Wikijunior Großkatzen/ Geschichte
Aus Wikibooks
[Bearbeiten] Die Verwandtschaft der Carnivoren (Fleischfresser)
Alle Fleischfresser oder auch Carnivoren sind miteinander verwandt. Sie stammen von einem sehr frühen Vorfahren ab, Miacis. Das war ein wieselartiger Baumbewohner, der vom frühen bis späten Eozän in Nordamerika und im späten Eozän in Europa und Asien lebte. (Das Eozän ist ein Zeitalter, was vor zirka 58 Millionen Jahren begann und vor 36 Millionen Jahren endete.) Dieser Vorfahre, Miacis, hatte ein größeres Gehirn als die anderen Fleischfresser der Zeit. Wahrscheinlich ist Miacis deshalb der Vorfahre der heutigen Fleischfresser. Die Ordnung der Carnivora (fleischfressende Säugetiere) ist aufgeteilt in verschiedene Gruppen, die eng mit einander verwandt sind. Diese Gruppen werden Familien genannt. Großkatzen gehören zur Familie der Katzen (Felidae).
[Bearbeiten] Wie alt ist die Familie der Katzen (Felidae)?
Die meisten Versteinerungen (Fossilien) von Katzen finden sich aus dem späten Eozän. Sie sind also zirka 34 Millionen Jahre alt. Würde jedes dieser Jahre nur eine Sekunde dauern (Das ist ungefähr die Zeit, die Du benötigst, um „einundzwanzig“ zu sagen.), würden diese Katzen vor einem Jahr und fünf Wochen gelebt haben. Im Vergleich dazu wurden die Pyramiden von Gizeh vor etwa 83 Minuten erbaut und das Internet vor weniger als 14 Sekunden erschaffen. Der erste bekannte Katzenartige war Aelurogale. Sein Nachkomme, Proailurus, begründete die Hauptzweige der Familie der Katzen, die wir heute in den zwei Säbelzahntiger-Linien sehen. Dieser Proailurus lebte in Europa vor zirka 30 bis 20 Millionen Jahren.
[Bearbeiten] Bemerkenswerte fossile Katzen
- Smilodon – ua. Smilodon fatalis. Er wird oft Säbelzahntiger genannt, obwohl er kein Tiger ist. Und Säbelzahn-Katze wäre auch nicht richtig, weil es nicht nur eine Linie von Katzen mit Säbelzähnen gab. Er ist die bekannteste fossile Katze. Smilodon lebte in Nord- und Südamerika vor 3 Millionen bis vor etwa 10.000 Jahren. Ein ausgewachsener Smilodon wog in etwa 203 kg und hatte 17 cm lange Eckzähne, um seine große Beute zu schlagen.
- Der Amerikanische Löwe – Panthera atrox. Er lebte vor ungefähr 25.000 bis vor 10.000 Jahren in Nordamerika. Würde er noch leben, wäre er um zirka ein Viertel größer als der Afrikanische Löwe und sogar größer als der Sibirische Tiger. Das durchschnittliche Männchen war 3,5 m lang und wog 235 kg. Weibchen waren kleiner und wogen um die 175 kg. Fossile Hinweise lassen vermuten, dass dieser Löwe das höchst entwickelte Gehirn aller je bekannten Katzen hatte.
- Der Eurasische Höhlenlöwe – Panthera spelaea. Er lebte vor zirka 35.000 bis 10.000 Jahren auf dem eurasischen Kontinent, also von England bis Sibirien. Er war die größte Katze, die jemals lebte. Er war sogar noch größer als der Amerikanische Löwe. Alte Höhlenmalereien und Schnitzereien weisen darauf hin, dass diese Katze schwache Streifen, manche Männchen wohl ein leichte Mähne, einen buschigen Schwanz und vorstehende Ohren hatte.
- Miracinonyx – ua. Miracinonyx trumani. Manchmal wird er auch Amerikanischer Gepard genannt. Er hat große Ähnlichkeit mit einem heutigen Gepard. Er fing seine Beute bspw. mit der gleichen Sprinttaktik. Man glaubt, dass der heutige Gepard und Miracinonyx den gleichen Vorfahren haben – den Puma. Miracinonyx lebte vor etwa 3 Millionen bis 10.000 Jahren in den Prärien und weiten Ebenen von Nordamerika, wo er sich darauf spezialisierte, sich gerade neu entwickelnde Pflanzenfresser, wie den Gabelbock, zu jagen.
[Bearbeiten] Katzen und Menschen in der Geschichte
Viele Jahre wurde die Hauskatze als eine eigene Rasse der Art Katzen beschrieben, Felis catus. Heute glaubt man, die Hauskatze sei nur eine Unterart der Wildkatze (Felis sylvestris), und hat ihr deshalb den Namen Felis sylvestris catus gegeben. Archäologische Funde zeigen eine Beziehung zwischen Menschen und Katzen für die letzten 8.000 Jahre. Die ungewöhnlichste Beziehung bestand wohl bei den alten Ägyptern. Sie behandelten Katzen als Kinder der Göttin Bast. Auch wurden Katzen mumifiziert und mit großer Ehrfurcht behandelt und verehrt. Auch andere Völker hielten Katzen für die verschiedensten Zwecke. Allerdings dauerten diese Beziehungen nie lange genug, um die Katzen als Hauskatzen erscheinen zu lassen. Ein geeigneter Begriff für Löwen oder Geparden, die einen menschlichen Freund akzeptieren, ist wohl „menschlich sozialisiert“. Dieser Begriff zeigt, dass die Tiere immer noch all ihre wilden Instinkte besitzen, was es schwer macht, mit ihnen umzugehen und immer eine Gefahr birgt. Es gibt Malereien und Schnitzereien, die antike, große Herrscher mit Großkatzen zeigen, die neben ihrem Thron sitzen. Auch benutzten viele den Gepard für die Jagd auf schnelle, wendige Tiere. Einige fossile Arten wie der Smilodon (Säbelzahntiger), der Höhlenlöwe und der Amerikanische Löwe wurden schon früh von den Menschen gejagt, was auch zum Aussterben mit beitrug. Hoffentlich werden in Zukunft nicht auch wir verantwortlich gemacht für das Verschwinden anderer großartiger Tiere.
[Bearbeiten] Anmerkung zu den wissenschaftlichen Namen
In den späten Jahren des 18. Jahrhunderts (also ca. 1770 bis 1799) wurde Latein von vielen verschiedenen Ländern der Welt benutzt. (Latein ist die Sprache, die im antiken Rom gesprochen wurde.) Der Grund hierfür ist, dass sogar in einer Sprache unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dasselbe Tier gebräuchlich sind oder waren. So z. B. beim Puma, der auch Berglöwe genannt wird. Nicht zu vergessen die verschiedenen Bezeichnungen in anderen Sprachen, wie z. B. Englisch, Russisch, Griechisch, Französisch und viele andere. Um Verwirrungen zu beenden, einigten sich die Wissenschaftler auf eine lateinische Bezeichnung, da diese Sprache nicht mehr gesprochen wurde und wird. Fossile Tiere und Lebewesen haben nur lateinische Bezeichnungen, denn sie hatten nie alltägliche. Darum haben viele fossile Großkatzen einen komplizierten Namen wie etwa Miracinonyx inexpectatus und keinen kurzen wie etwa Löwe.