Soziologische Klassiker/ Das soziologische Dorf/ Ethnomethodologie

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[Bearbeiten] Ethnomethodologie

Die Ethnomethodologie hat sich aus dem Symbolischen Interaktionismus heraus entwickelt - wie der Symbolische Interaktionismus ist auch die Ethnomethodologie als eine bewusste Reaktion auf die theoretische Dominanz des Strukturfunktionalismus zu verstehen. Sie wurden in den 1960er Jahren durch Harold Garfinkel begründet und ist keine systematisch ausgearbeitete Theorie sondern eine praktische Forschungsrichtung. Die Vorsilbe ethno deutet darauf hin, dass es sich um die Untersuchung von etwas Fremden handelt.
Garfinkel untersucht jedoch im Gegensatz zur Ethnologie nicht fremde Kulturen, sondern die eigene im Hinblick auf das als selbstverständlich erscheinende Alltagswissen und Alltagshandeln. Er sieht es nicht als gesichert an, dass die Gesellschaftsmitglieder über die notwendigen Voraussetzungen zur alltäglichen Interaktion verfügen und dieses Wissen auch methodisch einsetzen können. Das bedeutet er setzt noch eine Stufe unter dem Symbolischen Interaktionismus an, in dem er Konstitutionsbedingungen jener Bedeutungen analysiert, die in den Interaktionsprozessen schon vorausgesetzt werden (beim Symbolischen Interaktionismus). Garfinkel erachtete kleinste Alltags-Sequenzen als interessant wie beispielsweise Begrüßungsrituale oder Einkaufssituationen.
Die Ethnomethodologie kann somit in der Mikroebene der Theorien verortet werden, das Hauptinteresse des Ansatzes liegt in den Regelstrukturen des Alltages.
Durch die Ethnomethodologie wurde erst deutlich, wie viele Informationen, Definitionen und Erwartungen in alltäglichen Interaktions-Situationen mitspielen - diese werden normalerweise nicht mitreflektiert, weil dies das Individuum handlungsunfähig machen würde. [1]

[Bearbeiten] Empirische Konzepte

Der theoretische Hintergrund von Garfinkels praktischer Arbeit ist die Lösung des (sozialen) Ordnungsproblems - er hat dazu drei empirische Konzepte innerhalb seiner Ethnomethodologie entworfen:

  • Methode der dokumentarischen Interaktion: bei dieser Methode werden Interaktions-Sequenzen detailliert aufgezeichnet (Mimik, Gestik, Tonfall etc.) und rekonstruktiv interpretiert. Das Verhalten der Individuen wird bei dieser Methode bewußt nicht gewertet.
  • Krisenexperimente:: Die Ergebnisse vieler solcher dokumentarischer Interpretationen hat Garfinkel in den so genannten Krisenexperimenten in die Praxis umgesetzt. In den Krisenexperimenten werden eingespielte Erwartungen in Alltagssituationen nicht erwartungsgemäß erfüllt. Garfinkel hat diese Krisenexperimente mithilfe seiner StudentInnen in verschiedenster Weise durchgeführt. Ein Beispiel wäre der Auftrag in einem Restaurant einen Gast permanent so zu behandeln, als sei er der Kellner oder die Kellnerin.
  • Lebensweltanalyse: bei Garfinkel in der Selbstdeutung von Agnes - Agnes ist wenn man die anatomischen Merkmale betrachtet ein Mann, gefühlsmäßig jedoch eine Frau. Agnes versucht die herkömmliche Geschlechterkategorisierung auf sich selbst anzuwenden. Sie baut sich selbst eine neue Geschlechtsidentität (als Frau) auf, in dem sie sich an Typisierungen orientiert. Bei dieser Lebensweltyanalyse wird die soziale Konstruktion der Kategorie "Geschlecht" erst sichtbar.

[2]

[Bearbeiten] Literatur

  • Balog, Andreas (2001):
    "Neue Entwicklungen in der soziologischen Theorie. Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis der Grundprobleme"
    Stuttgart
  • Treibel, Annette (2006):
    "Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Kapitel V: Geschlecht als soziale Konstruktion und Dekonstruktion (Goffman, Garfinkel, Kessler/McKenna, Hirschauer, Lindemann, Hagemann-White, Gildemeister, Butler). S 101-128. 7. Auflage"
    Wiesbaden

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Vgl. Balog, 2001, S 106 sowie Treibel, 2006
  2. Vgl. Treibel, 2006 sowie Balog, 2001, S 111f
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