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Anleitung bretonische Tänze/Einleitung

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Die bretonischen Tänze sind als Bestandteil eines Fest-noz auch Teil des immateriellen Kulturerbes.[1]

Es handelt sich überwiegend um Kreis-/Kettentänzen, die sich in der Bretagne entwickelten und sich von der Tanzkultur in anderen Gegenden Frankreichs deutlich unterscheiden. Begleitet werden die Tänze von der bretonischen Musik. Die Tänze sind sehr einfach gehalten. Oft sind es 6er- oder 8er-Rhythmen mit einer festgelegten Choreographie. Nur bei wenigen Tänzen gibt es zwei Teile, zwischen denen gewechselt wird. Dies macht das Erlernen dieser Tänze einfach.

In diesem Werk wird nicht auf historische Genauigkeit bestanden. Es handelt sich um Tänze, wie diese heute noch in der Bretagne und auch außerhalb anzutreffen sind. Diese können teils erheblich von den historischen Tänzen abweichen.

Zudem gibt es einen Trend, der auch in vielen anderen kulturellen Bereichen festzustellen ist: Kleinregionale Unterschiede reduzieren sich. So werden ursprüngliche kleine Unterschiede der Tänze zwischen einzelnen Dörfern verschwinden.

Grobe historische Einordnung

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Aus dem Mittelalter sind kaum Dokumente über die Tänze erhalten, aus denen eine Beschreibung abgeleitet werden könnte.[2]

In vielen Gegenden starb die Tanztradition zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges aus, in anderen Gegenden erst zum Zweiten Weltkrieg. Ende der 1950er Jahre erlebten die Tänze eine Wiederbelebung, indem diese Kultur systematisch aufgearbeitet wurde und schließlich 2012 als Bestandteil des Fest-Noz zum immateriellen Weltkulturerbe wurde[1]. Im Rahmen dieser Aufarbeitung wurden ältere Menschen in ihren Regionen nach ihren Tänzen befragt.

Hieraus entstand eine Referenzbeschreibung bretonischer Tänze, die sich bis heute in die Tanzanleitung wiederspiegelt. Durch ältere Video-Aufnahmen ist aber ersichtlich, dass es durchaus Variationen dieser Beschreibungen gab.

Die bretonischen Tänze sind als Tänze der Gemeinschaft, vor allem der Arbeitsgemeinschaft definiert. Vor allem auf dem Land pflegten die Bauern viele gemeinschaftliche Arbeiten, die abends mit Tanzen beschlossen wurden. Daher werden die bretonischen Tänze auch als bäuerliche Tänze angesehen.[3]

Einzelne landwirtschaftlichen Tätigkeiten wurden oft von der ganzen Dorfgemeinschaft durchgeführt, wie das Dreschen von Getreide. Dies wurde von rhythmischen Gesängen begleitet. Zur Erholung wurden abends getanzt.

Es gab einzelne Tänze, die nur zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten, getanzt wurden. Diese weisen schon elegantere Formen auf und werden paarweise getanzt.

Die ursprünglichen Tänze waren reine Kreistänze, in der alle Personen gleichberechtigt sind. In Gegenden mit mehr Handel sind auch vermehrt Ketten, teils kurze Ketten mit 4 Personen anzutreffen.

Aktuelle Entwicklung

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Traditionell gab es zu einem Tanz nur eine Melodie und zu einer Melodie nur ein Tanz (1:1-Relation). Diese traditionellen Melodien werden heute immer noch genutzt, wobei jeder Musiker seine eigene Interpretation der altbekannten Melodien spielt. In den letzten Jahrzehnten gibt es Musiker, welche zu einzelnen Tänzen neue Melodien komponieren. Hierdurch entsteht ein neuer Reichtum an Melodien.

Bei einzelnen Tänzen ist eine Verlangsamung der Melodien zu beobachten. Hierdurch kann sich der Charakter deutlich ändern. Ursprünglich relativ flott wird aus einem ruhigen Tanz eher eine Meditation. Ganz stark ist dies bei der Gavotte Caresse zu sehen: Oft als Gavotte de l'Aven angekündigt, ist es eine Weiterentwicklung. Aus einem Teil der flotten Gavotte de l'Aven wurde die langsam getanzte Gavotte Caresse und ist gerade durch ihren neuen meditativen Charakter beliebt.

Tanzbeschreibung

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Jeder Tanz lässt sich unterschiedlich beschreiben. Alle Beschreibungen sind gleich falsch oder gleich richtig. Je nach Beschreibung lassen sich verschiedene Aspekte gut beschreiben, andere dagegen müssen vernachlässigt werden. Dies bezieht sich auch auf die Zielgruppe. Nicht für jedes Publikum ist eine korrekte Vermittlung sinnvoll. Gerade wenn Neulinge für das Tanzen gewonnen werden wollen, wirkt ein zu hoher Detailgrad der Anleitung eher abschreckend.

Auch für die Beschreibung der Tanzschritte gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem in welchem Takt ein Tanz notiert wird.

Tanzrichtung

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Die bretonischen Tänze im Kreis oder in der Kette werden nahezu ausschließlich nach links getanzt. Die Personen stehen Schulter an Schulter und berühren sich entweder an der Hand oder Arm. In bestimmten Abschnitten des Tanzen können auch kurze Schritte nach rechts erfolgen. Aber die Gesamtbewegung erfolgt nach links. Dies ist oft im Gegensatz zu mittel-/osteuropäischen Kreis-/Kettentänzen, die nach rechts getanzt werden. Dies soll mit der Verlaufsrichtung des zentralen Gestirns des Stammes korrespondieren: Die Sonnenstämme tanzen nach links, die Mondstämme tanzen nach rechts. Hierbei zählt die Bewegung des Zentralgestirns im Verlauf eines Jahres. Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter, so dass sich eine Bewegung im Uhrzeigersinn (nach links) ergibt.[4]

Hieraus ergibt sich, dass in der Regel alle Tänze mit dem linken Fuß beginnend getanzt werden.

Aufstellung

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Obwohl bei den Kreistänzen dies heute nicht mehr sichtbar und auch nicht mehr darauf geachtet wird, stellten sich die Bretonen immer paarweise auf (Mann links, Frau rechts). Während des Vorspiels der Musiker fanden sich die Paare zu einem großen Kreis. Dass während des Tanzens neue Paare sich einreihen wollten, trat kaum auf.

Bei den Suiten ist es wichtig, sich direkt paarweise aufzustellen. Weitere Paare, die sich einreihen wollen, müssen darauf achten, Paare nicht zu trennen.

Werden die Tänze als Kette getanzt, empfiehlt es sich, sich am rechten Ende der Kette einzureihen.

Tanzstil

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Speziell auf dem Land waren die Tänze als Erholung nach gemeinschaftlichen Tätigkeiten geprägt, zu denen die Leute schweres Schuhwerk trugen. Die Tänze sind daher eher schwer. Es wird kaum gesprungen oder gehüpft. Die Tänze werden mit dem ganzen Fuß durchgeführt. Selbst innerhalb der keltischen Familie sind die bretonischen Tänze die geerdesten.[4]

Teils werden einzelnen Tänzen nachgesagt, diese dienten der gemeinschaftlichen Arbeit, um den Dreschplatz wieder einzuebnen (vor allem Dañs plinn).

Körperhaltung

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Der Oberkörper ist aufrecht und ruhig. Es gibt nur eine geringe rhythmischen auf-und-ab Bewegung, die sich aus der Vorwärtsbewegung ergibt. Die Charakteristik eines bretonischen Tanzes ist in der Fußbewegung zu sehen, die vom Oberkörper getrennt ist. Die Bewegung wird über die Knie abgefedert, so dass trotz umfangreicher Fußbewegung der Oberkörper sich kaum bewegt. Der Oberkörper sollte so stabil sein, dass der Tänzer fast schon ein Buch auf dem Kopf balancieren könnte.[4]

Ungeübte Tänzer erkannt man an dem deutlichen Mitwippen des Oberkörpers. Indem dies so weitergegeben wird, entwickeln sich die Tänze weiter, indem ein Wippen des Oberkörpers auch Bestandteil sein kann.

Armhaltung

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Bei Kettentänzen oder auch Paartänzen, gibt es Tänzer, die eine freie Hand haben. Diese kann wie folgt fixiert werden: [4]

  • Freie Hand wird auf den Rücken gelegt.
  • Freie Hand wird auf der Hüfte abgestützt.
  • (Traditionell): Der Mann hängt den Daumen am Hosenträger oder Ärmelausschnitt der Weste ein; die Frau hält den Stoff ihres Rocks.

Tipps für Anfänger

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Bei jedem Tanz gibt eine Lernkurve. Jeder lernt Tänze anders. Die Tänze sollen im Rahmen dieses Werk als Gemeinschaftstänze vermittelt werden. Die gemeinsame Bewegung und das Erlebnis dieser Gemeinschaft werden hier höher bewertet als die historisch exakte Bewegungsfolge.

Diese historische Bewegungsfolge ist zwar Ergebnis einer jahrhundertealten Entwicklung und wird in dieser Form schon ein besonderes Gemeinschaftsgefühl erzeugen. Dennoch muss diese gemeinschaftliche Bewegung erst geübt werden. In der ursprünglichen bäuerlichen Gemeinschaft hatten die Jugendliche durchaus Jahre Zeit und auch viele Tanzgelegenheiten, diese Bewegungsabläufe zu erlernen.

Dieses Gemeinschaftsgefühl wird durch den Kontakt zwischen den Tänzern vermittelt. Dieser Kontakt wird entweder durch einzelne Finger, ganze Hand oder gar den Unterarm hergestellt. Die Bewegung des Oberkörpers wird primär über diesen Kontakt vermittelt. Sind die Bewegungen zwischen den Tänzern noch nicht synchron, wird dies als Reibung wahrgenommen und stört beim Festigen des Tanzes. Daher sollte ein Schwerpunkt darin liegen, zunächst diese synchrone Bewegung herzustellen.

Werden die Tänzer nicht mehr durch diese Reibung in der Kette abgelenkt, kann die Schrittfolge deutlich besser erlernt werden. Hier gibt es oft auch die Möglichkeit, die Schrittfolgen zunächst zu vereinfachen. Bei vielen Tänzen ist dann auch in der Bretagne zu sehen, dass nicht die ausgefeilte Schrittfolge verwendet wird, sondern verschiedene Vereinfachungen. Diese Vereinfachungen lassen sich durchaus auch nutzen, um einen Tanz schrittweise aufzubauen. Die Tänzer kommen darüber zunächst in den Rhythmus rein und können die Reibung zwischen den Tänzern reduzieren.

Referenzen

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  1. 1,0 1,1 Fest-Noz, festive gathering based on the collective practice of traditional dances of Brittany, ich.unesco.or
  2. http://www.heritaj.bzh/page/patrimoine-danse-famille-danse-gavotte
  3. Alan Pierre und Daniel Cario (pref. Alan Stivell): La danse bretonne, Coop Breizh, 1999, 142 S. (ISBN 978-2-84346-025-8)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Corina Oosterveen: 40 bretonische Tänze - mit ihrem kulturellen Hintergrund Verlag der Spielleute, Reichelsheim 2003, ISBN 3-927240-32-X