Ästhetik der Formen und des Materials/ Pflanzensymbole
Pflanzensymbol
[Bearbeiten]Der Baum
[Bearbeiten]Da der Baum in der Erde wurzelt, seine Zweige aber zum Himmel weisen, ist der Baum wie der Mensch selber ein Abbild des Wesens zweier (bzw. dreier) Welten und der zwischen oben und unten vermittelnden Schöpfung.
Nicht nur wurden in vielen alten Kulturen verschiedene Bäume oder ein ganzer Hain als Wohnsitz von übernatürlichen Wesen (Göttern, Elementargeistern) verehrt, sondern der Baum wurde vielfach als Weltachse angesehen, um die der Kosmos gruppiert ist In der christlichen Ikonographie ist der Baum Symbol des gottgewollten Lebens, und sein durchlaufen des Jahreszyklus weist auf Leben, Tod und Auferstehung, der unfruchtbare oder abgestorbene Baum hingegen auf die Sünde.
Es besteht eine starke Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Gesellschaft und dem Symbol des Baumes.
In dieser Gestalt ist der Baum auch von Joseph Beuys in „7000 Eichen“ eingesetzt worden. In einer Zeit, in der Bäume sterben, pflanzte Beuys Bäume und entwickelte daran seine gesellschaftlichen Forderungen.
Die Blume, die Blüte
[Bearbeiten]Weltweit ist die Blume das Symbol für junges Leben, wegen der sternartigen Struktur der Blumenkronenblätter auch oft Symbol der Sonne, des Erdkreises oder der Mitte (z.B. die Lotusblüte in Südostasien).
Auffallende Blüten wurden nicht nur aus ästhetischen Gründen beachtet und verehrt, sondern auch wegen ihres Gehalts an psychotischen Inhaltsstoffen.
Gelegentlich werden Blüten nicht nur als unschuldige Frühlingsboten aufgefasst, sondern auch als Sinnbild für die fleischliche Lust und den gesamten Bereich der Erotik, etwa die Niteeblüte (Plumeria) bei den Mayas oder die Rose im mittelalterlichen Roma de la Rose. Neutral gesehen symbolisiert die Blume Lebenskraft und Lebensfreude, das Ende des Winters und den Sieg über den Tod.
In der christlichen Symbolik ist der nach oben offene Blütenkelch Hinweis auf das Empfangen der Gaben Gottes, der kindlichen Freuden an der Natur im Paradies, aber auch der Vergänglichkeit aller irdischen Schönheit, die erst in den Gärten des Himmels von Dauer sein kann.
Im Taoismus ist die aus dem Scheitel wachsende geistige „goldene Blüte“ das Symbol der höchsten mystischen Erleuchtung.
Die Rose
[Bearbeiten]Die Rose ist die Königin der Blumen.
In der Antike stand bei der Beachtung ihrer Symbolik der Mythos des Adonis im Vordergrund, des geliebten der Aphrodite (Venus), aus dessen Blut die ersten roten Rosen entsprossen sein sollen. Sie wurden dadurch zum Symbol der über den Tod hinausreichenden Liebe und der Wiedergeburt.
Das Rosenfest der Rosalia ist im altrömischen Totenkult seit dem ersten Jh. bezeugt und wurde je nach der Gegend zwischen dem 11. Mai und dem 15 Juli gefeiert. In der christlichen Symbolik war die Rose Sinnbild des Blutes, das der gekreuzigte vergossen hat, und damit der himmlischen Liebe. Als Liebessymbol lebt die Rose bis in die Gegenwart fort.
Die weiße Rose ist hingegen in vielen Sagen und Legenden ein Todessymbol, kann aber auch für die Unschuld stehen.
In der Alchemie sind rote und weiße Rosen das Symbol des Dualismus Rot-Weiß, der beiden Urprinzipien Sulphur und Mercurius, und eine Rose mit sieben Ringen von Blütenblättern weist auf die sieben Metalle und ihre Entsprechungen in Form der Planeten hin. Die Verbindung von Kreuz und Rosen führt zum Symbol des Rosenkreuzes, ein Symbol der Läuterung und Symbol eines christlichen Esoterikbundes der Renaissance, der sich als „Kollegium der Weisen“ verstand.
Die Rose ist in unserer Zeit auch ein Symbol für die Revolution und den Sozialismus geworden, aber auch für die Direkte Demokratie. In diesem Sinne ist die rote Rose als Symbol von Joseph Beuys eingesetzt worden.