Visual Basic .NET: Einstieg in Microsoft Visual Basic

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Dieses Kapitel beschreibt für Microsoft Visual Basic bzw. Microsoft Visual Studio spezifische Vorgehensweisen, die auf SharpDevelop nicht zutreffen. Als SharpDevelop-Nutzer lesen Sie stattdessen bitte das Kapitel Einstieg in SharpDevelop.

[Bearbeiten] Installation und Einrichtung

Microsoft Visual Basic 2008 Express Edition glänzt durch eine relativ autonome Installationsroutine, die, soweit noch nicht vorhanden, auch den nötigen Unterbau installiert, vor allem das .NET-Framework, auf Wunsch aber auch nützliche Zusätze wie z.B. die Microsoft SQL Server 2008 Express Edition, die für Datenbankprogrammierung unerlässlich ist.

Nach erfolgreicher Installation kann Visual Basic 2008 durch die angelegten Verknüpfungen auf dem Desktop oder im Startmenü gestartet werden. Der Start verzögert sich vielleicht ein wenig, weil das .NET-Framework erst seine recht umfangreichen Laufzeitbibliotheken laden muss. Hat sich das Fenster aufgebaut, zeigt sich zuerst die in blau gehaltene Startseite, die einen ersten Überblick über die Oberfläche gibt: Ganz oben finden sich Windows-typisch Menü und Symbolleisten; darunter ein Register, das zurzeit nur einen Reiter enthält, nämlich "Startseite". In diesem Reiter ordnet Visual Basic alle geöffneten Dokumente an, etwa Code-Bearbeitungsfenster. Dazu später mehr.

Links und rechts neben der Startseite sowie darunter sieht man weitere Reiter, etwa Projektmappen-Explorer rechts oder Toolbox links. Hier gruppiert Visual Basic häufig benötigte Informationen und Einstellungsmöglichkeiten. Bewegen Sie den Mauszeiger über einen der Reiter, so fährt das zugehörige Menü heraus und stellt seine Funktionalitäten zur Verfügung. Wird der Mauszeiger wieder aus dem Fenster herausbewegt, zieht es sich wieder zurück. Klicken Sie auf die Pinnnadel am oberen rechten Rand eines solchen Fensters, bleibt es stehen, auch wenn man den Mauszeiger herausbewegt. Ein erneuter Klick auf die (nun stehende) Pinnnadel hebt diese Feststellung auf, das Fenster verschwindet wieder. Dies ist später z.B. für die Fehlerliste und die Toolbox recht nützlich. Sollten Sie eines der Fenster an der Seite versehentlich schließen, so können Sie es über den entsprechenden Eintrag im Menü Ansicht wieder öffnen.

Wie jedes andere Programm muss aber auch Visual Basic 2008 nach dem ersten Start an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden, um ein zügiges Arbeiten zu ermöglichen. Hier ein paar unverbindliche Empfehlungen, die Sie natürlich abändern oder vollkommen ignorieren können:

  • Im Menü Ansicht > Symbolleisten können Sie Symbolleisten auswählen. Sehr nützlich sind neben Standard die Symbolleisten Erstellen und Debuggen. Wie in Microsoft Office können die Symbolleisten verschoben und in mehreren Reihen angeordnet werden.
  • Im Menü Ansicht sollten Sie, sofern sie nicht schon geöffnet wurden, folgende Fenster öffnen: Toolbox, Dokumentgliederung, Fehlerliste, Aufgabenliste, Direktfenster, Projektmappen-Explorer und Eigenschaften. Einige der Fenster finden Sie auch im Untermenü Ansicht > Weitere Fenster.

[Bearbeiten] Ein erster Test

Nach dieser recht trockenen Anpassungsarbeit wollen wir nun ein erstes Testprojekt erstellen. Dies dient vor allem dazu, die Arbeitsschritte zu verdeutlichen.

  • Auf der Startseite klicken Sie unter Zuletzt geöffnete Projekte auf Erstellen: Projekt.... Im folgenden Fenster wählen Sie links zunächst Visual Basic > Windows aus (dieser Punkt ist vielleicht unter Andere Sprachen versteckt). Dann klicken Sie rechts auf "Konsolenanwendung"; dieser Anwendungstyp ist sehr einfach zu handhaben und wird uns in der nächsten Zeit beschäftigen. Zuletzt sollte der voreingestellte Name, ConsoleApplication1, in einen eindeutigeren Namen geändert werden, z.B. Erster Test oder Testprojekt. Dieser Name sollte im Allgemeinen der Name des Programmes sein, das Sie schreiben wollen.
  • Ein Klick auf OK lässt Visual Basic das Projekt erstellen. Nach kurzer Wartezeit rückt die Startseite in den Hintergrund, auf dem Register oben erscheint ein neuer Reiter mit der Aufschrift „Module1.vb“. So heißt die Datei, in die wir unseren Code hineinschreiben. Im Fenster, dort, wo vorher die Startseite zu sehen war, ist jetzt ein kleiner Text zu sehen.

Crystal Clear app terminal.png Code:  

Module Module1
 
    Sub Main()
 
    End Sub
 
End Module
  • Das ist bereits Code; er wurde von Visual Studio als Vorlage erstellt, damit wir gleich loslegen können. Dass das bereits ein komplettes Programm ist, können Sie gleich ausprobieren, indem Sie in der Standard-Symbolleiste auf das grüne, nach rechts zeigende Dreieck klicken. Das Projekt wird dann erstellt, d.h. der bereits vorhandene Code wird in den .NET-Zwischencode übersetzt, dann wird dieser ausgeführt.
  • Sie sollten nun kurz ein schwarzes Konsolenfenster sehen, dass sofort wieder verschwindet. Der Grund ist einfach: Da das Programm nichts zu tun hat, beendet es sich sofort.
  • Beachten Sie, dass bestimmte Wörter blau gefärbt sind. Das ist die sogenannte Syntaxhervorhebung. Besondere Syntaxelemente, das sind Teile des Codes, die diesen in bestimmte Bereiche unterteilen oder in irgendeiner Art von Bedeutung sind, werden hervorgehoben. In blau erscheinen etwa Schlüsselwörter, das sind Wörter mit einer besonderen Bedeutung (z.B. Module oder End).
  • Die Untätigkeit des Programmes wollen wir jetzt beenden. Wir wollen dabei eine alte Tradition fortführen, die besagt, dass das erste Programm in einem Programmierkurs immer die Nachricht Hello world! (Hallo Welt!) ausgibt.
  • Klicken Sie in die Zeile zwischen Sub ... und End Sub, um den Cursor in diese Zeile zu setzen, und fügen Sie folgenden Code ein.

Crystal Clear app terminal.png Code:  

System.Console.WriteLine("Hello World.")
  • Wie Ihnen unweigerlich auffallen wird, erscheint, nachdem Sie den ersten Punkt eingegeben haben, ein Menü mit vielen englischen Begriffen. Hier bietet Visual Basic Möglichkeiten an, die Zeile logisch zu beenden. Probieren Sie dieses Menü noch einmal aus, indem Sie die eben eingefügte Zeile löschen und neu eintippen. Nach dem ersten Punkt können Sie mit den Pfeiltasten oder der Maus durch das Menü blättern. Achten Sie auch auf die Erklärungen, die erscheinen, wenn die Markierung länger über einem Element verweilt.
    Haben Sie die Zeile nun eingegeben, klicken Sie irgendwo anders hin, um den Cursor aus der Zeile zu entfernen. Wie sie bemerken werden, rückt Visual Basic die Zeile um acht Leerzeichen nach links ein. Das macht Visual Basic automatisch (und auf Wunsch auch abschaltbar), da diese Einrückung die logischen Zusammenhänge deutlicher erkennbar macht. Außerdem werden Sie bemerken, dass die Syntaxhervorhebung erneut aktiv wird. Die Abschnitte in Anführungszeichen werden weinrot markiert. Es handelt sich hier um Zeichenketten. Diese erscheinen direkt im Programm, wie Sie gleich sehen werden. Fügen Sie jedoch zuerst hinter der eben eingegebenen zwei weitere Zeilen ein, sodass Ihr Code am Ende wie folgt aussieht:

Crystal Clear app terminal.png Code:

Module Module1
Sub Main()
 Console.WriteLine("Hallo Welt!")
End Sub
End Module
  • Klicken Sie in der Symbolleiste oben erneut auf das grüne Dreieck, um das Programm zu erzeugen (dieser Vorgang heißt in der Fachsprache kompilieren, entsprechend ist das ausführende Programm ein Compiler). Ist dies geschehen, startet das Programm und in der Konsole erscheint wie gewünscht „Hello world.“. Drücken Sie [Enter], so wird das Programm beendet.
  • Zunächst jedoch wollen Sie sicherlich (wenn auch nur zu Übungszwecken) den Code speichern. Visual Basic hat im Hintergrund ein Projekt und eine sogenannte Solution angelegt. Das Projekt erhält die erforderlichen Informationen sowie Verweise auf die Dateien, in denen der Code enthalten ist. Ein Projekt ergibt beim Kompilieren immer genau ein Programm, sprich eine .exe-Datei. Die Solution (engl. Lösung) enthält das angelegte Projekt. Solutions können aber auch mehrere Projekte enthalten, die zu ebensovielen Programmen kompiliert werden. Damit können mehrere Projekte, die thematisch zusammengehören, gruppiert werden. (Das Ergebnis ist eine Softwarelösung, daher Solution.)
    Um das Projekt und die Solution zu speichern, klicken Sie in der Standard-Symbolleiste auf den Diskettenstapel. Es erscheint ein Fenster, in dem drei Einstellungen vorgenommen werden müssen:
    • Unter Name wird der Name des Unterordners eingestellt, in dem das Projekt erstellt wird. Als Voreinstellung ist der Projektname angegeben, der manchmal geändert werden muss, aber für diese Demonstration ausreichend ist.
    • Speicherort enthält den Ordner, in dem der Unterordner mit dem Projekt und der Solution erstellt wird. Er ist auf einen Ordner voreingestellt, der bei der Installation von Visual Basic eben für diesen Zweck erstellt wurde. Auch diese Voreinstellung ist meist akzeptabel, Sie können Sie aber verändern, etwa wenn Sie bereits einen speziellen Ordner eingerichtet haben, in dem Sie Ihren Code speichern.
    • Ein Projektmappenverzeichnis ist nur für Solutions mit mehreren Projekten erforderlich. Diese Projekte werden dann in separaten Unterverzeichnissen abgelegt, damit die dazugehörigen Dateien einfacher auseinandergehalten werden können. Für unser Testprojekt ist ein Projektmappenverzeichnis nicht erforderlich, Sie können den Haken entfernen und auf Speichern klicken.

[Bearbeiten] Speicherung von Projekten

Öffnen Sie nun einmal den Ordner, in dem Sie das Projekt gespeichert haben, z.B. C:\Eigene Dateien\Visual Studio 2008\Projects\Test. (Ich gehe im Folgenden davon aus, dass das Projekt "Test" heißt.) Hier finden Sie folgende Dateien:

Dateiname Bedeutung
Test.sln Die Solution. Ein Klick hierauf öffnet das zugehörige Projekt in Visual Basic.
Test.suo Die Solution User Options enthalten Informationen zum Aussehen der Benutzeroberfläche, z.B. welches Fenster zuletzt geöffnet war. So kann Visual Basic genauso wiederhergestellt werden, wie es vor dem Schließen aussah.
Test.vbproj Das Projekt. Ein Klick hierauf öffnet das Projekt ebenfalls in Visual Basic, jedoch ist dieser Weg nicht zu empfehlen, da dabei die Solution und die Solution User Options unterschlagen werden.
Test.vbproj.user Ähnlich den Solution User Options, nur mehr auf das Projekt bezogen als auf die Solution.
Form1.vb Enthält den von Ihnen zum Formular Form1 geschriebenen Code.
Form1.Designer.vb Enthält den Entwurf des Formulars Form1.
Form1.resx Die Ressourcendatei zu Form1. Enthält z.B. Grafiken, in diesem Fall nur das Symbol, das im Formular links oben zu sehen ist.

Außerdem sind drei Ordner zu sehen: My Project enthält weitere Einstellungsdateien. (Manchmal gibt es auch noch einen Ordner Resources, der eingebundene Bilder und Symbole enthält.) obj enthält temporäre Dateien, die während der Projekterstellung anfallen. bin enthält die Programme selber, unterteilt in zwei Verzeichnisse namens Debug und Release. Debug enthält das Programm, das mit dem Klick auf das grüne Dreieck in Visual Basic erstellt wird. Diese Version ist auf das Testen optimiert und kann mit Visual Basic ferngesteuert werden. Release (engl. Veröffentlichung) enthält eine andere Version des Programmes, die schneller arbeitet und, wie der Name schon sagt, zur Veröffentlichung bereit ist (natürlich würden sie dieses Testprojekt nicht veröffentlichen, aber in der Theorie wäre das mit dieser Version am besten möglich). Um die Release-Version zu erstellen, öffnen Sie die Solution in Visual Basic und klicken in der Erstellen-Symbolleiste (drei Symbole mit gepunkteten Quadraten und Pfeilen) auf das linke Symbol Test erstellen (kann je nach Name des Projekts anders heißen). Im Release-Ordner erscheint dann im Explorer die Anwendung als .exe-Datei. (Die anderen Dateien sind für uns irrelevant.)

Geschafft. Durch den Theorieteil sind wir durch. Blättern Sie nun zwei Seiten weiter, um mit der Auswertung des "Hello world!"-Programmes in die Praxis einzusteigen. (Die Folgeseite enthält Informationen zu SharpDevelop, einer Alternative zu Microsoft Visual Basic, die jetzt für uns irrelevant ist, da wir uns in Microsoft Visual Basic 2008 zurechtfinden.)

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