Wikis in Organisationen: Kultur
Wikis sind in erster Linie keine Fragen der Technik, sondern der Organisationskultur. Wikis sind eine Art Informationen zu sammeln, aber auch diese pragmatisch in Frage zu stellen, darüber diskutieren. Betrachtet man Wikis nicht nur als großen Haufen an Information, sondern an eine Kultur wie man mit dieser umgeht, so kann man sagen Wikis sind Kommunikation; schaffende, kreative Kommunikation.
Die Entscheidungsfindung läuft anders ab als in bisher bekannten Strukturen, vor allem läuft sie schneller ab; und sie setzte formal Verantwortliche unter hohen Druck Veränderungen mitzutragen. Genau so wie die Welt da draußen wo Marktveränderungen, Innovationen, Ereignisse einfach passieren.
Veränderungen passieren, selten ist es möglich das Menschen die Dinge zu Entscheiden haben alles kontrollieren können. Nicht erst seit der "Erfindung" kooperativer Führungsstile müssen Veränderungen von allen getragen werden. Meistens sind sich alle über das Ziel einig, doch nicht über die Wege.
Oft sind diese in unterschiedlicher Richtung oder haben Prioritäten. Die Kunst ist es diese alle unter einen Hut zu bekommen.
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Gruppe [Bearbeiten]
In Web2.0 Anwendungen, und dazu gehören Wiki zweifelsohne, spricht man ja wenn es um die aktiven Nutzer geht um die Gruppe, so kann man die Organisationsmitglieder die man mit einem Wiki beglücken will nicht in eine solche Gruppe umbauen. Ein Wiki ändert nicht die Organisationsstruktur, dennoch ändert ein Wiki die Kommunikationsstruktur.
Führung [Bearbeiten]
„Wikis können bei Führungskräften Bauchschmerzen verursachen“ ([1]). Ob sich ein Wiki durchsetzt oder nicht ist bei einer klassischen gewachsenen Organisation nicht nur von deren inhaltlicher Qualität abhängig, sondern auch auch von der Akzeptanz der hierarchischen Spitze. Jeder Chef, Vorstand oder eben jeweils der Hauptverantwortliche in dessen Bereich das Wiki "stattfindet" muss dieses legitimieren, sonst ist die Masse der Nutzer in ihrem Zweifel immer bestätigt das Wiki wäre nicht so richtig offiziell. Das Management muss, oder besser darf, nicht versuchen das Wiki aufzuzwingen, dafür eignet es sich sehr schlecht. Aber es muss als Kultur prägende Instanz eine Kultur erlauben und ermöglichen die ein Wiki trägt. „Generell gelte dann in solch einem System: Vertrauen ist billiger als Kontrolle.“ ([2])
Hierarchie [Bearbeiten]
Eine Hierarchie ist ein System von Elementen, die einander über- bzw. untergeordnet sind. Ein Wiki als Kommunikationsmedium braucht Entscheidungen.
Wikis die in bestehenden Organisation eingeführt werden sollen sind von natürlichen Wikis abzugrenzen. Ein Wiki das in eine bestehende Organisation eingeführt wird kann man dann vielleicht als aufgesetztes Wiki bezeichnen. Ein Wiki greift scheinbar zunächst jede bestehende Ordnung an.
Bei natürlichen Wikis baut sich eine Heterarchie um den Wachstumsprozess herum auf. Im Beispiel der Wikipedia bilden sich Kompetenzen und werden auch durch besondere Rechte ausgebaut. So gibt es das z.B. right to leave. In einem aufgesetzten Wiki gibt es auch das right to leave aber das hängt nicht unbedingt kausal mit dem Vorgehen im Wiki ab.
Viele mit organisatorischer und vor allem personeller Verantwortung legen Wert darauf, diese auch kontrollieren zu können. Daher ist ein System, das diese Kontrolle erst ein mal per se abgibt, eher ungeeignet. Die Möglichkeit durch ein Wiki mehr organisatorische Information zu kontrollieren erscheint den meisten nicht und muss erst beigebracht werden. Ein erfolgreiches aufgesetztes Wiki stellt jede bestehende Ordnung ideal dar.
Als Beispiel sei hier die politische Betrachtung der Machtstrukturen in der Wikipedia erwähnt.
"Grundsätzlich muss man auf die Abhängigkeit der Nonprofit-Organisation von ihrer Umwelt hinweisen."[3]
Gefahren [Bearbeiten]
Die Steuerung eines Wikis oder besser gesagt die Machtverhältnisse entscheiden hauptsächlich über den Erfolg:
- Kümmert sich gar niemand um Ordnung, Struktur und Entscheidungsfälle, sondern schreiben ein paar irgendwas und verknüpfen da nicht zu einem Gesamtkonstrukt, so herrscht eine Anomie. Das Wiki wird unter diesen Voraussetzungen nie von Nutzen sein, da nur die Schreiber selber wissen, wo sie was gespeichert haben und kein anderer daran partizipieren kann.
- Gerade in gewachsenen Organisationen kann es passieren, dass von einer Gruppe, welche meist nicht durch einen meritokratischen Prozess oder konsensbasiert legitimiert ist, Entscheidungen getroffen oder ausführt werden, zwar strukturell von dieser Gruppe getragen sind, aber für die Mehrheit der Nutzer keinen Mehrwert bilden.
Man sieht, ein Wiki ist fast ein ideale Abbildung realer politische Gesellschaftsstrukturen, betrachtet man das Modell der Wissensgesellschaft noch viel mehr.
Charaktere [Bearbeiten]
Es gibt unterschiedliche Nutzer in einem organisatorisch aufgesetzten Wiki.
- den Großteil der Nutzer machen immer die zustimmenden Passiven aus, diese Nutzergruppe nutzt die Inhalte zwar, ist auch bereit Inhalte einzutragen, die offensichtlich sind (z.B. fehlende Teile einer Auflistung) würde aber nie auf die Idee kommen, Kreativität einzusetzen, um neue Inhaltskategorien auf die Beine zu stellen. Für diese Gruppe schreibt man Wikis, hier ist der größte passive Nutzen zu verzeichnen.
- wahrscheinlich nutzen die ewigen Gegner das Wiki auch inhaltlich, nur in Ausnahmefällen lassen sich diese Inhalte als Worddokument zuschicken. Sind aber immer zur Stelle wenn es bei Fehlern um vernichtende Kritik und Infragestellung geht. Diese Kritik ist aber leicht durch einen objektiven Vergleich des vorliegenden Fehlers und der selben Situation oder ähnliche Fehler aus den Alternativsystemen zu blocken. Die Argumentation gegen einen nicht vorhandenen Informationsaustausch ist auch denkbar einfach. Dennoch ist der klassische konservative Antiwiki nicht von seiner Wahrheit zu überzeugen, und selbst beim größten Erfolg wird noch gegen das Wiki gewettert.
- der klassische Besserwisser kann an einem Wiki sehr gut beobachtet werden. Diese Personengruppe lehnt ein Wiki nicht ab, kommt aber definiert seine eigenen Vorstellung von Größe, Qualität, Struktur oder Umgang als grundlegende Wahrheit. Ihm fehlt der Horizont zum Glauben an Autopoiesis. Dennoch sind diese oft gute und geflissentliche Schreiber, auch wenn man Ihnen immer vor Augen halten muss das Regeln einen Sinn haben müssen und nicht nur blind eingehalten werden müssen und eben auch immer in Frage zu stellen sein müssen.
- Der eMailer kommuniziert auch weiterhin über eMail, auch eher wissensartige Inhalte werden wie schon immer in eMails verpackt. Aber dieser Typus meint das nicht böse. Er ist wahrscheinlich eine Person die in der Komunikation einen Ansprechpartner braucht.
- eine weitere Gruppe ist die der "Geisteswissenschaftler", zwar excellent um schwierige Inhalte aufzubereiten und darzustellen, also ein wissenschaftlicher Umgang mit Wissen, doch haben diese oft das Problem organisatorische Gegebenheiten richtig dazustellen oder auch die Wikikultur in die Organisation zu vermitteln.
Die Site wikipatterns.com beschreibt ähnlich aber in größerer Differenzierung, Gruppierungen die in einem Wikiprojekt auftreten können.
Autopoiesis [Bearbeiten]
Autopoiesis ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems. Autopoiesis ist das charakteristische Organisationsmerkmal von Lebewesen bzw. lebenden Systemen. Zwar kann man viel über die Ordnung in Wikis skizzieren, welche Ordnung im Endeffekt kommt, kann man nicht vorgeben. Tut man es doch, behindert man den Wachstumsprozess.
Autopoiesis heißt natürlich auch nicht, dass ein Wiki sich selber aufräumt. Es bedarf schon einiger Arbeit von Nutzern, die sich aber schnell auszahlt.
Die Regelung was, auf welche Weise und in welcher Qualität in einem Wiki steht, soll immer von sich herauskommen. Im Idealfall ist das dann der Common Sense der betreffenden Organisation.
Begeistern [Bearbeiten]
SAP muss man einführen, die meisten CRMs muss man schulen, für Wikis muss man die Leute begeistern.
Wikis sind so einfach erklärt wie eMail, wichtig ist aber vor allem den Usern die Ängste vor der Unordnung oder der plötzlichen Anarchie zu nehmen.
- YouTube - Wikis in Plain English Basicerklärung wie und warum man Wikis als Gruppe verwendet
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ Bedrohen Wikis die Macht von Managern?
- ↑ Soziale Betriebswirtschaft
- ↑ nonprofits-vernetzt.de/blog/index.php/wikis-und-macht
Theorie: Begriffe | Abgrenzung | Anwendung
Praxis: Ordnung | Kultur | Leben | Kontrolle | Datenschutz
Projekt: Einführung | Anforderungen an das Wiki & die Organisation | Software | Schulung
Meta: Referenzen | Nachwort