Traditionsrechtschreibung: s, ss und ß

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Am Wort- oder Silbenende steht nie ss. Deshalb gilt die bekannte Eselsbrücke

ss am Schluß bringt Verdruß.

Wörter wie Hinweis oder Wagnis werden mit einfachem s geschrieben. Sie klingen wegen der Auslautverhärtung des Deutschen immer scharf. Deshalb führt die Bezeichnung des Eszett als „scharfes s“ in die Irre. Ansonsten steht am Wortende auch nie ss, sondern immer Eszett. Selbst Fremdwörter wie Fitneß werden schon lange mit Eszett geschrieben.

[Bearbeiten] s oder ss/ß?

Die Entscheidung, ob ein einfaches s, oder ein ss/ß zu schreiben ist, ist nicht einfach zu treffen. Grundsätzlich orientiert sich die Schreibung an der Aussprache. Da, wo ein stimmhaftes s [z] gesprochen wird, wird ein einfaches s geschrieben. Das einfache s bleibt auch erhalten, wenn sich die Aussprache im Vergleich zum Grundwort durch Auslautverhärtung ändert. Z.B.: lesen - lies. Stimmhaft ist das s immer am Wortanfang und nach l, m, n und r. Stimmlos ist es immer nach kurzem Vokal. Nach langem Vokal und Diphthong kann die Stimmhaftigkeit nicht vorausgesagt werden und wirkt oft auch bedeutungsunterscheidend.

Beispiele für einfaches s:

sagen, saugen, Sichel, Sonne, Elster, Amsel, Insel, Arsenal, leise, faseln, Basis, lesen, lies, Läuse, Laus,

Beispiele für ss/ß:

müssen, fassen, fressen, schießen, grüßen

Beispiele, bei denen die Schreibung bedeutungsunterscheidend ist:

reisen - reißen, Geisel - Geißel, das - daß, Muse - Muße

Diese Regeln sind nicht immer einfach anzuwenden, v.a. auch, weil die Menschen unterschiedlich sprechen. So gibt es in Österreich das stimmhafte s gar nicht. Weiters gibt es noch einige Ausnahmen:

Eis(bein), Mies(muschel), mies (schlecht), fies (widerwärtig), gries (grau), Gries(gram) aber Grieß(brei), gleisnerisch, Grus (Asche) aber Gruß, Reis, Preis, Vlies, Gros (Maßeinheit)

Siehe auch: Wortendung.

[Bearbeiten] ß oder ss?

Diese Entscheidung ist ganz einfach zu treffen. Man muß wissen, daß das Eszett einfach eine andere Schreibweise für ss ist. Es ist eine Lesehilfe. Das ß ist ein ss, das man nicht trennen kann. Es gilt daher folgende einfache Regel:

Ein ß steht immer dann, wenn man es nach den Regeln der Silbentrennung nicht als -s-s- trennen kann.

Man muß also nur nach Sprechsilben schreiben, dann macht man es automatisch richtig: Endet die Sprechsilbe mitten im ss, schreibt man ss, sonst immer Eszett.

Eine andere, aber beim Schreiben nicht so leicht umsetzbare Formulierung derselben Regel lautet:

"ss" steht nur zwischen zwei Vokalen, von denen der erste kurz ist; sonst steht "ß".
  • schmeißen würde getrennt als schmei-ßen ; es steht also ß.
  • Preußen würde getrennt als Preu-ßen; es steht also ß.
  • anläßlich würde getrennt als an-läß-lich; es steht also ß.
  • ich feßle würde getrennt als ich feß-le; es steht also ß.
  • Spaßmacher würde getrennt als Spaß-macher; es steht also ß.
  • Spaß, Haß lassen sich gar nicht trennen; es steht also ß.
  • spaßig würde getrennt als spa-ßig; es steht also ß
  • müssen würde hingegen getrennt als müs-sen; es steht also kein ß
  • Rößl würde nach Sprechsilben zwar Rös-sl getrennt; da aber nur Silben mit Vokalbuchstaben abgetrennt werden dürfen, darf Rößl nicht getrennt werden - es steht also ß.

Zu beachten ist, daß in der Schweiz das ß außer Gebrauch gekommen und offiziell abgeschafft worden ist und nur noch ss geschrieben wird (reissen, Musse, fliessen). Hier gilt dann die Trennung (reis-sen, Mus-se, flies-sen). Einige Schweizer Literaturverlage verwenden das ß freilich dennoch weiterhin.

Fremdwörter können, sofern sie bereits eingedeutscht sind, wahlweise nach obiger Regel (Busineß, Fairneß), oder in Originalschreibweise (Business, Fairness) geschrieben werden.

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