Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit/ Das Belchen-System

Das Belchen-System besteht aus den fünf Bergen im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz, die traditionell als Belchen bezeichnet werden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bezeichnung Belchen sogar auf keltische Ursprünge zurückgeführt werden kann. Sie haben besondere geographische Bezüge zu den Himmelsrichtungen sowie den Auf- und Untergangsorten von verschiedenen Gestirnen. Insbesondere in Bezug auf die Sonne stellt der Gipfel vom Elsässer Belchen ein natürliches Sonnenobservatorium dar.
Die fünf Belchen
[Bearbeiten]Vom Elsässer Belchen (französisch "Ballon d'Alsace") als Zentrum des Belchen-Systems aus gesehen, stellen die vier anderen Belchen geographische Markierungen für einen Sonnenkalender dar.
Die folgende Liste enthält die fünf Belchen mit steigenden Azimuten (von Nordosten nach Südosten) sowie den Mont Blanc, wenn der Elsässer Belchen sich im Beobachtungspunkt befindet:
- Elsässer Belchen (Vogesen), zentraler Punkt des prähistorisches Sonnenobservatoriums.
- Kleiner Belchen, auch Kahler Wasen (Vogesen), Richtung des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende.
- Großer Belchen (Vogesen), Richtung des Sonnenaufgangs am keltischen Feiertag Beltane (1. Mai). Vor 2000 Jahren ging das auffällige Siebengestirn zu allen Jahreszeiten genau dort auf.
- Schwarzwälder Belchen, auch Badischer Belchen oder nur Belchen (Schwarzwald), genau in Richtung Osten und Richtung des Sonnenaufgangs bei den Äquinoktien zu Frühlings- und Herbstbeginn.
- Schweizer Belchen, auch Jura-Belchen, Bölchen, Bölchenfluh oder die Belchenflue (Schweizer Jura), Richtung des Sonnenaufgangs zur Wintersonnenwende.
- Mont Blanc (Grenze zwischen Frankreich und Italien), genau in Richtung Süden, wo alle Gestirne, insbesondere die Mittagssonne, ihre obere Kulmination auf dem südlichen Meridian erfahren. Vor 2500 Jahren tauchte um Mitternacht dort der helle Stern Fomalhaut nach Jahrtausenden wieder auf.
Die Wahrscheinlichkeit, dass genau die fünf Berge der in Region Vogesen (Frankreich), Schwarzwald (Deutschland) und Jura (Schweiz) zufällig mit dem Begriff Belchen in Verbindung gebracht werden können, ist sehr gering. In den Vogesen gibt es 27 Berge mit einer Höhe von über 1000 Metern. Die Wahrscheinlichkeit wird dadurch noch geringer, dass sowohl der höchste Berg der Vogesen (der Große Belchen, französisch "Grand Ballon") als auch der südlichste Berg der Vogesen (der Elsässer Belchen) zu diesen fünf Bergen zählen. Die drei Belchen der Vogesen gehören zu den 17 höchsten Bergen der Vogesen. Der Schwarzwälder Belchen ist die fünfthöchste Erhebung im Schwarzwald und zählt damit zu den fünf über 1400 Meter hohen Bergen. Allein der Schweizer Belchen ist zwar auch deutlich über 1000 Meter hoch, ist in seiner Umgebung vom Elsässer Belchen aus gesehen jedoch eher unscheinbar und wird vom benachbarten Ruchen in der Höhe um 24 Meter übertroffen. Bei guter Fernsicht sind hinter dem Schweizer Belchen die 3000er in den Glarner Alpen zu sehen.[1] Vom Schwarzwälder Belchen aus liegt der Schweizer Belchen (Belchenflue) fast genau in südlicher Richtung (Azimut 182 Bogengrad) und ist in gut 50 Kilometer deutlich zu erkennen.[2]
Der Kleine Belchen (französisch "Petit Ballon") wird vom Elsässer Belchen aus gesehen von dem vier Kilometer näher gelegenen und 18 Meter höheren Langenfeldkopf verdeckt. Nichtsdestoweniger war es möglich, dessen Lage zu ermitteln, wenn ein großes kultisches Feuer auf dem Gipfel entfacht wurde, das bei der Abwesenheit von Lichtverschmutzung in der Dämmerung als Lichtschein oder am Tag durch durch die Rauchwolken wahrgenommen werden kann.
Der südliche Meridian
[Bearbeiten]Genau in Richtung Süden findet überall auf der nördlichen Halbkugel der Erde die obere Kulmination aller Himmelsobjekte statt, also auch die aller Sterne, der Sonne, des Mondes und aller Planeten. In dieser Richtung erreichen die Gestirne demzufolge ihre größte Höhe über dem Horizont.
Vom Elsässer Belchen aus gesehen liegt der 221 Kilometer entfernte und mit 4810 Metern Höhe höchste Berg der Alpen, der Mont Blanc, fast genau in südlicher Richtung, die Abweichung beträgt nur 0,3 Bogengrad nach Osten. Trotz der Höhe des Mont-Blanc-Gipfels befindet sich dieser wegen der Krümmung der Erdoberfläche und der großen Entfernung nur einige Bogenminuten über dem geometrischen Horizont (Zenitdistanz = 90 Bogengrad).[3] Bei sehr guten Sichtverhältnissen ist er zu sehen.[4]
Der Elsässer Belchen befindet sich auf 47,8238 Bogengrad nördlicher Breite. Dies bedeutet, dass hier ein Himmelsobjekt mit einer bei einer Deklination von -42,1762 Bogengrad (-42° 10' 34,3") genau auf dem Horizont steht, wenn auf dem südlichen Meridian die obere Kulmination dieses Himmelsobjekts erfolgt. In der Bronzezeit war der sehr helle und auffällige Stern Formalhaut (α Piscis Austrini, scheinbare Helligkeit 1m) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) wegen seiner zu südlichen Deklination vom Elsässer Belchen aus nie zu sehen. Vor rund 2500 Jahren erreichte seine Deklination aufgrund der Präzession der Erdachse jedoch einen so hohen (nördlichen) Wert, dass seine scheinbare tägliche Bahn vom Breitengrad des Elsässer Belchens und des Schwarzwälder Belchens aus gesehen den geometrischen Horizont hinreichend hoch überstieg. Somit wurde Formalhaut damals nach mehreren Jahrtausenden wieder sichtbar, als er im Hochsommer um Mitternacht auf dem südlichen Meridian und demnach genau auf dem südlichen Meridian kulminierte.
→ Siehe auch Änderung der Deklination von Fomalhaut.
Beobachtungen vom Elsässer Belchen aus
[Bearbeiten]Vom Elsässer Belchen aus können die Anfänge der vier astronomischen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter bestimmt werden. Über dem höchsten Berg der gesamten Vogesen, dem Großen Belchen (1424 Meter), geht die Sonne von dort aus gesehen am 1. Mai auf, der bei den Kelten als Tag des Sommeranfangs gefeiert wurde.
Vor 2000 Jahren stimmte dieser Azimut mit dem Aufgangsort des Kalendergestirns der Plejaden (das Siebengestirn) überein. Im Laufe des Mais tauchten die Plejaden, nachdem diese für mehrere Wochen vom Licht der an ihnen vorbeiziehenden Sonne überstrahlt waren, bei ihrem heliakischen Aufgang mit dem Morgenerst wieder auf. Die Plejaden sind der auffälligste offene Sternhaufen am Himmel, und sie gehören zum uralten Sternbild Stier (Taurus). Beim morgendlichen Aufgang folgt ihnen der hellste Stern des Sternbilds Stier, Aldebaran (arabisch für "der Folger", α Tauri), mit gut einer Stunde Verzögerung. Sowohl Aldebaran als auch die Plejaden können vom Mond bedeckt werden, was sicherlich auch in der Vorgeschichte von den beobachtenden Menschen als spektakulär empfunden wurde.
Heute gehen die Plejaden zwar bei einem Azimut von 52 Bogengrad auf, vor 2000 Jahren war dies bei einem Azimut von 65 Bogengrad der Fall, also exakt in der Richtung, in der der Große Belchen zu sehen ist.
Beobachtungen vom Schwarzwälder Belchen aus
[Bearbeiten]Da der Elsässer und der Schwarzwälder Belchen auf dem gleichen Breitengrad liegen (47,822 Grad nördliche Breite), können auch vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen die Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) beobachtet werden. Die Sonne geht bei den Äquinoktien vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen über dem Elsässer Belchen unter.
Ferner liegen der Schwarzwälder Belchen (7,83 Grad östliche Länge) und der Schweizer Belchen (7,81 Grad östliche Länge) fast auf dem gleichen Längengrad, so dass sich ein Dreieck ergibt, das beim Schwarzwälder Belchen annähernd einen rechten Winkel hat. Der Schweizer Belchen befindet sich von hier aus in 51 Kilometern Entfernung und hat einen Azimut von knapp 182 Bogengrad, so dass er also knapp zwei Bogengrad westlich von der Südrichtung zu sehen ist und der Winkel zwischen Schweizer und Elsässer Belchen gut 88 Bogengrad beträgt.
Alle Gestirne, insbesondere die Mittagssonne, erfahren auch vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen ihre obere Kulmination auf dem südlichen Meridian, also in Richtung des Schweizer Belchens. Vor 2500 Jahren tauchte um Mitternacht dort – ebenso wie vom Elsässer Belchen aus gesehen – der helle Stern Fomalhaut nach Jahrtausenden wieder auf.
- Schwarzwälder Belchen, prähistorisches Sonnenobservatorium.
- Elsässer Belchen, genau in Richtung Westen Sonnenuntergang bei den Tag-und-Nacht-Gleichen zu Frühlings- und Herbstbeginn.
- Schweizer Belchen, in Richtung Süden, also der Richtung der täglichen Kulmination aller Gestirne auf dem südlichen Meridian.
Die genaue Südrichtung wird von hier aus durch den Liskamm (4527 Meter Höhe, 211 Kilometer Entfernung) in den schweizerischen Walliser Alpen markiert, der vom Schwarzwälder Belchen aus allerdings nicht zu sehen ist. Er verbirgt sich zwischen den nicht ganz so hohen, aber etwas näher liegenden Gipfeln der Berner Alpen vom Tschingelspitz (3310 Meter Höhe, 146 Kilometer Entfernung) und vom Gspaltenhorn (3426 Meter Höhe, 146 Kilometer Entfernung), die eine Scharte bilden.[2]
Der Schwarzwälder Belchen ist, obwohl er mit 1414 Metern nicht ganz so hoch wie der Feldberg (1493 Meter) und das Herzogenhorn (1416 Meter) ist, gerade von Westen und von Süden aus der bemerkenswerteste und auffälligste Berg des Schwarzwalds. Dies wird in dem Bericht "Die drei Belchen" aus dem Jahr 1960 von Fritz Hockenjos über den Schwarzwälder Belchen folgendermaßen ausgedrückt:[5]
Gewaltig hebt sich sein Stierrücken über die Rheinebene, aus den tiefen Tälern und den minder hohen Bergnachbarn, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, den steilen Gipfelaufbau auf dem breiter gewölbten Sockel, flankiert von den Stufen des Hochkelchs und des Hagstutzes, mit einem Riesenaltar zu vergleichen.
Beobachtungen vom Schweizer Belchen aus
[Bearbeiten]In der Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik wird das Belchen-Dreieck aus Sicht des Schweizer Belchens mit der Bezeichnung "jurassischer Belchen" vom bayerischen Geographen Wilhelm Goetz (1844–1911) schon im 19. Jahrhundert beschrieben. Er erwähnt den keltischen Stamm der Rauriker ("Rauraker"), die schon in vorchristlicher Zeit dort wirkten:[6]
Erst im Norden, in Baselland, theilt sich das Gebirge in eine Menge fast radial auseinander laufender Thäler zwischen kleinen Plateaux: ein liebliches Hügelland von eigenthümlicher, idyllischer Schönheit.
Im großen Dreieck marken die Belchen, sich erhebend über den Jura, den Schwarzwald, die Vogesen, das Rheinbecken von Basel aus. Neben dem jurassischen Belchen (1100 Meter) auf dem Boden Basellands führte schon seit undenklichen Zeiten ein begangener Fußpfad über das Gebirge, der Paß über den oberen Hauenstein (732 Meter). Die Geschichte dieses Passes beginnt mit dem Jahre 58 vor Christi Geburt, da die Rauraker hinüberzogen, theilzunehmen an dem Auswanderungszuge der Helvetier, jenem Vorspiele der großen germanischen Völkerwanderung, welches hervorging aus dem großartigen Plane zu einer nationalen Einigung Galliens gegen Rom.
Vom Schweizer Belchen aus können die vier anderen Belchen der Region bei guter Sicht einwandfrei gesehen und aufgrund ihrer markanten Erscheinung leicht identifiziert werden.[7]
Die Sonne geht zur Sommersonnenwende vom Schweizer Belchen aus gesehen über dem Elsässer Belchen unter.
Alle Gestirne erfahren vom Schweizer Belchen aus gesehen ihre untere Kulmination auf dem nördlichen Meridian, also in Richtung des Schwarzwälder Belchens. Insbesondere alle zirkumpolaren Sterne der nördlichen Hemisphäre erreichen dort ihre niedrigste Höhe über dem Horizont. Vor gut 2000 Jahren konnte vom Schweizer Belchen aus gesehen die fünf Sterne des W-förmigen Sternbilds Cassiopeia in Richtung Norden vollständig gesehen werden, das vorher nur in weiter nördlichen Regionen bei der Kulmination auf dem nördlichen Meridian vollständig gesehen werden konnte. Ungefähr 2250 vor Christus verschwand dort durch die Präzession der Erdachse der sehr helle Stern Arktur (α Bootes) im Sternbild Bärenhüter (Bootes).
Die Achse Großer Belchen und Feldberg
[Bearbeiten]Schließlich sei auch noch darauf hingewiesen, dass auch der Große Belchen und der 68 Kilometer entfernte, etwas höhere und höchste Berg des Schwarzwalds, der Feldberg, fast auf dem gleichen Breitengrad liegen, und deswegen ebenfalls ein Gespann darstellen, das zur Ermittlung der Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) im Sonnenkalender verwendet werden kann. Die Abweichungen von den genauen Daten betragen nur drei bis vier Tage. Vom Großen Belchen aus gesehen befindet sich der Feldberg in Richtung Osten, wo die Sonne bei den Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) zu Frühlings- und Herbstbeginn aufgeht. Umgekehrt geht die Sonne bei den Äquinoktien vom Feldberg aus gesehen über dem Großen Belchen unter.
Über die Kelten
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Die Oberrheinische Tiefebene war in der späten Eisenzeit (Latènezeit, von der Mitte des fünften Jahrhunderts bis zur römischen Eroberung) ein bedeutendes Siedlungsgebiet der Kelten, was durch zahlreiche archäologische Funde belegt ist. Die Region war ein Zentrum für Handwerk und Handel und spielte eine wichtige Rolle beim Austausch zwischen den Kelten und den weiter südlich lebenden Kulruren.
Alle fünf Belchen lagen in der Antike in keltischem Siedlungsgebiet.[5] Der keltische Stamm der Rauriker lebte seit dem 2. Jahrhundert vor Christus am südlichen Oberrhein in der Gegend des heutigen Basels, des Juras und des Elsass'.
Gaius Iulius Caesar schreibt in der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts im 14. Kapitel des sechsten Buches "Über den Gallischen Krieg" ("De bello Gallico") über die keltischen Druiden. Da sie keine Steuern zahlen und keinen Kriegsdienst leisten mussten, konnten sie eine umfassende Ausbildung durchlaufen, die bis zu zwanzig Jahre gedauert haben soll. Das Wissen wurde dabei ausschließlich mündlich übertragen und durfte schriftlich nicht festgehalten werden. Das Auswendiglernen von Texten und Sachverhalten war hierbei nicht nur üblich, sondern wurde auch als für das gründliche Lernen als sehr wichtig angesehen. Ferner sollte verhindert werden, dass das Wissen eine größere Verbreitung erfahren konnte. Nichtsdestoweniger waren die Druiden oft der griechischen Sprache in Wort und Schrift mächtig, um mangels einer keltischen Schrift private oder öffentliche Aufzeichnungen zu machen.
Im letzten Satz des Kapitels geht Caesar auf die astronomischen Interessen der Druiden ein:
6 Multa praeterea de sideribus atque eorum motu, de mundi ac terrarum magnitudine, de rerum natura, de deorum immortalium vi ac potestate disputant et iuventuti tradunt.
Frei übersetzt ins Deutsche:
Die Druiden setzen sich mit den Himmelskörpern und ihrer Bewegung, mit der Größe des Weltalls und der Erde, mit den Naturerscheinungen sowie mit der Macht der unsterblichen Götter auseinander und geben es an die Jugend weiter.
Der deutsche Sprachwissenschaftler Jacob Grimm (1785–1863) hat in der zweiten Auflage seines großen Werks "Deutsche Mythologie" aus dem Jahr 1844 unter dem Thema Notfeuer (gemeint sind Opferfeuer) zu den keltischen Bräuchen folgendes geschrieben:
In den großen Volksversammlungen der Jahresfeste wurde das Notfeuer entzündet (Fußnote: Auch die Gueber entzündeten alljährlich ein Feuer). Den keltischen Völkern fallen diese in den Eingang Mais und Novembers; der hehrste Tag ist der Maitag, ich finde meist den ersten Mai, aber auch den zweiten und dritten dafür bestimmt. Dieser Tag heißt irisch und galisch la bealtine oder beiltine, andere schreiben beltein, entstellt belton, beltim, beltam. la ist Tag, teine, tine Feuer und beal, beil wird für den Namen eines Gottes genommen, der … ein den Kelten eigentümliches höheres Lichtwesen bezeichnet. Den irischen Beul, Beil, galischen Beal nennt der welsche Dialekt Beli, seinen altkeltischen Namen Belenus, Belinus überliefern Ausonins, Tertullian und mehrfache Inschriften.
Belenus war der keltische Gott, der von den antiken Römern mit Apollon gleichgesetzt wurde. Er soll der von den antiken Autoren am meisten genannte keltische Gott sein. Wegen der Verbreitung der Weiheinschriften wird vermutet, dass Belenus zum Urbestand der keltischen Religion zählt. Die gut 50 Kilometer südwestlich von Basel gelegene Stadt Biel hieß im Mittelalter "Belna", was auf einen keltischen Ursprung zurückgeführt wird.[8]
Die Gueber (heutige Bezeichnung: Zoroastrier) waren ein altes in Persien und Indien umherirrendes Volk und Feueranbeter. Sie wurden im siebenten Jahrhundert von den vordringenden Moslems vernichtet.[9] In dem von Voltaire 1764 veröffentlichten Dictionnaire philosophique werden unter dem Stichwort "Juden" die Gueber erwähnt. Dort steht, dass die die Gueber sich das heilige Dogma der Einheit Gottes und ihre alten Riten bewahrt hätten, obwohl sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Sie würden verstreut leben, keine Bündnisse mit anderen Nationen eingegangen sein, sich inmitten fremder Völker fortpflanzen und sich stets vom Rest der Welt absondern. Sie seien einst weitaus bedeutender als die Juden gewesen, da sie Nachkommen der alten Perser sind, die die Juden unter ihrer Herrschaft hatten. Im 18. Jahrhundert seien sie nur noch in einem Teil des Orients verbreitet.[10] In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass die Menschen der osteuropäischen Jamnaja-Kultur (auch Grubengrab- oder Ockergrab-Kultur) aus dem vierten und dritten Jahrtausend inzwischen sowohl als Vorfahren der indoiranischen als auch der keltischen Völker gelten. Alle indogermanischen Sprachen, also auch das Keltische und das Iranische, scheinen sich auf die Jamnaja-Kultur zurückführen zu lassen.
Der Große Belchen wurde früher auch Guebwiller Belchen genannt. Der alte elsässische Ort Guebwiller (deutsch: Gebweiler, elsässisch: Gawill’r, lateinisch Gebvilla) liegt in östlicher Richtung zu Füßen dieses Berges.
Zehn Kilometer weiter nördlich liegt der Ort Gueberschwihr (deutsch: Geberschweier, elsässisch: Gàwerschwihr), der in östlicher Richtung zu Füßen des Kleinen Belchens liegt.
Dass sich die Druiden für kultische Handlungen am Mondlauf orientierten, ist bei Plinius dem Älteren in dessen Naturgeschichte (Naturalis historia) belegt, welche er um 77 geschrieben hatte. Am Ende des sechzehnten Buches zum Schluss des ersten Bandes schreibt er, dass die Druiden mit großer Feierlichkeit selten vorzufindende Misteln von Eichenbäumen abgenommen hätten. Dies hätten sie vor allen am sechsten Tage nach dem Neumond getan, weil der Mond dann schon Kräfte genug habe, aber noch nicht zum Halbmond angewachsen sei. Der Neumond hätte bei den Kelten den Anfang der Monate und Jahre definiert.

Der keltische Kalender von Coligny ist eine Bronzetafel aus dem 2. Jahrhundert, deren Bruchstücke in der Nähe der französischen Ort Coligny (Frankreich) gefunden wurde, das ungefähr 120 Kilometer südwestlich des Elsässer Belchens liegt. Die Tafel zeigt einen lunisolaren Kalender, der die Monate und Mondzyklen der keltischen Zeitrechnung mit lateinischen Buchstaben dokumentiert. Dieser Kalender ist in zwölf regelmäßige Monate unterteilt, enthält zur Anpassung an das Sonnenjahr ein komplexes System mit Schaltmonaten. Damit weist der Fund auf die umfassenden astronomischen Kenntnisse der Kelten hin und zeigt, dass sie nicht nur landwirtschaftliche Zyklen ermittelten, sondern auch, wie sie ihre religiösen Feste zeitlich festlegten. Der Kalender von Coligny gilt als eine Schlüsselquelle für die Erforschung keltischer Kultur und Religion.
Während der Romanisierung Südwestdeutschlands zogen Kelten und Helvetier aus der Gegend zwischen Rhein, Main und Donau westwärts nach Gallien und in die spätere Schweiz ab. Danach war die Region von den Alemannen (respektive Alamannen) besiedelt, die dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet werden. In der historisch-kritischen Ausgabe Deutsche National-Literattur herausgegeben von Joseph Kürschner wird im 142. Band Hebels Werke (Zweite Abteilung) Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes (1811 herausgegeben von D. Behaghel) im Abschnitt Die Allemannen am Rheinstrom der Schwarzwälder Belchen vom Schriftsteller Johann Peter Hebel (1760–1826) erwähnt:
In die Kirche gingen sie nach Schaffhausen an den Rheinfall, oder in die dichtesten Wälder, oder auf den Belchen. Denn sie beteten unsichtbare Götter an, wenn nicht Sonne und Mond oder den Rhein und opferten ihnen Pferde.
Zur Namensgebung
[Bearbeiten]Der Schwarzwälder Belchen wird im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt:[5]
der berc, dem man sprichet der Belche
Der Große Belchen wird in einem Dokument aus dem 12. Jahrhundert "Peleus" oder "Beleus" genannt.[5]
Der Baseler Schriftsteller Johann Peter Hebel (1760–1826) schrieb 1803 in dem Worterklärungen zu seinem Werk Allemannische Gedichte unter dem Stichwort "Belche"
Hoher Berg des Schwarzwaldgebirges im Breisgau. (Auch Schweiz und Elsah baben Belchen) Sch. Belch, Boelchen, cacumina montum.
Zur Abstammung des Namens "Belchen" haben zahlreiche Sprachforscher völlig verschiedene Ansätze verfolgt. Da der Name länger belegt ist als die heute kahlen Gipfel beweidet wurden, kann davon ausgegangen werden, dass sie in der Antike bewaldet waren. Der Bezirksförster Roth schrieb 1842 über den Schwarzwälder Belchen, dass die Waldgrenze für die Buchen und Fichten bei 4200 Fuß (also 1400 Meter) lag. Er wies darauf hin, dass sich oberhalb der Baumgrenze flächendeckende Reste von einem Baumbestand befanden.[5] Der Jura-Belchen (Schweizer Belchen) soll seit altersher bewaldet gewesen sein.[5]
Zufall oder Koinzidenz
[Bearbeiten]Es ergibt sich die Frage, ob es diese geographischen und astronomischen Sachverhalte koinzident sind, oder ob sich lediglich um einen Zufall handelt. Da es keine historischen Belege für einen Zusammenhang gibt, ist die Frage nicht zweifelsfrei zu beantworten. Die folgende kognitive Analyse zeigt, dass alle fünf als Belchen bezeichneten Berge der Region durch ihre besonderen Lagen und ihre hervorragenden Fernsichten gekennzeichnet sind. Aus diesen Gründen sind alle fünf Belchen gut aus der Rheinebene zu erkennen.
Es scheint deswegen recht wahrscheinlich zu sein, dass diese fünf Gipfel wegen ihrer günstigen geographischen Lagen und ihrer astronomischen Kalenderfunktionen gezielt ausgewählt und "Belchen" genannt wurden.
In diesem Kontext ist es erwägenswert, dass der Große Belchen für die Festlegung des keltischen Feiertags Beltane herangezogen worden sein könnte. Beltane könnte von den Kelten dann gefeiert worden sein, wenn über dem höchsten Berg der gesamten Gegend, über dem vom Elsässer Belchen aus gesehen damals Tag für Tag der sehr auffällige und mystische Sternhaufen der Plejaden (das Siebengestirn) aufging, die Sonne aufging. Dies ist an den ersten Maitagen der Fall. Die Verehrung der Plejaden durch die Kelten ist archäologisch belegt.[11]
- Schwarzwald
- Im Schwarzwald gibt es nur ein Belchen.
- Im Schwarzwald gibt es rund 100 Berge, die höher sind als 1100 Meter.
- Der Schwarzwälder Belchen ist der westlichste Berg (mit einer Höhe über 1200 Meter). Er bietet eine spektakuläre Fernsicht nach Süden in das Jura-Gebirge (und die Alpen) und nach Westen in die Vogesen.
- Vogesen
- In den Vogesen gibt es drei Belchen.
- In den Vogesen gibt es 24 Berge mit einer Höhe über 1000 Meter.
- Der Elsässer Belchen ist der südlichste Berg der Vogesen (mit einer Höhe über 1200 Meter). Er bietet eine spektakuläre Fernsicht nach Osten in den Schwarzwald und nach Süden in das Jura-Gebirge (und die Alpen).
- Der Große Belchen ist der höchste Berg der Vogesen.
- Der Kleine Belchen ist der östlichste Berg der Vogesen (mit einer Höhe über 1200 Meter).
- Jura
- Im Jura gibt es nur ein Belchen.
- Der Schweizer Belchen ist südlich von Schwarzwälder Belchen aus gesehen zusammen mit dem benachbarten Ruchen der auffälligste Berg des nördlichen Ausläufers des Juragebirges. Anders als Gipfelgrat des Ruchens ist der Schweizer Belchen gut begehbar. Er bietet eine spektakuläre Fernsicht in die Vogesen und in den Schwarzwald.
Literatur
[Bearbeiten]- Fritz Hockenjos: Die drei Belchen, in: Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde des Markgräflerlandes (Herausgeber und Verlag): Markgräfler Jahrbuch, Band 4, Seiten 66–73, Schopfheim, 1962.
- Walter Eichin, Andreas Bohnert: Das Belchen-System, in Das Markgräflerland - Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Markgräflerland für Geschichte und Landeskunde e.V., Heft 2, Seiten 176–185, Schopfheim, Geschichtsverein, 1985.
- Ernst Born: Das Belchendreieck, ambripress, 2010, ISBN 978-3-905367-05-8.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Vom Elsässer Belchen Richtung Osten, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
- ↑ 2,0 2,1 Vom Schwarzwälder Belchen Richtung Süden, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
- ↑ Vom Elsässer Belchen zum Mont Blanc, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
- ↑ Thomas Striebig: Vogesen-Durchquerung, Bergverlag Rother, 2021, Seite 180, ISBN 9783763344079
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 Fritz Hockenjos: Die drei Belchen, in: Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde des Markgräflerlandes (Herausgeber und Verlag): Markgräfler Jahrbuch, Band 4, Seite 67, Schopfheim, 1962.
- ↑ Wilhelm Goetz: Abseits der Heerstraße zu stillen Stätten in der Schweiz. In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, IV. Jahrgang, Wien, Pest, Leipzig, A. Hartleben's Verlag, Seiten 304–308, 1882
- ↑ Blick vom Schweizer Belchen in die Vogesen und in den Schwarzwald, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
- ↑ Der Stadtname Biel/Bienne – Stadt Biel, biel-bienne.ch
- ↑ Schauplatz der Natur und der Künste: in vier Sprachen: deutsch, lateinisch, französisch und italienisch, zehnter Jahrgang, Joseph Edlen von Kurzbeck, Wien, 1783.
- ↑ Voltaire: Dictionnaire philosophique/Garnier (1878)/Juifs – Wikisource Juifs, in: Dictionnaire philosophique, London, 1764
- ↑ Peter Kurzmann: Die Plejaden in Gold auf einem keltischen Schwert, Archäologie online, 28. Februar 2014
