Praxisorientiertes Handbuch der Mal- und Zeichentechniken
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Das Motto lautet: "Künstler sind die, die die Kunst beherrschen Künstler zu schaffen."
In Zusammenarbeit aller Künstler der Wiki-Welt soll hier ein praxisorientiertes Handbuch entstehen das sowohl die groben Grundlagen als auch die feinsten Details der unterschiedlichen Mal- und Zeichentechniken verständlich für Anfänger erklärt.
[Bearbeiten] Vorwort
Als Grundvoraussetzung für das spätere Malen in Aquarell, Acryl- oder Ölfarben ist das Erlernen des Zeichnen und Skizzieren mit verschiedenen Materialien vonnöten. Die Fähigkeit, Formen der Natur auf das Papier oder die Leinwand zu bannen, Proportion und Helligkeitsunterschiede zu sehen, muss durch Übung mit dem Zeichenstift erstmal erlernt werden. Nicht nur die Fingerfertigkeit und der Blick für Details werden dabei geschult, auch die Fähigkeit zu abstrahieren will geübt sein, bevor es daran geht ein Bild in Farbe auf die Leinwand zu bringen, welches ein reduziertes Abbild der Realität darstellen soll.
[Bearbeiten] Perspektive und Bildgestaltung
Wir leben in einer dreidimensionalen Welt. Das Papier hat nur zwei Dimensionen. Deshalb müssen wir einige Dinge beachten, um dem Auge des Betrachters eine dreidimensinale Welt auf dem Papier vorzugaukeln. Wir sind in der Lage selbst kleine ungereimtheiten in Bildern schnell zu erkennen, weil unser Gehirn es gewohnt ist dreidimensionale Objekte zu betrachten. Doch mit ein wenig Mühe lässt es sich überlisten. Dazu gibt es einige Tricks bei der Bildgestaltung zu beachten.
Bei Landschaftsmalereien zum Beispiel, sind Objekte im Vordergrund detailreicher und generell Dunkler (Farbiger, Satter) als der Hintergrund. Berge in weiter Ferne sind leicht unscharf und werden mit zunehmender Entfernung immer heller dargestellt. Bei der Objektzeichnung wird durch Schatten an den richtigen Stellen eine Dreidimensionalität vorgetäuscht. Dabei ist zu beachten, daß das Licht in der Regel nur aus einer Richtung kommen kann. Als Hilfsmittel um das korrekt zu lernen, ist es Sinnvoll die zu zeichnenden Objekte, oder ähnlich geformte, tatsächlich unter eine Lampe zu legen, um genau den Schattenwurf daran zu studieren.
[Bearbeiten] Abstraktion
Die reale Welt besteht aus vielen Details. Zu viele um alle berücksichtigen zu können. Ein Künstler muss lernen, welche Details für die Bildgestaltung wichtig sind und welche besser weggelassen werden. Niemand käme auf die Idee eine saftige Wiese mit allen Gräsern zu malen, wenn es nur darauf ankommt die Kuh auf der Wiese mit etwas grünem herum darzustellen. Deshalb sollte der Künstler sich vor der Zeichnung ein paar Gedanken zur Gestaltung und dessen Umsetzung machen.
Dinge im Vordergrund müssen detailreicher als weiter entferntes gestaltet werden. Häuser am Horizont sind nur noch weiße Punkte. Bei einem Haus, das die halbe Malfläche einnimmt, müssen Details wie Türgriffe, Fensterläden und Dachziegel genau abgebildet werden. Durch vorhergehende Planung der Bildgestaltung kann es sich der Künstler sehr viel leichter machen als ohne Planung. Kunst heißt nicht die Realität genau abzubilden, denn dafür gibt es die Fotografie.
[Bearbeiten] Schraffierungen
Schraffierungen werden bei der Zeichnung mit harten Bleistiften benutzt, um Schatten in das Bild einzufügen. Dabei gibt es auch verschiedene Möglichkeiten. Einmal die bloße Längsschraffierung und die Kreuzschraffur, welche sich auch noch zusätzlich durch diagonale Linien erweitern lässt, falls die Kreuzschraffur nicht ausreichen sollte. Unterschiedlicher Linienabstand der Schraffur verstärkt den Hell-Dunkel-Effekt noch zusätzlich.
Bei weichem Bleistift wird, um Schatten zu zeichnen, mehrfach übereinander oder mit mehr Druck gezeichnet. Zu harte Konturen können später mit einem Finger oder einem speziellen Papierwischer (gibts im Fachhandel) verstrichen werden. Dadurch wird das Grafit besser verteilt und ein zarter Übergang geschaffen.
[Bearbeiten] Material
Wir werden mit Bleistiften unterschiedlicher Härte das Zeichnen üben. Ein oder zwei Kindermalblöcke mit glattem Papier reichen vollkommen dafür aus. Wenn später ernsthaft mit Bleistift weitergezeichnet werden soll, dann lohnt die Anschaffung eines Kastens mit Bleistiften verschiedener Härtegrade in hoher Güte. Sonst genügt es auch zwei weiche, zwei mittlere und einen harten Bleistift einzeln zu kaufen.
Bleistifte sollten vorsichtig behandelt werden und nicht auf den Boden fallen gelassen werden, weil dadurch die Mine im inneren bricht. Dann macht das Zeichnen damit keinen Sinn mehr. Bleistifte gibt es in unterschiedlichen Härtegraden im Künstlerbedarf zu kaufen. Die Palette reicht dabei von sehr Weich 9B über Normal HB bis sehr Hart 8H.
Radiergummi gibt es in sehr verschiedenen Ausführungen. Für ernsthaftes Arbeiten sollten wir die Finger von farbigen Radiergummis lassen, da diese beim Radieren auch gleich das Papier einfärben. Zur Wahl stehen eigentlich nur zwei verschiedene Typen. Die Entscheidung darüber ist Geschmacks- oder Glaubenssache.
Es gibt da den herkömmlichen Radiergummi aus weißem, rauhem Gummi der nach dem Radieren Flöckchen auf dem Blatt hinterlässt die weggewischt werden müssen und einen speziellen Zeichner-Radiergummi, der eher wie weiße Knetmasse aussieht. Dieser nimmt den Grafit vom Blatt in sich auf, ohne dabei etwas auf dem Blatt zu verlieren. Er wird mit der Zeit immer grauer durch das Grafit. Die Handhabung der Beiden ist sehr verschieden und daher Geschmackssache.
Ein Spitzer mit angeschlossenem Reservoir aus durchsichtigem Kunststoff erleichtert die Arbeit, da kein Mülleimer neben der Zeichenfläche benötigt wird. Mit einer feinen Zeichenfeder sollte man erst arbeiten,wenn man etwas Erfahrung hat.
[Bearbeiten] Grundübungen
Die Grundübungen sind dazu gedacht, dem Anfänger die Handhabung des Stiftes zu üben. Die Fähigkeit gerade, gleichmäßige Linien zu ziehen ist keineswegs angeboren. Es muss wie das Schwimmen oder das Fahrradfahren erst erlernt werden, da hierfür die Muskeln der Arme trainiert werden und gleichzeitig die Koordination verbessert wird. Separate Übungen zur Verbesserung der Koordination der Arme und Finger sind zu empfehlen.
[Bearbeiten] Linienführung
Dabei werden zuerst mit einem mittelharten HB Stift waagerechte Linien in einem Abstand von ca. einem Zentimeter auf dem Blatt gezogen (Natürlich ohne Lineal). Rechtshänder fangen oben links an. Linkshänder beginnen oben rechts auf dem Papier. Anfänger sollten den Block dazu hochkant nehmen, um nicht mit allzulangen Linien zu beginnen. Dabei kommt es darauf an, möglichst gerade Linien mit immer dem gleichen Abstand zur Nachbarlinie mit dem gleichen Druck hinzubekommen. Dabei darauf achten nicht zu stark aufzudrücken, um das Handgelenk nicht zu überlasten. So kann erstmal auf biszu 10 Seiten geübt werden. Die Blätter können dabei von beiden Seiten benutzt werden und sollten aufbewahrt werden, um später senkrechte Linien (von oben nach unten) darauf zu üben.
Wenn Sie das geschafft haben, dann üben sie Kreise auf diesen oder auf frischen Blättern. Zuerst langsam, dann mit Schwung. Die Kreise sollten immer geschlossen und möglichst rund sein.
[Bearbeiten] Schraffur, Körper ausfüllen
Zeichnen Sie auf ein neues Blatt ein paar Rechtecke und ein paar Kreise von der größe eines Hühnereis. Diese werden dann mit einem harten oder mittelharten Bleistift komplett durch Schraffur ausgefüllt. Dabei ist darauf zu achten, das nicht über die Außenlinie schraffiert wird. (Wenn es trotzdem passieren sollte, dann ist es auch nicht schlimm. Das ist ja nur zur Übung. Einfach weitermachen!) Als Hilfe kann die andere Hand den Weg begrenzen. Einfach den Finger unterhalb oder oberhalb der Figur auf das Blatt legen. Den Stift dabei leicht schräg halten, so das dieser an die Fingerkante anstoßen kann.
[Bearbeiten] Übertragen
[Bearbeiten] Zweidimensionales
Bei zweidimensionalen Vorlagen -wie Fotos oder Fotokopien von Bildern-, ist es relativ einfach diese auf das Zeichenblatt zu übertragen. Als klassische Methode bietet sich die Gitterprojektion an. Dazu wird die zweidimensionale Vorlage fotokopiert oder direkt mit einem Gitter auf dessen Oberfläche versehen. Das selbe Gitter wird auch mit sehr dünnen fast unsichtbaren Linien auf das Zeichenblatt gebracht. Je nach Detailreichtum der Vorlage sollten es zwischen 16 bis 100 Quadrate auf einer Seite sein. Die maßstabsgetreue Übertragung wird dadurch stark vereinfacht, weil nur die Formen jeweils eines Quadrates nach dem Anderen gezeichnet werden. An den Quadraten kann sofort gesehen werden, wenn eine Proportion nicht stimmen sollte. Die Hilfslinien auf der Zeichnung werden dann mit einem Radiergummi entfernt, nachdem alles Wichtige -wie die Aussenkonturen- übertragen wurde. Details werden erst eingezeichnet nachdem die Hilfslinien ausradiert wurden.
Mit dieser Technik sind fast beliebige Vergrößerungen und Verkleinerungen des Originals möglich. Dafür muss nur das Maß eines Hilfsquadrates auf der Vorlage genommen werden und mit dem Faktor der Vergrößerung multipliziert werden. Bei einer Kantenlänge von zum Beispiel fünf Zentimetern wird auf der Zeichenfläche eine Vergrößerung um den Faktor 2 mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern.
[Bearbeiten] Dreidimensionales
Dreidimensionales, wie zum Beispiel ein Stilleben mit einer Obstschale auf einem Tisch auf die Zeichenfläche zu übertragen ist ein wenig schwieriger. Dafür muss zuerst der Bildausschnitt festgelegt werden. Es wäre möglich auch dafür die eben beschriebene Gittermethode zu benutzen. Es müsste dann ein Gitter angefertigt werden, durch das die Szene betrachtet wird. Auch dafür wären Hilfslinien auf dem Zeichenblatt erforderlich.
Eine weitere Methode wäre einfach nach den Proportionen zu arbeiten. Um bei dem Beispiel der Obstschale mit Früchten zu bleiben, wird zuerst festgelegt auf welcher Höhe der Boden der Schale sein soll. Dann wird der Arm mit dem Zeichenstift ausgestreckt und mit dem jeweiligen Auge (das andere wird zugekniffen) die Schale und der Bleistift betrachtet. Dabei wird das Maß der längsten Strecke aufgenommen (Zum Beispiel die komplette Breite der Schale). Mit dem Daumen kann das Maß auf dem Bleistift gekennzeichnet werden. Dann wird der Arm mit dem Bleistift um 90 Grad gedreht, um das genommene Maß mit der Höhe zu vergleichen. Ist es genauso Hoch wie Breit? Doppelt so Hoch oder nur die Hälfte der Breite? Nun haben wir das Verhältnis von der Höhe zur Breite genommen. Wenn zum Beispiel die Höhe der Schale inklusive Früchte drei viertel der Breite der Schale hat, dann können wir auf dem Zeichenblatt den Boden der Schale zum Beispiel zehn Zentimeter breit zeichnen und dann davon in der Mitte etwa fünfzehn Zentimeter in die Höhe gehen, um das obere Ende mit einem kleinen Hilfspunkt zu markieren. Dann kann die Höhe des Schalenrandes bestimmt werden und anschließend die Schalenoberkante eingezeichnet werden, nachdem das Längenverhältnis im Vergleich zu dem Schalenboden aufgenommen wurde. So wird das mit allen Objekten die gezeichnet werden sollen getan. Dies ist ein mühsames herantasten an die richtigen Proportionen. Aber es ist relativ genau und Sie kommen damit zum Ziel. Alle Zeichner benutzen diese Technik am Anfang häufig und später gelegentlich, um die frei definierten Proportionen zu überprüfen.