Schlaganfall: Grundlagen

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Definition:

apoplexia = griechisch der Schlagfluß Synonyme = Gehirnschlag ,Cerebraler Insult,Schlaganfall , Es handelt sich um eine plötzlich einsetzende Durchblutungsstörung oder Einblutung in eine begrenzte umschriebene Gehirnregion , die zu einer Reihe von neurologischen Ausfällen führen kann. Meist liegt eine spastische Halbseitenlähmung vor , es können aber auch Sprachstörungen, Ausfälle der Sensibiltät oder der Sensorik ( Sehen , Hören etc ), Bewußtseinsstörungen und andere Ausfälle je nach betroffener Hirnregion vorliegen.

[Bearbeiten] Einteilung:

  • TIA = transitorisch ischämische Attacken

akute Durchblutungsstörungen mit vollständiger spontaner Rückbildung innerhalb von 24 Stunden

  • RIND = reversible ischaemic neurological deficit

akute Durchblutungsstörung, mit einer Rückbildung zwischen 24 Std. und 7 Tagen

  • PRIND = prolonged reversible ischaemic neurological deficit

akute "verlängerte" Durchblutungsstörung, mit einer langsame Rückbildung zwischen 7 Tagen und max 4 Wochen

  • SIE = stroke in evolution

ständig sich verschlechternde Symptomatik

  • CS = complete stroke MILD <=> SEVERE

meist innerhalb von Minuten auftretendes cerebrovaskuläres Ereignis mit bleibenden leichteren oder schwereren neurologischen Ausfällen

[Bearbeiten] Ungefähre Häufigkeitsverteilung im Krankenhaus:

TIA 33 % PRIND 6 % Apoplex 60 %

Vorsicht diese Häufigkeitsangaben sind sehr ungenau und schwanken von Krankenhaus zu Krankenhaus. In einer allgemeinen internistischen Abteilung mit vielen akuten geriatrischen Fällen gibt es andere Zahlen als in der Gefäßchirurgie, der Neurologie oder einer Strokeunit.

Außerdem ist die Abgrenzung zwischen TIA und kleinem Apoplex bis zu einem gewissen Grade willkürlich.

[Bearbeiten] Epidemiologie

in der BRD sterben jedes Jahr ca. 100.000 Patienten an Hirngefäßkrankheiten das sind > 10 % aller Todesfälle in der BRD ( 714000 / 1980) d.h der Schlaganfall steht hinter der Herzerkrankungen und den Tu-Erkrankungen an dritter Stelle in der Mortalitätsstatistik

Der Geschlechtsunterschied beim Schlaganfall ist nicht sehr ausgeprägt. Wobei Männer tendenzielle jünger sind als Frauen. Das Mortalitätsrisiko am Schlaganfall ist in den letzten Jahren etwas rückläufig. Der Verlust an Lebensjahren im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist bei Schlaganfalls Patienten eher gering ( < 2 Jahre ) vgl zb mit Herzinfarktpatienten ( > 10 Jahre) , da der Apoplex vorwiegend im hohen Alter auftritt.

Wikipedia-logo.png Inzidenz an Apoplexen derzeit ca 170/100.000 Einwohner zzt. gering rückläufige Inzidenz

Die Wikipedia-logo.png Letalität des Schlaganfalles liegt je nach Schwere und je nach Alter des Patienten bei 20 - 30 % bei einer üblichen Krankenhausbehandlung.

Sterblichkeit nach Schlaganfall im Erlanger Schlaganfallregister
----------------------------------------------------------------
19,4%         innerhalb der ersten 28 Tage   nach dem Ereignis. 
28,5%         innerhalb der ersten  3 Monate nach dem Ereignis. 
37,3%         innerhalb der ersten 12 Monate nach dem Ereignis. 

Lebensalter:

  • Apoplexe meist > 50 Jahren alt
  • SAB Blutung 30 - 50 Jahre alt

Zahlen von 1995 BRD

  • Apoplexe 400.000, davon verstorben 101.000 ( 25%)
    • Therapiebeginn < 2 h : 43 %
    • Therapiebeginn < 6 h : 72 %
    • Therapiebeginn > 6 h : 28 %

[Bearbeiten] Statistik Bundesrepublik

Ganz gute statistische Daten bieten die Gesundheitsberichterstattung des Bundes

siehe http://www.gbe-bund.de/oowa921

  • suche dort Stichwort ICD Nummer zb I60
  • oder Stichwort Apoplex
  • dann wähle Tabellen
  • dann wähle Diagnosedaten der Krankenhäuser nach Behandlungsort (ab 2000)

Diagnosedaten der Krankenhäuser 2007 (Eckdaten der vollstationären Patienten und Patientinnen). Gliederungsmerkmale: ICD10

Beispiel 2007 , BRD

ICD10 Sachverhalt                                     Fälle           Sterbefälle 
---------------------------------------------------------------------------------
I60   Subarachnoidalblutung                            11.423          1.692 
I61   Intrazerebrale Blutung                           33.881          7.560 
I63   Hirninfarkt                                     209.133         16.021 
I64   Schlaganfall, nicht als Blutung o.Infarkt bez.   19.582          2.669 
I65   Verschluss und Stenose präzerebraler Arterien    35.555            461 
          ohne resultierenden Hirninfarkt
I66   Verschluss und Stenose intrakranieller Arterien     982             43 
          ohne resultierenden Hirninfarkt 
I67   Sonstige zerebrovaskuläre Krankheiten            32.668            707
I68   Zerebrovaskuläre Störungen 
      bei anderenorts klassifizierten Krankheiten           -              - 
I69   Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit            126              5 
---------------------------------------------------------------------------------
G45   Zerebrale transitorische ischämische Attacken    99.801            416

Summenbildung

 I60-I69 Zerebrovaskuläre Krankheiten                 350.746          29.775

Beachte zur Interpretation obiger Tabelle: Die Tabelle zeigt nur die Fälle, die in Krankenhäusern codiert und abgerechnet wurden. Es fehlen alle Patienten, die einen Apoplex erlitten haben und nicht ins Krankenhaus eingeliefert wurden oder zu Hause an ihrem Apoplex verstorben sind.

[Bearbeiten] Beispiel Erlanger Schlaganfall-Projekt

Seit 1994 versuchen Wissenschaftler, sämtliche Patienten der Gemeinde Erlangen, bei denen erstmals ein Schlaganfall diagnostiziert worden ist, zu erfassen.

Zwischen 1994 und 1998 wurden in der etwa 101.500 Einwohner zählenden Gemeinde Erlangen 752 Patienten mit erstem Schlaganfall erfaßt. Die in etwa auf die gesamte Bundesrepublik übertragbare jährliche Inzidenz von Erstinsulten wurde mit durchschnittlich 182 pro 100.000 errechnet. Männer waren mit einer Inzidenz von 0,2 Prozent im Vergleich zu 0,17 Prozent häufiger als Frauen betroffen.

Es waren 51 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt ihres ersten Schlaganfalles 75 Jahre und älter. Dabei stellt diese Altersgruppe nur sechs Prozent der Erlanger Gesamtbevölkerung. 37 Prozent aller über die ersten vier Beobachtungsjahre registrierten Apoplexie-Patienten starben innerhalb von zwölf Monaten nach dem Ereignis.

Patienten mit Hirnblutung hatten eine deutlich schlechtere Prognose als solche mit ischämischem Hirninfarkt: Aus der ersten Gruppe waren nach 28 Tagen 42 Prozent, nach drei Monaten 50 Prozent und nach einem Jahr 58 Prozent gestorben.

Von den Patienten mit ischämischem Insult waren bis zu den entsprechenden Zeitpunkten zwölf, 20 und 30 Prozent gestorben. Mit insgesamt 583 Betroffenen war der ischämische Infarkt die häufigste Schlaganfallvariante.

[Bearbeiten] Beispiel: Jahr 2005, mittleres Kreiskrankenhaus

( Verbesserung ICD Nummern nach vorne ) ( Mehrfachnennungen I60-64 und I66 sind herausgerechnet)

Hirnblutungen: 41, davon 4 mit vorangegangenem Schlaganfall
I60   8 mal  (SAB)
I61  30 mal  (Hirnblutung)
I62   3 mal  (große intrakranielle Blutung)
Ischämische Insulte: 281, davon 72 mit vorangegangenem Schlaganfall
I63 115 mal (Hirninfarkt) 
I64 160 mal (Schlaganfall ohne näh. Ang.) 
I66   6 mal (Hirnembolie) 
I65 144 mal Verschluss und Stenose präzerebraler Arterien ohne resultierenden Hirninfarkt
I67 168 mal  (Zerebralsklerose,Hypertensive Enzephalopathie)

I69       378 mal  (Alter Schlaganfall), 
I60 - I66  76 mal   frisches Ereignis kombiniert mit altem Ereignis

G45   zerebrale ischämische Attacke               116    + vorangegangenem Apoplex 13 
G45.1 A-Carotis interna syndrom  
G45.3 Amaurosis fugax 
G45.4 Transiente globale Ischämie
G45.8
G45.9
davon insgesamt mit bestehender Stenose der Art car.  12

[Bearbeiten] Zirkadiane Häufigkeit

Die Häufigkeit des Schlaganfalles zeigt einen typischen Häufigkeitsgipfel am Morgen und einen zweiten kleineren Gipfel am frühen Abend. Dies deckt sich mit der Häufigkeitsverteilung vieler anderer Erkrankungen wie dem Herzinfarkt, dem plötzlichen Herztod, der Lungenembolie, des plötzlichen arteriellen Verschlusses einer Gliedmaße und der Ruptur eines Aortenaneurysmas.

[Bearbeiten] Literatur

  • Chronobiol Int. 2005;22(3):417-53.
    • Circadian variation in stroke onset: identical temporal pattern in ischemic and hemorrhagic events.
      • Manfredini R, Boari B, Smolensky MH, Salmi R, la Cecilia O, Maria Malagoni A, Haus E, Manfredini F.
      • The occurrence of many acute cardiovascular events--such as myocardial infarction, sudden cardiac death, pulmonary embolism, critical limb ischemia, and aortic aneurysm rupture--exhibits prominent 24 h patterning, with a major morning peak and secondary early evening peak. The incidence of stroke exhibits the same 24 h pattern.
  • Oxford Vascular Study. Population-based study of event-rate, incidence, case fatality, and mortality for all acute vascular events in all arterial territories (Oxford Vascular Study).
    • Rothwell PM, Coull AJ, Silver LE, Fairhead JF, Giles MF, Lovelock CE, Redgrave JN, Bull LM, Welch SJ, Cuthbertson FC, Binney LE, Gutnikov SA, Anslow P, Banning AP, Mant D, Mehta Z;
      • Lancet. 2005; 366(9499):1773-83.

[Bearbeiten] Link

  • Amerikanische Statistik
  • Das ERLANGER SCHLAGANFALL REGISTER ist das erste und einzige epidemiologische Schlaganfallregister ohne Altersbeschränkung in Deutschland.
    • Priv.-Doz. Dr. med. Peter Kolominsky-Rabas
      • Leiter des Erlanger Schlaganfall-Registers

[Bearbeiten] Risikofaktoren

[Bearbeiten] Alter

Der wichtigste, allerdings nicht beeinflußbare Risikofaktor ist das Alter.

[Bearbeiten] Hypertonie

Der Hochdruck ist ein sehr wichtiger Risikofaktor für den Schlaganfall, sowohl für den ischämischen als auch den hämorrhagischen. Das Risiko ist je nach Schwere und Dauer auf das 5 bis 30 fache erhöht gegenüber Nichthypertonikern. Der Anstieg des mittleren Blutdruckes um 10 mmHg führt zu einer Verdoppelung des Risikos. Etwa 2/3 aller Apoplexpatienten sind Hypertoniker. Mortalität und Morbidität sind behandelbar durch eine Blutdrucksenkung. Bewiesen wird das in einigen großen Interventionsstudien zb Maphy Studie ( Metoprolol ). Konzentrieren muß man sich vor allem auf junge Patienten mit einer schweren Hypertonie. Die profitieren am meisten von einer effektiven Therapie.

[Bearbeiten] Herzerkrankungen

  • Vorhofflimmern mit Herzerkrankung
    • zb MI,MS,COCM,zn Myokarditis, AI,AS,KHK
  • Mitralfehler zb MS.MI,MKP
  • Herzvergrößerung ( COCM,Zn Herzinfarkt)
  • akuter Herzinfarkt
    • enge Beziehung zur Größe des His
      • großer CPK Anstieg ==> großes Apoplexrisiko
  • Zn Klappenersatz
  • großes persistierendes Foramen ovale mit assoziiertem Vorhofseptumaneurysma

[Bearbeiten] TIAs

TIAs in der Anamnese sind ein eindeutiger Risikofaktor für einen manifesten Apoplex. TIAs mit nachgewiesener Carotisstenose sind deswegen die klassische Indikation zur Carotis OP ( TEA = ThrombEndArterektomie )

[Bearbeiten] Diabetes mellitus

Das Risiko ist ca 3 * höher als bei Nichtdiabetikern in der Altersgruppe 50 - 70 Jahre. Der Diabetes ist dabei insbesondere ein Risikofaktor für die zerebrale Mikroangiopathie.

[Bearbeiten] Cholesterin

Ein erhöhtes Gesamtcholesterin ist als eigenständiger Risikofaktor noch nicht sauber nachgewiesen.

[Bearbeiten] Nikotin

Das langjährige Rauchen führt zu einer circa 1,8-fache Erhöhung des Apoplexrisikos.

[Bearbeiten] Keine der obigen Risikofaktoren

Dann muß man fahnden nach

  • offenem Foramen ovale
    • ( KM Echo +Valsalva )
  • hoher Hämatokritwert,
  • hoher Fibrinogenwert
  • Pille,
  • Apoplex der Mutter in der Familienanamnese
  • Migräne
  • starker Alkoholkonsum
  • Carotis Dissektion und andere Dissektion
  • Fibromuskuläre Dysplasie der Hirngefäße

[Bearbeiten] Schutzfaktoren:( Primäre Prävention )

wahrscheinlich: Nichtrauchen Salzarme Kost Cholesterinarme Kost Aspirin

möglich: Kaliumreiche Kost mäßiger Alkoholkonsum


[Bearbeiten] Ätiologie Ursachen des Schlaganfalles

Ganz überwiegend ist die Ursache des Schlaganfalles in der

  • Arteriosklerose der Gehirngefäße und
  • bei den Embolien aus dem Herzen und der Aorta zu suchen.

Alle anderen Ursachen sind dagegen selten.

Beispiel Erlanger Schlaganfall-Projekt

So war die häufigste Ursache eines Hirn­infarkts mit einem Anteil von 27 Prozent ein meist durch Vorhofflimmern bedingtes Blutgerinnsel aus dem Herzen. Die Einjahresmortalität der davon Betroffenen betrug 38 Prozent.

Bei 23 Prozent aller Hirninfarkte war die entscheidende Ursache eine überwiegend durch Bluthochdruck oder Diabetes bedingte zerebrale Mikroangiopathie. Von den Patienten mit dieser Diagnose starben acht Prozent im Verlauf des Nachbeobachtungsjahres. Eine Makroangiopathie war Ursache von 13 Prozent aller ischämischen Insulte. Innerhalb eines Jahres starben von den Patienten 34 Prozent. Zwei Prozent aller ischämischen Insulte lag eine seltene Ursache wie etwa eine Autoimmun-Vaskulitis zu Grunde,

bei 35 Prozent blieb die nähere Ursache unbekannt.

[Bearbeiten] Schlaganfall beim Jungen Menschen

Dazu wurde die Stroke-in-Young-Fabry-Patients(SIFAP)-Studie durchgeführt

  • Morbus Fabry
  • Gefäßdissektionen,
  • Thrombophilie
  • migranöse Infarkte
  • Arteriosklerose und Mikroangiopathien
  • CADASIL
  • MELAS

[Bearbeiten] Seltene Ursachen eines Schlaganfalles

[Bearbeiten] Vaskulitis

[Bearbeiten] SAB Blutung

[Bearbeiten] Sinusvenenthrombose

[Bearbeiten] offenes Foramen Ovale

Literatur:

  • N Engl J Med. 2001 Dec 13;345(24):1740-6. Related Articles, Links
    • Recurrent cerebrovascular events associated with patent foramen ovale, atrial septal aneurysm, or both.
    • Mas JL, Arquizan C, Lamy C, Zuber M, Cabanes L, Derumeaux G, Coste J; Patent Foramen Ovale and Atrial Septal Aneurysm Study Group.

Patients with both patent foramen ovale and atrial septal aneurysm who have had a stroke constitute a subgroup at substantial risk for recurrent stroke, and preventive strategies other than aspirin should be considered.

[Bearbeiten] Pathophysiologie

Irreversible Ausfälle bei Absinken der Perfusion unter eine bestimmte Durchblutungsschwelle ( ca 20 % )
Irreversible Schäden abhängig von der Restperfusion und der Zeitdauer
bei Restperfusion 0 % ==> in Min irreversibler Schaden
bei Restperfusion 20 % ==> reversibel noch nach Stunden

Mechanismen: ATP Mangel Übersäuerung Laktazidose lokal Ödembildung Calciumeinstrom freie Radikale freigesetzt

[Bearbeiten] Pathologie

  • 80 % Hirninfarkt durch Arteriosklerose,Thrombose oder Embolie

davon sichere Embolie ca 10 %

  • 10 % Hirnblutung

selten :

  • fibromuskuläre Dysplasie der Carotiden oder Vertebralis
  • entzündliche Gefäßerkrankungen
    • zb Takajashu Syndrom
  • Aortendissektion

Lokalisation re : li Blutungen häufiger re

Häufigste betroffene Region : Cerebri media Stromgebiet

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