Ästhetik der Formen und des Materials/ Die ästhetisch-plastische Formentheorie
Die ästhetisch-plastische Formentheorie
[Bearbeiten]Substanz und Form – Der Hylemorphismus
„Die Akt-Potenz-Differenz von Akzidens und Substanz ergab sich aus der Analyse der Veränderung an der Substanz, die sich in den Veränderungen (des Ortes, der Quantität, der Qualität usw.) als deren gleichbleibende Grundlage (Substrat) durchhält.
Wir wollen nun aber doch von den substantiellen Veränderungen absehen, die es zweifellos auch gibt, und uns in erster Linen den akzidentiellen Veränderungen zuwenden. Die Materie macht also nicht nur substantielle Veränderungen durch, sondern auch akzidentielle.
Die wohl wichtigste akzidentielle Veränderung die (qualitative) der Form. Formen können sich wandeln, sie sind Aktbestimmungen, die sich an der potentiell bestimmbaren Substanz vollziehen (realisieren). Dabei stellt die Substanz das potentielle Substrat dar, während die Form der Aktbestimmung entspricht. Die hier dargestellte Akt- Potenz-Lehre von Form (morphe) und Materie (hyle) kann mit Fug und Recht ein neuer Hylemorphismus genannt werden. Im Weiteren Verlauf unserer Untersuchungen zur Ästhetik der Formen kommt ihr eine herausragende Bedeutung zu.
Die ästhetisch-plastische Formentheorie
Wir haben uns nun mit der plastischen Theorie von Joseph Beuys auseinandergesetzt. Alles kommt aus dem Chaos und wird durch Bewegung zur Form Gebracht, zu immer neuen Formen.
Wir wollen uns nun in der ästhetisch-plastischen Formentheorie mit den Einzeldingen beschäftigen und das unter dem Gesichtspunkt quantitativer und qualitativer Veränderung. Die Dinge treten in ganz unterschiedlicher, heterogener Weise in Erscheinung. So sind sie alle nach der Größe und der Anzahl verschieden. Aber auch die Formen selber und ihre Formqualitäten unterscheiden sich voneinander. Die Dinge unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Quantitäten und ihrer Qualitäten.
Zur Quantität: Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich die Dinge quantitativ unterscheiden können: Einmal nach der Größe, dann nach der Anzahl, und schließlich nach dem Gewicht.
Die Quantität des Maßes spaltet sich in Gegensatzpaare auf die „Groß“ und „Klein“, „Lang“ und „Kurz“, „Dick“ und „Dünn“, „Breit“ und „Schmal“:
Groß Klein
Lang Kurz
Breit Schmal
Hoch Tief
Dick Dünn
Die Quantität der Anzahl spaltet sich hingegen in die beiden Pole „Einheit“ und „Vielheit“ auf.
Vielheit Einheit
Die Quantität der Größe spaltet sich auf in die beiden Pole „Vakuum“ und „Masse“.
Masse Vakuum
Zur Untersuchung der Formqualitäten wurde ich durch meine eigene künstlerische Arbeit angeregt. Die Formqualitäten lassen sich auch in ein Gegensatzpaar unterteilen. Zunächst fand ich den einen Pol in der umgreifenden Form. Dies sind alle Hohlformen, wie Kiste, Karton, Glas, Tasse, Schüssel, Teller, Tisch, Eimer, Topf.
Der entgegengesetzte Pol ist die ausgreifende Form, die nicht von außen nach innen umschließend wirkt, sondern von innen nach außen ausgreifend wirkt, wie Kreuz, Stern, Gabel, Forke, Tannenbaum.
In der Mitte zwischen diesen beiden Polen stehen die geschlossenen Formen, wie Ei, Blatt, Stein, Fett, geschlossene Körper.
Dieser Zusammenhang lässt sich z.B. an der menschlichen Hand sehr gut verdeutlichen. Eine offene Handfläche, die etwa einen Tennisball umgreift, ist eine umgreifende Form. Spreize ich hingegen die Finger, so entsteht eine ausgreifende Form. Die geballte Faust stellt demgegenüber eine geschlossen Form dar.
Die umgreifenden Formen sprechen den Menschen, so meine weiter Überlegung, in seinem Willen an. Die ausgreifenden Formen sprechen den Menschen in seinem Denken an. Und die Geschlossenen Formen sprechen den Menschen in seinem Fühlen an.
Die Formqualitäten
Die umgreifenden Formen werden nun durch den Halbmond (Sichel) symbolisiert (Mond). Die geschlossenen Formen werden durch die Sonne und das Sonnensymbol symbolisiert. Die ausgreifenden Formen hingegen werden durch das Kreuz oder den Saturn symbolisiert.
Daraus ergibt sich auch eine ganz neue Darstellungsmöglichkeit für die Astrologie. Der bisherige Zusammenhang sah wie folgt aus:
Kreuz = Körper
Mond = Seele
Sonne = Geist
Der neue Zusammenhang lautet nun so:
Kreuz = Denken
Sonne = Fühlen
Mond = Wollen
Die Formqualitäten und die Leibesorganisation des Menschen
Der Mensch ist zunächst eine Dreiheit aus Körper, Geist und Seele (Trichotomie). Der Körper bildet die Grundlage für das Seelenleben mit seinem Denken, Fühlen und Wollen. Die Seele läuft als in den Körper einerseits und in den Geist andererseits, dem sich der Mensch öffnen muss, aus.
Sehen wir uns die Leibesorganisation des Menschen etwas näher an: Der Mensch gliedert sich physisch in das Stoffwechsel-Gliedmaßen- System, das Rhythmische System mit Herz, Lunge und Blutkreislauf und in das Nerven-Sinnes-System. Das Stoffwechsel-Gliedmaßen- System kann auch als das Bauchsystem betrachtet werden, das Rhythmische System als das Brustsystem und das Nerven-Sinnes- System als das Kopf- oder Hauptessystem des Menschen. Auf der Grundlage des Stoffwechsel-Gliedmaßen-Systems bildet sich nun der Wille des Menschen, das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System bildet die Grundlage für das Wollen. Das Rhythmisch System bildet die Grundlage für das Fühlen, und das Nerven-Sinnes-System bildet schließlich die Grundalge für das Denken.
Das Denken hat dabei einen intelligiblen Charakter, das Fühlen hat einen halb-bewussten animalen Charakter und das Wollen einen unbewussten, vegetabilen Charakter.
Die ausgreifenden Formen sind also eher intelligiblen Charakters und auf das Kopf- oder Hauptessystem des Menschen bezogen, die umgreifenden Formen sind eher vegetabilen Charakters und auf das Rumpfsystem bezogen, und die geschlossenen Formen sind eher animalen Charakters und auf das Brustsystem bezogen.
Die Leibesorganisation bildet dabei die Grundlage für die Seelenkräfte oder Seelentätigkeiten (Primärtätigkeiten der Seele):
Die drei Formprinzipien des dreigliedrigen Menschen
Auszug aus den (hier nur exoterisch!!! gegebenen) Ägyptischen Mysterien:
Nerven-Sinnes-System Denken Saturn Intelligibler Charakter
Rhythmisches System Fühlen Sonne Vegetabiler Charakter
Stoffwechsel-Gliedmaßen-System Wollen Mon Animalischer Charakter
Die vier Formprinzipien des viergliedrigen Menschen
Es gibt aber auch noch eine ganz andere Darstellung der dann „vier“ Formprinzipien, die sich vom viergliedrigen Menschen herleitet. Ich gebe nur eben eine tabellarische Übersicht:
Schnick, Schnack, Schnuck: Schere Blatt Brunnen Stein
Tarot: Stäbe Schwerter Kelche Scheiben
Heilige Insigne: Speer Schwert Kelch Scheibe
Königliche Insigne: Krone Schwert Zepter Reichsapfel Insignien
Seelentätigkeit Denken Empfinden Fühlen Wollen
Leibesorganisation Kopf Lunge Herz Bauch