Sexualität/ Selbstbefriedigung

Aus Wikibooks
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sexualität

Selbstbefriedigung ist eine Form der Autosexualität bei der sexuelles Verlangen ohne die Mitwirkung eines Partners gestillt wird. Rund 80% aller Erwachsenen haben es mindestens einmal im Leben ausprobiert. Viele von ihnen befriedigen sich hin und wieder oder regelmäßig selbst.

Bei der Frau gibt es wie beim Mann verschiedene Möglichkeiten auf den Höhepunkt der Selbstbefriedigung zu kommen:

Unter Masturbation wird die manuelle Stimulation der Geschlechtsorgane verstanden, die in der Regel zum Orgasmus führt. Dabei können auch verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen.

Die Masturbation stellt gemeinsam mit dem Geschlechtsverkehr die häufigste Form sexueller Aktivitäten dar. Auch als Sexpraktik gemeinsam mit dem Partner ist sie beliebt, da bei vielen Menschen durch die Beobachtung des masturbierenden Partners die sexuelle Erregung gesteigert wird.

Kennenlernen des Körpers

Frau

Masturbation mit Hilfe der Finger

Das Mastubieren mit Hilfe der Finger wird umgangssprachlich auch Fingern bezeichnet. Hierbei wird der Schritt gestreichelt. Dadurch wird eine körpereigenes Gleitmittel von der Scheide produziert. Es ermöglicht, dass 1 bis 4 Finger in die Scheide eingeführt werden können und verstärkt die Stimulation der Klitoris, welche mit ausgeführt wird. Viele Frauen befriedigen sich auf den Rücken liegend mit dieser Technik. In Bauchlage ist diese Form der Stimulation auch möglich und wird sogar intensiver wahrgenommen, da die Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. In Seitenlage ist diese Art von Befriedigung nicht realisierbar.

Die Fingernägel sollten keine scharfen Kanten haben (-> Nagelfeile zum Abrunden), jedoch müssen sie nicht auf ein Minimum gekürzt werden.

Autocunnilingus

Einführen von Gegenständen

(Es wird davon abgeraten scharfkantige oder spitze Gegenstände einzuführen, da die Verletzungsgefahr sehr groß ist. Des Weiteren sollten alle Gegenstände mit einem Kondom überzogen sein.)

Duschstrahl

Mann

Instiktiv versuchen die meisten Männer möglichst schnell zu kommen, wogegen an sich nichts spricht. Jedoch entgehen ihnen so lustvolle Gefühle.

Das langsame und genussvolle Masturbieren ist eine Möglichkeit, die Kontrolle des Orgasmus zu erlernen bzw. zu üben.

Sexuelle Fantasien

Hodensack Vorhautbändchen

Empfindsamkeit des Körpers nach dem Höhepunkt

Den Ganzen Körper

Das Masturbieren im stehen intensiviert die Gefühle und bezieht vorallem den ganzen Körper mit ein.

Ein zuschnelles Masturbieren kann durch die entstehende Reibwärmung die Haut reizen. Gleitcream, Wasser oder Öl können die Reibung veringern und so dabei helfen den Höhepunkt hinauszuzögern.

Autofellatio

Hilfsmittel

Von Staubsaugern[1] oder Radiatoren ist abzuraten.

Gummipuppen Seemannsbraut

Formen der Masturbation

Im häufigsten Fall handelt es sich bei der Masturbation um eine geschlechtliche Selbstbefriedigung, also eine Form der Autosexualität. Eine Masturbation kann jedoch auch an und durch andere Personen ausgeführt werden. Neben der häufigsten Form der Masturbation durch die Benutzung der Hand als Stimulationswerkzeug gibt es auch verschiedene Sexspielzeuge und Masturbationshilfen, die zur Unterstützung der Masturbation eingesetzt werden können.

Orte

Bett Dusche Badewanne

still für sich alleine

Techniken und Statistiken

Viele Menschen befriedigen sich in unregelmäßigen Abständen selbst. Statistisch betrachtet masturbieren mehr Männer (ca. 94 %) als Frauen (ca. 60 bis 80 %)[2], und sie tun dies laut Umfragen auch häufiger. Viele davon entdecken die Masturbation und ihren eigenen Körper bereits in der frühen  Pubertät, einige erst später und manche schon als Kleinkind. Männer masturbieren mit etwa 12 Jahren zum ersten Mal, Frauen erst wenn sie auf die 20 zugehen.[2]

Masturbiert wird auf ganz unterschiedliche Weise. Mit den Händen bzw. Fingern oder Hilfsmitteln werden die eigenen erogenen Zonen des Körpers stimuliert. Dabei können Gleitmittel (da kein Kondom benötigt wird, ist hier auch einfaches Pflanzenöl beliebt) die Reizung verbessern.

Es gibt auch technische Hilfsmittel wie  Vibratoren und  Dildos. Im Spezialhandel erhältlich sind auch  Puppen mit weiblichen oder männlichen Sexualmerkmalen. Das Masturbieren erfolgt oft unter starker Beteiligung der Phantasie. Durch optische Reize, durch Musik, durch das Betrachten erotischer Fotos oder Filme (beispielsweise Erotik- oder Pornofilme), durch ein warmes Bad und durch akustische Reize können die beim Onanieren empfundenen Lustgefühle gesteigert werden.

Gelenkigen Menschen ist auch die orale Selbstbefriedigung möglich; man spricht dann bei Männern von Autofellatio (das Wort Nekrotamie ist viel weniger gebräuchlich). Der  Kinsey-Report nennt eine Zahl von 0,2 bis 0,3 % der männlichen Bevölkerung, die dazu in der Lage sind. Hingegen ist die Zahl der Männer, die dies wenigstens ausprobiert haben, wesentlich höher; auch ist dies ein nicht seltener Bestandteil masturbatorischer Traum-Phantasien. Kinsey vermutet hier einen animalischen Hintergrund, denn bei Primaten ist Autofellatio eine normale Form der sexuellen Betätigung.

Bei Frauen wird diese Fähigkeit entsprechend als Autocunnilingus bezeichnet. Eine geeignete Stellung bei Frauen ist jedoch mit extrem wenigen Ausnahmen unmöglich.


Mythen

Falsche Vorstellungen kursierten über Jahrhunderte, dass „Selbstbefleckung” die gesunde geschlechtliche Entwicklung eines Knaben behindere und zur Gehirnerweichung und zum Rückenmarksschwund führe. Auch Krebs, Wahnsinn oder Lepra sollten angeblich die Folge der Masturbation sein. Erst nachdem  Robert Koch 1882 den Tuberkelbazillus entdeckte, behaupten die Mediziner nicht mehr, dass Masturbieren Tuberkulose hervorrufe.

Neben gesundheitlichen Gefahren wurden auch moralische Argumente gegen die Masturbation vorgebracht: sie sei egoistisch, verleite zur Disziplinlosigkeit und stelle ein „nutzloses Vergnügen“ dar. Die Masturbation fördere die Abkapselung des Masturbators von der Gesellschaft, da er zu seiner sexuellen Befriedigung keinen Partner benötigt.

Sigmund Freud befasste sich eingehend mit der Masturbation und führte die Gegenthese, Masturbation sei in der Jugend natürlich und für Kinder förderlich, um die eigene Sexualität zu entdecken. Exzessive Masturbation sah er jedoch als mögliche Ursache für Neurasthenie (Nervenschwäche) an.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war der Glaube weit verbreitet, dass Akne durch Masturbation hervorgerufen werde. Die Hypothese konnte sich wohl deshalb so lange halten, weil Jugendliche in der Pubertät fast immer unter Akne leiden und gleichzeitig in der Pubertät auch häufig masturbieren (siehe auch Cum hoc ergo propter hoc). Bis in die 1980er Jahre wurde Masturbation auch in medizinischen Kreisen gelegentlich als unreife, im Erwachsenenalter pathologische Form der Sexualität betrachtet.[3]

Anthropologisch

In Muelos: A Stone Age Superstition about Sexuality[4] rekonstruiert der US-Anthropologe  Weston La Barre die Ursachen des weltweiten Aberglaubens, männliche Masturbation führe zur Minderung von Nervensubstanz, und entdeckt sie in einer primitiven Fehleinschätzung des Wesens menschlicher Hirnmasse, die nicht als Substrat für Informationsverarbeitung, sondern Kraftstoff vorgestellt werde.

Philosophisch

Der Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant sah Selbstbefriedigung als eine sittliche Verfehlung. Für ihn war der natürliche Zweck des Sexualtriebes, dem nicht zuwider gehandelt werden dürfe, die Fortpflanzung. In seiner Metaphysik der Sitten legt er dar, dass die „wohllüstige Selbstschändung“ (d. h. die Masturbation) eine Verletzung der Pflicht des Menschen gegen sich selbst sei, weil er seine eigene Persönlichkeit aufgebe, indem er sich selbst als reines Mittel zur Befriedigung seiner Triebe gebrauche.[5] Diese Selbstaufgabe erfordere nicht einmal Mut, sondern nur ein Nachgeben gegenüber dem Trieb, und wird deshalb von Kant als noch schlimmeres moralisches Vergehen bewertet als der  Selbstmord. Aus heutiger Sicht ist die restriktive Meinung Kants veraltet. Die Masturbation wird ethisch und philosophisch als meist harmlos oder sogar als fröhliche Bereicherung des eigenen Lebens betrachtet.

Heutige Entwicklungen

Wissenschaftlich geklärt und allgemein bekannt ist, dass Masturbation nicht mit gesundheitlichen Schäden verbunden ist. Beim Mann kann regelmäßiges Masturbieren sogar dem  Prostatakrebs vorbeugen.[6] Viele Menschen sind der Auffassung, dass Selbstbefriedigung kein Ersatz für etwas ist, sondern eine eigenständige Form der Sexualität, die dem persönlichen  Lustgewinn dient und für die Entwicklung einer gesunden Sexualität hilfreich ist.

siehe auch

w:Autoerotischer Unfall

Einzelnachweise

  1. w:Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
  2. 2,0 2,1 Lifeline: Selbstbefriedigung (aufgerufen am 7. August 2008)
  3. Vgl. etwa Einträge « Masturbation » und « Perversion » in: André Domart, Jacques Bourneuf (Hrsg.): Nouveau Larousse Médical. Librairie Larousse, Paris 1981, ISBN 2-03-501301-1
  4. Muelos: A Stone Age Superstition about Sexuality
  5. Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten, 2. Teil, I. § 7
  6. Sexual factors and prostate cancer 2003 erschienen im British Journal of Urology (BJU International, Bd. 92, S. 211)