Pilzzucht/ Anhang
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[Bearbeiten] Pilztabelle
| Name | Agar-Rezept | Substrat |
|---|---|---|
| Agaricus bisporus ( |
Hundefutter-Agar | Pferdemist-Kompost |
| Hericium erinaceus ( |
Agar => Flüssigkultur | Holz |
| Ganoderma lucidum ( |
Agar | Eiche, Ahorn, Ulme, Birke, Erle, Esche |
| Lentinula edodes ( |
Hundefutter-Agar | Hartholz/Weichholz (kein Nadelholz) |
| Stropharia earlei, früher: Psilocybe cubensis ( |
Hundefutter-Agar, Malzextrakt-Agar, Kartoffel-Agar | Getreide (Roggen, Hirse, Reiß), Stroh-Dung-Mischungen, Stroh (mit minderem Erfolg) |
| Pleurotus ostreatus ( |
Hundefutter-Agar | Stroh / Holz |
| Psilocybe tampanensis (Philosopher Stones) |
Malzextraktagar | Getreide = Sklerotien Grassamen = Fruchtkörper |
| Psilocybe azurescens ( |
Malzextraktagar / Sägespäne-Agar | Vogelfutter / Hartholzschnipsel |
| Panaeolus cyanescens (Blauender |
Malzextraktagar, Kartoffel-Dextrose-Agar | Stroh / Dung |
| Name | Fruchtung | Temperatur (Wuchs/Fruchtung) |
|---|---|---|
| Agaricus bisporus ( |
Casing (Torfdeckschicht) | 13–18 |
| Hericium erinaceus ( |
Kein Abdecken | Primordien: 10–15, Fruchtung: 18–24 |
| Ganoderma lucidum ( |
direkt, Abdecken mit Erde möglich | 10–25/18–24 |
| Lentinula edodes ( |
direkt | 20–25/10–25 |
| Stropharia earlei (veraltet: Psilocybe cubensis) ( |
Casing / PF-Tek | 20–27(es werden Temperaturen bis 30 empfohlen)/19–23 |
| Pleurotus ostreatus ( |
direkt | 10–28 |
| Psilocybe tampanensis (Philosopher Stones) |
Trüffelbildner | Durchwachsen: etwa 25 Grad Fruchtung: etwa 22 bis 23 Grad |
| Psilocybe azurescens ( |
Draußen: im Herbst | Temperatur |
| Panaeolus cyanescens (Blauender |
Fruchtung | Temperatur |
[Bearbeiten] Werkzeuge und Hilfsmittel
- Dampfdruckkochtopf / Autoklav
- Petrischalen
- Gläser (Einmachgläser Sturzform)
- Impfnadel
- Impföse
- Pinzette
- Skalpell
- Präpariernadel (lanzettförmig)
- Brenner
- Mundschutz
- Impfbox (günstig) oder Arbeitsbank mit HEPA-Filter (teuer)
- Schutzhandschuhe beim Umgang mit Wasserstoffperoxid!!!
- dünne Gummihandschuhe (steriles Arbeiten)
Obwohl auch ohne diese Geräte erfolgreich Pilzzucht betrieben werden kann, lohnt sich selbst für den Heimzüchter die Anschaffung und Verwendung von Thermo- und Hygrometer zur Kontrolle der Wachstumsbedingungen, da eine optimale Temperatur dem Myzel besonders wichtig ist.
[Bearbeiten] Steriles Arbeiten
[Bearbeiten] Hepafilter
Ein Hepafilter (High-Efficiency-Particulate-Air-Filter) ist ein Luftfilter meist mit Gebläse, der einen sauberen Luftstrom produziert, in dem man ohne Sorgen beimpfen kann, da bis zu 99 % der in der Raumluft enthaltenen Schwebeteilchen (Milbenkot, Sporen usw.) rausgefiltert wurden. Für Hobbymykologen eventuell zu teuer (zur Zeit – 2006 – etwa 300 Euro) aber von enormen Wert für sauberes Arbeiten.
Ein Ulpafilter (Ultra-Low-Penetration-Air-Filter) ist ein Luftfilter, der im Gegensatz zu Hepa eine Mindesteffizienz von 99,999 % bei einer gewissen Durchlaufgeschwindigkeit besitzen muss. Es gibt ebenfalls noch Sulpa mit einer Mindesteffizienz von 99,9999 %. Diese Luftfilter werden besonders in S1 Labors und sonstigen wichtigen Reinräumen verwendet.
[Bearbeiten] Desinfektion
70-prozentiger Alkohol (Spiritus) oder auch Isopropyl-Alkohol desinfiziert unsere Werkzeuge besser als in 100-prozentiger Konzentration, da er nicht so schnell verfliegt und so länger einwirken kann. Wer mit Erfolg Pilze züchten will sollte sich auch eingehend mit Desinfektionsmethoden befassen, denn jede Oberfläche, jeder Arbeitsraum und jede Umgebung bedarf einer unterschiedlichen Sterilisation. Richtiges Sterilisieren will gelernt sein und ist fast schon eine Wissenschaft für sich. Beispielsweise ist es ratsam eine Arbeitsplatte steril abzuwischen anstatt wild drauf loszusprühen. Kleine Räume lassen sich leichter keimfrei halten und desinfizieren als große. Für Aktionen wie das Beimpfen, selektieren oder sonstige sterile Arbeiten sollte der Heimzüchter z.B. ein kleines Badezimmer in Betracht ziehen. Hier ist auch ratsam alle unnötigen Gegenstände (z.B. toilettenpapier, klobürste, zahnputzbecher etc.) vorher zu entfernen. Der Raum sollte mit "Sagrotan" oder ähnlichen Sprays "ausgenebelt" werden um Bakterien und Sporen in der Luft zu minimieren. Alle Flächen sollten mit Desinfektionsmitteln gründlich abgewischt werden. Der so sterile Raum sollte nun für einige Zeit verlassen werden und die Arbeit kann beginnen.
[Bearbeiten] H2O2 – Wasserstoffperoxid
ist in verschiedenen Konzentrationen erhältlich. In Apotheken und billiger bei Friseuren erhält man eine dreiprozentige Lösung; 19-prozentig gibt es den als Oxydator-Lösung im Zoohandel. H2O2 tötet Sporen, schadet verdünnt dem Myzel jedoch nicht so sehr.
Um die Brut mit H2O2 zu reinigen, reicht eine Mischung von 6 ml 3 % H2O2 auf einen Liter Wasser (ergibt 0,018 %).
Substrat wie Stroh oder Holzschnipsel kann man durch Einweichen mit 0,15 %-H2O2-Lösung für ein bis zwei Tage ausreichend sauber bekommen.
Wasserstoffperoxidlösungen enthalten oft Stabilisatoren wie Phosphorsäure, dies ist allerdings unbedenklich und hat keinerlei bekannte Auswirkungen auf die Entwicklung von Pilzen.
Achtung!!! H2O2 ist in höheren Konzentrationen stark ätzend! Schutzkleidung ist hier Pflicht.
- Schutzbrille
- Schutzhandschuhe
- lange Ärmel
[Bearbeiten] Bau einer Impfbox
Eine Impfbox lässt sich leicht selbst bauen. Man benötigt eine Holzplatte z.B. 60×90 cm und einige Meter einer Holzstange, welche in 8 Teile zersägt wird. Aus den Teilen wird mit Holzleim oder Heißkleber ein Quader-förmiges Gerüst auf die Platte gebaut. Darüber wird robuste, durchsichtige Folie (aus dem Baumarkt) gespannt. Zwei Löcher werden hineingemacht, schon lässt sich darin steril arbeiten, nachdem mit Desinfektionsmittel der Innenraum desinfiziert wurde.
Wichtig: Desinfektionsmittel sind meistens entflammbar, darum darf in der Box nie eine Flamme entzündet werden. Die Präperiernadel kann vor der Box über einer Flamme sterilisiert werden.
Wer bereit ist neben der Bastelarbeit auch noch einiges an Geld auszugeben, für den ist vielleicht eine Arbeitsbank mit HEPA-Filter das richtige. Unter den Links finden sich Bauanleitungen.
[Bearbeiten] Weitere Agarrezepte
[Bearbeiten] Maismehl-Agar
Zutaten:
- 30 g Maismehl
- 20 g Agar-Agar
- 1000 ml Wasser
Zubereitung
- 1000 ml Wasser mit 30 Gramm Maismehl in einem Gefäß zum Sieden erhitzen
- Eine Stunde kochen lassen (ab und zu umrühren)
- Agar mit Wasser etwa fünf Minuten waschen, danach das Wasser abgießen
- Maismehlbrei durch ein Tuch filtern
- Danach das Agar dem Filtrat beimengen
- Im Wasserbad erwärmen bis sich das Agar löst
[Bearbeiten] Bier-Agar
Zutaten:
- 500 ml Bier (Alkoholfrei geht auch (oder sogar besser?))
- 2 gehäufte Teelöffel Agar (oder 7,5 Gramm)
Zubereitung:
- Bier in einem Topf langsam zum Kochen bringen, damit der Alkohol verdampft.
- Topf von der Kochstelle nehmen, einen Teil des eingedampften Biers abnehmen und 2 gehäufte Teelöffel Agar unter ständigem Rühren lösen.
- Agarlösung nun unter ständigem Rühren in den Topf geben und einige Minuten kochen lassen.
Es gibt auch noch die Möglichkeit einen Nährboden aus Rindfleischsud herzustellen. Dazu einfach 100 g Rindfleisch mit 100 ml Wasser etwa eine Stunde lang auskochen, filtrieren und den Sud mit 1,5 Gramm Agar-Agar wie gewohnt gelieren und zu Platten weiterverarbeiten. (Das ausgekochte Fleisch lässt sich übrigens noch essen und mit etwas Salz, Ei und Zwiebel in der Pfanne angebraten schmeckt es auch recht lecker.) Diesen Nährboden kann man als Ersatz für den Hundefutter-Agar verwenden.
[Bearbeiten] Bezugsquellen
- autoklavierbare Beutel (aus PE-HD oder PP) Drogerie, Aldi
- Agar Agar: Reformhaus (50 g) oder meist wesendlich billiger aus dem "Asia Markt"
- Buchenholzhackschnitzel: Kleine Mengen (5 kg) in der Zoohandlung, größere Mengen (25 kg) beim Fleischereibedarfshandel. Produkte von JRS oder Goldspan
- Malzextrakt: Reformhaus
- Petrischalen, Präpariernadel: Biologiebedarf Thorns (Versand)
- Weizenkleie: In größeren Mengen beim Pferdezulieferer oder bei Raiffeisen
- MRCA Mushroom Research Centre [1] - der erste Pilzzucht Versandhandel welcher mit dem Euro-Label Gütezeichen ausgezeichnet wurde.
[Bearbeiten] Weblinks und Diskussionsforen zur Pilzzucht
[Bearbeiten] Foren
- http://www.pilzforum.eu Pilzzucht-Forum bei pilzforum.eu
- http://www.kulturpilz.de Das Pilzzucht-Forum
[Bearbeiten] Informative Seiten
- Thread auf Kulturpilz.de
- Pilzolli Homepage
- Meyers Konversationslexikon 1889 Seite 67: Pilze (Kulturmethoden, chemische Zusammensetzung, Verbreitung) Band 13
- Gamu Gesellschaft für angewandte Mykologie und Umweltstudien.(Seminare und Pilzbrut)
- orchideenvermehrung.at Bau einer sterilein Werkbank (HEPA) bei Orchideen-Thomas
- fungifun.org Weitere Bauanleitung einer HEPA-Werkbank
- ono.sendai.de:8180 Homepage von Oliver Schlüter zum Pilzanbau
- Pilzzucht im Freien
[Bearbeiten] Literatur
- Dagmar Stein: Pilze anbauen. Die besten Arten. Anziehen und Genießen (2005)
- Walter Luthardt: Holzbewohnende Pilze. Anzucht und Holzmykologie (2005)
- Jolanda Englbrecht: Pilzanbau in Haus und Garten (2004)
- Nicola Krämer Shiitake und Austernpilze. Anbau im eigenen Garten, vegetarische Gerichte (2002)
- Werner Dittmer: Frische Pilze (2002)
- Paul Stamets: Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms (2000)
- Bert M. Schuldes,Sam Lanceata: Das Pilz-Zuchtbuch, (1999), Edition RauschKunde, Löhrbach, ISBN 978-3-930442-38-6
[Bearbeiten] Glossar
- bulken (Brut mit weiterem Substrat vermischen)
- casen (Die Brut mit einer Deckschicht abdecken)
- Degeneration (rückläufige Wachstums- und Fruchtungsfreude, wenn die Brut über längerem Zeitraum mit dem selben Subtrat weitervermehrt wurde.)
- inkubieren (Die Brut mithilfe von Wärme anzüchten bzw. durchwachsen lassen)
- Konifere (Nadelbaum)
- Mykorrhiza (Symbiose von Pilz und Pflanzenwurzeln)
- overlay (Vollständig bewachsene Abdeckschicht reduziert Fruchtungsneigung)
- Saprophyt, Saprotroph (Fäulnisbewohner, Gegensatz: Parasit)