Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit/ Die Planeten
Zu den acht Planeten des Sonnensystems zählen heute von innen nach außen der Merkur, die Venus, die Erde, der Mars, der Jupiter, der Saturn, der Uranus und der Neptun.
Zwischen der Marsbahn und der Jupiterbahn liegt der Asteroidengürtel mit über einer Million Asteroiden. Der größte unter ihnen ist der Zwergplanet (1) Ceres, der 1801 als erster Asteroid entdeckt werden konnte.
Jenseits der Neptunbahn liegt der Kuiper-Gürtel, der über 100000 Objekte enthält, die größer als 100 Kilometer sind. Dazu gehören ebenfalls einige Zwergplaneten wie beispielsweise der 1930 auf photographischen Aufnahmen mit einem Blinkkomparator entdeckte Pluto sowie (136199) Eris, (136472) Makemake oder (136108) Haumea.
Der Merkur
[Bearbeiten]Der Merkur nährt sich jedes Jahr im Frühling zusammen mit der Sonne dem Goldenen Tor der Ekliptik. Meistens wird sein Licht vom Licht der Sonne oder dem Licht der Dämmerung überdeckt, manchmal ist er dabei zu beobachten, wie zum Beispiel im Jahr 2022, als er am Ende April in großem Glanz am westlichen Abendhimmel in der nautischen Dämmerung zu sehen war. Ende April 2022 stand er dann bei fast drei Bogengrad nördlicher Breite und somit bester Sichtbarkeit im Goldenen Tor der Ekliptik. Danach war er rückläufig (retrograd) und erschien zwei Monate später zum Sommeranfang 2022 mit rund drei Bogengrad südlicher ekliptikaler Breite in den Morgenstunden am Osthimmel, wobei die Ekliptik zu diesem Zeitpunkt einen sehr flachen Winkel zum Horizont eingenommen hatte. Unter solchen Voraussetzungen ist er mit bloßem Auge nicht zu sehen.
In Mesopotamien wurde Merkur wegen dieser schnellen Wechsel vom Morgen- zum Abendhimmel mit dem seit dem 18. Jahrhundert vor Christus erwähnten Schreibergott Nabû, Sohn des Götteroberhaupts Marduk, der wiederum mit dem Planeten Jupiter assoziiert ist, auch "springender Planet" genannt. Sein noch älterer sumerischer Name lautet UDU.IDIM.GU4.UD, was wörtlich mit "springendes Wildschaf" übersetzt werden könnte.[1]
Der Merkur hat kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang stets nur eine geringe Höhe über dem Horizont und die Sonne steht immer so dicht unter dem Horizont, dass die bürgerliche Morgendämmerung bereits viel Streulicht erzeugt. Der Merkur kann deswegen mit bloßem Auge nicht ohne weiteres beobachtet werden. Hierzu müssen gute Randbedingungen herrschen, wie eine große Elongation (maximal 28 Bogengrad), eine möglichst nördliche ekliptikale Breite (maximal 7 Bogengrad) sowie eine möglichst steile Ekliptik über dem Horizont, wie um den Frühlingsanfang im Westen beim Untergang des Merkurs (bei östlicher Elongation), oder um den Herbstbeginn im Osten beim Aufgang des Merkurs (bei westlicher Elongation). Ferner müssen klare Sichtverhältnisse herrschen, die Sonne muss möglichst weit unter dem Horizont stehen, und der korrekte Ort über dem Horizont muss beim Betrachten gut fixiert werden.
Der Merkur war aber auch auf Malta mit bloßem Auge nur selten zu beobachten und eignete sich nicht, um kontinuierlich mit der Himmelstafel von Tal-Qadi vermessen zu werden. Zudem konnte sie in Ermangelung sichtbarer Fixpunkte dann auch nicht immer zuverlässig in den Sternenhimmel eingepasst werden.
Auch Nikolaus Kopernikus auf Thorn hatte es 1543 in seinem Werk De revolutionibus orbium coelestium bedauert, den Planeten Merkur in ermländischen Frauenburg bei einer geographischen Breite von über 54 Bogengrad selber nie beobachtet zu haben oder gar dessen Position bestimmt haben zu können:[2][3][4]

De recentioribus Mercury motibus observatis
Hanc sane viam humis stellae cursum examinandi prisci nobis premonstraverunt,
sed caelo adducti serenioci, nempe ubi Nilus ei ut ferunt,
non spirat auras, qualis apud nos Vistula.
Nobis autem rigentiorem plagam ni habatantibus illam commoditatem natura negavit,
ubi tranquillitas aeris rarus,
ac insupem ob magnam sphaerae obliquitatem varius sinit
videri Mercuriam quando nitens in maxima a sole distantia.
Über neuere beobachtete Bewegungen des Merkur
Diesen selbstverständlichen Weg, den Grund für den Lauf des Sternes zu untersuchen, hatten uns die Alten vorgezeichnet,
aber von heiterem Himmel begünstigt, und bei denen der Nil allerdings, wie sie berichten,
nicht solche Dünste ausatmet, wie bei uns die Weichsel.
Uns jedoch, im eiskalten Schlag wohnend, verweigerte die Natur jene Zuvorkommenheit,
da die Ruhe der Luft selten ist,
sowie da es obendrein wegen der großen Schiefe der Himmelskugel nur gelegentlich möglich ist,
den Merkur zu sehen, wenn er in den größten Abstand von der Sonne klettert.
Die folgenden beiden Bilder zeigen das untergehende Neulicht des Mondes beim Abenderst (Mondalter 43 Stunden, visuelle Helligkeit -4m) in Konjunktion mit dem Planeten Merkur (20 Bogengrad östliche Elongation, visuelle Helligkeit 2m) zu Beginn der nautischen Dämmerung ungefähr sieben Bogengrad über dem Horizont am 2. Mai 2022. Die Plejaden sind beim Abendletzt (akronychischer Untergang, die visuelle Helligkeit des hellsten Einzelsterns Alkyone beträgt 4m) gerade noch wahrnehmbar.
- Neulicht des Mondes und Merkur in Konjunktion im Goldenen Tor der Ekliptik
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Vier Objekte bei einer Höhe von ungefähr 9 Bogengrad (von links nach rechts): Mond (Elongation = 21,4 Bogengrad, 3,5 Prozent beleuchtet), rechts davon Merkur (Elongation = 20,1 Bogengrad, 28 Prozent beleuchtet), weiter rechts die Plejaden (Höhe = 9 Bogengrad), direkt darüber ein Flugzeug. Die Sonne stand bereits über 8 Bogengrad unterhalb der Horizontlinie
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Mond und Merkur im Goldenen Tor der Ekliptik, links der Rote Riese Aldebaran, rechts die Plejaden.
Die Venus
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Die Venus kann bei Erdnähe sehr große Helligkeiten erreichen und ist dann nach Sonne und Mond das hellste regelmäßig zu beobachtende Himmelsobjekt. Nach der astronomischen Dämmerung kann sie nach Monduntergang und vor Mondaufgang einen sichtbaren Schatten einer Hand auf einem weißen Blatt Papier werfen. Sie bildet je nach Lage zu Sonne verschiedene Phasen und kann in seltenen Fällen vor der Sonnenscheibe beobachtet werden.
Aufgrund der Eigenbewegung der Plejaden konnte die Venus bei maximaler nördlicher ekliptikaler Breite den südlichsten Stern dieses Sternhaufens, Atlas, vor 4800 Jahren noch bedecken. Danach konnte dann nur noch die Annäherung der Venus an den Sternhaufen beobachtet werden. Heute ist der minimal mögliche Abstand zwischen Atlas und Venus auf über ein halbes Bogengrad angewachsen.
Der Mars
[Bearbeiten]Ist in Opposition hell und rötlich wahrnehmbar, während er eine relativ schnell bewegte Schleife zeiht.
Der Jupiter
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Braucht für einen siderischen Umlauf knapp zwölf Jahre und steht somit in jedem Jahr in einem anderen der zwölf Lebewesenkreiszeichen.
Der Saturn
[Bearbeiten]Braucht für einen siderischen Umlauf 29,4475 Jahre und steht somit in jedem Jahr in einem anderen Mondhaus.
Der Uranus
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Der Planet Uranus ist in Abwesenheit von Lichtverschmutzung mit bloßem Auge gerade noch sichtbar. Uranus wurde wegen seiner langsamen Bewegung aber selbst bei der Beobachtung mit Fernrohren zunächst noch für einen Stern und auch 1871 von seinem Entdecker Friedrich Wilhelm Herschel (1738–1822) erst für einen Kometen gehalten.
Der Neptun
[Bearbeiten]Neptun hat nur eine scheinbare Helligkeit der achten Größenklasse und ist ohne Fernrohr nicht sichtbar. Kurioserweise hatte ihn Ende 1612 schon Galileo Galilei (1564–1642) bei der Beobachtung des Planeten Jupiter mit seinem neu entwickelten Fernrohr bemerkt und dokumentiert. Da Neptun zu diesem Zeitpunkt an seinem Wendepunkt gerade stationär war, fiel Galilei nicht auf, dass es sich um ein Wandelgestirn handeln könnte. Ähnlich erging es Michel Lefrançois de Lalande (1766–1839), dem Neffen des berühmten französischen Astronomen Jérôme Lalande (1732–1807). Für die Vorbereitung eines Sternkatalogs beobachtete er im Mai 1795 die Himmelsregion, in der sich der Planet Neptun bewegte, und auch er realisierte nicht, dass es sich bei diesem sich sehr langsam bewegenden Objekt um einen Planeten handeln könnte. Entdeckt wurde Neptun als Planet erst im September 1846 von Johann Gottfried Galle (1812–1910) in Berlin, nachdem der französische Astronom Urbain Le Verrier (1811–1877) anhand der Bahnstörungen von Uranus dessen ungefähre Position vorausberechnen konnte.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Friedhelm Pedde: Götter und Planeten im Alten Orient. Teil 1. Nabu und der Merkur, in: … dem Himmel nahe … der Erde verbunden. Mitgliederzeitschrift der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. S. 12-13 (https://www.academia.edu/42093205/G%C3%B6tter_und_Planeten_im_Alten_Orient_Teil_1_Nabu_und_der_Merkur_in_dem_Himmel_nahe_der_Erde_verbunden_Mitgliederzeitschrift_der_Wilhelm_Foerster_Sternwarte_Ausgabe_6_März_April_Mai_2020_12_13).
- ↑ Vergleiche Johann Elert Bode (Herausgeber): Berliner Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1794 nebst einer Sammlung der neuesten in die astronomischen Wissenschaften einschlagenden Abhandlungen und Nachrichten, Berlin, 1791, Seite 187
- ↑ Siehe Nikolaus Kopernikus aus Thorn: De revolutionibus orbium coelestium, Liber quintus, Capitulum 30: De recentioribus Mercurii motibus observantis, Johannes Petreius, Nürnberg, 1543, Seite 169a (rechts)
- ↑ Nikolaus Kopernikus aus Thorn: Über die Kreisbewegungen der Weltkörper, Fünftes Buch, Capitel 30: Ueber neuere Beobachtungen der Bewegung des Merkur, übersetzt und mit Anmerkungen von Dr. C. L. Menzzer, durchgesehen und mit einem Vorwort von Dr. Moritz Cantor, herausgegeben von dem Coppernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst zu Thorn, Verlag Ernst Lambeck, Thorn, 1879