Wikis in Organisationen: Kontrolle
Aus Wikibooks
Wikis werden zwar politisch gesehen sicherlich als liberal eingestuft, basieren aber, bei abgegrenzter Betrachtung, grundlegend auf einem denunzierenden, selbstjustizfordernden Überwachungssystem, von dem George Orwell sich nicht hätte zu träumen getraut.
Das klingt zwar reißerisch, aber wenn man sich ein Wiki aus der Sicht des Inhalts betrachtet, so wird dieser, sofern das Wiki lebt einer ständigen und totalen Kontrolle ausgesetzt.
Die qualitätsschaffenden Mechanismen, hauptsächlich der Peer-Review, sind darauf ausgelegt, jede Änderung haarklein zu beobachten und zu hinterfragen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Kontrollverlustängste
Wikis verändern die Kultur, vor allem die Arbeitsweise. Der klassische Weg Kommunikation und Information durch ein Prüfsystem laufen zu lassen und zu validieren, wird umgedreht und durch einen nacheilenden Prüfprozess ersetzt. Dieses Vorgehen wird in der Autoindustrie oder der Softwareherstellung (beta) längst erfolgreich angewandt.
Wichtig ist nun, dass Verantwortliche verstehen, dass es überhaupt ein Prüfsystem gibt. Oft reagieren aber genau diese mit einer Abwehrhaltung, sobald das bisherige System auch nur gering in Frage gestellt wird.
Als zweiter oder begleitender Schritt ist es wichtig, zu zeigen, dass mehr überwacht sobald mehr im Wiki kommuniziert wird und weniger im Flurfunk.
[Bearbeiten] Vergleich
Die meisten anderen, herkömmlichen Kommunikationsbasen sind da viel träger:
- Änderungen an Datenbeständen auf Festplatten oder Aktenordnern werden seltenst kontrolliert. Diese aktiven Kontrollen, welche im vorhinein geschaltet sind, sind oft unterbesetzt oder können nicht wirken, um nicht auszubremsen. Die Handlungsanweisung zur Aufnahme neuer Mitglieder (z. B. Neue Mitarbeiter) wird zwar von einer Person erstellt, dann aber organisatorisch nur von einer meist vorgesetzten Funktion gegengelesen. Hat diese nicht sofort 6 gute Änderungen, dann passiert die Anweisung entweder schlecht geprüft, oder bleibt für immer hängen (je nach Vorgesetztencoleur)
- Änderungen im mündlichen sind teilweise besser fundiert, da öfters kommuniziert, jedoch ist dies für Außenstehende nicht nachvollziehbar.
[Bearbeiten] Push & Pull
Die Push-Pull-Strategie sind im Kontext des Marketing zwei verschiedene Möglichkeiten, Konsumgüter durch einen Absatzkanal abzusetzen. Betrachtet man dies auch für Informationsverbreitung, so kann man Medien auch in diese zwei Arten einteilen. Ein Megafon auf einer Straße ist eher Push, ein Buch in wissenschaftlicher Sprache ohne Bilder in der hintersten Ecke einer Bibliothek eher Pull.
Wikis werden von den meisten Anfängern als eher als Pull-Medium bezeichnet, da Änderungen und Neuerungen nicht bemerkt werden. Real betrachtet ist ein wiki aber ein Push-Medium, wenn nicht das allerschärfste.
[Bearbeiten] Monitoring
Eine Wiki lebt von seiner Veränderung, doch diese müssen gut überwachbar sein. Dazu ist es wichtig das die Software nicht nur mitteilt das etwas verändert wurde, sondern auch was.
[Bearbeiten] Änderungsdarstellung
Die sogenannte Diff-Darstellung beschreibt synoptisch welche Textphrasen verändert wurden. Hilfsmittel zur Benachrichtigung sind Beobachtungslisten und letzte Änderungen, aber auch externe wie Email oder RSS.
[Bearbeiten] Benachrichtigung
Um die Änderungen an einem Wiki mitzubekommen gibt es unterschiedliche Darstellungen, diese gelistet nach "Professionalitätsgrad" auf:
- die meisten Wikisoftwares haben die Möglichkeit sich per eMail benachrichtigen zu lassen wenn einzelne Artikel geändert wurden.
- Beobachtungsliste
- angemeldete Benutzer können sich Artikel auf eine Liste gruppieren und können diese speziell beobachten
- Beobachtungsseiten
- globale Änderungslisten zu einem Thema (z. B. Abteilung)
- Recent Changes
- hier bekommt man alles mit, jeden Startartikel, jeden typo und jeden Vandalismus. Bei gut funktionierenden Wikis sind das jedoch viele Änderungen in weniger Zeit, man braucht hier etwas Übung oder wiederum Monitoring tools (Musikausgabe für recents ).
[Bearbeiten] Priorität
Das Monitoring muss aber auch einen Overload verhindern. In jeden Wiki tritt wenn es läuft eine hohe Anzahl an Änderungen auf, die man nicht alle Beobachten muss, kann oder will. So kann man sich auf unterschiedlichste Art und Weise die Änderungen die relevant sind prioritisieren lassen.
Durch Beobachtungslisten (gibt es nicht in jeder Software) kann man sich einen eigenen speziellen Bereich anzeigen lassen.
Um nicht jede Änderung, wie z.B Rechtschreibfehler, zwangsweise mit zu bekommen, gibt es in den meisten Softwares die Funktion der kleine Änderung. So können User die eine nicht relevante Änderung machen diese als solche markieren, die anderen User können diese dann ausblenden. Dieses System bedarf natürlich etwas Vertrauen.
[Bearbeiten] Datenschutz
Bei aller Freude über die transparente Organisation, darf man nicht vergessen das diese Transparenz auch ein Gläsernheit bedeutet. Eine so große Sammlung an Information lässt nicht nur perfekte Rückschlüsse auf die Organisation zu sondern auch auf deren Mitglieder und deren Teilnahme Partizipation und Qualität.
Datenschutz heißt hier nicht nur das Informationen nur an berechtigte gelangen sondern auch das nicht alle Informationen ausgewertet werden welche ausgewertet werden können. Vor allem arbeitsrechtlich muss definiert werden was, wie ausgewertete wird.
In einem funktionierendem Wiki lässt sich zwar ablesen wer viel positives beisteuert, aber auch wer wenig oder qualitativ schlechtes hinzufügt. Zwar ist auch das keine Besonderheit bei Wikis, aber es geht einfacher als z.B. eMail verkehr zu auszuwerten.
Theorie: Begriffe | Abgrenzung | Anwendung
Praxis: Ordnung | Kultur | Leben | Kontrolle | Datenschutz
Projekt: Einführung | Anforderungen an das Wiki & die Organisation | Software | Schulung
Meta: Referenzen | Nachwort