.
Kompl.: Bakterielle Endokarditis, KHK (konzentrische Druckhypertrophie des Myokards mit relativer Koronarinsuffizienz), Linksherzinsuffizienz (-> Lungenstauung, Lungenödem),.
Erworbene Aorteninsuffizienz
Ät.: Degenerativ (Aortensklerose), rheumatisch.
Kompl.: Exzentrische Herzhypertrophie durch Volumenbelastung.
Mitralstenose
Ät.: Rheumatisches Fieber.
Klinik: Leistungsminderung durch die diastolische Füllungsstörung mit Reduktion des Herzzeitvolumens (HZV), Belastungsdyspnoe, spät: Facies mitralis („rote Bäckchen“), periphere Zyanose, Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz, Tachyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern. Auskultatorisch paukender 1. HT und MÖT (fehlt evtl. bei Verkalkung), systolisches Decrescendogeräusch, präsystolisches Crescendogeräusch (fehlt bei VHF).
Kompl.: Vorhofdilatation mit Vorhofflimmern und evtl. Vorhofthrombose und Embolie, Rückstau in die Lunge (Lungenstauung, Lungenödem) und ggf. bis in den großen Kreislauf (pulmonale Hypertonie, Rechtsherzbelastung/Cor pulmonale, Rechtsherzinsuffizienz), bakterielle Endokarditis.
Mitralinsuffizienz
Ät.: Klappendestruktion bei Endokarditis, Dilatation des linken Ventrikels z.B. im Rahmen eines Herzinfarktes oder dilatativen Kardiomyopathie.
Mitralklappenprolaps
Ät.: Degenerativ, MARFAN-Syndrom.
Mikro: Myxoide Degeneration mit Proteoglycan-Einlagerung.
Trikuspidalinsuffizienz
Ät.: Z.B. bei trikuspidaler Endokardfibrose bei Karzinoid-Syndrom.
Koronare Herzkrankheit
Koronoratherosklerose
Klinik: Asymptomatisch, Angina pectoris.
Herzinfarkt
myocardial infarction
Ät.: Meist Aufbrechen und/oder Thrombosierung einer arteriosklerotischen Plaque in einer Koronararterie. Seltener: Ausschließlich kritische Stenosierung. Selten: Thrombembolischer Verschluß, Koronarspasmus, Koronarkompression z.B. bei proximaler Aortendissektion, Vaskulitis.
Lok.:
- Rechtsventrikulär: Typischerweise posteroinferior. Meist durch Verschluss der A. coronaria dextra (RCA).
- Linksventrikulär
- Vorderwandinfarkt: Vermutlich Verschluss des Ramus circumflexus (RCX) der A. coronaria sinistra (LCA).
- posterolateral: Vermutlich Verschluss des Ramus interventricularis anterior (RIVA, LAD) der A. coronaria sinistra (LCA).
Phasenhafter Verlauf:
- Nach 6 bis 12 Stunden: Lehmfarbene Abblassung mit hyperämischem/hämorrhagischem Randsaum.
- Nach wenigen Tagen: Granulationsgewebe aus Immunozyten (erst Neutrophile Granulozyten, dann Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen), Kapillarbildung und einsprossenden Kollagenfaser-bildenden Fibroblasten. Hohe Rupturgefahr durch die entzündliche Gewebsmazeration bei hohem intrakardialen Druck.
- Nach Wochen: Zunahme des Kollagenfasergehalts (wellige birefringente Fasern). Abnahme der Entzündungsaktivität. Der Defekt ist durch ein faserreiches zellarmes Bindegewebe ohne kontraktile Eigenschaften gedeckt.
Frischer Myokardinfarkt
Syn.: Akuter Myokardinfarkt (AMI)
Makro: Lehmfarbene Abblassung mit hyperämischem/hämorrhagischem Randsaum frühestens 6 bis 12 Stunden nach dem Ereignis.
Mikro: Nach einigen Stunden erste lichtmikroskopisch fassbare Zeichen der Koagulationsnekrose. Einblutungen. Die Myozyten zeigen eine verstärkte Eosinophilie und Kontraktionsbanden quer durch die Herzmuskelfasern. Typische Zellparameter wie Querstreifung, Zellkerne und Zellgrenzen gehen verloren. Das Infarktareal wird von einer Hyperämischen/hämorrhagischen Randzone begrenzt. Im Verlauf zunehmende leukozytäre Demarkierung und Phagozytose des nekrotischen Gewebes, sowie Einwanderung von Fibroblasten mit Ausbildung eines narbigen Ersatzgewebes.
Merke!: Der Myokardinfarkt muss mind. 6 - 12 Stunden überlebt werden (vitale Reaktion!), bevor er morphologisch sichtbar wird!
Klinik: Thorakale atem- und bewegungsunabhängige Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm, Hals, Unterkiefer, Oberbauch (bei Diabetes mellitus auch stumme Infarkte ohne Schmerzen). Vernichtungsgefühl, Angst, Kaltschweißigkeit, Übelkeit. Linksventrikulär: Lungenstauung, kardiogener Schock. Rechtsventrikulär: Halsvenenstauung und Hypotonie ohne Lungenstauung. Labor: Positives Myoglobin, Troponin T (Schnelltest!), CK und CK-MB, GOT, LDH. EKG: Anstieg der T-Welle, dann der ST-Strecke.
Kompl.: Herzrhythmusstörungen (Kammerflattern, Kammerflimmern), kardiogener Schock, Herzwandruptur mit Perikardtamponade (i.d.R. zwischen dem 3. und 10. Tag), Septumruptur, Herzwandaneurysma, Papillarmuskelnekrose mit Sehnenfadenabriß, Re-Infarkt, Herzinsuffizienz, DRESSLER-Syndrom (s.u.).
Prg.: Abhängig von Alter, Allgemeinzustand, Infarktgröße, Infarktlokalisation, Herzinsuffizienz, Komplikationen, Sekundärprophylaxe und Lebenstiländerung (Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel).
Subakuter Myokardinfarkt
Mikro: Fehlende Kardiomyozyten ersetzt durch lockeres Bindegewebsstroma, Siderophagen, eingestreute Lymphozyten.
Alter Myokardinfarkt
Makro: Fibrosiertes weißliches Areal mit Lipomatosis cordis.
Mikro: Bindegewebige Narben, Fibrozyten mit z.T. großen ovalen Zellkernen. Kompensatorische Hypertrophie der umgebenden Myozyten. EVG-Färbung: Herzmuskel grau-braun, Narbe rot-violett.
EKG: Negative Q-Zacke.
Endokarditis
Entzündung der Herzinnenwand und Herzklappen.
Infektiöse Endokarditis
infective Endocarditis
Ät.: Endothelschaden + Thrombozytenaggregate + Bakteriämie
RF.: Kardial: Implantate, Herzfehler (-> Jet-Läsionen), Z.n. rheumatischer Endokarditis, Klappenfehler u.a.m., systemisch: Diabetes mellitus, Alkoholabusus, Leberzirrhose, Immundefizite, Hypertonus.
Lok.: Meist sind die mechanisch stärker belasteten Klappen des linken Herzens betroffen
Endocarditis ulcero-polyposa
Ät.: Eindringen von Bakterien (Pilzen) in die Blutbahn
Erreger: Staphylococcus aureus, Streptokokken, Gonokokken, Enterokokken, Pilze
Mikro: Fibrin, Plättchen, Bakterienkolonien, Immunzellen
Makro: Große, rötliche, unregelmäßige, brüchige, ulzerierende, polypöse Vegetationen an den Klappen, Ausbreitungstendenz und Klappendestruktion, Splitterhämorrhagien an den Nägeln (septische Mikroembolien).
Kompl.: Sehnenfadenabriß, Klappeninsuffizienz, septische Embolie, z.B. in Herz, Niere und Gehirn (Metastatische Herdenzephalitis), mykotisches Aneurysma (metastatische Absiedelung -> Zerstörung der Gefäßwand -> Aussackung), Immunkomplexvaskultis (Niere: LÖHLEIN-Herdnephritis, Haut: OSLER-Knötchen).
Klinik: Fieber, kutane und konjunktivale petechiale Blutungen, Janeway-Läsionen (palmare/plantare indolente makulöse Hautläsionen), schmerzhafte OSLER-Knötchen palmar/plantar oder an den Fingerkuppen. Mikroembolien an den Akren oder auch subungual (Splitterhämorrhagien). Pathologisches Herzgeräusch (nicht selten das erste Symptom!). Im Verlauf Symptome durch Klappeninsuffizienz, Sehnenfadenabriß, septische Komplikationen.
Prg.: Abh. von der Größe der Vegetationen und dem Erreger (Streptokokken günstiger, Enterokokken ungünstiger, Staphylokokken noch ungünstiger).
Endocarditis lenta
Erreger: Streptococcus viridans-Gruppe (Zahnschäden, Parodontitis!), Enterokokken, Cardiobacterium hominis
RF: Ansiedelung auf vorgeschädigten Herzklappen
Verlauf: oft subklinisch, da Erreger weniger virulent
Morph.: ähnlich der akuten Form
Isolierte Rechtsherzendokarditis
Ät.: Häufig bei i.v.-Drogenabusus
Nicht-infektiöse Endokarditis
non-infective Endocarditis
Endocarditis verrucosa simplex
non-bacterial thrombotic endocarditis
Syn.: Nicht-bakterielle thrombotische Endocarditis (NBTE), Endocarditis marantica
Ät.: Chronische, aufzehrende Erkrankungen, Hyperkoagulabilität, DIC, Schock, paraneoplastisch.
Makro: kleine (meist < 5 mm), rosa, wärzchenförmige Vegetationen an den Schließungsrändern der Aorten- und Mitralklappe.
Endocarditis verrucosa rheumatica
Ät.: Rheumatisches Fieber nach Infekt mit ß-hämolysierenden Streptokokken (Angina tonsillaris, Impetigo)
Makro: 1 - 3 mm kleine, entlang des Klappenschließungsrandes fest haftende Wärzchen, ASCHOFF-Knötchen, immer Pankarditis (siehe auch unter rheumatische Myokarditis).
Kompl.: Klappenvitium, z.B. Mitralklappeninsuffizienz
Endokarditis LIBMANN-SACKS
Libman-Sacks endocarditis
Ät.: Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
Makro: Flache, blasse, spreitende Vegetationen auf Klappen, Endokard und Chordae tendineae.
Infektiöse Myokarditis
Bakterielle Myokarditis
Mikro: Zentral Bakterienkolonien in der Kapillare umsäumt von Immunozyten.
Makro: Kleine, gelbe, punktförmige Mikroabszesse.
Virale Myokarditis
Ät.: Coxsackie-, ECHO-, Adenoviren, Influenzaviren
Pathogenese: Herzmuskelnekrose durch Virus und T-Zell-vermittelte Immunreaktion.
Mikro: Interstitielles lymphozytäres Infiltrat (kleine blaue Zellen), kaum Nekrosen.
Parasitäre Myokarditis
Ät.: Trypanosoma cruzi (Protozoon, CHAGAS-Krankheit)
Begleitmyokarditis
2-3 Wochen nach Infektion (Tonsillitis, Tbc, Diphterie), der betreffende Erreger ist nicht nachweisbar.
Immunpathologische Myokarditiden
Rheumatische Myokarditis
Ät.: Rheumatisches Fieber, infektallergisch, i.R. systemischer Viruserkrankungen.
Mikro: Granulomatöse Entzündung, ASCHOFF-Knötchen perivasal mit:
- Entzündungszellen
- ANITSCHKOW-Zellen: Zellen mit klarem Zytoplasma und einem Zellkern, der eine ovoide bis stäbchenförmige Chromatinverdichtung aufweist („Raupenzellen“).
- ASCHOFF-Riesenzellen: Große, ein- oder mehrkernige Zellen mit prominenten Nukleolen).
DRESSLER-Myokarditis
Syn.: Postmyokardinfarkt-Syndrom
Ät.: Wahrscheinlich Autoimmunreaktion durch Freisetzung von Antigen.
Klinik: Tage bis Wochen nach Infarkt Fieber, Brustschmerzen, abakterielle Myokarditis, Perikarditis und Pleuritis.
SF: Post-Kardiotomie-Syndrom
Perikarderguss
Def.: Flüssigkeitsansammlung im Perikard.
Ät.: Hypothyreose, Entzündungen (Perikarditis, s.u.)
Klinik: Durch diastolische Füllungsstörung Rückwärtsversagen (Knöchelödeme, gestaute Halsvenen, evtl. Hepatosplenomegalie) und Vorwärtsversagen (Blutdruckabfall) und reflektorischer Tachykardie. Leise Herztöne, im EKG periphere Niedervoltage bei elektrischem Alternans (wechselnde Höhe und Breite der QRS-Komplexe).
Perikardtamponade
Ät.: Einblutung (transmuraler Herzinfarkt, perforiertes Herzwandaneurysma, Aortendissektion Typ A), großer Perikarderguss.
Makro: Das Perikard ist mit Blut (Hämoperikardium) oder großen Ergussmengen gefüllt.
Klinik: Pulsus paradoxus (Inspiratorischer Abfall der Blutdruckamplitude um mehr als 10 mmHg), Herzversagen im obstruktiven Schock.
Perikarditis
pericarditis
Entzündung des Herzbeutels (Perikard).
Ät.:
- Exogen: Thoraxtrauma, Bestrahlung
- Metabolisch-toxisch: Urämie
- Infektiös: Viren (Cocksackie-Viren), Bakterien (Mykobakterien)
- Immunpathologisch: Rheumatische Erkrankungen (z.B. SLE, rheumatisches Fieber), DRESSLER-Syndrom nach Herzinfarkt, Postkardiotomie-Syndrom
- Tumor: Perikard-Metastasen (selten)
Pg.:
- Entzündung -> Retrosternale Schmerzen, Fieber, SIRS
- -> Erguss
- -> Behinderte Diastole -> Myokardischämie -> Herzinsuffizienz, Atrophie
- -> Diastolische Füllungsstörung -> Gestaute Halsvenen, Knöchelödeme, Hepatosplenomegalie/Stauungsleber, Aszites
- -> Verringertes HZV -> Leistungsminderung, Tachykardie, Hypotonie, Atemnot
- -> Erguss
Perikarditis sicca / Fibrinöse Perikarditis
fibrinous pericarditis
Ät.: Urämie, Myokardinfarkt, akute rheumatische Karditis
Mikro: Fibrin, Entzündung
Makro: Fibrinstränge von Epi- zu Perikard, Epikard rauh und trüb, bread-and-butter-Phänomen, kaum Erguss.
Klinik: Schmerzen, Perikard-Reiben
Seröse Perikarditis
serous pericarditis
Ät.: Häufig infektiös
Mikro: Kaum Entzündung, kein Fibrin, wenige Immunzellen
Makro: Seröses Exsudat, Perikarderguss
Klinik: Herzinsuffizienz-Zeichen (s.o.), leise Herztöne, im EKG evtl. ubiquitäre ST-Hebungen, Niedervoltage).
Purulente Perikarditis
purulent pericarditis
Ät.: Bakteriell
Mikro: Massenhaft Granulozyten, ggf. Bakterien
Makro: Eitrige, gelbliche Flüssigkeit im Perikard
Klinik: Schwere Allgemeinerkrankung
Hämorrhagische Perikarditis
hemorrhagic pericarditis
Perikarditis mit Einblutung.
Perikarditis calcarea / konstriktiva
Syn.: Panzerherz
Ät.: Chronische Perikarditis z.B. bei Tuberkulose
Makro: Verwachsungen, Verkalkungen, Myokard-Atrophie
Klinik: Perikard-Reiben, Herzinsuffizienz
Myokard-Hypertrophie
Zunahme der Herzmuskelmasse durch Zunahme der Zellgröße und der kontraktilen Elemente. Das kritische Herzgewicht beträgt abhängig von der Koronarreserve etwa 500 g.
Mikro: Verdickte Herzmuskelfasern mit Kaliberschwankung, hyperchromatische wechselnd große Zellkerne, Fibrose (EvG).
Konzentrische Myokardhypertrophie
Hypertrophie mit konstant bleibendem Herzinnenvolumen.
Ät.: Druckbelastung z.B. links durch Aortenklappenstenose oder arterielle Hypertonie und rechts z.B. durch eine pulmonale Hypertonie bei COPD oder eine Pulmonalklappenstenose.
Makro: Das Myokard ist verdickt (links: normal 8-11 mm, rechts: < 4 mm, gemessen 1 cm unterhalb der Klappenebene), das Volumen vermindert, im Querschnitt ähnelt das Herz einem gotischen Bogen.
Kompl.:
- Erreichen des kritischen Herzgewichts -> Ischämie des Herzmuskels.
- Übergang in die exzentrische Hypertrophie bei Überschreiten der Kompensationsmechanismen (siehe Frank-Starling-Mechanismus, Young-Laplace-Gleichung).
Exzentrische Myokardhypertrophie
Muskelhypertrophie mit Zunahme des Herzinnenvolumens.
Ät.: Volumenbelastung, z.B. links durch Aorten- oder Mitralklappeninsuffizienz. Oder sekundäre Dilatation bei konzentrischer Hypertrophie z.B. nach langjährigem arteriellen Hypertonus.
Makro: Erhöhtes Herzgewicht, das Myokard ist gering bis mäßig verdickt, der meist linke Ventrikel ist dilatiert, das Herz ist globoid abgerundet und ähnelt einem romanischen Bogen, erhöhter Querdurchmesser. Die Konsistenz ist weich und gummiartig.
Kompl.: Gefügedilatation -> Relative Mitralklappeninsuffizienz -> Vorhofdilatation -> Vorhofflimmern -> Ausfall der Vorhofkontraktion als Mechanismus der Ventrikelfüllung mit Abfall der Pumpfunktion um ca. 20% -> Herzinsuffizienz.
Cor pulmonale, chronisch
Hypertrophie des rechten Herzens
Ät.:
- Hyperkinetisch: kardialer Links-Rechts-Shunt -> Volumenbelastung des rechten Herzens
- Präkapillär-vasooklusiv: bei morphologischer oder funktioneller Verkleinerung der Lungenstrombahn: Lungenfibrose, COPD (Euler-Liljestrand-Reflex), primäre pulmonale Hypertonie, rezidivierende Lungenembolien u.a.m. -> Druckbelastung des rechten Herzens.
- Passiv postkapillär: Mitralstenose, chronische Linksherzinsuffizienz -> Druckbelastung des rechten Herzens und Lungenstauung.
Makro: Die Wand des rechten Ventrikels ist verdickt (normal sind 2-4 mm Wandicke 1 cm unterhalb der Klappenebene).
Kardiomyopathien
Primäre Kardiomyopathien
Herzmuskelerkrankungen, die nicht durch mechanische Überlastung, Myokarditis oder KHK verursacht sind bzw. deren Ursachen nicht bekannt sind. Ausgeschlossen werden müssen: KHK, mechanische Herzbelastung (z.B. Aorteklappenstenose, Mitralklappeninsuffizienz), arterielle Hypertonie und Myokarditis.
Formen der Kardiomyopathie:
- Dilatative (congestive) Kardiomyopathie DCM dilated cardiomyopathy
- Hypertrophische Kardiomyopathie hypertrophic cardiomyopathy
- Obstruktive Form (HOCM) - z.T. familiär (autosomal-dominant) mit Risiko des plötzlichen Herztodes. Das hypertrophierte Kammerseptum formt einen Muskelwulst, der in der Systole den aortalen Ausflußtrakt verengt.
- Nicht-obstruktive Form (HNCM)
- Restriktive Kardiomyopathie (RCM) restrictive cardiomyopathy
- Arrythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVCM)
Sekundäre Kardiomyopathie
Herzmuskelerkrankungen mit bekannter Ursache, aber nicht durch mechanische Überlastung, Myokarditis oder KHK verursacht.
Ät.:
- Alkohol
- Medikamente, z.B. Chemotherapeutika wie Anthrazykline (Doxorubicin, Daunorubicin).
- Toxine, z.B. toxinbedingte Fernwirkung bei Diphtherie
- Stoffwechselerkrankungen, z.B.
- Amyloidose
- Hämochromatose
- Glycogenosen
- Andere Speicherkrankheiten
Tumoren des Herzens
Ep.: Selten.
Rhabdomyom
rhabdomyoma
Primärer Herztumor, selten, gehäuft bei Tuberöser Hirnsklerose.
Makro: Große, solide Tumormasse mit blasser Schnittfläche.
Atriales Myxom
atrial myxoma
Häufigster primärer Herztumor, benigne.
Makro: Glatter bis gelatinöser, ballförmiger oder polypöser Tumor. Haftet an der Herzinnenwand des Atrium, seltener des Ventrikels oder an einer Klappe.
Mikro: Leeres, sehr zellarmes, myxoides Stroma mit spindeligen Zellen.
Kompl.: Embolisation, Obstruktion.
Metastasen
metastases
Ep.: Metastasen am Herzen sind eher selten. Häufiger findet man sie beim malignen Melanom.
Makro: Blasse, weißliche (bei Melanommetastasen auch dunkle) Knoten.
Gefäße
Chronische arterielle Hypertonie
Syn.: Bluthochdruck
Ät. und Pg.:
- Essentieller Hypertonus - > 90 %. Unklare Ursache. Möglicherweise beteiligt: Altersbedingter Elastizitätsverlust der Gefäße, Abnahme der Sensibilität der Barorezeptoren. RF: Alter, Übergewicht, Bewegungsarmut, salzreiche Ernährung.
- Sekundärer Hypertonus
- Nierenerkrankungen: Akute Glomerulonephritis, Nierenarterienstenose
- Hormonelle Störungen: CUSHING-Syndrom, CONN-Syndrom Phäochromozytom, Akromegalie
- Aortenisthmusstenose
- Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
Folgen:
- Atherosklerose
- Arteriolosklerose der Nieren -> Rote Granularatrophie (granulierte Nierenoberfläche)
- Hypertensive Herzkrankheit
- Erweiterung und kinking der großen Gefäße
- Fundus hypertonicus
Klinik: Oft asymptomatisch, evtl. Kopfschmerzen, Epistaxis, Schlafstörungen.
Schock
Der Schock ist Ausdruck einer Systemerkrankung und definiert als ein Missverhältnis zwischen 02-Bedarf und 02-Angebot an die peripheren Gewebe.
Schockformen:
- Kardiogener Schock - Ursachen: Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, hypertensive Krise.
- Hypovolämischer Schock (Absoluter Blutvolumenmangel)
- Flüssigkeitsverluste - Ät.: Hitzekollaps, Verbrennungen, Diarrhoe und Erbrechen, Flüssigkeitsshift in den Extravasalraum (Sepsis, Anaphylaxie).
- Blutverluste - Ät.: Trauma, GI-Blutung, hämorrhagische Diathese, Cumarin-Therapie u.a.m.
- Distributiver Schock (Relativer Blutvolumenmangel durch Vasodilatation)
- Septischer Schock (Sepsis)- Ät.: Meist beim Zerfall gram-negativer Bakterien durch Freisetzung von Endotoxinen (Lipopolysachharide u.a.).
- Anaphylaktischer Schock - Ät.: Meist Typ I-Reaktion n. COOMBS und GELL (Sofort-Typ).
- Neurogener Schock - Ät.: Psychisch, Verletzungen, neurologische Erkrankungen, Vergiftungen
- Spinaler Schock - SF des neurogenen Schocks bei Querschnittslähmung
- Obstruktiver Schock - Störung der Blutzirkulation durch Verschluss von Innen oder Kompression von Außen. Ät.: Perikardtamponade, Perikarderguss, Lungenembolie, Spannungspneumothorax, Vena-cava-Kompressionssyndrom, Thrombose.
Schockorgane:
- Lunge -> Schocklunge
- Niere -> Schockniere
- Leber -> Schockleber
- Darm -> Schockdarm
Klinik: Symptome der Grunderkrankung, Tachykardie, arterielle Hypotonie, Kaltschweißigkeit oder Überwärmung (bei Sepsis), Multiorganversagen, Kreislaufversagen.
Anatomische Varianten
Arteria lusoria
Etym.: lusorius (lat.): Spiel...
Makro: Die A. subclavia dextra geht hier nicht vom Truncus brachiocephalicus sondern von der Aorta descendens ab und verläuft hinter, seltener vorm Ösophagus nach rechts.
Klinik: Evtl. Dysphagie, retrosternale Beschwerden.
BLAND-WHITE-GARLAND-Syndrom
Makro: Abgang der A. coronaria sinistra aus dem Truncus pulmonalis statt aus dem Bulbus aortae.
Kompl.: Ischämisch-hypoxische Myokardschädigung.
Fehlbildungen
Arteriovenöse Malformation (AV-Malformation)
Fibromuskuläre Dysplasie (FMD)
Ep.: Bevorzugt jüngere Frauen
Ät.: unklar
Mikro: Vermehrung von Bindegewebe und glatten Muskelzellen in der Arterienwandung -> Lumeneinengung, Dissektion.
Klinik: Renaler Hypertonus, Schlaganfall.
Degenerative Gefäßerkrankungen
Atherosklerose (Arteriosklerose)
atherosclerosis
Ät.: Alterungsprozess, Sauerstoffradikale, arterielle Hypertonie, Dyslipoproteinämie, Rauchen, Diabetes mellitus, Hyperfibrinogenämie, (Hyperhomocysteinämie) u.a.m.
Makro: Im Frühstadium fatty streaks (Lipidplaques aus Schaumzellaggregaten) und Verdickung der Intima, später Verkalkungen, Ulzeration, Thrombosierung.
Mikro: Intimafibrose durch Aktivierung von faserbildenden Myofibroblasten, Einlagerung von Fetten und Aggregation von Schaumzellen (lipidbeladene Makrophagen). Zunehmend Quellungsnekrosen in der Media mit Fragmentierung der elastischen Fasern, Verkalkungen, Ablagerung von Detritus und Bildung von spindelförmigen optisch leeren Cholesterinlücken durch Freisetzung des oxidierten Cholesterins aus zerfallenden Makrophagen (Fette werden bei der histologischen Aufarbeitung ausgewaschen, daher optisch leer). Zunahme der Wanddicke mit Verkleinerung des Innenlumens (Stenose).
Klinisch relevante Unterscheidung:
- Stabiler Plaque - Intakte Intima
- Instabiler Plaque - Aufgebrochene Intima oder Einblutung in den Plaque mit Rupturgefahr -> Kollagenexposition führt zur Thrombozytenaggregation und Aktivierung der Gerinnungskaskade -> Thrombusbildung -> Lokaler Gefäßverschluss oder Abschwemmung und Embolisation -> Infarkt.
Typische Organmanifestationen:
- Koronare Herzkrankheit (KHK) - Klinik: Angina pectoris, akuter Myokardinfarkt (AMI).
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) - Klinik: Claudicatio intermittens („Schaufensterkrankheit“), Ulcus cruris arteriosum. Klinische Stadieneinteilung nach FONTAINE-RATSCHOW: 1) Keine Symptome, 2) Ischämiesschmerz bei Gehstrecke a) > 200 m, b) < 200 m, 3) Ruheschmerz, 4) Nekrosen.
- Zerebrale Mikroangiopathie oder Stenosen der hinversorgenden Arterien - Klinik: TIA, RIND, PRIND, apoplektischer Insult, SAE, vaskuläre Demenz.
- Carotisstenose - Klinik: Asymptomatisch oder Symptome einer zerebralen Minderperfusion, Emboliequelle.
- Proximale Subclaviastenose - Klinik: Subclavian-Steal-Phänomen (Versorgung des gleichseitigen Armes retrograd über die gleichseitige A. vertebralis durch Flußumkehr aus dem Hirnkreislauf, letzlich also Versorgung über die kontralaterale Vertebralarterie). Symptome: Schwindel und Armparästhesien (DD: AMI) bei Armbelastung und Überkopfarbeiten.
- Nierenarterienstenose - Klinik: Sekundärer arterieller Hypertonus.
- A. mesenterica superior/inferior - Klinik: Angina intestinalis (postprandialer Bauchschmerz), ischämische Colitis, akuter Mesenterialinfarkt (3 Phasen: 1. Bauchschmerzen, verminderte Darmgeräusche, peranaler Blutabgang, metabolische Azidose mit Lactat-Erhöhung. 2. schmerzarme Latenzphase („fauler Frieden“). 3. Durchwanderungsperitonitis.)
Arteriosklerose Typ MÖNCKEBERG
Monckeberg's medial calcific sclerosis
Ät.: Diabetes mellitus
Mikro: Isolierte Verkalkung der Media v.a. muskulärer Arterien, Kalkspangen („Gänsegurgelarterien“), das Endothel bleibt intakt!
Makro: „Stehende Aorta“
Mucoide Mediadegeneration ERDHEIM-GSELL
Syn.: Zystische Medianekrose (irreführend, da weder echte Zysten noch Nekrosen zu finden sind!)
Ät.: MARFAN-Syndrom, erworben
Mikro: Degeneration der Media elastischer Arterien mit Rarifizierung und Fragmentierung elastischer Fasern (EvG) und Bildung von Pseudozysten mit mucoidem Material (Alcian Blau).
Kompl.: Aortendissektion
Varikosis
Primäre Varikosis
Syn.: Krampfadern
Ät./RF: Bindegewebsschwäche, Klappendefekte, langes Stehen, Adipositas, Schwangerschaft.
Path.: Degeneration und Aussackung der epifaszialen oberflächlichen Venen.
Makro: Die Venen sind dilatiert und geschlängelt.
Formen:
- Stammvarikose - V. saphena magna, V. saphena parva
- Seitenastvarikose - Z.B. V. accessoria lateralis
- Perforantenvarikose - DODD, BOYD, COCKETT,...
- Retikulär- und Besenreiservarikose
Klinik: Schweregefühl, Ödeme bes. abends, dumpfe Schmerzen, Wadenkrämpfe, Zeichen der chronisch venösen Insuffizienz.
Kompl.: Thrombose, Ulcera crurum venosum bei chronisch venöser Insuffizienz.
Sekundäre Varicosis
Degeneration epifaszialer Venen im Rahmen eines posthrombotischen Syndroms.
Aneurysma
Aneurysmen sind Aussackungen arterieller Gefäße (die Gefäßerweiterungen bei venösen Gefäßen heißen Ektasien).
Aneurysma verum
Morph.: Es sind alle Wandschichten betroffen, die Aussackung kann fusiforme (spindelförmig) oder sacciforme (sackförmig) sein.
Beispiele:
- Herzwandaneurysma durch Aussackung einer Infarktnarbe - Kompl.: Ruptur, Embolie.
- Aortenaneurysma - Kompl.: Ruptur, Thrombosierung mit Verschluss der Aortenbifurkation (LERICHE-Syndrom) oder Embolisation, Harnleiterstauung, aorto-duodenale Fistel.
- Hirnbasisaneurysma - Kompl.: Subarachnoidalblutung
Aneurysma spurium
Syn.: Falsches Aneurysma
Durch Verletzung einer Arterie bildet sich paravasal ein Hämatom, das organisiert wird und einen Hohlraum formt, der schließlich mit Endothel ausgekleidet wird. Vorkommen z.B. nach arteriellen Punktionen.
Akute Aortendissektion
Syn.: Aneurysma dissecans (nicht ganz treffend)
Ät.: Atherosklerose, MARFAN-Syndrom, EHLERS-DANLOS-Syndrom, mucoide Mediadegeneration ERDHEIM-GSELL oder Mesaortitis syphilitica bei der Lues.
Lok: Meist als (thorakale) Aortendissektion
Morph.: Endothelriss (entry) mit Ausbildung eines zweiten Lumens zwischen Endothel und Media oder Media und Adventitia. Evtl. findet das falsche Lumen durch einen zweiten Riß (re-entry) wieder einen Anschluß an das Gefäßlumen.
Einteilung nach STANFORD:
- Typ A: Lokalisation des entry an der Aorta ascendens
- Typ B: Lokalisation des entry am Aortenbogen oder Aorta descendens
Klinik: Schlagartig beginnendes thorakales Schmerzereignis, „messerstichartig“
Kompl: Koronarkompression, Perikardtamponade, Hämatothorax, Verblutung.
Prg.: Hohe Letalität (30 - 40 % in den ersten 24 Stunden, mehr als 1 % pro Stunde, weitere 30 - 40 % versterben in den folgenden Tagen und Wochen, Überleben: 10 - 20 %)! Wegen der Seltenheit im Vergleich zu anderen häufigen Differentialdiagnosen (instabile Angina pectoris, BWS-Syndrom) häufig Therapieverzögerung. Einfache Diagnose: CT.
Thrombose
Intravitale Blutgerinnung in einem Gefäß oder einer Herzhöhle.
Lokalisation:
- Venöse Thrombusbildung, z.B. tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
- Kardiale Thrombusbildung, z.B. im linken Herzohr bei Vorhofflimmern (Hämostase)
- Arterielle Thrombusbildung, z.B. in einem Bauchaortenaneurysma (Endotheldefekt, Hämostase) oder in einem Coronargefäß bei Plaqueruptur
Ät.: VIRCHOW-Trias:
- Gestörte Hämodynamik (z.B. bei Varikosis, Immobilisation (Muskelpumpe!), Vorhofflimmern, in Aneurysmata)
- Endothelalteration (z.B. bei Atherosklerose, Verletzungen)
- Gerinnungsstörungen (z.B. Hyperkoagulabilität z.B. postoperativ)
Morphologisch-pathogenetische Varianten:
- Abscheidungsthromben entstehen nur bei Restzirkulation. Morph.: Geriffelt-geschichteter grauer Thrombus (grau-rot) durch abwechselnde Anlagerung von Thrombozyten (grau) und Fibrinnetze mit Erythrozyten (rot). Vorkommen eher bei arteriellen Thrombosen. Höhere Wandhaftung.
- Gerinnungsthromben entstehen bei Sistieren des Blutflusses (geronnene Blutsäule) z.B. bei abruptem Gefäßverschluss oder hämostatisch bedingten venösen Thrombosen. Geringere Wandhaftung, höheres Embolierisiko. Morph.: Roter Thrombus (dunkelrot).
Verlauf bei Überleben:
- Entzündliche Reaktion: Einwanderung von Leukozyten (Neutrophile, Makrophagen)
- Organisation: Bildung von Granulationsgewebe, d.h. Einsprossung von Myofibroblasten und Angioblasten.
- Rekanalisation
Venenthrombosen
Ep.: Inzidenz der tiefen Venenthrombose (TVT): 2-3/1.000/a, dritthäufigste, akute kardiovaskuläre Erkrankung nach Herzinfarkt und Schlaganfall.
RF.: Hüft-, Becken-, Beinfrakturen, Hüft-, Knieersatz, größere chirurgische Eingriffe, größerere Traumata, Rückenmarksverletzungen, Arthroskopie, Malignome, pulmonale oder kardiale Einflussstauung, Hormonersatztherapie (HRT), orale Kontrazeptiva, Paresen nach Schlaganfall, Postpartalperiode, Z.n. nach Thombembolie, Thrombophilie (Bsp.: Faktor-V-Leiden-Mutation, AT III-Mangel, Protein C- oder S-Mangel, APC-Resistenz, Hyperhomocysteinämie, Antiphospholipid-Antikörper, persistierende Faktor-V-Erhöhung), Immobilisierung, Alter, Laparoskopie, Adipositas, prä partum, Varikosis, Rauchen.
Formen:
- Thrombophlebitis - Entzündung und Thrombose oberflächlicher Venen.
- Phlebothrombose - Tiefe Venenthrombose (TVT), meist in den Bein- oder Beckenvenen.
- Phlegmasia caerulea dolens - Plötzlicher Verschluss aller Venen einer Extremität mit nachfolgendem Verschluss des arteriellen Gefäßquerschnitts aufgrund des gesteigerten Flüssigkeitsdrucks im Bein.
SF:
- Sinusvenenthrombose (SVT) - Ät.: Eitrige HNO-Infekte, Hyperkoagulabilität, Schwangerschaft. Klinik: Kopfschmerzen, neurologisch-psychiatrische Störungen, faziale Stauungszeichen, Hirndruckzeichen.
- PAGET-VON-SCHROETTER-Syndrom - Vena axillaris- oder subclavia-Thrombose. Ät.: Armbelastung (Überkopfarbeiten, ruckartige Bewegungen) -> Endothelläsion -> lokale Thrombosierung.
- LEMIERRE-Syndrom - Thrombose der V. jugularis, assoziiert mit Fusobacterium necrophorum (HNO-Infekte, bes. Peritonsillarabszesse).
Pg.: Beginn meist an den Taschenklappen und appositionelles Thrombuswachstum nach unten (deszendierend) oder oben (aszendierend).
Klinik bei symptomatischer TVT: Ziehende Schmerzen im ganzen Bein, oft nachlassend in Horizontallage, ziehender muskelkaterartiger Schmerz in der Wade, Schweregefühl des Beins. Die Extremität ist ödematös geschwollen, warm, rot-livide verfärbt (Zyanose) und glänzend, oft Thrombophlebitis auf dem Fußrücken (PRATT-Warnvenen). Klinische Zeichen: Plantarschmerzen beim Auftreten (PAYR), Wadenschmerz bei Druck (LOWENBERG), Wadenschmerz bei Dorsalextension des Fußes (HOMAN), Schmerz entlang der tiefen Venen (MEYER), sichtbare dilatierte Kollateralvenen (PRATT).
Kompl.: Thrombusabriss und Embolisation in die Lunge (TVT) oder das Gehirn u.a. Organe (Vorhofthrombembolie oder bei gekreuzter TVT-Embolie), sekundär: Bindegewebiger Umbau mit Rekanalisation und Zerstörung der Venenklappen und folgendem postthrombotischen Syndrom (PTS, chronisch venöse Insuffizienz) mit Stauungsdermatitis und Ulcus cruris venosum.
Thrombophlebitis
Entzündung/Thrombosierung epifaszialer Venenabschnitte.
Ät.: Stase, Trauma, Thrombophilie, Paraneoplasie, idiopathisch, Vaskulitis, Kollagenose (Phlebitis saltans!), i.v. Injektionen, Venenkatheter, infektiös.
Klinik: Klassische Entzündungszeichen.
Infarkt
Def.: Zelluntergang (Nekrose) infolge einer Minderdurchblutung (Ischämie).
Ät.: Gefäßverschlüsse z.B. bei atherosklerotischer Plaquerruptur und Thrombosierung (Aktivierung der Gerinnungskaskade durch Kollagenexposition), Thrombembolie, Vasospasmus u.a..
Formen:
- Anämischer Infarkt (Infarkt ohne Einblutung) - Makro: blass, lehm-gelb
- Hämorrhagischer Infarkt (Infarkt mit Einblutung) - Makro: düsterrot
- Primär hämorrhagisch: Bei Organen mit doppelter Blutversorgung (Lunge, Leber) oder venösen Kollateralen (Darm)
- Sekundär hämorrhagisch: Bei Reperfusion z.B. unter Lysetherapie.
- Koagulationsnekrose - Vorkommen: Eiweißreiche fettarme Organe wie Herz, Niere u.a.
- Kolliquationsnekrose - Vorkommen: Fettreiche Organe wie z.B. Gehirn, sekundär infizierte Infarkte durch enzymatischen Verdau (lysosomale Enzyme der Entzündungszellen, Bakterientoxine) mit Einschmelzung.
Embolie
Hämatogene Verschleppung von Material in ein anderes Organ.
Arterielle Thrombembolie
Ursprung ist in 80 % der Fälle das linke Herz, in 20 % sind es Arterien.
Ät.:
- Bildung von Vorhofthromben bei chronischem Vorhofflimmern.
- Bildung wandständiger Thromben bei atherosklerotisch veränderter Gefäße z.B. der A. carotis oder Aorta abdominalis (BAA).
- Vorhof-Myxom (Tumorembolie).
Typische Manifestationen:
- Hirngefäße z.B. die A. cerebri media - Hirninfarkt
- A. mesenterica superior - Mesenterialinfarkt
- Aortenbifurkation - LERICHE-Syndrom (Impotenz, kalte und kraftlose Beine, Schmerzen im Gesäß, Schock).
- Beinarterien - Akuter Beinarterienverschluss (Klinik 6 P: pain, pulselessness, pallor, paresthesia, paralysis, prostration).
Venöse Thrombembolie
Ät.: Ablösung eines oder mehrere Thrombemboli bei einer Thrombose der tiefen Bein-, Becken- oder Halsvenen.
Formen der Embolie:
- Zentrale fulminante Lungenembolie durch Verlegung der Lungenstrombahn -> Akuter Druckanstieg im Lungenkreislauf -> Rechtsherzversagen
- Periphere Lungenembolien -> Können asymptomatisch sein. Nach bindegewebiger Organisation der Thromben verbleiben kleine Septen in den Lungenarterien.
- Paradoxe/gekreuzte Lungenembolie (der Thrombembolus gelangt über ein persistierendes Foramen ovale (PFO) in den Körperkreislauf).
Klinik: Plötzliche Luftnot, Tachypnoe, Tachykardie, obere Einflusstauung, Kollaps, Exitus letalis, BGA: pO2 und pCO2 vermindert.
Fettembolie
Ät.: Knochenbrüche, Polytrauma, schwere Weichteilverletzungen.
Pg.: Die Fettembolie endet tödlich, wenn mehr als 30 % der Lungenkapillaren verschlossen sind (zentrale Fettembolie). Z.T. passieren die Fetttröpfchen auch die Lunge und landen in Gehirn (Purpura cerebri), Herz, Niere u.a. Organen, wo sie Gefäße verstopfen und petechiale Blutungen hervorrufen.
Makro: Petechiale Blutungen an Haut und Bindehäuten, Purpura cerebri.
Klinik: Dyspnoe, Verwirrtheitszustände, im Röntgenbild fleckige Verschattungen.
Knochenmarksembolie
Ät.: Reanimation, Trauma, Frakturen/Ostosynthese.
Cholesterinembolie
Ät.: Z.B. Manipulation an atherosklerotisch veränderten Gefäßen.
Mikro: Obliteriertes Gefäß, Cholesterinlücken im embolisierten Material.
Tumorembolie
Hämatogene Streuung von Tumorzellen und Arrest in kleinen Gefäßen/Kapillaren.
Fremdkörperembolien
Ät.: i.v.-Drogenkonsum, Dialyse, Herzklappen
Bakterielle Embolie
Septikopyämie, Ausschwemmung bakterieller Mikrothromben
Fruchtwasserembolie
Eindringen von Fruchtwasser in eröffnete maternale venöse Gefäße bei starken Presswehen unter der Geburt.
Luftembolie
Venöse Luftembolie:
Ät.: Lufteintritt (> 30 ml) in die venöse Strombahn, z.B. über einen zentralen Venenkatheter, bei Operationen an den Lebervenen oder bei Beatmung Frühgeborener.
Pg.: Bildung von Blutschaum im Herzen mit Rechtsherzversagen.
Arterielle Luftembolie: Hier können schon wenige Milliliter tödlich sein (Gehirn).
Gasembolie
Syn.: CAISSON-Krankheit, Taucherkrankheit
Ät.: Schnelles Auftauchen führt zum äußeren Druckabfall und Aufschäumen des im Blut gelösten Stickstoffs (analog wie beim Öffnen einer Sprudelflasche) -> Gasembolie.
Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
Keine Krankheitsentität, sondern Syndrom bei verschiedenen venösen Grunderkrankungen.
Manifestationen abhängig vom Schweregrad:
- Corona phlebectatica paraplantaris, Phlebödem
- Siderose (Purpura jaune d'ocre), Stauungsdermatitis, Dermatolipo(fascio)sklerose, Atrophie blanche
- Ulcus cruris venosum (siehe im Kapitel Haut), arthrogenes Stauungssyndrom
Primäre Vaskulitiden
Vaskulitiden kleiner Gefäße (ANCA-assoziiert)
Morbus WEGENER
Siehe im Kapitel Obere Atemwege.
Autoantikörper: meist cANCA (Antigen: Proteinase 3).
Mikroskopische Polyarteriitis
Autoantikörper: meist pANCA (Antigen: z.B. Myeloperoxidase)
CHURG-STRAUSS-Syndrom
Autoantikörper: Eher pANCA (Antigen: z.B. Myeloperoxidase)
Mikro: Nekrotisierende eosinophile Vaskulitis der kleinen und mittelgroßen Gefäße mit ggf. Verschluss und Thrombosierung (-> Infarkte) und eosinophile Gewebsinfiltrationen in Herz (eosinophile Myokarditis), Lunge, GIT, Leber, Niere (eher milde), Nerven (Neuropathia multiplex, PNP) u.a. Organen.
Klinik: Phasenhafter Verlauf.
- Prodromalphase: Asthma bronchiale, allergische Rhinitis, Sinusitis, Blut-Eosinophilie.
- Vaskulitische Phase: Allgemeinsymptome, Organmanifestationen (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Neuropathie).
Labor: Anämie, Leukozytose, Eosinophilie, CRP-Anstieg.
Literatur:
- Della Rossa A, Baldini C, Tavoni A, et al.. “Churg-Strauss syndrome: clinical and serological features of 19 patients from a single Italian centre”. Rheumatology (Oxford), 41:1286–94, November 2002. PMID 12422002.
- Eustace JA, Nadasdy T, Choi M. “Disease of the month. The Churg Strauss Syndrome”. J. Am. Soc. Nephrol., 10:2048–55, September 1999. PMID 10477159.
Vaskulitiden kleiner Gefäße (Nicht-ANCA-assoziiert)
Purpura SCHOENLEIN-HENOCH
Syn.: Vasculitis allergica
Ät./Pg.: Typ III-Reaktion: Lösliche bakterielle, virale, Autoantigene oder Medikamente -> Bildung von zirkulierenden Immunkomplexen -> Ablagerung in Gefäßen -> Entzündungsreaktion (Immunkomplexvaskulitis).
Klinik: Akute Erkrankung mit Petechien (Streckseiten der Unterschenkel), palpable Purpura ohne Thrombozythämie, hämorrhagische Blasen, disseminierte konfluierende Nekrosen, Bauchschmerzen, blutige Stühle, Darminvagination, Polyarthritis, Häamturie.
Weblinks: DermIS - Vasculitis allergica
Vaskulitis bei essentieller Kryoglobulinämie
Kutane leukozytoklastische Angiitis
Vaskulitiden mittelgroßer Gefäße
Panarteriitis nodosa
Makro: Hauptsächlich die mittelgroßen Arterien sind betroffen. Es kommt zur Ausbildung perlschnurartig angeordneter kleiner Knötchen.
Mikro: Proliferation der Intima und fibrinoide Nekrose.
Klinik: Z.B. Mononeuritis multiplex, multiple Milzinfarkte (Fleckmilz).
D.: Muskelbiopsie
Weblink: DermIS - Panarteriitis nodosa
KAWASAKI-Syndrom
Syn.: Mukokutanes Lymphknoten-Syndrom
Ep: Überwiegend Kleinkinder
Pg.: Vaskulitis
Klinik: Hohes Antibiotika-resistentes Fieber über 5 Tage (ohne erkennbare Ursache), Hautveränderungen an den Extremitäten (Palmar-, Plantarerythem, halbmondförmige Schuppung der Fingerspitzen (nach 2-3 Wochen)) und am Stamm (polymorphes Exanthem) mit hochroten Lacklippen, Enanthem und Erdbeerzunge. Daneben können Konjunktivitis, eine zervikale Lymphadenopathie, eine gastrointestinale (Erbrechen, Enteritis, uncharakteristische Bauchschmerzen, Leberbeteiligung), eine kardiale (Myokarditis, Perikarditis, Koronaraneurysmen!) und eine neurologische Beteiligung (Meningismus) auftreten. Auch der Bewegungsapparat (Gelenkschwellungen, -schmerzen) und die Niere (Leukozyturie, Proteinurie) kann betroffen sein. LS: Fieber, geschwollene Lymphknoten, Lackzunge!
Vaskulitiden großer Gefäße
Arteriitis temporalis (HORTON-Riesenzellarteriitis) / Polymyalgia rheumatica
Erstmanifestation mit etwa 60 Jahren.
Makro: Schwellung der A. temporalis.
Mikro: Endothelproliferation, Zerstörung der Elastica interna, Auftreten mehrkerniger Riesenzellen.
Klinik: Schmerzhafte Schwellung der Temporalarterie, Schläfenkopfschmerz, Kauschmerzen, Sehstörungen bis hin zur Erblindung, Allgemeinsymptome, BSG-Beschleunigung und CRP-Erhöhung. Eine weitere Manifestation ist die Polymyalgia rheumatica mit Gliedergürtelschmerzen. Gute Ansprache auf Glukokortikoide (die Biopsie sollte vor der Behandlung erfolgen!).
Weblink: DermIS - Arteriitis temporalis
TAKAYASU-Riesenzellarteriitis
pulseless disease
Betrifft eher junge Frauen
Mikro: Unspezifische Entzündung der Media, Riesenzellen
Makro: Aorta oder Pulmonalarterie sind betroffen
Sonstige
Thrombangiitis obliterans
Syn.: Morbus WINIWARTER-BUERGER
Ep.: Junge männliche Raucher
Ät.: Disposition + Rauchen
Makro: Segmentaler Befall der mittleren und kleinen Extremitätengefäße (Arterien und Venen (Phlebitis migrans)), perivasale Entzündung.
Klinik: pAVK-Beschwerden, Ulzera, Nekrose.
AV-Shunt
Ät.:
- Operative Anlage, z.B. Hämodialyseshunt, Shunt zur venösen Blutflussbschleunigung nach tiefer Venenthrombose.
- Komplikation nach Gefäßverletzung, z.B. nach Angiographie.
Makro: Durch Druck- und Volumenbelastung Dilatation und Wandverdickung (Arterialisierung) der betroffenen Vene.
Klinik: Herzkreislaufbelastung (Dyspnoe) abhängig vom Shunt-Volumen, auskultatorisch systolisch-diastolisches Maschinengeräusch.
Kompl. beim Dialyse-Shunt: Thrombose, Verschluss, Infektion.
Tumoren
Hämangiom
Syn.: Blutschwamm
Benigne Gefäßfehlbildung
Formen:
- Kapilläres Hämangiom
- Kavernöses Hämangiom
- Trauben- bzw. beerenförmiges Hämangiom
- Sklerosierendes Hämangiom
- Haemangioma planotuberosum
Weblinks: DermIS - Hämangiom
Hämangiosarkom
Seltener maligner Gefäßtumor.
Ät.: Vinylchlorid, Thoriumdioxid (Thorotrast, ein altes Röntgenkonstrastmittel), Arsenik.
IHC: CD34 +, CD117 +
Mediastinum
Mediastinitis
Entzündung des Mittelfellraums.
Prg.: Ungünstig.
Mediastinalemphysem
Luftansammlung im Mittelfellraum.
Ät.: Z.B. Thoraxtrauma
Mediastinale Raumforderungen
| Lokalisation | Strukturen | Raumforderungen |
|---|---|---|
| Oberes Mediastinum | Thymus, große herznahe Gefäße, Trachea, Lymphknoten, Nerven (N. phrenicus, N. laryngeus recurrens, N. vagus), Ductus thoracicus, Ösophagus. |
|
| Unteres vorderes Mediastinum | Fettgewebe |
|
| Unteres mittleres Mediastinum | Herz mit Perikard | |
| Unteres hinteres Mediastinum | Große Gefäße (Aorta, V. cava inferior, V. azygos, V. hemiazygos), Ductus thoracicus, Ösophagus, Nervus vagus, Grenzstrang. |
|
Mediastinal-Tumoren
Thymom
Ursprung: Thymus
Assoziiert mit Myasthenia gravis.
Thymuskarzinom
Ursprung: Thymus
Maligne Lymphome
Ursprung: Lymphozytäres System
Näheres siehe Kapitel Lymphatisches System.
Teratom
Ursprung: Keimzellen
Siehe im Kapitel Hoden.
Paragangliom
Ursprung: Sympathische und parasympathische Ganglien.
Respiratorisches System
Obere Atemwege
Nase und NNH
Rhinitis
- Allergisch (Eosinophile)
- Saisonal
- Nicht-saisonal
- Nicht-allergisch (keine Eosinophile)
Sinusitis
- Akut < 1 Monat
- Subakut 1 bis 4 Monate
- Chronisch > 4 Monate
Inflammatorischer Polyp
Nasenausstrich: Eosinophile, Lymphozyten, Plasmazellen, lockeres wasserreiches Gewebe.
Juveniles Nasenrachenangiofibrom
Benigner Tumor des Nasenrachenraums
Ep.: Schulkinder, Jugendliche, junge Erwachsene
Lok.: Nasenrachenhinterwand
Makro: Bläulich livider Tumor, hart, kaum eindrückbar.
Mikro: Blutgefäßreich, fibromatös.
Klinik: Starkes spontanes Nasenbluten, eitrige Rhinitis, Schallleitungsschwerhörigkeit.
Metaplasie
Histologie:
- Nasenraum, Nasopharynx, obere 3/4 der Tonsilla pharyngea, Larynx - Zylinderflimmerepithel
- Mundhöhle, unterer Pol der Tonsilla pharyngea, Oro-, Hypopharynx, Stimmlippen - mehrschichtiges Plattenepithel
Plattenepithelmetaplasie:
Differenzierungsumschlag von Zylinderflimmerepithel zu mehrschichtigem Plattenepithel im Nasenraum als Reaktion auf versch. Noxen (zB. Zigarettenrauch), Entzündungszellen, Präkanzerose (Plattenepithelkarzinom).
Zwischenstufe Transitionalzellepithel = nicht malignes, proliferierendes Epithel (gibt es auch in der Harnblase)
Typen:
- Exophytisches Transitionalzell-Papillom
- Invertiertes Transitionalzell-Papillom (Abheben der Schleimhaut, Neutrophile zwischen den Transitionalzellen; 4 % der nasalen Neoplasien, Ät. HPV 11 ?, 40 - 60 Lj., Männer 3 - 5 x häufiger betroffen, unilateral, zelluläre Atypien, 30 - 40 % rezidivieren nach Exzision)
- Lokalisation: Laterale Nasenwand: In 10 - 15 % maligne Transformation zum Plattenepithelkarzinom
- Lokalisation: Septum (fungiformes Papillom): Keine Entartung
- Weitere Kompl.: Obstruktion, Blutung, rezidivierende Sinusitis
Nasopharynxkarzinom
Syn.: Lymphoepitheliom SCHMINCKE
Ep.: Gehäuft in Asien, assoziiert mit HHV-4 (EBV) (kausal od. sekundär?)
WHO-Einteilung:
| Typ | EBV-Status |
|---|---|
| 1) Plattenepithel-Ca | - |
| 2) Nichtverhornendendes Plattenepithel-Ca | + |
| 3) Undifferenziertes Ca | + |
Adenokarzinom der Nase oder NNH
RF.: In > 2/3 d. F. Exposition mit Holzstaub von Harthölzern (Buche, Eiche): „Signaltumor“!
Plattenepithelkarzinom der Nase oder NNH
RF.: Nickel, Zinkchromat.
Waldeyer Rachenring
Adenoide
Syn.: „Polypen“, Hyperplasie der Tonsilla pharyngea
Ep.: Kleinkindalter
Klinik: Rez. Mittelohrentzündungen, behinderte Nasenatmung (Naselaufen, Mundatmung), Schlafstörungen mit tagsüber Hyperaktivität und Schulversagen.
Tonsillitis
Entzündung der Tonsilla(e) palatina(e)
Ät.: Streptokokken, Viren (Adeno-, Parainfluenza-, Enteroviren, HSV, EBV).
Makro: Die Tonsillen sind vergrößert, gerötet, bei bakt. Tonsillitis finden sich Eiter-Stippchen.
Klinik: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, Stimmveränderungen, Fieber > 38,3 °C.
Kompl.: Poststreptokokken-Glomerulonephritis, Rheumatisches Fieber, Peritonsillarabszess, Pharyngitis, Dehydratation, Atemwegsobstruktion (kissing tonsills).
Formen:
- Reaktive follikuläre Hyperplasie - Minimalvariante der Tonsillitis (starke Vergrößerung -> „kissing tonsills“)
- Kryptentonsillitis - Detritus, Neutrophile in den Krypten
- Peritonsillitis/Peritonsillarabszess (QUINSY) - Auf umliegendes Gewebe übergreifende Tonsillitis, asymmetrisch (eine Seite stärker betroffen), häufigste Lokalisation: Vorderer oberer Gamenbogen, Symptome: Schmerzen mit Ausstrahlung ins Ohr, Fieber, Speichelfluß, Sprechsstörungen, Rötung und Schwellung des peritonsillären Gewebes, Tonsille nach unten medial disloziert, Uvula zeigt vom Herd weg, Sprachstörungen („heiße Kartoffel im Mund“), Kryptendebris. DD: Malignom! I.d.R. kein Fieber, keine Rötung.
Lymphome der Tonsillen
Ep.: 9 - 15 % der tonsillären Malignome, Alters- und Geschlechterverteilung abh. v. Subtyp.
Klinik: einseitige schmerzlose Lymphknotenvergrößerung/Lymphadenopathie
Ordnungsschema, in das sich alle Lymphome (z.T. schon am HE-Schnitt) mehr oder weniger einordnen lassen:
- Morbus HODGKIN (Ursprung: B-Zelle)
- Lymphozytenreich (wenige REED-STERNBERG-Zellen)
- Lymphozytenarm (viele REED-STERNBERG-Zellen)
- Nodulär sklerosierend
- Mischtyp
- NHL a) Einteilung nach Histologie in
- Follikuläres Lymphom - Zentroblastisch/zentrozytisch, Features: Pseudofollikel, keine Sternhimmelzellen, DD: Reaktive follikuläre Hyperplasie (echte Follikel, Sternhimmelzellen)
- Diffuses Lymphom - Viele Typen, Differenzierung erfordert immunhistochemische Färbemethoden
- NHL b) Einteilung nach T-/B-/0-Marker:
| Dignität | Niedrigmaligne | Intermediär | Hochmaligne |
|---|---|---|---|
| B-Zelle | Kleine, blaue Zellen | Beide | Große, helle Zellen |
| T-Zelle | Kleine, blaue Zellen | Beide | Große, helle Zellen |
| 0-Zelle | Kleine, blaue Zellen | Beide | Große, helle Zellen |
Merkhilfe: Follikel bestehen aus einem zentralen proliferationsfreudigen Keimzentrum (große, helle Zellen), das von kleinen, blauen, ausgereiften Zellen umsäumt wird.
Klinischer Hinweis: Bei einem intermediären NHL kann eine Chemotherapie einen Zelltyp vollständig eradizieren, so dass vor und nach der Behandlung u. U. unterschiedliche pathologische Diagnosen gestellt werden.
Siehe auch den Abschnitt Maligne Lymphome.
Plattenepithelkarzinom der Tonsille
Merkhilfe: Tonsilläre 7!
Ep.: 50-70 Lj., m:w = 4:1 bis 3:1, 70-90 % der Tonsillenmalignome sind Plattenepithel-Ca.
Ät.: Rauchen, Alkohol, HPV
Kompl.: Halslymphknotenmetastasen in 60-70 % (15 % bds.), Fernmetastasen 7 %
Mandibuläre Aplasie
Ät.: Entwicklungsstörung im Bereich des 1. Kiemenbogens mit komplexen Fehlbildungen.
Ep.: 1:70.000
Prg.: Nicht mit dem Leben vereinbar.
Larynx
Histologie des Larynx: Stimmbänder: Plattenepithel, Rest: Zylinderflimmerepithel
Sängerknötchen
Makro: Bds. symmetrische kleine Knötchen typischerweise am Übergang vom mittleren zum hinteren Drittel der Stimmbänder, „Sanduhrglottis“.
Mikro: Plattenepithel, darunter fibrinoide Masse
Papillom
Ät.: HPV
Mikro: Echte Papillen, d.h. von Epithel umkleidete, gefäßtragende Bindegewebsstiele.
Larynxkarzinom
Ep.: 4-8/100.000 Neuerkrankungen pro Jahr, m:w = 5:1
Ät.: Tabak, Alkohol, Asbest (Tabakrauch wirkt multiplikativ!), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) wie Benzo(a)Pyren, GERD, HPV, Malnutrition, Immundefizienz
Lok.: 20 % supraglottisch, 70 % glottisch, 10 % subglottisch
Histologie: Fast immer Plattenepithelkarzinom
Klinik: Heiserkeit, Räusperzwang, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Fremdkörpergefühl im Hals, Regurgitation, Schluckbeschwerden, Atemstörungen, lautes Atemgeräusch, Mundgeruch, Gewichtsverlust.
WEGENER Granulomatose
Ep.: 1:30.000
Ät.: Unbekannt, systemischer autoimmunologischer Prozess. RF: Besiedelung der Nasenschleimhäute mit Staphylococcus aureus. Meist Nachweis von cANCA (zytoplasmatische Anti-Neutrophilen-Zytoplasma-Antikörper).
Pathogenese: Granulombildung und nekrotisierende Vaskulitis, Trias:
- Nekrotisierende, granulomatöse vaskulitische Entzündung des Respirationstraktes
- Pauci-Immun-Glomerulonephritis (Immunkomplex-negativ) in Form der rapid-progredienten Glomerulonephritis (RPGN)
- Generalisierte nekrotisierende Vaskulitis
Lok.: Respirationstrakt (Nase, Sinus, Trachea, Lungen), Niere, Milz, Ohr, Auge, Herz, Haut u.a., dementsprechend vielfältig sind die Symptome.
Mikro Lunge: Geografische Nekrosen, die von Histiozyten pallisadenartig umsäumt werden. Große Knoten mit granulomatöser Entzündung, reaktive Fibrose, Riesenzellen, Vaskulitis -> Einblutungen.
Klinik sehr variabel: Erschwerte Nasenatmung, Sinusitis paranasalis, Nasenbluten, -ausfluß, Sattelnase durch Knorpeldestruktion, Knochendestruktionen im HNO-Bereich, Ohrschmerzen, Kurzatmigkeit, Husten, Stimmveränderungen, Muskelschwäche, Augenentzündungen, Nierenentzündungen, Perikarditis, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Müdigkeit.
Klin. D.: Biopsie Nasenseptum
Th.: Prednisolon, Immunsuppressiva (Cyclophosphamid, Azathioprin), evtl. Cotrimoxazol im Initialstadium.
Prg.: Unbehandelt früher tödlich, heute unter Behandlung 5-JÜR von 95 %. Meist Remission, aber häufig Rezidive.
Untere Atemwege
Erbliche Erkrankungen
Mukoviszidose
Syn.: Zystische Fibrose (CF)
Ep.: Europa 1:2500, Heterozygotenfrequenz = 4 - 5 %
Ät.: Defekt des CFTR-Gens (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) auf Chromosom 7 (7q31.2), das für einen Chloridkanal kodiert.
Genetik: Autosomal rezessiv, über 1.000 Mutationen bekannt, in 70 % Deletion von ΔF508 (die mittelalterlichen Seuchen sollen dieses Gen selektioniert haben, da es beim Heterozygoten wahrscheinlich die Resistenz gegenüber Cholera erhöht). Enge Genotyp-Phänotyp-Korrelation
Pathogenese:
- Verminderte Chloridrückresorption in den Schweißdrüsen -> erhöhter NaCl-Gehalt im Schweiß -> Diagnostik! [NaCl] > 60 - 70 mmol, normal < 30 mmol
- Verminderte Chloridsekretion in den Körperdrüsen -> Eindickung und Retention des Schleims in
- Gastrointestinaltrakt: 10 % der CF-Neugeborenen mit Mekoniumileus, auch später Ileusneigung
- Lunge: Rezidivierende Infekte, Entzündung, Vernarbung, Bronchieketasien, Emphysem, Fibrose, Zerstörung der Lunge -> Respiratorische Insuffizienz
- Pankreas: Pankreatitiden, exokrine Pankreasinsuffizienz (85 %) -> Maldigestion (LANGERHANS-Inseln bleiben erhalten)
- Ductus deferens: Infertilität (auch isoliert als Abortivform der CF -> Kongenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD))
- Störungen des hepatobiliären Systems
Weblinks: OMIM - Cystic fibrosis
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
Ät.: Autosomal-rezessiv erbliche Mutation des Gens PI, das für den Proteaseinhibitor Alpha-1-Antitrypsin kodiert und in der Leber gebildet wird.
Pg.:
- Gestörte Freisetzung aus der Leber -> Akkumulation -> Leberzirrhose
- Mangelnde Inaktivierung von Proteasen wie der Leukozytenelastase in der Lunge -> gesteigerte Proteolyse -> Lungenemphysem
Weblinks: OMIM - Alpha1-antitrypsin deficiency
GOODPASTURE-Syndrom
Ät.: Antikörper gegen Typ IV-Kollagen, einem Bestandteil der Basalmembran (Typ II-Reaktion nach COOMBS und GELL).
Manifestationen:
- Lungenblutungen, Lungensiderose
- Glomerulonephritis
Weblinks: OMIM - Goodpasture syndrome
Zirkulatorische Störungen
Akutes Lungenödem
Ät.: Kardial (dekompensierte Herzinsuffizienz, hypertensive Krise, HRST, AMI, Klappenfehler, CMP), nicht-kardial (Rauchgasvergiftung, nach Ertrinken, Überwässerung/Niereninsuffizienz, Anaphylaxie, SHT (neurogen)).
Makro: Die Lunge ist sehr dunkel (Blutstauung), erhöhtes Gewicht, bei intraalveolärem Ödem zusätzlich Schaumbildung und reichlich ablaufende Ödemflüssigkeit.
Mikro: Gestaute Kapillaren, interstitielles Ödem (Anfangsstadium), später intraalveoläres Ödem: eosinophile, eiweißreiche Flüssigkeit in den Alveolen mit kleinen Luftbläschen (Auskultation: Rasselgeräusch), ausgetretene Erythrozyten, Herzfehlerzellen (Hämosiderinhaltige Makrophagen), Berliner Blau-Färbung: Anfärbung des Eisens in den Herzfehlerzellen.
Chronische Lungenstauung
Ät.: Herzinsuffizienz
Makro: Aufgrund der Blutstauung ist die Lunge braun-rot gefärbt (Hämosiderinablagerung durch Erythrozytenextravasate) und durch die Fibrosierung induriert (d.h. von verfestigter Konsistenz) -> Induratio fusca pulmonum, „stehende Lunge“. Pulmonalarteriensklerose bei Durchstau in den rechten Kreislauf.
Mikro: Verbreiterte Septen, viel Bindegewebe (Fibrose), gestaute Kapillaren, eosinophile, eiweißreiche Flüssigkeit in den Alveolen (Lungenödem), Herzfehlerzellen = Siderophagen (Berliner Blau-Färbung), Mikroatelektasen (Surfactant factor-Mangel).
Hämorrhagischer Lungeninfarkt
Ät.: Lungenarterienembolie bei gleichzeitiger Lungenstauung (Linksherzinsuffizienz).
Pg.: Die Vasa privata (Bronchialarterien) sichern die Sauerstoffversorgung des Lungenparenchyms bei Verlegung der Vasa publica (Lungenarterien) z.B. durch Thromben. Bei zusätzlicher kardialer Stauung der Bronchialvenen und -arterien reicht die Restdurchblutung allerdings nicht mehr aus. Wegen der doppelten Blutversorgung sind Lungeninfarkte meist hämorrhagisch (Nekrose und Einblutung über die noch offenen Gefäße).
Makro: Keilförmige bis den ganzen Lungenlappen umfassende düsterrote Verfärbung mit leberfester Induration.
Mikro: Nekrotische Alveolarsepten (schattenhaft, Grenzenverlust, Kernverlust), Einblutungen (Erythrozyten in den Alveolarlichtungen), Herzfehlerzellen bzw. Siderophagen (H&E: Makrophagen mit braunem Pigment. Selektive Darstellung mit Berliner Blau).
Sekundär infizierter hämorrhagischer Lungeninfarkt
Idem + massive Leukozyteninfiltration durch neutrophile Granulozyten (floride), Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen (chronische Phase). Zerstörung der Alveolarsepten bis hin zur eitrigen Einschmelzung.
Schocklunge
Syn.: Akute Respiratory Distress Syndrome (ARDS), akuter diffuser Alveolarschaden
Ät.: Schock, Sepsis, Trauma
Pathogenese:
- Frühphase: Nekrose und Desquamation von Typ-1-Pneumozyten und Endothelzellen -> Permeabilitätsstörung -> Interstitielles und proteinreiches alveoläres Ödem -> Intravasale Aggregation von neutrophilen Granulozyten und Thromben (interstitielle Entzündung), intraalveolär hyaline Membranen -> Surfactantmangel -> Atelektasen
- Spätphase: Granulationsgewebe -> Fibrinexsudation -> Interstitielle Lungenfibrose
Makro: Die Lunge ist ödematös, schwer und von verfestigter Konsistenz.
Mikro: Hyaline Membranen (eosinophile Bänder aus Fibrinfäden und Detritus entlang der Alveolarwände), alveoläre Inflammation und verdickte Alveolarsepten, das Alveolarvolumen ist vermindert.
Rö: Diffuse bilaterale alveoläre Infiltrate (ähnlich dem kardialen Lungenödem), aber bei normaler Herzsillouette.
Klinik: Progrediente Hypoxämie (Diffusionsstörung).
Prg.: Letalität bis 80 %
Lungenarterienembolie
Venöse Thrombembolie
Ursprung: Thrombose der tiefen Bein-, Becken- oder Halsvenen.
Formen der Embolie:
- Zentrale fulminante Lungenarterienembolie durch Verlegung der Lungenstrombahn (Lungenarterien = Vasa publica).
- -> Akuter Druckanstieg im Lungenkreislauf -> Rechtsherzversagen. Makro Lunge: Thrombotisches Material in den zentralen Lungenarterien.
- -> Nur bei gleichzeitiger kardialer Lungenstauung (Bronchialarterien und -venen = Vasa privata): Hämorragischer Lungeninfarkt.
- Periphere Lungenarterienembolien können asymptomatisch sein. Makro: Nach bindegewebiger Organisation der Thromben verbleiben netz- oder strickleiterartige Bindegewebsstränge und -septen in den Lungenarterien.
Klinik: Akute Luftnot, Tachypnoe, Tachykardie, pO2 und pCO2 in der arteriellen BGA vermindert, evtl. Thrombose-Zeichen.
Fettembolie
Ät.: Knochenbrüche, Polytrauma, schwere Weichteilverletzungen, nach kardiopulmonaler Reanimation.
Die Fettembolie endet tödlich, wenn mehr als 30 % der Lungenkapillaren verschlossen sind (zentrale Fettembolie). Z.T. passieren die Fetttröpfchen auch die Lunge und landen in Gehirn (Purpura cerebri), Herz, Niere u.a. Organen, wo sie Gefäße verstopfen und petechiale Blutungen hervorrufen.
Mikro: Nachweis von Fetttröpfchen oder Knochenmark in den Lungenkapillaren (Fettzellen sind im Formalin-fixierten Präparat optisch leer. Die selektive Darstellung von Fett ist z.B. im Nativpräparat (Gefrierschnitt) mit Sudanrot möglich).
Kompl.: Rechtsherzversagen.
Entzündliche Erkrankungen
Asthma bronchiale
Ät.: Hyperreagibilität der Atemwege (allergisch - nichtallergisch)
Pg.: Bronchospasmus, Dyskrinie, Schleimhautödem
Makro: Zäher Schleim, u.U. Ausgüsse der Atemwege
Mikro: Verdickung der Basalmembran, Hyperplasie der glatten Muskulatur, Becherzellvermehrung, Mucus-Ansammlung in den Bronchien, Eosinophile, Lymphozyten, Mastzellen, CURSCHMANN-Spiralen, CHARCOT-LEYDEN-Kristalle.
Klinik: Anfallsweise auftretende Atemnot durch reversible Atemwegsobstruktion (FEV1 vermindert, VC normal).
Akute Bronchitis
Ät.: 90 % viral (Adeno-, Influenza-, Parainfluenza-, Rhino-, Coxsackie-, RS-, HS-Viren), unter 10 % bakteriell (Streptokokkus pneumoniae, Moraxella catarrhalis, Haemophilus influenzae, Chlamydia pneumoniae), andere Gründe wie Luftverschmutzung (Rauchen), Allergien, GERD, Pilze.
Chronische Bronchitis
Klin. Def.: Produktiver Husten an den meisten Tagen dreier aufeinanderfolgender Monate und das in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.
Ät.: Rauchen (-> erhöhte Mucusbildung, verminderte ziliäre Clearance, verminderte Leukozytenaktivität, Epithelschäden) <-> Infektionen.
Morph.:
- Drüsenkörperhyperplasie (Reid-Index = Durchmesser Drüsenkörper/Strecke BM bis Knorpel > 0,4) -> Schleimbildung
- Becherzellmetaplasie (> 20 % BZ im Epithel) -> Dyskrinie
- Plattenepithelmetaplasie (Präkanzerose) - Makroskopisch abgeflachte Bronchialwand
- Muskuläre Hypertrophie - Makroskopisch verstärkte Querriffelung der Bronchialwand (NB: Längsriffelung)
- Entzündliche vorwiegend monoplasmazelluläre Infiltrate
- Kondensat-Makrophagen bei Rauchern (Berliner Blau-negativ. DD: Siderophagen)
Bronchoalveoläre Lavage (BAL): Schleim, Entzündungszellen, Epithelzellen, Detritus (lipidhaltige Makrophagen bei Kindern -> u.U. Hinweis auf chronische Aspiration).
Rö: Unspezifisch, vermehrte Lungenzeichnung, tubuläre Opazitäten, verdickte Bronchialwände.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD, COLD)
chronic obstructive pulmonal/lung disease
Kombination aus Emphysem, chronischer Bronchitis u./o. Asthma bronchiale.
Bronchieektasie
Destruktive und permanente Erweiterung der Bronchien.
Ät.: Angeboren (selten), erworben: Mukoviszidose (50 %), rezidivierende Infekte, Atemwegsobstruktion (Fremdkörper, Tumor), Immunstörungen.
Morph.: Dilatierte und stenosierte Atemwege, die makroskopisch bis zum äußeren Drittel der Lunge (u.U. bis zur Pleura viszeralis) heranreichen, gefüllt mit Schleim, Entzündungszellen, Debris, Eiter. Chronische peribronchiale Entzündung.
Klinik: Morgendliche maulvolle Expectoratio, chronischer Husten, Hemoptysis, Foetor ex ore, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Zyanose, Trommelschlegelfinger.
Bronchiolitis obliterans
Mikro: Intraluminaler Gewebesblock aus Granulationsgewebe (Entzündungszellen, Fibroblasten, Kapillareinsprossung) in den Bronchioli. Akute oder chronische Inflammation der Bronchiolarwand.
a) Fibrotischer Typ der Bronchiolitis obliterans
Mikro: Endarteriitis obliterans-Komponente, kollagenreich, vernarbend, Verschluß, Stenose, Schrumpfung, irreversibel. Dilatation umgebender Atemwege mit Mucusretention durch Narbenzug -> circulus vitiosus.
b) Proliferativer Typ der Bronchiolitis obliterans
Mikro: Mehr Blutgefäße, dynamischer, Ausbreitungstendenz, partiell reversibel (besseres Ansprechen auf Cortison, Antibiose usw.).
Lungentzündung
Aspirationspneumonie
Rö: Verschattung
Mikro: Fremdkörper-Riesenzellen, Histiozyten, Granulozyten, Fremdkörpermaterial.
Bronchopneumonie
Ep.: Bei Säuglingen/Kleinkindern und alten Menschen ist die Bronchopneumonie häufiger.
Makro: Multifokal pneumonische Entzündungsherde.
Mikro: Multifokal granulozytäre Entzündungsherde verschiedener Entzündungsstadien zwischen freien Alveolen, Flüssigkeit und Erythrozyten in den Alveolen, hyperämische Kapillaren.
Lobärpneumonie
Ät.: Z.B. Pneumokokken, Klebsiellen. Gehäuft bei Immunkompromittierten (z.B. Alkoholiker).
Makro: Ein kompletter Lungenlappen homogen verfärbt und induriert mit stehenden Schnittkanten.
Mikro: Neutrophile Granulozyten und fibrinös-eitriges Exsudat, hyperämische (erweiterte) Kapillaren, evtl. Einblutung.
Typische Phasen bei Spontanverlauf (heute wg. Antibiose kaum noch so zu beobachten):
- Anschoppungsphase (1. - 2. Tag): Serös
- Rote Hepatisation (3. Tag): Fibrinös, Hyperämie
- Graue Hepatisation (4. - 6. Tag): Fibrinös-granulozytär
- Gelbe Hepatisation (ab 7. Tag): Eitrig
- Lyse: Fibrinolyse, Makrophagenaktivität
Klinik: Schweres Krankheitsgefühl, Fieber, produktiver Husten.
Kompl.: Abszedierung (eitrige Einschmelzung), chronische karnifizierende Pneumonie, Sepsis.
Poststenotische Pneumonie
Ät.: Obstruktion eines Bronchus z.B. durch ein Bronchialkarzinom.
Pg.: Atelektase, Schleimretention, Bakterienwachstum.
Klinik: Rezidivierende Pneumonie.
Tuberkulose
Ät.: Bakterien des Mycobacterium tuberculosis complex (Mycobacterium tuberculosis, M. bovis und M. africanum).
RF: Immunschwäche, Unterernährung, beengte Wohnverhältnisse, Armut.
Mikro: Tuberkulome = verkäsende Granulome (zentrale käsige Nekrose, epithoidzelliger Randwall mit eingelagerten mehrkernigen LANGHANS-Riesenzellen mit hufeisenförmig angeordneten Kernen, umgeben von Lymphozyten), interstitielle Entzündung, Fibrose, Verkalkungen. Nachweis säurefester Stäbchen (Tuberkel) in der ZIEHL-NELSON-Färbung (DD: atypische Mycobakterien).
Verlauf:
- Primärkomplex (GHON-Komplex): Subpleurale(s) Granulom(e) plus Befall der zugehörigen hilären Lymphknoten.
- Sekundärinfektion durch Neuinfektion oder Reaktivierung: Multiple, konfluierende, nekrotisch zerfallende Granulome besonders in den Lungenoberlappen (SIMON'sche Spitzenherde).
- Miliartuberkulose: Bei verminderter Resistenzlage kommt es zur metastatischen Streuung in alle Organe.
Interstitielle Pneumonie
Syn.: Atypische Pneumonie
Ät.: Häufig opportunistische und/oder virale Infektionen.
Erreger: Viren (RSV, Adenoviren, Influenza- und Parainfluenzavirus, CMV (unter Immunsuppression)), atypische Bakterien (Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae, Chlamidia psittaci, Coxiella burnetii), Legionella pneumophilia, Pilze (Pneumocystis carinii (bei AIDS)).
Mikro: Dichtes mononukleäres Infiltrat in den ödematös verbreiterten Alveolarsepten. Diffuser Alveolarschaden. Schaumiges, PAS-positives alveoläres Exsudat (Detritus, Erreger, Fibrinfäden).
Klinische Trias: Fieber, Belastungsdyspnoe, unproduktiver Husten (50 % der Patienen mit PCP).
Pneumomykosen
Pilzerkrankungen der Lunge.
Pneumocystis carinii-Pneumonie (PCP)
Syn: Pneumocystis jirovecii (neue Bezeichnung)
Mikro: In der Grocottfärbung (Grocott-Methenamin-Silber, GMS): 4 - 7 µm große, runde bis tassenförmige Sporenzysten, ggf. mit kleinen dunklen Punkten (Sporen).
Kryptokokken-Mykose
Ät.: Cryptococcus neoformans (häufig enthalten in Vogelkot) in Kombination mit Immunschwäche
Mikro: Intraalveoläre Granulome, typische runde Pilze mit Schleimkapsel.
Candidapneumonie
Syn.: Soorpneumonie
Ät.: Candida albicans in Kombination mit Immundefizienz, -supression. Der Hefepilz kann sich mit Mundsoor beginnend bis in die Lunge ausbreiten. Mikroabszesse.
Mikro: PAS-positive Pseudohyphen.
Aspergilluspneumonie
Aspergillus-Erkrankungen können sich in verschiedener Weise manifestieren:
- Allergische bronchopulmonale Aspergillose mit asthmatischen Beschwerden
- Aspergillom - Nicht invasiver Pilzball in Hohlräumen (Kavernen, Emphysemblasen, Nasennebenhöhlen).
- Aspergilluspneumonie - Invasiv, Nekrosen mit epitheloizelligem Randsaum, typisch bei Immundefiziens.
Mikro: Septierte Pilzhyphen mit spitzwinkliger Verzweigung. Gefäß-affin. Bei Luftkontakt ggf. Ausbildung der typischen gießkannenförmigen Konidiophoren (Sporenträger).
Exogen-allergische Alveolitis (EAA)
Ät.: Allergische Reaktion auf inhalativ aufgenommene Allergene, z.B. gegen:
- Vogelfederbestandteile
- Schimmelpilze (A. fumigatus, A. clavatus)
- Thermophile Aktinomyzeten (Heu) bei der sog. Farmerlunge
Pg.: Meist Typ III-Reaktion (Immunkomplex-Typ) nach COOMBS und GELL.
Klinik: Akuter Beginn, trockener Husten, Dyspnoe, restriktive Ventilationsstörung (verminderte Vitalkapazität), schweres Krankheitsgefühl. Akuter oder chronischer Verlauf.
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP)
Syn.: Idiopatische pulmonale Fibrosen (IPF), idiopathische Lungenfibrosen.
Formen:
- Idiopathische pulmonale Fibrose (IPF), Usual Interstial Pneumonia (UIP) - Mikro: Fleckförmig verteilte Herde aus fibrosierten, zellarmen, verdickten Alveolarwänden. Prg.: Ungünstig.
- Nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
- Kryptogene organisierende Pneumonie (COP, früher: Bronchiolitis obliterans and organizing pneumonia (BOOP)). Mikro: Breite Granulationsgewebsblöcke aus Entzündungszellen, Blutgefäßen, Bindegewebe in den Alveolen und Duktuli. Prg.: Gut.
- Desquamative interstitielle Pneumonie (DIP) - Ät.: Rauchen. Mikro: Makrophagenaggregate in den unteren Atemwegen, Kondensatmakrophagen.
Klinik: Dyspnoe, restriktive Ventilationsstörung (FEV1 normal).
Weblink: http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/full/163/1/17/FIGIRA10071F1
Anthrakose
Ep.: Im höheren Alter fast immer zu sehen.
Ät.: Eingeatmete und in den Alveolen abgelagerte Stäube (Luftverschmutzung), Kohlenstaub.
Makro: Netzartige schwärzliche Verfärbungen der Lungenoberfläche.
Mikro: Nachweis von schwarzem Pigment besonders im retikulohistiozytären Gewebe (Makrophagen) der hilären Lymphknoten.
Klinik: Keine Beeinträchtigung der Lungenfunktion, kein Entartungsrisiko. Aber Indikator für Feinstaubbelastung (-> Anthrakosillikose).
Pneumokoniosen
Diffuse Lungenfibrose durch inhalierte Stäube.
Silikose
Agens: Quarzstaub
Lok.: Hauptsächlich in den den mittleren Lungenanteilen.
Mikro: Chronische granulomatöse Entzündung mit herdförmiger Hyalinisierung, Lymphknotenbefall und narbiger Schrumpfung.
Kompl.:
- Ummauerung von Gefäßen -> Strohmbahneinengung -> Cor pulmonale
- Tbc-Infektion -> Silikotuberkulose
- Lungenemphysem
- Narbenkarzinom
Astbestose
Agens: Asbestfasern (Mikro: dünne, perlschnurartig geriffelte oder hantelförmige, eisenhaltige Stäbchen). Die Auftreibungen kommen durch Proteinablagerungen zustande (untergehende Makrophagen).
Lok.: Mittel-, bes. Unterlappen
Mikro/Makro: Diffuse Lungenfibrose basal-peripher betont ohne LK-Befall, Asbestfasern.
Kompl.: Bronchialkarzinom (Adenokarzinom), hyaline Pleuraplaques, Pleuramesotheliom, Cor pulmonale.
Lungenemphysem
Ep.: Männer, 60. Lj.
Ät.: Rauchen (Ursache Nr. 1), α1-Antitrypsin-Mangel (s.o.)
Pathologie:
- Chronische Reizung, Entzündung, irreversible Destruktion
- Verlust von Alveolarsepten (= Verlust von Diffusionsfläche)
- Abnorm erweiterte Lufträume distal der Terminalbronchien mit erhöhter Kollateral-Ventilation.
Formen:
- zentroazinär = zentrolobulär. Dilatation der terminalen Atemwege (Bronchioli respiratorii, Sacculi alveolares) und Ausbreitung nach peripher.
- panazinär. Dilatation und Septenverlust auch im Bereich der Alveolen, d.h. der jeweilige Azinus ist global betroffen.
Obduktion: Fassthorax, Emphysemblasen, Querriffelung der Bronchialschleimhaut (glatt-muskuläre Hypertrophie), Zwerchfelltiefstand, Zahn'sche Schnürfurche(n) der Leber, ggf. Rechtsherzhypertrophie, periphere Ödeme.
Rö.: Horizontaler Rippenverlauf mit Erweiterung der ICR, tiefstehendes abgeflachtes Zwerchfell, steilgestelltes schlankes Herz, erhöhte Lungentransparenz, verminderte periphere und verstärkte zentrale Gefäßzeichnung.
Klinik: Oft erst Symptome, wenn schon 30 - 50 % des Lungengewebes zerstört sind; Atemnot, erschwerte Ausatmung (Bronchialkollaps in der Exspiration) mit Überblähung der Lunge, tiefstehenden Zwerchfellgrenzen, verminderte Zwerchfellbeweglichkeit, Fassthorax, Leistungsminderung.
Kompl.: Innerer Pneumothorax bei Platzen einer Emphysemblase (bes. bei bullösem Emphysem).
Wabenlunge
Ersatz von Lungengewebe durch viele dünnwandige Hohlräume, Maximalform des Lungenemphysems.
Ät.: Chronische Umbauprozesse, Lungenfibrose, Asbestose.
Autoaggressive Lungenerkrankungen
Sarkoidose
Syn.: Morbus BOECK (sprich: Buuk)
Bilaterale hiläre Lymphadenopathie mit nichtverkäsenden Epitheloidzellgranulomen und zunehmender Vernarbung.
Ep.: 20 - 40 Lj., gehäuft Afroamerikaner.
Ät.: Immunpathologisch.
Makro: Bihiläre Lymphknotenschwellung.
Mikro: Nichtverkäsende epitheloidzellige Granulome, die von Bindegewebe umsäumt sind. Riesenzellen. Sternförmige asteroid bodies, schneckenförmige conchoid bodies.
IHC: Makrophagen und ihre Derivate (Epitheloidzellen, Riesenzellen) können mit anti-CD68 markiert werden.
Broncho-alveoläre Lavage (BAL): Lymphozytenzahl 40 – 60 %, > 90 % T-Zellen, T4/T8-Quotient > 2 (normal: 1,6).
Verlauf:
- Initialstadium: Vergrößerte LK
- Mittleres Stadium: Granulomatöse Infiltrate
- Spätstadium: Irreversible Fibrose
Organmanifestationen/Klinik: Hiläre Lymphknoten, Haut (Erythema nodosum), Leber, Milz, Knochen, Gelenke (Arthralgien), Auge (Iridozyklitis, Keratokonjunktivitis), Narben (Narbensarkoidose), Hyperkalzämie. Laborchemisch: ACE erhöht, Hyperkalziämie (Calcitriol-Bildung durch aktivierte Makrophagen).
SF:
- LÖFGREN-Syndrom - Prognostisch günstige akute Form der Sarkoidose, gekennzeichnet durch die Trias bihiläre Lymphadenopathie, Erythema nodosum und bilaterale Arthritis. Ep.: 20 - 30. Lj., w > m.
- Lupus pernio - Hautbefall
DD.: Tbc (Verkäsung), Lymphome.
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Idem, epitheloides Granulom mit asteroid-bodies.
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Tumoren der Lunge
Bronchialkarzinome
Ät.:
- 85 % Rauchen
- 8 % Radon, Beruf: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH), Asbest (Rauchen multipliziert das Risiko!), kristallines SiO2 (Quarzstaub), Faserstäube (Erionit, Keramikfasern, Glas- und Steinwolle:), Chrom und Nickel (Elektroschweißen!),
- 5 % Luftverschmutzung
- 2 % Genetische Faktoren, ionisierende Strahlung (Röntgen, natürliche Strahlung)
Einteilung der Bronchialkarzinome:
- Kleinzellige Bronchialkarzinome (SCLC)
- Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC)
- Adenokarzinom
- Sonderform: Bronchioalveoläres Lungenkarzinom (BAC)
- Großzelliges Bronchialkarzinom
- Plattenepithelkarzinom
- Adenokarzinom
Zytologie: 3-dimensionale Zellkomplexe (immer malignomverdächtig), atypische Zellen (DD: Z.n. Bestrahlung, Z.n. Chemotherapie, Entzündung u.a.m.)
Metastasierung: Gehirn, Knochen (Wirbelkörper), Leber, Nebenniere
Paraneoplastische Syndrome (bes. beim Kleinzeller):
- ACTH -> Cushing-Syndrom
- Plattenepithelkarzinom: SIADH -> Schwartz-Bartter-Syndrom: Antidiurese und Hyponatriämie
- PTH-ähnliches Hormon -> Hyperkalzämie (Pseudohyperpara)
- Acanthosis nigricans, Dermatomyositis
- Neuromyopathien, LAMBERT-EATON-Syndrom , Neuropathie
- Hyperkoagulabilität -> Venenthrombosen (Trousseau-Phänomen)
Sonderform: PANCOAST-Tumor - Karzinom der Lungenspitze. Dieser kann u.a. folgende Strukturen infiltrieren:
- Zervikaler Grenzstrang -> HORNER-Syndrom (Miosis, Ptosis, Enophthalmus)
- N. phrenicus -> Zwerchfelllähmung
- N. laryngeus recurrens -> Heiserkeit
- Plexus brachialis -> Brachialgie, Paresen
Klinik/Kompl.: Raucher-Anamnese, anhaltender Husten, Dyspnoe, Bluthusten, B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), paraneoplastische Symptome, obstruktive Pneumonie/Retentionspneumonie durch Verlegung der Atemwege, Lungenblutung, HORNER-Syndrom, Symptome durch Metastasen.
Kleinzelliges Bronchialkarzinom
Small cell lung cancer (SCLC)
Ursprung: Neuroendokrines System.
Lok.: Eher zentral
Makro: Bronchusnahe weißliche Raumforderung evtl. mit Bronchusdestruktion oder -obliteration.
Mikro: Viele „kleine blaue Zellen“ mit freingranulärem Chromatin, schmalem Zytoplasmasaum und schlecht abgrenzbaren Zellgrenzen. Zahlreiche Mitosen (> 10 pro 10 HPF). Diffus infiltrierendes Wachstum, geographische Nekrosen (Gewebe nur noch schattenhaft erkennbar), hohe Fragilität des Tumorgewebes -> Artefakte. Kein Grading, da grundsätzlich hochmaligne.
IHC: Evtl. Chromogranin A +, NSE +, CD 56 (NCAM) +. Ki67-Index hoch (> 60 %).
Genetik: Häufig hypodiploid (verringerter DNA-Gehalt).
Verhalten: Frühe lymphogene und hämatogene Metastasierung.
Klinik: Gehäuft paraneoplastische Syndrome (s.o.).
Th.: Radiochemotherapie
Prg.: 5-JÜR < 5 %
DD: „Kleine blaue Zellen“: Periphere primitive neuroektodermale Tumoren (periphere PNET)/Ewing-Sarkom, Lymphozyten, niedrig maligne Lymphome. Kleinzellige Varianten nicht-kleinzelliger Tumoren.
Weblinks:
- Junker K, Petersen I. “[Small cell lung cancer : Pathology and molecular pathology.]”. Pathologe, January 2009. DOI:10.1007/s00292-008-1115-y. PMID 19148591.
Plattenepithelkarzinom
Ep.: Häufigster Typ
Pathogenese: Zylinderflimmerepithel -> Plattenepithelmetaplasie/Dysplasie -> Carcinoma in situ -> invasives Karzinom.
Lok.: Eher zentral (Ort der Plattenepithelmetaplasie), eher große Tumoren.
Makro: Zentraler, großer, weißer Tumor.
Mikro: Schichtungs- und Verhornungstendenz (Zytokeratin), Hornperlen (eosinophil), „Spinnenfüßchen“ = Interzellularbrücken, desmoplastische Stromareaktion mit artifizieller Spaltbildung (Bild des Gebirgsbachs, der große Steine (das Karzinom) umfließt.), infiltrierend wachsend, Leukozyten.
IHC: AE1/3 (Pan-Zytokeratin) + , CK 5/6 +, CK 7 -
Klinik: Persistierender Husten, Hämoptoe, evtl. Hyperkalzämie, bei Obstruktion eines Bronchus Resorptionsatelektase und/oder Retentionspneumonie.
Großzelliges Bronchialkarzinom
Lok.: Eher peripher
Mikro: Große, undifferenzierte Zellen. Ausschlußdiagnose!
Adenokarzinom
Lok.: Eher peripher, klein.
Mikro: Drüsige oder solide Architektur, vakuoläres Zytoplasma, intra- und/oder extrazelluläre Schleimakkumulation, grobes Chromatingerüst, große zentrale Nukleolen, invasives knotiges Wachstum, schattenhafte Gewebstrukturen (Nekrosen), Eiweißpräzipitate durch Tumordiathese (-> „schmutziger Hintergrund“ in der Zytologie).
IHC[1]: CK 5/6 -, CK 7 +, CEA +, TTF-1 +, D2-40 -, Calretinin -
DD.: Pleuramesotheliom
Verhalten: Oft mit Narben assoziiert, schnell wachsend, frühe (lymphogene) Metastasierung.
Bronchioloalveoläres Lungenkarzinom
bronchioloalveolar carcinoma (BAC)
Sonderform des Adenokarzinoms.
Makro: Tumorwachstum bei erhaltener Histoarchitektur.
Mikro: Hochprismatische Tumorzellen kleiden die Alveolen tapetenartig aus, die Alveolarsepten bleiben stehen (EvG!), Hob-Knob-Zellen (Hufnagel-Zellen).
IHC: TTF-1 +
DD (wichtig!):
- Adenokarzinom der Lunge mit bronchioloalveolärer Differenzierung. Zerstört die Alveolarsepten (EvG!).
- Bronchioläre Metaplasie = Zylinderepithelmetaplasie in den Alveolen
- Metastasen von extrapulmonalen Adenokarzinomen (Vorbefunde beachten! Karzinom in der Amamnese!? TTF-1 -)
Lungenmetastasen
Pg.: Metastasierung vom Cava-Typ
Kompl.: Siehe Bronchialkarzinom, Rechtsherzversagen und Lungeninfarkte durch große Tumorembolie.
Karzinoide
Neuroendokrin aktive Tumoren (APUDome), die Serotonin produzieren können.
Ursprung: Chromaffine Zellen/neuroendokrines System.
Makro: Weich, gelbliche Farbe. Zentraler Sitz, submukös wachsend -> Verlegung von Bronchuslichtungen -> postobstruktive Pneumonie.
Mikro: Monotone Zellen, grobgranuläres Chromatin, Gruppierung häufig in Nestern oder Bändern.
IHC: Neuroendokrine Marker (Chromogranin A, Synaptophysin, Neuronen spezifische Enolase (NSE), CD56) wechselnd +.
Subtypen:
- Typische Karzinoide - Keine Nekrosen, < 2 Mitosen pro HPF, niedriger Proliferationsindex (MIB-1/Ki67).
- Tumorlet - Idem, < 0,5 cm.
- Atypische Karzinoide - Nekrosen, > 2 Mitosen pro HPF, höherer Proliferationsindex.
Verhalten: Metastasierung selten in Leber, Milz, Knochen, Niere.
DD.: Lymphozyten, Lymphome, PNET, Kleinzeller, neuroendokrines Karzinom.
Klinik: Flush, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Valvulopathie und Endokardfibrose (Rechtes Herz eher bei Karzinoiden des MDT, linkes Herz eher bei Bronchial-Karzinoiden betroffen).
Hamartome
Def.: Normal differenziertes Gewebe (Knorpel, Fett u.a.) am falschen Ort.
Verhalten: Benigne
Quellen
- ↑ Mimura T et al. “Novel marker D2-40, combined with calretinin, CEA, and TTF-1: an optimal set of immunodiagnostic markers for pleural mesothelioma”. Cancer, 109(5):933-8, Mar 1 2007. PMID 17279584.
Pleura
Pneumothorax
Luftansammlung im Pleuraspalt
- Innerer Pneumothorax - Lufteintritt von innen durch Perforation der Pleura viszeralis - Ät.: Rupturierte Emphysemblase, Lungenkarzinom, Spontanpneumothorax (bevorzugt junge schlanke Männer), Komplikation bei Zentralvenenkatheter-Anlage, Pleurapunktion.
- Äußerer Pneumothorax - Lufteintritt von außen durch Perforation der Pleura parietalis - Ät.: Messerstichverletzung, Rippenserienfraktur (Durchspießung durch Knochenfragmente), Komplikation bei Gastroskopie (Ösophagusperforation).
SF.:
- Mantelpneumothorax - Nur geringe Luftmenge.
- Spannungspneumothorax - Durch einen Ventilmechanismus entsteht ein lebensbedrohlicher Überdruck im Thorax mit Mediastinalverlagerung und Kompression der großen Venen. Tod durch Herzversagen. Rö: Kollabierte Lunge, tiefstehendes Zwerchfell, erweiterte Intercostalräume. Klinik: Luftnot, abgeschwächtes Atemgeräusch, hypersonorer Klopfschall, obere Einflusstauung.
Hämatothorax
Blutansammlung in der Pleurahöhle.
Ät.: Trauma, Gefäßarrosion durch Tumor
Chylothorax
Lymphansammlung in der Pleurahöhle.
Ät.: Verletzung des Ductus thoracicus z.B. bei Ösophagektomie.
Pleuraerguss
Ansammlung seröser Flüssigkeit in der Pleurahöhle.
- Transsudat - Wasserklar, niedriges spezifisches Gewicht, geringer Eiweißgehalt - Ät.: kardial (Stauung)
- Exsudat - Eher trüb, höheres spezifisches Gewicht, hoher Eiweißgehalt (Fibrin) - Ät.: entzündlich
Pleuritis
Entzündung der Pleura
Ät.: Virale Pleuritis, Begleitpleuritis bei Pneumonie, thoraxchirurgische Eingriffe
Akute Pleuritis
- Pleuritis sicca - Trocken, meist Übergang in exsudativa
- Pleuritis exsudativa - Ergussbildung
- Pleuraempyem - s.u.
Chronisch-fibrosierende Pleuritis - DD: Pleuramesotheliom!
Pleuraempyem
Akute oder chronische Eiteransammlung im Pleuraspalt.
Ät.: Bakteriell.
Pg.: Parapneumonisch, traumatisch/iatrogen.
Makro: Eiteransammlung im Pleuraspalt.
Kompl.: Sepsis
Pleuraschwarten / Pleuraverkalkungen
Ät.: Z.n. Pleuritis, Tbc
Hyaline Pleuraplaques
Ät.: Asbestose
Makro: Glatte, gut umschriebene Plaques auf der Plaura parietalis.
Tumoren
Pleuramesotheliom
Ursprungsgewebe: Pleura (Mesothel)
Ät.: In 80 % berufliche Exposition durch Asbestfasern (Hochofenindustrie, Schiffsbau) und daher als Berufskrankheit meldepflichtig. Signaltumor! Teilweise sehr geringe Expositionszeiten. Zigarettenrauch hier ohne Einfluss (im Ggs. zum Lungenkarzinom).
Makro: Typisch ist die Ummauerung der Lunge.
Subtypen:
- Epithelial
- Sarkomatoid - Spindelzellmuster
- desmoplastisch - wirbeliges spindelzelliges Muster mit ausgeprägter Fibrose
- Tubulopapillär
- Undifferenziert
Andere Einteilung:
- Fibröses Mesotheliom: Lokalisiert bessere Prognose, diffus schlechtere Prognose
- Mesotheliales Mesotheliom
- Biphasisches Mesotheliom
IHC: AE1/3 (Panzytokeratin) +, Vimentin +, D2-40 +, Calretinin +, Thrombomodulin +, CEA -, TTF-1 -
EM: Mikrovilli
DD: Bronchialkarzinom (Adenokarzinom), lymphogene Pleurametastasen von Bronchial-, Magen- oder Mammakarzinom, hämatogene Pleurametastasen, meist von extrathorakalen Primärtumoren.
Mikro Asbestfasern: Dünne, perlschnurartig geriffelte oder hantelförmige, eisenhaltige Stäbchen. Die Fasern werden vergeblich von Phagozyten angegriffen, die dann zugrunde gehen. Die Auftreibungen an den Asbestfasern kommen durch Ablagerungen von Proteinen zustande. Asbestfasern müssen i.d.R. intensiv gesucht werden, Eisenfärbung ist hier hilfreich.
Klinik: Häufigste Primärmanifestation ist der einseitige Pleuraerguss! Rezidivierende Pleuraergüsse, Brustschmerzen, Atemnot, Fehldiagnose als „chronisch-fibrosierende Pleuritis“ (klinisch und histologisch schwierig zu differenzieren!). In 2/3 d. F. finden sich kontralaterale Pleuraplaques. In 3 - 20 % d. F. begleitende Asbestose.
Prg.: Sehr ungünstig
Pleurale Metastasen
Quellen
Gastrointestinaltrakt
Mundhöhle und Speicheldrüsen
Haarzunge
Lingua villosa (nigra)
Ät.: Hyperkeratose, elongierte Papillen, Anfärbung der Papillae filiformes durch Nahrungsmittel, Tetrazykline, oft bei Intensivpatienten
Prg.: Harmlos, z.T. reversibel
Ranula
Etym.: (lat.) Fröschlein wg. der Ähnlichkeit zur Kehlblase bei Fröschen
Retentionszyste
Klinik: Evtl. Schluckstörungen, Sprechsstörungen.
Epulis
Granulome von Zahnfleisch oder Mundschleimhaut.
Ep.: Gehäuft in der Schwangerschaft.
Prothesenreizfibrom
Lok.: Harter Gaumen im Bereich der Oberkieferzähne
Infektionen
Aktinomykose
Ät.: Infektionen durch Bakterien der Gattung Actinomyces (gram-positive, verzweigt wachsende, nicht-säurefeste, aerobe Stäbchen), hauptsächlich Actinomyces israelii. Häufig anaerobe Begleitinfektion.
Lok: Meist zervikofazial, seltener ileozökal.
Mikro: Chronisch infiltrierende Infektion mit Bildung von Fisteln und sog. Drusen, verzweigt wachsende gram-positive Bakterien.
Nekrotisierend-ulzeröse Stomatitis (Noma)
Syn.: Gangränöse Stomatitis
Ep.: Entwicklungsländer
Ät.: Schwere Unterernährung, schlechte hygienische Verhältnisse.
Pg.: Infektion durch Fusobakterien und Spirochäten.
Klinik: Verstümmelnde Gewebszerstörung bes. im Mund-, Wangen-, Gesichtsbereich.
Soor
Syn.: Candidiasis, Candidose
Ät.: Opportunistische Infektion durch Candida albicans .
Mikro: PAS-positive verzweigte Pseudohyphen.
Klinik: Abwischbare weiß-gelbe Beläge, die unterliegende Schleimhaut ist stark gerötet, brennende Schmerzen.
Zungenhämangiom
Benigner Gefäßtumor
Kompl.: Blutung, Atemwegsobstruktion
Leukoplakie
Verhornungsstörung (Hyperkeratose), assoziiert mit Rauchen, Alkohol, schlechter Mundhygiene.
Makro: Weißer, nicht abwischbarer Belag
Präkanzerose
DD: Soor, Karzinom
D.: Biopsie
Zungenpapillom
Ät.: HPV
Kompl.: Maligne Entartung
Mundhöhlenkarzinom
In 80 % der Fälle handelt es sich um Plattenepithelkarzinome.
Klinik: Vulnerable Schleimhaut, Schleimhautveränderungen
Ösophagus
Angeborene und erworbene Fehlbildungen
Ösophagusatresie
Def.: Angeborener Verschluss oder Fehlen eines Stücks des Ösophagus, oft kombiniert mit einer oberen oder unteren Ösophagotrachealfistel.
Pg.: Embryonale Fehlentwicklung in der Frühschwangerschaft.
Einteilung nach VOGT:
| Typ | Pathologie |
|---|---|
| I | Ösophagusaplasie, d.h. der Ösophagus fehlt (keine Luftansammlung im Magen). |
| II | Ösophagusatresie ohne ösophagotracheale Fistel (keine Luftansammlung im Magen). |
| IIIa | Atresie und ösophagotracheale Fistel zwischen oberem Ösophagussegment und Trachea, das untere Ösophagussegment endet blind. |
| IIIb | Atresie und ösophagotracheale Fistel zwischen unterem Ösophagussegment und Trachea, das obere Ösophagussegment endet blind. Häufigste Form. |
| IIIc | Atresie mit ösophagotrachealer Fistel am unteren und oberen Ösophagussegment. |
| IV | Ösophagotracheale Fistel ohne Atresie (sog. H-Fistel). |
Klinik: Polyhydramnion, Husten bei den ersten Trinkversuchen, Speichelfluss.
Kompl.: Aspirationspneumonie, Exsikkose, Entgleisung von Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt.
Achalasie
Ät.: Innervationsstörung des Ösophagus
Klinik: Kardiospasmus, Megaösophagus
Ösophagusvarizen
Ät.: Pfortaderhochdruck z.B. bei Leberzirrhose mit Expansion der Umgehungskreisläufe. (weitere Manifestationen: Caput medusae, Hämorrhoiden)
Kompl.: Lebensbedrohliche Blutung
Divertikel
Aussackungen der Organwand
Pulsionsdivertikel oder „Pseudodivertikel“ bestehen nur aus der Mucosa und Submucosa und entstehen durch Druck von Innen, der die Schleimhat durch Schwachstellen der Muskulatur drückt. Vorkommen: Oberer Ösophagus (ZENKER-Divertikel, mit 70 % das häufigste) und am gastroösophagealen Übergang (10 %). Außerhalb der Speiseröhre z.B. im Colon als Colon-Divertikel.
Traktionsdivertikel oder „echte Divertikel“ bestehen aus allen Wandschichten und entstehen durch (Narben-)Zug von außen. Vorkommen: Mittlerer Ösophagus in Höhe der Bifurkation, z.B. bei vernarbender Mediastinaltuberkulose.
MALLORY-WEISS-Läsion
Längliche Schleimhauteinrisse am ösophagokardialen Übergang.
Ät.: Drucksteigerungen (Erbrechen, Husten, Pressen), Alkoholexzesse
Kompl.: Lebensbedrohliche Blutungen
BOERHAAVE-Syndrom
Maximalform der Mallory-Weiss-Läsion mit spontaner submuköser Zerreißung des Ösophagus, meist supradiaphragmal links-dorsal.
Ät.: Heftiges Erbrechen, meist bei Alkoholikern
Klinik: Plötzliches retrosternales Vernichtungsgefühl, Hämatemesis, Schock, Tachy- und Dyspnoe, Abwehrspannung im Oberbauch, Pneumothorax, zervikofaziales Hautemphysem, Mediastinalemphysem, evtl. subphrenische Luftsicheln.
Prg.: Letalität zwischen 20 und 40 %.
Ösophagitis
Infektiöse Ösophagitis
Ep.: Infektiöse Ösophagitis fast nur bei Immundefizienz (marantische Patienten, Tumorkranke, Immunsuppression nach Transplantation).
Virale Ösophagitis
Makro: Multiple Ulzera, in allen Ösophagusabschnitten möglich.
Mikro: Viruseinschlußkörperchen
Erreger und Klinik:
- HSV - Dysphagie, eher schmerzhaft
- CMV - Geringere Beschwerden
Soor-Ösophagitis
Infektion der Ösophagusschleimhaut durch Candida albicans. Zumeist bei Immunkompromittierten (Intensivpatienen, AIDS, Tumorpatienten, Patienten mit Endokrinopathien insbes. Diabetes mellitus), selten auch bei ansonsten gesunden Menschen.
Makro: Weiße, abwischbare/abziehbare Beläge.
Mikro: Nachweis von Pseudohyphen (PAS-Färbung).
DD.: Eosinophile Ösophagitis
Eosinophile Ösophagitis
Ät.: Allergisch-immunpathologisch
Makro: Weiße Beläge, oft auch unaufällige Schleimhaut
Mikro: Eosinophile Infiltration (DD: Terminale Wundheilungphase z.B. bei Reflux, daher Biopsie nicht im distalen Ösophagus entnehmen! Infektionen mit z.B. Pilzen).
Klinik: Typische Allergikeranamnese, Dysphagie
D.: Biopsie im mittleren Ösophagusdrittel
Gastroösopageale Refluxkrankheit (GERD)
Syn.: Refluxösophagitis
Ät.: Störung der ösophagealen Clearance (reduzierte Motilität, reduzierter Speichelfluss, Achalasie), Hyperazidität, Hypotonie des unteres Ösophagussphinkters, axiale Gleithernie, Mageninnendruckerhöhung, Magenentleerungsstörungen, Schwangerschaft, Rauchen, Alkohol.
Makro: Rötung, Ödem, Erosionen. Klinische Schweregrad-Einteilung nach SAVARY und MILLER vier Krankheitsstadien:
- I - Einzelne Erosionen (= Epitheldefekte).
- II - Longitudinal konfluierende Erosionen.
- III - Zirkulär konfluierende Erosionen, die die gesamte Zirkumferenz des Ösophagus einnehmen.
- IV - Komplikationen: Ulkus (die Läsion erreicht tiefere Wandschichten), Barrett-Ösophagus, Strikturen (Narbenstränge), Stenose (narbige Lumeneinengung).
Mikro: Basalzellhyperplasie, verlängerte Papillen.
Klinik: Asymptomatisch oder Sodbrennen, saures Aufstoßen, Dysphagie, evtl. Laryngitis (Heiserkeit), Bronchitis, Asthma, Zahnschäden.
Kompl.: Obere GI-Blutung (chron. Eisenmangelanämie), Narben, Strikturen, BARRETT-Ösophagus, Adenokarzinom.
BARRETT-Ösophagus
BARRETT's mucosa
Syn.: BARRETT-Mucosa, BARRETT-Schleimhaut
Def.: Intestinale Zylinderepithelmetaplasie im distalen Ösophagus, d.h. das Plattenepithel ist durch ein Zylinderepithel ersetzt.
Embryologie Ösophagusschleimhaut:
- Ab 3. Monat - Zylinderepithel
- Ab 4. Monat - Schleimbildendes Epithel
- Ab 6. Monat - Mehrreihiges Epithel
- Ab Geburt - Mehrschichtiges Plattenepithel, Reste von Zylinderepithel
Ep.: Zunehmende Inzidenz, w : m = 1 : 4,3
Lok.: Distaler Ösophagus
Ät.: Chronischer Reflux von Magensäure (, Galle)
Pathogenese: Vermutlich Differenzierungsänderung der lokalen Stammzellen (Metaplasie).
Makro: Rötliche lachsfarbene Läsionen die zirkulär oder zungenartig nach oral hin in die normale weißliche Ösophagusschleimhaut hineinreichen.
Mikro der BARRETT-Schleimhaut:
- Flaches „schlampig gebautes“ Zylinderepithel.
- Inkomplette intestinale Metaplasie - In das Epithel eingelagerte Becherzellen und Prä-Becherzellen (Darstellung mit der Alcian-Färbung), selten PANETH-Körnerzellen.
- Basal Reste irregulärer Cardia-Drüsen.
- Häufig doppelte Muscularis mucosae.
Formen:
- Ca. 15 % Long-segment-BARRETT-Ösophagus (> 30 mm)
- Ca. 80 % Short-segment-BARRETT-Ösophagus (< 30 mm)
- Ca. 5 % Ultrashort-segment-BARRETT-Ösophagus (nur mikroskopisch fassbar)
DD.:
- Intestinale Metaplasie der Kardia (CIM) - Höher aufgebaute Schleimhaut, komplette intestinale Metaplasie (In das Epithel eingelagerte Becherzellen und PANETH-Körnerzellen am Drüsengrund), angrenzend normale Kardia- oder Corpus-Schleimhaut.
- Ektope Magenschleimhaut
Kompl.: BARRETT-Ulkus, low-grade und high-grade intraepitheliale Neoplasie (früher: Dysplasie), BARRETT-Adenokarzinom (häufiger bei long-segment-BARRETT). Die BARRETT-Mucosa gilt somit als präkanzeröse Kondition.
Geringgradige (low-grade) intraepitheliale Neoplasie (IN) der BARRETT-Mucosa
Mikro:
- Weitgehend erhaltene Architektur der Krypten
- Becherzellverlust
- Weitgehend erhaltene Zellpolarität (basal gelegene Zellkerne)
- Verschiebung der Kern-Plasma-Relation zugunsten des Kerns mit Ausbildung stäbchenförmiger hyperchromatischer Zellkerne („Stäbchenepithel“).
- Fehlende Ausreifung nach luminal
- Abrupter Übergang vom dysplastischen zum normalen Epithel
DD Regeneratorisch veränderte BARRETT-Mucosa:
- Ausreifung nach luminal
- Fließender Übergang zwischen verändertem und normalen Epithel
Hochgradige (high-grade) intraepitheliale Neoplasie (IN) der BARRETT-Mucosa
Mikro:
- Deutliche Störung der Kryptenarchitektur mit Ausbildung von Knospen und Verzweigungen („budding and branching“).
- Becherzellverlust
- Verlust der Zellpolarität (Zellkerne auch zentral und apikal)
- Verschiebung der Kern-Plasma-Relation zugunsten des Kerns mit Ausbildung hyperchromatischer pleomorpher Zellkerne.
- Prominente Nukleolen
- Mitosen häufiger und teilweise atypisch (z.B. tripolare Mitosen)
- Fehlende Ausreifung nach luminal
- Abrupter Übergang vom dysplastischen zum normalen Epithel
DD.: Invasives Adenokarzinom
Ösophaguskarzinom
Formen und RF:
- Plattenepithelkarzinom - RF: Malnutrition, Alkohol, Rauchen, Arbeiter
- Adenokarzinom inklusive BARRETT-Karzinom- RF: Adipositas, Reflux, Akademiker, BARRETT-Ösophagus
Lok.: Das Adenokarzinom findet sich meist distal (siehe BARRETT-Karzinom), Plattenepithelkarzinome häufiger an der mittleren und oberen Ösophagusenge.
Makro: „Rote Flecken“, Anfärbung mit Methylenblau.
Mikro: Atypien, hyperämische Gefäße, invasives Wachstum.
BARRETT-Karzinom
Adenokarzinom im Bereich des distalen Ösophagus auf der Grundlage einer BARRETT-Schleimhaut.
Pg.: Vermutlich Reflux-induziert.
Mikro:
- High-grade intraepitheliale Neoplasie mit:
- Ausgeprägte Verzweigung der neoplastischen Drüsen mit Kalibersprüngen
- Dissoziation neoplastischer Zellgruppen
- Infiltratives Wachstum
- Einbrüche in das Blut- oder Lymphgefäßsystem
Literatur
- Faller G et al. “Histopathologische Diagnostik der Barrett-Schleimhaut und ihrer Neoplasien - Ergebnisse einer Konsensus-Konferenz der Arbeitsgemeinschaft "Gastroenterologische Pathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie" am 22. September 2001 in Erlangen”. Pathologe, 24(1):9-14, Feb 2003. PMID 12601473 -- Faller G et al. “Histopathological diagnosis of Barrett's mucosa and associated neoplasias: results of a consensus conference of the Working Group for Gastroenterological Pathology of the German Society for Pathology on 22 September 2001 in Erlangen”. Virchows Arch., 443(5):597-601, Nov Epub 2003 Sep 24 2003. PMID 14508684
Magen
Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen
Gastroschisis
Angeborener Bauchdeckendefekt mit Vorfall der Eingeweide.
Durch den Kontakt mit Fruchtwasser ist die Darmwand reaktiv verdickt -> Motilitätseinschränkung -> Nach operativer Versorgung erhöhtes Ileusrisiko.
Enterothorax
Angeborene Hiatushernie mit Verlagerung von Magen und/oder Darmanteilen in den Thorax.
Hypertrophe Pylorustenose
Makro: Der Pylorus ist verdickt und spastisch verengt.
Klinik: Ab ca. der 3. Lebenswoche auftretendes schwallartiges Erbrechen, Exsikkose, Entgleisung von Energie-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt (hypochlorämische Alkalose).
Hiatushernie
Vergrößerte Zwerchfelllücke (Hiatus ösophagei) mit Verlagerung von Bauchinhalt in den Thorax.
Formen:
- Axiale Gleithernie - Verlagerung der Kardia -> Kompl.: Refluxösophagitis.
- Paraösophageale Hernie - Verlagerung des Fundus -> Kompl.: Passagehindernis, Inkarzeration, Erosionen/Ulkus.
- Upside-Down-Stomach - Der Magen ist komplett in den Thorax verlagert.
Gastropathien
MÉNÉTRIER-Syndrom
Syn.: Gastropathia hypertrophica gigantea, Riesenfaltengastritis
Mikro: Hyperplasie des schleimbildenden Oberflächenepithels (foveoläre Hyperplasie), Atrophie der Haupt- und Belegzellen.
Kompl.: Maligne Entartung.
Gastritis
Entzündung der Magenschleimhaut. Korrelation mit der klinischen Diagnose Dyspepsie (Sodbrennen, Oberbauchbeschwerden, saures Aufstoßen, Völlegefühl) sehr variabel. Die chronische Gastritis ist oft asymptomatisch.
Akute Gastritis
Akute Magenschleimhautentzündung.
Akute hämorrhagische/erosive Gastritis
Ät.: Stress (Intensivpatienten), Hypoperfusion (Schock), Fremdstoffe (ASS, Diclofenac, Kortikosteroide, Alkohol, Rauchen, Zytostatika), Urämie, Helicobacter pylori u.a.m.
Mikro: Ödem (aufgelockertes Stroma), Kongestion (erweiterte blutreiche Kapillaren), Einblutungen, regenerative Epithelveränderungen, kaum Entzündungszellen, evtl. Anschnitte von Erosionen (fibrinbelegte Epitheldefekte, Granulozyten).
Kompl.: Obere GI-Blutung
Akute H. pylori-Gastritis
Ep.: Selten, da akute H.p.-Infektion meist oligosymptomatisch oder inapparent.
Mikro: Epitheldegeneration, oberflächliche neutrophile Infiltration.
Phlegmonöse Gastritis
Ät.: Z.B. im Rahmen einer Sepsis
Mikro: Submuköse Eiteransammlungen (massenhaft teils zerfallende neutrophile Granulozyten)
Chronische Gastritis
Morphologisch, topographisch und ätiopathogenetisch lassen sich verschiedene Formen der chronischen Gastritis unterscheiden, die sich auch überlappen können. Hauptverursacher chronischer Gastritiden ist Helicobacter pylori.
Atrophische Gastritis
Syn.: Typ A-Gastritis
Ep.: 40 - 50 Lj., w:m = 10:1
Ät.: Häufig Autoimmungastritis (Auto-Ak gegen Belegzellen und/oder intrinsic factor). Autoimmun-Diagnose nur im klinischen Kontext möglich.
Lok.: Korpus-prädominant.
Mikro: Atrophie der Corpus-Drüsen (Belegzellschwund), Corpus-betonte Entzündung, im Antrum G-Zell-Hyperplasie, im Corpus ECL-Hyperplasie (Enterochromaffin-like cells).
Klinik: Evtl. Druckgefühl im Oberbauch, Belegzellenschwund -> Achlorhydrie, Intrinsic-factor-Mangel -> Vitamin-B12-Malabsorption -> perniziöse Anämie (Morbus BIERMER).
Kompl.:
- Karzinomrisiko erhöht.
- HCl-Mangel -> Stimulation von gastrinproduzierenden G-Zellen im Antrum -> Gastrin stimuliert auch ECL im Corpus -> Endokrine Tumoren (Gastrinome, Karzinoide), nicht-autonom und mit guter Prognose.
Multifokal-atrophische Gastritis
Syn.: Typ B-Gastritis
Ät.: Helicobacter pylori, andere Faktoren.
Lok.: Pangastritis (Antrum + Corpus) mit multifokal auftretenden atrophisch-metaplastischen Bezirken.
PP.: Chronischer Entzündungsreiz durch bakterielle Enzyme (Urease), Zytotoxine, Adhäsine.
Mikro.: Ausgeprägte chronisch-aktive Entzündung häufig mit Lymphfollikel-Bildung, Immunzellen durchdringen die Mucosa, leichter Belegzellschwund -> Hypochlorhydrie, Nachweis von H. pylori auf den Epitheloberflächen DD Helicobacter heilmanii (letzterer länger und weniger wandadhärend), fokale Atrophien und intestinale oder pseudopylorische Metaplasie mit Schwerpunkt im antrocorporalen Übergang.
Das beschriebene Bild ist suggestiv für eine H. pylori-assoziierte Gastritis. Bei fehlendem H. pylori-Nachweis: sampling error aufgrund der variablen und teilweise fleckförmigen Helicobacter-Verteilung (klinischerseits weitere Tests sinnvoll, z.B. Serologie, Stuhl- oder Atemtest) oder DD Morbus Crohn!
Kompl.: Ulkus, MALT-Lymphom, Magenkarzinom.
Nicht-atrophische Gastritis
Syn.: Typ B-Gastritis
Ät.: Helicobacter pylori, häufigste Form.
Lok.: Diffuses, Antrum-prädominantes Muster der Entzündung.
Mikro.: Wie oben, aber ohne Atrophie oder Metaplasie.
Kompl.: MALT-Lymphom?, Ulkus, obere GI-Blutung.
Prg.: Benigner als die multifokal-atrophische Gastritis, geringeres Entartungsrisiko.
Chemisch-toxische Gastritis
Syn.: Typ C-Gastritis, reaktive Gastritis, reaktive Gastropathie
Ät.: Chemisch-toxisch (Gallereflux, NSAR, Kortikoide, Hyperkalziämie).
Mikro: Foveoläre Hyperplasie, Ödem, Proliferation der glatten Muskelzellen, nur wenig Entzündungszellen.
Strahlengastritis
Ät.: Ionisierende Strahlung
Lymphozytäre Gastritis
Ät.: Unklar. Assoziiert mit der Zöliakie.
Lok.: Corpus-prädominant
Makro: Endoskopisch häufig varioliformes Muster (noduläre Erosionen entlang der Magenfalten).
Mikro: Lymphozytäre Infiltration des Oberflächenepithels überwiegend durch CD8+-Zellen. Intraepitheliale Lymphozyten (IEL) > 25 pro 100 Epithelzellen.
Infektiöse Gastritis (ohne H.p.)
Ät.: Viren (Enteroviren, CMV), Bakterien (Helicobacter heilmanii), Pilze (Candida sp., Histoplasma capsulatum, Mucormykosen), Parasiten (Strongyloides stercoralis, Anisakis).
Granulomatöse Gastritis
Ät.: Morbus Crohn, Sarkoidose, Fremdkörper, Infektionen (Tbc, Histoplasma capsulatum, Anisakis sp.), Vaskulitis-assoziiert, idiopathisch.
Mikro: Granulome
Eosinophile Gastritis
Ät.: Allergisch
Mikro: Viele eosinophile Granulozyten, kaum andere Entzündungszellen.
Klinik: Assoziation mit atopisch-allergischen Erkrankungen und Bluteosinophilie.
DD: Lokale Eosinophilie bei Parasitose, Morbus CROHN, Karzinom, Ulkus u.a.m.
Kollagene Gastritis
Ep.: selten
Mikro: Subepitheliale Kollagendeposition.
GvHD-Gastritis
Ät.: Graft versus host disease nach allogener Knochenmark- oder Stammzelltransplantation.
Vaskuläre Gastropathie
Portal-hypertensive Gastropathie
Ät.: Pfortaderhochdruck z.B. bei Leberzirrhose
Mikro: Ggf. ist eine Dilatation und Schlängelung der venösen Gefäße erkennbar.
Antrale Gefäßektasie
Syn.: Wassermelonen-Magen
Makro: Endoskopisch longitudinale Streifen geröteter Schleimhaut.
Mikro: Dilatierte Kapillaren mit Fibrinthromben.
Befundung
Biopsiematerial: Mind. 2x Antrum, 2x Corpus, evtl. 1x Incisura ventriculi (wird dem Antrum zugerechnet), zusätzlich Biopsate ggf. auffälliger Läsionen (Ulzera, Rötungen u.a.).
Erforderliche klinische Angaben:
- Klinischer Befund und Verdachtsdiagnose
- Endoskopischer Befund
- Medikation der letzten Monate (COX-Hemmer, PPI, Antazida, Antibiotika, Chemotherapie u.a.)
- Relevante Vordiagnosen (Makrozytäre Anämie, Z.n. H.p.-Eradikationstherapie, Z.n. Bestrahlung, Intensivtherapie, Immunsuppression, HIV-Infektion, Tbc, Z.n. allogener Stammzelltransplantation u.a.m.)
Färbungen: H&E, Helicobacter-Färbung (z.B. modifizierte Giemsa, Warthin-Starry, IHC), evtl. Sonderfärbung zur Kontrastierung einer intestinalen Metaplasie (Alcian-Blau, PAS).
Beurteilung: Die Beurteilung berücksichtigt folgende Parameter jeweils für Antrum und Corpus, die anhand einer visuellen Analogskala graduiert werden können:
- H. pylori -> B-Gastritis
- Neutrophile -> Akute Gastritis
- Lymphozyten und Plasmazellen -> Chronische Gastritis
- Atrophie -> Chronische Gastritis, Präneoplasie
- Intestinale Metaplasie -> Chronische Gastritis, Präneoplasie
- Zusatzbefunde, z.B.: Foveoläre Hyperplasie, Lymphfollikel, starke Lymphozyteninfiltration (V.a. MALT-Lymphom?), Eosinophilie, Hyperplasie endokriner Zellen, Granulome (Morbus CROHN?), Erreger u.a.m.
Diagnose: Abhängig von der Befundkonstellation und den klinischen Angaben. Bsp.: Helicobacter pylori-positive chronisch-aktive Antrum-prädominante Gastritis. Oder: Corpus-betonte chronisch-atrophe Gastritis, H.p.-negativ, evtl. autoimmun-vermittelt.
Literatur:
- Dixon MF et al. “Classification and grading of gastritis. The updated Sydney System. International Workshop on the Histopathology of Gastritis, Houston 1994.”. Am J Surg Pathol, 20(10):1161-81, Oct 1996. PMID 8827022
Magenulkus
Ät.: Ungleichgewicht zwischen protektiven und aggressiven Faktoren.
- Protektiv: Schleim, Bicarbonatsekretion, Durchblutung.
- Aggressiv: Heliobacter pylori, Hyperazidität, Hyperkalzämie, Schleimhautschäden (Kortikoide, NSAR), Stress (Intensivpatienten, Operationen, Infekte u.a.), erhöhter Vagotonus, Rauchen u.a.m.
Mikro: Defekt mit Fehlen der Mucosa und Eindringen in tiefere Schichten. Wundgrund mit Fibrin, Entzündungszellen und Granulation.
Makro: Oft ausgestanzter Defekt mit Fibrinbelägen, kaum Randwall. DD.: Magenkarzinom!
Kompl.:
- Perforation - Klinik: akutes Abdomen.
- Obere GI-Blutung - Klinik: Schwäche, Blässe, Schock, Übelkeit, Bluterbrechen oder Kaffeesatzerbrechen, evtl. Teerstuhl oder Hämatochezie bei massiver Blutung.
Intestinale Metaplasie
Umwandlung von Magenschleimhaut in intestinal differenziertes Gewebe (Becherzellen, resorbierende Zellen mit Mikrovillisaum, PANETH-Körnerzellen u.a.). Becherzellen lassen sich z.B. gut mit Alcian-Blau darstellen (DD.: Alcian-positive Epithelzellen).
Morphologisch und zytochemisch lassen sich verschiedene Typen der intestinalen Metaplasie unterscheiden, die sich in ihrem Malignitätspotential unterscheiden. Die Differenzierung ist Gegenstand der Forschung und hat noch keinen Eingang in die Routinediagnostik gefunden.
Anmerkung: Helicobacter findet sich auf intestinal metaplastischer Schleimhaut nicht. Umgekehrt kann Helicobacter außerhalb des Magens vorkommen z.B. auf ektoper Magenschleimhaut im Ösophagus oder auf Inseln gastrischer Metaplasie im Duodenum.
Intestinale Metaplasie der Kardia (CIM)
Ep.: w:m = 1,1:1
Ausschlußdiagnose!
Mikro: Intestinale Metaplasie, „ruhiges“ Schleimhautbild, seitlich foveoläres Magenepithel, basal Kardia- und/oder Korpusdrüsen.
DD.: Barret-Ösophagus
Magenpolypen
Benigne Wucherungen der Magenschleimhaut
Typen:
- Hyperplastisch (80 - 90 %) - Mucosazellen, Drüsenschläuche, entzündliche Infiltrate.
- Adenomatös (10 - 20 %) - Tubuläre, villöse oder tubulovillöse Epithelwucherungen; entarten eher.
Magenkarzinom
RF.:
- Chronische B-Gastritis (Helicobacter pylori), v.a. wenn vom multifokal-atrophischen Typ, Hauptursache
- Chronisch-atrophische Gastritis (Typ A), Achlorhydrie
- MÉNÉTRIER-Syndrom = Gastropathia hypertrophica gigantea (Riesenfaltengastritis)
- Adenomatöse Polypen
- Zustand nach Magenresektion
- Alkohol, Nitrosamine, Aflatoxine, Ernährungsgewohnheiten
- Familiäre Häufung
Pg.: Wichtigste Sequenz: H. pylori-Besiedelung -> Chronische Gastritis -> Atrophie und intestinale Metaplasie -> Dysplasie -> Karzinom.
Klassifikation der Magenkarzinome nach LAUREN:
- Intestinaler Typ (50 %) - Glanduläre Strukturen
- Diffuser Typ (40 %) - Alle anderen Typen
Klinik: B-Symptome, Oberbauchbeschwerden, Abneigung gegen Fleisch, Akanthosis nigricans maligna.
Literatur:
- Genta RM et al. “Assessing risks for gastric cancer: new tools for pathologists”. World J Gastroenterol., 12(35):5622-7, Sep 21 2006. PMID 17007013
- Correa P. “Human gastric carcinogenesis: a multistep and multifactorial process--First American Cancer Society Award Lecture on Cancer Epidemiology and Prevention”. Cancer Res., 52(24):6735-40, Dec 15 1992. PMID 1458460
Magenfrühkarzinom
Mikro: Fehlende Drüsenschläuche, Lamina muscularis propria intakt, Tumor auf Mucosa und Submucosa begrenzt, kein Cis (Carcinoma in situ)! Lymphknoten können bereits positiv sein.
Formen:
- Siegelzelltyp
- Mukosatyp
Klassifikation:
- Typ I - Auf die Mucosa beschränkt, polypös, exophytisch, seltenste Form.
- Typ II - Auf die Mucosa beschränkt.
- Typ IIa - Leicht erhaben.
- Typ IIb - Schleimhautniveau, irreguläre Oberfläche.
- Typ IIc - Leicht abgesenkt, häufigste Form.
- Typ III - Submucosa infiltriert, exkaviert mit zentralem Ulkus, Ca v.a. im Randbereich aktiv.
Th.: Bis Stadium IIc endoskopisch-ablative Entfernung gut machbar, bei III nur in Ausnahmefällen (Inoperabilität u.a.).
Prg.: 5-Jahres-Überlebensrate 75 - 90 %
Magenkarzinom
Histologische Typen:
- Adenokarzinom
- Papillär
- Tubulär
- Muzinös (schleimbildend)
- Adenosquamös
- Siegelringzellkarzinom (große, rundliche Zellen mit randständigem Kern. Das schaumige Zytoplasma färbt sich in der PAS-Färbung rot.)
- Gallertkarzinom (extrem schleimbildend)
- Plattenepithelkarzinom
- Szirrhös (undifferenziert mit Bindegewebe)
Makro: Ulkus-ähnlicher Defekt, Randwall.
Gastrointestinaler Stromatumor (GIST)
Ep.: Selten
Malignom mesenchymalen Ursprungs (Sarkom).
Mikro: Variabel, mesenchymal anmutend
IHC: CD117 (c-Kit) +, CD34 +
DD.: Neurale Tumoren, Leiomyo(sarko)m
Benigne mesenchymale Tumoren
Klinik: Magenblutung
Darm
Angeborene Fehlbildungen
Angeborene Duodenalatresie
Ät.: Z.B. Obstruktion durch ein Pankreas anulare.
Kl.: Galliges Erbrechen Stunden bis Tage nach der Geburt. In der Rö-Adomenübersicht doubble-bubble-Phänomen (Luft im Magen und im proximal der Stenose gelegenenen Duodenum).
Dottersack-Fehlbildungen
MECKEL-Divertikel
Kurzer handschuhfingerförmiger Rest des Ductus omphaloentericus am Ileum, etwa 60 cm proximal der Ileozäkalklappe und über einen fibrösen Strang mit dem Nabel verbunden. Kann ektopisches Magenepithel oder Pankreasgewebe enthalten und bluten.
Kompl.: Entzündung, Blutung, Invagination, Ileus, Perforation.
Omphalozele
Nabelschnurbruch.
Omphaloenterozele
Nabelschnurbruch mit Darmschlingen im Bruchsack.
Dysganglionosen
Morbus HIRSCHSPRUNG
Syn.: Megacolon congenitum
Ät.: Lokale A- oder Dysganglionosen, meist im Bereich des Rektums.
Pg.: Enthemmung intramuraler, cholinerger Neurone -> Das dysganglionotische Darmsegment ist spastisch verengt und bildet ein Passagehindernis. -> Die vorgeschalteten Darmabschnitte sind stark dilatiert.
Mikro: Ganglienzellen des AUERBACH'schen Plexus (Plexus myentericus) zwischen Ring- und Längsmuskelschicht fehlen oder sind stark vermindert.
IHC: Erhöhte Acetylcholinesterase-Aktivität.
Klinik: Verzögerter/ausbleibender Mekonium-Abgang (normal < 48 h nach Geburt. DD: Mukoviszidose, Analatresie), Erbrechen, Obstipation, Bauchschmerzen, Meteorismus, vorgewölbter Bauch, Lactatazidose.
Invagination
Ät.: Gastroenteritis, MECKEL-Divertikel, Mukoviszidose, Purpura SCHOENLEIN-HENOCH.
Pg.: Einstülpung eines proximalen Darmsegments in ein distales (meist terminales Ileum in das Zökum).
Klinik: Bauchschmerzen, peranaler Blutabgang, Subileus, Tastbarer walzenförmiger Tumor meist im rechten Unterbauch.
Kompl.: Nekrose mit Durchwanderungsperitonitis.
Ileus
„Darmverschluss“, Passagestörung des Darms mit oder ohne Strangulation der Gefäßversorgung.
Lok.:
- Hoher Dünndarmileus
- Tiefer Dünndarmileus
- Dickdarmileus
Ät.:
- Mechanisch:
- Obstruktion von außen - Ursachen: Briden, Adhäsionen, Tumor, Pankreas anulare.
- Obstruktion von innen - Ursachen: Kolonkarzinom, Kotsteine, Gallensteinileus (Dünndarmileus + Aerobilie), Invagination, Würmer.
- Paralytisch - Ursachen: Peritonitis z.B. bei Hohlorganperforation oder Entzündungen im Bauchraum (Pankreatitis), Urämie, postoperativ bes. nach abdominellen Eingriffen, Mesenterialinfarkt, Folge eines mechanischen Ileus, Intoxikation.
Pg.:
- Passagestörung -> Koprostase, bakterielle Zersetzung, Entzündung.
- Evtl. Strangulation - z.B. bei inkarzerierter Hernie oder Volvulus (Darmverschlingung).
Folge: Durchwanderungsperitonitis und Einschwemmung bakterieller Toxine in den Kreislauf -> Schock, Sepsis, Multiorganversagen (MOV).
Klinik: Bauchschmerzen, Meteorismus, Darmgeräusche vermehrt (mechanischer Ileus) oder aufgehoben („Totenstille“ bei paralytischem Ileus), Singultus, Erbrechen, Miserere.
Divertikulose
Def.: Colon-„Divertikel“ sind pathologische Ausstülpungen der Colonschleimhaut durch Muskellücken, z.B. dort wo die darmversorgenden Gefäße ein- und austreten. Da sie nur aus der Mucosa bestehen sind es genau genommen Pseudodivertikel (falsche Divertikel).
Ep.: Mit steigendem Alter zunehmende Prävalenz.
Ät.: Erhöhter intraluminaler Druck.
RF.: Faserarme Ernährung, chronische Obstipation (Ursachen: Laxantienabusus und Hypokaliämie, Medikamente wie Opiate, trizyklische Antidepressiva und Anticholinergika, Bewegungsmangel, ungenügende Trinkmenge, ballaststoffarme Ernährung).
Lok.: Meist Colon sigmoideum.
Makro: Ausstülpungen der Mucosa durch Muskellücken.
Klinik: Oft erst bei Entzündung symptomatisch. Obstipation, Schmerzen und tastbarer walzenförmiger Tumor im linken Unterbauch.
Kompl.: Divertikulitis, Perforation.
Megacolon
- Primäres Megacolon (Megacolon congenitum) - s.o.
- Sekundäres (erworbenes) Megacolon
- Kompl. bei Colitis ulcerosa (s.u.)
- Chagas-Krankheit (Trypanosoma cruzi)
Rektumprolaps
Ep.: Säuglinge/Kleinkinder, alte Frauen
Klinik: Prolabierte Schleimhaut mit zirkulärer Fältelung, Stuhlinkontinenz
DD.: Analprolaps (radiäre Fältelung)
Hämodynamische Störungen
Nekrotisierende Enterokolitis
Die nekrotisierende Enterokolitis ist eine zirkulatorisch-ischämische, gangränöse Entzündung des Dünndarms im Rahmen schwerer Vorerkrankungen und tritt oft wenige Wochen nach der Geburt auf. Gefährdet sind besonders Frühgeborene.
Ep.: Ca. 7 % aller extrem Frühgeborenen (very-low-birth weight, VLBW), mit einer Letalität von 15 - 30 %.
Pg.: Vermutet wird eine Besiedelung des noch sterilen Darms mit pathogenen Bakterien in Verbindung mit fehlender Muttermilchernährung, Nosokomialkeimspektrum im Krankenhaus und häufigerem Antibiotikagebrauch in der Neonatologie.
Makro: Distendierte nekrotische Darmschlingen, Pneumatosis intestinalis (Luftansammlungen in der Darmwand).
Mesenterialinfarkt
Ät.: Z.B. Thrombembolien bei Vorhofflimmern.
Pg.: Verschluss der A. mesenterica superior (90 %), seltener der A. mesenterica inferior.
Besonderheiten:
- Immer frisch, es gibt keine alten Darminfarkte (unbehandelt letale Durchwanderungsperitonitis!).
- Hämorrhagischer Infarkt. Einblutung über die venösen Kollateralen in den infarzierten Gewebsbezirk.
Makro: Betroffener Darmabschnitt ist livide verfärbt.
Mikro: Einblutung immer, Nekrose.
Klinik: Phasenhafter Verlauf:
- 1) Initialstadium: Heftige Abdominalschmerzen, evtl. hämorrhagische Durchfälle und Schocksymptome, abnorme Peristaltik, Bauch weich, kein Peritonismus.
- 2) Latenzstadium: Trügerisches Nachlassen der Schmerzen („fauler Frieden“), abnehmende Darmperistaltik.
- 3) Darmnekrose: Paralytischer Ileus, Durchwanderungsperitonitis, Schock und MOV.
Non-occlusive disease
Ischämische Minderperfusion des Darms ohne thrombotische Gefäßokklusion.
Ät.: Gehäuft bei Schwerstkranken (Risikofaktoren: Schock/intraoperative Blutdruckabfälle, große Operationen, Sepsis, Intensivtherapie, Anämie, Hypoxie, Atherosklerose, Diabetes mellitus u.a.m.).
Makro: Freie Darmgefäße
Unspezifische Entzündungen
Divertikulitis
Entzündung eines oder mehrerer Darmdivertikel auf dem Boden einer Divertikulose.
Ät.: Divertikel mit Retention von Stuhlresten, bakterieller Zersetzung, Durchblutungsstörung der Schleimhaut, Entzündungsreaktion.
Kompl.: Perforation mit Peritonitis.
Kollagene Colitis
Mikro: Subepitheliale Kollagendeposition
Klinik: Wässrige Durchfälle, koloskopisch blande Colonschleimhaut.
Infektionen
Pseudomembranöse Colitis
Ät.: Überwucherung der Darmschleimhaut mit Toxin-bildenden Clostridium difficile. Antibiotika-assoziiert.
Makro: Darmschleimhaut mit Fibrinbelägen.
Mikro: An Vulkanausbrüche erinnerndes Arrangement von Entzündungszellen (neutrophile Granulozyten, Lymphozyten u.a.) und Fibrin, das aus den entzündlich alterierten Krypten hervorbricht. Bildung von membranartigen Belägen aus Fibrin, Zellen und Zelldetritus.
Kompl.: Toxisches Megacolon, Darmperforation, Sepsis.
Giardiasis (Lambliasis)
Ät.: Giardia lamblia
Klinik: Durchfall, Blähungen, Malabsorption.
Typhus abdominalis
Ät.: Infektion mit Salmonella typhi. Übertragung fäkal-oral.
Makro: Schwellung der PEYER-Plaques, Leber- und Milzschwellung.
Klinik: Bauchschmerzen, treppenförmiger Fieberanstieg und Kontinua, Obstipation, Hepatosplenomegalie, erbsbreiartiger Durchfall, Roseolen auf der Bauchhaut, relative Bardykardie, Benommenheit (typhus = Nebel), Leukopenie.
Morbus WHIPPLE
Syn.: Intestinale Lipodystrophie
Ep.: Sehr selten.
Ät.: Infektion mit Tropheryma whipplei.
Mikro: Makrophagen-Ansammlungen mit intrazytoplasmatisch gelegenen PAS-positiven Bakterien vorwiegend im Dünndarm. Verplumpte Jejunal-Zotten mit Lymphangiektasie.
Klinik: Gewichtsverlust, Malabsorption, Diarrhö, Allgemeinsymptome, Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen u.a.m..
Prg.: Unbehandelt tödlich.
DD.: Andere konsumierende Erkrankungen (Malignom, Tbc, AIDS).
Enterobiasis (Oxyuriasis)
Nachweis von Madenwürmern (Enterobius vermicularis, Oxyuris vermicularis) im Colon oder in der Appendix.
Ep.: V.a. Kinder betroffen
Mikro: Querschnitte durch die Würmer mit typischer Morphologie.
Klinik: Juckreiz in der Analregion bes. nachts, wenn die Würmer dort ihre Eier ablegen.
Kompl.: Appendizitis, selten Vaginitis.
Rinderbandwurm (Taenia saginata)
Ät.: Taenia saginata
Immunopathische entzündliche Prozesse
Glutensensitive Enteropathie
Syn.: Einheimische Sprue, Zöliakie
Ät.: Allergisch-autoimmunpathologische Reaktion auf Klebereiweiße (Gliadine) in bestimmten Getreidearten (z.B. Weizen, Gerste, Roggen) mit Bildung von Antikörpern gegen das Fremdantigen (IgA anti-Gliadin-Antikörper) und nachfolgend gegen Eigenantigen (IgA anti-Gewebstransglutaminase 2 (TG2) = Endomysium-AK (EMA)). Assoziiert mit HLA DQ2 und DQ8. Assoziiert mit der Dermatitis herpetiformis DUHRING.
Mikro:
- Mehr als 40 intraepitheliale Lymphozyten pro 100 Epithelzellen. Weiterhin Lymphozyten und Plasmazellen im Stroma.
- Zottenatrophie: Reduktion der Zotten in Länge und Zahl.
- Hyperplasie der Krypten.
- Alterierte Darmepithelzellen
Histologische Klassifikation nach MARSH nach 1) der Zahl intraepithelialer Lymphozyten pro 100 Enterozyten, 2) nach der Morphologie der Zotten und 3) der Krypten.
Wegen fehlender Spezifität der Histologie ist die endgültige Diagnose eine klinische in der Zusammenschau von pathologischem, serologischem (Antikörper-Diagnostik, Cave: IgA-Test falsch negativ bei IgA-Mangel!) und klinischen Befund.
Klinik: Gedeihstörung, Tabaksbeutelgesäß, vorgewölbter Bauch, voluminöse Fettstühle, Bauchschmerzen.
Kompl.: MALT-Lymphom?
Prg.: Gut bei Gliadin-freier Diät.
Literatur:
- Losowsky MS. “A history of coeliac disease”. Dig Dis, 26:112–20, 2008. DOI:10.1159/000116768. PMID 18431060.
- Marsh MN. “Gluten, major histocompatibility complex, and the small intestine. A molecular and immunobiologic approach to the spectrum of gluten sensitivity ('celiac sprue')”. Gastroenterology, 102:330–54, January 1992. PMID 1727768.
Colitis ulcerosa
Makro: Die Colitis ulcerosa befällt das gesamte Colon, manchmal auch das terminales Ileum. Beginn meist im Rektum mit kontinuierlicher Ausbreitung nach proximal. Ödematöse Schwellung, Bildung von Pseudopolypen, Ulzerationen. Im chronischen Stadium findet man gelbe, polsterförmige Schleimhautinseln zwischen grauer, glatter, freigelegter Submucosa. Die Schleimhaut ist atrophisch. Der Verlust der Haustrierung stellt sich im KM-Rö als Fahrradschlauch-Phänomen dar.
Mikro: Entzündung der Mucosa und Submucosa, stark gestörte Histoarchitektur. Becherzellatrophie, Kryptenabszesse, in der Mucosa Lymphozyten und Plasmazellen sowie Erosionen und Ulzeration. Kontinuierliche Ausbreitung.
Extraintestinale Manifestationen: Siehe unter Morbus CROHN. Primär sklerosierende Cholangitis.
Klinik: Häufige blutige Durchfälle.
Kompl.: Maligne Entartung, toxisches Megacolon.
Morbus CROHN
Syn.: Ileitis terminales
Ep.: Jüngeres Alter.
Makro: Alle Anteile des GIT können befallen sein, vorwiegend terminales Ileum. Der Prozess zeichnet sich durch eine transmurale (alle Wandschichten betreffende) und diskontinuierliche bzw. segmentale (skip lesions = hüpfende Läsionen) Ausbreitung aus. Aphtöse Ulzera stellen eine frühe Manifestation der Erkrankung dar. Evtl. findet man einen „Konglomerattumor“ mit fuchsbauartigen Fistelungen. Die Schleimhaut zeigt ein Pflastersteinrelief.
Mikro: Die Entzündung ist transmural (alle Wandschichten), die Histoarchitektur ist nicht oder nur geringgradig gestört. Man findet zahlreiche Becherzellen, die Krypten sind frei, daneben Epitheloidzellgranulome, tiefe Erosionen, Ulzeration.
Extraintestinale Manifestationen: Häufiger als bei der Colitis ulzerosa. Auge (Iridozyklitis/Uveitis), Gelenke (Sakroileitis), Haut (Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum).
Kompl.: Fisteln (nach vesikal, vaginal, intestinal, perianal, umbilical u.a.), Abszesse, Stenosen, Perforation, Passagestörung durch Briden/Adhäsionen.
Klinik: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, variable Bauchschmerzen v.a. im rechten Unterbauch, Durchfall, Analfisteln.
Der Morbus CROHN ist makroskopisch ein Chamäleon - DD: Kolonkarzinom, Karzinoid, Siegelringkarzinom, Riesenpolypen. Mikroskopisch sind Morbus CROHN und Colitis ulzerosa nicht immer scharf voneinander abzugrenzen. Wichtige klinische Differentialdiagnosen der Ileitis terminalis sind die Appendizitis, rechtsseitige Ovarialprozesse (EUG, Ovarialstieldrehung, Salpingitis), Colonkarzinom des Zäkums, mesenteriale Lymphadenopathie bei Yersiniose, MECKEL-Divertikulitis.
Gastrische Metaplasie des Duodenums
Mikro: In der PAS-Färbung Nachweis von Magenepitheloid (Epithelzellen apikal breit PAS-positiv). (Normalbefund: Nur PAS-positiver schmaler Mikrovillisaum und PAS-positive Becherzellen.)
DD.: Magenschleimhaut (mit intestinaler Metaplasie).
Kolorektale Polypen
Polypen = Sessile oder gestielte Vorwölbung aus dem Schleimhautniveau, einzeln oder multipel, unterschiedlicher Größe, ohne Bewertung der Dignität.
Einteilung:
- Entzündliche Pseudopolypen (siehe CID)
- PEUTZ-JEGHERS-Polypen
- Hyperplastische Polypen
- Neoplastische Polypen
- Epithelial: Adenom, Adenokarzinom
- Mesenchymal: Lipom, Sarkom, Leiomyom
Hyperplastische Polypen
Dignität: Benigne
Mikro: Sägeblatt-Kryptenepithel, basal dunkler
Neoplastische Polypen
Adenome
Eigenschaften: Neoplastisch, epithelial, benigne (Präkanzerose)
Mikro: Das Epithel ist zwei- bis mehrreihig, die Lamina muscularis mucosae intakt, der Tumor ist apikal dunkler.
Morphologische Einteilung:
- Villöses Adenom - Ausbildung von „Fingern“ über dem Schleimhautniveau
- Tubuläres Adenom - Ausbildung tiefer, atypischer Krypten (im Schleimhautniveau)
- Tubulovillöses Adenom - Kombination
Kompl.: Adenokarzinom. Adenome sind Krebsvorstufen.
Adenokarzinom
Neoplastisch, epithelial, maligne.
RF: Ballastoffarme Ernährung.
Pg.: Entwicklung de novo oder auf dem Boden von Adenomen (Adenom-Karzinom-Sequenz).
Präkanzeröse Konditionen:
- FAP - Familiäre Adenomatöse Polyposis coli
- HNPCC - Hereditäres non-Polyposis Colon-Karzinom
Makro: Derbe verfestigter, evtl. glasiger (muzinöser), evtl. ulzerierender oder stenosierender, flacher oder exophytischer Herd, der in die Tiefe des Darmwand vorwächst.
Mikro: Drüsig, infiltrierend wachsend, die Lamina muscularis mucosae ist durchbrochen, man findet die allg. Malignitätskritereien (Kerne groß, polymorph, viele Mitosen, erhöhte Kern/Plasma-Relation).
Tumormarker zur Verlaufs- und Therapiekontrolle: CEA, CA 19-9
Verhalten: Metastasierung vor allem in die Leber.
Klinik: Blut im Stuhl oder Eisenmangelanämie (chronische Blutungsanämie), Wechsel von Obstipation und Diarrhö, B-Symptome, mechanischer Ileus, bei Rektumkarzinom Bleistiftstühle.
Zuschnitt (Darmteilresektat mit Tumor):
- Einbettung oraler und aboraler chirurgischer Resektionsrand
- Tumor mit Übergang in normales Gewebe (wg. DD: Kolonkarzinom vs. Tumor vom kolorektalen Typ aus Nachbarorganen)
- Tumor im Bereich der tiefsten Ausdehnung (wg. TNM-Klassifikation)
- Darm repräsentativ (wg. evtl. vorliegender Begleiterkrankungen des Darms)
- Mesenteriale Lymphknoten a) Darm-nah b) Darm-fern c) Grenzlymphknoten
Die folgenden Bilder zeigen ein relativ kleines Adenokarzinom, das vom Gastroenterologen proximal und distal durch Farbinjektion markiert wurde, damit es der Chirurg in der Operation leichter lokalisieren kann.
Weblinks: KEGG: Colorectal cancer - Homo sapiens (human)
FAP (Familiäre Adenomatöse Polyposis)
Syn.: APC (Adenomatöse Polyposis Coli)
Ät.: Mutation im APC-Gen, ein WNT-Signalweghemmer. Autosomal-dominanter Erbgang.
Makro: Multiple Adenome v.a. in Colon und Rektum, aber auch z.B. im Duodenum, die sich im Jugendalter entwickeln.
Prg.: Obligate Präkanzerose. Unbehandelt Colonkarzinom vor dem 40. Lebensjahr.
Klinik: Blut- und Schleimabgänge.
SF: GARDNER-Syndrom - Zusätzlich Desmoide (niedrigmaligne Weichteilsarkome), Osteome u.a. Tumoren.
Weblinks: OMIM - Familial adenomatous polyposis
HNPCC (Hereditäres non-Polyposis Colon-Karzinom)
Syn.: LYNCH-Syndrom
Ät.: Gendefekte der DNA-Mismatch-Reparatur, z.B. der Gene MSH2 (60 %), MLH1 (30 %), PMS1, PMS2, MSH6, TFGBR2, MLH3.
Weblinks: OMIM - Lynch syndrome
PEUTZ-JEGHERS-Syndrom (PJS)
Ät.: Mutation des Gens, das die Serin/Threonin-Kinase STK11 kodiert.
Makro: Bildung multipler hamartomatöser Polypen im Magen-Darm-Trakt, melanozytäre Makulae an Lippen, Wangenschleimhaut und Händen.
Mikro: Baumartige Struktur der Polypen mit Einstrahlung von glatter Muskulatur.
Prg.: Erhöhtes Malignom-Risiko.
Weblinks: OMIM - Peutz-Jeghers syndrome
Karzinoide
Karzinoide sind neuroendokrin aktive Tumoren, die von den diffus verteilten enterochromaffinen Zellen des Magen-Darm- (ca. 9/10) und Bronchial-Trakts (ca. 1/10)ausgehen. Sie stellen neben den Inselzelltumoren eine weitere Untergruppe der APUDome dar und können z.B. Serotonin bilden. Ursprungszelle der neuroendokrinen Tumoren ist die Kutschinsky-Zelle (Schreibweise?). Von dieser leiten sich neben dem typischen und atypischen Karzinoid auch das neuroendokrin differenzierte Karzinom und der Kleinzeller (kleinzelliges Karzinom) ab.
Makro: Typischerweise gelbliche homogene Schnittfläche.
Mikro: Monotone Zellen. Gruppierung in Nestern oder Bändern. (Cave: Kleine Karzinoide können leicht für Lymphozytenaggregate gehalten und übersehen werden!).
Subtypen:
- Typische Karzinoide - Keine Nekrosen, < 2 Mitosen pro HPF, niedriger Proliferationsindex (MIB-1/Ki67).
- Atypische Karzinoide - Nekrosen, > 2 Mitosen pro HPF, höherer Proliferationsindex.
IHC: Neuroendokrine Marker + (Chromogranin A, Synaptophysin, Neuronen-spezifische Enolase (NSE), CD56 (NCAM)).
Klinik: Bei intestinalen Karzinoiden treten Symptome häufig erst bei einer Lebermetastasierung auf, da die Hormone vorher in der Leber inaktiviert werden. Dazu zählen Flush, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Valvulopathie und Endokardfibrose (Rechtes Herz eher bei Karzinoiden des MDT, Linkes Herz eher bei Bronchial-Karzinoiden betroffen).
Analregion
Analatresie
Angeborener Verschluss durch Unterbleiben des intrauterinen Einreissens der Kloakenmembran. Nicht selten Kombination mit rektovesikaler, rektovaginaler oder rektoperinealer Fistel und Fehllage des blinden Rektumendes außerhalb der Sphinkterregion.
Marisken
Ät.: Idiopathische, selten sekundäre benigne fibromartige Kutishyperplasie.
Morph.: Von der Analhaut ausgehende weiche, hautfarbene bis pflaumengroße Knoten.
Klinik.: Meist asymptomatisch, selten Ursache eines Analekzems oder einer Mykose (Pruritus).
Condyloma acuminatum
Ät.: HPV-bedingte warzenartige Läsion der Haut oder Schleimhaut (HPV 6, 8, 11, 42, 44,...)
Übertragung: Sexuell
Makro: Blumenkohlartige exophytische Hauttumoren.
Mikro: Koilozyten (pyknotische, polymorphe Kerne mit perinukleärem Hof).
Herpes
Mikro: Milchglaszellen, Mehrkernigkeit.
Perianaler Abszess
Ät.: Entzündung einer Proktodealdrüse.
Analfistel
Ät.: Entzündung einer Proktodealdrüse, Morbus CROHN.
Analekzem
Ät.: Kumulativ-toxisch (Sekretion oder Mazeration infolge von Marisken, Hämorrhoiden, Fissuren, Fisteln, übertriebener Analhygiene, Trichteranus).
Morph: Akutes nässendes, erosives Ekzem oder chronisches lichenifiziertes Ekzem.
Klinik: Starker Pruritus, Nässen.
Kompl.: Allergisches Kontaktekzem, Sekundärinfektion.
DD.: Allergisches Kontaktekzem, atopisches Ekzem.
Analvenenthrombose
Ät.: Assoziiert mit Hämorrhoidalleiden. Auftreten spontan, nach hartem Stuhlgang/Diarrhoe, in der Schwangerschaft.
Makro: Akut aufgetretener dunkellivider, kugeliger, ödematöser, prallelastischer Knoten. Akute heftige, stechende Schmerzen, die im Verlauf in Druck- und Spannungsschmerz übergehen.
Analfissur
Ät.: Assoziiert mit Hämorrhoidalleiden und anorektalen Entzündungen. Harter Stuhlgang, hoher Sphinktertonus.
Makro: Ovales bis kreisförmiges Ulcus der Analhaut, Lokalisation i.d.R. 6:00 SSL
Klinik: Heftige brennende, stechende Schmerzen bei der Defäkation, Sphinkterspasmus, Blutungen.
Hämorrhoiden
Ät.: Genetische Faktoren, chronische Obstipation (Faserarme Ernährung, geringe Trinkmenge, Bewegungsmangel, Adipositas), überwiegend sitzende Tätigkeit, Gravidität.
Pg.: Druckerhöhung -> Gefäßelongation, Aussackung und Hypertrophie des Corpus cavernosum recti
Symptome: Stadienabhängig Juckreiz, Nässen, Blutungen, Fremdkörpergefühl, Schmerzen, Prolaps, Kontinenzstörungen.
Stadien:
- Grad I: Rote Nodi an der Linea dentata. Nicht palpabel, ausschließlich proktoskopisch nachweisbar, wenig Symptome (hellrote Schmierblutungen).
- Grad II: Beim Pressversuch prolabierende rote weicher Knoten an den Prädilektionsstellen, die spontan retrahieren. Evtl. palpabel (Fibrose). Symptome: Schmierblutungen, Defäkationsschmerz. Kompl.: Inkarzeration, Thrombosierung.
- Grad III: Reponibler Analprolaps. Symptome: Sekretion und Nässen, Schmierblutungen, Kontinenzstörungen, Begünstigung eines Analekzems mit Juckreiz.
- Grad IV: Persistierender nicht reponibler Analprolaps in Form von gestauten lividroten Knoten mit radiärer Faltenbildung (DD Rektumprolaps: zirkuläre Fältelung). Symptome: chronisches Analekzem, starker Pruritus, Schmierblutungen.
Analkarzinom
Mikro: Meist Plattenepithelkarzinom.
Leber
Folgen von Lebererkrankungen
Leberfunktionsstörungen
- Reduzierte Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion
- -> Kompromittierter Harnstoffzyklus -> Ammoniak-Anstieg -> Hepatische Enzephalopathie v.a. bei Eiweißexposition (Ösophagus-/Fundusvarizen-Blutung!)
- -> Gestörte Biotransformation
- -> Verzögerter Abbau von Androgenen -> periphere Umwandlung in Östrogene -> Gynäkomastie, Bauchglatze, andere endokrine Störungen
- -> Reduzierte Bilirubin-Ausscheidung -> Ikterus (Gelbsucht)
- Intrahepatische Cholestase -> Ikterus, Pruritus
- Reduzierte Synthesefunktion
- -> Albumin-Mangel -> Verringerter kolloidosmotischer Druck im Kapillarbett -> Ödeme, Aszites -> Hypotonie, Kollapsneigung, hepatorenales Syndrom, erektile Dysfunktion, Spontan-bakterielle Peritonitis (SBP)
- -> Mangel an Gerinnungsfaktoren (z.B. der Vitamin K-abhängigen Faktoren II, VII, IX, X) -> Störungen des extrinsischen Gerinnungssystems (Quick erniedrigt bzw. INR erhöht) -> Lebensbedrohliche Blutungen
- -> Reduzierte metabolische Funktion (Glycogenspeicherung, Gluconeogenese) -> Hypoglykämien
Pfortaderhochdruck
- Erhöhung des intrahepatischen Gefäßwiderstandes -> Erhöhung des portalvenösen Blutdrucks
- -> Aszites -> Spontane bakterielle Peritonitis (SBP)
- -> Splenomegalie
- -> Aktivierung der Umgehungskreisläufe
- -> Caput medusae
- -> Ösophagus- und Fundusvarizen -> Lebensbedrohliche Blutungen
Aszites
Syn.: Bauchwassersucht
Ät. und Pg.:
- Abflussstörungen -> Portale Hypertension:
- prähepatisch: Z.B. bei Portalvenenthrombose
- intrahepatisch: Z.B. bei Leberzirrhose
- posthepatisch: Z.B. bei BUDD-CHIARI-Syndrom oder Herzinsuffizienz
- Erniedrigter kolloidosmotischer Druck: Albuminmangel z.B. bei Leberzirrhose (Synthesedefizit) oder nephrotischem Syndrom (Verlust).
- Sekretion: Peritonealkarzinose durch sezernierende Adenokarzinome (maligner Erguss), Serositis.
Makro: Seröse Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle.
Fehlbildungen der Leber
- Agenesie (Rarität)
- Lageanomalien (bei situs inversus)
- abnorme Lappung
- Ektopes Lebergewebe
Fehlbildungen der Gallenwege
- Kongenitale polyzystische Erkrankung des Kindes
- Kongenitale polyzystische Erkrankung des Erwachsenen
- Solitäre Leberzysten
- Kongenitale Leberfibrose
- Gallengangsmikrohamartome (von Meyenburg Komplexe)
- Caroli-Syndrom: angeborene Leberzirrhose, zystische Dilatation der intrahepatischen Gallengänge, porto-portale Bindegewebssepten
Zirkulationsstörungen
Physiologie: Die Versorgung der Leber erfolgt zu 1/3 über die A. hepatica propria, zu 2/3 über die V. portae.
Prähepatische Einflußstörungen
Ät.:
- Leberarterienkompression
- Portalvenenkompression
- Pfortaderthrombose
Folgen: Ösophagusvarizen, Splenomegalie, intestinale Kongestion (Stauung).
Intrahepatische Zirkulationsstörungen
Verminderter Leberdurchfluss
Ät.:
- Zirrhose
- Sinusoidokklusion
Folgen: Aszites, Ösophagusvarizen, Hepatomegalie, Transaminasen-Anstieg.
ZAHN'scher Infarkt
Lokale Druckatrophie durch Stauungshyperämie, z.B. bei Rechtsherzinsuffizienz und gleichzeitiger lokaler Kompression kleiner Portalvenen im betroffenen Bereich, keine Nekrose.
Leber-Infarkt
Meist hämorrhagisch (wg. doppelter Blutversorgung über Vasa publica und Vasa privata).
Posthepatische Abflußstörungen
Folgen: Aszites, Hepatomegalie, Bauchschmerzen, Transaminasenanstieg
BUDD-CHIARI-Syndrom
Thrombose der großen Lebervenen
Ät.: idiopathisch (30 %), Kollagenosen (SLE), myeloproliferative Erkrankungen
Mikro: Multiple, zentrolobuläre Nekrosen
Beim Budd-Chiari-Syndrom kommt es zu einer sich schnell (= akuten) oder langsam (= chronisch) entwickelnden Blutabflussstörung der Leber durch eine Thrombose in den Lebervenen oder der V. cava inferior. Klinisch besteht eine Lebervergrößerung, Schmerzen im rechten Oberbauch und Aszites (= Erguss der Bauchhöhle). Die Thrombose der Lebervenen entsteht im Rahmen einer allgemein erhöhten Thromboseneigung bei hämatologischen Grunderkrankungen, Mutationen von Genen der Blutgerinnungsfaktoren (insbesondere der Faktor V), Lupus erythematodes, Verwendung von Kontrazeptiva und malignen Tumoren. Die Thrombosen beim Budd-Chiari-Syndrom können aber auch beim direkten Verschluss von Lebervenen durch Tumoren oder Entzündungen entstehen. Ca. 30% der Patienten mit Budd-Chiari-Syndrom zeigen jedoch keine eindeutig identifizierbare Ursache (sog. „idiopathische“ Genese).
Vena-occlusive-disease
Thrombosierung der kleinen intrahepatischen Venen
Ät.: Zytostatika, nach KM-Tx, nach Radiotherapie
Akute kardiale Leberstauung
Ät.: Akute Rechtsherzinsuffizienz, z.B. bei fulminanter Lungenarterienembolie, Perikardtamponade, akutem inferioren Hinterwandinfarkt.
Makro: Geschwollene rote Leber. Von der frischen Schnittfläche fließt reichlich Blut ab.
Mikro: Hyperämie. Normale Architektur des Lebergewebes.
Chronische kardiale Leberstauung
Ät.: Chronische Rechtsherzinsuffizienz z.B. bei Cor pulmonale aufgrund einer primären oder sekundären pulmonalen Hypertonie (COPD, rezidivierende Lungenarterienmbolie), Klappenfehler z.B. Trikuspidal- oder Pulmonalstenose, Perikarditis constrictiva, altem Hinterwandinfarkt mit Rechtsherzbeteiligung, Pericarditis constrictiva.
Makro: Muskatnussleber (Schnittfläche: Hellbraunes Lebergewebe mit etwas eingesunkenen dunkelbraunen hyperämischen Zentralvenen). Vollbild: Herbstlaubleber (Wie Muskatnussleber plus gelblich verfettete Areale).
Mikro: Die Zentralvene ist gestaut, erweitert, eryreich, die Sinussoide sind perizentral erweitert, die Hepatozyten besonders perizentral komprimiert (Druckatrophie). Stauungsstraßen und zentral betonte Fibrose.
Kompl.: Zirrhose cardiaque durch die fibrotische Bindegewebsvermehrung.
Akute Virus-Hepatitis
Definition: Hepatitis < 6 Monate
Ät.:
- Virushepatitis: HAV 55 % HBV 35 %, HCV 10 %
- Virusbegleithepatitis: EBV, CMV, VZV u.a.m.
Verlauf:
- Infektion
- Latenzphase
- Prodromalstadium: 2-7 Tage, grippeähnlich, gastrointestinale Symptome
- Hepatische Organmanifestation: 4-8 Wochen, 2/3 anikterisch!
Verlaufsformen:
- Subklinisch
- Akute Hepatitis
- Carrier (gesunder Virus-Träger)
- Persistenz/Chronische Hepatitis (chronisch stabil <-> chronisch aggressiv)
Morphologie:
- Zellödeme (hydropisch geschwollene ballonierte Zellen) mit läppchenzentraler Betonung
- T-Zell-vermittelte eosinophile Leberzelldegeneration mit Koagulationsnekrosen (Councilman-bodies: Einzelzellnekrosen, extrazellulär)
- Proliferation der Kupffer-Stern-Zellen
- Lymphozytäre Infiltration der Leberläppchen
- Lymphohistiozytäre Infiltration der Portalfelder -> Mottenfraßnekrosen
- Im abklingenden Stadium Akkumulation von Ceroidpigment und Eisen in den Makrophagen
Formen der Nekrose:
- Disseminierte Einzelzellnekrosen
- Zentrale Nekrose
- Ausbreitung nach periportal -> Konfluierende brückenbildende Nekrosen
- Periportale Mottenfraßnekrosen
- Massive Nekrosen
Komplikationen:
- Cholestatische Verlaufsformen: Hepatitis mit intrahepatischem Verschlußsyndrom, S-AP+, LAP+, γGT+
- Protrahierter Verlauf: Transaminasenerhöhung > 3 Monate
- Fulminanter Verlauf: brückenbildende und multilobuläre Nekrosen (Hep.A. 0,1%, Hep.C 1%)
- Extrahepatische Manifestation: Kryoglobulinämie, Glomerulonephritis; 5-10% bei HBV)
- Viruspersistenz = chronische Hepatitis
- Chronisch persistierend (CPH) - Milchglaszellen
- Chronisch aggressiv (CAH) - Mottenfraßnekrosen
- Spätkomplikation: Leberzell-Ca
Folgezustände:
- Restitutio ad integrum
- Entzündliche Residuen (Aktivierung der Kupffer-Stern-Zellen, lymphohistiozytäre Portalfeldinfiltrate)
- Chronische Hepatitis
- Fibrose und Zirrhose
- Hepatocelluläres Karzinom (HCC)
Hepatitis A
RNS-Virus
Übertragung: fäkal-oral
- Vermehrung nur in Leberzellen
- Kein chronischer Verlauf
Histo: Einzelzellnekrosen in periportaler Zone
Hepatitis B
DNS-Virus
Übertragung: sexuell, Blut
Mikro: Nekrosen in den Läppchenzentren, Milchglashepatozyten
Verlaufsformen:
- Subklinisch 60 - 65 % -> 100 % Erholung
- Akute Hepatitis 20 - 25 % -> 99 % Erholung, < 1 % fulminant
- Carrier 5 - 10 % (Gesunder HBs-Ag-Träger: Evtl. Leberzellkarzinom)
- Persistierend 4 %
- -> 70 - 90 % Erholung
- -> 10 - 30 % Chronische Hepatitis -> Zirrhose, hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Hepatitis C
RNS-Viren
Übertragung: Transfusion, i.v.Drogen (Spritzentausch), sexuell, z.T. unklar
Verlauf:
- Heilung 15 %
- Chronifizierung 85 %
- -> Stabil 80 %
- -> Zirrhose 20 % -> HCC
- Fulminant selten
Hepatitis D
RNS-Virus
Braucht zur Replikation das HBs-Antigen des Hepatitis B-Virus
- Simultaninfektion: 90 % Heilung
- Fulminanter Verlauf häufiger
- Superinfektion: Meist chronischer Verlauf
Hepatitis E
Nicht chronisch, hohe Letalität bei Infektion in der Schwangerschaft.
Chronische Hepatitis
Dauer > 6 Monate
Ät.:
- Viral (Hepatitis B,C,D)
- Autoimmunologisch: Primär biliäre Leberzirrhose (PBC), Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
- Medikamentös-toxisch (α-Methyldopa, Isoniazid)
- Alkoholabusus
- Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hämochromatose, Morbus Wilson, α1-AT-Mangel)
Folge: Leberfibrose, -zirrhose in 20-50 % nach 10-20 Jahren
Kompl.: HCC
Morphologische Diagnostik:
- Vorliegen einer Hepatitis und Hinweise für Chronizität - Überwiegend lymphozelluläre Infiltration mit P.m. in den Periportalfeldern, evtl. periportale Fibrose und Grenzzonenhepatitis (= Interfacehepatitis, früher: Mottenfraßnekrose).
- Aktivität (Grading) - Hierzu gibt es verschiedene Scores (z.B. Desmet-Scheuer-Score)
- Fibrosestadium (Staging) - Z.B. Mit dem Score nach Desmet et al.
- Ätiologie (in Zusammenschau mit den klinischen Daten) - Z.B. Milchglaszellen pathognomonisch für Hepatitis B. Oder z.B. klinischer (serologischer) Nachweis von HBs-Antigen.
Notwendige klinische Angaben zur Befundung von Leberstanzbiopsien:
- Labor: Leberwerte (GOT (AST), GPT (ALT), γ-GT, AP, γ-Globulin) und Autoantikörper.
- Mikrobiologie: Hepatitis-Serologie
- Anamnese (Beschwerden, Dauer, Alkohol/Drogen/Medikamente, Familienanamnese, Reiseanamnese, Berufsanamnese)
- Klinik/Vorerkrankungen: Z.B. Stoffwechselstörungen
Literatur:
- Schirmacher P et al. “Bioptische Diagnostik der chronischen Hepatitis - Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und des Kompetenznetzes Hepatitis (HepNet)”. Pathologe, 25(5):337-48, Sep 2004. PMID 15278290
Chronische Virushepatitis
Ät.: HBV, HCV, HDV
Mikro:
- Portale Entzündung, Nekrosen (Grading)
- Fibrosierung, Zirrhose (Staging)
- Gallengangsproliferate
Bakterielle Hepatitis
Erreger: E. coli, Streptokokken, Staphylokokken
Infektionswege: Hämatogen (arteriell, portalvenös), cholangiogen-aszendierend, traumatisch.
Morph.: Destruierend, abszedierend, konfluierend (-> Septikopyämie).
Parasitäre Lebererkrankungen
- Entamoeba histolytica (Magnaform)
- Echinococcus - Zysten (Hydatiden) aus Kapsel, parasitärer Keimschicht und Scolizes
- Echinococcus granulosus/cysticus - Hundebandwurm - große, gekammerte, rundliche Hydatiden
- Echinococcus alveolaris/multilocularis - Fuchsbandwurm - diffus sich verzweigende Hydatide, schlechtere Prognose
Autoimmunhepatitis
Ep.: 5 - 20 % aller chronische Hepatitiden, bes. Frauen (jung oder postmenopausal)
Ät.: T-Suppressorzell-Defekt: T-Zell-Rezeptor gegen Leberzellmembran-Ag (CYP450)
Klinik: IgG erhöht, ANA +, SMA +
Assoziation mit Immunerkrankungen wie Thyreoitiden, Vaskulitis u.a.
Eklampsie
Metabolisch-toxische Leberschäden
Lebergifte:
- Obligate Lebertoxine - Dosisabhängige Schädigung, vorhersagbare Wirkung
- Fakultative Lebertoxine - Keine dosisabhängige Schädigung, keine vorhersagbare Wirkung
- Primäre Lebertoxine - Schädigen direkt
- Sekundäre Lebertoxine - Schädigung durch Metabolite (Giftung, Biotransformation)
Manifestation eines Leberschadens: Leberzellnekrosen, Leberzellverfettung (groß-, kleintropfig), intrahepatische Cholestase, akute/chronische Hepatitis, granulomatöse Entzündung, Fibrose, Zirrhose.
Fettleber
Syn: Steatosis hepatis
Ät.: Metabolisch, Überernährung, toxisch (Medikamente!), alkoholisch.
Mikro: Zahlreiche Vakuolen, evtl. kribriformes (siebförmiges) Muster.
Makro: Die Leber ist gelblich verfärbt.
Kompl.: Alkoholische Steatohepatitis (ASH), Nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH).
- Mikro: Zusätzlich leukozytäres Infiltrat
Alkoholtoxischer Leberschaden
30 - 50 % aller Lebererkrankungen in Europa, USA
Schädigungsmechanismen:
- Giftung in der Leber: Alkohol -ADH-> Acetaldehyd (toxisch)
- Verschiebung des Redoxgleichgewichts (NADH-Anstieg)
- Induktion des mikrosomalen Ethanol-oxidierenden Systems (MEOS) -> Medikamenteninteraktionen
Mögliche Folgen:
- Alkoholische Steatosis hepatis
- Alkoholische Steatohepatitis (ASH)
- Alkoholische Leberfibrose und -zirrhose
Mikro: Siegelringzellen (zentrale Fettvakuole, an den Rand gedrängter Kern), alkoholisches Hyalin (hirschgeweihartig), MALLORY-Körperchen (intrazellulär), Leberfibrose (perivenuläre/perizelluläre Fibrose bis zur zentralen Sklerose, Maschendrahtfibrose), porto-portale/porto-zentrale Bindegewebssepten, unspezifisches entzündliches Bild, Cholestasezeichen.
Makro: Die Leber ist vergrößert, gelblich, teigig-weich
Kompl.: HCC, ZIEVE-Syndrom, extrahepatisch
Leberzirrhose
Ät.: Alkoholabusus 60 - 70 %, chronische Hepatitis 10 - 15 %, biliär 5 %, Hämochromatose 5 %, andere Stoffwechselerkrankungen (Galaktosämie, Fruktose-Intoleranz, Glykogenosen, Morbus WILSON, α-1-Antitrypsinmangel) < 1 %, Toxine < 1 %, Leberstauung < 1 %, idiopathisch 10 %
Einteilung:
- Postnekrotische Leberzirrhose
- Posthepatitische Leberzirrhose
- Biliäre Leberzirrhose
- Pigmentzirrhose (Morbus WILSON, Hämochromatose)
- Fettzirrhose
Erscheinungsform:
- Kleinknotig </= 3 cm
- Großknotig > 3 cm
- Gemischt
Aktivität:
- Aktive Zirrhose (Leberzellnekrosen, Entzündung)
- Stationäre (inaktive) Zirrhose
Makro: Die Leber ist geschrumpft und hat eine höckrige Oberfläche.
Mikro: Bindegewebsvermehrung (EVG: BG violett), Bindegewebssepten, abgeschnürte Regeneratknoten. Die Zentralvene ist verschwunden, man findet Neoduktuli (Gallengangproliferationen).
Folgen:
- Ikterus
- Gerinnungsstörungen
- Hypalbuminämie -> Aszites, Hypotonie, Hepatorenales Syndrom
- Endokrine Störungen -> Gynäkomastie, Leberhautzeichen (Bauchglatze, Spider-Nävi, Weißnägel, Palmarerythem)
- Ammoniak-Anstieg -> Hepatische Enzephalopathie/Coma hepaticum
- Portale Hypertension -> Aszites, Splenomegalie, Aktivierung von Kollateralkreisläufen -> Ösophagusvarizen, Fundusvarizen, Caput medusae.
Chronisch destruierende nicht-eitrige Cholangitis - Primär biliäre Zirrhose (PBC)
Ep.: 1 % der Zirrhosen, 95 % Frauen zwischen dem 40. und 60. Lj.
Ät.: Autoimmun, zytotoxische AK gegen Gallengangsepithel, Antimitochondriale Antikörper (AMA).
Stadieneinteilung 1 bis 4
Makro: Kleinknotiger, zirrhotischer Umbau.
Mikro: Lymphohistiozytäre Infiltration mit Epitheloidzellgranulomen, Bindegewebssepten porto-portal und porto-zentral.
Klinik: Cholestase, Pruritus, Hypercholesterinämie. Laborchemisch Cholestase-Parameter (AP, GGT, Bilirubin) und IgM erhöht, > 90 % AMA.
Prg.: Ohne Transplantation schlecht.
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Entzündlich fibrosierender Prozess an den intra- und extrahepatischen Gallengängen
Ep.: w:m = 1:2, 25 - 40 Lj., familiäre Häufung, > 70 % Colitis ulzerosa!
Klinik: ANCA 80 %
Mikro: Periportal periduktuläre Fibrose, Bindegewebssepten mit lymphohistiozytärer Infiltration, Atrophie und Obliteration der Gallengänge.
Sekundär sklerosierende Cholangitis
Ät.: Immunschwäche, rezidivierende Infekte, Gallenabflußstörungen, GvH-Reaktion
Hämochromatose (HFE)
Primäre Siderosen
Syn.: Bronzediabetes, Eisenspeicherkrankheit
Ätiologie:
- Klassische hereditäre HFE: Autosomal-rezessive Mutation des HLA-H-Gens bzw. des HFE-Gens (6p21.3), adulte Form, Männer stärker betroffen (Eisenverlust bei Frauen über die Menstruation), bis zu 10 % der Bevölkerung sind heterozygote Träger der Mutation.
- HFE2A: Juvenile Hämochromatose (JH) durch Mutation des Hemojuvelin-Gens (HJV; 1q21).
- HFE2B: Juvenile Hämochromatose (JH) durch Mutation des hepcidin antimicrobial peptide-Gens (HAMP; 19q13).
- HFE3: Autosomal-rezessive Mutation im Gen des Transferrinrezeptors-2 (TFR2; 7q22).
- HFE4: Autosomal-dominante Mutation im SLC40A1-Gen (2q32), welches Ferroportin kodiert.
Pg: Ungebremste Eisenresorption Im GIT -> hohe Eisenspiegel, Akkumulation in den Organen -> Lipidoxidation und DNA-Interaktion.
Folgen der klassischen HFE: Die Leber kann in Form von Nekrosen, Fibrose, Zirrhose oder Entwicklung eines HCC betroffen sein. Weitere typische Manifestationen sind Diabetes mellitus, CMP, Bronzefärbung der Haut (fahlbraunes Hautkolorit), Arthritiden, Hypogonadismus, Hypothyreose.
Juvenile Formen: Beide Geschlechter betroffen, schwerer, Symptome vor dem 30. Lebensjahr: Hypogonadotroper Hypogonadismus, Herzversagen und/oder Arrhythmien, unbehandelt letal durch kardiale Komplikationen.
Labor: Ferritin > 700 ng/ml, Transferrin-Sättigung > 50 %.
Makro: Bräunliche Verfärbung zahlreicher Organe, zirrhotischer Umbau.
Mikro: Nachweis der Eisenablagerungen mit der Eisenfärbung (Berliner Blau).
Weblinks: OMIM - Hemochromatosis, OMIM - Juvenile hemochromatosis (JH), OMIM - HFE3, OMIM - HFE4
Morbus WILSON
Syn.: Kupferspeicherkrankheit, hepatolentikuläre Degeneration
Ep.: Erstmanifestation oft schon vor dem 20. Lebensjahr.
Ät.: Mutation im Gen ATP7B (13q14.3-q21.1), das für ein Kupfer-Transportprotein (ATPase) kodiert. Autosomal-rezessiver Erbgang.
Pathogenese: Kupferablagerungen in Leber, Niere, ZNS -> Schädigung von Mikrotubuli und Mitochondrien.
Makro: Kleinknotiger, fibrotischer Umbau der Leber.
Klinik: Leberzirrhose, neurologisch-psychiatrische Symptome, Erhöhte Kupferkonzentration im Urin, S-Coeruloplasmin und S-Gesamtkupfer vermindert, KAYSER-FLEISCHER-Kornealring.
Weblinks: OMIM - Wilson disease
Tumoren der Leber
RF: Vinylchlorid, Arsen, chron. HBV- und HCV-Infektion, Aflatoxine, Nitrosamine
Systematik der Lebertumore:
- Epithelial
- Hepatozellulär - Fokale noduläre Hyperplasie (FNH), Adenom, Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
- Cholangiozellulär - Cholangiom, Zystadenom, Zystadenokarzinom, Cholangiozelluläres Karzinom (CCC)
- Mesenchymal
- Benigne - Hämangiom, Fibrom, Lipom, Myom
- Maligne - Angio-, Fibro-, Lipo-, Leiomyosarkom
- Embryonale Tumore - Hepatoblastom
- Metastasen (30 % der Lebertumoren)
Fokale noduläre Hyperplasie (FNH)
RF: Orale Kontrazeptiva, anabole Steroide
Mikro: Verlust der sinusoidalen Gliederung, lympho-histiozytäre Infiltration der Portalfelder.
Makro: Zentrale sternförmige Narbe mit radiären Einziehungen.
Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Ep.: 90 % aller primären Lebertumoren, w:m = 1:5, 5. - 6. Dekade
- ca. 85 % auf dem Boden einer Leberzirrhose
- ca. 15 % ohne vorbestehende Leberzirrhose
In Afrika und Asien häufiger wegen der hohen HBV-Prävalenz.
Ät: Chronische virale Hepatitis B oder C, toxisch (Alkohol, Anabolika, Aflatoxine, DDT, Arsen, PVC), Stoffwechselerkrankungen (Glycogenosen, α1-AT-Mangel, Fructoseintoleranz, Mukoviszidose), Hämochromatose, PBC, PSC.
Makro: Makronodulär, multizentrisch.
Mikro: Evtl. gallebildend, nicht schleimbildend
Histologische Typen:
- Diffus
- Trabekulär
- Fibrolamellär
- Pseudoglandulär
- Szirrhös
- Solide
Verhalten: Affinität zu venösen Gefäßen, hämatogene Metastasierung in die Lunge.
Tumormarker: α-Fetoprotein (AFP) (60 %), α1-Antitrypsin (< 10 %).
Gallengangs-Zystadenom
Morph.: Zystisch, multilobulär, polypös, regressive Veränderungen (Einblutung)
Zystadenokarzinom
Ep.: Ältere Patienten
Ursprung: Gallengangszystadenom, kongenitale Gallengangszysten
Mikro: Karzinomatöse, teils intestinalisierte, biliäre Epithelauskleidung. Keine Gallebildung, oft schleimbildend.
Makro: Mehrkammerige Zysten mit papillären Einfältelungen
Met.: Lymphogen
Cholangiozelluläres Karzinom
Stromareicher Tumor des Gangepithels
Ep.: w:m = 1:1, 6. Dekade
Ät.: Unbekannt
RF.: PSC, Colitis ulzerosa, kongenitale Gallengangsanomalien
Tumor-Marker: CEA, EMA, Cytokeratin, kein α-Fetoprotein
Angiomyolipom
Solitärer fibröser Tumor
Morph.: Lokalisierte zelldichte Fibroblastenproliferation, knotig, gut begrenzt
Hämangiom
Ep: häufigster benigner Tumor der Leber, w:m > 1
- die Häufigkeitsangaben schwanken je nach zugrundeliegender Untersuchungsmethode
- oft ein Zufallsbefund im Sono oder CT
Makro: Oft kavernös, subkapsulär, blutreich, schwammig, zystisch, evtl. regressiv verändert, thrombosiert, sekundär entzündlich fibrosiert.
Dignität: Benigne Proliferation von Blutgefässen in der Leber.
Hämangiosarkom der Leber
Syn.: Hämangioendothelsarkom
Ät.: Vinylchlorid, Arsen, Thorotrast (altes Röntgenkontrastmittel). Signaltumor!
Hepatoblastom
Maligner embryonaler Lebertumor
Ep.: Kinder 1-4. Lj., 5 % der frühkindlichen Tumore
Assoziiert mit: Hemihypertrophie, Wilms-Tumor, FAP, Glycogenosen
Histologische Typen:
- Epithelialer Typ (am häufigsten)
- Fetal - ähnlich reifen Leberzellen, in Platten angeordnet
- Embryonal - kleine, dunkle Zellen, rosettenartige Anordnung
- Anaplastischer Typ - kleine undifferenzierte Zellen
- Gemischter Typ - epithelialer Typ mit primitiven mesenchymalen Strukturen (Herde von Osteoid, Knorpel, Stroma, Muskulatur)
Cave: Bis zu 5 Jahren nach Resektion noch Rezidive!
Lebermetastasen
- ca. 20 - 30 % aller Lebertumoren
- ca. 80 % aller bösartigen Lebertumoren (in Südostasien gibt es andere Zahlen, da dort das HCC viel häufiger ist)
Herkunft: Colon bis KANNENBÖHM'scher Punkt (Pfortaderabfluß), Lunge, Mamma, Magen, Melanom, Pankreas.
Lebertransplantat
Komplikationen nach Lebertransplantation umfassen in erster Linie chirurgisch-transplantationstechnische Probleme (Konservierungs-/Reperfusionsschaden, Anastomoseninsuffizienzen, -strikturen), Abstoßungsreaktionen, opportunistische Infektionen und das Wiederauftreten der Grunderkrankung, die zur Transplantation führte.
Konservierungs-/Reperfusionsschaden
Ät.: Ischämie, Hypoxie, Bildung freier Radikale (ROS) nach Reperfusion
Mikro: Ballonierung und Verfettung der Leberzellen, Cholestase
Primäres Transplantatversagen
Ät.: Konservierungs-/Reperfusionsschaden, vorbestehende Schädigung
Zeitraum: In den ersten Stunden nach Tx
Mikro: Massive Nekrosen
Hyperakute Abstoßungseaktion
Ät.: Humoral (präformierte Antikörper)
Zeitraum: In den ersten Tagen nach Tx
Mikro: Intravasale Neutrophilen-Adhäsion und Thrombosierung, ausgeprägte Nekrosen
Akute Abstoßungsraktion
Ät.: Zelluläre Abwehrreaktion gegen das Spenderorgan (HLA-Antigene)
Zeitraum: Im 1. Monat nach Tx
Mikro:
- Portale gemischt-zelluläre Entzündung (neutrophile und eosinophile Granulozyten, Makrophagen, Lymphozyten und Plasmazellen)
- Gallengangsdestruktion und -inflammation
- Endothelitis, evtl. mit Thrombosierung der Zentralvenen und perivenulärer Nekrose
Chronische Abstoßungsreaktion
Ät.: Zelluläre Abwehrreaktion gegen das Spenderorgan (HLA-Antigene)
Zeitraum: 2 bis 6 Monate nach Tx
Mikro:
- Obliterierende Arteriopathie - Entzündung und fibrosierende Wandverdickung mittelgroßer Arterien mit zunehmender Einengung des Lumens.
- Ductopenie - Zerstörung und Verlust der kleinen Gallengänge (> 30 % der Periportalfelder).
CMV-Infektion
Ät.: Immunsuppression, größtes Risiko bei Tx eines infizierten Transplantats in einen seronegativen Empfänger.
Zeitraum: 1. bis 4. Monat nach Tx
Mikro: Mikroabszesse, evtl. nukleäre Viruseinschlußkörperchen
HSV-Infektion
Ät.: Immunsuppression
Zeitraum: 1. bis 2. Monat
Mikro: Nekrosen (nekrotisierende Hepatitis), Viruseinschlußkörperchen
EBV-Infektion
Zeitraum: 2. bis 6. Monat
EBV-assoziierte PTLD (post-transplant lymphoproliferative disorder)
Ät.: Immunsuppression, EBV-Infektion/Reaktivierung
Zeitraum: Nach dem 6. Monat post Tx
Bakterielle Infektionen
Ät.: Immunsuppression, Wunden, Katheter, Belastung durch Operation
Pg.: Wundinfektionen, Katheterinfektionen (z.B. Harnwegsinfektion, Venenkatheterinfektion)
Zeitraum: 1. Monat
Candida-Infektion
Ät.: Immunsuppression
Zeitraum: 1. Monat (wg. Steroidhochdosistherapie)
Aspergillose
Ät.: Immunsuppression
Zeitraum: 1. bis 4. Monat nach Tx
Cholestase
Ät.: Z.B. Anastomosenstriktur
Ischämische Cholangiopathie
Zeitraum: 1. bis 6. Monat nach Tx
Medikamentös-toxischer Schaden
Ät.: Immunsuppressiva
Wiederauftreten der ursprünglichen Lebererkrankung
- HBC
- HCV
- PSC
- PBC
- Ethyltoxischer Leberschaden, ASH
- NASH
- HCC
Literatur: Longerich T, Schirmacher P. “General aspects and pitfalls in liver transplant pathology”. Clin Transplant., 20(Suppl 17):60-8, 2006. PMID 17100703
Gallenwege
| Zuschnitt |
Cholestase
Störung des Galleabflusses durch Obstruktion von innen oder außen.
Ät.:
- Intrahepatisch: Leberzirrhose, Cholangitis, Tumoren (HCC, CAC)
- Posthepatisch: Tumoren (Pankreaskopfkarzinom, Gallengangskarzinom)
Klinik: Ikterus, Juckreiz, acholischer Fettstuhl (lehmfarbener glänzender voluminöser Stuhl) durch fehlende Gallenfarbstoffe und unzureichende Fettverdauung, dunkler Urin (Bilirubinurie). Laborchemisch erhöhtes (konjugiertes) Bilirubin, alkalische Phosphatase (AP) und γ-Glutamyltransferase (GGT).
Gallengangsatresie
Ät.: Prä- oder perinatal erworben?
Klinik: Dunkler Urin, acholischer Stuhl. Ikterus ist kein Frühzeichen.
Cholesteatose
Syn.: Cholesterolose
Makro: Gelbe Stippchen bis gelbe netzartige Zeichnung.
Mikro: Subepitheliale Schaumzellaggregate.
Akute Cholezystitis
Makro: Schleimhaut gerötet und belegt.
Mikro: Nekrosen, Leukozyteninfiltrate, Einblutung, Schorf. Evtl. gangräneszierend, ulzero-phlegmonös.
Chronische Cholezystitis
Mikro: Narbige Wandverdickung.
Chronisch-rezidivierte Cholezystitis
Chronische Cholezystitis mit florider Komponente.
Mikro: Wand verdickt und fibrosiert, lymphozytäre und neutrophile Infiltrate.
Xanthogranulomatöse Cholezystitis
Mikro: Cholesterinlücken, granulomatöse Entzündung mit Lymphozyten, Histiozyten und Fremdkörperriesenzellen.
Gallenblasenempyem
Eiteransammlung in der Gallenblase.
Cholezystholithiasis
Syn.: Gallensteinleiden
Ät.: Fettstoffwechselstörungen (RF: Female, fat, fourty, fertile, fair (weiblich, übergewichtig, mehrgebärend, über 40, blond/hellhäutig)). Chronische Hämolyse (z.b. Kugelzellanämie).
Pg.: Ungleichgewicht zwischen Cholesterin, Phospholipiden und Gallensalzen. Erhöhtes Bilirubinaufkommen.
Makro: Steine oder oft nur Gries (sludge) in der Gallenblase; Steinarten:
- Cholesterinsteine (gelb)
- Bilirubinsteine (braun)
- Gemischte Steine
Kompl.:
- Choledocholithiasis - Klinik: Verschlussikterus, akute Pankreatitis.
- MIRIZZI-Syndrom - Verlegung des Galleabflusses aus der Leber durch ein Konkrement im Ductus cysticus. Klinik: Verschlussikterus, Cholezystitis.
- Gallensteinileus - Ät.: Fistelbildung zwischen Gallenblase und Darmwand. Klinik: Dünndarmileus, Aerobilie.
Gallenblasenhydrops
Ät.: Z.B. Verlegung des Ductus cysticus durch einen Gallenstein.
Porzellangallenblase
Die Gallenblasenwand ist verdickt und besitzt eine glatte porzellanartige Innenfläche.
Gallenblasenkarzinom
Ep.: 20 % der gastrointestinalen Tumoren. Mit dem Alter > 60 zunehmend. w > m.
RF: Polypen > 0,5 cm, Porzellangallenblase, Gallensteine
Makro: Wandverdickung (endophytisch), polypös bis lumenausfüllend (exophytisch).
Mikro:
- Meist Adenokarzinom
- Tubulär
- Papillär
- Mischform
- Selten Plattenepithelkarzinom
Wachstumsmuster: Exophytisch polypös oder diffus infiltrierend.
Klinik: Beschwerden meist erst durch Komplikationen, z.B. bei Cholestase.
Prognose: Ungünstig
Gallengangskarzinom
RF: Leberegel (Clonorchis, Opisthorchis).
Klinik: Cholestase (Ikterus)
Pankreas
Exokrine Pankreasinsuffizienz
Ät.: Ausgebrannte chronische Pankreatitis, Mukoviszidose.
Pg.: Verminderte Sekretion von Pankreasenzymen (Trypsinogen, Chymotrypsinogen, Carboxypeptidase, Pankreas-Amylase, Pankreas-Lipase) -> Maldigestion.
Labor: Pankreas-Elastase im Stuhl vermindert.
Klinik: Gewichtsverlust bzw. bei Kindern Gedeihstörung. Heller, übelriechender, voluminöser Fettstuhl (Steatorrhoe), Durchfall.
Fehlbildungen
- Pankreas anulare - Ringförmig um das Duodenum gelagertes Pankreas, Kompl.: duodenale Obstruktion
- Pankreas divisum - Zwei vollständig getrennte Ausführgänge durch Nichtverschmelzung des ventralen und dorsalen Pankreas
Akute Pankreatitis
Ep.: w:m = 1:1, w: 50-70 Lj., m: 30-50 Lj.
Ät.: Infektiös (bakteriell, viral: Mumps, Coxsackie B u.a.m.), chronischer Alkoholabusus (50 %), biliär (30 %), Schock/Ischämie (10 %), Bauchtrauma, operative Eingriffe, Toxine, medikamentös (Furosemid, Valproat, β-Blocker, ACE-Hemmer), post-ERCP, Hyperparathyreoidismus, idiopathisch (10 %).
Pathomechanismen und histologisches Korrelat:
- Ät.: Alkohol, Obstruktion -> Periduktale Nekrose - läppchenzentral, kleinere Ductuli
- Ät.: Zirkulatorisch-ischämisch, Hypothermie -> Perilobuläre Nekrose - Läppchenperipherie
- Ät.: Infektiös -> Disseminierte Azinuszellnekrosen, granulolymphozytäres Infiltrat, keine autodigestiven Fettnekrosen
- Ät.: Gangobstruktion, biliär -> Ischämie, Gallereflux in Ductus pancreaticus -> Freisetzung und Aktivierung von Enzymen -> primär Schädigung azinärer Zellen, Autodigestion -> freigesetzte Fettsäuren aktivieren Trypsinogen, Proelastase, Phospholipase A und binden Kalzium (-> intrapankreatische Kalkspritzernekrosen) -> weitere Schäden.
Klinik: Gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch, elastische Bauchdeckenspannung („Gummibauch“), Übelkeit, Erbrechen, Begleitperitonitis, Subileus, in schweren Fällen bläuliche Verfärbungen im Nabelbereich (Cullen-Zeichen) oder an den Flanken (Grey-Turner-Zeichen). Laborchemisch Amylase und Lipase erhöht.
Verlauf:
- Mild (90 %) - Intrapankreatische Kalkspritzernekrosen
- Schwer (10 %) - Große hämorrhagische Nekrosen, Schock
Kompl.: Linksseitiger Pleuraerguss, Milzvenenthrombose, duodenale Obstruktion, Nekrosen, Abszess, paralytischer Ileus, Pseudozysten, Schock, ARDS, DIC, MOV.
Chronische Pankreatitis
Ep.: w:m = 1:9, 30 - 60. Lj.
Ät.: Alkohol (80 %), idiopathisch (14 %), Medikamente, Hyperparathyreoidismus, Hyperlipidämie u.a.
Pathogenese: Entwicklung aus einer schweren akuten oder rezidivierenden Pankreatitiden
Morph.: Fibrose und narbige Umwandlung, Gangektasien und -stenosen, Pseudozysten, lobuläre Rarifizierung, Drüsenatrophie, Verkalkungen (chronische kalzifizierende Pankreatitis)
Kompl.: Pseudozyste, Gangobstruktion, Pankreasinsuffizienz -> Malabsorption, Steatorrhoe, sekundärer Diabetes mellitus (NIDDM)
Lipomatöse Atrophie
Ät.: Autosomal-rezessiv erblich
Morph.: Parenchymschwund, lipomatöser Ersatz
Mukoviszidose
Syn.: Zystische Fibrose (CF)
Ep.: Europa 1:2500, Heterozygotenfrequenz = 4 - 5 %
Ät.: Defekt des CFTR-Gens (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) auf Chromosom 7 (7q31.2), der für einen Chloridkanal kodiert.
Genetik: Autosomal rezessiv, über 1.000 Mutationen bekannt, in 70 % Deletion von deltaF508 (die mittelalterlichen Seuchen sollen dieses Gen selektioniert haben, da es beim Heterozygoten wahrscheinlich die Resistenz gegenüber Cholera erhöht), enge Genotyp-Phänotyp-Korrelation
Pathogenese:
- Verminderte Chloridrückresorption in den Schweißdrüsen -> Erhöhter NaCl-Gehalt im Schweiß -> Diagnostik! [NaCl] > 60 - 70 mmol, normal < 30 mmol
- Verminderte Chloridsekretion in den Körperdrüsen -> Eindickung und Retention des Schleims in
- GIT: 10 % der CF-Neugeborenen mit Mekoniumileus, auch später Ileusneigung
- Lunge: Rezidivierende Infekte, Entzündung, Vernarbung, Bronchieketasien, Emphysem, Fibrose, Zerstörung der Lunge
- Pankreas: Pankreatitiden, exokrine Pankreasinsuffizienz (85 %) -> Maldigestion (LANGERHANS-Inseln bleiben erhalten)
- Ductus deferens: Infertilität (auch isoliert als Abortivform der CF -> Kongenitale bilaterale Aplasie des Vas defferens (CBAVD))
- Störungen des hepatobiliären Systems
Pankreastumoren
Ät.: Vitamin-D-Mangel (?)[1], andere krebsauslösende Faktoren
Lok.: Oft im Pankreaskopfbereich.
Systematik:
| Ursprungszellen | Lokalisation | Tumorentität | Tumormarker |
|---|---|---|---|
| Duktale Zellen | Große Gänge | Muzinöse Tumore | CEA +, PAS + |
| Duktuläre Zellen | Kleine Gänge | Seröse Tumore | CEA - |
| Azinäre Zellen | Azini | Azinuszell-Tumor | Trypsin +, Lipase +, α1-Antitrypsin + |
| Endokrine Zellen | Langerhans-Inseln | Langerhansinselzell-Tumor | Chromogranin +, NSE +, Synaptophysin + |
Maligne Pankreastumoren:
- Duktales Adenokarzinom 80 - 90 %, 60 - 80 Lj.
- SF: Zystadenokarzinom 1 - 2 %
- Serös - Scharf begrenzt, kollagene Wand, Auskleidung mit flachem, kubischem Epithel ohne Atypien
- Muzinös - Scharf begrenzt, kollagene Wand, Auskleidung mit Zylinderepithel, Kernatypien
- SF: Solider pseudopapillärer Tumor - Junge Frauen, bessere Prognose, Tumor groß, solide, zystisch, (pseudo)papillär, Progesteron+
- SF: Osteoklastischer Riesenzelltumor - Entdifferenziertes, großzelliges Adenokarzinom, histiozytäre Begleitriesenzellen
- SF: Zystadenokarzinom 1 - 2 %
- Azinuszellkarzinom 1 %
- Pankreatoblastom
- Endokrine Tumoren 2 - 3 % (90 % < 40 Lj.)
Klinik: Typisches Erstsymptom ist das COURVOISIER-Zeichen (Schmerzloser Ikterus + Gallenblasenhydrops). Weitere Symptome sind Bilirubinurie (dunkler Urin), acholischer Stuhl, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust.
Duktales Adenokarzinom
Lok.: 60 - 70 % Pankreaskopf
Pg.: Entstehung in Stufen über PanIN (pankreatische intraepitheliale Neoplasie)-Karzinom-Sequenz
Mikro: Atypische Drüsen imitieren Pankreasgänge, Atypien, desmoplastische Stromareaktion
Typen:
- Adenosquamös
- Muzinös
- Anaplastisch
- Onkozytär, klarzellig
SF.:
- Siegelringzell-Ca
- Riesenzellen-Ca
- Kleinzelliges Ca (neuroendokrin)
- Foamy-cell-Ca
Makro: Weißlicher, verfestigter Tumor
Serum-Tumormarker: CEA, CA 19-9
Verhalten: Frühe, organüberschreitende Ausbreitung (keine Kapsel!), Nervenscheideninvasion (dadurch DD zur Pankreatitis), in 10 % paraneoplastische Syndrome
Weblinks: KEGG: Pancreatic cancer - Homo sapiens (human)
Endokrine Tumoren
Biologisches Verhalten schwer vorhersehbar.
Malignitätskriterien: Gefäßinvasion, Metastasen, lokale Invasion, Nervenscheideninvasion, Größe > 3 cm.
Endokrin aktive Inselzelltumore
- Glucagonom : Tumor der A-Zellen
- Insulinom : Tumor der B-Zellen 90 % benigne Adenome, 10 % maligne Adenocarcinome
Quellen
- ↑ . “Kann Vitamin D Pankreaskarzinome verhindern?”. Deutsches Aerzteblatt, 15. Sep. 2006.
Urogenitaltrakt
Niere
Nierenfunktionsstörungen - Folgen der terminalen Niereninsuffizienz
Inkretorische Funktion:
- Störung der Erythropoetin-Synthese -> Renale Anämie
- Störung der Calcitriol-Bildung -> Hypokalzämie, Hyperphosphatämie, Parathormon-Anstieg -> Osteoporose, Nephrokalzinose
Exkretorische Funktion:
- Überwässerung -> Ödeme, Lungenödem
- Hyperkaliämie -> Herzrhythmusstörungen
- H+-Retention -> Metabolische Azidose
- Urämie -> Urämisches Koma (Ammoniak), Neuropathie, urämische Serositis (Perikarditis, Pleuritis), Beginn mit Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Gewichtsabnahme, Mattigkeit.
Pathologisch-anatomisch (autoptisch):
- Gastroenteritis, schiefergrauer Darm (postmortal)
- Serositis
- Nierenveränderung abhängig von der Grunderkrankung - Z.B. groß und blass bei Schockniere oder Schrumpfniere bei chronischer Niereninsuffizienz (Endstadiumsniere).
Angeborene Fehlbildungen von Niere und Harnwegen
Niere
- Nierenagenesie - Eine Niere ist nicht angelegt. Ep.: 1:1.1100 Geburten, w < m.
- Nierenaplasie - Eine Niere ist angelegt, aber nicht entwickelt.
- Nierenhypoplasie - Eine Niere ist unterentwickelt.
- Hufeisenniere „horseshoe“ kidney - Beide Nieren sind am unteren Pol miteinander verschmolzen, mögliche Folge sind Harnabflusstörungen.
- Einseitige Verschmelzungsniere bzw. Kuchenniere - Die Nieren sind verschmolzen, der gemeinsame Hilus zeigt nach ventral. Ep.: selten.
- Doppelniere - Eine oder beide Nieren verfügen über zwei Nierenbecken und zwei Ureteren (embryonale Anlage von zwei Ureterknospen), wobei auf dem Weg zur Harnblase der obere Ureter meist den unteren über(unter?)kreuzt (Weigert-Meyer Regel). Kompl.: Reflux in den unteren Nierenanteil. Inzidenz: 4 %.
- Beckenniere - Die Niere liegt kaudal im Becken (kein Aszensus).
- Wanderniere - Die Niere ist hypermobil.
Ureter
- Ureter duplex - Durch die embryonale Anlage zweier Ureterknospen auf einer Seite führen zwei Ureter zur Niere, die sich meist überkreuzen (Weigert-Meyer Regel).
- Ureterstenose - Verengung im Bereich des Harnleiters, meist subpelvin direkt unterhalb des Nierenbeckens.
Fehlbildungen an der Uretermündung in die Harnblase
- Primäre Ureterklappeninsuffizienz (Ureter mündet nicht flach genug ein, kein Ventilmechanismus).
- Divertikel
- Duplikation
- Ureterozele
- Ureterektopie
Klinik: Vesikoureteraler Reflux mit aszendierenden Harnwegsinfektionen (interstitielle Nephritis mit Fieber und Flankenschmerz). Klinische Schweregradeinteilung nach PARKKULAINEN.
Fehlbildungen an der Harnblase
- Urachusdivertikel, Urachusfistel - Pg.: Unvollständige Rückbildung des Allantois-Gangs
Infravesikulär
- Urethralklappe - Schleimhautfalte in der proximalen Urethra bei Jungen
Kompl.: Intrauterine Harntransportstörungen (Okklusion oder Reflux) -> Megaureter, Hydronephrose.
Nierenzysten
Ät.: Entzündungen mit Narbenbildung
Makro: Irreguläre, multiple, große Zysten.
DD: Hydronephrose
Zystennieren
Systemerkrankung
Infantile bilateral-polyzystische Schwammnieren (POTTER I)
autosomal recessive polycystic kidney disease (ARPKD)
Sy.: Autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung
Ät.: Autosomal-rezessiv - Defekt des Fibrozystin-Gens (PKHD1)
Makro: Der Bauch ist pflaumenförmig aufgetrieben (DD Prune-belly-Syndrom: Bauchdeckenaplasie und Urogenitalmissbildungen), die Nieren sind stark vergrößert, viele 1-2 mm kleine radiär zum Hilus ausgerichtete tubuläre Zysten, schwammartig. Intrauterin kommt durch die fehlende Urinproduktion zum Oligohydramnion mit der Oligohydramnion-Sequenz (POTTER-Sequenz): POTTER-Fazies (eingezogene Nasenwurzel, faltige Ohren), deformierte Gliedmaßen, Thorax- und Lungenhypoplasie. Häufig ist die Nierenerkrankung kombiniert mit Leberfibrose und zystisch dilatierten Gallengängen, evtl. finden sich auch Leber-, Pankreas- und Lungenzysten.
Mikro: Nieren beidseits homogen polyzystisch durchsetzt, kaum noch funktionsfähiges Parenchym.
Prg.: Die neonatale Sterblichkeit bei postpartal gestellter Diagnose beträgt 90 % innerhalb der ersten Lebenswochen. Todesursachen sind Urämie und respiratorischer Insuffizienz. Die Erkrankung kann protrahiert bis ins frühe Erwachsenenalter verlaufen, wobei die Prognose oft von der hepatischen Fibrose bestimmt wird.
Weblinks: OMIM - Autosomal recessive polycystic kidney disease
Degenerative Zystennieren (POTTER II)
Multicystic dysplastic kidney (MCDK)
Syn.: Multizystische Nierendysplasie
Ät.: Fehlerhafte Ureterknospenverteilung, nicht erblich.
Makro: Nieren ein- oder beidseitig betroffen. Wenn beidseitig, dann meist asymmetrischer Befall und Oligohydramnion-Sequenz. Zysten unterschiedlicher Größe. Ureteratresie. Häufig Begleitfehlbildungen.
Mikro: Kommunizierende Zysten, fibröses Stroma, primitive Gangstrukturen mit einschichtigem Epithel, evtl. metaplastischer Knorpel, wenig oder kein Restparenchym.
Adulte bilateral-polyzystische Schwammniere (POTTER III)
Autosomal dominant polycystic kidney disease (ADPKD)
Syn: Autosomal dominante polyzystische Nierenerkrankung
Ät.: Defekte der Gene PKD1, PDK2, PDK3. Autosomal-dominant (-> Familienscreening!)
Zysten entwickeln sich langsam und werden i.d.R. erst mit dem 40. bis 50. Lj. durch Niereninsuffizienz symptomatisch.
Makro: Die Nieren sind sehr groß (20 - 25 cm) und schwer (> 300 g) (Erwachsene!). Die Zysten sind symmetrisch über beide Nieren verteilt.
Mikro: Zwischen den Zysten finden sich intakte Nephrone.
Andere Manifestationen: Die Nierenerkrankung ist gehäuft kombiniert mit Hirnbasisaneurysmen und Zysten in anderen Organen.
Klinik: Renaler Hypertonus (Cave: SAB!), progrediente Niereninsuffizienz.
Weblinks: OMIM - Polycystic kidneys
Weblinks: WebPath: Pathology of Renal Cystic Disease
Erworbene zystische Nierenerkrankung
aquired renal cystic disease (ARCD)
Ät.: Terminale Niereninsuffizienz und/oder Dialyse
Makro: Beidseits oberflächliche gelegene ca. 0,5 - 1 cm messende Zysten.
Klinik: Flankenschmerzen, Hämaturie, Infektionszeichen.
Kompl.: Nierenadenome, Nierenzellkarzinome, Infektion.
Zirkulatorische Störungen
Frischer Niereninfarkt
Makro: Keilförmige, scharf begrenzte, lehmgelbe Verfärbung mit hämorrhagischem Randsaum.
Mikro: Koagulationsnekrose, im Zentrum: Nekrose, ungefärbte fehlende oder pyknotische Zellkerne, feinkörnig homogenisiertes Zytoplasma. Randzone: zellreich, hyperämisch, vermehrt Leukozyten.
Alter Niereninfarkt
Makro: Tiefe weißliche Narbe(n).
Mikro: Kollagenfaseriges Bindegewebe, narbige Einziehungen, keine Glomeruli im Infarktbezirk.
Schockniere / Globale Nierenischämie
Ät.: Schock/Hypovolämie/Exsikkose, Nierenarterienstenose, ACE-Hemmer/NSAR.
Makro: Die Nieren sind beidseits groß, blass und weich. Die Rinde ist breit und blass, während die Markkegel dunkel hyperämisch sind (betonte Mark-Rinden-Grenze).
Mikro: Die Glomeruli sind kollabiert, die BOWMAN-Kapsel ist weit, die Tubuli sind dilatiert (proximale Hauptstücke am empfindlichsten), reversible Tubuluszellnekrose.
Klinik: Erst Anurie/Oligurie, dann Polyurie und Polysthenurie (Erholung der Glomeruli), dann Normalisierung (Erholung der Tubuli).
Stauungsniere
Ät.: Rechtsherzinsuffizienz, Nierenvenenthrombose
Makro: Die Nieren sind rot, groß und geschwollen.
Mikro: Hyperämie (dilatierte blutreiche Gefäße).
Labor: Stauungs-Proteinurie
Nierenarterienhypoplasie
Makro: Hypoplastische Nierenarterie, verkleinerte bis hypoplastische Niere.
Nierenarterienstenose
Ät.: Atherosklerose.
Makro (autoptisch): Obstruktion einer oder beider Nierenarterien. Sog. „Blasser Hypertonus“ (GOLDBLATT-Syndrom) durch Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) mit Freisetzung von vasokonstriktorischem Angiotensin II (GOLDBLATT-Effekt). Haut und Organe sind dadurch blass bzw. blutleer.
Klinik.: Sekundäre Hypertonie bzw. renale Hypertonie
Kompl.: Eine beidseitige Nierenarterienstenose oder eine einseitige Nierenarterienstenose bei Einzelniere kann durch die Gabe von ACE-Hemmern (Kontraindikation!) zur Niereninsuffizienz führen, da dadurch der Kompensationsmechanismus des RAAS, der durch Kontraktion des Vas efferens den intraglomerulären Blutdruck aufrechterhält, außer Kraft gesetzt wird.
Interstitielle Nephritiden (Pyelonephritis)
Urin-Sediment: Leukozytenzylinder
Akute herdförmige destruierende Nephritis
Ät.: Oxalose, Gicht, Steine, Harnabflußstörungen -> bakterielle Infekte (Mycobacterium tuberculosis, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Proteus mirabilis, Enterococcus faecalis, Klebsiella pneumoniae), i.d.R. hämatogen aszendierend (Pyelonephritis) oder deszendierend (Endokarditis).
Makro: Fokale stecknadelkopfgroße granulozytär-eitrige Abszesse (Stippchen) mit hämorrhagischem Randsaum. Rezidivierendes Geschehen -> Flache Narben (DD: Vaskulitis, Infarkte -> Tiefe Narben), destruierend.
Klinik: Flankenschmerz, Fieber, Leukozyturie, Nitrit+, evtl. sekundärer Hypertonus.
Chronische herdförmige destruierende Nephritis
Ät.: Harnabflußstörungen
Makro: Flache Narben, das Parenchym ist hypertroph vorgebuckelt. Bei Gefäßleiden: tiefe Narben, Gyrierung. Tubulusatrophie, Fibrose.
- Uratnephropathie
- Ät.: Tumorlyse, Gicht
- Akute oder chronische herdförmige destruierende Nephritis, ähnlich Oxalatnephropathie.
Spätfolge: Schrumpfniere
Akute diffuse nicht-destruierende Nephritis
Ät.: Parainfektiös (Röteln, Scharlach, Q-Fieber, Typhus) oder medikamentös (Phenazetin, Paracetamol, NSAR)
Makro: Die Niere ist groß, fest, weißlich. Die Kapillarosklerose führt zu Papillenspitzennekrosen (-> Steinbildung).
Mikro: Lympho-plasmazelluläre interstitielle Entzündung
- SF: Xanthogranulomatöse Nephritis
- Ät.: Primär bakteriell bei „schwer verdaulichen“ Bakterien
- Mikro: Histiozyten, Schaumzellen
- Makro: Tumorartige Knoten, herdförmig
Chronische nicht-destruierende Nephritis
Ät.: Phenacetin, SLE, chronische Vergiftungen (Blei)
Nierentuberkulose
Makro: U.U. Kavernen, inhomogenes „buntes Bild“
Mikro: Lymphozyteninfiltrate, zentrale verkäsende Nekrose mit Randwall aus Epitheloidzellen/Histiozyten.
DD: Fibrinoide Nekrose (homogen)
Kompl.: Typisch nach 10 bis 20 Jahren ist die Reaktivierung und deszendierende Ausbreitung
Makro: Tuberkulöse Kittniere/Mörtelniere
Klinische Syndrome und Verlaufsformen glomerulärer Läsionen
Nephritisches Syndrom (Akute GN)
Klinik: Leichte Proteinurie (< 3 g/die), Hämaturie, reduzierte GFR, Hypertonie, evtl. Ödeme. Klinisch führend sind die Hämaturie und Blutdruckanstieg.
Pathologisches Korrelat:
- Exsudative GN (Poststreptokokken-GN)
Nephrotisches Syndrom (Chronische GN)
Klinik: Große Proteinurie > 3 g/die. Die hervorstechendsten Folgen sind Hypalbuminämie mit Ödemen (prätibial, Lidödeme, Aszites), Dyslipoproteinämie mit Hyperlipidämie und Lipidurie sowie eine Hypogammaglubulinämie mit Infektneigung. Erhöhte Thrombose-Neigung durch Antithrombin III-Verlust.
Pathologisches Korrelat:
- Minimal-Change-Glomerulonephritis (MCGN)
- Fokal-segmentale GN bzw. Glomerulosklerose
- Membranöse GN
- Membranoproliferative GN
- Mesangioproliferative GN
- Nicht-GN:
- Renale Amyloidose
- Glomerulosklerose KIMMELSTIEL-WILSON (bei Diabetes mellitus)
Rapid-progressiver Verlauf
Ät.: Idiopathisch nach Infektionen, bei Immunkomplex-Nephritis oder im Rahmen von Autoaggressionserkrankungen wie Morbus WEGENER (eher cANCA-positiv, ANA negativ), mikroskopischer Polyangiitis (eher pANCA-positiv, ANA negativ), Anti-Basalmembran-Antikörpern (Lungen- + Nierenbefall = GOODPASTURE-Syndrom), seltener bei systemischem Lupus erythematodes (SLE), Purpura SCHOENLEIN-HENICH (Purpura anaphylactoides).
Klinik: Makrohämaturie, Proteinurie und Hypertonus, Niereninsuffizienz binnen 6 Monaten. Klinisch führend ist das rasche Abgleiten in die Niereninsuffizienz mit Abfall der GFR (Kreatinin-Clearance) und (etwas später) Anstieg des Kreatinins. Der Patient klagt über Müdigkeit.
Pathologisches Korrelat: Glomerulusschlingennekrose -> Einblutung -> extrakapilläre Proliferation des Kapselepithels -> diffuse Halbmond-GN.
Glomerulonephritiden (GN)
Glomerulonephritiden spielen sich beidseitig ab und führen oft zu chronischer Niereninsuffizienz.
Formen:
- Niere: Befall fokal oder diffus
- Glomerulus: Befall segmental (endokapillär) oder global/diffus (endokapillär) oder extrakapillär (Halbmonde).
Makro: Systemische Erkrankung mit Befall beider Nieren, flohstichartige Blutungen (autoptisch „Salz- und Pfeffer“-Aspekt durch Leukozytenaggregate und Einblutungen in die BOWMAN-Kapsel).
Urin-Sediment: Erythrozytenzylinder
Immunkomplexnephritiden
Postinfektiöse GN
Syn: Exsudative GN, endokapilläre akute GN
Ät.: ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, Viren -> Antikörperinduktion IgG, IgM, IgA (Anti-Streptolysin (ASL), max. n. ca. 2 - 3 Wochen) -> Reaktion mit zirkulierendem Antigen -> Immunkomplexablagerung in den Glomeruli auf der Außenseite der Basalmembran (Humps), subendothelial und im Mesangium.
Mikro: Diffuse endokapilläre GN.
IF: Herdförmige, granuläre Ablagerungen, je nach Molekulargewicht der Immunkomplexe subendothelial oder subepithelial („Sternenhimmel“).
Labor: ASL-Titer erhöht, C3-Spiegel reduziert (Komplementverbrauch).
Klinik: Nephritisches Syndrom mit Hämaturie (DD: WILMS-Tumor, ALPORT-Syndrom, Porphyrie, Nahrungsmittelbedingt), erhöhtem Blutdruck und reduzierter Kreatinin-Clearance.
Kompl.: In 5 % d. F. Übergang in die
- Exsudativ-mesangioproliferative GN
- Mikro/EM: Verbreiterte Mesangiumzellen, Matrixzunahme, Fibrose
- Folgen: Filtrationsstörungen, Hypertonus wg. Minderperfusion.
Prg.: Die Nierenfunktion erholt sich unter adäquater Therapie in > 90 % d. F..
GOODPASTURE-Syndrom
Ät.: Freilegung nichtkollagener Bestandteile der α3-Kette des Kollagen IV -> Induktion von Basalmembran-Auto-Ak -> glomeruläre Immunkomplexbildung -> Komplementaktivierung, Entzündungsreaktion.
Lok.: Lunge -> Lungenblutungen. Niere -> GN
IF: Homogene, diffuse Ablagerung der IC in der Lamina densa der Basalmembran.
In-situ-Immunkomplex-Nephritis
Ät.: Das Antigen lagert sich auf/in der Basalmembran ab -> sekundär binden Antikörper und bilden Immunkomplexe.
Pg.: Die Immunkomplexe führen zur monozytären Infiltration, Thrombozytenreaktion und Komplementaktivierung (Leukozytenaktivierung, Freisetzung von Proteasen, 02-Radikalen, Prostaglandinen) und damit zur Entzündung.
IgA-Nephritis
Syn.: BERGER-Nephropathie
Ät.: Auftreten nach viralen Infekten, oft sind Männer betroffen.
Mikro: Nur IgA, diffuse mesangioproliferative GN
IF: IgA-deposits mesangial.
Klinik: Isolierte Mikrohämaturie (DD: ALPORT-Syndrom - Familienanamnese!), später Proteinurie. Nierenbiopsie nicht notwendig (geringe differentialdiagnostische/-therapeutische Relevanz bei hohem Risiko (Blutung!)).
Membranoproliferative GN
Ät.: Oft bei Hepatitis B
Mikro: Einwachsen von Mesangiumzellen zwischen die Basalmembranen.
Membranöse GN
Ät.: (Epi/Peri)membranöse subepitheliale (in situ) Immunkomplex-Nephritis, primär oder sekundär induziert, entweder über Medikamente, Noxen oder chronische Begleiterkrankungen. Häufig paraneoplastisch (!) oder z.B. bei Hepatitis B.
Stadien:
- I.: Immunkomplexe
- II.: Basalmembran-Spikes (Versilberung)
- III.: Einscheidung der Immunkomplexe in der Basalmembran -> EM: Doppelkontur
- IV.: keine Immunkomplexe mehr vorhanden
Mikro: Die Basalmembran der Glomeruli ist stark verdickt.
IF: Perlschnurartige fein-granuläre Ablagerungen von IgG und C3 an der Außenmembran der Kapillarschlingen.
Sonderform: Lipoidnephrose (Fetteinlagerung)
Klinik: Nephrotisches Syndrom.
Th.: Vor Therapie immer Ausschluss einer induzierenden Grunderkrankung und wenn möglich, Therapie derselben. Therapie der primären membranösen GN unter bestimmten Umständen immunsuppressiv, beste Therapieoption und -indikation zur Zeit noch in intensiver Diskussion / Untersuchung.
Minimal-Change-Nephritis (MCGN)
Ep.: Hauptsächlich im Kindesalter auftretend, häufigste Ursache für ein nephrotisches Syndrom beim Kind.
Ät.: T-Zell-vermittelt (keine Immunkomplexe, kein Komplement).
Mikro: Keine lichtmikroskopisch sichtbare Veränderung! (Biopsie bei konkretem Verdacht nur eingeschränkt sinnvoll).
EM: Verstrichene, abgeflachte Podozytenfortsätze.
Klinik: Nephrotisches Syndrom, gute Ansprache auf Glukokortikoide.
Rapid-progressive Glomerulonephritis
Syn.: Halbmond-GN, extrakapilläre GN
Ät.:
- Immunkomplex-Nephritis
- GN vom pauci-immun-Typ (keine Immunkomplex-Ablagerungen)
- Idiopathisch
- Vaskulitiden kleiner Gefäße
- WEGENER-Granulomatose (cANCA +)
- Mikroskopische Polyangiitis (pANCA +)
- CHURG-STRAUSS-Syndrom (pANCA +)
- GOODPASTURE-Syndrom (Anti-Basalmembran-Antikörper)
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE).
Makro: Niere feingranulär mit weißen Stippchen.
Mikro: Extrakapilläre Komponente (im Ggs. zu oben), Kapillarruptur und Einblutung in die BOWMAN-Kapsel mit nachfolgender Entzündung = Halbmondnephritis, Schlingennekrose, evtl. Totalzerstörung mit Übergreifen auf das umliegende Gewebe (Periglomerulitis).
IF:
- Immunkomplex-GN: Granuläre IC-Ablagerung
- pauci-immun-GN: Fehlende IC-Ablagerung
- GOODPASTURE-Syndrom: Lineare IgG-Ablagerung
- SLE: ?
Klinik: (Makro)Hämaturie, Proteinurie, Hypertension, Anurie.
Prg.: Unbehandelt Niereninsuffizienz binnen weniger Monate.
Glomerulopathien
ALPORT-Syndrom
Ät.: Genetische Defekte des Basalmembran-Kollagens (Kollagen Typ IV)
- In 80 % x-chromosomal-rezessive Mutation der alpha-5-Kette des Kollagen IV (COL4A5), fast ausschließlich Männer betroffen (OMIM)
- Autosomal-rezessive Mutation im COL4A3- oder COL4A4-Gen (OMIM)
- Autosomal-dominante Form (OMIM)
Klinik: Hämaturie (IgA-Nephropathie - negative Familienanamnese), Taubheit u.a.. Nierenbiopsie nicht notwendig (geringe differentialdiagnostische/-therapeutische Relevanz bei hohem Risiko (Blutung!)).
Diabetische Nephropathie
Häufige Komplikation bei Typ-I-Diabetes
Makro: Nieren beidseits groß, blass, feingranuliert.
Mikro: Arteriologlomerulosklerose diffus oder nodulär (= KIMMELSTIEL-WILSON, beweisend für Diabetes mellitus). Das Mesangium ist vermehrt, Mikroangiopathie, Verdickung der Basalmembran
EM: Basalmembran verdickt, Podozytenfortsätze verbreitert
Klinik: Proteinurie, Niereninsuffizienz.
Plasmozytomniere
Glomeruläre, vaskuläre und tubulointerstitielle Nierenschädigung im Rahmen eines Plasmozytoms.
Ät.: Ablagerung von Paraproteinen (L-Ketten = BENCE-JONES-Protein, L-Amyloid)
Pathogenese: Leichtketten-Proteine fallen bei saurem pH aus -> direkt toxisch -> Tubulusnekrosen und interstitielle Nephritis.
Makro: Nieren beidseits groß, blass und fest.
Mikro: Hyaline Zylinder in den distalen Tubuli (TAMM-HORSFALL-Protein = ausgefällte Proteine), diffuse Amyloidose, Fremdkörperreaktion mit histiozytären Riesenzellen, begleitende interstitielle Nephritis.
Klinik: Proteinurie, rezidivierendes Nierenversagen.
Amyloidose der Niere
Ät.: Plasmozytom (L-Amyloid), chronische Erkrankungen
Makro: Nieren beidseits groß und blass.
Mikro: Kongophile, doppelbrechende (apfelgrün-gelb) Ablagerungen.
Laborchemische Differenzierung der Proteinurie
Mittels Markerprotein-Bestimmung im Urin:
| Urin-Markerprotein | Molekulargewicht | Eigenschaften des Proteins | Art des Nierenschadens bei Nachweis |
|---|---|---|---|
| α1-Mikroglobulin
β2-Mikroglobulin |
33 kD
12 kD |
Wird filtriert und tubulär rückresobiert. | Tubulärer Schaden |
| Albumin
Transferrin |
68 kD
80 kD |
Wird nicht filtriert, bei leichten Schäden schon. | Glomerulär selektiver Schaden |
| IgG | 180 kD | Wird nicht filtriert, erst bei schweren Schäden. | Glomerulär unselektiver Schaden |
| α2-Makroglobulin | 750 kD | Gelangt aufgrund seiner Größe auch bei geschädigten Glomeruli nicht in den Harn. | Postrenaler Eiweißverlust (z.B. Entzündung, Tumor) |
Teurere Alternative: SDS-PAGE (sodium dodecylsulfate polyacrylamide gel electrophoresis)
Weblinks:
Nephrolithiasis
calculus
- Urolithiasis = Steinbildungen im ableitenden Harnsystem
- Nephrokalzinose = Intrarenale Verkalkungen
Ep.: > 30 Lj.
Lok.: V. a. im Nierenbecken
Ursachen: Hohe Konzentrationen lithogener Substanzen, Harnstau, pH-Veränderungen des Urins, Infektionen, Kristallnukleatoren
Häuf.:
- Kalziumoxalat 75 % - Bei Hyperkalziurie (siehe unter Hyperparathyreoidismus), Hyperoxalurie, Hyperurie
- Magnesiumammoniumphosphat 12 % - Relativ weich, im Nierenbecken als Ausgußsteine, bei Infektionen und alkalischem Urin
- Harnsäure (Uratsteine) 6 % - Klein, hart, rundlich, glatte Oberfläche, bei saurem Urin und bei Gicht
- Zystin 1 % - Bei der Zystinurie. Mikro: Im U-Sediment flache hexagonale Kristalle.
- Andere 6 %
Hydronephrose
Syn.: Wassersackniere
hydronephrosis
Ät.: Harnabflussbehinderungen, z.B. bei Nierensteinen, subpelviner Stenose (Stenose am Abgang des Ureters), Narbenstrikturen, vesiko-ureteralem Reflux, Endometriose, Blasentumoren, BPH, Urethralklappe oder Urethraatresie.
Makro: Gleichmäßig große Räume mit Verbindung zu Nierenbecken und -kelchen und Druckatrophie des Nierenparenchyms, Extremfall: Sackniere.
Mikro: Vernarbtes Gewebe, Eiweißzylinder, chronische interstitielle Entzündung.
Nierentumoren
RF: Rauchen, Cadmium, Blei, Arsen, Trichlorethylen, Adipositas.
Klinik: Hämaturie, Flankenschmerz (oft spät).
IHC: Vimentin positiv (Niere ist mesenchymalen Ursprungs).
Epitheliale Nierentumoren
Subtypen:
- Adenom
- Nierenzellkarzinom (Hypernephrom, GRAWITZ-Tumor)
- Klarzelliges Nierenzellkarzinom - Ursprung: Proximaler Tubulus (80 %)
- Chromophiles Nierenzellkarzinom - Ursprung: Proximaler Tubulus (12 %)
- Onkozytom - Ursprung Verbindungsstück (3 %), benigne
- Chromophobes Nierenzellkarzinom - Ursprung: Sammelrohr (5 %), Vimentin neg.
- Duct-BELLINI-Karzinom - Ursprung: Sammelrohr (Mark) (1 %), sehr bösartig
- Papilläres Nierenzellkarzinom
Differenzierung zwischen Adenom und Nierenzellkarzinom u.a. anhand der Größe:
- Adenom < 1 cm: Metastasierung selten, benigne; Papillär, oft multipel, Kernhyperchromasie, scharfe Begrenzung.
- Karzinom > 1 cm, Metastasierung häufiger, maligne (Ausnahme: onkozytäres Adenom, immer benigne).
Kompl.:
- STAUFFER-Syndrom - Paraneoplastisch bedingte Begleit-Hepatitis. Ät.: Evtl. durch tumorinduzierte IL6-Erhöhung. Mikro: Unspezifische Hepatitis. Klinik: Fieber, Gewichtsverlust, Fatigue. Labor: Erhöhung von AP, Bilirubin, α2- und γ-Globulinen, erniedrigter Quick, Hypoalbuminämie.
Weblinks: KEGG - Renal cell carcinoma - Homo sapiens (human)
Metanephrisches Adenom
Mikro: Zellen dicht gepackt, uniforme rund-ovale Zellkerne mit feinstäubigem Chromatin, keine Nukleolen.
Klarzelliges Nierenzellkarzinom
Maligne
Makro: Bunte Schnittfläche, scheckig, intensiv gelb (NNR-Farbe, deswegen alte Bezeichnung Hypernephrom)
Mikro: Helle, pflanzenzellartige Zellen mit klarer Begrenzung. Die Kerne sind rund, dunkel-hyperchromatisch, polymorph oder normal. Nekrosen, Einblutungen, lymphoplasmazelluläre Reaktion des umgebenden Stromas.
Met.: Affinität zum Gefäßsystem, ggf. Tumorzapfen in der Vena cava (die in Ausnahmefällen bis zum rechten Vorhof vorwachsen können), hämatogene Streuung.
Onkozytom
Benigne
Makro: Bis 8 cm großer Tumor mit rehbraun-oranger Schnittfläche und zentraler Narbe (regressiv-zystisch).
Mikro: Große, blasse, eosinophile Zellen, evtl. Kernatypien. Mitochondrienvermehrung (Onkozyten).
Duct-BELLINI-Karzinom
Makro: Diffus wachsend, diffuse weissliche Linien.
Prg.: Schlechteste Prognose der Nierentumoren.
Papilläres Nierenzellkarzinom
Makro: Weiß-grau, rund, eher multipel.
Mikro: Papilläre Strukturen (blutgefäßführende epithelüberkleidete Bindegewebsstöcke), Schaumzellaggregate.
Prg.: Besser als beim Klarzeller.
Mesenchymale Tumoren
- Leiomyom der Nierenrinde (benigne)
- Angiomyolipom (benigne)
Angiomyolipom
Benigne
Mikro: Große muskelstarke Gefäße, Fettgewebe.
Makro: Sehr groß, bunte Schnittfläche (Nekrosen, Einblutung). Gefäß-, Muskel-, Fett-Anteile.
IHC: HMB45 +
Evtl. kombiniert mit der tuberösen Sklerose oder der Angiomyolipomatose der Lymphgefäße.
Mischtumoren
Ep.: Meist im Kindesalter
WILMS-Tumor (Nephroblastom)
Ep.: Kleinkinder, 1:10.000
Ät.: In 30 % Inaktivierung des Tumorsuppressorgens WTX (X!)[1], in 5 - 10 % Inaktivierung des Tumorsuppressorgens WT1 (11p13).
Makro: Kindliche Niere, bunter Aspekt.
Mikro: Drei Komponenten (Prognose!): Epithelial -> Tubuläre Strukturen, mesenchymal -> Glatter Muskel, blastemisch -> Undifferenzierte Zellen.
Verhalten: Maligne
Metastasierung: Lunge und Leber
Klinik: Palpabler Bauchtumor, Hämaturie.
Prg.: Gut (unter Therapie)
Quellen
- ↑ Rivera MN et al. “An X Chromosome Gene, WTX, Is Commonly Inactivated in Wilms Tumor”. Science, Jan 4 2007. DOI:10.1126/science.1137509.
Ableitende Harnwege
Harnwegsinfektionen
Zystitis
Infektionswege:
- Urethrogen aszendierende Infektion
- Ureterogen deszendierende Infektion
- Hämatogene Infektion
- Lymphogene Infektion
Die akute Entzündung ist häufig durch eine Monoinfektion verursacht (Escherichia coli), bei chronischen Entzündung dominieren Mischinfektionen.
Akute unspezifische Zystitis
Einfache katarrhalische Zystitis
Ät.: Meist E. coli.
RF.: Harnabflusstörungen, Urolithiasis, Z.n. urogenitalen operativen Eingriffen, Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus), Medikamente (Immunsuppressiva), transurethrale Blasenverweilkatheter, Schwangerschaft (dilatierte Ureteren), GV, geringe Ausscheidung.
Makro: Eitrig, fibrinös oder hämorrhagisch.
Urin: Leukozyten, Bakterien, Nitrit.
Klinik: Dysurie, Strangurie, Pollakisurie.
Kompl.: Aufsteigende Infektion (v.a. bei Reflux, Abflusstörungen, Steinen, Schwangerschaft u.a.) -> Pyelonephritis. Klinik: Flankenschmerz, Fieber, Schüttelfrost.
Pseudomembranös-nekrotisierende Zystitis
Ät.: Akute (Strahlennekrose) oder chronische (Gefäßverschlüsse) Folge einer Strahlentherapie im kleinen Becken (bei 4 - 7 % der bestrahlten Uterus- und Ovarialtumore).
Chronische unspezifische Zystitis
Zystitis polyposa
Patho.: Kapillarwucherungen, hyperplastisches Epithel, kleine Schleimhautknötchen.
Schrumpfblase
Pg.: Spätfolge bei überwiegender Kollagenfaserbildung. Narbige Retraktion, Atrophie, Schrumpfung.
Spezifische Zystitis
Bei: Tbc, Gonorrhoe, Billharziose (Schistosoma hematobium) -> Plattenepithelmetaplasie, Lues (Stadium I und II), Trichomonaden, Mykosen, z.B. Soor (bei Diabetes, Antibiose) u.a.
Granulomatöse Zystitis
Ät.: Tbc, Treponema pallidum, Pilze, Bilharziose -> Plattenepithelmetaplasie, iatrogen: TUBK
Blasenbillharziose
Mikro: Granulomatöse Entzündung, Erregernachweis.
Kompl.: Blasensteine, Plattenepithelkarzinom, Stenosen von Ureter oder Blasenhals.
Sonderformen der Zystitis
Zystitis nodularis et cystica
Ep.: Ältere Frauen
Mikro: Solide Zellnester (BRUNN-Epithelien), zystische Umwandlung.
Zystitis glandularis
Mikro: Becherzellmetaplasie (ähnl. Kolonschleimhaut)
Zystitis emphysematosa
Ät.: Gasbildende Bakterien (E. coli-Stämme), v.a. bei Diabetikern
Mikro: Riesenzellen (Fremdkörperreaktion)
Zystitis polyposa (papilläre Zystitis)
Ät.: Fremdkörper (TUBK)
Morph.: Chronische Granulationsgewebsproliferation, exophytisch, tumorartig. Stromaödem, Stromafibrose im Spätstadium.
SF : Cystitis bullosa (Schleimhautveränderungen breitbasig aufsitzend)
Ulcus simplex HUNNER
Syn.: Interstitielle Zystitis (IC), pelvic-pain-Syndrom (bei Männern)
Ep.: Junge Frauen zwischen 20 und 40 Jahren (w:m = 10:1)
Ät.: Insuffizienz der protektiven Gykosaminoglykan-Schicht der Blasenschleimhaut durch verminderte Produktion (genetischer Drüsendefekt) oder erhöhten Verbrauch (autoimmun). Hormonelle Einflüsse.
Regulationsfaktoren der GAG-Schicht:
Wachstumsfaktoren: Proliferationshemmende Faktoren:
HB-EGF (Heparin binding epidermal growth factor) < --- > APF (Anti-proliferating-factor)
EGF (Epidermal growth factor) I
Östrogene
APF ist hochspezifisch: bei 98 % der IC-Patientinnen nachweisbar
Mikro: Ulcus am Blasendach (Hunner-Ulcus) mit dichten zellulären Infiltraten am Ulcusgrund, später interstitielle Fibrose, alle Wandschichten der Harnblase sind betroffen. Mastzellen sind vermehrt, Elastizitätsverlust der Blasenwand und Schrumpfung (Schrumpfblase), der Urin ist steril.
Klinik: Starker nicht zu unterdrückender Harndrang auch nachts, Pollakisurie, Dysparaeunie, keine Bakterien/Leukozyten im Urin, psychosoziale Folgeprobleme, Ausschlussdiagnose, Cave: Die Patientinnen sind u.U. suizidgefährdet!
Therapiansatz: Östrogenrezeptorblocker (derzeit in einer Therapiestudie)
Balkenblase
Ät.: Harnabflussstörungen (benigne Prostatahyperplasie, Urethrasteine, neurogen)
Makro: Hypertrophie des M. detrusor, Pseudodivertikel an der Harnblasenhinterwand
Metaplasie der Harnblasenschleimhaut
Plattenepithelmetaplasie = Leukoplakie
Ät.: Chronische Entzündungen (Billharziose)
Makro: Weisser, scharf begrenzter, nicht erhabener Fleck (Xerosis versicae) v.a. im Trigonum
Präkanzeröse Läsion
Drüsenepithelmetaplasie
I.R.d. Zystitis glandularis
Nephrogene Metaplasie
Ep.: Männer mittleren Alters
Ät.: Chronische Entzündungen
Makro: Kleine Knötchen, vorgewölbte Schleimhaut am Blasenboden.
Mikro: Papilläre oder tubuläre Struktur, entzündliche Reaktion.
Tumoren der ableitenden Harnwege
Ep.: 95 % sind Blasenkarzinome, 3 % aller karzinombedingten Todesfälle, Männer sind 2 bis 3 mal häufiger betroffen als Frauen.
Ät.: Rauchen, Aromatische Amine (4-Aminodiphenyl, Benzidin, 2-Naphthylamin, 4-Chlor-o-Toluidin), Azofarbstoffe, Nitrosamine, Arsen, Billharziose.
Lok.: 6 % Nierenbecken, 2 % Ureter, 92 % Harnblase
Klinik: Mögliches Frühsymptom: Mikrohämaturie!
Übergangszellpapillom (Transitionalzellepithel)
Morph.: Rein exophytisch (blumenkohlartig), papillär aufgebaut, Bindegewebsstroma, bis zu 7 Zelllagen, wenig Mitosen, keine Atypien.
SF: Invertiertes Papillom (im Trigonum)
Übergangszellkarzinom (Urothelkarzinom)
90 % der Blasenkarzinome, öfters multifokal.
Grading:
- °I.: Rein exophytisch, > 7 Zelllagen, Mitosen, Atypien vereinzelt.
- °II.: Infiltrierend, Zwischenstellung.
- °III.: Entdifferenziert, Polymorphie, Verlust der umbrella cells.
Typen:
- Papilläres Urothelkarzinom: Häufig rezidivierend - Selten muskelinvasiv - Relativ gute Prognose.
- Nicht-invasiv: Bezeichnung pTa
- Invasiv
- Flaches Urothelkarzinom: Oft G °III-Karzinome - Früh muskelinvasiv - Ungünstigere Prognose - Aggressive Therapie auch der (noch) nicht-invasiven Karzinome.
- Nicht-invasiv: Bezeichnung pTis (in situ)
- Invasiv
Plattenepithelkarzinom
Als Teildifferenzierung des Übergangszellkarzinoms.
Adenokarzinom
Selten.
Nichtepitheliale Tumoren
- Embryonales Rhabdomyosarkom - Häufigster Harnblasentumor im Kindesalter, Tumormarker: Desmin, Vimentin.
- Phäochromozytome
- Maligne Lymphome
- Karzinosarkom - Kombinationstumor, epithelialer und mesenchymaler Anteil, DD: Kollisionstumor.
Mamma
Die Brust
Phylogenese: Die Mamma (Brustdrüse) stellt eine modifizierte Schweißdrüse dar.
Histologie:
- Zahlreiche Azini bilden einen Lobulus, ca. 10 - 20 Lobuli münden in einen Milchgang (Ductus lactiferi). Dieser Übergang nennt sich terminale duktulo-lobuläre Einheit (TDLE) und ist der Ausgangspunkt der meisten Mammakarzinome. 15 - 20 Ductuli lactiferi, die sich kurz vor der Mamille noch zum Sinus lactifer erweitern enden am Porus excretorius auf die Mamille.
- Das Drüsenepithel der apokrinen Drüse ist zweireihig.
- Mamma lactans: Deutliche Proliferation, Sekret, aber keine Atypien, kein infiltratives Wachstum.
Angeborene Fehlbildungen
- Athelie - Fehlen der Brustwarze
Mastopathie
Ep.: 90 % der Frauen in der Involution.
Die Mastopathie ist eine benigne, hormonell induzierte Umbaureaktion der Brust, die vor und während der Menopause beginnt. Hohe Östrogen- und leicht erniedrigte Progesteronspiegel tragen dazu bei.
Morph:: Fibrose, Zysten, Gangektasien
Kompl.: Entartungsrisiko kaum erhöht
Mastopathia fibrosa cystica
Syn.: Fibröszystische Mastopathie
Ep.: 50 % der Frauen
- Entwickelt sich langsam
- Meist oberer äußerer Quadrant
- 50 % Mastodynie (schmerzhafte Brüste)
Mikro: Zystisch erweiterte Milchgänge, kleine und große Zysten. Die Fibroblasten sind vermehrt, Fibrose des Mantelstromas. Mit oder ohne Epithelproliferation (apokrine Metaplasie).
Makro: Unregelmäßig verfestigt, knotig, streifig (Stränge), prall-elastisch, grau-weiß, inhomogen, unscharf begrenzt, Zysten.
Präneoplastische Läsionen
Benigne intraduktale Epithelproliferation
Duktale Hyperplasie
Mikro: Benigne, das intraduktales Epithel ist proliferiert, aber nicht atypisch, von der Zellmasse erweiterte Milchgänge.
Radiäre Narbe
Mikro: Sklerose und duktale Hyperplasie, Tubuli, das Stroma ist verbreitert.
DD: Tubuläres Mammakarzinom
Adenose (Skleradenose)
Mikro: Kompakte Läppchenproliferation, die duktulolobulären Einheiten liegen dicht beieinander. Vermehrung des Myoepithels (IHC: α-Actin).
Mammakarzinom
RF: Verwandte mit Brustkrebs (Alter bei Erkrankung!), Gene: BRCA1, BRCA2, Nulliparae, erste Geburt mit über 30 J., frühe Menarche, späte Menopause, Adipositas, Alkohol-Konsum > 20 g pro Tag, Rauchen, Bewegungsmangel, Mastopathie mit Atypien, Postmenopause, Alter > 50, Hormonersatztherapie (nur sehr moderate Risikoerhöhung bei kurzzeitiger Anwendung, niedriger Dosierung, transdermaler Applikation und Beachtung der Kontraindikationen.)
Pathologische Prognosefaktoren:
- TNM-Stadium
- Grading
- Typ (lobuläres Ca ungünstiger als duktales Ca)
- Expression von Östrogen- und Progesterorezeptoren günstig. (Bestimmung im nativen Gewebe, gekühlt transportieren, mind. 0,5 g!). Spezifische Therapieoption: Östrogenrezeptormodulatoren wie Tamoxifen, Aromatasehemmer
- Expression des Proliferationsmarkers p53. hoch = ungünstig.
- Ebenfalls ungünstig ist die Überexpression des human epidermal growth faktor receptor 2 Her2 (auch HER-2/neu, c-erbB2, erbB2 oder c-neu genannt), was bei 20 bis 25 % der Frauen mit Brustkrebs der Fall ist. Spezifische Therapieoption: Trastuzumab. Bestimmungsmethoden: IHC, in-situ-Hybridisierung.
Histologische Typen:
- Lobuläres Karzinom
- Carcinoma lobulare in situ (CLIS) = Lobuläre intraepitheliale Neoplasie (LIN)
- Invasiv-lobuläres Mammakarzinom (10 - 20 % der invasiven)
- Duktales Karzinom
- Duktales Carcinoma in situ (DCIS) = Duktale intraepitheliale Neoplasie (DIN)
- Invasives duktales Karzinom:
- Invasiv-duktal (80 %)
- Medullär (< 1 %)
- Gallertkarzinom (2 %)
- Tubulär (1 - 2 %)
- Papillär (< 1 %)
Sonderformen:
- Morbus PAGET - Infiltration der Mamille.
- Inflammatorisches Mammakarzinom - Ausbreitung über die oberflächlichen Lymphgefäße der Haut mit Erzeugung eines entzündliches Aussehens (Rötung, Schwellung der Brust).
Mögliche Transformationsstufen (n. Stegner, 1985):
- Normales Gangepithel -> Reguläre Hyperplasie -> Präkanzeröse atypische Hyperplasie -> CIS -> Infiltrierendes Karzinom
- Normales Gangepithel -> Präkanzeröse atypische Hyperplasie -> CIS -> Infiltrierendes Karzinom
- Normales Gangepithel -> CIS -> Infiltrierendes Karzinom
Ausbreitungsmuster:
- Intraduktales Karzinom -> Lobuli
- Lobuläres Karzinom -> Ductuli
- Invasives Karzinom (Durchbruch der Basallamina) -> Stroma
Metastasierungeswege:
- Hämatogen: bes. Knochen und Lungen
- Lymphogen:
- Lymphangiomatosa carcinomatosa
- Retro-/parasternale LK, axiläre LK (Sentinel-LK, Level 1-3), sub- und supraclaviculär
- Histo: LK groß, fest, verbacken, gut begrenzt, weislich
TNM-Klassifikation:
- pT1: < 2 cm; a) < 0,5 cm, b) < 1 cm, c) 1 - 2 cm
- pT2: 2 - 5 cm
- pT3: > 5 cm
- pN1: 1 - 3 LK => schon Stadium 2a
- pN2: 4 - 9 LK
- pN3: > 10 LK
- pM1 => Stadium 4
Klinik: Palpabler Knoten, Schwellung, Einziehungen, Orangenhaut, Mamillenekzem, Mamillensekretion, Einziehung der Mamille, asymmetrische Mamillenposition.
Literatur:
- Rüschoff J, Nagelmeier I, Hofmann M, Henkel T, Stoss O. “[ErbB2 diagnostics in breast cancer - an update.]”. Pathologe, February 2009. DOI:10.1007/s00292-009-1126-3. PMID 19214513.
Duktales Carcinoma in situ (DCIS)
Syn.: Komedo-Karzinom
Makro: Solider Tumor, weißliche Schnittfläche, harte Konsistenz, Stippchen (Komedo-Nekrosen), baumartige Verästelungen (Milchgänge gefüllt mit atypischen Zellen).
Mikro: Intraduktal, nichtinvasiv, deutlich erweiterte Gänge, hochatypische kohäsive Epithelproliferation, große Tumorzellen, evtl. mit kribriformem Muster. Komedonekrosen im Zentrum, die sekundär kalzifizieren. Mikroverkalkungen, Kalkstrassen (Mammographie!). Die Basalmembran ist erhalten. Vermehrung des kollagenen Bindegewebes (desmoplastische Stromareaktion).
Grading: Kernvergrößerung, Kernatypien (Tumorriesenzellen), Zahl der Nukleolen, Vorhandensein von Komedonekrosen.
IHC: Cadherin E +
DD.: Intraduktale Kanzerisierung durch ein lobuläres Karzinom.
Invasiv-duktales Mammakarzinom
Ep.: Häufigste Form des Mammakarzinoms.
Makro: Derber Knoten (durch die reaktive Bindegewebsvermehrung), sternförmig mit Ausläufern. Ggf. Ulzeration, Nekrosen, Hautinfiltration/Morbus PAGET (ekzemartige Hautveränderung der Brust).
Mikro: Wie DCIS plus: Basalmembran durchbrochen, im Stroma vereinzelte Tumozellverbände mit solidem oder drüsigem Wachstum ohne umgebendes Myoepithel bzw. Bindegewebe, große Tumorzellen, sternförmig mit Ausläufern, ausgeprägte desmoplastische Stromareaktion.
Subtypen:
- Tubulär - Ausschließlich tubuläre Elemente. Bessere Prognose. DD: Radiäre Narbe.
- Medullär - Sehr atypisches Aussehen, lymphatisches Gewebe im Bereich des Karzinoms, oft pT2, selten LK-Metastasen, Prognose besser.
- Gallertkarzinom/muzinöses Karzinom - Schleimseen, wenige und atypische Zellen, Prognose schlechter.
IHC: Cadherin E +
DD.: Intraduktale Kanzerisierung durch ein lobuläres Karzinom.
Lobuläres carcinoma in situ (LCIS)
Mikro: Atypische nicht-kohäsive Epithelproliferation in den Azini und Lobuli, die Basalmembran ist erhalten.
IHC: Cadherin E -
DD.: Intralobuläre Kanzerisierung durch ein duktales Karzinom.
Invasives lobuläres Mammakarzinom
Makro: Weiche Konsistenz, keine Knoten, oft multifokal (mehr als ein Ca in einem Quadranten) oder multizentrisch (Ca in mehr als einem Qudranten), diffus wachsend.
Mikro: Atypische Epithelproliferation in den Azini, die Basalmembran ist durchbrochen. Häufiger als beim duktalen Karzinom längere in Einzelzellreihen angeordnete Tumorzellen („Gänsemarsch“, „Indian line pattern“), die auch konzentrisch angeordnet sein können (Schießscheibenmuster). Kein drüsiges Wachstum, die Tumorzellen sind eher kleiner und weniger pleomorph verglichen mit dem duktalen Karzinom.
IHC: Cadherin E -
DD.: Intralobuläre Kanzerisierung durch ein duktales Karzinom.
Klinik: Schlecht palpabel, oft spät diagnostiziert, daher Prognose schlechter als bei duktalem Mammakarzinom.
Fibroadenom
Ep.: Häufigster beniger Brusttumor.
Ep.: Um das 30 Lj.
Makro: Gut begrenzter Knoten, prall elastisch, gut lobuliert , bis etwa 2-3cm Durchmesser.
Mikro: Y- und O-Strukturen bzw. Geweihartige Elemente (komprimierte Milchgänge), mesenchymale (Fibroblasten deutlich vermehrt) und epitheliale Komponente.
SF: Juvenile/zellreiche Fibroadenome - Jüngerer Frauen, Tumor größer, benigne.
Phylloides-Tumor
Quasi die Steigerung des Fibroadenoms. Etwas größer, biphasischer Tumor (epithelial-mesenchymal) mit maligner Potenz, Rezidivneigung, drei Malignitätsgrade mit prognostischer und therapeutischer Relevanz:
| Eigenschaften | Benigne | Borderline | Maligne (Sarkom) |
|---|---|---|---|
| Stroma Hyperzellularität | ++ | ++ | +++ |
| Pleomorphie | + | ++ | +++ |
| Mitosen | + | ++ | +++ (> 10 pro 10 HPF) |
| Begrenzung | +++ Gut begrenzt | ++ | + Invasiv, Satellitenmetastasen |
| Stromamuster | Uniforme, stromale Verteilung | Heterogen stromale Expansion | Ausgeprägtes Stromwachstum |
| Heterologe stromale Differenzierung | Selten | Selten | Nicht ungewöhnlich (fibro-, osteo-, chondrosarkomatös, z.B. maligne Knochenbildung) |
| Häufigkeitsverteilung | 60 % | 20 % | 20 % |
| Prognose | Gut | Intermediär | Ungünstig |
Keine TNM-Klassifikation, die gibt es nur für Karzinome!
Papillome
Ep.: Jedes Alter
Unterscheidung:
- Periphere Papillome (Azini): Klinisch keine Bedeutung
- Zentrale Papillome (Milchgänge) -> Klinik: Serös-blutige Sekretion der Mamille
DD: Zentrales papilläres Mammakarzinom (Unterscheidung kann schwierig sein)
Zentrales Papillom
Makro: Weicher, intraduktaler Tumor
Mikro: Benigne, keine Atypien, zahlreiche, bäumchenartig verzweigte Epithelpapillen mit gefäßführendem Stil, keine Invasion, scharf begrenzt, Kapsel.
Angiosarkom
Ät.: Oft Z.n. Mammkarzinom (Bestrahlungsfolge)
Makro: Weicher, deutlich eingebluteter Tumor. Tumornekrosen.
Mikro: Hochmaligne Endothelien, Atypien, maligne Gefäße, rasche Metastasierung.
IHC: CD31 +
Gynäkomastie
Hormonell bedingte Vergrößerung der männlichen Brustdrüse.
Ät.: Androgenmangel, Östrogenüberschuss
- Nach Geburt (mütterliche Hormone)
- Pubertät
- Altersgynäkomastie
- Leberzirrhose (Östrogenkonversion aus Androstendiol)
- Medikamente
- Drogen (Alkohol)
- Androgenmangel: Z.n. radikaler Prostatektomie, Anorchie, Kastration, KLINEFELTER-Syndrom
- Paraneoplastisches Syndrom (kleinzelliges Bronchial-Ca)
- Östrogen- oder HCG-bildende Tumoren des Hodens und der NNR
Mikro: Männlich konfigurierte Brüstdrüse (wenige Duktuli, keine Lobuli), Proliferation, keine Atypien, kein infiltratives Wachstum.
Ovar
Das Ovar
Anatomie:
- Je 11 g, 1 x 2 x 4 cm groß
- Bei jungen Frauen glatte, grau-weiße Oberfläche, später Zerklüftung mit narbigen Einkerbungen
- Postmenopausal klein, fest, grau-weiß, gyriert
- Ggf. Druckatrophien z.B. bei Uterus myomatosus
Histologie:
- MÜLLER-Epithel: die äußerste Schicht und Ausgangspunkt der meisten Ovarialkarzinome
- Rinde: Bindegewebe mit spindeligen Stromazellen und Follikeln
- Mark
- Hilus und Mesovar
Physiologie:
- GnRH (Hypothalamus) -> Gonadotropine FSH/LH (Hypophyse) -> Sexualsteroide (Ovar)
Funktionelle Läsionen
- Gelbkörper-Persistenz
- Follikelzyste
- Verwachsungen im Zervixbereich
- Endometritis bei Endometrioseherd
- STEIN-LEVENTHAL-Syndrom (PCO-Syndrom)
Entzündungen im Bereich des Ovars
Oophoritis
Entzündung des Ovars.
Isoliert sehr selten, meist im Rahmen einer Salpingitis, Appendicitis, Divertikulitis, Peritonitis oder Mumps (hämatogene Infektion). Isolierter Ovarialabszess gehäuft nach OP.
Akut oder chronisch
Spezifische Entzündungen: Tbc, Sarkoidose, Aktinomykose
Akute Salpingitis
Entzündung der Tube.
Ät.: Iatrogen, bakteriell (Gonokokken, Staphylokokken, Streptokokken)
Klinik: Ziehende Unterbauchschmerzen und Fieber
Kompl.: Adnexitis (Salpingo-Oophoritis), tumorös-entzündliche Prozesse, Tubenstriktur, Pyosalpinx, Hydrosalpinx, tuboovarielle Abszesse, später EUG.
Akute Adnexitis
Entzündung von Tube und Ovar.
Kompl.: Pyosalpinx, Tuboovarialabszess, Douglas-Abszess, Peritonitis.
Ovarialzysten
Ovarialzysten sind nicht-neoplastische Hohlräume aus Einstülpungen des Müller-Deckepithels, aus Follikeln oder heterotopem Epithel (Endometriose). Entsprechend unterscheidet man:
- Follikelzysten
- Keimepithelzysten
- Endometriose-Zysten (Schokoladenzysten)
Eigenschaften:
- > 1 cm mit keimepithelähnlicher Auskleidung
- Benigne oder maligne
- Serös, muzinös, endometroid
Präovulatorische Follikelzyste
Einzeln oder multipel, die ständige Östrogenproduktion führt zu anovulatorischen Zyklen, glandulär-zystische Endometriumhyperplasie.
Formen:
- Einfach ovariell
- Luteinzyste
- Theka-Lutein-Zyste
Postovulatorische Gelbkörperzyste
Ät.: Komplexe endokrine Dysfunktion in der zweiten Zyklushälfte oder in der Schwangerschaft
Klinik: Zyklusunregelmäßigkeiten
Polyzystische Ovarien (PCO-Syndrom)
Syn.: STEIN-LEVENTHAL-Syndrom
Beidseits polzystisch vergrößerte Ovarien mit mehr als sieben Follikelzysten bis maximal 1 cm Durchmesser und Bindegewebsproliferation.
Ät.: Hypophysenstörung mit gesteigerter Sekretion von Gonadotropinen (hohe LH-, niedrige FSH-Freisetzung) mit gesteigerter Steroidsynthese in den Thekazellen und vermehrter Androgenproduktion.
Pg.: LH erhöht -> Stimulation der Androgensynthese im Ovar -> Umwandlung der Androgene in Östrogene im Fettgewebe und (azyklische) Freisetzung -> Dies verstärkt wiederum die Störung der hypophysären LH und FSH-Sekretion (Circulus vitiosus). FSH vermindert: -> Verhinderung eines normalen Zyklus -> Amenorrhoe, Infertilität, -> Verstärkung der Hyperandrogenämie, -> Fibrose der Ovarkapsel -> FSH bindet noch schlechter (Circulus vitiosus). Hohe Androgenspiegel hemmen die Bildung des Sexhormonbindendens Globulins SHBG (Proteingebundene Hormone sind biologisch nicht aktiv) -> verstärkte Androgenwirkung -> Circulus vitiosus.
Klinik: Oligo-/Amenorrhoe, Unfruchtbarkeit, Hirsutismus, Adipositas
Weitere Folgen: Hyperandrogenämie -> Akne, Alopezie, Hirsutismus; Adipositas, Fett- und Glucosestoffwechselstörungen.
Mikro: Die Rinde ist fibrosiert, multiple bis 1cm große, perlschnurartig angeordnete Zysten, Corpora lutea und albicans fehlen.
Makro: Rinde verbreitert mit verfestigter Konsistenz.
Weblink: pco-syndrom.de
Inklusionszysten
Invagination des MÜLLER-Epithels und Bildung damit ausgekleideter Hohlräume als Folge der ovulatorisch bedingten Ruptur.
Ep.: V.a. ältere Frauen, mit die häufigsten Zysten
Makro: Kleine bis handballgroße Zysten, gefüllt mit Schleim oder seröser Flüssikeit, evtl. Verkalkungen.
Klinik: Oft asymptomatisch
Kompl.: Ruptur, Pseudomyxoma peritonei
Neoplasien des Ovars
Systematik:
- Epitheliale Tumore (MÜLLER-Epithel) (65 - 75 %)
- Seröser Ovarial-Tumor
- Muzinöser "
- Endometroider "
- Klarzelliger "
- Urothelialer " (BRENNER-Tumor)
- Andere: MÜLLER-Misch-Tumor, KRUKENBERG-Tumor
- Keimstrang-Stroma-Tumoren (5 %)
- Keimstrang-Tumor (-> Follikel, Granulosazellen, Sertolizellen)
- Stroma-Tumor (-> Thekazellen, Fibroblasten, Hiluszellen)
- Keimzelltumoren
- Reifes Teratom
- Maligne Keimzelltumore (10 - 15 %)
- Unreifes Teratom
- Dysgerminom
- Dottersacktumore
Epitheliale Tumoren
Ausgehend vom MÜLLER-Epithel (Anschluß an das Peritoneum -> Ausbreitung)
Ep.: 65 - 75 % der Ovarialtumoren
Ät.: Inclusionszysten, selten papilläre Läsionen
RF: BCRA-1, familiäre Belastung, Z.n. Mamma-, Endometrium- oder Zervixkarzinom, Nulliparae, kaukasischer Typ, Alter > 40, höherer sozioökonomischer Status.
Klinik: Symptomarm. Spätsymptom Bauchumfangzunahme (Aszites durch Peritonealkarzinose), daneben vaginale Blutung, Probleme beim Wasserlassen/Stuhlgang, Kreuzschmerzen, gastrointestinale Symptome (Dyspepsie, Übelkeit, Krämpfe, Diarrhoe), paraneoplastische Symptome: Acanthosis nigricans, Morbus Cushing, Hyperkalziämie, CA-125 in 75 % positiv
Wichtig: Zyste unklarer Dignität niemals punktieren oder laparoskopisch entfernen! Verschleppung von Tumorzellen möglich.
Metastasierung: Erst peritoneal, später lymphogen und hämatogen
Die epithelialen Tumore können separat nach Histologie und Malignität eingeteilt werden.
Histologische Typen:
- Seröser Ovarial-Tumor
- Muzinöser "
- Endometroider "
- Klarzelliger "
- Urothelialer " (BRENNER-Tumor)
- Andere: MÜLLER-Misch-Tumor, KRUKENBERG-Tumor
Dignität: Bis auf die zwei letztgenannten können sich die Neoplasien manifestieren als benigner Tumor, als Borderline-Tumor (Atypien, aber keine Invasion) oder maligner Tumor. Man erhält drei Schubladen:
- Zystadenom: Benigne, Zysten mit einreihigem Epithel.
- Borderline-Tumor: Nicht invasiv, Zysten mit proliferierendem Epithel und Dysplasien. Mitosen, Kernatypien.
- Zystadenokarzinom: Idem plus invasives Wachstum.
Seröse Ovarialtumoren
Größte Gruppe der epithelialen Tumoren (45 %).
Seröses Zystadenom (= Seröses Kystom)
Ep.: 5. - 6. Dekade
Mikro: Plumpe, papilläre Strukturen, flaches Epithel, evtl. Papillom.
Makro: 1 - 30 cm, meist einkammerige Zysten mit gelblicher Flüssigkeit, in 20 % bilateral.
Seröses Borderline-Karzinom
Mikro: Fokale Epithelproliferation, papilläre Epithelformationen, Mitosen, Polymorphie, keine Stromainvasion.
Seröses Zystadenokarzinom
Ep.: 6. Dekade, 50 % der Ovarialtumoren.
Mikro: Serös, z.T. schleimbildend, papillär, evtl. Psammomkörperchen (konzentrisch geschichtete Verkalkungsfiguren), Stromainfiltration.
Makro: Oft bilateral, oft > 15 cm, unregelmäßige solide und zystische Anteile, fokal Nekrosen, Blutungen, äußere Oberfläche kantig verdickt.
Muzinöse Ovarialtumoren
Muzinöses Zystadenom
Ep.: 3. - 4. Dekade
Makro: In 95 % unilateral, bis 50 cm, bis 500 g. Multiple, mehrkammerige, dickwandige Zysten mit gelblich-gallertiger Substanz und glatter Oberfläche.
Mikro: Papilläre, muzinöse Epithelproliferate mit intestinaler Differenzierung, Schleimbildung und Becherzellen, ähnlich den endozervikalen oder gastrointestinalen Drüsenkomplexen.
Kompl.: Pseudomyxoma peritonei - Peritoneale Absiedlungen mit zunehmender Schleimsekretion v.a. bei Ruptur -> Gallertbauch. Maligne Entartung.
Muzinöses Borderline-Karzinom
Histologisch 2 Typen:
- Intestinal: -> Peritonealimplantate, die zähen Schleim bilden (Pseudomyxoma peritonei)
- Endozervikal: -> kleinere Implantate
Makro: Zystenwand nicht mehr glatt, Peritonealimplantate, Pseudomyxoma peritonei.
Muzinöses Zystadenokarzinom
Invasives Wachstum.
Endometroide Ovarialtumoren
Endometroides Zystadenom
Syn.: „Schokoladenzyste“ (gl. Syn. auch für Endometriose-Zysten)
Makro: Multizystischer Tumor mit schwammartiger Konsistenz.
Mikro: Endometroides, dicht stehendes Epithel.
Endometroides Borderline-Karzinom
Endometroides Zystadenokarzinom
Ep.: 5. Dekade, 20 % der Ovarialtumoren, mit Endometriose und Korpuskarzinom assoziiert, > 50 % °I
Mikro: Drüsiges, mehrreihiges Epithel. Unter Östrogeneinfluss squamöse Differenzierung. Invasives Wachstum.
Makro: 30 - 50 % bilateral, 2 bis 35 cm.
Klarzelliges Ovarialkarzinom
Makro: Meist unilateral, bis 30 cm, grau-weiße Schnittfläche.
Mikro: Helles Zytoplasma (Lipide und Glykogen).
BRENNER-Tumor
Mikro: Urotheliale Differenzierung
Meist benigne
MÜLLER-Mischtumoren
Hoch maligner Kombinationstumor aus Karzinom und Sarkom -> Karzinosarkom
Ep.: Fast nur bei älteren Frauen
- Homolog: Undifferenzierte mesenchymale Komponente
- Heterolog: Differenzierte mesenchymale Komponente (Osteosarkom, Chondrom, Lipom oder Rhabdomyom)
Prg.: Sehr ungünstig
Metastasen
10 % aller Karzinome im Ovar
KRUKENBERG-Tumor
Siegelringkarzinom aus dem GIT, seltener der Mamma, das sich als Ovarialmetastase manifestiert.
Ep.: V.a. junge Frauen
Makro: Weiße, homogene Schnittfläche, angedeutet wirbelig. Vermehrung des Bindegewebsstromas.
Mikro: Schleimbildende Siegelringzellen
Prg.: Ungünstig
Keimstrang-Stroma-Tumoren
Systematik:
- Keimstrang: Follikel, Granulosazellen, Sertolizellen
- Stroma: Thekazellen, Fibroblasten, Hiluszellen
Eigenschaften: Meist benigne, eher selten, epitheliale und mesenchymale Komponente allein oder kombiniert. Wenn Östrogenproduktion, dann erhöhtes Risiko für Endometriumhyperplasie (Endometriumkarzinom).
Granulosazell-Tumor
Ep.: 60 % in der Menopause, 90 % unilateral, 70 % östrogenproduzierend.
Makro: Solide, glatte, gelbliche Schnittfläche, evtl. mit Zysten, Einblutungen, Nekrosen. Feste Konsistenz.
Mikro: Uniforme, oval-spindelige, monomorphe Granulosazellen, dicht gelagert. Angedeutet follikuläre Strukturen: Call-Exner-Körperchen. Typische ovale „Kaffeebohnen-Kerne“ mit Kernfurchen.
Klinik: Je nach Alter Zyklusstörungen, postmenopausale Blutung bei glandulär-zystischer Hyperplasie des Uterus, Pubertas praecox, Unterbauchschmerzen.
Verhalten: Meist benigne, aber potentiell maligne. Mit Korpuskarzinom assoziiert.
Fibrom
Ep.: 40-50 Lj.
Makro: Meist unilateral, ca. 6 cm, weiße und derbe Schnittfläche.
Mikro: Zellreich, evtl. regressive Veränderungen.
Verhalten: Benigne.
Klinik: Keine Hormonbildung, assoziiert mit dem MEIGS-Syndrom: Kombination aus Aszites, Pleuraerguß, und Ovarialfibrom.
Thekome
Ep.: 85 % postmenopausal
Makro: Unilateral, gelbe Schnittfläche.
Östrogenproduzierend, oft benigne.
Sklerosierende Stromatumoren
Ep.: > 80 % jünger als 30 Jahre
Eigenschaften: Unilateral, benigne, selten hormonaktiv.
Makro: Grauweiße Schnittfläche
Keimzell-Tumoren
Reifes Teratom (adult)
Syn.: Dermoidzyste
Ep.: V.a. < 20 Lj.
Dignität: Benigne bzgl. Ausreifung, jedoch in 10 - 20 % fokale Malignität.
Patho: Gewebe aller drei Keimblätter können vertreten sein, 5-30 cm, unilateral, derbe Kapsel, Oberfläche glatt und glänzend, in 10 - 20 % fokale Malignität.
SF:
- Monophasische Teratome = nur bestimmter Gewebtyp, Bsp.:
- Dermoidzyste: Haut und -anhangsgebilde
- Struma ovarii: Schilddrüsengewebe (-> auch Schilddrüsentumoren möglich!)
Maligne Keimzelltumoren
Unreifes Teratom
Ep.: V.a. Kinder, Jugendliche
Dignität: Maligne
Makro: Tumor solide oder mikrozystisch, meist > 15 cm.
Dysgerminom
Entspricht dem Seminom am Hoden
Ep.: Häufigste maligne Form, 2. - 3. Dekade
Mikro: Undifferenziert
Makro: 90 % unilateral, 15 cm, solide, uniform, gelb-weiß, Nekrosen, Zysten.
Verhalten: Frühe Metastasierung in die regionären Lymphknoten, strahlenempfindlich.
Dottersacktumor
Häufigster maligner Keimzelltumor im Kindesalter.
Mikro: Solide, retikuläre, glanduläre, intestinale Formen. Schiller-Duval-Körperchen (glomeruloide Strukturen).
Andere
Selten:
- Embryonales Karzinom
- Chorionkarzinom
Uterus
Der Uterus
Embryologie: Tuben, Uterus und der kraniale Teil der Vagina entwickelen sich aus den MÜLLER-Gängen. Beim Mann Rückbildung unter Einfluss des Anti-Müller-Hormons (AMH), das vom Hoden gebildet wird.
Histologie:
- Endometrium (Basalis und Functionalis): Epithel- und Drüsenanteil
- Myometrium: glatte Muskulatur
- Perimetrium (Tunica serosa): Peritonealüberzug
Lage: Normal Anteversio-anteflexio
Physiologie:
- Zyklus mit 3 Phasen:
- Desquamationsphase (Progesteronentzug) 1. bis 4. Tag
- Proliferationsphase (Östrogene +) 5. bis 14. Tag (Ovulation): Drüsen und Stroma proliferieren
- Sekretionsphase (Corpus luteum -> Progesteron +) 15. bis 28. Tag: Ausreifung der Drüsen, Dezidualisierung des Stromas
Störungen der Zyklusphasen
- Störungen der Proliferationsphase:
- Östrogen niedrig (Ovarialinsuffizienz) -> Endometrium-Atrophie
- Östrogen hoch (Follikelpersistenz, ovarieller Granulosazelltumor) -> Endometrium-Hyperplasie
- Störungen der Sekretionsphase:
- Progesteron niedrig -> vorzeitige, verzögerte Abstoßung
- Progesteron hoch -> Zyklusstörungen
Entwicklungsstörungen
Uterus bicornuatus
Ät.: Unzureichende embryonale Fusion der MÜLLER-Gänge.
Komplette Androgenresistenz
Syn.: Testikuläre Feminisierung
Ät.: Androgenrezeptordefekt bei Karyotyp 46, XY.
Pg.: Ausbleibende männliche Differenzierung bei vorhandenen hormonell aktiven Hoden.
- Leisten- oder Bauchhoden (erhöhtes Entartungsrisiko?).
- Fehlen von Uterus und Ovarien sowie verkürzte Vagina (durch Einfluss des Anti-Müller-Hormons, das vom vorhandenen Hoden produziert wird) -> Ausbleibende Menarche, Infertilität
- Gute Brustentwicklung in der Pubertät (hohe Sexualsteroid-Spiegel)
- Fehlende Entwicklung der Sekundärbehaarung.
SWYER-Syndrom
Syn.: XY-Gonadendysgenesie
Ät.: Meist Mutation des SRY-Gens (sex-determining region of the Y chromosome) bei Karyotyp 46, XY.
Pg.: Fehlende Gonandendifferenzierung -> hormonell inaktive Stranggonaden (streak gonads).
- Kein Anti-Müller-Hormon -> Weibliche Entwicklung der primären Geschlechtsmerkmale
- Hormondefizit in der Pubertät -> Primäre Amenorrhoe, Infertilität, fehlende Brustentwicklung, spärliche sekundäre Schambehaarung
Kompl.: Hohes Entartungsrisiko der rudimentären Gonaden.
Ullrich-Turner-Syndrom (Monosomie X)
Ep.: 1:3000 Frauen (hohe Spontanabortrate)
Genetik: In 75 % Karyotyp 45,X. In 20 % Mosaik. In 5 % Strukturaberration mit Verlust des kurzen Armes des X-Chromosoms (delXp-).
Klinik: Minderwuchs, multiple Nävi, Pterygium colli (Flügelfell), Lymphödem neonatal, „Sphinxgesicht“, Ptosis, mäßig modellierte Ohrmuschel, hoher, gotischer Gaumen, Keilbeinhypoplasie -> Mikrognathie und Tubenbelüftungsstörungen -> rezidivierende Otitiden -> Schwerhörigkeit. Tiefer Haaransatz, Schildthorax, Cubita valga, verkürztes Metacarpale IV, Nageldysplasie, primäre Amenorrhoe, ausbleibende Brustentwicklung, Strangonaden, Infertilität, normaler Intellekt.
Endometrium
Endometriose
Ektopes Endometrium
Formen:
- Endometriosis interna (= Adenomyosis uteri) innerhalb des Uterus
- Endometriosis externa mit ektopischen Herden auch außerhalb des Uterus
Ät.: Familiäre Disposition
Adenomyosis uteri
Endometriosis interna: Verlagerung von Endometrium in tiefere Myometriumsschichten.
Mikro: Endometriumsinseln (Stroma und Drüsen) im Myometrium, in ca. 30 % zyklische Veränderungen
Makro: Uterus symmetrisch vergrößert, Myometrium verbreitert
SF: Mit unscharf begrenzten evtl. zystischen dunkelroten Arealen
Klinik: Häufigste Ursache von Unterleibsbeschwerden bei prämenopausalen Frauen.
Endometriosis externa
Extrauterine Absiedelungen von Endometriumschleimhaut (Ovar, Vagina, Colon, Harnblase, Lunge, Peritoneum).
Ät.: Unklar, evtl. menstruelle oder hämatogene Verschleppung endometrialer Zellen.
Morph.: Entsprechende zyklusabhängige Läsionen oder Zysten (Schokoladenzysten) in den betroffenen Organen.
Klinik: Zyklusabhängige Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe.
Kompl.: Verwachsungen und Vernarbungen in befallenen Organen, Infertilität, atypische Hyperplasie (Präkanzerose), endometroides Ovarialkarzinom.
Endometritis
Entzündung der Gebärmutterschleimhaut.
Ät.: Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken), Tumor, Plazentareste, iatrogen, Fremdkörper (Spirale).
Formen:
- Akut: Eitrig, Abszesse
- Chronisch: Lymphoplasmazellulär
- Granulomatös: Bei Tbc, Sarkoidose, Fremdkörper
Klinik: Abnorme Blutungen, Fieber, Pyometra (uterine Eiteransammlung), Unterbauchschmerzen
Pyometra
Gebärmuttervereiterung.
Hyperplasie
Glanduläre Hyperplasie
Syn.: Glandulär-zystische Hyperplasie
Ep.: Gehäuft in der Pubertät (juvenile Dauerblutungen) und im Klimakterium (klimakterische Dauerblutungen).
Ät.: Am häufigsten Follikelpersistenz (unterbleibender Eisprung -> Follikel produziert länger Östrogen). Östrogen-bildender Granulosazelltumor.
Pg.: Hyperplasie durch anhaltende Östrogenstimulation.
Makro: Endometrium verbreitert, ungleichmäßig.
Mikro: Stroma vermehrt mit großen zytoplasmaarmen Stromazellen, Zystenbildung, vermehrt Mitosen in den Drüsen, keine Spiralarterien.
Klinik: Dauerblutungen (Metrorrhagie). DD: Uteruskarzinom, Myome, Uteruspolyp, hormonell aktiver Ovarialtumor, Kontraktionsschwäche, Gerinnungsstörungen.
Prg.: Spontane Rückbildung möglich -> Zystische Atrophie (postmenopausaler Matronenpolyp).
Adenomatöse Hyperplasie
Mikro: Verbreitertes Endometrium, Stroma reduziert, beginnende Drüsenverzweigung mit Kaliberschwankung.
Prg.: Entartungsrisiko von 20 %!
Atypische adenomatöse Hyperplasie
Mikro: Stroma fast verschwunden, Drüsen liegen Rücken an Rücken (dos-a-dos).
Prg.: Entartungsrisiko von 50 - 90 %!
Neubildungen des Endometriums
Endometriumpolyp
Lokale Schleimhautproliferation
Ep.: Ältere Frauen
Formen: Breitbasig oder gestielt
Mikro: Gefäße, fibröses Stroma, hyperplastische sezernierende oder atrophe Drüsen.
Klinik: Blutungsanomalien
Prg.: Meist benigne, selten Entartung.
Korpuskarzinom (Endometriumkarzinom)
Ät.: Östrogenüberschuß
RF: (Atypische) adenomatöse Hyperplasie (Präkanzerose), Adipositas, Diabetes mellitus, Hypertonie.
Makro: Grau-weiße Schnittfläche.
Histologische Einteilung:
- Endometriumkarzinom
- Endometrioides Adenokarzinom - jüngere Patientinnen, bessere Prognose
- Nichtendometroide Adenokarzinome - Patientinnen > 60, schlechtere Prognose
- Klarzelliges Karzinom
- Muzinöses Adenokarzinom
- Seröses Adenokarzinom
- Plattenepithelkarzinom u.a.m.
Klinik: Jede postmenopausale Blutung ist verdächtig und muss abgeklärt werden! -> Fraktionierte Abrasio.
Weblinks: KEGG - Endometrial cancer - Homo sapiens (human)
Endometrioides Adenokarzinom
Mikro:
- Grad 1: Reifes glanduläres Adenokarzinom: Mitosen, Nukleolen, dos-a-dos, Drüsen mit Epithelpapillen.
- Grad 2: Kombination gegeneinander scharf abgegrenzter reifer und unreifer Anteile.
- Grad 3: Unreifes solides Adenokarzinom: Solide Epithelverbände, evtl. Pseudorosetten der Kerne.
Adenosquamöses Korpus-Karzinom
Adenokarzinom (reife oder unreife Drüsen) mit (östrogenbedingten) Plattenepithelmetaplasien (PEM).
- Adenokarzinom + reife PEM -> Adenoakanthom
- Adenokarzinom + unreife PEM -> Adenosquamöses Karzinom
DD zum adenosquamösen Zervixkarzinom:
- Corpus-Ca: Vimentin +, CEA -
- Zervix-Ca: Vimentin -, CEA +
Seröses Adenokarzinom
Mikro: Serös-papillär
Prg.: Ungünstig
Klarzelliges Karzinom
Ep.: Sehr alte Patientinnen
Mikro: Karzinom teils drüsig, teils solide.
Prg.: Sehr ungünstig
Muzinöses Adenokarzinom
Ät.: V.a. nach Behandlung mit Gestagenen oder Antiöstrogenen
Plattenepithelkarzinom
Ep.: Extrem selten, auf dem Boden von PEM
Prg.: Ungünstig
MÜLLER-Mischtumor
Müllerian mixed tumor
Makro: Weiche Polypen im Cavum uteri
Mikro: Karzinosarkom: Sarkomatös entartetes Stroma und atypische Drüsen.
Endometriales Stromasarkom
Myometrium
- Myometritis als Folge einer Endometritis
- Adenomyosis uteri
Leiomyom
Ät.: Östrogen stimuliert das Wachstum.
Mikro: Glatte Muskelfasern mit gleichförmigen, zigarrenähnlichen Zellkernen, die sich wellenförmig durchflechten und wirbelige, fischzugartige Muster bilden, meist keine Nekrosen.
Makro: Solider Tumor, scharf begrenzt, weiße, glatte Schnittfläche mit wirbeligem Muster, 3 - 5 cm.
Verhalten: Benigne, selten Komplikationen durch Stildrehung bei extrauteriner Lage oder Kompression benachbarter Strukturen (Ureter). Kann Ursache von Fertilitätsstöungen sein.
Klinik: Verlängerte (Menorrhagie) oder zusätzliche azyklische Blutungen (Metrorrhagie).
SF: Uterus myomatosus (multiple Leiomyome).
Leiomyosarkom
Ep.: Selten
Morph.: Evtl. ist die Schnittfläche gelb (Nekrosen) oder blutig verfärbt, Konsistenzminderung, oder wie Leiomyom. > 10 cm, Nekrosen, Blutungen, Mitosen.
Zervix
Transformationszone: Grenze zwischen einschichtigem Zylinderepithel der Zervix und dem mehrschichtigen unverhornten Plattenepithel der Vagina. Verlagerung von der Zervixmitte beim Kind auf die Portiomitte bei der erwachsenen Frau und Rückkehr in den Ausgangszustand in der Menopause. Auch beim Säugling ist unter dem Einfluss der mütterlichen Hormone das Zylinderepithel vorverlagert.
Zervizitis
Gebärmutterhalsentzündung
Ät.: Häufigste Erreger sind Chlamydien (C. trachomatis), an zweiter Stelle stehen Gonokokken (N. gonorrhoeae).
Condyloma acuminatum
Ät.: HPV-bedingte warzenartige Läsion des Zervix-Plattenepithels. Meist HPV 6 und 11.
Kompl.: Plattenepitheldysplasien bis hin zum Karzinom!
Mikro: Koilozyten (Pyknotische, polymorphe Kerne mit perinukleärem Hof).
Weblinks: DermIS - Condyloma acuminatum
Ovula Nabothi
Benigne Retentionszysten.
Makro: Schleimhaltig, gelblich-weiß.
Zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN)
Präkanzeröse Läsionen mit stadienabhängig hoher spontaner Rückbildungsrate.
Ät.: HPV (v.a. HPV 16 und 18), über PEM
Grade in der Histologie:
- CIN 1: Leichte Dysplasie (leichte Polaritätsveränderung bis in das untere 1/3 des Epithels)
- CIN 2: Mittelschwere Dysplasie (untere 1/2 des Epithels)
- CIN 3: Schwere Dysplasie (weitgehend aufgehobene Schichtung, Atypien bis oberes 1/3 des Epithels)
- CIS: Carcinoma in situ: Karzinom, aber noch nicht invasiv
Im englischen Sprachraum wird auch eine vereinfachte Einteilung benutzt, die diese Läsionen nur in low grade squamous intraepithelial lesions (LG SIL) entspr. CIN1 und high grade squamous intraepithelial lesions (HG SIL) entspr. CIN2 und höher differenziert.
Zervixkarzinom
Ep.: Häufigstes Genitalkarzinom bei Frauen < 50 Lj.
Ät.: HPV v.a. Typ 16 und 18
Pg.: Über CIN
RF: Frühe sexuelle Kontakte, häufiger Partnerwechsel, Kontakt zu high-risk-Männern. Rauchen, Mehrlingsschwangerschaften, frühe Schwangerschaften (abhängige Variable), niedriger sozioökonomischer Status (abhängige Variable), HPV (16, 18, 30, 31), HSV, Chlamydien, Gonokokken, Syphillis, Trichomonas vaginalis, Immunsuppression.
Subtypen:
- 90 % Plattenepithelkarzinom
- 10 % Adenokarzinom
- Mikroglanduläres Karzinom - Hormonell induziert
- Nilloglanduläres Karzinom - Nur oberflächlich invasiv
Mikro des invasiven Plattenepithelkarzinoms: „Kleine blaue Zellen“ (Lymphozyteninfiltrate), fibrinoleukozytäre Massen (Schorf), schwere Dysplasie, desmoplastische Stromareaktion um die invasiven Herde.
Einteilung nach FIGO bzw. TNM.
Früherkennung: Zytologie und Klassifikation nach PAPANICOLAOU:
- PAP I - Normal
- PAP II - Entzündlich, degenerativ
- PAP III - Unklar
- PAP III D - Leichte bis mäßige Dysplasie, CIN 1,2
- PAP IV a - Schwere Dysplasie oder Cis, CIN 3
- PAP IV b - IV a, Cis nicht auszuschließen, CIN 3
- PAP V - Zellen eines invasiven Karzinoms
Prg.: Abhängig von Stadium, Infiltrationstiefe, Wachstumsverhalten (polypös oder ulcero-invasiv).
Vagina und Vulva
Fehlbildungen
Hymenalatresie
Klinik: Nicht einsetzende Periode, zyklische Unterbauchschmerzen.
MAYER-ROKITANSKY-KÜSTER-HAUSER-Syndrom (MRKHS)
Syn.: KÜSTER-HAUSER-Syndrom
Pg.: Hemmungsfehlbildung
Kl.: Fehlende Vagina, unterentwickelter Uterus, primäre Amenorrhö und Sterilität
Entzündungen und Infektionen
Kolpitis senilis
Ät.: Schleimhautatrophie durch Östrogenmangel.
Kolpitis
Syn.: Vaginitis
Def.: Entzündung der Vaginalschleimhaut.
Ät.:
- Gardnerella vaginalis (40 %) - Mikro: Viele Bakterien, clue cells (von Bakterien übersäte normale Epithelzellen).
- Pilze wie Candida albicans oder C. glabrata (20 %)
- Trichomonas vaginalis (10 %)
- Chlamydien (10 %)
- Mischinfektionen
- Viren (HSV, HPV)
Anm.: Neisseria gonorrhoeae führt kaum zur Kolpitis, sondern eher zur Bartholinitis, Urethritis, Zervizitis, Salpingitis.
Klinik: Ausfluss, Brennen
Lichen sklerosus
Ät.: Evtl. autoimmunologisch.
Chronische dystrophe Entzündung der Haut, meist genital. Keine Präkanerose.
Condylomata lata
Ät.: Treponema pallidum
Sekundärstadium der Syphillis
Condylomata accuminata
Ät.: Humane Papilloma-Viren (HPV)
Vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN)
- Vin 1
- Vin 2
- Vin 3 - Obligate Präkanzerose
Vulvakarzinom
Zwei Risikokonstellationen:
- Mitte 50, Raucherin, HPV-positiv
- Mitte bis Ende 70, Adipositas, Arteriosklerose
Präkanzerose: Vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN 1-3), HPV-assoziiert, multifokal.
Histologische Typen:
- Plattenepithelkarzinom 80 - 90 %
- Melanom 5 %
- Undifferenziert 4 %
Z.T. frühzeitige lymphogene Metastasierung.
Schwangerschaft
| Zuschnitt |
Plazenta
Kodyledoneninfarkte
Klinisch relevant ab einem betroffenen Plazentavolumen von 20 %.
Placenta circumvallata
Makro: Die Plazenta ist tassenförmig mit einem dicken, weißen Randwall, der die Ausbreitung der Gefäße limitiert.
Blasenmole
Entartetes Trophoblastgewebe
Makro: Traubenförmig angeordnete Blasen mit wasserklarem Inhalt
Mikro: Epithelwucherung, Quellung des Zottenstromas, Atypien.
Formen: Einfache Blasenmole (85 %), destruierende maligne Blasenmole (Mola hydatidosa) mit invasivem Wachstum und evtl. Metastasierung.
Klinik: Uterus weich und groß (relativ zur SSW), blutig-wässriger Ausfluss mit Blasen, HCG stark erhöht, Sono: Schneegestöber.
Membranbeziehungen bei Gemini
- Dichorial-diamniot - Zwei Fruchthöhlen. Zwei Plazenten mit je einer Nabelschnur ohne gemeinsame Membran oder eine gemeinsame Plazenta mit zwei Nabelschnüren, dazwischen fusionierte gemeinsame Membran aus Chorion und Amnion (dick, undurchsichtig). Eineiige oder zweieiige Zwillinge. Zweieiige Zwillinge sind immer dichorial-diamniot.
- Monochorial-diamniot - Zwei Fruchthöhlen nur durch Amnion voneinander getrennt (dünn, durchsichtig). Eine Plazenta, zwei Nabelschnüre, dazwischen der Amnnion-Rest. Eineiige Zwillinge.
- Monochorial-monoamniot - Eine Plazenta, eine Fruchthöhle, keine trennende Membran. Eineiige Zwillinge.
Bedeutung: Feto-fetales Transfusionssyndrom (FFTS) bei monochorialer Membranbeziehung mit erhöhter Mortalität, bes. bei monochorial-monoamnioter Beziehung.
Insertio velamentosa
Velamentöse Insertion der Nabelschnur außerhalb der Plazenta im Bereich der Eihäute. Erhöhtes Risiko für Zirkulationsstörungen durch Gefäßkompression. Gefahr des Verblutens des Kindes unter Geburt.
Funiculitis
Entzündung der Nabelschnur
Mikro: Entzündliches Infiltrat (Granulozyten)
Eihäute
NB: Spiegelnd und glatt, keine Trübung, keine Verdickung, keine grünliche Verfärbung.
Amnionitis
Entzündung der Eihäute (Amnion, Chorion)
Mikro: Entzündliches Infiltrat (Granulozyten)
Extrauterine Gravidität (EUG)
Mögliche Manifestationen:
- Tube - Kompl.: Ruptur mit lebensbedrohlicher Blutung (Plazentargewebe, Gefäßarrosion)
- Bauchhöhle - Kompl.: lebensbedrohliche Blutung
Klinik: Schmierblutungen, plötzliche heftige Unterbauchschmerzen, hämorrhagischer Schock
D.: HCG erhöht, Ultraschall
Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen (Gestosen)
Leichte Manifestationen: Hyperemesis gravidarum (Frühgestose), schwangerschaftsassoziierter Bluthochdruck.
EPH-Gestose (Präeklampsie)
Ep.: 5 - 10 % der Schwangerschaften
RF: Erstgebärende, die sehr jung oder > 35 J. alt sind. Mehrlingsschwangerschaft, vorbestehender Hypertonus, Adipositas und Diabetes mellitus.
Klinik: Leitsymptome sind Ödeme, Proteinurie und Hypertension. Dazu können neurologische Auffälligkeiten kommen wie Kopfschmerzen, Augenflimmern, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Hyperreflexie, die als Alarmzeichen einer drohenden Eklampsie zu verstehen sind.
Eklampsie
Etym.: gr. eklámpein: hervorleuchten
Ep.: 1:2.000 bis 1:3.500 Schwangerschaften
RF.: Erstgebärende, Mehrlingsschwangerschaften.
Klinik: Lebensbedrohliche Spätgestose. EPH-Gestose + zerebrale Krämpfe.
HELLP-Syndrom
Ep.: 1:150 bis 1:300 Schwangerschaften. Risiko bei (Prae)Eklampsie: 4-12 %
Ät.: Vermutet wird eine Endothelalteration, die die Erythrozyten mechanisch schädigt und die Thrombozytenaggreagation und intravasale Gerinnung stimuliert.
Klinik: Haemolysis, elevated liver enzyme levels, low platelet count.
Kompl.: Lebensbedrohliche Anämie, Blutungen, Leberschäden, Nierenversagen, Plazentaablösung.
Posterior reversible encephalopathy syndrome (PRES)
Siehe im Kapitel Zentrales Nervensystem.
Chorionkarzinom
Ät.: In etwa 50 % d. F. auf Grundlage einer Blasenmole.
Verhalten: Frühe hematogene Metastasierung.
Prg.: Gutes Ansprechen auf Chemotherapie. Auch im frühen metastasierten Stadium ist eine Heilung noch möglich.
Testes
Fehlbildungen
- Anorchie - Es sind keine Hoden vorhanden
- Monorchie - Es ist nur ein Hoden vorhanden
- Maldescensus testis - Ein Maldescensus testis erhöht das Risiko an einem Hodentumor zu erkranken um das 46fache. Weiterhin kommt es zur Infertilität und Hypotrophie des betroffenen Hodens. Der Deszensus sollte spätestens bis zum Ende des 1. Lebensjahres stattgefunden haben.
Varikozele
Syn: Krampfadern des Hodens
Lok.: 80 % links (hämodynamisch ungünstiger rechtwinkliger Abfluß der V. testicularis sin. in die V. renalis sin.)
Makro: „Sack voll Regenwürmer“
Entzündungen
Orchitis
Ät.: Oft Begleitorchitis bei Mumps, Typhus, Scharlach, Grippe u.a. Aszendierende bakterielle Entzündungen z.B. bei Epididymitis, Prostatis, Blasenentzündung.
Infertilität
Mikro: Häufig Verdickung der Basalmembran und verringerter Durchmesser der Hodenkanälchen. Zahlenmäßig reduzierte oder fehlende Spermien.
Hodentumoren
Ep.: Die Inzidenz liegt bei 7:100.000, das entspricht ca. 4.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland.
Altersverteilung:
- Yolksac-Tumore, Teratom - Kinder
- Seminom - Jugendliche und Erwachsene zw. dem 30. und 40. Lj.
- Nicht-germinative Tumore - 40. bis 50. Lj.
- Maligne Lymphome und spermatozystisches Seminom - Ältere Männer
WHO-Klassifikation
- Keimzelltumoren (80 - 85 %)
- Seminom (2/3 der Keimzelltumoren) - HCG +/-, AFP -
- Klassischer Typ
- Mitosereicher Typ
- Synzytioblastischer-Riesenzell-Typ
- Spermatocytischer Typ
- Nicht-seminomatöse Keimzelltumore (1/3 der Keimzelltumoren)
- Embryonales Karzinom - AP +, CK +
- Dottersack-Tumor - AFP +, CK +
- Teratom (reif/differenziert - mit maligner Transformation/intermediär - unreif/maligne)
- Chorion-Karzinom - HCG +
- Kombinierte nicht-seminomatöse Keimzelltumoren - Kombination aus z.B. embryonalem Karzinom und Teratom (Embryonal-Teratom)
- Kombinierte Keimzelltumoren - Seminom plus Nichtseminom
- Seminom (2/3 der Keimzelltumoren) - HCG +/-, AFP -
- Stromatumoren
- LEYDIG-Zell-Tumor
- SERTOLI-Zell-Tumor
- LEYDIG-SERTOLI-Zell-Tumor
- Gonadoblastom - Keimzelltumor plus Stromatumor
- Andere: Maligne Lymphome, Metastasen (Bronchialkarzinom, Prostatakarzinom, malignes Melanom)
Seminom
Ep.: Häufigster Hodentumor
Typen: 40 % reine Seminome, 15 % Mischtumoren (Prognose richtet sich nach nicht-seminomatösen Anteilen).
Lok.: 2 % beidseits, evtl. primär extragonadal (Retroperitoneum, Mediastinum), im Ovar = Dysgerminom.
Makro: Großer Tumor mit grau-weißer Schnittfläche.
Mikro: Solide Knoten bestehend aus großen Zellen mit deutlichen Zellmembranen und hellem glykogenreichem Zytoplasma. Lymphozyteninfiltrate im Stroma.
IHC: Immunhistochemie inkonstant, AP oft +, Zytokeratin -, HCG in 10 bis 20 %, AFP -.
Tumormarker: In 10 %
SF:
- Anaplastisches S.
- Spermatocystisches S.
- Granulomatöses S.
- Kombiniertes S.
Metastasierung: Lymphogen in paraaortale und paracavale Lymphknoten.
Prg.: Sehr strahlensensibel, gute Prognose.
Embryonales Karzinom
Hochmaligne, je früher, desto bösartiger (15. - 35. Lebensjahr).
Makro: Weich, grauweiß, teils nekrotisch, teils eingeblutet mit zystischen Veränderungen (buntes Bild).
Mikro: Atypisch, trabekulär, solide oder azinär angeordnete Zellverbände. IHC: Cytokeratin und AP oft positiv.
Verhalten: Metastasierung meist lymphogen oder hämatogen.
Dottersacktumor
Hochmaligne
Ep.: Dottersacktumoren bilden 75 % der Keimzelltumoren im Säuglings- und Kindesalter, bei Erwachsenen als Kombinationstumor mit anderen nicht-seminomatösen Tumoren, z.B. Teratom
Mikro: Schiller-Duval-Körperchen (kranzförmig perivaskulär angeordnete Zellwucherungen).
Tumormarker: α1-Fetoprotein, Zytokeratin
Reifes Teratom
Syn.: Differenziertes Teratom
Ep.: Kleinkinder (benigne), später (eher maligne, im Ovar bleibt das reife Teratom benigne).
Makro: Unterschiedlich große, glattwandige Hohlräume in einem derben Tumor mit markiger Konsistenz.
Mikro: Reifes, organoides Gewebe aus 3 Keimblättern.
SF: Einseitig differenziertes Teratom (Plattenepithelzysten, Epidermoidzyste, Dermoidzyste).
Verhalten: Langsames Wachstum, Metastasierung lymphogen und hämatogen.
Unreifes Teratom
Syn: Malignes Teratom
Chorion-Karzinom
Hochmaligne
Mikro: Meist Mischtumor, biphasische Differenzierung in Zytotrophoblst und Synzytiotrophoblast.
Metastasierung v.a. hämatogen
D.: Erhöhte HCG-Spiegel
Prg.: Beim Mann schlecht, bei der Frau gut (gutes Ansprechen auf Chemotherapie).
LEYDIG-Zell-Tumor
Mikro: Oft REINKE-Kristalle.
Klinik: Testosteron- und Östradiolsynthese -> Gynäkomastie, Pubertas präcox.
Prognosefaktoren: Gefäßeinbrüche, Nekrosen, Mitosen, Kernatypien.
Prognose: Insgesamt günstig.
Granulosazelltumor
I.d.R. benigne
Prostata
Die Prostata
Anatomie:
Die Prostata ist ein ca. 30 g schweres und 2,5 cm großes Organ, das von einer Bindegewebskapsel umschlossenen ist. Sie besteht aus 30 bis 50 Drüsenläppchen, die von 2-reihigem, in der Höhe schwankendem Drüsenepithel ausgekleidet sind und von 15 bis 30 Ausführgängen drainiert werden. Es lassen sich drei Anteile unterscheiden: Ein zentraler dorsokranialer Anteil, ein peripherer um die zentrale Zone gelegener Anteil (Ort der Karzinomentstehung) und eine periurethral bzw. mediolateral der Urethra gelegene Transsitionszone (Ort der Hyperplasie).
Relevante Marker:
- Sekretorische Zellen: PSA, CK7, 8, 18, 19, Androgen
- Basalzellen (Stratum corneum): 34βE12, Östrogenrezeptoren (ER), Progesteronrezeptoren (PR)
- Einzelne neuroendokrine Zellen: Chromogranin A
Entzündungen
Infektionswege:
- Urethrogen aszendierend
- Urinogen deszendierend
- Spermiokanalikulär
- Lymphogen/hämatogen
- Iatrogen (OP)
Akute eitrige Prostatitis
Sie entsteht bei einer bakteriellen Infektion, histologisch findet man ein granulozytäres Infiltrat.
Chronische Prostatitis
Die Entzündung ist lymphozytär, evtl. finden sich Prostatasteine.
Granulomatöse Prostatitis
Ät: Sekretaustritt bei Destruktion im Stroma (bei Trauma, OP, Tbc).
Mikro: Mehrkernige Riesenzellen, Destruktion der Drüse, Sklerose, Narbenbildung.
DD: Karzinom (PSA+), Tbc (Fe negativ, Langerhans-Riesenzellen).
Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
benign prostatic hyperplasia
Ep.: 80 % aller Männer über 40.
Pg.: Dihydrotestosteron (DHT), Östrogenrezeptoren (ER), Prolaktin, Wachstumsfaktoren (Androgen, EGF, TGF, PDGF)
Mikro: Teils mikro/makrozytär, Formen:
- Rein fibroleiomyomatös
- Rein glandulär
- Glandulär-zystisch
- Evtl. intraglanduläre Papillen
Makro: Die Prostata ist bis zu 400 g schwer, teils knotig, teils solide. Es können einseitig oder beidseitig Seitenlappen und/oder Mittellappen betroffen sein.
Kompl: Folgen der Harbnbflussstörung sind die Balkenblase (Hypertrophie des M. detrusor mit prominenten Trabekeln), Restharnbildung mit chronische Urocystitis, Hydroureter und Hydronephrose. Weiterhin kann es zu anämischen Infarkten des hyperplastischen Gewebes kommen (Plattenepithelmetaplasie und Einblutungen in den Randbezirken, verfestigte Konsistenz, DD: Karzinom).
Die BPH ist keine präkanzeröse Läsion!
Atrophie
- Einfach
- Diffus - senil
- Fokal - Kompression bei BPH
- Postatroph: Zystisch, atrophe Drüsen mit intraduktalen pseudopapillären Aussprossungen.
Metaplasien (Plattenepithelmetaplasie)
Ät: Chronische Reizzustände (Sekretstau, Konkremente, Infekte, traumatische Läsionen, ER-Therapie bei Karzinom, ER-Erhöhung bei BPH).
Präneoplasien
Atypische adenomatöse Hyperplasie
Lok: V.a. in der Transsitionszone
Mikro: Neubildung mikroglandulärer Strukturen mit einreihigem Epithel, basales und sekretorisches luminales Epithel, Drüsen deutlich kleiner als bei der BPH.
Prostatische intraepitheliale Neoplasie (PIN)
prostatic intraepithelial neoplasia
Lok.: Periphere Zone
Mikro: Atypische, intraepithelial-intraglanduläre, prämaligne Epithelproliferation, die in vorbestehenden Drüsen bzw. Gängen entsteht. Man beobachtet cribiforme, papilläre, flache Drüsenmuster, mehrreihig, intakte oder fragmentierte Basalzellschicht, keine Stromainfiltration.
Die PIN entsteht ca. 10 Jahre vor dem eigentlichen Karzinom. Das High-Grade-PIN ist zu 60 % mit einem Karzinom assoziiert.
Prostatakarzinom
Einteilung:
- Inzident - Zufällig entdeckt, klinisch unbekannt
- Latent - Bei Obduktion gefunden, klinisch nicht nachgewiesen
- Okkult - Erstmanifestation als Metastase(n), Primärtumor zunächst unbekannt
Hormonell gesteuert.
Mikro: Hinweisend sind Atypien (vergrößerte hyperchromatische Kerne, (große) Nukleolen, Schichtungsstörung), basophiler Drüseninhalt (NB: nur eosinophiles Sekret), Rücken an Rücken liegende Drüsen, einschichtige Drüsen bei fehlenden Basalzellen (markierbar mit anti-34βE12).
Histologische Typen: Glandulär, kribriform, solide, trabekulär, selten urothelial, selten glomeruloid.
- Hochdifferenziertes, hellzelliges, glanduläres Prostatakarzinom - Runde Zellkerne, keine/wenig Mitosen
- Gering differenziertes, drüsenbildendes Prostatakarzinom - Kernpolymorphie, Nukleolen, Mitosen.
- Kribriformes Prostatakarzinom - Siebförmiges Muster, prominente Nukleolen, Mitosen.
- Solides, trabekuläres und entdifferenziertes Prostatakarzinom - deutliche Zell- und Kernpolymorphie.
Grading: Modifizierter Gleason-Score
DD Kollisionstumor:
- Urothelkarzinom: PSA -, 34βE12 +
- Prostatakarzinom: PSA +, 34βE12 -
Ausbreitung:
- Per continuitatem in die periprostatischen Weichgewebe.
- Lymphogen in die obturatorischen und iliacalen Lympknoten.
- Hämatogen v.a. in das Skelett (Becken, Wirbelsäule).
Literatur:
- Epstein JI et al. “The 2005 International Society of Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Gleason Grading of Prostatic Carcinoma”. Am J Surg Pathol., 29(9):1228-42, Sep 2005. PMID 16096414
Hormonsystem
Multiple endokrine Neoplasie (MEN)
Erkrankung mit gleichzeitigem Auftreten von endokrinen Hyperplasien und Tumore in mehreren Organen.
Ät.: Autosomal dominante Erbleiden (hohe Penetranz)
Subtypen mit betroffenen Organen:
MEN I
Syn.: WERMER-Syndrom
Meist betroffene Organe: Nebenschilddrüse (90 %), Pankreasinselzellen (80 %), Adenohypophyse (65 %).
Weblinks: OMIM - MEN1
MEN IIa (II)
Syn.: SIPPLE-Syndrom
Meist betroffene Organe: C-Zellen: Hyperplasie oder medulläres Schilddrüsenkarzinom (> 90 %), Phäochromozytom (< 50 %), Nebenschilddrüsenhyperplasie (> 20 %)
Weblinks: OMIM - MEN2A
MEN IIb (III)
Syn.: GORLIN-Syndrom
Meist betroffene Organe: Medulläres Schilddrüsenkarzinom (> 90 %), Phäochromozytom (< 50 %), Ganglioneurome an den Schleimhäuten (80 %). Marfanoider Habitus (leptosomal, lange Extremitäten, hyperelastische Gelenke).
Weblinks: OMIM - MEN2B
Hypophyse
Hypophysenadenom
Formen:
- Endokrin aktiv - Prolaktinom, ACTHom (7 - 13 %), STHom (14 - 18 %), TSHom u.a.
- Endokrin inaktiv - Null-Zell-Adenom
Klinik:
- Kompressionssyndrome v.a. bei Null-Zell-Adenom: Typisch bitemporale Hemianopsie (Scheuklappenblick) durch mediale Kompression des Chiasma opticum, selten binasale Hemianopsie
- Evtl. Hirndruckanstieg, evtl. Hydrozephalus
- Hormonelle Störungen durch
- Überproduktionssyndrome bei hormonproduzierendem Adenom:
- STH -> Akromegalie (Appositionelles Wachstum der Akren, Organomegalie, Vergröberung der Gesichtszüge (Progenie, prominente Supraorbitalwülste und Nasolabialfalte), Muskelschwäche, CTS, Hyperhidrosis, Seborrhoe, Kopfschmerzen, Struma)
- ACTH -> Cushing-Syndrom
- TSH -> Hyperthyreose
- LH/FSH -> Pubertas präcox, Zyklusstörungen, sexuelle Störungen
- Prolaktinom: Prolactin -> Galaktorrhoe, Amenorrhoe, Hypogonadismus, Libidoverlust
- Minderproduktionssyndrome durch Kompression des umliegenden Hypophysengewebes
- Überproduktionssyndrome bei hormonproduzierendem Adenom:
Hyperprolaktinämie
Biochemie: Prolaktin hemmt die Freisetzung von Gonadotropinen. Die Prolaktinfreisetzung selbst wird durch Dopamin und PIH gehemmt und durch VIP, Opioide und TRH (Hypothyreose!) gefördert.
+ - +
VIP, Opioide, TRH ---> Prolaktin ---| GnRH ---> FSH, LH
_
| -
Dopamin, PIH
Labor: Eine Hyperprolaktinämie liegt vor bei einem Wert über 20 - 25 ng/ml bei Frauen bzw. über 15 - 20 ng/ml bei Männern. Prolaktinspiegel von 20 - 40ng/ml sind oft stressbedingt, Prolaktinome führen zu Werten von 150 bis 200 ng/ml.
Klinik: Galaktorrhö, Gynäkomastie, Zyklusstörungen, Amenorrhö, Infertilität, Störungen der Libido und Potenz
D.: Primär Hormonbestimmung, danach erst Bildgebung (außer bei Zeichen einer Raumforderung)
DD der Hyperprolaktinämie: Prolaktinom, Hypothyreose, Niereninsuffizienz, Leberzirrhose
Akromegalie
Ät.: Gesteigerte Wachstumshormonspiegel nach Schluß der Epiphysenfugen
Klinik: Wachstum vorstehender Körperteile (Akren) wie Finger, Nase und Kinn, anabole Wirkungen, Weichteilschwellungen (Karpaltunnelsyndrom, Makroglossie), Schweißneigung, metabolische Effekte wie Diabetes mellitus und Dyslipoproteinämie
D.: Somatostatin, IGF1 (Stimulator der STH-Bildung in Leber, Lunge, Knochen und Herz)
Hypophyseninsuffizienz
Ät.: Schädelhirntrauma (meist nur eine Hormon-Achse betroffen), Null-Zell-Adenome
Schilddrüse
Funktionsstörungen
Hyperthyreose
Schilddrüsenüberfunktion
Ät.: Morbus BASEDOW, Schilddrüsenadenome, diffuse Hyperplasie mit Hyperthyreose, hyperthyreoter Knotenstruma, TSH-produzierendes Hypophysenadenom.
Mikro: Hohes Epithel, SANDERSON-Polster.
Klinik: Tachykardie, Stenokardien, Gewichtsabnahme, Durchfall, Nervosität/Reizbarkeit.
Hypothyreose
Schilddrüsenunterfunktion
Ät.: Schilddrüsenagenesie, Z.n. nach Radiotherapie oder Strumektomie, idiopathisch, chronische HASHIMOTO-Thyreoiditis.
Klinik: Myxödem, pychomotorische Verlangsamung (DD Demenz, Depression).
Fehlbildungen
Entlang des Ductus thyreoglossus:
- Lobus pyramidalis - Zusätzlicher Schilddrüsenlappen im Bereich des Ductus thyreoglossus.
- Zungengrundstruma - Struma bei ektopem Schilddrüsengewebe am Zungengrund.
- Retrosternale Struma - Struma bei embryonal zu tief gewandertem Schilddrüsengewebe.
- Mediane Halszyste mit oder ohne Schilddrüsengewebe bei nicht verödetem Ductus thyreoglossus.
Thyreoitiden
Subakute granulomatöse Thyreoiditis DE QUERVAIN
Ät.: Evtl. postviral
Klinik: Schmerzhafte Schilddrüsenschwellung, Hyperthyreose, CRP-Anstieg.
Prg.: Meist spontanes Abklingen
HASHIMOTO-Thyreoiditis
Ep.: Häufigste Thyreoiditis, Frauen zwischen dem 40. und 50. Lj.
Ät.: Chronisch lymphozytäre Autoimmunerkrankung
Mikro: Lymphozyteninfiltrate, Lymphfollikel mit onkozytär transformiertem (= große eosinophile Zellen) Follikelepithel, Parenchymzerstörung.
Klinik: Erst vergrößert und knorpelig hart mit Überfunktion, dann Atrophie mit Unterfunktion, nicht schmerzhaft!
Auto-Antikörper: Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK), Thyreoglobulin-Antikörper (TAK bzw. TG-AK), Mikrosomale Antikörper (MAK)
DD: Struma maligna
Fibrosierende Thyreoiditis RIEDEL
Chronische perithyreoidale Thyreoiditis, gehört zum Formenkreis der entzündlichen Fibrosklerosen -> harte Konsistenz.
DD: Schilddrüsenkarzinom
Morbus BASEDOW
grave`s disease
Ät.: Autoimmunerkrankung (Anti-TSH-Rezeptor-IgG)
Mikro: Diffuse hyperthyreote Struma mit vermehrten und vergrößerten Resorptionslakunen, Sanderson Polster = pseudopapilläre Vorbuckelungen des hyperplastischen Epithels. Entzündungszellen.
Labor: TSH erniedrigt, fT3 und fT4 erhöht. Nachweis von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK).
Klinik: Hyperthyreose-Symptome entsprechend „Vollgas im Leerlauf“, Merseburger Trias: (Schwirrende) Struma, Tachykardie, Exophthalmus. Prätibiales Myxödem.
Struma
goiter
Syn.: Kropf
Vergrößerung der Schilddrüse.
Diffuse Hyperplasie
Makro: Die Schilddrüse ist diffus vergrößert.
Struma kolloides nodosa (Knotenstruma)
Knotige, nichtmaligne, nichtentzündliche Schilddrüsenvergrößerung.
Ät.: Jodmangel
Mikro: Die Follikel sind unterschiedlich groß, Musterwechsel, evtl. regressive Veränderungen, Verkalkungen. Kein Kapseldurchbruch, kein Gefäßeinbruch (DD: Hochdifferenziertes, follikuläres Schilddrüsenkarzinom).
Schilddrüsenkarzinom
RF: Strahlenexposition, genetische Syndrome (MEN), Thyreoiditis.
Klinik: Zervikale Lymphadenopathie, palpable(r) Knoten in der Schilddrüse, Heiserkeit (Läsion des N. laryngeus recurrens), HORNER-Syndrom (Läsion des zervikalen Grenzstrangs), Dysphagie, Symptome durch Fernmetastasen.
Weblinks: KEGG: Thyroid cancer - Homo sapiens (human)
Follikuläres Schilddrüsenkarzinom
Mikro wie Adenom plus: Gefäßeinbruch und Kapselinfiltration (Histologische Diagnose! Eine Zytologie kann ein follikuläres SD-Karzinom nicht ausschließen!).
Metastasierung: Vorwiegend hämatogen (Lunge, Knochen).
Tumormarker: Thyreoglobulin.
Prg.: 5-JÜR ca. 80 %
Papilläres Schilddrüsenkarzinom
Mikro: Echte Papillen: Von Epithel überzogene Bindegewebsstöcke mit Blutgefäßen (DD: SANDERSON'sche Polster bei Morbus BASEDOW). Follikuläres Bild, die Zellen liegen dachziegelartig übereinander (nuclear crowding), Milchglaskerne (zentrale milchglasartige Aufhellung des Chromatins), Psammom-Körperchen (konzentrisch geschichtete Verkalkungsfiguren), gekerbte Kerne („Kaffeebohnen“).
SF: Lindsey-Tumor = Papilläres Schilddrüsenkarzinom mit follikulärer Differenzierung.
Metastasierung: Vorwiegend lymphogen.
Tumormarker: Thyreoglobulin.
Prg.: 5-JÜR bis 90 %
Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom
Mikro: Vielfalt der Zellgestalten, Spindelzellen, kleine und große Zellen gruppiert und dicht beieinander.
Prg.: 5-JÜR ca. 10 %
Medulläres Schilddrüsenkarzinom
Ät.: Das medulläre Schilddrüsenkarzinom kann ein Ausdruck der MEN IIa oder MEN IIb sein!
Ursprung: C-Zellen
Makro: Multiple, braungraue Knoten
Mikro: Tumorzellen sind rund bis spindelförmig, man findet Amyloid.
IHC: CEA, Calzitonin, Somatostatin, Serotonin, GRP, ACTH.
Tumormarker: Calcitonin
Prg.: 5-JÜR ca. 10 %
Nebenschilddrüsen
Hyperparathyreoidismus
Formen:
- Primärer HPT: NSD-Adenome, NSD-Karzinom -> PTH-Anstieg -> Hyperkalziämie, Hypophosphatämie, erhöhte alkalische Phosphatase.
- Sekundärer HPT: Chron. Niereninsuffizienz, Malabsorption -> Calcitriol-Mangel -> Kalzium-Defizit -> PTH-Anstieg, NSD-Hyperplasie -> Hypo- oder Normokalziämie, Hyper- oder Normophosphatämie, alkalische Phosphatase im Serum erhöht.
- Tertiärer HPT: Fixierter sekundärer HPT durch zunehmende Autonomie des hyperplastischen NSD-Gewebes -> Hyperkalziämie, Hypophosphatämie, erhöhte alkalische Phosphatase.
- Pseudohyperparathyreoidismus: Sekretion von parathormone-related peptide durch Malignome -> Hyperkalziämie, Hypophosphatämie, erhöhte alkalische Phosphatase.
Klinik: Beim prim. und tert. HPT „Stein-, Bein- und Magen-Pein“: Hyperkalzämie, Osteoporose, Akroosteolysen, Knochenschmerzen, Polyurie, Nierensteine (Hyperkalziurie), Weichteilverkalkungen, Gastritis, Pankreatitis, Obstipation, psychiatrische Symptome (Adynamie, Depression). Beim sek. HPT dominieren die Symptome der Grunderkrankung.
DD Hyperkalziämie: HPT, Malignome (Osteolysen, Sekretion von parathormone-related peptide), Immobilisation (Knochenresorption), Sarkoidose (Calcitriol-Bildung durch aktivierte Makrophagen), Familiäre hyperkalziurische Hyperkalziämie (OMIM), Renal-tubuläre Azidose Typ I (OMIM).
Nebenschilddrüsenadenom
Benigne Proliferation einer Nebenschilddrüse -> Primärer Hyperparathyreoidismus
Nebenschilddrüsenhyperplasie
Ät.:
- Niereninsuffizienz -> Calziumverlust, Calcitriolmangel (Hydroxylierung von 25-Hydroxycholecalciferol zu 1,25-Dihydroxycholecalciferol = Calcitriol gestört)
- Vitamin-D-Mangel (Malassimilation, nutritiv)
- Leberzirrhose (Hydroxylierung von Cholecalciferol zu 25-Hydroxycholecalciferol gestört).
Folge: Sekundärer Hyperparathyreoidismus
Makro: Vergrößerung aller vier Nebenschilddrüsen.
Hypoparathyreoidismus
Ät.: Resektion aller vier Nebenschilddrüsen i.R. einer Strumektomie
Pg.: PTH-Mangel -> Hypokalzämie
Klinik: Parästhesien (Kribbeln in den Fingern), Pfötchenstellung (Karpopedalspasmus) oder Geburtshelferstellung der Hände, Tetanie, positives CHVOSTEK-Zeichen (Beklopfen des N. facialis-Stammes 1 - 2 cm vorm Ohrläppchen -> Gesichtszuckungen als Zeichen der neuromuskulären Überregbarkeit). DD: Hyperventilationstetanie
Nebennieren
Aufbau und Funktion
- Nebennierenrinde: Steroidhormonbiosynthese
- Zona glomerulosa -> Mineralkortikoide (Aldosteron)
- Zona fasciculata -> Glukokortikoide (Kortisol)
- Zona reticularis -> Sexualsteroide (Androgene)
- Nebennierenmark -> Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin)
Hämorrhagische Nekrosen
Ät.: Sepsis, z.B. beim WATERHOUSE-FRIEDERICHSEN-Syndrom (Meningokokkensepsis)
Adrenalitis
Adrenokortikales Adenom
Benigner Tumor der Nebennierenrinde.
Klinik:
- Primärer Hyperaldosteronismus = CONN-Syndrom bei Aldosteron-bildendem Nebennierenrindenadenom der Zona glomerulosa. Klinik: Natriumretention, arterielle Hypertonie, Hypokaliämie, metabolische Alkalose, keine Ödeme!.
- Morbus CUSHING bei kortisolproduzierendes Nebennierenrindenadenom der Zona fasciculata. Klinik: CUSHING-Syndrom mit Stammfettsucht, Vollmondgesicht, Büffelnacken, Striae rubrae distensae, arterielle Hypertonie, diabetogene Stoffwechsellage, Fettleber, Osteoporose, Infektneigung (opportunistische Infektionen), Hautatrophie, Kapillarfragilität mit Neigung zu Hämatomen, Katarakt. Bei Kindern Wachstumsstillstand. Andere Ursachen eines CUSHING-Syndroms: Kortikoid-Medikation, paraneoplastisch, ACTH-produzierendes Hypophysenadenom.
Nebenniereninsuffizienz
Syn.: Morbus ADDISON
Unterfunktion der Nebennierenrinde.
Klinik: Bräunliche Hyperpigmentierung, Schwächegefühl, Ermüdbarkeit, Hypotonie, Libidoverlust, gastrointestinale Symptome wie Bauchschmerzen, Obstipation, Diarrhoe, evtl. Hyperkalzämie.
Kompl.: In Stresssituationen lebensbedrohliche ADDISON-Krise mit Koma, Blutdruckabfall, Dehydratation, Hypoglykämie, Pseudoperitonitis.
Phäochromozytom
Tumor der chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks.
Ät.: Auftreten isoliert oder im Rahmen der Neurofibromatose Typ 1 (Morbus VON RECKLINGHAUSEN), dem VON HIPPEL-LINDAU-Syndrom (VHL) oder MENIIa und MENIIb.
Lok.: 90 % Nebennierenmark. In 10 % extraadrenal gelegen (Paragangliom, vom Grenzstrang ausgehend).
Klinik: Katecholaminexzess, Blutdruckkrisen.
Labor: Vanilinmandelsäure im 24 h-Urin und die Metanephrine im Serum sind erhöht.
Metastasen
Lungenkarzinome metastasieren häufiger in die Nebennieren.
Endokrines Pankreas und APUD-System
Langhansinselzellen des Pankreas
Physiologie:
- A-Zellen -> Glucagon
- B-Zellen -> Insulin
- D-Zellen -> Somatostatinom
- PP-Zellen -> Pankreatisches Polpeptid
Endokrine Pankreasinsuffizienz
Diabetes mellitus
Etymol.: griech.: Honigsüßer Fluss
Störungen des Glucosestoffwechsels mit verminderter Insulinwirkung und erhöhten Blutzuckerspiegeln.
Klinik: Polydipsie, Polyurie, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche, Gewichtsabnahme, Typ 1-Erstmanifestation oft als Hypoglykämie oder diabetische Ketoazidose.
Akute Kompl.:
- Hypoglykämischer Schock - Klinik: Verwirrtheit, Bewußtseinstrübung
- Diabetische Ketoazidose (eher Typ 1) - Pg.: Übermäßige hepatische Ketonkörper-Bildung bei absolutem Inulinmangel und intrazellulärem Glucosedefizit. Klinik: Azetongeruch (obstartiger Fötor ex ore), KUSSMAUL-Atmung (tiefe Atemexkursionen) mit Hypokapnie, Azidose, Ketonkörper im Urin.
- Hyperglykämisches hyperosmolares Koma (eher Typ 2) - Pg.: Bei relativem Insulinmangel führen hohe Blutzuckerspiegel zur osmotischen Diurese. Klinik: Exsikkose, Volumenmangelschock, Koma.
- Lactatazidose (selten) - Ät.: Metformin (+ Alkohol, OP, Nierensinsuffizienz, Sepsis).
- Bakterielle Infektionen (z.B. Furunkel, Karbunkel).
Spätfolgen:
- Makroangiopathie -> KHK, Apoplektischer Insult, pAVK.
- Mikroangiopathie -> Diabetische Retinopathie, Rubeosis iridis, Glomerulosklerose.
- Neuropathie -> Polyneuropathie (bes. viszeral, untere Extremität).
- Diabetischer Fuß durch PAVK und PNP
Typ 1 Diabetes mellitus
Ep.: 5 - 10 % der Diabetiker
Ät.: Autoimmunprozess. Assoziation mit HLA DR 3 und DR 4. Evtl. viral getriggert.
Mikro: Im akuten Stadium Insulitis (Lymphozytäre Infiltration der LANGERHANS-Inseln).
Pg.: Zerstörung der β-Zellen. Folge ist ein absoluter Insulinmangel, oft juvenil (auch late-onset-Formen).
Weblinks: OMIM - Diabetes mellitus, Type I
Typ 2 Diabetes mellitus
Ep.: „Alterdiabetes“, Lifesstyle-bedingt nimmt das Erstmanifestationsalter ab, auch übergewichtige Kinder können schon betroffen sein.
Ät.: Erblich, Übergewicht, Bewegungsmangel.
Pg.: Periphere Insulinresistenz mit anfangs Hyperinsulinämie und fehlenden postprandialen Insulinpeaks. Im Verlauf Ausbrennen der Inselzellen mit Hypoinsulinämie. Assoziiert mit weiteren Störungen (Metabolisches Syndrom).
Unterformen:
- Typ 2a: Normgewicht (10 %)
- Typ 2b: Übergewicht (90 %)
Weblinks: OMIM - Diabetes mellitus, Type II
Gestationsdiabetes
Frühmanifestation eines Typ 2-Diabetes durch Progesteronwirkung, erbliche Insulindefizienzen (MODY, MIDD,...) u.a.
Sekundärer Diabetes mellitus
Ät.: Z.n. Pankreatitis, Hämochromatose, Morbus CUSHING, Akromegalie, Hyperthyreose, Phäochromozytom, genetische Syndrome, Medikamente (Glukokortikosteroide, Katecholamine, β2-Sympathomimetika, Diuretika, Morphin).
Inselzelltumoren
- A-Zellen: Glucagonom
- B-Zellen: Insulinom
- D-Zellen: Somatostatinom
Insulinom
Ursprung: B-Zelle der Pankreasinseln
Lok.: Überwiegend im Pankreas, meist solitär.
Klinik: Spontane Hypoglykämien v.a. morgens (Nahrungskarenz) und nach körperlicher Belastung.
Verhalten: In 9/10 d. F. benigne. 1/10 maligne.
APUD-Zellsystem (Diffuses neuroendokrines System)
Eigenschaften:
- System in verschiedenen Organen disseminiert liegender endokriner Zellen
- Abstammung von der Neuralleiste bzw. dem neuralen Ektoderm
- Mikroskopie: Fast leere Zellen mit großem, rundem, basalständigen Kern.
- APUD-Zellen können Amine oder deren Vorstufen aufnehmen und diese decarboxylieren (Amine Precursor Uptake and Decarboxylation), d.h. sie sind in der Lage Polypeptidhormone und biogene Amine zu bilden.
Übersicht über das APUD-System:
- APUD-I-Zellen (Ursprung: Neuralleiste):
- C-Zellen (Schilddrüse) -> Calcitonin
- Karotiskörper-Typ-1-Zellen
- Grenzstrang -> Acetylcholin
- Nebennierenmark -> Katecholamine
- Melanoblasten
- Endokrine Zellen des Urogenitaltraktes
- APUD-II-Zellen (Ursprung: Plakoden, spezialisiertes Ektoderm):
- Hypothalamus -> Oxytocin, Vasopressin, TRF, LHRH, SRH, CRF, SRIF
- Epiphyse -> LHRH
- Nebenschilddrüse -> Parathormon
- Adenohypohyse -> STH, Prolactin, FSH, LH, Corticotropin, MSH, TSH
- Plazenta -> Gonadotropin, Somatomammotropin
- APUD-III-Zellen (Ursprung: neuroendokrine Ektoblasten):
- Pankreas:
- B-Zellen -> Insulin
- A-Zellen -> Glucagon
- D-, D1-Zellen -> Somatostatin (STH)
- PP-Zellen -> Pankreatisches Polpeptid (PP)
- Magen:
- G-Zellen -> Gastrin
- ECL-Zellen
- A-Zellen
- D-Zellen
- EC1-Zellen
- Dünndarm:
- S-Zellen
- I-Zellen
- D-, D1-Zellen
- EC-, EC1-, EC2-Zellen
- K-Zellen
- N-Zellen
- Pankreas:
APUDom
Von APUD-Zellen ausgehende neuroendokrine Tumoren.
Verhalten: Langsames Wachstum, Klinik abhängig vom synthetisierten Hormon.
Formen nach sekretorischem Produkt:
- G-Zellen: Gastrinom -> ZOLLINGER-ELLISON-Syndrom
- Serotoninom
- Vipom -> VERNER-MORRISON-Syndrom
- PP-om
- GIPom
- C-Zellen: Calcitoninom
- Corticotrophinom
- Sekretinom
- A-Zellen: Glucagonom
- B-Zellen: Insulinom
- D-Zellen: Somatostatinom
Formen nach Lokalisation:
- Inselzelltumor
- Extrapankreatische neuroendokrine Tumoren:
- APUDome jeglicher Coleur
- Karzinoid - Gut differenziert (typisches Karzinoid > atypisches Karzinoid), bildet häufig Serotonin u. a. Mediatoren.
- Neuroendokrin differenziertes Karzinom - Maligne, mäßig differenzierte Variante der Karzinoide
- Kleinzelliges Karzinom - Sehr undifferenziert.
Gastrinom
Gastrin produzierendes APUDom
Lok.: 4/5 d. F. Pankreas, 1/5 d. F. restlicher Magen-Darm-Trakt.
Verhalten: In 2/3 d. F. Metastasierung
Klinik: ZOLLINGER-ELLISON-Syndrom: Hypergastrinämie -> Maximal stimulierte Magensäureproduktion
- -> Multiple teilw. therapieresistente Ulzera.
- -> Ansäuerung des Dünndarms -> Inaktivierung pankreatischer Enzyme -> Diarrhö, Bauchschmerzen, Malabsorption.
Karzinoide
Lok: Appendix vermiformis (am häufigsten), Dünndarm, Colon, seltener Lunge, sehr selten in anderer Lokalisation.
Näheres siehe im Kapitel Darm und Lunge.
Neuropathologie
Angeborene ZNS-Erkrankungen
Genetische Stoffwechselerkrankungen
Klinik: Nach primär altersgerechter Entwicklung kommt es in den ersten Lebensjahren zu einem progessiven Zerfall der psychomotorischen und kognitiven Fähigkeiten. Weitere Symptome sind zunehmende Sehstörungen bis zur Erblindung, zerebrale Krämpfe und Oligophrenie.
Lysosomale Speicherkrankheiten
Ät.: Genetisch bedingter Enzymdefekt mit Akkumulation der nicht verstoffwechselten Substrate.
Mikro: Ballonierte PAS-positive Nervenzellen, Markscheidenzerfall
Globoidzell-Leukodystrophie (Morbus KRABBE)
Ät.: Defekt der Galactocerebrosid-β-Galaktosidase, ein Enzym im Sphingolipid-Stoffwechsel.
Weblinks: OMIM - Krabbe disease
Metachromatische Leukodystrophie
Ät.: Defekt der Cerebrosidsulfatase, ein Enzym im Sphingolipid-Stoffwechsel.
Weblinks: OMIM - Metachromatic leukodystrophy
Morbus TAY-SACHS
Syn.: GM2-Gangliosidose, infantile amaurotische Idiotie
Ät.: Defekt der β-Hexosaminidase
Pg.: Gestörter Abbau von GM2-Gangliosiden (Glycosphingolipide).
Weblinks: OMIM - Tay-Sachs disease
Peroxismale Erkrankungen
Adrenoleukodystrophie
Ät.: X-chromosomal erblicher Defekt des ABCD1-Gens, der für einen ABC-Transporter codiert -> Störung der beta-Oxidation langkettiger Fettsäuren im Peroxisom -> Akkumulation.
Pg.: Schädigung der zentralen Myelinscheiden, der NNR (-> Morbus ADDISON) und der LEYDIG-Zellen.
Weblinks: OMIM - Adrenoleukodystrophy
Mitochondriale Erkrankungen
Morbus LEIGH
Subakute nekrotisierende Enzephalopathie
Ät.: Defekte von Enzymen der Atmungskette.
Weblinks: OMIM - Leigh syndrome
Phakomatosen
Etym.: phakos: Muttermal, Fleck.
Def.: Genetisch bedingte meist autosomal-dominante neurokutane Hyperproliferationssyndrome der ektodermalen Gewebeanteile. Hauptmanifestationen an Haut, Auge und Nervensystem.
Neurofibromatose Typ 1
Syn.: Morbus VON RECKLINGHAUSEN
Ep.: 1:3000 - 1:4000
Ät.: Mutation im Neurofibromin-Gen (17q11.2, Tumorsuppressorgen).
Erbgang: Autosomal-dominant erblich, in 50 % Neumutation. Fast 100 % Penetranz, Expressivität sehr variabel.
Manifestationen: Cafe-au-lait-Flecken (> 5 %), axilläre/inguinale Sommersprossen, Keilbeinflügeldysplasie, LISCH-Knoten in der Iris, multiple sich mit dem Alter entwickelnde periphere Neurofibrome, die vom perineuralen Bindegewebe ausgehen (30 %), andere Tumoren möglich: 15 % Optikusgliom, Aderhauthamartome, melanozytäre Tumoren, maligne Tumoren bei 4 % der Patienten!
Weblinks: OMIM - Neurofibromatosis type I (NF1)
Neurofibromatose Typ 2
Ep.: 1:30.000-1:40.000, 10 mal seltener als NF1
Erbgang: Autosomal-dominant erblich
Ät.: Mutation im Schwannomin-Gen (22q12, Tumorsuppressorgen).
Manifestationen: Zentrale Neurodghjj fibrome/Neurinome, typisch beidseitiges Akustikusneurinom (85 %), Meningeome (Merke: MISM - Multiple intrakranielle Schwannome und Meningeome), > 40% juvenile posterior-subkapsuläre Katarakt.
Weblinks: OMIM - Neurofibromatosis type II
Tuberöse Hirnsklerose
tuberous sclerosis
Syn.: Morbus PRINGLE-BOURNEVILLE
Ät.: Mutationen in den Genen TSC1 (9q34), TSC2 (16p13), TSC3 oder TSC4. Autosomal-dominanter Erbgang.
Makro: Vergrößerte, verbreiterte, weißere/hellere Gyri von fester Konsistenz umrahmt von normalen Gyri, verstrichene Mark-Rinden-Grenze.
Klinik: Mentale Retardierung, Epilepsie (BNS-Krämpfe), hypopigmentierte Hautareale (Leukoderme) des Rumpfes, KOENEN-Tumoren (Nagelfalzfibrome), Adenoma sebaceum, gehäuft Rhabdomyome im Herzen.
Weblinks: OMIM - Tuberous sclerosis
VON HIPPEL-LINDAU-Syndrom (VHL)
Syn.: Retino-zerebelläre Angiomatose
Ep.: 1:40.000, 3. Lebensdekade
Erbgang: Autosomal-dominant erblich.
Ät.: Versch. Mutationen bekannt.
Manifestationen: Retinale Hämangiome und Hämangioblastome (20 %), Netzhautablösung, unbehandelt Erblindung. Zerebelläre Hämangioblastome, Nierenzellkarzinome (25 - 45 %), Pankreaszysten, Phäochromozytome, Polyzythämie.
Weblinks: OMIM - Von Hippel-Lindau syndrome
STURGE-WEBER-Weber-Syndrom
Syn.: Angiomatosis encephalofacialis, Encephalo-trigeminale Angiomatose
Erbgang: I.d.R. sporadisch, autosomal-dominante Mutation im Mosaik.
Klinik: Nävus flammeus („Portwein-Nävus“) im Gesicht und Schädel meist im Bereich HN.V1, einseitig mit Zunahme der Intensivität. Glaukom, choroidales kavernöses Hämangiom, Epilepsie.
Weblinks: OMIM - Sturge-Weber syndrome
KLIPPEL-TRENAUNAY-Syndrom
Erbgang: I.d.R. sporadisch, autosomal-dominante Mutation im Mosaik.
Klinik: Venöse Malformationen, seltener auch der Lymphgefäße (Shunts, AV-Fisteln). Naevus flammeus und Längenriesen- oder -minderwuchs der betroffenen Körperregionen (Extremitäten). Schwere Durchblutungsstörungen, zum Teil enorme Schwellungen der Extremitäten.
Weblinks: OMIM - Klippel-Trenaunay-Weber syndrome
Fehlbildungen
Neuralrohrdefekte
neural tube defect
Syn.: Dysraphische Störungen
Ep.: 1:1000 (Mitteleuropa) bis 8:1000 (Irland)
Ät.: Genetische Prädisposition (homozygote MTHFR-Mutation), Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft.
Formen:
- Rücken: Spina bifida - „Offener Rücken“ (oft kaudal, Neuroporus posterior)
- Spina bifida occulta - Wirbel ist hinten offen, darüber evtl. Behaarungsanomalien
- Meningozele - Aussackung der Rückenmarkshäute
- Meningomyelozele - Aussackung der Rückenmarkshäute und Rückenmark
- Rachischisis - Fehlende Einstülpung des Rückenmarks zum Neuralrohr
- Syringomyelie (primäre Form) - Pathologische Erweiterung des Zentralkanals mit Schädigung der Schmerzbahnen -> Dissoziierte Empfindungsstörung mit Schmerzunempfindlichkeit
- Gehirn:
- Meningozele - Aussackung der Hirnhäute
- Meningoenzephalozele - Aussackung von Hirnhäute mit darin enthaltenem Hirngewebe
- Anenzephalie - Fehlender Verschluß des Neuroporus anterior -> Fehlen von Schädel-, meningealen Anteilen und großen Teilen des Gehirns (Fruchtwasser ist neurotoxisch)
- DANDY-WALKER-Syndrom - Kleinhirnwurmhypoplasie/-aplasie und große Zyste in der hinteren Schädelgrube.
- ARNOLD-CHIARI-Fehlbildung - Hypoplastische hintere Schädelgruppe, Kleinhirnverlagerung durch das Foramen magnum.
D.: Sonographie i.R.d. Schwangerschaftsvorsorge. Amniozentese: α-Fetoprotein (AFP) und Acetylcholinesterase (ACHE) erhöht. Serum: AFP erhöht.
Tethered-Spinal-Cord-Syndrom
Syn.: Occult Spinal Dysraphism Sequence
Ät.: Assoziiert mit der Spina bifida.
Pg.: Das Filum terminale ist über einen fibrösen Strang mit der Rückenmarkshaut verbunden -> Zugwirkung auf das Myelon während des Wachstums, Konus-Tiefstand -> LWS-Schmerzen, Zunehmende Lähmungen der unteren Extremiät, Inkontinenz.
Holoprosencephalie
holoprosencephaly
Ät.: Gehäuft bei Trisomien
Makro: Fehlende Trennung der Hemisphären, Arhinenzephalie, Balkenagenesie, Verwachsung von Hirnanteilen in der Mittellinie, oft faziale Defekte.
Lissencephalie
lissencephaly
Makro: Fehlende Gyrierung
Gefäßfehlbildungen
Arterio-venöse Malformation (AVM)
Prä- und Perinatalschäden des ZNS
Intrauterin:
- Porenzephalie (zystische, trichterförmige Substanzdefekte im Marklager), Hydranencephalie (Schädelhöhle und dünne Resthirnschicht komplett mit klarer Flüssigkeit gefüllt) - Ät.: Z.B. intrauterine Okklusion einer hirnversorgenden Arterie.
Perinatal:
- Morbus LITTLE/Infantile Zerebralparese/„frühkindlicher Hirnschaden“ - Ät.: Hypoxie unter der Geburt, Klinik: Strabismus, Ataxie, Spastik, kognitive Beeinträchtigung.
- Periventrikulär-subepidymale Einblutung - Ät.: Zerebrale Minderperfusion. RF: Frühgeburt < 35. SSW und < 1500 g. Klinik: Spastische Diplegie. Kompl.: Ventrikeleinbruch (sehr schlechte Prognose).
Neonatal:
- Kernikterus: Starke Hyperbilirubinämie, z.B. bei Erythroblastose
- Hirnblutung bei Morbus haemorrhagicus neonatorum. Ät.: Vitamin K-Defizit.
Exogene ZNS-Schäden
ZNS-tangierende knöcherne Erkrankungen
Basiläre Invagination/Impression
Makro: Hochstand des Dens axis. Evtl. Stammhirnkompression.
Weblinks: Brainstem compression secondary to basilar impression
Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
SHT-Einteilung nach Spatz in primäre und sekundäre Schäden
- Primär traumatisch (passiv): Epidurale oder subdurale Hämatome, Blutgefäßrupturen, Contusio (Rindenprellungsherde), Rhexisblutungen.
- Sekundär traumatisch (reaktiv): Alle Folgen, z.B. Hirnödem, Wundheilungsstörungen, Entzündungen.
SHT-Einteilung nach Adams in fokale und diffuse Schäden
- Fokale Schäden: Kontusionen, Hämatom, sekundäre Schäden wie Verschiebeblutungen, Entzündungen etc., Einrisse am pontomedullären Übergang oder Hypophysenstiel.
- Diffuse Schäden: Diffuse Axonschäden (Torpedos, chronisch: Marklagerverlust), hypoxischer Hirnschaden, diffuse Hirnschwellung, petechiale Einblutungen (Marklager, Balken, Vierhügelplatte). Ät.: typisch für Hochgeschwindigkeits-Traumata mit rascher Beschleunigung/Abbremsung/Rotation ohne harten Aufprall, Klinik: initiales Koma, Zeichen der Mittelhirnbeteiligung (Beuge- und Strecksynergismen), diskreter CT-Befund.
Schädelbasisfraktur
cCT: Fraktur, Pneumozephalus
Klinik: Brillen- oder Monokelhämatom, Liquoraustritt aus Nase oder Ohr (klare Flüssigkeit, Nachweis von beta 2-Transferrin im Sekret).
Kompl.: Aszendierende Infektion -> Meningitis
Traumatische Carotis-Sinus cavernosus-Fistel
Ät.: Traumatische Gefäßverletzung mit Fistelbildung zwischen A. carotis interna und Sinus cavernosus.
Klinik: Pulssynchrone Ohrgeräusche, Doppelbilder, Exophthalmus, Chemosis.
Blow-out-Fracture
Ät.: Schlag auf den Bulbus oculi.
Klinik: Doppelbilder
Jochbein-Fraktur
Klinik: Monokelhämatom, Diplopie, infraorbitale Hypästhesie (N. infraorbitalis), Kieferklemme
Zentrale pontine Myelinolyse
Ät.: Starke und rasche Schwankungen des Natrium-Spiegels (z.B. bei Wasserintoxikation, zu rascher Ausgleich einer Hyponatriämie).
Mikro: Zentrale Läsion der Brücke.
Klinik: Hirnnervenausfälle, Paresen.
Störungen der Blut- und Liquorzirkulation
Intrakranielle Drucksteigerung
Syn.: „Hirndruck“, Hirnödem
Ät.: SHT (Hirnödem, Blutung), metabolisch-toxisch (Hirnödem), Tumor, Einblutung, Enzephalitis, Meningitis, Sinusvenenthrombose, Hydrozephalus, Pseudotumor cerebri.
Pg.: Gemeinsame Endstrecke verschiedener Erkrankungen mit raumforderndem Effekt bei begrenztem Platzangebot.
Folgen: Mechanische Einklemmung, Ischämie.
Makro: Die Gyri sind verbreitert, die Sulci verstrichen. Der Gyrus cinguli wird an und unter die Falx cerebri gepresst, es kommt zur Herniation zur Gegenseite mit Ventrikelkompression und midline-shift. Die Herniation des mediobasalen Temporallappens (Uncus, Gyrus parahippocampalis) an der Tentoriumkante Richtung hintere Schädelgrube führt zur Mittelhirnkompression. Auf der Gegenseite kommt es am am Mittelhirn zu Drucknekrosen (KERNOHAN's notch). Im Hirnstamm treten Verschiebeblutungen auf. Die Einklemmung der Kleinhirntonsillen im Foramen magnum (untere Einklemmung) ist bei der Autopsie als Kleinhirndruckkonus zu sehen.
Klinik: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Wesensveränderung, Bewusstseinstrübung bis -verlust, Tachykardie/Bradykardie, Atemstörungen, Abklemmung des N. abducens (Abduzensparese) und/oder N. oculomotorius (Okulomotoriusparese: Mydriasis + Ptose), Stauungspapille, Singultus, zentrale Parese kontralateral aber auch ipsilateral (KERNOHAN's notch!) möglich, Streckkrämpfe des Extremitäten (bei Mittelhirnabklemmung), bds. positives BABINSKI-Zeichen, Hirntod (Ausfall sämtlicher Hirnstammreflexe, Null-Linien-EEG).
Hydrozephalus
Erweiterung der inneren und/oder äußeren Liquorräume.
Ät.: Liquorzirkulationsstörungen, Liquor-Überproduktion oder gestörte Resorption. Folge ist die Atrophie des Hirngewebes.
Pg.:
- Hydrozephalus occlusus/obstructivus - Ät.: Fehlbildungen (Aquaeduktstenose).
- Hydrozephalus hypersecretorius - Ät.: Plexushyperplasie, -papillom, Entzündungen, Intoxikation.
- Hydrozephalus malresorptivus - Ät.: Nach bakterieller Meningitis, Blutung.
- Normaldruckhydrozephalus (NPH) - Ät.: Abflusstörung. Ep.: Höheres Lebensalter. Kl.: Trias aus dementiellem Syndrom, Urininkontinenz und Gangstörung.
Deskriptive Klassifikation:
- Hydrozephalus internus - Expansion der Ventrikel (eher obstruktiv oder NPH)).
- Hydrozephalus externus - Expansion des Subarachnoidalraums (eher malresorptiv).
- Hydrozephalus communicans - Kombination
- Hydrozephalus e vacuo - Primär Hirnatrophie und sekundäre Auffüllung des freien Raumes mit Liquor.
Klinik: Beim Säugling aufgrund noch nicht verknöcherter Schädelnähte erhöhter Kopfumfang, vorgewölbte Fontanelle, Sonnenuntergangsphänomen, Entwicklungsverzögerung, Unruhe, schrilles Schreien, Stauungspapille, Strabismus. Bei verschlossenen Schädelnähten Kopfschmerzen, Erbrechen, Stauungspapille und Verhaltensänderung. Die Herniation führt zu Bewußtlosigkeit, Mydriasis, Atemlähmung und Streckkrämpfen.
Pseudotumor cerebri
Benigne intrakranielle Hypertonie
RF.: Adipositas
Klinik: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Stauungspapille, Sehstörungen, erhöhter Liquordruck.
Sinusvenenthrombose
Ät.:
- Septisch (Meningitis, über die V. angularis fortgeleitete Infektionen aus dem Gesicht)
- Postpartal!
- Thrombophilie, Polyzythämie
Pg.: Gerinnselbildung in einem der intrakraniellen großen venösen Blutleiter.
Klinik: Hirndruckzeichen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Krämpfe, Bewusstseinsstörungen, Hemiparese, epileptische Anfälle.
Hirnblutung
Epidurales Hämatom
epidural hematoma
Ät.: Traumatische Ruptur der A. meningea media (85 %).
CT: Hyperdenser bikonvexer Prozess.
Klinik: Freies Intervall zwischen primärer Bewußtlosigkeit und sekundärer Eintrübung (33 %), kontralaterale Mydriasis bei kontralateralem Klivuskantensyndrom (10 %). Anisokorie, ipsilaterale Mydriasis durch Abklemmung des N. oculomotorius an der Klivuskante, kontralaterale Herdsymptomatik, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hirndrucksymptome.
Prg.: Letalität bei operativer Entlastung innerhalb von 2h: 17 %, bei adäquater Therapie erst nach 2h: bis 65 %!
Akutes subdurales Hämatom
subdural hematoma
„Polytrauma des Gehirns“
Ät.: Traumatische Ruptur von kortikalen Venen oder Brückenvenen, im Bereich von Kontusionsherden -> Venöse Sickerblutung. RF: Antikoagulation. Bei 10 % der schweren SHT.
CT: Halbmondförmiger hyperdenser Prozess.
Klinik: Rascher Hirndruckanstieg, primäre Bewusstlosigkeit, Mydriasis, Lähmungen.
Chronisches subdurales Hämatom
Ät.: Traumatische Ruptur von kortikalen Venen oder Brückenvenen zwischen Dura und Arachnoidea, bes. bei alten Menschen (Hirnatrophie, Hydrocephalus ex vacuo) und oft nach Bagatelltrauma -> Venöse Sickerblutung -> Osmotische Schwellung des Hämatoms. RF: Antikoagulation.
CT: Halbmondförmiger hyperdenser Prozess.
Klinik: Unspezifisch („großer Imitator“). Kopfschmerzen, Desorientierung, Wesensänderung, Gedächtnis-, Vigilanz-, Sprachstörungen, Hemiparese.
Th.: Entlastung z.B. durch Trepanation.
Subarachnoidalblutung (SAB)
subarachnoid hemorrhage
Ep.: Inzidenz: Ca. 10/100.000/a
Besonderheit der Hirnbasisarterien: Nur eine Elastica, geringer Umgebungsdruck, die komplexe embryologische Entwicklung der Hirnbasisarterien (Circulus arteriosus WILLISII) erhöht das Risiko von Malformationen.
Ät.: Ursache einer SAB ist meist die Ruptur eines kongenitalen Hirnbasisarterienaneurysmas (80 %), am häufigsten am R. communicans anterior bzw. an der A. cerebri anterior, seltener liegt eine Blutung von Gefässmalformationen (Angiom) vor. Selten Dissektion, Vaskulitis, traumatisch.
RF für eine Blutung: Kombination Rauchen + Hypertension (15x Risiko), Alkohol.
Klinik: Schlagartiger Vernichtungskopfschmerz, Meningismus (Übelkeit/Erbrechen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit), ev. Bewußtseinsstörung, neurologische Herdsymptome, vegetative Begleitreaktion, TERSON-Syndrom (Glaskörperblutungen). Klinische Schweregrad-Einteilung nach HUNT und HESS und Glasgow Coma Scale (GCS).
Kompl.: Früh: Hirndruckanstieg, Rezidivblutung. Spät: Vasospasmus -> Ischämie/Hirnödem, Hydrozephalus durch Verklebungen im Subarachnoidalraum.
Intrazerebrale Blutung (ICB)
Ät.:
- Hypertensive Mikroangiopathie. Typische Lokalisation wegen hohem Druck und ungünstigen Strömungsverhältnissen (rechtwinklig abknickende Endarterien) in den laterale Basalganglien, ferner Thalamus, Pons, Cerebellum. Vorläuferveränderungen sind der Status lacunaris in der grauen, der Status cribrosus in der weißen Substanz. Kompl.: Ventrikeleinblutung.
- Angiome
- Arterielle Malformation
- AV-Fistel
- AV-plexiforme Malformation
- AV-plexiforme Mikro-Malformation
- Kavernöse Malformation
- Kapilläre Teleangiektasie
- Aneurysma
- Zerebrale Amyloidangiopathie (βA4-Amyloidose). Mikro der Gefäße: Doppellumen, Homogenisierung. Betroffen sind die leptomenigealen und kortikalen Arterien. -> Einblutung kortikal/subkortikal.
- Tumor
- Gerinnungsstörungen z.B. bei leukämischer Blastenkrise (Sludge, Hypoxämie), Leberzirrhose oder Cumarinisierung
- Infektion
Ischämie und apoplektischer Insult
Nach Pathogenese und morphologischem Korrelat lassen sich verschiedene Formen zerebrovaskulärer Ischämien unterscheiden:
- Fokale Ischämie (Ät.: Perfusionsstörung im Bereich einzelner Hirngefäße)
- Primär hämorrhagisch (15 %) - ICB, SAB, s.o.
- Anämisch (80 %)
- Thromboembolisch - Oft große territoriale Infarkte, meist schlagartig (Häufigste Ursache: Vorhofthrombose bei Vorhofflimmern, das Schlaganfallrisiko bei VHF ohne Antikoagulation beträgt 7 (4 - 20) %/a. Weiterhin rupturierte Carotisplaques, Endokarditis, paradoxe Embolie bei PFO.)
- Hämodynamisch
- Makroangiopathie - Extrakranielle (Carotisstenose, Subclavian-steal-Phänomen) oder intrakranielle (Carotis-Siphon, A. cerebri media) Gefäßstenose. Weitere Faktoren: Arteriosklerose, kardialer Status (-> Perfusionsdruck), anatomische Gegebenheiten (variabler Circulus arteriosus WILLISII), Hämodynamik, Gerinnung, Blutrheologie. Verlaufsformen: TIA, RIND, PRIND, apoplektischer Insult. Morphologische Ausprägung: Keine (TIA, funktionell), elektive Parenchymnekrose (nur Neurone weg, Glia bleibt stehen), periventrikuläre-subkortikale Endstrominfarkte (Endarterien, „letzte Wiese“), Grenzzoneninfarkte (Grenzfläche zweier arterieller Versorgungsgebiete, „letzte Wiese“), Rindenbandnekrose, Territorialinfarkt.
- Mikroangiopathie - Kleine lakunäre Infarkte, Status lacunaris/cribrosus (multiple Mikroinfarkte, wenn fortgeschritten klinisch vaskuläre Demenz bzw. subcortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) = Morbus BINSWANGER).
- Dissektionen z.B. der A. carotis interna - Kl.: Bei ACI-Dissektion nach Trauma z.B. kontralaterale Hemiparese, ipsilateral Lokalbeschwerden und HORNER-Syndrom.
- Vaskulitisch (selten)
- Globale Ischämie
- Bei systemischer Perfusionsstörung, z.B. Schock, Reanimation
- -> Grenzzoneninfarkte bei inkompletter Ischämie
- -> Apallisches Syndrom (Untergang des Cortex cerebri, Stammhirn bleibt vital)
- -> Hirntod (Nekrose des gesamten Gehirns)
- CO-Intoxikation -> Bilateral-symmetrische Nekrosen im Globus pallidus
- Hirnvenen-, Sinusthrombosen -> Venöse Infarzierung (blande, septisch)
- Bei systemischer Perfusionsstörung, z.B. Schock, Reanimation
Klinik nach Topologie:
- A. cerebri anterior - Beinbetonte Parese (erst schlaff, später spastisch), Inkontinenz, Frontalhirnsyndrom.
- A. cerebri media - Somatomotorische Störungen, bilaterale Blickwendung zur Seite des Infarktes (frontales Blickzentrum), Aphasie, Apraxie (dominante Hemisphäre), klassisch: spastische Hemiparese (Lähmung Typ WERNICKE-MANN, Beugespastik des Arms und Streckspastik des Beins) mit zentraler Fazialisparese.
- A. cerebri posterior - Hemianopsie
- A. basilaris - Kleinhirnsymptome, Dysarthrie, Tetraparese, Sensibilitätsstörungen, Vertigo, HORNER-Syndrom, Pupillen- und Okulomotoriusstörungen, Gesichtsfeldausfälle u.a..
- A. inferior posterior cerebelli (PICA) oder A. vertebralis: WALLENBERG-Syndrom - Ischämie der dorsolateralen Medulla oblongata. Klinik: Ipsilateral Horner-Syndrom (Sympathikus), dissoziierte Sensibilitätsstörung im Gesicht (Ausfall der protopathischen Schmerz- und Temperaturempfindung, Nucleus spinalis nervi trigemini), Gaumensegelparese (Nucleus ambiguus), Hemiataxie (Tractus spinocerebellaris anterior). Kontralateral dissoziierte Sensibilitätsstörung des Körpers (Ausfall von Schmerz- und Temperaturempfindung, Tractus spinothalamicus lateralis).
- A. spinalis anterior - Paraparese/Tetraparese, Inkontinenz, dissoziierte Sensibilitätsstörung mit Ausfall der Empfindung von Druck (Tractus spinothalamicus anterior) und Schmerz- und Temperaturempfindung (Tractus spinothalamicus lateralis) bei erhaltener Oberflächensensibilität und bewusster Propriozeption (Hinterstrangbahnen).
Anämischer organisierter Hirninfarkt
Makro: Lakunen, zystische Räume.
Mikro: Kolliquationsnekrose, das Stratum moleculare und Marklager bleiben stehen, Fettkörnchenzellen (Makrophagen), evtl. Hämosiderin.
DD: Rindenprellung/Contusionsherd
Hämorrhagischer Infarkt
Infarkt mit sekundärer Einblutung.
Posterior reversible encephalopathy syndrome (PRES)
RF.: Hypertensive Enzephalopathie, Immunsuppressiva, Stimulantien, Nierenversagen/HUS, Eklampsie oder schwere Praeeklampsie, Phaochromozytom, Bluttransfusionen.
Bildgebung: Subkortikales Hirnödem, v.a. parieto-okzipital.
Kompl.: Infarkte
Prg.: Reversibel bei effektiver Blutdruckkontrolle und Absetzen verdächtiger Medikamente!
Entzündliche ZNS-Erkrankungen
Liquordiagnostik
Liquordiagnostik
- Normwerte: Zellzahl 4/μl, Eiweiß < 50 mg/dl, Lactat < 2,2 mmol/l, Glucose 60 % des gleichzeitig bestimmten Blutzuckers.
- Reiber-Schema: Hinweise für intrathekale Immunglobulin-Synthese und/oder Störung der Blutliquorschranke.
- Isoelektrische Fokussierung (IEF): Elektrophoetische Auftrennung von Proteinen nach ihrer Ladung.
- Makroskopische Beurteilung: Farbe (klar, Blut, Trübung)
- Mikroskopie: Zellen, Bakterien, Pilze.
Meningitis
Entzündung der Hirnhäute.
Ät.:
- Bakterien (s.u.)
- Viren (Enteroviren, Mumps, Masern, HSV, VZV, CMV, FSME)
- Pilze
Liquor:
- Bakteriell: > 1000 Zellen/μl , überwiegend Granulozyten, Eiweiß und Laktat stark erhöht, Glucose < 40 % des gleichzeitig bestimmten Blutzuckers.
- Viral: Liquor: 10 - 500 Zellen/μl, mehr Lymphozyten als Granulozyten, Eiweiß und Laktat normal oder leicht erhöht, Glucose normal. Erregernachweis: AK-Nachweis frühestens nach 8 Tagen, PCR (ev. Wdh.).
Enzephalitis / Enzephalomeyelitis / Myelitis
Einteilung der Enzephalitiden nach Ausbreitungstyp.
Meningoenzephalitis
Eitrige Leptomeningitis (Haubenmeningitis)
Ät.: Die häufigsten Erreger sind Streptococcus agalactiae (bes. Neugeborene, Säuglinge), Escherichia coli (Neugeborene), Haemophilus influenzae (seltener wg. Impfung, alle Altersstufen), Neisseria meningitidis (Kinder bis junge Erwachsene am häufigsten), Streptococcus pneumoniae (alle Alterstufen), Listeria monocytogenes (Neugeborene, Alte, Immunsuprimierte).
Infektionswege: Per continuitatem (Mastoiditis), hämatogen (arteriell, venös (z.B. Eiterherde im Gesicht)), Liquorfistel nach Schädelbasisfraktur.
Makro: Eitrig getrübte Meningen, bei Listeriose unter Immunsupression: Hyperämie, Kongestion, kaum Eiter.
Mikro: Massenhaft segmentkernige Granulozyten, paravasal Fibrinfäden, Ödem, Hyperämie.
Liquor: Starke Pleozytose > 1000 Zellen/μl (v.a. Granulozyten), Eiweiß und Laktat stark vermehrt, Glucose < 40 % des gleichzeitig bestimmten Blutzuckers. Erregernachweis.
Klinik:
- Meningitis: Kopfschmerzen, Meningismus.
- Enzephalitis: Quantitative (Vigilanzminderung) und qualitative Bewußtseinsstörungen, fokal-neurologische Symptome, Krämpfe.
- Begleitbefunde: Herpes labialis
Kompl.: Hirnödem, Pyocephalon (Eiter in den inneren und äußeren Liquorräumen), Abszedierung, Hydrocephalus occlusus oder malresorptivus, Vaskulitis mit aseptischer Entzündung, septische Sinusthrombose, Innenohrschwerhörigkeit, Sepsis mit disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC, Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom), MOV.
Prg.: Let. früher 80 %, heute 20 %.
Tuberkulöse Meningitis (basale Meningitis)
Ep.: Bes. Kinder, Alte, Immungeschwächte, Menschen aus Risikogebieten.
Makro: Basale Menigitis, Granulome, kleine Nekrosen.
Mikro: HEUBNER'sche Endarteriitis, Granulome, Nachweis von säurefesten Stäbchen.
Liquor: Geringe Pleozytose, stark erhöhter Eiweißgehalt, verringerter Glucosegehalt.
Klinik: Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, subfebrile Temperaturen, Hirnnervenausfälle (z.B. Abduzensparese), subfebrile Temperaturen.
DD: Kryptokokken
Neuroborreliose (Meningoradikulitis, Meningopolyneuritis BANNWARTH)
Ät.: Borrelia burgdorfferi (Überträger: Zecken)
Klinik: Nächtliche radikuläre Rückenschmerzen, Erythema migrans, Lyme-Borreliose.
Siehe auch unter Mikrobielle Hauterkrankungen.
Metastatische Herdenzephalitis
Ät.: Bakterielle Mikrothromben (bakt. Endokarditis, Sepsis, Septikopyämie).
Kontinuierliche Polioenzephalitis
Etym.: polio = graue Substanz
Ät.:
- Neurolues, progressive Paralyse, Tabes dosalis, Ät.: Treponema pallidum, Spätmanifestation (Stadium IV)
- Virusenzephalitiden
Fleckförmige Polioenzephalitis
Fleckförmige Entzündungsherde in der grauen Substanz findet man z.B. bei
- Poliomyelitis - Ät.: Polio-Virus. Mikro: Verlust der α-Motoneurone in den Vorderhörnern des Rückenmarks, lymphozytäre Entzündung. Klinik: Nur ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt das Krankheitsbild. Lähmungen, Muskelatrophie, Post-Polio-Syndrom.
- Tollwut - Ät.: Rabies-Virus. Infektion über Tierbiss. Mikro: Intrazytoplasmatische NEGRI-Einschlusskörperchen, perivaskuläre Entzündung. Klinik: Stadienhafter Verlauf: Prodromalstadium (Kopfschmerzen, Übelkeit, Reizbarkeit), Exzitationsstadium (Wesensänderung, Aggressivität, Übereregbarkeit, Speichelfluss und Schlundkrämpfe, Hydrophobie), paralytisches Stadium (Krämpfe, Lähmung, Tod). Prg.: Letalität fast 100 %.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) - Ät.: FSME-Virus. Überträger sind Zecken. Klinik: Biphasischer Verlauf: Erst Grippe-ähnliche Symptome, dann freies Intervall, dann evtl. Nackensteifigkeit, Lähmungen, Bewußtseinsstörungen.
Herdförmige Entmarkungsenzephalitis
Encephalomyelitis disseminata (ED)
Syn.: Multiple Sklerose
Ep.: Prävalenz: 120.000 in Dtl.
Ät.: Autoimmunologische Reaktion gegen Markscheiden, evtl. viral getriggert.
Pg.: Autoaggressive Entmarkung mit partieller Remyelinisierung (-> teilw. vorübergehende Funktionsstörungen) -> Gliose (Vernarbung) -> Sklerose.
Lok.: Weiße Substanz. Bevorzugt periaquaeduktal, im Corpus callosum, periventrikulär und im zervikalen Myelon. Neuritis nervi optici (Retrobulbärneuritis).
Makro: Multiple (manchmal nur einzelne) sklerotisch-entzündliche Herde in der weißen Substanz mit ausgeprägter zeitlicher und örtlicher Dynamik.
Mikro: Perivaskuläres Infiltrat (kleine postkapilläre Venolen), Lymphozyten, Makrophagen, aktivierte Mikroglia, perivaskuläres Ödem.
Liquor: Reife Plasmazellen. Reiber-Schema: Intrathekale Ig-Synthese. IEF: Oligoklonale Ig-Banden in > 90 %.
Klinik: Optikusneuritis (typische Erstmanifestation mit akutem einseitigen Visusverlust bei unauffälligem ophthalmoskopischem Befund), Kleinhirnsymptome, Trigeminusneuralgie, spastische Paraparese, Sensibilitätsstörungen, UTHOFF-Phänomen (Symptomsteigerung bei Temperaturerhöhung), LHERMITTE-Phänomen (elektrisches Gefühl an Armen und Rücken bei Kopfbeugung), internukleäre Opthalmoplegie (Doppelbilder und dissoziierter Nystagmus bei funktionierender Konvergenz durch Schädigung des medialen Längsbündels, das den Nc. n. VI mit dem kontralateralen Nc. III verbindet), Dranginkontinenz/Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie.
Verlauf: Variabel. Schubweise, primär oder sekundär chronisch progredient.
DD.:
- Akute Querschnittsmyelitis
- Neuromyelitis optica (DEVIC-Syndrom) - Optikusneuritis (bilateral) und Myelitis > 3 Segmente. Liquor: Pleozytose, Eiweiß erhöht, keine oligoklonalen Banden.
- Akute demyelinisierende Enzephalomyelitis (ADEM) - Ät.: Immunoallergisch, para/postinfektiös; Makro: Große monophasische Herde, bilaterale Opticusneuritis; Liquor: Leichte lymphozytäre Pleozytose, Eiweiß normal oder gering erhöht, intrathekale IgG-Synthese (parallel IgM- und IgA-Synthese), keine oligoklonalen Banden. Klinik: Kopfschmerzen, Fieber, Vigilanzstörungen, fokale Ausfälle.
- Zerebrale Vasculitis
Diffuse perivenöse Herdenzephalitis
- Postinfektiös/postvaccinal (am peripheren Nervensystem : GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom)
- Paraneoplastisch
HIV-Enzephalitis
Syn.: HIV-Enzephalopathie
Ät.: HIV-1
Mikro: Diffuse Demyelinisierung des Marklagers in Groß- und Kleinhirn, reaktive Gliose, Riesenzellen.
Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML)
Ät.: Reaktivierung des JC-Virus bei T-Zelldefekt (AIDS).
Opportunistische Enzephalitis
Ät.: Immunsupression, AIDS.
Erreger: Toxoplasma gondii, CMV, EBV, Cryptococcus spp., Aspergillus spp., HIV
Makro: Herdförmige Läsionen (Herdenzephalitis)
Mikro:
- Cryptococcus neoformans - Mikro: Typische runde Pilze mit Schleimkapsel.
- Aspergillus: Invasiv wachsende septierte Pilzhyphen mit spitzwinkliger (Y-förmiger) Verzweigung, Gefäß-affin. Gute Darstellung in der Grocott-Methenamin-Silber-Färbung.
Hirnabszess(e)
Def.: Ein Abszess ist eine umschriebene gegen die Umgebung abgegrenzte entzündliche Gewebseinschmelzung.
Ät.: Bakterien, Parasiten, Pilze, RF Immunsuppresion.
Pg.:
- Metastatische Einschwemmung (s.o.) meist aus eitrigen Lungenprozessen, aber auch z.B. bei Endokarditis, Sepsis.
- Übergreifen von HNO-Infektionen (Sinusitis, Otitis media, Mastoiditis) auf das Gehirn.
- Eintritt über Liquorfisteln z.B. nach Schädelbasisfraktur, postoperativ, Fremdkörper-assoziiert (externe Ventrikeldrainage (EVD), VA-Shunt, VP-Shunt).
Makro: Einzelne oder multiple abgekapselte Herde mit flüssigem trüb-eitrigem Inhalt.
Mikro: Zelltrümmer, zerfallende neutrophile Granulozyten.
Herpes-simplex-Enzephalitis
Ep.: Nur 5-10 % der viralen ZNS-Infektionen, aber 90 % der Todesfälle!
Ät.: HSV 1
Lok.: Hauptsächlich ist der Temporallappen betroffen (temperobasal über Bulbus olfactorius oder N. trigeminus).
Makro: Schwellung des Temporallappens.
Mikro: Hämorrhagisch-nekrotisierende Entzündung, perivaskulär gelegene Lymphozyteninfiltrate, Nachweis von COWDRY-bodies (intranukleäres homogenes eosinophiles Material, das Chromatin und der Nucleolus sind typischerweise an den Rand der Kernmembran gedrängt.)
Klinik: Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Meningismus, Fieber, psychiatrische Störungen, Vigilanzminderung.
Liquor: Virusnachweis mit DNA-PCR.
Prg.: Unbehandelt meist letal (wenn überlebt, dann mit schweren neuropsychiatrischen Schäden wie ungezügeltem Appetit, sexuelle Enthemmung, Aggressivität).
Weblinks: Entzündliche Prozesse, Neuropathologie, Uni Köln.
Neurosyphillis
Stadium IV der Syphillis (Treponema pallidum).
- Tabes dorsalis - Entzündung und Degeneration der Hinterstränge des Rückenmarks.
- Progressive Paralyse - Frontal betonte Meningoenzephalitis mit psychiatrischen und neurologischen Symptomen.
Andere
- Limbische Enzephalitis - Ät.: Paraneoplastisch.
Degenerative ZNS-Erkrankungen
Alimentäre und toxische Erkrankungen
Funikuläre Myelose
Ät.: Vitamin B12-Mangel, Typ A-Gastritis oder Z.n. Magenresektion (Intrinsic factor-Mangel), Z.n. Ileumresektion, vegane Ernährung.
Klinik: Schleichender Beginn, Mattigkeit, spinale Ataxie bei Ausfällen des Lage-, Berührungs- und Vibrationsempfindens (Hinterstränge), organische Psychose, megaloblastäre Anämie, HUNTER-Glossitis, strohgelbe Hautfarbe (Anämie + Ilkterus).
WERNICKE-Enzephalopathie
Ät.: Thiamin-Mangel (Vitamin B1-Mangel).
Makro: Kleine Einblutungen und Atrophie, klassisch sind z.B. die Corpora mamillaria betroffen.
Klinik: Ataxie, Doppelbilder, Nystagmus, vegetative Störungen. Überlappung mit dem psychatrischen Krankheitsbild des alkoholbedingten KORSAKOW-Syndroms mit gleicher Ätiologie und der Trias Amnesie, Desorientierung, Konfabulation.
Kleinhirnatrophie bei Alkoholabusus
Ät.: Langjähriger Alkoholabusus.
Makro: Atrophie des Kleinhirns, v.a. Oberwurm.
Demenzen
Morbus ALZHEIMER
Alzheimer's disease
Erstbeschreibung durch Alois Alzheimer (1907).
Ep.: Häufigste Form der Demenz (60 - 70 %) und häufigste degenerative ZNS-Erkrankung. Formen: 90 % Late-Onset, 10 % Early-Onset. Zunahme der Prävalenz mit dem Alter: 5 % der 70jährigen, 20 % der 80jährigen, 50 % der 90jährigen. Meist sporadisch, teils familiär („präseniler“ Alzheimer-Typ).
Ät.: Late-Onset Morbus ALZHEIMER: 1.) Variante von Apolipoprotein E: Das Allel Apo E ε4 erhöht das Risiko (Prävalenz Homozygoter: 2,8 %.). 2.) Defekte im Gen des neuronal sortilin-related receptor SORL1, der an der Verteilung des amyloid precursor protein (APP) beteiligt ist.[1] Weiterer RF: Down-Syndrom.
Pg.: Ablagerung von Amyloid-β-Peptid (Chr. 21), das aus dem Amyloid-β-Precursorproteins (APP) hervorgeht, wenn APP statt von α-Sekretasen (günstig) von β- und γ-Sekretasen (ungünstig) gespalten wird.
Makro: Diffuse, frontoparietal betonte kortikale Atrophie mit erweiterten Sulci und verschmälerten Gyri. Hydrozephalus ex vacuo.
Mikro:
- Silberfärbung: Früh im Hippocampus nachweisbar:
- Senile Plaques - Extrazelluläre Ablagerungen von Amyloid-β-Peptid
- Alzheimerfibrillen (fibrillary tangles) - Intrazelluläre Aggregationen aus hyperphosphoryliertem τ-Protein (tau-Protein). Das τ-Protein ist physiologisch ein Mikrotubuli-Stabilisator.
- Kongophile Amyloidangiopathie
- Neuronenverlust
Klinik: Überwiegend Störungen von Kognition (Kortex) und Gedächtnis (Hippocampus), später Persönlichkeitsstörungen. Aphasie, Apraxie, Orientierungsstörung, depressive Verstimmung.
Weblink: OMIM - Alzheimer disease
Vaskuläre Demenz
Formen:
- Mikroangiopathische Demenz, Subkortikale vaskuläre Enzephalopathie (SVE), Morbus BINSWANGER
- Demenz bei strategischem Einzelinfarkt
- Multiinfarktdemenz
- Demenz bei intra- oder extrazerebraler Blutung
- Kombinationen, Kombinationen mit nicht-vaskulären Formen
Mikroangiopathische Demenz
Syn.: Subkortikale vaskuläre Enzephalopathie (SVE), Morbus BINSWANGER
Ät.: Mikroangiopathie.
RF.: Arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen.
Morph.: Mikroangiopathie, periventrikuläre Dichteminderung, multiple Lakunen.
Klinik: Kortikale Funktionen (Konzentration, Auffassungsgabe) etwas länger erhalten. Affekt und Antrieb früh betroffen. Fokal-neurologische Zeichen.
Prg.: Rasch progredient mit stufenweiser Verschlechterung.
SF.: Mischform mit Morbus Alzheimer, häufig.
Frontotemporale Demenzerkrankungen
Formen:
- Morbus Pick, Demenz vom Frontallappen-Typ (DFT)
- Semantische Demenz (SD)
- Primär-progressive nicht-flüssige Aphasie (PPA), Mesulam-Syndrom
Morbus PICK
Pick's disease
Ep.: Erstmanifestation 40. bis 50. Lj. (früher als Morbus Alzheimer). In 50 % familiäre Häufung.
Makro: Frontotemporale Hirnatrophie, „messerscharf“ abgegrenzt zu den normalen Hirnanteilen.
Mikro Silberfärbung: Pick-Körperchen - Agyrophile intraneuronale Einschlusskörperchen (τ-Protein, Ubiquitin).
Klinik: Störung von Antrieb, Impulskontrolle, Kritikfähigkeit.
LEWY-Körperchen-Demenz
LEWY-Körperchen (LK) können bei verschiedenen neuro-degenerativen Erkrankungen vorkommen:
- LK-Demenz
- Morbus AALZHEIMER mit LK
- Morbus PARKINSON mit LK
- Diffuse LK-Erkrankung
Mikro der LK: Eosinophile, neuronal-intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen.
Andere Demenzen
- Chorea HUNTINGTON (s.u.)
- CJD (s.u.)
Morbus PARKINSON
Parkinson's disease
Ep.: Prävalenz 0,1 %, bei den über 65jährigen 1 %, bei den über 75jährigen 2 %. Zweithäufigste degenerative ZNS-Erkrankung.
Ät.: Primär, „idiopathisch“, der Morbus PARKINSON (80 - 90 % der Parkinson-Syndrome). Ursache ist möglicherweise eine fehlgeleitete Signalkaskade, die die Nervenzellen in Richtung einer Zellteilung bewegt, obwohl ausdifferenzierten Nervenzellen eine Mitose nicht möglich ist. Es kommt zu Signalkonflikten und die Neurone gehen in die Apoptose. [2] Allerdings gibt es noch viele weitere Theorien zur Pathogenese, so dass die Frage noch nicht endgültig geklärt ist.
Makro: Verlust der Pigmentierung der Substantia nigra im Mittelhirnschnitt.
Mikro: Verlust der melaninhaltigen dopaminergen Neurone in der Substantia nigra, Lewy bodies.
Klinik: Rigor, Ruhetremor (distal betonter oft asymmetrischer Antagonistentremor, 5 Hz), Brady-/Hypo-/Akinese, Störung der posturalen Reflexe (Haltungskontrolle) mit Fallneigung nach vorne, Zahnradphänomen, typisches Gangbild mit kleinschrittigem Gang (erhöhte Wendeschrittzahl), autonome Störungen (Obstipation), Hypomimie, Freezing, monotone Sprache, Mikrographie, Rücken- und Schulterschmerzen.
DD.: Idiopathische Parkinson-Plus-Syndrome: Multisystematrophie (MSA), Corticobasalganglionäre Degeneration (CBD), Lewy-Körperchen-Demenz, progressive supranukleäre Blickparese (PSP). Sekundäres (symptomatisches) Parkinson-Syndrom: Medikamentös (Neuroleptika), toxisch (MPTP), i.R.v. Morbus WILSON (hepatolentikuläre Degeneration), postenzephalitisch, traumatisch (Boxer).
Atypische PARKINSON-Syndrome
Multi-System-Atrophie (MSA)
Ältere Bezeichnungen: Olivopontocerebelläre Atrophie (OPCA), striatonigrale Degeneration (SND), Idiopathische orthostatische Hypotonie (SHY-DRAGER-Syndrom)
Klinik: PARKINSON-Symptome, zerebelläre Symptome, autonome Störungen.
Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
Syn.: STEELE-RIRCHARDSON-OLZEWSKI-Syndrom
Klinik: Vertikale Blicklähmung, Gangunsicherheit, Sprachstörungen.
Trinukleotid-Erkrankungen
Chorea HUNTINGTON
Huntington's disease
Ep.: 1:10.000, Erstmanifestation: ca. 40 - 50 Lj.
Ät.: Autosomal-dominant-erbliche Expansion von Trinukleotidsequenzen.
Genetik:
- Physiologische Wiederholungsfrequenz des Basentripletts CAG im IT15-Gen auf Chromosom 4:9-35.
- Normal: 10 - 30, unvollständige Penetranz: 36 - 39, Manifestation: 40 - 250 (korreliert mit Erstmanifestationsalter). Juvenile Chorea Huntington bei > 60 CAG-Tripletts.
- Autosomal-dominant.
- Antizipation bes. bei väterlicher Transmission (CAG-Repeats verlängern sich in der Spermiogenese).
Pg: Das Triplett CAG kodiert für die Aminosäure Glutamin. Der erhöhte Glutamineinbau in das Protein Huntingtin verändert seine biochemischen Eigenschaften, z.B. seine Abbaufähigkeit im Proteasom. Es kommt zu amyloidähnlichen inclusion bodies aus Polyglutamin-Aggregaten im Striatum mit konsekutiver Nervenzellschädigung.
Makro: Atrophie des Nucleus caudatus (Neuronenverlust, Gliose).
Mikro: Absterben kleiner Neurone im Striatum.
Klinik: Progredienter neurologischer Zerfall über 10 bis 20 Jahre mit letalem Ausgang. Psychiatrische Symptome (unspezifisch, Depression, Psychosen, im Verlauf Demenz). Choreatiforme Bewegungsstörungen, Athetose, Dysarthrie.
Weblink: OMIM - Huntington disease (HD)
FRIEDREICH-Ataxie (FRDA1)
Ep.: 1 : 150.000 Geburten, Manifestationsalter 6. bis 14. Lebensjahr
Ät.: Autosomal-rezessive Trinucleotiderkrankung, betroffen sind GAA-Repeats im pleiotropen mitochondrialen Frataxin-Gen. Die Expression des 210 Aminosäuren langen Proteins fällt ab unter 10% der Norm.
Pg: Störung der Eisenhomöostase und Anreicherung in den Mitochondrien -> Dysfunktion -> Degeneration bes. energieintensiver Gewebe.
Morph. und Klinik:
- Tractus spinocerebellaris -> Gang-, Stand- und Extremitätenataxie
- Hinterstränge -> Vibrationsempfindung gestört
- Hinterwurzel -> Reflexabschwächung, Sensibilitätsstörungen
- Kleinhirn (spät) -> Dysarthrie, skandierende Sprache, „Löwenstimme“, Augenbewegungsstörungen, Nystagmus, Ataxie
- Weitere nervale Störungen: Spastische Pyramidenbahnzeichen, Neuropathie, Friedreichfuß (supinierter Hohlfuß + Spitzfuß), Hör- und Sehschwäche, Hirnleistungsstörungen bis zur Demenz.
- Sonstiges: Kardiomyopathie, Diabetes mellitus, Knochenveränderungen (Skoliose)
Das zweite motorische Neuron scheint nicht betroffen zu sein (?).
Prg.: Verlauf langsam progredient, Tod mit 40 bis 45 Lj.
DD.: Funikuläre Myelose bei B12-Mangel
Weblinks: OMIM - Friedreich ataxia (FRDA1), OMIM - FRDA2
Spinozerebelläre Ataxie
Paraneoplastische Kleinhirndegeneration
Ep.: Bei ca. 9 % der Malignomerkrankungen (autoptisch).
Ät.: Paraneoplastische Autoantikörper, z.B. α-Hu (kleinzelliges Bronchialkarzinom), α-Yo (Ovarialkarzinom).
Mikro: Diffuse Rindenatrophie (Purkinje-Zellen), entzündliche Infiltrate. Neuropathie, Gangliopathie.
Klinik: Kleinhirnsyndrom (Rumpfataxie, Dysmetrie, Dyssynergie (Rebound-Phänomen), Intentionstremor (antagonistisch, proximal, 2-3Hz), Nystagmus, sakkadierte Blickfolge, Oszillopsien, skandierendes Sprechen, Dysarthrie).
A-α-Motoneuron-Erkrankungen
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
amyotrophic lateral sclerosis
Etym.: A myo trophie = Fehlende „Ernährung“ des Muskels. Lateralsklerose = seitliche Vernarbung.
Ep.: Inzidenz 1-2:100.000, Prävalenz 5:100.000
Ät.: 95 % sporadisch (SALS). 5 % familiär (FALS). In 20 % der Fälle von FALS sind die mutierten Gene bekannt, insgesamt 8 Stück. Das wichtigste dieser Gene ist das 1993 gefundene Gen für die zytosolische Cu,Zn-Superoxiddismutase 1 (SOD-1), hier sind mittlerweile mehr als 100 Mutationen bekannt, die meist autosomal-dominant weitergegeben werden. Insgesamt erklären die SOD-1-Defekte aber auch nur weniger als 2 % der ALS-Fälle.
Pg.: Degeneration des 1. motorischen Neurons (Pyramidenbahn, Tractus corticobulbaris) und/oder des 2. Neurons (α-Motoneuron im Vorderhorn des Rückenmarks bzw. im Stammhirn). Die Degeneration ist nicht streng systematroph d.h. hier auf die Motoneurone beschränkt, in 5 % der Fälle findet sich auch eine frontotemporale Demenz.
Makro: Atrophie der vorderen Spinalnervenwurzeln, Atrophie der Vorderhörner, tastbare Sklerosierung der lateral im weißen Rückenmark gelegenen Pyramidenbahn. Evtl. Atrophie des Gyrus praecentralis.
Mikro: Degeneration der Vorderhorn-Motoneurone (Neuronopathie). In der Markscheidenfärbung ist die Atrophie der Pyramidenbahn sichtbar. Mikro Muskel: Neurogene Muskelatrophie (gruppierte Myozytenatrophie der betroffenen motorischen Einheiten), reaktive Hypertrophie nicht betroffener Muskelzellen.
Prg.: Meist rasch progredient, letal (CO2-Narkose im respiratorischen Versagen), mittlere Überlebenszeit nach Diagnose ca. 3 Jahre, selten bis zu 15 Jahren und länger (Bsp. Stephen Hawking, bekannter Physiker).
Weblink: OMIM - Amyotrophic lateral sclerosis
Hereditäre spastische Paraparese (HSP)
Pg.: Schädigung des oberen Motoneurons.
Spinale Muskelatrophie (SMA)
Spinal muscular atrophy
Erkrankungen mit Untergang der (unteren) α-Motoneurone
- Typ I - WERDNIG-HOFFMAN (Akute infantile SMA) - Erstes Lebensjahr
- Typ II - Chronische infantile SMA (Intermediäre SMA) - Erstes Lebensjahr
- Typ III - KUGELBERG-WELANDER (Juvenile SMA) - Kindesalter
- Typ IV - Adulte Form
Weblinks: OMIM - SMA 1, SMA 2, SMA 3, SMA 4
Prionenerkrankungen
Ät.: Genetisch (Prion-Protein-Mutation), spontan, infektiös (chirurgische Instrumente, Cornea- und Duratransplantation, Kuru, BSE-Übertragung durch Tiermehlverfütterung)
Pg.: Physiologisch im Körper vorkommende, aber fehlgefaltete Proteine mit gesteigerter Ausbildung von Beta-Faltblattstrukturen und Neigung zur Polymerisation bilden wasserunlösliche, protease- und lösungsmittelresistente Ablagerungen. Die Prion-Partikel können richtig gefaltete Proteine umfalten und dadurch eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen.
Mikro: Spongiöse Veränderungen, astrozytäre Gliose, evtl. Ablagerungen wie Amyloid (Gertmann-Sträussler-Scheinker-Erkrankung), Kuru-Plaques (Kuru) und floride Plaques.
Weblink: http://www.prionforschung.de/
CREUTZFELDT-JAKOB-Krankheit (CJD)
Ep.: Mittleres Lebensalter.
Mikro: Spongiforme Gewebsauflockerung durch Neuronentod, Astrozytenvermehrung (Gliose).
Makro: Hirnatrophie mit Ventrikelerweiterung.
Liquor: Protein 14-3-3, τ-Protein, NSE, S-100.
Klinik: Uncharakteristische Prodromi, rasche Demenzentwicklung, EPM-Symptome (Myoklonien, Rigor), Paresen, EEG-Veränderungen.
Prg.: Tod meist innerhalb eines Jahres.
Neue Variante der CREUTZFELDT-JAKOB-Krankheit (nvCJD)
Ät.: Vermutlich BSE-assoziiert, Übertragung auch über Bluttransfusionen[3]
Klinik: Unterschiede zur klassischen CJD: früherer Beginn (18 - 41 Lj.), längerer Verlauf, mit psychiatrischen Symptomen, keine EEG-Anomalien, Strukturunterschiede.
Sonstiges
Einseitige Hippocampus-Sklerose
Klinik: Temporallappenepilepsie
Weblinks
Quellen
- ↑ Rogaeva E et al. “The neuronal sortilin-related receptor SORL1 is genetically associated with Alzheimer disease”. Nat Genet, Epub Jan 14 2007. DOI:10.1038/ng1943. PMID:17220890
- ↑ Höglinger GU et al. “The pRb/E2F cell-cycle pathway mediates cell death in Parkinson's disease”. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, [Epub Feb 21 2007]. DOI:10.1073/pnas.0611671104.
- ↑ ?. “Clinical presentation and pre-mortem diagnosis of variant Creutzfeldt-Jakob disease associated withblood transfusion”. The Lancet, 368(9552):2061-2067, Dec 2006. - rme. “Großbritannien: Dritter Patient nach Bluttransfusion an vCJD gestorben”. Deutsches Ärzteblatt, Dez 8 2006.
Tumoren des Nervensystems
In diesem Kapitel finden Sie die Tumoren des Nervensystems, sortiert nach der Klassifikation der WHO (2000).
Allgemeines
Klassifikation nach Lokalisation:
- Intraaxial (im Hirnparenchym) - extraaxial (außerhalb der Pia mater)
- Infratentoriell (Rautenhirn) - supratentoriell (Großhirn)
Korrelation mit der Altersverteilung:
- Kinder: I. Allg. eher infratentoriell - Pilozytisches Astrozytom, Medulloblastome, Ependymome
- Erwachsene: Eher supratentoriell - Astrozytome, Oligodendrogliome, Meningeome, Metastasen
Klassifikation nach der Dignität: Die WHO teilt Hirntumoren in verschiedene Malignitätsgrade ein.
Klassifikation nach Histopathologie (WHO):
- Neuroepitheliale Tumoren
- Tumoren der peripheren Nerven
- Tumoren der Meningen
- Keimzelltumoren
- Tumoren der Sellaregion
- Metastatische Tumoren
Einteilung in Ausbreitungsmuster:
- Diffus-infiltrativ: Astrozytome und Oligodendrogliome ab °II, Gliomatosis cerebri, primäre ZNS-Lymphome.
- Lokalisiert: Pilozytisches Astrozytom, pleomorphes Xanthoastrozytom, Astroblastom, Ependymom, Choroidplexuspapillom, Hämangioblastom u.a.m.
Klinik: Morgendliche Kopfschmerzen mit Übelkeit und schwallartigem Erbrechen (Hirndruck, Dehnung der Meningen) mit Reaktion auf Liquordruckschwankungen (Aufsetzen, Bücken, Pressen). Epileptische Anfälle (in 50 % Erstsymptom), zerebrale Herdsymptome, Zeichen der Einklemmung.
Neuroepitheliale Tumoren
Astrozytome
Astrozytome leiten sich histomorphologisch von den Astrozyten ab und stellen die häufigsten Neoplasien des ZNS dar, gefolgt von den Hirnmetastasen und den Meningeomen. Grad I-Astrozytome (pilozytische Astrozytome) stellen eine eigene Entität dar. In die Grade II bis IV werden die restlichen Astrozytome - nach der Diagnose eines Astrozytoms - nach 4 Kriterien eingeteilt:
1) Kernatypien, 2) Mitosen, 3) Mikrovaskuläre Proliferation, 4) Nekrosen.
WHO-Grading des Astrozytome:
| Astrozytom °I | (Juveniles) Pilozytisches Astrozytom | |
| Astrozytom °II | Diffuses Astrozytom | 1 Kriterium trifft zu |
| Astrozytom °III | Anaplastisches Astrozytom | 2 Kriterien treffen zu |
| Astrozytom °IV | Glioblastom | 3 oder 4 Kriterien treffen zu |
SF:
- Pleomorphes Xanthoastrozytom
- Subependymales Riesenzellastrozytom
Weblinks: KEGG: Glioma - Homo sapiens (human)
Pilozytisches Astrozytom (Astrozytom WHO °I)
Syn.: Low grade Astrozytom, juveniles pilozytisches Astrozytom (JPA)
Ep.: Kinder und Jugendliche.
Lok.: Kleinhirn, Chiasma opticum/Sehnerv, Hirnstamm.
Mikro: Biphasisches Muster, ROSENTHAL'sche Fasern, eosinophile Granularkörperchen (rundliche, ovale oder nierenförmige eosinophile Objekte), haarbüschelartiges Pilem, hyaline Gefäße.
Makro: Eher lokalisiert.
BG.: KM-affin.
Prg.: Gut, wenn operabel.
SF: Pilozytisches tectales Gliom, umschrieben, KM-affin.
Diffuses Astrozytom (Astrozytom WHO °II)
Ep.: Häufigkeitsgipfel bei jungen Erwachsenen
Lok.: Meist in den Großhirnhemisphären (bei Kindern häufiger im Hirnstamm oder Thalamus).
Mikro: Diffuse Hyperzellularität, Kernatypien, astrozytäre Differenzierungsmerkmale
Subtypen:
- Fibrilläres Astrozytom
- Protoplasmatisches Astrozytom
- Gemistozytisches Astrozytom
IHC: MIB-1 +/- 2 % (Proliferationsmarker)
Makro: Diffuser Prozess ohne klare Abgrenzung. In Kortex-Nähe Auflösung der sichtbaren Mark-Rinden-Grenze. Im Hirnstamm gelegene Tumoren führen zur diffusen Vergrößerung mit Vergröberung des Oberflächenreliefs und evtl. Umschließung der A. basilaris.
MRT: Keine KM-Aufnahme (außer nach Radiotherapie).
SF: Nicht-pilozytisches tectales Gliom, periaquaedukal, eher diffus, langsam wachsend, nicht KM-affin.
DD.:
- Reaktive Gliose (z.B. bei Demyelinisierung)
- Pilozytisches Astrozytom - Eher lokalisiert, KM-affin!
- Astrozytom °III - + Mitosen (Kriterium 2).
- Gliomatosis cerebri
- Oligodendrogliom
Prg.: Nicht selten nach einigen Jahren Transformation zum Astrozytom °III oder °IV. Sehr ungünstig sind Hirnstamm- und Thalamusgliome.
Anaplastisches Astrozytom (Astrozytom WHO °III)
Ep.: Häufigkeitsgipfel in der 5. Dekade
Lok.: Großhirnhemisphären (bei Kindern auch Hirnstamm oder Thalamus).
Mikro: Stärkere Hyperzellularität, Zunahme der Kernatypien, Mitosen. Keine Gefäßproliferation oder Nekrosen.
IHC: MIB-1 > 3 bis 4 %
MRT: KM-affin!
Prg.: Deutlich ungünstiger als bei Grad °II
Glioblastom (Astrozytom °IV)
Syn.: Highgrade Astrozytom, Glioblastoma multiforme (GBM)
Ep.: Häufigkeitsgipfel in der 6. Dekade aufwärts
Lok.: Meist in den Großhirnhemisphären, bei Kindern häufiger im Hirnstamm.
Mikro: Diffuser infiltrativer Prozess, Hyperzellularität, Endothelproliferate, kommastrichförmige bis geografische Nekrosen (Koagulationsnekrose, betrifft Parenchym und Gefäße, kaum Immunozyten, DD: Infarkt), in deren Randbereich erhöhte Zelldichte mit pallisadenförmiger Anordnung der Zellkerne, Mitosen, keine Nukleolen, fibrillärer Hintergrund. Das histologische Bild ist sehr variabel. Evtl. perivaskuläre Lymphozyteninfiltrate.
IHC: Meist GFAP +, MIB-1 > 9 %
Subspezies:
- Primäres Gliobastom - De novo entstanden
- Sekundäres Glioblastom - Entstanden aus einem präexistenten niedergradigen Astrozytom
SF:
- Riesenzellglioblastom
- Gliosarkom
Makro: Bunte Schnittfläche, diffus infiltrierend, bevorzugt Wachstum entlang von Nervenbahnen (z.B. Corpus callosum), oft zur Gegenseite wachsend (sog. Schmetterlingsglioblastom), expandierend.
BG.: Ring- oder guirlandenförmiges KM-Enhancement (höchste Zelldichte) mit zentraler Nekrose und perifokalem Ödem (entspr. der Tumorinfiltration). (DD.: Abszess, Metastase)
Prg.: nicht heilbar, Lebenserwartung je nach Therapie zwischen Monaten und Jahren.
Pleomorphes Xanthoastrozytom
Subependymales Riesenzellastrozytom
Subependymal giant cell astrocytoma (SEGA)
Oligodendrogliome
Ep.: Erwachsenenalter
Lok.: Meist Großhirnhemisphären, bevorzugt kortikal.
Mikro: Monotone Zellen mit kleinen runden Kernen, sichtbaren Nukleolen, häufig artifiziellem perinukleären Halo und sichtbaren Zellgrenzen („Spiegeleier“). Kapillaren begrenzen Tumorzellen und Tumorzellhaufen in geometrischem Muster (Honigwabenstruktur, „chicken wire“). Gleichförmige Zelldichte. Häufig Verkalkungen. Im Kortex können perineuronale Satellitose und perivaskuläre sowie subpiale Akkumulation neoplastischer Zellen auffallen. Evtl. Pallisaden, evtl. mikrozystische Veränderungen, evtl. Minigemistozyten (plumpe astrozytär anmutende Zellen mit eosinophilem hyalinem evtl. fibrillärem Plasma, die allerdings oligotypische montone Kerne und kaum Zellfortsätze aufweisen). In HG-Tumoren zunehmende Pleomorphie und evtl. vaskuläre Proliferation und Nekrosen.
IHC: MIB-1
Makro: Zirkumskript bis diffus. Verwaschene Mark-Rinden-Grenze, expandierendes Wachstum.
WHO-Grading:
- °II: Diffuses Oligodendrogliom
- °III: Anaplastisches Oligodendrogliom
BG: Oft vergleichsweise gut abgegrenzt. Wenig Ödem. Verkalkungen.
Prg.: Bessere Prognose und geringere Progression als beim Astrozytom. Prognostische Faktoren: Patientenalter, Pleomorphie, Zelldichte, Kern-Plasma-Relation, Mitosen, Nekrosen, mikrovaskuläre Proliferation, MIB-1-Index.
Gemischte Gliome
- Oligoastrozytome
- Anaplastische Oligoastrozytome
Ependymale Tumoren
Ependymom
ependymoma
Ep.: Hauptsächlich Kinder
Lok.: Bei Kindern eher am Kleinhirn am Boden des 4. Ventrikels, bei Erwachsenen eher supratentoriell oder Spinalkanal.
Mikro: Perivasale Pseudorosetten, exophytisch wachsend.
Subtypen:
- Zellulär
- Papillär
- Klarzellig
- Tanozytisch
Prg.: Histologisch benigne, aber je nach Lage inoperabel.
Anaplastisches Ependymom
Myxopapilläres Ependymom
Lok.: Häufig am Filum terminale.
Subependymom
Tumoren des Plexus choroideus
Plexuspapillom
Plexuskarzinom
Gliale Tumoren unbekannter Herkunft
Astroblastom
Gliomatosis cerebri
Chordoidgliom des 3. Ventrikels
Neuronale und gemischt neuronal-gliale Tumoren
Gangliozytom
Dysplastisches Gangliozytom des Kleinhirns
Desmoplastisches infantiles Astrozytom/Gangliogliom
Dysembryoplastischer neuroepithelialer Tumor
Gangliogliom
Anaplastisches Gangliogliom
Zentrales Neurozytom
Zerebelläres Liponeurozytom
Paragangliom des Filum terminale
Neuroblastische Tumoren
Olfaktorius-Neuroblastom
Olfaktorius-Neuroepitheliom
Sympathisches Neuroblastom
Phäochromozytom
Siehe im Kapitel Endokrinium.
Tumoren des Pinealis (Parenchym)
Pineozytom
Pineoblastom
Intermediär differenzierter Pinealistumor
Papillärer Tumor der Pinealisregion
Embryonale Tumoren
Medulloepitheliom
Ependymoblastom
Medulloblastom
medulloblastoma
Ep.: V.a Kleinkinder
Ursprung: Gehört zur Gruppe der zentralen primitiven neuroektodermalen Tumoren (zentrales PNET).
Lok.: Kleinhirnwurm, axial.
Makro: Mitteliniennah, bunte Schnittfläche.
Mikro: Knotig, zellreich, viele Mitosen. Primitive, kleine, runde, blaue Zellen.
Subtypen:
- Desmoplastisches Medulloblastom
- Großzelliges Medulloblastom
- Medullomyoblastom
- Melanotisches Medulloblastom
Kompl.: Kerzenwachsartige Abtropfmetastasen z.B. an der Cauda equina.
Prg.: Früher letal, heute deutlich bessere Prognose (Polychemotherapie).
DD: „Kleine, blaue Zellen“: U.a. Lymphozyten, Lymphom, EWING-Sarkom/peripherer PNET, kleinzelliges Karzinom, kleinzellige Varianten anderer Tumoren.
Supratentorielle primitive neuroektodermale Tumoren (PNET)
Zu den supratentoriellen PNET gehören das Neuroblastom und das Ganglioneuroblastom
Neuroblastom
Sympathischer neuroektodermaler Tumor
Ep.: 80 % treten vor dem 5. Lebensjahr auf.
Lok.: Nebenierenmark, Grenzstrang
Makro: Expansiv, abgekapselt
Mikro: Differenzierte Ganglienzellen, neoplastische Schwannzellen
Ganglioneuroblastom
Mikro: Alle ganglialen Übergangsformen
Atypischer teratoider/rhabdoider Tumor
Tumoren der peripheren Nerven
Schwannzelltumoren
Syn.: Schwannom, Neurinom
Tumor der Schwannzellen (periphere Markscheidenglia)
Makro: Fischfleischartig, weich, blass
Mikro: Kerne länglich ausgezogen
- Antoni-A-Muster: In länglichen Zügen angeordnet (fischzugartig, Lattenzaunmuster)
- Antoni-B-Muster: Aufgelockerter, myxoider, weniger Zellen
Subtypen:
- Zellulär
- Plexiform
- Melanotisch
SF: Akustikusneurinom - Schwannom des N. vestibularis (HN VIII). Gehäuft bei Neurofibromatose 2 (dann meist beidseitig). Kl.: Hypakusis, Schwindel, Gleichgewichtststörung, periphere Fazialisparese ipsilateral, Geschmacksstörungen.
Neurofibrom
Benigne Tumoren peripherer Perineuralzellen
- Sporadisch
- Neurofibromatose Typ 1 (Morbus VON RECKLINGHAUSEN) (erblich)
- Cafe-au-lait-Flecken
- Multiple sich mit dem Alter entwickelnde periphere Neurofibrome
- Neurofibromatose Typ 2 (erblich)
- Zentrale Neurinome, z.B. beidseitiges Akustikusneurinom (s.o.), Meningeome (Merke: MISM - Multiple intrakranielle Schwannome und Meningeome).
Subtyp:
- Plexiformes Neurofibrom
Siehe auch unter Phakomatosen
Perineuriome
- Intranneurales Perineuriom
- Weichteil-Perineuriom
Maligne periphere Nervenscheiden-Tumoren (MPNST)
- Epitheloides MPNST
- MPNST mit divergierender mesenchymaler und/oder epithelialer Differenzierung
- Melanotisches MPNST
- Melanotisch psammomatöses MPNST
Tumoren der Meningen
Meningotheliale Tumoren (Meningeome)
Ursprung: Arachnoidea
Makro: Gut abgegrenzter, an der Dura haftender Tumor.
Mikro: Klassisch Zwiebelschalenkonfigurationen = konzentrische Schichtungsfiguren, Verkalkungen (Psammom-Körperchen), uniformes Zellbild.
WHO-Grading:
- °I: Gut differenziertes Meningeom
- °II: Transitionales/intermediäres Meningeom
- °III: Anaplastisches Meningeom
Subtypen:
- Meningothelial
- Fibrös (fibroplastisch)
- Transitional (gemischt)
- Psammomatös
- Angiomatös
- Mikrozystisch
- Sekretorisch
- Lymphoplasmazyten-reich
- Metaplastisch
- Klarzellig
- Chordoid
- Atypisch (WHO °II)
- Papillär
- Rhabdoid
- Anaplastisch (WHO °III)
Prg.: Je nach Grading und Lokalisation (problematisch: Tuberkulum sellae, Clivus, lateraler Keilbeinflügel)
Mesenchymale, nicht-meningotheliale Tumoren
- Lipom
- Angiolipom
- Hibernom
- Liposarkom (intrakraniell)
- Solitärer fibröser Tumor
- Fibrosarkom
- Malignes fibröses Histiozytom
- Leiomyom
- Leiomyosarkom
- Rhabdomyom
- Rhabdomyosarkom
- Chondrom
- Chondrosarkom
- Osteom
- Osteosarkom
- Osteochondrom
- Hämangiom
- Epitheloides Hämangioendotheliom
- Hämangioperizytom
- Angiosarkom
- Kaposi-Sarkom
Primäre melanozytäre Läsionen
- Diffuse Melanozytose
- Melanozytom
- Maligne Melanome
- Meningeale Melanomatose
Tumoren unklarer Histogenese
- Hämangioblastome
Kapilläres Hämangioblastom
Syn.: LINDAU-Tumor
Ät.: VON-HIPPEL-LINDAU-Syndrom (s.o.)
Mikro: Kapillarreich, plasmatische helle Zellen.
Makro: wandständiges Gefäßknäuel (sogenannter Nidus) in einer Pseudozyste.
BG: Pseudozyste mit wandständigem KM-affinem Nidus, Pseudozystenwand ohne KM-Aufnahme.
Prg.: gut, wenn operabel
DD: Klarzelliges Nierenzellkarzinom
Lymphome und hämatopoetische Neoplasien
- Maligne Lymphome
- Plasmozytom
- Granulozytisches Sarkom
Keimzelltumoren
Germinom
Suprasellärer Pinealistumor
Verh.: Hochmaligne, früher immer letal
Germinome/Seminome kommen entlang der embryonalen Keimzellanlagen vor: Pinealis (Epiphyse), hinteres Mediastinum, retroperitoneal, Keimdrüsen
Klinik.: Evtl. Kopfschmerzen, Diabetes insipidus
Embryonales Karzinom
Dottersacktumor
Chorionkarzinom
Teratom
Subtypen:
- Reifes Teratom
- Unreifes Teratom
- Teratom mit maligner Transformation
Gemischte Keimzelltumoren
Tumoren der Sellaregion
Kraniopharyngeom
Ep.: Vorwiegend Kinder
Ursprung: Plattenepithelreste der Rathke-Tasche (Embryologische Einstülpung des embryonalen Vorderdarms als Anlage der Adenohypophyse).
Lok.: Suprasellär (Im Bereich der Sella turcica)
Makro: Zystischer Tumor mit maschinenölartiger Flüssigkeit in den Zysten.
Mikro: Benigne basaloide Zellen, fibröses Material, u.U. Tumorzapfen im benachbarten Hirngewebe, Gliose mit reaktiven Rosenthalfasern im Nervengewebe.
Subtypen:
- Adamantinomatös
- Papillär
Klinik: Sehstörungen (typisch bitemporale Hemianopsie), Wachstumsstillstand (STH-Mangel), Schwäche (ACTH-Defizit) und Blässe (MSH-Defizit), Polydipsie und Polyurie (ADH-Defizit).
Granularzelltumor
Metastatische Tumoren
Ursprung:
- Bronchialkarzinom (50 %)
- Mammakarzinom (15 - 20 %)
- Melanom/gastrointestinal/urogenital (5 - 10 %)
Mikro/Makro: „Karzinomnarbe“, oft subkortikal an der Rinden-Mark-Grenze, ggf. Meningeosis carcinomatosa, Histologie entsprechend dem Ursprungsgewebe, perifokales Ödem.
Noch einzuordnen:
Optikusgliom
Formen:
- Pilozytisches Astrozytom
- Neurofibromatose
Mikro: Rosenthalfasern (nicht-reaktiv)
Literatur
- World Health Organisation Classification of Tumours - Pathology & Genetics - Tumours of the Nervous System. IARCPress.
Wirbelsäule und Myelon Nervensystem
KLIPPEL-FEIL-Syndrom
Angeborene zervikale Blockwirbelbildung
Laterale Skoliose
Ät.:
- Angeboren
- Post-Polio-Syndrom
- ...
Bandscheibenvorfall
Ep.: Mittleres Lebensalter.
Lok.: Meist L4/L5 oder L5/S1, seltener zervikal. Austritt nach medial, mediolateral oder lateral. Komprimierte Spinalwurzeln sind meist bei L4/L5 die L5-Wurzel, bei L5/S1 die S1-Wurzel.
Stadien:
- Protrusion - Vorwölbung, Anulus fibrosus noch intakt
- Vorfall - Anulus fibrosus zerrissen, Nucleus pulposus vorgefallen
- Sequester - Freies Bandscheibengewebe im Spinalkanal
Klinik: Schmerzen (Ischialgie), Paresen, Sensibilitätsstörungen und Reflexausfall, evtl. auch Blasen- und Mastdarmstörungen entsprechend der betroffenen Dermatome und komprimierten Strukturen (Myelon, Wurzelkompression), LASÈGUE-Zeichen positiv. Siehe auch Klinik der spinalen und radikulären Läsionen.
Spondylolisthesis
Syn.: Spondylolisthese, Wirbelgleiten
Stadien nach Meyerding:
- °I: Versatz der Wirbelkörper zueinander um weniger als 25 % der Wirbelkörpertiefe
- °II: Versatz um 25 – 50 %
- °III: Versatz um 50 – 75 %
- °IV: Versatz um mehr als 75 %. Der vollständiger Kontaktverlust heißt Spondyloptose.
Klinik: Spondylarthrose, Schmerzen, neurologische Ausfälle
(Chronische) zervikale Myelopathie
Ät.: Primäre oder sekundäre Spinalkanalstenose
Klinik: „Ganzkörperschmerz“, Test: Heben der Arme über die Horizontale und Hüpfen auf einem Bein nicht möglich.
Kompl.: Hohe Querschnittslähmung!
Lumbale Spinalkanalstenose
Ät.: Primäre Enge, sekundäre Verengung durch degenerative Prozesse, Spondylolisthesis usw.
Klinik: Claudicatio spinalis (Lumboischialgie beim Gehen, Stehen, Besserung im Sitzen, Radfahren geht gut).
Entzündliche Erkrankungen
Morbus BECHTEREW (Spondylitis ankylosans)
Siehe im Kapitel Gelenke.
Spondylodiszitis
Ät.: Bakterien (S. aureus), Tbc
Peripheres Nervensystem
Traumatische Nervenläsion und Nervenheilung
Durchtrennung eines peripheren Nerven -> WALLER'sche Degeneration des distalen Axons -> Erholung des proximal gelegenen Neurons -> Auswachsen eines neuen Axons in die Peripherie entlang der stehengebliebenen Markscheiden mit einer Geschwindigkeit von ca. 1 mm/d. Bei korrekt adaptierten Nervenenden oder Suralis-Nerveninterponat finden die Axone wieder zu ihrem ursprünglichen Innervationsgebiet. Anderenfalls wachsen sie ziellos ins Bindegewebe aus und bilden ein Neurom.
Klinik der radikulären Läsionen
| Wurzel | Motorischer Ausfall | Reflexverlust | Sensibler Ausfall (Dermatom) |
|---|---|---|---|
| L3 | Kniestreckung (M. quatriceps femoris) | PSR | Knieregion |
| L4 | Kniestreckung (M. quatriceps femoris) | PSR | Unterschenkelvorderinnenseite, medialer Fußrand |
| L5 | Fuß-Dorsalextension (M. tibialis anterior, M. extensor hallucis longus, M. extensor digitorum longus) und -supination (M. tibialis posterior), Hüftabduktion (M. gluteus medius, positives TRENDELENBURG-Zeichen) | TPR | Unterschenkelvorderaußenseite, Großzehe |
| S1 | Fuß-Plantarflexion (M. triceps surae) | ASR | Wadenrückseite, Ferse, lateraler Fußrand, kleiner Zeh |
Klinik der peripheren Nervenkompressionssyndrome und -läsionen
Hirnnerven:
- Kleinhirnbrückenwinkel-Syndrom - Ausfälle der HN. V, VI, VII, VIII
- Foramen jugulare-Syndrom - Ausfälle der HN. IX, X, XI
- N. okulomotorius (III) - Ptosis, Adduktionschwäche
- N. facialis (VII) - Bei peripherer Läsion ipsilaterale Fazialisparese inklusive Stirn (Hängender Mundwinkel, gestörter Lidschluss mit BELL'schem Phänomen). Zusätzlich können auftreten: Geschmacksstörungen und verminderter Speichelsekretion (Chorda tympani), Hyperakusis (N. stapedius), verminderte Tränensekretion (N. petrosus major).
- N. glossopharyngeus (IX) - Schluckstörungen, Hypästhesie hinteres Zungendrittel.
- N. vagus (X)- Reduzierter Würgereflex, Schluckstörungen, Gaumenparese mit Kulissenphänomen (Aaa-Sagen: Abweichung der Uvula zur nicht-paretischen Seite), Heiserkeit, inspiratorischer Stridor (innere Kehlkopfmuskeln).
- N. laryngeus recurrens / N. laryngeus inferior - Heiserkeit, inspiratorischer Stridor (innere Kehlkopfmuskeln)
- N. accessorius (XI) - Parese von M. trapezius und M. sternocleidomastoideus
Obere Extremität:
- Thoracic-outlet-Syndrom
- Plexus brachialis-Lähmung. Ät.: Geburtsschaden, Motorradunfall.
- Obere Plexuslähmung (ERB-DUCHENNE) - C5-C7 betroffen. Häufigere Form. Kl.: Adduktion, Innenrotation, Pronation durch Lähmung der Schulter- und Oberarmmuskulatur.
- Untere Plexuslähmung (KLUMPKE) - C7-Th1 betroffen. Seltenere Form. Unterarm- und Handlähmung.
- N. accessorius - Kl.: Schultertiefstand, Arm kann nicht über die Horizontale gehoben werden, erschwerte Kopfdrehung zur Gegenseite.
- N. suprascapularis
- N. axillaris - Kl.: Abduktionsparese (M. deltoideus) mit Atrophie, Sensibilitätsausfall Schulter/proximale Oberarmaußenseite.
- N. radialis - Kl.: Fallhand (Ausfall der Unteram-, Hand-, Fingerstrecker), Sensibilitätsausfall, Ausfall des RPR.
- R. profundus n. radialis (Muskelast) - Kl.: Supinator-Logen-Syndrom (Interosseus posterior-Syndrom) - Ausfall der Fingerstrecker (ohne Fallhand), kein sensibles Defizit.
- Ramus superficialis n. radialis (Hautast) - Kl.: Cheiralgia paraesthestica
- Hiatus n. radialis-Syndrom
- N. medianus
- N. interosseus antebrachii - Kl.: Interosseus anterior-Syndrom: Beugeparese der Endglieder D1 und D2 (M. flexor pollicis longus und digitorum profundus), Pronationsschwäche (M. pronator quadratus)
- Karpaltunnel-Syndrom (CTS) - Kl.: Brachialgie paraesthetica nocturna, erschwerte Abduktion und Opposition des Daumens (Flaschenzeichen positiv).
- Pronator teres-Syndrom - Kl.: s.o. + Schwurhand (Ausfall der radialseitigen langen Fingerbeuger)
- N. ulnaris - Kl.: Positives FROMENT-Zeichen (Papierstreifentest, M. adductor pollicis)
- Sulcus ulnaris-Syndrom
- Loge DE GUYON-Syndrom
- N. thoracicus longus - Kl.: Scapula alata (M. serratus anterior)
Untere Extremität:
- N. cutaneus femoris lateralis - Kl.: Meralgia paraesthetica
- N. obturatorius - Kl.: Sensibilitätsstörung handtellergroß am medialen Oberschenkel
- N. femoralis - K.: Hüftbeugeschwäche (M. ileopsoas), Kniestreckschwäche (M. quatriceps femoris)
- N. gluteus superior - Kl.: Hüftabduktorenschwäche (M. gluteus medius und minimus), positives TRENDELENBURG-Zeichen
- N. ischiadicus - Kl.: Piriformis-Syndrom
- N. peronaeus communis - Ät.: Kompression am Fibulaköpfchen
- N. peronaeus superficialis - Kl.: Fußpronationsschwäche (M. peronaeus longus und brevis), Hypästhesie Fußrücken
- N. peronaeus profundus
- Tibialis-anterior-Syndrom - Kl.: Fußheberschwäche (M. tibialis anterior), Hypästhesie zwischen 1. und 2. Zeh. Ät.: Kompartment-Syndrom (Tibialis-anterior-Loge).
- Anteriores Tarsaltunnelsyndrom - Kl.: Hypästhesie zwischen 1. und 2. Zeh.
- N. tibialis
- Kompression im Bereich des Kniegelenks - Kl.: Fußsenkerschwäche (M. triceps surae und tiefe dorsale Wadenmuskeln), Hypästhesie Fußsohle
- (Posteriores) Tarsaltunnelsyndrom
- Morton-Metatarsalgie
- N. peronaeus communis - Ät.: Kompression am Fibulaköpfchen
Facialis-Lähmung
Ät.:
- Zentral: Schlaganfall
- Peripher: Idiopathisch, Zoster oticus, SHT, Hirnbasisprozesse.
Klinik:
- Zentral: Kontralaterale Parese. Stirnrunzeln funktioniert noch, da der Stirnast Afferenzen von beiden Seiten erhält.
- Peripher: Ipsilaterale Fazialisparese inklusive Stirn (Hängender Mundwinkel, gestörter Lidschluss mit BELL'schem Phänomen). Zusätzlich können auftreten: Geschmacksstörungen und verminderter Speichelsekretion (Chorda tympani), Hyperakusis (N. stapedius), verminderte Tränensekretion (N. petrosus major).
N. radialis-Läsion auf Humerusschaft-Höhe
Ät.: Humerusschaftfraktur, Druckschaden durch langes Liegen auf dem Arm z.B. nach Alkoholgenuß („Parkbanklähmung“).
Klinik: Fallhand (Ausfall der Unteram-, Hand-, Fingerstrecker), Sensibilitätsausfall am dorsoradialen Unterarm. Ausfall des Radioperiostreflexes (RPR).
Karpaltunnel-Syndrom (CTS)
Ät.: Idiopathisch, Trauma, Diabetes mellitus, Hämodialyse, chronische Polyarthritis, Schwangerschaft, Myxödem, Akromegalie, Gicht, Ganglien, Zysten, Tendovaginitis stenosans DE QUERVAIN, DUPUYTREN-Kontraktur, akzessorische Muskeln, persistierende A. mediana.
Pg.: Kompression des N. medianus im Karpaltunnel. Betroffene Gebiete an der Hand sind:
- Sensibel: Palmarseitig D1-3, radialseitig D4, dorsalseitig Endphalangen D2-3.
- Motorisch: M. abductor pollicis brevis, M. opponens pollicis, M. flexor pollicis brevis und Mm. lumbricales.
Klinik: Brachialgia paraesthetica nocturna, erschwerte Abduktion und Opposition des Daumens (Flasche kann nicht vollständig umfasst werden: Flaschenzeichen positiv), HOFFMANN-TINELL-Zeichen (Beklopfen des Karpaltunnels -> Dysästhesien), PHALEN-Zeichen (starke Beugung/Streckung im Handgelenk -> Dysästhesien), Thenar-Atrophie.
N. cutaneus femoris lateralis-Läsion
Ät.: Meist Druckschaden des N. cutaneus femoris lateralis („Jeansnerv“), z.B. durch zu enge Jeans.
Klinik: Meralgia paraesthetica (Taubheitsgefühl, Hyperästhesie am lateralen Oberschenkel).
Neuropathien
Ätiologie:
- Hereditär: CHARCOT-MARIE-TOOTH-Erkrankung (CMT, herrditäre motorisch-sensible Neuropathien (HMSN)), hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Druckläsionen (HNPP), hereditäre sensorisch-autonome Neuropathie (HSAN), Lipidosen, primäre Amyloidose, Porphyrie.
- Metabolisch: Diabetes, Hypothyreose, Urämie, Hypovitaminose (B1, B6, B12, Folat)
- Toxisch: Alkohol, Medikamente (Zytostatika, Streptomycin), Schwermetalle, Lösungsmittel
- Vaskulitis: Panarteriitis nodosa, i.R.v. Autoimmunerkrankungen
- Immunpathologisch: Neuralgische Schulteramyotrophie, GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom, chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), i.R. einer monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS), Plasmozytom, Morbus WALDENSTRÖM, Kryoglobulinämie, multifokale motorische Neuropathie (MMN).
- Paraneoplastisch
- Infektiös: Borreliose (Meningopolyradikuloneuritis GARIN-BUJADOUX-BANNWARTH), Diphtherie, Poliomyelitis, Lepra, HSV, CMV, VZV.
Lokalisation der Schädigung:
- Markscheiden: Demyelinisierung (ENG: Verbreiterung, reduzierte NLG) - GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom
- Axon: Axonopathie (ENG: Abnahme der Amplitude) - Alkohol, Lösungsmittel, Chemotherapeutika, Diabetes mellitus
- (Neuron: Neuronopathie - gehört streng genommen zum ZNS)
Betroffene Qualitäten:
- Motorisch - Atrophie, Paresen, Faszikulationen
- Sensibel - Parästhesien, Hypästhesien
- Autonom - Störung der Blasen- oder Mastdarmfunktion, erektile Dysfunktion, trophische Störungen
Verteilungsmuster:
- Klassisch distal-symmetrisch (Handschuh-, sockenförmig), vorwiegend sensibel, eher beinbetont - Bei Diabetes mellitus, Chemotherapie, Vergiftung mit organischen Lösungsmitteln.
- Schwerpunktverteilung - Distal-symmetrisch plus leichtere asymetrische proximale Defizite - Bei immunvermittelten Neuropathien und diabetischer Amyotrophie (Plexusneuropathie).
- Proximal-distal-symmetrisch - Proximale und distale symmetrische Ausfälle - Bei GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom, proximaler Radikuloneuropathie, Motoneuronerkrankungen.
- Mononeuritis multiplex - Mehrere isolierte Einzelnerven betroffen - Bei Vaskulitis
Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
Klassischerweise distal-symmetrisch und betont sensibel (sockenförmig).
Weitere Manifestationen:
- Mononeuropathie: Radikulopathie, Bauchwandparesen (akut, einseitig und schmerzhaft), Hirnnervenläsion (z.B. Abduzensparese).
- Diabetische Amyotrophie (akute, schmerzhafte Plexusläsion, meist des Plexus lumbalis mit kombinierter Hüftbeuger- und Quadrizepsschwäche).
Kompl.: Durch die Gefühlsstörung in den Füßen werden kleine Verletzungen, Nagelinfektionen oder Druckbelastungen (nicht-angepasstes Schuhwerk) häufig zu spät bemerkt. In Kombination mit der meist gleichzeitig bestehenden Mikro- und Makroangiopathie drohen Drucknekrosen (Mal perforans), schlecht heilende Wunden und schwere Infektionen.
GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom (GBS)
Syn.: Akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (AIDP)
Ep.: Inzidenz 1-2/100.000/a
Ät.: Parainfektiös autoimmunologisch
Auslöser: 2/3 viral, bakterielle Infektionen v.a. Campylobacter jejuni
Liquor: Zytoalbuminäre Dissoziation, d.h. Zellzahl normal und Eiweiß erhöht (-> Schrankenstörung).
Klinik: Akute, distal-symmetrisch beginnende und rasch aufsteigende Sensibilitätstörungen, Lähmungen (einschließlich Hirnnerven, evtl. auch Atemmuskulatur und autonome Nerven) und teilweise heftige v.a. nächtliche radikuläre Rückenschmerzen.
Kompl.: Atemlähmung, Komplikationen durch Immobilisierung (Thrombose, Pneumonie, Dekubitus,...)
Prg.: Letalität früher 13 %, heute < 3 %. In 70 % komplette Remission.
SF: MILLLER-FISHER-Syndrom - Pg.: Ak-Bildung gegen das Gangliosid GQ1b. Klinik: Ophthalmoplegie, Ataxie, Areflexie.
Borreliose
Typisch: Polyradikulitis (Meningopolyradikuloneuritis GARIN-BUJADOUX-BANNWARTH). Borrelien können allerdings auch alle anderen Teile des Nervensystems befallen.
Näheres siehe unter Mikrobielle Hauterkrankungen.
Komplexes regionäres Schmerzsyndrom
Syn.: Sympathische Reflexdystrophie, SUDECK-Dystrophie.
Ät.: Gefäß- und Nervenschädigung. Häufiger z.B. nach Radiusfraktur.
Klinik: Schmerzen, Überwärmung/Kühle, Hautverfärbung, Parese. Anfangs entzündlich und schmerzhaft, später schmerzlose Atrophie.
Tumoren des peripheren Nervensystems
Siehe im Kapitel Tumoren des Nervensystems.
Muskel
Grundlagen
Muskuläre Schäden können auf 3 Ebenen verursacht sein:
- Neuron -> Neurogene Muskelatrophie
- Neuromuskuläre Synapse -> Myasthene Syndrome
- Muskel -> Myopathie
Entsprechend des unterschiedlichen Pathomechanismus lassen sich in der Histologie des Skelettmuskels neurogene von myopathischen Schäden unterscheiden.
Histologie des Muskels bei Neuropathie: Elongierte atrophische Fasern, Fasertypengruppierung, feldförmig gruppierte Atrophie (entspr. je einer motorischen Einheit).
Histologie des Muskels bei Myopathie: Disseminierte Degeneration der Myozyten, zentrale Zellkerne, pathologische Kalibervariation, Zunahme von Fett- und Bindegewebe, Spaltbildung.
Neurogene Muskelatrophie
- Spinale Muskelatrophie - Untergang der α-Motoneurone.
- Hereditäre spastische Paraparese (HSP) - Untergang des 1. Neurons.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) - Untergang der α-Motoneurone (2. Neuron) und der Pyramidenzellen (1. Neuron), Auftreten im Erwachsenenalter.
Myasthene Syndrome
Myasthenia gravis
Ep.: Prävalenz: 10/100.000, Inzidenz: 0,3-0,4/100.000/a.
Ät.: Polyklonale Autoantikörper gegen die α-Untereinheit nikotinerger ACh-Rezeptoren vom Muskeltyp (> 90 %) oder gegen MuskR (10 %). (MuskR ist eine muskelspezifische Rezeptortyrosinkinase, die für das Clustering der ACh-Rezeptoren zuständig ist.)
Ät. und Pg. der Autoantikörperbildung:
- Primäre Autoimmunerkrankung - Ät./Pg.: Im Thymus finden sich deplazierte ACh-Rezeptor-tragende Myoidzellen und ebenfalls deplazierte Keimzentren, also B-Zellen (lymphofollikuläre Hyperplasie) -> Antikörperinduktion gegen ACh-Rezeptor. Ep.: Bevorzugt junge Frauen, Assoziation mit HLA A1, B8, D33 und anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis und rheumatischer Endokarditis.
- Paraneoplastisches Syndrom - Ät./Pg.: Epithelialer Thymustumor mit Expression ACh-Rezeptor-ähnlicher Oberflächenmoleküle -> Antikörper gegen ACh-R-Antikörper. Ep.: Bevorzugt ältere Männer, HLA DR2.
Pg.: Anti-Nikotinrezeptor-Antikörper, anti-MuskR-Antikörper
- -> Abdeckung der ACh-Bindungstasche
- -> Kreuzvernetzung der Rezeptoren -> Internalisierung und Abbau
- -> Komplementaktivierung
Mikro: Endomysiale Lymphozytenansammlungen.
Klinik: Betroffen sind vorwiegend Augen (Doppelbilder, Ptose (SIMPSON-Test: Zunahme der Ptose beim Versuch länger nach oben zu schauen), Abduktionsdefizit), Gesicht (Facies myopathica), Kaumuskeln und Oropharynx (Kauschwäche). Am restlichen Körper ist die Muskelschwäche proximal betont und betrifft die Arme stärker als die Beine. Zunahme im Tagesverlauf. Myasthene Krise: Näselende Dysarthrie, Schluckstörungen, Atemschwäche. Ansprache auf Cholinesterase-Hemmer (Edrophoniumchlorid, Prostigmin).
SF.: Transiente neonatale Myasthenie - Betrifft 10 - 20 % der Neugeborenen von Müttern mit Myasthenie. Ät.: Diaplazentar erworbene Antikörper.
Weblink: OMIM - Myasthenia gravis
Kongenitale Myasthenie
Genetisch, sehr selten.
LAMBERT-EATON-Syndrom (LEMS)
Ät.: Autoantikörper gegen präsynaptische Ca2+-Kanäle. In 60 % paraneoplastisch (kleinzelliges Bronchialkarzinom), 40 % idiopathisch.
EM.: Verlust der Doppelreihen (Typ. Anordnung der Ca2+-Kanäle), Rarifizierung.
Klinik: Beinbetontes myasthenes Syndrom (Treppensteigen!), autonom-anticholinerge Störungen (z.B. Mundtrockenheit). Anders als bei der Myasthenie kann eine wiederholte Innervation die Muskelkraft kurzfristig erhöhen (Fazilitation).
Myopathie
Myotonia congenita Thomsen
Myotonia congenita Becker
Myotone Muskeldystrophie (Morbus CURSCHMANN-STEINERT)
Ep.: 5-10/100.000 (häufigste Muskelerkrankung im Erwachsenenalter)
Ät.: Instabile Expansion eines CTG-Trinukleotid-Repeats in der 3' nicht-translatierten Region des Myotonin-Protein-Kinase DMPK-Gens auf dem langen Arm von Chromosom 19 -> Generalisierter Membrandefekt mit erhöhter Natrium- und reduzierter Chloridleitfähigkeit.
Genetik: Autosomal-dominant mit hoher Penetranz, Repeat-Verlängerung v.a. bei maternaler Transmission. Antizipation.
Repeat-Muster:
- Normalbevölkerung: 4 - 30 CTGs
- „Prämutation“: 50 - 200 Tripletts, keine oder nur milde klinische Symptome.
- Manifestation: > 200 CTGs
- Kongenitale Form: > 1000 Tripletts im mutierten DMPK-Allel.
Mikro: Myopathisch.
Klinik: Progressive Myotonie, distal-extensorenbetont sowie facial (Facies myotonica). Evtl. auch Cataracta myotonica, Herzrhythmusstörungen, endokrine Störungen (Hodenatrophie, ovarielle Dysfunktion, Thyreose), geistige Retardierung, Beteiligung der glatten Muskulatur des Verdauungstrakts.
Formen: Kongenital - klassisch - milde.
Weblink: OMIM - Dystrophia myotonica
Muskeldystrophie DUCHENNE (DMD)
Ep.: 1:3500 Jungen. Beginn vor dem 5. Lebensjahr.
Ät.: Mutation im Dystrophin-Gen (Expression in Herz, Hirn, Muskel), 2/3 der Fälle Deletion. Kein brauchbares Genprodukt.
Genetik: X-chromosomal-rezessiv. 50-60 % de novo, 30 % ererbt von der Mutter, 10 % Keimzellmosaik.
Klinik: Proximale Muskelschwäche, initial besonders der unteren Extremität. Aufstehen aus der Hocke nur möglich mit auf den Oberschenkeln aufgestützten Händen (GOWER-Zeichen, Schwäche der glutealen Muskulatur). Progredienter Muskelschwund ab Kleinkindalter, Gangunsicherheit, Muskelschwäche, „Gnomenwaden“ (Pseudohypertrophie), Serum-CK stark erhöht (>10x), Kontrakturen, gelegentlich geistige Retardierung.
Mikro: Myopathisch. Fehlender Dystrophin-Nachweis.
Prg.: Meist vor dem 13. Lebensjahr Rollstuhlpflichtigkeit und letale kardiorespiratorische Insuffizienz vor dem 20. Lebensjahr. Die Möglichkeit einer hauslichen, nicht invasiven Beatmung kann die Lebenserwartung signifikant erhöhen und die Lebensqualitaet deutlich verbessern.
Weblink: OMIM - Duchenne muscular dystrophy
Muskeldystrophie BECKER-KIENER (BMD)
Ep.: Seltener als DMD.
Ät.: Mutation im Dystrophin-Gen (Expression in Herz, Hirn, Muskel), verändertes Genprodukt mit Restfunktion.
Genetik: X-chromosomal-rezessiv.
Klinik: Progrediente Muskelschwäche, Verlauf langsamer und milder als bei DMD
Weblink: OMIM - Becker muscular dystrophy
Gliedergürteldystrophie
limb-girdle muscular dystrophy (LGMD)
Ep.: Prävalenz: 0,5-7/100.000
Ät.: Heterogen. Ursachen können sein Defekte von Sarkoglycanen, Calpain-3, Myotilin, Lamin A/C, Dysferlin, Caveolin-3, Telethonin, Fukutin- „related“- Protein oder Titin.
Genetik: Heterogen, häufig autosomal-rezessiv, aber auch autosomal-dominant.
Mikro: Myopathisch. Spezialfärbungen entsprechend der Ursache.
Klinik: Heterogenes Krankheitsbild mit variablem Beginn. Proximal betonte Muskelschwäche, meist des Beckengürtels, seltener des Schultergürtels (10 %). Kontrakturen, Kardiomyopathie.
Einteilung der Gliedergürteldystrophien nach Mortier[1]
| Typ | Genort | Betroffenes Genprodukt | Erbgang | Manifestations- alter (Jahre) | Leitsymptome | Prognose |
|---|---|---|---|---|---|---|
| LGMD 1A | 5q22-q34 | Myotilin | aut.-dom. | 18-35 | Schwäche hüftnaher Beinmuskeln, Jahre später sind Armmuskeln betroffen; Schwäche von Gesichts- und Schlundmuskeln bei 20 %, Dysarthrie bei 25 %. | Rollstuhlabhängigkeit etwa 20 Jahre nach Beginn, meist normale Lebenserwartung. |
| LGMD 1B | 1q11-21 | Lamin A/C | aut.-dom. | 4-30 | Schwächen in Hüft- und hüftnahen Oberschenkelmuskeln, in zwei Drittel der Fälle Reizüberleitungsstörungen des Herzen und evtl. dilatative Kardiomyopathie. | Lebenslange Gehfähigkeit, jedoch Risiko des plötzlichen Herztods um 50-60 Jahre. |
| LGMD 1C | 3p25 | Caveolin-3 | aut.-dom. | 2-20-70 | Stammnahe Muskelschwäche, Wadenkrämpfe, Wadenpseudohypertrophie. | Wahrscheinlich lebenslange Gehfähigkeit und normale Lebenserwartung. |
| LGMD 1D | 6q23 | nicht bekannt | aut.-dom. | 20-25, selten unter 20 | Herzrhythmusstörungen und Kardiomyopathie, später zusätzliche stammnahe Muskelschwächen. | Plötzlicher Tod durch AV-Block, ventrikuläre Tachykardie oder Kardiomyopathie möglich. |
| LGMD 1E | 7q | nicht bekannt | ? | 10-30 | Hüftnahe Beinmuskelschwäche | |
| LGMD 1F | 7q32.1-32.2 | nicht bekannt | aut.-dom. | unter 1-58 | Beckengürtel-, Schultergürtelmuskelschwäche | |
| LGMD 1G | 4q21 | nicht bekannt | aut.-dom. | 30-47 | Beckengürtel-, Schultergürtelmuskelschwäche | |
| LGMD 2A | 15q15.1-21.1 | Calpain-3 | aut.-rez. | 3-10-30 | Schwäche der Hüft- und Oberschenkelmuskeln, auch Rumpfmuskulatur betroffen, Schultermuskulatur oft 2-5 Jahre später, häufig auch Kontrakturen im Bereich der Wirbelsäule, Fußgelenke, Ellenbogen und Hände. | Rascher oder langsamer Verlauf, entsprechend Tod um 20. Lebensjahr möglich, sonst in der 8. Lebensdekade, früher Beginn bedeutet nicht automatisch rasches Fortschreiten. |
| LGMD 2B | 2p13 | Dysferlin | aut.-rez. | 13-22-35 | Schwäche vor allem der hinteren Hüft- und hüftnahen Oberschenkelmuskeln, 25 % Wadenpseudohypertrophie, 2-10 Jahre später Schultermuskelschwäche. | Rascher oder langsamer Verlauf, in etwa 30 % Gehfähigkeit bis 26-54 Jahren, sonst bis 8. Dekade. |
| LGMD 2C | 13q12 | γ-Sarkoglykan | aut.-rez. | 3-12 | Muskelschwäche im Beckengürtel früher als im Schultergürtel, frühe Wadenpseudohypertrophie, später möglicherweise Gesichtsmuskeln betroffen. | Gehfähigkeit in 25 % 10-15 Jahre, 50 % 15-20 Jahre, 25 % über 20 Jahre, Tod im zweiten Lebensjahrzehnt möglich. |
| LGMD 2D | 17q12-q21 | α-Sarkoglykan | aut.-rez. | 1-16, später | Zunehmende Muskelschwächen im Beckengürtel und Oberschenkel mit verspäteten Gehbeginn oder unsicherem Gang ähnlich wie bei Muskeldystrophie Typ Duchenne. | Rascher oder langsamer Verlauf, Gehfähigkeit bis 16-30 Jahre oder später, vorzeitiger Tod bei raschem Verlauf möglich. |
| LGMD 2E | 4q12 | β-Sarkoglykan | aut.-rez. | 3-12 | Beckengürtel eher betroffen als Schultergürtel, Wadenpseudohypertrophie | Rascher oder langsamer Verlauf, Gehfähigkeit 9-14 Jahre oder bis 38 Jahre, Tod im 2.-3. Lebensjahrzehnt möglich. |
| LGMD 2F | 5q33-q34 | δ-Sarkoglykan | aut.-rez. | 4-10 | Zunehmende Muskelschwächen im Beckengürtel und Oberschenkel mit verspäteten Gehbeginn oder unsicherem Gang ähnlich wie bei Muskeldystrophie Typ Duchenne, Gesichtsmuskeln möglicherweise betroffen, Wadenhypertrophie. | Rasches Fortschreiten mit Gehfähigkeit 9-16 Jahre, Tod am Ende des ersten oder im zweiten Lebensjahrzehnt möglich. |
| LGMD 2G | 7q11-q12 | Telethonin | aut.-rez. | 9-15 | Neben Hüft- und Oberschenkelmuskelschwäche auch Unterschenkelmuskeln und Arm/Schultermuskeln betroffen. | Lange Gehfähigkeit bis 18-25 Jahre nach Beginn. |
| LGMD 2H | 9q31-q34 | Vermutlich E3- Ubiquitin- Ligase | aut.-rez. | 1.-3. Dekade | Beckengürtel eher betroffen als Schultergürtel, möglicherweise Nacken- oder Rückenschmerzen. | Gehschwierigkeiten mit 37-46 Jahren, Rollstuhlabhängigkeit im siebten Lebensjahrzehnt. |
| LGMD 2I | 19q13.3 | Fukutin- „related“- Protein | aut.-rez. | 1.-4- Dekade | Zunächst Schwäche der Hüft- und Oberschenkelmuskeln, später der Schulter- und Oberarmmuskeln, Wadenpseudohypertrophie, Muskelschmerzen bei Belastung, Muskelfaserzerfall (Rhabdomyolyse). | Sehr unterschiedlicher Verlauf, Gehfähigkeit meist bis 30 Jahre. |
| LGMD 2J | 8q24 | Titin | aut.-rez. | 1.-3. Dekade | Muskelschwäche und –atrophie der Hüft- und hüftnahen Oberschenkelmuskeln. | Gehverlust im 3.-5. Lebensjahrzehnt. |
Fazioskapulohumerale Dystrophie
Genetik: Autosomal-dominant (4q35).
Mikro: Myopathisch
Klinik: Variabler Beginn. Proximaler Schwerpunkt bevorzugt im Bereich von Gesicht, Schultern und Oberarm, evtl. auch des Oberschenkels. Hypertrophie des M. orbicularis oris, evtl. Hörstörungen.
Prg.: Sehr variabler Verlauf. Evtl. Verlust der Gehfähigkeit oder respiratorische Insuffizienz.
Weblink: OMIM - Facioscapulohumeral muscular dystrophy
Hereditäre metabolische Myopathie
Energiedeckung des Skelettmuskels unter Belastung in folgender Reihenfolge: 1) ATP 2) Creatinphosphat 3) Glucose 4) Fettsäuren.
Klinische Unterscheidung zweier großer Gruppen:
- Störungen der Glycogenolyse (GSD II, III, V), der Glycolyse und der Gluconeogenese - Beschwerden in der Anfangsphase muskulärer Belastung, Besserung bei Fortsetzung („second wind“).
- Defekte der Fettsäureoxidation - Beschwerden nach längerer Belastung.
Glykogenosen
Morbus POMPE (Glykogenose Typ II)
Ät.: Das Fehlen der lysosomalen sauren α-1,4-Glucosidase (saure Maltase) führt zur Speicherung von Glykogen in Herz, Muskel, Hirn, Blutzellen und Zunge (die Niere ist frei).
Genetik: Als Ursache können verschiedene Mutationen mit unterschiedlicher enzymatischer Restaktivität vorliegen, daraus resultieren verschiedene Manifestationsalter (frühinfantil, spätinfantil, juvenil, adult).
Klinik: Im Vordergrund stehen eine ausgeprägte Muskelhypotonie und hypertrophische Kardiomyopathie, schwere Atemnot und kardiorespiratorische Störungen. Die frühinfantile Form führt zum floppy infant mit Trinkschwäche. Wichtig: Seit 2006 Enzymersatztherapie möglich!
Weblink: OMIM - Glycogen storage disease II
Morbus CORI (Glykogenose III)
Ät.: Defekt der Amylo-1,6-Glucosidase.
Klinik: Hepatosplenomegalie, Muskelhypotonie, Hypoglykämie
Weblink: OMIM - Glycogen storage disease III
Morbus MC ARDLE (Glykogenose Typ V)
Ät.: Defekt der Glycogen-Phosphorylase (Phosphorylase a).
Weblink: OMIM - Glycogen storage disease type V
Rhabdomyolyse
Ät.:
- Stoffwechseldefekte
- Mc Ardle-Krankeheit (GSD V) - Defekt der Glykogen-Phosphorylase, ein Enzym des Glykogen-Abbaus.
- Ischämie, Reperfusions-Syndrom, Kompartment-Syndrom
- Alkoholexzesse
- Medikamente (Statine)
- Maligne Hyperthermie - Ät.: Inhalationsanästhetika, depolarisierende Muskelrelaxantien (Suxamethonium)
Pg.: Schädigung von Skelettmuskelzellen mit Freisetzung von Zellproteinen (Kreatinkinase, Myoglobin u.a.).
Klinik: Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Myoglobinurie (dunkler Urin).
Kompl.: Akutes Nierenversagen
Myositis
Myositiden (Myositis, Dermatomyositis, Polymyositis)
Ät.: Mikroorganismen, autoimmunologisch (idiopathisch oder i.R. eines paraneoplastischen Syndroms)
Histo: Perimysium verbreitert und fibrosiert, benachbart atrophe Muskelfasern.
DD: Vaskultis
Polymyositis
Klinik: Muskelschwäche, - druckschmerz, -atrophie.
Tumoren des Skelettmuskels
Rhabdomyosarkom
Maligner mesenchymaler Weichteiltumor.
Ep.: Kinder häufiger betroffen.
Quellen
- ↑ U. Schara, W. Mortier. “Neuromuskuläre Erkrankungen (NME). Teil 2: Muskeldystrophien (MD)”. Monatsschrift Kinderheilkunde, 151:1321-1341, 2003.
Bewegungsapparat und Zähne
Gelenke
Typische Verteilungsmuster von Gelenkbeschwerden
- Chronische Polyarthrose
- HEBERDEN-Arthrose - Fingerendgelenke
- BOUCHARD-Arthrose - Fingermittelgelenke
- Rhizarthrose - Daumensattelgelenk
- Chronische Polyarthritis - Fingergrundgelenke, symmetrisch. Bei älteren Patienten auch Oligoarthritis der großen Gelenke.
- Psoriasis-Arthritis - Strahlartiger Befall, z.B. ein Finger
- Morbus BECHTEREW - Achsennah: Kleine Wirbelsäulengelenke, Ileosakralgelenke
- Lupus erythematodes - Symmetrisch
- Arthrosis deformans - Mechanisch beanspruchte Gelenke (Hüfte, Knie, Finger, Schulter)
- Monarthritis - Infektiös, Borreliose, reaktiv (z.B. Coxitis fugax), Gicht, Chondrokalzinose.
Synovialitis
Entzündung der Gelenkhaut i.R. verschiedener Gelenkserkrankungen (z.B. reaktiv, posttraumatisch, bei Osteoarthrose, bei Psoriasisarthritis, bei rheumatischer Arthritis).
Grading nach Krenn et al (2005):
- Dickenzunahme der synovialen Deckzellschicht (0 - 3 Punkte)
- Aktivierung des synovialen Stromas (Zunahme der Zelldichte, Auftreten multinukleärer Riesenzellen) (0 - 3 Punkte)
- Leukozytäre Infiltration (0 - 3 Punkte)
Das Grading korreliert mit der Ätiologie, so kann ein Score von 4 und höher z.B. auf eine rheumatische Arthritis hinweisen.
Literatur:
- Krenn V et al. “Synovialitis-Score: Histopathologisches Graduierungsschema rheumatischer und nicht-rheumatischer Synovialitiden”. Z Rheumatol., 64(5):334-42, Jun 2005. DOI:10.1007/s00393-005-0704-x. PMID 15965818
Gelenkerguss
- Serös - Ät.: Trauma, mechanische Irritation
- Hämorrhagisch (Hämarthros) - Ät.: Trauma, hämorrhagische Diathese
- Eitrig (Gelenkempyem) - Ät.: Bakteriell (Staphylokokken, Gonokokken u.a.)
Arthrose
Degenerative Gelenkerkrankung
Ät.: Mechanische Alteration, Beinverkürzung, Übergewicht, Hüftdysplasie, Z.n. Epiphysiolysis capitis femoris, Trauma, Infekte, kristalline Ablagerungen (Gicht, Chondrokalzinose).
Lok.: Bes. Knie, Hüftgelenk
Makro: Regenerate, Knochenglatze (fehlender Knorpel), Knochendefekte, Deckplatteneinbrüche, Geröllzysten, Exophyten (Knorpel-Knochen-Regenerate an den weniger belasteten Stellen der Gelenkfläche), Gelenkversteifung (Ankylose).
Mikro: Fibrilläre Degeneration -> Asbestfasern (Proteoglykanverlust, demaskierte Kollagenfasern), Brutkapseln (Pseudoregenerate, reaktive Vermehrung von Knorpelzellen), Knorpelfissuren, Fibrin (Exsudat, sekundäre entzündliche Veränderungen).
Arthrosis deformans
Syn.: Arthritis deformans, Arthropathia deformans, Osteoarthrosis deformans
Chronische, degenerative Erkrankung der Gelenke
Pathogenese: Synthesestörung der organischen Matrix (Proteoglykane, Kollagen) des Gelenkknorpels -> geringere Permeabilität -> Unterversorgung und Absterben der Chondrozyten -> Knorpeldegeneration
Stadien:
- I: Präarthrose - Gelenkinkongruenz, keine Beschwerden
- II: Latente Arthrose - Arthrose klinisch oder röntgenologisch nachweisbar
- III: Aktivierte Arthrose - Beschwerden durch Kapselentzündung bei Einwirkung weiterer Faktoren (Übergewicht, Sport, Stoffwechselstörungen)
- IV: Manifester Gelenkschaden
Lok.: Hüfte, Kniegelenk, Finger, Schultergelenk
Mikro (Stadium IV): Subchondrale Sklerosierung (Kompensationmechanismus), Geröllzysten, Knochenerosion, Osteophyten, Gelenkspaltverschmälerung.
Labor: CRP negativ, RF negativ
Arthritis
Entzündliche Gelenkerkrankung
Ät.: Autoimmunologisch, parainfektiös, infektiös
Rheumatische Erkrankungen
Entzündliche immunpathologische Gelenkerkrankungen
Rheuma von griech. Fluß, wegen des fließenden Schmerzcharakters
Akutes rheumatisches Fieber
Ep.: Hauptsächlich Kinder und Jugendliche, hauptsächlich in Entwicklungsländern
Ät.: Infektallergische Immunkomplex-Synovialitis. Auftreten 2-3 Wochen nach Infekt mit β-hämolysierenden A-Streptokokken wie Streptococcus pyogenes (Angina tonsillaris, Scharlach).
Pg.: Kreuzreaktivität (-> molekulares Mimikry) zwischen bakteriellem M-Protein und sarkolemmalen Antigenen (Tropomysin, Myosin) -> autoimmunologische Reaktionen, zirkulierende Immunkomplexe.
Klinik: Befall großer Gelenke, meist monoartikulär, evtl. alternierend. Kleine milimetergroße Granulome. Allgemeinsymptome, hohes Fieber, Labor: Leukozytose, BSG-Beschleunigung, hohes CRP, Anstieg des Antistreptolysin-Titers (ASL).
Weitere Manifestationen: Immunkomplex-Glomerulonephritis, rheumatische Karditis, Erythema marginatum, Chorea minor SYDENHAM.
Prg.: Keine Spätschäden am Gelenk, aber Klappenfehler.
Chronische Polyarthritis (CP)
Chronische autoimmunologisch-entzündliche Systemerkrankung mit schubweisem Verlauf
Syn.: Rheumatoide Arthritis (RA)
Ep.: Frauen 4 - 5 mal häufiger betroffen, Beginn im mittleren Lebensalter
Ät.: Primär chronischer autoimmunologischer Prozess, assoziiert mit HLA-DR4
Makro: Schwellung, Verkrümmung, Versteifung v.a. kleiner peripherer Gelenke wie CMC-, MCP- und PIP-Gelenke. Bindegewebige, dann knöcherne Überbrückung des Gelenkspaltes (Ankylose), Ulnardeviation, Schwanenhals- und Knopflochdeformitäten.
Mikro: Destruktion vom Gelenk (Pannus) und vom Knochen (subchondral) her, Pannus:
- Synovialitis, Verdickung der Synovia, proliferierende Synovialiszotten
- Bursitis, Tendovaginitis
- Typisch ist die starke lymphozytäre Infiltration ggf. mit Ausbildung von Lymphfollikeln
- Bindegewebsvermehrung, Gefäßproliferation, Fibrose, Wucherung
- Destruktion von Gelenk und Knochen
Weitere Manifestationen: Baker-Zyste, Karpaltunnel-Syndrom (CTS), subkutane Rheumaknoten
- Rheumaknoten Mikro: Fibrinoide Nekrose, Randsaum aus Epitheloidzellen/Histiozyten, pallisadenartig, verbreiterte Reteleisten der Haut, keine mehrkernigen Riesenzellen.
- Rheumaknoten Makro: Knötchen an mechanisch belasteten Stellen (Unterarm, Hinterkopf)
Klinik: Morgensteifigkeit kleiner peripherer Gelenke, mindestens 3 versch. Gelenke an Hand und Fuß betroffen, Rheumafaktoren im Blut
Verlauf: chronisch, schubweise
SF:
- FELTY-Syndrom - Schwere Verlaufsform im Erwachsenenalter mit Hepatosplenomegalie, Lymphknotenschwellung, Granulozytopenie, Infektneigung.
- Juvenile idiopathische Arthritis - Verschiedene Unterformen, Kindes- und Jugendalter, Mono- oder Polyarthritis, evtl. Beteiligung innerer Organe (z.B. Perikarditis)
- Morbus STILL (Systemische juvenile Arthritis) - Fieberschübe, Polyarthritis, fleckiges Exanthem, Polyserositis, Hepatosplenomegalie, evtl. Lymphknotenschwellung, Anämie, Leukozytose.
- CAPLAN-Syndrom - Rheumatische Symptome bei vorbestehender Silikose (Quarzstaublunge).
Morbus BECHTEREW
Syn.: Ankylosierende Spondylarthritis
Erkrankung des rheumatischen Formenkreises mit vorwiegendem Befall der achsennahen Gelenke. Gehört zu den seronegativen (d.h. Rheumfaktor-negativen) Spondylathritiden.
Ep.: Männer im mittleren Alter.
Ät.: Autoaggressiv, assoziiert mit HLA-B27 (90 %). Assoziiert mit Morbus CROHN und Psoriasis (arthropathica).
Lok.: Befall v.a. der achsennahen Gelenke (Ileosakralgelenke, kleine Wirbelsäulengelenke), Enthesopathie z.B. der Achilles-Sehne, akute anteriore Uveitis (Iridozyklitis).
Klinik: Sacroileitis, Entzündung der kleinen Wirbelgelenke mit Bildung von Syndesmophyten, die benachbarte Wirbel überbrücken und zur Versteifung der Wirbelsäule (Rö: klassisch Bambusstab-Wirbelsäule) mit fixierter Brusthyperkyphose führen. Auch Schulter- und Hüftgelenke können betroffen sein. Nächtliche und morgendliche Rückenschmerzen mit Besserung im Tagesverlauf und bei Bewegung, pathologischer Flèche (Abstand Hinterkopf-Wand), eingeschränktes OTT- und SCHOBER-Maß (Beweglichkeit der Wirbelsäule), positives MENELL-Zeichen (ISG-Provokationstest), negatives LASÉGUE-Zeichen. Fersenschmerzen. Laborchemisch BSG-Beschleunigung und CRP-Erhöhung.
DD.: Psoriasis arthropathica, Spondylarthropathie, andere Ursachen von Rückenschmerzen (Spondylitis, Spondylodiszitis, Endokarditis).
Kristallarthropathien
Gicht
Ät.: Renale Harnsäureausscheidungsstörungen, Harnsäureüberproduktion (Tumorlyse-Syndrom, Hämolyse)
RF: Erbliche Disposition, Alkohol, purinreiche Kost, Übergewicht
Pg.: Harnsäurespiegel über dem Löslichkeitsprodukt -> Ausfällung von Natriumurat -> Entzündungsreaktion
Makro: Gichttophus/-i (Ohr, Großzehengrundgelenk = Podagra), Gelenkdestruktion
Mikro: Im formalinfixierten Präparat Harnsäurekristalllücken (Harnsäure ist wasserlöslich) oder herdförmige Ablagerungen von amorphem eosinophilen Material mit umgebender Fremdkörperreaktion (Fremdkörpergranulom mit Histiozyten und Fremdkörper-Riesenzellen, sowie Neutrophile und Lymphozyten). Im alkoholfixierten Gewebe in der Doppelbrechung bunte Kristalle (adler-, engelförmig).
Zytologie: Neutrophile Granulozyten, im polarisierten Licht (compensated polarized microscopy) bunte Kristalle.
Chondrokalzinose
Syn.: Kalkgicht, Pseudogicht
a) Kalziumhydroxilapatit-Chondrokalzinose
Ep.: Mittleres Alter
Ät.: Mechanische Beanspruchung, Mikrotraumen, Degeneration (Sekretärin, Arbeiter)
Lok.: An großen Gelenken, dabei ist eher das Weichgewebe als das Gelenk selbst betroffen, z.B. die Rotatorenmanschette (Tendinosus calcarea).
Mikro: Nicht polarisierend, konzentrische Kalkablagerungen, Entzündung, Histiozyten, Makrophagen.
Evtl. Einbruch ins Gelenk und Resorption
b) Kalziumpyrophosphat-Chondrokalzinose
Ep.: Männer > Frauen
Lok.: Oberfläche des Gelenkknorpels, z.B. an den Menisken
Ät.: Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, M. Wilson, Hämochromatose), chronisch-traumatisch
Mikro: Doppelbrechend
Pigmentierte villonoduläre Synovialitis (PVNS)
Ät.: Unbekannt
Makro: Rostbraune Eisenablagerungen, proliferativ, primär nicht neoplastisch, oft lokalisiert, ein Gelenkbereich, Gelenkdestruktion.
Mikro: Hämosiderinablagerungen (braunes Pigment in der H&E, selektive Darstellung mit der Berliner Blau-Färbung), Schaumzellen, mesenchymales Bindegewebsstroma mit eingelagerten mehrkernigen Riesenzellen.
DD:
- Riesenzelltumor der Sehnenscheide - Unterscheidet sich von der PVNS wahrscheinlich nur in der Lokalisation und der daraus resultierenden Ausbreitungswege
- Blutergelenk (früher) - disseminiert
Blutergelenk
Ät.: Rezidivierende Gelenkblutungen (Hämarthros) bei Hämophilie (früher häufig)
Path.: Rez. Blutung -> Reaktive Arthritis und Organisation (Granulationsgewebe, Kapillareinsprossung) -> Schwere Gelenkdestruktion
Makro: Disseminiert, multipler Gelenkbefall
Prothesenlockerung
Ät.: Infektionen, Instabilität/Fehlbelastung, Abriebprodukte.
Pg.: Periprothetische Osteolysen.
Ätiopathogenetisch-morphologische Differenzierung der Prothesenlockerung anhand der Beschaffenheit der gebildeten periprothetischen Membran (festhaftetendes neugebildetes Bindegewebe zwischen Prothese/Zement und umgebendem Knochen):
| Typ | Ätiologie | Pathogenese | Morphologie | Bevorzugtes Auftreten | Anteil | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| I | Abrieb-induzierter Typ | Von der Prothese abgelöstes Fremdmaterial (Polyethylen (PE), Keramik, Metall, Knochenzement | Makrophagenstimulation, chronisch-resorptive Entzündung bzw. Fremdkörperreaktion | Makrophagen, mehrkernige Riesenzellen vom Fremdkörpertyp. Nachweis von teilweise auch doppelbrechendem Abriebmaterial mit materialtypischer Struktur. | spät (Im Mittel nach 12 Jahren) | 51 % |
| II | Infektiöser Typ | Bakterien (primäre Kontamination, sekundäre hämatogene Besiedelung). Häufige Vertreter: Staphylococcus epidermidis, S. aureus, Propionibacterium acnes, Enterococcus faecalis u.a. | Entzündung |
|
früh (Im Mittel nach 2 bis 3 Jahren) | 20 % |
| III | Mischtyp (abriebinduziert und infektiös) | s.o. | s.o. | Kombination aus I und II | eher früh (Im Mittel nach 4 Jahren) | 5 % |
| IV | Indifferenztyp | Vermutet wird eine initiale Instabilität | Fehlbelastung, Mikrotraumatisierung, Ossäre Mikronekrosen. | Blandes Narbengewebe (viel Bindegewebe, nur vereinzelt Entzündungszellen, kaum Abriebmaterial) | eher später (Im Mittel nach 5 bis 6 Jahren) | 18 % |
Quellen:
- Morawietz L et al. “Vorschlag für eine Konsensus-Klassifikation der periprothetischen Membran gelockerter Hüft- und Knieendoprothesen [Proposal for the classification of the periprosthetic membrane from loosened hip and knee endoprostheses]”. Pathologe, 25(5):375-84, Sep 2004. DOI:10.1007/s00292-004-0710-9. PMID 15257415
Knochen
Der Knochen
Physiologie:
- Organischer Anteil: Kollagen I, Osteopontin, -calzin, -nektin; Mineralischer Anteil: Calziumhydroxilapatit
- Spongiosa (Schwamm) innen - Compacta/Corticalis außen
- ständiger Umbau durch Osteoblasten und Osteoklasten
- Knochenentstehung enchondral (über Knorpel) oder desmal (direkt aus Bindegewebe)
Osteogenesis imperfecta
Syn.: „Glasknochenkrankheit“
Ep.: 1:15.000 bis 1:20.000
Genetik: Die meisten Formen sind autosomal-dominant vererbt, meist Neumutation.
Pathogenese: In 85 - 90 % der Fälle Störung der Kollagensynthese durch Mutationen in den Kollagen-Genen COL1A1 (17q), COL1A2 (7q). In einer seltenen Variante der letalen Form mit autosomal-rezessivem Erbgang konnten Mutationen im „cartilage associated protein“ (CRTAP), das für die posttranslationale Prolyl-3-Hydroxylierung des Kollagens zuständig ist, als Ursache identifiziert werden.[1]
Klinik: Multiple Frakturen ("Glasknochenkrankheit"), blaue Skleren, mit oder ohne Dentinogenesis imperfecta.
Typ I (Osteogenesis imperfecta tarda, Typ Lobstein)
Häufigste Form
Klinik: U.U. milder Verlauf. Variable Frakturrate im Kindesalter, mit der Pubertät abnehmend (DD: Kindesmißhandlung!). Regelrechte Knochenheilung -> normale Endgröße, keine Deformierung, in 30-50% Entwicklung einer Innenohr- oder Mittelohrhörstörung. Untergruppe A mit, B ohne Dentinogenesis imperfecta (grau-bläuliche Zahnverfärbung, Schmelzabsplitterungen, deformierte Zahnwurzeln).
Typ II (Osteogenesis imperfecta congenita)
Schwerste Form
Genetik: autosomal-dominant (Typ III auch autosomal rezessiv), meist Neumutation
Makro: Proportionierter Kleinwuchs, dreieckförmiges Gesicht, dünne blaue Skleren, weicher Kautschuk-/Papierschädel. Die Extremitäten sind verkürzt, Faltenbildung der Haut, multiple intrauterin entstandende Frakturen bes. der langen Röhrenknochen (Rö: Zieharmonika-Knochen) und Rippen (Serienfrakturen, wulstartige Auftreibung der Bruchstellen wegen überschießender Kallusbildung (Kollagen III)). Die Haut ist verdünnt, rissig, instabil.
Mikro: Osteoid vermindert, Haut verdünnt (Kollagengehalt vermindert).
Prg.: frühletal, Hirnblutungen unter natürlicher Geburt
Typ III (Osteogenesis imperfecta congenita, Typ Vrolik)
Schwere Form
Genetik: autosomal-dominant (auch autosomal-rezessiv), meist Neumutation
Klinik: Schwere Ausprägung, multiple Frakturen. Fast alle Kinder überleben das Säuglingsalter, Lebenserwartung z.T. eingeschränkt. Im Verlauf schwere Knochenverformungen, Kleinwuchs, starke Verkrümmungen der Wirbelsäule (-> restriktive Ventilationsstörungen), die Skleren sind u.U. unauffällig.
Typ IV: Klinik: Variabler Verlauf, Minderwuchs, weiß bis blass-blaue Skleren, mäßige Frakturen, progressive Extremitätenverformungen, führt oft zur Rollstuhlpflichtigkeit. Unterform B mit Dentinogenesis imperfecta.
Typ V: Klinik: Hypertrophe Kallusbildung nach Brüchen, Verkalkung der Syndesmosen (Membranae interosseae antebrachii et cruris) und metaphysären Bänder. Die Skleren sind unauffällig, keine Dentinogenesis imperfecta.
Typ VI: Klinik: Störung der Knochenmineralisation mit Wirbel-Kompressionsfrakturen und Extremitätendeformierung. Das Vomer kann defekt sein. Die Skleren sind unauffällig, keine Dentinogenesis imperfecta, die alkalische Phosphastase (AP) ist erhöht.
Typ VII: Genetik: autosomal-rezessiv. Klinik: Coxa vara, Extremitätenverkürzung
Weblink: Schweizerische Vereinigung Osteogenesis Imperfecta (SVOI)
Marmorknochenkrankheit
Syn.: Osteopetrose, Morbus ALBERS-SCHÖNBERG
Ep.: Selten
Ät.: Überschießende Knochenbildung, Enzymdefekt der Osteoklasten
Makro: Knochenmark spärlich, vom Knochen verdrängt. Extramedulläre Blutbildung in Leber, Milz (Hepatosplenomegalie), Lymphknoten. Kompakt durchbauter, instabiler Faserknochen (kein Umbau zu lamellärem Knochen). Massive Frakturen.
Mikro: Inkompetente Osteoklasten, fehlende Resorptionslakunen.
Osteoporose
Ät.:
- Primär: Altersinvolution (Involution + Inaktivität + verminderte Proteinsynthese), Abfall der Sexualhormonspiegel, Calcium- und Vitamin-D-Mangel
- Sekundär: Immobilisierung, Morbus Cushing, Hypogonadismus, Diabetes mellitus, Medikamente (Antikonvulsiva, Kortikoide), Alkohol, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, chronische Darmerkrankungen, Malabsorption, Nierenerkrankungen, Z.n. Organtransplantation.
Pg.: Parallele Verminderung von Knochenmineralisation und Grundsubstanz.
Makro: Erhaltene äußere Knochenstruktur. Im Wirbelkörper Rarifizierung der quervernetzenden und Sklerose der vertikalen Trabekel. Verbiegung der Wirbel, Deckplatteneinbrüche, Fischwirbel.
Mikro: Verminderte Knochendichte (Knochenmasse pro Volumeneinheit), normale Mineralisierung, stummelförmige sklerosierte Knochenbälkchen.
Klinik: Rückenschmerzen, Frakturneigung. Laborchemisch normale Kalzium- und AP-Spiegel.
SF: Kortikoidinduzierte Osteoporose
Ät.: Kortisonlangzeittherapie bei chronischer Polyarthritis (früher, heute idR. Therapie mit Basistherapeutika wie MTX, Kortison nur noch im Schub oder sehr niedrig dosiert als Begleitmedikation) und Transplantation.
Mikro: Keine Sklerose, rarifizierte, dünne, girlandenartige Trabekel mit rauher Oberfläche (Osteoklastenklastenaktivität), einkernige monohistiozytäre Zellen (Vorläufer der durch Verschmelzung entstehenden mehrkernigen Osteoklasten).
SF: Juvenile Osteoporose
Selten
Kollagen-I-Mangel (fließender Übergang zur Osteogenesis imperfecta)
Osteodystrophia fibrosa cystica generalisata
Syn.: Morbus VON RECKLINGHAUSEN (gleiches Syn. wie NF1)
Ät.: Primärer Hyperparathyreoidismus
Lok.: Bes. lange Röhrenknochen, Becken, Wirbelsäule
Pg.: Massive Resorption (osteopenische Erkrankung), führt zum histologischen Bild der dissezierenden Fibroosteoklasie
Makro: Herdförmige Läsionen, sog. "braune Tumore". Zystische mit Granulationsgewebe gefüllte Hohlräume.
Mikro: Dissezierende Fibroosteoklasie: Resorptionszonen mit Osteoklastenvermehrung und Tunnelierung der Knochenbälkchen, zusätzlich Endostfibrose, die auf die Markräume übergreifen kann.
Rachitis
Syn.: Englische Krankheit
BC: 7-Dehydrocholesterol --Haut(UV-Licht/Ringsprengung)--> Cholecalziferol (Vitamin D3) --Leber--> 25-Hydroxicholecalziferol --Niere--> 1,25-Dihydroxicholecalziferol (D-Hormon, Calzitriol). Vitamin D3 wird auch aus der Nahrung aufgenommen.
Ät.: Vitamin-D-Mangel bei Kindern
Ep.: In entwickelten Ländern selten, früher bei Kindern im Bergbau
Klinik:
- Verminderte Knorpelresorption (enchondrale Ossifikation) und fehlenden Mineralisierung des Osteoids in den Epiphysenfugen -> Ablagerung von osteochondroidem Material -> Auftreibung der Epiphysenfugen und Knorpelknochengrenzen der vorderen Thoraxwand („rachitischer Rosenkranz“)
- Störung der desmalen Ossifikation -> Caput quadratum
- Verbiegung der langen Röhrenknochen -> Rachitischer Zwergwuchs
- Evtl. Entwicklung eines Kartenherzbeckens bei der Frau -> Geburtshindernis
Osteomalazie
Ät.: Vitamin-D-Mangel beim Erwachsenen (UV-Mangel, Darm-, Nieren-, Lebererkrankungen), Medikamente (Dauereinnahme von Phenytoin bei Kindern und Jugendlichen).
Pg.: Verminderung der Knochenmineralisation bei normaler Grundsubstanz
Makro: Acetabulumprotrusion, Coxa vara.
Mikro: Osteolytisch-sklerotische Umbauzonen (Looser-Milkman-Umbauzonen), breite unmineralisierte Osteoidsäume an den Knochenbälkchen.
Fibröse Dysplasie
Syn.: JAFFE-LICHTENSTEIN-Syndrom, Osteodystrophia fibrosa unilateralis
Ät.: Defekt eines G-Proteins (meist als genetisches Mosaik)
Pg.: Meist einseitige und lokalisierte monostotische Störung der Knochenentwicklung infolge fibröser Dysplasie mit Ersatz des Knochens durch faserreiches Bindegewebe.
Lok.: Tibia, Fibula, prox. Femur, Humerus (Dia- und Metaphysen)
Makro: Meist einseitig und nur eine Läsion (Mosaik). Verbiegung, zystische Auftreibung an Tibia, Fibula oder prox. Femur (Hirtenstab-Femur). Osteolytisch-sklerotische, weiche fibröse Masse (insuffizienter Faserknochen).
Mikro: Zahlreich Fibroblasten/Faserstroma zwischen langen girlandenartigen Faserknochenbälkchen, Buchstabensuppe, chinesische Buchstaben.
Klinik: Spontanfrakturen, Knochenschmerzen, Deformierung.
SF: Mc Cune-Albright-Syndrom - Polyostotische Fibroplasie, Café-au-Lait-Flecken und endokrine Überfunktion (Pubertas praecox).
Literatur und Weblinks:
- OMIM - McCune-Albright syndrome
- Dumitrescu CE, Collins MT. “McCune-Albright syndrome”. Orphanet J Rare Dis., 3(1):12, May 19 2008. PMID 18489744
Morbus PAGET
Syn.: Ostitis deformans
Ep.: Alte Männer, um das 70. Lj
Ät.: Slow-virus?
Lok.: Schädel, Wirbelsäule, Becken, Femur, Tibia
Path.: Gesteigerter Knochenumbau (Knochenumsatz/Remodelling durch Osteoblasten und Osteoklasten um Faktor 10 erhöht) führt zu Knochenverformungen.
Makro: Die Kortikalis ist massiv verdickt, grobsträhniger Umbau. Wirbel quadratisch (Kastenwirbel), bimssteinartig porös. Minderwertiger Knochen, Knochenverbiegung, herdförmige Substanzverluste, Keilwirbel, Frakturen. Im Rö-Schädel sieht man Spikulae.
Mikro: Mosaik/Puzzlestruktur des Knochens, viele Kittlinien, Riesenosteoklasten.
Labor: Alkalische Phosphatase stark erhöht, S-Kalzium normal.
Klinik: Körpergröße nimmt ab, Kopfumfang nimmt zu (der Hut passt nicht mehr), Kyphose, Arme/Beine erscheinen deformiert, diffuse Knochenschmerzen, Schwerhörigkeit.
Kompl.: Pathologische Frakturen, in 5 % nach 8-10 Jahren Übergang in ein PAGET-Sarkom, Arthrose, Wurzelkompressionen, Schwerhörigkeit, Nierensteine.
Morbus SCHEUERMANN
Syn.: Adoleszentenkyphose, juvenile Kyphose
Pg.: Wachstumsstörung eines Wirbelkörpers
Makro: Deckplatteneinbruch, Keilwirbel, verringerte Diskushöhe, SCHMORL-Knötchen, Kyphose.
Aseptische Knochennekrosen
Morbus PERTHES
Syn.: Idiopathische juvenile Hüftkopfnekrose
Ep.: 6. - 8. Lebensjahr, bevorzugt männlich. Die Gegenseite kann auch gleichzeitig oder zeitversetzt erkranken. Begleitend Skelettretardierung möglich.
Ät.: Durchblutungsstörung?
Pg.: Stadienhafter Verlauf: 1) Initialstadium: Knochenkern stirbt ab 2) Kondesationsstadium: Knorpel/Hüftkopfkompression -> Sinterung, Deformierung 3) Fragmentationsstadium 4) Reparationstadium: Erholung, neuer Kopfkern, aber in Deformitätsstellung: Pathologische Kongruenz. 5) Ausheilungsstadium
Klinik: Hinken, Hüft-, Oberschenkel- oder Knieschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit (bes. Abduktion und Rotation), Gelenkerguss, Vierer-Test (syn. PATRICK-Test) positiv (Abb.), TRENDELENBURG-Zeichen.
Th.: Containment (Überdachung) des Hüftkopfes z.B. durch intertrochantere Umstellungsosteotomie.
Prg.: Günstiger im jungen Erkrankungsalter. Langzeitfolgen: Funktionsstörung, spät Arthrose, Schmerzen mit 50 bis 60 Jahren.
KÖHLER'sche Erkrankung
Absterben des Knochenkerns
KÖHLER I
Os naviculare des Fußes betroffen, meist um das 14. Lebensjahr nach ausdauernder Belastung (Tanzen).
KÖHLER II
Idem, Os metatarsale II betroffen.
Osteochondrosis dissecans
Gelenkflächennahe Knochennekrose -> Eindringen in den Gelenkspalt (Gelenkmaus) -> Schmerzen, Arthrose
Morbus KIENBÖCK
Bei Os-lunatum-Frakturen.
Morbus OSGOOD-SCHLATTER
Aseptische Knochennekrose der Tibiaapophyse
Adulte aseptische Knochennekrosen
Ät.: Kortisontherapie, Alkoholismus, Taucher-Krankheit.
Fibrodysplasia ossificans progressiva (FOP)
Syn.: MÜNCHMEYER-Syndrom
Die FOP ist eine sehr seltene Erkrankung, die mit einer zunehmenden Verknöcherung des Stütz- und Bindegewebes einhergeht.
Ep.: Weltweit gibt es etwa 2.500 Patienten
Ät.: Ursache ist meist eine Punktmutation in Position 206 in einem kurzen Gen auf Chromosom 2, das für den Activin Receptor Type IA (ACVR1) kodiert, ein Protein aus 509 Aminosäuren und eines von drei bekannten BMP Typ I Rezeptoren. Der Ligand bone morphogenetic protein (BMP) ist an der Knochenheilung beteiligt.
Klinik: Die Kinder sind bis auf eine verkürzte Großzehe bei der Geburt unauffällig. Bereits im Kleinkindalter führt jede kleine Traumatisierung (Injektionen, Stösse, Stürze) an der betroffenen Stelle zu einer Umwandlung des Bindegewebes in Knochen. Die Erkrankten bilden quasi ein zweites Skelett aus. Eine Entfernung des neugebildeten Knochens ist daher auch nicht möglich.
Siehe auch:
- Kaplan FS et al. “The Molecules of Immobility: Searching for the Skeleton Key”. UPOJ, 11:59-66, 1998.
- Unterbörsch H. “Fibrodysplasia ossificans progressiva: Mißbildungen der Großzehe als Hinweis”. Deutsches Ärzteblatt, 26:A-1764 / B-1514 / C-1406, Jul 1996.