Zivilisationen des Altertums
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[Bearbeiten] Einleitung
[Bearbeiten] Ägypten
Die ägyptische Hochkultur beginnt mit der Prädynastischen Zeit. In dieser Zeit entsteht ein Reich in Oberägypten. Militärische Expansionen richten sich gegen Norden in das Nildelta. Dort erobern sie das heutige Unterägypten. Damit vollzog sich der erste Schritt der Reichseinigung.
Bis 3000 v. Chr. erreichen die Ägypter die ersten kulturellen Höhepunkte wie z. B. die Entwicklung der Schrift. Es beginnt die Thinitenzeit, die Frühzeit Ägyptens. In dieser frühdynastischen Epoche stößt der Thinitenkönig Aha von Ober- nach Unterägypten vor und leitet die Reichseinigung ein. Er lässt eine zentrale Verwaltung in der neuen Hauptstadt Memphis errichten.
Bis zum Ende der ersten Dynastie 2780 v. Chr. konsoldiert sich der ägyptische Staat. Abydos, Hierakonpolis, Buto und Sais mit ihren vordynastischen Kultstätten sind die geistigen Zentren Ägyptens, dessen Einfluss sich bis auf Nubiens Norden zwischen Gebel es-Silsile und dem Wadi Halfa erstreckt.
[Bearbeiten] Das Alte Reich
Das Alte Reich beginnt mit der dritten Dynastie 2707 v. Chr. in der das Reich in Gaue gegliedert wird. Das Alte Reich ist auch die Zeit, in der der typisch ägyptische Ausdruck in Kunst, Religion und Kultur gefunden wurde. Seit der dritten Dynastie nimmt die Vorstellung von der Sonne als Weltgott festere Gestalt an und drängt die ältere Überzeugung vom König als Weltgott in den Hintergrund. Der Anspruch des Königs konzentrierte sich deshalb darauf, auch nach seinem Tode noch wirksame Kraft zu besitzen. Sichtbares Zeichen dieser Behauptung sind seit Djoser die Pyramiden, die, immer größer und fester gebaut, Körper und wirkende Kraft der toten Könige in alle Ewigkeit erhalten sollen. Den Höhepunkt erreichte diese Auseinandersetzung unter den Königen Cheops und Chephren, die die größten je geschaffenen Pyramiden bei Giseh errichten ließen. Ägypten wird zum absoluten Königsstaat. Nubien befreit sich von der ägyptischen Herrschaft, die nun schon seit langem andauert. Die Folge davon sind Unruhen und Hungersnöte die zum Zusammenbruch des alten Reichs führen.
[Bearbeiten] Die Erste Zwischenzeit
In der Ersten Zwischenzeit 2216 v. Chr., nach der sechsten Dynastie, zerfällt Ägypten und unter den neu entstandenen Herrschaftsgebieten bekommen zwei Städte eine besondere Bedeutung, Theben und Herakleopolis. Den Herakleopoliten, die in Unterägypten leben, gelingt es abtrünnige Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Dem Thebaner Mentuhotep II. gelingt es nach seinem Aufstieg Ober- und Unterägypten wieder zu vereinigen.
Nubien wird wieder zurückerobert. Am Ende der 11. Dynastie 2025 v. Chr. endet die erste Zwischenzeit.
[Bearbeiten] Das Mittlere Reich
Das Mittlere Reich ist die zweite große Epoche des ägyptischen Reiches. Es umfasst die 12. und Teile der 13. Dynastie. Am Beginn der 12. Dynastie steht Amenemhet I., der den Kult um Amun fördert und ihn zur wichtigsten Gottheit deklariert. In dieser Zeit scheint Ägypten im Reichtum zu leben. Amenemhet I. gelingt es auch, die Grenzen Ägyptens bis ins Herz Nubiens auszudehnen. Mit Phönizien wird eine Handelsbeziehung geknüpft und die Gegend um das Fayum wird entwässert. Später lässt Amenemhet III. eine große Residenz bauen. Sein Nachfolger Sesostris III. ist einer der mächtigsten Herrscher, den Ägypten je hatte. Nun schafft er es endgültig und besetzt Nubien ganz.
Als die Hyksos 1648 v. Chr. in das Nildelta eindringen, zerfällt das Mittlere Reich.
[Bearbeiten] Die Zweite Zwischenzeit
Mit der Zweiten Zwischenzeit beginnt die dunkelste Zeitepoche Ägyptens. Sie wird durch den Einfall semitischer Völker aus dem Osten gekennzeichnet. Die Hyksos besetzen fruchtbare Gebiete und machen Avaris zu ihrer Hauptstadt. Nach ungefähr einem Jahrhundert sammeln sich einige Prinzen anderer Dynastien aus Theben und erobern und befreien bis Ende 1540 v. Chr. Ägypten. Ahmose beendet die Zurückeroberung, gründet die 18. Dynastie und vereinigt unter sich ganz Ägypten.
[Bearbeiten] Das Neue Reich
Das Neue Reich umfasst eine Zeitspanne von rund 500 Jahren und gilt als Höhepunkt der ägyptischen Geschichte. Ahmose stellt die Landesgrenze wieder her und Theben wird innerhalb kurzer Zeit zur religiösen und Memphis zur militärischen Hauptstadt.
Thutmosis I. kann die Grenze im Süden des Landes weiter ausbauen, wodurch ein verstärkter Import von Sklaven einsetzt. Nach dem Tode von Hatschepsut kommt Thutmosis III. an die Macht. Seine 33 Kriegszüge sind bis heute berühmt. Das ägyptische Reich umfasst nun auch die Inseln Kreta, Zypern, und die Kykladen. Gegen Ende seiner Regierungszeit stößt Thutmosis III. bis zum 4. Nilkatarakt vor. Somit reicht Ägypten von Napata in Nubien bis zum Euphrat. Mit Thutmosis Ende verliert Ägypten einen seiner bedeutendsten Herrscher.
Die nachfolgenden Herrscher profitieren von der Eroberungspolitik des Vorgängers. Unter ihnen fließen alle Reichtümer Afrikas und des Orients nach Ägypten, dessen Kultur seine höchste Blüte erlebt.
Um 1397 v. Chr. besteigt Amenophis IV. (Echnaton) den Horusthron Ägyptens. Er herrscht rund 16 Jahre lang. Seinen Regierungsitz verlegt er in die von ihm neu erbaute Stadt Achet-Aton. Hier kann er seinem einzigen Gott Aton dienen und huldigen.
Vor Tutanchamuns Regierungsantritt regierten Semenchkare und Neferneferuaton Anchetcheperure (Meritaton?) für wenige Jahre Ägypten.
Sein jugendlicher Nachfolger Tutanchamun muss unter dem Druck der thebanischen Priesterschaft den Aton-Kult wieder abschaffen. Möglicherweise wurde Tutanchamun von mächtigen Militärs stark beeinflusst. Er regierte nur zehn Jahre.
In der Folge geht die Macht in die Hände des Militärs. Eje II. sowie Haremhab waren vor ihrer Inthronisation bedeutende Generäle.
Es folgt die 19. Dynastie mit Ramses I. und Sethos I., der die Eroberungspolitik im Orient wieder aufnimmt und endlich Ramses II., der seine ganzen Kräfte dazu aufbringt, das Hethiterheer zu besiegen. Nach dem Tode Ramses II. ist es schnell mit dem Frieden im Lande vorbei. Von allen Seiten gibt es Unruhen, die jedoch zurückgeschlagen werden. Die 19. Dynastie endet schließlich 1186 v. Chr. mit Thronwirren.
[Bearbeiten] Die Dritte Zwischenzeit bis zur griechisch-römischen Zeit (Spätzeit)
Wirtschaftlich gesehen steht das Land um 1000 v. Chr. vor dem Ruin. Assyrer und Perser, sowie makedonische Griechen besetzen das Land. Die 21. Dynastie wählt Tanis zu ihrer Hauptstadt. In der 25. Dynastie herrschen sogar die verachteten Nubier oder Kuschiter über den Nilstaat. Die Hauptstadt wird nach Napara verlegt. Das Ende war unvermeidbar. Alexander III., bekannt als der Große, besiegelt endgültig das Schicksal Ägyptens und gründet die griechische Herrschaft. Nach dem Tode Alexanders übernimmt Ptolemaios I. die Macht am Nil, Alexandria wird Hauptstadt. 47 v. Chr. landet Caesar in Ägypten. Nach der entscheidenden Schlacht bei Actium, 31 v. Chr., nehmen sich Cleopatra und Marcus Antonius das Leben. Ägypten wird römische Provinz. Auch die römischen Kaiser lassen sich vom ägyptischen Volk als Pharaonen feiern. Nach der Teilung des Römischen Reiches fällt Ägypten an Ostrom.
[Bearbeiten] Mesopotamien
Der Großteil der bekannten Geschichte Mesopotamiens ist geprägt von der schubweisen Einwanderung diverser Völkern. Meist zerfiel die Region in zahlreiche Stadtstaaten, ähnlich wie im antiken Griechenland, denen Könige vorstanden, die miteinander zeitweilig im Krieg standen. Weiterhin gab es Phasen, die von Grossreichen dominiert wurden, sowie Phasen, in denen Mächte aus den Nachbarregionen Eroberungsfeldzüge führten.
Das fruchtbare Mesopotamien lockte im Laufe der Geschichte unzählige Völker an. Im Gegensatz zu Ägypten konnten sich die Einwohner Mesopotamiens wegen der langen, offenen Grenzen nie wirklich gegen neue Einwanderer abschotten.
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Erste menschliche Spuren in Vorderasien fand man aus dem 70. Jahrtausend v. Chr. Neanderthaler lebten hier als Nomaden. Erste feste Siedlungen wie Göbekli Tepe und Nevali Cori entstanden Ende des 9. Jahrtausends in Nordmesopotamien im sogenannten PPN A. Zu dieser Zeit waren domestizierte Tiere und Pflanzen noch unbekannt. Die Besiedlung des südlichen Mesopotamiens beginnt in der Obed-Zeit. Seit der Uruk-Zeit finden sich Städte und die Anfänge der Schrift, die sich aus einem System von Piktogrammen zur sumerischen Keilschrift entwickeln sollte.
[Bearbeiten] Sumerer
Die ersten Schriftzeugnisse in Südmesopotamien sind in sumerischer Sprache verfasst. Manche Sprachforscher vermuten, dass die sumerische Sprache mit dem Mongolischen, dem Türkischen oder dem Ungarischen verwandt sein könnte, und leiten daraus eine Einwanderung der Sumerer ins Zweistromland von Osten her ab, wo sie die Wurzeln dieser Sprachen vermuten. Archäologisch gibt es für eine solche Zuwanderung keine Belege. Die Theorie, dass das südliche Mesopotamien im Neolithikum noch unter dem Meeresspiegel lag, lässt sich inzwischen nicht mehr halten, auch wenn es durch die Erosion im Folge ackerbaulicher Nutzung und Überweidung in Taurus und Zagros zu einem starken Bodenauftrag kam.
Ende des 4. Jahrtausends v.Chr. wurden Technologien für eine effektivere Bewässerung der Felder entwickelt und etabliert, sodass sich erstmals auch größere Städte bilden konnten. Das weitverzweigte Kanalsystem wurde von so genannten Priesterfürsten organisiert und gemeinsam bebaut ("Tempelwirtschaft". Handwerk und Handel gewannen immer mehr an Bedeutung und die Städte wurden immer wohlhabender. Jede dieser Siedlungen war politisch eigenständig.
Die steigenden Anforderungen an die Organisation und auch die Tempelwirtschaft bedingten und begünstigten die Entwicklung einer Schrift. Zunächst diente die Schrift nur der Buchhaltung. Die wichtigste Stadt der Sumerer war Uruk, die Stadt Gilgameschs. Der Epos dieses Helden gilt als das älteste erhaltene literarische Dokument der Menschheit. 2700 v. Chr. wurde die Keilschrift in ihren Möglichkeiten zur Vollendung geführt.
Ab 3000 v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden in das südliche Mesopotamien ein. Die sumerische Königsliste, die auch von einer Sintflut berichtet, dokumentiert diese Wanderungen durch das Auftauchen semitischer Namen. Die Historiker bezeichnen diese Epoche als Frühdynastische Periode, die im 23. Jahrhundert v. Chr. endete.
In dieser Epoche zerbrach die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Paläste wurden für die Könige gebaut, die nicht nur der Repräsentation dienten. Die Könige dieser Zeit wurden "lugal" genannt (= großer Mensch). Ihren Machtanspruch zeigten die Herrscher auch mit ihren Gräbern, indem sie sich mit ihrem Gefolge begraben ließen. Mehrere dieser Königsgräber fand man in der Nähe von Ur.
Weitere Erfindungen, die für die Wirtschaft entscheidende Bedeutung hatten, waren das Rad und die Töpferscheibe (späte Uruk-Zeit).
[Bearbeiten] Einigung und Blütezeit unter Akkad
Mit Sargon von Akkad, einem Stadtstaatenkönig der Sumer, begann eine neue Epoche. Er schuf das erste große vorderasiatische Reich, indem er die vielen Stadtstaaten vereinte, so dass er heute auch als Sargon I. bezeichnet wird. Zu seinem Machtbereich gehörte ganz Mesopotamien sowie Teile Syriens, des Irans und Kleinasiens. Die Stadt Akkad wurde zu seinem Regierungssitz. Die akkadische Sprache verdrängte das Sumerische.
Die Eroberungen Sargons führten zu wirtschaftlichen und kulturellen Verknüpfungen mit den unterworfenen Völkern und den neuen Nachbarn. Der Zugang zum Persischen Golf ließ einen florierenden Seehandel entstehen.
Kulturell wurde das Leben im Reich Sargons I insbesondere von der ägyptischen Kultur beeinflusst. Das zeigte sich sowohl in den bildlichen Darstellungen als auch in der Verehrung des Herrschers als Gott bzw. als Stellvertreter Gottes.
Das Reich der Akkad hatte nicht lange Bestand. Zahlreiche Aufstände und insbesondere das einwandernde Bergvolk der Gutäer beendeten die Epoche (Reich von A.: um 2235-2094 v. Chr.).
Dieses erste große Reich blieb in den Mythen der Region lebendig. So berichten selbst die viel später aufkommenden Assyrer in ihrer Historie von Sargon.
[Bearbeiten] Neuformierung in der Ur III Dynastie
Nach knapp 100 Jahren wurden die Gutäer vertrieben, und die sumerischen Stadtstaaten fanden wieder zu Macht und Größe. Die Stadt Ur wurde erneut zum Zentrum. Die so genannte Ur III-Dynastie dauerte von 2047 - 1939 v. Chr.. Diese Zeit zeichnete sich durch eine straffe Verwaltung aus und durch die Festlegung von Rechtsverordnungen (Codex Urnammu).
Diese Epoche ist die letzte von den Sumerern geprägte Zeit. Ihr Niedergang ist durch das Schwinden der Macht der Städte gekennzeichnet, wodurch ein weiteres Nomadenvolk seine Chance zum Aufstieg bekommen sollte.
[Bearbeiten] Babylonisches Zeitalter
Es ist nicht bekannt, wann die Stadt Babylon gegründet wurde. Erst unter König Hammurapi gelangte die Stadt in den Mittelpunkt des Zeitgeschehens und wurde so bedeutend für die Region, dass die Griechen in der Folge ganz Mesopotamien als Babylonien bezeichneten.
Hammurapi ist der Nachwelt besonders bekannt, weil er eine der ersten überlieferten Gesetzessammlungen verfasste, den sogenannten Kodex Hammurapi. In 280 Paragrafen regelte dieses Werk Aspekte des bürgerlichen Rechts, das Straf- und Verwaltungsrecht. Es definierte zahlreiche Einzelfallentscheidungen, die sich oft durch große Härte auszeichneten. Die Historiker sind sich nicht sicher, wie dauerhaft diese Gesetzessammlung beachtet wurde.
Das Reich Hammurabis zerfiel in den nächsten Jahrhunderten. Die Kassiten wanderten ein, und die Hethiter erstarkten im Westen.
Erst ab dem 15. Jahrhundert v.Chr. erreichte Babylon wieder Weltgeltung. Besonders mit Ägypten gab es engere Beziehungen, da zahlreiche babylonische Prinzessinnen nach Ägypten verheiratet wurden.
[Bearbeiten] Weltreich der Assyrer
Im 18. Jahrhundert v. Chr. vereinte Schamschi-Adad I. zumindest im Norden Mesopotamiens ganz Assyrien, aber in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zerfiel Assyrien bereits wieder, womit das Altassyrische Reich beschlossen wurde. Im 14. Jahrhundert v. Chr. erstarkte als neue Macht Assyrien. Die Herkunfts- und Hauptstadt Assur lag am oberen Tigris. Historiker vermuten, dass die Stadt am Anfang unter der Herrschaft Akkads stand, während die ersten Assyrer nur Nomaden waren.
An der Spitze der Assyrer stand der König, der sich auch als Stellvertreter des Gottes Assur sah. Daneben übten die Kaufleute einen bedeutenden Machtanspruch im Land aus. Assur, geographisch günstig an wichtigen Handelswegen gelegen, handelte mit dem Iran, Babylon und dem heutigen Anatolien.
Unter Assur-uballit I. (1353-1318 v. Chr.) erlangte Assyrien seinen Einfluss zurück. Zahlreiche Eroberungen führten wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der König Tukulti-Ninurta verstand sich wieder als Stellvertreter des Gottes Assur. Er nannte sich selber “Herrscher der vier Erdteile” und machte damit seinen Machtanspruch deutlich. Mit seinem Tod endete aber diese Epoche des Mittelassyrischen Reiches.
Einen letzten Aufschwung erlebte das Reich mit ihrem König Assur-dan III. (935-912 v. Chr.), der zahlreiche aramäische Städte eroberte. Die Assyrer übernahmen von dem Aramäern jedoch allmählich Schrift und Sprache.
Die Könige Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.) und Salmanassar III. (858-824 v. Chr.) erweiterten den assyrischen Machtbereich bis nach Syrien. Nach einigen Rückschlägen und inneren Zwistigkeiten gelang es Tiglat-pileser III. (745-727 v. Chr.) Babylon, Phönizien, Palästina und Israel zu erobern. Der Eroberungsdrang fand 50 Jahre später seinen Höhepunkt in der Eroberung Ägyptens durch Asarhaddon (681-669 v. Chr.). Assurbanipal (669-627 v. Chr.) war der letzte bedeutende Herrscher. Die griechischen Historiker verunglimpften den Herrscher als Schwächling. Heutige Historiker können dieses Urteil nicht bestätigen. Sie sehen in ihm einen erfahrenen Politiker, der sehr belesen war. Seine Bibliothek ist eine bedeutende Quelle für die Geschichte des Zweistromlandes.
18 Jahre nach dem Tod Assurbanipals ging Assyrien endgültig unter. Die vereinigten Meder und Babylonier besiegten die Heere Assyriens (609 v. Chr.) Assur und Ninive wurden vollkommen zerstört und die Assyrer verschwanden schließlich aus dem Gedächtnis der nachfolgenden Generationen, bis dieser Name aus politisch-sozialen Gründen innerhalb des assyrisch/aramäischen Volkes im Osten im 19. Jahrhundert n. Chr. wiederbelebt wurde.
[Bearbeiten] Andere Altorientalische Zivilisationen
[Bearbeiten] Hethiter
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Im 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelte das Volk der Hattier Anatolien. Mit ihm vermischten sich die Hethiter als anatolische Sprachträger, die in der zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. wahrscheinlich aus dem Kaukasus in dieses Gebiet einwanderten. Eine Präzisierung des Zeitpunkts ist schwierig, da weder eine gewaltsame Invasion noch eine Völkerverschiebung im großen Umfang stattfand. Anscheinend kamen hethitische Gruppen nach und nach nach Anatolien und vermischten sich teilweise mit der einheimischen hattischen Bevölkerung. Etwa gleichzeitig kamen auch andere indoeuropäische Einwanderer: Die Luwier ließen sich im Süden und Westen und die Palaier im Norden und Nordwesten Anatoliens nieder. Die Hethiter bildeten die neue Führungsschicht. Unter weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. das Großreich der Hethiter heraus.
Die Hethiter übernahmen von den Hattiern die Bezeichnung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten sie dagegen Nesisch, nach der Stadt Kanesch/Nescha. Der erste hethitische Großkönig, der in Hattuscha/Boğazköy seine Residenz nahm, stammte wie Anitta ursprünglich aus Kuschar, einer Stadt, die noch nicht wiederentdeckt worden ist.
[Bearbeiten] Das hethitische Großreich
Zu diesem Reich zählten weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien. Hauptstadt des Reiches war Hattuscha (heute türk. Bogazköy/Bogazkale) im Norden von Zentralanatolien, etwa 150 km östlich von Ankara.
Hattuscha wurde berühmt, vor allem durch ca. 30 000 Texttafeln, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden. Bis dahin hatte man von den Hethitern nur über die altorientalischen Keilschrifttexte und die ägyptischen Hieroglyphen erfahren, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entziffert worden waren. Dank dem tschechische Orientalisten Friedrich Hrozny konnten ab 1915 auch die hethitischen Texte entziffern werden. Dadurch hatte man über einzigartige Quellen zu Geschichte, Religion und Kultur dieses einzigartigen Volkes.
Die Herrscher Ägyptens und Babyloniens betrachteten den hethitischen Großkönig als gleichrangigen Partner, mit dem sie sowohl diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten als auch Vormachtkämpfe führten. Ein einzigartiges Beispiel für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattusili III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem unter anderem eine Kopie - als ein Symbol für den Frieden - im UNO-Gebäude in New York City zu sehen ist.
Nach dem Untergang des hethitischen Großreichs im frühen 12. Jahrhundert v. Chr., evident durch die Zerstörung der meisten bisher bekannten städtischen Zentren Zentralanatoliens durch Brände und den Verlust unzähliger Schätze, überleben im Osten und sehr wahrscheinlich auch im Süden (Tarhuntassa) noch mehrere Jahrhunderte einige späthethitische (Klein-)Fürstentümer wie Karatepe, Meliddu und Zincirli, die z. T. offenbar zunehmend aramäisiert werden und schließlich unter assyrische Herrschaft fallen.
[Bearbeiten] Phönizier
Der Name "Phönizier" ist von der griechischen Bezeichnung "Phoinikes" abgeleitet. Sie selbst haben sich nie "Phönizier" oder ähnlich genannt, sondern nach den Städten, aus denen sie kamen, z.B. Sidonier = Leute aus Sidon. Die Phönizier zählen zu den ersten, bekannten Seefahrern. Phönikische Gewebe, insbesondere Purpurstoffe, waren in Griechenland sehr geschätzt.
Nach Herodot stammten die Phönizier von den Kanaanitern ab und hatten ihren Ursprung im Gebiet des persischen Golfs. Ihre Sprache war nordwestsemitisch. Eine phönizische Kolonie war Karthago (im heutigen Tunesien). Die Karthager wurden von den Römern Poeni (Punier) genannt.
Die Phönizier waren ausgezeichnete Seefahrer. Sie kolonisierten den Mittelmeerraum von Zypern über Sizilien bis Spanien, bereisten Gadir, Cerne und unter Hanno dem Seefahrer durchfuhren sie (von Karthago aus) Gibraltar und reisten bis zum Golf von Guinea. Sie handelten mit Britannien und kauften Zinn von den Gruben der Halbinsel Cornwall. Es gibt popularwissenschaftliche Theorien, nach denen die phönizischen Seefahrer bereits ca. zwei Jahrtausende vor Christoph Kolumbus den Weg über den Atlantik bis nach Amerika fanden - und regelmässig befuhren. Im 8. Jahrhundert v. Chr. verloren die Phönizier ihre Unabhängigkeit und standen unter dem Einfluss der Assyrer. Im Jahr 701 v. Chr. eroberte das Neuassyrische Reich unter Sanherib Phönikien (außer Tyros).
Ab dem Jahr 586 v. Chr. Zugehörigkeit zum Neubabylonischen Reich, außer Tyros, welches einer 13jährigen Belagerung (von 585 bis 573 v. Chr.) standhalten konnte. Um 520 v. Chr. wiederum kam das Land schließlich unter persische Herrschaft, wobei die phönizischen Städte als persische Vasallenkönigtümer eingegliedert wurden. Unter persischer Herrschaft stellten sie mit ihren Schiffen einen großen Teil der persischen Kriegsflotte.
Im Auftrag des Pharaos Necho II. sollen sie, um 600 v. Chr. eine große Expedition unternommen haben, von der Sinaihalbinsel ausgehend, mit Schiffen von ca. 40 m Länge, ausgestattet mit 40 Riemen (Ruderern) und einem Segel, über Somalia, den Äquator nach Südafrika, und dann entlang der Westküste Afrikas zurück ins Mittelmeer, so dass sie binnen 3 Jahren ganz Afrika umrundeten – eine Strecke von 30.000 km in unbekannten Gewässern. Die Fahrt wurde durch längere Landaufenthalte zum Säen und Ernten von Getreide unterbrochen. Diese Reise wurde von Herodot beschrieben, ist aber sonst nicht verifiziert. Für ihre Plausibilität spricht jedoch, dass nach seinem Bericht die Seefahrer verwundert waren, dass sie, westwärts fahrend, die Mittagssonne auf der rechten Seite (also im Norden) zu sehen bekamen - was Herodot selbst nicht glauben wollte.
Die Zerstörung von Tyros durch Alexander den Großen 332 v. Chr. und Karthagos durch die Römer 146 v. Chr. bedeutete das Ende der Phönizier.
Die heutigen Bewohner des Libanons sind zum großen Teil phönizischer Abstammung mit syro-mesopotamischer Mischung, die sich durch die syrische Christianisierung des Libanons bemerkbar macht. Die maronitische Kirche (zur der die meisten Christen im Libanon gehören) festigte die Verbindung des syrischen Ost-Christentums mit den historischen phönizischen Ursprüngen des Landes.
[Bearbeiten] Das frühe Griechenland
[Bearbeiten] Die griechische Frühzeit
Steinzeitliche Funde aus dem 4. und 3. Jahrtausend v.Chr. weisen auf eine frühe vorgriechische Besiedlung Griechenlands hin. Vergleichbare Stücke aus der Gegend von Korfu, Korinth und Kleinasien lassen auf einen größeren kulturellen Zusammenhang schließen. Daraus entwickelte sich eine bronzezeitliche Kultur mit einheitlichen Merkmalen. Sie heißt für das griechische Festland und die nördliche Ägäis helladisch (Hellas = Griechenland), für Kreta minoisch (nach dem mythischen König Minos). Man hat allgemein die Vorgriechische und Vorthrakische einheitliche Kultur des Mittelmeeres Mediterane Kultur genannt. Sie zeichnet sich durch einfache bäuerliche Lebensformen, offene Siedlungen, kleine weibliche Idole und ohne große Befestigungen oder Burganlagen aus. Außerdem durch vermutete sprachliche Verwandtschaft. Es wurde früher auch von einer mutterrechtlich dominierten Gesellschaft und Kultur ausgegangen. Flur- und Ortsnamen zeugen ebenfalls von einer einheitlichen nicht indogermanen Urbevölkerung, die in der Erinnerung der Griechen als Pelasger, Leleger und Karer bezeichnet wurden. Sie weisen auf die Ägäis und Kleinasien, aber auch mit den Illyrern und Ligurern, sowie den Etruskern und Protothrakern verbindet man diese vorindoeuropäische Bevölkerung im Mittelmeerraum.
[Bearbeiten] Die minoische Kultur
Kreta lag im Schnittpunkt der Seeverbindungen zwischen Ägypten, Kleinasien und dem heutigen Griechenland. Hieraus mag sich die bevorzugte Besiedlung des Ost- und Mittelteils der Insel erklären. Unter orientalischem Einfluss entwickelte sich hier zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. eine eigene vorgriechische Hochkultur. Ihre Zentren waren die Paläste von Knossós, Phaistós und Mallia. Um einen großen Mittelhof gruppierten sich in einer scheinbar planlosen Anlage die verschiedensten Gemächer (Labyrinth): Ohne vom Palast abgesondert zu sein, schloss sich die umliegende Stadt an. Auf mindestens 50.000 Einwohner schätzt man die Bevölkerung von Knossos. Die ungeschützte Lage der Paläste lässt auf eine ungefährdete Königsherrschaft über ganz Kreta schließen. Eine bedeutende Flotte sicherte das Land gegen Angriffe von außen (Thalassokratie = Seeherrschaft). Die Darstellung von Volksfesten auf den Fresken der Palastwände und die unmittelbare Nähe der Stadt lassen eine politische Mitwirkung von Hofgesellschaft und freier Bevölkerung vermuten. Die hervorragende Rolle von Frauen auf den Gemälden in Verbindung mit der Bedeutung weiblicher Gottheiten dokumentiert eine privilegierte Stellung der Frau. Man schloss sogar auf eine matriarchalische Ordnung. Ausgedehnte Vorratsräume und Werkstätten weisen die Paläste auch als Zentren des Wirtschaftslebens und des Handwerks aus. Bilder über die Ablieferung von Abgaben, Tontafeln mit Aufzeichnungen einer geordneten Buchführung deuten auf eine organisierte Verwaltung. Der Export von Gegenständen des hochentwickelten kretischen Kunstgewerbes nach Vorderasien, Ägypten, den Ägäisinseln und Zypern, umgekehrt Funde babylonischer Waren in den kretischen Palästen bezeugen einen weiträumigen Handelsverkehr.
Die minoische Kultur hatte großen Einfluss auf die Ägäis und Südwest-Kleinasien (Karer), bis sie von der mykenischen abgelöst wurde.
Nach der Zerstörung der Paläste um 1450 v. Chr. gewann die mykenische Kultur und Sprache (Linear B) auf Kreta die Vorherrschaft. Schließlich brachte die große ägäische Wanderungsbewegung (Seevölkersturm) ab ca. 1200 v.Chr. das endgültige Ende der minoischen Hochkultur.
[Bearbeiten] Die mykenische Kultur
Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. waren die indoeuropäischen (frühgriechischen) Stämme der Achäer und Ioner in die südliche Balkanhalbinsel eingewandert. Dort passten sie sich der bäuerlichen mediterranen Kultur der ansässigen ägäischen Bevölkerung an. Nach anderer Auffassung waren schon vorher protogriechische Stämme, wahrscheinlich Thraker, eingewandert, wofür vor allem die Mythologie und Ergebnisse der Namenforschung sprechen. Zu Beginn des Späthelladikums bildete sich unter kretischem Einfluss (möglicherweise Einwanderung einer griechisch(?)/indoeuropäischen Führungsschicht, der Danaer, aus Vorderasien via Ägypten über Kreta, was aber höchst spekulativ ist) die erste Hochkultur auf dem Boden des griechischen Mutterlandes heraus, nach einem ihrer Zentren, Mykene in der Argolis, die mykenische Kultur genannt. Stadtstaaten entstanden um die hochgelegenen Burganlagen (Palastwirtschaft/Stadtkönigtum/Wanax) aus mächtigen Steinmauern. Diese stehen im schroffen Gegensatz zu den unbefestigten kretischen Palästen, aber auch der umliegenden einheimischen Kultur. Darin einbezogen waren Häuser für Beamte, Gefolge und Leibwache. Unterhalb lag die offene Siedlung der bäuerlichen Bevölkerung. Den Zug zum Monumentalen unterstreichen gewaltige Kuppelgräber (z.B. das Schatzhaus des Atreus) und das Löwentor von Mykene. Der König war Stammesführer, der im Einvernehmen mit Rat und Heeresversammlung regierte. Die Monumentalbauten wiesen auch nach Kleinasien hin zur Kultur der Hethiter (Löwentor).
Tontafelarchive in der griechischen Silbenschrift Linear B dokumentieren eine geordnete Verwaltung. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage der Wirtschaft. Daneben existierte ein spezialisiertes Gewerbe. Handel zu Lande wurde durch angelegte Straßen unterstützt. Fernhandelsbeziehungen bestanden vor allem zu den vorderasiatischen Ländern und Ägypten. Damit verbunden waren Raubzüge, deren Erfolge an den Schätzen in den repräsentativen Kuppelgräbern abzulesen sind.
[Bearbeiten] Dorische Wanderung und ionische Kolonisation
Um 1200 v.Chr. ging, vermutlich von den sog. "Seevölkern", die in ägyptischen Quellen begegnen, eine Welle von Zerstörungen im gesamten östlichen Mittelmeerraum aus. Sie bedrohten Ägypten, das Hethiterreich in Kleinasien brach zusammen, Zypern und Ugarit sowie eine Reihe von Zentren im syrisch-palestinensischen Raum gerieten in die Hände von Feinden bzw. wurden zerstört. Die mykenischen Staaten verloren dadurch wichtige Handelspartner, was zu einer Metallverknappung und Krisen führte und vermutlich die Palastwirtschaft zusammenbrechen ließ. Die Oberstätte der meisten bisher bekannten Zentren der mykenischen Kultur auf dem griechischen Festland fielen den Flammen zum Opfer. Teils durch Erdbeben, teils durch kriegerische Einwirkungen oder Revolten. Die Organisation der Palastwirtschaft verschwand. Vermutlich ging die Schriftlichkeit verloren und viele Siedlungen wurden aufgegeben. Andere wurden hingegen weiterbesiedelt und die mykenische Kultur hielt sich noch etwa 150 Jahre. Möglicherweise begann gegen Ende der Spätmykenischen Zeit (ca. 1050 v. Chr.) die dorische Wanderung. Der neue Volksstamm der Dorer gewann in einem längeren Prozess die Vorherrschaft in der Peloponnes. Gleichzeitig rückten die sog. Nordwestgriechen in die Landschaften Epirus, Akarnanien und Ätolien ein. Die Äoler waren künftig vorwiegend auf Thessalien und Böotien, die Ioner auf Attika und Euböa beschränkt.
An der Kolonisation der kleinasiatischen Westküste beteiligten sich Angehörige aller griechischen Stämme. Ohne auf nennenswerten Widerstand der Einheimischen zu stoßen, gründeten sie bedeutende griechische Städte wie Milet, Ephesos, Smyrna, die z.T. ältere anatolische Vorläufer hatten. Durch späteren Zuzug aus der Heimat verstärkten die Ioner ihren Anteil, so dass sie in Westkleinasien die Vorherrschaft erlangten.
[Bearbeiten] Das 12. und frühe 11. Jahrhundert v. Chr
Eine der wichtigsten Erkenntnisse nach dem 2. Weltkrieg war, dass die mykenische Kultur noch circa 150 Jahre die Umbrüche von 1200 v. Chr. überdauerte. Um, beziehungsweise kurz nach 1200 v. Chr. wurden viele mykenische Siedlungen – vor allem die mykenischen Paläste – zerstört. Einher ging der Zusammenbruch der mykenischen Strukturen, in denen die Wirtschaft zentral organisiert und gelenkt war, mit einem mächtigen Herrscher (Wanax) an der Spitze. Zwar waren die Umwälzungen gravierend, sie bedeuteten jedoch nicht das Ende der mykenischen Kultur. Viele Zentren wurden wiederbesiedelt und vor allem die mykenische Keramik knüpft ohne klaren Bruch an die Keramik der Palastzeit an. Handel mit anderen Ländern wurde in dieser Phase, die als Spätmykenisch C (oder Späthelladisch III C) bezeichnet wird, weiterhin betrieben. In Tiryns wird sogar die Oberstadt teilweise wiederaufgebaut und in die Ruinen des alten Palastes ein neuer Bau gesetzt, bewohnt vermutlich von einer neuen aristokratischen Schicht, die Wände teilweise mit Fresken verziert.
Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das 12. Jahrhundert geprägt ist von einer Rezession im wirtschaftlichen und demographischen Bereich. Es kommt im Laufe der Spätmykenisch C-Phase lokal immer wieder zu Zerstörungen. Einige Zentren, wie Pylos, wurden nach der Zerstörung um 1200 v. Chr. nie mehr besiedelt, andernorts sank die Bevölkerungszahl. Schriftfunde aus dieser Phase fehlen bisher und die Forschung vermutet, dass mit dem Zusammenbruch der Palastwirtschaft auch die Kenntnis der Schrift verloren gegangen war. Überraschungen gibt es für diese Phase noch immer: Zum Beispiel sind Vasen mit Schiffsdarstellungen gefunden worden, die belegen, dass die Schifffahrt in dieser Zeit offenbar noch eine große Rolle gespielt hat.
Im Laufe des 11. Jahrhunderts verändert sich nicht nur die Keramik (Übergang zur Protogeometrischen Keramik, es treten auch Änderungen in den Bestattungsriten ein und in einigen Gebieten Griechenlands kommt es zu gewaltsamen Zerstörungen. Es wird immer mehr vermutet, dass in dieser Zeit (circa 1050 v. Chr.) die Dorische Wanderung begonnen hat.
[Bearbeiten] Das späte 11. bis 9. Jahrhundert v. Chr.
Die nun folgende Phase ist immer noch diejenige Zeit der griechischen Antike, über die am wenigsten bekannt ist. Die meisten Funde sind Tongefässe (nach deren Verzierungen die Zeit bis circa 900 v. Chr. auch Protogeometrische, die Zeit zwischen circa 900 und circa 700 v. Chr. Geometrische Zeit heißt). Sie stammen fast ausschließlich aus Gräbern. Siedlungen sind nur wenige entdeckt worden. Eine typische Siedlung dieser Phase ist Nichoria in Messenien: eine kleine Siedlung mit kleinen, einstöckigen Gebäuden, rechteckig, oval oder apsisförmig. In einem etwas größeren, aber sehr schlichten Bau wohnte die Führungsfamilie. In ihm wurden auch Versammlungen und Gemeinschaftsgelage abgehalten. Die materielle Hinterlassenschaft zeugt nicht von größerem Wohlstand. Artefakte, die auf intensiveren Fernhandel schließen lassen, fehlen. Damals wurde mehr Viehzucht und Jagd betrieben als in mykenischer Zeit, in der der Schwerpunkt auf Ackerbau lag. In dieser Zeit wurde erstmals das Eisen in nennenswertem Umfang als Werkstoff genutzt, war aber noch sehr kostbar.
Der Eindruck, dass diese Periode ein sehr niedriges Kulturniveau hatte und Griechenland isoliert war, wird auch durch andere Siedlungsfunde bestärkt. Daher waren die Entdeckungen auf Euböa ab Ende der 1970er Jahre sensationell: Dort wurde die Siedlung Lefkandi ausgegraben und sie lieferte ein ganz anderes Bild: In Nekropolen des 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. wurden die Toten oft mit kostbaren Beigaben bestattet, die Wohlstand und Handelsaktivitäten bezeugen. Noch eindrucksvoller waren die Reste eines 45 Meter langen apsisförmigen Gebäudes, in denen der Fürst von Lefkandi lebte. Unter dem Gebäude wurden er und seine Frau bestattet. Neben 4 Pferden wurden ein Messer und ein Schwert aus Eisen (!), Gegenstände und Schmuck aus Gold, Elfenbein und Fayence den Toten beigegeben. Teilweise waren sie reich verziert. Vieles stammt aus Ägypten oder dem Vorderen Orient. Die Funde von Lefkandi zeichnen ein ganz anderes Bild als die übrigen Fundstellen in Griechenland und stehen in starkem Kontrast zu Siedlungen wie Nichoria. Offensichtlich gab es auch im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. Gegenden in Griechenland, in denen die Bevölkerung durch intensive Handelsbeziehungen zu Wohlstand gekommen war.
[Bearbeiten] Das späte 9. und frühe 8. Jahrhundert v. Chr.
Zwar besaßen die Bewohner Euböas schon im 10. Jahrhundert Handelsbeziehungen und Wohlstand, doch ein allgemeiner und steiler Aufschwung setzte in ganz Griechenland erst ab Mitte des 8. Jahrhunderts ein. Erst hier kamen in großem Umfang orientalische Einflüsse nach Griechenland. Gleichzeitig begann die Große Griechische Kolonisation, größere Tempel entstanden und Homer fasste seine Werke in Schriftform, die sich über die mittlerweile überall benutzte Schrift schnell in ganz Griechenland verbreiteten.
Die Bildung von organisierten Stadtstaaten (poleis) in Griechenland wird abgeschlossen und es entstehen für diese unterschiedliche Verfassungen. Die Saat für diesen rapiden Aufstieg der griechischen Staaten in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde schon in den späteren "Dunklen Jahrhunderten" gelegt. Es gab griechische Handelsstationen auf Zypern (vor allem Kition) und Syrien (Al Mina). Dort kann intensiver Handel ab dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Kontakte insbesondere zu Phöniziern hat es aber vermutlich schon im späten 9. Jahrhundert gegeben. Vermutlich noch im 9. Jahrhundert haben die Griechen das Alphabet von den Phöniziern übernommen. Durch Kontakte mit dem Nahen Osten kamen nicht nur materielle Güter, das Alphabet und künstlerische Anregungen nach Griechenland, sondern auch gesellschaftliche und mythologische Einflüsse. All das führte zu höherem Lebensstandard, einem Wachsen der Siedlungen und wirtschaftlichem und politischem Aufschwung.
[Bearbeiten] Das antike Griechenland
[Bearbeiten] Griechenland in der archaischen Zeit (ca. 700–500)
Die archaische Zeit schuf in vielerlei Hinsicht das Fundament für die klassische Zeit des antiken Griechenlands. Am Anfang stehen nach dem „Dunklen Zeitalter“ die homerischen Epen, die Ilias und Odyssee, die wohl um 750/30 (Ilias) bzw. ca. 720/00 (Odyssee) in schriftlicher Form niedergelegt wurden (Zeitpunkt in der Forschung umstritten, siehe auch homerische Frage). Wohl noch vor Homer entstanden auch die Dichtungen des Hesiod.
In dieser Zeit formierte sich in Griechenland langsam ein neues Staatensystem, dessen Ausbildung möglicherweise schon im 12. Jh. v. Chr., spätestens aber in geometrischer Zeit (etwa 1050–700 v. Chr.) beginnt: Die Polis (Stadtstaat) wurde die beherrschende Staatsform (außer in Teilen von Nord-Griechenland und Teilen des Peloponnes). Der Adel, der zunächst noch kein Geburtsadel war, gewann an Einfluß und gleichzeitig wurde, dadurch bedingt, die Königsherrschaft immer mehr zurückgedrängt und verschwand größtenteils. So traten unter anderem verstärkt Oligarchien auf, während in anderen Stadtstaaten die Bevölkerung stärker an der Regierung beteiligt war. Die Demokratie (siehe auch das Prinzip der Isonomie, die Rechtsgleichheit) wie im Falle Athens entwickelte sich jedoch erst vollkommen in klassischer Zeit. Vollbürger waren in der Polis berechtigt, am politischen Leben teilzunehmen. Der Grad der Mitbestimmung war freilich von Stadt zu Stadt unterschiedlich abgestuft. Oft hatten Poleis nur ein kleines begrenztes Umland (Chora). Große Poleis mit weitläufiger Chora, wie Athen und Sparta, waren die Ausnahme. In der Regel verfügte jede Polis über eine Akropolis sowie eine Agora (Marktplatz als wirtschaftliches und auch politisches Zentrum).
Bereits Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. sollen Griechen nach Kleinasien – z. B. nach Milet (angeblich 1053 v. Chr. besiedelt, vorher jedoch bereits Jahrhunderte griechisch) oder Smyrna (Besiedlung in so früher Zeit jedoch bisher nicht nachgewiesen) etc. – übergesiedelt sein (s. auch ionische Kolonisation, Kolonisation). Es kam im Zeitraum von ca. 750–550 schließlich zur großen Kolonisation, in deren Verlauf in weiten Teilen des Schwarzmeergebiets und in vielen Gegenden des Mittelmeerraums Tochterstädte gegründet wurden. Hier wurden vor allem in Unteritalien und auf Sizilien – z. B. 735 Naxos und 730 Syrakus (Daten nach Thukydides) – viele Kolonien gegründet. Vergleiche auch Magna Graecia. Gründe waren neben Überbevölkerung und Sicherung von Handelswegen auch innenpolitische Schwierigkeiten (Stichwort stasis, als Synonym für Kämpfe innerhalb einer Polis). Dabei darf man den Begriff "Kolonisation" nicht nach modernen Maßstäben benutzen. Die neugegründeten Städte waren unabhängig von der Mutterstadt und die Ansiedlung geschah in der Regel dort, wo mit keinem ernsthaften Widerstand durch einheimische Kräfte zu rechnen war.
Der Horizont der griechischen Welt reichte damit über den gesamten Mittelmeerraum mit der Ägäis als Zentrum. In der Zeit ab 700 verstärkte sich der Einfluss orientalischer Elemente auf die Kunst, wobei zunächst Städte auf Euböa, bald darauf das mächtige Korinth eine wichtige Vermittlerrolle spielte. Die Griechen übernahmen zuvor schon das Alphabet der Phönizier und gestalteten es für ihre Zwecke um.
In diesem Zeitraum entstand auch die ionische Philosophie (wobei sich beispielsweise Pythagoras ebenso mit Mathematik beschäftigt hatte), während sich auf dem griechischen Festland verschiedene Poleis bekriegten. Auf der Peloponnes war zunächst Argos lange Zeit führend, doch gelang es Sparta, nach der Eroberung Messeniens (in mehreren erbittert geführten Kriegen bis 640) und einer Reform des Gemeinwesens, zur führenden Militärmacht Griechenlands zu werden. Längst hatte sich das Militärmodell der Bürgerwehren (siehe Hoplitentaktik) durchgesetzt. Um 550 gründete Sparta schließlich den Peloponnesischen Bund und zementierte damit seinen Herrschaftsanspruch.
Im 7. Jh. und 6. Jh. erlebte auch die Regierungsform der Tyrannis eine Blüte. So namentlich in Korinth, wo die Krypseliden um 660 an die Macht kamen und damit die früheste Tyrannis in Griechenland einrichteten, sowie in Sikyon, Samos, später auch in Athen. Auch im Westen kamen in späterer Zeit Tyrannen an die Macht, wobei die Entwicklung auf Sizilien recht spektakulär verlief (siehe Gelon, Agathokles). Der Begriff Tyrannis stammte aus Kleinasien und bezeichnete zunächst ohne Wertung eine Alleinherrschaft. In der Regel übernahm ein mächtiger Aristokrat die Führung innerhalb einer Polis und sicherte seine Macht durch militärische Kräfte ab und suchte zudem Unterstützung bei anderen Tyrannen. Gegeben war also keine rechtliche Grundlage, sondern eine rein machtpolitische. Im griechischen Mutterland stellte jedoch etwa Sparta sich dieser Regierungsform entgegen und bekämpfte sie energisch.
Die antike griechische Welt kannte kein Nationalgefühl im modernen Sinn. Ein vergleichsweise "nationales" Großereignis waren allein die Olympischen Spiele, an denen auch Griechen beispielsweise aus Unteritalien teilnahmen; ähnlich wie das Orakel von Delphi eine panhellenische Bedeutung hatte. Es gab außerdem (dies ist ein Verdienst der homerischen Epen; die ersten Tempelbauten entstanden denn auch erst in archaischer Zeit) einen Götterkanon. Ohnehin war die antike griechische Welt tief religiös. Wenn es sich auch um keine Buchreligion handelte - die Religion wurde durch Mythen und Heroengeschichten bestimmt -, wurden doch fast alle öffentlichen und privaten Handlungen von Anrufungen an die Götter begleitet. Jede Polis, mochte sie noch so klein sein, wachte streng über die eigene Autonomie und war nicht bereit, diese freiwillig aufzugeben. Dadurch bedingt war der Krieg im antiken Griechenland eher der Normalzustand (siehe die Kämpfe zwischen Athen und Ägina oder zwischen Sparta und Argos). Ein wirkliches Gemeinschaftgefühl entwickelte sich erst am Vorabend der Perserkriege.
510 wurde schließlich die Tyrannis in Athen beseitigt. Athen war bereits vorher zur Vormacht in Attika geworden, während Theben später ähnliches in Böotien versuchen sollte. In Kleinasien kam es kurz danach zu einem Ereignis, das Weltgeschichte schreiben sollte: der Ionische Aufstand (500–494).
[Bearbeiten] Griechenland in klassischer Zeit (um 500–336)
[Bearbeiten] Ionischer Aufstand und Perserkriege
Der Ionische Aufstand (ca. 500–494), der seit Jahrzehnten unter persischer Oberherrschaft stehenden kleinasiatischen und zyprischen Griechen gegen das Perserreich, war von Athen nur halbherzig unterstützt worden. Dennoch rüstete der persische Großkönig Dareios I. zum Vergeltungsfeldzug, dem Beginn der Perserkriege, über die uns der Vater der Geschichte Herodot in seinem Geschichtswerk Auskunft gibt; damit beginnt auch die (westliche) Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinn.
Athen siegte zwar bei Marathon 490, doch kam es zehn Jahre später zu einem erneuten Feldzug unter Führung von Dareios Sohn Xerxes I. 481 wurde daher der Hellenenbund gegründet, dem neben Sparta und Athen auch mehrere andere, aber keineswegs alle Stadtstaaten des Mutterlandes angehörten; manche waren sogar eher bereit, sich den Persern zu unterwerfen. Nach dem Hinhaltegefecht an den Thermopylen kam es bei Salamis zur Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichteten die zahlenmäßig überlegene persische Flotte (480). Ein Jahr später wurde auch das persische Landheer in der Schlacht von Plataiai geschlagen. 478 begann die Eroberung Ioniens. Sparta weigerte sich jedoch, den Schutz der Griechen fern der Heimat zu übernehmen. Athen hingegen, bisher der Juniorpartner, nahm an und gründete 478/477 den Attischen Seebund.
Es zeichnete sich bereits der Dualismus Sparta / Athen ab, der schließlich zum Peloponnesischen Krieg führen sollte. Athen setzte nun den Krieg gegen das Perserreich mit Hilfe seines Bundes fort. Es intervenierte schließlich in Ägypten und im östlichen Mittelmeerraum. Mit dieser Strategie überstrapazierte es allerdings seine Ressourcen. Schließlich kam es 449 folgerichtig zu einem Ausgleich mit Persien (Kalliasfrieden, dessen Authentizität allerdings in der Forschung umstritten ist).
In Böotien verfolgte Theben eine Politik zur Errichtung einer Hegemonie über die anderen böotischen Gemeinden. Auch Athen verfolgte unter Perikles eine ähnlich aggressive Politik. Der Seebund, inzwischen längst ein Instrument zur Verfolgung athenischer Interessen, entwickelte sich langsam zum attischen Reich. 460–57 wurde die so genannten Langen Mauern errichtet, die Athen mit dem Hafen Piräus verbanden und Athen selbst zur uneinnehmbaren Festung machte. Die Demokratie wurde als Mittel zum Erreichen der athenischen Ziele eingesetzt, wobei es auf athenischer Seite (besonders während des Peloponnesischen Krieges) zu zahlreichen Greueltaten kam. Vorher hatte bereits der so genannte Erste Peloponnesische Krieg (um 460–46) zwischen Athen und Sparta getobt. Grund war der vorläufige Austritt Megaras aus der spartanischen Allianz und dessen Überwechseln zu Athen. Athen unternahm in diesem Zusammenhang sogar eine Expedition nach Ägypten (460–54), die jedoch scheiterte. Doch konnte sich die pro-spartanische Politik des zeitweise exilierten athenischen Politikers Kimon durchsetzen (der 449 auf Zypern fiel), so dass 446 ein dreißigjähriger Frieden geschlossen wurde, wobei die latenten Spannungen freilich bestehen blieben.
Im Westen erwehrten sich währenddessen die Griechen der Gefahr durch die Etrusker und dem mächtigen Karthago. In der Schlacht von Kyme 474 wurden die Etrusker vernichtend geschlagen. Auf Sizilien ging der Konflikt mit Karthago weiter, auch wenn die Karthager 480 bei Himera geschlagen worden waren. Dort konnten sich in zahlreichen Poleis auch weiterhin Tyrannen an der Macht halten, wie beispielsweise Gelon, der zeitweise als der mächtigste Mann der griechischen Welt galt.
Im griechischen Mutterland wurde derweil Athen zur „Schule Griechenlands“. Das Geld aus der Kasse des Seebunds ermöglichte zahlreiche Bauprojekte wie den Parthenon. Athen entwickelte sich auch zum Zentrum der Philosophie (Sokrates, später vor allem Platon und Aristoteles; siehe auch Philosophie der Antike). Die klassische Zeit war die Blütezeit Griechenlands und der griechischen Kultur: Genannt seien nur Phidias, Sophokles, Aischylos, Euripides, Polyklet. Des weiteren der Arzt Hippokrates oder die Geschichtsschreiber Herodot und Thukydides, deren Werke auch in literarischer Hinsicht bemerkenswert sind. Der Redner Demosthenes war bis in die Zeit Ciceros unerreichtes Vorbild. Ein ebenso eindrucksvolles Beispiel für die kulturelle Entfaltung des klassischen Griechenlands ist die Tragödie, deren Anfänge jedoch bereits in archaische Zeit zurückreichen. Es die klassische Zeit des antiken Griechenlands, welche die Grundlagen legte, an die spätere Generationen in vielerlei Hinsicht anknüpfen sollten. Im politischen Bereich waren es vor allem neue Denkweisen, welche die Entdeckung des Politischen durch die Griechen charakterisieren (Lit.: vgl. Chr. Meier, 1980), wie beispielsweise die Sophistik und das demokratische Denken. Unter Perikles wurde schließlich auch die radikale Demokratie vollendet (der Anfang war bereits in den 60er und 50er Jahren gemacht worden). Die athenische Demokratie mit der vollberechtigten Beteiligung der Bürger wurde zwar zu einem Muster für die Zukunft, doch schützte sie zunächst nicht vor so manchen Auswüchsen der Machtpolitik, zumal sie in vielerlei Hinsicht kaum mit der modernen Demokratie zu vergleichen ist (beispielsweise fehlte die Gewaltenteilung). Mit dem berühmten Geschichtswerk des Thukydides, welches einen wissenschaftlichen Gegenentwurf zu Herodots Schilderung der Perserkriege darstellt, entstand allerdings bereits eine Schilderung des beginnenden Niedergangs.
[Bearbeiten] Der Peloponnesische Krieg – ein antiker Weltkrieg
Über den Streit Korinths mit Korkyra bezüglich der Einmischung Athens in den Bürgerkrieg in Epidamnos, der Furcht Athens vor einem Engagement Korinths im Norden und über einen Handelsstreit mit dem mit Sparta verbündeteten Megara, aber auch aus der Furcht Spartas vor einem weiteren Machtzuwachs Athens, kam es schließlich zum Pelpononnesischen Krieg (mit Unterbrechungen von 431–404).
432 forderten Megara und Korinth Sparta ultimativ zum Eingreifen auf, doch begann der Krieg eher ungeplant mit einem Überfall der mit Sparta verbündeten Thebaner auf die Stadt Plataiai. Sparta fiel 431 in Attika ein, doch hatte Perikles die Bevölkerung in den Schutz der Langen Mauern zurückgezogen. Währenddessen plünderte die athenische Flotte den Peloponnes. Perikles rechnete mit der Erschöpfung des Gegners, während die Spartaner jedes Jahr in Attika einfielen.
Schlachten und Feldzüge. Die Farbgebung entspricht der Lage bei Ausbruch des Krieges 431 v. Chr., mit Ausnahme des halbbarbarischen Makedoniens, das zunächst neutral war.
Nach dem Tod des Perikles 429 kam eine neue Generation von Politikern ans Ruder, wobei Kleon für eine aggressive, Nikias hingegen für einen ausgleichende Politik gegenüber Sparta standen. 425 schien Sparta aufgrund der Gefangennahme mehrerer Spartiaten zum Frieden bereit, doch wurde dies von Kleon abgewiesen. Sparta reagiert jedoch und marschierte unter Führung des Brasidas 424 in Thrakien ein und bedrohte so die athenische Versorgung mit Getreide. 421 kam es zu einem Friedensvertrag (Nikiasfrieden), der jedoch nicht alle Streitigkeiten ausräumte. Sparta bekämpfte seine Erzrivalin Argos, während Athen unter dem Einfluss des Alkibiades die folgenschwere Sizilienexpedition unternahm (415–13). Diese endete in einem Desaster für Athen. Die Einnahme von Syrakus misslang, und das athenische Heer wurde vernichtet, während in Griechenland Alkibiades, der zu den Spartanern übergelaufen war, diese zu einer neuen Taktik gegen Athen überredete. In Dekeleia wurde ein permanenter Stützpunkt errichtet, während Persien nun Sparta unterstützte. Mit Hilfe persischen Goldes baute Sparta eine leistungsstarke Flotte auf. Gleichzeitig fielen immer mehr Seebundmitglieder, die von Athen wie Kolonien behandelt wurden, vom attischen Bund ab. In Athen kam es daraufhin zu einem oligarchischen Verfassungsumsturz (411), der aber schon 410 wieder rückgängig gemacht werden konnte - auch mit Hilfe des wieder zu Athen übergelaufenen Alkibiades.
Spartas neue Flotte unter dem fähigen Lysander bedrohte jedoch weiterhin Athens Lebensnerv. 406 siegten die Athener noch bei den Arginusen, doch unterlag die Flotte 405 in der Schlacht von Aigospotamoi. Athen kapitulierte 404 vor Sparta, wurde aber nicht zerstört, da Sparta ein Gleichgewicht der Kräfte aufrecht erhalten wollte. Korinth und Theben fühlten sich jedoch um die Erfüllung ihrer Kriegsziele betrogen und verfolgten nun eigene Ziele, auch und vor allem gegen Sparta.
[Bearbeiten] Kampf um die Hegemonie: Spartas und Thebens Höhenflug und der Aufstieg Makedoniens
Sparta konnte nach dem Sieg von 404 die Führungsrolle Athens nicht übernehmen, auch wenn es versuchte, die Lücke auszufüllen, die der Verlust der athenischen Hegemonie hinterlassen hatte: dazu fehlten Sparta sowohl die Ressourcen, aber wohl auch die dazu nötigen Institutionen. Zwischen Sparta und Persien kam es zudem zum Krieg um Kleinasien (400–394), da sich Sparta weigerte, die dortigen griechischen Städte den Persern auszuliefern, wie es der Vertrag von 412 vorgesehen hatte. Aber auch in Griechenland brachen die Kampfhandlungen nicht ab. Im Korinthischen Krieg (395–87) kämpften Argos, Athen, Korinth und Theben gegen die Spartaner. 387/86 kam es schließlich zum so genannten Königsfrieden, der in Wirklichkeit ein persischer Diktatfrieden war, der dem Krieg im griechischen Mutteland aber wenigstens zu einem vorläufigen Ende brachte. Persien erhielt Kleinasien und Zypern, während Athen nur einige seiner alten Kleruchien behalten durfte. Alle anderen Poleis sollten autonom sein.
Auf dem Prinzip von Autonomie und Gleichberechtigung basierte die Idee der Koine Eirene, des Allgemeinen Friedens, die in den Folgejahren starke politische Wirkung entfaltete und neben dem Panhellenismus der prägende politische Gedanke dieser Zeit war. Am Ende scheiterte aber auch diese Friedensidee immer wieder an der Unmöglichkeit, sie ohne die Garantie einer starken Hegemonialmacht durchzusetzen. Der Königsfriede wird von einigen Forschern als erste Verwirklichung einer Koine Eirene angesehen.
Zu seinem Wächter warf sich zunächst Sparta auf, um seine eigene Position zu verteidigen. Es geriet aber zusehends in die Defensive. Athen, welches sich von der Niederlage im Peloponnesischen Krieg langsam erholt hatte, begründete 378/77 den Seebund neu, allerdings verkleinert und auf einer etwas demokratischeren Basis. Tatsächlich waren aber sowohl Sparta als auch Athen über das Anwachsen der thebanischen Machtstellung besorgt und versuchten, den thebanischen Einfluss einzudämmen. Doch während sich die beiden alten Feinde nun doch noch annäherten, kam es 371 zur Schlacht von Leuktra, in welcher das spartanische Heer in offener Feldschlacht von den Thebanern vernichtend geschlagen wurde. Dies bedeutete das endgültige Ende der spartanischen Hegemonie, doch auch der Höhenflug Thebens endet bereits nach wenigen Jahren, als 362 der wichtigste thebanische Strategen Epameinondas fiel, doch verlor Sparta Messenien und wurde somit zu einer Macht zweiten Ranges, zumal die dringend notwendigen inneren Reformen auch in späterer Zeit nicht verwirklicht werden konnten.
Im fernen Westen blühte die reiche Polis Syrakus und erreichte eine quasi-hegemoniale Stellung unter Dionysios I. von Syrakus, wurde im 4. Jahrhnudert jedoch von schweren Bürgerkriegen heimgesucht. Auf Sizilien lieferten sich Karthago und die sizilischen Griechen bereits seit dem frühen 5. Jahrhundert teils heftige Kämpfe, wobei sich beide Kräfte in etwa die Waage hielten. Tatsächlich waren es gerade die Randgebiete der griechischen Welt, die nach dem Peloponnesischen Krieg eine Blütezeit erlebten, so eben Böotien mit Theben, aber auch Thessalien (siehe Jason von Pherai), Korinth und Megara, die sich vom Krieg erholten und gerade vom Handel profitierten.
Im Norden Griechenlands bestieg währenddessen Philipp II. den Thron von Makedonien. Er machte Makedonien zur führenden Militärmacht in Griechenland. In den 50er Jahren kämpfte er gegen die Phoker und erwarb 352 die Vorherrschaft in Thessalien. 343 folgte die Eroberung Thrakiens. Athen fühlte sich von der expansiven Politik Philipps ernsthaft bedroht. Vor allem Demosthenes versuchte die Athener davon zu überzeugen, dass Philipp sie unterjochen wollte, hatte zunächst jedoch keinen Erfolg. 340 kam es endlich zur Bildung eines Abwehrbundes, doch unterlag das Heer 338 bei Chaironeia dem Heer Philipps. Dieser gründete 337 den Korinthischen Bund und wurde zum Hegemon ernannt. Philipp war de facto zum Beherrscher Griechenlands geworden. Seine Pläne zu einem Feldzug gegen Persien konnte er jedoch nicht mehr verwirklichen: Er wurde 336 ermordet.
Sein Sohn Alexander, später der Große genannt, würde sie jedoch in die Tat umsetzen. Er zwang die aufständischen Städte in die Knie und zerstörte Theben. Mit seinem legendären Alexanderzug öffnete er zugleich den Griechen das Tor zu einer neuen Welt. Damit endete auch das klassische Zeitalter Griechenlands.
Es begann das Zeitalter des Hellenismus, in dem die griechischen Poleis gegenüber den hellenistischen Großreichen nur eine untergeordnete Rolle spielten, die griechische Kultur sich jedoch bis nach Indien verbreiten sollte (siehe auch Diadochen).
[Bearbeiten] Griechenland im Zeitalter des Hellenismus bis zur Eingliederung in das Römische Reich
Griechenland blieb das Schlachtfeld der hellenistischen Großmächte. Vor allem die Antigoniden versuchten, die alte makedonische Hegemonie zu erneuern. Athens Versuch, nach dem Tod Alexanders wieder eine Macht zu werden, scheiterte kläglich (Lamischer Krieg, 323-322). An Stelle der Polis traten die griechischen Bundesstaaten. Die beiden wichtigsten waren der Aitolische Bund und der Achaiische Bund. In kultureller Hinsicht verlagerte sich der Schwerpunkt mehr in den Osten, wo vor allem Alexandria in Ägypten, später auch Pergamon in Kleinasien, eine bedeutende Rolle spielte (siehe auch Diadochen).
In Folge der Kämpfe zwischen den griechischen Klein- und Mittelmächten untereinander und mit und gegen Makedonien kam es zum Eingreifen des Römischen Reiches gegen Philipp V. von Makedonien. Im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg (200-197) wurde Makedonien vernichtend geschlagen. 196 verkündete der römische General Titus Quinctius Flamininus die Freiheit Griechenlands, Rom blieb aber Protektoratsmacht. Da die Lage weiterhin instabil war, sah sich Rom in der Folgezeit gezwungen, immer wieder einzugreifen. Nach der Schlacht von Pydna 168 war Makedonien, welches unter König Perseus noch einmal versucht hatte, die Vorherrschaft in Griechenland gegen Rom zu erkämpfen, als Machtfaktor ausgeschaltet. Rom engagierte sich nun dauerhaft in Griechenland. Dies führte nach der Zerstörung von Korinth zur Umwandlung Griechenlands in eine römische Provinz (146 zu Makedonien, 27 als Provinz Achaia).
133 wurde auch das Reich von Pergamon von Rom annektiert, 64/63 folgte das Reich der Seleukiden in Syrien (welches aber bereits seit dem 2. Jahrhundert nur noch von regionaler Bedeutung war und seine reichsten Provinzen längst verloren hatte), 30 schließlich die letzte hellenistische Macht, das Ägypten der Ptolemäer.
Die unabhängige politische Geschichte des antiken Griechenlands war damit beendet, doch lebte die griechische Kultur im Römischen Reich fort und prägte seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert zunehmend auch die römische Zivilisation. Kaiser Nero war ein großer Philhellene und gewährte Griechenland zahlreiche Privilegien, die seine Nachfolger aber wieder zurücknahmen. Bis in die Spätantike war es für die Eliten Roms fast selbstverständlich, neben Latein auch Griechisch zu beherrschen, und die klassische griechische Bildung (paideia) blieb zumindest in der östlichen Reichshälfte auch nach dem Sieg des Christentums noch lange lebendig.
Die Reichskrise des 3. Jahrhunderts nach Christus betraf dann auch Griechenland, das unter Barbareneinfällen zu leiden hatte, sich aber wieder einigermaßen erholen konnte und mit mit dem Neuplatonismus die letzte bedeutende philosophische Strömung der Antike hervorbrachte. Gerade Athen blieb bis ins 6. Jahrhundert nach Christus ein bedeutendes Zentrum antiker Bildung. Seit etwa 580 drangen dann slawische Völker in die oströmischen Balkanprovinzen ein; um 600 n.Chr. war Griechenland bis zur Peloponnes weitgehend slawisch besiedelt und konnte erst im Mittelalter wieder für das griechischsprachige Byzantinische Reich gewonnen werden. Die Eroberung der römischen Orientprovinzen durch die islamischen Araber (seit 636) besiegelte dann den Untergang der antiken griechischen Kultur und das Ende der Antike: 698 wurde im Reich der Kalifen schließlich die griechische Amtssprache durch das Arabische ersetzt. Allerdings zeigten sich die Eroberer offen für viele Errungenschaften der griechischen Zivilisation; so wurde nicht weniges nur durch die Araber für die Nachwelt bewahrt.
[Bearbeiten] Karthago
[Bearbeiten] Gründung Karthagos
Im Jahr 814 v. Chr. gründeten aus Tyros kommende phönizische Siedler die Stadt Kart-Hadasht (Karthago). Nach der Legende war es die Königin Élyssa (Dido für die Römer), die Schwester des Königs von Tyros Pygmalion, welche die Stadt gründete. Nach Vergil besuchte Aeneas, der sagenhafte Stammvater der Römer, Dido in Karthago (siehe Aeneis). Einige Historiker lehnen jedoch diese literarische Tradition ab und datieren die Gründung der Stadt in die Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr.
[Bearbeiten] Karthago als See- und Handelsmacht
Karthago war in erster Linie Seenation. Herodot berichtet, Karthager sollen sogar im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho II. (um 600 v. Chr.) um Afrika herumgesegelt sein. Der karthagische Admiral Hanno segelte im 6. Jahrhundert v. Chr. bis in das äquatoriale Afrika, gründete Kolonien in Marokko und hinterließ einen detaillierten Reisebericht, in dem "gorillai" erwähnt sind (daher die moderne Bezeichnung Gorillas). Der Karthager Himilkon segelte um 480 v. Chr. nach Britannien. Die karthagische Kriegsflotte beherrschte das westliche Mittelmeer.
Karthagische Handelsschiffe holten Zinn von den britischen Inseln, Kupfer wurde vor allem in Spanien gewonnen. Im Karthagischen Hinterland wurden neben Weizen auch Granatäpfel, Mandeln, Oliven, Feigen und Walnüsse angebaut, auch durch das Nachbarvolk der Masiren.
Karthago selbst war Zentrum des Handwerks mit großen Manufakturen. Hier wurde – auch unter Verwendung des Zuschlagstoffes Kalk – in einem mehrstufigen Verfahren hochwertiges Eisen erzeugt. Aus Zinn und Kupfer wurde Bronze hergestellt und zu Gefäßen und anderen Gegenständen verarbeitet. Besonders gewinnbringend war der Handel mit Purpur, Stoffen und Gewürzen.
Von Karthago aus gründeten die Phönizier zahlreiche Kolonien im westlichen Afrika und in Spanien. Cádiz wurde erobert, Málaga und andere Städte an der Südostküste Spaniens gegründet. Mit der Eroberung bis dahin griechischer Gebiete auf Korsika und Sardinien - Karthago hatte sich mit den Etruskern verbündet – um 535 v. Chr. gewann die karthagische Expansion eine neue Dimension.
Auf Sizilien lag Karthago seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. im Streit mit den dortigen griechischen Kolonien. Diese Konflikte verliefen sehr wechselhaft. Nach dem griechischen Sieg in der Schlacht von Himera 480 v. Chr. war jedoch ein leichter Vorteil auf Seiten der Griechen. Die mächtigste griechische Polis auf Sizilien war Syrakus, die im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Vormachtstellung inne hatte.
[Bearbeiten] Staatsverfassung Karthagos
Zunächst standen Könige an der Spitze des karthagischen Staatswesens, ganz nach dem Vorbild der Mutterstadt Tyros. Umstritten ist, wie lange es in Karthago Könige gegeben hat; sicher ist aber, dass das Königsamt im 2. Jh. v. Chr. politisch bedeutungslos geworden war. An der Spitze des karthagischen Gemeinwesens standen zwei Sufeten, die jährlich neu gewählt wurden. Außerdem gab es weitere Ämter, etwa das Amt des "Großen" (punisch "rab"; er war möglicherweise verantwortlich für die Staatsfinanzen) und ein eigenes Feldherrnamt. Schließlich gab es noch einen Rat, der etwa 300 Mitglieder hatte und der wohl eine ähnliche Funktion gehabt hat wie der römische Senat. Insgesamt hatte die karthagische Staatsordnung oligarchischen Charakter.
Ein Problem bei der Rekonstruktion der karthagischen Staatsverfassung ist, dass in den lateinischen und griechischen Quellen die karthagischen Staatsämter oft ungenau bezeichnet werden.
Bemerkenswert ist, dass der griechische Philosoph Aristoteles in seiner Politik Karthago zusammen mit den bedeutendsten griechischen Stadtstaaten seiner Zeit nennt. Die karthagische Staatsverfassung schneidet bei Aristoteles' Vergleich verhältnismäßig gut ab.
[Bearbeiten] Konflikt mit Rom – die drei Punischen Kriege
Mit der Expansion Roms mussten beide Staaten aufeinandertreffen. Sizilien wurde zum ersten Streitpunkt und zum letztendlichen Kriegsgrund. Der Konflikt mit dem römischen Reich wurde in drei großen Kriegen ausgetragen, die Punische Kriege genannt werden.
Im Ersten Punischen Krieg (264–241 v. Chr.) fiel die Entscheidung letztendlich auf See, auch wenn es zu Kämpfen auf Sizilien und in Nordafrika kam. Die Römer fürchteten die schnellen, seetüchtigen und gut bewaffneten karthagischen Kriegsschiffe, die die Griechen Penteren und die Römer Quinquiremen nannten. Erst als eine karthagische Flotte vor Italien strandete, konnten die Römer durch Nachbau der karthagischen Schiffe technologisch gleichziehen. Da die Römer zugleich die Schiffe mit Enterbrücken ausrüsteten und mit Fußsoldaten bemannten, waren sie im Kampf den Karthagern dann sogar überlegen.
Nachdem die Römer so den 1. Punischen Krieg gewonnen hatten, verlor Karthago die Besitzungen auf Sizilien und musste hohe Entschädigungen zahlen. Später verlor Karthago auch seine Einflussgebiete auf Sardinien und Korsika. Als Ersatz errichtete Karthago ein Kolonialreich in Spanien.
Die grundlegenden Spannungen blieben jedoch bestehen, so dass es bald wieder zum Konflikt kam. Im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) brachte der geniale Stratege Hannibal Rom an den Rand der Niederlage, indem er über die Alpen in Italien einfiel und den Krieg so in die römische Heimat trug. In der Schlacht am Trasimenischen See (217 v. Chr.) vernichtete Hannibals Armee zwei römische Heere. Vor allem nach der Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) sah es so aus, als müsste Rom kapitulieren. Doch nutzt Hannibal den Sieg nicht aus; zudem gelang es ihm nicht, das römische Bündnissystem in Italien zu zerstören. Rom baute seine Legionen wieder auf und fiel in Nordafrika ein, wo Hannibal in der Schlacht von Zama unterlag. Karthago verlor alle Außenbesitzungen und seine Flotte. Es wurde de facto zu einem römischen Vasallenstaat.
Doch blieb der Feldzug des Hannibal ein Trauma für die Römer. Sie beendeten schließlich im Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.) die Existenz Karthagos, indem sie die Stadt belagerten und anschließend zerstörten. Die Bevölkerung kam um oder wurde in die Sklaverei geführt.
[Bearbeiten] Karthago in römischer Zeit
Das punische Karthago wurde 146 v. Chr. von den Römern zerstört, unter Cäsar begann dann später der Wiederaufbau - die geographische Lage war viel zu vorteilhaft, um sie brach liegen zu lassen. So wuchs Karthago auch als römische Stadt zu erheblicher Bedeutung heran. Auch das römische Karthago war wieder Handels- und Militärzentrum, insbesondere für die römische Flotte. Recht früh für die Verhältnisse des römischen Reiches entstand in Karthago eine umfangreiche christliche Gemeinde. Karthago wurde Bischofssitz. Augustinus von Hippo wurde hier erzogen. Karthago erlebte eine Glanzzeit und war nach Rom die größte Stadt des römischen Westens.
Im Jahre 439 wurde die Stadt von den germanischen Vandalen erobert, die während der Völkerwanderung 429 von Spanien nach Afrika übergesetzt hatten und schließlich die römische Provinz Africa erobern konnten. Karthago blieb während des 5. und 6. Jahrhunderts Hauptstadt des Vandalenreiches, bevor es 533/34 von oströmischen Truppen unter dem Feldherrn Belisar erobert wurde. In der Folgezeit war es Sitz eines oströmischen (byzantinischen) Statthalters (Exarchat von Karthago) und Sitz der Verwaltung für das byzantinische Nordafrika (etwa das heutige Tunesien und Teile von Libyen, siehe auch Africa). Kaiser Herakleios (lat.Heraklius), der Sohn des Exarchen von Karthago (Kaiser 610–641), zog kurzzeitig in Betracht, die Hauptstadt des Reiches aufgrund der Bedrohung durch die persischen Sassaniden nach Karthago zu verlegen. Im Jahr 647 erlag der byzantinische (oströmische) Statthalter Gregorios, vom Nachschub aus dem Mutterland abgeschnitten, schon nach kurzer Zeit der in die Provinz einbrechenden Übermacht der Araber (siehe Islamische Expansion). Das stark befestigte Karthago fiel erst 698 endgültig und wurde von den Arabern völlig zerstört. Danach übernahm die Stadt Tunis (Tynes,Tunes) die Rolle eines Verwaltungszentrums.
[Bearbeiten] Rom
Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden:
- Königszeit (753 v. Chr.–510 v. Chr.)
- Die Zeit der Republik (509 v. Chr.–133 v. Chr.)
- Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.)
- Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.)
- Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.)
- Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)
[Bearbeiten] Römische Königszeit und frühe Republik
Roms Gründungsmythos: Die kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später.
Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.
[Bearbeiten] Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum
Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte.
Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle seine sizilianischen Besitzungen und sann fortan auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) schmerzte, die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien zunehmend an Einfluss gewann.
Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen.
Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte. Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.
[Bearbeiten] Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege
Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Reform scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten "Vesper von Ephesus": Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler in Kleinasien zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen.
Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (49-46 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats stellte. Caesar obsiegte. Nur durch seine Ermordung wurde verhindert, dass sich die Republik in eine Diktatur verwandeln konnte.
Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun wieder ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere „Augustus“, gegen Marcus Antonius in der Schlacht bei Actium als Sieger durch (31 v. Chr.).
[Bearbeiten] Die frühe und hohe Kaiserzeit (Prinzipat)
Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch anders als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel einer außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, vor allem durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen. Der Senat sah in Octavian keinen König, sondern den "Ersten Bürger des Staates" (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkten von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel „Augustus“ (der Erhabene).
Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Westen und Süden Germaniens gehörte zum römischen Reich; die Expansion nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde erst durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Augustus' Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius beschränkte sich auf weitgehend defensive Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen. Unter Claudius wurde einzig Britannien dem Reich hinzugefügt, später folgte noch Thrakien, das aber schon vorher ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war. Mit dem Tod des als unfähig und wahnsinnig geltenden Nero, der vor allem das Militär vernachlässigte, endete 68 das julisch-claudische Haus. Dessen Nachfolge traten nach den Wirren des Vierkaiserjahres die insgesamt erfolgreich regierenden Flavier an, wobei Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Sohn und späteren Nachfolger Titus niederschlagen ließ. Nach Titus´ nur kurzer Regierungszeit trat sein Bruder Domitian seine Nachfolge an. 96 brachte diesen eine Hofintrige zu Fall - es kam zu einer Krisenzeit, welche erst unter den so genannten Adoptivkaisern überwunden werden konnte.
Die Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Machtstellung Roms. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich denn auch unter Kaiser Trajan im Jahre 117 erreicht, wobei Trajan, der als erster Kaiser aus den Provinzen stammte, als optimus princeps gefeiert wurde, als "bester Kaiser". Das Imperium erstreckte sich nun von Schottland bis Nubien in Nord-Süd-Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost-Ausrichtung. Unter dem gebildeten Hadrian, der die östlichen Eroberungen Trajans aufgab, kommt es nun zu einer inneren Konsolidierung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, die die Ausbreitung des damals noch jungen, schon stark angewachsenen Christentums begünstigte.
Um die Mitte des 2. Jahrhunderts schien das Imperium auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter Mark Aurel bereits die ersten Probleme auf (Kämpfe mit Germanen, besonders den Markomannen, und im Osten Kämpfe mit den Parthern). Das Reich kam in den folgenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Von außen wurde es kriegerisch bedrängt, während im Inneren sich Zerfallserscheinungen bemerkbar machten. Nach dem Tod Marc Aurels, der gerade im Bereich der nördlichen Grenze nur vorläufige Erfolge verbuchen konnte, kam es zu einer Reihe von Krisenereignissen, zudem sein Sohn Commodus nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben.
Zu Beginn des 3. Jahrhunderts konnten die Severer die Lage stabilisieren. Jetzt kam es vor allem an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden, die sich Rom als gewachsen erwiesen und den römischen Heeren eine Reihe von Niederlagen bereiten sollten. Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Reichskrise des 3. Jahrhunderts, in welcher sich die Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der Sassaniden im Osten ausgesetzt sahen. Es kam sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen (besonders Galliens), die aber wieder rückgängig gemacht werden konnten. 272 wurde Palmyra unterworfen, das in der Krisenzeit des Imperiums Teile der östlichen Provinzen Roms erobert hatte.
[Bearbeiten] Die späte Kaiserzeit und der Beginn der Spätantike
Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war und die keineswegs die reine Zerfallszeit war, wie noch die ältere Forschung weitgehend meinte. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die so genannte Ordnung der Tetrarchie, wonach es zwei Senior-Kaiser (Augusti) und jeweils einen Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Imperium schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. In dieser Zeit wurde die Hauptstadt von Rom nach Trier, an die nördlichen Grenzen verlegt. Die letzten Christenverfolgungen fanden unter Diokletian statt.
Konstantin der Große, dessen Vater nach dem Rücktritt Diokletians und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des "Senior-Augustus" im Westen übernahm, gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: 1) der Privilegierung des Christentums und 2) der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gegen Osten.
Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. die Alleinherrschaft erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata zu einer "Renaissance" des Heidentums, die aber nicht von langer Dauer war. Mit Julian erlosch 363 die konstantinische Dynastie. Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig geteilt. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Sohn Gratian als Kaiser im Osten eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge wenigstens vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Westen zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium herrschen sollte. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die von da an endgültig sein sollte.
[Bearbeiten] Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten
Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allmählich das Römische Reich im Westen. Eine wichtige Ursache dabei bildete die Völkerwanderung. Das Reich verlor nach der Schlacht von Adrianopel 378 zunehmend die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Galliens und Spaniens gingen bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts an die eingedrungenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. Vor allem der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war bereits um die Jahrhundertwende von Mailand nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen (daher der Ausdruck "Vandalismus"). Es gab mehrere Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Welche Prozesse letztlich zur Transformation des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Staaten führten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän gelten konnten, ist seit langem Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, sondern aus "barbarischen" Söldnern. Die Stärke der Armee reichte zudem nicht mehr aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung marode geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, wenn auch nicht so dramatisch, wie noch die ältere Forschung meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst noch als einen "Germanen in römischen Diensten" und seine Herrschaft in Italien als Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel.
Anders war die Lage im Osten. Dies war der "gesündere" Reichsteil, der zudem über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. Zudem war es Hunnen und Germanen nie gelungen, den Hellespont zu überqueren; daher blieben die reichen Provinzen Kleinasiens, Syriens und Ägyptens weitgehend unbehelligt. Die "barbarischen" Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen hatten, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum größten Teil ausgeschaltet. Obzwar es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Ostreich intakt.
Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Orient unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Damit war der (ost)römische Kaiser noch einmal der mit Abstand mächtigste Herrscher im Mittelmeerraum, und Ostrom beherrschte den größten Teil des alten Reichsgebietes (mit Ausnahme Britanniens, Galliens und Nordspaniens). Die Wende kam Anfang des 7. Jahrhunderts, als zunächst weite Teile des Reiches zeitweilig von den Sassaniden erobert wurden. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Krieg schließlich siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Das Oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel blieb dann zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten, die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 aber so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen.