Ästhetik der Formen und des Materials/ Zahlsymbile
Zahlsymbol
[Bearbeiten]Die Einheit
Die Zahl Eins ist eigentlich noch keine wirkliche magische Zahl. Trotzdem möchte ich sie hier betrachten. Alle übrigen Zahlen, auch die magischen Zahlen, setzen sich aus der Addition der Eins mit sich selbst zusammen. So sind alle übrigen Zahlen mindestens durch Eins und sich selbst teilbar. Das Eine repräsentiert:
- Das Einzelne
- Das Besondere
- Das Individuelle
Wie im Kapitel 3 angedeutet, steht das Eine für den Individualpol der beiden Formquantitäten. Je größer die Zahl, desto mehr wandern die Objekte auf der Skala in Richtung Vielheitenpol. Das Einzelne spielt in der Ästhetik eine herausragende Rolle. Die meisten Objekte sind als Einheiten oder als Einzelobjekte konzipiert. Als die Einheit bildet die Zahl die Grundlage für den philosophischen Monismus. Der Materialismus lässt nur die Materie gelten, der Spiritualismus nur den Geist.
Die Zweiheit, die Dualität
Die Zweiheit ist die kleinste Vielheit, die über das Einzelne und Besondere hinausgeht. Sie ist die kleinste Primzahl.
Die Zweiheit bezeichnet eine Dualität, mitunter auch eine Polarität, und wird in dieser Form eingesetzt. Dabei sind zwei einzelne, oder aber die Einheit von Zweien denkbar. Die Dualität findet ihr bedeutendstes Symbol im Yin-und-Yang-Zeichen. Dieses steht für den Ausgleich der Gegensätze und für die Dialektik, und bildet die Grundlage des Taoismus. Die Bedeutungszusammenhänge des Yin und Yang können u.a., sein:
Oben Unten
Tag Nacht
Himmel Erde
männlich weiblich
Körper Geist
Die Dualität selber kann auch noch ganz andere Polaritäten repräsentieren:
Handeln Erkennen
Welle Teilchen
Subjekt Objekt
Leben Tod
Rechts Links
Vorne Hinten
Ratio Intuition
fest flüssig
Quantität Qualität
Auch das Kreuz, das am Schluss dieses Kapitels betrachtet werden soll, gehört meistens in diesem Zusammenhang. Die Darstellung als Kreuz von Senkrechter und Waagerechter, von Vertikaler und Horizontalter, macht es zu einem wichtigen Universalzeichen.
Die Dreiheit
Die Zahl „Drei“ ist von alters her eine der wichtigsten magischen Zahlen, vielleicht die wichtigste überhaupt, mit ungemein kräftigen Bedeutungszusammenhängen. Als pluralistisches Prinzip spielt der Trinitaritätsgedanke im Spiritualismus und Okkultismus eine herausragende Rolle. Mögliche Bedeutungszusammenhänge sind:
Körper Geist Seele
Denken Fühlen Wollen
Physische Welt Seelische Welt Geistige Welt
Vater Sohn Heiliger Geist
Chaos Bewegung Form
Das Gute Das Schöne Das Wahre
Damit sind wir wieder bei den Analogien zur plastischen Theorie Jede Dualität lässt sich im Prinzip auch als Dreiheit darstellen. Die Drei ist schlechterdings die allumfassende Zahl, sie ist Symbol für die Ganzheit von Körper, Geist und Seele, Zahl der Kultur (im Gegensatz zur Vierheit, der Zahl der Natur), und Symbol für die Trinität Gottes. 0Die Dreifaltigkeit kann etwa auch durch das Dreieck dargestellt werden, mit einem einbeschriebenen Auge. Auch Pyramiden und Kreuze gehören mit in diesen Zusammenhang. So besteht das Kreuz eigentlich aus drei Elementen: Der Waagerechten, der Senkrechten und dem Schnittpunkt selber, denn das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile.
Beuys und Salvador Dali haben dreigeteilte Kreuze dargestellt. Sie symbolisierten dadurch den Zusammenhang von Körper, Geist und Seele.
In der mittelalterlichen Altarmalerei stellte man die Kreuzigungsszene in Form von Triptychen (dreiteiligen Altarbildern) dar. Dies wies auch auf den dreifaltigen Gott.
Als Objektkünstler setze ich oft genau drei Elemente zusammen. Das reicht zur Erzeugung eines neuen Sinnzusammenhanges und einer neuen und eigenständigen Harmonie vollkommen aus. Natürlich sind noch weitere Elemente möglich, ohne dass die Harmonie oder der Kontrast zerstört werden, aber meistens unterstreichen sie nur die bereits vorhandene Synthese.
Die Vierheit
Die Vier ist ebenfalls eine wichtige magische Zahl. Ihr vornehmlicher Repräsentant ist das Quadrat oder das Viereck, aber auch das Kreuz. Ihre Bedeutungszusammenhänge sind u.a:
Die vier Himmelsrichtungen
Symbol für die Natur selber
Die vier Elemente
Die vier Temperamente
Die vier Aggregatzustände (nicht drei)
Die vier Naturreiche:
Materie – Pflanze – Tier – Mensch
Der ganze Naturzusammenhang bis in den Kosmos und hinein in die Schöpfung ist hier repräsentiert. Zumeist wird zur Darstellung das Quadrat gewählt, also eine ausgesprochene Symmetrie. Bei den Indianern und auch im Orient hat die Vier eine herausragende Bedeutung und symbolisiert zumeist die vier Himmelsrichtungen.
Die Fünfheit
Die Fünf ist unter den Zahlen ein wichtiges Ordnungsprinzip. Sie wird zumeist als Pentagramm, als Drudenfuß dargestellt, in das der Mensch mit Armen und Beinen aufrecht stehend einbeschrieben werden kann. Umgekehrt gilt es als schwarzmagisches Zeichen.
Der Pentateuch, die fünf Bücher Mosis, bilden die „Thora“ des alten Testamentes. Jesus speiste mit fünf Broten 4000 Menschen und er hatte fünf Wundmale.
Der Mensch hat fünf äußere Sinne, zu denen natürlich noch die inneren Sinne hinzukommen. In Altchina war die Fünf (wu) mit eben so vielen Weltrichtungen (die Mitte eingeschlossen) eine heilige Zahl. Sie repräsentiert die Fünf Grundfarben, Töne, Sitten, Gewürze, und vor allem Tierarten (Behaarte, Gefiederte, Schalentiere, Beschuppte, Nackte) Man könnte auch folgende Einteilung finden: Säugetiere und Reptilien, Fische, Vögel, Gliedertiere, Weich- und Schalentiere. Die fünf klassischen Bücher im alten China sind:
Das Buch der Urkunden
Das Buch der Lieder
Das Buch de Wandlung (I-Ging)
Das Buch der Riten
Das Buch der Zeremonien..
Des Weiteren werden nach den fünf Himmelsrichtungen noch fünf Elemente genannt:
Holz
Feuer
Erde
Metall
Wasser
Fünf Glücksritter sind: Reichtum, Langlebigkeit, Frieden, Tugend und Gesundheit. Fünf moralische Eigenschaften sind: Humanität, Pflichtgefühl, Weisheit, Verlässlichkeit, und gutes Zeremonialverhalten.
Fünf reine Dinge sind der Mond, das Wasser, die Kiefer, der Bambus und die Pflaume. Genannt werden über dies noch fünf Adelsränge, Getreidearten, Strafen, und mystische Herrscher der Vorzeit.
Man sieht, in China hatte die Zahl fünf eine herausragende Bedeutung für das gesamte Leben und war damit nach dem Yin und Yang herausragendes Symbol für das Leben.
Die japanische Tradition kennt fünf Glücksgötter.
Über dies ist das Pentagramm ein Symbol für den Menschen selber. Nicht nur kann ihm ein Mensch aufrecht einbeschrieben werden, der Mensch hat fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen an jedem Fuß. Seine fünf äußeren Sinne sind:
Sehen
Hören
Tasten
Riechen
Schmecken
Der Geschmackssinn differenziert sich wiederum in fünf Geschmacksrichtungen:
Süß
Sauer
Salzig
Bitter
Scharf
Neben dem vierteiligen mystischen Kreuz kenne ich noch das fünfteilige metaphysische Kreuz. Dabei wird der Mittelpunkt mitgerechnet. Es ist zugleich das Kreuz der Rosenkreuzer und Rosenchristen mit der Rose im Schnittpunkt von Waagerechter und Senkrechter.
Die Sechsheit
Als Hexameron (Sechstagewerk) wird die Weltschöpfung bezeichnet, denn „am siebten Tag ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“ (1. Buch Mosis 2,3). Die Zahl 6 galt in der Antike und im Mittelalter als die vollkommenste Zahl, weis sie sowohl als Summe ihrer Teiler als auch als deren Produkt darstellbat ist, nämlich 1 + 2 + 3 = 6 und 1 x 2 x 3 = 6
In China stand die 6 in Zusammenhang it den Einfl+üssen des Himmels.
Das christlichen Symboldenken begegnet der 6 ambivalent: heilog als Zahl der 6 Schöpfungstge, bedeutsam auch als Zahl der Werke der Barmherzigkeit; in der Apokalypse jedoch erscheint die 6 als Zahl des Bösen; 666 ist die Zahl des apokalyptischen Tieres
Die Siebenheit
Neben der Drei ist die Sieben in der altorientalischen Tradition die bedeutendsten Zahl. Im sumerisch-akkadischen Schrifttum werden sieben Dämonen genannt, die durch die sieben Punkte dargestellt werden. Bei den Juden wird die orientalische Siebener-Reihe im siebenarmigen Leuchter (Menora) manifestiert. In der Johannes-Offenbarung spielt die Sieben eine herausragende Rolle.
Im altpersischen Parasismus werden sieben unsterbliche Heilige verehrt, oberste Geister: gute Gesinnung, beste Gerechtigkeit, erwünschtes Gottesreich, fromme Demut, vollkommene Gesundheit, verjüngte Unsterblichkeit und wachsamer Gehorsam.
Im Mittelalter Europas wurden verschiedene Siebenerreihen geschaffen: Es gibt sieben Gaben des heiligen Geistes, sieben Tugenden, sieben Künste und Wissenschaften, Sakramente, Lebensalter, Menschen, Hauptsünden, Bitten des Vater Unser. Nach der Schöpfungsgeschichte hat die Woche sieben Tage.
In der Astrologie gibt es sieben Planeten.
Es gibt sieben Töne, ehe sie sich wiederholen, aber leider nur sechs Grundfarben (Regenbogenfarben).
In der Esoterik besteht die Seele aus eben diesen sechs Grund- oder regenbogenfarben plus der Farbe Weiß. Die Seele hat somit sieben Kraftzentren (Chakren). Die Sieben ist also eine äußerst kosmische Zahl und weist auf die allem Leben zugrundeliegende geistige Wirklichkeit hin.
Die Achtheit
8 ist die erste Kubikzahl: 2³ = 2 x 2 x 2 = 8, nach Aristoteles und Pythagoras ist die Vollkommenheit einer Zahl in ihrer 3. Potenz erreicht, ähnlich wie 3³ = 3 x 3 x 3 = 27. Nach frühchristlicher Auffassung spiegelt sich diese Vollkommenheit im Oktogon des Taufbeckens bzw. der Taufkirche und ist Symbol der Auferstehung Christi. 8 ist auch die Zahl des Elementes Erde 2 x 2 x 2, wie auch 3 x 3 x 3 = 27 die Zahl des Elementes Feuer ist. Die Beschneidung findet am 8. Tag nach der Geburt statt.
Eine wichtige Rolle spielt die 8 im Hinduismus und Buddhismus, sie ist häufig die Anzahl der Speichen des buddhistischen Rad-Symbols, 8 Blätter hat oft die symbolische Lotusblüte, 8 Pfade führen zur geistigen Vollkommenheit; der hinduistische Gott Vishnu hat 8 Arme, die in Zusammenahang mit den 8 Wächtern des Raumes gesehen werden müssen usw. In Japan gilt die 8 außerdem als Zahl der im Grunde nicht meß- und zählbaren Größe.
Die Neunheit
Die Zahl 9 ist als die zweite Potenz 3² = 3 x 3 = 9 die Verstärkung der heiligen 3; daher die 9fache Wiederholung des Kyrie eleison in der römischen Liturgie oder die 9 Chöre der seligen Geister; auch in der indogermanischen und zentralasiatischen Mythologie spielt die 9 eine wichtige Rolle, z.B. in der 9stöckigen Pagode als Symbol des Himmels.
Die Zehnheit
Die Zahlt 10 ist die Grundlage des Dezimalsystems und wohl auf die Anzahl der Finger an beiden Händen zurückzuführen. Sie galt schon in der Antike als eine Art vollkommener Zahl, weil sie alle Zahlen von 1 bis 9 in sich einschließt (Schema). Die Tetraktys 1 x 2 x 3 x 4 = 10 machte die 10 schon bei den Pythagoreern zur göttlichen und geheimnisvollen Zahl, die auch als figurierte Zahl (Schema) darstellbar war.
Die mit 10 multiplizierten Grundzahlen haben einen ähnlichen Symbolgehalt wie die entsprechenden Grundzahlen, gleiches gilt verstärkt für die zweiten bzw. dritten Potenzen der 10.
Der Lebensbaum (Sephirothbaum) der alten Juden hat 10 Sephiroth und gilt den Juden als heilig.
Die Elfheit
Zur Zahl Elf sei auf das „Lexikon der Numerologie und Zahlenmystik“ von Helmut Werner verwiesen (S.150-151).
Die Elf steht für:
Macht
Stärke
Kraft
Stolz
den Adler (die Zahl 6611 oder 1166)
der Stolz des Adlers
die Sünde (eins mehr als die 10 Gebote)
den Januskopf
den Narren
die Anschläge vom 11.09.2009, der zum amerikanischen Schicksalstag wurde.
Die Zwölfheit
Die Zwölf ist nicht nur deshalb eine universelle Zahl, weil man sehr gut mit ihr rechnen kann. Sie ist glatt durch 12, 6, 4, 3, 2 und 1 teilbar. Aus diesem Grund sind früher viele Rechnungs- und Maßsysteme auf der Zahl Zwölf aufgebaut gewesen. Später wurden diese dann durch das dezimale System abgelöst. In der Zeiteinheit spiegelt sich dieses alte System aber heute noch wider. Der Tag hat 24 Stunden, die Stunde 60 Minuten und die Minute 60 Sekunden.
Jesus Christus hatte 12 Apostel und es gibt 12 Tierkreiszeichen in der Astrologie. Ihnen sind 12 Häuser zugeordnet. Es gibt 12 Monate im Jahr.
Der Farbkreis enthält 6 bzw. 12 Farben und die Tonleiter einschließlich der Halbtöne 12 Töne (12-Ton-Musik).
Zur Zahl Zwölf sei ebenfalls auf das „Lexikon der Numerologie und Zahlenmystik“ von Helmut Werner verwiesen (S.152-154).
Die Zwölf steht für:
Raum und Zeit
die 12 Tierkreiszeichen,
die 12 Stunden bzw. die 12 Doppelstunden des Tages
die 12 Monate
die 12 Jahre der Weltenzeit, die genau dem Umlauf des Jupiter entspricht
die 12 analogen Hauptgötter der Griechen und der Römer
die 12 Jünger Christi
die Ritter der Tafelrunde
12 ist die Summe der beiden heiligen Zahlen 7 und 5
12 ist das Produkt aus 3 und 4 (während 7 die Summe aus 3 und 4 ist)
die Quersumme ist die 3
Die Dreizehn
Zur Zahl 13 empfehle ich abermals das „Lexikon der Numerologie und Zahlenmystik“ von Helmut Werner (S.154-154)
die 13 ist nicht unbedingt eine Unglückszahl
die 13 steht für Tod und Wiedergeburt
die 13 als Unglückszahl rührt einmal daher, dass Judas Iskariot der 13. genannt wurde, zum Andern sind die mittelalterlichen Templer an einem Freitag den 13 verhaftet worden (daher auch Freitag der 13.)
die 13 steht nicht „nur“ für den Tod, sondern meint, etwa auch als Karte im Tarot die Erneuerung, den Neuanfang. Altes geht zu Ende, stirbt, Neues beginnt.
die 13 ist eine ganz besonders spannungsreiche Zahl, sowohl zum Guten, als auch zum Bösen
die Quersumme ist die 4