Ästhetik der Formen und des Materials/ Formsymbole
Formsymbole
[Bearbeiten]Der Kreis
- Das vielleicht wichtigste und am meisten verbreitete geometrische Symbol.
- Nach Platon die vollkommene Form.
- In mystischen Systemen wird Gott als Kreis mit allgegenwärtigem Zentrum dargestellt, um Vollkommenheit anzudeuten.
- Der Kreis steht für den Himmel und alles Spirituelle.
- Das ägyptische Symbol für die Ewigkeit ist eine zum Kreis geknotete Schnur, das antike Symbol hingegen die sich in den Schwanz beißende Schlange (Uroboras).
- Ein Kreis mit einbeschriebenem Mittelpunkt bedeutet in der traditionellen Astrologie die Sonne, in der Alchemie steht es für das Metall Gold.
- Gegenstück für den Kreis ist das Quadrat (aber auch das Kreuz), das im Gegensatz zu ihm die irdische Welt und das materielle bezeichnet.
- Der Kreis steht für Gott und den Himmel, das Quadrat (oder das Kreuz) für die Erde und den Menschen.
- Im Zen-Buddhismus bedeutet der Kreis die Erleuchtung, die Vollkommenheit des Menschen in der Einheit mit dem Urprinzip.
- Im chinesischen Yin-und-Yang-Symbol ist die Dualität im Kreis (T’ai-chi, dem Ureinen) eingeschlossen. Das Yin-und-Yang- Symbol stellt den Ausgleich der Gegensätze dar.
Das Dreieck
- Das weibliche Schamdreieck, dass mit der Spitze nach unten weist, von dieser ausgehend eine vertikale Linie aufweist.
- In Altchina ist das Dreieck ebenfalls ein Symbol für die Weiblichkeit.
- Mit der Spitze nach unten gilt es als Wassersymbol (fallender Tropfen), mit der Spitze nach oben als Feuersymbol (Richtung der Flamme).
- Ineinandergeschoben bildet es ein geschlossenes Dualsystem, den sechseckigen Davidstern oder das Hexagramm, dass ähnlich wie schon das Yin-und-Yang-Symbol für den Ausgleich der Gegensätze steht.
- Im tibetischen Tantrismus ist die Hexagramm-Kombination der beiden gleichseitigen Dreiecke die Durchdringung der Weiblichkeit mit dem Feuer.
- Das Dreieckszeichen kann auch verhüllend als (dreiblättriges) Kleeblatt angedeutet werden, dass als maskulines Symbol gilt.
- Im System der Pythagoreer gilt der griechische Buchstabe Delta mit seiner Dreiecksform als Symbol der kosmischen Geburt, ähnlich wie im Hinduismus als Zeichen der weiblichen lebensspendenden Göttin Durga.
- In frühchristlichen Zeiten wandten die Manichäer das Dreieck als Sinnbild der Dreifaltigkeit an
- Es konnte sich Trinitätsymbol (Hand, Haupt, Name) Gottes, ergänzt durch ein Auge durchsetzen, als Zeichen für Vater, Sohn und Heiligen Geist. Dieses Auge Gottes im Dreieck ist in der freimaurerischen Symbolik ebenfalls Sinnbild für das Auge Gottes, allerdings mit neun Strahlen versehen.
- Als Tetraeder verwendet es J. Beuys als Sinnbild für alle Formund Gestaltungsprinzipien.
Das Quadrat
Das Quadrat wird meistens nur als Viereck bezeichnet. Es drückt die Orientierung des Menschen aus, die vier Weltgegenden oder Himmelsrichtungen einschließlich ihrer übernatürlichen Hüter. Wie beim Kreuz steht auch beim Viereck der Wunsch des Menschen im Vordergrund, sich in einer chaotisch erscheinenden Welt durch Einführung von Richtungen und Koordinaten zurechtzufinden. Das Viereck ist ein Symbol für die Erde, und für die Materie (vier Grundkräfte, vier Elemente), für die Schwere und die harte Begrenztheit der Materie. Es kann aber auch für die Natur selber stehen (vier Naturreiche).
Das Kreuz als Universalzeichen
- Das Kreuz ist das universellste unter den einfachen Symbolzeichen, das keineswegs nur auf den christlichen Bereich beschränkt ist.
- Das Kreuz besteht aus drei Elementen: Längsbalken (stipes), Querbalken (patibulum) und Schnittpunkt (intersektio).
- Es bildet zunächst die Orientierung im Raum ab, den Schnittpunkt von Oben, Unten, Rechts und Links, die Verbindung vieler Dualsysteme in Form einer Ganzheit, die der Menschengestalt mit ausgestreckten Armen entspricht.
- Es repräsentiert im Hinblick auf die Eckpunkte die Vierheit, unter Einbeziehung der Schnittstele (des eigenen Standpunktes) aber auch die Fünfzahl.
- Kreuzwege, d.h. Wegkreuzungen, werden oft mit Schnittstellen der Straßen der Lebenden und Toten in Verbindung gebracht, so in der Symbolik afrikanischer Völker. In magischen Beschwörungsvorschriften werden solche Wegkreuze wohl deshalb empfohlen, weil sie geister festbannen.
- Das Kreuz ist in der christlichen Symbolik das klassische Zeichen für die Auferstehung. - Von einem Kreis oder Oval gekrönt, wird es zum ägyptischen Lebenskreuz (Anch, gesprochen: Ank)
- Kreuzsymbole finden sich schon bei den Inkas und im minoischen Kreta, das Orientierung in Raum und Zeit Symbolisiert.
- Als kosmisches Orientierungszeichen unterteilt das Kreuz Himmel und Erde in die vier Windrichtungen, den Jahreslauf in die vier Jahreszeiten, den Tag in Morgen, Mittag, Abend und Nacht, die Stunden in viertel, die Elemente in Erde, Feuer, Wasser und Luft, deren Qualitäten in warm, trocken, feucht, und kalt und das Leben des Menschen in Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter.Hieraus kann man die Verbindung von Mikro- und Makrokosmos erkennen, von Mensch und Universum, von Erde und Himmel.
- Das Kreuz bringt zum Ausdruck, dass das Ich Produzent und Zusammenhang der Welterfahrung ist.
- Betrachten wie den horizontalen Balken als die Linie des Raumes, des Auges, der Immanenz, des Bewusstseins, dann steht der senkrechte Kreuzbalken für die Zeit (die von oben nach unten fließt), das Ohr, die Transzendenz und das Selbstbewusstsein, d.h. das Bewusstsein vom eigenen Bewusstsein.
- Beuys hat sich zeit seines Lebens um eine tiefgreifende Mystik des Kreuzes bemüht. Halbkreuze und Braunkreuze zeugen davon. Es ging aus von dem christlichen Symbolzusammenhang der Auferstehung und löste sich dann immer mehr davon.
- Das Kreuz ist für Beuys auch Symbol für Materie und Geist, Leben und Tod.
- Es ist Symbol für Leiden, Erlösung, Auferstehung und Opferung.
- Es steht für die Freiheit des selbständigen Geistes und das Leiden an der Vergangenheit.
- Für Beuys ist das Kreuz aber auch Symbol für Intuition, Spiritualität, Ratio und Naturwissenschaft.
- Es symbolisiert darüber hinaus auch die beiden Kategorien Quantität (horizontal) und Qualität (vertikal)
- Natürlich sind einer weitergehenden Betrachtung des Kreuzes keinerlei Grenzen, und sicherlich wird man noch weitere Aspekte finden können.