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Ästhetik der Formen und des Materials/ Materrialsymbole

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Alchemistische Stoffe: Das Blei (Blei)

Blei galt in der Antike als zauberkräftiges Metall; die in Täfelchen aus Blei geritzten Verfluchungen gehasster Menschen sollten besonders wirksam sein. Blei galt als irdisches Gegenbild des Planeten Saturn, der als Greis mit Stelzfuß und Sense dargestellt wurde, mit den Qualitäten „kalt, feucht“. Die Alchemie betrachtet das Blei als dem Gold nahe verwandt, und ihre Sagen berichten von geglückten Transmutationen von geschmolzenem Blei, das durch Einstreuen der Substanz „Stein der Weisen“ in Gold verwandelt worden sein soll- ein Sinnbild der Läuterung des zunächst erdhaften materiellen Menschen zu einer sonnenhaften Spiritualität.

Das Zinn (Jupiter)

In der Alchemie des Mittelalters mit Jupiter gleichgesetzt, der als wohltätiger Planet beschrieben wird, als Vermittler zwischen Hitze und Kälte, zwischen Mars (Eisen) und Saturn (Blaei, als Gerechtigkeit und Lebendigkeit bewirkend. Das Eisen (Mars)

In der Kulturgeschichte ein noch junges Gebrauchsmetall, repräsentiert in den Mythen von den Weltzeitaltern die letzte Stufe einer Entwicklung, die einst mit dem goldenen Zeitalter begonnen hat. Es ist dem Kriegsgott Mars zugeordnet, und der rötliche Rost erinnert an die Blutfarbe. In Altchina war Eisen ein Sinnbild der Stärke und Gerechtigkeit, von dem angenommen wurde, dass es feindselige Wasserdrachen in ihre Schranken weisen würde. Eisenfiguren wurden daher an Flussufern und in Dämmen vergraben. Das Gold (Sonne)

Der Ausdruck Edelmetall bedeutet eigentlich eine moralische Bewertung des Materials, das in dieser Art auch von den nach Läuterung strebenden Alchemisten aufgefasst wurde. Das nicht oxidierende, leuchtende Metall wird in fast allen Kulturen mit der Sonne in Verbindung gebracht, dessen irdisches Gegenbild es sei. Der Leitsatz: „Unser Gold ist nicht das Gold der Menge“ lässt darauf schließen, dass in der Geisteswelt der Alchemie mit Gold nicht das eigentliche Metall gemeint war, sondern die esoterische Erkenntnis selber, ein höchstes Stadium der spirituellen Entwicklung und Erleuchtung. Messing erinnert sehr stark an die Eigenschaften des Goldes, es ist nur wesentlich erschwinglicher. Daher wurde und wird Messing oft als Goldersatz eingesetzt. Das Kupfer (Venus)

Das Kupfer wird auch „Erz von Zypern“ genannt, von der Insel, an deren Ufer Aphrodite (Venus) aus dem Meeresschaum entstand. In der alten Metallsymbolik ist Kupfer daher das irdische Analogon des Planeten Venus und wird mit dem selben astrologischen Zeichen in alchemistischen Schriften bezeichnet. Abweichend davon war im Mitras-Glauben nicht Kupfer, sondern Zinn das Venus-Metall, also jenes Element, das mit Kupfer zu Bronze legiert wird. Joseph Beuys verendet das Kupfer in einer ganz eigenen mystischen Weise. Es stellt für ihn einen Energieleiter dar, sowohl von Strom, als auch von Wärme. Bei Beuys tauchen daher mannigfache energetische Bezüge auf, auf die noch einzugehen sein wird. Kalte Metalle als solche lassen Wasser kondensieren. Dieser Effekt tritt meines Erachtens auch beim Kupfer auf. Dies bildet, anders als beim Eisen, einen starken Kontrast zum feurigen Kupfer. In gewisser Weise bannt auch das Kupfer die Wassergeister

Quecksilber (Merkur)

Merkur, altrömischer Gott des Handels (später dem Hermes gleichgesetzt). Name des sonnennächsten Planeten, in der Alchemie Bezeichnung für das Quecksilber (die irdische Entsprechung des Planeten) und darüber hinaus für die „Materia prima“ 8Urmaterie) oder für den „Stein der Weisen“








Das Silber (Mond)

Silber ist ein Edelmetall wie das Gold. Es wurde allerdings mit dem Mond oder mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht und etwas geringer geachtet, als das Gold. In der alchemistischen Literatur wird Silber meist mit dem Namen der Mondgöttin Luna umschrieben, denn das Silber sei das irische Analogon zum astrologischen Planeten „Mond“. Jeder kennt den Spruch: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. In diesem Sinne verwendet auch Beuys die Edelmetalle, allerdings interessanter Weise in umgekehrter Bedeutung. So stellte er versilberte Filmrollen des Bergamann-Klassikers „Das Schweigen“ aus.










Sal (Salz)

Ein in Form des Kochsalzes unentbehrliches Mineral. Das lateinische „sal“ bedeutet auch Witz, „salus“ (gesalzen) bedeutet auch „ironisch“. Im Sprachgebrauch der Alchemisten ist mit Salz nicht Natriumchlorid gemeint, sondern das dritte Urprinzip der „Tria Principia“, neben Sulphur und Mercurius, das, möglicherweise zuerst bei Paracelsus, die Qualität der „Greiflichkeit“ darstellt. Sal wird jedoch dort auch in anderen Symbolzusammenhängen erwähnt, etwa als „sal sapiential“, Salz der Weisheit. In einigen Ländern reicht man zur Begrüßung Brot und Salz. Geläufig ist der Ausdruck: „Das Salz in der Suppe“, das den guten Geschmack, die Würze meint.









Schwefel (Sulphur) und Quecksilber (Mercurius)

Wörtlich „Schwefel und Quecksilber“, bedeuten in der Symbolsprache der Alchemie zwei Urprinzipien der „Tria Principia“, aus denen die ganze Materie als zusammengesetzt gedacht wird: Aus dem Brennenden (Schwefel), dem Flüssigen (Quecksilber) und dem Festen (Salz), in unterschiedlichen Reinheitsgraden und Mischungsverhältnissen. Soweit die Goldsynthese wörtlich angenommen und als Ziel angesehen wurde, sollten die beiden Grundessenzen Sulphur und Mercurius gereinigt und der Gehalt an dem geistähnlichen Mercurius erhöht werden. Durch Paracelsus (1493 – 1541) oder einem historisch nicht fassbaren Alchemisten namens Basilius Valentinus wurde das System der „Tria Principia“ aufgestellt: Wenn Holz brennt, so stammt die Flamme vom Sulfur, Mercurius steigt im Rauch auf, Sal bleibt in der Asche zurück. Dieser Pseudo-Elementebegriff erinnert an jenen der Atomphysiker wonach die Materie zum Großteil aus Protonen, Neutronen und Elektronen zusammengesetzt ist. Er wurde erst in der Neuzeit aufgegeben, als sich herausstellte, dass das echte Element Schwefel in Wirklichkeit in reinen Metallen nicht vorhanden ist. Die moderne Chemie ist somit im Prinzip aus der Alchemie hervorgegangen.






Sonstige Stoffe und Materialien: Das Wasser

Wasser ist als die Urzeitflut in vielen Weltschöpfungsmythen die Quelle allen Lebens, das aus ihm emporstieg, zugleich aber auch Element der Auflösung und des Ertrinkens. Psychologisch ist das Wasser Element der unbewussten Tiefenschichten der Persönlichkeit, die von geheimen Wesen bewohnt werden. As eines der elementaren Symbole ist es ambivalent (zwiespältig), da es einerseits belebt und fruchtbar macht, andererseits ein Hinweis auf Versinken und Untergang ist. Wasser spielt in der christlichen Ikonographie sonst vorwiegend die Rolle des reinigenden Elements, das in der Taufe die Makel der Sünde abwäscht. Auch im Bereich der tiefenpsychologischen Symbolkunde wird dem Element Wasser, das zwar lebensnotwendig ist, aber nicht nährt, große Bedeutung beigemessen, als Lebensspender (Kinder kommen aus Teichen oder Brunnen in die Menschenwelt) und Lebenserhalter. Es ist das Grundsymbol aller unbewussten Energie, dadurch aber auch gefährlich. Wasser kann ein elektrischer Leiter sein, vor allem, wenn man es mit Salz oder Säure versetzt. Bei der Elektrolyse löst sich Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff auf, die wieder als Energiequelle oder Brennstoff dienen können. In der christlichen Esoterik ist die Wasserprobe bekannt, eine Prüfung auf dem Weg zur Einweihung. Die christliche Taufe hatte ursprünglich die selbe Bedeutung, etwa bei Johannes dem Täufer, der Jesus taufte. Das Blut

Das Blut spielt in Ritualen eine größere Rolle als in der Symbolik, ist aber auch hier bedeutsam als Inbegriff des Lebens. Es wird oft von Stoffen vertreten, die seine Farbe wiedergeben, etwa von (rotem) Ocker, um fortwirkendes leben zu symbolisieren. Runen wurden mit roter Farbe magisch belebt, um wirksam werden zu können, als ob sie bluterfüllt wären. Blut gilt vielfach als das göttliche Lebenselement, das in den Menschenkörpern wirkt. Als solches war es in vielen Kulturen tabuisiert und durfte nur nach besonderer Vorbereitung vergossen werden, etwa als Opferkult. Im Blut sitzt die Lebenskraft des Fleisches. Blut kann auch in der Kunst als christliches Symbol aufgefasst werden, etwa als Blut Christi, das vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. Man kann in der Esoterik dunkles, unreines Blut von hellem, frischem, geläuterten Blut unterscheiden. Einige Meditationen zielen genau auf diese Läuterung ab.






Der Honig

Honig ist nicht nur im Zusammenhang mit den Bienen ein beliebtes Symbol für „Süßigkeit“ in jeder Bedeutung des Wortes. Honig von wilden Bienen wurde bereits in der nacheiszeitlichen Epoche in Spanien gesammelt, wie Felsmalereien beweisen, und ebenso von den Vorfahren der Buschmänner in Südamerika. Honig und Met sind vielfach Götternahrung, etwa Speisen des Zeus als Kleinkind. Honig ist in vielen Kulturen Opfer für die Verstorbenen, Dämonenabwehrmittel, und wird mit dem himmlischen Tau verglichen.










Der Filz

Joseph Beuys ist als der Künstler von Filz und Fett in die Geschichte eingegangen. Doch wie kam er auf diese Materialien? Beuys erzählte dazu immer seine Geschichte: Er war Flieger im 2. Weltkrieg und wurde über der Krim abgeschossen. Dabei zog er sich schwere Verbrennungen zu. Tataren fanden und versorgten ihn. Dabei rieben sie in mit Fett ein und hüllten ihn in Filzdecken, um ihn warm zu halten. Später legte sich Beuys dann noch den berühmten Filzhut zu, um seine Kopfverletzungen etwas zu verbergen. Filz und Fett wurden dann zu seinem Markenzeichen. Filz ist ein verfilztes, stoffähnliches Material, das als Wärmeisolator und Dämmstoff hervorragend geeignet ist. Hier besteht also ein erheblicher energetischer Bezug. Und genau daran war Beuys interessiert. Er wollte über das bloß Symbolische noch einmal hinausweisen, und suchte daher gerade auch die energetischen Bezüge auf. Dadurch hat er allerdings eine ganz eigene Symbolsprache entwickelt. Berühmt sind seine Filzstapel, die teilweise mit großen Kupferplatten abgedeckt sind. Sie dienen als „Fond“, z.B. für Energie, und das auch in geistigem Sinne. Hieran erklärte er dann seine gesellschaftspolitischen Forderungen. Oder der Filz wird bei Beuys in Form von verschiedenen Filzwinkeln eingesetzt. Der Winkel repräsentiert die Gedanken des Menschen, die aber, anders als bei der Fettecke, noch „verfilzt“ sind, wie bei der Verfilzung von Staat und Wirtschaft.



Das Fett

Über die energetischen Bezüge von Fett muss hier nicht lange gesprochen werden. Fett ist ein Energieträger und ein Energiespeicher, Fett hält den Körper warm. Daneben dient Fett als Nahrungsmittel. Das Fett ist ein äußerst plastisches Material und lässt sich wie Lehm oder Ton leicht formen. In diesem Sinne ist es von Beuys eingesetzt worden. Die Fettecke repräsentiert den Formpol der plastischen Theorie. „Fliegt das Fett in die Ecke ...,“ bildet es kleine Tetraeder. Es symbolisiert somit das Denken des Menschen, seine Gedanken und Denkformen. Denken ist Tat, ein universeller geistiger Formgebungsprozess, dem der Wille zugrundeliegt, und aus dem der Mensch seine individuelle geistige Freiheit bezieht.










Der Quark

Meine eigenen bevorzugten Materialien sind Quark und Sand. Daher wurde ich auch schon als Quarkkünstler bezeichnet. Die Verwendung von Quark hat sich eigentlich ganz zufällig ergeben, nämlich bei der Entwicklung des Kunst Werkes bzw. der Performance Quarkfass/Auferstehung. Quark ist ebenfalls ein Energieträger und Energiespeicher. Es ist vollwertiges und gesundes Nahrungsmittel, und er beste Nachtisch. Wichtig ist hierbei der große Feuchtigkeitsanteil des Quarks. Diese Feuchtigkeit kann etwa an die Haut abgegeben werden, z.B. bei einer Quarkmaske. Der Quark ist somit auch ein Kosmetika. Die Farbe des Quarks ist, genau wie bei der Milch dem Ausgangsstoff, ein strahlendes Weiß, es steht auf der lichten, heiteren Seite des Lebens. Der Quark stellt eine geniale Verbindung von Energie und Wasser (Feuchtigkeit) dar.







Der Sand

Ein anderer von mir verwendeter Stoff ist der Sand. Zumeist wir der in großen Haufen als Aufschüttung angeordnet, um bestimmte Masseverhältnisse anzudeuten. Der Sand ist ein Symbol für die Weiten der Seele (Strand, Wüste), aber auch ein Bild für das Denken, manchmal auch für das zirkulierende Geld. Große Sandhaufen (Lehm, Asche, Schotter) repräsentieren große Geldmengen. Außerdem stelle ich die Sandhaufen zweihemisphärig dar. Beim Sand bestehen Bezüge sowohl zum Geistigen (Sand im Getriebe), als auch dem Physischen und der physisch-plastischen Formbarkeit und Gestaltbarkeit. (Lehm, Ton). In den Wüsten ist der Schöpfungsprozess noch direkt ablesbar: Wind und Wetter, in denen sich höhere Geister ausdrücken, gestalten fortwährend die Gestalt der Erdoberfläche. Sie treiben den Sand als Wanderdünen vor sich her.








Die Naturprodukte: Holz, Papier, Kautschuk Gummi, Öl, Stroh, Heu, Leder, Wolle, Wachs, usw.

Die oben aufgeführten Naturstoffe und Naturprodukte, die durch Transformation erzeugt oder gewonnen werden, zu untersuchen, möchte ich gerne anderen überlassen. Deutlich wird aber die enorme Bandbreite von Materialien, die auch in der Kunst eingesetzt werden können. Holz z.B. ist der wichtigste Baustoff aus der Natur und das älteste Naturprodukt. Über seine hervorragenden Eigenschaften ist sicherlich schon genug geschrieben worden. Aus Zellstoff entsteht das Verpackungsmaterial Pappe oder Papier. Kohle ist reine Energie und kann verbrannt werden. Öl ist ebenfalls ein Energieträger und als Schmierstoff bestens geeignet. Aus Erdöl werden allerlei Kunststoffe hergestellt. Kautschuk ist der Grundstoff, aus dem durch Vulkanisation Gummi gewonnen wird. Dieses Material hat einen gewissen erotischen Aspekt, wegen seiner Glätte, Elastizität und Geschmeidigkeit. Kondome etwa sind aus Gummi. Wachs ist ebenfalls ein Energieträger und eines der interessantesten Naturprodukte, nicht nur wegen seiner guten Formbarkeit. Bienen gestalten daraus die Waben für den Honig.






Andere Materialien aus der Natur: Stein, Marmor, Basalt Schiefer, Ton, Lehm, Keramik, Porzellan

Über Gesteine ist wohl schon alles gesagt, auch über seine Bedeutung für die Bildhauerei. Basalt hat in seiner rohen Form eine etwa sechseckförmige Gestalt, die etwas an Bergkristall oder auch die Waben der Bienen erinnert. Beuys verwendete 7000 Basaltblöcke für seine Documentaarbeit „7000 Eichen“. Glas ist ein sehr glattes und durchsichtiges Material, das eigentlich eher einem erstarrten Wasser gleicht. Und in der Tat ist das Glas ein chemisch amorphes Material. Auch und gerade Ton, Lehm, Keramik und Porzellan werden im Kunsthandwerk eingesetzt, um daraus Gebrauchs- aber auch Kunstgegenstände zu gestalten, denn diese Materialien sind ebenfalls sehr gut formbar, und behalten nach dem Brennen ihre Form auf Dauer. Sie sind praktisch unverwüstlich, es sei den, sie werden zerbrochen.