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Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit/ Druckversion

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Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit


Dieses Wikibook beschäftigt sich mit der Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit. Die zahlreichen Querverweise zu anderen Wikibooks oder Wikipedia-Artikeln sollen zur Vertiefung der jeweiligen Themen ermuntern.

Platon (428/427 bis 348/347 vor Christus)

καὶ ὅ γε νυνδή μοι, ὦ Σώκρατες, ἐπέπληξας περὶ ἀστρονομίας ὡς φορτικῶς ἐπαινοῦντι, νῦν ᾗ σὺ μετέρχῃ ἐπαινῶ: παντὶ γάρ μοι δοκεῖ δῆλον ὅτι αὕτη γε ἀναγκάζει ψυχὴν εἰς τὸ ἄνω ὁρᾶν καὶ ἀπὸ τῶν ἐνθένδε ἐκεῖσε ἄγει.

Platon, Politeia, Buch VII, 528/529

und weil du, o Sokrates, mir soeben bezüglich der Sternenkunde vorgeworfen hast, dass ich sie nur wegen ihres gewöhnlichen Nutzens in den Himmel gehoben hatte, so will ich es nun auch nach deiner Weise tun: denn es ist doch wohl jedem klar, dass sie die Seele zwingt, nach oben zu schauen, und sie von hier dorthin führt.

Vorwort

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Die astronomischen Erkenntnisse der Urvölker machen die Astronomie zur ältesten exakten Wissenschaft der Menschheit. In der Beschäftigung mit den Vorgängen am Himmel wurde das zeitliche und räumliche Vorstellungsvermögen der Menschen gefordert, geprägt und weiterentwickelt. Nur mit Hilfe der damit verbundenen geometrischen Erkenntnisse konnten zum Beispiel Himmelsrichtungen definiert werden, mit denen auf der Erdoberfläche eine exakte Orientierung im Horizontsystem der Menschen möglich wurde. Das Zählen von Zeitabschnitten wie Tagen, Monaten und Jahren führte zwanglos zur Addition, zur Multiplikation und zum Vergleich ganzer Zahlen. Dadurch wurden die Grundlagen der Arithmetik auf abstrakte astronomische Sachverhalte übertragen.

Wie bei allen Wissenschaften ist auch bei der Astronomie eine historische Betrachtung sinnvoll und horizonterweiternd. Die Himmelskunde gehörte im Mittelalter zum Kanon der sieben freien Künste der Philosophie, den drei trivialen Künsten Grammatik, Rhetorik und Logik sowie den vier quadrivialen Künsten Musiklehre, Arithmetik, Geometrie und Astronomie. Diese freien Künste wurden bereits in der Antike gepflegt, wo insbesondere das Quadrivium zur Vernunfterkenntnis beitragen sollte.

→ Siehe auch Wikibook Quadriviale Kuriositäten

Die  Astronomie (altgriechisch ἄστρον ("'astron") und νόμος ("nomos"), zu Deutsch: „Sternengesetz“) beschäftigt sich mit den Gesetzen der Bewegungen, die am Himmel beobachtet werden können. Dazu sind nicht unbedingt Teleskope oder noch kompliziertere Geräte erforderlich, und so konnte diese Wissenschaft bereits im Altertum betrieben werden. Dies hat schon vor Jahrtausenden zu beeindruckenden Erkenntnissen über die  Himmelsmechanik geführt.

Kurzer Historischer Abriss

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Schon die Sumerer hatten lange vor der Erfindung der Keilschrift in Mesopotamien im dritten Jahrtausend Eigennamen für Himmelsobjekte, die dort später als Fremdwörter in die semitische Sprache Akkadisch übernommen wurden. Es gibt an vielen Orten auf der Welt steinzeitliche und bronzezeitliche Stätten und Artefakte, bei denen wir davon ausgehen dürfen, dass sie für astronomische Zwecke eingesetzt worden waren. Sofern sie jemals existierte, ist die schriftliche Überlieferung von astronomischen Sachverhalten im Laufe der Jahrtausende häufig verloren gegangen. Manche Schriftzeugnisse harren noch ihrer Entzifferung, und etliche dürften sicherlich noch gar nicht entdeckt worden sein.

Aristoteles (384 bis 322 vor Christus) war Schüler von Platon.

 Aristoteles (384–322) beschreibt in seinen Werken „Meteorologikon“ (altgriechisch: "Μετεωρολογικῶν", zu Deutsch in etwa: "Einsichten zu Himmelserscheinungen") und „Peri uranu“ (altgriechisch: "Περὶ οὐρανοῦ", zu Deutsch: "Über den Himmel") zahlreiche astronomische Phänomene und gelangte schon damals zu erstaunlichen Erkenntnissen. Er beschreibt die Milchstraße, Kometen, Sternschnuppen, Finsternisse, aber auch Hydrometeore (Wetter), Photometeore (Halo, Regenbogen, Mondregenbogen, Nebensonnen) und Elektrometeore (Gewitterblitze, Polarlicht). Nichtsdestoweniger beruhte sein Wissen auch nach seiner Aussage nicht nur auf der eigenen umfassenden Anschauung, sondern auch auf Erkenntnissen, die damals teilweise schon lange bekannt waren und in den Kreisen von Gelehrten oft nur mündlich tradiert wurden.

Die astronomischen Berechnungen und Voraussagen wurden mit Beginn der Neuzeit um 1500 immer exakter. Die schon in der Antike verbreiteten Mutmaßungen, dass bestimmte Konstellationen am Himmel irgendwelche Auswirkungen auf das Klima, Himmelserscheinungen oder das Weltgeschehen haben, führten zusammen mit der Erfindung des Buchdrucks zu einen neuen Blüte der Sterndeutung beziehungsweise der modernen Form der  Astrologie.[1]

Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543).

 Nikolaus Kopernikus (1473–1543) hat aus verschiedenen eigenen Beobachtungen und denen seiner Zeitgenossen wichtige Vorarbeiten für die geradezu revolutionäre Weiterentwicklung der Astronomie geleistet.

 Tycho Brahe (1546–1601) hat die Positionsmessung von Himmelsobjekten im 16. Jahrhundert ganz ohne Fernrohre zur einem damaligen Höhepunkt gebracht.

Johannes Kepler (1571 bis 1630) bemerkte, dass Planeten auf Ellipsenbahnen um die Sonne kreisen.

Sein Assistent und Nachfolger  Johannes Kepler (1571–1630) und dessen Zeitgenossen konnten seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts mit Hilfe von Teleskopen genauere Himmelsbeobachtungen durchführen und die Himmelsmechanik zu einer herausragenden Wissenschaft machen, die auch als Treiber für innovative Techniken wirkte.

Die auf astronomischen Beobachtungen beruhenden geodätischen Vermessungen von Hannover, Osnabrück und Stade von Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799) erschienen 1777.

Der Universalgelehrte  Georg Christoph Lichtenberg (* 1742; † 1799) erachtete Anfang der 1770er Jahre die Astronomie als den Prototypen der Erkenntnis:[2]

Die Astronomie ist vielleicht diejenige Wissenschaft, worin das wenigste durch den Zufall entdeckt worden ist, wo der menschliche Verstand in seiner ganzen Größe erscheint, und wo der Mensch am besten kennen lernen kann wie klein er ist.

Immanuel Kant (1724 bis 1804) hat Zeit seines Lebens in Königsberg gearbeitet. Seine erste wichtige wissenschaftliche Veröffentlichung war 1755 die ''Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels''.

Der Philosoph  Immanuel Kant (* 1724; † 1804), der bereits 1755 in seiner Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels das innere Wesen unserer  Milchstraße erkannte, kam 1788 im Beschluss seiner "Kritik der praktischen Vernunft" zur folgenden Einsicht:[3]

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.
...
Die Weltbetrachtung fing von dem herrlichsten Anblicke an, den menschliche Sinne nur immer vorlegen, und unser Verstand, in ihrem weiten Umfange zu verfolgen, nur immer vertragen kann, und endigte – mit der Sterndeutung.

Friedrich Wilhelm Bessel (1784 bis 1846) war der bedeutendste Astronom des 19. Jahrhunderts.

Der bedeutendste Astronom des 19. Jahrhundert war  Friedrich Wilhelm Bessel (1784–1846), der viele verschiedene Disziplinen sehr zielgerichtet verknüpfte.[4] Die beeindruckende Präzision seiner Positionsmessungen trieb er bis an die Grenzen des damaligen Stands der Beobachtungstechnik. Ferner entwickelte er zahlreiche mathematische Methoden und machte die astronomischen Messungen aus verschiedenen Epochen mit der erforderlichen Genauigkeit vergleichbar. Dies alles führte zu zahlreichen neuen Erkenntnissen und zutreffenden Aussagen, die in der folgenden Liste aufgeführt sind:

  • Bestimmung der sehr langfristigen periodischen Verlagerung der Erdachse (Präzession) innerhalb von knapp 26000 Jahren.
  • Bestimmung der Masse der großen Gasplaneten.
  • Bestimmung der Entfernung von benachbarten Sternen.
  • Bestimmung der ellipsoidischen Form der Erdoberfläche.
  • Vorhersage der Existenz sowie die Berechnungsgrundlagen für die Entdeckung des Planeten Neptun.
  • Vorhersage der zunächst nicht sichtbaren Begleitsterne in Doppelsternsystemen.
  • Aussagen zur Natur der Kometen.

Sein Zeitgenosse, der deutsche Pädagoge  Adolph Diesterweg (* 1790; † 1866) schrieb 1840 zu Beginn seines Vorworts im „Lehrbuch der mathematischen Geometrie und populären Himmelskunde“ folgendes:[5]

Des Menschen Antlitz ist nicht zur Erde, sondern aufwärts gerichtet; zum aufrechten Gange ist er von Natur bestimmt. Sein Blick fällt daher schon in früher Jugend auf den Himmel, und die ältesten Naturvölker kannten die allgemeinen Erscheinungen desselben. Sie zeigen ewigen Wechsel in ewigem Bestand unter unabänderlichen allgemeinen Gesetzen. Alles ist dort Regel und Gesetz. Sie zu erkennen, fordert die Würde des Menschen. Die Wissenschaft, die sich mit dem Himmel beschäftigt, ist die „erhabenste im Raume“. Aechtes Natur-Wissen oder mit einem Worte Natur-Erkenntniß ist Kenntniß der Erscheinungen, ihrer Ursachen und ihres gesetzmäßigen Verlaufs.
...
Zu allen Zeiten haben daher ruhige und stille Gemüther eine besondre Anziehung zur Kenntniß des gestirnten Himmels verspürt. Tieferen Kindern ist sie in besonderem Grade eigen. Ganz allgemein ist das Interesse für dieses Wissen. Wo es nicht gefunden wird, da ist es nicht mehr vorhanden, war also da, entspricht der Natur und der natürlichen Stellung des Menschen, ist folglich leicht wieder zu erwecken. Nur der von den Sorgen des Lebens ganz erfüllte, unter den irdischen Lasten erliegende, oder auch der von den Leidenschaften ganz unterjochte Mensch ist für ein so reines, an und für sich schon veredelndes Wissen unempfänglich. Aber, wie die Erfahrung lehrt, selbst die unglücklichsten der Wesen, abgearbeitete Fabrikkinder, freuen sich, wenn dem müden Leib nur einige Ruhe und Stärkung geworden, noch in späten Abendstunden etwas von Sonne, Mond und Sternen zu hören.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zunächst im Sonnenlicht und einige Jahrzehnte später auch im Licht der Sterne Spektrallinien entdeckt. Dies beflügelte die Forscher, die immer neue Details herausfinden und ausgestattet mit diesen Erkenntnissen Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich die Quantentheorie entwickeln konnten.[6][7]

Durch die Entwicklung der Photographie konnten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auch astronomische und spektroskopische Aufnahmen hergestellt werden.[8] Mit ihnen entstand durch die immer weiter zunehmende Empfindlichkeit der Aufnahmetechnik, durch die die Verbesserung von Objektiven und durch die Ermöglichung von immer längeren Belichtungszeiten ein enormer Erkenntnisgewinn.[9]

Interdisziplinarität

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Die  Philosophie wird seit der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit unter der qualifizierten Berücksichtigung fundierter astronomischer Kenntnisse betrieben. Astronomen haben sich seit langer Zeit auch mit den Fachgebieten der  Mechanik, der  Geometrie, der  Algebra, der  Analysis und der  Logik beschäftigt.

Kaum eine wissenschaftliche Disziplin dürfte mittelbar mit so vielen und verschiedenen weiteren Teilgebieten verknüpft sein und diese manchmal sogar entscheidend beeinflusst oder begleitet haben wie die Astronomie. Hierzu einige Beispiele:

  • Die meisten  Zeitintervalle und viele  Feiertage wurden in der  Kalenderrechnung anhand astronomischer Ereignisse festgelegt.
  • Die  astronomische Chronologie ist sowohl eine physikalische Disziplin als auch eine historische Hilfswissenschaft.
  • Die  Keplerschen Gesetze spiegeln wesentliche Grundsätze der  Kinetik und der  Gravitation wider.
  • Die  Optik wurde vor allem durch die Erfindung von  Fernrohren weiterentwickelt.
  • Die  Spektroskopie hat sich zunächst bei der Beobachtung der Sonne, später aber auch durch die Untersuchung von Sternenlicht herausgebildet.
  • Die  Photographie wurde insbesondere in der Anfangszeit durch die astronomische Beobachtung vorangetrieben.
  • Die  Geodäsie erfasst mit astronomischen Mitteln die Form der Erdoberfläche und ermöglicht dadurch beispielsweise die  Satellitennavigation.
  • Die  Raumfahrt entwickelt und verwendet Technologien auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und führt zu immer weiteren Erkenntnissen.
  • Die  Archäoastronomie beschäftigt sich unter Berücksichtigung astronomischer Sachverhalte mit Artefakten und Bauwerken seit der Frühgeschichte und mit Entdeckungen aus der  Archäologie.
  • Die  Zukunftsforschung wurde seit jeher von den Visionen beflügelt, die sich aus astronomischen Erkenntnissen ergeben haben.
  • Die  Mineralogie und die  Kosmochemie werden immer häufiger eingesetzt, um die Bestandteile erdfremder Körper zu untersuchen und zu analysieren.

Der Begriff "Erkenntnis" ist in diesem Wikibook allerdings keineswegs nur im Sinne der  Naturwissenschaften gemeint, sondern auch im Sinne der Entstehung von Vorstellungen, die zu Sagen, Mythen oder Legenden sowie zu ethischen, moralischen sowie religiösen Ansichten geführt haben können. Insofern hat die Astronomie auch Anknüpfungspunkte zu den  Geisteswissenschaften wie zum Beispiel der  Religionswissenschaft, der  Theologie oder der  Ethnologie. Viele Erzählungen und Gottesbilder beziehen sich explizit auf das natürliche Geschehen am Himmel beziehungsweise auf die Objekte, die dort in Erscheinung treten. Als Beleg möge ein kurzes Zitat aus dem christlichen Vaterunser-Gebet dienen:

Wie im Himmel, so auf Erden.

Es bleibt hinzuzufügen, dass die "Archäologie der Urwelt" mit Hilfe der Archäoastronomie ein wesentlich umfassenderes und somit nutzbringend erweitertes Bild des Altertums geben kann. Im Schlusssatz des Ägyptologen  Gustav Seyffarth (1796–1885) in einem Beitrag zum phönizischen Historiker  Sanchuniathon, auf den sich wiederum  Herennios Philon von Byblos in seinem griechischsprachigen Werk über die phönizische Geschichte und  Eusebius von Caesarea im Kapitel über die Theologie der Phönizier in seiner lateinischsprachigen  Praeparatio evangelica bezogen, wurde dies schon vor zwei Jahrhunderten ganz allgemein zum Ausdruck gebracht:[10]

Indessen mögen diese Bemerkungen zur Bestätigung des Satzes dienen, dass die Schriften der Alten, wozu die blosse Sprachkenntnis nicht ausreicht, um so vollkommener verstanden werden, jemehr wir mit der Archäologie der Urwelt vertraut werden.

Heutige Situation

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Die grundlegenden Kenntnisse zu astronomischen Sachverhalten werden durch den Mangel an eigener unmittelbarer Anschauung bedauernswerter Weise immer geringer. Dieses Problem könnte durch das wieder zunehmende Angebot an qualifiziertem Unterricht abgeschwächt werden. Die Planetarien und Volkssternwarten spielen bei der Verbreitung des Wissens über die Astronomie eine nicht genug hervorzuhebende Rolle. Leider gibt es in Deutschland kein einziges staatliches Museum, das sich ausschließlich mit Astronomie beschäftigt.

Nördliche Hemisphäre mit der Sommermilchstraße im Internationalen Sternenpark Westhavelland um Mitternacht. Der Horizont befindet sich vollständig an der Außenkante der kreisrunden Aufnahme und zeigt eine Reihe von Lichtglocken, die durch die Beleuchtung in den benachbarten Städten verschiedener Größe und verschiedener Entfernung hervorgerufen wurden. Links ist Osten, rechts ist Westen.

Der negative Trend verstärkt sich zusehends aufgrund der immer weiter zunehmenden  Lichtverschmutzung, die eine eigenständige Beobachtung des Nachthimmels immer schwieriger werden lässt. Der Planet Neptun konnte 1846 von der Berliner Sternwarte aus entdeckt werden, die sich im Stadtzentrum befand (am heutigen südlichen Ende vom Besselpark und der Enckestraße in Berlin-Mitte). Bis vor einhundert Jahren konnte noch in fast jeder Gegend auf der Erdoberfläche die Milchstraße bestaunt werden. In den 1970er Jahren war dies bei günstigen Sichtverhältnissen sogar noch in Großstädten, wie zum Beispiel auf dem Trümmerberg Insulaner in Berlin möglich. Inzwischen ist dies durch die zu geringe Berücksichtigung von Aspekten des Umweltschutzes und einhergehend mit immer mehr künstlichen Lichtquellen praktisch nicht mehr möglich. Mittlerweile gibt es neben unverbindlichen Empfehlungen und Leitlinien erste Gesetze, die aus Gründen des Lichtschutzes und der Verringerung des Energieaufwands, die Verwendung von entbehrlicher künstlicher Beleuchtung in den Nachtstunden untersagen.[11][12] Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Verwendung energieeffizienter Leuchtmittel, der blaue Lichtanteil der nächtlichen Beleuchtung immer größer wird, da diese sehr häufig blaue Leuchtdioden (LED) einsetzen, um mit phosphoreszierenden Leuchtstoffen zusätzlich weißliches Licht zu erzeugen. Da kurzwelliges blaues Licht erheblich stärker gestreut wird als Licht mit größeren Wellenlängen, verunreinigt es den dunklen Nachthimmel stärker.[13] Ferner werden immer mehr erdnahe Satelliten in eine Umlaufbahn gebracht, die von ihren Flugbahnen aus das direkte Sonnenlicht auf die Nachtseite der Erdoberfläche reflektieren, und dabei nicht nur mit bloßen Auge sichtbar sind, sondern auch bei astronomischen Beobachtungen sowie in der Astrophotographie das natürliche Sternenlicht verschmutzen.[14]

Oft können in den Innenstädten am Nachthimmel – wenn überhaupt – nur noch sehr wenige und sehr helle Sterne gesehen werden. Selbst bei scheinbar klarem Nachthimmel gibt es einen großen Anteil von Streulicht, der in der Astrofotographie bei längeren Belichtungszeiten deutlich zum Vorschein tritt. Das Falschlicht kann mit Hilfe von speziellen optischen Filtern oder mit einer Bildverarbeitung zwar reduziert werden, in den Bildern gehen dann allerdings zunehmend auch Details des Sternhimmels verloren. Die folgende Aufnahme im Bereich der Galaxie Messier 101 mit der scheinbaren Helligkeit von 7,5m mit allen Fixsternen bis zur 10. Größenklasse wurde in einer sternklaren Nacht am Stadtrand von Berlin gegen Mitternacht mit einem lichtstarken Objektiv bei einer Belichtungszeit von fünf Sekunden und bei einem Belichtungsindex von ISO 12800 in Zenitnähe aufgenommen:

Erschwert wird die Motivation, sich intensiver mit der Astronomie zu beschäftigen, vermutlich auch noch durch die allgemein verbreitete Ansicht, dass inzwischen alles gut verstanden ist und berechnet werden kann. Das ist jedoch keineswegs der Fall, und die Astronomie erfordert heute oft die Anwendung leistungsfähiger Technologien und Datenverarbeitungsanlagen sowie komplexer numerischer Verfahren. Sie verbindet somit unmittelbar die Fächer  Mathematik,  Physik,  Elektronik und  Informatik. Hierfür sind eine umfassende Bildung und Ausbildung unumstößliche Voraussetzungen.

Häufig sind gesellschaftliche Bezüge zur Astronomie im Laufe der Zeit umgedeutet oder so umformuliert worden, dass ihre Wurzeln heute nicht mehr offensichtlich sind. Aufgrund von unvollständiger, unzuverlässiger oder verfälschter Tradierung beziehungsweise in Ermangelung einer Dokumentation in Form von eindeutigen Abbildungen oder nachvollziehbaren Texten kann die Kenntnis davon sogar verloren gegangen sein. In der Regel wird es sehr schwierig und disputabel sein, die ältesten Zeugnisse noch richtig und vollständig zu deuten, da uns ein hinreichend umfassender Überblick über die mündlich tradierten Ansichten und Überzeugungen sowie die ungeschriebenen Gesetze des Altertums und selbst des Mittelalters heute nicht mehr gegeben ist. Als Beispiel seien zwei Anmerkungen des jüdischen Historikers  Heinrich Graetz (1817–1891) aus dessen Werk Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart genannt. Er weist darauf hin, dass schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert zu Zeiten des levitischen Beamten  Esra, den der Kirchenvater Hieronymus als „Wiederhersteller“ des Pentateuch bezeichnet hat,[15] Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Tradition bestanden.[16]

Der Unterschied zwischen schriftlicher und mündlicher Lehre, wiewohl mindestens schon unter dem Restaurator Esra vorhanden, trat wahrscheinlich erst in dem Kampfe zwischen Sadduzäismus und Pharisäismus als Gegensatz auf.
...
Die Lehrweise der Halacha bestand darin, daß die überlieferten Sätze ganz trocken ohne Erläuterung tradiert wurden, und zu ihrer Aneignung reichte ein treues Gedächtnis aus, der Midrasch hingegen gab die Anleitung, wie mündliche Bestimmungen aus dem Schrifttexte hergeholt wurden.

Nichtsdestoweniger können im multi- und interdisziplinären Fachgebiet der Archäoastronomie, die die kognitive Archäologie mit der Astronomie verknüpft, alle verfügbaren Indizien und Fakten zusammengetragen, verbunden und ausgewertet werden.

Die gesellschaftlichen Einflüsse anderer Kulturen und die Anforderungen zu interdisziplinärem Denken stellen uns Menschen zusehends vor neue und große Herausforderungen. Hierfür sind fundiertes und vernetztes Wissen aus einem breiten Themenspektrum sowie eine große Vorstellungskraft und Neugier für fremde und unbekannte Wissenswelten in hohem Maße nützlich. Man denke hierbei ganz besonders auch an die schnell fortschreitenden Entwicklungen in den zahlreichen und vielfältigen Anwendungsfeldern der großen Datenmengen (Big Data) sowie der Künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence).[17][18]

Dies alles zusammengenommen führt geradewegs auf die folgende Frage:

Welche Wissenschaft könnte geeigneter als die Astronomie sein, um sich weltweit auf einen gemeinsamen Kanon (von altgriechisch κανών (kanón = Maßstab)) berufen zu dürfen, um existierende Unterschiede verstehen zu lernen und um bestehende Grenzen überwinden zu können ?

Dieses Wikibook möge dazu beizutragen, das Interesse an der Astronomie zu wecken, bestehende Wissenslücken zu schließen und das Verständnis für die universellen Vorgänge am Himmel zu wecken oder zu vergrößern.

Einzelnachweise

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  1. Markus Bautsch, Friedhelm Pedde: Vor 500 Jahren: Die Sintflut von 1524 die nicht stattfand. In: Dem Himmel nahe.. Nr. 19, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 16–19 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2024/05/A19-BROplanetA4_40s-feb2024ff_www-rz.pdf).
  2. Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbuch C, Seite 56, Göttingen, 1772-1773
  3. Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft - Beschluß, 1781
  4. Markus Bautsch: Friedrich Wilhelm Bessel. In: Dem Himmel nahe.. Nr. 20, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 10–13 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2024/09/A20-BROplanetA4_40s-feb2024ff_www-rz.pdf).
  5. Adolph Diesterweg: Lehrbuch der mathematischen Geometrie und populären Himmelskunde, Verlag Theodor Christian Friedrich Enslin, Berlin, 1840
  6. Markus Bautsch: Johann Jakob Balmer und das Geheimnis der Wasserstofflinien. In: Dem Himmel nahe.. Nr. 22, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 8–11 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2025/05/A22BROplanetA4-feb2025ff_www-rz.pdf).
  7. Markus Bautsch: Die von Johann Jakob Balmer gefundenen Zahlenverhältnisse bei den Spektrallinien des Wasserstoffs, Tagung des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft in Berlin im September 2023. In: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschafte, Band 59, Januar 2025, ISBN 978-3-384-44634-3 (Softcover), 978-3-384-44635-0 (Hardcover), 978-3-384-44636-7 (e-Book)
  8. Markus Bautsch: Die älteste erhaltene astronomische Fotografie. In: Dem Himmel nahe.. Nr. 22, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 32–33 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2025/05/A22BROplanetA4-feb2025ff_www-rz.pdf).
  9. Markus Bautsch: Die Anfänge der Astrophotographie. (DOI:10.13140/RG.2.2.27102.75840) (https://rgdoi.net/10.13140/RG.2.2.27102.75840).
  10. Gustav Seyffarth: Erklärung einer Stelle in Sanchuniathons Geschichte nach Philo Byblius Uebersetzung bei Eusebius (Praeparatio evangelica, Liber I, capitulum X). In: Gottfried Seebode, Johann Christian Jahn und Reinhold Klotz (Herausgeber): Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik oder Kritische Bibliothek für das Schul- und Unterrichtswesen, zweiter Supplementband, erstes Heft, Leipzig, Benedictus Gotthelf Teubner Verlag, 1833
  11. Arrêté du 25 janvier 2013 relatif à l'éclairage nocturne des bâtiments non résidentiels afin de limiter les nuisances lumineuses et les consommations d'énergie, Légifrance, 25. Januar 2013
  12. Siehe auch NABU-Leitlinien für eine energieeffiziente und naturverträgliche Stadtbeleuchtung, Naturschutzbund Deutschland e. V., Berlin, November 2020, abgerufen am 7. November 2025
  13. Rainer Kayser: Die Sterne am Nachthimmel verschwinden, Welt der Physik, 19. Januar 2023
  14. Erhalt des dunklen und stillen Nachthimmels, Europäische Südsternwarte (ESO), abgerufen am 7. November 2025
  15. Hieronymus: Adversus Helvidium de perpetua virginitate b. Mariae 7: sive Moysen dicere volueris auctorem Pentateuchi, sive Ezram ejusdem instauratorem operis, non recuso.
  16. Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 386–390.
  17. Peter Dabrock: Wir sollten auf klassische Bildung setzen. In: Aufbruch Künstliche Intelligenz – Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert, Google LLC, SZ Scala GmbH, 2018, Seite 34
  18. Ethikratsvorsitzender plädiert für klassische Bildung, Evangelischer Pressedienst (epd), Bildung, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Frankfurt am Main, 20. März 2019

Der Fixsternhimmel

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Die Milchstraße im Internationalen Sternenpark Westhavelland (links Nordosten, oben Nordwesten, rechts Südwesten, unten Südosten). Unter der Milchstraße rechts Jupiter, darunter Saturn. Halblinks unten Mars (daneben eine Wolke). Links die aufgehenden Plejaden.

Der Fixsternhimmel umfasst alle Himmelsobjekte, die eine feste und weitgehend unveränderliche Position zueinander haben.

Beschreibung

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Durch den Fixsternhimmel laufen von der Erde aus gesehen regelmäßig die sieben entlang der Ekliptiklinie "herumschweifenden" Wandelgestirne: die Sonne, der Mond, der Merkur, die Venus, der Mars, der Jupiter und der Saturn. Insgesamt gibt es am Fixsternhimmel rund 9000 hinreichend helle Sterne, die ohne Lichtverschmutzung mit bloßem Auge als Lichtpunkt gesehen werden können. Diese verteilen sich allerdings mehr oder weniger regelmäßig in der gesamten Himmelssphäre, so dass von einem Punkt auf der Erdoberfläche aus immer nur maximal die Hälfte davon gesehen werden kann. Alle freiäugig sichtbaren Sterne gehören zu unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, die aus Milliarden von Fixsternen besteht, von denen die meisten jedoch nicht hell genug sind, um mit bloßen Auge als Punkt erkannt oder voneinander unterschieden werden zu können. Schon die zahlreichen freiäugig sichtbaren Sterne üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Mit immer leistungsfähigeren Teleskopen gelingen uns seit über 400 Jahren immer tiefere Blicke in das Weltall, bei denen immer neue faszinierende Dinge gefunden werden können.

Durch die Rotation der Erde um ihre Achse schaut ein Beobachter, der in Bezug auf die Erdoberfläche in eine bestimmt Richtung schaut, zu jeder Tageszeit in eine andere Region des Sternenhimmels. Alle aufgehenden Sterne gehen in der östlichen Hälfte am Horizont auf, erreichen auf ihrer scheinbaren Kreisbahn um die Erdachse im Süden ihre größte Höhe über dem Horizont und gehen im Westen unter. Die Sterne, die von einem bestimmten Ort auf der Erde aus gesehen nie aufgehen, beschreiben eine Kreisbahn um den Himmelspol.

Ferner dreht sich die Erde innerhalb eines Jahres einmal um die Sonne, so dass diese in jeder Jahreszeit (Frühling, Sommer, Herbst oder Winter) eine andere Himmelsregion überstrahlt und dort keine Sterne gesehen werden können, sondern nur in der der Sonne gegenüberliegenden Region. An den beiden Polen der Erde sind nur die Sterne der jeweiligen Hemisphäre des Nachthimmels zu sehen, und am Äquator können im Laufe eines Jahres alle Sterne gesehen werden.[1]

Heute wissen wir, dass alle Sterne sehr kleine Änderungen ihrer Position aufweisen, die durch ihre Eigenbewegung im Weltall bedingt sind. Demnach ist auch die Position der Sterne zueinander gar nicht fix, sondern veränderlich. Deswegen spricht man inzwischen immer seltener von Fixsternen, sondern immer weiter zunehmend einfach nur noch von Sternen. Innerhalb eines Menschenlebens sind solche Veränderungen allerdings so gering, dass sie ohne technische Hilfsmittel nicht wahrgenommen werden können. Für einen Menschen als individuelles Subjekt macht der Begriff Fixstern also durchaus weiterhin Sinn.

Durch die sehr langsame Kreiselbewegung der Erde im Raum (Präzession) ergibt sich außerdem innerhalb von knapp 26000 Jahren eine periodische Änderung des Himmelsausschnitts. Da die Sonne innerhalb dieser Zeit genau einmal die gesamte Ekliptik durchläuft, wird diese nur durch langfristige Beobachtungen deutlich. Dies bedeutet, dass die Sonne zu den Tag-und-Nacht-Gleichen oder Sonnenwenden alle gut 2000 Jahre in das jeweils westlich benachbarte der zwölf Lebewesenkreiszeichen (Zodiak) wandert.

→ Siehe Zodiak.

Alle temporären Erscheinungen, insbesondere beim Auftauchen von Kometen sowie beim Aufleuchten neuer Himmelsobjekte wie Novae oder Supernovae haben zu allen Zeiten großes Aufsehen erzeugt.

Es gibt viele markante Sterne, die wegen ihrer Helligkeit, ihrer Farbe, ihrer Lage oder wegen der Zeitpunkte ihres Erscheinens oder Verschwindens die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich gezogen haben. Zur Vereinfachung der Wiedererkennung oder zu Austausch mit anderen Beobachtern wurden ihnen Eigennamen gegeben. Mit diesen Sternen konnten sich die Menschen am Himmel und auf der Erde orientieren. Dies hatte eine große praktische Bedeutung für die Schifffahrt auf hoher See sowie bei nächtlichen Wüstenwanderungen.

Die Benennung der Sterne

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Die folgende Tabelle zeigt die vierundzwanzig von der Erde aus gesehen hellsten Sterne. Die Entfernung von Sternen wird häufig in Lichtjahren angegeben. Es handelt sich bei einem Lichtjahr um die Strecke, die das Licht innerhalb eines Jahres im Vakuum zurücklegt. Die scheinbare Helligkeit von Sternen wird in Größenklassen (Magnituden, abgekürzt mag oder m) angegeben. Eine um eine Größenklasse höhere Zahl, bedeutet eine Abnahme der scheinbaren Helligkeit um einen Faktor von rund 2,5. Der hellste Stern des Nachthimmels Sirius ist mit -1,46m über eintausend mal heller als die dunkelsten gerade noch mit unbewaffnetem Auge sichtbaren Sterne mit 6,5m. Die scheinbare Helligkeit sagt nichts über die Größe, die Entfernung oder die absolute Helligkeit eines Sternes aus, da die wahrnehmbare Helligkeit eines Sterns bei einer Verdopplung seiner Entfernung nur noch ein Viertel beträgt.

Die vierundzwanzig hellsten Sterne
Rang Eigenname Bezeichnung des Sterns
(Internationale Astronomische Union)
Name des
dazugehörigen Sternbilds
Bezeichnung des Sternbilds
(Internationale Astronomische Union)
Entfernung
in Lichtjahren
Scheinbare Helligkeit
in Größenklassen
1 Sirius α Canis Majoris Großer Hund Canis Major 9 -1,46
2 Canopus α Carinae Kiel des Schiffes Carina 312 -0,73
3 Arktur α Bootis Bärenhüter Bootes 37 -0,05
4 Alpha Centauri A α Centauri Zentaur Centaurus 4 -0,01
5 Wega α Lyrae Leier Lyra 25 0,03
6 Capella α Aurigae Fuhrmann Auriga 42 0,08
7 Rigel β Orionis Orion Orioni 770 0,18
8 Prokyon α Canis Minoris Kleiner Hund Canis Minor 11 0,36
9 Beteigeuze α Orionis Orion Orioni 640 0,42
10 Achernar α Eridani Eridanus Eridanus 145 0,50
11 Hadar β Centauri Zentaur Centaurus 525 0,61
12 Altair α Aquilae Adler Aquila 17 0,76
13 Acrux α Crucis Kreuz des Südens Crux 320 0,77
14 Aldebaran α Tauri Stier Taurus 65 0,87
15 Spica α Virginis Jungfrau Virgo 262 0,98
16 Antares α Scorpii Skorpion Scorpius 604 1,06
17 Pollux β Geminorum Zwillinge Gemini 33 1,16
18 Fomalhaut α Piscis Austrini Südlicher Fisch Piscis Austrinus 25 1,17
19 Becrux β Crucis Kreuz des Südens Crux 352 1,25
20 Deneb α Cygni Schwan Cygnus 1550 1,25
21 Regulus α Leonis Löwe Leo 79 1,36
22 Adhara α Canis Majoris Großer Hund Canis Major 430 1,50
23 Castor α Geminorum Zwillinge Gemini 52 1,59
24 Gacrux γ Crucis Kreuz des Südens Crux 89 1,59

Es ist nicht besonders viel Phantasie erforderlich, um diesen Objekten Eigennamen zu geben, zum Beispiel auch, um sich mit Zeitgenossen über das am Nachthimmel Gesehene besser austauschen oder sich an Erkenntnisse aus früheren Beobachtungen besser erinnern zu können. Die Namen von einigen Sternen sind teilweise seit weit über zweitausend Jahren überliefert. Und es ist ebenfalls naheliegend, sich die Position der auffälligen Sterne in Bezug untereinander einzuprägen, um sie schneller wiedererkennen beziehungsweise wiederfinden zu können. Werden mehrere Sterne zu einer geometrischen Figur gruppiert, wird diese Sternengruppe Konstellation genannt. Historisch haben sich im Laufe der Jahrtausende viele Sternbilder mit Eigennamen etabliert, die je nach Epoche, Kultur oder Region deutlich voneinander abweichen können.

Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat nach der ersten Generalversammlung im Jahr 1922 88 Sternbilder und ihre Bezeichnungen im Jahr 1930 festgelegt und definiert. Sie decken die gesamte Himmelssphäre lückenlos und ohne sich zu überlappen ab. Alle anderen Sternkonstellationen werden als Asterismen bezeichnet und sind keine offiziellen Sternbilder im Sinne der Festlegung der IAU. Solche Asterismen hatten bereits seit der Frühgeschichte kulturelle Funktionen, indem ihnen die Namen von mythischen Lebewesen oder von Personen zugewiesen wurden.

Der Stern der Stadt Eridu

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Der Stern Canopus im Sternbild Kiel des Schiffs (Carina) ist nach dem Stern Sirius im Großen Hund (Canis Major) der zweithellste Stern am Nachthimmel. Er wurde von den Sumerern MUL.NUNKI ("Stern der Stadt Eridu") genannt, da er vor rund 6000 Jahren zuerst und 60 Jahre lang nur von der südlichsten sumerischen Stadt Eridu aus gesehen werden konnte. Es dürfte sich damit um die älteste bekannte und nachweisbare Bezeichnung für einen Stern des Fixsternhimmels handeln.[2]

→ Siehe Canopus.

Darstellung einer Gruppe von sumerischen Menschen, die vor gut 6000 Jahren bei der Stadt Eridu knapp über dem Horizont die obere Kulmination des Sterns Canopus auf dem südlichen Meridian beobachtet haben.

Das Siebengestirn

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Zum Frühlingsbeginn am Abendhimmel im Internationalen Sternenpark Westhavelland.

Eine besondere Bedeutung unter den Sternen dürfte dem Siebengestirn (Plejaden) (Messier 45) zukommen. Es handelt sich um einen mit rund 444 Lichtjahren Entfernung von der Sonne recht nahe gelegenen offenen Sternhaufen, so dass er durch seine eng zusammenstehenden Sterne besonders leicht zu identifizieren ist. Das Siebengestirn hat in praktisch allen Kulturen und zu allen Zeiten Eigennamen bekommen, die teilweise sehr bildlich gewählt wurden, wie zum Beispiel mit Begriffen wie "Häuflein" (akkadisch "Zappu", hebräisch "Kimah"), "Siebchen" (finnisch "Seulaset"), "Versammlung" (japanisch "Subaru"), "Geflecht" (lateinisch "Vergiliae") oder "Hundemeute" (samisch "Rougot"). Im alten Mesopotamien wurde dieser Sternhaufen schon vor vielen Jahrtausenden einfach nur mit der Pluralform "MUL.MUL" ("Sterne" respektive "Sternhaufen") des sumerischen Begriffs "MUL" ("Stern") benannt.

→ Siehe Plejaden.

Sirius

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Die auf um 650 vor Christus datierte Himmelsscheibe von Ninive aus Ton zeigt ein großes diagonales Kreuz mit Pfeil, das mit dem Pfeilstern Sirius in Verbindung stehen dürfte.

Aus verschiedenen Gründen sind einige freiäugig sichtbare Sterne durch ihre Helligkeit und ihre Farbe so auffällig, dass sie nachts leicht wiedererkannt werden können. Dies betrifft vor allem die hellsten Sterne, allen voran Sirius (α Canis Majoris) im Sternbild Großer Hund und Canopus (α Carinae) im Sternbild Kiel des Schiffes, die sogar den Planeten Saturn in der Helligkeit übertreffen. Helle Sterne zeigen – anders als die Planeten – ein durch Turbulenzen in der Atmosphäre verursachten farbiges Funkeln (Szintillation), wenn sie dicht über dem Horizont stehen.

Da der zweithellste Stern Canopus im Mesopotamien seine Leuchtkraft aufgrund der niedrigen Höhen über dem Horizont nicht ausspielen konnte, ist es nicht erstaunlich, dass der hellste Stern Sirius bereits bei den Sumerern im dritten Jahrtausend unangefochten religiös verehrt wurde. Als Kalenderstern hatte er den Namen MUL.KAK.SI.SA (Pfeilstern) und spielte eine wichtige Funktion für die Landwirtschaft. Als MUL.KAK.TAG.GA (Himmelspfeil) wurde der Stern als Hauptgottheit verehrt. Sirius wurde auch als als Signalgeber für Einfügung von Schaltmonaten eingesetzt, um das vom Mondzyklus dominierte Lunisolarjahr mit dem Sonnenjahr im Einklang zu halten.

Sirius war schon im dritten Jahrtausend in der ägyptischen Frühgeschichte als Verkünder der jährlich eintretenden Nilflut ein sehr wichtiger Stern. Die erste morgendliche Sichtbarkeit (heliakischer Aufgang) von Sirius zeigte die bevorstehende Flut an.

Die früheste bekannte Erwähnung des Namens Sirius (altgriechisch Σείριος, Seirios) findet sich im 7. Jahrhundert vor Christus in einem Gedicht von Hesiod.

→ Siehe Sirius.

Der Polarstern

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Der Polarstern (halb rechts zwischen den Kreisen) bei einem Winkelabstand z von knapp 40 Bogenminuten vom Himmelsnordpol in der Bildmitte. Das hier im Beispiel als Polsucher verwendete Teleskop, blendet in der Bildebene des Okulars eine rot beleuchtete mit Polarkoordinaten bemaßte Winkelskala ein, mit der die Polachse der Montierung eines astronomischen Fernrohres exakt auf den Himmelsnordpol ausgerichtet werden kann.

Der Polarstern (auch Polaris oder α Ursae minoris) ist der hellste Stern im derzeit nördlichsten Sternbild Kleiner Bär (Ursa minor). Zur Zeit befindet er sich weniger als ein Bogengrad vom Himmelsnordpol entfernt, so dass der Himmelsnordpol und somit auch die Nordrichtung auf der Erdoberfläche mit seiner Hilfe leicht aufgesucht werden kann. Durch die Präzession der Erdachse im Weltraum ist dies allerdings nur alle rund 25700 Jahre der Fall. In der ausgehenden Steinzeit um 2800 vor Christi lag der Himmelsnordpol beispielsweise beim markanten Stern Thuban (α Draconis) im Sternbild Drache (Draco).

Ekliptiknahe Sterne

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Eine besondere Bedeutung kommt den Sternen, Asterismen und Sternbildern entlang der → Ekliptiklinie zu, auf der sich die Sonne scheinbar bewegt. Die sechs weiteren Wandelgestirne Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn durchlaufen den Fixsternhimmel ebenfalls entlang dieser Linie, sind aber nur zu sehen, wenn ihr Abstand zu Sonne groß genug ist, da sie sonst vom Sonnenlicht überstrahlt werden.

Ekliptiknahe Sterne können bei entsprechenden → Konjunktionen von der Mondscheibe bedeckt werden.

Durch das → Goldene Tor der Ekliptik im → Himmelsstier treten alle sieben Wandelgestirne regelmäßig aus dem → Urozean mit den Wassersternbildern in den helleren Bereich der Ekliptik. Sie Sonne stand am Ende der Steinzeit hier in ihrem → Frühlingspunkt, der auch damals schon den Beginn eines neuen Kalenderjahres markierte.

Der Antagonist des Himmelsstieres ist der → Himmelssorpion, der sich auf der gegenüberliegenden Seite der Ekliptik im Herbstpunkt befindet.

Die vier senkrecht aufeinander stehenden Hauptrichtungen zu den beiden Solstitien und den beiden Äquinoktien der Sonnenbahn wurden im dritten Jahrtausend vor Christus durch die vier → Königssterne markiert.

Die → Die Mondhäuser (oder Mondstationen) repräsentieren 27 oder 28 gleichgroße Abschnitte der Ekliptik, in denen sich der Mond bei der Wanderung durch die Ekliptik jeweils einen Tag lang aufhält.

Der Lebewesenkreis (oder → der Zodiak) ist heute in zwölf gleichgroße Abschnitte mit je 30 Bogengrad eingeteilt in denen sich die Sonne jeweils einen Monat lang aufhält.

Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik

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Die sieben hellsten feststehenden Objekte entlang dem Bogen der Ekliptik. Außen liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich. Der Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) hat eine südliche ekliptikale Breite von über 20 Bogengrad und dient zur Orientierung; er zählt nicht zu den ekliptiknahen Sternen und kann nicht vom Mond bedeckt werden.

Es gibt am Fixsternhimmel nur sieben helle stellare Objekte in der Nähe der Ekliptik. Diese sind bei einer totalen Sonnenfinsternis sogar am Taghimmel zu sehen[3], wie auch schon der englische Astronom  Edmond Halley (* 1656; † 1742) bei der Sonnenfinsternis am 22. April 1715 (nach dem julianischen Kalender, nach dem gregorianischen Kalender war es der 3. Mai 1715) in London festgestellt hatte, als die Sonne im Sternbild Stier (Taurus) verschwand und dessen Hauptstern Aldebaran (α Tauri) sowie der nahe Jupiter und der Stern Capella (α Aurigae) im benachbarten Sternbild Fuhrmann (Auriga) sichtbar wurden.[4]

Alle ekliptiknahen Sterne können von der Mondscheibe bedeckt werden (Okkultation). Der ekliptiknahe Hauptstern Pollux (β Geminorum) im Sternbild Zwillinge (Gemini) hat sich aufgrund seiner Eigenbewegung im Laufe der letzten zehntausend Jahre allerdings so weit von der Ekliptiklinie entfernt, dass er mittlerweile nicht mehr vom Mond bedeckt werden kann.

Die sieben hellsten Objekte in der Nähe der Ekliptik
Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Sternbild Scheinbare
Helligkeit
Ekliptikale
Länge
Ekliptikale
Breite
Antares α Scorpii Skorpion (Scorpio) 1,0m 250,0° -4,6°
Spica α Virginis Jungfrau (Virgo) 1,0m 204,1° -2,1°
Regulus α Leonis Löwe (Leo) 1,5m 150,1° 0,5°
Pollux α Geminorum Zwillinge (Gemini) 1,0m 113,5° 6,7°
Aldebaran α Tauri Stier (Taurus) 1,0m 70,1° -5,5°
Hyaden Offener Sternhaufen Stier (Taurus) 0,5m 66,1° ≈ -5,8°
Plejaden Offener Sternhaufen Stier (Taurus) 1,5m 60,2° ≈ 4,1°

Darüber hinaus gibt es noch die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn), die sich in unmittelbarer Nähe zur Ekliptik auf ewig nach den Gesetzen der Himmelsmechanik bewegen.

→ Siehe Beobachtungen in der Nähe der Ekliptik.

Asterismen mit sieben Hauptsternen

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In Zusammenhang mit der auch als göttlich, mystisch oder magisch bezeichneten Zahl Sieben ist es erwähnenswert, dass auch das Sternbild Orion und der Asterismus Großer Wagen (früher manchmal ebenfalls mit Siebengestirn bezeichnet) im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) sowie das Sternbild Kleiner Bär (Ursa Minor) mit dem Polarstern (Polaris) an der Spitze jeweils aus sieben Hauptsternen bestehen.

→ Siehe Zur Sieben

Die sieben Hauptsterne des offenen Sternhaufens der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus)
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Darstellung
Alkione 3,0m
Atlas 3,5m
Electra 3,5m
Maia 4,0m
Merope 4,0m
Taygeta 4,0m
Pleione ≈5,0m
Die sieben Hauptsterne des Asterismus Großer Wagen im Sternbild Großer Bär (Ursa Major)
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Darstellung
ε Ursae Majoris Alioth 1,75m
α Ursae Majoris Dubhe 1,8m
η Ursae Majoris Alkaid 1,9m
ζ Ursae Majoris Mizar 2,2m
β Ursae Majoris Merak 2,3m
γ Ursae Majoris Phekda 2,4m
δ Ursae Majoris Megrez 3,3m
Die sieben Hauptsterne des Sternbilds Kleiner Bär (Ursa Minor)
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Darstellung
α Ursae Minoris Polarstern (Polaris) 2,0m
β Ursae Minoris Kochab 2,0m
γ Ursae Minoris Pherkad 3,0m
δ Ursae Minoris Yildun 4,5m
ε Ursae Minoris Circitores 4,0m
ζ Ursae Minoris Akfa al Farkadain 4,5m
η Ursae Minoris Anwa al Farkadain 5,0m
Die sieben Hauptsterne des Sternbilds Orion sind rechts oben im Gemälde "Spanisches Ständchen" des Malers Carl Spitzweg zu sehen.
Die sieben Hauptsterne des Sternbilds Orion
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Darstellung
α Orionis Beteigeuze 0,0 bis 1,5m
β Orionis Rigel 0,0m
γ Orionis Bellatrix 1,5m
ε Orionis Alnilam 1,5m
ζ Orionis Alnitak 1,5m
κ Orionis Saiph 2,0m
δ Orionis Mintaka 2,5m

Das große "V" des Sternbilds Stier besteht ebenfalls aus sieben helleren Sternen beziehungsweise Sterngruppen:

Die sieben Hauptsterne im Kopf und in den Hörnern des Sternbilds Stier
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Darstellung Himmelsstier Darstellung Stierkopf
α/87 Aldebaran 1,0m
Asterismus des Himmelsstieres mit den Bezeichnungen der hellsten Sterne, siehe hierzu auch Der Himmelsstier.
Die Hyaden mit dem Stern Aldebaran und dem Planeten Venus im Kopf des Stieres des Sternbilds Stier (Taurus) in der Morgendämmerung über dem östlichen Horizont mit allen Sternen mit einer scheinbaren Helligkeit bis zur fünften Größenklasse. Links außerhalb des Bildes befinden sich die beiden Sterne Tien Kuan (oben in Verlängerung von Ain) und Elnath (unten in Verlängerung von Aldebaran) in den Spitzen der beiden Hörner des Stieres.
β/112 Elnath 1,5m
ζ/123 Tien Kuan 3,0m
ε/74 Ain 3,5m
γ/54 Hyadum 3,5m
θ1/77
θ2/78
4,0m
3,5m
δ1/61 Secunda Hyadum
δ2
δ3
4,0m
5,0m
4,5m
Das Wintersechseck Mitte Februar im Meridian Richtung Süden. Oben der Stern Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga), rechts der Stern Aldebaran im Sternbild Stier (Taurus), rechts unten der Stern Rigel im Sternbild Orion, unten der hellste Stern des Himmels Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major), links der Stern Prokyon im Sternbild Kleiner Hund (Canis Minor) und darüber der Stern Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini). Der siebente Stern Beteigeuze im Sternbild Orion befindet sich ungefähr in der Mitte des Wintersechsecks. Die Ekliptiklinie verläuft ungefähr in der Bildmitte und fast waagerecht unterhalb von Pollux und oberhalb von Aldebaran.

Der hellste Stern davon ist der Hauptstern Aldebaran, der auch zum Asterismus des Wintersechsecks gehört, das in Mitteleuropa von September bis April gesehen werden kann. Es wird aus den sechs hellsten Sternen der sechs benachbarten Sternbilder Stier (Taurus), Orion, Großer Hund (Canis Major), Kleiner Hund (Canis Minor), Zwillinge (Gemini), und Fuhrmann (Auriga) gebildet, nämlich aus den hellen Sternen Aldebaran, Rigel, Sirius, Prokyon, Pollux und Capella. Das Wintersechseck umschließt dabei den hellen roten Superriesen Beteigeuze im Sternbild Orion - zusammen sind es also sieben helle Sterne.

Die sieben hellsten Objekte des Wintersechsecks
Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Sternbild Scheinbare
Helligkeit
Bemerkungen
Aldebaran α Tauri Stier (Taurus) 0,9m Roter Riese, "Ochsenauge"
Rigel β Orionis Orion 0,2m Fußstern des Orions
Sirius α Canis Majoris Großer Hund (Canis Major) -1,5m Hellster Stern des Himmels
Prokyon α Canis Minoris Kleiner Hund (Canis Minor) 0,4m Geht in nördlichen Breiten vor Sirius auf
Pollux β Geminorum Zwillinge (Gemini) 1,2m Daneben Castor (α Geminorum, 1,9m)
Capella α Aurigae Fuhrmann (Auriga) 0,0m Dritthellster Stern am Nordhimmel
Beteigeuze α Orionis Orion 0,4m Roter Überriese, pulsiert (manchmal nur 1,6m)

Weitere Himmelsobjekte

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Der offene Sternhaufen der Hyaden mit dem hellen Roten Riesen Aldebaran (α Tauri).

Ein weiterer mit bloßen Auge sichtbarer offener Sternhaufen sind die den Plejaden benachbarten Hyaden, die mit nur rund 153 Lichtjahren Entfernung allerdings noch deutlich näher am Sonnensystem liegen als die Plejaden. Deswegen überdecken die Hyaden in der Form eines Himmels-Vs einen größeren Bereich des Himmels und können dadurch nicht so deutlich als Anhäufung von Sternen erkannt werden. In Richtung der Hyaden liegt zudem der mit rund 67 Lichtjahren Entfernung noch nähere Rote Riese Aldebaran (α Tauri), der als hellster und rötlich wahrnehmbarer Stern auffällig und leicht wiederzufinden ist, jedoch nicht Bestandteil des Sternhaufens ist. Die Plejaden sind ebenso wie die Hyaden von Juli bis April am nördlichen Sternhimmel sichtbar. Ein weiterer offener Sternhaufen ist die α-Persei-Gruppe (Melotte 20) mit dem hellsten Stern Mirfak (α Persei) im Sternbild Perseus.

Die Himmelsregion mit dem Orionnebel (links unten im mittleren Schwertstern des Sternbild Orion unter den drei Gürtelsternen), den V-förmigen Sternhaufen der Hyaden mit dem Roten Riesen Aldebaran (oben in der Mitte) sowie dem Sternhaufen der Plejaden (oben rechts) im Sternbild Stier (Taurus). Rechts unterhalb der Plejaden ist der rötliche Planet Mars zu sehen, der sich während der Aufnahme Ende Februar 2022 an dieser Stelle des Himmels befand.

Weitere mit bloßem Auge erkennbare Sternhaufen sind so weit entfernt und somit so klein, dass es kaum möglich ist, einzelne Sterne zu erkennen. Dennoch unterscheiden sie sich von einzelnen Sternen durch ihre diffuse Erscheinung. Hier sind zu nennen der Kugelsternhaufen ω Centauri (NGC 5139), der nur in den südlicheren Breiten des Mittelmeeres beobachtet werden kann, oder der Doppelsternhaufen h Persei (NGC 869) und χ Persei (NGC 884). Auch leuchtende gigantische Sternentstehungsgebiete wie der Orionnebel (M 42 oder NGC 1976) oder unsere Schwestergalaxie, die Andromedagalaxie (M 31), sind sogar freiäugig als Nebelflecke sichtbar. Die Tatsache, dass es sich bei der Andromedagalaxie nicht um einen Nebel ("Andromedanebel"), sondern um eine ganze Galaxie handelt, ist erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Dass es sich zudem um ein Objekt außerhalb unserer Heimatgalaxie respektive unserer „Welteninsel“, der Milchstraße, handelt, ist erst seit den 1920er Jahren bekannt. Unsere Milchstraße besteht ähnlich wie die Andromedagalaxie aus mehreren hundert Milliarden Sternen, die wir mit bloßem Auge nicht unterscheiden können. Sie erscheint uns von unserem Standpunkt innerhalb der Galaxis als ein gewaltiger milchiger Schleier, der sich quer über den ganzen Nachthimmel ausbreitet. Weitere gut erkennbare Nachbargalaxien, wenn auch nur von der südlichen Halbkugel der Erde aus, sind die Große Magellansche Wolke und die Kleine Magellansche Wolke.

Einzelnachweise

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  1. Bob King: 9,096 Stars in the Sky—Is that all? How many stars in the sky can you see?, skyandtelescope.org - The essential Guide to Astronomy, 17. September 2014
  2. Markus Bautsch, Friedhelm Pedde: Canopus, der "Stern der Stadt Eridu". In: Dem Himmel nahe.. Nr. 17, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 8-9 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2023/05/BROplanet-juni2023ff_www.pdf).
  3. Richard Anthony Proctor: Light Science for Leisure Hours - Familiar Essays on Scientific Subjects, Natural Phenomena, 3rd Series, page 9 and 10, Longmans, Green, and Co., London, 1886
  4. Edmond Halley: Observations of the late total eclipse of the sun on the 22d of April last past, made before the Royal Society at their house in Crane Court in Fleet-street, Philosophical Transactions, Volume 29, Issue 343, Chapter III., pages 245 to 262, London, 1717

Astronomische Bezugssysteme

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Eine historische Armillarsphäre im Historischen Museum in Basel. Die drei gegeneinander geneigten Ringe mit den Teilkreisen in der Mitte der Kugel stehen für die Ebenen des Äquators, des Horizonts und der Ekliptik.

Bei der unmittelbaren Beobachtung der Bahnen der Fixsterne gibt es zwei natürliche Bezugssysteme, nämlich das horizontale und das äquatoriale. Für die Beobachtung der sieben gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Wandelgestirne ist es sinnvoll, neben der Horizontebene und der Äquatorebene eine weitere Ebene einzuführen, nämlich die Ekliptikebene. Der Name Ekliptik leitet sich von der lateinischen Bezeichnung linea ecliptica (Verdeckungslinie) ab, die wiederum auf das altgriechische Wort ἐκλειπτική (ekleiptikē für verdeckend) zurückgeht. Die sieben Wandelgestirne können sich entlang der Ekliptiklinie bei Konjunktionen nicht nur begegnen, sondern die nähergelegenen können die fernerliegenden Wandelgestirne manchmal sogar bedecken, wie zum Beispiel bei Mond- oder Sonnenfinsternissen sowie bei Transiten.

Zwischen den Bezugssystemen können die beiden jeweiligen Winkelkoordinaten mithilfe von geometrischen Transformationen eindeutig abgebildet werden. In der folgenden Tabelle sind wichtige Eigenschaften der drei genannten Bezugssysteme zusammengefasst:

Polare terrestrische Bezugssysteme
Merkmal Horizontsystem Äquatorsystem Ekliptiksystem
Zentrum Standpunkt auf der Erdoberfläche Erdmittelpunkt Erdmittelpunkt
Hauptrotationsachse Lotgerade Erdachse Erdbahnachse
Oberer Pol der Hauptrotationsachse Zenit Himmelsnordpol Ekliptiknordpol
Unterer Pol der Hauptrotationsachse Nadir Himmelssüdpol Ekliptiksüdpol
Bezugsebene senkrecht zur Hauptrotationsachse Horizontebene Äquatorebene Ekliptikebene
Rand der Bezugsebene Horizont Himmelsäquator Ekliptiklinie
Bezugsrichtung in der Bezugsebene Norden Frühlingspunkt Frühlingspunkt
Winkelkoordinate in der Bezugsebene Azimut Rektaszension Ekliptikale Länge
Winkelkoordinate senkrecht zur Bezugsebene Höhenwinkel Deklinationswinkel Ekliptikale Breite

Der Horizont

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Kompassrose mit den Abkürzungen der Himmelsrichtungen.

Das horizontale Koordinatensystem entspricht der täglichen Erfahrung der Umwelt, da die beiden Augen des Menschen in der Regel horizontal nebeneinander ausgerichtet sind. Ein Stein fällt im Horizontsystem immer senkrecht von oben nach unten in Richtung Erdmittelpunkt. Es ist das am häufigsten verwendeten Koordinatensystem für die Orientierung im Alltag. Der ideale Horizont ist eine Kreislinie, in deren Mittelpunkt der Beobachter steht. Die Lotrichtung steht senkrecht auf dem entsprechenden Kreis, und deswegen hat jeder Punkt auf der Erdoberfläche ein anderes Horizontsystem, in welchem zu jedem Zeitpunkt ein anderer Ausschnitt des Himmels gesehen werden kann.

Für die Angabe von Richtungen werden die Haupthimmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen verwendet. Der mathematische Horizont befindet sich rund um einen Beobachter genau in der gleichen Höhe über der Erdoberfläche und spannt die Horizontebene auf. Die vier Haupthimmelsrichtungen liegen dabei in der Horizontebene und jeweils senkrecht zu ihren beiden benachbarten Haupthimmelsrichtungen.

In Bezug auf die Nordrichtung oder alternativ in Bezug auf die Südrichtung kann auch der Azimut als rechtsläufiger Winkel angegeben werden, wobei bei Bezug auf Norden die Nordrichtung 0 Bogengrad entspricht, die Ostrichtung 90 Bogengrad, die Südrichtung 180 Bogengrad und die Westrichtung 270 Bogengrad.

Die Höhe über dem Horizont wird als Höhenwinkel von 0 bis 90 Bogengrad angegeben, wobei 0 Bogengrad auf dem Horizont und 90 Bogengrad senkrecht über dem Beobachter im Zenit liegt. Negative Winkel liegen unter dem Horizont, und der Nadir liegt exakt unter dem Beobachter bei einem Höhenwinkel von -90 Bogengrad. Der Meridian ist der Großkreis, der durch den Nord- und Südpunkt sowie durch Zenit und Nadir geht.

Von der Erde aus kann die Lage aller Objekte im Horizontsystem eindeutig bestimmt werden, wobei sich die Richtungen und Höhen der Gestirne am Himmel durch die Rotation der Erde kontinuierlich ändern. Nach einem siderischen Tag, der wegen der gleichzeitigen Bewegung der Erde um die Sonne knapp vier Minuten kürzer ist als ein durchschnittlicher Sonnentag (auch bürgerlicher Tag oder Kalendertag), ist ein Stern von einem bestimmten Punkt auf der Erdoberfläche wieder in der gleichen Himmelsrichtung (Azimut) und in der gleichen Höhe über dem Horizont zu sehen. Die Lage der Himmelsrichtungen kann also durch die Bewegung der Sonne oder der Sterne bestimmt werden.

Es gibt verschiedene weitere Möglichkeiten, die Richtungen im Horizontsystem mit einfachen Mitteln zu ermitteln. Selbst als es noch keine Kompasse gab, war es möglich, die Himmelsrichtungen zu bestimmen:

Die Himmelspole (siehe unten) befinden sich in der Verlängerung der Erdachse und zeichnen sich dadurch aus, dass sich ihre Lage und die Lage der dort am Himmel befindlichen Fixsterne gegenüber dem Horizontsystem trotz der Erdrotation innerhalb eines Tages nicht ändert. Diese Lage lässt sich durch die Beobachtung der in der Nähe der Pole gelegenen zirkumpolaren Sterne, die nie unter den Horizont fallen, leicht herausfinden. Heute markiert der Polarstern (Polaris, α Ursa Minor) ungefähr den Himmelsnordpol. Durch die Präzession der gegen die Ekliptik geneigten Erdachse wandern die Himmelspole im Laufe von Jahrtausenden allerdings auf kreisförmigen Bögen um die Pole der Ekliptik, so dass ein bestimmter Ort auf diesen Bögen ungefähr alle 25800 Jahre von den Himmelspolen erreicht wird. Fällt man von einem Himmelspol das Lot auf den Horizont, findet man dort auf der Nordhalbkugel den Nordpol beziehungsweise auf der Südhalbkugel den Südpol.

Bei den beiden Tag-und-Nacht-Gleichen zum Frühlingsanfang und zum Herbstanfang, geht die Sonne exakt im Osten oder im Westen auf und unter.

Alle Gestirne kulminieren auf dem Meridian. Auf der Nordhalbkugel kann dies auf dem südlichen Meridian anhand der maximalen Höhe über dem Horizont beobachtet werden, und auf der Südhalbkugel auf dem nördlichen Meridian. Bei der oberen Kulmination der Sonne oder des Mondes auf dem Meridian erreicht der durch das Licht der Himmelskörper hervorgerufene Schatten eines senkrecht auf der Erdoberfläche stehenden Stabes seine kürzeste Länge in Richtung zu den Himmelspolen beziehungsweise zu den Polen der Erdachse (siehe auch Stabdolche).

Kimmtiefe

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Die Lage vom Zenit, vom Nadir sowie vom senkrecht zur Verbindungslinie von Zenit und Nadir befindlichen mathematischen Horizont und vom freisichtigen Landschaftshorizont für einen Beobachter auf der Erdoberfläche.

Im Jahr 1023 ermittelte der persische Universalgelehrte al-Biruni mit einem von ihm entwickelten Messverfahren mit einer beachtlichen Genauigkeit den Radius der Erdkugel. Hierfür bestimmte er die Höhe eines Berges über dem Ozean sowie die von dort zu beobachtende Kimmtiefe, also den Winkel zwischen dem mathematischen Horizont und dem Landschaftshorizont. Die atmosphärische Refraktion, die diesen Messwert beeinflusst, kannte er allerdings noch nicht und konnte sie deswegen auch nicht berücksichtigen.

→ Zur mathematische Definition der Kimmtiefe und zur Näherungsrechnung siehe Kimmtiefe.

→ Zur atmosphärischen Refraktion siehe atmosphärische Refraktion.

Die Auf- und Untergänge

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Bei jahrelanger Betrachtung des Nachthimmels wird es jedem aufmerksamen Beobachter auffallen, dass alle Sterne stets an der gleichen Stelle des Horizonts auf- und untergehen. Auf- und Untergang geschehen in Bezug auf die Fixsterne jedoch Tag für Tag knapp vier Minuten früher, bevor nach einem vollständigen Sonnenjahr erneut die gleichen Tageszeiten erreicht werden. Auf diese Weise ist nachts der gesamte Himmel der Hemisphäre im Laufe eines Jahres zu sehen. In einem Abstand von sechs Monaten (also einem halben Jahr) sieht der Nachthimmel zur gleichen Nachtzeit demzufolge vollkommen anders aus.

Alle Objekte auf dem Himmelsäquator gehen täglich zu sich um knapp vier Minuten verschiebenden Tageszeiten genau im Osten auf und genau im Westen unter. Zu den Sternen im Bereich des Himmelsäquators gehören zum Beispiel der rechte Gürtelstern Mintaka (δ Orionis) im Sternbild Orion, die Sterne Zaniah (η Virginis), Porrima (γ Virginis) und Heze (ζ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo), der Stern Almizan III (θ Aquilae) in der linken Flügelspitze des Sternbilds Adler (Aquila) sowie der Stern Sadalmelik (α Aquarii) im Sternbild Wassermann (Aquarius).

Je nach geographischer Breite der Beobachtung gibt es mehr oder weniger Sterne die nie untergehen beziehungsweise nie aufgehen. Diese Sterne werden als zirkumpolar bezeichnet. Am Nordpol und am Südpol der Erde sind alle Sterne stets zirkumpolar. Vom Erdäquator aus ist kein Stern zirkumpolar, so dass innerhalb eines Tages jeder Stern zwölf Stunden lang über dem Horizont und zwölf Stunden lang unter dem Horizont steht.

Die Himmelspole

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Beziehung zwischen horizontalem und äquatorialem Koordinatensystem bei einer Himmelsbeobachtung auf dem Breitengrad .
Im Horizontsystem die vier Himmelsrichtungen Norden (N), Osten (O), Süden (S) und Westen (W), senkrecht nach oben der Zenit, senkrecht nach unten der Nadir, die orthogonalen Koordinaten , und sowie der Azimut und der Höhenwinkel .
Im Äquatorialsystem die beiden Himmelspole Nordpol und Südpol, der Stundenwinkel und die Deklination .

Ein Tag ist durch die Eigenrotation der Erde um ihre Achse definiert, die durch den geographischen Nordpol und Südpol verläuft. In ihren Verlängerungen markiert diese Achse den Himmelsnordpol beziehungsweise den Himmelssüdpol.

Die Himmelspole sind die beiden Schnittpunkte der gedachten Verlängerung der Rotationsachse der Erde mit der Himmelssphäre. Wo die Sterne an der Horizontlinie auf- und untergehen, hängt von der geographischen Breite der Beobachtung ab. So sind genau auf dem Nordpol der Erde alle Sterne der nördlichen Hemisphäre zirkumpolar und der Himmelsnordpol steht im Zenit. Genau auf dem Südpol der Erde sind alle Sterne der südlichen Hemisphäre zirkumpolar und der Himmelssüdpol steht im Zenit.

Der Himmelsäquator ist die Projektion des Erdäquators in die Himmelssphäre. Er steht demzufolge senkrecht zur Polachse. Beobachter auf dem Erdäquator sehen den Himmelsäquator von Osten genau über den Zenit nach Westen laufen. Auch für alle zwischen Äquator und Pol positionierten Beobachter kreuzt der Himmelsäquator den Horizont stets exakt in östlicher und in westlicher Richtung, erreicht dabei allerdings nicht den Zenit. Der Winkelabstand des Zenits zum Himmelsäquator (Zenitabstand) ergibt sich unmittelbar aus der geographischen Breite der Beobachtung:

Bei nächtlichen Beobachtungen der Fixsterne fällt auf, dass diese sich innerhalb eines siderischen (lateinisch sideris = des Sterns, also auf den Fixsternhimmel bezogenen) Tages von knapp 24 Stunden immer auf dem gleichen Kreis von Osten nach Westen einmal um die Himmelspole drehen und danach im Bezug zum Horizontsystem wieder an der gleichen Stelle stehen. Ein siderischer Tag dauert hierbei ungefähr vier Minuten kürzer als ein Sonnentag, weil die Sonne sich bezogen auf den Fixsternhimmel scheinbar - bedingt durch den Umlauf der Erde um die Sonne - täglich um ein kleines Stück nach Osten (auf der nördlichen Halbkugel also nach links) bewegt. Nach einem Jahr summieren sich diese täglichen Differenzen zu einem ganzen Tag auf, so dass sich jeder beliebige Stern nach einem Sonnenjahr zur gleichen Tageszeit auf- und untergeht beziehungsweise sich zu den gleichen Tageszeiten an der gleichen Stelle im Horizontsystem beziehungsweise in der entsprechenden Himmelsrichtung befindet. Dies kann durch die folgenden überschlägigen Rechnungen leicht nachvollzogen werden:

Der nördliche Himmelspol ist heute leicht durch den Polarstern (Polaris) im Kleinen Bären (Ursa Minor) zu finden, der die ganze Nacht (und den ganzen Tag) an derselben Stelle ziemlich genau im Norden des horizontalen Bezugssystems liegt. Alle anderen Sterne verändern im horizontalen Bezugssystem ständig ihre Lage.

Die Sterne in der Nähe des sichtbaren Himmelspols sind für einen bestimmten Beobachtungspunkt immer über dem Horizont und werden zirkumpolare Sterne genannt. Die zirkumpolaren Sterne des gegenüberliegenden, nicht sichtbaren Himmelspols sind nie zu sehen. Am Nordpol und am Südpol der Erde sind alle Sterne der jeweiligen Hemisphäre zirkumpolar, auf dem Äquator der Erde ist es keiner. Wegen der Neigung der Ekliptik ist von überall auf der Erde aus gesehen kein einziges ekliptikales Sternbild der Lebewesenkreiszeichen vollständig zirkumpolar.

Alle sichtbaren Sterne, die nicht zirkumpolar sind, gehen im Verlauf eines Vierundzwanzigstundentages irgendwann am östlichen Horizont auf und am westlichen Horizont unter. Die Sterne genau in der Mitte zwischen den beiden Himmelspolen liegen auf dem Himmelsäquator, und sie beschreiben den größten Tageskreis am Himmel, der jeweils exakt 180 Bogengrad über dem und unter dem Horizont verläuft.

Die beiden Winkel im äquatorialen Koordinatensystem, die die Lage eines beliebigen Himmelskörper definieren, sind der Stundenwinkel oder die Rektaszension entlang des Himmelsäquators und die Deklination senkrecht dazu in Richtung der Himmelspole, nach Norden positiv und nach Süden negativ. Der Stundenwinkel eines Himmelsobjekts entspricht der Zeit, die seit dem letzten Durchgang des betreffenden Himmelsobjekts durch den Meridian vergangen ist, und Stundenwinkel und Rektaszension werden daher meist in Stunden angegeben. Die Rektaszension wird allerdings auf den Frühlingspunkt bezogen, der sich zum Frühlingsanfang in der Sonnenmitte befindet. Die Rektaszension und die Deklination aller Fixsterne sind abgesehen von deren geringfügiger Eigenbewegung und der Verschiebung des Frühlingspunktes durch die sehr langsame Präzession der Erdachse innerhalb von wenigen Jahren praktisch konstant und werden daher in Sternenkatalogen angegeben. Die größte Differenz von Deklinationen gleichzeitig sichtbarer Himmelsobjekte wird immer in südlicher Richtung auf dem Meridian erreicht die kleinste Differenz in nördlicher Richtung auf dem Meridian.

Die Polhöhe ist der kleinste Winkel zwischen dem Horizont und einem Himmelspol entlang des Meridians, der genau der geographischen Breite des entsprechenden Beobachters auf der Erdkugel entspricht. Der Winkel zwischen Zenit und Himmelspol ergänzt die Polhöhe zu einem rechten Winkel mit 90 Bogengrad und entspricht gleichzeitig der Neigung zwischen Horizontalebene und Äquatorialebene. Beide Bezugssysteme teilen sich sowohl den Ostpunkt als auch den Westpunkt. Am Nordpol ist die Polhöhe +90 Bogengrad, am Südpol ist sie -90 Bogengrad, und auf dem Äquator beträgt sie 0 Bogengrad.

Der Frühlingspunkt

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Die um geneigte Lage der kreisbogenförmigen Ekliptik in Bezug zum Himmelsäquator mit seinem äquatorialen Koordinatensystem mit den Koordinaten (Rektaszension) und (Deklination), die hier für die ekliptikale Länge dargestellt sind.

Der Frühlingspunkt (Äquinoktialpunkt) hatte und hat eine herausragende Bedeutung in der Himmelskunde. Wenn die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) im Frühlingspunkt steht, geht sie zum Frühlingsanfang dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Da der Vollmond von der Erde aus gesehen der Sonne immer gegenübersteht, steht ein Vollmond, der zum Frühlingsanfang auftritt, gegenüber dem Frühlingspunkt im Herbstpunkt und geht abends gegen 18 Uhr im Osten auf und morgens gegen 6 Uhr im Westen unter.

Umgekehrt steht die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) zum Herbstanfang im Herbstpunkt und geht dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Ein gleichzeitig auftretender Vollmond befindet sich dann in der Nähe des Frühlingspunktes und geht morgens um 6 Uhr Ortszeit im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit im Westen unter.

Der Frühlingspunkt durchwandert innerhalb eines Tages den Großkreis des Himmelsäquators einmal vollständig. Da die Sonne im Gegensatz zum feststehenden Frühlingspunkt innerhalb eines Sonnentages von exakt 24 Stunden à 60 Minuten knapp ein Dreihundertsechzigstel (also ein Bogengrad) auf dem Ekliptikkreis entgegen der täglichen Sonnenbahn weitergelaufen ist, erreicht sie dieselbe Höhe über dem Horizont oder denselben Meridian bei der Kulmination auf demselben erst etwas später als der Frühlingspunkt, Die folgende Abschätzung ergibt die ungefähre Zeitdifferenz:

Aus diesem Grund ist ein siderischer Tag, also die Zeitspanne die der Frühlingspunkt oder jeder andere feste Punkt auf dem Himmelsäquator für einen vollständigen Umlauf mit 360 Bogengrad benötigt, gegenüber dem Sonnentag um diese vier Minuten verkürzt.

Die Wanderung des Frühlingspunktes entlang der Ekliptik.

Bedingt durch die Präzession der Erdachse verändern sich im Zyklus von zirka 25800 Jahren nicht nur die Lage der Himmelspole entlang einer Kreisbahn, sondern auch der Frühlingspunkt. Er durchwandert in dieser Zeit in westlicher Richtung genau einmal die gesamte Ekliptik mit ihren 360 Bogengrad. In jedem der zwölf Sternbilder entlang dieses Zodiaks mit einem Winkel von 30 Bogengrad pro Sternzeichensegment liegt er also für 2150 Jahre. Anders ausgedrückt: der Frühlingspunkt verschiebt sich in einhundert Jahren um 1,4 Bogengrad, in zehn Jahren um 8,4 Bogenminuten beziehungsweise pro Jahr um 50 Bogensekunden nach Westen. Die Lage der Ekliptik im Bezug auf den Fixsternhimmel bleibt jedoch unverändert.

→ Zum Zodiak und zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Der Zodiak und Exkurs Zur Zwölf.

Von vor 4500 Jahren bis heute ist der Frühlingspunkt vom Sternbild Stier (Taurus) gut 60 Bogengrad nach Westen gewandert, so dass dieses Sternbild zum Frühlingsanfang heute nicht mehr gleichzeitig mit der Sonne, sondern erst gut vier Stunden nach der Sonne untergeht und daher abends im Westen gut sichtbar ist, weil die Sonne sich vor dem Untergang der Hyaden und Plejaden bereits deutlich unter dem Horizont befindet. Vor rund 3000 Jahren befand sich der Frühlingspunkt dann schon im Sternbild Widder (Aries) und heute bereits im Sternbild Fische (Pisces).

Dieses Wanderverhalten war bereits in der Antike bekannt, und wurde von dem babylonischen Gelehrten  Kidinnu (* vermutlich um 400 vor Christus; † vermutlich 330 vor Christus) dargestellt.  Nikolaus Kopernikus erkannte und benannte vor 500 Jahren die Präzession der Erdachse als Ursache für die Wanderung des Frühlingspunktes, und erst  Friedrich Wilhelm Bessel konnte die Präzessionskonstante mit hoher Genauigkeit bestimmen, was 1813 von der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit der Verleihung eines Preises gewürdigt wurde.

Der Frühlingspunkt stellt einen Anker in den Sonnenkalendern (auch Solarkalender) dar. Das jüdische Pessach sowie auch das christliche Osterfest finden seit jeher nach der Tag-Und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium) im Frühjahr statt. Der Ostersonntag ist zum Beispiel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond, der auf dieses Äquinoktium folgt. Die Bestellung von Ackerflächen und die Aussaat von Pflanzensamen wurden und werden in vielen Kulturen mit Bezug auf den Termin des astronomischen Frühlingsanfangs durchgeführt, um gute Ernteerträge zu erhalten.

Die Lage des Frühlingspunkts bei der ekliptikalen Länge 0 Bogengrad kann im Fixsternhimmel nicht direkt im Bezug zum Fixsternhimmel beobachtet werden, weil das Sonnenlicht zum Frühlingsbeginn die Sterne in der Umgebung des Frühlingspunktes bei weitem überstrahlt. Ein gleichzeitig auftretender Vollmond hat die ekliptikale Länge 180 Bogengrad und befindet sich also im Herbstpunkt. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst steht die Sonne dann im Herbstpunkt bei der ekliptikalen Länge 180 Bogengrad. Der Herbstpunkt, in dem die Sonne zum Herbstbeginn exakt im Westen untergeht, befindet sich auf der Ekliptik also direkt gegenüber dem Frühlingspunkt, der gleichzeitig exakt im Osten gegebenenfalls mit einem gleichzeitig dort auftretenden Vollmond aufgeht. Aber auch während der Sonnenauf- und untergänge kann der Fixsternhimmel nicht beobachtet werden.

Seit Uhren zur Verfügung stehen, kann die Sternzeit mit ihnen als der Stundenwinkel des Frühlingspunktes gemessen werden. Ohne eine genaue Zeitmessung ist die Bestimmung der Lage des Frühlingspunktes keineswegs eine triviale Aufgabe. Die Aufgabe der Zeitmessung kann mit dem Mond oder dem Planeten Jupiter bewerkstelligt werden. Er bewegt sich innerhalb von knapp zwölf Jahren einmal vollständig durch die Ekliptik. Im Raster von drei Jahren wandert er auf der Ekliptiklinie jeweils ungefähr 90 Bogengrad weiter und steht dann ausgehend vom Frühlingspunkt als Startpunkt bei den ekliptikalen Längen 0 Bogengrad (Frühlingspunkt), 90 Bogengrad, 180 Bogengrad (Herbstpunkt) und 270 Bogengrad. Da er während der zwölf Jahre seiner siderischen Umlaufzeit häufig und wegen seiner großen Helligkeit nicht nur nachts, sondern auch in der Dämmerung gut gesehen werden kann, ist es möglich, die Lage von Frühlings- und Herbstpunkt indirekt durch die Winkelmessung der Lage des Planeten Jupiter zu bestimmen. Der Saturn hat wegen seiner noch größeren Entfernung von der Erde zwar eine geringere Parallaxe zum Fixsternhimmel als der Jupiter, ist aber auch deutlich weniger hell als dieser. Er hat eine siderische Umlaufzeit von fast dreißig Jahren und verändert seine ekliptikale Länge darum im Mittel ungefähr um 12 Bogengrad pro Jahr.

Eine weitere grobe Möglichkeit besteht darin, den Mond zu beobachten, der für einen siderischen Umlauf fast 28 Tage braucht, im Mittel also knapp sieben Tage für ein Viertel des siderischen Umlaufs. Kulminiert der abnehmende Halbmond bei der Tag-und-Nacht-Gleiche während des Sonnenaufgangs zum Herbstbeginn auf dem südlichen Meridian, so muss er eine Woche (sieben Tage) zuvor als Vollmond beim Frühlingspunkt gestanden haben, beziehungsweise muss er eine Woche zuvor beim Herbstpunkt gestanden haben, wenn die Sonne zum Frühlingsbeginn aufgegangen ist. Entsprechend kann auch der auf dem südlichen Meridian kulminierende zunehmende Halbmond bei der Tag-und-Nacht-Gleiche während des Sonnenuntergangs beobachtet werden: eine Woche später erreicht er im im Frühling den Herbstpunkt beziehungsweise im Herbst den Frühlingspunkt. Wegen der gerundeten Rechnung mit ganzen Zahlen und aufgrund der Exzentrizität der Mondbahn können sich hierbei allerdings Winkelfehler von über 10 Bogengrad ergeben. Wenn die Lage des Mondes in seinen 27 oder 28 Mondhäusern während der Tag-und-Nacht-Gleichen langfristig mitgezählt wird, kann dieser Fehler durch langjährige Mittel ausgeglichen werden.

Die Ekliptik

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Die vier Polar- und Wendekreise während der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel. Die Ekliptik liegt in dieser Darstellung genau horizontal zwischen Erd- und Sonnenmittelpunkt.
Die 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0). Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5 Bogengrad (südliche Breite unten) und +5 Bogengrad (nördliche Breite oben) können vom Mond bedeckt werden.

Von der Erde aus gesehen scheint es, als wenn die Sonne innerhalb eines Sonnenjahres auf einer scheinbaren Kreisbahn durch den Fixsternhimmel zieht, so dass sie an jedem Tag des Jahres bei anderen Sternen steht. Diese Bahn wird von Astronomen als Ekliptik oder Ekliptiklinie bezeichnet, und sie ist um den Winkel von gut 23 Bogengrad gegenüber dem Himmelsäquator geneigt. Die Verbindungslinie zwischen Erdmittelpunkt und Sonnenmittelpunkt liegt dabei in einer Fläche, die Ekliptikebene genannt wird. Die Bezeichnung Ekliptik geht auf den lateinischen Begriff linea ecliptica (zu Deutsch: Bedeckungslinie). Von einer Eklipse sprechen Astronomen bei der Bedeckung der Sonne durch den Neumond (Sonnenfinsternis) oder beim Wandern des Mondes durch den Erdschatten (Mondfinsternis). Diese Bedeckungen treten nur auf, wenn sich der Mond ebenfalls in der Ekliptikebene befindet. Nach einem Sonnenjahr steht die Sonne in der Ekliptikebene von der Erde aus gesehen wieder beim gleichen Fixstern.

Alle sieben mir bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen von der Erde aus gesehen mit verschiedenen Geschwindigkeiten entlang der Ekliptikline durch den Fixsternhimmel. Die Sonne liegt immer auf der Ekliptikebene, wohingegen die anderen Wandelgestirne um die Ekliptiklinie pendeln und dabei verschiedene nördliche oder südliche ekliptikale Breiten in Bezug auf die Ekliptiklinie erreichen. Diese Wandelgestirne haben unseren sieben Wochentagen die Namen gegeben und sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

Die sieben sich in der Ekliptik gegenüber dem Fixsternhimmel bewegenden Himmelskörper
Himmels-
körper
Symbol Siderische
Umlaufzeit
in Tagen
Siderische
Umlaufzeit
in Monaten
Siderische
Umlaufzeit
in Jahren
Scheinbare
Helligkeit
Bahnneigung
zur Ekliptik
Maximale
Elongation
Lateinische
Bezeichnung
des Wochentags
Gottheiten Wochentag Wochentagsnummer
Mond 27,3 0,90 0,075 -13m 5,1° 180° dies lunae Mani Montag 2
Merkur 77 2,5 0,21 -2m 7,0° 28° dies Mercuri Odin / Wotan / Wodan Mittwoch 4
Venus 225 7,4 0,62 -5m 3,4° 48° dies Veneris Frija / Frigg / Frigga Freitag 6
Sonne 365,25 12,0 1,00 -27m 0,0° dies solis Sol / Sunna Sonntag 1
Mars 687 22,6 1,88 -3m 1,9° 180° dies Martis Tiu / Ziu / Tyr Dienstag 3
Jupiter 4333 142,4 11,9 -3m 1,3° 180° dies Iovis Thor / Donar / Thunar Donnerstag 5
Saturn 10760 353,5 29,5 -0,5m 2,5° 180° dies Saturni Saturn Samstag 7

→ Siehe auch Wikibook-Abschnitt "Zur Sieben".

Die Ekliptik ist also die gedachte Ebene, in der die Erdbahn während eines Jahres um die Sonne läuft. Wegen der Neigung gegenüber dem Himmelsäquator ist von der Schiefe der Ekliptik die Rede.

Durch die Lage der Ekliptik sind vier Breitenkreise auf der Erdoberfläche festgelegt:

  • Der nördliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Sommersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der südliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Wintersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der nördliche Polarkreis, wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
  • Der südliche Polarkreis, wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
Die scheinbare tägliche Bewegung der Sonne
Animation der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne zu Beginn der vier Jahreszeiten mit den drei Ebenen des Horizonts (grün), des Äquators (rot) und der Ekliptik (blau). Die Blickrichtung verläuft von vorne im Osten (Sonnenaufgang) nach hinten im Westen (Sonnenuntergang).
Die scheinbaren Sonnenbahnen verlaufen in den Tagbögen oberhalb und in den Nachtbögen unterhalb der ruhenden grünen Horizontalebene, die für eine geographische Breite von 50 Bogengrad dargestellt sind. Im Süden erreichen die Tagbögen mittags ihre oberen Scheitelpunkte, und im Norden erreichen die Nachtbögen um Mitternacht ihre unteren Scheitelpunkte. Der senkrecht auf der Horizontalebene stehende schwarze Zeiger ist zum Zenit ausgerichtet.
Die braune Rotationsachse der Erde verläuft von links unten (Himmelssüdpol) nach rechts oben (Himmelsnordpol). Die Sonne im Frühlingspunkt ist grün eingefärbt, und ihr gegenüber befindet sich die Sonne im Herbstpunkt, wenn es jeweils die Tag-und-Nacht-Gleiche gibt. Zu diesen beiden Zeitpunkten befindet sich Sonne auf dem als roten Kreis dargestellten Himmelsäquator.
Die Ebene der Ekliptik ist als rotierende blaue Scheibe dargestellt. Die obere Sonne stellt die Situation bei der Sommersonnenwende dar, und die untere bei der Wintersonnenwende. Während der Zeit der Sommersonnenwende ist die Ekliptik mittags am stärksten und um Mitternacht am geringsten gegenüber der Horizontalebene geneigt, und während der Zeit der Wintersonnenwende ist es umgekehrt.

Zu jedem Zeitpunkt des Tages und des Jahres hat die Ekliptik gegenüber dem Horizont eine variierende Lage und eine andere Bogenlänge oberhalb des Horizonts, jedoch befindet sich der höchste Scheitel immer ungefähr in südlicher Richtung. Der Vollmond erreicht zur Sommersonnenwende um Mitternacht nur eine geringe Horizonthöhe, die Sonne steht dann mittags allerdings mit bei maximaler Horizonthöhe (unter Umständen sogar im Zenit bei einer Horizonthöhe von 90 Bogengrad), und es gibt somit den längsten Tag des Jahres. Zur Wintersonnenwende ist es umgekehrt, und es resultiert der niedrigste Sonnenstand und damit der kürzeste Tag des Jahres. Bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Herbstanfang erreicht die Ekliptik zum Sonnenaufgang ihre maximale Höhe und maximal über dem Horizont sichtbare Bogenlänge und zum Sonnenuntergang das jeweilige Minimum, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang ist es wiederum umgekehrt.

Die Lage des Bogens der Ekliptik über dem Horizont zu verschiedenen Zeitpunkten
Jahreszeit morgens mittags abends nachts
Frühlings-
anfang
Sommer-
anfang
Herbst-
anfang
Winter-
anfang

Besonders steile Aufgänge im Osten und Untergänge im Westen sind also zu den folgenden Tageszeiten zu sehen:

  • Beim Frühlingsanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend
  • Beim Sommeranfang (Sonnenwende) am Mittag
  • Beim Herbstanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen
  • Beim Winteranfang (Sonnenwende) um Mitternacht

Besonders flache Aufgänge im Osten und Untergänge im Westen sind entsprechend zu den folgenden Tageszeiten zu sehen:

  • Beim Frühlingsanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen
  • Beim Sommeranfang (Sonnenwende) um Mitternacht
  • Beim Herbstanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend
  • Beim Winteranfang (Sonnenwende) am Mittag

→ In Bezug auf die vier Tages- und Jahreszeiten siehe auch Exkurs Zur Vier.

Die ekliptikale Länge wird üblicherweise vom Frühlingspunkt aus als Winkel zwischen -180 und +180 Bogengrad in der Ebene der Ekliptik angegeben, zum Frühlingsanfang steht die Sonne also bei der ekliptikalen Länge null. Die ekliptikale Breite wird wiederum senkrecht dazu als Winkel zwischen -90 und +90 Bogengrad in Richtung der Pole der Ekliptik bestimmt. Die ekliptikale Breite der Sonne ist definitionsgemäß null. Die Deklination eines Punktes auf der Ekliptik liegt immer zwischen und . Im Frühlings- und Herbstpunkt ist die Deklination der Sonne gleich null, zum Sommeranfang ist sie und beim Winterbeginn .

→ Zur scheinbaren Begegnung von beweglichen Gestirnen mit Himmelsobjekten siehe auch Exkurs Konjunktionen.

→ Zur Verwendung von Mondstationen für die Beschreibung der ekliptikalen Länge des Mondes siehe auch Mondhäuser.

Der Zodiak

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Schema des Zodiaks: die zwölf Sternbilder des Lebewesenkreises entlang der Ekliptik.

Der Kreis mit den zwölf aneinander angrenzenden Lebewesenzeichen entlang der Ekliptiklinie wird auch Zodiak genannt. Alle zwölf Lebewesenzeichen nehmen einen eigenen ungefähr 30 Bogengrad langen Abschnitt des Vollkreises der Ekliptik ein.

  • Die Sonne wandert entlang der Ekliptiklinie jeden Monat um ein Lebewesenzeichen weiter nach Osten.
  • Der Jupiter wandert entlang der Ekliptiklinie jedes Jahr um ein Lebewesenzeichen weiter nach Osten.

Der Zodiak (griechisch ζῳδιακός = zodiakós) oder Lebewesenkreis (häufig unzutreffend auch als Tierkreis bezeichnet) beschreibt die zwölf Sternbilder entlang der Ekliptik, die in der folgenden Reihenfolge auftreten. In jeder der vier Jahreszeiten gibt es drei Monate, die einem der Lebewesenkreiszeichen zugeordnet werden können. Von allen international standardisierten Sternzeichen liegen nur diese zwölf Lebewesenkreiszeichen auf der Ekliptik. Ihre ekliptikale Breite erstreckt sich von Süden nach Norden ungefähr zehn Bogengrad symmetrisch um die Ekliptiklinie. Sie teilen die 360 Bogengrad der ekliptikalen Längen allerdings nicht in gleichmäßig große Segmente ein. Bei den ekliptikalen Längen des Sternbilds Skorpion (Scorpio) schneidet die Ekliptiklinie eher das Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus), das jedoch nicht zum Zodiak gezählt wird und das Sternbild Schlange (Serpent) in zwei separate Flächen rechts und links des Schlangenträgers teilt.

Die beiden offenen Sternhaufen der Plejaden und der Hyaden gehören zum Sternbild Stier (Taurus), und der offene Sternhaufen Praesepe (Krippe) gehört zum Sternbild Krebs (Cancer). Diese Sternhaufen liegen deswegen ebenfalls im Bereich der Ekliptik. Alle anderen Sternbilder, namentlich Orion und Großer Bär (Ursa Major, mit dem Asterismus Großer Wagen) liegen abseits der Ekliptik. Alle nördlich der Ekliptik liegenden Himmelsobjekte sind von der Nordhalbkugel aus irgendwann am Nachhimmel sichtbar.

  • Frühling
    • Widder (Aries)
    • Stier (Taurus)
    • Zwillinge (Gemini)
  • Sommer
    • Krebs (Cancer)
    • Löwe (Leo)
    • Jungfrau (Virgo)
  • Herbst
    • Waage (Libra)
    • Skorpion (Scorpio)
    • Schütze (Sagittarius)
  • Winter
    • Steinbock (Capricornus)
    • Wassermann (Aquarius)
    • Fische (Pisces)

Diese Sternbilder des des Lebewesenkreises haben sich im Altertum seit dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert entwickelt. Der vollständige Lebewesenzeichenkreis mit seinen zwölf Sternbildern entstand im 5. Jahrhundert vor Christus im persischen Achämenidenreich. Im darauffolgenden Jahrhundert entwickelte sich bei den Seleukiden die Aufteilung entlang der Ekliptik in einheitlich 30 Bogengrad lange abstrakte astrologische Sternzeichen. Hiermit vereinfachte sich die Vorausbestimmung der Positionen der sieben Wandelgestirne.[1] In der späteren seleukidischen Zeit wurden diese Lebewesenkreiszeichen von den Griechen und danach auch von den Römern übernommen.

Der Zodiak von Dendera von ungefähr 50 vor Christus. Der Tempel von Dendera liegt 60 Kilometer nördlich von Luxor und war den ägyptischen Göttern Hatgor und Isis geweiht. Die originale Darstellung der Sternbilder der nördlichen Hemisphäre mit allen zwölf auch heute noch bekannten Tierkreiszeichen befand sich an der Decke des Mittelraums der nordöstlichen Anlage des Tempels und ist heute im Pariser Louvre ausgestellt.

Die Lebewesenkreiszeichen tauchen etwas später auch in antiken Tempeln Ägyptens am Nilufer auf, wie zum Beispiel im Tempel von Dendera oder im Tempel von Esna.[2][3]

Anmerkungen

  • Das Sternzeichen Waage (Libra) steht zwischen den beiden Sternbildern Skorpion (Scorpio) und Jungfrau (Virga). Allerdings ist das Sternbild Waage recht klein und vergleichsweise unscheinbar. Im Altertum wurde es noch den beiden Scheren des Spinnentieres im großen Sternbild Himmelsskorpion zugeordnet. Es entspricht dem 16. Mondhaus Azobene (zu Deutsch die beiden Scheren) des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar, das insgesamt 28 Sterngruppen ausweist.
  • Das gleiche trifft auf den Himmelsstier zu, der aufgrund seiner Größe in die beiden angrenzenden Sternbilder Stier (Taurus) und Widder (Aries) geteilt wurde. Erst die Perser und Babylonier führten zwölf Sternzeichen und die regelmäßige Winkelstruktur auf der Ekliptik mit gleichgroßen Segmenten mit jeweils 30 Bogengrad ein. Es ist nicht überliefert, ob und welche Sternbilder in welchen Konstellationen vor 4500 Jahren in Gebrauch waren.
  • Der babylonische Ziegenfisch (wörtlich Karpfenziege) verwandelte sich in das Sternbild Steinbock (Capricornus).

Durch die Präzession der Erdachse wandert der Frühlingspunkt im Laufe der Jahrtausende rückläufig (retrograd) durch den Zodiak. Heute befindet dieser sich im Sternbild Fische (Pisces). Der Planet Jupiter wandert wegen seiner siderischen Umlaufzeit von knapp zwölf Jahren Jahr für Jahr rechtläufig (prograd) in etwa ein Ekliptiksternbild weiter durch den Lebewesenkreis. Der Mond wandert innerhalb eines siderischen Monats einmal rechtläufig (prograd) durch den Lebewesenkreis. Ausgehend vom Frühlingspunkt um 2600 vor Christus im Sternbild Stier entsprechen die Sternbilder ungefähr den zwölf Himmelsregionen, in denen sich die rechtläufig (prograd) durch die Ekliptik ziehende Sonne innerhalb eines tropischen Jahres immer einen Monat lang aufhielt:

Karte des babylonischen Himmels, bei der der Himmelsäquator (horizontale große Halbachse in der Mitte) in zwölf gleiche Teile unterteilt ist, die den idealen Monaten eines Sonnenjahres entsprechen (von rechts nach links abwechselnd weiß und blau gekennzeichnet). Die babylonischen Ekliptiksternbilder sind orangefarben hervorgehoben.

→ Zur Ermittlung der Lage des Frühlingspunkts und des Zeitpunkts der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr um 2600 vor Christus in Mesopotamien siehe auch Plejaden-Schaltregeln.

Die Mondhäuser

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Die 28 Mondhäuser (von rechts nach links) des altarabischen ekliptikalen Systems Manzil al-Qamar (zu Deutsch: "Mondhäuser" oder "Mondstationen") mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0). Durch die Wanderung des Frühlingspunktes entlang in Richtung niedrigerer ekliptikaler Längen (nach rechts) sind die heutigen ekliptikalen Längen (zur Epoche J2000.0) um knapp 28 Bogengrad größer. Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5 Bogengrad (unten) und +5 Bogengrad (oben) können vom Mond bedeckt werden.

Die Einteilung der Ekliptiklinie in 27 oder 28 Mondhäuser war bereits im Altertum üblich.

  • Der Mond wandert entlang der Ekliptiklinie jeden Tag linksläufig um ein Mondhaus weiter nach Osten.
  • Der Saturn wandert entlang der Ekliptiklinie jedes Jahr linksläufig um ein Mondhaus weiter nach Osten.

→ Für die Konjunktionen zwischen dem Mond beziehungsweise dem Planeten Saturn und ekliptiknahen Sternen siehe: Wikibook-Abschnitt "Mondhäuser".

Beobachtungen in der Nähe der Ekliptik

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Alle sieben Wandelgestirne können entlang der Ekliptiklinie ohne technische Hilfsmittel beobachtet werden, teilweise sogar bei Tageslicht und immer auch in der Dämmerung.

Die Mondsichel kann drei Tage vor oder nach Neumond durchaus auch am Mittag gesehen werden, wenn ihre Lage am Himmel bekannt ist und sie daher mit bloßem Auge fixiert werden kann. Die Schattenseite des Mondes ist vom Himmelsblau dabei nicht zu unterscheiden, und nur die schmale Sichel leuchtet etwas heller und weißlicher als der Himmel.

Befindet sich die Sonne in Horizontnähe und die Venus bei großer Elongation, gelingt auch deren Beobachtung am Taghimmel mit bloßem Auge. Die Venus ist nach der Sonne und dem Mond mit Abstand der hellste Planet und wird wegen ihres Glanzes in der poetischen Literatur auch als „Morgenstern“ beziehungsweise „Abendstern“ bezeichnet. Ihre Aufgänge als „Morgenstern“ und ihre Untergänge als „Abendstern“ auf der Ekliptik wurden bereits im 17. vorchristlichen Jahrhundert berechnet und auf den Venus-Tafeln des babylonischen Königs Ammi-saduqa festgehalten. Auf einigen der keltischen Bronzescheiben von  Monasterevin (Irland, erstes bis zweites nachchristliches Jahrhundert[4]) ist möglicherweise der scheinbare Verlauf der Venus- und Merkurpositionen am Abend- und Morgenhimmel über dem Horizont in Bezug zur Sonne künstlerisch dargestellt. Die anderen Planeten (etwas irreführend manchmal auch als Wandel- oder Wandersterne bezeichnet) sind nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sichtbar.

Am schwierigsten ist in nördlichen Breiten die Beobachtung des innersten Planeten Merkur, weil dieser nur kurzzeitig (bei großer Elongation) und bei guten Sichtverhältnissen während der Dämmerung beobachtet werden kann. Am besten gelingt dies, wenn die Ekliptik möglichst steil auf der Horizontlinie steht, weil dann die Sonne noch relativ weit unter dem Horizont steht und den Himmel noch nicht zu sehr aufhellt. Dies ist um die Tag-und-Nacht-Gleichen der Fall – im Frühjahr am Abend (der Merkur muss dann eine große östliche Elongation haben), und im Herbst am Morgen (der Merkur muss dann eine große westliche Elongation haben). Entsprechendes gilt im Übrigen auch für das Alt- und Neulicht des Mondes sowie für die Venus.

Die drei äußeren Planeten, Mars, Jupiter und Saturn, können von der Erde aus gesehen jede ekliptikale Länge annehmen und bewegen sich langsamer entlang der Ekliptik. Sie sind hell genug, um mit bloßem Auge in der Dämmerung sichtbar zu sein, zudem können sie aber auch bei ihrer Kulmination auf dem südlichen Meridian beobachtet werden.

Von den in der nördlichen Hemisphäre zu sehenden Sternen ist lediglich der nur 8,6 Lichtjahre entfernte und schon vom griechischen Dichter Homer als Hundsstern erwähnte Sirius (α Canis Majoris) im Sternbild Großer Hund (Canis Major) mit -1,5m heller als der Saturn. Die nächst helleren Sterne Arktur (α Bootis) im Sternbild Bärenhüter (Bootes), Wega (α Lyrae) im Sternbild Leier (Lyra), Capella (α Aurigae) im Sternbild Fuhrmann (Auriga) und Rigel (β Orionis) im Sternbild Orion sind mit rund 0m bereits anderthalb Größenordnungen dunkler als Sirius und eine halbe Größenklasse dunkler als der Saturn. Die Sterne dieser Aufzählung liegen allerdings nicht in Ekliptiknähe und bilden deswegen keine spektakulären Konjunktionen mit den sieben Wandelgestirnen.

Die sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik liegen zwischen den Sternbildern Stier (Taurus, rechts) und Skorpion (Scorpio, links). Der Bogen der Ekliptik wird von den Wandelgestirnen entgegen dem Uhrzeigersinn vom Frühlingspunkt rechts zum Herbstpunkt links durchlaufen. In der Nähe unteren Bogenhälfte befinden sich keine hellen Fixsterne in der Nähe der Ekliptik, der helle Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) dient lediglich zur Orientierung. Außerhalb des Bogens liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich.

Die hellsten in Ekliptiknähe liegenden Sterne sind Antares (α Scorpii, 1,0m) im Sternbild Skorpion (Scorpio), Spica (α Virginis, 1,0m) im Sternbild Jungfrau (Virgo), Regulus (α Leonis, 1,5m) im Sternbild Löwe (Leo), Pollux (β Geminorum, 1,0m) im Sternbild Zwillinge (Gemini) und Aldebaran (α Tauri, 1,0m) im Sternbild Stier (Taurus) sowie die beiden offenen Sternhaufen der Hyaden (0,5m)und der Plejaden (Messier 45, 1,5m), die beide ebenfalls im Sternbild Stier (Taurus) liegen. Diese Sterne beziehungsweise Sternhaufen stehen regelmäßig in dichter Konjunktion mit den sieben Wandelgestirnen und werden manchmal sogar von ihnen bedeckt.

Antares und Aldebaran von Eridu im Süden Sumers aus gesehen gleichzeitig dicht unter dem Horizont.

Die beiden Roten Riesen Aldebaran und Antares liegen nur geringfügig südlich der Ekliptik und unterscheiden sich in ihrer ekliptikalen Länge um fast genau 180 Bogengrad. Die beiden äußersten Pole dieser Reihe, der Stern Antares und der Sternhaufen der Plejaden, werden in ihrer Eigenschaft als Kalendergespann auch als Plejaden-Waage bezeichnet.[5] Das westlich vom Sternbild Stier (Taurus) angrenzende Sternbild Widder (Aries, im Bild rechts unten) ist nach dem ersten Band des Tetrabiblos des Ptolemäus über "astrologische Elemente" das "Haus des Mars". In der Mythologie wird der römische Kriegsgott Mars, dem unter anderem auch der Stier heilig war, mit den entsprechenden Göttern der griechischen Mythologie Ares sowie der nordischen Mythologie Tyr und gleichzeitig mit dem mythologischen Stier (auf Dänisch ebenfalls "tyr") in Verbindung gebracht. Der "Gegen-Mars" ist der "Anti-Ares" beziehungsweise Antares (α Scorpio), der Rote Überriese im Sternbild Skorpion (Scorpio), der auf der Ekliptik genau gegenüber vom Roten Riesen Aldebaran im Sternbild Stier (Taurus) steht.

→ Siehe auch Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Vor gut 5000 Jahren – als die Keilschrift erfunden wurde[6] und die ersten zeichnerischen Darstellungen von Gottheiten auftauchen – befanden sich Aldebaran neben dem Frühlingspunkt und Antares neben dem Herbstpunkt. Dies bedeutet, dass zum Frühlingsanfang die Sonne genau im Osten zusammen mit Aldebaran aufgegangen ist, während Antares gleichzeitig im Westen untergegangen ist. Beziehungsweise ist die Sonne genau im Westen zusammen mit Aldebaran untergegangen, während Antares gleichzeitig im Osten aufgegangen ist. Umgekehrt zum Herbstbeginn: hier ging die Sonne genau im Osten zusammen mit Antares auf, während gleichzeitig Aldebaran im Westen unterging. Beziehungsweise ist die Sonne genau im Westen zusammen mit Antares untergegangen, während Aldebaran gleichzeitig im Osten aufgegangen ist.

Für die damaligen Menschen waren diese beiden sehr hellen und rot leuchtenden Sterne daher ein Gespann, um auf einfache Weise die Zeitpunkte des Frühlings- und des Herbstanfangs im Sonnenjahr zuverlässig zu bestimmen. Der in der obigen Tabelle ("Die Lage des Bogens der Ekliptik über dem Horizont zu verschiedenen Zeitpunkten") beschriebene Halbbogen auf der Ekliptik befand sich damals zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang und zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang vollständig oberhalb des Horizonts. Zum Sommerbeginn war dieser Halbbogen um Mitternacht vollständig unter dem Horizont und daher gar nicht zu sehen. Dafür war der sichtbare Teil der Ekliptik zum Winterbeginn um Mitternacht vom Stern Antares Osten bis zu den Plejaden im Westen vollständig und fast gleichmäßig in 45-Grad-Schritten durch die oben angegebenen fünf Sterne markiert, wobei die Ekliptik den Meridian im Süden bei maximaler Höhe schnitt.

Der Himmelsstier

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Wiktionary – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen:
Asterismus des Himmelsstieres mit den Bezeichnungen der hellsten Sterne. Der Stern γ Tauri (Hyadum I) im Maul des Stierkopfes ist der einzige in dieser Darstellung, von dem drei gelbe Linien ausgehen.

Das deutsche Wort „Stier“ lässt sich auf die beiden verwandten mittelhochdeutschen Wörter „stier“ (glasig blickend) und „sterre“ (starr, unbeweglich) zurückführen. Auch die deutschen Wörter „stieren“ (starr blicken) und „starren“ (bewegungslos auf etwas schauen) sind damit verwandt. Das althochdeutsche Wort „stiuri“ bedeutet „stark“. Auch die folgenden Wörter für „Stier“ scheinen auf ein altes gemeinsames Lehnwort zurückzugehen: assyrisch „šûru“, hebräisch „šōr“, phönizisch „thōr“ und aramäisch „tōra“ beziehungsweise im verwandten Mittelpersisch (Pahlavi, Zoroastrier) "tôrâ" (man bemerke die Übereinstimmung zum hebräischen Begriff „Tora“ für den Pentateuch, also die fünf Bücher Mose), altgriechisch „ταυρος“ („tauros“), lateinisch „taurus“.[7] Hierbei fällt auf, dass auch die nordische Himmelsgottheit „Thor“ genannt wird und dass diese mit den antiken Himmelsgottheiten „Zeus“ beziehungsweise „Jupiter“ gleichgesetzt wird. Diese Gottheiten sollen mit dem Fahren eines Wagens über ein Gewölbe ein gewaltiges Donnern verursachen. In Israel hat sich Jahwe vermutlich unter phönizischem Einfluss zum Himmelsgott entwickelt, wobei er mit den Gestirnen in Verbindung gebracht wurde. Als Prototyp der Vorstellung von Jahwe als Himmelsgott findet sich in der westsemitischen Gottheit „Baal des Himmels“ (Baalschamem).[8][9] Im Zoroastrismus hat das ursprüngliche Rind, der ursprüngliche Stier beziehungsweise der Urochse den avestischen Namen Gav-aevo-data. Nachdem dieses Tier getötet wurde floh es als Seele Goshorun (avestisch: "Geush Urvan") zu den Stern-, Mond- und Sonnenstationen auf der Ekliptik und beklagte dort die Zerstörung der Welt. Nach seiner Besänftigung wurde es zum Urahn aller Nutztiere.

Das mittelhochdeutsche Wort „sterre“ kann auch mit „Stern“ übersetzt werden und ist mit dem Wort „Gestirn“ eng verwandt. Im Lateinischen heißt es ebenfalls sehr lautähnlich „aster“ beziehungsweise „astrum“ sowie im Altgriechischen „ἄστρον“ („astron“). Das englische Wort „star“ bedeutet „Stern“ und „starry“ bedeutet „gestirnt“.

→ Zur Etymologie des Wortes "Stier" in verschiedenen Sprachen siehe auch Kapitel Die Plejaden, Abschnitt Zusammenhang mit dem Stier.

Insofern ist es wenig überraschend, in einem wichtigen Sternbild des Lebewesenkreises (Zodiak) einen Stier am Nachthimmel zu finden. In diesem Sternbild befand sich im Neolithikum der Frühlingspunkt der Sonne. Der ursprüngliche sehr großflächige Asterismus des Himmelsstieres (lateinisch: „taurus caeli“, griechisch: „ταυρος Ολίμπου“ / „tauros Olympou“) ist als Konstellation sehr gut erkennbar und deutlich größer als das heutige verstümmelte Sternbild Stier (Taurus). Es befindet sich ferner in der Himmelsregion der aktuellen Sternbilder Walfisch (Cetus), Widder (Aries) und Fuhrmann (Auriga). Weiter westlich schließen sich die Lebewesenkreiszeichen Fische (Pisces) und Wassermann (Aquarius) an. Südlich vom Stier befindet sich das Sternbild Fluss Eridanus, südlich vom Widder das Sternbild Walfisch (Cetus) und südlich vom Wassermann das Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus). Es ist festzuhalten, dass diese fünf Sternbilder allesamt mit Wasser in Verbindung stehen.

Als eines der zwölf Ekliptiksternbilder hat der Stier seit der babylonischen Zeit allerdings nur eine ekliptikale Gesamtlänge von 30 Bogengrad. In der römischen Mythologie wird die Tauroktonie (Kunstwort aus lateinisch "taurus" ("Stier") und altgriechisch "σκοτώνω" ("skotono" = "Herausschneiden")) beschrieben: die ikonischen Darstellungen zeigen den römischen Gott Herakles, der den Stier durch einen Dolchstoß tötet. Vom ursprünglichen Himmelsstier wurde das Sternbild Widder (Aries) "herausgeschnitten", so dass heute nur noch der vordere Teil des Stieres einschließlich der Plejaden zum Sternbild Stier (Taurus) gehört. Plinius der Ältere hat dem griechischen Astronomen und Dichter Kleostratos von Tenedos zugeschrieben, das Sternbild Widder erst im sechsten Jahrhundert vor Christus benannt zu haben.[10]

Bei den Arabern gehören die Plejaden (arabisch: "Thuraya") sowohl zum Asterismus "Hände der Thuraya" als auch als fetter Schwanz des Lammes zum Asterismus "Lamm" (Widder).[11]

Der große Himmelsstier umfasst die folgenden Hauptsterne:

Die Hauptsterne des Asterismus „Himmelsstier“
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Lage im
Himmelsstier
Scheinbare
Helligkeit
ζ Tauri Tien Kuan Rechte Hornspitze 3,0m
β Tauri Elnath Linke Hornspitze 1,7m
α Tauri Aldebaran Rechtes, rotes Auge 0,9m
ε Tauri Ain Linkes Auge 3,5m
γ Tauri Hyadum I Maul 3,6m
M45 (Taurus) Plejaden Rücken 1,6m
41 Aries Bharani / Nair al Butain Schwanz 3,6m
α Aries Hamal Hinterlauf 2,0m
β Aries Sheratan Hinterlauf 2,6m
α Cetis Menkar Vorderlauf 2,5m

Das Sternbild Stier (Taurus) gehörte schon immer und überall zu den bedeutendsten Sternbildern.[13] Neben den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden ist der helle Rote Riese Aldebaran besonders markant und wird häufig als das leuchtende rechte Auge des Stieres betrachtet. Im 18. Jahrhundert wurde er in Deutschland auch als das Ochsenauge bezeichnet.[14] Der Name Aldebaran stammt aus dem Arabischen und bedeutet der (den Plejaden beim Aufgang am östlichen Morgenhimmel) Folgende. Der Stern Elnath ist heute gleichzeitiger Bestandteil des Sternbilds Fuhrmann (Auriga).

Die scheinbare Sonnenbahn wird Ekliptiklinie genannt. Sie dient als Bezugslinie für die astronomischen Koordinaten des Ekliptiksystems. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen entlang der Ekliptiklinie aus dem dunklen Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik in die sternenreicheren Regionen des Himmels. Üblicherweise werden die ekliptikalen Längen vom Frühlingspunkt aus gemessen, und die ekliptikalen Breiten senkrecht zu dieser Linie nach Norden und nach Süden. Der Frühlingspunkt lag vor gut 5000 Jahren (also zur Epoche J-3000) im Goldenen Tor der Ekliptik, also mitten im Himmelsstier, bei der damaligen ekliptikalen Länge des Sterns Aldebaran (α Tauri, Alphastern oder das rote Ochsenauge des Sternbilds Stier (lateinischsprachig: „Oculus Tauri“)[15][16][17]) von null Bogengrad. Die Sonne stand zum Frühlingsbeginn, der damals häufig den Jahresbeginn markierte, demnach in Konjunktion zu diesem Stern. Während eines Sonnenjahres zog die Sonne auf ihrer kreisförmigen Bahn vom Jahresanfang beim Stern Aldebaran bis zum Jahresende beim Stern Ain (ε Tauri, der andere Augenstern) mit der ekliptikalen Länge von rund 359 Bogengrad kurz vor dem erneuten Erreichen des Frühlingspunktes.

Der Kupferstich "Coeli enarrant gloriam Dei" von Bernard Picart (* 1673 ; † 1733), Amsterdam, 1727.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, die Verse zwei bis sieben aus Psalm 19 zu reflektieren:[18]

2 Caeli enarrant gloriam Dei et opus manus eius adnuntiat firmamentum

3 Dies diei eructat verbum et nox nocti indicat scientiam

4 Non est sermo et non sunt verba quibus non audiatur vox eorum

5 In universam terram exivit sonus eorum et in finibus orbis verba eorum

6 Soli posuit tabernaculum in eis et ipse quasi sponsus procedens de thalamo suo exultavit ut fortis ad currendam viam

7 A summitate caeli egressus eius et cursus eius usque ad summitatem illius nec est qui se abscondat a calore eius

Die Einheitsübersetzung hat diese Verse folgendermaßen ins Deutsch übertragen:[19]

2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.

3 Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund,

4 ohne Rede und ohne Worte, ungehört bleibt ihre Stimme.

5 Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.

6 Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam; sie frohlockt wie ein Held, ihre Bahn zu laufen.

7 Am einen Ende des Himmels geht sie auf und läuft bis ans andere Ende; nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.

Die Deutung der beiden Sterne Aldebaran und Ain als die Augensterne des Himmelsstieres ist sehr alt:

Der erste Buchstabe unseres Alphabets A wird im Altgriechischen mit Alpha (groß: Α, klein: α) bezeichnet. Dieser wiederum hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Aleph genannt und im Arabischen Alif. Der helle Stern Aldebaran (alpha Tauri) kann mit dem ersten Buchstaben Aleph des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden:[5] In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden für diesen Buchstaben die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff „Ochse“ beziehungsweise „Stier“ gedeutet. Die Ägypter kannten die Hieroglyphe (F1) für „Ochsenkopf“. In Anatolien wurde im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus die luwische Hieroglyphe für „Rind“ verwendet.

Auch der Buchstabe O unserer Alphabets hat eine Entsprechung im Altgriechischen, den Buchstaben Omikron (groß: Ο, klein: ο) . Auch dieser hat Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Ajin und im Arabischen wird er Ain genannt. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff „Auge“ gedeutet. Die Ägypter benutzen für diesen Begriff die Hieroglyphe (D4).

Mythologie
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Ernst Christian Ludwig von Bunsen (* 1819; † 1903) wies Ende des 19. Jahrhunderts darauf hin, dass die eine der älteren chaldäischen Formen des hebräischen Gottesnamens „JHWH“, nämlich „JAO“ mit kosmischen Symbolen verknüpft sein könnte. Die beiden paläographischen Buchstaben „A“ (Alpha, Aleph) und „O“ (Omikron, Ajin) waren vor 4000 Jahren vom Frühlingspunkt gerechnet mit dem ersten Zeichen Stier und dem letzten Zeichen Widder des Lebewesenkreises (Zodiak) verbunden. Die Sonne war bei den Phöniziern mit dem Buchstaben „J“ verknüpft, und wenn dieses „J“ dem „A“ und dem „O“ vorangestellt wird, ergibt sich die Buchstabenfolge „JAO“ (Iota - Alpha - Omikron beziehungsweise Jod, Aleph, Ajin). Dies symbolisiert den jährlichen Sonnenlauf der Sonne „J“ von Frühlingspunkt „A“ entlang der Ekliptiklinie bis zum letzten Lebewesenkreiszeichen Widder (Aries) „O“.[20] Es wäre auch auch denkbar, dass die beiden Buchstaben „A“ und „O“ unmittelbar mit den beiden sehr auffälligen Augensternen des Himmelsstiers im Frühlingspunkt der Sonnenbahn Aldebaran (α Tauri = alpha Tauri = Aleph, ekliptikale Länge zur Epoche J-3000 = 0 Bogengrad) und Ain (ε Tauri = epsilon Tauri, Ajin, ekliptikale Länge zur Epoche J-3000 = 359 Bogengrad) verknüpft sind, was auch ganz ohne die Voraussetzung des Zodiaks eine Erklärung liefern würde, der erst später als die Alphabete entwickelt wurde. Wie auch immer, solche Zusammenhänge würden erklären, dass der Gottesname mit dem göttlichen Himmelsstier in Zusammenhang steht.

Anmerkung:
Wie weiter oben ausgeführt, bedeutet das aramäische Wort „tōra“ „Stier“. Unter der Annahme, dass nach dem zweiten Gebot von Gott kein Bild gemacht werden darf (Bilderverbot),[21] wäre es durchaus nahliegend, das ursprünglichste Wort Gottes des jüdischen Glaubens (namentlich die fünf Bücher Mose der Bibel, den Pentateuch der Septuaginta beziehungsweise die Tora des Talmuds) mit dem Namen des Stieres, der als Himmelsbild Gott repräsentiert, gleichzusetzten, also mit dem aramäischen Namen „tōra“.
Vergleiche hierzu auch die Anfertigung zweier goldene Rinderfiguren als Gottesbild durch Jerobam I., den ersten König des Nordreichs Israel, die im zwölften Kapitel des ersten Buchs der Könige beschrieben ist:[22]
28 So ging er mit sich zu Rate, ließ zwei goldene Kälber anfertigen und sagte: Ihr seid schon zu viel nach Jerusalem hinaufgezogen. Hier sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.
29 Er stellte das eine Kalb in Bet-El auf, das andere brachte er nach Dan.
30 Dies wurde Anlass zur Sünde. Das Volk zog vor dem einen Kalb her bis nach Dan.

Der Stier wird offenbar seit jeher im Zusammenhang mit der Urflut und der Sonne gesehen. Viele Mythen bringen auch die Elemente Himmel, Mond, Gestirne, Schöpfer, Gold oder Lichtbringer im Zusammenhang mit Rindern, wie zum Beispiel in der Sage über die kolossale himmlische "Rote Kuh" im zehnten Gesang des finnischen Epos Kalevala (Verse 361 ff.):[23][24]

Eine Kuh dringt aus dem Feuer,
Golden strahlen ihre Hörner,
An der Stirn der Bär vom Himmel,
Auf dem Kopf das Rad der Sonne.

Stiere wurden im Altertum häufig in Abbildungen dargestellt, in denen Bezüge zu Gegenständen, Lebewesen oder Gottheiten zu erkennen sind. Im Alten Testament wir der Stier mit den Attributen Fruchtbarkeit, Macht, Kampf und Stärke in Verbindung gebracht.[25]

Hexagonaler Ring mit neunzehn jeweils um eine Radiuslänge überlappenden Kreisen.

Der Himmelsstier symbolisiert die Erschaffung des Himmels als Bringer aller Gestirne:

  • Sieben Wandelgestirne:
    • Ein zentrales Hauptgestirn (die Sonne).
    • Sechs weitere Wandelgestirne: der Mond und die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.
  • Die Fixsterne repräsentiert durch den Zodiak mit seinen zwölf Lebewesenzeichen (Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische, Widder).

Dies sind insgesamt neunzehn Bestandteile. Ein symmetrischer hexagonaler Ring aus neunzehn gleichgroßen Kreisen ist wie folgt aufgebaut:

  • Sieben innenliegende Kreise:
    • Ein zentraler Kreis.
    • Sechs Kreise umgeben den zentralen Kreis gleichmäßig.
  • Je zwei Kreise liegen mit ihren Mittelpunkten gleichmäßig verteilt im äußeren Bereich auf den Umfängen der sechs mittleren Kreise; zusammen sind dies zwölf Kreise.
Auszug aus dem Gilgamesch-Epos auf der babylonischen gebrannten Tontafel VAT 4105 mit Keilschrift im Vorderasiatischen Museum in Berlin aus dem 18./17. Jahrhundert vor Christus.

Der Göttervater Zeus näherte sich der Königstochter Europa als Stier. Auch in orientalischen Mythen taucht die Vorstellung des Himmelsstieres in der Form des Urstieres auf. Schon im uralten Gilgamesch-Epos wird der Himmelsstier erwähnt. Die sechste Tafel aus dem prähistorischen Mesopotamien beschreibt, wie der Göttervater An der Stadt Uruk den Himmelsstier ausgesendet hatte, um Gilgamesch zu bestrafen. In Uruk angelangt, richtete der Himmelsstier große Zerstörungen an und tötete hunderte von Männern.

Auch in der antiken Dichtkunst wurde auf den Himmelsstier Bezug genommen. Im griechischsprachigen Werk „Hoi Tēs Hērōikēs Poiēseōs Palaioi Poiētai Pantes“ (lateinische Übersetzung: „Poetae Graeci vete res carminis heroici scriptores, qui extant, omnes“, zu Deutsch: „Alle alten griechischen Poeten der heroischen Dichtkunst, die als Verfasser herausragen“) des Jacobus Lectius von 1606, also kurz vor der Erfindung des Fernrohrs, das die Möglichkeiten der Einblicke in den Nachthimmel revolutioniert hat, wird der Himmelsstier im ersten Buch der Dionysiaka (Διονυσιακά) des Nonnos von Panopolis noch direkt mit dem obersten römischen Gott Jupiter (respektive mit dem obersten griechischen Gott Zeus) in Verbindung gebracht:[32]

Iupiter taurus in caelo relatus
Iupiter maritus, surgens vero ad pedes agitatoris in caelo
sponsus stellatus fulgebat Taurus caeli.

Zu Deutsch:

Jupiter, der in den Himmel gebrachte Stier
Jupiter der Ehemann, sich wahrhaft erhebend zu Füßen des himmlischen Lenkers,
der gestirnte Bräutigam, leuchtete als Himmelsstier.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich der Asterismus Himmelsstier am Himmel direkt unter den beiden Füßen des Sternbilds Perseus befindet. Der Heroe Perseus ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Zeus. Bei den Babyloniern hieß das Sternbild SU.GI zu Deutsch „Alter Mann“, was rein geometrisch gut zum Sternbild Perseus passen würde, es gibt jedoch auch die Deutung als der „Wagenlenker“ im angrenzenden Sternbild Fuhrmann (Auriga).[33] Wie auch immer, in beiden Fällen befindet sich der Himmelsstier zu Füßen des SU.GI.

Der himmlische Flussgott der griechischen Mythologie Acheloos soll sich während seines Kampfes mit Kontrahenten Herakles bei des Donners Brüllen in einen Stier gewandelt haben. In diesem Umfeld kann auch der kretische Minotaurus gesehen werden; ihm müssen in jedem Jahr sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen dargebracht werden, die als die sieben winterlichen Sonnen- und Mondwesen gelten.

→ Siehe hierzu auch: Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle / Dritte Station.

In keltischen Sagen steigt dieser aus himmlischen Wassern empor und mischt sich unter irdische Herden. Eine mongolische Sage erwähnt den himmlischen Stier Bucha Nojan als die gute Gottheit, die jegliches Erdenglück gespendet hat.[34]

Bei den persischen Parsen, die der Lehre des Zoroastrismus folgen, war der Stier das erste Geschöpf. Dieser wurde vom bösen Geist Ahriman erlegt, woraufhin aus dem Stierkörper der Mensch und die heilsame Pflanzenwelt hervorgingen. Der Urstier wird deswegen als Keim alles Guten angesehen, und es wird geglaubt, dass seine Seele im Himmel fortbesteht. Ahriman ist der Widersacher von Ormuzd (Ahura Mazda), der als Gottheit Licht, Tag und Leben geschaffen hat. Ahriman gilt dagegen als der Verursacher von Finsternis, Nacht und Tod, und ihm sind alle anderen bösen Geister untertan. Zu diesen schlechten Geschöpfen zählen auch die Schlangen.[35]

Der folgende Sachverhalt ist in diesem Kontext bemerkenswert: das Sternbild Stier (Taurus, heutige ekliptikale Längen 49 bis 90 Bogengrad) auf der einen Seite sowie die Sternbilder Schlange (Serpens) und Schlangenträger (Ophiuchus) auf der anderen Seite befinden sich in der Himmelssphäre zwischen Ekliptik und Himmelsäquator an gegenüberliegenden Stellen, so dass sich die ekliptikalen Längen um 180 Bogengrad beziehungsweise die Rektaszensionen um 12 Stunden unterschieden. Das Sternbild Schlange ist zweigeteilt in den Schlangenkopf (Serpens Caput, heutige ekliptikale Längen 216 bis 244 Bogengrad) und den Schlangenschwanz (Serpens Cauda, heutige ekliptikale Längen 260 bis 285 Bogengrad), die durch den Schlangenträger (Ophiuchus, heutige ekliptikale Längen 240 bis 283 Bogengrad) mittig unterbrochen werden.

Der Dualismus zweier Widersacher beziehungsweise zweier Gegenpole, die mit den beiden mythischen Gestalten des Stieres und der Schlange beziehungsweise mit den Attributen Licht, Finsternis oder Urflut in Verbindung gebracht werden können, taucht in erstaunlich vielen Traditionen auf.[36]

Zum Dualismus „Licht / Finsternis“
Kultur
Religion
Sprache Gottheit Widersacher
Vedisch Sanskrit Indra Vritra
Zoroastrismus Altiranisch Ahura Mazda Ahriman
Ägyptische Mythologie Altägyptisch Re Apophis
Judentum Hebräisch JHWH („Jahwe“) Satan
Griechische Mythologie Altgriechisch Zeus Ophion
Hinduismus Sanskrit Krishna Kaliya

Der Himmelsskorpion

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Der Himmelsskorpion mit den Eigennamen seiner Sterne.

Der Himmelsskorpion umfasst die heutigen Ekliptiksternbilder Skorpion (Scorpius, links unten) und Waage (Libra, rechts oben). Die Ekliptiklinie durchquert den Bereich zwischen den beiden Scheren und den Kopf des Skorpions. Die Sonne läuft exakt entlang der Ekliptiklinie und trifft die Stirn das Skorpions fast mittig. Der Mond durchläuft auch bei größeren ekliptikalen Breiten stets die Scheren des Skorpions er kann alle ekliptiknahen Sterne dieses Sternbilds bedecken, von denen im Folgenden die hellsten Sterne aufgeführt sind

  • Nördlich der Ekliptik:
    • Zubenelhakrabi (γ Libri)
    • Jabbah (ν Scorpii)
    • Akrab (β Scorpii)
    • Zubenelgenubi (α Libri)
    • Jabhat al Akrab (ω Scorpii)
  • Südlich der Ekliptik:
    • Dschubba (δ Scorpii)
    • Alniyat (σ Scorpii)
    • Antares (α Scorpii)
    • Fang (π Scorpii)

Der Rote Überriese Antares wird auch als das Herz des Skorpions gesehen. Viele Sternbezeichnungen, auch im Sternbild Waage, haben einen Bezug zu Skorpionen:

  • Akrab / akribi / hakrabi = Skorpion
  • Alniyat = Schlagadern
  • Brachium = Arm (auch Cornu = Horn)
  • Dschubba = Stirn
  • Girtab = Skorpion
  • Grafias = Klauen
  • Jabbah = Scheitel der Stirn
  • Lesath = Stich (Stachel)
  • Shaula = erhobener Schwanz
  • Zuben = Klaue
  • elgenubi = südlich
  • eschemali = nördlich

Babylonische Himmelswege

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In Mesopotamien waren die astronomischen Koordinatensysteme des irdischen Horizonts, des Himmelsäquators und der Ekliptik bereits bekannt, und schon die Sumerer hatten die Bezüge zwischen diesen Himmelssystemen gut durchdacht. Der heutige Skorpion und die Waage (ursprünglich die Scheren des Skorpions) haben zunächst den Himmelsskorpion gebildet, und der heutige (abgeschnittene) Stier und der Widder (ursprünglich das Hinterteil des Stieres) haben zunächst noch den vollständigen Himmelsstier gebildet. Diese beiden Riesensternbilder bildeten als Antagonisten eine Himmelswaage zwischen Frühlings- und Herbstpunkt.

Der Planet Jupiter zieht entlang der Ekliptik Jahr für Jahr in dieser Darstellung um knapp 30 Bogengrad nach links, um nach knapp zwölf Jahren wieder an seinem Ursprungsort bei der entsprechenden ekliptikalen Länge anzugelangen. Hierbei steht er also immer ein Jahr lang in einem der zwölf Ekliptiksternbilder des Zodiaks.

Die vier senkrecht aufeinander stehenden Hauptrichtungen entsprachen 2600 vor Christus den vier Hauptpunkten der Sonne zum Frühlingsäquinoktium (ekliptikale Länge = 0°), zur Sommersonnenwende (ekliptikale Länge = 90°), zum Herbstäquinoktium (ekliptikale Länge = 180°) und zur Wintersonnenwende (ekliptikale Länge = 270°), sowie gleichzeitig den vier persischen Königssternen Aldebaran (α Tauri), Regulus (α Leonis), Antares (α Scorpii) und Fomalhaut (α Piscis Austrini) beziehungsweise den späteren vier Evangelisten-Sternbildern Stier (Taurus), Löwe (Leo), fliegender Adler (Aquila, links oberhalb vom Skorpion wegfliegend) und Wassermann (Aquarius). Diese vier Lebewesen tauchen auch in der Dichtung des Umaiya ibn Abī s-Salt als die Beweger der Sonne beziehungsweise als die Träger des Throns (ḥamlat al-arsh) auf.

→ Siehe auch Königssterne.

→ Siehe auch Bedeutung der Vier in Religionen.

In diesem Kontext sei auf die Lage der Ekliptik im äquatorialen Koordinatensystem der Sumerer hingewiesen. Die folgende Sternenkarte zeigt eine rechtwinklige Mercator-Projektion des Sternenhimmels mit horizontal ausgerichtetem, geradlinigen Himmelsäquator (braun) zur Epoche J-2600 in der Bildmitte, der definitionsgemäß bei der Deklination (bei der äquatorialen Höhe) Null liegt. Norden ist oben bei den positiven Deklinationen, Süden ist unten bei den negativen Deklinationen. Die Ekliptiklinie (blau) pendelt sinusförmig um den Himmelsäquator.

Die babylonischen Wege des Himmels mit äquatorialen Himmelskoordinaten in Mercator-Projektion zur Epoche J-2600.
Der Himmelsweg des Enlil/Ellii ("Herr Wind") liegt oben zwischen den beiden orangefarbenen Linien in den Ekliptiksternbildern Zwillinge, Krebs, Löwe und Jungfrau.
Der Himmelsweg des Ea/Enki ("Wasserhaus"/"Herr Erde") liegt unten zwischen den beiden orangefarbenen Linien in den Ekliptiksternbildern Schütze, Steinbock (Ziegenfisch), Wassermann, Fische - letztere drei sind Teil des dunklen himmlischen Urozeans,
Die beiden Teilstücke des Himmelswegs des An/Anu ("Himmel") in der Mitte werden von den beiden archaischen großen Sternbildern Himmelsskorpion (heute Skorpion und Waage) und Himmelsstier (heute Stier und Widder) beherrscht.

Die Neigung der Ekliptik zum Himmelsäquator betrug 2600 vor Christus fast 24 Bogengrad. Die orangefarbenen, horizontalen Orientierungslinien bei minimaler und maximaler äquatorialer Höhe mit einem Betrag von 24 Bogengrad sowie bei den beiden halben minimalen und maximalen äquatorialen Höhen mit einem Betrag von 12 Bogengrad schneiden die Ekliptik bei den Hauptpunkten einer Sinuskurve, die durch die Phasenwinkel beziehungsweise ihre ekliptikale Längen gekennzeichnet sind:

Hauptpunkte der sinusförmigen Ekliptiklinie im äquatorialen System zur Epoche J-2600
Phasenwinkel
der Sinuskurve,
ekliptikale Länge
Ekliptikale Höhe Markierungsstern Sternbild
Aldebaran / Plejaden (Goldenes Tor der Ekliptik) Stier (Taurus)
30° +12° Alhena Zwillinge (Gemini)
90° +24° Regulus Löwe (Leo)
150° +12° Spica Jungfrau (Virgo)
180° Antares Skorpion (Scorpio)
210° -12° Kaus Australis Schütze (Sagittarius)
270° -24° Fomalhaut Südlicher Fisch (Pisces Australis) / Wassermann (Aquarius)
330° -12° Hamal Widder (Aries)

Die Abschnitte entlang der Ekliptik werden auch die Himmelswege der Babylonier genannt und sind drei babylonischen Gottheiten zugeordnet, denen jeweils vier Monate eines jeden Sonnenjahres gehören. Der Weg des Anu liegt zwischen den beiden Wegen des Enlil und des Ea und von denen zweimal unterbrochen. Die Wege des Enlil und des Ea liegen jedoch bei größeren ekliptikalen Breiten und sind zusammenhängend.[37]

Die babylonischen Wege des Himmels
Sumerisch Akkadisch Ekliptikale Längen Ekliptikale Breiten Sternbilder
An Anu 330° bis 30° -12° bis +12° Widder / Stier (Himmelsstier)
Enlil Ellii 30° bis 150° +12° bis +24° Zwillinge / Krebs / Löwe / Jungfrau
An Anu 150° bis 210° -12° bis +12° Waage / Skorpion (Himmelsskorpion)
Ea Enki 210° bis 330° -24° bis -12° Schütze / Steinbock (Ziegenfisch) / Wassermann / Fische

Die Himmelswege bekamen schon nach dem babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elisch drei Mal zwölf Markierungssterne, insgesamt also 36 Sterne. Davon lagen immer zwölf in einem der drei Wegstücke der drei babylonischen Gottheiten. Erst später wurde dann irgendwann der Zodiak mit seinen zwölf Ekliptiksternbildern gebildet, die demzufolge jeweils drei dieser Markierungssterne enthalten. Um welche konkreten Sterne es sich handelt ist nicht überliefert, viele sind jedoch sehr naheliegend - sowohl was ihren Abstand zur Ekliptiklinie als auch was ihre hinreichend große scheinbare Helligkeit betrifft.

Die beiden Wege des Anu werden jeweils vom Himmelsskorpion und vom Himmelsstier beherrscht:

Himmelsskorpion im Herbstpunkt (ekliptikale Länge = 180°) und Himmelsstier im Frühlingspunkt (ekliptikale Länge = 0°), äquatoriales Koordinatensystem in rechtwinkliger Mercator-Projektion für die Epoche J-2600.
Mythologie
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"Der große Drache, die alte Schlange" aus dem zwölften Kapitel der Offenbarung des Johannes (ergo das Sternbild Wasserschlange (Hydra)) liegt entlang des Himmelsäquators übrigens genau zwischen Himmelsskorpion und Himmelsstier,[38] also südlich des Weges des Enlil beziehungsweise zwischen den beiden Wegstücken des Anu.

Es ist interessant festzuhalten, dass die beiden zusammengehörigen und beschrifteten, um 200 vor Christus entstandenen seleukidischen Ritzzeichnungen AO 6448 aus der Abteilung Vorderasiatische Altertümer des Musée du Louvre in Paris und VAT 07847 aus dem Vorderasiatischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin die häufig gezeigten Attribute "Kornähre" (der Jungfrau), "Rabe", "Schlange" und "Löwe" aus der Region zwischen Himmelsskorpion (Herbstpunkt) und Himmelsstier (Frühlingspunkt) in einen astronomischen Zusammenhang mit den Planeten Merkur und Jupiter stellen:

Mithraskult
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Himmelsskorpion (links beim Herbstpunkt "O") und Himmelsstier (rechts beim Frühlingspunkt "W") am südlichen südmesopotamischen Nachthimmel 3000 vor Christus zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling beim Sonnenuntergang. Entlang der Ekliptik (roter gepunkteter Bogen) sind die folgenden Objekte zu sehen:
Antares (α Scorpii) im Sternbild Skorpion (Scorpio) im Osten (die großen Scheren des Skorpions werden heute als das Sternbild Waage (Libra) geführt), Spica (α Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo), Regulus (α Leonis) im Sternbild Löwe (Leo) in Zenitnähe, Pollux (α Gemini) im Sternbild Zwillinge (Gemini), Aldebaran (α Tauri) im Sternbild Stier (Taurus) im Westen (die Hinterbeine des Himmelsstieres werden heute als das Sternbild Widder (Aries) geführt).
In Horizontnähe (grüne horizontale Linie) befinden sich sehr helle Sterne: Antares im Osten, Hadar (β Centauri) im Sternbild Zentaur (Centaurus) im Südosten, Canopus (α Carinae) im Sternbild Kiel des Schiffes (Carina) im Süden (zur Bedeutung von Canopus für die sumerische Stadt Eridu siehe auch Canopus), Rigel (β Orionis) im Sternbild Orion im Südwesten und Aldebaran im Westen.
Zwischen dem Ekliptikbogen und dem Horizont befinden sich ferner: das Sternbild Rabe (Corvus), das Sternbild Wasserschlange (Hydra), der hellste Stern des Nachthimmels Sirius (α Canis Majoris), Prokyon (α Canis Minoris) und Beteigeuze (α Orionis).

Mithras ist eine römische Gottheit und stellt die mythologische Personifizierung der Sonne dar. In dieser Eigenschaft wurde er im Mithraismus verehrt. Ursprünglich geht sein Name auf die indoiranische Gottheit des Lichts Mithra aus der iranischen Mythologie und eventuell sogar auf die vedische Gottheit des himmlischen Lichtes am Tag Mitra zurück, die bereits im 14. vorchristlichen Jahrhundert belegt sind und eine indirekte Beziehung zum römischen Mithras haben. In Kleinasien der Name Mithra später zu Mithras hellenisiert.

Im folgenden wird auf einige sehr auffällige Korrelationen zwischen den Mithras-Darstellungen und dem Sternenhimmel eingegangen. Der Himmelsskorpion umfasste ursprünglich auch das Sternbild Waage (Libra, die großen Scheren des Skorpions), und der Himmelsstier umfasste vor seiner astronomischen Zerteilung bei der Tauroktonie ("Stiertötung") auch das Sternbild Widder (Aries, Hinterteil des Stieres).

Mithras wird in seinem Kult häufig mit den folgenden Attributen dargestellt:

  • Über Mithras stehen die Symbole für Sonne und Mond.
  • Mithras Umhang zeigt auf der Innenseite Sterne.
  • Er kniet auf dem Rücken des Stieres und sticht sein Messer in dessen Seite.
  • Ein Hund und eine Schlange lecken am Blut aus der Wunde.
  • Der Schwanz des Stieres ist als Ähre dargestellt.
  • Auf dem Schwanz oder darüber ist ein Rabe dargestellt.
  • Ein Skorpion greift das Geschlechtsteil des Stieres an.
  • Manchmal werden auch ein Löwe, ein Becher oder ein Hahn gezeigt.
  • Mithras befindet sich unter einem Bogen.
  • Die beiden Fackelträger Cautes und Cautopates rahmen die Szene ein. Manchmal tragen sie auch noch schlüsselartige Gegenstände in der jeweils freien Hand.

Es ist sehr auffällig, dass sämtliche dieser Attribute unmittelbar mit den ekliptiknahen Sternen des abendlichen Sternenhimmels zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling vor zirka 5000 Jahren in Verbindung gebracht werden können:

  • Sonne und Neumond stehen im Frühlingspunkt bei Aldebaran, beziehungsweise der Vollmond steht im Herbstpunkt bei Antares.
  • Der Himmelsstier umfasst vor seiner Teilung die Sternbilder Stier (Taurus) und Widder (Aries). Auch Gilgamesch soll wie Mithras den Himmelsstier getötet und geteilt haben.
  • Der Hund symbolisiert die beiden hellen Sterne Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major) und Prokyon im Sternbild Kleiner Hund (Canis Minor).
  • Die Schlange entspricht dem Sternbild Wasserschlange (Hydra).
  • Die Ähre entspricht dem hellen Stern Spica (lateinisch "Kornähre") im Sternbild Jungfrau (Virgo, sumerisch "Furche" oder "Göttin der Kornähre"). Alternativ könnte die Ähre auch das Siebengestirn (Plejaden) symbolisieren.[40]
  • Der Rabe entspricht dem gleichnamigen Sternbild (Corvus).
  • Der Skorpion entspricht dem gleichnamigen Sternbild Skorpion (Scorpio).
  • Der fast im Zeit stehende Königsstern Regulus (sumerisch "LU.GAL" = "großer Mann" respektive "König") ist der hellste Stern des Sternbilds Löwe (Leo).
  • Der Becher entspricht dem Sternbild Becher (Crater) nördlich der Wasserschlange (Hydra) und direkt westlich neben dem Raben (Corvus).
  • Der Hahn (sumerisch "DAR.LUGAL" / akkadisch "Tarlugallu" / lateinisch "gallus") ist ein altes mesopotamisches Sternbild, das in der Nähe des Großen Hundes (Canis Major) vermutet wird.
  • Der Bogen kann sich auf den Ekliptikbogen oder auf den Torbogen des Goldenen Tors der Ekliptik beziehen.
  • Die beiden Fackelträger Cautes und Cautopates könnten als Träger der "gestirnten Zeichen" für die beiden Pfosten des Goldenen Tores der Ekliptik stehen (siehe unten im Abschnitt Das Goldene Tor der Ekliptik bei "Vergiliae" (Plejaden) und "Suculae" (Hyaden)). In ihrer Funktion als Pförtner hätten sie die Schlüsselgewalt über das Tor. Ferner ist bemerkenswert, dass das die beiden Hauptsterne des alten Ekliptiksternbilds Zwillinge (Gemini), das direkt östlich vom Himmelsstier liegt, das Zwillingspaar der griechischen Mythologie (die Dioskuren) Kastor und Polydeukes (latinisiert: Castor und Pollux) repräsentiert.

Das Goldene Tor der Ekliptik

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Das Goldene Tor der Ekliptik ist der Bereich zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus), die die beiden Pfosten des Tores bilden. Die Ekliptik kreuzt die Verbindungslinie dieser beiden Sternhaufen in etwa mittig, und alle Planeten, der Mond und die Sonne laufen auf ihrer scheinbaren Bahn deswegen regelmäßig durch das Goldene Tor der Ekliptik hindurch.

Der Begriff "Goldenes Tor" taucht im deutschsprachigen Veröffentlichungen in diesem Kontext anscheinend erst Anfang der 1950er Jahren auf.[41]

Der rote Planet Mars (Mitte) im Goldenen Tor der Ekliptik zwischen dem offenen Sternhaufen der Hyaden (links) mit den Roten Riesen Aldebaran (α Tauri) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden (rechts).

Eine mannshohe, heute aufrecht stehende Stele im kleinen neolithischen Tempel von Mnajdra an der Südküste von Malta zeigt mehrere gebohrte Näpfchen, von denen eine Anhäufung an der linken Seite mit den Plejaden gleichgesetzt wurde.[42] Betrachtet man die Stele, die vermutlich liegend gebohrt wurde, auf dem Kopf stehend, ergibt sich eine sehr ähnliche Darstellung wie in der Mitte der Himmelstafel von Tal-Qadi, wo das Goldene Tor der Ekliptik abgebildet ist. Beide Darstellungen stammen aus der Tarxien-Phase der Insel und sind deswegen mindestens 4500 Jahre alt. Interessanterweise liegt der mysteriöse Bogen auf der Himmelsscheibe von Nebra an der gleichen Position wie der Bogen im mittleren Feld der Himmelstafel von Tal-Qadi, wenn die Asterismen links und rechts der Ekliptiklinie jeweils als die Hyaden mit Aldebaran und die Plejaden interpretiert werden.

Vor 4300 Jahren befand sich der Frühlingspunkt noch im Sternbild Stier (Taurus), vor 2150 Jahren im Sternbild Widder (Aries, aus dieser Epoche stammt das Synonym „Widderpunkt“ für den Frühlingspunkt) und heute im Sternbild Fische (Pisces). 2500 vor Christus lag der Frühlingspunkt genau zwischen den Hyaden und den Plejaden im Goldenen Tor der Ekliptik! Vor rund 4500 Jahren befand sich ein zum Herbstbeginn auftretender Vollmond also gleichzeitig im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik und ging abends um 18 Uhr Ortszeit genau im Westen unter.

Die Lage des Frühlingspunktes vor 4500 Jahren im Goldenen Tor der Ekliptik.

Auf der leicht beschädigten babylonischen Tontafel VAT 07851 im Vorderasiatischen Museum in Berlin aus der Stadt Uruk in seleukidischer Zeit (zirka zweites Jahrhundert vor Christus) befindet sich eine Ritzzeichnung mit dem Mond im Sternbild Stier (Taurus). Von von links nach rechts sind die eindeutig mit Keilschrift gekennzeichneten Plejaden (in Keilschrift = MUL MUL = Plejaden (wörtlich "Sterne")), der Mond mit einem Kämpfer und einem Löwen, die innerhalb der Mondscheibe dargestellt sind, sowie dem Himmelsstier zu sehen.[43] Eine möglicherweise vorhanden gewesene Beschriftung des Stieres ist wegen der Beschädigung der Tontafel im hinteren Teil der Stierdarstellung nicht erhalten, die Zuordnung ist dennoch eindeutig. Eine beschriftete und vollständige Darstellung des Himmelsstiers taucht in einer ähnlichen Zeichnung auf einer rituellen Tontafel im Königlichen Museum für Kunstgeschichte in Brüssel (TCL 6, 47; MRAH O.00175) aus dieser Zeit auf.[44] Diese Darstellung ist am Himmel zwar nur in umgekehrter Reihenfolge von rechts nach links zu beobachten, stellt aber zweifelsohne den durch das Goldene Tor der Ekliptik zwischen dem Kopf des Stieres und den Plejaden hindurchziehenden Mond dar:

Umzeichnung der seleukidischen Ritzzeichnung auf der Tontafel VAT 07851 aus dem Vorderasiatischen Museum in Berlin (ungefähr zweites Jahrhundert vor Christus). Der Mond mit bewaffnetem Mann einen Löwen bekämpfend (Mitte) zwischen dem offenen Sternhaufen der Plejaden (links) und dem Himmelsstier (rechts).

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Mond auf seinem Weg zum absteigenden Knoten der Mondbahn nach einer Bedeckung der Plejaden sich der Ekliptiklinie von Norden her nähert. Nach ungefähr sieben Tagen - also ein Mondviertel später - erreicht er auf seinem Weg entlang der Ekliptiklinie diesen Knoten beim ekliptiknahen und sehr hellen Königsstern Regulus (α Leonis), den Brust- beziehungsweise Herzstern im Sternbild Löwe (Leo), den er dann ebenfalls bedecken kann.

→ Siehe auch Kapitel Mondzyklen, Abschnitt Der drakonitische Zyklus.

Der offene Sternhaufen der Hyaden (Suculae) mit dem hellen Roten Riesen Aldebaran (α Tauri).

Die auffälligen und mit bloßem Auge leicht erkennbaren Sternhaufen der Plejaden (lateinisch: "Vergiliae") und der Hyaden (lateinisch: "Suculae") bilden im Bezug zum Fixsternhimmel Asterismen. Zusammen mit dem Stern Aldebaran (er selber gehört nicht zu den Hyaden) stellen diese drei Objekte auf relativ engem Raum, in einem Winkelbereich von weniger als zehn Bogengrad, die drei hellsten Objekte in der Nähe der Ekliptik dar.[45] Gemeinsam bilden sie die beiden Pfosten des Goldenen Tors der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). Auch der angelsächsische Benediktiner  Beda Venerabilis (672 oder 673 bis 735) nannte die beiden Sternhaufen Plejaden" und "Hyaden Anfang des 8. Jahrhunderts in seinem Werk De natura rerum im elften Kapitel Vergiliae und Suculae. Er wies darauf hin, dass es sich um Frühlingszeichen am Himmel handelt und dass die Benennung von Sternen und Asterismen bei den ihm damals zur Verfügung stehenden Schriften nicht einheitlich gestaltet ist. Über die beiden Sternhaufen schreibt er "de signiferis signis per quae planetae currunt", also "von den Fahnenträgerzeichen, durch die die Planeten laufen".[46] Das lateinische Wort "signifer" kann aber auch als Adjektiv mit "gestirnt" übersetzt werden, also "signiferis signis" = "gestirnte Zeichen". Bei den beiden Bezeichnungen bezieht Beda sich offenbar auch auf das 18. Kapitel "Naturae frugum" (Verse 246 bis 248, 280 und 313) in der "Naturalis historia" von  Plinius dem Älteren (23 oder 24 bis 79) aus dem ersten Jahrhundert, der die beiden lateinschsprachigen Begriffe "vergiliae" und "suculae" ebenfalls verwendet hat.[47]

Alle sieben beweglichen Himmelsobjekte ziehen im Laufe der Zeit von der Erde aus betrachtet mehr oder weniger häufig, aber regelmäßig sehr nahe der Ekliptik durch diese Pforte und somit zwischen den beiden Sternhaufen hindurch.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Der Erdmond, die Venus und der Merkur können aufgrund der etwas größeren Abweichung von der Ekliptik und der relativen Erdnähe gelegentlich einen Pfosten des Goldenen Tors streifen, treffen oder im Falle des Mondes und des Merkurs sogar etwas außerhalb der Plejaden vorbeiziehen. Die Venus, der dritthellste Wandelstern nach Sonne und Mond, bleibt stets südlich der Plejaden und nördlich von Aldebaran. Der Mond kann sowohl die Plejaden als auch den Stern Aldebaran bedecken.

Die ekliptikale Länge wird vom Frühlingspunkt aus entlang der Ekliptik gemessen. Für das Goldene Tor der Ekliptik beträgt sie heute zirka 64 Bogengrad. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die Verbindungslinie zwischen den Hyaden und den Plejaden bei der ekliptikalen Breite von 0 Bogengrad ziemlich genau mittig durch die Linie der Ekliptik geschnitten wird. Ferner ist die Ekliptik unter einem Winkel von rund 45 Bogengrad zu dieser Verbindungslinie geneigt. Auf diese Weise können sowohl die Lage der Ekliptik als auch deren Neigung zu jedem Zeitpunkt, von jeder Stelle der Erde und unmittelbar anhand der Ausrichtung des Goldenen Tors der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Bahnen oder Lagen von Sonne, Mond oder Planeten beobachten zu müssen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass vor 4500 Jahren in jedem Jahr zum Frühlingsanfang die untergehende Sonne abends am westlichen Horizont im Goldenen Tor der Ekliptik stand, wobei dieses wegen des hellen Sonnenlichts selbst allerdings gar nicht zu sehen war. Heute ist dies am 25. Mai der Fall, da sich der Frühlingspunkt mittlerweile um gut zwei Monate (ein Monat entspricht einem Winkel 30 Bogengrad entlang der Ekliptik) nach Westen verschoben hat. Als Mitte des dritten Jahrtausends der Frühlingspunkt noch im Goldenen Tor der Ekliptik lag, konnten die Sumerer ihre überlieferten Plejaden-Schaltregeln einsetzten, um die Jahre zu ermitteln, in denen in ihrem Lunisolarkalender am Jahresende ein Schaltmonat eingefügt werden musste (siehe Plejaden-Schaltregeln).

Der Trichter der Thuraya

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Westlich des Goldenen Tors der Ekliptik gibt es nur weniger auffällige Sternbilder und Sterne. Die hellsten Sterne nördlich und südlich der Ekliptik bilden in Richtung Plejaden (arabisch Thuraya) eine Art Trichter (orangefarben), durch den alle sieben Wandelgestirne in das Goldene Tor der Ekliptik eintreten. Dies sind nördlich der Ekliptik die Sterne Hamal im Widder (Aries) sowie Algenib, Markab und Enif im Sternbild Pegasus, und südlich der Ekliptik die Sterne Menkar und Diphda im Sternbild Walfisch (Cetus) sowie Formalhaut im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus).

Die Beduinen kennen seit alters her das Sternbild Hände der Thuraya. Der Asterismus Thuraya ist die arabische Bezeichnung für die Plejaden beziehungsweise das Siebengestirn. Von diesem Asterismus gehen sowohl die beiden Arme der Thuraya als auch das Sternbild Lamm (al-hamal) aus.[49] Dieses Lamm und der vom Betrachter aus gesehen linke Arm sind gleichzeitig Bestandteile des Körpers und der Beine des Himmelsstiers. In der linken Schulter der Thuraya liegt das Goldene Tor der Ekiptik.

Der Rand des Trichters ist mit fallender ekliptikaler Länge und Rektaszension (Reihenfolge der Sichtbarkeit von Osten nach Westen) durch die folgenden hellen Himmelsobjekte markiert:

  • Offener Sternhaufen der Plejaden (Messier 45, M45) im Sternbild Stier (Taurus)
  • Nördlich der Ekliptik
    • Der hellste Stern Hamal (α Arietis) im Sternbild Widder (Aries)
    • Algenib (γ Pegasi) im Sternbild Pegasus
    • Markab (α Pegasi) im Sternbild Pegasus
    • Der hellste Stern Enif (ε Pegasi) im Sternbild Pegasus
  • Südlich der Ekliptik
    • Menkar (α Ceti) im Sternbild Walfisch (Cetus)
    • Der hellste Stern Diphda (β Ceti, auch Deneb Kaitos) im Sternbild Walfisch (Cetus)
    • Der mit Abstand hellste Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus)

Bevor die sieben entlang der Ekliptik wandelnden Himmelskörper das Goldene Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) erreichen, durchlaufen sie in der Regel die Sternbilder Steinbock (Capricornus), Wassermann (Aquarius), Fische (Pisces) und schließlich Widder (Aries). In diesem Himmelsquadranten zwischen dem Stern Deneb Algedi (δ Capricorni), dem „Schwanz des Ziegenböckchens“ im Sternbild Steinbock, und dem Goldenen Tor der Ekliptik gibt es keinen einzigen ekliptiknahen Stern mit einer Größenklasse 3,5m oder heller. Lediglich die beiden Sterne Sadalmelik (α Aquarii) und Sadalsuud (β Aquarii) im Sternbild Wassermann erreichen die Größenklasse 3m, liegen mit einer nördlichen ekliptikalen Breite von 10,5 Bogengrad beziehungsweise 8,5 Bogengrad allerdings außerhalb der Bahnen der Wandelgestirne. Erst im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) übertreffen die Plejaden, die Hyaden sowie der Rote Riese Aldebaran (0,85m) diese Helligkeit, und zwar erheblich. Dies bedeutet, dass alle in diesem Himmelssegment in der Nähe der Ekliptik liegenden Fixsterne in der Helligkeit von mehreren hundert anderen Sternen des Nachthimmels sowie sehr deutlich von den sieben Wandelgestirnen übertroffen werden. Die sieben Wandelgestirne ziehen also aus einer dunklen und sternenarmen Himmelsregion, dem Trichter der Thuraya, quasi wie durch einen Trichter oder einen Schlauch zum Himmelsstier in das Goldene Tor der Ekliptik. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass das zentrale Mondhaus in der großen chinesischen Konstellation "Schwarze Schildkröte des Nordens" im chinesischen Mondkalender "Leere" genannt wird. Diese Konstellation erstreckt sich entlang der Ekliptik vom Sternbild Schütze (Sagittarius) über die Sternbilder Steinbock (Capricornus) und Wassermann (Aquarius) bis in das Sternbild Fische (Pisces) über einen ganzen Himmelsquadranten (90 Bogengrad), und das zentrale Mondhaus 虛 (Xū) befindet sich bei der ekliptikalen Länge der Sterne Deneb Algedi (δ Capricorni) und Sadalsuud (β Aquarii).

Mit dem beduinischen Sternbild Hände der Thuraya (grüne durchgezogene Linien, die Ekliptik ist als rot gepunktete Linie dargestellt). Die anatomischen Bestandteile von unten Mitte über die Plejaden (Thuraya) nach rechts oben: die amputierte Hand (al-kaf al-jadhma), Thuraya (die kleine Reichliche, ath-thuraya), das Schulterblatt (al-'atiq), die Schulter (al-mankib), der Oberarm (al-'adud), die Ellenbogenspitze (ibrat al-mirfaq), der Ellenbogen (al-mirfaq), die Ellenbogengrube (al-ma'bid), der Unterarm von Thuraya (dhira’ ath-thuraya), die Tätowierung des Handgelenks (washm al-mi'sam), die Henna-gefärbte Hand (al-kaf al-khadib).
Thuraya wird von den Beduinen auch als der fette Schwanz des Asterismus Lamm (al-hamal) interpretiert. Dies entspricht dem griechischen Sternbild Widder (Aries). Der Stern Hamal steht für die kleinen Hörner des Lammes.[11]
Der Arm der Thuraya mit der amputierten Hand und der Asterismus Lamm bilden zusammen einen Trichter, durch den alle Wandelgestirne auf der Ekliptik in das Goldene Tor der Ekliptik zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden beim Stern Ain und der Plejaden eintreten.
Die Vorderseite der → Stele vom Rocher des Domes.

Eine prähistorische Darstellung des Trichters der Thuraya könnte auf der Vorderseite der → Stele vom Rocher des Doms zu sehen sein. Die beiden oben abgerundeten Pfeiler in der Ritzzeichnung würden in diesem Fall für die beiden Pfeiler des Goldenen Tors der Ekliptik stehen. Das große sternförmige Symbol repräsentiert ein helles Himmelsobjekt, namentlich die Sonne, den Mond oder eines der fünf weiteren freiäugig sichtbaren Wandelgestirne, das entlang der Ekliptiklinie regelmäßig durch diese beiden Pfeiler hindurchtritt.

Der Urozean

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Vor 5000 Jahren befand sich der Frühlingspunkt noch im heutigen Sternbild Stier. Es ist im Laufe der Zeit immer weiter nach Westen gewandert, Im ersten vorchristlichen Jahrtausend wurde das Sternbild Widder (Aries) von sehr großen Sternbild Himmelsstier abgetrennt (das übrig gebliebene Sternbild heißt Stier (Taurus)), vermutlich um entlang der Ekliptiklinie zwölf in etwa gleich große Sternbilder mit einer ekliptikalen Längendifferenz von 15 Bogengrad bilden zu können. Die ekliptikale Länge 0° markiert in jeder Epoche den Frühlingspunkt auf der Ekliptik. Im ersten vorchristlichen Jahrtausend lag der Frühlingspunkt im Sternbild Widder (Aries) und wurde deswegen auch Widderpunkt genannt, auf den auch die vorislamischen arabischen Mondhäuser (Manazil al-Qamar) als den Frühlingspunkt zur Epoche J0000 Bezug nehmen. Die heutigen ekliptikalen Längen zur Epoche J2000 sind inzwischen um knapp 28 Bogengrad größer, und der Frühlingspunkt liegt entsprechend weiter westlich im Sternbild Fische (Pisces) auf der Länge des Sternes Deneb Kaitos Shemali beziehungsweise des kurz nur Shemali genannten Sternes ("nördlicher (Schwanz des Wales)", ι Ceti) im südlich angrenzenden Sternbild Walfisch (Cetus).

Der Urozean wird am Sternenhimmel durch die aneinandergrenzenden Wassersternbilder Fluss Eridanus, Walfisch (Cetus), Fische (Pisces), Wassermann (Aquarius), Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) und Delphin (Delphinus) westlich des Himmelsstieres repräsentiert. Sadalmelik (α Aquarii) im Sternbild Wassermann (Aquarius) ist mit einer Größenklasse von nur 3m der hellste Stern im Trichter der Thuraya und befindet sich im 24. Mondhaus des Manazil al Qamar, zur Epoche J0000 bei einer ekliptikalen Länge von rund 305,5 Bogengrad, also ungefähr auf Höhe der etwas ekliptikferneren hellen Sterne Enif (ε Pegasi) im nördlichen Sternbild Pegasus und Fomalhaut (α Piscis Austrini) im südlichen Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus). Die sieben Wandelgestirne werden bei ihrer Wanderschaft entlang der Ekliptiklinie quasi aus dem dunklen Urozean hervorgebracht, bevor sie durch den Trichter der Thuraya und anschließend durch das helle Goldene Tor der Ekliptik und die dahinter liegenden helleren Sternbilder ziehen. Der helle sich angrenzende Abschnitt der Ekliptik wird durch die sehr hellen ekliptiknahen Sterne Aldebaran (α Tauri) im Stier (Taurus), Castor (α Geminorum) und Pollux (β Geminorum) in den Zwillingen (Gemini), Regulus (α Leonis) im Löwen (Leo), Spica (α Virginis) in der Jungfrau (Virgo) und Antares (α Scorpii) im Skorpion (Scorpio) markiert.

Zu den sehr alten sumerischen Sternbildern dieser Region gehören die "erhabene Herrin" (Göttin der Geburtshilfe) Ninmaḫ im Sternbild Walfisch (Cetus), "der Großartige" (Herr Erde / Wasserhaus) Gott Enki (akkadisch Ea) im Sternbild Wassermann (Aquarius), der Fisch im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) und der Ziegenfisch (wörtlich: "Karpfenziege") beziehungsweise heute das Sternbild Steinbock (Capricornus). Enki und sein Begleiter, der Ziegenfisch, liegen auf der Ekliptik und sind mythologisch mit dem Süßwasserozean Abzu verbunden.

Die sumerischen Abgal waren insgesamt sieben Weise, die von Enki vor der Flut aus dem Urozean erschaffen worden waren und alle ihre eigene mythologische Rolle hatten. Später verschmolzen sie mit den akkadischen Apkallu zu den babylonischen Schutzdämonen. In mehreren sumerischen Beschwörungen sind die Namen der sieben purūdu-Fisch-Weisen überliefert:[50]

  • U-Anna, der die Pläne des Himmels und der Erde vollendet.
  • U-Anne-dugga, dem ein umfassender Verstand verliehen ist.
  • Enmedugga, dem ein gutes Geschick beschieden ist.
  • Enmegalamma, der in einem Hause geboren wurde.
  • Enmebulugga, der auf einem Weidegrund aufwuchs.
  • An-Enlilda, der Beschwörer der Stadt Eridu.
  • Utuabzu, der zum Himmel emporgestiegen ist.

Buch Hiob

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Die Bibel beginnt bei der Beschreibung „Die Erschaffung der Welt“ mit der Worten:[51]

1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Der Prophet Hiob erwähnt die Urflut in seinem 28. Kapitel „Gottesfurcht als Weg zur Weisheit“:[52]

1 Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, / eine Stätte für das Gold, wo man es läutert.
2 Eisen holt man aus der Erde, / aus Gestein wird Kupfer geschmolzen.
3 Er setzt dem Finstern eine Grenze, / er forscht hinein bis in das Letzte, bis ins düstere, dunkle Gestein.
4 Er gräbt einen Stollen, wo niemand wohnt und an sie denkt; / ohne Halt für den Fuß hängen sie, / fern von Menschen schweben sie.
...
12 Die Weisheit aber, wo ist sie zu finden / und wo ist der Ort der Einsicht?
13 Kein Mensch kennt die Schicht, in der sie liegt; / sie findet sich nicht in der Lebenden Land.
14 Die Urflut sagt: Bei mir ist sie nicht. / Der Ozean sagt: Bei mir weilt sie nicht.
15 Man kann nicht Feingold für sie geben, / nicht Silber als Preis für sie wägen.
...
20 Die Weisheit aber, wo kommt sie her / und wo ist der Ort der Einsicht?
21 Verhüllt ist sie vor aller Lebenden Auge, / verborgen vor den Vögeln des Himmels.
22 Abgrund und Tod sagen: / Unser Ohr vernahm von ihr nur ein Raunen.
23 Gott ist es, der den Weg zu ihr weiß, / er ist es, der ihren Ort kennt.
24 Denn er blickt bis hin zu den Enden der Erde; / was unter dem All des Himmels ist, sieht er.
25 Als er dem Wind sein Gewicht schuf / und die Wasser nach Maß bestimmte,
26 als er dem Regen das Gesetz schuf / und einen Weg dem Donnergewölk,
27 damals hat er sie gesehen und gezählt, / sie festgestellt und erforscht.
28 Zum Menschen aber sprach er: / Sieh, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, / das Meiden des Bösen ist Einsicht. 

Zehn Kapitel später, in seinem 38. Kapitel über die „Schöpfung und ihre Ordnung“, wird das Thema noch einmal kurz aufgegriffen:[53]

28 Hat der Regen einen Vater / oder wer zeugte die Tropfen des Taus?
29 Aus wessen Schoß ging das Eis hervor, / des Himmels Reif, wer hat ihn geboren?
30 Wie unter einem Stein verbergen sich die Wasser / und wird fest die Fläche der Flut.
31 Knüpfst du die Bande des Siebengestirns / oder löst du des Orions Fesseln?
32 Führst du heraus Sterne des Tierkreises zu seiner Zeit, / lenkst du die Löwin samt ihren Jungen?
33 Kennst du die Satzungen des Himmels, / setzt du auf der Erde seine Herrschaft durch?

Griechische Mythologie

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Nach den griechischen Sagen entführte der griechische Gott Zeus (römisch; Jupiter) die phönizische Prinzessin Europa aus Tyros nach Kreta, um sie heiraten zu können. Dafür verwandelte er sich in einen schönen weißen Stier, auf dessen Rücken Europa durch das Mittelmeer auf die Insel Kreta schwamm, wo Zeus geboren worden war. Aus der Ehe gingen dann die drei Söhne Minos, Rhadamanthys und Sarpedon hervor.

Das Motiv des schwimmenden hellen Stieres erinnert stark an den leuchtenden Himmelsstiere, der am Sternenhimmel quasi im Urozean der Wassersternbilder schwimmt. Die funkelnden Plejaden markieren die Stelle auf seinem Rücken, wo sich die Prinzessin Europa bei ihrer Entführung befand.

Der Lichtbringer und die Wassersternzeichen

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In vielen kosmologischen Weltentstehungsmythen spielen eine Urflut sowie ein Lichtbringer zentrale Rollen. Der Lichtbringer ist leicht mit der Sonne in Verbindung zu bringen, die die Ursache für das natürliche Licht auf der Erdoberfläche ist. Aber auch die Urflut spiegelt sich in der Sagenwelt am Sternenhimmel wider. Die Haida, seit mehr als 16000 Jahren gehören sie in British Columbia im heutigen Südwesten Kanadas zu den First Nations, verehren zum Beispiel einen Raben als Lichtbringer:[54]

Vor dem Raben war die Welt nichts weiter als eine gigantische Flut. Raven war der Schöpfer der Dinge sowie der Verwandler, Magier und Heiler.

Er stahl [Sonne, den Mond, die Sterne und frisches Wasser] und flog durch den Schornstein aus dem Langhaus.
Sobald Rabe draußen war, hängte er die Sonne in den Himmel.
Sie machte so viel Licht, dass er weit hinaus zu einer Insel mitten im Ozean fliegen konnte.
Als die Sonne unterging, befestigte er den Mond am Himmel und hängte die Sterne an verschiedenen Stellen auf.

Er flog zurück über das Land. Als er den richtigen Ort erreicht hatte, ließ er das ganze Wasser, das er gestohlen hatte, fallen.
Es fiel auf den Boden und wurde dort zur Quelle aller Süßwasserströme und Seen der Welt.

In einer weiteren Legende der Haida tötet der Rabe den Wal. Der Rabe und der Wal sind uns auch heute als gleichnamige Sternbilder bekannt (Corvus und Cetus).

Präzession und Nutation

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Befindet sich am rechten Ende der gepunkteten schwarzen Linie eine große Masse, dann ist die Gravitationskraft (rote Pfeile) auf die dieser Masse zugewandten Hälfte größer als auf die dieser Masse abgewandten Hälfte. Ist die rotierende Erdachse gegenüber dieser Linie zudem geneigt, ergibt sich ein Drehmoment, das in Richtung auf den Betrachter (senkrecht aus der Bildebene hinaus) die Achse entgegen dem Uhrzeigersinn aufrichten möchte. Durch das Gesetz des Drehimpulssatzes erfolgt daraufhin jedoch nicht die Aufrichtung der Achse, sondern eine andauernde kreisförmige Präzessionbewegung der Rotationsachse, bei der sich der Drehimpuls zeitlich stets in Richtung des jeweils wirkenden Drehmoments ändert.

Im System des Himmelsäquators sind die Rektaszensionen und die Deklinationen aller Fixsterne einer stetigen Änderung unterworfen. Diese sind durch die Präzession der Erdrotationsachse bedingt. Alle großen Massen, insbesondere die der Sonne, aber auch die des Mondes und die der Planeten erzeugen auf der zugewandten Seite wegen der etwas größeren Nähe eine größere Gravitationskraft als auf der abgewandten Seite. Falls die Erdrotationsachse in Bezug auf die Verbindungslinie von Erdmittelpunkt und anziehender Masse geneigt ist, resultiert senkrecht zur Erdrotationsachse ein Drehmoment, das in Verbindung mit dem durch die tägliche Drehung verursachten Drehimpuls der Erdkugel die Präzessionsbewegung hervorruft. Hierbei kreist der Himmelspol innerhalb von knapp 26000 Jahren beziehungsweise innerhalb eines Platonischen Jahres einmal um den Pol der Ekliptik. Dieses Verhalten von sich drehenden rotationssymmetrischen Körpern kann beispielsweise auch bei Peitschenkreiseln beobachtet werden, deren Rotationsachse nicht lotrecht steht und die von Kindern gerne als Spielzeug benutzt werden.

Die Präzession bewirkt gleichzeitig das rückläufige (retrograde) Wandern von Frühlingspunkt und Herbstpunkt entlang der Ekliptiklinie mit ihren Mondhäusern und Lebewesenkreiszeichen (Zodiak). Pro Sonnenjahr verschiebt sich der Frühlingspunkt um gut 50 Bogenminuten. Nach 72 Jahren hat sich der Betrag die Verschiebung der ekliptikalen Länge nach Westen (deswegen mit negativem Vorzeichen) auf ungefähr ein Bogengrad erhöht:

Ein voller Kreis wird demnach innerhalb eines Platonischen Jahres mit der Dauer nach rund 26000 Jahren durchlaufen:

Durch die Beobachtung der Plejaden-Waage mit den beiden sehr auffälligen und markanten Sternen Antares und Aldebaran sowie den Mondphasen in den entsprechenden Mondhäusern des Frühlingsmonats konnte die Lage des Frühlingspunkts der Sonne bereits in der Steinzeit relativ zuverlässig bestimmt werden. Die für die Synchronisation von Mond- und Sonnenjahr angewendeten Plejaden-Schaltregeln galten im 26. Jahrhundert vor Christus, als sich der Frühlingspunkt im Sternbild Stier (Taurus) befand. Sie wurden noch mindestens eintausend Jahre nach ihrer Anwendung in den zusammengestellten Keilschrifttexten der MUL-APIN-Tafeln überliefert, nachdem sich der Frühlingspunkt immer weiter nach Westen verschoben hatte, so dass die Plejaden-Schaltregeln längst nicht mehr angewendet werden konnten. Dennoch wurden sie noch immer tradiert, was einen klaren Hinweis darauf liefert, dass die Verschiebung des Frühlingspunkts den Mesopotamiern spätestens vor viertausend Jahren aufgefallen und als wichtiges astronomisches Wissen festgehalten worden sein muss.

Berücksichtigt man die Tatsache, dass der Mond einen vollständigen Kreis entlang der Ekliptiklinie innerhalb der Dauer eines siderischen Monats von gut 27 Tagen durchläuft, ergibt sich ein Verhältnis der Zeitdauern von zirka tausend zu eins:

Dieses Verhältnis spiegelt sich in Psalm 90 wider:

4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.

Vergleiche auch das Zitat dieses Psalmverses im achten Vers im dritten Kapitel des zweiten Petrusbriefes:

8 Dies eine aber, Geliebte, soll euch nicht verborgen bleiben, dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind.

Nutation

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Ein auf einer horizontalen i,j-Ebene schnell rotierender Kreisel erfährt eine langsame Präzessionsbewegung um die senkrechte k-Achse. Stimmt die Hauptträgheitsachse des rotierenden Körpers nicht exakt mit dessen Rotationsachse überein, kommt es gleichzeitig zu einer Nutation, bei der die Rotationsachse des Kreises kleinere Pendelbewegungen ausführt (schwarze Linie).

Da das Trägheitsmoment der Erde wegen der inhomogenen Massenverteilung und der Verschiebungen der Massen im Innern der Erde zeitlich nicht konstant ist, kann die Präzession der Erdrotationsachse auch heute nur empirisch bestimmt werden. Der Hauptteil der jährlichen Lunisolarpräzession wird durch die Sonne und den Mond hervorgerufen, deren Abstände von der Erde wegen der elliptischen Umlaufbahnen jedoch ebenfalls nicht konstant sind. Da der Mond in Bezug auf die Ekliptik permanent seine ekliptikale Breite ändert und seine auf- und absteigenden Knoten dabei innerhalb des drakonitischen Zyklus von 18,6 Jahren einmal vollständig auf der Ekliptiklinie herumwandern, ergibt sich die am deutlichsten erkennbare Schwankung der Präzession mit exakt dieser Periode, die auch als astronomische Nutation bezeichnet wird. Weitere, aber kleinere Störeinflüsse beruhen auf den Gravitationskräften der Planeten.

Siehe auch Kapitel Mondzyklen / Abschnitt Der drakonitische Zyklus.

Einzelnachweise

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  1. Mathieu Ossendrijver: Astronomie und Astrologie in Babylonien. In: Joachim Marzahn, Beatrice André-Salvini, Jonathan Taylor: Babylon – Mythos und Wahrheit: Katalog zur Ausstellung in den Staatlichen Museen zu Berlin, Pergamonmuseum, 26.6.2008–5.10.2008. Hirmer Verlag, München 2008, S. 380 (online).
  2. Anja Semling: Dendera – Gottestempel, geweiht der Göttin Hathor, abgerufen am 3. August 2025
  3. Michelle Starr: Complete Depiction of The Zodiac Found in Ancient Egyptian Temple, science alert, 24. März 2023
  4. Robert David Stevick: The Forms of the Monasterevin-Type Discs, The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland, Band 136, Seiten 112 bis 140, 2006
  5. 5,0 5,1 Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  6. Ira Spar: The Origins of Writing, Heilbrunn Timeline of Art History, Essays, Department of Ancient Near Eastern Art, The Metropolitan Museum of Art, Oktober 2004
  7. Hermann Güntert: Indogermanisch und Semitisch, Kapitel V. Sprachliche Beziehungen der Indogermanen zu anderen Völkergruppen, in: Kultur und Sprache / Der Ursprung der Germanen, Seite 56, Carl Winter, Heidelberg, 1934
  8. Izak Cornelius: 4. Der Himmelsgott in der Religionsgeschichte von Israel und Juda, in: Himmelsgott, Deutsche Bibelgesellschaft, Februar 2011
  9. Matthias Albani: Der eine Gott und die himmlischen Heerscharen - Zur Begründung des Monotheismus bei Deuterojesaja im Horizont der Astralisierung des Gottesverständnisses im Alten Orient, Evangelische Verlagsanstalt, 2000, ISBN 3-374-01820-3
  10. Johann Evangelista Rivola: Über die griechischen Sternbilder insbesondere die Plejaden, astronomisch-mythologische Abhandlung, Malsch und Vogel, Karlsruhe, 1858
  11. 11,0 11,1 Danielle Adams: The Lamb - A folkloric celestial complex, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 2017
  12. Markus Bautsch: Betrachtungen zur Himmelstafel von Tal-Qadi, in: Journal für Astronomie, Nummer 80, Seiten 109 bis 113, Vereinigung der Sternfreunde, Heppenheim, Januar 2022, ISSN 1615-0880
  13. Stierschädel mit Sternenbezug – Himmelswissen der Steinzeit älter als gedacht, scinexx, 1. Februar 2008
  14. Siehe Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  15. Johann Elert Bode: Deutliche Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, "Zum gemeinnützigen und beständigen Gebrauch", Seite 296, Dieterich Anton Harmsen, Hamburg, 1772
  16. Siehe auch Schlagwort „Aldebaran“ in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  17. Damond Benningfield: Das rote Stierauge, Deutschlandfunk, 16. Januar 2000
  18. Psalm 18 (19), Verse 2 bis 7, Vulgata, Psalmi iuxta Hebraicum translatus
  19. Psalm 19, Verse 2 bis 7, Einheitsübersetzung (2016)
  20. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, neuntes Kapitel "Früheste Astrologie", Seite 140, Fußnote 1), Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  21. Deuteronomium,, 20. Kapitel, Vers 4 (Einheitsübersetzung (2016): "Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde."
  22. 1. Buch der Könige, Kapitel 12, Verse 28 bis 30, Einheitsübersetzung (2016)
  23. Ernst Ludwig Rochholz: 4. Sturmthiere - 1) Gespenstische Dorfthiere, in: Naturmythen - Neue Schweizersagen, Verlag Benedictus Gotthelf Teubner, Leipzig, 1862
  24. Friedrich Leberecht Wilhelm Schwartz: Kapitel VI: Thierartige an die Sonne mit besonderer Berücksichtigung der Sonnenstrahlen sich anschließende Vorstellungen, in: Sonne, Mond und Sterne - ein Beitrag zur Mythologie und Culturgeschichte der Urzeit, Verlag Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), 1864
  25. Klaus Koenen: 2. Stierbilder als Symbol von Macht und Stärke, in: Stierbilder, Deutsche Bibelgesellschaft, November 2009
  26. Gabriele Theuer: Mond, 2. Mondgottverehrung in Syrien-Palästina, 2.3. Der Mondgott bei den Aramäern – der Mondkult von Haran (Eisenzeit), WiBiLex, Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, Deutsche Bibelgesellschaft, April 2010
  27. Moritz Abraham Levy: Phönizische Studien - II. Backsteine, Gemmen und Siegel aus Mesopotamien mit phönizischer (altsemitischer) Schrift - B "Gemmen und Siegel" - Nummer 11, Seite 36 und 37, siehe auch Tafel 10, Band 2, Leuckart, Breslau, September 1857
  28. Charles-Tanguy Le Roux, Jean-Paul Gisserot, Philippe Laplace: Gavrinis, Editions Jean-Paul Gisserot, 1995, ISBN 9782877471459
  29. Charles-Tanguy Le Roux: A propos des fouilles de Gavrinis (Morbihan) : nouvelles données sur l'art mégalithique armoricain, Bulletin de la Société préhistorique française, 81-8, 1984, Seiten 240 bis 245
  30. Éric Gaumé: Cornes d'aurochs (supplique pour le réexamen d'une gravure néolithique de bovidé dans l'île morbihannaise de Gavrinis, Bretagne), Bulletin de la Société préhistorique française, 104-1, März 2007, Seiten 81 bis 88
  31. Jean-Pierre Mohen: Le menhir au taureau brisé de Gavrinis (Morbihan), in: Pierres vives de la préhistoire: Dolmens et menhirs, Odile Jacob, 2009, Seiten 133 ff, ISBN 9782738123077
  32. Jacobus Lectius: Hoi Tēs Hērōikēs Poiēseōs Palaioi Poiētai Pantes – 'Iupiter taurus in caelo relatus, 1606
  33. Ernst Friedrich Weidner: kakkab GAM,kakkab SU-GI und kakkab Lu-lim, in: Alter und Bedeutung der babylonischen Astronomie und Astrallehre nebst Studien über Fixsternhimmel und Kalender, Seite 49 ff., Hinrichs, Leipzig, 1914
  34. Wilhelm Schwartz: Der Ursprung der Mythologie dargelegt an der griechischen und deutschen Sage, Verlag Wilhelm Hertz, Bessersche Buchhandlung, Berlin, 1860
  35. Georg Weber: Arier und Iranier - II. Die Iranier, Meder und Perser, Allgemeine Weltgeschichte / Geschichte des Morgenlandes, zweite Auflage, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1882
  36. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, neuntes Kapitel "Früheste Astrologie", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  37. Matthieu Ossendrijver: Astronomie und Astrologie in Babylonien, in: Babylon. Wahrheit. Katalog zur Ausstellung "Babylon. Mythos und Wahrheit", Pergamonmuseum Berlin, Seiten 373 bis 386, Tübingen, 2008
  38. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Kapitel Das Weihnachts- und Osterfest, Abschnitte Symbole des Guten und des Bösen / Sternbilder in Dan und Bethel, Seite 291 bis 313, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  39. Nach Wayne Horowitz, Alestine Andre und Ingrid Kritsch: The Gwich’in Boy in the Moon and Babylonian Astronomy, Arctic Anthropology, Volume 55, Number 1, Seiten 91 bis 104, 2018, ISSN 0066-6939
  40. Vergleiche auch die sieben Ähren des ägyptischen Pharaos in der Genesis, Kapitel 41, Einheitsübersetzung 2016
  41. Siehe zum Beispiel Oswald Thomas: Himmel und Weltall, Seite 38, 4. vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Deutscher Buchklub, Bochum, 1951
  42. Frank Ventura: L'astronomija f'Malta, Pubblikazzjonijiet Indipendenza, 2002, ISBN 9789993241287
  43. Wayne Horowitz, Alestine Andre, and Ingrid Kritsch: The Gwich’in Boy in the Moon and Babylonian Astronomy, Arctic Anthropology, Vol. 55, No. 1, pp. 91–104, Board of Regents of the University of Wisconsin System, 2018, ISSN 0066-6939
  44. Alasdair Livingstone: Mystical and Mythological Explanatory Works of Assyrian and Babylonian Scholars, Eisenbrauns, 2007, ISBN 9781575061337
  45. Carl Friedrich von Klöden: Der Sternenhimmel. Eine vollständige populäre Sternenkunde, mit besonderer Beziehung auf die grosse Sternwandkarte des Landes-Industrie-Comptoirs, Kapitel Anleitung zur Kenntnis der Sterne, Teil II In der Nacht vom 29. März, Abends 10 1/2 Uhr, Abschnitt b Aussicht nach Westen, Seite 93, Weimar, 1848
  46. Beda Venerabilis: De natura rerum - Kapitel 11 De stellis ("Über die Sterne"), Monumenta Informatik, Thalwil, Schweiz
  47. Gaius Plinius Secundus: Naturalis historia - Liber XVIII - Naturae frugum, Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg
  48. Joannes Richter: The Roots of the Voynich-Manuscript, 7. Juli 2022, abgerufen am 22. April 2023
  49. Danielle Adams: Thuraya, the Abundant Darling of the Heavens - The quintessential asterism, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 3 December 2015
  50. Rykle Borger: Die Beschwörungsserie Bīt mēseri und die Himmelfahrt Henochs, in: Journal of Near Eastern Studies, Band 33, Nummer 2, April 1974, Seiten 183 bis 196
  51. Genesis 1, Einheitsübersetzung, 2016
  52. Hiob 28, Einheitsübersetzung, 2016
  53. Hiob 38, Einheitsübersetzung, 2016
  54. Carolyn Kenny: Raven and the Transmission of Knowledge, in: Voices – A World Forum for Music Therapy, Band 4, Nummer 2, 2004,ISSN 1504-1611

Die Sonne

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Die Nachmittagssonne am 29. Juli 2024 mit Sonnenflecken von Berlin aus gesehen.

Die Erde umrundet die Sonne in einem Jahr. Die Sonnen umrundet auf ihrer von der Erde zu beobachtenden Bahn (Ekliptiklinie) die Erde einmal innerhalb eines Tages.

Schattenwurf

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Die Schattenlängen und Schattenrichtungen variieren sowohl mit der Tageszeit als auch mit der Jahreszeit. Sie können im Sonnenlicht mit stabförmigen Zeigern gemessen werden, die einen Schatten mit einer bestimmten Länge werfen. Das Verhältnis zwischen der Zeigerlänge und der senkrecht zum ihm gemessenen Schattenlänge ist identisch mit dem Tangens des Höhenwinkels der Sonne.

Der Meridian

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Die Südrichtung ist so definiert, dass bedingt durch die Rotation der Erde jedes Himmelsobjekt in dieser Richtung seine größte Höhe über dem Horizont erreicht. Die Höhe wird hierbei senkrecht zum Horizont entlang des Meridians gemessen, der den Himmel im Zenit und im Nadir schneiden. Das ist besonders augenfällig bei unserer Sonne, die wie alle anderen Sterne jeden Tag genau in dieser Richtung ihren höchsten Stand erreicht. Der Zeitpunkt und Ort beim Erreichen der größten Höhe wird auch als die Kulmination eines Objektes auf dem südlichen Meridian bezeichnet. Da die Sonne stets mittags ihren höchsten Stand erreicht, wird der südliche Meridian auch Mittagsmeridian genannt.

Anders als die Fixsterne ändert die Sonne ihre täglichen Aufgangs- und Untergangsrichtungen sowie die maximale Höhe über dem Horizont auf dem südlichen Meridian.

Bei der Nordrichtung verhält es sich auf der nördlichen Halbkugel der Erde umgekehrt wie bei der Südrichtung: alle Himmelsobjekte erreichen hier ihre niedrigste Höhe unter dem Horizont, wo sie nicht beobachtbar sind. Auf der südlichen Halbkugel der Erde ist dies naturgemäß entgegengesetzt: jedes Objekt am Himmel erreicht im Norden seine größte Höhe über dem Horizont und im Süden seine niedrigste Höhe unter dem Horizont.

Viele deutschsprachige Menschen kennen den folgenden sich reimenden Merksatz, von dem es auch etliche Abwandlungen gibt:

Im Osten geht die Sonne auf,
im Süden hält sie Mittagslauf,
im Westen geht sie unter,
im Norden wird sie niemals munter.

Die Äquinoktien

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Bei der Tag-und-Nachtgleiche im Frühjahr steht die Sonne im Frühlingspunkt auf der Ekliptiklinie, und bei der Tag-und-Nachtgleiche im Herbst steht sie im Herbstpunkt. An diesen Tagen geht sie überall auf der Erde genau im Osten auf und im Westen unter, und während sie sich dann ebenfalls überall von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends auf ihrer180 Bogengrad langen Bahn oberhalb des Horizonts befindet, beschreitet sie ihren zwölfstündigen Tagbogen. Astronomisch werden die Tag-und-Nacht-Gleichen als Äquinoktien bezeichnet.

Die folgenden beiden Bilder zeigen die Situation zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr. Der Horizont ist auf seiner vollen Länge von 360 Bogengrad von Norden (links) über Süden (Mitte) bis wieder nach Norden (rechts) in einer rechtwinkligen Mercator-Projektion dargestellt. Die Meridiane stehen in diesen Darstellungen senkrecht auf dem Horizont. Der Himmelsäquator hat stets dieselbe Lage. Die Ekliptiklinie ist morgens allerdings sehr flach und abends sehr steil. An diesem Morgen steht die Sonne beim Aufgang im Frühlingspunkt und an diesem Abend beim Untergang im Herbstpunkt. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst verhält es sich genau umgekehrt, die Sonne steht morgens beim Aufgang im Herbstpunkt und abends beim Untergang im Frühlingspunkt.

An den beiden Tagen der Tag-und-Nacht-Gleiche kreuzt die Ekliptiklinie für jeden Beobachtungspunkt auf der Erde sowohl den Horizont als auch den Himmelsäquator genau im Osten und im Westen.

Vom Äquator aus gesehen steht die Mittagssonne zu den Tag-und-Nachtgleichen genau im Zenit, im Horizontsystem also genau senkrecht über einem Beobachter, und um Mitternacht genau senkrecht unterhalb eines Beobachters im Nadir.

→ Siehe auch Astronomische Bezugssysteme

Die Sonnenwenden

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Die Erde rotiert täglich einmal um ihre Rotationsachse, die zwischen dem geographischen Nordpol und dem Südpol liegt. Diese Erdachse ist um zirka 23,4 Bogengrad zur Ekliptikebene geneigt. Da die Erdachse ihre Lage zum Fixsternhimmel nur sehr langsam und geringfügig ändert (Präzession der Erdachse), ist sie je nach Jahreszeit mehr oder weniger zur Sonne hin geneigt. Auf der zur Sonne hin geneigten Erdhalbkugel (Hemisphäre) herrscht das Sommerhalbjahr, und auf der von der Sonne weg geneigten Erdhalbkugel herrscht das Winterhalbjahr.

Mittags steht die Sonne für Beobachter zwischen den Polarkreisen stets am höchsten über dem Horizont und um Mitternacht am weitesten unter dem Horizont. Sie kreuzt in diesem Augenblick den senkrecht auf dem südlichen und nördlichen Horizont stehenden Meridian (Mittagslinie). Nördlich des nördlichen Wendekreises der Erdoberfläche steht sie für einen Beobachter dann genau in Richtung Süden, und südlich des südlichen Wendekreises der Erdoberfläche genau in Richtung Norden. Zwischen den beiden Wendekreisen ist die Sonne auf dem Meridian in der Nähe des Zenits zu sehen – je nach Jahreszeit entweder etwas nördlicher oder etwas südlicher.

Ihren höchsten Stand erreicht die Sonne für jeden Ort auf der Erde am Mittag der Sommersonnenwende. Von der Nordhalbkugel aus gesehen steht sie dann genau in Richtung Süden, und an diesem Tag hat sie am Horizont ihre nördlichsten Aufgangs- und Untergangspunkte. Nördlich vom nördlichen Polarkreis geht die Sonne von der Erdoberfläche aus gesehen dann gar nicht unter. Von der Südhalbkugel aus gesehen ist es umgekehrt: sie steht dann genau in Richtung Norden und hat am Horizont ihre südlichsten Aufgangs- und Untergangspunkte. Südlich vom südlichen Polarkreis geht die Sonne von der Erdoberfläche aus gesehen dann gar nicht unter.

Ihren niedrigsten Mittagsstand erreicht die Sonne zur Wintersonnenwende. Von der Nordhalbkugel aus gesehen steht sie dann ebenfalls genau in Richtung Süden, und an diesem Tag hat sie am Horizont jedoch ihre nördlichsten Aufgangs- und Untergangspunkte. Nördlich vom nördlichen Polarkreis geht die Sonne von der Erdoberfläche aus gesehen dann gar nicht auf. Von der Südhalbkugel aus gesehen ist es wieder umgekehrt: sie steht dann genau in Richtung Norden und hat am Horizont ihre südlichsten Aufgangs- und Untergangspunkte. Südlich vom südlichen Polarkreis geht die Sonne von der Erdoberfläche aus gesehen dann gar nicht auf.

Astronomisch werden die Sonnenwenden als Solstitien bezeichnet.

Der maximale Höhenwinkel über dem Horizont wird bei allen Himmelsobjekten grundsätzlich bei der Kulmination auf dem südlichen Meridian erreicht. Dieser Höhenwinkel ergibt sich aus dem zur Beobachtung gehörenden geographischen Breitengrad und der Deklination , also die Höhe eines Himmelsobjektes über dem Himmelsäquator. Der Zusammenhang zwischen dem maximalen Höhenwinkel auf dem südlichen Meridian und dem geographischen Breitengrad der Beobachtung kann mit Hilfe der Deklination wie folgt hergestellt werden:

Daraus ergibt sich, dass bei bekannter Deklination aus der Beobachtung des Höhenwinkels der Breitengrad bestimmt werden kann:

Ist der Breitengrad bekannt, kann anhand der Beobachtung des Höhenwinkels die Deklination eines Himmelsobjekts bestimmt werden:

Bei den Tag-und-Nacht-Gleichen geht die Sonne genau im Osten auf und genau im Westen unter. Im Laufe eines Jahres pendeln ihre Auf- und Untergangspunkte symmetrisch um diese diese beiden Äquinoktialpunkte. Die Winkel der Auf- und Untergangspunkte können auf dem Horizont mit ihrem Azimut angegeben werden, wobei die Azimute im horizontalen System von Norden (0 Bogengrad) aus über Osten (90 Bogengrad) nach Süden (180 Bogengrad) und dann weiter nach Westen (270 Bogengrad) gemessen werden:

Anmerkung: Die atmosphärische Refraktion vergrößert den von der Erdoberfläche aus beobachteten Höhenwinkel in der Nähe des Horizonts ein wenig. Dadurch gehen die Gestirne etwas früher auf und gehen etwas später unter als sich aus der hier durchgeführten, rein geometrischen Betrachtungsweise ergibt. Durch die Berücksichtigung der atmosphärischen Refraktion ergeben sich darüber hinaus in Abhängigkeit vom Winkel zwischen der Ekliptiklinie und der Horizontline auch geringfügig abweichende Azimute.

Durch Einsetzen der entsprechenden Deklinationen der Sonne können die maximalen Höhenwinkel bei ihrer Kulmination auf dem südlichen Meridian berechnet werden, wobei für die Schiefe der Ekliptikebene (heute 23,44 Bogengrad) in Bezug auf das äquatoriale System steht: Für die Sonne ergeben sich demnach die in der folgende Tabelle angegebenen Werte:

Deklinationen, maximale Höhenwinkel sowie Auf- und Untergangsazimute der Sonne
Ereignis Deklination der Sonne
Maximaler Höhenwinkel der Sonne
Azimut des Sonnenaufgangs
Azimut des Sonnenuntergangs
Wintersonnenwende
Tag-und-Nacht-Gleiche 0
Sommersonnenwende

Sonnenbeobachtung

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Die Sonnenbahn wurde schon in der Steinzeit von ganz verschiedenen Orten der Erde aus regelmäßig beobachtet. Es gibt zahllose  Sonnenuhren, mit denen die Ortszeit abgelesen werden kann, wenn die Sonne am Himmel zu sehen ist. Im Altertum sind aber auch viele größere Anlagen errichtet worden, mit denen die Auf- und Untergangsorte am Horizont beobachtet werden konnten. Hierzu zählen beispielsweise die zahlreichen Sonnenobservatorien als  Kreisgrabenanlagen oder als Ringheiligtümer in Mitteleuropa genauso wie einige Tempelanlagen auf Malta. In der folgenden Tabelle sind einige aufgeführt:

Astronomische Beobachtungsstätten im Altertum
Name Art Ort Datierung
Kreisgrabenanlage von Goseck Sonnenobservatorium Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, Europa 4900 vor Christus
 Nabta-Playa Steinkreis Nubische Wüste, Afrika um 4000 vor Christus
Mnajdra Sonnentempel / Kalenderstein Malta, Mittelmeer 3800 vor Christus
 Kokino Megalithische Sternwarte Staro Nagoričane, Nordmazedonien, Europa 3800 vor Christus
 Stonehenge Megalith-Bauwerk Amesbury, Wiltshire, Süd-England 3000 vor Christus
 Santa Cristina Brunnenheiligtum Sardinien, Mittelmeer 18. Jahrhundert vor Christus
 Yazılıkaya Sonnenheiligtum Çorum, Türkei, Kleinasien 13. Jahrhundert vor Christus
 Chanquillo Präkolumbischer Komplex der Prä-Inka-Kulturen Bei Casma, Peru 3. Jahrhundert vor Christus
Belchen-System Bergsystem Vogesen, Schwarzwald, Jura unbekannt

Mondzyklen

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Ein bei Vollmond während einer Mondfinsternis im Kernschatten der Erde befindlicher Blutmond nach Mondaufgang von Berlin aus gesehen am 7. September 2025.

Monat

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Die Bezeichnung Monat stammt etymologisch von unserem Erdmond ab. Es handelt sich um ein Erbwort, das auf die seit dem 8. Jahrhundert bezeugten althochdeutschen Formen mānōd beziehungsweise mānōth zurückgeht. Diese wiederum stammt vom indoeuropäischen Wort mēnōt ab, das sowohl Monat als auch Mond bedeuten kann.[1]

Mondperioden

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Die zu beobachtende scheinbare Mondbahn kann im Verlauf verschiedener Perioden durch zahlreiche Mondzyklen beschrieben werden. Die kürzesten Zyklen dauern ungefähr einen Monat im Sonnenkalender, sie längeren Mondzyklen können aber auch mehrere Jahre umfassen.

Der Mond hat ähnlich wie die Sonne einen scheinbaren Winkeldurchmesser von ungefähr 30 Bogenminuten beziehungsweise 0,5 Bogengrad. Dies entspricht bei Betrachtung des eigenen Fingers mit ausgestrecktem Arm in etwa einem Viertel der Fingerdicke.

Synodischer Monat

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Altlicht beim Morgenletzt des Mondes (heliakischer Aufgang) über dem östlichen Horizont auf Vancouver Island kurz nach der Tag-und-Nachtgleiche im September 2019.
Neulicht beim Abenderst des Mondes (akronychischer Untergang) über dem westlichen Horizont in Berlin Anfang Mai 2022.

Der synodische Monat ist durch den Verlauf der Elongation des Mondes in Bezug zur Sonne beschrieben.

Der Mond umrundet die Erde ungefähr zwölfmal schneller als die Erde die Sonne und benötigt für einen Umlauf einen Monat. Die einfachste Wahrnehmung des Mondlaufs ergibt sich durch die Beobachtung der Mondphasen beziehungsweise der Elongationen des Mondes. Der synodische Monat (altgriechisch σύνοδος (synodos) = Zusammentreffen) beschreibt die Dauer zwischen zwei gleichen Mondphasen, also von Neumond zu Neumond beziehungsweise von Vollmond zu Vollmond. Hier wird gemeinhin das Zusammentreffen von Neumond und Sonne am Himmel als Referenzzeitpunkt betrachtet. Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53 Tage, und zwölf synodische Monate dauern demzufolge rund 354,37 Tage - das sind gut fünfeinhalb Tage weniger als 360. Dieser Zyklus ist dies Basis für die gängigen Mondkalender (Lunarkalender) mit der gegenüber dem am Sonnenjahr orientierten Solarkalender um zirka 11 Tagen kürzeren Jahreslänge. Bei Lunisolarkalendern wird durchschnittlich alle drei Jahre ein dreizehnter synodischer Monat eingeschaltet, damit der Frühlingspunkt der Sonne ungefähr in der gleichen Jahreszeit bleibt.

→ Zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Zur Zwölf.

Das altägyptische Horusauge als Folge von Rechtecken mit jeweils der Hälfte der Fläche des Vorgängers in einem Rechteck mit dem Flächeninhalt eins.
Deckenrelief im altägyptischen Tempel von Dendera mit der Darstellung von 15 Mondphasen von links (Neumond) nach rechts (Vollmond) mit den Göttern Junit, Sopdet-Tjenenet, Hor-Behdeti, Hathor, Nephthys, Harsiese, Isis, Osiris, Nut, Geb, Tefnut, Schu, Atum und Month. Im Vollmond vor dem Gott des Mondes Thot ist das von ihm geheilte linke Auge („Mondauge“) des Lichtgottes Horus dargestellt.

Die Ägypter haben ihre Kalender nicht mit einer Siebentagewoche, sondern sowohl mit einer Fünftagewoche als auch mit einer Zehntagewoche geführt. Damit besteht ein synodischer Monat auf weniger als einen halben Tag genau aus sechs Fünftagewochen beziehungsweise aus drei Zehntagewochen. Es wird in der Literatur manchmal darauf hingewiesen, dass das Verhältnis der Länge eines synodischen Monats zu dreißig vollen Tagen

fast identisch mit dem folgenden Verhältnis ist (siehe auch Horusauge und Heqat in der altägyptischen Geschichte[2]):

Die Abweichung der beiden Verhältnisse beträgt nur 0,022 Promille. Erst nach rund 44700 Monaten oder 3700 Jahren hat sich diese Abweichung auf einen Tag aufsummiert.

Die verschiedenen Mondphasen waren für die Menschen schon immer sichtbar und konnten im Laufe eines synodischen Monats verfolgt werden. Es wird davon ausgegangen, dass zum Beispiel auch auf der Himmelsscheibe von Nebra mindestens eine Mondsichel dargestellt ist, eventuell auch der Vollmond und nach dem österreichischen Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher zusätzlich das Altlicht des Mondes:[3]

Siderischer Monat

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Der siderische Monat ist durch den Verlauf der ekliptikalen Länge des Mondes in Bezug zum Frühlingspunkt beschrieben.

Es kann also auch die Zeitspanne betrachtet werden, in der der Mond in Bezug auf den Fixsternhimmel entlang der Ekliptik wieder an der gleichen Stelle erscheint. Dies wird üblicherweise an seinem Erscheinen beim Frühlingspunkt festgemacht. Diese Zeitspanne wird siderischer Monat (lateinisch sideris = des Sterns) genannt und beträgt 27,322 Tage. Dies ist auch die Dauer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik, da dessen Lage durch Sterne des Fixsternhimmels bestimmt ist.

→ Siehe auch Exkurs Das Goldene Tor der Ekliptik.

Die Einteilung der 360 Bogengrad langen Ekliptik in 28 gleiche Teile ist in der Bronzezeit verbreitet gewesen. Daraus ergibt sich ein grobes Koordinatenraster für die ekliptikale Länge des Mondes.

Auf der Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christus) werden die 28 Mondorte der Tage eines Monats beispielsweise durch eine Kreisreihe dargestellt. Die Hohlform diente zur Herstellung von Schmuckscheiben und hat insgesamt sieben konzentrische Kreise. Davon bestehen zwei aus 12 (innen) beziehungsweise aus 28 (außen) gleichmäßig verteilten Mulden.[4] Die zwölf inneren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 12 Sonnenorten (Monaten) in einem tropischen Jahr beziehungsweise den 12 Jupiterorten (Jahren) in zwölf Jahren. Die 28 äußeren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 28 Mondorten (respektive Mondhäusern beziehungsweise Mondstationen) und somit den Tagen in einem siderischen Monat. Der große kreisförmige Stachel im Zentrum der Scheibe könnte als Symbol für die Sonne stehen. Auf ihm konnte die Scheibe von unten zentrisch und drehbar gelagert werden. Mit der Scheibe konnte (abgesehen von den erforderlichen siderischen Schaltmonaten) zwölf Jahre lang in täglich wechselnden Kombinationen in den beiden Lochreihen die Lagen von Mond und Jupiter abgelesen und markiert werden. Damit konnte nach einer Einmessung der Ost-West-Richtung zum Beispiel bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zur Jupiterrichtung im Frühlingspunkt der gesamte Lebewesenkreis (Zodiak) jederzeit mit dem täglich ein Mondhaus weiterwandernden Mond vollständig bestimmt werden, auch ohne dass der Jupiter sichtbar sein musste. Mit dieser Information ist es dann auch ohne weiteres möglich, das nicht sichtbare Lebewesenzeichen zu bestimmen, in welchem die Sonne sich aufhält.

Im der indischen Astronomie wurden zu diesem Zweck spätestens 500 Jahre danach die 27 Mondhäuser (oder Mondstationen) eingeführt. Da sich die siderische und die synodische Periode um gut zwei Tage unterscheiden, liegen aufeinanderfolgende Neumonde oder Vollmonde in verschiedenen Mondhäusern, nach denen im hinduistischen Lunisolarkalender die Monate benannt werden.

Dieses System wurde etwas später von den Arabern mit 28 Mondhäusern modifiziert. Das erste Mondhaus liegt bei beiden Einteilungen im Frühlingspunkt in der Epoche um Christi Geburt im Kopf des Lammes beziehungsweise des Widders (Aries) bei den nördlich der Ekliptik liegenden Sternen Scheratan und Hamal (indisch Ashvini = die beiden Rosseschirrenden und arabisch aš-šaraṭān = Die beiden Zeichen). Für das zweite Mondhaus folgt der Bauch des Lammes (indisch Bharani = der Wegtragende und arabisch al-buṭayn = das Bäuchlein). Die Plejaden (indisch Krittika und arabisch aṯ-ṯurayyā) im fetten Schwanz des Lammes markieren im Anschluss das dritte Mondhaus. Das vierte Mondhaus ist durch den roten Riesenstern Aldebaran (arabisch al-dabarān = der Nachfolgende, indisch Rohini = der Rötliche) im Sternbild Stier (Taurus) gekennzeichnet.

Zwischen dem dritten und vierten Mondhaus liegt das Goldene Tor der Ekliptik, wo der Frühlingspunkt zu Beginn der maltesischen Tarxien-Phase lag. Man beachte die fehlenden helleren ekliptiknahen Sterne im Trichter der Thuraya westlich davon, also rechts der Plejaden (ekliptikale Länge ungefähr 32 Bogengrad) bis hin zum Stern Hydor heutigen Sternbild Wassermann (Aquarius, ekliptikale Länge ungefähr 314 Bogengrad). Die hellsten ekliptiknahen Sterne in diesem Gebiet des Sternenhimmels Alpherg im Sternbild Fische (Pisces) sowie Hydor und Ancha im Sternbild Wassermann (Aquarius) erreichen lediglich die vierte Größenklasse (4m), so dass zwischen dem auffälligen offenen Sternhaufen der Plejaden und Deneb Algedi, dem hellsten Stern im Sternbild Steinbock (Capricornus), auf einer Länge von 90 Bogengrad keine hellen ekliptiknahen Sterne vorhanden sind.

→ Zur Einteilung der Ekliptik nach den monatlichen Mondstationen siehe auch Exkurs Mondhäuser

→ Zum dunklen Himmelsquadranten entlang der Ekliptik siehe auch Exkurs Der Trichter der Thuraya

Drakonitischer Monat

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Schematische Darstellung der Mondbahn (gelb) im Laufe eines drakonitischen Monats in Bezug auf die Ekliptiklinie (rot). Nach dem Erreichen der südlichsten Lage in Bezug zur Ekliptiklinie wird die Mondbahn aufsteigend, und von der nördlichsten Lage in Bezug auf die Ekliptiklinie wird die Mondbahn dann wieder absteigend. In der deutschsprachigen Schweiz gibt es für diese im Laufe eines drakonitischen Monats täglich mehr oder weniger deutlich wahrnehmbaren Änderungen der ekliptikalen Breite sogar eigene Adjektive. Das Ansteigen der ekliptikalen Breite des Mondes nach Norden wird obsigend und das Abfallen des Mondes nach Süden nidsigend genannt. Direkt auf der Ekliptik befinden sich der aufsteigende und der absteigende Knoten der Mondbahn.

Der drakonitische Monat ist durch den Verlauf der ekliptikalen Breite des Mondes in Bezug zur Ekliptiklinie beschrieben.

Deswegen gibt es noch den drakonitischen Monat (altgriechisch δράκων (drakon) beziehungsweise lateinisch draco = Drache), der eine Dauer von 27,212 Tagen hat. Diese Dauer beschreibt die Zeitpunkte, an denen die um gut 5 Bogengrad zur Ekliptik geneigte Mondbahn die Ekliptik kreuzt; die ekliptikale Breite des Mondes ist dann exakt null. Diese Schnittpunkte werden Mondknoten genannt und werden einmal im Monat im aufsteigenden Mondknoten und einmal im absteigenden Mondknoten erreicht. Befindet sich der Mond auf der Ekliptik, also in der Nähe dieser Mondknoten, kommt es bei dessen Sonnennähe (wenn der Neumond also in Konjunktion mit der Sonne steht) zu einer Sonnenfinsternis und bei dessen Sonnenferne (wenn der Vollmond also in Opposition zur Sonne steht) zu einer Mondfinsternis. Diese Mondpunkte wurden früher als Drachenpunkte bezeichnet, was sich aus der Vorstellung ableitete, dass ein Drache bei einer Mondfinsternis den Mond beziehungsweise bei einer Sonnenfinsternis die Sonne verschlingen würde.

Mit dem folgenden Java-Programm können die ekliptikalen Koordinaten der Sonne und des Mondes für jeden beliebigen Zeitpunkt eines Julianischen Datums in Julianischen Jahrhunderten in Bezug auf die astronomische Standardepoche J2000 berechnet werden:

→ Java-Programm "EkliptikaleKoordinatenMondSonne"[5]

Die ekliptikalen Breiten des Mondes im Verlauf eines drakonitischen Monats beziehungsweise eines nur gut zweieinhalb Stunden längeren siderischen Monats mit gut 27 Tagen.
Die täglichen Änderungen der ekliptikalen Breite des Mondes in Bogengrad innerhalb eines Mondviertels
Tage nach
aufsteigendem
Knoten
Änderung der
ekliptikalen Breite
zum Vortag
1 1,2°
2 1,1°
3 1,0°
4 0,9°
5 0,6°
6 0,3°
7 0,0°
Simulation des Himmelsausschnitts beim Stern Regulus kurz vor der Bedeckung des Planeten Mars durch den Mond am 4. Mai 357 vor Christus von Athen aus gesehen.

Der Mond kann auf seiner Bahn im Laufe der Zeiten alle ekliptiknahen Himmelsobjekte inklusive aller Planeten und der Sonne bedecken und innerhalb einer Stunde wieder freigeben, die sich in einem Band bis zu gut ±5 Bogengrad nördlich oder südlich neben der Ekliptiklinie befinden.  Aristoteles (384 bis 322) hat dies in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: Περὶ οὐρανοῦ / Peri uranu) anhand der von ihm beobachteten Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond in der Nähe des Sterns Regulus (α Leonis) beschrieben und darauf hingewiesen, dass die Babylonier und die Ägypter solche Phänomene über lange Zeit beobachtet und dokumentiert hatten.[6]

Solche Ereignisse fanden zu Lebzeiten von Aristoteles von Griechenland aus gesehen nicht häufig statt:

  • Am 6. April 357 vor Christus passierte der zunehmende Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) nahe dem Stern Regulus (α Leonis) den Planeten Mars noch im Abstand von etwa einem Mondradius. Dieses Ereignis fand allerdings am Vormittag beim Aufgang der beiden Himmelskörper am östlichen Horizont statt, so dass dies von Griechenland aus nicht zu sehen war.
  • Einen Monat später, am 4. Mai 357 vor Christus, bedeckte der zunehmende Halbmond den Planeten Mars abends gut sichtbar fast 60 Bogengrad über dem westsüdwestlichen Horizont sowie 4,5 Bogengrad östlich von Regulus über eine Stunde lang. Dies dürfte das Ereignis gewesen sein, über das der 27-jährige Aristoteles berichtet hat und das er in Athen selbst gesehen haben könnte.
  • In den frühen Morgenstunden des 10. Mais 344 vor Christus bedeckte der zunehmende Mond im Sternbild Krebs (Cancer) westlich vom Stern Regulus (α Leonis) den Planeten Mars von seiner Schattenseite her gut eine halbe Stunde lang. Die beiden Sternbilder standen zu dieser Nachtzeit von Griechenland aus gesehen allerdings unterhalb des Horizonts.
  • Am späten Abend des 31. Dezembers 343 verdeckte der Vollmond den Mars hoch am Himmel zwischen den Sternbildern Löwe und Krebs, was jedoch nicht zu der Beschreibung des zunehmenden Halbmonds von Aristoteles passt.
  • Am Nachmittag des 4. März 340 verdeckte der fast volle Mond den Mars am Tageshimmel, was nicht beobachtet werden konnte.
  • Die Bedeckung am 31. Mai 327 vor Christus fand ebenfalls nicht beobachtbar am Nachmittag statt.
  • In der Morgendämmerung des 6. Septembers 326 vor Christus fand hoch am Himmel eine Bedeckung durch den abnehmenden Mond statt.
  • Zwei Stunden nach Mitternacht am 27. Dezember 326 vor Christus fand hoch am Himmel eine Bedeckung durch den abnehmenden Mond statt.
  • Die Bedeckung am 16. März 325 vor Christus durch den zunehmenden Mond war nur streifend und fand am Terminator des Mondes statt.

Der ekliptiknahe Hauptstern Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini) hat sich aufgrund seiner Eigenbewegung im Laufe der letzten zehntausend Jahre so weit von der Ekliptiklinie entfernt, dass er inzwischen nicht mehr vom Mond bedeckt werden kann.

→ Für die sieben hellsten Objekte siehe Exkurs Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Siderische Mondperioden

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Der Mond erscheint innerhalb eines tropischen Jahres dreizehn- oder vierzehnmal an einer bestimmten Stelle des Fixsternhimmels, wobei er wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und synodischen Monaten immer ein anderes Mondalter (die Anzahl der Tage seit dem letzten Neumond) und wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und drakonitischen Monaten immer eine andere ekliptikale Breite aufweist.

Die beiden folgenden Diagramme sollen den zeitlichen Verlauf der Mondphasen und der ekliptikalen Breiten des Mondes bei seinem Erscheinen im Goldenen Tor der Ekliptik während 254 aufeinanderfolgender siderischer Perioden mit jeweils 27,322 Tagen (insgesamt 6940 Tage beziehungsweise 19 Jahre) veranschaulichen:

Die Mondphasen bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der synodische Monat (von Neumond zu Neumond) über zwei Tage länger ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats beim Erreichen derselben ekliptikalen Länge noch nicht ganz wieder sein maximales Mondalter erreicht hat.

In der oberen Hälfte des Diagramms sind zunehmende und in der unteren Hälfte abnehmende Monde zu beobachten. Eine Mondphase von 0 Prozent steht für einen Neumond und eine Mondphase von ±100 Prozent für einen Vollmond.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann zum Beispiel mit dem 22. Mai 2020 am Abend (UTC) angesetzt werden, an dem der Neumond zusammen mit der Sonne im Goldenen Tor der Ekliptik stand. Dies geschieht dann nach 19 Jahren am 23. Mai 2039 kurz nach Mitternacht (UTC) erneut.
Die ekliptikalen Breiten des Mondes bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 aufeinanderfolgenden siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der drakonitische Monat (von einem aufsteigendem Mondknoten bis zum nächsten aufsteigenden Mondknoten) gut zweieinhalb Stunden kürzer ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats den aufsteigenden Knoten bereits wieder hinter sich gelassen hat.

Bei großen ekliptikalen Breiten (oben) kommt es im Goldenen Tor der Ekliptik zu Bedeckungen der Plejaden und bei kleinen ekliptikalen Breiten (unten) kommt es zu Bedeckungen der Hyaden oder des Sterns Aldebaran durch die Mondscheibe.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann beispielsweise ebenfalls mit dem 22. Mai 2020 angesetzt werden, an dem der Neumond vom Erdmittelpunkt aus gesehen bei einer ekliptikalen Breite von zirka -2,5 Bogengrad unterhalb der Sonne, deren ekliptikale Breite definitionsgemäß 0 Bogengrad beträgt, im Goldenen Tor der Ekliptik stand.

Nach 18,61 Jahren (beziehungsweise 6793,5 Tagen oder gut 230 synodischen Monaten, in dieser Abbildung also nach gut 248,6 siderischen Monaten) erreicht der Mond dieselbe ekliptikale Breite und fast die gleiche Mondphase, befindet sich dann allerdings bei einer anderen ekliptikalen Länge.

Die kurzperiodische kleine Wellenbewegung kommt durch die Nutation der Erdachse im Bezug zur Ekliptik beziehungsweise zum Fixsternhimmel zustande; sie hat eine Periodendauer von 35 Tagen und überlagert sich mit den zirka eine Woche kürzeren siderischen Mondperiode.

Der Meton-Zyklus

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Nicht nur die Bestimmung und Vorhersage der Auf- und Untergänge der Venus haben die Aufmerksamkeit der Astronomen des Altertums auf sich gezogen, sondern auch der Mondzyklus mit den verschiedenen Mondphasen sowie das Auftreten von Mondfinsternissen bei Vollmond und von Sonnenfinsternissen bei Neumond. Es gibt einen Zyklus, der die Zeit beschreibt, nachdem die Sonne und der Mond die gleiche Konstellation erreichen. Nach 19 Jahren (beziehungsweise knapp 6940 Tagen) hat nicht nur die Sonne dieselbe ekliptikale Länge erreicht, sondern auch der der Mond (nach 254 siderischen Monaten), und er hat daher auch dieselbe Mondphase (nach 235 synodischen Monaten). Außerdem hat er dann auch noch annährend die gleiche ekliptikale Breite (nach 255 drakonitischen Monaten), so dass er fast wieder an derselben Stelle des Fixsternhimmels steht.[7]

Der Zyklus beruht also im Wesentlichen auf der zwar nur langfristig, bei entsprechender Ausdauer jedoch verhältnismäßig einfach zu beobachtenden Tatsache, dass 19 tropische Sonnenjahre, 235 synodische Monate, 254 siderische Monate und 255 drakonitische Monate fast die gleiche Länge haben. Der Unterschied zwischen den ersten beiden beträgt nur rund zwei Stunden:

  • 19 Jahre = 6939,6 Tage, bestimmt durch die ekliptikale Länge der Sonne mit ihren Äquinoktien und Sonnenwenden.
  • 235 synodische Monate = 6939,7 Tage, bestimmt durch die Mondphasen mit Neumonden und Vollmonden.
  • 254 siderische Monate = 6939,7 Tage, bestimmt durch die ekliptikale Länge des Mondes.
  • 255 drakonitische Monate = 6939,1 Tage, bestimmt durch die auf- und absteigenden Knoten der Mondbahn.
Legende zum Diagramm "Meton-Zyklus".
Der 19-jährige Meton-Zyklus vom Januar 2023 bis zum Januar 2042. Die Zeit schreitet in horizontaler Richtung jeweils um einen halben Tag pro Bildpunkt voran. Der Vollmond (weißer Kreis) erscheint sowohl am 6. Januar 2023 als auch am 6. Januar 2042 im Sternbild Zwillinge (Gemini) nördlich vom Stern Mebsuta (ε Geminorum). Unten sind die kleinen und großen Mondwenden für die geographische Breite 52,5 Bogengrad (zum Beispiel in Berlin) im Laufe der Zeit dargestellt.

Dieser 19-jährige nach dem antiken griechischen Astronomen  Meton (5. Jahrhundert vor Christus) benannte Meton-Zyklus sowie auch der unten erwähnte Saros-Zyklus waren im Altertum spätestens schon den Babyloniern bekannt und dienten als Grundlage für ihren Mondkalender. Meton ist davon ausgegangen, dass 19 Jahre exakt mit 6940 Tagen sowie mit 235 synodischen Monaten übereinstimmen. Dadurch, dass das Jahr nach dieser Annahme genau fünf Neunzehntel Tage länger ist als 365 Tage, sind neunzehn Jahre nach dieser Berechnung genau fünf Tage länger ist als neunzehn Mal 365 Tage, also 6935 Tage. Aus der Annahme einer festen ganzrationalen Kopplung der Umlaufzeiten der Erde um Ihre Achse (Tag) und um die Sonne (Jahr) sowie der Umlaufzeit des Mondes um die Erde (Monat) ergeben sich die folgenden Zusammenhänge:

  • Abgerundet auf ganze Zahlen:
    • Die Jahreslänge in ganzen Tagen:
      , das heißt, dass für 19 Jahre mit der Länge 365 Tage fünf Schalttage (Jahreslänge dann 366 Tage) erforderlich sind, damit der Frühlingspunkt mit dem tropischen Sonnenjahr synchron bleibt (Solarkalender).
    • Die Monatslänge in ganzen Tagen:
      , das heißt, dass für 235 synodische Monate mit der Länge 29 Tage 125 Schalttage (Monatslänge dann 30 Tage) erforderlich sind, damit ein tropisches Sonnenjahr immer zwölf Monate umfasst (Solarkalender).
    • Die Jahreslänge in ganzen Monaten:
      , das heißt, dass in 19 Jahren mit 235 synodischen Monaten sowie 6490 Tagen sieben synodische Schaltmonate (Jahreslänge dann 13 Monate) erforderlich sind, um das Kalenderjahr mit dem tropischen Sonnenjahr synchron zu halten (Lunisolarkalender).
  • Exakt mit Brüchen (ganzrationale Zahlen):
    • Die Jahreslänge in Tagen (in einem Sonnenjahr):
    • Die Länge eines synodischen Monats in Tagen:
    • Länge von zwölf synodischen Monaten in Tagen (in einem Mondjahr):
    • Die Jahreslänge in synodischen Monaten (in einem Sonnenjahr):
Anmerkung: Man nehme zur Kenntnis, dass das der Mittelwert der Dauern vom Sonnenjahr und vom Mondjahr fast genau 360 Tage pro Jahr beträgt, also so viele Tage wie für einen vollständigen Kreis in Bogengrad gerechnet wird:
Mit den heutigen, jeweils rund eine halbe Stunde kürzeren Messwerten für die beiden Jahresdauern (tropisches Sonnenjahr mit 365,241 Tagen und Mondjahr mit zwölf Lunationen und 354,367 Tagen) zur Epoche J2000.0 ergibt sich ein nur geringfügig anderer Mittelwert, der ebenfalls nur um zirka eine Dreiviertelstunde von der Dauer von 360 Tagen abweicht:

Für diese Erkenntnisse ist entweder die Weitergabe von beobachteten astronomischen Ereignissen, wie der Bedeckung der Plejaden durch den Mond oder die Messung der ekliptikalen Koordinaten des Mondes, an die nächste Generation erforderlich oder ein Lebensalter, das die Beobachtung von mindestens zwei solcher Zyklen umfasst – je nach Zeitpunkt der Geburt also rund 25 bis über 40 Jahre.

Da der Meton-Zyklus mit den aufgerundeten ganzzahligen 6940 Tagen einen Vierteltag länger dauert als 19 Sonnenjahre, summiert sich diese Differenz nach vier Meton-Zyklen auf einen ganzen Tag. Der entsprechende nach  Kallippos von Kyzikos (viertes vorchristliches Jahrhundert) benannte Kallippische Zyklus von 76 Jahren ( Jahre) oder 27759 Tage ( Tage) wird auch als verbesserter Meton-Zyklus bezeichnet:

  • 76 Jahre = 27758,4 Tage
  • 940 synodische Monate = 27758,8 Tage
  • 1016 siderische Monate = 27758,8 Tage
  • 1020 drakonitische Monate = 27756,5 Tage

Nach ungefähr 48 Sonnenjahren betrug die Differenz zwischen Meton-Zyklus und Sonnenjahr einen Tag, aber erst nach ungefähr 128 Sonnenjahren erreicht die Differenz zwischen Kallippischen Zyklus und Sonnenjahr so groß. Da der Kallippische Zyklus mit genau 27759;Tagen einen Vierteltag länger dauert als 76 Sonnenjahre, summiert sich diese Differenz nach vier Kallippischen Zyklen auf einen ganzen Tag. Der entsprechende nach  Hipparchos von Nicäa (zweites vorchristliches Jahrhundert) benannte Hipparchos-Zyklus von 304 Jahren ( Jahre) = 111035 Tage ( Tage) ist also wiederum ein verbesserter Kallippischer Zyklus:

  • 304 Jahre = 111033,6 Tage
  • 3760 synodische Monate = 111035,0 Tage
  • 4064 siderische Monate = 111035,2 Tage
  • 4080 drakonitische Monate = 111025,9 Tage

Nach einer Kallippischen Periode beträgt die Differenz zwischen 111035 ganzen Tagen und der Dauer von 3760 synodischen Monaten nur eine dreiviertel Stunde.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Dauern im Meton-Zyklus, im Kallippischen Zyklus und im Hipparchos-Zyklus:

Tropische Perioden Synodische Perioden Siderische Perioden Ganzzahlige Tage
Dauer einer Periode in Tagen 365,2422 29,53059 27,32166 1
Anzahl der Perioden im Meton-Zyklus 19 235 254 6940
Anzahl der Tage im Meton-Zyklus 6939,6018 6939,6887 6939,7016 6940
Differenz zu tropischen Perioden in Tagen 0,0000 0,0868 0,0998 0,3982
Differenz zu synodischen Perioden in Tagen -0,0868 0,0000 0,0130 0,3113
Differenz zu siderischen Perioden in Tagen -0,0998 -0,0130 0,0000 0,2984
Differenz zu tropischen Perioden in Stunden 0,00 2,08 2,40 9,56
Differenz zu synodischen Perioden in Stunden -2,08 0,00 0,31 7,47
Differenz zu siderischen Perioden in Stunden -2,40 -0,31 0,00 7,16
Anzahl der Perioden im Kallippischen Zyklus 76 940 1016 27759
Anzahl der Tage im Kallippischen Zyklus 27758,4072 27758,7546 27758,8066 27759
Differenz zu tropischen Perioden in Tagen 0,0000 0,3474 0,3994 0,5928
Differenz zu synodischen Perioden in Tagen -0,3474 0,0000 0,0520 0,2454
Differenz zu siderischen Perioden in Tagen -0,3994 -0,0520 0,0000 0,1934
Differenz zu tropischen Perioden in Stunden 0,00 8,34 9,58 14,23
Differenz zu synodischen Perioden in Stunden -8,34 0,00 1,25 5,89
Differenz zu siderischen Perioden in Stunden -9,58 -1,25 0,00 4,64
Anzahl der Perioden im Hipparchos-Zyklus 304 3760 4064 111035
Anzahl der Tage im Hipparchos-Zyklus 111033,6288 111035,0184 111035,2262 111035
Differenz zu tropischen Perioden in Tagen 0,0000 1,3896 1,5974 1,3712
Differenz zu synodischen Perioden in Tagen -1,3896 0,0000 0,2078 -0,0184
Differenz zu siderischen Perioden in Tagen -1,5974 -0,2078 0,0000 -0,2262
Differenz zu tropischen Perioden in Stunden 0,00 33,35 38,34 32,91
Differenz zu synodischen Perioden in Stunden -33,35 0,00 4,99 -0,44
Differenz zu siderischen Perioden in Stunden -38,34 -4,99 0,00 -5,43

Vor gut 2000 Jahren betrug die Differenz zwischen Kallippischem Zyklus und Sonnenjahr nach ungefähr 227 Sonnenjahren einen Tag. Durch die inzwischen etwas verkürzte Dauer eines tropischen Jahres ist dies heute bereits nach etwa 221 Jahren der Fall.

Die Goldene Zahl gibt an, das wievielte von diesen 19 Jahren ein bestimmtes Jahr ist, und sie spielt auch heute noch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Datums von Pessach oder Ostern, zum Beispiel mit Hilfe der Formeln zur Berechnung von  Carl Friedrich Gauß (* 1777; † 1855):

→ Siehe auch:

Der Name Goldene Zahl rührt möglicherweise davon her, dass der diesem Zyklus zugrundeliegende Kalender (Parapegma) des Meton auf den Steinmauern seiner Sonnenuhr (heliotropion) am Pnyx-Hügel in Athen in goldener Schrift zu sehen war.[8][7]

Heute ist in den Monaten um die Wintersonnenwende alle 19 Jahre morgens am westlichen Horizont der untergehende Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik zu sehen, wie zuletzt im Dezember 2018. Die untere Hälfte des Mondes wird dann während des Untergangs vom Horizont verdeckt und der sichtbare leuchtende Teil bildet somit einen Halbkreis, wie er im mittleren Segment der Himmelstafel angedeutet ist. In diesem Fall liegen Hyaden und Plejaden im Westen auf einer Linie parallel zum Horizont und der dazwischenliegende, beim Untergang noch halb zu sehende Vollmond würde der Abbildung auf der Steintafel von Tal-Qadi entsprechen. Vor 4500 Jahren ergab sich diese Himmelsansicht wegen der Verschiebung des Frühlingspunktes bereits um die Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst.

Die 19 Megalithe des Blaustein-Hufeisens von Stonehenge (2270 bis 1930 vor Christus) werden ebenfalls mit dem Meton-Zyklus in Zusammenhang gesehen. Im Übrigen werden beispielsweise auch die Goldhüte aus der Bronzezeit mit diesem Zyklus in Verbindung gebracht.[9]

Detail mit den linken drei der insgesamt neunzehn Göttinnen der Bilderreihe in der Kammer A des hethitischen Heiligtums Yazılıkaya.

An der östlichen Wand in der Kamme A des hethitischen Heiligtums Yazılıkaya (türkisch für „beschriebener Fels“) aus dem 13. vorchristlichen Jahrhundert existiert eine Reliefbilderreihe, die eine Prozession von neunzehn nach links schauenden Göttinnen im Ganzkörperprofil darstellt. Auch hier wird vermutet, dass diese Reihe als Zählwerk für den Meton-Zyklus eine Kalenderfunktion innehatte.[10][11]

Schmatische Darstellung der neunzehn weiblichen Gottheiten im hethitischen Heiligtum Yazılıkaya. Im Original variieren die Darstellungen der einzelnen Figuren, die in unterschiedlichem Zustand erhalten sind. Über den Händen einzelner Figuren konnten verschiedene hieroglyphische Darstellungen festgestellt werden. Die erste Figur (ganz links) konnte hierdurch nur indirekt rekonstruiert werden.

Die auf den MUL.APIN-Tafeln schriftlich überlieferten babylonischen Plejaden-Schaltregeln beziehen sich zweifelsfrei auf einen Zeitpunkt, als der offene Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) die gleiche ekliptikale Länge wie der Frühlingspunkt gehabt hat. Dies bedeutet, dass die Sonne zur Tag-und-Nacht-Gleiche direkt neben den Plejaden stand, und dies war um 2600 vor Christus der Fall. Aus beiden Schaltregeln ergibt sich, dass innerhalb von 19 Sonnenjahren sieben zusätzliche synodische Monate eingeschaltet werden müssen, damit Sonnen- und synodisches Mondjahr synchron bleiben. Die Differenz zwischen Mondlauf und Sonnenlauf beträgt nach diesen 19 Sonnenjahren nur gut zwei Stunden. Diese Abweichung beträgt nur gut zwei Promille beziehungsweise 238 parts per million:

  • Tropisches Sonnenjahr (von Frühlingspunkt zu Frühlingspunkt):
  • Synodischer Monat (von Neumond zu Neumond):
  • Synodisches Mondjahr (zwölf synodische Monate):
  • Jahresdifferenz zwischen tropischem Sonnenjahr und synodischem Mondjahr:
  • Meton-Zyklus: beziehungsweise
  • Genauigkeit des Meton-Zyklus:
  • Arithmetische Zusammensetzung und Primfaktorenzerlegung der Anzahl synodischer Mondzyklen:

Mit anderen Worten war der Meton-Zyklus bereits über zwei Jahrtausende lang bekannt, bevor sich der griechische Astronom Meton damit beschäftigte.

Es ist äußerst bemerkenswert, dass eine entsprechende Berechnung auch für dreizehn siderische Monate durchgeführt werden kann, bei denen der Mond jeweils einmal vollständig die Ekliptik mit ihren zwölf Ekliptiksternbildern beziehungsweise den 27 oder 28 Mondstationen (auch Mondhäuser genannt, siehe auch Exkurs Mondhäuser) durchläuft:

  • Tropisches Sonnenjahr (von Frühlingspunkt zu Frühlingspunkt):
  • Siderischer Monat (von Fixstern zu Fixstern):
  • Siderisches Mondjahr (13 siderische Monate):
  • Jahresdifferenz zwischen tropischem Sonnenjahr und siderischem Mondjahr:
  • Meton-Zyklus: beziehungsweise
  • Genauigkeit des Meton-Zyklus:
  • Arithmetische Zusammensetzung und Primfaktorenzerlegung der Anzahl siderischer Mondzyklen:

Auch hier beträgt die Differenz zwischen Mondlauf und Sonnenlauf nur gut zwei Stunden. Und innerhalb der 19 Sonnenjahre eines Meton-Zyklus müssen auch hier sieben zusätzliche (vierzehnte) siderische Monate eingeschaltet werden, damit Sonnen- und siderisches Mondjahr synchron bleiben.

Zur Differenz von knapp elf Tagen zwischen Sonnen- und Mondjahr siehe auch das babylonische Neujahrsfest Akiti. Dieses elftägige Fest wurde am Ende des Mondjahres gefeiert.

Der drakonitische Zyklus

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Ferner existiert ein zirka 18,61-jähriger Mondzyklus, der darauf beruht, dass bedingt durch die Präzession der Mondbahn der aufsteigende und der absteigende Mondknoten nach dieser Zeit die Ekliptik entgegen der rechtläufigen (prograden) Umlaufrichtung des Mondes genau einmal vollständig rückläufig (retrograd) durchlaufen haben. Dieser Zyklus besteht aus 249,83 drakonitischen Monaten, die insgesamt 6798,38 Tagen beziehungsweise 18,61 tropischen Sonnenjahren entsprechen. Die ekliptikalen Längen der Mondknoten vermindern sich hierbei um einen Winkel von 19,34 Bogengrad pro Jahr.

Dieser drakonitische Zyklus ist zum Beispiel anhand der Abweichungen der ekliptikalen Breiten des Mondes und somit der Azimute bei den monatlichen Mondauf- und -untergängen am Horizont zu beobachten, die sich nach 18,61 Jahren wiederholen und dabei um die Punkte der Wintersonnenwende im Südosten und Südwesten sowie die Punkte der Sommersonnenwende im Nordosten und Nordwesten entlang dem Horizont pendeln. Die Zeitpunkte an dem die entsprechenden Auf- und Untergangspunkte zwischen dem nördlichen und dem südlichen Horizont um die Punkte der Tag-und-Nacht-Gleichen im Osten und Westen, die definitionsgemäß bei der ekliptikalen Breite null genau in der Ekliptik liegen, am engsten beziehungsweise am weitesten auseinanderliegen, heißen große und kleine Mondwenden. Diese Mondwenden wiederholen sich also alle 18,61 Jahre. Hierbei treten auch extrem große und extrem kleinen Mondwenden auf. Um die Wintersonnenwenden der Jahre 2023, 2042, 2061 und so weiter treten beispielsweise größte Mondwenden auf, bei denen die Auf- und Untergangspunkte weit in Richtung Norden von den genau im Osten und im Westen liegenden Äquinoktialpunkten entfernt sind. Und um die Sommersonnenwenden der Jahre 2024, 2043, 2062 und so weiter treten kleinste Mondwenden auf, bei denen die Auf- und Untergangspunkte weit in Richtung Süden von den genau im Osten und im Westen liegenden Äquinoktialpunkten entfernt sind.

Die sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik liegen zwischen den Sternbildern Stier (Taurus, rechts) und Skorpion (Scorpio, links). Der Bogen der Ekliptik wird von den Wandelgestirnen entgegen dem Uhrzeigersinn vom Frühlingspunkt rechts zum Herbstpunkt links durchlaufen. In der Nähe unteren Bogenhälfte befinden sich keine hellen Fixsterne in der Nähe der Ekliptik, der helle Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) dient lediglich zur Orientierung. Außerhalb des Bogens liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich.

Aufgrund dieser Zusammenhänge werden alle möglichen Positionen des Mondes in Bezug auf die Ekliptik bei den ekliptikalen Längen von -180 bis +180 Bogengrad und den ekliptikalen Breiten von ungefähr -6 bis +6 Bogengrad innerhalb dieser 18,61-jährigen Periode erreicht. Somit erfolgen auch alle möglichen Sternbedeckungen (Okkultationen) oder nahe Konjunktionen innerhalb dieser Periodendauer und wiederholen sich danach im drakonitischen Zyklus. Die Bedeckungen hellsten ekliptiknahen Himmelsobjekte sind hierbei besonders spektakulär und gut zu beobachten. Dies gilt insbesondere für:

  • die Plejaden (Messier 45, 1,5m) im Sternbild Stier (Taurus)
  • die Hyaden (0,5m) im Sternbild Stier (Taurus)
  • den Roten Riesen Aldebaran (α Tauri, 1,0m) im Sternbild Stier (Taurus)
  • den Roten Überriesen Antares (α Scorpii, 1,0m) im Sternbild Skorpion (Scorpio),
  • den Stern Spica (α Virginis, 1,0m) im Sternbild Jungfrau (Virgo)
  • den Stern Regulus (α Leonis, 1,5m) im Sternbild Löwe (Leo)

Wenn der Mond bei der Bedeckung der Plejaden seine maximale nördliche ekliptikale Breite bereits zuvor erreicht hatte und sich also bereits wieder in Richtung seines absteigenden Knotens bewegt, befindet sich in der Nähe des absteigenden Knotens der Königsstern Regulus im Sternbild Löwe (Leo), so dass es ungefähr eine Woche später ebenfalls zu dessen Bedeckung durch den Mond kommen kann. Da der Stern Antares α Scorpii) im Sternbild Skorpion (Scorpio) in etwa die gleiche südliche ekliptikale Breite hat wie die Plejaden eine nördliche ekliptikale Breite haben und beide auf gegenüberliegenden Punkten der Ekliptiklinie liegen, kommt es im Rhythmus des drakonitischen Zyklus innerhalb eines halben Monats gehäuft zu der Bedeckung beider Himmelsobjekte durch die Mondscheibe. Beide Ereignisse wären wegen der gegenüberliegenden Lage auf der Ekliptik heute allerdings nur während der langen Nächte im Winterhalbjahr zu sehen, wenn Antares praktisch nicht zu beobachten ist, weil er von der Sonne überstrahlt wird. Als der Frühlingspunkt im Altertum jedoch im Sternbild Stier stand, war die aufeinanderfolgende Bedeckung von Plejaden und Antares jedoch durchaus ein zu beobachtendes Doppelereignis.

Das nächste Mal werden die beiden eng benachbarten Elternsterne der Plejaden (der Titan Atlas und die Okeanide Pleione) von Mitteleuropa aus gesehen in den Morgenstunden des 8. Augusts 2024 von der Scheibe des abnehmenden Halbmonds bedeckt. Am 1. April 2025 werden gegen Mitternacht dann sogar mehrere helle Sterne des Sternhaufen durch die nur vier Tage alte Mondsichel bedeckt.

Auch im alten chinesischen, mündlich überlieferten Volksmärchen „Morgenhimmel“ wird der Zyklus vom Stern des großen Jahres erwähnt, der sich erst nach 18 Jahren, also im 19. Jahr wiederholt:[12]

Als Morgenhimmel gestorben war, berief der Kaiser den Sterndeuter und fragte: „Kanntest du Morgenhimmel?“
Der sagte: „Nein.“
Der Kaiser fragte: „Was verstehst du denn?“
Der Sterndeuter sagte: „Ich kann nach den Sternen sehen.“
„Sind alle Sterne an ihrem Platz?“ fragte der Kaiser.
„Ja. Nur den Stern des großen Jahres habe ich achtzehn Jahre nicht gesehen. Jetzt aber ist er wieder sichtbar.“
Da blickte der Kaiser zum Himmel auf und seufzte: „Achtzehn Jahre lang war Morgenhimmel mir zur Seite, und ich wusste nicht, dass er der Stern des großen Jahres war.“

Mit "Stern des großen Jahres" könnte ein Ereignis gemeint sein, bei dem der Mond alle 18,61 Jahre einen bestimmten hellen und ekliptiknahen Stern bedeckt, wie zum Beispiel einen der drei Königssterne Aldebaran (α Tauri) im Sternbild Stier (Taurus), Regulus (α Leonis) im Sternbild Löwe (Leo), Antares (α Scorpii) im Sternbild Skorpion (Scorpio) oder auch Spica (α Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo).

Auch für den drakonitischen Zyklus kann für dreizehn drakonitische Monate eine Berechnung in Bezug auf den 19-jährigen Meton-Zyklus durchgeführt werden:

  • Tropisches Sonnenjahr (von Frühlingspunkt zu Frühlingspunkt):
  • Drakonitischer Monat (von Mondknoten zu Mondknoten):
  • Drakonitisches Mondjahr (13 drakonitische Monate):
  • Jahresdifferenz zwischen tropischem Sonnenjahr und drakonitischem Mondjahr:
  • Meton-Zyklus: beziehungsweise
  • Genauigkeit des Meton-Zyklus:
  • Arithmetische Zusammensetzung und Primfaktorenzerlegung der Anzahl drakonitischer Mondzyklen:

Hier beträgt die Differenz zwischen Mondlauf und Sonnenlauf knapp einen halben Tag. Innerhalb der 19 Sonnenjahre eines Meton-Zyklus müssen hier acht zusätzliche (vierzehnte) drakonitische Monate eingeschaltet werden, damit Sonnen- und drakonitisches Mondjahr synchron bleiben.

Der Saros-Zyklus

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Der Saros-Zyklus umfasst sowohl eine Periode von 242 drakonitischen Monaten als auch eine Periode von 223 synodischen Monaten. Das sind gut 6585 Tage oder 18,03 tropische Sonnenjahre, also 18 Jahre und knapp 11 Tage). In der Graphik ist die Zeit vom aufsteigenden Knoten (rot) am 1. Januar 2023 bis zum aufsteigenden Knoten (rot) am 11. Januar 2041 dargestellt. Man beachte die gleichzeitige zyklische Wiederholung der jeweiligen Mondphasen sowie daraus folgend der Finsternisse im April und Mai sowie im Oktober und November mit einer Verschiebung von elf Kalendertagen im Sonnenjahr.
Die Mondwenden (die tagesaktuellen Auf- und Untergangsazimute des Mondes sind im unteren Bereich für die geographische Breite 52,5 Bogengrad (zum Beispiel in Berlin) dargestellt) haben ihr Minimum und Maximum demzufolge zu den entsprechenden Zeitpunkten, die Ausprägung dieser Extrema unterscheidet sich jedoch ein wenig, weil der Mond dort geringfügig abweichende minimale und maximale ekliptikale Breiten hat. Die kleinen Mondwenden beim Sommervollmond im Juli und die großen Mondwenden beim Wintervollmond (Jahreswechsel) sind in der Graphik ebenfalls nachvollziehbar.
Legende

Über die weiter oben beschriebenen Koinzidenzen hinaus kann beobachtet werden, dass der Mond nach 18,03 Jahren (also nach 242 drakonitischen Monaten beziehungsweise 6585,3 Tagen) denselben auf- oder absteigenden Knoten erreicht, wobei Sonne und Mond dann die gleiche Elongation haben (nach 223 synodischen Monaten beziehungsweise 6585,2 Tagen). Sie befinden sich dann allerdings nur fast bei den gleichen ekliptikalen Längen beziehungsweise an den gleichen Stellen des Fixsternhimmels, da diese Dauer nur mit ungefähr einem halben Tag Differenz mit 241 siderischen Perioden übereinstimmt (6584,6 Tage). Innerhalb dieses halben Tages hat sich die Sonne um zirka ein halbes Bogengrad und der Mond sogar um ungefähr sechseinhalb Bogengrad weiterbewegt.

Dieser Zyklus wird Saros-Zyklus genannt. Innerhalb dieser Zeitspanne ergibt sich eine Reihe von Sonnen- und Mondfinsternissen, die sich in ihrer Abfolge immer wieder ähneln. Der Saros-Zyklus war bei den Babyloniern bereits im Altertum bekannt, was in Keilschrift geschrieben auf Tontafeln aus der Mitte des achten vorchristlichen Jahrhunderts überliefert ist.

Heute werden die sich wiederholenden Sonnen- und Mondfinsternisse, die sich auf einen bestimmten auf- oder absteigenden Knoten der Mondbahn beziehen und jeweils eine Lebensdauer von mehreren Jahrhunderten haben, zum Zwecke der Unterscheidung mit Nummern versehen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt der Weltgeschichte sind immer mehrere Dutzend Saros-Zyklen gleichzeitig aktiv.

Die anomalistische Periode steht für die Dauer, bis der Mond auf seiner elliptischen Bahn um die Erde erneut eines seiner beiden Apogäen erreicht, also das Perigäums (erdnächster Punkt) oder das Apogäum (erdfernster Punkt). Nach einer ganzzahligen vielfachen Dauer der anomalistischen Periode hat der Mond also stets fast die gleiche Entfernung zur Erde und somit auch die gleiche scheinbare Größe, so dass die Dauer und Art (totale oder ringförmige Sonnenfinsternis) einer Finsternis sich wiederholt.

Wegen der gleichen ekliptikalen Breiten des Mondes nach einer ganzzahligen vielfachen Dauer der drakonitischen Periode erscheint der Mondschatten auf der Erdoberfläche nach der Dauer einer Saros-Periode ungefähr beim gleichen Breitengrad. Durch die Differenz von rund einem drittel Tag ist der Längengrad allerdings nach einer Saros-Periode um knapp 120 Bogengrad nach Westen verschoben. Nach drei Saros Perioden, oder nach einem dadurch definierten Exeligmos-Zyklus, haben sich die drei Dritteltage fast auf einen Tag summiert, so dass nach der Mondschatten dann nicht nur wieder beim ähnlichen Breitengrad, sondern sogar beim ähnlichen Längengrad und zu einer ähnlichen Tageszeit auftaucht. Anders ausgedrückt: wenn an einem bestimmten Ort auf der Erdoberfläche eine Finsternis auftritt, so erfolgt in der Regel nach 19756 Tagen (54 Jahren und 33 Tagen) in dieser geographischen Region mit nur rund einer Stunde Verfrühung erneut eine solche Finsternis.

Exeligmos-Zyklus
Anzahl der Saros-Zyklen Dauer in tropischen Jahren Dauer in ganzen Tagen
1 18,03 6585
3 54,09 19756

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Dauern verschiedener Mondzyklen in einem Saros-Zyklus (18,03 tropische Jahre) sowie in einem dreimal so langen Zyklus Exeligmos-Zyklus (54,09 tropische Jahre) .

Synodische Perioden Drakonitische Perioden Tage Anomalistische Perioden
Dauer einer Periode in Tagen 29,53059 27,21222 1 27,53455
Anzahl der Perioden im Saros-Zyklus 223 242 6585 239
Anzahl der Tage im Saros-Zyklus 6585,3216 6585,3572 6585,0000 6580,7575
Differenz zu synodischen Perioden in Tagen 0,0000 0,0357 -0,3216 -4,5641
Differenz zu drakonitischen Perioden in Tagen -0,0357 0,0000 -0,3572 -4,5998
Differenz zu ganzen Tagen 0,3216 0,3572 0,0000 -4,2425
Differenz zu synodischen Perioden in Stunden 0,00 0,86 -7,72 -109,54
Differenz zu drakonitischen Perioden in Stunden -0,86 0,00 -8,57 -110,39
Differenz zu ganzen Tagen in Stunden 7,72 8,57 0,00 -101,82
Anzahl der Perioden im Exeligmos-Zyklus 669 726 19756 717
Anzahl der Tage im Exeligmos-Zyklus 19755,9647 19756,0717 19756,0000 19742,2724
Differenz zu synodischen Perioden in Tagen 0,0000 0,1070 0,0353 -13,6924
Differenz zu drakonitischen Perioden in Tagen -0,1070 0,0000 -0,0717 -13,7994
Differenz zu ganzen Tagen in Tagen -0,0353 0,0717 0,0000 -13,7277
Differenz zu synodischen Perioden in Stunden 0,00 2,57 0,85 -328,62
Differenz zu drakonitischen Perioden in Stunden -2,57 0,00 -1,72 -331,18
Differenz zu ganzen Tagen in Stunden -0,85 1,72 0,00 -329,46

Mondwenden

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Da sich die Sonne definitionsgemäß immer in der Ekliptikebene befindet, wiederholen sich die Verhältnisse in Bezug auf ihre Auf- und Untergangspunkte sowie auf ihre südlichen und die nördlichen Kulminationshöhen in jedem tropischen Sonnenjahr. Zur Sommersonnenwende steht die Sonne am höchsten und am längsten über den Horizont, die Auf- und Untergangsazimute erreichen ihre nördlichsten Positionen und es ergibt sich der Kalendertag mit dem längsten Tagesslicht und der kürzesten Dunkelheit. Zur Wintersonnenwende steht die Sonne am niedrigsten und am kürzesten über den Horizont, die Auf- und Untergangsazimute erreichen ihre südlichsten Positionen und es ergibt sich der Kalendertag mit dem kürzesten Tagesslicht und der längsten Nacht. Bei den beiden Äquinoktien zum Frühlings- und Herbstbeginn herrscht die Tag-und-Nacht-Gleiche, zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht .Die Sonne geht überall auf der Erde exakt im Osten auf beziehungsweise im Westen unter.

Mit dem Neumond verhält es sich ähnlich wie mit der Sonne, da er sich stets in Sonnennähe befindet. Die Mondbahn ist gegenüber der Ekliptik jedoch geneigt (Inklination der Mondbahn), so dass der Mond bis zu gut 5 Bogengrad höher oder niedriger stehen kann, als die Sonnenscheibe. Bei einer großen Mondwende steht die Ekliptik immer besonders hoch über dem Horizont und der Mond hat gleichzeitig seine maximale nördliche ekliptikale Breite erreicht. Wenn der Vollmond bei einer großen Mondwende auf dem südlichen Meridian kulminiert, findet dieses Ereignis als größte Mondwende um Mitternacht zur Wintersonnenwende statt (im Dezember 2023, 2042 und 2061).

Die Größte Mondwende bei der am höchsten stehenden Ekliptik auf der Nordhalbkugel sowie die Sommersonnenwende im Horizontsystem. Die blaue Mondbahn wird während der Sommersonnenwende nur bei Neumond gleichzeitig mit der orangefarbenen Sonnenbahn durchlaufen. Während der Wintersonnenwende findet diese große Mondwende statt, wenn der Mond in Opposition zur Sonne steht und somit Vollmond herrscht.

Bei einer kleinen Mondwende steht die Ekliptik immer besonders niedrig über dem Horizont und der Mond hat gleichzeitig seine minimale südliche ekliptikale Breite erreicht. Wenn der Vollmond bei einer kleinen Mondwende auf dem südlichen Meridian kulminiert, findet dieses Ereignis als kleinste Mondwende um Mitternacht zur Sommersonnenwende statt (im Juni 2024, 2043 und 2062).

Die kleinste Mondwende bei der am niedrigsten stehenden Ekliptik auf der Nordhalbkugel sowie die Wintersonnenwende im Horizontsystem. Die blaue Mondbahn wird während der Wintersonnenwende nur bei Neumond gleichzeitig mit der orangefarbenen Sonnenbahn durchlaufen. Während der Sommersonnenwende findet diese kleine Mondwende statt, wenn der Mond in Opposition zur Sonne steht und somit Vollmond herrscht.
Zunehmender Mond zum Herbst-Äquinoktium bei kleiner Mondwende mit flacher Ekliptik in Berlin mit fast senkrecht stehender Mondsichel (38% beleuchtet) im Sternbild Skorpion kurz vor Sonnenuntergang. Visuelle Helligkeit -9 mag, südliche ekliptikale Breite = -5°, Höhe über dem südlichen Horizont = 9°, Mondalter 6,2 Tage.

In der folgenden Übersicht sind die Mondaufgangspunkte am östlichen Horizont, die Kulminationspunkte auf dem südlichen Meridian und die Monduntergangspunkte am westlichen Horizont für die vier verschiedenen Jahreszeiten angegeben:

Die Lage des Bogens der Ekliptik über dem nächtlichen Horizont zu verschiedenen Jahreszeiten
Jahreszeit Abends
(Aufgang des Vollmonds
in östlicher Richtung)
Um Mitternacht
(Kulmination des Vollmonds
auf dem südlichen Meridian)
Morgens
(Untergang des Vollmonds
in westlicher Richtung)
Frühlingsanfang
Tag-und-Nacht-Gleiche
Sommeranfang
Sommersonnenwende
Herbstanfang
Tag-und-Nacht-Gleiche
Winteranfang
Wintersonnenwende

Im Laufe eines drakonitischen Monats geht der Mond sowohl durch den aufsteigenden als auch durch den absteigenden Knoten (Drachenpunkte) seiner Mondbahn. Nach dem Durchqueren des aufsteigenden Knotens wird die ekliptikale Breite des Mondes positiv (nördliche ekliptikale Breite), er steigt in Bezug zur Ekliptiklinie nach Norden und bleibt entsprechend immer länger über dem Horizont. Nach dem Durchqueren des absteigenden Knotens wird die ekliptikale Breite des Mondes negativ (südliche ekliptikale Breite), er fällt in Bezug zur Ekliptiklinie nach Süden und bleibt entsprechend immer kürzer über dem Horizont. In der deutschsprachigen Schweiz gibt es für diese im Laufe eines drakonitischen Monats täglich mehr oder weniger deutlich wahrnehmbaren Änderungen der ekliptikalen Breite sogar eigene Adjektive. Das Ansteigen der ekliptikalen Breite des Mondes nach Norden wird obsigend, und das Abfallen der ekliptikalen Breite des Mondes nach Süden wird nidsigend genannt.

Verschiedene Mond- und Sonnenwenden auf dem südlichen Meridian im Laufe eines Jahres in Bezug zum Horizontsystem.

Im Laufe der Zeit pendelt der Mond immer wieder zwischen den kleinen und großen Mondwenden. Dieser Ablauf wiederholt sich nach einem vollständigen drakonitischen Zyklus, also nach 18,61 Jahren, innerhalb dessen die kleinste und die größte Mondwende im zeitlichen Abstand von rund 9,3 Jahren jeweils einmal erreicht wird.

Die Deklinationen des Mondes pendeln also um die Werte der Deklination der Sonne . Die Deklination und der maximale Höhenwinkel bei der Kulmination des Mondes auf dem südlichen Meridian ergeben sich unter Berücksichtigung der Inklination der Mondbahn gegenüber der Ekliptikebene (heute 5,145 Bogengrad) wie folgt:

Deklinationen des Mondes
Ereignis Deklination des Mondes Maximaler Höhenwinkel des Mondes
Azimut des Mondaufgangs
Azimut des Monduntergangs
Kleinste Mondwende
Kleine Mondwende - -
Mond im Knoten - -
Große Mondwende - -
Größte Mondwende

Die für die Azimute anzuwendenden Formeln hängen vom Vorzeichen der Deklination des Mondes ab. Bei den kleinen Mondwenden, bei den großen Mondwenden und zu den Zeiten, wenn sich der Mond in seinen Knoten befindet, können die Azimute entsprechend den Verhältnissen bei den anderen Formeln berechnet werden.

Die maximalen Höhenwinkels des Mondes und der Sonne konnten zum Beispiel schon in der Bronzezeit mit Hilfe von Stabdolchen beobachtet und bestimmt werden.

Siehe hierzu auch Stabdolche.

Vergleich der Perioden

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Die folgenden Periodendauern spielen bei Sonnen- und Mondzyklen eine besondere Rolle:

  • Meton-Zyklus:
    • 19 tropische Sonnenjahre = 6939,6 Tage, bestimmt durch die ekliptikale Länge der Sonne in Bezug zum Frühlingspunkt mit ihren Äquinoktien und Sonnenwenden.
    • 235 synodische Monate = 6939,7 Tage, bestimmt durch die Mondphasen mit Neumonden und Vollmonden.
    • 254 siderische Monate = 6939,7 Tage, bestimmt durch die ekliptikale Länge des Mondes in Bezug zum Frühlingspunkt und den Fixsternhimmel.
    • 255 drakonitische Monate = 6939,1 Tage, bestimmt durch die ekliptikale Breite des Mondes beziehungsweise die auf- und absteigenden Knoten der Mondbahn.
  • Drakonitischer Zyklus:
    • 249,83 drakonitische Monate = 6798,38 Tage = 18,61 tropische Sonnenjahre, bestimmt durch die ekliptikalen Längen der auf- und absteigenden Knoten der Mondbahn: Zyklus der Mondwenden und Sternbedeckungen
  • Saros-Zyklus:
    • 242 drakonitische Monate = 6585,3 Tage = 18,03 tropische Sonnenjahre (respektive 18 Jahre und 11 Tage): Zyklen der Sonnen- und Mondfinsternisse
    • 223 synodische Monate = 6585,4 Tage, bestimmt durch die Mondphasen mit Neumonden und Vollmonden.
Der 19-jährige Meton-Zyklus vom Januar 2023 bis zum Januar 2042. Die Zeit schreitet in horizontaler Richtung jeweils um einen halben Tag pro Bildpunkt voran.
Im unteren Teil des Diagramms sind die kleinen und großen Mondwenden für die geographische Breite 52,5 Bogengrad (zum Beispiel in Berlin) dargestellt.
Herbstäquinoktium (orange) und Sonnenfinsternis bei aufsteigendem (rot) Neumond am 23. September 2033 (orangefarbene Linie), Mondfinsternis bei absteigendem (blau) Vollmond am 8. Oktober 2033 und Wintersonnenwende (türkis) mit kleiner Mondwende bei Neumond am 21. Dezember 2033 (grüne Linie).

Der Vollmond (weiß) erscheint sowohl zu Beginn der Darstellung am 6. Januar 2023 als auch nach genau 19 Jahren am 6. Januar 2042. Dieser Sachverhalt ergibt sich daraus, dass nach dem Durchlauf eines Meton-Zyklus eine ganzzahlige Anzahl von 235 synodischen Perioden durchlaufen wird (gleiche Elongation des Mondes). Diese Vollmonde stehen bei der gleichen ekliptikalen Länge im Sternbild Zwillinge (Gemini). Dieser Sachverhalt ergibt sich daraus, dass nach dem Durchlauf eines Meton-Zyklus eine ganzzahlige Anzahl von 254 siderischen Perioden durchlaufen wird. Gleichzeitig steht auch die Sonne nach 19 tropischen Sonnenjahren auf dem Zodiak bei der gleichen ekliptikalen Länge und somit erneut genau gegenüber vom Mond im Sternbild Schütze (Sagittarius). Da die Meton-Periode nur gut einen halben Tag länger ist als 255 drakonitische Perioden, stehen diese beiden Vollmonde bei fast der gleichen ekliptikalen Breite nördlich vom Stern Mebsuta (ε Geminorum).

Große Mondwenden mit maximaler Höhe des Mondes und längstem Bogen über dem Horizont folgen stets dem aufsteigenden Mondknoten (rot), und kleine Mondwenden mit minimaler Höhe des Mondes und kürzestem Bogen über dem Horizont folgen stets dem absteigenden Mondknoten (blau).

Kleinste Mondwende um die Mittsommernacht 2024: Der Vollmond (scheinbarer Durchmesser = 31,8 Minuten) am 23. Juni 2024 nach ein Uhr und kurz vor der oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian von Berlin-Lankwitz (nördliche geographische Breite = 52,44 Bogengrad) aus gesehen. Die ekliptikale Breite hatte einen Minimalwert, der fast 6 Bogengrad südliche Breite betrug und somit zu einer extrem geringen maximalen Höhe über dem Horizont von nur 8,5 Bogengrad führte.Im norwegischen Trondheim (nördliche geographische Breite = 63,44 Bogengrad, also drei Breitengrade südlich vom nördlichen Polarkreis) oder im isländischen Reykjavik (nördliche geographische Breite = 64,15 Bogengrad) war in diesen Tagen weder die Mitternachtssonne noch der Vollmond zu sehen.Der helle Stern rechts oberhalb der Mondscheibe ist Nunki im Schützen (σ Sagittarius, visuell 2,7m), unterhalb ist Asella (ζ Sagittarius, visuell 4,2m) zu sehen.

Die größte Mondwende bei Vollmond tritt stets zur Wintersonnenwende und die kleinste Mondwende bei Vollmond tritt stets zur Sommersonnenwende auf. Je nach ekliptikaler Breite des Mondes schwanken die absoluten Werte für die Horizontwinkel um das doppelte der Inklination der Mondbahn, das heißt um bis zu 10,29 Bogengrad. Die ekliptikale Breite bezieht sich auf den Erdmittelpunkt, da dieser in der Ekliptikebene liegt. Die von der Erdoberfläche aus beobachtete ekliptikale Breite des im Mittel nur zirka 383100 Kilometer entfernten Mondes hängt zusätzlich vom jeweiligen geographischen Breitengrad der Beobachtung ab. Der Nordpol und der Südpol liegen um den Polradius von 6357 Kilometer oberhalb (nördlich) beziehungsweise unterhalb (südlich) der Ekliptikebene. Daraus resultiert für die beobachtete ekliptikale Breite ein zusätzlicher Winkel von:

Die größte Mondwende bei Vollmond (weiß) tritt bei maximaler ekliptikaler Breite des Mondes um die Wintersonnenwende (türkis, siehe Dezember 2023) auf. Die kleinste Mondwende bei Vollmond (weiß) tritt bei minimaler ekliptikaler Breite des Mondes um die Sommersonnenwende (gelb, siehe Juni 2024).

In dem 19-jährigen Diagramm (siehe oben) ist gut zu erkennen, wie sich die Konstellation zwischen Mondknoten (rot und blau) und Mondphasen (weiß und schwarz) nach den 19 Jahren des Meton-Zyklus wiederholt (vergleiche Januar 2023 und Januar 2042).

Der erste aufsteigende Mondknoten (rot) wird fünf Tage vor Vollmond am 2. Januar 2023 erreicht. Nach einer vollständigen Saros-Periode von 18 Jahren und 11 Tagen, also am 12. Januar 2041 wird fünf Tage vor Vollmond ebenfalls wieder ein aufsteigender Mondknoten erreicht.

Eine Besonderheit gibt es im März 2038: Die Tag-und-Nacht-Gleiche erfolgt bereits am 20. März 2038 (Samstag) und der erste Frühlingsvollmond nur einige Stunden später am 21. März 2038 (Sonntag). Grundsätzlich müsste also der darauffolgende Sonntag, nämlich der 28. März 2038, das Osterdatum sein. In diesem Fall greift die abweichende Regel, dass erst der Vollmond nach dem 21. März als Frühlingsvollmond zu rechnen ist, was erst am 19. April 2038 (Montag) der Fall ist. Demzufolge ist das Osterdatum auf den 25. April 2038 (Sonntag) festgelegt.

Eine Sonnenfinsternis tritt immer dann auf, wenn ein Neumond (weiß) zeitnah durch einen aufsteigenden (rot) oder absteigenden (blau) Mondknoten läuft. Dies ist im obigen Diagramm an den folgenden Tagen der Fall:

  • 20. April 2023, 14. Oktober 2023, 8. April 2024, 2. Oktober 2024, 29. März 2025, 21. September 2025 (Herbstäquinoktium), 17. Februar 2026, 12. August 2026, 6. Februar 2027, 2. August 2027, 26. Januar 2028, 22. Juli 2028, 14. Januar 2029, 12. Juni 2029, 11. Juli 2029, 5. Dezember 2029, 1. Juni 2030, 25. November 2030, 21. Mai 2031, 14. November 2031, 9. Mai 2032, 3. November 2032, 30. März 2033, 23. September 2033 (Herbstäquinoktium), 20. März 2034 (Frühlingsäquinoktium), 12. September 2034, 9. März 2035, 2. September 2035, 27. Februar 2036, 23. Juli 2036, 21. August 2036, 16. Januar 2037, 13. Juli 2037, 5. Januar 2038, 2. Juli 2038, 26. Dezember 2038, 21. Juni 2039 (Sommersonnenwende), 15. Dezember 2039, 11. Mai 2040, 4. November 2040, 30. April 2041, 25. Oktober 2041

Genau neunzehn Jahre nach den ersten beiden genannten Sonnenfinsternissen im Jahr 2023 treten an den gleichen Kalendertagen erneut zwei Sonnenfinsternisse auf, nämlich am 20. April 2042 und am 14. Oktober 2042.

Neunzehn Jahre vor den sechs ersten aufgeführten Sonnenfinsternissen in den Jahren 2023 bis 2025 traten an fast immer den gleichen Kalendertagen ebenfalls Sonnenfinsternisse auf, nämlich am 19. April 2004, am 14. Oktober 2004, am 8. April 2005, am 3. Oktober 2005, am 29. März 2006 und am 22. September 2006.

Eine Mondfinsternis tritt immer dann auf, wenn ein Vollmond (weiß) zeitnah durch einen aufsteigenden (rot) oder absteigenden (blau) Mondknoten läuft. Dies ist im obigen Diagramm an den folgenden Tagen der Fall:

  • 5. Mai 2023, 28. Oktober 2023, 25. März 2024, 18. September 2024, 14. März 2025, 7. September 2025, 3. März 2026, 28. August 2026, 20. Februar 2027, 18. Juli 2027, 17. August 2027, 12. Januar 2028, 6. Juli 2028, 31. Dezember 2028, 26. Juni 2029, 20. Dezember 2029 (Wintersonnenwende), 15. Juni 2030, 9. Dezember 2030, 7. Mai 2031, 5. Juni 2031, 30. Oktober 2031, 25. April 2032, 18. Oktober 2032, 14. April 2033, 8. Oktober 2033, 3. April 2034, 28. September 2034, 22. Februar 2035, 19. August 2035, 11. Februar 2036, 7. August 2036, 31. Januar 2037, 27. Juli 2037, 21. Januar 2038, 17. Juni 2038 (Sommersonnenwende), 16. Juli 2038, 11. Dezember 2038, 6. Juni 2039, 30. November 2039, 26. Mai 2040, 18. November 2040, 16. Mai 2041, 8. November 2041

Der Kalenderstein vom Tempel Mnajdra

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Auf Malta wurde im Hypogäum von Ħal-Saflieni beim Ort Tarxien ein annähernd kreisrunder Stein aus der Tempelperiode der Insel mit zirka sechs Zentimeter Durchmesser gefunden, der wie die Darstellung einer Vollmondscheibe aussieht.[13] Im maltesischen Tempel Mnajdra sind an der südlichen Küste Maltas zirka zehn Kilometer entfernt davon zwei große Kalendersteine gefunden worden, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen.

Auf dem östlichen Kalenderstein gibt es mehrere Lochreihen, deren Lochzahlen alle mit lunaren und solaren Kalendern in Zusammenhang gebracht werden können. In der heute zusammengestellten Anordnung der Steine können nicht alle Löcher gebohrt worden sein, da diese teilweise von anderen Steinen verdeckt sind. Die Bohrungen sind heute in horizontaler Richtung ausgerichtet, wurden damals vermutlich unter Ausnutzung der Gravitation senkrecht nach unten auf dem noch liegenden Stein ausgeführt. In dieser Ausrichtung des Steins wäre es auch leicht möglich gewesen, für Markierungs- oder Zählzwecke zum Beispiel kugelförmige Gegenstände in die Löcher zu legen. Steckkalender aus Stein mit Bohrungen (bei den Griechen hießen sie Parapegmata) waren im Altertum an vielen Orten in Verwendung.

Am Kopf des Steins gibt es mehrere hundert, flächenhaft angeordnete Löcher, die eventuell für die einzelnen Monate oder Jahre einer langfristigen Beobachtung stehen. Darunter tauchen rechtsbündig sieben horizontale Lochreihen auf, die in der Skizze mit den Buchstaben A bis G gekennzeichnet sind, wobei die beiden Teilreihengruppen B1 und B2 sowie C1, C2 und C3 zusammengefasst betrachtet werden:

Skizze der Lochreihen auf dem Kalenderstein von Mnajdra nach Ventura und Hoskin.[14]
Lochreihen auf dem östlichen Kalenderstein vom Tempel Mnajdra auf Malta
Reihe Anzahl der Löcher Mögliche Verwendung
A 19 Für die jeweilige Goldene Zahl jedes Sonnenjahres innerhalb des 19-jährigen Meton-Zyklus (235 synodische, 255 drakonitische, 254 siderische Monate beziehungsweise 6940 Tage).
Nach einem Sonnenjahr hat die Sonne wieder die gleiche ekliptikalen Länge. Nach Ablauf der gesamten Meton-Periode hat der Mond wieder die gleiche Mondphase und die gleiche ekliptikalen Breite und die gleiche ekliptikalen Länge (zum Beispiel im Goldenen Tor der Ekliptik oder im Frühlingspunkt).
B B1: 13 (links) In Summe 29, für die Anzahl der vollständigen Tage in einem synodischen Monat (29,5 Tage). Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase erreicht.
Vom Altlicht des Mondes bis zum Vollmond sind es 16 Tage, und danach sind es 13 Tage bis zum nächsten Altlicht.
Nachdem die Doppelreihe vervollständigt wurde, gibt es dafür einen Übertrag in die Reihe E und wenn diese bereits voll ist, für das nächste beginnende Jahr mit der nächstfolgenden Goldenen Zahl einen Übertrag in die Reihe A.
B2: 16 (rechts darunter)
C C1: 3 (rechts oben) Für die sieben vollständigen Tage eines Mondviertels (≈7,4 Tage) respektive einer Woche.
Wenn diese Doppelreihe gefüllt ist, gibt es für die Vervollständigung einer neuen Woche einen Übertrag in die Reihe G für die Wochen in einem Jahr.
Alternativ könnten hier jeweils die drei Monate in den vier Jahreszeiten markiert und gezählt worden sein.
Ein weiterer Zusammenhang besteht eventuell mit der Tatsache, dass in 19 Jahren (siehe Reihe A) sieben synodische Schaltmonate erforderlich sind, um in einem lunisolaren Kalender den Lauf von Sonne und Mond bis auf wenige Stunden genau zu synchronisieren (siehe hierzu auch Plejaden-Schaltregeln).
C2: 4 (rechts unten)
C3: 3 (links) Für die drei nach Neumond vollendeten Mondviertel innerhalb eines laufenden synodischen Monats.
Beim Erreichen eines Neumonds, eines abnehmenden Halbmonds, eines Vollmonds oder eines abnehmenden Halbmonds gibt es jeweils einen Übertrag in die Reihe D oder in die Reihe F (siehe unten).
D 25 Für die 25 vollendeten Mondviertel in der ersten Hälfte eines Sonnenjahres, oder entweder für alle zunehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres zunehmend war) oder für alle abnehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres abnehmend war) eines Sonnenjahres (vergleiche Reihe F).
E 11 Nachdem die Doppelreihe B vollständig durchlaufen wurde, gibt es einen Übertrag in diese Reihe. Diese elf Mulden stehen dann für überzähligen Tage in einem Sonnenjahr (365,2 Tage) im Vergleich zu zwölf synodischen Monaten (354,4 Tage). Wenn diese Reihe bereits voll ist, gibt es für das nächste beginnende Jahr mit der nächstfolgenden Goldenen Zahl einen Übertrag in die Reihe A.
F 24 + 1 = 25 Für die 24 bis 25 vollendeten Mondviertel in der zweiten Hälfte eines Sonnenjahres, oder entweder für alle abnehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres zunehmend war) oder für alle zunehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres abnehmend war) eines Sonnenjahres (vergleiche Reihe D). Das 25. Loch ist etwas abgesetzt, da es für ein am Ende des Jahres eingeschaltetes 50. Mondviertel (Dauer = 7,38265 Tage) steht, das nur in ungefähr jedem zweiten Sonnenjahr auftritt:
49 x 7,38265 Tage ≈ 361,75 Tage beziehungsweise 50 x 7,38265 Tage ≈ 369,13 Tage
365,242 Tage - 361,75 Tage ≈ 3,5 Tage beziehungsweise 365,242 Tage - 369,13 Tage ≈ -3,9 Tage
G 53 Für die begonnenen 53 Siebentagewochen in einem Sonnenjahr (Dauer = 365,242 Tage) beziehungsweise von einem heliakischen Auf- oder akronychischen Untergang der Plejaden zum nächsten.
Über dem östlichen Horizont beim Morgenletzt gerade noch sichtbares Altlicht des abnehmenden Mondes 33 Stunden vor Neumond mit der vom Erdschein beleuchteten Nachtseite des Mondes. Die Aufnahme entstand kurz vor Herbstbeginn, als die Ekliptik morgens fast senkrecht auf dem Horizont stand.

Zu der Doppelreihe B sei angemerkt, dass auch im altägyptischen Mondkalender, der im Neolithikum in Verwendung war, der Monat nicht mit dem unsichtbaren Neumond, sondern mit dem gerade noch sichtbaren Altlicht des Morgenletztes des Mondes begann, also gut einen Tag vor Neumond.[15] Die beiden letzten Löcher sind etwas nach links abgesetzt, was mit folgendem Sachverhalt im Einklang steht: zwei Tage vor dem Ende einer synodischen Periode, also schon nach gut 27 Tagen, ist ein siderischer Monat vorüber, nach welchem der Mond die gleiche ekliptikale Länge erreicht hat. Das heißt bereits nach gut 27 Tagen steht der Mond zum Beispiel wieder im Goldenen Tor der Ekliptik, bevor er erst nach gut 29 Tagen erneut sein Altlicht erreicht (gut einen Tag vor Neumond). Die Sonne ist innerhalb des synodischen Monats durch die Bewegung der Erde um die Sonne gegenüber dem Fixsternhimmel um knapp 30 Bogengrad weiter nach links gezogen.

Die 25 Wochen des abnehmenden Mondes werden zum Beispiel auch im 79. Kapitel des ungefähr 2000 Jahre alten  äthiopischen Henochbuches erwähnt.[16] Alternativ könnten die 50 Löcher in Reihen D und F eventuell auch für die 50 vollständigen Siebentagewochen (350 Tage) innerhalb von zwölf synodischen Perioden stehen, die eine Dauer von 50,6 Wochen beziehungsweise 354,4 Tagen haben.

Zur Zahl Elf (Reihe E) ist noch festzuhalten, dass die Erde innerhalb eines siderischen Jahres des Planeten Jupiter (zwölf Erdenjahre) elf Mal mit diesem in Opposition steht. Zu diesen Zeitpunkten ist der Abstand zwischen Erde und Jupiter am geringsten, der Jupiter hat steht in seinem größten Glanz und er kulminiert um Mitternacht auf dem südlichen Meridian.

Detail des westlichen Kalendersteins aus dem Osttempel von Mnajdra.

Auch auf einem weiteren, sogenannten westlichen und heute ebenfalls aufgerichteten Stein der Tempelanlage sind mehrere Lochreihen zu sehen, die aus 16, 12, 19, 7, 30, 31, 32, 35, 37, 12 und 13 Löchern bestehen.[17] Einige dieser Zahlen tauchen auch im Zusammenhang mit dem östlichen Stein auf oder sind ebenfalls leicht mit lunaren oder solaren Kalendertagen in Verbindung zu bringen:

  • 16: Anzahl der Tage vom Altlicht bis zum Vollmond.
  • 12: Anzahl der vollständigen Monate pro Jahr.
  • 19: Anzahl der tropischen Jahre pro Meton-Periode.
  • 7: Anzahl der vollständigen Tage pro Mondviertel respektive der Tage pro Woche.
  • 30: aufgerundete Anzahl der Tage pro synodischer Periode respektive der Tage pro Monat.

→ In Bezug auf die Bedeutung von bestimmten Zahlen in der Astronomie siehe auch Exkurs „Zahlen“.

Malereien in der Höhle von Magura

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In der schon im Neolithikum genutzten Magura-Höhle im Nordwesten des heutigen Bulgariens gibt es nicht nur eine sehr alte bildliche Darstellung eines Schöpfungsmythos, sondern ebenfalls Hinweise darauf, dass verschiedene Mondzyklen bekannt waren. Unter den Darstellungen befindet sich insbesondere eine Reihe von Strichen, mit denen die 16 Tage vom Altlicht des Mondes bis zu Vollmond gezählt worden sein können.

→ Weitere Erläuterungen finden sich im Wikibook „Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle“.

Erste Hälfte des synodischen Monats in einer Darstellung der Höhlenmalerei von Magura. Rechts ist die schmale, liegende Mondsichel des Altlichts beim Morgenletzt zu sehen. Ein bis zwei Tage später ist Neumond, danach nimmt der Mond wieder zu, und nach insgesamt sechzehn Tagen wird der Vollmond erreicht (links).

Kontrastverhältnisse bei aschgrauem Mondlicht

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Die vom Erdschein beleuchtete Nachtseite des Mondes wird neben der schmalen Mondsichel (11 Prozent, Mondalter = 3,3 Tage) mit aschgrauem Mondlicht sichtbar. Aufnahme über dem westlichen Abendhimmel kurz nach dem Äquinoktium im Frühjahr bei besonders steiler Ekliptik von Berlin aus gesehen. Links der Stern Omikron Arietis (37 Ari, 6,2m) im Sternbild Widder.

Das aschgraue Mondlicht kann wenige Tage vor und nach Neumond im Schattenbereich des Mondes beobachtet werden, wenn die Sonne unter dem Horizont steht. Der Schattenbereich wird hierbei durch den Erdschein beleuchtet und hebt sich deutlich sichtbar vom Himmel ab, der den Mond umgibt. Der Erdschein hängt vom Albedo der vom direkten Sonnenlicht getroffenen Erde ab und kann insbesondere durch den Anteil an Wolken in der Atmosphäre sowie an Eis- und Schneeflächen auf der Erdoberfläche schwanken. Bereits die Babylonier haben im sechsten vorchristlichen Jahrhundert diesen visuellen Effekt in bildlichen Darstellungen auf Steinreliefs mit dem König Nabonid vor der Mondsichel mit aschgrauem Licht festgehalten:[18]

Altlicht des Mondes am 3. November 2021 mit aschgrauem Licht im Schattenbereich des Mondes von Berlin aus gesehen.

Das nebenstehende Bild des Altlichts (Mondalter 27,7 von 29,5 Tagen) im Sternbild Jungfrau wurde am 3. November 2021 um 7:05 Uhr morgens mit einem hochwertigen Teleobjektiv mit guter Kontrastübertragung über dem ostsüdöstlichen Horizont (Azimut 122 Bogengrad) in Berlin aufgenom­men. Die Sonne stand zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gut ein Bogengrad unter dem Hori­zont, der Mond hatte eine nördliche ekliptikale Breite von gut 3 Bogengrad und eine Elongation von 22 Bogengrad, so dass er bei wolkenlosem Himmel und bei einer Höhe von 17,5 Bogengrad über dem Horizont gut zu beobachten war. Die Mondscheibe war mit bloßem Auge vollständig sichtbar und war zu 3,7 Prozent vom direkten Sonnenlicht beleuchtet.

Die aufgenommenen Rohdaten wurden für diese Auswertung mit einer Software mit mög­lichst neutralen Einstellungen zu einer Schwarz-Weiß-Aufnahme entwickelt (Kontrast = 1, Gamma = 1, Farbtemperatur = 4100 Kelvin, Farbsättigung = 0). Anhand der Bilddaten können die Luminanzwerte (Helligkeiten) im Bild bestimmt werden, um aus beliebigen paarweisen Luminanzwerten den jeweiligen Kontrast zu berechnen. Der Michelson-Kontrast (auch Modulation), der sich aus zwei benachbarten Luminanzwerten und ergibt (Bedingung: ), liegt immer zwischen 0 (, also kein Kontrast) und 1 beziehungsweise 100 Prozent (, also maxi­maler Kontrast):

→ Siehe auch Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Grundlagen, Abschnitt Modulation.

Die Sichel ist in der ausgewerteten Aufnahme nicht überbelichtet, hat im Scheitel einen mittleren Luminanzwert von:

Der den Mond umgebende Himmel hat durch das vorhandene Streulicht in der Troposphäre einen mittleren Luminanzwert von:

Daraus resultiert ein entsprechend hoher Michelson-Kontrast :

Im aschgrauen Licht in der Schattenseite des abnehmenden Mondes (dessen gesamte scheinbare Helligkeit beträgt bei der in der Abbildung sichtbaren Mondphase übrigens ungefähr -3m), die vom Erdschein beleuchtet wird, ergibt sich für die etwas variierende Reflektivität der Mondoberfläche ein mittlerer Luminanzwert von:

Im Vergleich zur hellen Mondsichel ergibt sich daraus ein etwas geringerer Kontrast zwischen Mondsichel und Mondschatten als zwischen Mondsichel und Nachthimmel:

Die Standardabweichung beträgt in der Schattenseite des abnehmenden Mondes:

.

Innerhalb der sichtbaren Schattenseite des Mondes resultiert aus den dort mit einer Standardabweichung um den Mittelwert herum auftretenden Luminanzwerten für das aschgraue Licht ein Kontrast von nur 10 Prozent:

Dieser Kontrastwert ergibt sich im Übrigen im gleichen Maße auch auf der von der Sonne voll beleuchteten und dann jedoch insgesamt erheblich helleren Oberfläche des Vollmonds (die scheinbare Helligkeit beträgt dann ungefähr -13m).

Anmerkung: Die Sinnhaftigkeit der Kontrastbestimmung mit der Standardabweichung begründet sich in der Tatsache, dass eine perfekte schwarz-weiße Kante mit einem maximalen Luminanzwert im hellen Bereich und einem Luminanzwert von Null im dunklen Bereich eine Modulation von eins hat, sofern die weiße und die schwarze Teilfläche gleich groß sind und jeweils Messwerte beinhalten. Sowohl der Mittelwert aller Luminanzwerte als auch die Standardabweichung aller Luminanzwerte sind dann beide genau halb so groß wie der maximale Luminanzwert:
Der Mittelwert zuzüglich der Standardabweichung entspricht dann dem maximalen Luminanzwert:
Und der Mittelwert abzüglich der Standardabweichung hat dann den Wert Null:
Der auf diesem Weg bestimmte Kontrast stimmt mit dem oben genannten Kontrast an der Kante überein:

Schließlich kann auch noch der Kontrast an der Außenkante der nur vom Erdschein beleuch­teten Mondscheibe bestimmt werden, also zwischen aschgrauem Mondlicht und Himmel:

Dieser Kontrast ist also deutlich höher als der innerhalb des Mondschattenbereichs. Die Helligkeit wechselt an der Kante der Mondscheibe zudem schlagartig und ist deswegen besser wahrnehmbar als die Helligkeitsunterschiede innerhalb des Schattenbereiches, wie im Folgenden ausgeführt wird.

Kontrastempfindlichkeitsfunktion (englisch: Contrast Sensitivity Function, CSF) des menschlichen Auges über der Ortsfrequenz in Linienpaaren pro Grad.

Strukturen, bei denen sich die Helligkeit innerhalb eines achtel Bogengrades (7,5 Bogen­minuten) ändert, werden von einem gesunden menschlichen Auge nahezu perfekt auf die Netzhaut übertragen und sind deshalb am besten wahrzunehmen. Weichere Strukturen mit sich langsamer und kontinuierlich ändernder Helligkeit oder kleinere Strukturen sind bei gleichem Objektkontrast schwieriger zu erkennen. Ob ein bestimmter Objektkontrast mit bloßem Auge wahrgenommen werden kann, kann mit Hilfe der Kontrastempfindlichkeits­funktion (Contrast Sensitivity Function (CSF)) des menschlichen Auges ermittelt werden, bei der die Kontrastübertragung von einem Objekt auf die Netzhaut des Auges über der Ortsfrequenz in Linienpaaren pro Bogengrad angegeben ist:

→ Siehe auch Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Grundlagen, Abschnitt Kontrastempfindlichkeitsfunktion.

Zur Kontrastempfindlichkeitsfunktion des menschlichen Auges mit den Ortsfrequenzen von 2 sinusmodulierten Linienpaaren pro Bildbreite (linke Bildhälfte) bis hin zu 1024 Linienpaaren pro Bildbreite (rechts am Bildrand), Bildgröße 3860 mal 2160 Bildpunkte (16:9) mit maximalem Kontrast unten, ohne Kontrast oben.

Das nebenstehende Diagramm und die darunter befindliche unfarbige Graphik mit den sinusförmigen Helligkeitsmodulationen visualisieren dies. Von links nach rechts wächst die Ortsfrequenz ausgehend von zwei Linienpaaren pro Bildbreite immer weiter, und der Kontrast ändert sich in vertikaler Richtung kontinuierlich zwischen den Extremwerten 0 und 1. Bei großen und sehr kleinen Ortsfrequenzen sind geringe Kontraste nicht so gut zu erkennen wie im mittleren Bereich. Die maximale Empfindlichkeit wird bei acht Linienpaaren pro Bogengrad erreicht und hängt bei einem gegebenen Objekt demzufolge vom Betrachtungsabstand ab.

Das Auge kann nach dieser Kontrastempfindlichkeitsfunktion innerhalb eines Bogengrades maximal bis zu 80 Linien mit maximalem Objektkontrast (also 40 Linienpaare mit dem Kontrast 1) wahrnehmen. In diesem Fall liegt der wahrgenommene Kontrast zwischen den benachbarten Linien bei ungefähr 5 Prozent. Bei 120 Linien mit maximalem Objektkontrast (also 60 Linienpaare mit dem Kontrast 1) sinkt der wahrgenommene Kontrast auf unter ein Prozent und ist somit praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Wegen des scheinbaren Winkeldurchmessers der Mondscheibe von 0,5 Bogengrad, kann das Auge innerhalb des Monddurchmessers also maximal 20 Linienpaare beziehungsweise 40 Linien unterscheiden. Insbesondere an der scharfen Kante der Mondscheibe ist eine ins Auge nahezu verlustfrei übertragene Ortfrequenz von acht Linienpaaren pro Bogengrad stark vertreten, so dass der in der obigen Aufnahme des Mondes vorhandene Objektkontrast von 24 Prozent zwischen Mondschatten und Himmel (siehe oben) gut wahrgenommen werden kann.

Etwas schwieriger gestaltet sich dies innerhalb des Schattenbereichs des Mondes. In der obigen Aufnah­me tauchen die stärksten Kontraste entlang einer Linie von oben nach unten auf, wo die helleren Mondebenen mit den Kratern Copernicus und Tycho durch die dunkleren Maria Imbrium und Nubium unterbrochen werden. Daraus resultiert eine Ortsfrequenz mit fünf Linienpaaren pro Bogengrad, wo die Kontrastempfindlichkeitsfunktion ebenfalls einen recht hohen Wert von 0,9 beziehungsweise 90 Prozent erreicht. Dies schwächt den auf der Mond­oberfläche vorhandenen Objektkontrast von 10 Prozent im vom Auge auf die Netzhaut übertragenen Bildkontrast nur geringfügig ab.

Aus diesen Überlegungen resultiert, dass die im aschgrauen Licht des Mondes wahrnehmba­ren Kontraste knapp 10 Prozent betragen. Diese sind zwar geringer als der Kontrast von 24 Prozent zwischen dem aschgrauen Mondlicht und dem den Mond umgebenden Himmel, sie liegen allerdings noch in einem wahrnehmbaren Bereich. Somit ist erwiesen, dass ein gesundes Auge unter idealen Beobachtungsbedingungen auch völlig ohne optische Hilfsmittel die Helligkeitsunterschiede und Strukturen im nur durch den Erdschein erhellten Schattenbereich des Mondes erkennen kann.

Es gibt jedoch zahlreiche Faktoren, die den wahrnehmbaren Kontrast deutlich herabsetzen oder die Möglichkeit der Wahrnehmung verhindern können:

Je älter ein Mensch wird, desto mehr Streulicht wird durch kleinste Verletzungen beziehungsweise Narben in der Hornhaut oder in der Linse des Auges erzeugt. Dieses Streulicht erzeugt einen mehr oder weniger gleichmäßigen Lichtschleier, der auch die dunklen Stellen auf der Netzhaut beleuchtet. Die führt in jedem Fall zu einer Herabsetzung des wahrnehmbaren Kontrastes und verhindert somit das Erkennen von schwachen Kontrasten.

Aber auch in der Natur gibt es viele begrenzende Faktoren. Hierzu gehört das natürliche Streulicht durch die Sonne in der Troposphäre, wenn diese zu dicht am Mond oder zu dicht unter dem Horizont oder gar über dem Horizont steht. In bewohnten Gegenden kommt als großer Störfaktor noch die Lichtverschmutzung hinzu. Ferner wird der Objektkontrast durch atmosphärische Störungen vermindert. Diese ergeben sich zum einen durch Dunst, Nebel oder Staub in der Atmosphäre, und zum anderen aus den langen Wegstrecken, die das Licht bei einer Beobachtung eines Himmelsobjekts durch die Troposphäre zurücklegen muss, wenn dieses sehr dicht über dem Horizont steht. Hierbei wird das den Beobachter erreichende Licht nicht nur abgeschwächt (Extinktion), sondern auch durch das Licht aller möglichen anderen Lichtquellen angereichert, das an den Luftmolekülen gestreut oder durch Mikroturbulenzen abgelenkt wurde, so dass sich die minimal vorhandene Helligkeit vergrößert und der Kontrast somit verringert. Auf der anderen Seite wird insbesondere in Horizontnähe der blaue Lichtanteil von astronomischen Objekten auf dem Lichtweg durch die Troposphäre durch die stark wellenlängenabhängige Rayleigh-Streuung seitlich abgelenkt, so dass es praktisch gar nicht mehr zum Beobachter gelangt. Dies führt zu den rötlichen Auf- und Untergängen von Sonne und Mond sowie zur Blaufärbung des Taghimmels.

Unter Umständen muss das Licht mehrere hundert Kilometer durch die Atmosphäre zurücklegen, wie in der folgenden Abbildung zu erkennen ist:

Weglängen für Lichtstrahlen in der 15 Kilometer hohen Troposphäre in Abhängigkeit von der Zenitdistanz.

Die Beobachtungsmöglichkeiten des aschgrauen Lichts werden grundsätzlich durch die folgenden, sich teilweise widerstrebenden Bedingungen verbessert:

  • Die Lichtverschmutzung in der Atmosphäre ist gering.
  • Das Mondalter beträgt wenige Tage vor oder nach Neumond.
  • Die Sonne steht möglichst weit unter dem Horizont.
  • Der Mond hat eine möglichst große Höhe über dem Horizont.
  • Die Mondsichel ist möglichst klein, um möglichst wenig Streulicht zu verursachen.

Für die Beobachtung aus nördlichen geographischen Breiten gilt insbesondere:

  • Der Mond hat eine möglichst große nördliche ekliptikale Breite zwischen seinem aufsteigenden und seinem absteigenden Knoten.
  • Die Ekliptik steht möglichst steil auf dem Horizont. Dies ist bei den Tag-und-Nacht-Gleichen der Fall, besonders gut
    • abends im Frühjahr beim Neulicht des Mondes nach Sonnenuntergang im Westen.
    • morgens im Herbst beim Altlicht des Mondes vor Sonnenaufgang im Osten.

Einzelnachweise

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  1. mēnōt, Pokorny - Indogermanisches etymologisches Wörterbuch
  2. Donald Frazer: Hieroglyphs and Arithmetic of the Ancient Egyptian Scribes, Kapitel 2.6.5 Hekat Fractions and Ro, Xlibris Corporation, 2012, ISBN 9781469136462
  3. Paul Gleirscher: Zum Bildprogramm der Himmelsscheibe von Nebra: Schiff oder Sichel?, Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 85, Nummer 1, ISSN 0016-8874, Seiten 23 bis 33, 2007
  4. Irene Hager und Stefan Borovits (Wien, Österreich): Der Vorläufer einer Oktaëteris auf dem Kalenderstein bei Leodagger/Pulkau?, Kapitel 26.2.2 Astronomisch/kalendarische "Zählmaschinen" aus der Bronzezeit, in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Proceedings der Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, Band 42 von Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Verlag tredition, 2019, ISBN 9783749767717
  5. Unter Verwendung der Formeln aus: Oliver Montenbruck, Thomas Pfleger: Astronomie mit dem Personal Computer, Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1989, ISBN 978-3-662-05865-7
  6. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  7. 7,0 7,1 Thomas Rutherforth: "A System Of Natural Philosophy: Being A Course of Lectures In Mechanics, Optics, Hydrostatics, and Astronomy; Which are Read in St Johns College Cambridge", volume 2, chapter XIV: "Of the devision of time", paragraph 388: "The cycle of Metos", 990 ff.
  8. Michael Wright: The Pnyx, Athens, Greece, Portal to the Heritage of Astronomy, August 2011
  9. Wilfried Menghin: „Der Berliner Goldhut und die goldenen Kalendarien der alteuropäischen Bronzezeit“, Acta Praehistorica et Archaeologica, Band 32, 2000, ISSN 0341-1184, Seiten 31 bis 108
  10. Eberhard Zangger, Rita Gautschy: Celestial Aspects of Hittite Religion - An Investigation of the Rock Sanctuary Yazilikaya, Journal of Skyscape Archaeology, 5(1), 5–38, 2019
  11. Edwin C. Krupp, Eberhard Zangger: Die symbolische Darstellung des Kosmos im hethitischen Felsheiligtum Yazılıkaya vom 16. Juni 2021, Archäologie Online, archaeomedia, Freiburg
  12. Morgenhimmel, Wikisource
  13. Daniel Cilia: Found in a house at Hal Saflieni, stone, c.6 cm wide, The megalithic temples of Malta - the world's most ancient stone architectur, DSCF9754
  14. Frank Ventura, Michael Hoskin: Temples of Malta, in: Clive Ruggles (Herausgeber), Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, 7. Juli 2014, Seiten 1421-1430, Springer, New York, ISBN 978-1-4614-6140-1
  15. Joachim Friedrich Quack: Zwischen Sonne und Mond - Zeitrechnung im Alten Ägypten, Seite 38, in: Harry Falk (Herausgeber), Vom Herrscher zur Dynastie. Zum Wesen kontinuierlicher Zeitrechnung in Antike und Gegenwart, Bremen 2002
  16. Siehe auch Wikisource, Henochbuch, Teil 3, Kapitel 71 bis 82
  17. David Humiston Kelley, Eugene Frank Milone: Exploring Ancient Skies: A Survey of Ancient and Cultural Astronomy, Part II Astronomy in Cultures, 6 Paleolithic and Neolithic Cultures, 6.2 Megalithic Cultures, 6.2.18 Mediterranean and North African Megalithic Sites, 6.2.18.1 Malta, pages 201 and 202, Springer, 2011, ISBN 9781441976246
  18. Friedhelm Pedde: Götter und Planeten im Alten Orient - Sin und der Mond, Mitteilungen, Ausgabe 12, Seite 6 und 7, Oktober 2021, Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. / Zeiss-Planetarium am Insulaner


Die Planeten

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Zu den acht Planeten des Sonnensystems zählen heute von innen nach außen der  Merkur, die  Venus, die  Erde, der  Mars, der  Jupiter, der  Saturn, der  Uranus und der  Neptun.

Zwischen der Marsbahn und der Jupiterbahn liegt der  Asteroidengürtel mit über einer Million Asteroiden. Der größte unter ihnen ist der Zwergplanet  (1) Ceres, der 1801 als erster Asteroid entdeckt werden konnte.

Jenseits der Neptunbahn liegt der  Kuiper-Gürtel, der über 100000 Objekte enthält, die größer als 100 Kilometer sind. Dazu gehören ebenfalls einige Zwergplaneten wie beispielsweise der 1930 auf photographischen Aufnahmen mit einem  Blinkkomparator entdeckte  Pluto sowie  (136199) Eris,  (136472) Makemake oder  (136108) Haumea.

Der Merkur

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Der Merkur nährt sich jedes Jahr im Frühling zusammen mit der Sonne dem Goldenen Tor der Ekliptik. Meistens wird sein Licht vom Licht der Sonne oder dem Licht der Dämmerung überdeckt, manchmal ist er dabei zu beobachten, wie zum Beispiel im Jahr 2022, als er am Ende April in großem Glanz am westlichen Abendhimmel in der nautischen Dämmerung zu sehen war. Ende April 2022 stand er dann bei fast drei Bogengrad nördlicher Breite und somit bester Sichtbarkeit im Goldenen Tor der Ekliptik. Danach war er rückläufig (retrograd) und erschien zwei Monate später zum Sommeranfang 2022 mit rund drei Bogengrad südlicher ekliptikaler Breite in den Morgenstunden am Osthimmel, wobei die Ekliptik zu diesem Zeitpunkt einen sehr flachen Winkel zum Horizont eingenommen hatte. Unter solchen Voraussetzungen ist er mit bloßem Auge nicht zu sehen.

In Mesopotamien wurde Merkur wegen dieser schnellen Wechsel vom Morgen- zum Abendhimmel mit dem seit dem 18. Jahrhundert vor Christus erwähnten Schreibergott Nabû, Sohn des Götteroberhaupts Marduk, der wiederum mit dem Planeten Jupiter assoziiert ist, auch "springender Planet" genannt. Sein noch älterer sumerischer Name lautet UDU.IDIM.GU4.UD, was wörtlich mit "springendes Wildschaf" übersetzt werden könnte.[1]

Der Merkur hat kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang stets nur eine geringe Höhe über dem Horizont und die Sonne steht immer so dicht unter dem Horizont, dass die bürgerliche Morgendämmerung bereits viel Streulicht erzeugt. Der Merkur kann deswegen mit bloßem Auge nicht ohne weiteres beobachtet werden. Hierzu müssen gute Randbedingungen herrschen, wie eine große Elongation (maximal 28 Bogengrad), eine möglichst nördliche ekliptikale Breite (maximal 7 Bogengrad) sowie eine möglichst steile Ekliptik über dem Horizont, wie um den Frühlingsanfang im Westen beim Untergang des Merkurs (bei östlicher Elongation), oder um den Herbstbeginn im Osten beim Aufgang des Merkurs (bei westlicher Elongation). Ferner müssen klare Sichtverhältnisse herrschen, die Sonne muss möglichst weit unter dem Horizont stehen, und der korrekte Ort über dem Horizont muss beim Betrachten gut fixiert werden.

Der Merkur war aber auch auf Malta mit bloßem Auge nur selten zu beobachten und eignete sich nicht, um kontinuierlich mit der Himmelstafel von Tal-Qadi vermessen zu werden. Zudem konnte sie in Ermangelung sichtbarer Fixpunkte dann auch nicht immer zuverlässig in den Sternenhimmel eingepasst werden.

Auch  Nikolaus Kopernikus auf Thorn hatte es 1543 in seinem Werk De revolutionibus orbium coelestium bedauert, den Planeten Merkur in ermländischen Frauenburg bei einer geographischen Breite von über 54 Bogengrad selber nie beobachtet zu haben oder gar dessen Position bestimmt haben zu können:[2][3][4]

Beginn des Kapitels "De recentioribus Mercury motibus observatis" ("Über neuere beobachtete Bewegungen des Merkur") in der Handschrift von Kopernikus in dessen Buch "De revolutionibus orbium coelestium" ("Über die Kreisbewegungen der Weltkörper").

De recentioribus Mercury motibus observatis

Hanc sane viam humis stellae cursum examinandi prisci nobis premonstraverunt,
sed caelo adducti serenioci, nempe ubi Nilus ei ut ferunt,
non spirat auras, qualis apud nos Vistula.
Nobis autem rigentiorem plagam ni habatantibus illam commoditatem natura negavit,
ubi tranquillitas aeris rarus,
ac insupem ob magnam sphaerae obliquitatem varius sinit
videri Mercuriam quando nitens in maxima a sole distantia.

Über neuere beobachtete Bewegungen des Merkur

Diesen selbstverständlichen Weg, den Grund für den Lauf des Sternes zu untersuchen, hatten uns die Alten vorgezeichnet,
aber von heiterem Himmel begünstigt, und bei denen der Nil allerdings, wie sie berichten,
nicht solche Dünste ausatmet, wie bei uns die Weichsel.
Uns jedoch, im eiskalten Schlag wohnend, verweigerte die Natur jene Zuvorkommenheit,
da die Ruhe der Luft selten ist,
sowie da es obendrein wegen der großen Schiefe der Himmelskugel nur gelegentlich möglich ist,
den Merkur zu sehen, wenn er in den größten Abstand von der Sonne klettert.

Die folgenden beiden Bilder zeigen das untergehende Neulicht des Mondes beim Abenderst (Mondalter 43 Stunden, visuelle Helligkeit -4m) in Konjunktion mit dem Planeten Merkur (20 Bogengrad östliche Elongation, visuelle Helligkeit 2m) zu Beginn der nautischen Dämmerung ungefähr sieben Bogengrad über dem Horizont am 2. Mai 2022. Die Plejaden sind beim Abendletzt (akronychischer Untergang, die visuelle Helligkeit des hellsten Einzelsterns Alkyone beträgt 4m) gerade noch wahrnehmbar.

Die Venus

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Venus mit 8 Prozent Sichel (-4 mag) am westlichen Berliner Abendhimmel 20 Minuten vor Sonnenuntergang in einer Höhe von 24,8° und in einer Entfernung von 0,3 AE.

Die Venus kann bei Erdnähe sehr große Helligkeiten erreichen und ist dann nach Sonne und Mond das hellste regelmäßig zu beobachtende Himmelsobjekt. Nach der astronomischen Dämmerung kann sie nach Monduntergang und vor Mondaufgang einen sichtbaren Schatten einer Hand auf einem weißen Blatt Papier werfen. Sie bildet je nach Lage zu Sonne verschiedene Phasen und kann in seltenen Fällen vor der Sonnenscheibe beobachtet werden.

Aufgrund der Eigenbewegung der Plejaden konnte die Venus bei maximaler nördlicher ekliptikaler Breite den südlichsten Stern dieses Sternhaufens, Atlas, vor 4800 Jahren noch bedecken. Danach konnte dann nur noch die Annäherung der Venus an den Sternhaufen beobachtet werden. Heute ist der minimal mögliche Abstand zwischen Atlas und Venus auf über ein halbes Bogengrad angewachsen.

Der Mars

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Ist in Opposition hell und rötlich wahrnehmbar, während er eine relativ schnell bewegte Schleife zeiht.

Der Jupiter

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Der Jupiter mit Großem Roten Fleck und seinen vier Galileischen Monden Kallisto und Ganymed (links) sowie Io und Europa (rechts) mit einem Fernrohr betrachtet.

Braucht für einen siderischen Umlauf knapp zwölf Jahre und steht somit in jedem Jahr in einem anderen der zwölf Lebewesenkreiszeichen.

Der Saturn

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Braucht für einen siderischen Umlauf 29,4475 Jahre und steht somit in jedem Jahr in einem anderen Mondhaus.

Der Uranus

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Der Planet Uranus (unten in der Mitte) im März 2021 im Sternbild Widder (Aries).

Der Planet Uranus ist in Abwesenheit von Lichtverschmutzung mit bloßem Auge gerade noch sichtbar. Uranus wurde wegen seiner langsamen Bewegung aber selbst bei der Beobachtung mit Fernrohren zunächst noch für einen Stern und auch 1871 von seinem Entdecker Friedrich Wilhelm Herschel (1738–1822) erst für einen Kometen gehalten.

Der Neptun

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Neptun hat nur eine scheinbare Helligkeit der achten Größenklasse und ist ohne Fernrohr nicht sichtbar. Kurioserweise hatte ihn Ende 1612 schon Galileo Galilei (1564–1642) bei der Beobachtung des Planeten Jupiter mit seinem neu entwickelten Fernrohr bemerkt und dokumentiert. Da Neptun zu diesem Zeitpunkt an seinem Wendepunkt gerade stationär war, fiel Galilei nicht auf, dass es sich um ein Wandelgestirn handeln könnte. Ähnlich erging es Michel Lefrançois de Lalande (1766–1839), dem Neffen des berühmten französischen Astronomen Jérôme Lalande (1732–1807). Für die Vorbereitung eines Sternkatalogs beobachtete er im Mai 1795 die Himmelsregion, in der sich der Planet Neptun bewegte, und auch er realisierte nicht, dass es sich bei diesem sich sehr langsam bewegenden Objekt um einen Planeten handeln könnte. Entdeckt wurde Neptun als Planet erst im September 1846 von Johann Gottfried Galle (1812–1910) in Berlin, nachdem der französische Astronom Urbain Le Verrier (1811–1877) anhand der Bahnstörungen von Uranus dessen ungefähre Position vorausberechnen konnte.

Einzelnachweise

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  1. Friedhelm Pedde: Götter und Planeten im Alten Orient. Teil 1. Nabu und der Merkur, in: … dem Himmel nahe … der Erde verbunden. Mitgliederzeitschrift der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. S. 12-13 (https://www.academia.edu/42093205/G%C3%B6tter_und_Planeten_im_Alten_Orient_Teil_1_Nabu_und_der_Merkur_in_dem_Himmel_nahe_der_Erde_verbunden_Mitgliederzeitschrift_der_Wilhelm_Foerster_Sternwarte_Ausgabe_6_März_April_Mai_2020_12_13).
  2. Vergleiche Johann Elert Bode (Herausgeber): Berliner Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1794 nebst einer Sammlung der neuesten in die astronomischen Wissenschaften einschlagenden Abhandlungen und Nachrichten, Berlin, 1791, Seite 187
  3. Siehe Nikolaus Kopernikus aus Thorn: De revolutionibus orbium coelestium, Liber quintus, Capitulum 30: De recentioribus Mercurii motibus observantis, Johannes Petreius, Nürnberg, 1543, Seite 169a (rechts)
  4. Nikolaus Kopernikus aus Thorn: Über die Kreisbewegungen der Weltkörper, Fünftes Buch, Capitel 30: Ueber neuere Beobachtungen der Bewegung des Merkur, übersetzt und mit Anmerkungen von Dr. C. L. Menzzer, durchgesehen und mit einem Vorwort von Dr. Moritz Cantor, herausgegeben von dem Coppernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst zu Thorn, Verlag Ernst Lambeck, Thorn, 1879

Die Plejaden

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Die Plejaden gehören mit dem Mond und den fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten, zu den auffälligsten Objekten am Nachthimmel, die ohne Hilfsmittel beobachtet werden können.

Die Sterne der Plejaden

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Der offene Sternhaufen der Hyaden mit dem hellen Roten Riesen Aldebaran (α Tauri).

Die Plejaden bestehen aus insgesamt über eintausend einzelnen Sternen. Sie gehören zu einem offenen Sternhaufen und sind unserem Sonnensystem zwar nicht so groß und so nah wie der ebenfalls im Sternbild Stier (Taurus) gelegene Sternhaufen der nur 153 Lichtjahre entfernten Hyaden, mit einer Entfernung von rund 400 Lichtjahren sind sie dennoch nah genug, dass einzelne der helleren Sterne mit bloßem Auge unterschieden werden können.

Diese beiden Sternhaufen bilden das Das Goldene Tor der Ekliptik, durch das im Laufe der Zeiten immer wieder alle Wandelgestirne hindurchziehen.

Beispiel einer Sternschnuppe mit einer Spurlänge von zwei Bogengrad vom Sternbild Stier (Taurus, rechts oben) durch das Sternbild Eridanus (Mitte) bis in das Sternbild Orion (links) im Vergleich zu benachbarten Sternen vierter bis neunter Größenklasse im Vergleich.
Die folgenden Sterne sind mit ihrer scheinbaren Helligkeit gekennzeichnet:
4m = μ Eridani (mit farbiger Szintillation)
5m = c Eridani
6m = HIP 21718 Eridani
7m = HS Eridani
8m = HIP 22270 Orionis
9m = HIP 22316 Orionis.
Anmerkung: Die numerische Größenklasse der scheinbaren Helligkeit wird durch ein nach- und hochgestelltes m (für magnitudo beziehungsweise kürzer auch mag) gekennzeichnet. Eine um eine Größenklasse höhere Zahl, bedeutet eine Abnahme der scheinbaren Helligkeit um einen Faktor von rund 2,5. Der Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten Stern des Nachthimmels Sirius (-1,5m) und den dunkelsten gerade noch mit unbewaffnetem Auge sichtbaren Sternen (6m) entspricht demzufolge einem Verhältnis von 1000 zu 1. Die scheinbare Helligkeit sagt nichts über die Größe, Entfernung oder absolute Helligkeit eines Sternes aus.

Je nach Restlicht in der Dämmerung und je nach Höhe über dem Horizont können erst nur der hellste Stern dieses Sternhaufens, Alkione, und dann bis zu zwölf Sterne erkannt werden, von denen sieben eine scheinbare Helligkeit bis zur fünften Größenklasse erreichen. Diese sieben Sterne sind in dunklen Nächten ohne Lichtverschmutzung besonders gut zu unterscheiden und haben den Begriff "Siebengestirn" (akkadisch "Šebettu", griechisch "heptasteros", althochdeutsch "sibunstirri") geprägt.

Atlas ist in der griechischen Mythologie der Vater und Pleione die Mutter der sieben Plejaden. Die Ausdehnung der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne der Plejaden beträgt ungefähr ein Bogengrad von Atlas und Pleione zu Taygeta, Celaeno und Electra sowie zirka ein halbes Bogengrad von der Linie Merope–Electra zur Linie Pleione–Asterope. Der Winkelabstand zwischen den beiden paarweise am nächsten gelegenen Sternen Pleione und Atlas beträgt 15 Bogenminuten. Zwei leuchtende Punkte können bei diesem Abstand bei guten Sichtverhältnissen auch freiäugig ohne weiteres unterschieden werden. Die hellsten sieben Hauptsterne der Plejaden sind im Folgenden aufgelistet:

Die sieben Hauptsterne der Plejaden
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Minimale Horizonthöhe
für die freiäugige Sichtbarkeit
Alkione 3,0m
Atlas 3,5m
Electra 3,5m
Maia 4,0m
Merope 4,0m
Taygeta 4,0m
Pleione ≈5,0m 10°

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Zwei weitere, etwas dunklere Sterne des Sternhaufens haben die Eigennamen der beiden anderen Plejaden aus der Mythologie, nämlich Celaeno (5,5m) und Asterope (6,0m). Celaeno ist somit erst ab einer Horizonthöhe von 16 Bogengrad zu sehen und Asterone sogar erst am ungefähr 25 Bogengrad. Über diese neun genannten Sterne hinaus gibt es noch zwei weitere Sterne am Rand des offenen Sternhaufens, die mit bloßem Auge gesehen werden können, nämlich 18 Tauri (5,6m) am nördlichen Rand und HD 23753 (5,4m) am südlichen Rand. Der nächstdunklere Stern ist sehr nah bei Asterope der Stern Sterope II (22 Tauri) mit einer scheinbaren Helligkeit von (6,4m), der unter optimalen Bedingungen zumindest theoretisch noch ohne Fernrohr gesehen werden könnte, wenn die Plejaden in der Nähe des Zenits stehen. Alle weiteren Sterne der Plejaden sind deutlich dunkler und mit bloßem Auge somit nicht sichtbar. Für den Sternhaufen resultiert insgesamt eine scheinbare Helligkeit von ungefähr 1,5m.

Sichtbarkeit

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Die Plejaden stehen heute sowohl am 20. Mai (in Konjunktion zur Sonne sind sie dann unsichtbar) als auch am 18. November (in Opposition zur Sonne und um Mitternacht mit maximaler Höhe über dem südlichen Horizont) im Meridian. Der Meridian ist der gedachte Großkreis, der sowohl durch die beiden Himmelspole als auch durch den Zenit und den Nadir läuft. Im Winter und im Frühjahr sind die Plejaden am Abendhimmel in westlicher Richtung und im Sommer und im Herbst am Morgenhimmel in östlicher Richtung zu beobachten.

Die Plejaden beim Abendletzt (akronychischer Untergang) von Berlin aus gesehen. Die effektive scheinbare Helligkeit zu Beginn der nautischen Abenddämmerung betrug 3,7m (Alkione) bis 6,4m (Celaeno), die Höhe über dem nordwestlichen Horizont 8 Bogengrad.

Seit jeher hatten die zu beobachtenden Auf- und Untergänge der Plejaden eine hohe kulturelle und wissenschaftliche Bedeutung. Heliakische Aufgänge sind hierbei "zur Sonne gehörend", also in Nähe zur aufgehenden Sonne (Morgenerst), und akronychische Untergänge befinden sich "am Rand der beginnenden Nacht", also in Nähe zur untergehenden Sonne (Abendletzt). Für die Beobachtung der Plejaden muss die Sonne allerdings unter dem Horizont stehen, und der Abstand zur Sonne (also die Elongation) muss mehr als 18 Bogengrad betragen, damit das in der Atmosphäre gestreute Sonnenlicht die Sterne des Sternhaufens nicht überstrahlt.

Die akronychischen Aufgänge (Abenderst) sowie die heliakischen Untergänge (Morgenletzt) spielen für Fixsterne (und somit auch für die Plejaden) keine Rolle, da diese im Gegensatz zum Mond, zu den Planeten und zu Kometen in den Nächten zwischen Morgenerst und Abendletzt immer zu sehen sind.

Um 2320 vor Christus befanden sich die Plejaden genau auf der ekliptikalen Länge des Frühlingspunkts und der akronychische Untergang fand also genau zur Tag-und-Nacht-Gleiche, dem Julianischen Datum zufolge zirka 20 Tage vor dem heutigen Frühlingsbeginn also am Anfang des Monats März statt, der in alten Sonnenkalendern der erste Monat des Jahres war. Um 1000 vor Christus hatten die Plejaden eine ekliptikale Länge von rund 18 Bogengrad, so dass der akronychische Untergang nach dem Julianischen Datum um den 21. März erfolgte.

Der Zeitpunkt des heliakischen Aufgangs der Plejaden in Bezug auf die durch die Mondphasen bestimmten zwölf Monate machte diese im babylonischen Lunisolarkalender zu einem Kalendergestirn. Wenn der Aufgang sich bis in den dritten Kalendermonat (Simanu) verschoben hatte, wurde ein dreizehnter Schaltmonat eingelegt, womit die Kalendermonate wieder mit dem Frühlingsbeginn des Sonnenjahrs synchronisiert werden konnten.

Auch die neuseeländischen Māori orientierten sich am heliakischen Aufgang der Plejaden, um den Termin des Neujahrs festzulegen und mit der Aussaat zu beginnen.

Vor 5000 Jahren gingen die Plejaden auf der Linie des Horizonts ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik auf und bei 4 Bogengrad nördlich der Ekliptik unter. Heute gehen die Plejaden auf der Linie des Horizonts fast unverändert ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik auf und bei 5 Bogengrad nördlich der Ekliptik unter. Durch die damalige Lage der Ekliptik gingen die Plejaden überall auf der Erde und immer im Westen (bei einem Azimut von rund 270 Bogengrad) unter und im Osten (bei einem Azimut von rund 90 Bogengrad) auf. Im gegenüberliegenden Punkt der Himmelssphäre befand sich der sehr auffällige Rote Überriese Antares (α Scorpii) im Sternbild Skorpion (Scorpio). Sowohl die Plejaden als auch Antares waren gleichzeitig zu sehen (die sogenannte "Plejaden-Waage"), wenn sie beide ein Bogengrad über dem Horizont standen. Sie waren deswegen während der dunklen Jahreszeiten zur direkten Bestimmung dieser ausgezeichneten Himmelsrichtungen geeignet.

Vom Elsässer Belchen aus gesehen gehen die Plejaden heute beispielsweise immer über dem Kleinen Belchen auf, wo auch die Sonne bei der Sommersonnenwende aufgeht. Am 1. Mai, also an dem Tag, an dem die Plejaden in unserer heutigen Zeit in der maltesischen Abenddämmerung verschwunden sind, geht sie genau über dem höchsten Berg der Vogesen, dem Großen Belchen auf. Dieser wurde vermutlich dem keltischen Lichtgott Belenus geweiht, dessen Feiertag Beltane auf den 1. Mai fällt. Der Schwarzwälder Belchen befindet sich exakt in östlicher Richtung, also auf dem gleichen Breitengrad wie der Elsässer Belchen (47,82° nördliche Breite). An den beiden Tagen der Tag-und-Nacht-Gleiche beim Frühlings- und Herbstanfang gehen Himmelsobjekte, die sich in der Nähe des Frühlings- beziehungsweise des Herbstpunktes der Sonne befinden (also auch die Plejaden, die sich vor 5000 Jahren dort befanden), vom Elsässer Belchen aus gesehen genau im Osten über dem Schwarzwälder Belchen auf beziehungsweise vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen genau im Westen über dem Elsässer Belchen unter.[1]

→ Siehe auch Das Belchen-System.

Als Bezugspunkt

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Die sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik liegen zwischen den Sternbildern Stier (Taurus, rechts) und Skorpion (Scorpio, links). Zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik. Der Bogen der Ekliptik wird von den Wandelgestirnen vom Frühlingspunkt rechts zum Herbstpunkt links durchlaufen. In der unteren Hälfte der Ekliptik befinden sich keine hellen, ekliptiknahen Fixsterne. Außerhalb des Bogens liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich. Der hellste gegenüber von Regulus liegende Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) ist zur Vervollständigung und zur Orientierung hinzugefügt, obwohl er sich mehr als zwanzig Bogengrad südlich der Ekliptiklinie befindet.

Die Plejaden liegen nahe der Ekliptik und sind eines der hellsten und aufgrund ihrer Form das auffälligste Fixsternobjekt an der Ekliptik. Sie sind ebenso wie die Hyaden ein "Pfosten" des Goldenen Tors der Ekliptik. Um 2300 vor Christi Geburt lag der Frühlingspunkt auf der Ekliptik bei der gleichen ekliptikalen Länge wie das Siebengestirn im heutigen Sternbild Stier (Taurus). Die Plejaden haben eine nördliche ekliptikale Breite von rund vier Bogengrad. Damit können sie unter Berücksichtigung der möglichen geographischen Breiten der Beobachtung von den Wandelgestirnen bedeckt werden, deren Bahnen eine hinreichend große Neigung zur Ekliptik haben.[2] Dies sind der Mond (Bahnneigung gut 5 Bogengrad), die Venus (Bahnneigung 3,4 Bogengrad) und der Merkur (Bahnneigung rund 7 Bogengrad). Letzterer ist wegen seiner permanenten Sonnennähe allerdings mit bloßem Auge nie gleichzeitig mit den Plejaden zu sehen. Bis heute hat sich der Frühlingspunkt gut 60 Bogengrad in westlicher Richtung verschoben, so dass er über das heutige Sternbild Widder (Aries) in das heutige heute Sternbild Fische (Pisces) weitergewandert ist.

Der Roten Riesen Aldebaran (α Tauri) ist innerhalb der Hyaden zu sehen, gehört selbst jedoch nicht zu diesem Sternhaufen. Sein Eigenname stammt vom arabischen Wort "al-dabaran" ab, was so viel wie "der Nachfolger" beziehungsweise "der Verfolger" bedeutet. Kurz nach dem Aufgang der Plejaden erscheint er ebenfalls über dem östlichen Horizont und scheint den Sternhaufen auf dem Bogen nach Westen stets zu Verfolgen.

Aldebaran (α Tauri) und der Rote Überriese Antares (α Scorpii) liegen fast auf der Ekliptik und unterscheiden sich in ihrer ekliptikalen Länge um fast genau 180 Bogengrad. Die beiden äußersten Pole der Reihe hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik, der Stern Antares und der Sternhaufen der Plejaden, werden in ihrer Eigenschaft als Kalendergespann auch als Plejaden-Waage bezeichnet.[3] Für die Menschen waren die beiden sehr hellen und rot leuchtenden Sterne Antares im Sternbild Skorpion (Scorpio) und Aldebaran im offenen Sternhaufen der Hyaden mit dem gegenüberliegenden Siebengestirn im Sternbild Stier (Taurus) im Altertum ein Gespann, mit dem auf einfache Weise die Zeitpunkte des Frühlings- und des Herbstanfangs im Sonnenjahr zuverlässig bestimmt werden konnten. Der in Abbildung zu sehende obere Halbbogen der Ekliptik befand sich damals zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang und zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang vollständig oberhalb des Horizonts. Zum Sommerbeginn war dieser Halbbogen um Mitternacht vollständig unter dem Horizont und daher gar nicht zu sehen. Der sichtbare Teil der Ekliptik war zum Winterbeginn um Mitternacht vom Stern Antares Osten bis zu den Plejaden im Westen vollständig und fast gleichmäßig in 45-Grad-Schritten durch die weitern angegebenen drei ekliptiknahen Sterne Spica im Sternbild Jungfrau (Virgo), Regulus im Sternbild Löwe (Leo) und Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini) markiert. Die Ekliptik schnitt vor 4300 Jahren bei maximaler Höhe und nahe dem Stern Regulus den südlichen Meridian. Regulus stand also zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang, zur Sommersonnenwende mittags, zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang und zur Wintersonnenwende um Mitternacht hoch im Süden.

→ Siehe auch Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Königssterne

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Der in seiner Region mit Abstand hellste und noch einigermaßen nahe an der Ekliptik liegende Stern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) diente den alten Persern neben den hellen Sternen Aldebaran, Regulus und Antares, die im Gegensatz zu Fomalhaut vom Mond bedeckt werden können, als vierter Königsstern zur Orientierung am Sternenhimmel.[4] Jeder dieser vier Sterne markiert die Hauptrichtung eines Himmelsquadranten.

→ Siehe auch Beobachtungen in der Nähe der Ekliptik.

Fomalhaut erreicht von den vier Königssternen die geringste Höhe über dem Horizont und hat gleichzeitig auch die kleinste ekliptikale Breite. Sein Name kommt vom arabischen Ausdruck "fam al-ḥūt", was "Maul des Fisches" bedeutet. Er befindet sich auf dem unteren babylonischen Himmelsweg des Ea (Enki) im kosmischen Urozean. Sie Sumerer nannten ihn einfach nur KUA, was "Fisch" bedeutet.[5] Er ist der 18.-hellste Stern des gesamten Nachthimmels.

→ Siehe auch Der Urozean.

Aldebaran markiert als hellster Stern im Sternbild Himmelsstier zusammen mit den benachbarten Plejaden das Goldene Tor der Ekliptik. Es lag zur Zeit der Sumerer beim Frühlingspunkt der Sonne und hat von den vier Königssternen die größte Deklination. Somit erreicht er bei der Kulmination auf dem südlichen Meridian auch die größte Höhe über dem Horizont. Er ist der 14.-hellste Stern des gesamten Nachthimmels. Vom Himmelsnordpol aus gemessen wird er lediglich von den Sternen Arktur im Bärenhüter (Bootes), Wega in der Leier (Lyra) und Capella im Fuhrmann (Auriga) in der scheinbaren Helligkeit übertroffen.

→ Siehe auch Der Himmelsstier.

Regulus stand von den vier Königssternen zu Zeiten der Sumerer bei der größten Deklination sowie bei der größten ekliptikalen Breite und erreichte bei der Kulmination auf dem südlichen Meridian somit die größte Höhe über dem Horizont. Durch seine Eigenbewegung lag er vor 7000 Jahren exakt auf der Ekliptiklinie und hat sich inzwischen um knapp ein halbes Bogengrad nach Norden verschoben. Bei den Sumerern hieß der Stern LU.GAL (großer Mann = Herrscher), und er befindet sich auf dem oberen babylonischen Himmelsweg des Enlil (Ellii).[5] Er ist der hellste Stern des Sternbilds Löwe (Leo) und der 21.-hellste Stern des gesamten Nachthimmels.

Antares befindet sich ziemlich genau gegenüber dem Goldenen Tor der Ekliptik und markierte zu Zeiten der Sumerer im Himmelsskorpion den Herbstpunkt. Der sumerische Ausdruck GAB.GIR.TAB bedeutet "Brust des Skorpions", im Arabischen wird er Qualbu ("Herz des Skorpions" genannt), und der heute gebräuchliche Name Antares kommt aus dem Altgriechischen von anti ("gegen") und Ares (bei dem Römern Mars) - bedeutet also "Gegenmars", vermutlich aufgrund seiner großen Helligkeit und seiner starken Rotfärbung als Roter Überriese. Er ist der 16.-hellste Stern des gesamten Nachthimmels.

→ Siehe auch Der Himmelsskorpion.

→ Siehe auch Babylonische Himmelswege.

Die vier Königssterne werden im Bundahischn erwähnt, ein mittelpersischer Text über die Weltentstehung sowie ihre Mythen und Legenden, die im Zoroastrismus eine Rolle spielen:[6] Die Texte scheinen 1500 Jahre lang nur mündlich tradiert worden zu sein und sind in dieser langen Zeitspanne sicherlich Änderungen unterworfen gewesen. Die ersten Verschriftlichungen hat es wohl schon im 5. Jahrhundert gegeben, und die ältesten erhaltenen Schriften stammen aus dem 9. bis 13. Jahrhundert. Es ist unklar, welcher der vier genannten Namen mit welchem Stern verknüpft ist. Der Orientalist Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron (1731–1805) stellt die Zuordnung in der Übersetzung in seinem Buch "Zend-Avesta, ouvrage de Zoroastre" von 1771 im Kapitel 87 (LXXXVII) dar. Das Avesta ist eine heilige Schriftensammlung der zoroastrischen Religion. Das Präfix Zend steht für "Kommentar" beziehungsweise "Interpretation".

J'écris l'Iescht de Taschter.
(Cet Iescht se récite le jour Taschter, et les jours Khordad, Ardafréoüesch et Bád, Hamkars de Taschter).
Au nom de Dieu.
Ormusd , Roi excellent, que la gloire et l'éclat du lumineux , du brillant Taschter augmentent ! Qu'il vienne (à mon secours) !
...
Que Taschter [1] , astre éclatant de lumiere et de gloire, me soit favorable ,
(avec) Satevis , qui est près de l'eau [2] , fort , donné d'Ormusd , (avec) les astres germes de l'eau , germes de la terre , germes des arbres donnés d'Ormusd ,
(avec) l'astre Venant [3] donné d'Ormusd ,
et les astres qui (composent) l'Haftorang [4] donné d'Ormusd , éclatant de lumiere , source de santé ;
je fais izeschné et néaesch à ces (Astres) et c. jusqu'a , avertissez-le de cela.

[1] J'ai exposé dans le Mém. cité ci-d. T. I. p. 116. not. 1. ( Mém. de l'Acad. des Belles-Lettres, T. XXXIV , p. 397 , 398 ) , les raisons qui me porrent à croire que Taschter est Sirius , étoile placée dans la bouche du grand Chien.
[2] Seteoûeschehé : Satvis qui est près de l'eau ( ou , qui augmente l'eau ) , me paroît être l'œil austral du Taureau , étoile de la premiere grandeur. Schetvi , en Arabe , signifie pluye d'Hiver , Hiver.
[3] Venetó : Venant, dans le Boun-dehesch , garde le Midi ; et le mot venéanté , signifie qui garde , qui veille. Cet Astre me paroît répondre au Piéd d'Orion , étoile de la premiere grandeur.
[4] Haptôriag : les sept especes ( d'étoiles ) ; la grande Ourse ou la petite Ourse.

Anmerkungen: Der Begriff Jescht (französisch: Iescht) ist ein heiliges Gebet, das in der zoroastrischen Tradition des Avesta steht. Bei Ormuzd (französisch: Ormusd) handelt es sich um Ahura Mazda, den Schöpfergott im altpersischen Zoroastrismus.

Anquetil-Duperron identifiziert Taschter mit dem hellsten Stern des Nachthimmels, Sirius im Großen Hund (Canis Major). Da Savetis "dem Wasser nah" steht (laut Anquetil-Duperron alternativ auch "das Wasser vermehrend" sowie dem Winterregen und dem südlichen Auge des Stieres (Taurus) zugeordnet, also seiner Meinung Aldebaran), liegt eine Identifizierung mit Fomalhaut im Südlichen Fisch (Piscis Austrinus) unterhalb des Sternbilds Wassermann (Aquarius) sehr nahe. Anquetil-Duperron hält Venant für den "Wächter des Südens" ("garde le Midi") und Haftorang als zu Haptoriag zugehörig, was "die sieben Species" bedeuten soll und von ihm mit den sieben hellsten Sternen des Großen oder des Kleinen Bären ("Ourse") identifiziert wird. Es könnte sich mit dieser Herleitung aber auch genauso gut um das Siebengestirn (Plejaden) oder das Sternbild Orion handeln. Ferner sei darauf hingewiesen, dass der große Himmelsskorpion ebenfalls sieben auffällige ekliptiknahe Sterne hat (Antares / Acrab / Zuben Eschamali / Dschubba / Zuben Elgenubi / Fang / Zuben Acrabi). Johann Friedrich Kleuker (1749–1827) übersetzt in seinem 1777 erschienenen Buch "Zend-Avesta – Zoroasters lebendiges Wort" diesen französischen Text wie folgt:

Jescht-Taschter.
(Er wird gesprochen am Tage Taschter, und in den Tagen Khordad, Ardafreouesch und Bad, Taschter's Hamkars.)
Im Namen Gottes.
Ormuzd, König der Herrlichkeit! Daß Glorie und Glanz des Lichtfunkelden, blitzenden Taschters hoch werden! Daß er zu meiner Hülfe eile!
(Gebete.)
Hold sey mit Taschter! Stern des Licht- und Glanzblizes,
mit Satevis – dem Wasser nah – dem starken Ormuzdsohn und mit den Sternen – Keimen des Wassers, Keimen der Erde, Keimen der Ormuzd geschaffnen Bäume;
mit Venant Ormuzdsohn
und mit dem Ormuzdgebohrnen Gestirn Haftorang – Lichtglänzend und Gesundheitquillend:
mein Lobgesang mit Demuth sey heilig diesen Sternen!

Die sich auf der Ekliptiklinie fast genau gegenüberstehenden und besonders hellen und glänzenden Sterne, der Roten Riesen Aldebaran und der Rote Überriese Antares, können in der beginnenden Dämmerung als erste Sterne am Himmel gesehen werden und zeigen eine deutliche Rotfärbung und Szintillation. Sie können also mit den mit "Glanz" und "Funkeln" attribuierten beiden Sternen Taschter und Haftorang identifiziert werden. Ordnet man Satevis wie oben beschrieben den Wassersternbildern zu und interpretiert Venant als den von den vier Königssternen bei seiner Kulmination auf dem südlichen Meridian im Winter am höchsten stehenden Stern als den "Wächter des Südens", dann ergibt sich zwanglos die folgende Aufteilung:

Die vier persischen Königssterne
Stern Bayer-Bezeichnung Persische Bezeichnung Größenklasse Bemerkung
Aldebaran α Tauri Taschter 0,9m Stern des Licht- und Glanzblizes
Regulus α Leonis Venant 1,4m Wächter des Südens
Antares α Scorpii Haftorang 1,0m Lichtglänzend und Gesundheitquillend
Fomalhaut α Piscis Austrini Satevis 1,2m Dem Wasser nah

Andere Autoren ordnen die vier persischen Königssterne als Wächter über die vier Himmelsrichtungen in einer anderen Reihenfolge zu, wobei Venant hierbei nicht der Wächter des Südens, sondern des Nordens ist. Hierbei ist anzumerken, dass alle vier Königssterne bei dieser jahreszeitlichen Zuordnung - wenn überhaupt - nur kurz nach Sonnenuntergang im Westen zu sehen waren:

Die vier persischen Königssterne nach Himmelsrichtungen
Stern Bayer-Bezeichnung Persische Bezeichnung Konjunktion mit der Sonne
zur Epoche J-2000
Umschreibung der Lage
bei Sonnenaufgang
zum Frühlingsäquinoktium
Aldebaran α Tauri Tascheter/Taschter Frühlingsäquinoktium Wächter des Ostens
Regulus α Leonis Venant Sommersonnenwende Wächter des Nordens
Antares α Scorpii Satevis Herbstäquinoktium Wächter des Westens
Fomalhaut α Piscis Austrini Haftorang/Hastorang Wintersonnenwende Wächter des Südens

Die Beschreibung der Richtungen der Wächter bezieht sich also nicht auf die Sichtbarkeit, sondern auf eine Kombination von Jahreszeit und Tageszeit, wie zum Beispiel auf den Zeitpunkt des morgendlichen Sonnenaufgangs zum Frühlingsäquinoktium im Osten. Für die in der oben in der Tabelle angegebene Richtung von Aldebaran (Taschter) im Osten ergeben sich in den vier Jahreszeiten folgende Sonnenrichtungen, die dann mit der Richtung des jeweiligen Wächters übereinstimmen würde. Es handelt sich also nicht um die Richtungen, in denen die vier Königssterne beobachtet werden konnten, sondern Aldebaran befindet sich zu allen vier angegebenen Kombinationen von Jahreszeiten und Tageszeiten stets im Osten, Regulus stets im Norden, Antares stets im Westen und Fomalhaut stets im Süden:

Die jahreszeitlichen Positionen der Sonne
Jahreszeitpunkt Tageszeit Sonnenrichtung Sonne in Konjunktion mit
Frühlingsäquinoktium Morgen Osten Aldebaran
Sommersonnenwende Mitternacht Norden Regulus
Herbstäquinoktium Abend Westen Antares
Wintersonnenwende Mittag Süden Fomalhaut

Die vier Sternbilder, die den vier christlichen Evangelistensymbolen Stier (Lukas), Löwe (Markus), fliegender Adler (Johannes) und Mensch (Matthäus) entsprechen, sind mit diesen vier Königssternen verknüpft: der Stier (Taurus) mit Aldebaran, der Löwe (Leo) mit Regulus, der über Skorpion (Scorpio) fliegende Adler (Aquila) mit Antares und der menschliche Wassermann (Aquarius) mit Fomalhaut, der zu Füßen des Wassermanns liegt.

→ Siehe auch Die vier Evangelistensymbole.

Mondstationen

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Der Mond durchläuft auf seiner monatlichen Bahn alle ekliptikalen Längen linksläufig von 0  bis 360 Bogengrad. Diese Längen wurden schon im Altertum in Mondhäuser (respektive Mondstationen) eingeteilt, in denen sich der Mond jeweils genau einen Tag lang aufhält, bevor er in das nächste Mondhaus weiterwandert. Als Bezugspunkt diente auch schon im Altertum häufig der Frühlingspunkt. Um 700 vor Christi Geburt lag der Frühlingspunkt auf der Ekliptik bei der gleichen ekliptikalen Länge wie der Hauptstern Hamal (α Arietis) des heutigen Sternbilds Widder (Aries). Bei den Beduinen wurden 28 Mondhäuser verwendet, und Hamal lag im ersten Mondhaus Scheratan ("die beiden Zeichen") oder Alnath ("das Horn" des Lammes). Wenn sich der Mond in diesem Mondhaus befindet, ist er einen Tag später im zweiten Mondhaus Albotayn ("das Bäuchlein" des Lammes, dort befindet sich auch der Stern Nair al Butain, auch Bharani genannt) und noch einen Tag später im dritten Mondhaus Thuraya, das sind die Plejaden.

Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über. Die Plejaden befinden sich im dritten Mondhaus.

Bei den Indern gab es nur 27 Mondhäuser und Hamal lag ebenfalls im ersten Mondhaus Ashvini ("die beiden Rosseschirrenden"). Das zweite Mondhaus heißt Bharani ("der Wegtragende") und das dritte Mondhaus Krittika, was wiederum Siebengestirn bedeutet.

Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), unten der Sommer (Süden), rechts der Herbst (Westen) mit dem Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") in seiner Mitte sowie oben der Winter (Norden).

Die Chinesen haben die Ekliptik ebenfalls in 28 Mondhäuser eingeteilt. Das Mondhaus mit den Plejaden heißt dort Mǎo ("haariger Kopf"), liegt in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markiert dort den Herbstpunkt auf der Ekliptik, der dem Frühlingspunkt genau gegenüber liegt. Im Altertum gingen die Plejaden zur Tag-und-Nacht-Gleiche beim Herbstanfang während des Sonnenuntergangs genau im Osten auf.

Darstellungen im Altertum

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Bei den Plejaden handelt es sich um einen äußerst auffälligen Asterismus in der Nähe der Ekliptik, und sie sind daher praktisch von jedem Ort der Erde viele Monate lang in der Nacht zu sehen. Die einzelnen Sterne können vom Mond bedeckt werden, und so ist es nicht verwunderlich, dass ihnen zu allen Zeiten und an allen Orten eine besondere Bedeutung und Aufmerksamkeit am Sternenhimmel zugeordnet wurde.

Es wird diskutiert, ob die Plejaden innerhalb des Sternbilds Stier (Taurus) bereits in den steinzeitlichen Zeichnungen in der Höhle von Lascaux dargestellt sind.[7][8]

In der neolithischen Magura-Höhle in Bulgarien tauchen bei den Höhlenmalereien zum Beispiel sehr viele Figuren mit zum Himmel erhobenen Armen auf.[9] Viele Figuren ähneln deutlich dem heutigen Sternbild Orion. An der Wand eines Korridors gibt es eine mythisch anmutende Gruppe mit einer Siebengestalt. In einer anderen größeren Zusammenstellung sind in der oberen Hälfte zahlreiche Gestalten mit erhobenen Händen zu erkennen, wohingegen darunter eher eine irdische Szene mit Menschen und Tieren zu sehen ist. Auch mehrere sonnen- und mondartige sowie stierartige und stierkopfartige Figuren sind in der Nachbarschaft dieser Darstellungen zu erkennen. Es ist daher eine naheliegende Annahme, dass die erwähnte Siebengestalt die Plejaden oder vielleicht auch die sieben Wandelgestirne symbolisieren könnte.

Die Plejaden sind vermutlich auf der Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit (um 2000 vor Christus) als sieben goldene Scheibchen abgebildet. Auch das 1891 in Allach bei München gefundene keltische Eisenschwert aus dem dritten Jahrhundert vor Christus ist mit goldenen Tauschierungen ausgeführt, die die Plejaden zeigen.[10]

Sieben Kreise an der Kante des Randsteins 15 vom neolithischen Hauptgrabhügel Knowth in Irland.

Eine sehr ähnliche Darstellung findet sich auf einem Randstein des steinzeitlichen Ganggrabs Knowth im irländischen Boyne Valley in der Nähe von Newgrange. Der Hauptgrabhügel ist rund 5100 Jahre alt, etwa 12 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 67 Metern. Er enthält zwei in Ost-West-Richtung verlaufende Gänge, die ursprünglich von 127 Randsteinen umgeben waren, von denen 124 noch erhalten sind. Auf der ebenen Oberfläche von Randstein 15 (kerbstone 15), der sich am östlichen Rand der Anlage befindet, ist in der Mitte möglicherweise eine Sonnenuhr dargestellt, und am Rand des Steins taucht eine Darstellung aus sieben Kreisen auf.[11][12]

In Mesopotamien sind die Plejaden auf mehreren aus Ton gefertigten assyrischen MUL.APIN-Keilschrifttafeln der Astrolab B Kalender verzeichnet (siehe auch unten Abschnitt „Schaltregeln“).

Auch auf dem bronzezeitlichen Diskos von Phaistos von der Insel Kreta taucht 17 Mal ein kreisförmiges Symbol mit sieben innenliegenden Punkten auf, das mit den Plejaden in Verbindung gebracht wurde: [13]

Seit mehreren Jahren wird vermutet, dass auch auf dem zirka zwei Meter großen Stein mit becherförmigen Vertiefungen (französisch: "roche à cupules") auf der Hexenebene (französisch: "Plan des Sorcières") in der Gemeinde Lillianes im Aostatal die Plejaden abgebildet sind.[14]

Ähnliche Vermutungen gibt es für eine Anordnung von sieben Löchern beim Kalenderstein von Leodagger in Niederösterreich.[15]

Überlieferungen

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Die Plejaden sind das auffälligste Objekt im Asterismus des Himmelsstieres und auch des heutigen Sternbilds Stier (Taurus). Die Bezeichnung kommt aus dem Altgriechischen, es ist jedoch nicht eindeutig geklärt, was die ursprüngliche Bedeutung ist. Hierzu wird häufig das altgriechische Lehnwort πλείας (Nominativ Singular: "pleias", Genitiv, Singular: "pleiados", Nominativ Plural: "pleiades") für "Schiffer" herangezogen, weil sie als Himmelszeichen für den Beginn der weniger gefährlicheren Schiffbarkeit des Mittelmeers genutzt worden sind.[19] In auffällig vielen Sprachen werden Deminutive (Verkleinerungsformen) oder Attribute wie "klein" verwendet, um die Plejaden zu benennen. Der Bezug auf den altgriechischen Komparativ πλείων ("pleion") mit der Bedeutung "zahlreicher" ist ebenfalls nicht abwegig, denn in einem Sternhaufen sind die Sterne zahlreicher als bei einem einzelnen Stern. Diese Bedeutung taucht bei Begriffen wie "Haufen", "Versammlung" oder "Reichliche" sinngemäß auf. Ferner wurden wegen der Funktion als Kalenderstern auch die Ableitung vom altgriechischen Wort πλείων ("pleion") mit der Bedeutung "Jahr" beziehungsweise "Jahreszeit" sowie wegen der gelegentlich gebräuchlichen Bezeichnung als "Taubengestirn" auch der Ursprung aus πελειαδες ("pleleiades" = "Tauben") diskutiert.[20]

Die Plejaden werden im Deutschen auch Siebengestirn genannt, was den unmittelbaren Bezug zur magischen, mystischen und göttlichen Zahl Sieben herstellt.[21]

Für die Plejaden sind zahllose Synonyme im Gebrauch:[22][23][24][25]

Regensterne, Schiffersterne, Buschelsterni, Staubkörner, Sieb, Glucke, Henne, Tauben, Weintraube, Traube, Frühlingsjungfern, Sieben Schwestern, Töchter des Atlas (auch Atlantiden, Atlantiaden), ...
Assyrische Keilschrift mit zwei gleichen Schriftzeichen der sumerischen Bedeutung MUL.MUL (wörtlich übersetzt: Stern.Stern = Sterne) für die Plejaden.
Zeichen für die Plejaden nach dem japanischen Kosmologen Abe no Seimei (* 921; † 1005).[26]

In den meisten Sprachen hatten und haben sie einen Eigennamen:

althochdeutsch thaz sibunstirri (das Siebenstirn), polnisch baby (alte Weiber), russisch baba (altes Weib), japanisch Subaru (Versammlung), türkisch Ülker, aztekisch Tianquiztli (Marktplatz), sumerisch MUL.MUL (in Keilschrift: , wörtlich "Stern-Stern" = Sterne), akkadisch Zappu (Haufen / Borste / Kamm) sowie Šebettu (die Sieben), aramäisch und hebräisch Kimah (Häuflein), arabisch Al-Thurayya (kleine Reichliche, die vielen Kleinen oder Kronleuchter)[27], lateinisch Vergiliae (Geflecht), griechisch heptasteros (Siebenstern), indisch Krittika (sechs Nymphen, die ihren Sohn, den hinduistischen Gott Karttikeya, aufzogen), chinesisch Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger"), australisch Mormodellick[3], maorisch Matariki, polynesisch Matarii (Gesellschaftsinseln)[3], hawaiisch Makaliʻi (auch im Zusammenhang mit einer "Schöpfkelle" oder als "Augen des Chefs" beziehungsweise "Gottes Augen")[28], inuitisch Sakiattiak (Brustbein), Ojibwe Bugonagiizhig (Loch im Himmel) sowie Madoo'asinik (schwitzende Steine), Mittleres Sioux Wiçinyanna Sakowin / Wiçincala Sakowin (sieben Mädchen), aragonesisch As Crabetas, walisisch Twr Tewdws, samisch Rougot (Hundemeute), finnisch Seulaset (Siebchen oder Siebengestirn), ...

Es sei angemerkt, dass das finnische Wort "seula" in "seulaset" für das deutsche Wort "Sieb" steht (althochdeutsch "sib"), der Suffix "-set" steht für die Verkleinerungsform "-chen", "seulaset" heißt wörtlich übersetzt also "Siebchen". Die Assoziation eines kleinen Siebes mit einem offenen Sternhaufen ist augenfällig, wobei die Anzahl der Löcher respektive der Sterne natürlich keineswegs genau sieben betragen muss.

Bei den babylonischen Chaldäern hießen die Plejaden auch Tamsil (zu Deutsch "Herde" beziehungsweise "Versammelte" oder "Genossen").[29]

Bibelstellen

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Im Alten Testament wird der Sternhaufen der Plejaden drei Mal erwähnt, allerdings weisen die verschiedenen Übersetzungen keine einheitlichen Bezeichnungen oder Begriffe auf.[30][31]

Das Sternbild Orion wird in der Anfangszeit des ersten vorchristlichen Jahrtausends neben den beiden offenen Sternhaufen der Plejaden und der Hyaden sowie dem Sternbild der Bärin beziehungsweise dem Himmelswagen (Großer Wagen in der Großen Bärin (Ursa Major)) auch im griechischen Raum als eines der sehr wenigen Sternbilder in den Epen Ilias[32] und Odyssee[33] von Homer genannt. Diese sehr auffälligen und gut zu beobachtenden Asterismen könnten in den alten Texten als Prototypen von Sternbildern beziehungsweise der untereinander in festen Abständen befindlichen Fixsterne gedeutet werden.

Das 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ des Buches Hiob erwähnt die vier auffälligsten Sternkonstellationen im 9. Vers:[34]

Einheitsübersetzung (2016):
7 Er spricht zur Sonne, sodass sie nicht strahlt, er versiegelt die Sterne. 8 Er spannt allein den Himmel aus und schreitet einher auf den Höhen des Meeres. 9 Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.

Vulgata:
9 Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.

Septuaginta:
9 ὁ ποιῶν Πλειάδα ("Pleiada") καὶ Εσπερον ("Esperon") καὶ Αρκτοῦρον ("Arktouron") καὶ ταμιεῖα νότου ("tamieia notou")

Das Name Αρκτοῦρον ("Arktouron") leitet sich aus den griechischen Wörtern ἄρκτος ("arktos" für "Bär") and οὖρος ("ouros" für "Hütter") her und bedeutet demzufolge "Bärenhüter". Der Bärenhüter (Bootes) ist ein auffälliges und großes Sternbild in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagens im Großen Bären (Ursa Major) mit dem hellen Hauptstern Arktur (Arcturus, α Bootis), bei dem es sich ebenso wie bei Aldebaran (α Tauri) im Stier (Taurus) und bei Antares (α Scorpii) im Skorpion um einen Roten Riesen handelt. Diese beiden ebenfalls sehr hellen und auffälligen Sterne markierten in der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends den Frühlingspunkt im Stier und den Herbstpunkt im Skorpion (siehe oben).

Der erste Asterismus bei Hiobs Aufzählung lautet im Hebräischen Aisch ("איש"), was ebenso wie die entsprechende arabischsprachige Wurzel "Aouas" mit "einen Kreis machen" auch als "zusammenrotten" oder "versammeln" gedeutet werden kann.[30] Diese Interpretation steht im Einklang mit den entsprechenden Bedeutungen im Japanischen, im Akkadischen oder im babylonischen Chaldäisch für das Siebengestirn (siehe oben).

Das altgriechische Wort "Esperon" beim zweiten Asterismus der Aufzählung bedeutet "Abendstern", und diese Bezeichnung taucht als "Vesperum" auch in einigen Versionen der Vulgata auf.[30] Im Hebräischen steht Kimah ("כימה"), was häufig mit "Sternhaufen" übersetzt wird[3][35], aber auch vom Wort "Kamah" ("כמה") abstammen könnte, welches wiederum soviel wie "begehren" oder "jubeln" bedeutet. Das arabische Pendant "Kaouam" beziehungsweise "Kam" charakterisiert den Frühling.[30] Der Frühlingspunkt lag vor 4600 Jahren beim Siebengestirn, was auch noch bis ins 7. Jahrhundert vor Christus auf den assyrischen MUL.APIN-Tafeln überliefert ist, die bis ungefähr 300 vor Christus in Babylonien immer wieder kopiert wurden. Das Wort "Kam" kann auch zur Veranschaulichung einer "Schar" oder einer "Vielfalt" dienen". Letzteres kann leicht mit der wörtlichen Bedeutung des altgriechischen Begriffs "Pleiada" in Bezug gesetzt werden.[30]

An dritter Stelle folgt im Hebräischen die Konstellation Kesil ("כזיל"). Die Wurzel dieses Wortes ist "Kasal" ("כזל"), was so viel wie "wechselhaft" bedeutet, wohingegen im Arabischen "starr" oder "kalt" die passenden Bedeutungen sind. Insofern kann in "Kesil" der Gegenpol zu "Kimah" am Sternenhimmel beziehungsweise bei den Jahreszeiten sowie als der Gegensatz zwischen Bewegung und Starrheit angesehen werden.[30] Einige Interpretatoren gehen darauf basierend davon aus, dass es sich bei den Gegenpolen um zwei gegenüberliegende Sternbilder oder auch nur Sterne respektive Sternbilder[36] handeln könnte, wie der Rote Riese Aldebaran (α Tauri) im Wintersternbild Stier (Taurus) und der Rote Überriese Antares (α Scorpii) im Sommersternbild Skorpion (Scorpio).[30] Die Sternbilder Orion und Stier (Taurus) mit den Plejaden und den Hyaden werden auch Wintersternbilder genannt, weil sie im Winter um Mitternacht auf dem südlichen Meridian kulminieren, wo sie vollständig und besonders gut zu sehen sind. Umgekehrt ist es mit den zu den Wintersternbildern auf dem Lebewesenkreis diametralen Sommersternbildern Skorpion (Scorpio) und Adler (Aquila) in der Sommermilchstraße, die im Sommer um Mitternacht auf dem südlichen Meridian kulminieren.

Im Hebräischen steht an der vierten Stelle der Plural Mazzaroth ("מזרות"), was einfach Sternbilder[30][37] oder etwas spezieller Zodiak (Lebewesenkreis) bedeuten könnte. Letzteres gilt insbesondere, wenn das ursprüngliche Wort "Nazar" ("נזר") zugrunde gelegt wird, welches "umzingeln" beziehungsweise "umkreisen" bedeutet. In diesem Sinne könnten mit den (geheimen) Kammern des Südens auch alle Sterne gemeint sein, die zirkumpolar um den südlichen Himmelspol kreisen, somit nie auf der nördlichen Hemisphäre sichtbar werden und demzufolge verborgen sind.[30] Die Kleinschreibung in den alten Sprachen suggeriert, dass es sich bei den "Kammern des Südens" nicht um den Namen für einen Asterismus handeln könnte. Im weiteren Sinne könnten auch südlich gelegene Mondhäuser (oder "Mondstationen" respektive "Mondkammern") gemeint sein, in denen sich der Mond in der Nähe des südlichen Meridians, wegen der dort auftretenden oberen Kulmination gut erkennbar, jeweils einen Tag lang aufhält.[29] Diese Annahme wird unterstützt durch den ähnlich klingenden assyrischen Begriff "manzaltu" für "Station". Andere Autoren gehen davon aus, dass mit den Kammern des Südens die Milchstraße gemeint ist.[38] Da der hebräische Begriff "Mazzaroth" im 2. Buch der Könige, 23. Kapitel, Vers 5 (in der Septuaginta steht entsprechend "μαζουρωθ" ("mazouroth") in vielen Übersetzungen mit den zwölf Sternbildern des Zodiaks gleichgesetzt wird, wäre auch die Identifikation der "Kammern des Südens" mit den Sternbildern des Lebewesenkreises denkbar, die bei der Kulmination auf dem südlichen Meridian besonders gut und in hinreichend südlichen Breiten stets vollständig zu sehen sind.

Im 31. Vers des 38. Kapitels des Buches Hiob heißt es dann:[39]

Einheitsübersetzung (2016):
31 Knüpfst du die Bande des Siebengestirns oder löst du des Orions Fesseln?
32 Führst du heraus Sterne des Tierkreises zu seiner Zeit, lenkst du die Löwin samt ihren Jungen?
33 Kennst du die Satzungen des Himmels, setzt du auf der Erde seine Herrschaft durch?

Vulgata:
31 Numquid coniungere valebis nexus stellarum Pleiadum aut funiculum Arcturi poteris solvere ?
31 (alternativ) Numquid coniungere valebis micantes stellas Pliadis aut gyrum Arcturi poteris dissipare
32 Numquid producis luciferum in tempore suo et vesperum super filios terrae consurgere facis
33 Numquid nosti ordinem caeli et pones rationem eius in terra

Septuaginta:
31 συνῆκας δὲ δεσμὸν Πλειάδος ("Pleiados") καὶ φραγμὸν Ωρίωνος ("Orionos") ἤνοιξας
32 ἦ διανοίξεις μαζουρωθ ("mazouroth") ἐν καιρῷ αὐτοῦ καὶ Eσπερον ("Esperon") ἐπὶ κόμης αὐτοῦ ἄξεις αὐτά;
33 ἐπίστασαι δὲ τροπὰς οὐρανοῦ ("tropas ouranou") ἢ τὰ ὑπ οὐρανὸν ("ouranon") ὁμοθυμαδὸν γινόμενα;

Auch hier sind die Zusammenhänge und Übersetzungen sehr rätselhaft. Die "Sterne des Tierkreises" (des Zodiaks) im Vers 32 heißen im Hebräischen ("מזרות") und im Griechischen ("μαζουρωθ") mazouroth und wurden in der lateinischsprachigen Vulgata mit "luciferum" übersetzt, also mit "Morgenstern". Von einer Löwin ist weder im Lateinischen, noch im Griechischen oder im Hebräischen die Rede.

Auch im Vers 31 steht für das Siebengestirn und den Orion im Hebräischen "Kimah" ("כימה") und "Kesil" ("כזיל")[40], was in Bezug auf die einstige Lage des Frühlingspunktes bei den Plejaden und dessen Wanderung durch die Präzession der Erdachse auch zur folgenden astronomischen Interpretation führen könnte:

„Knüpfst du die Bande des Frühlings(-punktes), oder löst du die Fesseln der Sterne ?“

Im Buch des Propheten Amos im Kapitel 5, Vers 8 heißt es zu den beiden benachbarten Konstellationen:

Einheitsübersetzung (2016):
Er hat das Siebengestirn und den Orion erschaffen;
er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht,
er ruft das Wasser des Meeres und gießt es aus über die Erde – HERR ist sein Name.

Nova Vulgata:
Qui facit stellas Pliadis et Orionem

Vulgata:
facientem Arcturum et Orionem

Septuaginta:
ποιῶν πάντα καὶ μετασκευάζων

Die griechischen Wörter sind unspezifisch für konkrete Sternkonstellationen. Das Wort "panta" steht für "alles" (oder "immer"), und das Wort "metaskeuazon" könnte mit den beiden Bestandteilen "meta" ("nach", "inmitten") und "skeuazon" ("einrichten", "fertig machen", "vorbereiten", "sammeln") folgendermaßen interpretiert werden:

„Er hat alles erschaffen und es gestaltet; er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht.“

Auch hier werden im Hebräischen die Wörter "Kimah" ("כימה") und "Kesil" ("כזיל") verwendet (siehe oben).[41] Der Lauf der Sonne bestimmt die Jahreszeiten, und das Jahr begann im Altertum in der Regel mit dem Frühlingsbeginn, wenn die Sonne zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühlingspunkt steht. Die Plejaden lagen um 2600 vor Christus beim Frühlingspunkt und standen somit in der uralten Tradition für den Jahres- beziehungsweise Frühlingsbeginn (→ siehe auch Plejaden-Schaltregeln). Ein halbes Jahr später steht die Sonne zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbstpunkt auf der gegenüberliegenden Seite der Ekliptik. Alle anderen Wandelgestirne ziehen mit unterschiedlichen Umlaufzeiten ebenfalls entlang der Ekliptiklinie regelmäßig durch diese beiden Punkte. Das Goldene Tor der Ekliptik wird durch die beiden offenen Sternhaufen der Plejaden und der Hyaden gebildet und beherbergte deswegen vor 4600 Jahren den Frühlingspunkt. Dieses traditionelle Wissen wurde in Babylonien mit den MUL.APIN-Tafeln bis ins siebente vorchristliche Jahrhundert aus den älteren Zeiten bewahrt, so dass der Prophet Amos im Königtum Juda durch die Einflüsse des Neuassyrischen Großreiches darüber informiert gewesen sein kann.

Zum einen stehen die ewig fest an ihren Positionen stehenden Sterne (lateinisch stellae fixae) und Sternbilder den sich ewig entlang der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) bewegenden Wandelgestirne (lateinisch stellae errantes, im weiteren Sinne auch die Kometen (lateinisch stellae crinitae = "langhaarige Sterne")) gegenüber. Zum anderen liegen der Frühlings- und der Herbstpunkt (Äquinoktien) sowie die Winter- und die Sommersonnenwende (Solstitien) auf gegenüberliegenden Seiten der Ekliptik. Jeder dieser vier auf der Ekliptiklinie ausgezeichneten Punkte kreist bedingt durch die Rotation der Erde an jedem Tag einmal um einen irdischen Beobachter, wobei während der Nacht immer nur der der jeweiligen Jahreszeit entsprechende Ausschnitt des Sternenhimmels zu sehen ist. Im Laufe von Jahrhunderten verschieben sich die Äquinoktien und die Solstitien gegenüber dem Fixsternhimmel ersichtlich. Im Sinne dieser räumlichen und zeitlichen Zusammenhänge, Gegensätze und Veränderungen könnte also eine einfache, aber durchaus naheliegende astronomische Interpretation dieses Amos-Textes in Betracht kommen:

„Er hat den ewigen Himmelslauf erschaffen; er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht.“

Bezug zur Vierzig

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Die Plejaden hatten in vielen Kulturen also eine besondere Bedeutung und tauchen häufig in bildlichen Darstellungen auf. Sie sind ein Kalendergestirn, nach dessen Auf- und Untergängen schon im Altertum landwirtschaftliche und seefahrerische Tätigkeiten ausgerichtet wurden, wie es zum Beispiel schon bei den griechischen Dichtern  Hesiod um 700 vor Christus[42][43] oder  Aratos von Soloi (* zirka 310 vor Christus; † 245 vor Christus) belegt ist. Hesiod erwähnt in seinem Text auch, dass die Plejaden im Frühjahr für vierzig Tage und Nächte nicht zu sehen sind, da sie vom Sonnenlicht überstrahlt werden. Der Name Plejaden geht auf die sieben Töchter des Titanen Atlas und seiner Gattin, der Okeanide Pleione, aus der griechischen Mythologie zurück. Sie heißen: Alkyone, Halcyone, Asterope (oder Sterope), Kelaino, Maia, Merope und Taygete.

Der Begriff Quarantäne (vom Französischen „quarantaine (de jours)“ = „vierzig Tage“) soll mit den Plejaden zusammenhängen, da diese in den subtropischen Breiten (heute) vom 1. Mai bis zum 9. Juni, also vierzig Tage lang, von der Sonne überstrahlt werden und dann selbst der hellste Stern dieser Konstellation, Alkione (η Tauri), mit bloßem Auge erst kurz nach Sonnenuntergang nicht mehr und dann kurz vor Sonnenaufgang noch nicht wieder gesehen werden kann.

Nach der Unsichtbarkeit der Plejaden begann im alten Ägypten vierzig Tage lang das Nilwasser zu steigen und ebenso lange wieder zu fallen.[44]

Noah öffnete nach vierzig Tagen das Fenster seiner Arche[45], und Moses verbrachte vierzig Tage auf dem Gottesberg Sinai.[46] Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dass im Neuen Testament Jesus dann auch vierzig Tage in der Wüste fastet[47][48][49], weswegen es in der österlichen Bußzeit heute ebenfalls vierzig Fastentage gibt.

Siehe auch: Quadriviale Kuriositäten / Zahlen / Zur Vierzig

Sagenwelt

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Der Devils Tower im Nordosten des US-amerikanischen Bundesstaates Wyoming.

Das Siebengestirn hat in sehr vielen Kulturen eine mythische Bedeutung.

Als ein Beispiel unter vielen sei hier die folgende Erzählung der Kiowa im nordamerikanischen Wyoming über die Entstehung eines Berges in der Nähe ihres neu gegründeten Dorfes wiedergegeben. Bei den Kiowa-Indianern geht die Sage, dass sieben Mädchen sich vor mehreren Bären auf einen Felsen flüchteten und ihn anflehten sie zu retten. Daraufhin sei dieser heute als Devils Tower bekannte Vulkankegelstumpf immer weiter in den Himmel gewachsen und brachte die Mädchen schließlich als die Plejaden an das Firmament. Die von den Bärenkrallen an den Flanken des Berges verursachten vertikalen Schrammen seien immer noch zu sehen:[50]

Eines Tages spielten sieben kleine Mädchen in einiger Entfernung zum Dorf. Sie wurden von mehreren Bären entdeckt, und die Mädchen eilten zum Dorf. Die Bären jedoch erreichten die Mädchen weit vor dem Dorf. In ihrer Not kletterten die Mädchen auf einen kleinen Felsbrocken. Sie flehten den Stein an: „Fels, habe Mitleid mit uns, Fels rette uns“. Der Fels erhörte die Mädchen und fing an in die Höhe zu wachsen. Die Bären sprangen den Felsen in ihrer Wut an, brachen riesige Felsbrocken aus ihm heraus und kratzten mit ihren Krallen tiefe Rillen und Spalten in den Felsen, jedoch konnten sie die Mädchen nicht erreichen. Der Fels wuchs und wuchs bis in den Himmel hinein. Die Mädchen sind noch immer im Himmel, als sieben kleine Sterne am Firmament: die Plejaden.

Die Inuit erzählen sich die Legende, dass ein großer Bär die Menschheit bedrohte und von Hunden an den Himmel verjagt wurde. Die Hundemeute würde als die Plejaden diesen Bären heute weiterhin verfolgen.[24]

Die australischen Ureinwohner der Loritja erzählen sich, dass sieben Mädchen während der Unsichtbarkeit der Plejaden auf die Erde kommen und einen Feuertanz aufführen.[51]

Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Kuckuck im Frühsommer aufhört zu singen und dass die Plejaden in den Breitengraden der klimatisch gemäßigten Zonen dann deutlich länger nicht zu sehen sind, gibt es eine deutsche Sage über einen hartherzigen Bäcker, der bis zur Sommersonnenwende 72 Tage lang vergeblich nach seiner Frau und seinen Töchtern ruft. In dieser Sage es heißt:

Vom Ursprung der Plejaden wird erzählt: Christus ging an einem Bäckerladen vorüber, wo frisches Brot duftete, und sandte seine Jünger hin, ein Brot zu erbitten. Der Bäcker schlug es ab, doch von Ferne stand die Bäckersfrau mit ihren sechs Töchtern und gab das Brot heimlich. Dafür sind sie als Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Bäcker aber ist zum Kuckuck geworden und so lange er Frühjahrs ruft, von Tiburtii (Anmerkung: Namenstag  Tiburtii von Rom ist der 14. April) bis Johannis (Anmerkung: Namenstag  Johannes' des Täufers ist der 24. Juni (Johannistag)), ist das Siebengestirn am Himmel [nicht] sichtbar.[22]

In norddeutschen, ostpreußischen und böhmischen Sagen gibt es Varianten dieser Geschichte, bei denen der Kuckuck die geflüchteten Familienangehörigen nicht zurückrufen kann beziehungsweise deren Rache fürchtet.[23][52] Eine Mecklenburgische Volksüberlieferung lautet:

Viertig Dag un viertig Nacht darf de Kukuk sik man sehn laten, denn is dat Soebenstiern hier wech; wenn dat wedderkümmt, denn mööt de Kukuk wider. ("mööt" = "muss (weichen)")[53]

Bei zwei dänischen Varianten geht es um eine Frau mit sieben unehelichen Kindern und um ein zerstrittenes Ehepaar.[54][55]

Zusammenhang mit dem Stier

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Asterismus des Himmelsstieres mit den Bezeichnungen der hellsten Sterne. Die Plejaden liegen auf dem Rücken des Himmelsstieres.

Der offene Sternhaufen der Plejaden hat sieben Sterne, die eine scheinbare Helligkeit von dritter bis fünfter Größenklasse haben und somit gut mit bloßen Auge zu erkennen sind. Die Plejaden liegen auf dem Rücken des Himmelsstieres und könnten aus diesen Gründen als Urquell der sieben Wandelgestirne angesehen werden. Althochdeutsch wird der Sternhaufen mit „sibunstern“, „sibunstirni“, oder „sibunstirri“ bezeichnet.[56] Die Übersetzung ins Lateinische ist nicht eindeutig (siehe oben), da hier sowohl "Vergiliae", „Pleiades“ und „Hyades“ als auch „septemtriones“[57] („sieben Dreschochsen“) anzutreffen sind.

Insbesondere bei den Wörtern für „sieben“ und für „Stier“ sowie „Gestirn“ oder „Stern“ sind die Ähnlichkeiten in den uralten (proto-indoeuropäischen und altsemitischen) Sprachen so auffällig, dass sie gemeinsame Ursprungswörter (Etyma) haben und somit Kognaten sein dürften. Beispiele sind:[58]

  • "sieben": Proto-Semitisch "*šabʕum", Akkadisch "sebe", Proto-Indoeuropäisch "*septḿ̥", Hetitisch "sipta", Proto-Germanisch "*sebun", Althochdeutsch "sibun", Hebräisch "sajin" (Buchstabe) oder "scheva" (Wort), Etruskisch "semph", Maltesisch "sebgħa", Arabisch "sabʿa", Lateinisch "septem", Griechisch "επτά" ("(h)epta"), Ungarisch "het", Proto-Balto-slawisch "*septin", Proto-Indo-Iranisch "*saptá", Katalanisch "set", Spanisch "siete", Galicisch "sete", Lettisch "septiņi", Italienisch "sette", Französisch "sept", Englisch "seven", Wallisisch "saith", Bosnisch / Kroatisch "sedam", Rumänisch "șapte", Irisch "seacht", Swahili "saba", Haitianisch "sèt"
  • "Stier":[59] Akkadisch und Assyrisch "šūru", Aramäisch "tōra", Hebräisch "šǒr", Althochdeutsch "stior", Ugaritisch "twr", Lateinisch "taurus", Griechisch "ταύρος" ("tauros"), Arabisch "ثور" ("thawr"), Italienisch, Katalanisch und Spanisch "toro", Galicisch "touro", Französisch "taureau", Schwedisch "tjur", Dänisch "tyr", Gallisch "tarvos", Irisch und Gälisch "tarbh", Wallisisch "tarw"
    • "Horn": Akkadisch "carnu", Aramäisch "qeren", Lateinisch "cornu", Griechisch "κόρνο" ("korno"), Maltesisch "qrun", Arabisch "قرون" ("qurun"), Französisch "corne", Italienisch "corne", Rumänisch "corn", Haitianisch "kòn"
  • "Stern / Gestirn": Indogermanisch "*ster", Akkadisch "istar", Lateinisch "astrum" / "stella", Griechisch "άστρο" / "αστέρι" ("astro" / "asteri"), Althochdeutsch "stern(o)", Galicisch "estrela", Katalanisch und Spanisch "estrella", Englisch "star", Isländisch "stjarna", Italienisch "stella", Sardisch "istedda", Maltesisch "stilla", Dänisch und Norwegisch "stjerne", Schwedisch "stjärna", Rumänisch "stea", Baskisch "izar"

Im Althochdeutschen wären die lateinischen „septemtriones“ die „sibunstiori“, was den althochdeutschen „sibunstirri“ wiederum sehr ähnlich kommt. Es wäre demzufolge denkbar, dass der Himmelsstier als „Geburtstrichter“ der Thuraya mit seinem Siebengestirn als „Geburtshelfer“ für die sieben Wandelgestirne angesehen wurde und dass die göttliche Zahl „Sieben“ mit den göttlichen Begriffen „Gestirn“ und „Stier“ im Laufe der Zeiten mit variierender Kombination, Bedeutung und Verwendung assoziiert wurde.

Anmerkung:
Eine Variante des lateinischen Wortes „septemtriones“ ist die lateinische Bezeichnung „septentrio“ für die nördliche Himmelsrichtung. Die vier Haupthimmelsrichtungen sind geographisch im Horizontsystem definiert. In Italien wurde das Sternbild Großer Bär (Ursa Major) "septentrio" ("Siebenfigur") genannt.[60] Der Asterismus Großer Wagen im Sternbild Großen Bär besteht aus sieben sehr deutlich zu erkennenden Sternen und befindet sich von der Erde aus gesehen immer zwischen Nordwesten und Nordosten. Der Große Wagen ist in nördlichen Breiten seit Jahrtausenden zirkumpolar, befindet sich also nie unterhalb des Horizonts und steht keineswegs immer dicht über dem nördlichen Horizont. Nur im Sommer erfolgt die untere Kulmination auf dem nördlichen Meridian um Mitternacht.
Es möge in diesem Zusammenhang zur Kenntnis genommen werden, dass sich die nördlichen Richtungen auch als Wohnstatt von sieben Gestirnen gesehen werden können. Hierfür kommen sowohl das Siebengestirn, als auch die sieben Wandelgestirne in Frage, die im Norden nie zu sehen sind, weil sich die Ekliptiklinie dort stets unterhalb des Horizonts befindet. Das gleiche gilt für den Himmelsstier. Unabhängig von der genauen Bedeutung könnte also durchaus erwogen werden, dass sich der Begriff „septentrio“ von der Richtung ableitet, in welcher die „septemtriones“ (die „sieben Ochsen“) nie zu sehen sind, sich also in ihrem Ruheort verbergen.

Schaltregeln

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Zweispaltige babylonische MUL.APIN-Tafel aus Ton mit Keilschrift im Britischen Museum in London. Die erste Tafel enthält astronomische Abhandlungen zu Himmelsabschnitten, Daten von Auf- und Untergängen wichtiger Sterne sowie 18 Mondstationen inklusive der drei ersten Mondstationen: die Plejaden, der Himmelsstier und Orion.
Mond-Sonne-Darstellung aus dem mesoamerikanischen Codex Borbonicus der Azteken vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Die beiden sich zu einem vollen Kreis ergänzenden Halbkreise symbolisieren den Mond und die Sonne.

Im Halbkreis des Mondes befinden sich 19 Kreise. Er wird umkränzt von 11 kleineren Kreisen. Der Halbkreis der Sonne besteht aus 7 halbkreisförmigen Schalen (von innen nach außen: rot, orange, blau, rot, grün, weiß, orange), in denen sich 7 Strahlen befinden (3 Dreiecke und 4 Rechtecke), die nach außen zeigen und auf dem Rand des äußersten Kreises enden.

Folgende Beobachtungen sind hierbei interessant:

• Die 11 kleinen Kreise am Rand des Mondes korrespondieren mit den 11 Tagen, die ein Sonnenjahr (365 Tage) länger dauert als 12 synodische Monate (354 Tage).

• Die 7 Strahlen an und die 7 Halbschalen in der Sonne entsprechen den 7 Wandelgestirnen.

7 synodische Schaltmonate (das entspricht 207 Tagen) sind erforderlich, um 19 Mondjahre mit je 12 synodischen Monaten (das entspricht 228 synodischen Monaten (6733 Tage)) mit 19 Sonnenjahren zu synchronisieren (das entspricht 235 synodischen Monaten (6940 Tage)).

Die Ermittlung von Regeln für die Synchronisation der unabhängigen Umläufe der Erde um die Sonne (Sonnenjahr mit vier Jahreszeiten) mit den Umläufen des Mondes um die Erde (synodischer Monat mit vier Mondphasen) oder mit der Rotation der Erde um ihre eigene Achse (Tag mit vier Tageszeiten) erfordert ein systematisches Beobachten des Geschehens am Himmel über sehr viele Jahre. Die Periodendauern dieser Umläufe stehen in keinem einfachen ganzzahligen Verhältnis zueinander. Die ältesten tradierten Schaltregeln, mit denen ein Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Perioden hergestellt werden kann, stellen ein bemerkenswertes Zeugnis für die präzise astronomische Beobachtungsgabe, für die hohen kognitiven Fähigkeiten und für die sorgfältig gesammelten Erkenntnisse ihrer Erfinder dar.

Die vierundzwanzig Stunden des Tages werden von 0 bis 23 durchgezählt, und die sieben Tage der Wochen (respektive Mondviertel) sowie die zwölf Monate des Jahres haben Eigennamen erhalten. In der folgenden Tabelle sind die drei oben genannten astronomischen Perioden mit ihren durch Beobachtung wahrnehmbaren Ausprägungen sowie den dazugehörigen Begriffen aufgeführt:

Astronomische Perioden
Zeitbegriff Tag Synodischer Monat Sonnenjahr
Dauer ≈ 24 Stunden ≈ 29,5 Tage ≈ 365,25 Tage
Rotierender Himmelskörper Erde Mond Erde
Rotationszentrum Erdachse Erde Sonne
Bezeichnung der jeweils
vier Zeitabschnitte
Tageszeiten mit jeweils
sechs Stunden
Mondphasen mit jeweils
einer Siebentagewoche
Jahreszeiten mit jeweils
drei Monaten
Erster Zeitpunkt Sonnentiefststand
(Mitternacht)
Neumond Frühlingsbeginn
Erster Zeitabschnitt Zweite Nachthälfte
(0 bis 6 Uhr)
Erstes Mondviertel
(zunehmender Mond)
Frühling
Zweiter Zeitpunkt Sonnenaufgang
(Morgen)
Zunehmender Halbmond Sommeranfang
Zweiter Zeitabschnitt Vormittag
(6 bis 12 Uhr)
Zweites Mondviertel
(zunehmender Mond)
Sommer
Dritter Zeitpunkt Sonnenhöchststand
(Mittag)
Vollmond Herbstbeginn
Dritter Zeitabschnitt Nachmittag
(12 bis 18 Uhr)
Drittes Mondviertel
(abnehmender Mond)
Herbst
Vierter Zeitpunkt Sonnenuntergang
(Abend)
Abnehmender Halbmond Winteranfang
Vierter Zeitabschnitt Erste Nachthälfte
(18 bis 24 Uhr)
Viertes Mondviertel
(abnehmender Mond)
Winter

Seit 1978 ist bekannt, dass die mesopotamischen Keilschrifttexte des MUL.APIN, die seit dem siebenten Jahrhundert vor Christus nachgewiesen sind, die sogenannte Plejaden-Schaltregel beschreiben. Sie beziehen sich hierbei auf eine Zeit, die deutlich vor der Entstehung der noch erhaltenen und offenbar (mehrfach) kopierten Tontafeln liegt, nämlich auf das 26. Jahrhundert vor Christus.[2] Dies ergibt sich aus den in den Texten explizit angegebenen astronomischen Daten zu den Sichtbarkeiten der Plejaden (sumerische Bezeichnung MUL.MUL = "Sterne") und den Monatsanfängen. Aufgrund der Präzession der Erdachse verschiebt sich zum einen der Frühlingspunkt entlang der Ekliptik immer weiter nach Westen (kleinere ekliptikale Längen). Zum anderen verändern sich auch die Aufgangs- und Untergangsazimute der Gestirne ein wenig.

Wenn ein anhand der Beobachtung der Mondphasen ein sehr leicht zu führender Mondkalender (Lunarkalender) verwendet wird, verschieben sich die Tag-und-Nacht-Gleiche respektive der Frühlingsanfang und der Herbstanfang sowie die Sonnenwenden jährlich um knapp elf Tage nach hinten, weil immer nur zwölf synodische Monate (jeweils von Neulicht zu Neulicht mit zirka 29,53 Tagen) beziehungsweise zusammengenommen rund 354 Tage berücksichtigt werden. Das tropische Sonnenjahr hat jedoch gut 365 Tage, dauert also ungefähr elf Tage länger als zwölf synodische Monate. Um aus dem Lunarkalender einen Lunisolarkalender zu machen, der mit dem tropischen Sonnenjahr im Einklang bleibt, haben schon die alten Babylonier ungefähr alle drei Jahre einen zusätzlichen 13. synodischen Schaltmonat eingefügt. Dies wird in der Zeitrechnung auch als Interkalation bezeichnet (lateinisch "intercalatio", zu Deutsch: „Zwischenschaltung“).

Der Julianische und der Gregorianische Kalender sind reine Sonnenkalender (Solarkalender), bei denen der Frühling immer um den 21. März beginnt. Hier wird die Synchronität der zwölf Monate mit dem Jahreszyklus dadurch hergestellt, dass die Monate 30 oder 31 Tage haben, also länger als ein synodischer Monat dauern. Der letzte Monat der ursprünglichen Sonnenjahres, der Februar, hat als einziger Monat 28 Tage. Da das tropische Sonnenjahr nicht exakt 365 Tage hat, sondern knapp einen Vierteltag länger dauert, wird im Julianischen Kalender alle vier Jahre (Jahreszahl ohne Rest durch vier teilbar) als letzter Tag des Jahres ein 29. Februar als Schalttag eingefügt:

Durch die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582 wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Differenz zwischen dem tropischen Sonnenjahr und 365 ganzen Tagen nicht exakt einen Vierteltag beträgt, sondern etwas weniger, nämlich nur rund 0,24219 Tage. Da sich nach fast 16 Jahrhunderten die Differenz zwischen Frühlingsanfang und dem 21. März auf zehn Tage aufsummiert hatte, wurde beim Wechsel vom Julianischen Kalender zum Gregorianischen Kalender zum einen um zehn Tage nach vorne gesprungen, und zum anderen wurde nicht mehr alle vier Jahre ein Schaltjahr eingeschoben, sondern alle einhundert Jahre wurde das Schaltjahr weggelassen und alle vierhundert Jahre wiederum nicht weggelassen. Die Jahreslänge nährt sich dem tropischen Sonnenjahr damit deutlich besser an und beträgt im Mittel:

Damit ist das tatsächliche tropische Sonnenjahr auf weniger als eine Minute genau angenähert. Das mittlere Gregorianische Jahr dauert zur Zeit nur zirka 27 Sekunden länger als das tatsächliche tropische Sonnenjahr.

Da die Differenz zwischen drei tropischen Jahren (1095,7 Tage) und 37 synodischen Monaten (1092,6 Tage) nicht Null, sondern gut drei Tage beträgt, muss auch bei der Anwendung einer Drei-Jahres-Regel gelegentlich eine Korrektur angebracht werden. Diese führt dazu, dass manchmal nicht schon nach drei Jahren, sondern erst am Ende des vierten Jahres ein dreizehnter synodischer Schaltmonat eingefügt wird. Die Plejaden-Schaltregeln sind zu diesem Zweck sehr hilfreich, da sie das Mondalter in den ersten Tagen des Neulichts mit der ekliptikalen Länge der Sonne im Frühlingspunkt in Bezug setzt und somit dafür sorgt, dass der Frühlingsvollmond stets in zeitlicher Nähe zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr stattfindet.

Die beiden überlieferten babylonische Plejaden-Schaltregeln sind in den Zeilen acht bis elf der zweiten Tontafel der MUL.APIN-Serie festgehalten worden. Die Keilschriftzeichen der Anfänge von Zeile zehn und elf sind zwar nicht vollständig erhalten, können jedoch relativ zuverlässig und sinngebend rekonstruiert werden:[2]

8 Wenn am ersten Nisannu Plejaden und Mond sich die Waage halten, ist dieses Jahr normal.
9 Wenn am dritten Nisannu Plejaden und Mond sich die Waage halten, ist dieses Jahr voll.
10 Wenn am ersten Ajaru die Plejaden aufgehen, ist dieses Jahr normal.
11 Wenn am ersten Simanu die Plejaden aufgehen, ist dieses Jahr voll.

Sowohl die Zeilen 8 und 9 als auch die Zeilen 10 und 11 stellen unabhängig voneinander jeweils eine Regel dar, nach welcher das Jahr bestimmt werden kann, in dem ein Schaltmonat einzuführen ist.

Auf den seit etwa 2600 vor Christus überlieferten akkadischen Keilschrifttafeln finden sich viele noch ältere sumerische Lehnwörter insbesondere für Himmelsobjekte. Nisannu, Ajaru und Simanu sind die akkadischen Namen für die ersten drei synodischen Monate des babylonischen Kalenders. Akkadisch ist die älteste semitische Sprache, die zahlreiche spätere semitische Sprachen beeinflusst hat, wie zum Beispiel Phönizisch, Aramäisch, Syrisch, Arabisch, Maltesisch, aber auch Hebräisch. Die akkadischen Monatsnamen finden sich deswegen in sehr ähnlicher Form auch im religiösen Lunisolarkalender des Judentums wieder: Nisan, Ijar und Siwan.

Der Jahreskreis mit den akkadischen (außen) und gregorianischen (innen) Monaten vom Frühlingspunkt (oben) aus. Die ekliptikale Länge der Sonne startet beim Frühlingspunkt mit dem Wert Null und nimmt in der Darstellung im Uhrzeigersinn zu. Zwölf akkadische Monate sind um elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr.
Monatsnummer Babylonischer Kalender Jüdischer Kalender Entspricht im Solarkalender
1 Nisannu Nisan März
2 Ajaru Ijar April
3 Simanu Siwan Mai
4 Duuzu Tammuz Juni
5 Abu Av Juli
6 Ululu Elul August
7 Tašritu Tischri September
8 Araḫsamna Cheschwan Oktober
9 Kislimu Kislew November
10 Tebetu Tevet Dezember
11 Šabatu Schevat Januar
12 Addaru Adar Februar

Der erste Monat Nisannu hieß bei den Bewohnen von Nippur auf Sumerisch "bara-zag-gar", was als "beim glänzenden Thron/Herrscher" gedeutet werden kann (bara = Thron, zag = Grenze / Seite, gar = Erscheinung / Ochse der Sonne).[61] Das war zur Zeit der Sumerer demnach der Monat, in welchem die Sonne beim Himmelsthron stand, der wiederum mit dem großen Sternbild Himmelsstier identifiziert werden kann, wo sich der Frühlingspunkt damals befand. Der zweite Monat Ajaru hieß auf Sumerisch "gu(d)-si-su", was als "der gehörnte Stier ist ersetzt" gedeutet werden kann (gud = Stier, si = Hörner , su = ersetzen / schwächer werden). Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Sonne den Himmelsstier und somit ihren Frühlingspunkt in diesem Monat bereits hinter sich gelassen hatte.

Ein normales Jahr hat zwölf synodische Monate und ein volles (respektive übergroßes) Jahr wird um einen Schaltmonat erweitert. Nach dem zwölften Monat des Jahres mit der Bezeichnung Addaru (hebräisch Adar) gab es dann noch einen 13. Monat mit der Bezeichnung Addaru II. Im Hebräischen heißen diese beiden Monate Adar aleph ("Adar A") oder Adar rischon (erster Adar) sowie Adar beth ("Adar B") oder Adar scheni (zweiter Adar).

Konjunktion der zunehmenden Mondsichel (dreieinhalb Prozent Neulicht (Mondalter 1,8 Tage, östliche Elongation 21,5 Bogengrad) mit aschgrauem Mondlicht durch den Erdschein beim Abenderst, links) mit dem Planeten Merkur (scheinbare Helligkeit 1,5m, Bildmitte) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus, rechts) am 2. Mai 2022 (nach dem jüdischen Lunarkalender der 1. Siwan 5782) ungefähr 8,5 Bogengrad über dem westnordwestlichen Abendhimmel in Berlin.

"Sich die Waage halten" bedeutet, dass die Plejaden und die Mondscheibe in Konjunktion stehen. Hierbei bleibt offen, welche der beiden üblichen Definitionsmöglichkeiten für eine Konjunktion bei den Babyloniern zur Anwendung gekommen war, denn:

  • Entweder handelt es sich um das Erreichen der gleichen Horizonthöhe im horizontalen Koordinatensystem, → siehe Der Horizont.
  • Oder es handelt es sich um das Erreichen der gleichen ekliptikalen Länge im ekliptikalen Koordinatensystem, → siehe Die Ekliptik.

Die Wahl der Definition hat jedoch keine große Auswirkung auf die Datierung der astronomischen Ereignisse, da sie über dem westlichen Horizont am Frühlingsabend beide innerhalb von nur wenigen Stunden auftreten. Ferner kann berücksichtigt werden, dass die Ekliptik beim Untergang der Plejaden in Mesopotamien fast senkrecht auf dem Horizont steht und es deswegen in diesem Himmelsausschnitt nur zu sehr geringe Unterschieden zwischen den Differenzen der Höhenwinkel oder der ekliptikalen Längen kommt.

Zur Interpretation der beiden Plejaden-Schaltregeln sind noch einige weitere Punkte als bekannt vorauszusetzen:

  • Alle Monate beginnen an dem Tag mit dem Neulicht des Mondes beim Abenderst über dem westlichen Horizont. Hier hat die Mondsichel ein Mondalter von ein bis zwei Tagen nach Neumond, und der Mond hat demzufolge in Bezug auf die Sonne eine östliche Elongation von ungefähr 15 bis 25 Bogengrad erreicht.
  • Mit "aufgehen" ist der heliakische Aufgang der Plejaden am östlichen Horizont beim Morgenerst gemeint, nachdem sie nach ihrem Abendletzt beim akronychischen Untergang ungefähr vierzig Tage lang nicht beobachtet werden konnten, weil sie während dieser Zeit zu sehr in Sonnennähe standen, von der Sonne überstrahlt wurden während die Sonne prograd (rechtläufig) an ihnen vorbeigezogen ist. Da der offene Sternhaufen der Plejaden eine nördliche ekliptikale Breite von ungefähr vier Bogengrad hat, steht die Sonnenscheibe nach zwanzig Tagen der Unsichtbarkeit der Plejaden bei der Konjunktion von Sonne und Plejaden vier Bogengrad südlich von diesem Sternhaufen.
  • Die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr (Frühlingsäquinoktium) wurde von den Babyloniern auf den ersten Kalendermonat Nisannu festgelegt, an dem sich in einem "normalen" Jahr in der Mitte des Monats der erste Vollmond des Jahres zeigt. Ein ähnlicher Ansatz mit dem Frühlingsvollmond gilt übrigens auch heute noch für die Festlegung des jüdischen Pessach-Festes, das am Seder, dem Vorabend des 15. Nisan beginnt, beziehungsweise für die Festlegung des christlichen Osterfestes, das am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond stattfindet.

Im tatsächlichen Frühlingsäquinoktium hat die Sonne in allen Epochen exakt die ekliptikale Länge Null. Ein gleichzeitig auftretender Neumond hat dann ebenfalls die ekliptikale Länge Null. Da nach der babylonischen Definition der Frühlingsbeginn jedoch immer mit dem Vollmond in der Mitte des Monats zusammenfällt, befindet sich die prograd (rechtläufig) entlang der Ekliptiklinie laufende Sonne zu Beginn des Monats, also rund 14 Tage vorher noch mit der Differenz bei einer kleineren ekliptikalen Länge vor dem Frühlingspunkt von ungefähr

beziehungsweise

,

wenn eine Jahreslänge von 365,25 Tagen angesetzt wird.

Der Mond bewegt sich ebenfalls ständig prograd (rechtläufig) entlang der Ekliptik, wobei er innerhalb eines siderischen Monats 360 Bogengrad durchläuft. Da ein siderischer Monat die Dauer von 27,322 Tagen hat, ergibt sich eine mittlere tägliche Mondbewegung von:

Der Mond bewegt sich an einem Tag also fast genauso weit wie die Sonne in zwei Wochen. Die folgende Tabelle gibt an, wie sich die Mondsichel in den ersten Tagen nach Neumond (Mondalter gleich Null) im Mittel entwickelt, wenn sowohl Mond als auch Sonne zum Startzeitpunkt im Frühlingspunkt stehen (ekliptikale Länge gleich Null):

Mondphasen nach Neumond
Mondalter
in Tagen
Ekliptikale Länge
Sonne
in Bogengrad
Mondsichel
in Prozent
Ekliptikale Länge
Mond
in Bogengrad
Östliche Elongation
des Mondes
in Bogengrad
Anzahl der Tage
bis die Sonne
die ekliptikale Länge
des Mondes erreicht
0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0
0,5 0,5 0,3 6,6 6,1 6
1,0 1,0 1,1 13,2 12,2 12
1,5 1,5 2,5 19,8 18,3 19
2,0 2,0 4,5 26,4 24,4 25
2,5 2,5 6,9 32,9 30,5 31
3,0 3,0 9,8 39,5 36,6 37
3,5 3,4 13,2 46,1 42,7 43
4,0 3,9 17,0 52,7 48,8 49

Durch die schwankenden Bahngeschwindigkeiten von Mond und Erde können sich je nach betrachtetem Jahr Abweichungen von diesen mittleren Werten ergeben.

Die Plejaden können mit ihrer scheinbaren Helligkeit von 1,5m freiäugig erst beobachtet werden, wenn sie gut zwei Bogenengrad über dem Horizont stehen. Die Sonne muss gleichzeitig (zum Ende der astronomischen Dämmerung) schon tief genug unter dem Horizont stehen, um durch ihr Streulicht in der Atmosphäre das Sternenlicht nicht zu überstrahlen.

Die erste Schaltregel

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Für den ersten mesopotamischen Monat Nisannu stellt sich die Situation anhand der ersten Plejaden-Schaltregel in drei aufeinanderfolgenden Jahren auf der geographischen Breite von Babylon folgendermaßen dar:

Die Plejaden-Schaltregel im Monat Nisannu beim abendlichen Untergang von Mond und Plejaden (weißer Sternhaufen) im Westen im Sternbild Stier (Taurus). Die Sonne (gelb) ist zu diesem Zeitpunkt bereits untergegangen und steht so weit unter dem Horizont (dunkelgrün), dass hellere Sterne zu sehen sind. Die Ekliptik (rot gepunktet) steht in Mesopotamien um die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr abends fast senkrecht auf dem westlichen Horizont:
- Im Jahr X ist das Neulicht des Mondes beim akronychischen Untergang zum Abenderst am 1. Nisannu noch gerade so über dem westlichen Horizont neben den Plejaden zu sehen. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem akronychischen Untergang der Plejaden bei ihrem Abendletzt zusammen. Dieses Jahr gilt im babylonischen Kalender als ein normales Jahr.
- Im Jahr X steht die Sonne am 15. Nisannu neben den (nicht sichtbaren) Plejaden im Frühlingspunkt (Epoche J-2600) im Sternbild Himmelsstier (Taurus und Aries). An diesem Tag herrscht der Frühlingsvollmond, der zur dargestellten Tageszeit nach Sonnenuntergang am Abend im Osten gerade eben im gegenüberliegenden Herbstpunkt im Sternbild Himmelsskorpion (Scorpio und Libra) bei den Sternen Akrab (β Scorpii) und Dschubba (δ Scorpii) knapp zehn Bogengrad westlich vom hellen Roten Überriesen Antares (α Scorpii) und ungefähr eine dreiviertel Stunde vor diesem aufgegangen ist (siehe auch Abschnitt Himmelsstier und Abschnitt Himmelsskorpion).
- Im Jahr X+1 steht der Mond beim Neulicht einen Tag weiter in Richtung Osten von der Sonne entfernt, und die Mondsichel steht erst am 2. Nisannu neben den Plejaden.
- Im Jahr X+2 steht der Mond beim Neulicht zwei Tage weiter in Richtung Osten von der Sonne entfernt, und die Mondsichel steht dann am 3. Nisannu neben den Plejaden. Am Ende dieses Jahres wird nach dem 12. Monat Addaru ein 13. Schaltmonat mit der Bezeichnung Addaru II eingefügt, um Mondjahre und Sonnenjahr wieder zu synchronisieren. Dieses Jahr gilt im babylonischen Kalender als ein volles (übergroßes) Jahr.
Die Plejaden-Schaltregel am östlichen Horizont (dunkelgrün, Ekliptik rot gepunktet) anhand der Beobachtung des heliakischen Aufgangs der Plejaden. Die Sonne (gelb) befindet sich noch 12 Bogengrad unterhalb des Horizonts:
- Im normalen Jahr findet der heliakische Aufgang der Plejaden einen Monat später als der akronychische Untergang (Abendletzt) am 1. Nisannu statt, also am 1. Ajaru (Neulicht des Mondes am Abend).
- Ein Jahr später findet der heliakische Aufgang der Plejaden am 15. Ajaru statt, während der gleichzeitig auftretende Vollmond gegenüber im Westen untergeht.
- Zwei Jahre später, im vollen (übergroßen) Jahr, findet der heliakische Aufgang der Plejaden einen Monat später als im normalen Jahr statt, nämlich am 1. Simanu (Neulicht des Mondes am Abend). Am Ende dieses Jahres wird nach dem 12. Monat Addaru ein 13. Schaltmonat mit der Bezeichnung Addaru II eingefügt, um Mondjahre und Sonnenjahre wieder zu synchronisieren.

Die zweite Schaltregel

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Die zweite Plejaden-Schaltregel betrachtet ebenfalls in diesem Dreijahreszeitraum, aber unabhängig von einer Konjunktion zwischen Mond und Plejaden den heliakischen Aufgang der Plejaden über dem östlichen Horizont beim Morgenerst. Die Ekliptik steht in Mesopotamien um die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr morgens deutlich flacher zum Horizont als abends, so dass der Aufgang der Plejaden nicht so schnell erfolgt wie der Untergang.

Aus den Fakten ergibt sich unter der Berücksichtigung des Wanderns der Frühlingspunktes durch den vollen Kreis der Ekliptik innerhalb von rund 25800 Jahren, dass beide von den MUL.APIN-Tafeln bekannten Plejaden-Schaltregeln der Babylonier bereits in der Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus ihre Gültigkeit hatten und demzufolge zu diesem Zeitpunkt schon bekannt und in Verwendung gewesen sein muss.[2] Der Frühlingspunkt befand sich zur Epoche J-2600 im Goldenen Tor der Ekliptik im heutigen Sternbild Stier (Taurus, die Sumerer kannten den Himmelsstier), und der Hauptstern der Plejaden, Alkyone, hatte damals eine ekliptikale Länge von 356,4 Bogengrad. Zum Zeitpunkt der Herstellung der überlieferten MUL.APIN-Tafeln war der Frühlingspunkt (dieser wird seit dem manchmal auch als Widderpunkt bezeichnet) schon erheblich weiter in Richtung Sternbild Widder (Aries) gewandert, so dass die Plejaden-Schaltregeln in der Praxis dann keine Gültigkeit mehr hatten und seit dem in der überlieferten Form gar nicht mehr angewendet werden können. Wir dürfen folglich davon ausgehen, dass sich die Gelehrten in Mesopotamien über die Jahrhunderte lang beobachtete Verschiebung des Frühlingspunkts spätestens im zweiten Jahrtausend vor Christus im Klaren waren. Inzwischen befindet sich der Frühlingspunkt noch ein Sternbild weiter westlich, nämlich im Sternbild Fische (Pisces).

Diese schon auf die Sumerer zurückgehende und einfach zu befolgende Schaltregel wurde vermutlich bereits zu Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends aus dem Neuassyrischen Großreich in das Nordreich Israel gebracht.[62]

Aus beiden babylonischen Schaltregeln ergibt sich, dass innerhalb von 19 Sonnenjahren 7 zusätzliche synodische Monate nach jeweils 12 synodischen Monaten eingeschaltet werden müssen, damit Sonnen- und Mondjahr langfristig synchron bleiben:

  • Tropisches Sonnenjahr:
  • Synodischer Monat:
  • Synodisches Jahr:
  • Jahresdifferenz:
  • Meton-Zyklus: beziehungsweise

Mit anderen Worten war der Sachverhalt des Meton-Zyklus damals schon bekannt und somit bereits über zwei Jahrtausende bevor sich der griechische Astronom Meton damit beschäftigte.

Die dritte Schaltregel

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Ferner ist darauf hinzuweisen, dass weitere Schaltregeln bekannt sind, wie zum Beispiel diejenige, die sich auf den letzten beobachtbaren Aufgang des Sterns Sirius in der Abenddämmerung um die Sonnenwende im Winter bezieht, die in den babylonischen Monaten Tebetu oder Šabatu stattfand. Der sumerische Name des hellsten Sterns am Nachthimmel lautet KAK.SI.SÁ, was soviel viel Himmelspfeil bedeutet. Der Sirius ging in Mesopotamien vor dreitausend Jahren bei einem Azimut von rund 110 Bogengrad (also in der Himmelsrichtung Ostsüdost) auf. Heute ist dies bei einem Azimut von ungefähr 104 Bogengrad der Fall, und die Drift des Azimuts betrug also nur zirka zwei Bogengrad pro Jahrtausend.

Die Schaltregel besagt nach den Keilschrifttexten der MUL.APIN-Tafeln, aber auch nach anderen babylonischen Quellen sinngemäß:

Wenn Sirius am Abend des 15. Tebetu aufgeht, ist dieses Jahr normal.
Wenn Sirius am Abend des 15. Šabatu aufgeht, ist dieses Jahr ein Schaltjahr.

An den 15. Tagen aller babylonischen Monate herrschte stets Vollmond. Der Vollmond befindet sich um Mitternacht dann stets auf dem südlichen Meridian. Der Aufgang des Sirius findet in Mesopotamien ungefähr gleichzeitig mit der oberen Kulmination des Herbstvollmonds auf dem südlichen Meridian (also gegen Mitternacht) statt. In den drei folgenden Monaten kann der Aufgang von Sirius zunehmend früher in der ersten Nachthälfte beobachtet werden, bevor nach der Wintersonnenwende das dann wieder länger anhaltende Tageslicht seinen Aufgang überstrahlt, so dass er erst nach Eintritt der Abenddämmerung in immer weiter westlich liegenden Richtungen gesehen werden kann.

Zahlenverhältnisse

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Hexagonaler Ring mit insgesamt neunzehn jeweils um eine Radiuslänge überlappenden Kreisen: sieben Kreise im Innern und zwölf Kreise außen. Die eine Sonne im Zentrum, umgeben von den sechs weiteren Wandelgestirnen Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die wiederum von den zwölf Lebewesenkreiszeichen umgeben sind.

Bemerkenswert ist auch der unmittelbare Zusammenhang zwischen den drei bedeutenden und heiligen Zahlen Sieben und Zwölf sowie Neunzehn, die sich im Übrigen auch in der nebenstehenden einfach zu konstruierenden Kreisgraphik und in der folgenden Summenformel wiederfinden:

Die Sieben und die Neunzehn sind Primzahlen, die für asymmetrische Zahlenverhältnisse stehen. Folgender Kettenbruch kann auf das Zahlenverhältnis von 19 zu 7 gekürzt werden und stellt als vierte Konvergente die beste Näherung der transzendenten (also auch irrationalen) reellen Eulerschen Zahl dar:

Die Zwölf wiederum ist die kleinste hochzusammengesetzte Zahl mit sechs ganzzahligen Teilern sowie die Summe der drei Komponenten des kleinsten Pythagoreischen Tripels (3, 4,.5). Sie ist hochsymmetrisch und steht beispielsweise symbolisch sowohl für die zwei Jahreshälften mit je sechs Monaten als auch für die vier Jahreszeiten mit je drei Monaten:

Die Zwölf spiegelt sich unmittelbar in den zwölf Sternzeichen des einen Lebewesenkreises auf der Ekliptik sowie in den zwölf Monaten eines Jahres wider. Ferner zieht der Planet Jupiter in knapp zwölf Jahren einmal durch den Lebewesenkreis.

Astronomische Symmetrien, die sich auf die Teiler der Zwölf beziehen, nämlich Zwei, Drei, Vier und Sechs, haben zahlreiche weitere Ausprägungen:

  • Die Zwei in astronomischen Kategorien:
    • Sommerhalbjahr / Winterhalbjahr mit jeweils sechs Monaten
    • Länger werdende Tage (Winter und Frühling) / kürzer werdende Tage (Sommer und Herbst) in jeweils sechs Monaten
    • Zunehmender / abnehmender Mond
    • Neumond / Vollmond
    • Steigender / fallender Mond (obsigend und nidsigend)
    • Große / kleine Mondwende
    • Tag / Nacht mit jeweils zwölf Stunden
    • Aufgang / Untergang
    • Zenit / Nadir
    • Äquinoktien: Frühlingspunkt / Herbstpunkt
    • Solstitien: Sommersonnenwende / Wintersonnenwende
    • Aufsteigender / absteigender Mondknoten
    • Himmelsstier / Himmelsskorpion
    • Die beiden inneren Planeten: Merkur und Venus, die rechts oder links der Sonnenscheibe zu sehen sind
    • Die beiden scheibenförmigen Wandelgestirne: Sonne und Mond
  • Die Vier in astronomischen Kategorien:
    • Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit jeweils drei Monaten
    • Himmelsrichtungen: Osten, Süden, Westen und Norden
    • Königssterne: Aldebaran, Regulus, Antares und Fomalhaut
    • Hauptpunkte der Sonnenbahn: Frühlingspunkt, Sommersonnenwende, Herbstpunkt und Wintersonnenwende
    • Tageszeiten: Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht mit jeweils sechs Stunden
    • Mondviertel: Neumond, zunehmender Halbmond, Vollmond und abnehmender Mond mit jeweils sieben Tagen

Das babylonische Neujahrsfest Akiti

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Detail eines assyrischen Reliefs im Vorderasiatischen Museum Berlin mit einem Blütenstaubeimer sowie einem Armband mit elfblättriger Blüte.

Die Tatsache, dass die Differenz zwischen einem Sonnenjahr und einem Mondjahr mit zwölf synodischen Monaten knapp elf Tage beträgt, spiegelt sich auch in einem uralten sumerischen Brauch wider: das elftägige Neujahrsfest Akiti wurde bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend gefeiert. Dieses Neujahrsfest dauerte - ganz entsprechend den Festlegungen der Plejaden-Schaltregeln - elf Tage, in einem "normalen" Jahr (siehe oben) also vom zwölften Neulicht nach dem Neulicht zu Jahresbeginn bis zum Ende des Sonnenjahres. Die Sumerer wussten offensichtlich bereits, dass sie ausgehend von ersten Tag des Jahres, dem ersten Nisannu, nach zwölf synodischen Monaten elf Tage feiern müssen, bevor die Sonne wieder an der gleichen Stelle der Ekliptik steht, wie am ersten Nisannu der Vorjahres. Alle 0,368421 Jahre (7/19 Jahre) wurde am Ende des Mondjahres und somit unmittelbar vor dem Nisannu ein ganzer synodischer Schaltmonat - der Addaru II - eingeschoben, damit der Frühlingspunkt in der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends von der Sonne wieder in der Mitte des ersten Monats Nisannu erreicht wird sowie in den darauffolgenden vier Wochen der Frühlingsvollmond erscheint.

Die wörtliche Bedeutung der drei sumerischen Schriftsilben Akiti lautet:

  • "a": Zeitpunkt
  • "ki": Erde
  • "ti": sich nähern

Es könnte also durchaus sein, dass sich der Ausdruck Akiti darauf bezieht, dass sich die Kalenderzeitrechnung auf der Erde in einem normalen Jahr erneut dem Zeitpunkt des Frühlingsanfangs nähert. In anderen Worten, ist erst am Ende des Neujahrsfestes ein vollständiges Sonnenjahr abgelaufen, und die Sonne hat nicht am ersten Nisannu, sondern erst elf Tage später, also am zwölften Nisannu, den Frühlingspunkt erreicht.

Der Beginn des Neujahrsfestes war mit dem Auftreten des ersten Neulichts festgelegt, begann also am ersten Nisannu, so dass sich alle Sumerer ohne Probleme an der ohne großen Aufwand sichtbaren Mondsichel des Neulichtes beim Abenderst orientieren konnten. Im Laufe der ersten Festtage trafen immer weitere Bewohner aus der Umgebung einer Stadt mit ihren Götterstatuen ein. Am achten Nisannu fand dann schließlich eine große Prozession mit allen Götterstatuen zum Neujahrshaus statt, das sich in der Regel außerhalb der Stadtmauern befand. Am Abend des zehnten Nisannu fand als Dank für das vergangene und als Bitte für das beginnende Jahr eine rituelle Vereinigung des Königs als Stellvertreter des Gottes Marduk mit der weiblichen Gottheit Ištar statt. Am darauffolgenden letzten und elften Tag des Neujahrsfestes führte die große Prozession wieder zurück in die Stadt, und die Götterstatuen wurden schließlich wieder in ihre heimatlichen Tempel zurückgebracht.[63]

Vergleich von Jahreslängen

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Schnittzeichnung durch das rekonstruierte Getriebe des Mechanismus von Antikythera aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert mit zahlreichen Kalenderzeigern.

Die Übereinstimmung der ekliptikalen Länge der Plejaden und dem Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) mit dem Frühlingspunkt der Sonne beim Äquinoktium in der Jungsteinzeit dürfte bei der Entwicklung der Kalender eine entscheidende Rolle gespielt haben. In vielen Kalendersystemen ist der erste Monat des Jahres derjenige, in welchem die Sonne im Frühlingspunkt steht. Der entsprechende Neumond tritt dann je nach Jahr in der Spanne zwei Wochen vor und zwei Wochen nach diesem Zeitpunkt ein, so dass der Frühlingsvollmond folglich in den vier Wochen nach dem Erscheinen der Sonne im Frühlingspunkt zu beobachten ist. Dieser Frühlingsvollmond hat in vielen Kulturen eine zentrale Bedeutung für die Festlegungen von Zeiten und Festen. Im Folgenden sind einige Beispiele für solche Festlegungen aufgeführt:

Genesis, Kapitel 1:[64]

14: Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.

Exodus, Kapitel 34:[65]

18 Du sollst das Fest der Ungesäuerten Brote halten. Im Monat Abib sollst du zur festgesetzten Zeit sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen, wie ich es dir geboten habe.

Anmerkung: Der Monat Abib ist der erste Monat des alten kanaanitischen Kalenders, der nach dem gregorianischen Kalender Mitte März beginnt. Er entspricht dem ersten babylonischen Monat Nisannu. In diesem Monat wird die erste Ernte eingefahren.

Levitikus, Kapitel 23:[66]

4 Das sind die Feste des HERRN, Tage heiliger Versammlungen, die ihr zur festgesetzten Zeit ausrufen sollt:
5 Im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats, in der Abenddämmerung, ist Pessach für den HERRN.
6 Am fünfzehnten Tag dieses Monats ist das Fest der Ungesäuerten Brote für den HERRN. Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen.
...
34 Sag zu den Israeliten: Am fünfzehnten Tag dieses siebten Monats ist sieben Tage hindurch das Laubhüttenfest für den HERRN.

Psalm 81:[67]

4 Stoßt am Neumond ins Widderhorn, am Vollmond, zum Tag unsres Festes!

Anmerkung: Der Frühlingspunkt lag im ersten vorchristlichen Jahrtausend im Sternbild Widder (Aries).

Buch Jesus Sirach, Kapitel 43:[68]

6 Auch der Mond hält sich in allem an seinen Zeitpunkt, / zur Festsetzung der Zeiten und als Zeichen auf Dauer.
7 Vom Mond geht das Zeichen für einen Festtag aus, / ein Gestirn, das abnimmt bis zur Vollendung.
Der Name Monat kommt vom Neumond, / der wunderbar zunimmt beim Wechsel, ein Geschöpf des Heeres in der Höhe, / das am Himmelsgewölbe leuchtet.

Prophet Jesaja, Kapitel 47:[69]

13 Du hast dich geplagt / um deine vielen Berater; sollen sie doch auftreten und dich retten, / sie, die den Himmel deuten und die Sterne betrachten, / die dir an jedem Neumond verkünden, was über dich kommt.

Durch die nicht gegebene Übereinstimmung von zwölf Mondumläufen mit einem Sonnenjahr stellen sich für die Definition von langjährig funktionierenden Kalendern Herausforderungen, denen sich die Beobachter auch schon im Altertum durch eine langjährige und sorgfältige Beobachtung der Wandelgestirne stellen konnten. Die zu lösenden Probleme können in Bezug auf einen reinen Mondkalender (Lunarkalender) oder einen reinen Sonnenkalender (Solarkalender) oder aber auch auf einen kombinieren Lunisolarkalender angegangen werden. Die genauen Monatslängen (siehe auch Exkurs Mondzyklen) und Jahreslängen hängen von der Definition der jeweiligen Kalender ab. In der folgenden Liste sind exemplarisch sechs verschiedene Kalenderdefinitionen aufgeführt:

  • Die Dauer eines astronomischen tropischen Jahres ist über zwei aufeinanderfolgende Durchgänge der Sonne durch den Frühlingspunkt definiert. Wegen verschiedener kleiner Einflüsse schwankt diese Länge geringfügig und muss deswegen für eine bestimmte Epoche angegeben werden, die in der Regel durch eine entsprechende Jahreszahl angegeben wird. Die Jahreslänge zur Standardepoche J2000.0 beträgt 365,2421905 Tage.
  • Die Mesopotamier führten schon seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend einen Lunarkalender mit zwölf synodischen Monaten. Der synodische Monat - von Neumond zu Neumond - hat eine Länge von 29,530589 Tagen. Wegen der Differenz zwischen tropischem Jahr und dieser Mondperiode wurden innerhalb einer Meton-Periode (banannt nach dem antiken griechischen Astronomen Meton aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert) von neunzehn Jahren insgesamt sieben Schaltmonate jeweils am Ende eines entsprechenden Jahres nach dem zwölften Monat Addaru als dreizehnter Monat Addaru II eingeschoben, um den Frühlingspunkt im ersten Monat der Jahre halten zu können. Nach zwölf synodischen Mondperioden wurden das elftägige Neujahrsfest Atiki gefeiert, um die Differenz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr zu überbrücken. Dieser babylonische Lunarkalender wurde später von den Juden übernommen. Mit dem 76-jährigen Kallippischen Zyklus (nach Kallippos von Kyzikos aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert) sowie dem 304-jährigen Hipparchos-Zyklos (nach Hipparchos von Nicäa aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert) konnte diese Herangehensweise verfeinert werden, um die sich im Laufe dieser Perioden aufsummierenden Tagesdifferenzen zu berücksichtigen.
  • Mit dem Julianischen Kalender wurde im ersten vorchristlichen Jahrhundert ein Solarkalender eingeführt, der keine Rücksicht auf die Mondperioden nahm. Weil das tropische Jahr rund einen Vierteltag länger dauert als 365 ganze Tage, wurde hier alle vier Jahre, immer wenn die Jahreszahl ohne Rest durch Vier teilbar ist, am Ende des Jahres ein einzelner Schalttag eingeschoben (der 29. Februar vor dem 1. März). Der Frühlingspunkt wurde immer im März erreicht, der zunächst der erste Monat des Jahres war.
  • Der islamische Kalender aus dem siebenten nachchristlichen Jahrhundert nimmt hingegen keine Rücksicht auf die Sonnenbahn, und ein Jahr besteht aus zwölf Monaten mit 29 oder 30 Tagen. Die sich daraus ergebene mittlere Monatslänge von 29,5 Tagen entspricht nicht exakt der synodischen Periode von 29,530589 Tagen, so dass in diesem Lunarkalender innerhalb von dreißig Mondjahren (das sind 360 Monate beziehungsweise 10620 Tage) elf Schalttage eingeschoben werden. Die synodische Jahreslänge ist zirka elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr, und deswegen liegen der Jahresbeginn und alle Festtage des islamischen Kalenders im Solarkalender jedes Jahr elf Tage früher als im Vorjahr.
  • Der Gregorianische Kalender aus dem 16. Jahrhundert ist wie der Julianische Kalender ein Solarkalender und modifiziert diesen dahingehend, dass der Schalttag alle hundert Jahre, immer wenn die Jahreszahl ohne Rest durch Einhundert teilbar ist, wegfällt, nicht jedoch, wenn die Jahreszahl ohne Rest durch Vierhundert teilbar ist.
  • Die Genauigkeit des Gregorianischen Solarkalenders (Gregorianisch+) kann um mehr als den Faktor Zehn verbessert werden, wenn der Schalttag alle 3200 Jahre, also immer wenn die Jahreszahl ohne Rest durch 3200 teilbar ist, dennoch ausgelassen wird.

In der folgenden Tabelle werden die Jahreslängen entsprechend der oben angegeben Kriterien aufgeführt:

Kalender Typ Entstehungszeit / Einführung Regel für Kalenderschaltungen Berechnung der Anzahl der Tage pro Sonnenjahr

Synodischer Monat:
Tropisches Jahr:
Anzahl der Tage pro Sonnenjahr Differenz zur
astronomischen Definition
in Minuten pro Jahr
Dauer in Jahren

bis zu einer Abweichung
von einem ganzen Tag
Astronomisch solar Ein tropisches Sonnenjahr dauert von Frühlingpunkt zu Frühlingspunkt (Epoche J2000.0). 365,2421905 0,000
Babylonisch lunisolar 3. Jahrtausend vor Christus In den 19 Sonnenjahren einer Meton-Periode mit jeweils 12 vollständigen synodischen Monaten werden 7 synodische Schaltmonate eingefügt.

365,2467587 6,578 219
Julianisch solar 45 vor Christus Alle 4 Sonnenjahre wird ein Schalttag eingeführt. 365,2500000 11,25 128
Islamisch lunar 631/632 In 30 Mondjahren mit 12 Monaten, davon jeweils 6 Monate mit 29 und 30 Tagen (mittlere Monatslänge 29,5 Tage), werden 11 Schalttage eingefügt.

365,2417769 -0,5957 2420
Gregorianisch solar 1582 Alle 4 Sonnenjahre wird ein Schalttag eingefügt, der alle 100 Jahre ausgelassen und alle 400 Jahre jedoch nicht ausgelassen wird. 365,2425000 0,4457 3230
Mädler solar 1864 Alle 4 Sonnenjahre wird ein Schalttag eingefügt, der alle 128 Jahre ausgelassen wird. 365,2421875 -0,0043 330000
Neujulianisch solar 1923 Alle 4 Sonnenjahre wird ein Schalttag eingefügt. In 900 Jahren werden sieben Schalttage ausgelassen. 365,2422222 0,0457 31500
Gregorianisch+ solar Alle 4 Sonnenjahre wird ein Schalttag eingefügt, der alle 100 Jahre ausgelassen, alle 400 Jahre jedoch nicht ausgelassen und alle 3200 Jahre dennoch ausgelassen wird. 365,2421875 -0,0043 330000

Der vom Astronomen  Johann Heinrich von Mädler (1794 bis 1874) vorgeschlagene Mädler-Kalender ist langfristig mit der Variante Gregorianisch+ identisch. Die Abweichung zum tropischen Jahr beträgt hier nur rund eine Viertelsekunde pro Jahr. Beide Algorithmen tragen in Rechnung, dass die Jahre nach dem Julianischen Kalender nach 128 Jahren um einen Tag zu lang geworden sind:

Der Neujulianische Kalender stammt vom Geophysiker  Milutin Milanković (1879 bis 1958) und konnte sich nicht durchsetzen.

Einzelnachweise

[Bearbeiten]
  1. Walter Eichin und Andreas Bohner: Das Belchen-System, Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau, in: Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, 47, 1985, Heft 2, Seiten 176 bis 185
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Werner Papke: Zwei Plejaden-Schaltregeln aus dem 3. Jahrtausend, Archiv für Orientforschung, 31. Band, 1984, Seiten 67-70
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  4. Dirk Lorenzen: Fomalhaut im Südlichen Fisch - Der Herbststern, Deutschlandfunk, 9. November 2016
  5. 5,0 5,1 Rita Gautschy: Babylonische Astronomie
  6. Julie M Gillentine: Perisa's Royal Stars, Atlantis Rising Magazine, Nummer 27, Seite 48 ff., 2001
  7. Dirk Lorenzen: Astronomie in der Höhle, Deutschlandfunk, 11. September 2015
  8. Sternenkarten in der Eiszeithöhle – Astronomie in den Höhlenmalereien von Lascaux?, scinexx, 1. Februar 2008
  9. Kiril Kirilov: The origin of civilizations according to the prehistoric paintings of Magura cave, 29. Juni 2017
  10. Peter Kurzmann: Die Plejaden in Gold auf einem keltischen Schwert, Archäologische Informationen 39, 2016, 239-246
  11. Euan W. MacKie: Professor Challenger and His Lost Neolithic World: The Compelling Story of Alexander Thom and British Archaeoastronomy, Archaeopress Publishing Limited, Februar 2021, ISBN 9781784918347
  12. Euan W. MacKie: The Prehistoric Solar Calendar: An Out-offashion Idea Revisited with New Evidence, in: Time and Mind: The Journal of Archaeology, Consciousness and Culture, Band 2, Ausgabe 1, March 2009, Seiten 9 bis 46
  13. Angelika Merk-Schäfer: Der Diskos von Phaistos - ein Venus- und Mondkalender im Kontext der minoischen Altpalastzeit auf Kreta. Die mit Symbolen gestempelte Scheibe aus gebranntem Ton ist höchstwahrscheinlich ein Agrar- und Ritualkalender im Dienste der Mond- und Venus-Gottheiten im minoischen Kreta., drmerkschaefer.files.wordpress.com, Juni 2015
  14. Lillianes Plan des Sorcières, roche à cupules, La Società valdostana di Preistoria e Archeologia
  15. Irene Hager, Hans Katzgraber, Karl Aigner, Stefan Borovits, Ernst Bellant: Die Darstellung von (konkreten oder symbolischen?) Himmelsobjekten auf dem Plateau des Kalendersteins in Leodagger (Niederösterreich), in: Himmelswelten und Kosmovisionen, Imaginationen, Modelle, Weltanschauungen, Abstractbook 2019, Seite 5 und 6, Gesellschaft für Archäoastronomie, Wien
  16. The Pleiades carved by prehistoric people in the Alps, ANSA, Virgilio Notizie, 12 January 2008
  17. Umzeichnung nach der Filmszene von Erwin Wiedergrüsser: Licht und Steine - Maltas Tempel zur Wintersonnenwende, YouTube, 9:00 Minuten bis 10:04 Minuten, 24. Januar 2016
  18. Friedhelm Pedde: Götter und Planeten im Alten Orient – Die Sterne und ihre Götter, Mitteilungen, Ausgabe 13, Seite 7, Februar 2022, Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. / Zeiss-Planetarium am Insulaner
  19. Wübbe Ulrich Jütting: Phonetische, Etymnologische und Orthographische Essays über Deutsche und Fremde Wörter mit Harten und Weichen Verschlusslauten, Seite 266, Verlag R. Herrosé, Gräfenhainichen / Wittenberg, 1884
  20. Johann Evangelista Rivola: Ueber die griechischen Sternbilder insbesondere die Plejaden, Astronomisch-mythologische Abhandlung, Seite 27, Verlag Malsch und Vogel, Karlsruhe, 1858
  21. Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg: Die Siebenzahl im Geistesleben der Völker, in: Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band 31, Seiten 225 bis 274, 1901
  22. 22,0 22,1 Jacob Grimm: Kapitel XXII - Himmel und Gestirne, Abschnitt Gestirne / Plejaden, in: Deutsche Mythologie, zweite Ausgabe von 1844
  23. 23,0 23,1 Siehe auch: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 9, Sternbilder II, 3. Plejaden, Göschen'sche Verlagshandlung, 1941
  24. 24,0 24,1 The Pleiades in mythology, Pleiade Associates, Bristol, United Kingdom
  25. Siehe auch: Pleiades in folklore and literature in der englischsprachigen Wikipedia
  26. Teru Karasawa: Abe no Seimei, Doppelseite 58, Shinseikan, Tokio, 1912
  27. Emilie Savage-Smith: A Descriptive Catalogue of Oriental Manuscripts at St John's College, Seite 132, St. John's College, University of Oxford, Oxford University Press, 2005, ISBN 9780199201952
  28. Sergei Rjabchikov: The Ancient Astronomy of Easter Island: Aldebaran and the Pleiades, 2016
  29. 29,0 29,1 Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, sechstes Kapitel "Früheste astronomische Beobachtungen", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  30. 30,0 30,1 30,2 30,3 30,4 30,5 30,6 30,7 30,8 Siehe hierzu auch: Antoine-Yves Goguet, Alexandre-Conrad Fugère: Upon the Constellations which are spoke of in the Book of Job, Dissertation III., Band I.: The Origin of Laws, Arts, and Sciences And Their Progress Among the Most Ancient of NationsFrom the Deluge to the Death of Jacob ("Von der Sintflut bis zum Tod von Jakob"), Seiten 395 bis 402, Verlag George Robinson & Alexander Donaldson, Edinburgh, 1775
  31. Emil G. Hirsch: Constellations, Jewish Encyclopedia, 2002-2021
  32. Homer - Ilias, projekt-gutenberg.org
  33. Homer - Epen - Gesang XI., zeno.org
  34. Hiob 9, Einheitsübersetzung, 2016
  35. Bible > Strong's > Hebrew > 3598. Kimah, biblehub.com
  36. Bible > Strong's > Hebrew > 3685. Kesil, biblehub.com
  37. Siehe auch: Yosef Qafih (Herausgeber): Job, with a Translation and Commentary of Rabbi Saadia ben Yosef Fayyumi, Committee for the publication of Rabbi Saadia Gaon's books, in affiliation with the American Academy of Jewish Studies. Seite 189, Jerusalem, 1973
  38. René Nyffenegger: Hiob 9, Kommentare zur Bibel
  39. Hiob 38, Einheitsübersetzung, 2016
  40. Bible > Hebrew > Job 38:31, biblehub.com
  41. Amos 5
  42. Hesiodos: Werke und Tage (ΕΡΓΑ ΚΑΙ ΗΜΕΡΑΙ), Egon und Gisela Gottwein, 13. Juni 2019
  43. Hesiod: Hauslehren II. (’Έργα καὶ ‛ημέραι), Projekt Gutenberg.de, übersetzt von Johann Heinrich Voß
  44. Christian Schulz: Handbuch der Physik: für diejenigen welche Freunde der Natur sind, ohne jedoch Gelehrte zu seyn, Band 2, Kapitel 11, Seite 254, Hilscher, Leipzig, 1791
  45. Genesis, Kapitel 8, Vers 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  46. Exodus, Kapitel 24, Vers 18, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  47. Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  48. Evangelium nach Lukas, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  49. Evangelium nach Markus, Kapitel 1, Vers 12 und 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  50. First Stories - Devils Tower National Monument (U.S. National Park Service), Devils Tower National Monument Visitor Center, 17. März 2019
  51. Carl Strehlow: Mythen, Sagen und Märchen des Loritja-Stammes, Baer & Company, 1907
  52. Oskar Dähnhardt: 3. Entstehung des Kuckucks: 1 Aus Ostpreußen / 2 Aus Mecklenburg / 3 Aus Pommern, Natursagen. Eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden]], 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907 bis 1912, Seiten 426 bis 428
  53. Richard Wossidlo: Mecklenburgische Volksüberlieferungen, 2 Die Tiere im Munde des Volkes, Verlag Hinstorff, Seite 411, 1899
  54. Oskar Dähnhardt: 3. Entstehung des Kuckucks: 4 a) und 4 b) Aus Dänemark, Natursagen. Eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden]], 4 Bände, Leipzig/Berlin, 11907 bis 1912, Seiten 426 bis 428
  55. Evald Tang Kristensen: Jayske Folkeminder IV, 335, Nummer 428
  56. Gerhard Köbler: althochdeutsch s, in: Althochdeutsches Wörterbuch, 6. Auflage, 2014
  57. Eduard Adolf Jacobi: septemtriones, Seite 830, in: Handwörterbuch der griechischen und römischen Mythologie, Band 2, Sinner'sche Hofbuchhandlung, Koburg und Leipzig, 1835
  58. Hermann Güntert: Indogermanisch und Semitisch, Kapitel V. Sprachliche Beziehungen der Indogermanen zu anderen Völkergruppen, in: Kultur und Sprache / Der Ursprung der Germanen, Seite 56, Carl Winter, Heidelberg, 1934
  59. Siehe auch: Heinrich Wagner: Indogermanisch-Vorderasiatisch-Mediterranes, in: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der Indogermanischen Sprachen, 75. Band, Seiten 58 bis 75, Vandenhoeck & Ruprecht, 1957
  60. Otto Keller: Zur lateinischen Sprachgeschichte - Septentrio, Seite 102 bis 104, Verlag Teubner, 1893
  61. John A. Halloran: Sumerian Lexicon, version 3.0
  62. Matthias Albani: Sterne / Sternbilder / Sterndeutung / Orion (כְּסִיל) und Plejaden / Siebengestirn (כִּימָה), WiBiLex, das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, September 2014
  63. Stefan Maul: Die Frühjahrsfeierlichkeiten in Assur, in: Andrew R. George, Irving Leonard Finkel (Herausgeber): Wisdom, Gods and Literature: Studies in Honour of Wilfred George Lambert, Winona Lake, Indiana, Vereinigte Staaten von Amerika, 2000, Seiten 389 bis 420
  64. Genesis Kapitel 1, Vers 14, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  65. Exodus, Kapitel 34, Vers 18, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  66. Levitikus, Kapitel 23, Verse 4 bis 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  67. Psalm 81, Vers 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  68. Jesus Sirach, Kapitel 43, Verse 6 bis 8, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  69. Jesus Sirach, Kapitel 47, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016

Konjunktionen

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Dieser astronomische Exkurs beschäftigt sich mit verschiedenen Konjunktionen von Wandelgestirnen am Himmel. Zu den Wandelgestirnen gehören nicht nur die Sonne, der Mond und die Planeten, sondern auch Kometen oder Asteroiden. Alle diese Himmelskörper können bei Konjunktionen manchmal – auch zu mehreren – untereinander sowie beispielsweise auch mit Fixsternen, Sternhaufen oder Sternkonstellationen in räumlicher Nähe zu sehen stehen.

Definition

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Um die Zeitpunkte von Konjunktionen herum können die Bewegungen der beteiligten Himmelskörper gegenüber dem Fixsternhimmel oft besonders einfach und eindrucksvoll beobachtet werden. Einige Konjunktionen sind für die Berechnung und die Führung von Kalendern grundlegend. Die Astronomie (altgriechisch ἄστρον ("astron") und νόμος ("nomos"), zu Deutsch: „Sterngesetz“) beschäftigt sich mit den Gesetzen der Himmelsbewegungen, und die Astrologie (altgriechisch ἄστρον ("astron") und λόγος ("logos"), zu Deutsch „Sternlehre“) beschäftigt sich mit den sich daraus ableitenden Lehren. Zwischen Astronomen und Astrologen wurde vom Altertum über das Mittelalter bis hin zur Renaissance noch nicht unterschieden.

Konjunktion des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) mit dem Stern Talitha Borealis (ι Ursae Majoris) im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) in der nautischen Abenddämmerung am 18. Juli 2020 um 21:28 Uhr UTC in einer Höhe von 17° über dem nördlichen Horizont von Berlin (Bildhöhe = 4°). Der Abstand zwischen dem Stern und dem Kometen betrug sieben Bogenminuten. Am unteren Bildrand, etwas links der Mitte der südliche Nachbarstern Talitha Australis (Kappa Ursae Majoris, auch Alkaphrah). Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) erwähnt in seinem „Meteorologikon“, dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei (siehe auch weiter unten: Aristotelische Jupiter-Konjunktion).

Während einer Konjunktion (lateinisch coniunctio = Verbindung) begegnen sich am Himmel zwei Objekte scheinbar. Hierbei muss sich mindestens eines der beiden Himmelsobjekte gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen. Dies betrifft insbesondere die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne Sonne, Mond, die beiden inneren Planeten Merkur und Venus sowie die drei äußeren Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Im weiteren Sinne gehören auch die Planeten Uranus und Neptun, die Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen dazu. Wird bei einer solchen Begegnung das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges von zirka einer Bogenminute oder des für eine Beobachtung eingesetzten Telekops unterschritten, kommt es zu einer scheinbaren Verschmelzung der betroffenen Himmelskörper. Die Bedeckung eines Himmelskörpers durch einen flächenhaft wahrgenommenen anderen Himmelskörper wird auch Okkultation genannt.

Bei einer Konjunktion vermindert sich die Elongation zwischen den betreffenden Himmelskörpern auf null. Sie wird meist von der Sonne in Bezug auf den Mond oder einen Planeten angegeben. Das Gegenteil der Konjunktion ist die Opposition, bei der sich zwischen den beiden betreffenden Himmelskörpern eine Elongation von 180 Bogengrad ergibt.

Die Sonne liegt vom Erdmittelpunkt aus gesehen stets in der Ekliptik, und alle Planetenbahnen verlaufen mit geringen Abweichungen von wenigen Grad in der Nähe der Ebene der Ekliptik. Der Erdmond hat aufgrund seiner leicht geneigten Umlaufbahn um die Erde ebenfalls eine Abweichung von der Ekliptik, die sich aufgrund seiner im Vergleich zu den Planeten starken Schwerkraftbindung zur Erde in deutlich schnelleren scheinbaren Schwankungen um diese Bezugsebene auswirkt.

Die beiden inneren Planeten werden von der Erde umrundet und sind daher nur in einem relativ kleinen, zur Sonne symmetrischen Winkelsegment mit geringen Elongationen zu beobachten; abends im Westen nach Sonnenuntergang oder morgens im Osten vor Sonnenaufgang. Die Elongation der Sonne ist definitionsgemäß null. Die äußeren Planeten umrunden die Erdbahn und tauchen wie der Mond im Laufe der Zeit daher auf dem gesamten Kreis der Ekliptik auf. Die Elongationen von Mond und äußeren Planeten können also alle Werte zwischen -180 und +180 Bogengrad erreichen.

Haben zwei oder mehr der sieben stetig wandelnden und gut sichtbaren Gestirne, also Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die gleiche ekliptikale Länge, kommt es zu einer Konjunktion zwischen den beteiligten Gestirnen. Bei den beiden größten und äußeren Planeten Jupiter und Saturn wird in diesem Fall von einer großen Konjunktion gesprochen. Solche Ereignisse unterliegen langjährigen Zyklen und wurden seit jeher als spektakulär betrachtet.[1] Wenn eine große Konjunktion innerhalb von wenigen Monaten sogar dreimal stattfindet, dann wird von der größten Konjunktion gesprochen.

Eine besonders beachtenswerte Rolle unter den Planeten spielt der Jupiter, da er für einen Umlauf um die Sonne zwölf Jahre benötigt. Daher steht er von der Erde aus gesehen jeweils ein Jahr lang in Konjunktion zu einem der zwölf Lebewesenkreiszeichen im Zodiak entlang der Ekliptik.

Siehe auch → Wikibook Zahlen / Zur Zwölf und Zodiak.

Biblische Erwähnungen

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Die religiöse Bedeutung von Sonne und Mond für die Führung von Kalendern wird bereits in der Schöpfungsgeschichte der Bibel (erstes Kapitel im Buch Genesis) erwähnt, wo von zwei großen Lichtern die Rede ist:[2]

14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre
15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.
16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

Der Mond benötigt für einen vollständigen Umlauf um die Erde einen Monat. Die explizite Bedeutung des Mondes für die Festlegung von Festtagen ist im Buch Jesus Sirach vom Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts im 43. Kapitel belegt:[3]

6 Auch der Mond hält sich in allem an seinen Zeitpunkt, / zur Festsetzung der Zeiten und als Zeichen auf Dauer.
7 Vom Mond geht das Zeichen für einen Festtag aus, / ein Gestirn, das abnimmt bis zur Vollendung.
8 Der Name Monat kommt vom Neumond, / der wunderbar zunimmt beim Wechsel, ein Geschöpf des Heeres in der Höhe, / das am Himmelsgewölbe leuchtet.

Der Zusammenhang zwischen hohen und niedrigen Tiden mit den Mondphasen dürfte auch den Urvölkern, die die Meeresküsten bewohnt haben, nicht verborgen geblieben sein. Springtiden tauchten zum Ende der Flut immer kurz nach einem Neumond oder kurz nach einem Vollmond auf, wohingegen Nipptiden zum Ende der Ebbe nach dem zunehmendem beziehungsweise dem abnehmenden Halbmond eintraten.

Wegen seiner vergleichsweise geringen Umlaufzeit steht am häufigsten der Erdmond in Konjunktion mit den sechs anderen mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirnen, und wegen seiner größeren Nähe bedeckt er bei einer Konjunktion gegebenenfalls immer die anderen Himmelskörper. Mit einem einfachen Fernrohr lassen sich auch die wegen ihrer noch geringeren Umlaufzeiten noch häufiger sich ergebenden Konjunktionen der vier Galileischen Monde untereinander und mit ihrem Planeten Jupiter beobachten. Wegen der extrem großen Helligkeit der Sonne lässt sich eine Konjunktion mit ihr nur beobachten, wenn es bei Neumond eine Sonnenfinsternis, einen Venustransit oder einen Merkurtransit gibt.

Wenn der Abstand zur Ekliptik (also die Höhe über oder unter der Ekliptik beziehungsweise als Koordinate die ekliptikale Breite) hinreichend gering ist, kann es bei gleichzeitigem Vollmond zu Mondfinsternissen mit einem "Blutmond" oder bei gleichzeitigem Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Diese nicht allzu häufig zu beobachtenden Ereignisse wurden oft als bedrohlich interpretiert. Dies ist auch im Alten und im Neuen Testament belegt:

Kommendes Heil, Ausgießung des Geistes (Prophet Joel, Kapitel 3):[4]

3 Ich werde wunderbare Zeichen wirken
am Himmel und auf der Erde:
Blut und Feuer und Rauchsäulen.
4 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt,
der große und schreckliche Tag.

Die Pfingstpredigt des Petrus (Apostelgeschichte, Kapitel 2):[5]

19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel
und Zeichen unten auf der Erde
Blut und Feuer und qualmenden Rauch.
20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut,
ehe der Tag des Herrn kommt,
der große und herrliche Tag.

Die ersten sechs Siegel (Offenbarung des Johannes, Kapitel 6):[6]

12 Und ich sah: Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da entstand ein gewaltiges Beben. Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauergewand und der ganze Mond wurde wie Blut.
13 Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt.
14 Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle weggerückt.

Untergang einer Konjunktion von Venus und Mond

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Die Venus ist in Bezug auf die Erde ein unterer Planet mit einer Elongation von maximal 48 Bogengrad.

Wenn Mond und Sonne die gleiche ekliptikale Länge haben, hat die Elongation des Mondes den Wert Null, es herrscht Neumond und es kann dann zu einer Sonnenfinsternis kommen. Der Mond braucht einen Monat, um den Kreis der Ekliptik einmal komplett zu durchlaufen, wobei seine Elongation bei Vollmond auf 180 Bogengrad anwächst und danach wieder bis auf Null zurückgeht. Bei seiner scheinbaren Umlaufbahn kommt er regelmäßig an allen Planeten vorbei. Ist die Elongation eines Himmelskörpers östlich (links der Sonne, positiver Wert), geht er nach der Sonne im Westen unter. Ist die Elongation eines Himmelskörpers westlich (rechts der Sonne, negativer Wert), geht er vor der Sonne im Osten auf.

Bei einer Elongation der Venus von Null befindet sich diese entweder bei der unteren Konjunktion in Erdnähe oder bei der oberen Konjunktion in Erdferne. Die Venus hat eine siderische Umlaufzeit von knapp 225 Tagen (ungefähr siebeneinhalb Monate), und ihre größte Elongation beträgt wegen ihrer Sonnennähe nur 48 Bogengrad. Von der Erde aus gesehen eilt die Venus auf ihrer Umlaufbahn der Erde immer ein wenig voraus, so dass die gleiche ekliptikale Länge respektive Elongation erst nach etwas mehr als einem Erdenjahr (gut 365 Tage) erreicht wird, nämlich nach knapp 584 Tagen (1,6 Erdenjahre). Ungefähr die Hälfte dieser Periode hat die Venus eine östliche und die andere Hälfte eine westliche Elongation. In Sonnennähe, also bei kleinen Elongationen, kann sie mit bloßem Auge nicht beobachtet werden. Bei einer Konjunktion der Venus mit dem Mond hat dieser immer nur eine geringe von der Sonne beleuchtete Fläche, so dass dieses Ereignis nur um den Neumond herum beim Alt- beziehungsweise beim Neulicht des Mondes gesehen werden kann, also in der zeitlichen und örtlichen Nähe des Morgenletztes oder des Abenderstes des Mondes.

In der folgenden Galerie sind acht Bilder der Konjunktion zwischen dem Planeten Venus und dem Mond am 9. Oktober, also gut zwei Wochen nach der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, im Sternbild Skorpion (Scorpio) bei fast wolkenlosem Himmel zu sehen. Die Bilder sind abends innerhalb einer guten Stunde zwischen 18:10 Uhr und 19:21 Uhr in südwestlicher Richtung entstanden. Die Ekliptik lag zu diesem Zeitpunkt vom Beobachtungspunkt in Berlin aus sehr flach, also nur wenig gegenüber dem Horizont geneigt, und daher stehen die rund 14 Prozent beleuchtete Sichel vom Mond und der Terminator der zu knapp 60 Prozent beleuchteten Venus fast senkrecht auf dem Horizont. Der Mond war nidsigend und befand sich im Beobachtungszeitraum knapp ein Bogengrad südlich (also unterhalb) der Ekliptiklinie bei Höhen von 10 bis 3 Bogengrad über dem Horizont. Die Venus befand sich bei einer südlichen ekliptikalen Breite von knapp drei Bogengrad ein wenig unterhalb des Mondes und somit bei Höhen von 8,5 bis 2 Bogengrad über dem Horizont. Mit einer östlichen Elongation von knapp 46 Bogengrad hatte die Venus den maximal möglichen Wert noch nicht ganz erreicht und wies einen abnehmenden Phasenwinkel von fast 80 Bogengrad auf. Der fünfthellste Stern des Sternbilds Skorpion, Dschubba (δ Scorpionis), mit einer effektiven scheinbaren Helligkeit von zirka dritter Größenklasse (3m) befand sich knapp ein Bogengrad oberhalb der Venus. Die effektive scheinbare Helligkeit der Venus nahm während der Beobachtung durch die zunehmende Extinktion und Streuung ihres Lichts auf die reduzierten Werte von -3,5m auf -2,5m ab. Die effektive scheinbare Helligkeit der Mondsichel betrug ungefähr -7m. Der Sonnenuntergang fand gegen 18:23 Uhr statt.

Historische Konjunktionen

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Prähistorische Konjunktionen

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Die Länge von Monaten und Jahren ergeben sich seit jeher aus der Beobachtung von Konjunktionen der Sonne und des Mondes:

  • Ein Monat ergibt sich aus der Beobachtung der Konjunktionen von Mond und Sonne (synodischer Monat (altgriechisch σύνοδος ("synodos"), zu Deutsch: "Zusammentreffen")) oder von Mond und Fixsternen (siderischer Monat (lateinisch sideris, zu Deutsch: "des Sterns")).
  • Ein Jahr ergibt sich aus der indirekten Beobachtung der Konjunktion von Sonne mit den Fixsternen (Frühlingspunkt). Ein Frühlingsvollmond befindet sich gegenüber der Sonne im Herbstpunkt.

Bei Mond- und Sonnenfinsternissen handelt es sich um Konjunktionen zwischen Mond und Sonne, die seit je her von Menschen beobachtet wurden.

Konjunktion der zunehmenden Mondsichel (dreieinhalb Prozent Neulicht (Mondalter 1,8 Tage, östliche Elongation 21,5 Bogengrad) mit aschgrauem Mondlicht durch den Erdschein beim Abenderst, links) mit dem Planeten Merkur (scheinbare Helligkeit 1,5m, Bildmitte) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus, rechts) am 2. Mai 2022 (nach dem jüdischen Lunarkalender der 1. Siwan 5782) ungefähr 8,5 Bogengrad über dem westnordwestlichen Abendhimmel in Berlin.

Zu den ältesten überlieferten Erwähnungen von Konjunktionen gehört auch die erste Plejaden-Schaltregel der Sumerer, die um 2600 vor Christus angewendet werden konnte. Sie berücksichtigt die Konjunktion des offenen Sternhaufens der Plejaden mit der schmalen Mondsichel des Neulichts, das auch für die Festlegung des Beginns eines jeden synodischen Monats herangezogen wurde und wird:

→ Siehe hierzu Plejaden-Schaltregeln.

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich unmittelbar der Meton-Zyklus:

→ Siehe hierzu Meton-Zyklus.

Die Gründung Roms

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Die Zwillinge Romulus und Remus waren der Sage nach die Kinder des Gottes Mars und der Vestalin Rhea Silvia. Am 21.&nbps;April 753 vor Christus soll die Stadt Rom von Romulus gegründet. Er brachte später seinen Zwillingsbruder um, als sich dieser über die Stadtmauer belustigte.

Der römische Philosoph und Astrologe Lucius Tarrutius gab das Gründungsdatum abweichend als den 4.&nbps;Oktober 754 vor Christus an. Dabei orientierte er sich an seinem Geburtshoroskop für Romulus, das vom spätantiken lateinischen Grammatiker und Kompilator Gaius Julius Solinus überliefert ist. Demnach wurden die Zwilling im 24.&nbps;Juni 772 während einer Sonnenfinsternis gezeugt und am 21. März 771 geboren, und bei der Gründung von Rom wäre Romulus also 17 Jahre alt gewesen. Die genannte Sonnenfinsternis aus dem Saros-Zyklus Nummer 63 war in Rom allerdings nicht sichtbar und erreichte auch in Mitteleuropa nur einen Abdeckungsgrad von wenigen Prozent.

Die Planeten Mars, Venus und Jupiter am 9. Juni 753 vor Christus im Goldenen Tor der Ekliptik.

Nichtsdestoweniger gab es in den beiden Jahren 754 und 753 einige sehr bemerkenswerte Konjunktionen, die für die Entstehung der Sage eine Rolle gespielt haben könnten:

Am 6. September 754 kam es bei Sonnenuntergang im Westen im Sternbild Jungfrau (Virgo) unweit zu dessen Hauptstern Spica (α Virginis) zu einer Konjunktion zwischen den Planeten Mars und Venus, deren Abstand weniger als 20 Bogensekunden betrug. Das lateinische Wort "spica" bedeutet "Kornähre" und gilt allgemein als Symbol für die Fruchtbarkeit.

Nach neun Monaten kam es erneut zu mehreren bemerkenswerten Konjunktionen:

  • Am 1. Juni 753 kam es bei Sonnenaufgang im Osten zu einer Konjunktion der Planeten Mars und Jupiter, deren Abstand gut 20 Bogensekunden betrug.
  • Am 9. Juni 753 erreichte der Planet Mars in der Dämmerung genau im Osten das Goldene Tor der Ekliptik, dicht gefolgt von den beiden Planeten Jupiter und Venus (siehe Bild rechts).
  • Am 17. August 753 wird der Planet Mars mitten im Sternbild Zwillinge (Gemini) durch den im letzten Viertel abnehmenden Mond bedeckt.

Die Shih-Ching-Finsternis

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Eine zwischen 841 und 722 vor Christus gedichtete Ode aus dem chinesischen Buch der Lieder (chinesisch: "Pinyin Shījīng" beziehungsweise "Pinyin Shih-ching") erwähnt eine Sonnenfinsternis, die ohne die Angabe eines Jahres am ersten Tag des zehnten bürgerlichen Monats stattgefunden habe. Damit würde es sich um ein astronomisches Ereignis handeln, das uns auf den Kalendertag genau überliefert wurde. Die Auswahl der Gedichte des Buches der Lieder und deren Ordnung soll laut der Überlieferung dem chinesischen Philosophen  Konfuzius (um 550 bis 480) zu verdanken sein. Der deutsche Naturwissenschaftshistoriker und Astronom  Willy Hartner (1905 bis 1981) hat sich 1935 eingehend mit der Datierung dieser Finsternis beschäftigt, und er gibt die folgende Übersetzung der Ode an:[7]

Bei der Konjunktion im zehnten Monat,
am ersten Tag des Monats – einem Tag hsin-mao –
fand eine Sonnenfinsternis statt.
Ein sehr schlimmes Ereignis.
Andermals [zuvor] wurde der Mond klein;
nun ward die Sonne klein.
Von jetzt an wird das niedere Yolk
in sehr großer Not leben.

Beim "hsin-mao" handelt es sich um das 28. zyklische Tageszeichen innerhalb eines Sechzigerzyklus. Es gab drei Sonnenfinsternisse, die während der Entstehungszeit der Ode in China an einem hsin-mao gesehen werden konnten:

  • 4. Juni -780, Julianisches Datum = 1436317,5
  • 30. November -734, Julianisches Datum = 1453297,5
  • 3. März -728, Julianisches Datum = 1455217,5

Der erste und letzte dieser drei Tage kann allerdings nach keinem der chinesischen Kalendersysteme auf den ersten Tag eines zehnten chinesischen Monats gefallen sein. Der 30. November -734 vor Christus (also 735 vor Christus) kann im chinesischen Kalender Hsiastil unter Berücksichtigung eines Tages Unsicherheit bei der Bestimmung von Schalttagen jedoch auf den ersten Tag des zehnten bürgerlichen Monats gefallen sein. Die Sonnenfinsternis fand 28 Tage vor der herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche im Sternbild Schütze (Sagittarius) statt und erreichte am Vormittag in Richtung Südsüdost ihr Maximum. Ferner gab es "andermals zuvor", als "der Mond klein wurde', nämlich am 20. Juni 735 vor Christus (Julianisches Datum = 1453135,5), in den chinesischen Morgenstunden ebenfalls im Sternbild Schütze (Sagittarius) direkt vor Monduntergang eine totale Mondfinsternis. Überdies gab es in den Halbjahren davor eine relativ seltene Häufung von Mondfinsternissen. Die vorletzte Mondfinsternis vor der Sonnenfinsternis in den Morgenstunden des 25. Dezembers 736 vor Christus (Julianisches Datum = 1452958,5) war in China in westlicher Richtung sogar besonders spektakulär, da der Vollmond nahe des offenen Sternhaufens Krippe (Praesepe) im Sternbild Krebs (Cancer) ungefähr eine Stunde zuvor den Planeten Saturn bedeckt hatte. Die drittletzte Mondfinsternis vor der Sonnenfinsternis fand am 1. Juli 736 vor Christus (Julianisches Datum = 1452781,5) im Sternbild Steinbock (Capricornus) ebenfalls in den chinesischen Morgenstunden in Richtung Südwesten statt.

Beginn der in Deutschland nur partiell zu beobachtenden Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021, die in der Nordpolregion ringförmig zu beobachten war. Der Bedeckungsgrad betrug zu diesem Zeitpunkt 0,7 Prozent.

Der erste europäische Astronom, der sich bis 1749 der Shih-Ching-Finsternis gewidmet hatte, war der französische, in Peking gestorbene Jesuitenpater  Antoine Gaubil (1689 bis 1759). Einige seiner Manuskripte aus Peking wurden 1814 unter dem Titel "Traité de la Chronologie Chinoise" in drei Teilen in Paris herausgegeben.[8] Er datierte das Ereignis nach dem julianischen Kalender auf den 6. September -775 (also 776 vor Christus, Julianisches Datum = 1438237,5). An diesem Tag herrschte Neumond, der folglich mit der Sonne in Konjunktion stand, und an diesem Tag fand tatsächlich eine Sonnenfinsternis statt, deren Kernschatten allerdings nur um den Nordpol herum zu beobachten gewesen wäre. Die ringförmige Sonnenfinsternis begann in der Barentssee östlich von Spitzbergen, zog nördlich von Sewernaja Semlja in Richtung Osten weiter und erreichte nördlich der Wrangelinsel (und somit weit nördlich von China) dann noch fast die Totalität. Ganz im Norden der damaligen westlichen Zhou-Dynastie (1121 bis 770) hätte diese Sonnenfinsternis bei klarem Himmel kurz nach Sonnenaufgang, also zirka drei Stunden vor der von Gaubil berechneten Ortszeit, gesehen werden können, nicht jedoch in der südlicher gelegenen Hauptstadt Hao (in der Nähe des heutigen Xi’an in der Provinz Shaanxi). Die noch gerade eben unbedeckte Sonne ging fast genau im Osten im Sternbild Jungfrau auf. Im nördlicher gelegenen Peking, das damals noch Ji (zu Deutsch "Schilf") hieß, betrug die Bedeckung knapp anderthalb Prozent, was aber deutlich gesehen werden kann, wenn die Sonnenfinsternis direkt beobachtet wird.

Babylonische Jupiter-Konjunktion

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Im Pariser Louvre ausgestellte Tontafel AO 17630 aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert mit astronomischen Ephemeriden für Jupiter in Keilschrift.

Schon die Babylonier beschäftigten sich auch mit den Konjunktionen der Planeten. Die im Pariser Louvre ausgestellte Tontafel AO 17630 mit Keilschrift aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert enthält laut der Beschriftung in der Vitrine zum Beispiel die folgenden Angaben:

Astronomische Ephemeriden für Jupiter
42. Jahr der Regierungszeit des Königs Artaxerxès II.
am 3. Tammuz (4. Monat, auch Du'uzu oder Dumuzi): stationär
am 5. Ulûlu (6. Monat): in Opposition
am 8. Arahsamnu (8. Monat): im Westen der Fische stationär
um den 21 Addaru (12. Monat): in der Stirn des Widders in Konjunktion

Acq. Barbosa, 1934

Nach dem babylonischen Lunisolarkalender begann ein Monat mit dem Abend, in welchem in der Abenddämmerung zuerst das Neulicht des Mondes zu beobachten war.

Nach dem Julianischen Kalender ereigneten sich diese Jupiter-Konstellationen an den folgenden Tagen (für Mesopotamien, Zeitzone GMT plus drei Stunden):

  • 8. Juli 363 vor Christus, 23:30 Uhr (JD = 1589026,354): Jupiter stationär (-2,7m, rund 30 Bogengrad östlich von Saturn (0,7m) im Sternbild Wassermann (Aquarius)) im Sternbild Fische (Pisces) und danach rückläufig (retrograd).
    • Der Mond (-10m) war im ersten Viertel zunehmend (Mondalter 6,5 Tage, Mondsichel 40,5 Prozent beleuchtet) und stand zu dieser Uhrzeit bereits unter dem Horizont.
  • 7. September 363 vor Christus, 5:30 Uhr (JD = 1589086,604): Jupiter beim Untergang im Westen in Opposition (-2,9m im Sternbild Fische (Pisces)).
    • Der Mond (-10m) war bereits im zweiten Viertel zunehmend (Mondalter 7,6 Tage, Mondsichel 52,4 Prozent beleuchtet) und stand zu dieser Uhrzeit weit unter dem Horizont.
  • 4. November 363 vor Christus, 21 Uhr (JD = 1589145,250): Jupiter (-2,6m) im Westen des Sternbilds Fische (Pisces) stationär und danach wieder rechtläufig (prograd).
    • Der Mond (-10m) war im ersten Viertel zunehmend (Mondalter 6,6 Tage, Mondsichel 41,7 Prozent beleuchtet) und ging gerade im Westen unter.
  • 23. März 362 vor Christus, 3 Uhr (JD = 1589283,500): Jupiter kurz nach Mitternacht in Konjunktion (-2,0m) unter der Stirn des Sternbilds Widder (Aries). Jupiter stand dabei weit unter dem Horizont sowie gut ein Bogengrad unterhalb der Sonne. Das Ereignis war deswegen nicht durch direkte Beobachtung auf den Tag genau datierbar.
    • Der Mond (-7m) war im letzten Viertel abnehmend (Mondalter 26,6 Tage, Mondsichel 9,6 Prozent beleuchtet) und befand sich zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Horizont.
    • Das Altlicht des Mondes stand am Morgen in Konjunktion südlich unter dem Saturn (0,5m), der gut eine Stunde nach dem Mars (1m) über dem östlichen Horizont aufging.
    • Der Merkur (0m) ging eine halbe Stunde später und eine Stunde vor der Sonne auf.
    • Die Venus (-4m) ging am Vorabend fast genau im Westen eine halbe Stunde nach der Sonne unter.

Es ergeben sich also nur sehr wenige Tage Abweichung zwischen den angegebenen Ereignissen und den heute genauer bestimmbaren Zeitpunkten. Dies ist insbesondere bemerkenswert, weil sich der Jupiter in den stationären Punkten nur wenige Bogensekunden pro Tag und selbst in Opposition nur acht Bogenminuten pro Tag entlang der Ekliptiklinie bewegt.

Das 42. Regierungsjahr des persischen Großkönigs Artaxerxès II. war 363 vor Christus. Dieses Jahr ist durch diese Jupiter-Ephemeriden also belegt, und er wäre demnach im Jahr 404 gekrönt worden, was im Einklang mit den in anderen Quellen angegebenen Mond- und Sonnenfinsternissen während seiner Regierungszeit steht.

Aristotelische Jupiter-Konjunktion

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Die Konjunktion zwischen Jupiter und dem Stern 1 Geminorum am Abend des 24. Aprils 360 vor Christus.

Bis zur Renaissance wurde zwischen den Wissenschaften der Astronomie und der Astrologie gar nicht unterschieden, und solche Konjunktionen galten häufig als Auslöser oder als Vorzeichen von anderen Ereignissen.

Der griechische Universalgelehrte  Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) hat in seinem Werk "Meteorologikon" (altgriechisch: "Μετεωρολογικῶν"), das um 350 entstanden ist, beispielsweise erwähnt, dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.[9] Die Begegnung vom Planeten Jupiter mit einem Fixstern kann im Tagesgang gut beobachtet werden, da sich der Planet gegenüber dem Fixsternhimmel mit über zehn Bogenminuten pro Tag bewegt, sofern er sich nicht gerade in der Nähe des Oppositionspunktes befindet, wenn die Erde ihn auf ihrer sonnennäheren Bahn überholt.

Da der Jupiter nur alle zwölf Jahre im Sternbild Zwillinge (Gemini) steht, kommen von 372 bis 337 vor Christus dafür grundsätzlich nur die Jahre 372, 360, 348 und 337 in Frage, in denen sich der Jupiter dort aufgehalten hat. Von den ekliptiknahen Sternen mit mindestens fünfter Größenklasse, die vom Jupiter bedeckt werden können, kommen nur der Stern Stern Wasat (δ Geminorum, 3,5m) oder der Stern 1 Geminorum (4,8m) in Frage. Der Stern Wasat (δ Geminorum) wurde während der Lebenszeit von Aristoteles nicht nahe genug erreicht. Der Stern 1 Geminorum kann wegen seiner relativ geringen scheinbaren Helligkeit und der Extinktion der Atmosphäre mit bloßem Auge nur gesehen werden, wenn er mehr als zehn Bogengrad über dem Horizont steht. In dem in Frage kommenden Zeitabschnitt hat der Jupiter sich nur drei Mal einem Stern 1 Geminorum auf weniger als zehn Bogenminuten genähert:

  • Am Abend des 10. Mais 372 kurz vor dem Untergang von Jupiter im Abstand von zirka fünf Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum am westnordwestlichen Horizont. Zu diesem Zeitpunkt war Aristoteles erst zwölf Jahre alt. Die Sonne stand bei diesem Ereignis zudem noch so dicht unter dem Horizont, dass zwar gerade noch der Jupiter, aber keineswegs 1 Geminorum gesehen werden konnte.
  • Am Abend des 24. Aprils 360 vor dem Untergang im Abstand von zirka sieben Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum über dem westnordwestlichen Horizont. Das Ereignis konnte am Abend auch noch nach Beginn der astronomischen Dämmerung gut beobachtet werden.
  • Am Morgen des 5. Dezembers 337 vor dem Untergang im Abstand von knapp sieben Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum über dem westnordwestlichen Horizont. Dieses Ereignis fand zwar gut sichtbar noch vor der astronomischen Dämmerung, vermutlich jedoch bereits nach der Niederschrift des Meteorologikons statt.

Somit kann festgehalten werden, dass sich es sich bei der Konjunktion vom Planeten Jupiter mit einem Stern des Sternbilds Zwillinge (Gemini) um dessen Begegnung mit dem Stern 1 Geminorum am Abend des 24. Aprils 360 gehandelt haben dürfte.

Herbstbeginn in Uruk im Jahr 181 vor Christus

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Zwei zusammengehörige Teile einer seleukidischen Tontafel aus der babylonischen Stadt Uruk aus der Zeit von 200 bis 180 vor Christus zeigen Darstellungen des Himmels mit ekliptiknahen Sternbildern und jeweils einem Planeten:[10]

Zusammengesetztes Schema mit den astronomischen Elementen der beiden beschrifteten seleukidischen Ritzzeichungen AO 6448 und VAT 07847 (siehe oben).
Von links nach rechts: Planet Jupiter (sumerisch dSag-me-gar), Wasserschlange (Hydra, sumerisch mulMUŠ), Löwe (Leo, sumerisch mulUR.GU.LA), Rabe (Corvus, sumerisch mulUGAmu en), Planet Merkur (sumerisch dGU4.UTU), Jungfrau (Virgo, sumerisch mulAB.SÍN). [11]

Die Ekliptik mit allen Planetenbahnen verläuft zwischen den Sternbildern Jungfrau (Virgo) und Löwe (Leo) nördlich der Ekliptik und den Sternbildern Rabe (Corvus) und Wasserschlange (Hydra) südlich der Ekliptik. Hierbei fällt auf, dass beim Betrachten des nördlichen Sternenhimmels Merkur nie zwischen dem Raben auf der linken Seite und der Jungfrau (Virgo) auf der rechten Seite stehen kann, denn Merkur kann wegen seiner Sonnennähe nur dicht über dem Horizont kurz vor Sonnenaufgang im Osten oder kurz nach Sonnenuntergang im Westen beobachtet werden. Morgens steht der Merkur von der Nordhalbkugel aus gesehen bei steiler Ekliptik allerdings am östlichen Horizont stets rechts von der Jungfrau (Virgo) sowie links vom Raben (Corvus) und abends bei flacher Ekliptik am westlichen Horizont stets unterhalb von der Jungfrau und oberhalb vom Raben.

Auch die Darstellung vom Löwen und der Wasserschlange in Bezug auf die Ekliptik ist nicht zu beobachten, denn die Ekliptik verläuft zwischen diesen beiden Sternbildern, so dass der Planet Jupiter nie auf der gleichen Seite von ihnen beiden sondern nur zwischen ihnen beobachtet werden kann.

Jungfrau (Virgo), Löwe (Leo) und Rabe (Corvus) auf der Wasserschlange (Hydra) im Zodiak von Dendera.
Die Hauptsterne des Sternbilds Löwe (Leo) mit einer Zeichnung einer ägyptischen Sphinx.

Eine sehr ähnliche symbolische Darstellung der Sternbilder Jungfrau (Virgo), Löwe (Leo), Wasserschlange (Hydra) und Rabe (Corvus) in korrektem geometrischen Bezug zueinander befindet sich im ägyptischen Zodiak von Dendera von ungefähr 50 vor Christus. Der Tempel von Dendera liegt 60 Kilometer nördlich von Luxor und war den ägyptischen Göttern Hatgor und Isis geweiht. Die originale Darstellung der Sternbilder der nördlichen Hemisphäre mit allen zwölf auch heute noch bekannten Tierkreiszeichen befand sich an der Decke des Mittelraums der nordöstlichen Anlage des Tempels und ist heute im Pariser Louvre ausgestellt.

Die seleukidischen Darstellungen entsprechen also nicht den exakten astronomischen Verhältnissen, sondern sind künstlerisch offensichtlich frei gestaltet. Es stellte sich die Frage, ob die beiden bildlich dargestellten Konjunktionen in der Zeitspanne der Entstehung der Tontafeln irgendwann gleichzeitig zu beobachten gewesen sein können.

Die Suche kann auf die Jahre eingeschränkt werden, an denen Jupiter im Sternbild Löwe (Leo) stand. Dies ist wegen der siderischen Umlaufzeit des Jupiters von knapp zwölf Jahren ungefähr alle zwölf Jahre der Fall, und im zu betrachtenden Zeitraum war dies in den Jahren 205, 193 sowie 181 vor Christus der Fall.

Der sonnennahe Merkur ist im Sternbild Jungfrau nur dann zu sehen, wenn die nahe gelegene Sonne entweder in Richtung zum benachbarten Sternbild Löwe (kleinere ekliptikale Länge) oder zum benachbarten Sternbild Waage (größere ekliptikale Länge) steht. Solange das Sternbild Löwe (Leo) am Himmel zu sehen ist, kann Merkur in Konjunktion mit dem Sternbild Jungfrau (Virgo) folglich nur am herbstlichen Morgenhimmel beobachtet werden, weil das Sternbild Löwe (Leo) abends zusammen mit der Sonne bereits vor dem Sternbild Jungfrau (Virgo) im Westen untergeht und somit unterhalb des Horizonts befindlich gar nicht zu sehen ist.

Der Frühlingspunkt befand sich vor rund 2200 Jahren gerade noch im Sternbild Widder und der Herbstpunkt bereits im Sternbild Jungfrau. Die Sonne erreichte den Herbstpunkt bei der Tag-und-Nacht-Gleiche damals am 26. September. Der Aufgang des Sternbilds Jungfrau (Virgo) unmittelbar nach dem Aufgang des Sternbilds Löwe (Leo) erfolgte also morgens im Monat September am östlichen Horizont, so dass die astronomische Suche auf diesen Monat und diese Himmelsrichtung beschränkt werden kann.

In den drei oben genannten Jahren ging Merkur nur im September 181 vor Christus vor der Sonne auf. Er erreichte am 1. September seine maximale Elongation im Sternbild Löwe (Leo), bewegte sich danach zunehmend schnell in das Sternbild Jungfrau (Virgo) und war in den darauffolgenden Tagen dort in vollem Glanz über dem östlichen Horizont zu sehen. Am 16. September stand er gut ein Bogengrad südlich in Konjunktion mit dem Stern Porrima (γ Virginis) aus dem Sternbild Jungfrau (Virgo) und somit zwischen diesem Stern und dem Sternbild Rabe (Corvus).

An diesem Tag näherte sich der Planet Jupiter bereits dem hellen Königsstern Regulus (α Leonis, sumerisch LU.GAL = „König“, wörtlich übersetzt: „Großer Mann“) im Sternbild Löwe (Leo). Am 24. September stand er dann nur 20 Bogenminuten nördlich von Regulus, so dass Jupiter und Regulus beinahe zu verschmelzen schienen.

Optisch wurde diese Himmelsregion jedoch vom Planeten Venus (sumerisch „Inanna“, akkadisch „Ištar“) beherrscht, die unterhalb von Jupiter beim unscheinbaren heutigen Sternbild Sextant (Sextans [Uraniae]) zwischen den Sternbildern Löwe (Leo, links) und Wasserschlange (Hydra, rechts) in vollem Glanz stand. Anfang September stand sie ebenfalls in Konjunktion mit dem Stern Regulus (α Leonis), wegen ihrer großen südlichen ekliptikalen Breite von fünf Bogengrad kam sie dem Stern dabei allerdings nicht so nahe wie Jupiter.

Der Planet Mars stand Anfang September 181 vor Christus noch westlich von Jupiter, holte ihn wegen seiner größeren scheinbaren Geschwindigkeit jedoch bald ein und stand am 15. September seinerseits in Konjunktion mit dem Stern Regulus, wobei der Winkelabstand zirka ein Bogengrad betrug.

Der Morgenhimmel am 12. September 181 vor Christus von Uruk aus gesehen. Die Ekliptik (orangefarben) verläuft über die Sonne unter dem Horizont links unten fast senkrecht über den Horizont (grün) weiter nach rechts oben in Richtung südlicher Meridian (außerhalb der Darstellung). Die Ekliptik schnitt den südlichen Meridian zu diesem Zeitpunkt nur zehn Bogengrad unterhalb des Zenits. Der Planet Merkur befand sich bereits über dem Horizont im Sternbild Jungfrau (Virgo). Der Stern Porrima (γ Virginis) steht zwischen Sonne und Merkur fastauf der Horizontlinie. Die Planeten Venus, Mars und Jupiter standen in der Nähe des Königsterns Regulus im Sternbild Löwe (Leo) in Konjunktion.

Dies alles sind astronomisch gesehen viele spektakuläre Ereignisse. Neben den bereits erwähnten fünf Wandelgestirnen Sonne, Merkur, Venus, Mars und Jupiter können auch noch der langsamere Saturn und der Mond in diesen Tagen betrachtet werden:

Der Saturn näherte sich Anfang August am Nachthimmel gerade dem Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). Am 13. August wurde er retrograd (rückläufig) und entfernte sich kurzzeitig wieder ein wenig vom Goldenen Tor. Ende des Jahres 181 vor Christus wurde er dann wieder prograd (rechtläufig) und durchquerte das Goldene Tor dann schließlich im Mai des darauffolgenden Jahres, um im Januar 179 vor Christus dann noch einmal kurzzeitig zum Goldenen Tor der Ekliptik zurückzukehren und danach in Richtung Sternbild Zwillinge (Gemini) weiterzuziehen.

Aber auch der Mond dürfte im September 181 vor Christus große Beachtung gefunden haben, denn kurz nach Mitternacht des 12. Septembers fand eine gut sichtbare partielle Mondfinsternis mit einem Bedeckungsgrad von 40 Prozent im Sternbild Fische (Pisces) statt (Mondalter knapp 15 Tage). Am Abend des 14. Septembers stand der Mond dann im Alter von 18 Tagen in Konjunktion mit Saturn im Goldenen Tor der Ekliptik. Am Nachmittag des 15. Septembers bedeckte der abnehmende Mond dann sogar den sehr hellen Roten Riesen Aldebaran (α Tauri, arabisch ad-dabarān = „der Nachfolger“ (des Siebengestirins), babylonisch: kakkabAgú dAnim = „Der rote Stern, der vor Enlil gegen Osten steht“, beziehungsweise „Tiara des Gottes Anu“, in Deutschland früher: „Ochsenauge“), was in Mesopotamien allerdings nicht zu beobachten war, weil sich die Konjunktion zu diesem Zeitpunkt unterhalb des Horizonts befand. Gut zu sehen war jedoch die Annäherung des Altlichts (Mondalter 26 Tage, die Mondscheibe war 15 Prozent beleuchtet) an die Venus um Mitternacht in der Nacht vom 22. auf den 23. September, wo der Winkelabstand zwischen der Spitze der schmalen Mondsichel und der Venus weniger als 40 Bogenminuten betrug.

Es bleibt festzustellen, dass es im September 181 vor Christus ungewöhnlich viele interessante und spektakuläre Konjunktionen innerhalb eines Monats gegeben hat. Inwieweit diese astronomischen Ereignisse den seleukidischen Künstler oder dessen Auftraggeber zu den beiden Ritzzeichnungen animiert hatten, lässt sich selbstverständlich nicht mit Bestimmtheit sagen, zumal die begleitenden Keilschrifttexte zwar den Lebewesenkreis (Zodiak) thematisieren, aber nur wenig Bezug zu den graphischen Darstellungen der Ritzzeichungen haben. Zumindest zeigt die astronomische Analyse, dass es zur Entstehungszeit der Tontafeln einen Monat gab, der die dargestellten Konjunktionen am Nachthimmel gezeigt hat.

Der Stern von Bethlehem

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Große Konjunktion am südwestlichen Abendhimmel mit einem Abstand von ungefähr 15 Bogenminuten zwischen Saturn (links oben) und Jupiter (rechts unten) im Dezember 2020 zwei Tage vor der größten Annäherung zwischen den beiden Planeten.
Die vier Galileischen Monde: links oberhalb vom Jupiter die Monde Kallisto, Ganymed und Europa, rechts unterhalb in unmittelbarer Nähe zu Jupiter der Mond Io.
Die Ekliptiklinie verläuft diagonal zwischen der linken oberen und der rechten unteren Bildecke.
Zunehmende Mondsichel beim Neulicht zum Abenderst.

Einer der ersten Schriftpropheten in der hebräischen Bibel war Micha, der zu Beginn des fünften Kapitels seines Buches vorhergesagt hatte, dass aus dem Ort Bethlehem ein Herrscher über Israel hervorgehen würde:

5,1 Aber du, Betlehem-Efrata, / bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, / der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, / in längst vergangenen Tagen.

Mit dem Zusatz Efrata bezieht er sich auf den in der Genesis genannten älteren Namen für Bethlehem:

35,19 Als Rahel gestorben war, begrub man sie an der Straße nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt.

König David stammte vom Efratiter Isai ab, wie im ersten Buch des Propheten Samuel bezeugt wird:

17,12 David war der Sohn eines Efratiters namens Isai aus Betlehem in Juda, der acht Söhne hatte. Zur Zeit Sauls war Isai bereits alt und betagt.

Das Evangelium nach Matthäus bezieht sich unmittelbar auf den Propheten Micha und erzählt im Abschnitt der "Huldigung der Sterndeuter" am Beginn seines zweiten Kapitels, dass ein Stern diese auch als „Magier“ oder als „Weise“ bezeichneten Menschen zum Geburtsort des Jesus von Nazareth nach Bethlehem geführt wurden:[12]

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.
5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:
6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel.
7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!
9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. 

In der Antike wurden durch eingeweihte Gelehrte die Konjunktionen von Planeten vorausberechnet und schriftlich festgehalten, wie beispielsweise durch zahlreiche Keilschrifttexte aus den Städten Sippar, Ur oder Babylon belegt ist. 1925 entdeckte und entzifferte der Altorientalist Paul Schnabel darin Aufzeichnungen zu den Planeten von Jupiter und Saturn aus den Jahren 7 und 6 vor Christi Geburt.[13]

Der Astronom  Johannes Kepler (1571–1630) besuchte in Graz eine öffentliche Veranstaltung des Gelehrten  Joseph Justus Scaliger (1540–1609), die sich mit dem Geburtsjahr Jesu beschäftigte.[14] Kepler hat wenig später dann die Hypothese aufgestellt, dass der im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums "Die Huldigung der Sterndeuter" genannte Stern, der die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zur Geburtskrippe von Jesus geführt haben soll, mit der größten Konjunktion im Jahr 7 vor Christi Geburt im Zusammenhang stehen könnte.

In den letzten 3000 Jahren fand eine größte Konjunktion im Sternbild Fische nur zwei Mal statt: im Jahre 861 vor Christi Geburt (übrigens mit zweimaligen Bedeckung des Saturns durch den abnehmenden Mond am 17. April und am 15. Mai, und mit mehrmaligen Bedeckungen des Jupiters durch den abnehmenden Mond am 11. Juni sowie am 8. Juli, den Vollmond am 28. September und durch den zunehmenden Mond am 22. November sowie am 19. Dezember des Jahres) und im Jahr 7 vor Christi Geburt. In der Tat sind einige weitere astronomische Ereignisse des letztgenannten Jahres sehr bemerkenswert. Die folgende Tabelle enthält einige besondere Konstellationen der sieben Wandelgestirne zwischen März 7 und Januar 6 vor Christi Geburt (Hinweis: ein Jahr 0 gab es in dieser Zählung nicht):

Besondere Konstellationen in den Jahren 7 und 6 vor Christus
Datum Ereignis Interpretation
23. März Sonne im Frühlingspunkt Frühlingsbeginn, früher gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres.
25. März Mars ist während der gesamten Nacht sichtbar und verschmilzt mit dem bekannten Doppelstern Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) Porrima ist die italienische Göttin der Weissagung und für den Schutz der Ungeborenen.[15]
Maria, die Mutter von Jesus, hat das Attribut Jungfrau. Am 25. März - genau neun Monate vor Weihnachten - wird heute das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert.
29. Mai Erste große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn bei Neumond geht nach Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
25. Juni Sommersonnenwende
1. Oktober Zweite große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) geht abends kurz vor Sonnenuntergang im Osten auf und morgens vor Sonnenaufgang im Westen unter
5. Dezember Dritte große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn kurz vor Vollmond im Sternbild Fische (Pisces) kulminiert gegen Mitternacht auf dem südlichen Meridian und geht um Mitternacht im Westen unter
22. Dezember Neulicht des Mondes am westlichen Himmel beim Abenderst (akronychischer Untergang) Neulicht als Zeichen der Geburt zu Beginn des jüdischen Monats Tewet 3755.
Der Ambrosianische Hymnus "Veni redemptor gentium" (zu Deutsch: "Komm Erlöser der Völker") aus dem 4. Jahrhundert hat in der sechsten Strophe den Vers "Praesepe iam fulget tuum lumenque nox spirat novum" (zu Deutsch: "Deine Krippe glänzt schon, und die Nacht weht ein neues Licht").
23. Dezember Wintersonnenwende In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember (Heiligabend und Weihnachten) wird heute die Geburt des Herrn gefeiert.
31. Dezember Der zunehmende Halbmond steht morgens im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) Der hellste Stern im Kopf des Himmelsstieres ist der Rote Riese Aldebaran, der auch Ochsenauge bezeichnet wurde. Das andere Auge des Stierkopfes wird durch den Stern Ain (protosinaitisch: "en" (um 1500 vor Christus), phönizisch: "ain", hebräisch: "ajin", arabisch: "Ain", zu Deutsch: "Auge") markiert.
5. Januar Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Der Sternhaufen Krippe (Messier 44) wird von den beiden Eselsternen Asellus Borealis und Asellus Australis eingerahmt, die bereits im Zusammenhang mit Dionysos in der griechischen Mythologie erwähnt werden. Am 6. Januar wird heute die Erscheinung des Herrn (griechisch Epiphanias) gefeiert.

Im Zusammenhang mit der letzten Tabellenzeile sei noch darauf hingewiesen, dass der Sternhaufen Krippe im 8. Mondhaus Annathra (arabisch "an-naṯra" für "der Nasenhauch") des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar liegt, das insgesamt 28 Sterngruppen ausweist. Der Ort an dem Jesus geboren wurde heißt "Bethlehem" (zu Deutsch Haus des Brotes oder Haus des Fleisches).

Jupiter und Saturn waren vom Ekliptiksternbild Fische (Pisces) auf dem Weg in das Ekliptiksternbild Widder, in dem sich damals der Frühlingspunkt (Widderpunkt) befand. Dieses Sternbild heißt auf Arabisch al-hamal (Lamm) und entspricht im jüdischen Kalender dem ersten Monat Nisan, der mit Juda gleichgesetzt wird, einem der zwölf Stämme des alten Israels. Der Frühlingsbeginn und das jüdische Pessachfest liegen im Nisan. Das Lamm ist im Christentum als "Agnus Dei" ("Lamm Gottes") seit jeher ein Symbol für Jesus Christus. Abschließend zogen die Sterndeuter wie die Planeten Jupiter und Saturn auf einem anderen Weg weiter, also ohne umzukehren und dem König Herodes dabei noch einmal zu begegnen.

Eine weitere astronomische Koinzidenz mit der Überlieferung ergibt sich grundsätzlich und unabhängig von der Frage danach, was der Stern von Bethlehem gewesen sein kann, aus dem Sachverhalt, dass die drei Wandelgestirne (respektive drei Könige - Sonne (helios, sol) und die beiden inneren Planeten Merkur und Venus (man beachte die maskulinen grammatischen Geschlechter) täglich von Osten nach Westen wandern.

Ochs und Esel

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Der offene Sternhaufen Messier 44 im Sternbild Krebs wird im Deutschen ''Krippe'' und im Lateinischen ''Praesepe'' genannt.
Krippe mit dem Jesuskind sowie Ochs (links) und Esel (rechts) an der Schmalseite des Sarkophags des Stilicho in der Basilika Sant’Ambrogio des Heiligen Ambrosius von Mailand (339–397) vom Ende des 4. Jahrhunderts.
Replik des romanischen Kapitells aus dem 12. Jahrhundert mit dem Weihnachtszyklus in der Ausstellung vom Kloster San Juan de Ortega bei Burgos in Spanien.

Der offene Sternhaufen der Krippe (Messier 44, lateinisch "Praesepe", im Englischen auch „beehive“ für „Bienenkorb“) liegt zwischen den beiden Sternen Asellus Borealis ("Nördlicher Esel", δ Cancri) und Asellus Australis ("Südlicher Esel", γ Cancri) im Sternbild Krebs (Cancer) sowie im 8. Mondhaus Annathra des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar. Dass Annathra (arabisch "an-naṯra") für "der Nasenhauch" steht, gibt einen symbolischen Hinweis auf die Nähe zu den Nüstern der beiden Eselsterne. Aus den Nasenöffnungen des Flotzmauls eines Rindes kann ein solcher Nasenhauch natürlich ebenfalls entweichen.

Dass bei der Geburt Jesu an der Futterkrippe ein Ochse und ein Esel anwesend waren, ist im Lukasevangelium nicht belegt. Diese beiden attribuierten Tiere sind aber schon seit Beginn des Mittelalters tradiert: Eine schriftliche Erwähnung befindet sich im 14. Kapitel des frühmittelalterlichen Pseudo-Matthäusevangeliums auf Basis des antiken Jakobus-Protoevangeliums:[16]

14. Tertia autem die nativitatis domini egressa est Maria de spelunca
et ingressa est stabulum et posuit puerum in praesepio, et bos et asinus adoraverunt eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Isaiam prophetam dicentem:
"Cognovit bos possessorem suum et asinus praesepe domini sui."
Ipsa autem animalia in medio eum habentes incessanter adorabant eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Abacuc prophetam dicentem:
"In medio duorum animalium innotesceris."
In eodem autem loco moratus est Ioseph et Maria cum infante tribus diebus.

Zu Deutsch:

Am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und ging in einen Stall.
Sie legte den Knaben in eine Krippe; Ochs und Esel huldigten ihm.
Da ging in Erfüllung, was der Prophet Jesaja gesagt hatte:
"Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn."
Die Tiere nahmen ihn in ihre Mitte und huldigten ihm ohne Unterlass.
So erfüllte sich der Ausspruch des Propheten Habakuk:
"In der Mitte zwischen zwei Tieren wirst du bekannt werden."
An demselben Platz blieben Josef und Maria mit dem Kind drei Tage lang.

Beide Tiere werden beim Propheten Jesaja im dritten Halbvers des ersten Kapitels in einem Atemzug genannt:[17]

Septuaginta:

ἔγνω βοῦς τὸν κτησάμενον καὶ ὄνος τὴν φάτνην τοῦ κυρίου αὐτοῦ·

Vulgata:

cognovit bos possessorem suum et asinus praesepe domini sui

Einheitsübersetzung (2016):

Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn;

Beim Propheten Habakuk heißt es nach dem Kirchenvater Augustinus von Hippo (354–430) im 32. Kapitel "Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung" des 18. Buches seines Werkes "Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat":[18]

In medio duorum animalium cognosceris.

Zu Deutsch:

In der Mitte zwischen zwei Lebewesen wird man Dich schauen.

Einzug in Jerusalem auf einem um 1305 entstandenen Fresko von Giotto di Bondone (1267 oder 1276 bis 1337) in der Cappella degli Scrovegni in Padua.

Zwischen dem Esel und dem erwachsenen Jesus wird in der Bibel ein Bezug hergestellt, da beim Propheten Sacharja erwähnt wird, dass der Friedenskönig auf einem Esel nach Jerusalem kommt:[19]

Der Friedenskönig für Israel und die Völker
9 Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.

Der Evangelist Markus beschreibt den Einzug in Jerusalem in seinem elften Kapitel folgendermaßen:[20]

7 Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf.
8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten.
9 Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!
11 Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Und auch nach dem zwölften Kapitel des Johannesevangeliums kam Jesus auf dem Rücken eines Esels nach Jerusalem:[21]

14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt:
15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.

Astronomische Aufnahme des Himmelsstieres mit dem Vollmond in der Himmelsregion der heutigen Sternbilder Stier (Taurus, links oben), Walfisch (Cetus, unten) und Widder (Aries, rechts). Die Ekliptik verläuft entlang der scheinbaren Bahn des Mondes von rechts unten durch das Goldene Tor der Ekliptik in der Bildmitte (zwischen dem Stierkopf und dem Siebengestirn) nach links oben durch die Mitte zwischen den Spitzen der Stierhörner.

Doch wie kann nun der Bezug zu einem Ochsen hergestellt werden ?

Nach dem hochmittelalterlichen Traktat "De Mundi Celestis Terrestrisque Constitutione" (Pseudo Beda) aus Süddeutschland über die Erschaffung der Erde und des Himmels soll Jesus durch goldene Tore nach Jerusalem eingezogen sein. Das heute zugemauerte östliche Stadttor Jerusalems wird auch als das Goldene Tor bezeichnet. In der Astronomie befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik im heutigen Sternbild Stier (Taurus) zwischen dem Kopf des Stieres mit den beiden Augensternen Aldebaran und Ain und dem Siebengestirn (die Plejaden).

Durch diese Betrachtung ergeben sich mehrere interessante Bezüge zum Nachthimmel. Die Sterne Aldebaran und Ain werden in der Astronomie α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) genannt. Diese beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres. Im 18. Jahrhundert wurde der hellste Stern des heutigen Sternbilds Stier (Taurus), Aldebaran, auch als das Ochsenauge beziehungsweise lateinischsprachig als "Oculus Tauri" bezeichnet.[22][23] Wegen seiner Farbe wird der Rote Riese auch das rote Auge des Stieres genannt.[24]

Diese beiden Sterne können auch mit dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ain des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden:[25]

Der erste Buchstabe unseres Alphabets A wird im Altgriechischen mit Alpha (groß: Α, klein: α) bezeichnet. Dieser wiederum hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Aleph genannt und im Arabischen Alif. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Ochse" beziehungsweise "Stier" in Bezug gesetzt. Die Ägypter kannten die Hieroglyphe (F1) für "Ochsenkopf". In Anatolien wurde im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus die luwische Hieroglyphe für "Rind" verwendet.

Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets Omega (groß: Ω, klein: ω) repräsentiert unseren offenen Vokal O, und es gibt ferner den griechischen Buchstaben Omikron (groß: Ο, klein: ο), der unserem geschlossenen Vokal O entspricht. Auch der Buchstabe Omikron hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Ajin und im Arabischen wird er Ain genannt. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Auge" in Bezug gesetzt. Die Ägypter benutzen für diesen Begriff die Hieroglyphe (D4).

Der Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) hat einen deutlich größeren scheinbaren Durchmesser als der Mond. Der Sternhaufen wird von den beiden Sternen Asellus Borealis (γ Cancri, Nördlicher Esel) und Asellus Australis (δ Cancri, Südlicher Esel) eingerahmt. Die Ekliptik verläuft entlang der roten Linie; der abnehmende Mond (oben links) befindet sich nördlich und der Planet Venus (halb rechts unten) südlich der Ekliptik. Mond und Venus stehen im Sternbild Krebs (Cancer) in Konjunktion.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass der Frühlingspunkt auf der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) vor 5000 Jahren im Sternbild Stier (Taurus) zwischen den ekliptikalen Längen der beiden Sterne Aldebaran und Ain im Goldenen Tor der Ekliptik lag. Die Sonne stand zum Frühlingsbeginn, der früher auch häufig den Jahresbeginn markierte, also in Konjunktion zu diesen beiden Sternen. Während eines Sonnenjahres zog die Sonne auf ihrer kreisförmigen Bahn vom Jahresanfang bei Aldebaran bis zum Jahresende bei Ain. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen entlang der Ekliptiklinie aus dem dunklen Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik in die helleren und prachtvoll leuchtenden Regionen des Sternenhimmels. Der offene Sternhaufen Krippe (Praesepe) mit den beiden Eselsternen (siehe Abbildung) im Sternbild Krebs (Cancer) liegt zwischen dem Sternbild Zwillinge (Gemini) und dem Sternbild Löwe (Leo) genau in dieser Region hinter dem Sternbild Stier (Taurus), die im Winter nachts sehr gut am südlichen Meridian zu sehen ist.

Im Christentum werden "das Alpha und das Omega" beziehungsweise "das A und O" und "der Anfang und das Ende" im Vers 6 aus dem 21. Kapitel[26] sowie "der Erste und der Letzte" im Vers 13 aus dem 22. Kapitel der Offenbarung des Johannes auf Jesus bezogen:[27]

21,6a ... Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.
22,13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Die beiden Sterne Aldebaran (der Aleph-Stern im heutigen Sternbild Stier (Taurus)) und Ain können also nicht nur über dieses A und O mit Jesus in Verbindung gebracht werden. Über die ursprünglichen astronomischen Bedeutungen der beiden hellen Augensterne Aldebaran und Ain im Sternbild Stier (Taurus) ergibt sich ein unmittelbarer Bezug zu einem Ochsen und somit zu der frühmittelalterlichen Darstellung der Geburt von Jesus von Nazareth im Stall von Bethlehem. Ferner möge beachtet werden, dass zu Lebzeiten von Jesus von Nazareth der Frühlingspunkt mittlerweile in das Ekliptiksternbild Widder (Aries) weitergewandert war. In der altarabischen Kultur wurde dieses Sternbild "Lamm" genannt, und Jesus von Nazareth wurde im Neuen Testament auch als "Lamm Gottes" bezeichnet.

→ Siehe Das Lamm.

Der Stamm des lateinischen Wortes "asinus" (altgriechisch ὄνος = onos) für das deutsche Wort "Esel" weist eine Ähnlichkeit zum alten Buchstaben Ain auf. Auch im französischen Wort "âne" ist dieser Wortstamm zu erkennen (altfranzösisch: asne).

Mondhäuser

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Bedeckung des Sterns Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) beziehungsweise im 13. Mondhaus "Alahue" (zu Deutsch: "Heuler") des Manazil al-Qamar durch den Mond am 13. Mai 2022 um 1:05 Uhr UTC.
Bedeckung des Sterns HIP 54886 (rechts oben am Mondrand) der Größenklasse 8m im Sternbild Löwe (Leo) beziehungsweise im 11. Mondhaus "Azobra / Subra" (zu Deutsch: "Mähne") des Manazil al-Qamar durch den Mond im Altlicht und mit Erdschein am 18. Oktober 2025 um 3:49, 3:50, 3:51 und 3:53 Uhr UTC.

Der Mond kann entlang der Ekliptik nicht nur in Konjunktion mit allen anderen sechs Wandelgestirnen stehen, sondern auch mit zahlreichen ekliptiknahen Sternen. Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5,5 Bogengrad (südlich) und +5,5 Bogengrad (nördlich) können je nach ekliptikaler Breite des Mondes von ihm bedeckt werden, während er innerhalb einer guten Stunde eine bestimmte ekliptikale Länge durchläuft.

Durch die Wanderung des Frühlingspunktes in Richtung niedrigerer ekliptikaler Längen (nach Westen, respektive auf der Nordhalbkugel nach rechts) sind die heutigen ekliptikalen Längen zur astronomischen Epoche J2000.0 um knapp 28 Bogengrad größer als zur Zeit um Christi Geburt zur Epoche J0000.0. Der Frühlingspunkt bei der damaligen ekliptikalen Länge null im Sternbild Fische auf Höhe des Sternes Alpherg liegt heute daher deutlich weiter westlich im Sternbild Fische auf Höhe des Sterns Shemali.

Die Ekliptik kann in kleine, gleichgroße aneinandergereihte Mondhäuser oder Mondstationen aufgeteilt werden, in denen der Mond innerhalb eines siderischen Monats (ungefähr 27,3 Tage) sich immer rund 24 Stunden lang befindet, bevor er in Richtung Osten in das nächste Mondhaus wechselt. Alle Mondhäuser haben entlang der 360 Bogengrad langen Ekliptik demnach eine Länge von jeweils gut 13 Bogengrad. Sie sind somit schmaler als die zwölf Lebewesenkreiszeichen, in denen die Sonne innerhalb eines siderischen Jahres jeweils einen Monat lang steht und die entlang der Ekliptik eine Länge von 30 Bogengrad haben.

Jedem Mondhaus kann ein Stern oder eine kleine Sterngruppe zugeordnet werden, mit denen der Mond im Fixsternhimmel beim Aufenthalt im jeweiligen Mondhaus in Konjunktion steht. Aristoteles (384 bis 322) hat in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: "Περὶ οὐρανοῦ" / "Peri uranu") festgehalten, dass die Babylonier und die Ägypter bestimmte Konjunktionen über lange Zeit beobachtet und dokumentiert haben. In den Abendstunden des 4. Mais 357 vor Christus konnte er eine von ihm erwähnte Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) in der Nähe vom Sterns Regulus (α Leonis) beobachten, wo sich vom damals noch im Sternbild Widder befindlichen Frühlingspunkt aus gezählt das zehnte Mondhaus befindet.[28] Dieses Mondhaus hat in der indischen Systematik des  Nakshatra zum Beispiel die Bezeichnung "Magha" und in der arabischen Systematik des  Manazil al-Qamar die Bezeichnung "Algieba" bekommen.

Die Zahl Drei steht arithmetisch in unmittelbarem Zusammenhang zur Siebenundzwanzig, da die folgende Beziehung gilt:

Das unten abgebildete gleichseitige Dreieck, dessen Fläche mit regelmäßig angeordneten Punkten markiert ist, zeigt zahlreiche Beziehungen zu ganzen Zahlen, die im Zusammenhang mit dem Mond eine Rolle spielen:

  • Die vier Mondviertel zwischen Neumond, zunehmendem Halbmond, Vollmond, abnehmendem Vollmond und erneutem Neumond.
  • Die sieben Tage eines Mondviertels.
  • Die zwölf synodischen Monate eines Mondjahres.
  • Die siebenundzwanzig vollständigen Tage eines siderischen Monats.

→ Siehe auch Höhlenmalerei in der Magura-Höhle / Sonnenkalender.

→ Siehe auch Mondzyklen.

Nakshatra

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In der indischen Astronomie wurden spätestens 1000 vor Christi Geburt die Aufenthaltsorte des Mondes entlang der Ekliptik in 27 Mondhäuser eingeteilt. Bei den Indern wurde diese Einteilung in 27 Mondhäuser Nakshatra genannt, und sie haben sich dabei offenbar an der siderischen Monatslänge von 655,73 Stunden orientiert, die nur zirka einen drittel Tag länger ist als 27 Tage. Der Mond hält sich im Mittel also rund 24,3 Stunden in einem Mondhaus auf.

Daraus resultiert für jedes der 27 Mondhäuser der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau neun Viertel Mondhäuser:

Der Frühlingspunkt bleibt für knapp 956 Jahre in einem der 27 Mondhäuser, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert.

Auch im Tibet wurden ab dem 8. Jahrhundert 27 Mondhäuser verwendet, die im 11. Jahrhundert im Kālacakratantra verschriftlicht worden sind.

Die 27 Mondhäuser des Nakshatra:

  1. Ashvini
  2. Bharani
  3. Krittika (Plejaden)
  4. Rohini (der rötliche Aldebaran)
  5. Mrigashirsha
  6. Ardra
  7. Punarvasu
  8. Pushya
  9. Ashlesha
  10. Magha
  11. Purva Phalguni
  12. Uttar Phalguni
  13. Hasta
  14. Chitra
  15. Svati
  16. Vishakha
  17. Anuradha
  18. Jyeshtha
  19. Mul
  20. Purvashadha
  21. Uttarashadha
  22. Shravan
  23. Shravishtha
  24. Shatabhisha
  25. Purva Bhadrapada
  26. Uttar Bhadrapada
  27. Revati

Manazil al-Qamar

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Quadratische Himmelskarte mit den sieben Wandelgestirnen (innen), den zwölf Lebewesenkreiszeichen (Mitte) und den 28 Mondhäusern samt den jeweiligen Mondphasen nach einem Neumond zu Frühlingsbeginn (außen) im Manuskript Zubdat-al Tawarikh von 1583 (Museum der Türkischen und Islamischen Künste in Istanbul). Der Frühlingspunkt befindet sich unten in der Mitte.
Die in Niederösterreich gefundene und aus Sandstein gefertigte Gussform für die Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christus). Auf der Stachelscheibe sind die 28 Mondorte der Tage eines siderischen Monats durch eine kreisförmige Lochreihe dargestellt.

Bei den Arabern wurde die Einteilung in 28 Mondhäuser etwas später Manazil al-Qamar genannt, wobei die siderische Monatslänge hierfür um zwei drittel Tage aufgerundet wurde. Der Mond hält sich im Mittel also nicht genau 24 Stunden, sondern nur rund 23,4 Stunden am Stück in einem Mondhaus auf.

Der Vorteil dieser Einteilung ist jedoch, dass 28 ohne Rest sowohl durch vier, als auch durch sieben teilbar ist. Hierdurch ergibt sich, dass das siebtnächste Mondhaus auf dem Kreis der Ekliptik immer genau im rechten Winkel und auf der nördlichen Halbkugel der Erde somit rechtläufig (prograd) im benachbarten Quadranten steht. Jedem Quadranten werden genau sieben Tage zugeordnet, was exakt den sieben Tagen einer Woche respektive eines Mondviertels entspricht. Im Sonnenjahr entspricht jeder dieser Quadranten einer Jahreszeit mit drei Monaten. Demzufolge sind sieben Mondhäuser auf der Ekliptik genauso lang wie drei Monate, beziehungsweise alle 28 Mondhäuser sind auf der Ekliptik genauso lang wie zwölf Monate. Daraus resultiert für jedes Mondhaus der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau sieben Drittel Mondhäuser:

Die Sonne wandert innerhalb eines siderischen Jahres definitionsgemäß exakt einmal vollständig entlang der Ekliptik durch den Lebewesenkreis und bleibt währenddessen daher gut 13 Tage und eine Stunde in jedem Mondhaus:

Die Zyklusdauer für die vollständige Wanderung des Frühlingspunktes durch die Ekliptik beträgt zirka 25800 Jahre. Der Frühlingspunkt bleibt also für gut 921 Jahre in einem Mondhaus, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert:

Die 28 Mondhäuser des Manazil al-Qamar:

  1. Scheratan oder Alnath
  2. Albotayn / Botein
  3. Azoraya / Thuraya (Plejaden)
  4. Aldebaran
  5. Alhachaa / Heka
  6. Alhanhaa / Alhena
  7. Aldirah
  8. Annathra
  9. Altarf
  10. Algieba
  11. Azobra / Subra
  12. Asarfa
  13. Alahue
  14. Azimech
  15. Algafra
  16. Azobene
  17. Aliclil
  18. Alcalb
  19. Axaula / Schaula
  20. Alnahayn
  21. Albelda
  22. Sadalzabih / Dabih
  23. Sadebolah / Albali
  24. Sadalsuud
  25. Sadalachbia
  26. Alfarg Almacadam
  27. Alfarg Almuehar
  28. Baten Alhut
Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über.

Animierte Variante der Abbildung:

Bundahischn

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Der Text des mittelpersischen Bundahischn behandelt die Urschöpfung im Kontext der zoroastrischen Religion. Gleichzeitig stellt er den Stand der präzoroastrischen iranischen Glaubenswelt dar. Im zweiten Kapitel werden neben den zwölf Sternbildern des Zodiaks auch 28 Mondhäuser aufgezählt:

  1. Padêvar / Padewar
  2. Pes / Pêsh-Parviz
  3. Parviz / Parwez (Plejaden)
  4. Paha
  5. Avêsar / Avecr / Abesar / Azesar
  6. Besn / Basn / Beshn
  7. Rakhvad / Rakhvat / Raavad / Raxwat
  8. Taraha
  9. Avra / Awra / Azara
  10. Nahn / Naxw
  11. Mivên / Mivan / Mayan / Maian
  12. Avdem / Abdom
  13. Mâshâha / Mâsâha
  14. Spûr / Cpûr / SPor
  15. Husru / Hucru / Husraw
  16. Srob / Crob / Sru / Sroi
  17. Nur
  18. Gel / Gêr / Gil / Gelu
  19. Garafsa / Grafsa / Grafsha
  20. Varant / Wanand
  21. Gau / Gao / Ga
  22. Goi / Gôî / Goy
  23. Muru / Muri
  24. Bunda / Bunza
  25. Kahtsar / Kathcr
  26. Vaht / Kahtmayan
  27. Miyân / Mian /Mayan
  28. Kaht

Chinesische Mondhäuser

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Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), oben der Winter (Norden), rechts der Herbst (Westen, in der Mitte der Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") und unten der Sommer (Süden).

Auch in der chinesischen Astronomie werden 28 Mondhäuser verwendet. Auch diese sind in vier Quadranten mit je sieben Mondhäusern aufgeteilt, die für die vier Himmelsrichtungen beziehungsweise die vier Jahreszeiten stehen.

Diese vier Richtungen werden durch die chinesischen Sternbilder repräsentiert:

  • "Blauer Drache des Ostens" - Frühling
  • "Roter Vogel des Südens" - Sommer
  • "Weißer Tiger des Westens" - Herbst
  • "Schwarzer Krieger des Nordens" - Winter

Die Plejaden (chinesisch Mǎo) liegen in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markieren den Herbstpunkt auf der Ekliptik.

Ägyptische Königselle

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Im Zusammenhang mit den Teilern vier und sieben der Zahl 28 sei erwähnt, dass eine altägyptische (große) Königselle ("Meh" oder "meh-nesut") sieben Handbreit ("Schesep") lang war und ein Handbreit wiederum vier Fingerbreit ("Djeba"). Multipliziert ergibt sich, dass die Königselle 28 Fingerbreit lang war.

Der Saturn

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Der Saturn bewegt sich mit einer siderische Umlaufzeit von gut 29 Jahren entlang der Ekliptik in Richtung Osten. Dies bedeutet, dass er fast genau ein Mondhaus des Manazil al-Qamar (28 Mondhäuser entlang der Ekliptik) pro Sonnenjahr weiterzieht. Mit anderen Worten erreicht ihn zum Beispiel der Mond nach der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling in jedem Jahr ein Mondhaus weiter in Richtung Osten stehend als im Vorjahr.

Biblische Bezüge

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Eine weitere Koinzidenz der Zahlen 7 und 28 taucht im ersten Vers der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Bereschit, erstes Buch Mose) auf.

Der Vers lautet auf Hebräisch (von rechts nach links):

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

Im hebräischen Original hat der Vers 7 Wörter mit insgesamt 28 Buchstaben.

Mit lateinischen Buchstaben geschrieben lautet dies ungefähr folgendermaßen:

bereschit bara elohim et haschamaijim weet haarez

Die lateinische Vulgata enthält hier die folgenden sieben Wörter:

In principio creavit Deus caelum et terram.

In der Einheitsübersetzung ins Deutsche besteht der erste Satz der Bibel ebenfalls aus sieben Wörtern:

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Dass die Einteilung in Mondhäuser im Altertum wichtig und üblich war, ist durch den Propheten Habakuk in seinem Psalm in Kapitel 3 aus dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert belegt:[29]

10 Wenn sie dich sehen, erbeben die Berge,
das Tosen der Wasser rauscht vorüber; es erhebt die Urflut ihre Stimme,
hoch oben vergisst die Sonne ihre Strahlen.
11 Der Mond bleibt in der Behausung;
als Beleuchtung schwirren deine Pfeile,
als heller Schein das Blitzen deiner Lanze.

Möglicherweise sind die Kammern des Südens, die der Prophet Hiob im 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ seines Buches erwähnt, gar kein Sternbild, zumal sie nicht als Eigenname beziehungsweise in Großschreibung verwendet werden. Eventuell handelt es sich um die jeweiligen rund sieben Mondhäuser, die gut sichtbar und hoch über dem Horizont je nach Jahreszeit in südlicher Richtung zu sehen sind.[30]

→ Zu den entsprechenden hebräischsprachigen Bezügen siehe auch unter dem Stichwort "Mazzaroth" im Kapitel Plejaden / Bibelstellen.

Einheitsübersetzung (2016):

9 Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.

Vulgata:

9 Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.

Septuaginta:

9 ὁ ποιῶν Πλειάδα καὶ Εσπερον καὶ Αρκτοῦρον καὶ ταμιεῖα νότου.

Einzelnachweise

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  1. Kocku von Stuckrad: Das Ringen um die Astrologie: Jüdische und christliche Beiträge zum antiken Zeitverständnis, Kapitel VIII Die Astrologie im christlichen Kanon, Walter de Gruyter, 2011, ISBN 9783110818666
  2. Genesis 1, Einheitsübersetzung, 2016
  3. Jesus Sirach 43,6-8, Einheitsübersetzung, 2016
  4. Joel 3, Einheitsübersetzung, 2016
  5. Apostelgeschichte 2, Einheitsübersetzung, 2016
  6. Offenbarung des Johannes 6, Einheitsübersetzung, 2016
  7. Willy Hartner: Das Datum Der Shih-Ching-Finsternis, in: T’oung Pao (internationale Zeitschrift für Sinologie), Band 31, Nummer 3/5, 1935, Seiten 188 bis 236.
  8. Antione Gaubil: "Époques des règnes des emperenrs Yeou-vang et Suen-vang, et de la première année de l'empereur Ping-vang", in: "Traité de la Chronologie Chinoise", Teil 3, Seiten 215 bis 218, 17. September 1749, Paris, 1814
  9. Aristoteles: Meteorology, Teil 6, Buch I, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von Erwin Wentworth Webster (* 1880; † 1917)
  10. Ernst Friedrich Weidner: Gestirndarstellungen auf babylonischen Tontafeln, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag Böhlau, Wien, 1967
  11. Nach Wayne Horowitz, Alestine Andre und Ingrid Kritsch: The Gwich’in Boy in the Moon and Babylonian Astronomy, Arctic Anthropology, Volume 55, Number 1, Seiten 91 bis 104, 2018, ISSN 0066-6939
  12. Matthäus 2, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  13. Daniel Leon: Der ›Stern von Bethlehem‹ oder das astronomische Jahrtausend-Ereignis des Jahres 7/6 BC, Himmelskrieger, 24. Dezember 2016
  14. Herold Mönch: Der Stern von Bethlehem - Astronomische Deutungsversuche, in: Wege in der Physikdidaktik, Band 3, Verlag Palm & Enke, Erlangen, 1993
  15. Siehe auch Richard Hinckley Allen: Star Names - Their Lore and Meaning, Virgo, γ, Binary and slightly variable, 3 and 3.2, white, Dover, 1963
  16. Pseudo-Matthäusevangelium, lateinisch nach der Edition von Constantin Tischendorf, Leipzig, 1853, ins Deutsche übersetzt von Hans Zimmermann, Weihnachten 2006
  17. Jesaja 1,3a, Einheitsübersetzung, 2016
  18. Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung, Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat (De civitate Dei: "De prophetia quae in oratione Ambacu et cantico continetur")
  19. Sacharja 9,9, Einheitsübersetzung, 2016
  20. Markus 1,1-11, Einheitsübersetzung, 2016
  21. Johannes12,14-15, Einheitsübersetzung, 2016
  22. Johann Elert Bode: Deutliche Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, "Zum gemeinnützigen und beständigen Gebrauch", Seite 296, Dieterich Anton Harmsen, Hamburg, 1772
  23. Siehe auch Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  24. Damond Benningfield: Das rote Stierauge, Deutschlandfunk, 16. Januar 2000
  25. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  26. Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  27. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  28. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  29. Habakuk 3,10-11, Einheitsübersetzung, 2016
  30. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, sechstes Kapitel "Früheste astronomische Beobachtungen", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889


Kalenderführung

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Ein Kalender zählt Tage, Wochen, Monate, Jahreszeiten und Jahre. Viele Indizien deuten darauf hin, dass diese Zeiteinheiten bereits in der Steinzeit verwendet und gezählt wurden, und dass hierbei auch astronomische Phänomene beobachtet wurden.

Die vier Jahreszeiten

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Die vier Jahreszeiten beim Umlauf der Erde um die Sonne.

Die Aufteilung eines Sonnenjahres in die vier aufeinanderfolgenden Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter ergibt sich zwanglos aus der Beobachtung des Sonnenlaufs:

Sonnenzyklus
Jahreszeit Sonne
Frühling Tag-und-Nacht-Gleiche
Sommer Sommersonnenwende
Herbst Tag-und-Nacht-Gleiche
Winter Wintersonnenwende

Dass der Frühling häufig als erste Jahreszeit gezählt wird, hängt vermutlich damit zusammen, dass sich die Attribute der Jahreszeiten in einem Lebenszyklus widerspiegeln:

Attribute der Jahreszeiten
Jahreszeit Attribute
Frühling Saat, Blüte, Geburt
Sommer Wachstum, Wärme, Helligkeit
Herbst Reife, Ernte
Winter Tod, Kälte, Dunkelheit

→ Siehe auch Die vier Königssterne.

→ Siehe auch Bedeutung der Vier in Religionen.

Der Frühlingsbeginn

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Das System der fünf Belchen.

Der astronomische Frühlingsbeginn ist als der Zeitpunkt im Frühjahr definiert, an dem die Sonne an jedem Punkt der Erde (außer an den beiden Polen) genau im Osten aufgeht und genau im Westen untergeht. An diesem Tag befindet sich die Sonne in ihrem → Frühlingspunkt, und sie steht zwölf Stunden oberhalb und zwölf Stunden unterhalb des Horizonts. Deswegen wird dieser Zeitpunkt auch Tag-und-Nacht-Gleiche genannt. Ein halbes Jahr später, beim astronomischen Herbstbeginn, steht die Sonne in ihrem Herbstpunkt und es herrscht erneut eine Tag-und-Nacht-Gleiche, jedoch werden die Tageslichtperioden im Gegensatz zum Frühling nun nicht länger, sondern kürzer.

→ Siehe auch Osterdatum / Der Frühlingsbeginn.

Schon im Altertum bestand im Dreiländereck von Deutschland, der Schweiz und Frankreich die Möglichkeit der zeitlichen Orientierung und der Bestimmung der Tag-und-Nacht-Gleichen anhand eines Systems von fünf Berggipfeln, die Belchen genannt werden:

→ Siehe Das Belchen-System.

Das Osterdatum

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Der erste Frühlingsvollmond am Gründonnerstag 2023,

Das Osterdatum ist mit dem ersten Auftreten eines Vollmonds nach dem Frühlingsbeginn verknüpft. Dies orientiert sich an Jahrtausende alten sumerischen Schaltregeln, die für die Führung von Lunisolarkalendern mit zwölf Monaten entwickelt wurden. In bestimmten Jahren wurde nach den zwölf regulären Monaten ein weiterer Monat eingeschaltet, damit das Kalenderjahr mit dem Sonnenjahr synchronisiert werden konnte und der Frühlingsbeginn wieder im ersten Monat des Kalenderjahres lag. Beim sumerischen Lunisolarkalender war der erste Tag eines Monats mit dem Auftauchen der Mondsichel des Mondes nach Neumond, dem sogenannten Neulicht, verknüpft. Deswegen trat der nachfolgende Vollmond stets am 15. Tag des Monats auf.

Im gregorianischen Kalender liegt der Frühlingsbeginn um den 20. März. Das Osterfest wird in der Regel an dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

→ Siehe Osterdatum.

Das Sonnenjahr

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Eine Nachmittagssonne mit Sonnenflecken.

In der Astronomie ist mit dem Sonnenjahr im Allgemeinen die Zeitdauer gemeint, die die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne benötigt. Bei genauerem Differenzieren können die folgenden Fälle unterschieden werden:

  • Das tropische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die mittlere Länge der Sonne um 360° zunimmt, also zum Beispiel von einer Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling bis zur nächsten. Dies berücksichtigt die langfristige Verschiebung des Frühlingspunkts auf der Ekliptik.
  • Das siderische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die Sonne von der Erde aus gesehen wieder den gleichen Fixstern erreicht. Es berücksichtigt als nicht die Verschiebung des Frühlingspunktes und dauert demzufolge rund zwanzig Minuten länger als das tropische Jahr.
  • Das anomalistische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die Erde erneut ihren sonnennächsten Punkt (das Perihel) erreicht. Durch die Periheldrehung der Erdbahn ist dieses Jahr um knapp fünf Minuten länger als das siderische Jahr.

Schalttage

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In modernen Sonnenkalendern besteht das Problem, dass der Umlauf der Erde um die Sonne nicht synchron mit der Rotation der Erde um ihre eigene Achse erfolgt. Zum Ausgleich der entsprechenden Differenz muss ungefähr alle vier Jahre ein Schalttag eingeführt werden, der nach dem ursprünglich letzten Tag des Jahres, dem 28. Februar, als 29. Februar eingeschaltet wird.

Die ursprüngliche Reihenfolge der Monate beruht wie bei den meisten Lunisolarkalendern darauf, das das Jahr nach dem Winter in dem Monat der Tag-und-Nacht-Gleiche beginnt, also mit dem März. Deswegen heißen der ursprünglich siebente, achte, neunte und zehnte Monat auch heute noch nach den lateinischen Zahlwörtern September, Oktober, November und Dezember. Bei der Einführung des Julianischen Kalenders unter dem römischen Kaisers Gaius Iulius Caesar im Jahr 45 vor Christus wurden die beiden letzten Monate des Jahres Januar und Februar an den Jahresanfang gesetzt, so dass die Kalenderjahre nunmehr mit dem Neujahrstag am 1. Januar begannen.

→ Siehe auch Vergleich von Jahreslängen.

Das Mondjahr

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Erschein im Mondschatten mit dem Neulicht des Mondes, bei dem die Monate eines Mondkalenders meistens beginnen.

Der Monat

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→ Siehe Mondzyklen / Monat

Die Siebentagewoche

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Heptagramm mit den drei Anfangsbuchstaben der lateinischen Bezeichnungen der die Wochentage benennenden Himmelskörper.

Die jeweils sieben Wochentage der vier Mondphasen sind nach den sieben Wandelgestirnen benannt. Alle sieben seit jeher mit bloßem Auge zu sehenden und gegenüber dem Sternhimmel beweglichen Gestirne bewegen sich von der Erdoberfläche aus gesehen scheinbar entlang der Ekliptik um die Achse zwischen den beiden Ekliptikpolen. Schon in der größten griechischen Stadt Böotiens, Theben, der Stadt der sieben Tore, sollen vor fast 3000 Jahren die sieben Stadttore diesen sieben Wandelgestirnen in der Reihenfolge der Wochentage zugeordnet gewesen sein. Möglicherweise war diese Reihenfolge von den phönizischen Gründern der Stadt mitgebracht worden.[1]

Diese sieben Himmelsobjekte, die sich gegenüber dem Fixsternhimmel je nach den Entfernungen von der Erde und von der Sonne mehr oder weniger schnell bewegen, sind im Folgenden angegeben. Die Tatsache, dass sie nur über ihre (siderischen) Umlaufzeiten geordnet in einem Heptagramm dargestellt werden können, das ausgehend von der oben dargestellten Sonne die bekannte Reihenfolge der Wochentage ergibt, ist ein Indiz dafür, dass die Kenntnis aller Umlaufzeiten eine Voraussetzung für diese Reihenfolge ist:

Die sieben sich in der Ekliptik gegenüber dem Fixsternhimmel bewegenden Himmelskörper
Himmels-
körper
Symbol Siderische
Umlaufzeit
in Tagen
Siderische
Umlaufzeit
in Monaten
Siderische
Umlaufzeit
in Jahren
Scheinbare
Helligkeit
Bahnneigung
zur Ekliptik
Maximale
Elongation
Lateinische
Bezeichnung
des Wochentags
Gottheiten Wochentag Nummer
Mond 27,3 0,90 0,075 -13m 5,1° 180° dies lunae Mani Montag 2
Merkur 77 2,5 0,21 -2m 7,0° 28° dies Mercuri Odin / Wotan / Wodan Mittwoch 4
Venus 225 7,4 0,62 -5m 3,4° 48° dies Veneris Frija / Frigg / Frigga Freitag 6
Sonne 365,25 12,0 1,00 -27m 0,0° dies solis Sol / Sunna Sonntag 1
Mars 687 22,6 1,88 -3m 1,9° 180° dies Martis Tiu / Ziu / Tyr Dienstag 3
Jupiter 4333 142,4 11,9 -3m 1,3° 180° dies Iovis Thor / Donar / Thunar Donnerstag 5
Saturn 10760 353,5 29,5 -0,5m 2,5° 180° dies Saturni Saturn Samstag 7

Die Siebentagewoche und die Bezeichnungen der sieben Wochentage gehen also auf diese sieben Himmelskörper zurück. Die Sonne ist mit großem Abstand das hellste dieser Himmelsobjekte, und außer ihr kann nur der Mond zu allen Tageszeiten am Taghimmel gesehen werden. Auch die Planeten sind als kleine leuchtende Scheibchen sichtbar, deren Durchmesser ist jedoch so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht als flächenhaft wahrgenommen werden können.

→ Siehe auch Mondzyklen.

Schaltmonate

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Die Mesopotamier führten schon seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend einen Lunisolarkalender mit zwölf synodischen Monaten. Der synodische Monat - von Neumond zu Neumond - hat eine Länge von 29,530589 Tagen. Wegen der Differenz zwischen tropischem Jahr und dieser Mondperiode wurden innerhalb einer Meton-Periode von neunzehn Jahren insgesamt sieben Schaltmonate jeweils am Ende eines entsprechenden Jahres nach dem zwölften Monat Addaru als dreizehnter Monat Addaru II eingeschoben, um den → Frühlingspunkt im ersten Monat des Jahres halten zu können. Nach zwölf synodischen Mondperioden wurde das elftägige → Neujahrsfest Akiti gefeiert, um die Differenz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr zu überbrücken. Dieser babylonische Lunarkalender wurde später von den Juden übernommen.

→ Siehe auch Plejaden / Schaltregeln.

Der Zählknochen aus dem Vercors

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In der  Grotte de Thaïs im französischen Vercors wurde ein über 12000 Jahre alter Zählknochen gefunden, mit dem vermutlich der Mondzyklus verfolgt wurde. Es gibt mehrere Reihen mit Ritzungen, die den täglichen Mondphasen eines synodischen Monats entsprechen. Einige dieser Reihen sind sogar auf sinusförmigen Bögen, so dass eventuell sogar die bei aufmerksamer Beobachtung leicht zu bemerkenden aufsteigenden und abfallenden Mondknoten festgehalten wurden:

Auf dem Knochen, der in den Höhlen von Thais bei Saint-Nazaire-en-Royans gefunden wurde, gibt es auch Reihen mit 28 bis 30 Kerben, die der Anzahl der Tage der Mondphasen in Mondzyklen entsprechen. Teilweise sind die Kerben in Wellenform dargestellt, die der schwankenden ekliptikalen Breite bei aufsteigendem und absteigendem Mond entsprechen.

Frühgeschichtliche Observatorien

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Frühgeschichtliche Bauwerke stehen für sich, da es keine schriftlichen Zeugnisse aus ihrer Entstehungs- und Nutzungszeit gibt. Anhand von astronomischen Indizien können Mutmaßungen über ihren Verwendungszweck ermittelt werden. Häufig handelt es sich um Tempelanlagen oder  Kreisgrabenanlagen. Anhand des Wasserspiegels im Kreisgraben konnte an jeder Stelle die Horizontale bestimmt werden. Somit war es auch ohne großen Aufwand möglich, die Höhen der Oberkanten von Steinsäulen oder von Palisaden auszurichten und anzugleichen.

Die Grubenanlage in Aberdeenshire

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Karte
Warren Field.

Die Entwicklung der Fähigkeit, Zeit zu messen, dürfte zu den wichtigsten Errungenschaften menschlicher Gesellschaften zählen. Die in Aberdeenshire in Schottland ausgegrabene, insgesamt fast einhundert Meter langgestreckte Grubenanlage bei Warren Field östlich von Crathes Castle, direkt nördlich vom Castle Driveway Path sowie westlich vom dortigen Mühlenteich wurde auf das 8. Jahrtausend vor Christus datiert und scheint zur Führung eines Kalenders gedient zu haben. Die Gruben befinden sich auf ungefähr 50 Meter Höhe über dem Meeresspiegel an einer markanten topografischen Stelle, die mit dem Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende und den Mondwenden in südöstlicher Richtung zum zirka sechs Kilometer entfernten, 230 Meter hohen Slug Road Pass (Straße A957) in Verbindung gebracht wird. Ferner scheinen diese Gruben auch mit den von dort zu beobachtenden Mondphasen korreliert zu sein. Es deutet vieles darauf hin, dass schon damals die Steinzeitmenschen in Schottland sowohl das Bedürfnis als auch die Fähigkeit hatten, die Tage innerhalb eines Monats und eines Jahres zu zählen und mitzuverfolgen.[2]

Goseck

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Modellzeichnung von Goseck aus der Vogelperspektive.

Vermutlich wurden viele Kreisgrabenanlagen im Altertum auch für die Beobachtung von Auf- und Untergängen verwendet. Hierbei ergibt sich, dass der Sonnenaufgang jahreszeitlich um den Punkt im Osten und der Sonnenuntergang um den Punkt im Westen pendelt. Der Sonnenhöchststand wird jeden Tag bei der Kulmination der Sonne auf dem südlichen Meridian erreicht, so dass die Schatten genau dann während des betreffenden Tages stets am kürzesten sind. Zu den beiden Sonnenwenden werden im Sommer der größte Tagbogen und im Winter der kleinste Tagbogen erreicht. Dies gilt unabhängig von der Epoche und der Lage des Frühlingspunktes auf der Ekliptik, da der Frühlingspunkt ja zu jeder Epoche genau als der Punkt auf der Ekliptik definiert ist, in dem die Sonne bei der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr steht.

Zum Frühlings- und Herbstbeginn, wenn es eine Tag-und-Nacht-Gleiche gibt, geht die Sonne im Horizontsystem also jeweils senkrecht zum südlichen Meridian im Osten auf und im Westen unter. Es ist interessant, dass bei einer der ältesten Kreisgrabenanlagen, die seit einigen Jahren in Goseck in Sachsen-Anhalt rekonstruiert ist, der Sonnenaufgang bei der Tag-und-Nacht-Gleiche aus der Mitte der Anlage gesehen exakt auf dem geometrischen und gleichzeitig auch auf dem natürlichen Horizont stattfindet. Dies bedeutet, dass sich die Sonne um sechs Uhr morgens bei einer Höhe von 0 Bogengrad (Zenitdistanz = 90 Bogengrad) und bei einem Azimut von 90 Bogengrad befindet:

Die  Kreisgrabenanlage von Goseck liegt in Sachsen-Anhalt ist fast 7000 Jahre alt. Sie hat einen Durchmesser von 75 Meter und konnte zur Beobachtung des Sonnenzyklus verwendet werden. Die Anlage wurde 1991 entdeckt und 2005 rekonstruiert.[3]

In dem leicht hügeligen Gelände weist der Blick des Beobachters von der Mitte der Anlage in Richtung Osten (Azimut 90°) sowohl genau auf den natürlichen Horizont als auch auf den geometrischen Horizont, also exakt im rechten Winkel zur Zenitrichtung (Zenithöhe 90°) und genau auf den Aufgangspunkt der Sonne am Morgen der Tag-und-Nacht-Gleichen:

Der Himmelsäquator schneidet vom Zentrum der Kreisgrabenanlage aus gesehen sowohl den natürlichen Horizont (Gelände) als auch den geometrischen Horizont (horizontale Linie) exakt im Osten. Bei den Tag-und-Nacht-Gleichen schneidet auch die Ekliptiklinie diesen Punkt, und man sieht die Sonne von dort folglich um sechs Uhr Ortszeit exakt in östlicher Himmelsrichtung aufgehen. Darstellung des Sonnenaufgangs zur Tag-und-Nacht-Gleiche um sechs Uhr morgens Ortszeit bei Frühlingsbeginn (Sonne im Frühlingspunkt) beziehungsweise bei Herbstbeginn (Sonne im Herbstpunkt) vom Zentrum der Kreisgrabenanlage in Goseck genau auf der Horizontlinie (geometrische Höhe = 0).

→ Siehe auch Der Horizont.

Ferner ist auffällig, dass die Anlage in leicht abschüssigem Gelände errichtet wurde. Die höchste Erhebung befindet sich exakt in südlicher Richtung, wo das Gelände in rund 600 Metern Entfernung zwanzig Meter höher ist als in der Mitte der Kreisgrabenanlage. Hieraus resultiert, dass der natürliche Horizont hier ungefähr zwei Bogengrad über dem geometrischen Horizont liegt, sofern keine Bäume die Sicht auf den natürlichen Horizont verwehren. Dies reichte trotz der → Extinktion von Licht in der Atmosphäre aus, um alle Himmelskörper mit einer scheinbaren Helligkeit von mindestens einer Magnitude bei der oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian beobachten zu können. Solche Anlagen waren nicht nur für die Beobachtung des jährlichen Sonnenlaufs, sondern insbesondere auch für die zuverlässige und langfristige Beobachtung der → Mondwenden hilfreich und von großer Bedeutung.

In den folgenden Jahrtausenden wurden in Europa zahllose weitere Kreisgrabenanlagen errichtet

Bochow

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Modell (1:100) des Woodhenge von Bochow mit Langhäusern aus 2023.

Die Kreisgrabenanlage von Bochow südlich von Jüterbog in Brandenburg wurde im Mittelneolithikum vor rund 6700 Jahren errichtet.[4] Auch bei dieser Anlage war der nordöstliche Eingang in Richtung zum Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende angelegt.

Mnajdra

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Blick auf den östlichen Kalenderstein vom Tempel Mnajdra auf Malta (Bildmitte).
Lochreihen auf dem östlichen Kalenderstein vom Tempel Mnajdra auf Malta.

Die beiden großen Tempel der steinzeitlichen Anlage von Mnajdra an der südlichen Küste der Mittelmeerinsel Malta waren so ausgerichtet, dass sie für die Beobachtung des Sonnen - und Mondlaufs eingesetzt werden konnten. Der ältere kleine Tempel ist zirka 5800 Jahre alt und hat einen interessanten → Kalenderstein mit Lochreihen, die darauf hindeuten, dass hier der 19-jährige → Meton-Zyklus beobachtet wurde.

Der südliche Tempel von  Mnajdra an der Südküste Maltas ist zum östlichen Horizont ausgerichtet und konnte als Beobachtungs- und als Kalenderstätte genutzt werden. Zu den Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinokitien) fällt das Sonnenlicht entlang der Hauptachse durch das Haupttor des Tempels. Zu den Sonnenwenden (Solstitien) fällt das Sonnenlicht auf die Ränder der Stelen links und rechts von der Hauptachse.[5]

Im alten nordwestlichen Teil der Tempelanlage wurde ein über 5000 Jahre alter Kalenderstein gefunden, mit dem ein langjähriger Mond-Sonnen-Kalender geführt werden konnte. Die Anzahl der Löcher in den jeweiligen Reihen sind zum Abzählen verschiedener astronomischer Zyklen verbunden:

  • 19 Löcher: Für die 19 Jahre eines Meton-Zyklus' (235 synodische, 255 drakonitische, 254 siderische Monate beziehungsweise 6940 Tage). Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase, die gleiche ekliptikalen Breite und die gleiche ekliptikale Länge (zum Beispiel im Frühlingspunkt).
  • 16 Löcher: Für die 16 Tage vom Altlicht des Mondes bis zum Vollmond.
  • 13 Löcher: Für die 13 Tage vom Vollmond bis zum nächsten Altlicht.

Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase erreicht.

  • 7 Löcher: Für die 7 vollständigen Tage eines Mondviertels respektive einer Woche. Links daneben drei Löcher zum Wochenübertrag für die bereits vollendeten Mondviertel in einem laufenden Monat.
  • 25 Löcher: Für die jeweils 25 zu- oder abnehmenden Monde in einem Sonnenjahr.
  • 11 Löcher: Für die 11 überzähligen Tage in einem Sonnenjahr im Vergleich zu den zwölf synodischen Monaten eines Mondjahres
  • 53 Löcher: Für die begonnenen 53 Siebentagewochen in einem Sonnenjahr.

→ Siehe auch Kalenderstein vom Tempel Mnajdra.

Für die Beobachtung der ekliptikalen Mondhöhen im Frühlingspunkt konnte in damaliger Zeit (Tarxien-Epoche) auch die mindestens 4500 Jahre alte Himmelstafel aus Kalkstein verwendet werden, die in einem anderen maltesischen Tempel in Tal-Qadi gefunden wurde.

→ Siehe auch Die Himmelstafel von Tal-Qadi.

Stonehenge

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Heutiger Zustand der Steinkreise von Stonehenge.

Die mit Abstand bekannteste prähistorische Anlage in England ist  Stonehenge. Das erste Bauwerk in Stonehenge entstand vor rund 5000 Jahren, hatte einen Durchmesser von rund 115 Metern und bestand aus einem kreisförmigen Wall mit einem ihn umfassenden Graben. Direkt innerhalb des Walls von Stonehenge lag ein Kreis aus 56 Löchern mit regelmäßigen Abständen, die nach ihrem Entdecker John Aubrey Aubrey-Löcher genannt werden.

Pömmelte

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Die  Kreisgrabenanlage von Pömmelte wurde vor rund 4000 Jahren aus Holzpalisaden errichtet und hat eine auffällige und verblüffende Ähnlichkeit mit den Steinkreisen aus Stonehenge. Sie wurde 1991 entdeckt und 2016 rekonstruiert.

Yazılıkaya

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Die Kammer A des Felsheiligtums Yazılıkaya.

 Yazılıkaya (türkisch für „beschriebener Fels“) ist ein Felseort in der Türkei der für seine Felsentempel und rituellen Skulpturen aus der Hethiterzeit vor zirka 4100 bis 3200 Jahren bekannt ist. Es liegt zwei Kilometer nordöstlich der damaligen Hauptstadt Ḫattuša in der türkischen Provinz Çorum beim heutigen Ort Boğazkale.

Die Steinreliefs stellen Götter und mythologische Szenen dar. Die Felsinnenwände zeigen eine Prozessionsdarstellung mit einer Gemeinschaft von Göttern, oft in Reihen hinter einem Tempel- oder Kultplatz. Die monumentalen Relieftafeln betonen Ordnung, Hierarchie und kosmische Ordnung, typisch für hethitische Religion und Kultaktivitäten. Einige Forscher vermuten, dass die Positionen bestimmter Reliefs, Nischen oder Prozessionstüren auf Licht- und Schattenwechsel rund um Sonnenaufgang beziehungsweise Sonnenuntergang zielen, um bestimmte Jahreszeiten identifizieren zu können. Die Orientierung der Felsräume könnte Bezüge zu den Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen haben. Yazılıkaya bietet ein Beispiel dafür, wie antike Religion und Astronomie miteinander verknüpft gewesen sein könnten.[6]

Papoura

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Grundriss des archäologischen Strukturen auf dem kretischen Hügel Papoura.

Auf dem fast 500 Meter hohen Berg  Papoura (griechisch: Παπούρα) auf der griechischen Insel Kreta befindet sich eine große minoische Anlage mit acht konzentrischen Kreisen und einem Durchmesser von 48 Metern. Die Anlage wurde im Juni 2024 entdeckt und auf die Altpalastzeit zwischen 2000 und 1700 vor Christus datiert.[7]

In südlicher Himmelsrichtung reicht der freie Blick vom Gipfel aus in den Himmel über dem Libyschen Meer. Dort konnte die obere Kulmination von hellen Sternen auf dem südlichen Meridian auch in sehr geringen Höhen beobachtet werden, so wie zum Beispiel seit gut 4000 Jahren die des Sterns Canopus.

→ Siehe auch Kreta / Papoura.

Einzelnachweise

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  1. Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 17. Band, Wilhelm Lotz : Kapitel Woche, Seite 255, Johann Conrad Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig, 1886
  2. Gaffney, V., Fitch, S., Ramsey, E., Yorston, R., Ch'ng, E., Baldwin, E., Bates, R., Gaffney, C., Ruggles, C., Sparrow, T., McMillan, A., Cowley, D., Fraser, S., Murray, C., Murray, H., Hopla, E. and Howard, A.: Time and a Place: A luni-solar 'time-reckoner' from 8th millennium BC Scotland, Internet Archaeology 34, 2013
  3. Oliver Dietrich: Opferstätte und astronomisches Observatorium. Neue Erkenntnisse zur mittelneolithischen Kreisgrabenanlage von Goseck, Informationsdienst Wissenschaft, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, 8. August 2023
  4. Michael Meyer: Die mittelneolithische Kreisgrabenanlage von Bochow, Landkreis Teltow-Fläming. In: W. de Bruyn (Herausgeber), Georadar und andere zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden von Bodendenkmälern. Grenzen und Möglichkeiten. Internationale Fachtagung in Storkow (Mark), Neuenhagen, 2005, Seiten 163-174.
  5. Tore Lomsdalen: Is There Evidence of Intetionality of Sky Involvement in the Prehistoric Megalithic Sites of Mnajdra in Malta?, Thesis Master of Arts, University of Wales, Trinity Saint David, 2013
  6. Edwin C. Krupp und Eberhard Zangger: Die symbolische Darstellung des Kosmos im hethitischen Felsheiligtum Yazılıkaya, Archäologie online, 16. Juni 2021
  7. 4,000-year-old Greek hilltop site mystifies archaeologists. It could spell trouble for new airport. (https://apnews.com/article/greece-crete-archaeology-airport-minoan-e1bca3960994b42ef2ec30676a2ae188).

Osterdatum

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In diesem Kapitel wird beschrieben, wie das Osterdatum eines beliebigen Jahres bestimmt werden kann.

Einleitung

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Ostern findet grundsätzlich am Sonntag nach dem ersten Vollmond statt, der nach der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr auftritt.

Die Monate des jüdischen Kalenders (außen) mit der ungefähren Korrelation zum gregorianischen Kalender (innen). Dadurch, dass die jüdischen Monate dem synodischen Mondzyklus entsprechen, variieren die Monatsanfänge, je nachdem, wann das Neulicht des Mondes erscheint. In neunzehn Jahren wird zur Synchronisation mit dem Sonnenlauf nach dem regulär letzten Monat Adar I sieben Mal der Schaltmonat Adar II eingefügt.

Diese Regel geht auf die 4600 Jahre alte sumerische Plejaden-Schaltregel zurück, bei der die Sonne in normalen Jahren am 15. Tag in der Mitte des ersten Monats (akkadisch: Nisannu) zur Tag-und-Nacht-Gleiche neben den Plejaden im Frühlingspunkt im Sternbild Himmelsstier (Taurus und Aries) stand. An diesem Tag herrschte der Frühlingsvollmond in dem der Sonne gegenüberliegenden Herbstpunkt im Sternbild Himmelsskorpion (Scorpio und Libra). Ein ähnlicher Ansatz gilt auch heute noch für die Festlegung des jüdischen Pessach-Festes, das am Seder, dem Vorabend des 15. Nisan beginnt.

→ Siehe auch Schaltregeln.

Untergehender Vollmond am Gründonnerstag 2023.
Der untergehende Pfingstmond 2025 drei Tage vor Vollmond bei starker Schleierbewölkung.

Der Osterzyklus umfasst insgesamt vier Mondmonate. Mit dem Osterdatum sind beginnend mit dem Aschermittwoch auch alle Festtage der Fastenzeit vor Ostern (inklusive von Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag), in der auf Ostern folgenden siebenwöchigen Osterzeit mit ihren ersten acht Tagen der Osteroktav, über das Fest Christi Himmelfahrt bis zum Pfingstfest sowie der darauffolgenden Dreifaltigkeitssonntag und das Fest Fronleichnam festgelegt.

Der Tag respektive der Abend vor dem Aschermittwoch wird Fastnacht genannt. Der kirchenlateinische Begriff Quinquagesima bedeutet "fünfzigster Tag", was sich auf die fünfzig Tage vom Sonntag Quinquagesima vor Aschermittwoch bis zum Ostersonntag bezieht. Der Sonntag Quinquagesima wird in Bezug auf den dazugehörigen Introitus "Esto mihi in Deum protectorem" (vergleiche Psalm 31,3[1]), der zum Einzug beim entsprechenden Gottesdienst gesungen wird, auch "Estomihi" und in Bezug auf den Karneval auch "Tulpensonntag" oder "Karnevalssonntag" genannt.

Ähnlich verhält es sich mit den Wochen nach Ostern. Das Pfingstfest wird auf altgriechisch πεντηκοστὴ ἡμέρα (pentēkostē hēméra, zu Deutsch: "fünfzigster Tag") und im Kirchenlateinischen "Dominica Pentecostes" genannt. Von Ostersonntag an gerechnet sind es genau fünfzig Tage bis zum Pfingstsonntag. Nach dem Pfingstfest folgen noch die drei Festtage Dreifaltigkeitssonntag, Fronleichnam und Heiligstes Herz Jesu.

Die sechs Sonntage in der Fastenzeit werden für die Dauer der Fastenzeit nicht mitgezählt, so dass sich von Aschermittwoch bis Karsamstag vierzig Fastentage ergeben (→ siehe hierzu auch Kapitel Zahlen, Abschnitt Zur Vierzig). In der folgenden Tabelle sind die sich auf den Ostersonntag beziehenden Tage zusammen mit den dazugehörigen Mondphasen aufgeführt. In den Jahren, bei denen der Frühlingsvollmond eine ganze Woche (also sieben Tage) vor Ostern stattfindet, kommt es zu geringfügigen Abweichungen bei den für die Wochen angegebenen Mondphasen:

Osterzyklus
Bezeichnung Wochentag Anzahl der Tage
in Bezug auf Ostern
Mondphase in der Woche
von Samstag bis Samstag
Quinquagesima Sonntag -49 Neumond
Rosenmontag Montag -48
Fastnacht Dienstag -47
Aschermittwoch Mittwoch -46
Erster Sonntag
der Fastenzeit
Sonntag -42 Zunehmender Halbmond
Zweiter Sonntag
der Fastenzeit
Sonntag -35 Vollmond
Dritter Sonntag
der Fastenzeit
Sonntag -28 Abnehmender Halbmond
Vierter Sonntag
der Fastenzeit
Sonntag -21 Neumond
Passionssonntag Sonntag -14 Zunehmender Halbmond
Palmsonntag Sonntag -7 Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium
Gründonnerstag Donnerstag -3
Karfreitag Freitag -2
Karsamstag Samstag -1
Ostersonntag Sonntag 0 Abnehmender Halbmond
Ostermontag Montag 1
Zweiter Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 7 Neumond
Dritter Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 14 Zunehmender Halbmond
Vierter Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 21 Vollmond
Fünfter Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 28 Abnehmender Halbmond
Sechster Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 35 Neumond
Christi Himmelfahrt Donnerstag 39
Siebenter Sonntag
der Osterzeit
Sonntag 42 Zunehmender Halbmond
Pfingstsonntag Sonntag 49 Vollmond
Pfingstmontag Montag 50
Dreifaltigkeitssonntag Sonntag 56 Abnehmender Halbmond
Fronleichnam Donnerstag 60
Heiligstes Herz Jesu Freitag 68 Neumond

Da das Frühlingsäquinoktium im Gregorianischen Kalender auf den 19., 20. oder 21. März fallen kann, ergibt sich theoretisch der 20. März für den frühestmöglichen Ostersonntag, falls der Vollmond noch am Tag des Frühlingsäquinoktiums folgt. Für die Berechnung des Osterdatums wird ungeachtet der tatsächlich auftretenden Tag-und-Nacht-Gleiche jedoch stets der 21. März als Beginn des Frühjahrs angenommen. Entsprechende Abweichungen werden auch als Osterparadoxon bezeichnet.

Des Weiteren muss beachtet werden, dass ein Vollmond nur auf einem bestimmten, aber ständig schwankenden Längengrad der Erde auftaucht, wenn er um Mitternacht der wahren Sonnenzeit auf dem südlichen Meridian kulminiert. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich weiter östlich liegende Längengrade (ungeachtet der politisch und variabel festgelegten Zeitzonen) schon im nächsten Kalendertag, so dass das Datum dort bereits einen Tag später ist. Diese Unschärfe könnte durch die Festlegung eines festen Bezugsmeridians definiert werden, wie zum Beispiel dem Längengrad der Stadt Bethlehem oder des Vatikans beziehungsweise dem Nullmeridian (der heutige wurde allerdings erst 1884 festgelegt), dessen Kalenderdatum dann für die Osterregel anzuwenden wäre.

Da ein Vollmond auch erst nach fast einem synodischen Monat mit 29,5 Tagen auftreten kann, kann der Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium im spätesten Fall am 20. April erscheinen, falls das Frühlingsäquinoktium in der zweiten Taghälfte des 21. Märzes stattfindet. Falls dieser Tag ein Montag wäre, würde der Ostersonntag nach dieser Definition der 26. April sein. Nach der Festlegung der römisch-katholischen Kirche für den Ostersonntag werden die tatsächlichen Sonntage am 25. oder 26. April jedoch um eine Woche vorverlegt, so dass der Ostersonntag in diesen seltenen Fällen auf den 18. beziehungsweise 19. April fällt.

→ Siehe auch Kapitel Mondzyklen, Abschnitt Synodischer Monat.

Diese Terminfestlegung mit dem ersten Frühlingsvollmond korreliert mit dem jüdischen Fest Pessach, das stets mit dem Vollmond am 15. Nisan beginnt und eine Woche dauert. Der Nisan ist der erste Monat des jüdischen Lunisolarkalenders, der mit dem Frühjahr beginnt. Der Vorabend des Pessachfestes am 14. Nisan wird Sederabend genannt.

Zu Beginn des zwölften Kapitels "Pessach und Auszug aus Ägypten" des zweiten Buchs des Pentateuchs, im Buch Exodus, steht die Festlegung für diesen jüdischen Termin, und diese Stelle ist auch der Ursprung des christlichen Begriffs "Osterlamm":[2]

1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:
2 Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus. ...
6 Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. In der Abenddämmerung soll die ganze versammelte Gemeinde Israel es schlachten.
...
11 ... Es ist ein Pessach für den HERRN.
...
14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!

In vielen alten Jahreskalendern beginnt das Jahr mit diesem Monat (im Julianischen und Gregorianischen Kalender entspricht er dem März), so wie auch bei den Sumerern, wo dieser Monat später die akkadische (protosemitische) Bezeichnung Nisannu hatte. Sowohl der erste Nisannu als auch der erste Nisan liegen auf dem Tag mit dem Neulicht des Mondes, das ein bis zwei Tage nach Neumond zu sehen ist, so dass der Vollmond danach am 15. Nisan beziehungsweise am 15. Nisannu erscheint.

Um das tropische Sonnenjahr und das Frühlingsäquinoktium synchron zu halten, wird bei Solarkalendern grundsätzlich alle vier Jahre nach dem ursprünglich letzten Tag des Jahres, dem 28. Februar, ein Schalttag, der 29. Februar, eingefügt, bevor das neue Jahr mit dem 1. März beginnt. Beim Julianischen Kalender erfolgt dies, immer wenn die Jahreszahl ohne Rest durch vier teilbar ist, und beim und Gregorianischen Kalender genauso, jedoch nicht wenn die Jahreszahl ohne Rest durch 100 teilbar ist, aber doch wenn die Jahreszahl auch ohne Rest durch 400 teilbar ist. Bei den Lunisolarkalendern wird ungefähr alle drei Jahre ein ganzer synodischer Monat eingeschoben, ein sogenannter Schaltmonat. Die betreffenden Jahre werden Schaltjahre genannt.

Der muslimische Lunarkalender verwendet diese Synchronisation zwischen Mond- und Sonnenzyklen nicht, so dass das Mondjahr wegen der kürzeren Dauer von zwölf synodischen Monaten (rund 354 Tage) gegenüber dem tropischen Sonnenjahr (rund 365 Tage) in Bezug auf die Tag-und-Nacht-Gleichen beziehungsweise die Sonnenwenden im Solarkalender mit jedem neuen Jahr jeweils elf Tage früher beginnt.

→ Siehe auch Kapitel Mondzyklen.

Der Frühlingsbeginn

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Die um geneigte Lage der kreisbogenförmigen Ekliptik in Bezug zum Himmelsäquator mit seinem äquatorialen Koordinatensystem mit den Koordinaten (Rektaszension) und (Deklination), die hier für die ekliptikale Länge dargestellt sind.

Üblicherweise ist der astronomische Frühlingsbeginn an dem Tag, an dem im Frühjahr die Tag-und-Nacht-Gleiche beziehungsweise das Frühlingsäquinoktium stattfindet. Die Sonne durchläuft auf ihrer Bahn entlang der Ekliptiklinie an diesem Tag den Frühlingspunkt, der im ekliptikalen Koordinatensystem des Jahres bei der Länge Null liegt.

→ Siehe auch Kapitel Astronomische Bezugssysteme, Abschnitt Die Ekliptik.

Wenn die Sonne im Frühlingspunkt steht, geht sie überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit genau im Westen unter. Aufgrund der Präzession der Erdachse durchwandert der Frühlingspunkt den Kreis der Ekliptik im Laufe von knapp 26 Jahrtausenden einmal vollständig und retrograd (rückläufig), so dass er wegen der unregelmäßigen Grenzen der Sternbilder im Mittel jeweils rund 2150 Jahre lang in einem der zwölf Ekliptiksternbilder des Zodiaks steht. Im Jahr 4541 vor Christus wechselte der Frühlingspunkt vom heutigen Sternbild Zwillinge (Gemini) in das heutige Sternbild Stier (Taurus), seit 1865 vor Christus lag im heutigen Sternbild Widder (Aries, der Frühlingspunkt wurde deswegen damals auch Widderpunkt genannt) und seit 68 vor Christus im heutigen Sternbild Fische (Pisces), wo er sich auch heute noch befindet. Im Jahr 2597 wird er in das heutige Sternbild Wassermann (Aquarius) wechseln.

Da der Vollmond von der Erde aus gesehen der Sonne immer gegenübersteht, sich also in Opposition befindet und in Bezug zur Sonne eine Elongation von 180 Bogengrad hat, steht ein Vollmond, der gleichzeitig zum Frühlingsanfang auftritt, gegenüber dem Frühlingspunkt im Herbstpunkt und geht morgens gegen 6 Uhr im Westen unter und abends gegen 18 Uhr im Osten auf. Im Gegensatz zur Sonne hat der Mond hierbei allerdings nicht unbedingt die ekliptikale Breite Null, so dass er je nach der ekliptikalen Länge seiner Knotenpunkte nicht in der Ekliptikebene, sondern bis zu gut fünf Bogengrad nördlich oder südlich der Ekliptikebene liegt.

→ Siehe auch Kapitel Astronomische Bezugssysteme, Abschnitt Der Frühlingspunkt.

Der Vollmond

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Ein Vollmond.

Ein Vollmond findet statt, wenn sich die ekliptikalen Längen von Sonne und Mond um genau 180 Bogengrad unterscheiden. Der Mond steht zu diesem Zeitpunkt in Opposition, und die Erde befindet sich zwischen Mond und Sonne.

→ Siehe auch Kapitel Konjunktionen.

Der Meton-Zyklus

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Der Meton-Zyklus beschreibt die Zeitspanne von 19 Jahren, nach der Sonne und Mond an den gleichen Stellen des Fixsternhimmels, also mit der jeweils gleichen ekliptikalen Länge, erscheinen. Aufgrund dieser Definition zeigt der Mond sowohl zu Beginn als auch am Ende dieses 19-jährigen Zyklus die gleiche Mondphase beziehungsweise hat er dann das gleiche Mondalter. Dieser Zyklus kann also entweder durch 19 vollständige tropische Sonnenjahre, oder durch 254 vollständige siderische Perioden oder durch 235 vollständige synodische Perioden des Mondes beschrieben werden. Nach 19 tropischen Sonnenjahren haben alle drei Zyklen bis auf zwei Stunden genau die gleiche Dauer:

  • 19 tropische Sonnenjahre = 6939,6 Tage: die Sonne erreicht die gleiche ekliptikale Länge
  • 254 siderische Monate = 6939,7 Tage: der Mond erreicht die gleiche ekliptikale Länge
  • 235 synodische Monate = 6939,7 Tage: der Mond zeigt die gleiche Mondphase respektive das gleiche Mondalter und hat die gleiche Elongation

→ Siehe auch Kapitel Mondzyklen: Abschnitt Synodischer Monat / Abschnitt Siderischer Monat.

Der Meton-Zyklus kann auch auf das Frühlingäquinoktium und einen dort zeitnah auftretenden Vollmond bezogen werden. Die Sonne befindet sich dann im Frühlingspunkt, und der Mond in Opposition, also im Herbstpunkt. Da sich dieses Szenario nach 19 Jahren wiederholt, liegt es nahe, den Meton-Zyklus bei der Berechnung des variablen Osterdatums zu berücksichtigen.

→ Siehe auch Kapitel Mondzyklen, Abschnitt Der Meton-Zyklus.

Jeder Jahreszahl im Gregorianischen Kalender kann der Dauer eines Meton-Zyklus in Jahren entsprechend eine  Goldene Zahl zugeordnet werden (der um eins erhöhte ganzzahlige Rest der ganzzahligen Division von durch ):

Für das Jahr 2022 ergibt sich danach zum Beispiel die Goldene Zahl 8 (der um eins erhöhte ganzzahlige Rest der ganzzahligen Division von 2022 durch 19):

Berechnung des Osterdatums

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Im Mittelalter

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Im Mittelalter wurde zur Berechnung des Osterdatums im Julianischen Kalender der computus pascalis (lateinisch, zu Deutsch "Berechnung des Osterns") eingesetzt. Abweichend von der am Vollmond orientierten Regel für die Festlegung des jüdischen Pessachfestes, das immer am 15. Nisan gefeiert wird und somit sowohl nach dem Julianischen als auch nach dem Gregorianischen Kalender wechselnde Wochentage hat, hat das Erste Konzil von Nicäa im Jahr 325 festgelegt, dass Ostern stets auf einen Sonntag nach dem Pessachfest und nach der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling zu legen sei.

Für den Julianischen Kalender entspricht die  Epakte nach dem Werk De Temporum Ratione von  Beda Venerabilis aus dem Jahr 725 dem Mondalter am 22. März des entsprechenden Jahres. Für jedes Jahr ergibt sich die Epakte aus der folgenden Formel:

Für das Jahr 2022 ergibt sich danach zum Beispiel die Epakte 17:

→ Siehe Wikipedia-Artikel  Computus (Osterrechnung).

Nach Carl Friedrich Gauß

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Bronzebüste von Carl Friedrich Gauß im Treppenhaus des Helmert-Hauses auf dem Telegrafenberg in Potsdam.

 Carl Friedrich Gauß (1777–1855) hatte in seinem Beitrag "Berechnung des Osterfestes" im August 1800 einen Rechenweg veröffentlicht, mit dem das Datum des Ostersonntags berechnet werden kann.[3] Sechzehn Jahre später hat er die Formeln noch einmal ein wenig modifiziert und verbessert. Auch in beiden Varianten der Gaußschen Osterformeln wird der Meton-Zyklus bei der Bestimmung des ganzzahligen Mondparameters für ein bestimmtes Jahr berücksichtigt:

Für das Jahr 2022 ergibt sich danach zum Beispiel der Mondparameter 8:

→ Siehe Wikipedia-Artikel  Gaußsche Osterformel.

Nach Harold Spencer Jones

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Der Mondparameter spielt auch in dem nach dem Londoner Astronomen Harold Spencer Jones (* 1890; † 1960) benannten Algorithmus eine zentrale Rolle, die dieser 1922 in seinem Buch "General Astronomy" veröffentlicht hatte.[4] Diese Rechenvorschrift stammt aus einer anonymen Quelle, die bereits 1876 bei der Zeitschrift "Nature" eingereicht worden war.[5]

→ Siehe Wikipedia-Artikel  Spencers Osterformel.

Einzelnachweise

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  1. Psalm 31,3, bibleserver.com, Einheitsübersetzung, 2016
  2. Exodus 12,1-20, Einheitsübersetzung 2016
  3. Carl Friedrich Gauß: Berechnung des Osterfestes, in: Monatliche Correspondenz zur Beförderung der Erd- und Himmelskunde, Kapitel XV., Seiten 121 bis 130, August 1800
  4. Harold Spencer Jones: General Astronomy, Longmans, Green & Co, New York, Edward Arnold & Co, London, 1922
  5. Sir Norman Lockyer (Herausgeber): To Find Easter, Nature, Band 13, Seite 487, Verlag Macmillan Journals Limited, London und New York, 20. April 1876


Stabdolche

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Ein bronzener Stabdolch aus Mierzeszyn im archäologischen Museum in Danzig.

In diesem Kapitel wird beschrieben, wie mit Hilfe von  Stabdolchen die obere Kulmination von Sonne und Mond auf dem südlichen Meridian vermessen und langfristig beobachtet werden kann. Mit solchen Beobachtungen können Sonnen- und Mondzyklen festgestellt und ermittelt werden, insbesondere der drakonitische Mondzyklus mit den Mondwenden und das tropische Sonnenjahr mit seinen Wendepunkten und Äquinoktien.

→ Siehe auch Mondzyklen.

Einführung

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Der Kopf eines Stabdolches in der Galerie Bronzezeitliches Europa des Neuen Museums in Berlin.

Bei zahlreichen archäologischen Ausgrabungen vor allem in Irland, Mitteleuropa und Spanien wurden mittlerweile mehrere hundert Stabdolche aus der frühen Bronzezeit bis hin zur Eisenzeit gefunden. Meistens sind die Dolchklingen aus Bronze und die Schäfte aus Holz hergestellt worden. Viele Exemplare zeichnen sich durch zahlreiche Verzierungen aus, dies umfasst zum Beispiel Rillen oder Nieten an den Dolchklingen, aber auch Markierungen, Kappen und Spitzen an den Holzschäften.

Die Dolchklingen sind meistens nicht aus massivem Metall, sondern als Hohlkörper gegossen und anschließend zusammengefügt wurden. Zudem weisen diese Modelle keine scharfen Kanten und keine scharfen Spitzen auf, und deswegen in diesen Fällen ist davon auszugehen, dass sie nicht als Waffen eingesetzt werden sollten.

Bei den Hortfunden von Dieskau in Sachsen-Anhalt, der der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur von 2200 bis 1550 vor Christus zugeordnet werden konnte, wurden zum Beispiel nur vergleichsweise wenige Stabdolche im Kontext mit hunderten von massiven Beilköpfen gefunden, so dass es auch deswegen naheliegend ist, dass sie weniger zum Kämpfen, sondern eher als Statussymbol Verwendung fanden.[1]

Häufig wurden sie rituell zerstört und als Grabbeilage verwendet.[2] Auffällig ist ferner, dass bei einigen Fundstellen zwei sorgfältig angeordnete Stabdolche regelrecht als Zwillingspaar bestattet wurden, wie zum Beispiel bei den beiden mit den Spitzen zueinander niedergelegten Schmöckwitzer Stabdolchen aus dem ersten Viertel des zweiten vorchristlichen Jahrtausends, die 1876 bei Feldarbeiten im Südosten Berlins gefunden wurden.[3].

Schließlich ist festzuhalten, dass die Dolchklinge in der Regel senkrecht zur Längsachse des Holzschaftes angeordnet ist. Manchmal befindet sich am oberen Ende des Schaftes eine abgeplattete Kappe aus Bronze, die ebenfalls keinerlei Funktion für den Einsatz als Waffe hätte, aber zum Einschlagen oder Eindrücken eines am unteren Ende mit einer Spitze versehenen Schaftes in das Erdreich dienen konnten. Der Stabdolch kann beispielsweise mit einem einfachen Schnurlot senkrecht zur Horizontalebene ausgerichtet werden, so dass der Schaft senkrecht steht und in Richtung Zenit zeigt.

Bei einer umfassenden Analyse sollte auch berücksichtigt werden, dass viele Stabdolche am Schaft mit Markierungen versehen waren, die keineswegs immer äquidistant ausgeführt waren. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Schäfte für die Ablesung von nichtlinearen Messgrößen verwendet worden sein könnten, wie sie in Form von variierenden Schattenlängen bei der langfristigen Kalenderbeobachtung auftreten. Hierbei ist zu beachten, dass die heutigen Schäfte unter Umständen nur rekonstruiert oder gar nachgeahmt wurden, weil die originalen Holzschäfte gar nicht oder nur in schlechtem Zustand erhalten sind.

Es bleibt festzustellen, dass Stabdolche auch für langfristig angelegte astronomische Beobachtungsreihen an Sonne und Mond eingesetzt werden können, was im Altertum sicherlich nur wenigen, entsprechend gebildeten und eingeweihten Experten vorbehalten war.

Astronomische Anwendung

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Schattenlänge

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Schattenlängen bei einem senkrecht aufgestellten Stabdolch (Bildmitte, schwarz) mit senkrecht dazu stehender und nach Süden zum Horizont ausgerichteter Dolchklinge bei verschiedenen jahreszeitlich auftretenden extremen Sonnen- und Mondständen bei deren oberer Kulmination auf dem Meridian. Die Darstellung entspricht einem Beobachtungsort mit 50 Bogengrad geographischer Breite.
Zunehmender Mond zum Herbst-Äquinoktium bei kleiner Mondwende mit flacher Ekliptik in Berlin mit fast senkrecht stehender Mondsichel (38% beleuchtet) im Sternbild Skorpion (Scorpius) kurz vor Sonnenuntergang. Visuelle Helligkeit -9 mag, südliche ekliptikale Breite = -5°, Höhe über dem südlichen Horizont = 9°, Mondalter 6,2 Tage.
Abnehmender Mond zum Herbst-Äquinoktium bei großer Mondwende mit steiler Ekliptik in Berlin mit fast liegender Mondsichel (4% beleuchtet) im Sternbild Jungfrau (Virgo) kurz vor Sonnenaufgang. Visuelle Helligkeit -6 mag, nördliche ekliptikale Breite = -3°, Höhe über dem südlichen Horizont = 17°, Mondalter 27,7 Tage.

Wird ein Stabdolch senkrecht aufgestellt, kann er mithilfe des Schattenwurfs der Dolchklinge auf den Dolchstab zur Beobachtung der oberen Kulmination von Sonne und Mond auf dem südlichen Meridian, zur Bestimmung der Südrichtung, der Sonnenwenden, der Tag-und-Nacht-Gleichen sowie der ekliptikalen Breiten des Mondes inklusive der großen und kleinen Mondwenden verwendet werden.[4]

Die Höhe von Sonne und Mond über dem Horizont wird bei der oberen Kulmination Meridian am größten. Bei der Sonne ist dies jeden Tag am Mittag der Fall, auf der nördlichen Halbkugel immer auf dem südlichen Meridian. Beim Mond hängt dieser Zeitpunkt von der jeweiligen Mondphase ab. Der Neumond kulminiert immer gleichzeitig mit der Sonne, mit der er ja in Konjunktion steht, also mittags. Beim Vollmond erfolgt die obere Kulmination immer, während die Sonne bei der unteren Kulmination am weitesten unter dem Horizont steht, also um Mitternacht.

→ Siehe auch Konjunktionen.

Anmerkung: Bei der Abwesenheit von Sonnen- und Mondlicht, und sofern es keine Lichtverschmutzung gibt, kann auch die Venus im vollen Glanz einen sichtbaren Schatten werfen. Dies ist jedoch nicht auf dem Meridian beobachtbar, weil die Venus zu den geeigneten Zeitpunkten nur morgens über dem östlichen Horizont oder abends über dem westlichen Horizont gesehen werden kann.

Der Zusammenhang zwischen Dolchklingenlänge , Höhenwinkel und Schattenlänge (siehe Skizze rechts) ergibt sich aus dem Strahlensatz und mithilfe der trigonometrischen Funktion Tangens wie folgt:

= konstante Länge der Dolchklinge in horizontaler Richtung gemessen von der Dolchspitze bis zum Stab
= Höhenwinkel von Mond oder Sonne gemessen vom Horizont in Richtung Zenit (respektive in Richtung Nadir)
= Länge des Schattenwurfs in vertikaler Richtung gemessen von der Dolchklinge bis zum Schattenrand

Innerhalb des südlichen und nördlichen Wendekreises können die Horizonthöhen der Sonne 90 Bogengrad erreichen, und die Sonne steht dann genau im Zeit (die Zenitdistanz beträgt 0 Bogengard). Da der Mond die Sonnenhöhe sogar um gut 5 Bogengrad übersteigen kann, kann der Mond im Extremfall auch fünf Bogengrad nördlich des nördlichen Wendekreises beziehungsweise fünf Bogengrad südlich des südlichen Wendekreises in den Zenit gelangen.

Kulminiert die Sonne zwischen dem nördlichen Polarkreis und dem Nordpol beziehungsweise zwischen dem südlichen Polarkreis und dem Südpol auf dem Meridian, kann dies zur passenden Jahreszeit bei der Horizonthöhe null stattfinden, so dass die Schattenlänge auf dem Schaft des Stabdolches dann ebenfalls null beträgt. Auch hierbei kann der Mond im Extremfall auch noch fünf Bogengrad südlich des nördlichen Wendekreises beziehungsweise fünf Bogengrad nördlich des südlichen Wendekreises genau auf dem Horizont kulminieren.

Sind am Schaft eines Dolchstabs oder eines ähnlichen astronomischen Messinstruments Markierungen für die lokalen Extremwerte der Schattenlängen erhalten, kann aus dem Höhenwinkel auf dem Meridian der zur Beobachtung gehörende geographische Breitengrad bestimmt werden. Hierzu kann die Deklination verwendet werden, also die Höhe eines Himmelsobjektes über dem Himmelsäquator. Sie nimmt bei den folgenden Ereignissen die in den beiden folgenden Tabellen angegebenen Werte an, wobei für die Schiefe der Ekliptikebene (heute 23,44 Bogengrad) und für die Bahnneigung (beziehungsweise für die Inklination) der Mondbahn zur Ekliptik steht (heute 5,145 Bogengrad):

Deklinationen der Sonne
Ereignis Deklination der Sonne
Wintersonnenwende
Tag-und-Nacht-Gleiche 0
Sommersonnenwende
Deklinationen des Mondes
Ereignis Deklination des Mondes
Kleinste Mondwende
Kleine Mondwende
Mond im Knoten
Große Mondwende
Größte Mondwende

Mit Hilfe der Deklination kann leicht der Zusammenhang zum geographischen Breitengrad der Beobachtung und dem Höhenwinkel auf dem Meridian hergestellt werden:

Daraus folgt unmittelbar:

Durch Einsetzen der entsprechenden Deklinationen können die folgenden Höhenwinkel für die Sonne und den Mond berechnet werden:

  • Für die Sonne:
    • Höhenwinkel der Sonne:
    • Maximaler Höhenwinkel der Sonne während der Sommersonnenwende:
    • Mittlerer Höhenwinkel der Sonne während der Tag-und-Nacht-Gleiche:
    • Minimaler Höhenwinkel der Sonne während der Wintersonnenwende:
  • Für den Mond:
    • Höhenwinkel des Mondes:
    • Höhenwinkel des Mondes während einer großen Mondwende:
    • Höhenwinkel des Mondes in seinen Knoten:
    • Höhenwinkel des Mondes während einer kleinen Mondwende:

Für die beiden extremen Höhenwinkel des Mondes gilt dann:

  • Maximaler Höhenwinkel des Mondes während der nördlichsten großen Mondwende ("größte Mondwende"):
  • Minimaler Höhenwinkel des Mondes während der südlichsten kleinen Mondwende ("kleinste Mondwende"):

Für eine nördliche geographische Breite von 50 Bogengrad beträgt der Höhenwinkel der Sonne während der Tag-und-Nacht-Gleiche beispielsweise . Damit ergeben sich dann die folgenden Extrema für die Sonnen- und Mondhöhen:

  • Für die Sonne:
    • Maximaler Höhenwinkel der Sonne während der Sommersonnenwende:
    • Minimaler Höhenwinkel der Sonne während der Wintersonnenwende:
  • Für den Mond:
    • Maximaler Höhenwinkel des Mondes während der größten Mondwende:
    • Minimaler Höhenwinkel des Mondes während der kleinsten Mondwende:

→ Siehe auch Astronomische Bezugssysteme.

Unschärfe des Schattenrandes

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Schattenlänge

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Zur Unschärfe im Schattenwurf durch ein flächenhaftes leuchtendes Objekt.

Der auf eine Skala projizierte Schatten einer Kante ist geometrisch keine Linie. Schon allein durch die optische Beugung an einer Kante ergibt sich eine Beugungsunschärfe, die bei Dolchstäben allerdings so gering ausfällt, dass sie keine Rolle spielt. Denn dadurch, dass sowohl der Mond als auch die Sonne einen Winkeldurchmesser von zirka 30 Bogenminuten haben ergibt sich zwangsläufig ein Helligkeitsverlauf im Teilschattenbereich. Je mehr Licht der Mond- oder Sonnenscheibe auf den Schaft des Dolchstabes gelangt, desto heller leuchtet diese Stelle, so dass sich vom Schattenbereich ein kontinuierlich heller werdender Übergang ergibt (siehe Skizze rechts).

Die vertikale Ausdehnung des durch die Mondscheibe beziehungsweise durch die Sonnenscheibe verursachten Schattenübergangsbereiches auf dem vertikalen Schaft eines Stabdolches kann mit den folgenden Formeln ermittelt werden.

= Länge des Dolchklinge in horizontaler Richtung gemessen von der Dolchspitze bis zum Schattenwurf auf dem Stab
= Höhenwinkel von Mond oder Sonne gemessen vom Horizont in Richtung Zenit
= halber Winkeldurchmesser des Mondes oder der Sonne in vertikaler Richtung (ungefähr ein Viertel Bogengrad)
= Länge von der Unterkante der Dolchklinge bis zum dunklen Schattenrand in vertikaler Richtung gemessen
= Länge von der Unterkante der Dolchklinge bis zur mittelhellen horizontalen Schattenlinie (50 Prozent) in vertikaler Richtung gemessen
= Länge von der Unterkante der Dolchklinge bis zum hellen Schattenrand in vertikaler Richtung gemessen
= vertikale Länge des Übergangsbereichs vom dunklen Schattenrand bis zur mittelhellen Schattenlinie
= vertikale Länge des Übergangsbereichs von der mittelhellen Schattenlinie bis zum dunklen hellen Schattenrand
= vertikale Länge des Übergangsbereichs vom dunklen Schattenrand bis zum dunklen hellen Schattenrand

Die Schattenhöhe im Verhältnis zur Stabdolchlänge ergibt sich dann wie folgt:

Wegen des kleinen Winkeldurchmessers () kann der Kosinus dieses Winkels in erster Näherung auf eins gesetzt werden:

Die folgende Kurve gibt die Länge des Schattenübergangsbereiches im Verhältnis zur Länge des Stabdolches in Abhängigkeit vom Höhenwinkel an:

Die Länge des Schattenübergangsbereiches im Verhältnis zur Länge der Stabdolchklinge in Abhängigkeit vom Höhenwinkel .

Bei kleinen Höhenwinkeln bis 20 Bogengrad ist der Schattenübergangsbereiches kleiner als ein Prozent der Länge der Stabdolchklinge. Bei Höhenwinkeln ab 73 Bogengrad ist der Schattenübergangsbereiches bereits größer als zehn Prozent der Länge der Stabdolchklinge, und die Ablesung am Schaft des Stabdolches wird entsprechend ungenau. Solche maximalen Höhenwinkel treten für die Sonne und den Mond in nördlichen geographischen Breiten jedoch nicht auf. Zudem sind die beiden Teilschattenbereiche ober- und unterhalb der Hauptachse des Schattenwurfs ungleich groß, und mit zunehmendem Höhenwinkel wird der untere Teilschattenbereich überproportional länger als der obere Teilschattenbereich. Aus diesem Grund kann nicht einfach der arithmetische Mittelwert der beiden Teilschattenränder oben und unten verwendet werden, um die Lage der Hauptachse des Schattenwurfs beziehungsweise die mittelhellen horizontalen Linie mit 50 Prozent Schatten zu bestimmen.

Die Tatsache, dass die meisten Stabdolche nördlich des 50. geographischen Breitengrads gefunden und vermutlich auch verwendet worden sind, wo die Schattenränder auch bei der Sommersonnenwende oder der größten Mondwende noch relativ genau abgelesen werden können, ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese Stabdolche für astronomische Zwecke eingesetzt worden sein dürften. Für die südlicheren geographischen Breiten ist es praktikabler, einen einfachen senkrechten Stab zu verwenden, um dessen Schattenlänge in der Horizontebene zu vermessen.

Breite der Stabdolchspitze

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Geometrische Verhältnisse beim Schattenwurf einer Kugel (orangefarben, Mitte), die durch ein flächenhaft leuchtendes Objekt (gelb, links) beleuchtet wird. Der Kernschatten erreicht die Projektionsfläche (rechts) nur, wenn der Durchmesser der Kugel hinreichend groß und der Abstand zwischen Kugel und Projektionsfläche hinreichend klein ist:
Oben: der Kernschatten erreicht die Messskala (rechts) nicht.
Mitte: die Schattenspitze erreicht die Messskala (rechts) gerade eben und erzeugt dort einen punktförmigen Kernschatten.
Unten: auf der Messskala (rechts) wird ein flächenhaft ausgedehnter Kernschatten erzeugt.

Eine weitere Bedingung für einen brauchbaren Schattenwurf während der Kulmination von Sonne oder Mond auf dem südlichen Meridian ist die ausreichende Breite der Stabdolchspitze .

Hierzu kann aus der Länge der Stabdolchklinge und dem beobachteten Höhenwinkel die Länge des Schattenzeigers von der Stabdolchspitze bis zum Schattenbereich auf der Projektionsfläche bestimmt werden:

Ein Kernschattenbereich tritt nur dann auf, wenn der Kernschatten die Projektionsfläche erreicht. Dies ist der Fall, wenn die Breite der Stabdolchspitze die folgende Bedingung erfüllt:

, wobei dem halben Winkeldurchmesser des Mondes oder der Sonne in horizontaler Richtung entspricht,

beziehungsweise

oder

Für einen Höhenwinkel von 60 Bogengrad ergibt sich beispielsweise, dass das Verhältnis größer sein muss als 1,75 Prozent, um durch die Sonnen- oder die Mondscheibe einen Kernschatten auf den Schaft des Stabdolches zu projizieren. Bei einer Stabdolchlänge von 300 Millimetern muss die Stabdolchspitze demnach zum Beispiel eine Breite von über 5 Millimetern aufweisen.

Schlussfolgerungen

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Mit den hier dargelegten und naheliegenden Annahmen wären die Stabdolche, die vor viertausend Jahren hergestellt wurden, nicht nur Statussymbole, sondern hätten bereits damals für die Bestimmung von kalendarischen Daten eingesetzt werden können. Dies wäre ein Beleg für die frühen und keineswegs trivialen astronomischen Kenntnisse der damaligen Nutzer.

Abschließend kann zu Stabdolchen das Folgende festgehalten werden:

  • Sie dürften schon in der frühen Bronzezeit gebrauchstaugliche und nutzwertige Werkzeuge für die Astronomen gewesen sein.
  • Sie können zur Bestimmung der Höhenwinkel von Sonne, Mond und Venus eingesetzt werden.
  • Mit ihnen kann auf dem südlichen Meridian täglich das Auf- oder Absteigen unseres Mondes verfolgt werden.
  • Anhand solcher Beobachtungen des Mondes ergibt sich langfristig der 18,61-jährige drakonitische Zyklus.
  • Mit der Kenntnis solcher Zyklen können Sonnen- und Mondfinsternisse untersucht und vorhergesagt werden.

Einzelnachweise

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  1. Fund des Monats - Dieskau – ein zentraler Ort der frühen Bronzezeit, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – Landesmuseum für Vorgeschichte in Sachsen-Anhalt, Juli 2021
  2. Christian Horn: Die rituelle Zerstörung von Stabdolchen Christian Horn, Archäologische Informationen, 34/1, 2011, Seiten 49 bis 63
  3. Bronzezeit – Europa ohne Grenzen, Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte
  4. Hartmut Kaschub: Messung der tiefen Sonnen- und Mondwenden, in: Gudrun Wolfschmidt: Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Proceedings der Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg, 2017, Band 42 von Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, tredition, 2019, ISBN 9783749767717


Die Himmelstafel von Tal-Qadi

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Die Himmelstafel von Tal-Qadi in einer Vitrine des National Museum of Archaeology in Valletta (Malta).
Maßstäbliche Replik der Himmelstafel von Tal-Qadi aus Buchenholz.
In den Sternenhimmel eingepasste Himmelstafel von Tal-Qadi mit Lage der Ekliptik.
Animiertes Bild eines Astronomen auf Malta, der vor 4500 Jahren die Himmelstafel von Tal-Qadi in Richtung des untergehenden Sternbilds Stier hält.

Dieses Kapitel befasst sich aus astronomischer Sicht mit dem archäologischen Fund einer zirka 4500 Jahre alten Kalksteintafel aus Malta, auf der ein Ausschnitt des Sternenhimmels dargestellt sein könnte.

Die beschriebenen Untersuchungen verfolgen zwei Haupthypothesen:

  1. Auf der Himmelstafel von Tal-Qadi sind Ausschnitte des Sternenhimmels dargestellt.
  2. Die fünf fächerartig dargestellten Segmente zeigen einen zusammenhängenden Ausschnitt des Sternenhimmels (von links nach rechts):
    1. Teile des heutigen Sternbilds Orion.
    2. Den Kopf des Stieres im heutigen Sternbild Stier (Taurus).
    3. Der Bogen der Ekliptik über dem Horizont.
    4. Den offenen Sternhaufen der Plejaden (das Siebengestirn).
    5. Die hellsten Sterne, die am östlichen Horizont vor den Plejaden aufgehen.

Unabhängig von diesen unbeweisbaren Hypothesen, wird in diesem Beitrag nachgewiesen, dass die im Sternbild Stier (Taurus) am Goldenen Tor der Ekliptik ausgerichtete Himmelstafel von Tal-Qadi heute genauso wie vor Jahrtausenden unmittelbar zur Vermessung der ekliptikalen Breite von Mond und Planeten verwendet werden kann. Mit Hilfe derartiger Beobachtungen lassen sich nicht nur die siderische und drakonitische Periode des Mondes sowie der Meton-Zyklus bestimmen, sondern auch Sternbedeckungen (insbesondere von Siebengestirn, Aldebaran und Regulus) sowie Mond- und Sonnenfinsternisse untersuchen und langfristig vorhersagen.

Zusammen mit anderen Befunden geben die Darstellungen auf der Himmelstafel von Tal-Qadi zahlreiche Hinweise darauf, dass die neolithischen Bewohner der Insel Malta bereits über herausragende astronomische Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt haben dürften.

Vorrede

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Die Sterne haben in den Mythen aller Völker und zu allen Zeiten eine herausragende Stellung eingenommen. Sie wurden häufig als sich offenbarende Erscheinungsformen beziehungsweise als die himmlischen „Standorte“ von Gottheiten betrachtet. Im Altertum und selbst noch das Mittelalter hindurch bis zur Renaissance konnte der Mensch den Nachthimmel lediglich mit bloßem Auge betrachten. Dabei konnte jedoch schon festgestellt werden, dass die ungefähr 5000 sichtbaren Fixsterne untereinander eine ewig feststehende geometrische Konstellation bilden, nur dass zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten immer ein etwas anderer Ausschnitt des Universums zu sehen ist. Während die Sterne des Fixsternhimmels für die Navigation von Seefahrern oder von Wüstenwanderern von großer Bedeutung waren, wurden die gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelsobjekte häufig für astrologische Ausdeutungen herangezogen.

Der Anblick unserer Galaxis, der Milchstraße, der der benachbarten Andromedagalaxie oder der offenen Sternhaufen, allen voran die Plejaden (Messier 45), aber auch die Hyaden, die Krippe (Praesepe, Messier 44) oder der Doppelsternhaufen h Persei und χ Persei, wurde sicherlich immer schon als geheimnisvoll erfahren. Auch hell und farbig leuchtende Sterne wie die Roten Riesen Aldebaran, Antares, Arktur, Beteigeuze oder Pollux sowie bläuliche Sterne wie Spica oder Wega oder der hellste und somit am stärksten farbig szintillierende Stern Sirius waren schon immer besonders auffällig. Die hellsten Fixsterne sind an wenigen Händen abzählbar und konnten nicht nur verhältnismäßig leicht ins Gedächtnis eingeprägt werden, sondern erhielten zur Identifikation oder für die Kommunikation mit anderen Menschen sogar Eigennamen.

Zu den besonderen, jedoch weitgehend unregelmäßigen Erscheinungen am Himmel zählen neben den Meteoren (inklusive der Photometeore, der Elektrometeore, der Lithometeore und der Hydrometeore) auch Supernovae und Kometen.[1] Im Mittel war in den letzten 2000 Jahren ungefähr alle 200 Jahre eine Supernova mit bloßem Auge zu sehen. Der Komet Halley ist in China bereits im Jahr 240 vor Christus belegt.[2] Der vorletzte Periheldurchgang des langperiodischen Kometen C2020 F3 (NEOWISE) dürfte beispielsweise während des Neolithikums stattgefunden haben. Es gab also immer wieder auch heute oft noch unvorhersagbare Ereignisse, wie das Auftreten von Novae, Kometen oder Sternschnuppen, die von den vielen Kulturen mythisch verarbeitet wurden. Hierzu gehören des Weiteren sicherlich auch die zahlreichen und vielfältigen atmosphärischen Erscheinungen, wie zum Beispiel Halos und Nebensonnen, ausbrechende Geysire, Aschewolken von Vulkanausbrüchen oder Polarlichter. Polarlichter sind zwar mit abnehmendem Breitengrad immer seltener zu beobachten, jedoch sind diese gelegentlich auch im Mittelmeerraum zu sehen, und es gibt auch entsprechende historische Berichte wie über das Carrington-Ereignis Anfang September 1859 oder sogar aus Babylonien.[3][4]

Beim regelmäßigen Betrachten des Nachthimmels fiel den ersten Menschen gewiss schon auf, dass sieben besondere Wandelgestirne sich mehr oder weniger regelhaft und immerwährend gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen, allen voran die Sonne und der Mond, aber auch die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

→ Siehe auch Exkurs „Zur Sieben“.

Im Laufe der Zeit ziehen die Wandelgestirne entlang der Ekliptiklinie einmal mehr und einmal weniger dicht an Fixsternen vorbei und ziehen dabei auch durch Asterismen, bei denen von den Beobachtern sicherlich schon seit vielen Jahrtausenden benachbarte Sterne geometrisch in Verbindung gebracht wurden, um sie leichter wiedererkennen zu können.

→ Siehe auch Exkurs „Die Ekliptik“.

Manchmal treffen sich sogar zwei oder sogar mehrere von diesen Wandelgestirnen bei einer Konjunktion scheinbar an einer Stelle des Himmels. Auch deren scheinbare Begegnung mit ekliptiknahen Sternen oder sogar deren Bedeckung hat immer wieder die Aufmerksamkeit von Beobachtern erregt. So erwähnt zum Beispiel Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) in seiner Schrift „Meteorologikon“ (altgriechisch: Μετεωρολογικῶν), dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.

Auf der geografischen Breite von Malta gab es bei Abwesenheit von moderner Lichtverschmutzung aufgrund des trockenen und ausgeglichenen Klimas sehr gute astronomische Beobachtungsbedingungen. Das wurde auch Ende des 18. Jahrhunderts in einem Brief an den französischen Astronomen Jérôme de Lalande (1732–1807) dokumentiert, als der Naturforscher Déodat Gratet de Dolomieu (1750–1801) den dort tätigen Großmeister des Malteserordens, Emmanuel de Rohan-Polduc (1725–1797), überzeugte, ein Sternenobservatorium zu errichten.[5] Dort konnten regelmäßig Mondfinsternisse, aber immer wieder auch totale Sonnenfinsternisse beobachtet werden, wie zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sonnenfinsternis in den Morgenstunden vom 18. Mai 2146 vor Christus.[6]

→ Siehe auch Exkurs „Konjunktionen“.

Leider sind nicht viele solcher astronomischen Ereignisse und Sachverhalte schriftlich festgehalten worden, oder sie harren noch ihrer Entdeckung und Entschlüsselung. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass in interessierten und unterrichteten Kreisen eine mündliche Tradierung von Wissen stattfand, sicherlich auch in den mehr oder weniger geheimen Kreisen von Priestern oder zum Beispiel auch bei den Kelten, die lange Zeit keine Schriftzeichen verwendeten. Auch schon lange bevor die Notenschrift mit adiastematischen Neumen erfunden wurde, konnten komponierte Melodien über viele Generationen weitergegeben werden. Durch den Vergleich der frühen Handschriften von geographisch weit entfernten Orten ergibt sich, dass die Reproduktion dieser Melodien aus der Erinnerung der Schreiber erstaunlich zuverlässig funktioniert hat. Verschiedene Urfassungen der Odyssee von Homer wurden jahrhundertelang durch Sänger vorgetragen und rein mündlich überliefert. Im Mittelalter konnten viele Mönche alle 150 Psalmen des Psalters auswendig rezitieren. Aus der Tatsache, dass nirgends aufgeschrieben wurde, dass die spätmittelalterlichen Folianten für den Gebrauch im Chor von Kirchen so groß beschriftet werden mussten, damit nicht nur mehrere Sänger gleichzeitig, sondern auch altersweitsichtige Sänger aus größerer Distanz die Texte und Noten überhaupt noch lesen konnten, kann nicht geschlossen werden, dass dies keine Rolle gespielt hat. Für solche Analysen müssen möglichst viele Indizien ermittelt und Hypothesen geprüft werden, ohne dass letztlich ein Beweis erbracht werden kann. Umgekehrt darf auch bei bekannten Schriftzeugnissen nicht immer davon ausgegangen werden, dass sie Tatsachen entsprechen - sie können unzuverlässiger sein als eine mündliche Überlieferung.

Die intelligenten Menschen des Altertums waren sicherlich nicht wesentlich weniger verständig als wir es heute sind, sie wussten damals nur erheblich weniger über abstrakte Zusammenhänge in der Natur. Das scheinbar merkwürdige, mystische und damals noch völlig unerklärliche Verhalten der Wandelgestirne fesselte mit Gewissheit schon im Altertum einige unserer Vorfahren, und viele Mythen sind daraus schließlich erwachsen. Erst viel später in der Neuzeit konnten die physikalischen Zusammenhänge in der Himmelsmechanik gefunden und beschrieben werden. Durch die Erfindung des optischen Fernrohrs vor gut 300 Jahren erfolgte ein sprunghafter Erkenntnisgewinn. Aber auch durch die natürliche Betrachtung der Verhältnisse am Himmel konnten bereits lange vorher zahlreiche beachtenswerte Sachverhalte erkannt und für die Beschreibung der Welt oder sogar für nützliche Vorhersagen verwendet werden. Diese reale Weltanschauung hatte zusammen mit dem über Generationen überlieferten Wissen der Vorfahren gewiss einen erheblichen Einfluss auf die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung, sei es, dass Kalender implementiert wurden oder mythischer Glaube zu Religionen zusammengeführt wurde oder beides in Kombination passierte.

Zwischen den Disziplinen Astronomie (altgriechisch ἄστρον und νόμος = Sterngesetz) und Astrologie (altgriechisch ἄστρον und λόγος = Sternlehre) gab es im Altertum selbst bis zur Renaissance noch gar keinen Unterschied. Durch die langfristige und regelmäßige Beobachtung des Sternenhimmels ergab sich ein Erkenntnisgewinn, und nur hierdurch entstand die Möglichkeit, Kalender zu führen oder bestimmte Konstellationen vorhersagen zu können. Daraus konnten sich ein entsprechendes mathematisches Vorstellungsvermögen und eine geometrische Ordnung entwickeln, die für lange Zeit allerdings weitgehend nur mündlich überliefert wurden und denen heute daher nur mühsam und freilich immer nur unvollkommen in den zahlreichen verschiedenen Traditionen nachgespürt werden kann. Es ist in diesem Kontext wenig verwunderlich, dass die Astronomie im Mittelalter zusammen mit der Arithmetik, der Geometrie und der Musik zu den vier freien Künsten des Quadriviums gehörte.

→ Siehe auch Quadriviale Kuriositäten.

Die Vorgänge am Himmel sind in der Tat nach wie vor recht abstrakt und komplex sowie nur mit umfassendem Wissen zu verstehen und miteinander in Bezug zu bringen. Leider geht dieses Wissen heute bei vielen Menschen zunehmend verloren, da der Nachthimmel durch die starke Lichtverschmutzung kaum noch eine umfassende und regelmäßige Beobachtung zulässt, so dass das Interesse an diesen Vorgängen entsprechend abnimmt. Vielleicht tragen diese Ausführungen hier dazu bei, dass dieses Interesse geweckt wird oder bereits vorhandene Kenntnisse vertieft werden können.

Die Archäoastronomie ist eine junge Wissenschaft, die sich insbesondere im deutschsprachigen Raum noch kaum etablieren konnte. Eventuell tragen die hier dargestellten Ergebnisse auch dazu bei, diese Disziplin ein wenig voranzubringen sowie interessierten Kreisen die astronomischen Grundlagen für die Einordnung von archäoastronomischen Sachverhalten näher zu bringen und hierfür wichtige Aspekte darzustellen. Diese Abhandlung legt den Schwerpunkt daher weniger auf die archäologischen Aspekte des Fundes, sondern stellt vielmehr den Versuch dar, die Darstellungen auf der Steintafel ausgehend von den bisherigen Befunden aus astronomischer, geometrischer und geographischer Sichtweise zu interpretieren. Eventuell kann sie auf diese Weise dazu beitragen, den Fund in einen erweiterten Kontext einzuordnen.

Anhand der seit Jahrtausenden ohne Fernrohre in freier Natur zu beobachtenden Himmelserscheinungen konnten in der Astronomie bereits viele grundlegende Sachverhalte erkannt und miteinander in Bezug gebracht werden. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat 1816 in seinem Werk Künstlers Apotheose unter der Überschrift „Ein Liebhaber zum Schüler“ den Kern dieser Betrachtungsweise wunderbar zum Ausdruck gebracht:

Mein Herr, mir ist verwunderlich,
Dass Sie hier Ihre Zeit verschwenden
Und auf dem rechten Wege sich
Schnurstracks an die Natur nicht wenden;
Die Natur ist aller Meister Meister !
Sie zeigt uns erst den Geist der Geister,
Lässt uns den Geist der Körper sehn,
Lehrt jedes Geheimnis uns verstehn.
Ich bitte, lassen Sie sich raten !
Was hilft es, immer fremden Taten
Mit größter Sorgfalt nach zu gehn ?
Sie sind nicht auf der rechten Spur;
Natur, mein Herr ! Natur ! Natur !

Tal-Qadi

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Stark zerstörter und verfremdeter Zustand der Ruine von Tal-Qadi im Jahr 2014.

Die Besiedlung Maltas mit Ackerbauern der Stentinello-Kultur lässt sich ungefähr 5200 vor Christus nachweisen. Die ersten Siedler haben das Mittelmeer vermutlich von der 80 Kilometer entfernten Südküste Siziliens aus überquert und zuerst Gozo erreicht, die als kleinere Nachbarinsel fünf Kilometer nordwestlich der Hauptinsel Malta liegt. Gut 1000 Jahre später begannen die Menschen der maltesischen Megalithkultur Tempel zu bauen und für das unterirdische Hypogäum von Ħal-Saflieni Felsen auszuhöhlen. Aus großen Steinblöcken wurden erste Kultplätze errichtet.

Der Ort Tal-Qadi auf Malta wurde bereits 4000 vor Christus von Menschen genutzt. Die ersten Tempelgebäude von Tal-Qadi wurden zwischen 3300 und 3000 vor Christus gebaut und waren danach für mehrere Jahrhunderte in Gebrauch. Dieser Zeitabschnitt wird auch Tarxien-Phase der Insel genannt.

→ Es gibt zahlreiche Gründe, die dafür sprechen, dass das maltesische Tarxien mit dem biblischen Tarschisch identisch ist, siehe auch Exkurs „Tarxien“.

Gleichzeitig mit dem Tempelgebäude in Tal-Qadi existierten auch schon die bekannten älteren Tempelanlagen in  Mnajdra an der südlichen Küste von Malta sowie in  Ġgantija auf der Insel Gozo.

Die Tempelanlage von Tal-Qadi liegt zehn Kilometer nordwestlich der maltesischen Hauptstadt Valletta im nördlichen Teil der Inselrepublik in der Nähe der heutigen Kleinstadt Sàn Pawl il-Baħar. Die Lage ist bei 35°56'12" nördlicher Breite und 14°25'14" östlicher Länge. Die Höhe über dem Meeresspiegel des Mittelmeers beträgt rund 16 Meter. Im Altertum bis auch noch in die römische Zeit reichte das Ufer des Mittelmeers bis fast an den Tempelhügel von Tal-Qadi heran. Heute ist die Uferlinie durch Verlandung gut einen Kilometer von der Salina Bay entfernt.[7]

Bekannt ist Malta auch die allerdings erst nach der Tempelperiode entstandenen zahlreichen Furchen auf der Erdoberfläche, die vermutlich für den Transport schwerer Gegenstände oder von Wasser in den Fels geschliffen wurden. Die Stelle in der Nähe vom Ort Dingli, wo sich mehrere Furchen schneiden, wird auch  Clapham Junction genannt.

Bezüge der Tempelanlage zum Himmelssystem

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Aus der Archäologie sind verschiedene Beispiele bekannt, wie im Altertum mit Hilfe von ausgerichteten Gebäuden oder Gegenständen Himmelsrichtungen ermittelt sowie die Auf- und Untergänge von Gestirnen bestimmt und vorhergesagt werden konnten. Genannt seien exemplarisch die Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt (4900 vor Christus)[8], die Tempelanlagen in Mnajdra auf Malta (um 3500 vor Christus), die Himmelsscheibe von Nebra (um 2000 vor Christus) oder das Belchen-System der Kelten in den Vogesen, bei dem vom Elsässer Belchen aus gesehen die vier anderen, weiter östlich gelegenen Belchen der Region in Bezug auf die Sonnenaufgänge eine Kalenderfunktion haben.[9] Der älteste bekannte Sonnenkalender Europas aus der Jungsteinzeit soll sich in der Höhle von Magura im äußersten Nordwesten Bulgariens beziehungsweise des Balkangebirges befinden.[10]

→ Siehe auch Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle.

Von der Tempelruine Tal-Qadi aus gesehen befindet sich in Richtung Westen (bei einem Azimut von 270 Bogengrad, die Richtung zum Sonnenuntergang bei der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr und im Herbst) die gut erkennbare Schneise eines natürlichen Tals, in Richtung Osten liegt ein über 50 Meter hoher Hügel, der den Horizont verdeckt.


Der Ätna auf Sizilien ist bei guten Sichtverhältnissen in nördlicher Richtung über die in anderthalb Kilometer Entfernung befindliche schmale Bucht mit Salinen östlich von Sàn Pawl il-Baħar in gut 200 Kilometern sichtbar. Nur in dieser Richtung ist das Mittelmeer heute von der Tempelanlage aus von einem um einige Meter erhöhten Standpunkt zu sehen. Vor der Verlandung seit dem Altertum dürfte das Ufer der heutigen Salinen bis an Tal-Qadi herangereicht haben.[11] Für die Orientierung am Nachthimmel war und ist in der nördlichen Hemisphäre der Himmelsnordpol ein wichtiger Bezugspunkt. Der Polarstern war im Altertum wegen der Präzession der Erdachse noch nicht an der Stelle des Himmelsnordpols und konnte daher nicht unmittelbar zur Bestimmung der Nordrichtung herangezogen werden. Diese kann von der Tempelanlage aus allerdings leicht durch die Anvisierung der Meeresbucht in Richtung des Ätnas identifiziert werden. Dies war umso einfacher, wenn der Vulkan aktiv war und eine große, weit sichtbare Rauchsäule erzeugte,[12] und sogar nachts, wenn die entsprechende Feuersäule wahrnehmbar war.[13] Derartige Ereignisse sind in den Überlieferungen aus dem Altertum zur geographischen Orientierung belegt, wie zum Beispiel beim Auszug der Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos in Ägypten etwa zwischen 1500 und 1000 vor Christus (vergleiche Exodus 13,21+22):[14]

21 Der HERR zog vor ihnen her,
bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen,
bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.
So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein.
22 Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes
und die Feuersäule nicht bei Nacht.

Die Ausrichtung der Tempelanlage von Westen nach Osten ist im Vergleich zu allen anderen maltesischen Tempelanlagen außergewöhnlich, da diese größtenteils entlang der Hauptachse der Insel von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet sind. In Nord-Süd-Richtung hatte das Gebäude in Tal-Qadi eine Länge von rund 30 Meter, und in Ost-West-Ostrichtung waren es etwa 25 Meter. Wo sich der Eingang des Tempels befand, lässt sich allerdings nicht mehr eindeutig feststellen.[15]

Der von Norden rechtsläufig gemessene Azimut (Horizontalwinkel) der noch erkennbaren Achse im Tempel weist im Osten nach 76 Bogengrad (heute Richtung zum Sonnenaufgang am 20. April und am 23. August) beziehungsweise in westlicher Gegenrichtung nach 256 Bogengrad (heute Richtung zum Sonnenuntergang am 18. Februar und am 22. Oktober). 3500 bis 2500 vor Christus ergaben sich diese Azimute für die auf- und untergehende Sonne zu anderen Jahreszeiten, nach Julianischem Datum nämlich Mitte Mai (einen Monat nach der Tag-und-Nacht-Gleiche) beziehungsweise Mitte September (einen Monat vor der Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen im Osten sowie Mitte März (einen Monat vor der Tag-und-Nacht-Gleiche) beziehungsweise Mitte November (einen Monat nach der Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend im Westen.

Die Kalksteintafel

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Beschreibung

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Skizze der Einritzungen auf der Himmelstafel von Tal-Qadi nach einer photographischen Aufnahme vom Institute for Studies of the Study of the Ancient World der New York University.[16]

In der Tempelanlage von Tal-Qadi wurde bei den durch den maltesischen Archäologen Thermistocles Żammit und dessen britischen Kollegen Lewis Upton Way 1927 begonnenen Ausgrabungen eine fächerartige Kalksteintafel mit Einritzungen gefunden.[17] Die meisten Markierungen erinnern deutlich an die Darstellung von Sternen, was den Fund zu einem der ältesten archäoastronomischen Objekte macht. Die Tafel befindet sich im National Museum of Archaeology in Valletta.[18]

Es ist unklar, ob die gefundene Kalksteintafel weitgehend vollständig ist oder nur ein Fragment einer größeren Platte ist, allerdings sind einige Seiten auffällig gerade und glatt gearbeitet.[19] Die Kalksteintafel hat die Form eines unregelmäßigen Sechsecks, ist 29 Zentimeter breit, 24 Zentimeter hoch und ungefähr 5 Zentimeter dick. Kalkstein hat keine große Härte und kann daher auch ohne Metallwerkzeuge bearbeitet und geritzt werden, und so wurden auf der ebenen Oberfläche zahlreiche Symbole und graphische Elemente dargestellt. Allerdings gibt es auch viele natürliche Unebenheiten, und es kann nicht an allen Stellen eindeutig erkannt werden, ob die Oberfläche natürliche, bewusst von Menschenhand gemachte, unbeabsichtigte oder auf Beschädigungen zurückzuführende Strukturen aufweist. Die Provenienz der Steintafel ist offenbar noch nicht untersucht worden, wie zum Beispiel anhand der chemischen Analyse der Zusammensetzung des Gesteins.

Entsprechend der Abmessungen ergibt sich für die Steintafel eine Fläche von knapp 500 Quadratzentimetern. Mit einer Dichte von 2,7 bis 2,9 Gramm pro Kubikzentimeter für Kalkstein[20] beträgt die Masse der Tafel also rund sechs Kilogramm. Damit ist sie portabel und kann mit einem entsprechenden Kraftaufwand für einige Minuten in den Händen gehalten werden.

Die Darstellung wird durch vier gerade Linien strahlenförmig in fünf ungefähr gleichgroße Winkelsegmente mit jeweils rund 20 Bogengrad geteilt. Die Linien haben einen gemeinsamen Schnittpunkt etwas außerhalb der Tafel und gehen dabei radial von dem Eckpunkt links der längsten und geraden Kante aus. In den beiden jeweils links und rechts befindlichen Segmenten sind sternförmige Symbole dargestellt. Im linken Segment ist ein einzelnes Sternsymbol erkennbar, in den drei anderen mehrere Sternsymbole. Das mittlere Segment zeigt nur eine halbkreisförmige Figur, deren gerade Kante senkrecht auf der Richtung zum Zentrum der Radialstrahlen und auf der Seite zu diesem Zentrum liegt. Die beiden rechten Segmente werden von einer deutlich breiter ausgeprägten Furche durchquert.

Ähnliche archäologische Objekte

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Vorderseite der Kalksteinstele vom Rocher des Doms.

In Avignon gibt es eine 26 Zentimeter hohe Kalksteinstele der Lagozza-Kultur des ausgehenden Neolithikums, auf der im unteren Bereich etwas nach rechts versetzt ein der Himmelstafel von Tal-Qadi sehr ähnliches sternförmiges Symbol mit acht Strahlen dargestellt ist.[21][22]

Für weitere Betrachtungen zur Stele siehe Exkurs „Die Stele vom Rocher des Doms“.

Ferner wurde in der Höhle von Buracas da Serra im Alvaiázere-Berg im heutigen Portugal im Distrikt Leiria bei der Stadt Alvaiázere eine in anderthalb Metern Höhe, rund fünf Millimeter tief in den Stein geritzte, sternenartige Struktur gefunden. Sie befindet sich auf einem kleinen Vorsprung des Felses, ist ungefähr zehn mal fünf Zentimeter groß und hat insgesamt sechs Strahlen, die zur Achse des längsten Doppelstrahls spiegelsymmetrisch sind. Die Darstellung tritt vollkommen isoliert auf und kann nur schwierig gedeutet werden. Es wurde vermutet, dass ein Komet oder der Meteor eines Meteoriten dargestellt sein könnte, der am Himmel beobachtet wurde.[23]

Interpretation

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Der italienische Archäologe Luigi Maria Ugolini (* 1895; † 1936) mutmaßte bereits 1934, dass die Steintafel eine astrologische Funktion hätte und dass darauf Sterne und eine Mondsichel zu sehen seien.[24]

Schon früh sind die drei dargestellten Sterngruppen mit Sternzeichen in Verbindung gebracht worden. Es wurde gemutmaßt, dass die drei Sterngruppen für die drei Sternzeichen Skorpion, Jungfrau und Löwe stehen, oder dass die vorhandene Tafel lediglich ein Fragment einer größeren Tafel sei, die einen Mondphasenkalender dargestellt hat. Das Symbol im mittleren Segment wurde hierbei mit einem Halbmond in Zusammenhang gebracht.[15]

Es besteht die Möglichkeit, dass die auf der Himmelstafel dargestellte Himmelsregion mit den dann und dort untergehenden Gestirnen damals vom Tempel von Tal-Qadi aus insbesondere abends und in westlicher Richtung beobachtet wurde.[25]

Moderne künstlerische Untermalung des Nachthimmels mit Ausschnitten der benachbarten Sternbilder Orion und Stier (Taurus). Links unten der Arm und der Bogen vom Jäger Orion und in der Mitte der Kopf des Stieres mit Aldebaran und den Hyaden sowie der Rumpf des Tieres mit den Plejaden weiter oben rechts. Der Stern Omikron Tauri (ο Tauri) liegt rechts unten in der linken Vorderhufe, und die beiden Sterne Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) liegen links oben in den Spitzen der Hörner. Oberhalb der Plejaden am Bildrand ist ein Fuß des Sternbilds Perseus mit den beiden Sternen ζ Persei und Atik (ο Persei) zu sehen.

Neueren Untersuchungen des Archäologen Peter Kurzmann zu Folge könnte es sich bei den sieben sternförmigen Darstellungen direkt links der Mitte um den Stern Aldebaran (α Tauri) mit den zum offenen Sternhaufen der Hyaden gehörigen Sternen γ, δ, ε und θ Tauri im heutigen Sternbild Stier (Taurus) sowie den beiden Spitzen der Stierhörner und Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) handeln.[17]

Der Stern ε Tauri wird auch Ain genannt. Die beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres, und es ist interessant darauf hinzuweisen, dass Aldebaran und Ain nicht nur die astronomischen Namen α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) haben, sondern dass sie auch mit dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ain des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden können.[26] Im später eingeführten hebräischen Alphabet entsprechen diese dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ajin (zu Deutsch "Auge"). Diese Buchstaben tauchen auch im eng verwandten paläohebräischen Alphabet als Aleph und Ayin auf. Ferner ist bemerkenswert, dass der Frühlingspunkt auf der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) vor 5000 Jahren zwischen den ekliptikalen Längen dieser beiden Sterne lag und dass die Sonne während eines Sonnenjahres vom Anfang bei Aldebaran auf dieser Bahn bis zum Ende bei Ain zog. Im Christentum wird das "A und O" auf die Offenbarung des Johannes bezogen:[27]

Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

→ Siehe auch Exkurs Ochs und Esel.

Die Konstellation rechts der Mitte könnten die sieben Hauptsterne des offenen Sternhaufens der Plejaden, ebenfalls zum Sternbild Stier (Taurus) gehörig, sowie ganz rechts das nördlich angrenzende Sternbild Perseus darstellen. Der einzelne Stern links wurde mit einem der drei hellsten Sterne des nördlichen Sternhimmels südlich der genannten Sternhaufen in Verbindung gebracht:[17]

  • Der markante Rote Überriese Beteigeuze (α Orionis) im Sternbild Orion, die Schulter des Himmelsjägers (auch als linker Schulterstern bezeichnet, weil er vom Betrachter aus links oben ist).
  • Der hellste Stern im Sternbild Orion Rigel (β Orionis), der gegenüberliegende Fuß des Himmelsjägers.
  • Der hellste Stern des Sternhimmels Sirius (α Canis Majoris) im Hals- und Kopfbereich des Sternbilds Großer Hund (Canis Major).

In einer weiteren Untersuchung von Peter Kurzmann wird darauf hingewiesen, dass die Kanten der Steintafel nicht gebrochen, sondern bearbeitet und teilweise recht gerade sind, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Geometrie der Steintafel beabsichtigt ist und dass es sich nicht um ein Bruchstück aus einer größeren Tafel handeln dürfte. Eine in der Tafel erkennbare fünfeckige Struktur hat Ähnlichkeiten mit den Grundrissen maltesischer Tempel.[19]

Auch in einer anderen Tempelanlage auf Malta, im Südtempel von Mnajdra, haben sich Hinweise auf die mögliche Beobachtung der Plejaden im Altertum gefunden.[28]

Andere Forscher gehen davon aus, dass das halbkreisförmige Symbol eine Vogelbarke sei, mit der die Bewohner Maltas damals das Mittelmeer befahren hätten. Die Sternkonstellationen seien Abbilder der Adria-Region, des östlichen Mittelmeers und des Schwarzen Meers.[29] Folgt man diesem Ansatz, liegt die Basis der Steintafel nicht im Zentrum der Strahlen, sondern genau gegenüber, damit die Barke richtig, nämlich im Wasser schwimmend ausgerichtet wäre. Es wird mit Verweis auf Isaac Newtons Schrift The Chronology of Ancient Kingdoms Amended[30] davon ausgegangen, dieser hätte postuliert, dass Sternbilder zur Navigation verwendet wurden. In der Chronik finden sich zwar Verweise auf die Navigation mit Sternen und auf die Verwendung von Sternbildern im Altertum, jedoch betrifft dies weder die Zeit vor 4500 Jahren noch werden Navigation und Sternbilder von Newton in eine direkte Beziehung gebracht. Vielmehr weist er nur darauf hin, dass im Altertum zur Navigation die Auf- und Untergänge (Morgenerst und Morgenletzt beziehungsweise Abenderst und Abendletzt) einzelner Gestirne beobachtet wurden (auch heliakische und akronychische Auf- und Untergänge genannt). Von Übereinstimmungen von Sternbildern mit geographischen Gegebenheiten ist bei Newton ebenfalls keine Rede.[31]

Im Folgenden werden einige der erwähnten Himmelsobjekte sowie einige astronomische Sachverhalte etwas näher beschrieben und in Zusammenhang gebracht.

Die Plejaden

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Die hellsten Sterne im offenen Sternhaufen der Plejaden.

Der mit bloßen Auge sichtbare und sehr auffällige offene Sternhaufen der Plejaden (Siebengestirn, „M45“ im Messier-Katalog) befindet sich am Rand unserer Milchstraße im Sternbild Stier (Taurus), umfasst deutlich über 1000 Sterne und ist ungefähr 125 Millionen Jahre alt. In sehr vielen Kulturen haben die Plejaden einen Eigennamen, und auch deren hellste Sterne wurden in der Tradition der antiken griechischen Mythologie mit den Namen der Plejaden genannten Nymphen und deren Eltern versehen.

→ Ausführungen zu den Plejaden finden sich im Exkurs „Die Plejaden“.

Sichtbarkeit

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Die Plejaden stehen von Malta aus gesehen heute sowohl am 20. Mai (in Konjunktion zur Sonne sind sie dann unsichtbar) als auch am 18. November (in Opposition zur Sonne und um Mitternacht mit einer Höhe von 78 Bogengrad sehr hoch über dem südlichen Horizont) im Meridian. Der Meridian ist der gedachte Großkreis, der sowohl durch die beiden Himmelspole als auch durch den Zenit und den Nadir läuft. Im Winter und im Frühjahr sind die Plejaden am Abendhimmel in westlicher Richtung und im Sommer und im Herbst am Morgenhimmel in östlicher Richtung zu beobachten.

Die folgende Tabelle gibt die Zeitpunkte der ersten und letzten zu beobachtenden Auf- und Untergänge der Plejaden für Malta an (das Julianische Datum des Frühlingsanfangs war vor 5000 Jahren der 14. April). Heliakisch bedeutet hierbei "zur Sonne gehörend", also in Nähe zur aufgehenden Sonne. Diese muss allerdings unter dem Horizont stehen, und der Abstand zur Sonne (also die Elongation) muss mehr als 18 Bogengrad betragen, damit das in der Atmosphäre gestreute Sonnenlicht die Plejaden nicht überstrahlt. Die akronychischen, also "am Rand der beginnenden Nacht" befindlichen Aufgänge (Abenderst) sowie die heliakischen Untergänge (Morgenletzt) spielen für Fixsterne (und somit auch für die Plejaden) keine Rolle, da diese im Gegensatz zum Mond, zu den Planeten und zu Kometen in den Nächten zwischen Morgenerst und Abendletzt immer zu sehen sind:

Die Lage der Plejaden am Sternenhimmel
Ereignis Astronomische
Bezeichnung
Datum
heute
Julianisches Datum
vor 5000 Jahren
Tageszeit Richtung Höhe
Abendletzt Akronychischer Untergang 30. April 17. März Abends Westen Am Horizont
Sonnennähe Konjunktion zur Sonne 20. Mai 6. April Mittags Süden Dicht am Zenit
Morgenerst Heliakischer Aufgang 10. Juni 27. April Morgens Osten Am Horizont
Sonnenferne Opposition zur Sonne 18. November 7. Oktober Mitternacht Süden Dicht am Zenit

Von Malta aus gesehen kreuzten um 3000 vor Christus die Plejaden den Horizont beim Untergang in recht steilem Winkel, so dass sie besonders gut zu beobachten waren. Damals wie heute gehen die Plejaden auf der Linie des Horizonts ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik bei einem Azimut von rund 60 Bogengrad im Osten auf und bei 5 Bogengrad nördlich der Ekliptik bei einem Azimut von rund 300 Bogengrad im Westen unter.

Astronomische Bezugssysteme

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Die wichtigsten astronomischen Bezugssysteme für die Beschreibung des von der Erde aus beobachteten Sternenhimmels werden bei einer Armillarsphäre mit drei beweglichen Ringen, die die drei astronomischen Ebenen des Horizonts, des Himmelsäquators und der Ekliptik realisiert. Mit einfachen Ausführungen von solchen Armillarsphären beobachteten schon die Babylonier in der Antike das Geschehen am Nachthimmel.

→ Ausführungen zu den astronomischen Bezugssystemen

  • des Horizonts mit den vier Himmelsrichtungen, dem Zenit und dem Nadir,
  • des Himmelsäquators mit den beiden Himmelspolen, dem Frühlingspunkt und dem Herbstpunkt
  • sowie der Ekliptik mit dem Goldenen Tor der Ekliptik, dem Himmelsstier und dem Trichter der Thuraya

finden sich im Exkurs „Astronomische Bezugssysteme“.

Tage, Monate und Jahre

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Das Sonnenjahr (auch tropisches Jahr, altgriechisch τρόπος (tropos) = Drehung) beschreibt einen vollständigen Umlauf der Erde um die Sonne und hat 365,242 Tage - das sind knapp fünfeinviertel Tage mehr als 360, die Zahl, die im Gradsystem der Winkelmessung einem vollen Kreis entspricht. Da es knapp einen Vierteltag länger ist als 365 Tage, wird in den Kalender fast alle vier Jahre der 29. Februar als Schalttag am ehemaligen Ende des Kalenderjahres (der September war der siebente Monat, der Oktober der achte und so weiter) eingeschoben, damit die Jahreszeiten synchron mit dem Sonnenlauf bleiben. Dadurch bleibt auch der Zeitpunkt im Sonnenkalender, in dem die Sonne bei der Tag-und-Nacht-Gleiche den Frühlingspunkt erreicht, immer am gleichen Tag, nämlich dem Frühlingsanfang.

Mondzyklen

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Um Mitternacht fast im Zenit stehender Dezember-Vollmond.

Der Mond hat von allen wandelnden Gestirnen die kürzeste siderische Umlaufzeit, die nur einen Monat beträgt, und er ändert mit seinen ständig wechselnden Mondphasen täglich sein Aussehen und seine Lage in Bezug zum Fixsternhimmel. Mit einem scheinbaren Winkeldurchmesser, der mehr oder weniger so groß ist, wie derjenige der Sonne, kann er sehr gut und einfach beobachtet werden. Dies gilt insbesondere auch bei der Bedeckung von Sternen und Planeten (Okkultation) oder auch bei der Bedeckung der Sonne während einer Sonnenfinsternis. Der Mond kann während seiner Vollmondphase vom Erdschatten getroffen werden, so dass es zu einer Mondfinsternis kommt, bei der der Mond im Falle der Totalität eine stark rötliche Verfärbung erfährt („Blutmond“).

Da der Mond hell genug ist, im Gegensatz zur Sonne jedoch nicht blendet, kann er sowohl am Tag als auch in der Nacht beobachtet werden, sofern er über dem Horizont und nicht zu dicht an der Sonne steht. Dies macht ihn zum vorrangigen Objekt für die Beobachtung und die Gestaltung von Mondkalendern. Ein Mondviertel dauert ungefähr sieben Tage beziehungsweise eine Woche, und in jedem der vier Mondviertel steht er zu einer bestimmten Tageszeit in einem anderen Himmelsquadranten und somit in einer anderen der vier Himmelsrichtungen. Viele alte Mondkalender basieren daher auf der Einteilung der Ekliptik in 27 oder 28 Mondhäuser, in denen der Mond sich immer ungefähr einen Tag lang aufhält. Ein Mondjahr hat zwölf synodische Monate beziehungsweise 354,37 Tage - das sind gut fünfeinhalb Tage weniger als 360.

Durch die Beobachtung von mehrjährigen Mondzyklen können Finsternisse und Bedeckungen vorhergesagt werden.

→ Ausführungen zu verschiedenen Mondzyklen finden sich im Exkurs „Mondzyklen“.

Der Kalenderstein vom Tempel Mnajdra

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Skizze der Lochreihen auf dem Kalenderstein von Mnajdra nach Ventura und Hoskin.[28]

Indizien für die Beobachtung des Mondes durch die Neolithiker auf Malta sind auf Kalendersteinen vom maltesischen Tempel Mnajdra zu finden, die ebenfalls aus der Tempelperiode der Insel stammen.[28] Die Verehrung des Mondes spiegelt sich auch in einem runden Mondstein mit sechs Zentimetern Durchmesser wider, der im Hypogäum von Ħal-Saflieni gefunden wurde und aus dieser Zeit stammt.[32]

Es ist interessant festzustellen, dass auf dem östlichen Kalenderstein mehrere Lochreihen mit verschiedenen typischen Lochzahlen auftreten, die mit lunaren und solaren Kalendern im Zusammenhang stehen dürften. Die Stele ist heute so aufgestellt, dass die Bohrungen in horizontaler Richtung verlaufen, sie wurde möglicherweise jedoch senkrecht nach unten auf dem noch liegenden Stein durchgeführt, um die Wirkung der Gravitation ausnutzen zu können. So ausgerichtet wäre es dann auch möglich gewesen, für Markierungs- oder Zählzwecke beispielsweise kugelförmige Steine in die Löcher zu legen.

→ Ausführungen zu diesen Kalendersteinen finden sich im Exkurs „Mondzyklen“ im Abschnitt „Der Kalenderstein vom Tempel Mnajdra“.

Interpretation

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Skizze der Himmelsregion mit dem Sternengürtel am westlichen Nachthimmel, der auf der Himmelstafel von Tal-Qadi möglicherweise dargestellt ist.

Die Sterne sind keineswegs gleichmäßig über dem Himmel verteilt. Besonders viele, mit bloßem Auge jedoch meist nicht als einzelner Lichtpunkt auflösbar, verschmelzen in unserer Galaxie zu einem uns ringförmig umgebenden Lichtteppich, der Milchstraße. Unabhängig davon gibt es Regionen mit überwiegend schwach leuchtenden Sternen, wie den Trichter der Thuraya, und Bereiche mit zahlreichen hellen Sternen, wie den im Folgenden beschriebenen Sternengürtel.

Der Sternengürtel vom hellsten Stern des Firmaments Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major), über das sehr markante Sternbild Orion mit dem Roten Überriesen Beteigeuze und dem sehr hellen Stern Rigel, die sehr auffälligen offenen Sternhaufen der Hyaden mit dem sehr hellen Roten Riesen Aldebaran und Plejaden im Sternbild Stier (Taurus), das sich direkt angrenzende Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit dem sehr hellen Stern Capella, das ebenfalls seit sehr langer Zeit etablierte Sternbild Perseus mit dem Hauptstern Mirfak bis hin zum Sternbild Kassiopeia ("Himmels-W") ist auf der nördlichen Halbkugel der Erde gut erkennbar und einprägsam. Dieser Sternengürtel überbrückt zudem den schwach mit Sternen besetzen Ausschnitt unserer Milchstraße und grenzt ungefähr mittig an den sich nach Westen hin öffnenden Trichter der Thuraya.

Ein weiterer sich kreisförmig über den gesamten Himmel spannende Gürtel, in welchem sich die sieben hellen Wandelgestirne, Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, und Saturn bewegen, wird durch die bogenförmige Linie der Ekliptik beschrieben. Siehe hierzu auch Exkurs „Die Ekliptik“.

Der Schnittpunkt des oben genannten Sternengürtels mit der Ekliptiklinie befindet sich im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). In diesem Schnittpunkt lag vor 4500 Jahren zudem der Frühlingspunkt. Insofern ist es also nicht überraschend, wenn dieser Schnittpunkt als leicht und zuverlässig aufzufindender Referenzpunkt für freiäugige astronomische Beobachtungen ausgewählt wird, zum Beispiel, um die ekliptikalen Breiten und Längen der Wandelgestirne oder die Mondphasen zu untersuchen.

Das Sternbild Orion in der linken Bildhälfte mit dem Roten Überriesen Beteigeuze (α Orionis, links oben), das Sternbild Stier (Taurus) in der rechten Bildhälfte mit dem Roten Riesen Aldebaran (α Tauri, links oben in der V-förmigen Konstellation des offenen Sternhaufens der Hyaden) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden (rechts oben). Der rote Planet Mars (rechts unterhalb der Plejaden) auf dem Weg in das Goldene Tor der Ekliptik. Ganz rechts unten der helle Stern Menkar (α Ceti) und der Stern Kaffaljidhma (γ Ceti) im Sternbild Walfisch (Cetus).

Ausgehend von der Hypothese, dass die beiden Winkelsegmente links und rechts der Mitte der Himmelstafel von Tal-Qadi die Asterismen der Hyaden und der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) zeigen, die das Goldene Tor der Ekliptik bilden, könnte das halbkreisförmige Symbol im dazwischenliegenden mittleren Segment für den Bogen der Ekliptik über dem Horizont stehen. Im Goldenen Tor der Ekliptik können alle sieben gegenüber dem Fixsternhimmel hindurchziehenden Wandelgestirne beobachtet werden. Genau an dieser Stelle befand sich während der maltesischen Tarxien-Phase der Frühlingspunkt der Sonne respektive der Herbstpunkt des Vollmonds.

Bei der astronomischen Beobachtung der Hyaden und der Plejaden können mit Hilfe der entsprechend ausgerichteten und eingepassten Himmelstafel jederzeit und an jeder Stelle des Himmels unmittelbar Lage und Neigung der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Wandelgestirne oder gar deren Lauf beobachten zu müssen. Mit dieser Kenntnis ist es dann ebenfalls möglich, die jeweilige Lage der beobachteten Wandelgestirne auf der Ekliptik zu bestimmen, also eine Messung der ekliptikalen Länge zum Beispiel vom Frühlingspunkt aus oder von der langen rechten Kante der Himmelstafel aus vorzunehmen.

Die Ekliptik steht bei der unten beschriebenen Ausrichtung senkrecht in der Mitte dieser Kante. Von dort aus kann entlang der Kante nach oben oder nach unten die ekliptikalen Breite abgelesen werden. Somit ist bei längerfristiger Beobachtung eine Bestimmung der drakonitischen Periode zwischen den Durchgängen des Mondes durch die Mondknoten auf der Ekliptik möglich.

Die Höhe über der Ekliptik ist bei der Sonne definitionsgemäß Null, und bei den sichtbaren Planeten sowie dem Mond beträgt die Abweichung nur einige Grad. Somit tritt der Mond bei der Ausrichtung der Tafel alle 27 1/3 Tage senkrecht über die rechte untere Kante der Himmelstafel in das Goldene Tor der Ekliptik. Trifft er hierbei ungefähr vier Bogengrad nördlich der Ekliptik auf die Kante, kommt es einen Tag später zu einer Bedeckung der Plejaden durch den Mond. Läuft die Mondbahn hingegen auf der gegenüberliegenden Seite ungefähr fünf Bogengrad südlich auf die Kante, kommt es anderthalb Tage später zu einer Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond. Beides sind außergewöhnliche und besondere astronomische Ereignisse.[33] In diesem Kontext ist hervorzuheben, dass es nach der Bedeckung des Siebengestirns durch den absteigenden Mond eine Woche später häufig ebenfalls zur Bedeckung des Königssterns Regulus durch den Mond kommt (siehe hierzu auch „Der drakonitische Zyklus“ und „Das Goldene Tor der Ekliptik“).

Befindet sich der Mond bei dieser Beobachtung in der Nähe der Ekliptik, also in der Mitte der rechten unteren Kante der Himmelstafel, kann es bei zeitlicher Nähe zum Vollmond zu Mondfinsternissen und bei zeitlicher Nähe zum Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Bei regelmäßiger und langfristiger Beobachtung anhand der im Goldenen Tor der Ekliptik auftretenden ekliptikalen Breiten und Mondphasen konnte der 19-jährige Meton-Zyklus zu allen Zeiten nachvollzogen werden. So erschien der Vollmond zum Beispiel in der Nacht vom 29. zum 30. November 2020 im Goldenen Tor der Ekliptik (Bild siehe Exkurs „Astronomische Bezugssysteme“). An folgenden Vormittag kam es wegen der betragsmäßig hinreichend geringen ekliptikalen Breite von -1,8 Grad zu einer partiellen Halbschattenmondfinsternis, die in diesem Fall allerdings nur außerhalb von Europa auf der Nachtseite der Erde sichtbar war.[34]

Zuordnung der Sterne zur Darstellung

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Ob und welche Sternbilder vor 4500 Jahren in Gebrauch waren, ist unbekannt. Da in der Dämmerung und bei vorhandenem Mondlicht nur die hellsten Sterne des Firmaments zu sehen sind, empfiehlt es sich, für eine Zuordnung der auf der Himmelstafel dargestellten Sterne insbesondere diese in Betracht zu ziehen. Die folgende Tabelle zeigt die hellsten Objekte im Bereich der möglicherweise auf der Himmelstafel von Tal-Qadi dargestellten Himmelsregion:

Die hellsten Himmelsobjekte im Bereich der grob eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi.
Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Scheinbare
Helligkeit
Sirius α Canis Majoris -1,5m
Capella α Aurigae 0,0m
Rigel β Orionis 0,0m
Beteigeuze α Orionis 0,5m
Hyaden Sternhaufen (Taurus) 0,5m
Aldebaran α Tauri 1,0m
Plejaden Sternhaufen (Taurus) 1,5m
Alnilam ε Orionis 1,5m
Alnitak ζ Orionis 1,5m
Bellatrix γ Orionis 1,5m
Elnath β Tauri 1,5m
Alamak γ Andromedae 2,0m
Algol β Persei 2,0m
Caph β Cassiopeiae 2,0m
Hamal α Arietis 2,0m
Menkalinan β Aurigae 2,0m
Mintaka δ Orionis 2,0m
Mirfak α Persei 2,0m
Saiph κ Orionis 2,0m
Schedir α Cassiopeiae 2,0m
Tsih γ Cassiopeiae 2,0m
Ruchbah δ Cassiopeiae 2,7m

Abgesehen von den in Bezug auf die beschriebene Region auf der linken Seite deutlich abgelegenen Sterne Sirius, Rigel und Saiph und den weit oberhalb gelegen Sternen Menkalinan und Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga) können alle anderen hellen Sterne der Himmelstafel zugeordnet werden.

Es sei angemerkt, dass unter den hier genannten Voraussetzungen das radiale Zentrum der Begrenzungslinien der fünf Segmente der Himmelstafel beim Stern ο Tauri (omikron Tauri) liegt, der zwar mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,5m nicht ganz so hell wie die anderen beschriebenen Sterne im Sternbild Stier (Taurus) ist, aber dennoch zu den gut erkennbaren Sternen der Region zählt und sich daher sehr gut für eine präzise Einpassung der Tafel verwenden lässt.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Himmelstafel durch den großen dargestellten Winkelbereich auch bei störenden Wolken korrekt eingepasst werden kann. Beteigeuze, Aldebaran, Mirfak und Algol sowie die Cassiopeia-Sterne sind über einen so weiten Bereich verteilt, dass auch bei verdeckter Sicht auf vereinzelte Himmelsregionen immer eine zuverlässige Ausrichtung der Himmelstafel möglich ist.

Linkes Segment (1)

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Der einzelne Stern im linken Segment könnte in dieser Konstellation zum hellsten Stern des gesamten Nachthimmels Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major) passen, der auch schon im alten Ägypten im 3. Jahrtausend vor Christus eine Kalenderfunktion hatte, da sein Auftauchen in der Morgendämmerung die Nilflut ankündigte.

Zwischen Sirius und dem Goldenen Tor der Ekliptik liegt allerdings das auffällige Sternbild Orion. Die Sumerer sahen in diesem Sternbild ein Schaf, der Jäger der griechischen Mythologie Orion und das Sternbild Orion sind erst später belegt. Dessen auffällig roter Schulterstern Beteigeuze kommt aus geometrischer Sicht eher als der auf der linken Seite der Tafel einzeln dargestellte Stern in Frage. Die sechs zwischen dem radialen Zentrum der Himmelstafel und Beteigeuze dargestellten Linien können in der heutigen Darstellung des Orion hierbei dem aus den sechs π-Sternen bestehenden Bogen (der zentrale und mit 3m hellste dieser Reihe π3 Orionis wird nach seinem arabischen Namen al-thābit auch Tabit genannt), dem Arm zum Stern der Schulter Bellatrix, der Schulterlinie zum Stern der anderen Schulter Beteigeuze sowie unterhalb davon zum Gürtel mit den drei Gürtelsternen Mintaka, Alnilam und Alnitak entsprechen.

Halblinkes Segment (2)

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Der Y-förmige Teil des Sternbilds Taurus (Stier) besteht heute aus den folgenden hellen Himmelsobjekten:

  • Nördlich der Ekliptik:
    • Elnath (β Tauri, rechte Hornspitze, gehört gleichzeitig zum Sternbild Auriga (Fuhrmann))
  • Südlich der Ekliptik:
    • Offener Sternhaufen der Hyaden (Kopf des Stieres, inklusive Ain)
    • Aldebaran (α Tauri, rotes, rechtes Auge)
    • Tien Kuan (ζ Tauri, linke Hornspitze)

Die Linien zwischen unterhalb der Hyaden können mit den dunkleren, noch mit bloßem Auge sichtbaren Sternen im Sternbild Stier (namentlich λ Tauri (3,5m) und e Tauri (5m)) zusammenhängen und auf den Stern ο Tauri an der unteren Spitze der ausgerichteten Himmelstafel zulaufen.

Die Spitze zwischen dem halblinken und dem mittleren Segment markiert das vierte Mondhaus Manazil al-Qamar Aldebaran, also beim Nachfolgenden der Plejaden, dem Roten Riesen Aldebaran, (indisch: Nakshatra Rohini, der Rötliche) .

Mittleres Segment (3)

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Die Ekliptik über dem Horizont in Blickrichtung Süden beim Sonnenuntergang zum Frühlingsanfang.

Der Bogen mit der dazwischenliegenden geraden Linie im mittleren Segment der Himmelskarte von Tal-Qadi dürfte kein Symbol für ein Tor sein. Tore mit halbrunden Bogen waren während der Entstehungszeit der Himmelstafel in der Tarxien-Phase noch gar nicht verbreitet.

Es muss in diesem Zusammenhang jedoch zur Kenntnis genommen werden, dass die Ekliptik vom Horizontsystem der Erde aus gesehen einen konvexen Kreisbogen darstellt, der den Horizont an zwei Punkten schneidet und sich unterhalb von diesem fortsetzt. Wegen der großen Ähnlichkeit ist es nicht abwegig anzunehmen, dass das im mittleren Segment der Steintafel gezeigte Symbol, das genau im Goldenen Tor der Ekliptik liegt, den Kreisbogen der Ekliptik über dem Horizont und auch noch etwas unterhalb des Horizonts darstellt.

Vor 4500 Jahren befand sich der Frühlingspunkt auf der ausgerichteten Himmelstafel in dem D-förmigen Symbol dieses mittleren Segments.

Monduntergang am Horizont des westlichen Morgenhimmels.

Neben der einfachen Deutung des Kreisbogens im mittleren Winkelsegment der Himmelstafel als Bogen der Ekliptik über dem Horizont gibt es noch eine weitere Möglichkeit für eine Erklärung: heute kann zur Wintersonnenwende morgens alle 19 Jahre der Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik beim Untergang beobachtet werden, wo er dann direkt über dem westlichen Horizont oder an der oberen Kante der eingepassten Himmelstafel als nach oben gewölbter Halbkreis zu sehen ist.

Halbrechtes Segment (4)

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Detail an der rechten, 22 Zentimeter langen Kante der in 60 Zentimeter Betrachtungsabstand eingepassten Himmelstafel mit maßstäblich dargestellten Vollmonden. Die roten Linien zeigen die senkrecht auf der rechten Kante der Tafel stehende Ekliptik sowie parallel dazu die beiden extremen ekliptikalen Breiten der Mondbahn nördlich und südlich der Ekliptik an. Trifft der Mond die Kerbe an der langen Kante der Himmelstafel (grau), kommt es einen Tag später zu einer Bedeckung der Plejaden. Auch bei der maximal südlichsten Lage der Ekliptik ist an der langen Kante eine eingekerbte Markierung zu erkennen. Trifft der Mond diese Stelle, kommt es anderthalb Tage später zur Bedeckung des Sterns Aldebaran.

Im Sternbild Taurus (Stier) liegt nördlich der Ekliptik der offene Sternhaufen der Plejaden, die im halbrechten Segment dargestellt sind. Im Schwerpunkt dieser Darstellung befinden sich nach der Ausrichtung der Himmelstafel die Plejaden und somit die ekliptikale Länge des dritten Mondhauses Manazil al-Qamar Thuraya (indisch: Nakshatra Krittika). Von Plejaden in Richtung radialem Zentrum der Himmelstafel sind mehrere Striche vorhanden, die die entsprechenden dort liegenden Sterne andeuten könnten (namentlich ξ Tauri (3,5m), s Tauri (5m) und f Tauri (4m)). Die Plejaden kreuzten den Horizont vor 5000 Jahren beim Untergang fast senkrecht und exakt im Westen und beim Aufgang exakt im Osten, da deren Deklination damals null Bogengrad betrug.

An der Stelle und in der Richtung, wo in den beiden rechten Winkelsegmenten die dicke Querfurche erkennbar ist, verläuft am Nachthimmel ungefähr die – an dieser Stelle allerdings nur schwach ausgeprägte – Milchstraße. Jenseits der Milchstraße liegen im Segment rechts der Mitte gegenüber den Plejaden zwei Sterne, die mit den beiden Hauptsternen Menkalinan (links) und Capella (rechts) des Sternbilds Fuhrmann (Auriga) identifiziert werden könnten.

Aufgrund der Erfahrungen mit dem Einpassen einer maßstäblichen Replik der Sterntafel in die Konstellation scheinen die beiden Sterne ζ Persei (4m) und Atik (ο Persei, 2,7m) dargestellt sein, die heute den hinteren Fuß des Sternbilds Perseus direkt nördlich der Plejaden bilden. Bei den Babyloniern wurde dieses Sternbild - vermutlich wegen der nach vorne gebeugten Anmutung - als Alter Mann (SU.GI) bezeichnet. Bei den Beduinen werden die beiden Sterne al-Atiq (bestehend aus ζ Persei und ο Persei) seit Urzeiten als das Schulterblatt von Thuraya (auch al-Thurayya) angesehen.[35] Die beiden Arme der Thuraya breiten sich vom Betrachter aus gesehen von den Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) nach links bis zu Menkar im Sternbild Walfisch (Cetus) und nach rechts über das Sternbild Perseus bis hin zum Sternbild Kassiopeia (Cassiopeia) aus, wo sich jeweils die Hände befinden. Die deutlich kürzere Hand auf der linken Seite gilt als die amputierte Hand, und die Hand auf der rechten Seite als die mit Henna tätowierte Hand. An der Stelle des tätowierten Handgelenks befinden sich die beiden mondgroßen, mit bloßem Auge sichtbaren offenen Sternhaufen h und χ Persei.[36]

Eine weitere Möglichkeit der Deutung wäre, dass alle neun mit bloßem Auge sichtbaren Sterne des offenen Sternhaufens der Plejaden in diesem Winkelsegment dargestellt sind, also zusätzlich zu den sieben Hauptsternen auch Celaeno und Asterope, beziehungsweise die beiden Eltern, also der Titan Atlas und die Okeanide Pleione, mit all ihren sieben Töchtern Alkyone, Asterope, Elektra, Kelaeno, Maia, Merope und Taygete.

Rechtes Segment (5)

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Das rechte Segment zeigt einen Stern, der zu dem sehr hellen, mitten in der Milchstraße liegenden Stern Mirfak im Sternbild Perseus passt. Diesseits der Milchstraße gibt es in diesem Segment die drei hellen Sterne Algol im Sternbild Perseus, Alamak im Sternbild Andromeda und ganz unten eventuell auch noch Hamal im Sternbild Widder (Aries). Dahinter liegt das sehr auffällige Sternbild Kassiopeia (Cassiopeia oder auch Himmels-W) mit seinen fünf Sternen, von denen Segin (ε Cassiopeiae, 3,3m) allerdings erkennbar dunkler ist als Ruchbah, Tsih, Shedar und Caph.

Die Konstellation dieser vier Sterne könnte also in der rechten Ecke der Himmelstafel angedeutet sein. Hierzu kann zur Kenntnis genommen werden, dass von Malta aus gesehen heute lediglich die Sternbilder Giraffe (Carmelopardalis), Kassiopeia, Kepheus (Cepheus) und Kleiner Bär (Ursa Minor) vollständig zirkumpolar sind. Von diesen vier Sternbildern hat nur das Sternbild Kassiopeia vier Sterne zweiter Größenklasse (2m) und ist somit zu jedem Zeitpunkt der Nacht und sogar in der Dämmerung einfach und eindeutig zu erkennen. Vor 4500 Jahren lag der nördliche Himmelspol allerdings zwischen dem Großen Wagen im Großen Bären (Ursa Major) und dem Kleinen Bären (Ursa Minor), und nur die heutigen Sternbilder Kleiner Bär (Ursa Minor) und der langegezogene Drache (Draco) waren damals zirkumpolar. Das Sternbild Kassiopeia stand aber immerhin 15 Stunden lang täglich über dem Horizont und kündigte mit seinem Aufgang rechtzeitig den Aufgang der Plejaden an.

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass die Trennlinie zwischen dem halbrechten und dem rechten Segment der ausgerichteten Himmelstafel damals genau auf die Pole des Himmelsäquators gezeigt hat. Ferner zeigt die senkrecht auf der Ekliptik stehende langen Kante der ausgerichteten Tafel naturgemäß auf die beiden Himmelspole des ekliptikalen Koordinatensystems. Die Schiefe der Ekliptik zum Datum 2500 vor Christi Geburt entspricht mit 24 Bogengrad erstaunlich genau dem Winkel des rechten Segments der Himmelstafel.

Die lange Kante der ausgerichteten Himmelstafel befindet sich im zweiten Mondhaus Manazil al-Qamar Botein, also im Bäuchlein des Widderlammes, (indisch: Nakshatra Bharani, der Wegtragende) und lässt sich zum Ablesen der vom Mond erreichten ekliptikalen Breiten verwenden. Die markante Kerbe an dieser Kante markiert die nördliche ekliptikale Breite der Plejaden. Die ekliptikalen Breiten des Mondes ändern sich an dieser Stelle wegen der Nähe zum Maximum der nördlichen ekliptikalen Breite nur langsam, so dass es am Folgetag zur Bedeckung der Plejaden durch den Mond kommen wird, wenn der Mond auf diese Kerbe stößt. Dies war zu allen Zeiten ein besonderes Ereignis, so dass diese auffällige Markierung eventuell auch in diesem Zusammenhang als ein Werkzeug für eine solche Vorhersage gesehen werden kann. Da die von dieser Kerbe ausgehende Furche in Richtung des vierten Winkelsegments der Himmelstafel in noch größere nördliche ekliptikale Breiten führt, könnte diese Furche eventuell auch die Tatsache symbolisieren, dass der Mond sogar außerhalb des Goldenen Tors der Ekliptik nördlich an den Plejaden vorbeiziehen kann.

Lage der Ekliptik in Malta

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Lage von Horizont (grün), Himmelsachse (blau) und Ekliptik (rot) mit dem Frühlingspunkt im Westpunkt (Höhe = 0 Bogengrad, ekliptikale Länge = 0 Bogengrad und Azimut = 270 Bogengrad) von Malta aus gesehen im Jahr 2500 vor Christus. Die winkeltreue Abbildung basiert auf einer Blickrichtung zum Azimut 300 Bogengrad auf dem Horizont. Der Meridian (ebenfalls grün) ist der Großkreis, der die drei Nordpole und die drei Südpole der drei sphärischen Koordinatensysteme sowie den Zenit und den Nadir miteinander verbindet. Er kreuzt die Ekliptiklinie bei den beiden ekliptikalen Längen 90 Bogengrad und 270 Bogengrad.

Die Ekliptik kreuzt auf der geographischen Breite von Malta (zirka 36 Bogengrad) den Horizont in westlicher Richtung je nach Epoche, Tages- und Jahreszeit zwischen den Azimuten 240 Bogengrad und 300 Bogengrad, also in einem Bereich zwischen 30 Bogengrad südlich (links) und 30 Bogengrad nördlich (rechts) um den Westpunkt (Azimut = 270 Bogengrad). Die Schwankungen der azimutalen Lage der Ekliptik auf dem Horizont im Laufe der letzten Jahrtausende waren von Malta aus gesehen moderat:

  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling
    • bei Sonnenaufgang relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne fast senkrecht genau im Westen, im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
  • Zur Sommersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • mittags fast senkrecht genau im Westen, im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • um Mitternacht relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst
    • bei Sonnenaufgang fast senkrecht genau im Westen, im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
  • Zur Wintersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • mittags relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • um Mitternacht fast senkrecht genau im Westen, im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)

In Malta erreicht der Vollmond zur Sommersonnenwende um Mitternacht heute je nach ekliptikaler Breite nur eine Horizonthöhe von rund 25 bis 35 Bogengrad, die Sonne steht dann mittags allerdings mit einer Horizonthöhe von 77,5 Bogengrad (vor 4500 Jahren ungefähr 78 Bogengrad) fast im Zenit (Horizonthöhe = 90 Bogengrad), und es resultiert der längste Tag des Jahres. Zur Wintersonnenwende ist es umgekehrt, und es ergibt sich bei rund 30 Bogengrad der niedrigste Sonnenstand und damit der kürzeste Tag des Jahres. Bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Herbstanfang erreicht die Ekliptik zum Sonnenaufgang ihre maximale Höhe und maximal über dem Horizont sichtbare Bogenlänge und zum Sonnenuntergang das jeweilige Minimum, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang ist es wiederum umgekehrt.

Verschiedene Lagen der eingepassten Himmelstafel

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In diesem Abschnitt sind die fünf winkeltreuen Lagen der in den Himmelsstier eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi in den fünf verschiedenen Himmelsrichtungen Osten, Südosten, Süden, Südwesten und Westen um 2500 vor Christus von Malta aus gesehen dargestellt.

Die Verbindungslinie zwischen Plejaden und Hyaden im Goldenen Tor der Ekliptik kreuzte damals den Frühlingspunkt auf der Ekliptik (ekliptikale Länge 0 Bogengrad). Der Horizont mit den dazugehörigen Himmelsrichtungen ist jeweils als grüne durchgezogene horizontale Linie und dargestellt; ebenfalls grün sind der Meridian mit Zenit und Nadir. Die Ekliptiklinie und die entsprechenden ekliptikalen Längen sind rot dargestellt, ebenso wie der ekliptikale Großkreis, der die Ekliptik im Frühlingspunkt senkrecht schneidet, sowie der Nordpol und der Südpol der Ekliptik. Die Ekliptik hatte eine Neigung von zirka 24 Bogengrad zum Äquator.

Die blauen Linien zeigen den senkrecht zum Himmelsäquator durch den Frühlingspunkt laufenden Großkreis des äquatorialen Koordinatensystems mit Himmelsnordpol und Himmelssüdpol. Der Himmelsnordpol hat von Malta aus gesehen eine Höhe von rund 36 Bogengrad über dem Horizont. Liegen Frühlingspunkt und Herbstpunkt genau in Richtung Osten und Richtung Westen schneiden sich dort alle Großkreise auf dem Horizont.

Die roten gepunkteten Linien zeigen die verlängerten Richtungen der langen gerade Kante der Himmelstafel zu den Ekliptikpolen an. Die blauen gepunkteten Linien zeigen die verlängerten Richtungen der um 24 Bogengrad zur langen Kante der Himmelstafel geneigten Trennline zwischen den beiden rechten Winkelsegmenten der Himmelstafel zu den Polen der Himmelskugel an.

Die Lage der Himmelstafel von Tal-Qadi in verschiedenen Himmelsrichtungen
Richtung des Frühlingspunkts Osten Südosten Süden Südwesten Westen
Darstellung der eingepassten
Himmelstafel von Tal-Qadi mit den
horizontalen (grün),
äquatorialen (blau) und
ekliptikalen (rot)
Koordinatensystemen
Sichtbarkeit zur
Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling
abends
Sichtbarkeit zur
Sommersonnenwende
frühmorgens
Sichtbarkeit zur
Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst
spätabends mitternachts frühmorgens morgens
Sichtbarkeit zur
Wintersonnenwende
spätnachmittags abends spätabends mitternachts

Auf- und Untergänge

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Die eingepasste Himmelstafel beim Aufgang der Plejaden am östlichen Horizont von Malta.

Beim Aufgang stehen die Plejaden im Osten fast senkrecht über den Hyaden, und die Ekliptik verläuft dann nicht aufrecht, sondern relativ flach zum Horizont nach Süden hin ansteigend.

Der Aufgang der Plejaden wurde bereits vier Stunden im Voraus durch die oben im rechten Winkelsegment genannten Sterne angekündigt. Kassiopeia ging auf Malta damals genau im Nordosten auf, zwei Stunden später etwas weiter östlich gefolgt von Mirfak (α Persei) und Alamak (γ Andromedae). Ungefähr eine Stunde danach erschienen Algol (β Persei) und Hamal (α Arietis), eine weitere Stunde später genau im Osten die Plejaden sowie noch eine Stunde später dann dort die Hyaden und der Rote Riese Aldebaran (α Tauri, arabisch al-dabaran für der (Nach-)folgende). Noch zwei Stunden später - insgesamt also sieben Stunden nach Kassiopeia - ging schließlich der Rote Überriese Beteigeuze (α Orionis) im Osten auf. Alle genannten Sterne kreuzten den östlichen Horizont beim Aufgang unter einem Winkel von ungefähr 45 Bogengrad.

Eventuell könnte die dicke Querfurche in den beiden rechten Segmenten der Himmelstafel den Verlauf des östlichen Horizonts vor dem Aufgang der Plejaden andeuten, die damals fast exakt im Osten aufgegangen waren. Von Tal-Qadi aus gesehen wird der Horizont in Richtung Osten durch einen flachen Hügel bestimmt. Wenn die Furche während des Aufgangs der Plejaden mit der Kontur dieses Hügels in Übereinstimmung gebracht wurde, waren Mirfak (α Persei), Algol (β Persei) und Hamal (α Arietis) bereits gut eine Stunde zu sehen, und Bharani (41 Arietis oder auch Nair al Butain) war knapp eine Stunde vorher sowie Atik (ο Persei) nur knapp eine halbe Stunde zuvor aufgegangen. Da die beiden Sterne Atik und Bharani zur Einpassung der Himmelstafel verwendet werden können, ist auf diese Weise über die Darstellungen auf der Himmelstafel eine Lagebestimmung der Plejaden und von Aldebaran möglich, obwohl sich diese noch unter dem Horizont befinden und somit gar nicht sichtbar sind.

Die untere Spitze der eingepassten Himmelstafel steht bei der schwierigen letzten, nur kurzzeitigen Möglichkeit zur Beobachtung der Plejaden am westlichen Abendhimmel ungefähr auf dem Horizont. Nach diesem akronychischen Untergang beziehungsweise Abendletzt (heute um den 1. Mai) sind sie in den nördlichen subtropischen Breiten mit bloßem Auge für vierzig Tage nicht mehr als Siebengestirn zu sehen. Stehen die Plejaden an diesem Abend noch höher, werden die dunkleren Sterne des Sternhaufens vom Tageslicht überstrahlt, stehen sie bereits niedriger, wird deren schwaches Licht auf dem langen Weg durch die Atmosphäre durch die Lichtstreuung und die vermehrte Extinktion verschleiert.

Am westlichen Himmel von Malta befinden sich Aldebaran und die Hyaden zum Frühlingsbeginn etwas südlich (links unterhalb) und die Plejaden etwas nördlich (rechts oberhalb) der Ekliptik. Die Verbindungslinie zwischen den Sternhaufen ist beim Untergang dieser Sterne dann also in etwa parallel zum Horizont.

Beim Untergang verschwand von diesen Sternen damals zuerst Hamal (α Arietis) genau im Westen, eine Stunde danach gefolgt von Alamak (γ Andromedae) etwas weiter nördlich und vom heutigen Sternbild Kassiopeia zuerst Caph (β Cassiopeiae) im Nordwesten. Ungefähr eine weitere Stunde später folgten das Goldene Tor der Ekliptik im Westen und Algol (β Persei) sowie Mirfak (α Persei) etwas weiter nördlich. Die Sterne Algol (β Persei) und Ruchbah (δ Cassiopeiae) gingen hierbei erst gleichzeitig mit den Plejaden unter und danach ebenfalls gleichzeitig Aldebaran (α Tauri) und Mirfak (α Persei) sowie übrigens auch zusammen mit dem hellen Stern Rigel (β Orionis). Den Abschluss machte weitere anderthalb Stunden später Beteigeuze (α Orionis) gleichzeitig mit den beiden Hornspitzen des Sternbilds Stier (Taurus) Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri). Alle genannten Sterne kreuzten den westlichen Horizont beim Untergang fast senkrecht.

Die Himmelstafel kann in Verbindung mit den Plejaden-Schaltregeln unterstützend eingesetzt werden, um anhand der ekliptikalen Länge des Mondes den Beginn des Sonnenjahres beziehungsweise das Erfordernis zum Einsetzen eines Schaltmonats in einem Lunarkalender zu ermitteln.

→ Siehe hierzu auch Kapitel Die Plejaden, Abschnitt Schaltregeln.

Praktische Anwendung

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Übersicht

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Die folgende Galerie zeigt eine Astrophotographie der relevanten Himmelsregion, mit verschiedenen Elementen und schließlich auch der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi zur besseren Orientierung:

Vollmond

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Das folgende Bild zeigt, wie mit der Himmelstafel von Tal-Qadi die ekliptikalen Breite des Vollmonds gemessen werden kann, indem sie zwischen vier markanten Sternen eingepasst wird, die in Bezug auf die Plejaden in der Mitte der Anordnung in vier senkrecht zueinanderstehenden Richtungen liegen. Wird die Himmelstafel zwischen dem Hauptstern des Sternbilds Stier (Taurus) Aldebaran links in der Kerbe des halblinken Segments, dem Sternenpaar ζ Persei und Atik im Sternbild Perseus an der Oberkante des halbrechten Segments und ο Tauri im radialen Zentrum unten eingepasst, schneidet die Ekliptik die gerade Kante am äußersten rechten Segment sowohl mittig, als auch senkrecht dazu. Der Stern Bharani im Widder (Aries) befindet sich dann direkt an der rechten oberen Ecke der langen, geraden Kante.

Der Mond hatte während der Aufnahme eine (südliche) ekliptikale Breite von -3,0 Bogengrad und stand im zweiten Mondhaus beim Stern Bharani im Sternbild Widder (Aries).

Merkur

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Der Merkur war aber auch auf Malta mit bloßem Auge nur selten zu beobachten und eignete sich nicht, um kontinuierlich mit der Himmelstafel von Tal-Qadi vermessen zu werden. Zudem konnte sie in Ermangelung sichtbarer Fixpunkte dann auch nicht immer zuverlässig in den Sternenhimmel eingepasst werden.

Venus

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Die Venus am 2. April 2020 kurz vor Beginn der astronomischen Dämmerung bei großer nördlicher ekliptikaler Breite und großer östlicher Elongation kurz vor der Annäherung an die Plejaden.

Aufgrund der Eigenbewegung der Plejaden konnte die Venus bei maximaler nördlicher ekliptikaler Breite den südlichsten Stern dieses Sternhaufens, Atlas, vor 4800 Jahren noch bedecken. Danach konnte dann nur noch die Annäherung der Venus an den Sternhaufen beobachtet werden. Heute ist der minimal mögliche Abstand zwischen Atlas und Venus auf über ein halbes Bogengrad angewachsen.

Die folgenden Bilder zeigen ein Anwendungsbeispiel mit der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi mit der Messung der ekliptikalen Breite der Venus, die im Moment der Aufnahme Ende März 2020 über dem westlichen Horizont des Abendhimmels eine nördliche ekliptikale Breite von 3,0 Bogengrad hatte:

Hier ein Anwendungsbeispiel mit der zwischen den Sternen Aldebaran (α Tauri) im Sternbild Stier (Taurus), Atik (ζ Persei) im Sternbild Perseus, Bharani (41 Arietis) im Sternbild Widder (Aries) und ο Tauri (omikron Tauri) eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi bei der Messung der ekliptikalen Breite vom Planeten Mars am 12. Februar 2021, 24 Tage vor dessen Erreichen des Goldenen Tors der Ekliptik. Der Mars hatte während der Aufnahme eine (nördliche) ekliptikale Breite von 1,35 Bogengrad, und somit nur etwas weniger als der Stern Botein (δ Arietis) direkt links neben Mars in der Abbildung bereits innerhalb der Himmelstafel.

Jupiter

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Die Jupiterscheibe (rechts unten) mit den vier (nur bei voller Bildauflösung und in der Natur nicht mit bloßem Auge erkennbaren) Galileischen Monden Io, Ganymed, Europa und Kallisto (bei maximaler Elongation rechts oberhalb von Jupiter) im Verhältnis zum Vollmond bei der Begegnung am 10. April 2017 im Sternbild Jungfrau (Virgo). Der Winkeldurchmesser der Jupiterscheibe betrug gut 44 Bogensekunden, und lag somit unterhalb der Winkelauflösung des menschlichen Auges von einer Bogenminute, so dass Jupiter nicht als flächenhaftes Objekt wahrgenommen werden kann.

Anfang des Jahres 2024 wird sich der Planet Jupiter mit einer südlichen ekliptikalen Breite von zirka 0,75 Bogengrad nach knapp zwölf Jahren (zuletzt im Juli 2012 prograd (rechtläufig) und Ende Januar 2013 retrograd (rückläufig)) erneut dem Goldenen Tor der Ekliptik nähern. Mitte April erscheint er beim Untergang im Westen an der langen Kante der am abendlichen Himmel ausgerichteten Himmelstafel. Am 18. Mai 2024 steht er dann unsichtbar mit der Sonne in Konjunktion, und eine Woche später hat er die ekliptikale Länge der Plejaden erreicht. Mitte Juni steht er im Goldenen Tor der Ekliptik und kann dann am östlichen Morgenhimmel beim Aufgang beobachtet werden.

Saturn

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Der Planet Saturn am 2. September 2023 von Berlin aus mit einem Teleobjektiv aufgenommen. Der scheinbare Durchmesser der Planetenkugel betrug in Erdnähe nur 19 Bogenminuten und der des Ringes nur 44 Bogenminuten, so dass beide mit bloßem Auge nicht als Fläche erkennbar waren.

Der Saturn hat eine siderische Umlaufzeit von fast dreißig Jahren. Das nächste Mal erreicht er das Goldene Tor der Ekliptik in Bezug auf den Fixsternhimmel rechtläufig (prograd) erst im Sommer 2030. Nach einer Kehrtwende beim Stern Ain im September und Oktober 2030 passiert er das Goldene Tor der Ekliptik im November und Dezember 2030 noch einmal rückläufig (retrograd). Nach einer erneuten Kehrtwende Anfang Februar 2031 wird er dann wieder rechtläufig (prograd) und passiert von Ende März bis Anfang April 2031 schließlich zum dritten Mal das Goldene Tor der Ekliptik. Am 24. April 2031 kommt es in nördlichen Breiten am Nachmittag übrigens in wenigen Bogengrad Entfernung von den beiden Sternen Ain und Aldebaran zu einer Bedeckung des Saturns durch den nicht einmal drei Tage alten Mond, die wegen des Tageslichts in Europa allerdings mit bloßem Auge nicht zu beobachten sein wird.

Im September 2059 wird er dann bereits kurz vor dem Erreichen des Goldenen Tors der Ekliptik rückläufig (retrograd) und Ende Januar 2060 wieder rechtläufig (prograd), so dass er dann nur einmal im Mai 2060 in Konjunktion mit der Sonne hindurchtritt.

Schlussbetrachtung

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Jeder Astronom weiß, wie schwierig es ist, in der Dunkelheit der Nacht Geräte zu bedienen sowie Dokumente zu lesen oder zu schreiben. Eine gut ertastbare und gegebenenfalls vom Dämmerlicht oder von roter Glut in moderater und für eine gleichzeitige Himmelsbeobachtung hinnehmbarer Weise beleuchtete Tafel ist in diesem Kontext gewiss ein brauchbares Hilfsmittel.

Die in den Asterismus Himmelsstier (gelbe Linien) eingepasste Himmelstafel von Tal-Qadi mit roten Orientierungslinien für die Ekliptik (dicke gepunktete Linie), für den Schwankungsbereich der ekliptikalen Breites des Mondes (dünne gepunktete Linien 5,5 Bogengrad südlich und nördlich der Ekliptiklinie) sowie für die Nordrichtung (grün).
In der Mitte der Himmelsstier, der neben dem Sternbild Stier (Taurus) unten in der Mitte auch den hellen Stern Menkar (α Ceti) im Sternbild Walfisch (Cetus) und das Sternbild Widder (Aries, rechts vom Vollmond) umfasst.
Der helle Rote Riese Aldebaran befindet sich an der linken Kerbe der Himmelstafel, der hintere Fuß des Perseus (ς Persei und Atik) am oberen kleinen Bogen der Himmelstafel, ο Tauri unten an der Ecke der Himmelstafel und Bharani (41 Arietis oder auch Nair al Butain) an der rechten Ecke der Himmelstafel.
Die Ekliptik kreuzt die Mitte der langen Kante der Himmelstafel senkrecht, das halbkreisförmige Symbol in der Mitte der Himmelstafel und die Spitze der Himmelstafel (links oben im Bild). Die Plejaden befinden sich in der Mitte des vierten Winkelsegments der Himmelstafel von links. Die Pole des ekliptikalen Koordinatensystems liegen in Verlängerung der langen Kante der Himmelstafel (dünne rote gepunktete Linie). Die Himmelspole des äquatorialen Koordinatensystems liegen um 24° versetzt in Richtung der Linie zwischen den beiden rechten Winkelsegmenten der Himmelstafel. Die ekliptikale Breite der Wandelgestirne kann an der langen Kante der Himmelstafel (dünne rote gepunktete Linie) senkrecht zur Ekliptiklinie abgelesen werden. Der Vollmond befand sich während der Aufnahme südlich der Ekliptik (ekliptikale Breite = -3 Bogengrad).
Links unten das Sternbild Orion, rechts oberhalb der Himmelstafel das Sternbild Perseus, links oberhalb der Himmeltafel das Sternbild Fuhrmann (Auriga), rechts oben das Sternbild Kassiopeia (Himmels-W), links oben das Sternbild Zwillinge (Gemini), rechts neben der Himmelstafel das kleine Sternbild Dreieck (Triangulum) und rechts außen das Sternbild Andromeda.
Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit dieser Geometrie mit der jungsteinzeitlichen Darstellung der zweiten Station in der Höhle von Magura:

Mit den hier dargelegten und naheliegenden Annahmen wäre die Himmelstafel von Tal-Qadi nicht nur ein historisch bedeutendes Abbild des maltesischen Abendhimmels vor rund 4500 Jahren, sondern hätte bereits zu diesem Zeitpunkt für die Bestimmung von kalendarischen Daten und zur Vorhersage von Sternbedeckungen gedient. Dies wäre ein Beleg für die frühen und keineswegs trivialen astronomischen Kenntnisse der damaligen Bewohner der Insel.

Abschließend kann zur Himmelstafel von Tal-Qadi das Folgende festgehalten werden:

  • Sie dürfte ein gebrauchstaugliches und nutzwertiges Werkzeug für die Astronomen der Jungsteinzeit gewesen sein.
  • Sie kann im Goldenen Tor der Ekliptik zur Bestimmung der ekliptikalen Breiten der Wandelgestirne eingesetzt werden.
  • Mit ihr kann im zeitlichen Abstand siderischer Monate das Auf- und Absteigen unseres Mondes verfolgt werden.
  • Anhand solcher Beobachtungen des Mondes ergeben sich langfristig der 19-jährige Meton-Zyklus sowie der 18,6-jährige drakonitische Zyklus.
  • Mit der Kenntnis solcher Zyklen können Finsternisse und Sternbedeckungen untersucht und vorhergesagt werden.

Widmung

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Das Goldene Tor der Ekliptik als Photomontage mit der Kontur einer abgestorbenen Fichte, die zufälliger Weise die Form des Stierkopfs darstellt. Unten in der Mitte die helle Venus, in der Bildmitte die Plejaden und rechts oben das Sternbild Perseus.

Diese Zusammenstellung ist dem deutschen Wissenschaftler  Friedrich Wilhelm Bessel (* 1784; † 1846) gewidmet, der völlig zu Unrecht unbeachtet im Schatten der prominenten Persönlichkeiten seiner Zeit und seines Umfelds steht:

Bronzebüste von Friedrich Wilhelm Bessel im Treppenhaus des Helmert-Hauses auf dem Telegrafenberg in Potsdam

Der Hauptautor dankt besonders seinem Hochschullehrer  Fritz Hinderer (* 1912; † 1991). Er hat ihn mit seiner stets freundlichen, interessierten und zugewandten Art sowie seinem profunden Wissen nicht nur die Astrophysik gelehrt, sondern ihm mit seinem sehr umfangreichen astronomischen Handwerkszeug auch die zahlreichen Facetten der astronomischen Beobachtung nahegebracht.

Literatur

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Einzelnachweise

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  1. Fernando Coimbra: The Sky on the Rocks - Cometary Images in Rock Art, in: 11/ Prehistoric art: signs, symbols, myth, ideology - Arte Pré-histórica: signos, simbolos, mitos, ideologia, Congresso Internacional da IFRAO 2009, Piauí, Brasil
  2. Halley (1986) - Begleiter der Jahrhunderte, Astro Corner
  3. F. Richard Stephenson, David M. Willis, Thomas J. Hallinan: The earliest datable observation of the aurora borealis, Astronomy & Geophysics, Volume 45, Issue 6, December 2004, Pages 6.15–6.17
  4. Vergleiche hierzu auch Hesekiel 1, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  5. Frank Ventura: Grand Master de Rohan's astronomical observatory (1783-1789), in: Melita Historica, New Series, 10, 3, Seiten 245 bis 255, 1990
  6. Rita Gautschy: solar eclipse -2146/05/18, Kanon der Sonnenfinsternisse von 2501 vor Christus bis 1000 nach Christus, Version 2.0, Januar 2012
  7. The Tal-Qadi Temple, Harsien Patrimonju Mosti, Triq il-Wied, Mosta, Malta
  8. 2.000 Jahre vor Stonehenge… – Das Sonnenobservatorium von Goseck, scienexx, 1. Februar 2008
  9. Rolf d'Aujourd'hui: Belchen, Historisches Lexikon der Schweiz, 7. Mai 2002, Bern
  10. Kiril Kirilov: An excerpt of my Magura cave paintings study, 1. November 2014
  11. The Tal-Qadi Temple, Harsien Patrimonju Mosti, Mosta. Malta
  12. Fuming Mount Etna spotted from Valletta and captured in gorgeous photo, Malta Daily, 17. Dezember 2021
  13. Local photographer captures gorgeous photo of Etna eruption on St. Paul’s, Malta Daily, 11. Februar 2022
  14. Exodus 13,21+22, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  15. 15,0 15,1 Chris Micallef: „The Tal-Qadi Stone: A Moon Calendar or Star Map“, The Oracle, Number 2, 2001, pages 36 to 44
  16. Stone fragment with incised rays, stars, and crescent, New York University, Institute for Studies of the Study of the Ancient World, Globigerina Limestone. H. 23.5, W. 30.0, D. 4.5 cm Tal-Qadi Temple (Malta) HM–NMA: 21314
  17. 17,0 17,1 17,2 Peter Kurzmann: Die neolithische Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 25. Juli 2014
  18. National Museum of Archaeology
  19. 19,0 19,1 Peter Kurzmann: Weitere Untersuchungen zur neolithischen Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 10. Juli 2016
  20. Kalkstein - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung, steine-und-minerale.de
  21. Stèle du rocher des Doms, Avignon Musée Calvet, Collections permanentes Préhistoire
  22. Jean-Pierre Girault, Jean Gascó: DEUX STÈLES PROTOHISTORIQUES REDÉCOUVERTES AU PUY D’ISSOLUD (VAYRAC, LOT), PDF-Datei, französisch
  23. Alexandra Figueiredo, Fernando Augusto Coimbra, Cláudio Monteiro, Nuno Ribeiro: PRELIMINARY ANALYSIS OF THE ROCK ART FROM BURACAS DA SERRA, ALVAIÁZERE (PORTUGAL) - ESTUDIO PRELIMINAR DEL ARTE RUPESTRE DE LA SIERRA DE BURACAS, ALVAIÁZERE (PORTUGAL), in: REVISTA CUADERNOS DE ARTE PREHISTÓRICO, Seiten 127 bis140, 15. Juni 2017, ISSN 0719-7012
  24. Luigi Maria Ugolini: Malta: Origini della Civilta Mediterranea, Seite 128, Malta, La Libreria dello Stato, 1934
  25. Siehe auch Klaus Albrecht: Die „Sternenkarte“ von Tal-Qadi (Malta) und die Ausrichtung des Tempels von Tal-Qadi nach Osten, Kapitel 9 in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, aus der Reihe Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Band 42
  26. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  27. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  28. 28,0 28,1 28,2 Frank Ventura, Michael Hoskin: Temples of Malta, in: Clive Ruggles (Herausgeber), Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, 7. Juli 2014, Seiten 1421-1430, Springer, New York, ISBN 978-1-4614-6140-1
  29. Kai Helge Wirth: „The Zodiac of Malta - The Tal Qadi Stone Enigma - Ultimate proof of Newtons Theory”, 2016, 2. Auflage, ISBN 978-3741250590
  30. Isaac Newton: The Chronology of Ancient Kingdoms Amended, London, 1728
  31. Isaac Newton: A Short Chronicle from the First Memory of Things in Europe, to the Conquest of Persia by Alexander the Great
  32. Daniel Cilia: Found in a house at Hal Saflieni, stone, The Megalithic Temples of Malta – the world's most ancient stone architecture, 4. August 2004
  33. Dirk Lorenzen: Aldebaran-Bedeckung am frühen Morgen - Sternbedeckung wie einst bei Copernicus, Deutschlandfunk, 5. November 2017
  34. 29–30. November 2020 Halbschatten-Mondfinsternis, timeanddate.de, Time and Date AS, Stavanger, Norwegen
  35. Emilie Savage-Smith: Islamicate Celestial Globes - Their History, Construction, and Use, Smithsonian Studies in History and Technology, Nummer 46, Smithsonian Institution Press, Washington, D.C., 1985
  36. Danielle Adams: Thuraya, the Abundant Darling of the Heavens - The quintessential asterism, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 3 December 2015
  37. Danielle Adams: The Lamb - A folkloric celestial complex, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 2017
  38. Magura cave photogallery number 16, TRACCE, Online Rock Art Bulletin, Nummer 33, 19. November 2014


Die Stele vom Rocher des Doms

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Der Felsen Rocher des Doms am linken Ufer der Rhône in Avignon.
Lage des mit einem Park begrünten Rocher des Doms oben in der Bildmitte in Avignon.
Karte
Die Umgebung der französischen Stadt Avignon.

Dieses Kapitel beschreibt einige archäoastronomische Aspekte in Bezug auf die Darstellungen der Stele vom Felsen Rocher des Doms in der französischen Stadt Avignon. Der Felsen am Ufer der Rhône wurde bereits im Neolithikum genutzt, und das bewohnte Gebiet in Avignon beschränkte sich noch im frühen Mittelalter auf diesen Felsen.

Ergänzend werden die säkularen mesonychischen (altgriechisch für "in der Mitte der Nacht") Aufgänge von einigen hellen Sternen am südlichen Meridian betrachtet und ein entsprechendes Java-Programm vorgestellt, mit dem die Erstaufgänge (englisch: "first rise", latein: "ortus primus") von beliebigen Gestirnen an beliebigen Orten über dem südlichen Horizont berechnet werden können.

Beschreibung

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Die 26 Zentimeter hohe Stele aus Kalkstein befindet sich in einer Dauerausstellung für Vorgeschichte im Museum Calvet in Avignon.[1] Sie wurde in den Jahren 1960 und 1961 bei Ausgrabungen am linken Rhône-Ufer nördlich von Avignon im nördlichen Teil des kleinen Massivs Rocher des Doms gefunden. Auf der Vorderseite ist möglicherweise ein Gesicht darstellt.[2] Die Stele stammt aus der Lagozza-Kultur und wurde wie die Himmelstafel von Tal-Qadi ebenfalls am Ende des Neolithikums hergestellt. Im unteren Bereich der Vorderseite befindet sich etwas nach rechts versetzt eine sternartige Darstellung mit acht Strahlen und einer kleinen zentralem Bohrung, die als Sonnenfigur interpretiert wurde.[3]

Der Rocher des Doms ist ein freistehender Felsen am Ufer der Rhône, der in alle Himmelsrichtungen eine ausgezeichnete Sicht auf den Himmel ermöglicht. Ohne die heute durch die Städte Avignon und Saint-Rémy-de-Provence vorherrschende Lichtverschmutzung muss die Sicht in Richtung auf das 50 Kilometer südlich gelegene Mittelmeer und auf die sich davor erstreckende 22 Kilometer entfernte Kalksteinkette der Alpillen in früheren Nächten hervorragend gewesen sein.


Die Darstellungen

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Sur le roc d'Avignion l'on y s'étonnait, l'on y s'étonnait.

Die Darstellungen auf den beiden Seiten der Stele lassen in der Tat astronomische Deutungen zu, die auf astronomischen Beobachtungen am prähistorischen Observatorium Rocher des Doms beruhen könnten.

Vorderseite

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Die Ekliptik verläuft im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) zwischen dem Roten Riesen Aldebaran ("Ochsenauge") und dem offenen Sternhaufen der Plejaden (Siebengestirn). Diese beiden Objekte sowie der offene Sternhaufen der Hyaden, in welchem der Stern Aldebaran zu sehen ist, haben geringe ekliptikale Breiten und werden deswegen regelmäßig innerhalb eines drakonitischen Zyklus mit der Dauer von 18,6 Jahren von der Mondscheibe bedeckt. Die beiden genannten Sternhaufen bilden die beiden Pfosten des Goldenen Tores.

Der Frühlingspunkt lag 3000 vor Christi Geburt etwas östlich vom Goldenen Tor auf der Ekliptiklinie. Die Öffnung des Trichters der Thuraya (arabisch al-thurayya = "Plejaden") wird durch die Sterne Menkar im Sternbild Walfisch (Cetus), die Plejaden in der Spitze und den Stern Hamal im Sternbild Widder (Aries) gebildet. Alle sieben Wandelgestirne (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) wandern im Laufe der Zeit regelmäßig durch diesen Trichter der Thuraya in das Goldene Tor der Ekliptik.

Diese sehr auffälligen vier genannten Himmelsobjekte lassen sich zwanglos der Geometrie der Darstellung auf der Vorderseite der Stele zuordnen:

Rückseite

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Auf der Rückseite befinden sich zahlreiche, verschieden große und meist gebohrte Vertiefungen, die die Himmelsregion um den Asterismus des Wintersechsecks darzustellen scheinen. Das Wintersechseck besteht aus dem hellsten Stern überhaupt, nämlich Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major), sowie den Sternen Prokyon im Sternbild Kleiner Hund (Canis Minor), Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini), Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga), Aldebaran im Sternbild Stier (Taurus) und dem sehr hellen Stern Rigel im Sternbild Orion.

Das Sternbild Orion wird vom Wintersechseck umrundet und ist über den im Sternbild Orion unten rechts liegenden Stern Rigel in das Wintersechseck eingebunden. Orion besteht ferner aus den drei Gürtelsternen Alnitak (ζ Orionis), Alnilam (ε Orionis) und Mintaka (δ Orionis) (von links nach rechts) sowie darüber dem Roten Riesen Beteigeuze (oben links), dem Stern Bellatrix (oben rechts), der durch eine eher natürlich aussehende Vertiefung markiert ist, und dem Stern Saiph (unten links). "Der Helle im Schwert" heißt auf Arabisch Nair Al Saif (oder auch Hatysa) und befindet sich unterhalb des Gürtels des Orions und direkt unterhalb der Orionnebels an der Spitze des Schwertes.

Zu den hellsten und auffälligsten Sternen der Umgebung des Wintersechsecks gehören Adhara im Sternbild Großer Hund (Canis Major), Alphard im Sternbild Wasserschlange (Hydra), Castor im Sternbild Zwillinge (Gemini), Hamal im Sternbild Widder (Aries) und Menkar im Sternbild Walfisch (Cetus). Der Stern Castor ist in der Darstellung durch eine geritzte gradlinige Furche mit seinem "Zwillingsbruderstern" Pollux verbunden; diese beiden Sterne bilden heute die Köpfe des Sternbilds Zwillinge (Gemini).

In der folgenden Tabelle sind alle genannten Sterne samt ihrer astronomischen Bezeichnung und ihrer scheinbaren Helligkeit enthalten. Der Stern Capella ist der sechste, auf der Stele nicht dargestellte Stern des Wintersechsecks und ist hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Die Plejaden sind ebenfalls nicht repräsentiert. Der Stern Phakt wird weiter unten näher betrachtet. Zwischen Phakt und Menkar befindet sich auf der Stele eventuell noch eine weitere Bohrung, die rechts unterhalb vom Stern Rigel mit dem hellsten in dieser Region befindlichen Stern Zaurak (γ Eridani, 3m) im sehr ausgedehnten Sternbild des Flusses Eridanus identifiziert werden könnte.

Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Scheinbare
Helligkeit
Sirius α Canis Majoris -1,5m
Capella α Aurigae 0,0m
Rigel β Orionis 0,0m
Beteigeuze α Orionis 0,5m bis 1,5m
Prokyon α Canis Minoris 0,5m
Aldebaran α Tauri 1,0m
Pollux β Geminorum 1,0m
Adhara ε Canis Majoris 1,5m
Alnilam ε Orionis 1,5m
Alnitak ζ Orionis 1,5m
Bellatrix γ Orionis 1,5m
Castor α Geminorum 1,5m
Alphard α Hydrae 2,0m
Hamal α Arietis 2,0m
Mintaka δ Orionis 2,0m
Saiph κ Orionis 2,0m
Menkar α Ceti 2,5m
Phakt α Columbae 2,5m
Nair Al Saif ι Orionis 2,75m

Extinktion

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Aufbau der Atmosphäre.

Die Helligkeit von dicht über dem Horizont befindlichen Gestirnen wird durch atmosphärische Einflüsse vermindert, und zwar umso mehr, je dichter sich das Gestirn am Horizont befindet. Das Licht wird auf dem mehrere hundert Kilometer langen Weg durch die Atmosphäre nicht nur gebrochen (Refraktion), sondern auch an Teilchen gebeugt (Diffraktion) oder gestreut (Diffusion) sowie abgeschwächt (Absorption), wodurch die scheinbare Heiligkeit um einige Größenklassen verringert wird (Extinktion).

Weglängen für Lichtstrahlen in der 15 Kilometer hohen Troposphäre in Abhängigkeit von der Zenitdistanz .

Die astronomische Extinktion ergibt sich durch Beugung, Streuung und Vernichtung von Photonen (Lichtteilchen) an Atomen, Molekülen und Aerosolen in der Atmosphäre, und diese hängen in erster Linie von der Weglänge in der Troposphäre, allerdings auch von der Zusammensetzung der Luft, vom Luftdruck und von der Temperatur ab.

Die Weglänge ergibt sich in Abhängigkeit von der Zenitdistanz . Der Zusammenhang zwischen der Zenitdistanz und Höhe über dem Horizont ergibt sich wiederum sehr einfach aus der folgenden Winkelbeziehung:

Mit Hilfe der Luftmasse lässt sich die Abschwächung der scheinbaren Helligkeit in Größenklassen in Abhängigkeit vom Zenitwinkel berechnen:[4]

Der Extinktionskoeffizient von 0,28 stellt einen für Beobachtungen auf Meereshöhe stattfindenden realistischen Wert dar. Bei größeren Beobachtungshöhen, wie zum Beispiel auf Bergen, kann sich der Extinktionskoeffizient bis auf die Hälfte dieses Wertes verringern.

In der folgenden Tabelle sind die Abschwächungen in Größenklassen beziehungsweise als Abschwächungsfaktor für verschiedene Höhen h über dem Horizont angegeben:

Atmosphärische Extinktion in Abhängigkeit von der Höhe über dem Horizont
Höhe über dem Horizont
in Bogengrad
Abschwächung der
scheinbaren Helligkeit
in Größenklassen
Scheinbare Helligkeit
eines freiäugig gerade
noch sichtbaren Gestirns
in Größenklassen
Abschwächungsfaktor
0,0 11,2 -4,7 0,000033
0,5 8,9 -2,4 0,00028
1,0 7,4 -0,9 0,0011
1,5 6,2 0,3 0,0033
2,0 5,4 1,1 0,0069
2,5 4,7 1,8 0,013
3,0 4,2 2,3 0,021
4,0 3,4 3,1 0,044
5,0 2,9 3,6 0,069
6,0 2,5 4,0 0,10
7,0 2,2 4,3 0,13
8,0 1,9 4,6 0,17
10 1,6 4,9 0,23
16 1,0 5,5 0,40
20 0,8 5,7 0,48
25 0,7 5,8 0,52
30 0,6 5,9 0,58
35 0,5 6,0 0,63
50 0,4 6,1 0,69
90 0,3 6,2 0,76
Venus-Untergang im Sternbild Zwillinge (Gemini) bei hohem Glanz (-4,3 mag) am 21. Mai 2023 um 0:19 Uhr in Berlin. Der Planet stand im Dunst noch 3,5 Bogengrad über dem Horizont und war gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen (Venusphase = 57,5 Prozent, östliche Elongation = 44°40', Farbtemperatur = 4100 Kelvin).

Ab einer Höhe von zirka 30 Bogengrad ist die Abschwächung geringer als eine halbe Größenklasse und spielt bei der freiäugigen Beobachtung kaum noch eine Rolle. Direkt am Horizont können in völliger Dunkelheit jedoch nur Objekte gesehen werden, die mindestens eine scheinbare Helligkeit von -4,7m haben, da deren Licht um 11,2 Größenklassen auf 6,5m abgeschwächt wird, so dass sie bei der Abwesenheit von Lichtverschmutzung freiäugig gerade noch zu erkennen sind. Dies betrifft in der Realität nur die Sonne, den Mond und die Venus, die eine maximale scheinbare Helligkeit von genau diesen -4,7m erreichen kann. Der hellste Stern des Himmels ist Sirius mit einer scheinbaren Helligkeit von -1,7m. Er kann demnach erst bei Höhen ab knapp einem Bogengrad über dem Horizont gefunden werden.

Durch die Rayleigh-Streuung ergibt sich stets eine besonders starke Abschwächung bei den Lichtanteilen mit kürzerer Wellenlängen, also im Blauen, so dass das Licht der Gestirne rötlicher erscheint. Dies ist besonders deutlich bei Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen aber auch bei den Auf- und Untergängen von Mond, Planeten und sehr hellen Sternen zu beobachten.

Claudius Ptolemaeus hat in seinem Sternenkatalog aus dem zweiten Jahrhundert sowohl den hellsten Stern des Sternbilds Scheren (die Scheren des Skorpions werden heute Waage genannt), Zuben Elschemali, als auch den hellsten Stern des Sternbilds Skorpion, Antares, der zweiten Größenklasse zugeordnet, obwohl nach astronomischer Messung Antares anderthalb Größenklassen heller erscheint. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass Ptolemaeus nur ganzzahlige Größenklassen angegeben hat, so dass sich bei der Klassifizierung schon allein deswegen eine Spanne von bis zu einer Größenklasse ergibt. Die visuelle Beurteilung hängt zudem nicht nur von der Stärke der Extinktion des Sternenlichts ab, sondern auch von dessen spektraler Verteilung. Zur Tag-und-Nachtgleiche im Frühjahr stand Zuben Elschemali zwei Stunden nach dem Aufgang von Antares in Alexandria über 24 Bogengrad höher über dem südöstlichen Horizont als Antares. Antares ist ein Roter Überriese und Zuben Elschemali ist der einzige mit bloßen Auge sichtbare grüne Stern. Die Stäbchen des menschlichen Auges reagieren im Grünen deutlich empfindlicher als im Roten, so dass sich hieraus eine weitere Angleichung zwischen Antares und Zuben Elschemali ergibt. Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus der wellenlängenabhängigen Lichtstreuung in der Atmosphäre durch die Rayleigh-Streuung, die von der optischen Weglänge des Lichtes in der Atmosphäre abhängt (siehe auch Wikibook-Kapitel Bildaufnahme / Abschnitt Atmosphärische Störungen). Hierbei wir das rötliche Licht von Antares allerdings am Ort des Beobachters weniger stark weggestreut als das bläuliche Licht von Zuben Elschemali. Insgesamt kann es jedoch auch bei sorgfältiger subjektiver Klassifizierung durchaus zu einem Eindruck der scheinbaren Helligkeiten kommen, bei dem sich Antares und Zuben Elschemali um weniger als eine Größenklasse unterscheiden.

Zu den scheinbaren Helligkeiten zu Frühlingsbeginn in Alexandria
Stern Antares Zuben Elschemali
Größenklasse
nach Ptolemaeus
2 2
Höhe über dem Horizont
in Grad (Azimut ≈ 130°)
20° 44°
Scheinbare Helligkeit 1,1m 2,6m
Exkinktion 0,8m 0,4m
Reduzierte scheinbare Helligkeit 1,9m 3,0m
Spektralklasse M1 B8 V
B−V-Farbindex 1,86 -0,11
U−B-Farbindex 1,34 -0,36
Oberflächentemperatur
in Kelvin
3400 12300
Wellenlänge der maximalen
Emission in Nanometer
850
(Infrarot)
235
(Ultraviolett)

Anmerkung:
Die Wellenlänge der maximalen Emission von elektromagnetischer Strahlung eines Schwarzen Strahlers mit der Temperatur kann mithilfe des Wienschen Versschiebungsgesetzes abgeschätzt werden:

Sterne am Horizont

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Auch Aristoteles hat im vierten vorchristlichen Jahrhundert in seinem Werk Peri uranú (Περὶ οὐρανοῦ) beschrieben, dass es Sterne gibt, die von Ägypten oder von Zypern aus beim Auf- und Untergang zu beobachten sind, die aber in weiter nördlich gelegenen Regionen nie zu sehen sind.[5] Hiermit hat er sich sicherlich auch auf den zweithellsten Stern des gesamten Himmels Canopus (siehe unten) bezogen, der zu seinen Lebzeiten in Athen nicht sichtbar war, aber durchaus auf Zypern und erst recht in Ägypten. Ferner stellt er fest, dass die Begrenzung des Schattens auf der Oberfläche des Mondes bei einer Mondfinsternis kreisförmig ist und von der Erde hervorgerufen werden muss, die das Sonnenlicht verschattet. Er schließt aus all diesen Beobachtungen folgerichtig, dass die Erde eine runde Form haben muss, und dass die Erdkugel erheblich kleiner sein muss als die Himmelssphäre.

Anhand der folgenden Landkarte kann abgelesen werden, auf welchen Breitengraden sich verschiedene Orte und Regionen von Westeuropa über Zentraleuropa bis nach Osteuropa sowie im Orient und in Nordafrika befinden.

Somit können die Breitengrade der Orte und der ersten und letzten Erscheinungen von den Sternen innerhalb der letzten Jahrtausende, die in den folgenden Tabellen aufgeführt sind, den entsprechenden geographischen Regionen zugeordnet werden.

Karte
Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika sowie der vordere Orient.
Landkarte vom nördlichen Wendekreis bei 23,4 Bogengrad (weiß gestrichelt, unten) bis zum 60. nördlichen Breitengrad im Bereich Europa, Nordafrika und Naher Osten.

Für die Bestimmung der im Horizontsystem tatsächlich beobachteten maximalen Höhenwinkel über dem Horizont auf dem Meridian aus den äquatorialen Koordinaten eines Sterns müssen die folgenden Einflüsse berücksichtigt werden:

  • Die geographische Breite des Beobachtungsortes.
  • Die Eigenbewegung des untersuchten Sterns, die im Laufe von Jahrhunderten zu einer Veränderung von dessen äquatorialen Koordinaten (Rektaszension und Deklination) führt.
  • Die Präzession der Erdachse, die mit einer Periode von knapp 26000 Jahren ihre Lage im Raum und somit auch alle äquatorialen Koordinaten der Sterne in diesem Bezugssystem verändert.
  • Die Kimmtiefe eines gegenüber dem Horizont erhöhten Beobachtungsortes, die zum einen eine weitere Sicht auf der Erdoberfläche ermöglicht und zum anderen die beobachteten Höhenwinkel verkleinert.
  • Die atmosphärische Refraktion, die die scheinbaren Höhenwinkel durch Brechungseffekte in der irdischen Atmosphäre verkleinert.

Für die Bestimmung der visuellen Helligkeiten der Beobachtungen müssen die folgenden Einflüsse berücksichtigt werden:

  • Die geometrische Höhe des Sterns über dem Horizont, die sich aus der Transformation der Koordinaten im Äquatorialsystem (Rektaszension und Deklination) in die Koordinaten des Horizontalsystems (Azimut und Höhe) ergeben.
  • Die scheinbare Helligkeit des Sterns, wenn er sich im Zenit befindet, durch welche auch die minimale Höhe über dem Horizont begrenzt ist, bei der der Stern noch mit bloßen Auge gesehen werden kann.
  • Die Extinktion in der Erdatmosphäre, die zu einer umso stärkeren Abschwächung der Lichtintensität und somit auch der scheinbaren Helligkeit führt, je dichter ein Stern sich am Horizont befindet.

Neuerschienene Sterne

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Hier sind einige markante Beispiele von Sternen aufgeführt, die im Laufe der letzten Jahrtausende bei ihrer oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian plötzlich über dem Horizont aufgetaucht sind.

Phakt

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Animierte Darstellung des Sterns Phakt bei der oberen Kulmination vor 4300 Jahren in Richtung Mittelmeer direkt über dem südlichen Horizont vom Rocher des Doms aus gesehen. Die Stadt Avignon existierte damals noch nicht, und es gab keine Lichtverschmutzung.

Man stelle sich vor, was in den Köpfen der Mitglieder einer archaischen Gesellschaft vorgegangen ist, nachdem am Himmel eines Jahres ein Stern zu sehen war, der zuvor zirkumpolar um den Himmelssüdpol und deswegen permanent unter dem Horizont verborgen war.

Am 11. November 1572 sah der dänische Astronom Tycho Brahe eine neue, in Bezug auf den Fixsternhimmel ortsfeste und sehr helle Leuchterscheinung im Sternbild Kassiopeia. Im Laufe eines Jahres nahm die Leuchtstärke dies Objekts immer weiter ab. Er dokumentierte seine Beobachtungen in der Schrift De nova et nullius ævi memoria prius visa Stella (zu Deutsch: "Über den neuen und durch keine Erinnerung der Ewigkeit früher gesehen Stern"). Darin widersprach und widerlegte er Aristoteles, der noch von einem unveränderlichen Fixsternhimmel ausgegangen war. Wenige Jahre später war ein ähnliches Ereignis auch für den deutschen Astronomen Johannes Kepler noch so ungewöhnlich, dass er das Erscheinen der Supernova 1604 in seinem Buch "De Stella Nova in Pede Serpentarii" (zu Deutsch: "Über den neuen Stern im Fuß des Sternbilds Schlangenträger (Ophiuchus)") thematisierte.

Ähnlich aufgebracht muss die Reaktion der gebildeten und den Sternenhimmel beobachtenden Bewohner des Rocher des Doms im heutigen Avignon vor einigen tausend Jahren gewesen sein, als einige Wochen vor der Wintersonnenwende zum ersten Mal ein heller neuer Stern dicht über dem südlichen Horizont auftauchte. Allerdings konnten sie dieses Ereignis in Ermangelung einer Schrift noch nicht in Textform festhalten.

Die im Folgenden angegebenen Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren, um das damalige Geschehen nachzuvollziehen:

  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts (die Stadt Avignon befindet sich auf 43,95 Bogengrad nördlicher Breite).
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts über dem Meeresspiegel (Höhe vom Rocher des Doms über dem Meeresspiegel 55 Meter).
  • Die Präzession der Erdachse zur Epoche J2000, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten des Sterns zum Beobachtungszeitpunkt verändern.
  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Phakt: 5h 39m 39s = 84,912°).
    • Deklination (Phakt: -34° 04' 27" -34,074°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Phakt: 4,6 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Phakt: -29.9 mas/a.).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Phakt: 2,6m).
  • Die atmosphärische Refraktion, wodurch sich die tatsächlich beobachtete Höhe in Horizontnähe etwas vergrößert.
  • Die atmosphärische Extinktion, durch die sich die visuelle Helligkeit in Horizontnähe deutlich verringert.

→ Zur Deklination im äquatorialen Koordinatensystem siehe auch Astronomische Bezugssysteme.

→ Siehe auch Wikibook „Digitale bildgebende Verfahren“ / Kapitel „Bildaufnahme“ / Abschnitt „Atmosphärische Störungen“.

Ein Stern wie Phakt mit der Größenklasse 2,65m erscheint erst bei einer Höhe von über 3 Bogengrad über dem Horizont mit einer visuellen Helligkeit von 6m und ist dann mit bloßem Auge erkennbar – diese maximale Höhe erreichte Phakt vor knapp 4000 Jahren. Der kurzwellige Lichtanteil wird in der Atmosphäre durch die Rayleigh-Streuung stärker gestreut als der langwellige, so dass sich dicht über dem Horizont zusätzlich eine rötliche Verfärbung des Sternenlichts ergibt.

Die folgende Tabelle gibt die maximalen Deklinationen an, auf denen in den letzten 4500 Jahren der Stern Phakt bedingt durch die Präzession der Erde zu beobachten war. Daraus abgeleitet ergeben sich die nördlichsten Breitengrade einer möglichen Beobachtung (dieser ergibt sich aus der Deklination, indem diese zu 90 Bogengrad addiert wird). Für den Beobachtungspunkt (Rocher des Doms) werden ferner die maximalen Höhne über dem Horizont und die maximale visuelle Helligkeit angegeben

Phakt (α Columbae)
Beobachtungsjahr -4000 -3500 -3000 -2500 -2000 -1000 0000 1000 2000
Deklination -51,1° -48,8° -46,6° -44,6° -42,6° -39,3° -36,8° -35,0° -34,1°
Nördlichste Breite der Beobachtung 38,9° 41,2° 43,4° 45,4° 47,4° 50,7° 53,2° 55,0° 55,9°
Maximale Höhe der Beobachtung vom Rocher des Doms - - 0,3° 2,1° 3,5° 9,5° 11° 12°
Maximale visuelle Helligkeit vom Rocher des Doms - - 12m 8m 6,5m 5m 4,5m 4m 4m

Der hellste Stern im Sternbild Taube (Columba) Phakt (α Columbae) tauchte vom Rocher des Doms aus gesehen für die Bewohner also vor knapp 4000 Jahren zum ersten Mal in südlicher Richtung sichtbar über dem geographischen Horizont auf. Seitdem ist er in jedem Jahr über der gut 20 Kilometer entfernten Kalksteinkette Massif des Alpilles (Höhe über dem Meeresspiegel in dieser Richtung bis zu knapp 300 Meter) zu sehen. Zwischen dem frühen Morgen (gegen 3 Uhr) bei der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst und dem Abend (gegen 21 Uhr) bei der Wintersonnenwende war er damals bei klarer Sicht zunächst nur wenige Minuten bei der oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian, also exakt in Richtung Süden zu sehen.

Die geometrische Bahn des Sternes Phakt bei der oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian vor 4700 Jahren, wie sie ohne atmosphärische Störungen vom Rocher des Doms aus in Richtung Süden ausgesehen hätte. Durch die Atmosphäre wird das Licht eines sehr dicht über dem Horizont stehenden Himmelsobjekts gebrochen, so dass dieses dunkler erscheint und eine etwas größere scheinbare Höhe hat, als sich aus der Deklination ergibt. Der Stern Phakt erreichte damals noch nicht einmal die Größenklasse 10m, so dass er mit bloßem Auge nicht sichtbar war.
Darstellung der Rückseite der Stele vom Rocher des Doms mit der Lage des Horizonts und des Meridians bei der oberen Kulmination von Phakt.

Alle vier Jahre erhöhte sich die maximale Höhe über dem Horizont um ungefähr eine Bogenminute, nach 250 Jahren war es dann bereits ein Bogengrad mehr, und die maximale Sichtbarkeitsdauer betrug schon ungefähr zwei Stunden. Im Augenblick der maximalen Höhe über dem Horizont befand sich Stern Phakt wie alle anderen Gestirne auf dem senkrecht auf dem Horizont stehenden südlichen Meridian. Zu diesem Zeitpunkt lag der Meridian damals im weiteren Verlauf in Richtung Zenit zwischen den Zwillingssternen Castor und Pollux, den beiden Hauptsternen im Sternbild Zwillinge (Gemini), so wie es auf der Skizze zur Rückseite der Stele vom Rocher des Doms angedeutet ist.

Ähnliche Verhältnisse wie für den freistehenden Rocher des Doms ergeben sich für den ebenfalls freistehenden, rund 450 Meter hohen Magura-Hügel mit den neolithischen Höhlenmalereien, der sich im heutigen Bulgarien nur wenige Kilometer näher am Äquator befindet als Avignon (die nördliche Breite beträgt 43,73 Bogengrad). Von diesem Hügel aus wird die Südrichtung durch den knapp 13 Kilometer entfernten und gut 1100 Meter hohen Berg Vedernk markiert, über dem Phakt vor ungefähr 4000 Jahren zum ersten Mal auftauchte. Da Phakt nur eine Größenklasse von 2,6m hat, wird er freiäugig erst bei einer Höhe über dem Horizont von mindestens dreieinhalb Bogengrad sichtbar, so dass er dann schon höher steht als der Gipfel vom Vedernk, der vom Magura-Hügel aus nur eine Höhe von knapp drei Bogengrad über dem Horizont hat.

Bis heute hat sich die Steigerungsrate der maximalen Horizonthöhe immer mehr verlangsamt und ist fast zum Stillstand gekommen. Heute erreicht Phakt in Avignon über dem Horizont eine Höhe von 12 Bogengrad und kulminiert während der Wintersonnenwende gegen Mitternacht auf dem südlichen Meridian. In Norddeutschland ist er wegen seiner geringen maximalen Höhe über dem Horizont auch heute praktisch nicht zu beobachten, denn in Flensburg beträgt die Höhe während der oberen Kulmination nur gut ein Bogengrad und in Berlin sind es ebenfalls nur knapp dreieinhalb Bogengrad. In fünfhundert Jahren wird die maximale Horizonthöhe erreicht sein, die nur einige Bogenminuten höher ist als heute. Danach beginnt die maximale Höhe über dem Horizont zu fallen, bis Phakt in 6000 Jahren bei der Beobachtung vom Rocher des Doms wieder verschwunden sein wird.

Der Asterismus Ägyptisches Kreuz über dem südlichen Horizont in Ägypten mit dem zentralen Stern Sirius auf dem Meridian sowie den vier Armsternen Prokyon, Beteigeuze, Phakt und Naos (im Uhrzeigersinn). Canopus (α Carinae) liegt im südlichen Sternbild Kiel des Schiffs (Carina), ist der zweithellste Stern am gesamten Sternenhimmel und ist von Europa aus praktisch nicht zu sehen,

Im Arabischen existiert für Phakt der historische Name Suhail Hadar, was soviel wie "der brüllend Helle" bedeuten könnte. Phakt befindet sich in seiner Eigenschaft als markanter Stern am rechten unteren Ende des Asterismus Ägyptisches Kreuz, das von Ägypten aus gesehen symmetrisch zum Meridian steht, wenn der zentrale und hellste Stern des Fixsternhimmels Sirius gut eine Stunde später als Phakt genau im Süden steht. Das Ende des gegenüberliegenden Arms wird durch Prokyon markiert. Der andere Arm des Kreuzes wird durch die Linie Beteigeuze (rechts oben) über Sirius zum Stern Naos (ζ Puppis, scheinbare Helligkeit 2,0m) im Sternbild Achterdeck des Schiffs (Puppis) gebildet. Der Begriff "Ägyptisches Kreuz" beziehungsweise "Egyptian X" ist allerdings erst in der Neuzeit belegt.[6][7]

Das Ägyptische Kreuz ein großflächiger Asterismus, die vertikale Ausdehnung des Ägyptischen Kreuzes beträgt rund 40 Bogengrad. Dieser Asterismus ist zwar nicht historisch, jedoch sehr prägnant und durch die fünf einzubeziehenden hellen Sterne leicht zu erkennen. Der zweithellste Stern des Fixsternhimmels Canopus ist auf dem Meridian 36 Bogengrad fast senkrecht unterhalb des hellsten Sterns Sirius zu sehen, sofern er über dem Horizont steht:

  • Prokyon (α Canis Minoris, 0,4m) im Sternbild Kleiner Hund
  • Beteigeuze (α Orionis, 0,4m) im Sternbild Orion
  • Sirius (α Canis Majoris, -1,5m) im Sternbild Großen Hund
  • Naos (ζ Puppis, 2,2m) im Sternbild Achterdeck des Schiffs
  • Phakt (α Columbae, 2,6m) im Sternbild Taube
  • Canopus (α Carinae, -0,7m) im Sternbild Kiel des Schiffs

Canopus

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Die ungefähren Winkelabstände zwischen Canopus und dem wegen der Präzession der Erdachse wandernden Himmelssüdpol von 6000 vor Christus bis 8000 nach Christus.
Karte
Die heutige Lage von Syrien und Irak im ehemaligen Zweistromland (Mesopotamien) am Euphrat und am Tigris.

Die Betrachtung zur wachsenden Deklination von Sternen kann auch für den nach Sirius zweithellsten Stern des Nachthimmels Canopus (α Carinae, scheinbare Helligkeit = -0,65m) südlich des Ägyptischen Kreuzes im Sternbild Kiel des Schiffes (Carina) durchgeführt werden. Nicht nur wegen seiner großen Helligkeit, sondern auch wegen seine Lage ist Canopus sehr auffällig, da er die beiden etwas nördlicheren Sterne Naos (ζ Puppis, scheinbare Helligkeit = 2,2m) und Phakt (α Columbae, scheinbare Helligkeit = 2,65m) im rechten Winkel zu einem markanten Dreieck ergänzt. Wegen seiner südlichen Deklination ist Canopus von der Erde aus allerdings nur in südlicheren Breiten zu beobachten.

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts (die Stadt Uruk befand sich auf 31,322 Bogengrad nördlicher Breite).
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts über dem Meeresspiegel = 0 Meter.
  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Canopus: 6h 23m 57s = 95,988°).
    • Deklination (Canopus: -52° 41' 44" = -52,696°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Canopus: 21,4 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Canopus: 26,7 mas/a).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Canopus: -0,65m).
Canopus (α Carinae) von Uruk
Beobachtungsjahr -4000 -3000 -2000 -1000 0000 1000 2000
Deklination -58,5° -56,3° -54,6° -53,4° -52,6° -52,4° -52,7°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 31,5° 33,7° 35,4° 36,6° 37,4° 37,6° 37,3°
Maximale Höhe der Beobachtung von Uruk aus 0,5° 2,5°
Maximale visuelle Helligkeit von Uruk aus 8m 4m 3m 2m 2m 2m 2m

Vom Pynx-Hügel in Athen, auf einer nördlichen geographischen Breite von knapp 38 Bogengrad, wo Meton im fünften vorchristlichen Jahrhundert astronomische Beobachtungen durchgeführt hat, war Canopus zum Beispiel nie zu sehen. In den letzten 2500 Jahren stand er im äquatorialen Koordinatensystem im Bereich des nördlichen Maximums seiner Deklination von dort aus gesehen immer gerade so unterhalb des Horizonts.

500 Jahre vor Christi Geburt erreichte der Stern Canopus eine Deklination von -53 Bogenrad, so dass er dann dank seiner großen Helligkeit auf der nördlichen Breite von zirka 37 Bogengrad bei einer Größenklasse von 6mzum ersten Mal beobachtet werden konnte. Auf Kreta (mittelminoische Zeit) und auf Zypern sowie in Aleppo (Syrien) war er ab dieser Zeit also sichtbar. Dieser Breitengrad verläuft nördlich der Insel Malta, wo sich die Tempelanlagen von Mnajdra mir freier Sicht nach Süden befinden, von denen während der Tarxien-Phase der Insel bereits mehrere tausend Jahre zuvor astronomische Beobachtungen ausgeführt wurden, als der Stern Canopus von dort aus noch lange nicht zu beobachten war.

Interessant ist das Detail, dass ein gegenüberliegendes Paar der Seitenwände der annähernd würfelförmigen Kaaba in Mekka auf einer nördlichen geographischen Breite von gut 21,4 Bogengrad (also etwas südlich des Wendekreises) zum Azimut des Sonnenuntergangs zur Wintersonnenwende (244 Bogengrad) beziehungsweise zum Azimut des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende (64 Bogengrad) ausgerichtet ist. Die beiden senkrecht dazu stehenden Außenwände zeigen in Richtung des Azimuts des Aufgangs von Canopus (154 Bogengrad).[8] Wegen der fast gleichbleibenden Deklination innerhalb der letzten 2000 Jahre stand Canopus in dieser südsüdöstlichen Richtung stets sechs bis sieben Bogengrad über dem Horizont. In dieser Höhe war und ist er mit einer für diese horizontnahen Verhältnisse sehr großen scheinbaren Helligkeit von rund 1,5m zu sehen. Von der Kaaba selbst aus ist dies allerdings nicht zu beobachten, weil sich diese im Innenhof der al-Harām-Moschee befindet und von deren Gebäudewänden umgeben ist. Bei der Kulmination auf dem südlichen Meridian (die Richtung des Azimuts beträgt hier 180 Bogengrad) erreicht Canopus eine scheinbare Helligkeit von immerhin 0,3m, jedoch nie eine Horizonthöhe von mehr 17 Bogengrad.

Mesopotamien
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Verbreitungsgebiet der Obed-Kultur von ungefähr 5900 bis 4300 vor Christi Geburt.

Der Stern Canopus wurde von den Sumerern mit MUL.NUNKI bezeichnet, was mit "Stern der Stadt Eridu" übersetzt wird.[9][10] Die älteste und südlichste Stadt Mesopotamiens war Eridu, deren sumerische Schreibweise NUNKI (wörtlich "Ort der Erde") lautet. Die ältesten archäologischen Funde aus dieser Gegend datieren auf das sechste vorchristliche Jahrtausend, und Eridu darf als der Ausgangspunkt der sumerischen Zivilisation gelten.

Die Ruine der Zikkurat auf dem Hügel des Tempels von Eridu.

In Eridu befand sich der Tempel des Süßwasserozeans Eapsu, an dem der sumerische Weisheitsgott Enki verehrt wurde, der auch als der Herrscher des Süßwasserozeans Abzu galt. Die sumerische Königsliste, die die ältesten sumerischen Herrscher aus der Zeit vom Ende des vierten Jahrtausends vor Christus benennt, beginnt mit dem Satz:

Als das Königtum vom Himmel herabkam, war das Königtum in Eridu.

Der prototypische mesopotamische Tempel, von dem heute nur noch ein Ruinenhügel übrig ist, befand sich im Zentrum von Eridu, das auf 30,816 Bogengrad nördlicher Breite liegt. Die ältesten Schichten des Tempels stammen aus der späten Obed-Kultur, und diese werden auf die ersten Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrtausends datiert. Zu dieser Zeit waren die beiden Ströme Euphrat und Tigris noch nicht vereinigt, der Persische Golf war durch deren Sedimente noch nicht so stark verlandet, und die Küste lag deswegen noch viel weiter nördlich als heute.

Von Eridu aus ergibt sich wegen des flachen Geländes mit wenigen Metern Höhe über dem Meeresspiegel eine vollkommen freie Sicht zum südlichen Horizont. Irgendwann vor rund 6000 Jahren wurde der Stern Canopus von dort aus zum ersten Mal in ganz Mesopotamien am südlichen Horizont sichtbar, so dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und der sumerischen Benennung des Sterns MUL.NUNKI mit der Stadt NUNKI geben dürfte. Eridu lag am äußersten südöstlichen Ende des fruchtbaren Halbmondes. Im Westen und im Süden von Eridu befand sich die weit ausgedehnte Wendekreiswüste auf der Arabischen Halbinsel, und im Osten lag der Persische Golf, der sich in dieser Richtung auf über 200 Kilometer ausdehnte. Daraus ergibt sich, dass es von Mesopotamien aus damals nicht ohne weiteres möglich war, auf dem Landweg bewohnte Orte zu bereisen, die südlicher als Eridu lagen.[11]

In der folgenden Tabelle sind die säkularen oberen Kulminationen für die Stadt Eridu (30,816 Bogengrad nördliche Breite) angegeben:

Canopus (α Carinae) von Eridu
Beobachtungsjahr -4500 -4000 -3500 -3000 -2500 -2000
Deklination -59,7° -58,5° -57,4° -56,3° -55,4° -54,6°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 30,3° 31,5° 32,6° 33,7° 34,6° 35,4°
Maximale Höhe der Beobachtung von Eridu aus 0,1° 1,2° 2,2° 3,1° 4,0° 4,8°
Maximale visuelle Helligkeit von Eridu aus 10,0m 6,2m 4,5m 3,5m 2,8m 2,3m
Die Aufgangspunkte, die Kulminationen und die Untergangspunkte des Sterns Canopus im Altertum von Eridu aus gesehen. Der Horizont befindet sich an der unteren Kante der Darstellung bei der Höhe 0 Bogengrad, auf der Horizontalen ist der Azimut aufgetragen (die Südrichtung liegt bei 180 Bogengrad). Die sechs eingezeichneten Bahnen stehen von unten nach oben ebenfalls für die Jahre 4500, 4000, 3500, 3000, 2500 und 2000 vor Christus.
Karte
Das heutige irakische Gebiet zwischen Ninive im Norden und Eridu im Süden.
Die säkularen Aufgänge von Canopus zwischen 4000 vor bis 1000 nach Christus in Abhängigkeit vom nördlichen Breitengrad.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Canopus in der rund 0,15 Bogengrad nördlicheren Stadt Ur sowie in der rund 0,5 Bogengrad nördlicheren Stadt Uruk zu dieser Zeit noch nicht zu sehen war. In Ur war dies erst über 60 Jahre später, in Uruk erst über 200 Jahre später und in Babylon sogar erst rund 800 Jahre später der Fall, als Babylon noch vollkommen unbedeutend war.

Zwischen Eridu und Ur dürfte es zu Fuß beziehungsweise per Boot eine Tagesreise gewesen sein, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sich die Einwohner der beiden Städte über den Sachverhalt austauschen konnten, dass in der Stadt Eridu in Richtung Süden ein ungewöhnlich heller Stern direkt über dem Horizont zu sehen war, der in der Stadt Ur nicht zu sehen war. Um zu Fuß weiter nach Uruk zu reisen, musste der Euphrat überquert werden, der in diesem Bereich heute eine Breite von 50 bis 100 Metern hat. Vor 6000 Jahren lagen sowohl Eridu als auch Ur wegen des etwas höheren Meeresspiegels und der noch nicht so weit fortgeschrittenen Verlandung allerdings am Persischen Golf, so dass die Reise eventuell auch durch eine Bootsfahrt entlang des Ufers und stromaufwärts des Flusses Euphrat bewerkstelligt werden konnte. Auf welchem Weg auch immer betrug die Reisezeit nach Uruk sicherlich mehrere Tage, so dass ein Austausch der Einwohner zwar nicht so häufig, aber dennoch regelmäßig stattgefunden haben dürfte.

In der folgenden Tabelle sind die säkularen oberen Kulminationen für die Stadt Ur (30,962 Bogengrad nördliche Breite), für die Stadt Uruk (31,322 Bogengrad nördliche Breite) und für die Stadt Babylon (32,542 Bogengrad nördliche Breite) angegeben:

Canopus (α Carinae) von Ur, Uruk und Babylon
Beobachtungsjahr -4500 -4000 -3500 -3000 -2500 -2000
Deklination -59,7° -58,5° -57,4° -56,3° -55,4° -54,6°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 30,3° 31,5° 32,6° 33,7° 34,6° 35,4°
Maximale Höhe der Beobachtung von Eridu aus 0,1° 1,2° 2,2° 3,1° 4,0° 4,8°
Maximale visuelle Helligkeit von Eridu aus 10,0m 6,2m 4,5m 3,5m 2,8m 2,3m
Maximale Höhe der Beobachtung von Ur aus 0,0° 1,0° 2,0° 2,9° 3,8° 4,6°
Maximale visuelle Helligkeit von Ur aus 10,5m 6,7m 4,7m 3,7m 2,9m 2,4m
Maximale Höhe der Beobachtung von Uruk aus - 0,7° 1,7° 2,6° 3,5° 4,2°
Maximale visuelle Helligkeit von Uruk aus - 7,6m 5,2m 4,0m 3,1m 2,7m
Maximale Höhe der Beobachtung von Babylon aus - - 0,6° 1,5° 2,3° 3,1°
Maximale visuelle Helligkeit von Babylon aus - - 7,9m 5,6m 4,3m 3,5m

Ninive lag noch deutlich weiter nördlich und zudem auf einer Höhe von rund 200 Metern über dem Meeresspiegel, dort wo sich heute die Stadt Mossul befindet. Südlich des Ortes, am rechten Ufer des Tigris, befindet sich ein gut 300 Meter hohes Plateau, das die freie Sicht auf den geometrischen und astronomischen Horizont in Richtung Süden verdeckt, die freiäugige Sichtbarkeit des Sternes Canopus jedoch nicht beeinträchtigt, da dieser hoch genug steht. In der folgenden Tabelle sind die säkularen oberen Kulminationen von Canopus zwischen 1200 und 600 vor Christus für die Stadt Ninive (36,367 Bogengrad nördliche Breite) angegeben:

Canopus (α Carinae) von Ninive
Beobachtungsjahr -1200 -1100 -1000 -900 -800 -700 -600
Deklination -53,6° -53,5° -53,4° -53,3° -53,2° -53,1° -53,0°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 36,4° 36,5° 36,6° 36,7° 36,8° 36,9° 37,0°
Maximale Höhe der Beobachtung von Ninive aus 0,9° 1,0° 1,1° 1,2° 1,3° 1,4° 1,5°
Maximale visuelle Helligkeit von Ninive aus 7,0m 6,7m 6,4m 6,2m 6,0m 5,8m 5,7m

Aufgrund der Präzession der Erdachse hat Canopus von Ninive aus gesehen bis zum Mittelalter nur knapp die fünfte Größenklasse überschritten und ist bis heute schon wieder etwas schwächer sichtbar geworden.

Es ist festzuhalten, das Canopus vor der Entstehungszeit der Himmelsscheibe von Ninive in Ninive am südlichen Meridian über dem Horizont sichtbar wurde. Diese Scheibe soll hergestellt worden sein, als Ninive im 7. Jahrhundert vor Christus als Hauptstadt des Assyrischen Reiches die größte Bedeutung erlangte. Auf der Himmelsscheibe ist in einem der acht Segmente, das dem Stern Sirius zugeordnet wird, ein großes diagonales Kreuz zu sehen, welches sehr an das "Ägyptische Kreuz" (bestehend aus den auffälligen Sternen Prokyon, Beteigeuze, Naos und Phakt, siehe oben) mit dem darunter liegenden Stern zweithellsten Stern Canopus erinnert. Der hellste Stern Sirius befindet sich im Schnittpunkt der beiden Kreuzachsen und wurde in der sumerischen Sprache als KAK.SI.SÁ (Pfeil) sowie in der akkadischen Sprache meist als „šu-ku-du“ ((Rohr-)Pfeil) oder auch als „šil-ta-ḫu“ (Pfeil) bezeichnet. Auf der Himmelsscheibe zeigt ein großer Pfeil vom Schnittpunkt der Kreuzachsen in Richtung Mittelpunkt der Scheibe. Ferner sind in diesem Segment mehrere kleine Kreuze zu erkennen.

Kreta
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Karte
Die Umgebung des griechischen Hügels Papoura auf der Insel Kreta.

Auf der griechischen Insel Kreta befindet sich ungefähr zwei Kilometer nordwestlich der Stadt Kastelli der knapp 500 Meter hohe Hügel Papoura (griechisch: Παπούρα). Auf dem Hügel befindet sich eine 2024 entdeckte große minoische Anlage mit einem Durchmesser von 48 Metern, die um 2000 vor Christi Geburt errichtet wurde.[16] Das Zentrum der Anlage wurde in vier Quadranten aufgeteilt, deren Trennmauern in den vier Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet sind.

Im Westen kann man vom Hügel aus das ungefähr 50 Kilometer entfernte und über 2000 Meter hohe Ida-Gebirge sehen. Im Norden kann bei guter Sicht der 713 Meter hohe und 166 Kilometer entfernte Berg Pyrgos auf der Insel Ios der ägäischen Inselgruppe der Kykladen gesehen werden. Im Osten wird die Sicht zum geometrischen Horizont durch Berge verdeckt. Im Südosten ist als höchste scheinbare Erhebung der 1578 Meter hohe und 9 Kilometer entfernte Afentos zu sehen. Eine wichtige Besonderheit ergibt sich in südlicher Himmelsrichtung, weil dort der Blick sogar ein wenig unter den geometrischen Horizont reicht, so dass die Kulmination von Sternen auf dem südlichen Meridian auch bei sehr geringen Höhenwinkeln ungestört beobachtet werden kann. Dies betrifft insbesondere den zweithellsten Stern Canopus, der Mitte Dezember, also kurz vor der Wintersonnenwende, um Mitternacht beobachtet werden kann.

Die in der folgende Tabelle aufgeführten Berechnungen für den Stern Canopus berücksichtigen folgende Parameter:

  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts (der Hügel Papoura befindet sich auf 35.22 Bogengrad nördlicher Breite).
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts über dem Meeresspiegel = 500 Meter.
Die Kulmination von Canopus (unten in der Mitte) auf dem südlichen Meridian im Dezember 2000 vor Christi Geburt um Mitternacht dicht über dem Horizont von Gipfel des Hügels Papoura aus gesehen.
Canopus (α Carinae) von Papoura
Beobachtungsjahr -2500 -2000 -1500
Deklination -55,4° -54,6° -53,9°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 34,6° 35,4° 36,1°
Maximale Höhe der Beobachtung von Papoura aus 0,7° 1,3° 1,9°
Maximale visuelle Helligkeit von Papoura aus 7,7m 5,9m 4,9m

Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Minoer zur Entstehungszeit der Anlage um 2000 vor Christi Geburt von Papoura aus den säkularen Aufgang des Sternes Canopus beobachten und verfolgen konnten. Dies deutet darauf hin, dass die prähistorische Anlage auf dem Hügel für astronomische Beobachtungen verwendet worden sein könnte.

Achernar

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In südlicheren Breiten findet sich als Beispiel im Sternbild (Fluss) Eridanus dessen südlichster und der neunthellste Stern am Himmel Achernar (α Eridani).

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

Die Sonnenpyramide von Teotihuacán kurz nach Sonnenuntergang am 25. Dezember 2005. Über der Pyramide strahlt der Planet Venus in hohem Glanz.
Karte
Die Stadt Teotihuacán
  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts: die Sonnenpyramide von Teotihuacán befindet sich nordöstlich von Mexiko-Stadt bei 19,693 Bogengrad nördlicher Breite.
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts: die Sonnenpyramide von Teotihuacán befindet sich 2300 Meter über dem Meeresspiegel.
  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Achernar: 1h 37m 43s = 24,429°).
    • Deklination (Achernar: -57° 14' 12" = -57,237°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Achernar: 97,1 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Achernar: -41,7 mas/a).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Achernar: 0,5m).
Achernar (α Eridani)
Beobachtungsjahr -4000 -3500 -3000 -2500 -2000 -1500 -1000 -600 -500 -400 -300 -200 -100 000 500 1000 1500 2000
Deklination -82° -83° -83° -81° -79° -76° -74° -71,3° -70,8° -70,2° -69,7° -69,1° -68,5° -68,0° -65,2° -62,5° -59,8° -57,2°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 11° 14° 16° 18,7° 19,2° 19,8° 20,3° 20,9° 21,5° 22,0° 24,8° 27,5° 30,2° 32,8°
Maximale Höhe der Beobachtung von der Sonnenpyramide von Teotihuacán aus - - - - - - - 1,0° 1,5° 2,0° 2,5° 3,0° 3,5° 4,0° 6,7° 9,3° 12,0° 14,5°
Maximale visuelle Helligkeit von der Sonnenpyramide von Teotihuacán aus - - - - - - - 8,0m 6,5m 6,0m 5,5m 5,0m 4,5m 4,0m 2,8m 2,2m 1,8m 1,6m

Das Gebiet von Teotihuacán war seit dem sechsten Jahrhundert vor Christus bewohnt. Bald nach der Gründung wurde für die Bewohner am südlichen Meridian zum ersten Mal der helle Stern Achernar und somit das vollständige Sternbild Fluss Eridanus sichtbar. Seit 100 nach Christus war die Stadt über 500 Jahre lang ein wichtiges Zentrum in Mesoamerika. Von der aus dieser Zeit stammenden Sonnenpyramide aus konnte insbesondere der Sonnenuntergang zur Tag-und-Nacht-Gleiche trotz des bergigen Geländes direkt auf dem westlichen Horizont beobachtet werden.

Selbst in der südägyptischen Stadt Assuan, die sich sich bei 24,094 Bogengrad nördlicher Breite befindet, ging Achernar bis ungefähr 600 nach Christus nie auf. Dies bedeutet, dass das heutige Sternbild Fluss Eridanus, das in Nord-Süd-Richtung eine sehr große Ausdehnung hat, im Altertum weder von Mesopotamien aus noch von Ägypten aus vollständig beobachtet werden konnte. Erst in heutiger Zeit wird Achernar auf dem Breitengrad von Alexandria an der ägyptischen Mittelmeerküste beziehungsweise vom prähistorischen Uruk (31,322 Bogengrad nördliche Breite) im flachen Land des heutigen Iraks sichtbar.

Sirius

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Abschließend soll die zeitliche Entwicklung der Sichtbarkeit des hellsten Sterns am Himmel Sirius (α Canis Majoris) anhand der nördlichsten Breitengrade der Beobachtung auf Meereshöhe in den letzten 10000 Jahren dargestellt werden. Beim Auftauchen über der Horizontlinie ist Sirius seit jeher der einzige Stern, der schon bei einer Höhe von weniger als einem Bogengrad über dem Horizont gesehen werden kann.

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Parameter:

  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Sirius: 6h 45m 9s = 101,2875°).
    • Deklination (Sirius: -16° 42' 58" = -16,7161°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Sirius: -546,01 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Sirius: -1223,07 mas/a).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Sirius: -1,5m).
Sirius (α Canis Majoris)
Beobachtungsjahr -8000 -7500 -7000 -6500 -6000 -5500 -5000 -4500 -4000 -3500 -3000 -2500 -2000 -1500 -1000 -500 000 500 1000 1500 2000
Deklination -46,5° -43,9° -41,2° -38,6° -35,9° -33,4° -30,9° -28,6° -26,4° -24,4° -22,5° -20,8° -19,4° -18,2° -17,2° -16,4° -16,0° -15,8° -15,8° -16,1° -16,7°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 43,5° 46,1° 48,8° 51,4° 54,1° 56,6° 59,1° 61,4° 63,6° 65,6° 67,5° 69,2° 70,6° 71,8° 72,8° 73,6° 74,0° 74,2° 74,2° 73,9° 73,3°

Sirius ist also selbst in höheren nördlichen Breiten schon seit langem sichtbar, und er verliert seit etwa 1000 Jahren wieder langsam an Höhe.

In Sachsen-Anhalt war er zur Zeit der Fertigstellung des Sonnenobservatoriums in Goseck um 4900 vor Christus bereits seit rund eintausend Jahren gut sichtbar. Da die Sicht von der Kreisgrabenanlage nach Süden durch einen leichten Hügel mit einer Höhe von knapp 4 Bogengrad über dem Horizont verdeckt ist, konnte Sirius von dort ab dem Jahr 5900 vor Christus beobachtet werden. Bei freier Sicht zum südlichen Horizont war dies auf dieser geographischen Breite bereits mehrere hundert Jahre früher der Fall.

Der Ort Goseck befindet sich auf 51,198 Bogengrad nördlicher Breite und auf einer Höhe von 152 Meter über dem Meeresspiegel.

Sirius (α Canis Majoris) von Goseck
Beobachtungsjahr -6800 -6700 -6600 -6500 -6400 -6300 -6200 -6100 -6000 -5900 -5800 -5700 -5600 -5500
Deklination -40,2° -39,6° -39,1° -38,6° -38,0° -37,5° -37,0° -36,5° -35,9° -35,4° -34,9° -34,4° -33,9° -33,4°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 49,8° 50,4° 50,9° 51,4° 52,0° 52,5° 53,0° 53,5° 54,1° 54,6° 55,1° 55,6° 56,1° 56,6°
Maximale Höhe der Beobachtung von Goseck aus - - 0,6° 1,0° 1,5° 2,0° 2,5° 2,9° 3,4° 3,9° 4,4° 4,9° 5,4° 5,9°
Maximale visuelle Helligkeit von Goseck aus - - 7,0m 6,0m 4,7m 3,9m 3,2m 2,8m 2,4m 2,0m 1,7m 1,4m 1,2m 1,0m

Der Stern Sirius wurde also innerhalb weniger hundert Jahre am Ort der späteren Kreisgrabenanlage in Goseck sehr gut sichtbar, obwohl er sich am südlichen Horizont nur wenige Grad über den Horizont erhob. Bei der ersten Sichtbarkeit um 5900 vor Christus über dem südlichen Hügel hatte er von dort aus gesehen bereits eine visuelle Helligkeit von 2m, so dass er damals bereits zu den drei Dutzend hellsten sichtbaren Sternen überhaupt zählte, obwohl sein Licht wegen der geringen Horizonthöhe noch stark abgeschwächt war. Zur Zeit der Verwendung des Sonnenobservatoriums von Goseck hatte er bei seiner Kulmination auf dem südlichen Meridian bereits eine außergewöhnlich große Helligkeit.

360-Grad-Panorama im Zentrum der Kreisgrabenanlage eine gute Stunde vor Sonnenuntergang am 3. Februar 2015.

Vorübergehend verschwundene Sterne

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Hier sind einige markante Beispiele von Sternen aufgeführt, die im Laufe der letzten Jahrtausende bei ihrer oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian nur mit einer langjährigen Unterbrechung über dem Horizont zu sehen waren.

Fomalhaut

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Die Lage der vier Königssterne Aldebaran, Regulus, Antares und Fomalhaut. Letzterer liegt im Gegensatz zu den drei anderen Sternen deutlich südlich der Ekliptik.
Karte
Das Belchen-System.

Eine noch stärker sich ändernde Deklination kann zum Beispiel für den hellsten Stern im Sternbild Südlicher Fisch Fomalhaut (α Piscis Austrini) festgestellt werden. Bei den alten Persern gehörte er als hellster Stern der Sternregion in der Nähe Ekliptik zusammen mit Antares (α Scorpii) , Regulus (α Leonis) und Aldebaran (α Tauri) zu den vier Königssternen, die vier Quadranten entlang der Ekliptik markieren.

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts (der Elsässer Belchen befindet sich auf 47,822 Bogengrad nördlicher Breite).
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts über dem Meeresspiegel (der Elsässer Belchen befindet sich 1247 Meter über dem Meeresspiegel).
  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Fomalhaut: 22h 57m 39s = 344,413°).
    • Deklination (Fomalhaut: -29° 37' 20" = -29,622°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Fomalhaut: 356,4 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Fomalhaut: -162,5 mas/a).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Fomalhaut: 1,15m).
Fomalhaut (α Piscis Austrini)
Beobachtungsjahr -4000 -3000 -2000 -1000 -0500 0000 0500 1000 1500 2000
Deklination -42,6° -44,2° -44,2° -42,4° -40,9° -39,1° -37,0° -34,7° -32,2° -29,6°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 47,4° 45,8° 45,8° 47,6° 49,1° 50,9° 53,0° 55,3° 57,8° 60,4°
Maximale Höhe der Beobachtung vom Elsässer Belchen aus 1,2° - - 1,3° 2,5° 4,5° 6,5° 8,5° 11,0° 13,5°
Maximale visuelle Helligkeit vom Elsässer Belchen aus 8,0m - - 8,0m 6,0m 4,5m 3,5m 3,0m 2,5m 2,5m


Fomalhaut war vor 7000 Jahren in Avignon, aber auch noch vom Elsässer Belchen aus noch gut sichtbar. Damals wurde die Deklination noch von Jahr zu Jahr südlicher, so dass er nur noch in zunehmend südlicheren Breiten sichtbar war. Vor rund 4000 Jahren lag der nördlichste Breitengrad bei 45,8 Bogengrad - das entspricht ungefähr dem Ort Mailand -, und danach fing Fomalhaut wieder an zu steigen.

Vor 2500 Jahren erreichte die Deklination von Fomalhaut eine so große Höhe und scheinbare Helligkeit, dass er von der Zugspitze und vom prähistorischen Observatorium auf dem Elsässer Belchen aus gesehen wieder den Horizont überstieg und beobachtet werden konnte. Seit 1000 vor Christi Geburt gab es in der Gegend bereits die Urnenfelderkultur (Hallstadt B), und die ersten Kelten tauchten kurz danach dort auf. In Richtung Süden liegt vom Elsässer Belchen aus der bei guten atmosphärischen Verhältnissen sichtbare, 221 Kilometer entfernte und mit 4810 Metern Höhe höchste Berg der Alpen, der Mont Blanc. Der Elsässer Belchen konnte wegen der guten Sicht auf andere Berggipfel als Sonnenobservatorium verwendet werden, vielleicht wurden von den keltischen Astronomen des Nachts ja auch die Bewegungen der Sterne beobachtet und die Erkenntnisse immer wieder mündlich an die nachfolgenden Druiden tradiert.

Siehe auch Das Belchen-System.

Vor rund 1500 Jahren war Fomalhaut dann von Köln aus und vor etwa 500 Jahren sogar von Kopenhagen aus zu sehen.

Alnair

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Der hellste Stern im Sternbild Kranich (Grus) ist Alnair (α Gruis, scheinbare Helligkeit 1,7m).

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

Die Ruinen der Tempelanlage von Mnajdra mit der Südküste Maltas vom Mittelmeer und der vorgelagerten Insel Filfla im Hintergrund.
Karte
Die Lage von Mnajdra an der Südküste von Malta.
  • Den Breitengrad des Beobachtungspunkts (Mnajdra befindet sich auf 35,827 Bogengrad nördlicher Breite).
  • Die Höhe des Beobachtungspunkts über dem Meeresspiegel (Mnajdra befindet sich an der Südwestküste Maltas nur unwesentlich über dem Meeresspiegel).
  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Alnair: 22h 08m 14s = 332,058°).
    • Deklination (Alnair: -46° 57' 40" = -46,961°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Alnair: 146,0 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Alnair: -169,1 mas/a).
  • Die scheinbare Helligkeit im Zenit (Alnair: 1,7m).
Alnair (α Gruis)
Beobachtungsjahr -4000 -3900 -3800 -3700 -3600 -3500 -3400 -3300 -3200 -3100 -3000 -2000 -1000 0000 1000 2000
Deklination -49,6° -50,0° -50,5° -50,9° -51,3° -51,7° -52,1° -52,5° -52,8° -53,2° -53,5° -55,8° -56,3° -54,7° -51,4° -47,0°
Nördlichster Breitengrad der Beobachtung 40,4° 40,0° 39,5° 39,1° 38,7° 38,3° 37,9° 37,5° 37,2° 36,8° 36,5° 34,2° 33,7° 35,3° 38,6° 43,0°
Maximale Höhe der Beobachtung von Mnajdra aus 4,9° 4,5° 4,1° 3,7° 3,3° 2,9° 2,5° 2,2° 1,9° 1,6° 1,3° - - 0,2° 3,2° 7,5°
Maximale visuelle Helligkeit von Mnajdra aus 4,6m 4,8m 5,1m 5,3m 5,7m 6,0m 6,4m 6,8m 7,2m 7,7m 8,3m - - 12m 5,7m 3,8m

Alnair war vor 5500 Jahren vom maltesischen Mnajdra aus also noch beobachtbar. Mnajdra liegt an der Südwestküste Maltas auf einer Terrassenfelsen am Mittelmeer mit völlig freier Sicht nach Süden. Vor 6000 Jahren war dort aufgrund des niedrigeren Wasserstandes der einzige flache Küstenstreifen in der Region, an welchem angelandet werden konnte.[17] In der zweiten Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrtausends, also in der Frühphase der dortigen megalithischen Tempelkultur, verschwand Alnair vom maltesischen Nachthimmel und war dann über 4000 Jahre lang nicht mehr beobachtbar. Heute steht er wieder siebeneinhalb Bogengrad über dem südlichen Horizont und erreicht eine visuelle Helligkeit von 4m.

→ Ausführungen zum Kalenderstein der Tempelanlage von Mnajdra finden sich hier: „Der Kalenderstein vom Tempel Mnajdra“.

Verschwundene zirkumpolare Sterne

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Hier sind einige markante Beispiele von zirkumpolaren Sternen aufgeführt, die im Laufe der letzten Jahrtausende bei der unteren Kulmination auf dem nördlichen Meridian auf einmal verschwanden.

Arktur

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Umgekehrt verhält es sich beim dritthellsten Stern des Nachthimmels Arktur (α Bootis, scheinbare Helligkeit 0m) im Sternbild Bärenhüter (Bootes). Er hat eine große Deklination und ist daher in hinreichend nördlichen Breiten zirkumpolar. Er sinkt dort also niemals unter den Horizont, und somit kann in Richtung Norden die untere Kulmination auf dem nördlichen Meridian beobachtet werden. Die Deklination hat sich in den letzten 5000 Jahren stark verringert, so dass er in immer nördlicher werdenden Breiten zirkumpolar blieb.

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Arktur: 14h 15m 40s = 213,917°).
    • Deklination (Arktur: 19° 10' 57" = 19.182°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Arktur: -1312.1 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Arktur: -2342.9 mas/a).
Arktur (α Bootis)
Beobachtungsjahr -4000 -3000 -2000 -1000 0000 1000 2000
Deklination 54,3° 49,1° 43,1° 36,9° 30,7° 24,7° 19,2°
Südlichster Breitengrad der Zirkumpolarität 35,7° 40,9° 46,9° 53,1° 59,3° 65,3° 70,8°

Im zwölften vorchristlichen Jahrhundert wurde Arktur demnach auf dem Breitenkreis von Nebra (Unstrut, zirka 51,2 Bogengrad nördliche Breite) und der Kreisgrabenanlage von Goseck eines Herbstes gegen Mitternacht plötzlich unsichtbar, nachdem er als zirkumpolarer Stern Jahrtausende lang nie so dicht zum Horizont gekommen war. In südlicheren Breiten erfolgte dieses Phänomen schon entsprechend früher. Vom Rocher des Doms (zirka 44 Bogengrad nördliche Breite) war er vor über 4300 Jahren beispielsweise noch zirkumpolar. Heute ist er nur noch in sehr hohen Breiten zirkumpolar zu beobachten, wie zum Beispiel vom nördlichsten Zipfel des norwegischen Festlands (bei über 71 Bogengrad nördliche Breite).

Wegen der sehr großen Eigenbewegung von Arktur sind die äquatorialen Koordinaten in der prähistorischen Vergangenheit nicht ganz so zuverlässig bestimmbar wie bei den anderen hier untersuchten Sternen.

Capella

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Ähnlich ist es beim sechsthellsten Stern des Nachthimmels Capella (α Aurigae, scheinbare Helligkeit 0,1m) im Sternbild Fuhrmann (Auriga). Er hat eine nicht ganz so große Deklination wie Arktur und ist in entsprechend nördlichen Breiten zirkumpolar. Die Deklination hat sich in den letzten 5000 Jahren allerdings stark erhöht, so dass er im Laufe dieser Zeitspanne in immer südlicher werdenden Breiten zirkumpolar blieb.

Die Berechnungen berücksichtigen folgende Einflussfaktoren:

  • Die äquatorialen Koordinaten zur Epoche J2000:
    • Rektaszension (Capella: 5h16m42s = 79,175°).
    • Deklination (Capella: 45°59'53" = 45.998°).
  • Die Eigenbewegung des Sterns gegenüber dem Fixsternhimmel, wodurch sich die äquatorialen Koordinaten ebenfalls verändern:
    • Eigenbewegung Rektaszension pro Jahr (Capella: 56,2 mas/a).
    • Eigenbewegung Deklination pro Jahr (Capella: -542.1 mas/a).
Capella (α Aurigae)
Beobachtungsjahr -4000 -3000 -2000 -1000 0000 1000 2000
Deklination 20,6° 26,1° 31,6° 36,7° 41,0° 44,3° 46,0°
Südlichster Breitengrad der Zirkumpolarität 69,4° 63,9° 58,4° 53,3° 49,0° 45,7° 44,0°

Capella erreichte demzufolge von Norddeutschland aus gesehen (nördliche Breitengrade zwischen 50 und 54 Bogengrad) im ersten vorchristlichen Jahrtausend seine Zirkumpolarität.

Programm zur Berechnung säkularer Aufgänge

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Mit dem unten abrufbaren Java-Programm können für beliebige Sterne die säkularen Aufgänge bestimmt werden. Unter säkularer Aufgang ist gemein, ob und wie hoch ein Gestirn von einem bestimmten Beobachtungspunkt der Erde aus den Horizont übersteigt.

Zirkumpolare Sterne gehen nie unter, wenn die untere Kulmination auf dem nördlichen Meridian sichtbar ist. Falls die obere Kulmination auf dem südlichen Meridian unterhalb des Horizonts liegt, geht das entsprechende zirkumpolare Gestirn nie auf.

Das hier vorgestellt Java-Programm benötigt die folgenden Parameter der Beobachtung, die in Klassenvariablen gespeichert sind:

Klassenvariablen

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	/* Beobachtungszeitpunkt */
	private static final long firstObservationYear = -3000; // erstes Beobachtungsjahr
	private static final long yearIncrement = 500;          // Schrittweite fuer die Jahre
	private static final long lastObservationYear = -4000;  // letztes Beobachtungsjahr
	private static final long epoch = 2000;                 // astronomische Epoche J2000

	/* Beobachtungsort */
	private static double phi = java.lang.Math.toRadians (43.95); // geographischer Breitengrad in Radiant
	private static double REarth = 6371000;                       // Erdradius in Metern
	private static double elevation = 55;                         // Hoehe ueber Normalnull in Metern
	private static double chineInDegrees = java.lang.Math.toDegrees (java.lang.Math.acos (REarth / (REarth + elevation))); // Kimmwinkel in Bogengrad
	private static double altitudeIncrement = 0.1; // Schrittweite fuer die Hoehe ueber dem Horizont in Bogengrad

	/* Gestirn */
	private static java.lang.String name = "Phakt"; 
	private static double apparentMagnitude = 2.6; // Scheinbare Helligkeit in Groesssenklassen
	/* Aequatoriale Koordinaten zur Epoche in Radiant */
	private static double alpha0 = java.lang.Math.toRadians (15 * (5 + 39/60.0 + 38.95/3600.0)); // Rektaszension
	private static double delta0 = java.lang.Math.toRadians (-(34 + 4/60.0 + 26.6/3600.0));      // Deklination

Ferner ergeben sich geringe Änderungen der äquatorialen Koordinaten eines Gestirns durch dessen Eigenbewegung. Diese wird in der Regel in Millibogensekunden angegeben und kann in astronomischen Katalogen oder Datenbanken nachgeschlagen werden, wie zum Beispiel im  Hipparcos-Katalog aus dem Jahr 1997 oder im  Tycho-2-Katalog aus dem Jahr 2000.

Diese Einflüsse auf die Rektaszension (RA, englisch = "right ascension") und die Deklination (DE) eines Gestirns wird mit Hilfe der beiden linear unabhängige Parameter und beachtet, die im Java-Programm ebenfalls als Klassenvariablen gespeichert werden:

	/* Jaehrliche Veraenderung der aequatorialen Koordinaten zur Epoche in Millibogensekunden */
	private static double mu_RA =   4.6; // Eigenbewegung Rektaszension
	private static double mu_DE = -29.9; // Eigenbewegung Deklination

	/* Aequatoriale Koordinaten zum Beobachtungszeitpunkt in Radiant */
	private static double alpha; // Rektaszension zum Beobachtungszeitpunkt
	private static double delta; // Deklination zum Beobachtungszeitpunkt

Unterprogramme

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Extinktion

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Das Unterprogramm "extinction" dient zur Bestimmung der Luftmasse "airMass" in Abhängigkeit der Zenitdistanz , die anhand der Höhe über dem Horizont bestimmt werden kann:

Aus der Luftmasse kann anschließend die proportionale Extinktion berechnet werden:

	/*
	 Berechnung der Extinktion in Abhaengigkeit von der astronomischen Hoehe "heightInDegrees" als Reduktion der scheinbaren Helligkeit
	 Formel nach https://asterism.org/resources/atmospheric-extinction-and-refraction/
	 */
	private static double extinction (double heightInDegrees)
	{
		double z = java.lang.Math.toRadians (90 - heightInDegrees); // Zenithoehe
		double cosz = java.lang.Math.cos (z);
		double airMass = 1 / (cosz + 0.025 * java.lang.Math.exp (-11 * cosz)); // Luftmassen
		double extinction = 0.28 * airMass; // Extinktion
		return extinction;
	}

Wenn die äquatorialen Koordinaten eines Gestirns Jahrhunderte oder gar Jahrtausende vor oder nach der Epoche der Katalogisierung bestimmt werden sollen, muss die Präzession der Erdachse berücksichtigt werden. Nach knapp 26000 Jahren sind die beiden Himmelspole während einer Präzessionsperiode beziehungsweise innerhalb eines Platonischen Jahres einmal um den Pol der Ekliptik gekreist.

→ Siehe auch Präzession und Nutation.

Präzession

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Die Präzession der Erdachse wird im Unterprogramm "precession" für ein beliebiges Zieljahr "year" mit einem Formelsatz nach der Internationalen Astronomischen Union (IAU) von 2006 bestimmt:[18]

	/* Berechnung der Praezession fuer das Jahr "year" nach IAU 2006 */
	private static void precession (long year)
	{
		/* Jahre in Bezug auf die Epoche */
		double jahre = year - epoch;

		/* Eigenbewegung beruecksichtigen */
		alpha = alpha0 + jahre * java.lang.Math.toRadians (mu_RA / 3600 / 1000);
		delta = delta0 + jahre * java.lang.Math.toRadians (mu_DE / 3600 / 1000);

		/* Praezessionsformel arbeitet mit Jahrhunderten */
		double jahrhunderte = jahre / 100.0;

		/* IAU 2006 */
		double zeta = (((((-0.0000003173 * jahrhunderte - 0.000005971) * jahrhunderte + 0.01801828)
				* jahrhunderte + 0.2988499) * jahrhunderte + 2306.083227) * jahrhunderte + 2.650545);
		double z = (((((-0.0000002904 * jahrhunderte - 0.000028596) * jahrhunderte + 0.01826837)
				* jahrhunderte + 1.0927348) * jahrhunderte + 2306.077181) * jahrhunderte - 2.650545);
		double theta = ((((-0.00000011274 * jahrhunderte - 0.000007089) * jahrhunderte - 0.04182264)
				* jahrhunderte - 0.4294934) * jahrhunderte + 2004.191903) * jahrhunderte;

		zeta = java.lang.Math.toRadians (zeta / 3600);
		z = java.lang.Math.toRadians (z / 3600);
		theta = java.lang.Math.toRadians (theta / 3600);

		double A = java.lang.Math.cos (delta) * java.lang.Math.sin (alpha + zeta);
		double B = java.lang.Math.cos (theta) * java.lang.Math.cos (delta) * java.lang.Math.cos (alpha + zeta) - java.lang.Math.sin (theta) * java.lang.Math.sin (delta);
		double C = java.lang.Math.sin (theta) * java.lang.Math.cos (delta) * java.lang.Math.cos (alpha + zeta) + java.lang.Math.cos (theta) * java.lang.Math.sin (delta);

		alpha = java.lang.Math.atan2 (A, B) + z;
		if (alpha < 0)
		{
			alpha = alpha + 2 * java.lang.Math.PI;
		}
		delta = java.lang.Math.asin (C);
	}

Kimmtiefe

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Von der Horizontalen gemessene Kimmtiefe bei der Beobachtung in der Höhe über der Erdoberfläche (Erdradius = ).

Für Beobachtungsorte, die nicht auf der Meeresspiegelhöhe liegen, muss die auf offenem Meer die Kimmlinie (englisch: "chine line") zum sichtbaren Horizont zwischen Wasser und Himmel berücksichtigt werden. Der Horizontwinkel (auch Höhenwinkel genannt),der mit einem Zenitwinkel von 90 Bogengrad mathematisch definiert ist, muss um die Kimmtiefe korrigiert werden, um den beobachteten Winkel des Landschafts- respektive Meereshorizonts zu erhalten. Die Kimmtiefe ergibt sich folgendermaßen aus dem Erdradius und der Beobachtungshöhe :

Diese Kimmtiefe muss vom Horizontwinkel subtrahiert werden, um den korrigierten Horizontwinkel zu erhalten:

Näherungslösung
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Im rechtwinkligen Dreieck mit der Gegenkathete der Länge gilt der Satz des Pythagoras:

Der Term ist im Verhältnis zu den anderen Termen so klein, das er ohne großen Fehler vernachlässigt werden kann:

Damit kann die Gleichung nach der Länge der Gegenkathete aufgelöst werden, die auch als Sichtweite vom erhöhten Standpunkt bis zum sichtbaren Horizont interpretiert werden kann:

Die unter der Gegenkathete befindlichen Bogenlänge entlang der Erdoberfläche ergibt sich im Bogenmaß zu:

Für kleine Winkel gilt ohne großen Fehler:

Und daraus folgt wiederum:

Beziehungsweise nach aufgelöst:

Mit dieser Gleichung kann dann bei gemessener Kimmtiefe und bekannter Beobachtungshöhe der Erdradius ermittelt werden:

Karte
Lage des Al-Biruni-Bergs im Salzgebirge in Punjab im heutigen Pakistan in der Bildmitte.

Diese Beziehung wurde bereits im Jahr 1023 von dem persischen Universalgelehrten Al-Biruni verwendet, um mit seinen Messwerten für damalige Verhältnisse einen recht genauen Wert für den Erdradius zu berechnen. Vom zirka 661 Meter hohen Al-Biruni-Berg aus konnte er in Richtung Süden den ungefähr 75 Kilometer entfernten Horizont der sehr ebenen Landschaft in einer Höhe von rund 200 Metern beobachten.[19]

Mit einer Kimmtiefe von 0,7 Bogengrad (0,0122 Radiant) und einer Höhe des Berges von 461 Metern über der Landschaftsebene ergibt sich für den Erdradius ein Wert von rund 6200 Kilometer. Der mittlere Erdradius beträgt 6371 Kilometer, was einer Abweichung von ungefähr drei Prozent entspricht.

Atmosphärische Refraktion

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Diagramm mit der atmosphärischen Refraktion über der Höhe über der Erdoberfläche nach Bennett.

Ferner ergibt sich durch die atmosphärische Refraktion eine weitere Verringerung des wahren Horizonts um den Winkel , der durch folgende Näherungsformel von George G. Bennet[20] bestimmt werden kann, wobei der Höhenwinkel über dem Horizont in Bogengrad einzusetzen ist:

(in Bogengrad)

Für einen auf dem mathematischen Horizont beobachteten Punkt außerhalb der Erdatmosphäre ergibt sich dann mit ein maximaler Korrekturwinkel von gut einem halben Grad:

Meteorologische Korrektur
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Die oben angegebene Formel gilt für einen Luftdruck von 1010 Hektopascal und eine Temperatur von 10° Celsius (283 Kelvin). Falls der atmosphärische Luftdruck und die atmosphärische Temperatur an der Erdoberfläche genauer berücksichtigt werden sollen, kann für die Ermittlung der korrigierten Refraktion der Refraktionswinkel mit einem Korrekturfaktor multipliziert werden, der vom Luftdruck und von der Temperatur anhängt:

Java-Code

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Mit dem folgenden Java-Programm, das über das Hauptprogramm "main" aufgerufen wird, können die säkularen Aufgänge eines Gestirns für ein beliebiges Jahr in Bezug auf die astronomische Standardepoche J2000 berechnet werden:

→ Java-Programm "SaekularerAufgang"

Einzelnachweise

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  1. Stèle du rocher des Doms, Avignon Musée Calvet, Collections permanentes Préhistoire
  2. Sylvain Gagnière, Jacques Granier: Les stèles anthropomorphes du musée Calvet d'Avignon, in: Gallia préhistoire, tome 6, 1963. Seiten 31 bis 62
  3. Jean-Pierre Girault, Jean Gascó: DEUX STÈLES PROTOHISTORIQUES REDÉCOUVERTES AU PUY D’ISSOLUD (VAYRAC, LOT), PDF-Datei, französisch
  4. Mike Luciuk: Atmospheric Extinction and Refraktion, Amateur Astronomers, Garwood, New Jersey, Vereinigte Staaten von Amerika
  5. Siehe Aristoteles: Peri uranú (Περὶ οὐρανοῦ), Buch 2, Kapitel 14
  6. William Tyler Olcott: A Field Book of the Stars, Seite 104, New York, 1907
  7. David H. Kelley, Eugene F. Milone: Exploring Ancient Skies - A Survey of Ancient and Cultural Astronomy, 16. Februar 2011, Seite 276, Springer, New York, ISBN 9781441976246
  8. David A. King: Astronomical Alignments in Medieval Islamic Religious Architecture, in: Annals of the New York Academy of Sciences, Volume 385, Issue 1, Seiten 303 bis 312, Wiley-Blackwell, 1982
  9. Bartel Leendert van der Waerden: Erwachende Wissenschaft Band 2: Die Anfänge der Astronomie, in: Wissenschaft und Kultur, Band 23, Verlag Birkhäuser, Basel und Stuttgart, 1968
  10. Rita Gautschy-Loidl: Babylonische Astronomie, Abschnitt 7.2 Identifikation der genannten Sternbilder: Die Serie MULAPIN, in: Knaurs Neuer Historischer Weltatlas
  11. Markus Bautsch, Friedhelm Pedde: Canopus, der "Stern der Stadt Eridu". In: Dem Himmel nahe.. Nr. 17, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 8-9 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2023/05/BROplanet-juni2023ff_www.pdf).
  12. tablet K.8538, British Museum
  13. Johannes Koch: Neuere Untersuchungen zur Topographie des babylonischen Fixsternhimmels, Kapitel 7 bis 16, Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden, 1989, ISBN 978-3447029438
  14. Hermann Hunger: Astrological Reports to Assyrian Kings, State Archives of Assyria, Band VIII, Seite 46, Helsinki University Press, 1992, ISBN 978-1-57506-331-7
  15. Gary D. Thompson: E: Late Mesopotamian Constellations / 9: Late Babylonian (Neo-Assyrian) planisphere, Episodic Survey of the History of the Constellations
  16. 4,000-year-old Greek hilltop site mystifies archaeologists. It could spell trouble for new airport. (https://apnews.com/article/greece-crete-archaeology-airport-minoan-e1bca3960994b42ef2ec30676a2ae188).
  17. Reuben Grima: Landscape, Territories, and the Life-Histories of Monuments in Temple Period Malta, in: Journal of Mediterranean Archaeology, 21.1 (2008), Seiten 35 bis 56, ISSN (Print) 0952-7648 ISSN (Online) 1743-1700
  18. George H. Kaplan: The IAU Resolutions on Astronomical Reference Systems, Time Scales, and Earth Rotation Models Explanation and Implementation, Chapter 5: Precession and Nutation, U.S. Naval Observatory, Washington, D.C., 20 October 2005
  19. Panorama vom Al-Biruni-Berg im Salzgebirge in Punjab im heutigen Pakistan nach Süden, www.udeuschle.de/panoramas, abgerufen am 25. Oktober 2025
  20. George G. Bennett: The Calculation of Astronomical Refraction in Marine Navigation, in: The Journal of Navigation, Volume 35, Issue 2, pp. 255–259, The Royal Institute of Navigation, May 1982

Das Belchen-System

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Das Belchen-System
Karte
Das Gebiet des Belchen-Systems.

Das Belchen-System besteht aus den fünf Bergen im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz, die traditionell als Belchen bezeichnet werden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bezeichnung Belchen sogar auf keltische Ursprünge zurückgeführt werden kann. Sie haben besondere geographische Bezüge zu den Himmelsrichtungen sowie den Auf- und Untergangsorten von verschiedenen Gestirnen. Insbesondere in Bezug auf die Sonne stellt der Gipfel vom Elsässer Belchen ein natürliches Sonnenobservatorium dar.

Die fünf Belchen

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Vom Elsässer Belchen (französisch "Ballon d'Alsace") als Zentrum des Belchen-Systems aus gesehen, stellen die vier anderen Belchen geographische Markierungen für einen Sonnenkalender dar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass genau die fünf Berge der in Region Vogesen (Frankreich), Schwarzwald (Deutschland) und Jura (Schweiz) zufällig mit dem Begriff Belchen in Verbindung gebracht werden können, ist sehr gering. In den Vogesen gibt es 27 Berge mit einer Höhe von über 1000 Metern. Die Wahrscheinlichkeit wird dadurch noch geringer, dass sowohl der höchste Berg der Vogesen (der Große Belchen, französisch "Grand Ballon") als auch der südlichste Berg der Vogesen (der Elsässer Belchen) zu diesen fünf Bergen zählen. Die drei Belchen der Vogesen gehören zu den 17 höchsten Bergen der Vogesen. Der Schwarzwälder Belchen ist die fünfthöchste Erhebung im Schwarzwald und zählt damit zu den fünf über 1400 Meter hohen Bergen. Allein der Schweizer Belchen ist zwar auch deutlich über 1000 Meter hoch, ist in seiner Umgebung vom Elsässer Belchen aus gesehen jedoch eher unscheinbar und wird vom benachbarten Ruchen in der Höhe um 24 Meter übertroffen. Bei guter Fernsicht sind hinter dem Schweizer Belchen die 3000er in den Glarner Alpen beziehungsweise in den Berner Alpen zu sehen.[1] Vom Schwarzwälder Belchen aus liegt der Schweizer Belchen (Belchenflue) fast genau in südlicher Richtung (Azimut 182 Bogengrad) und ist in gut 50 Kilometer deutlich zu erkennen.[2]

Der Kleine Belchen (französisch "Petit Ballon") wird vom Elsässer Belchen aus gesehen von dem vier Kilometer näher gelegenen und 18 Meter höheren Langenfeldkopf verdeckt. Nichtsdestoweniger war es möglich, dessen Lage zu ermitteln, wenn ein großes kultisches Feuer auf dem Gipfel entfacht wurde, das bei der Abwesenheit von Lichtverschmutzung in der Dämmerung als Lichtschein oder am Tag durch durch die Rauchwolken wahrgenommen werden kann.

Die folgende Liste enthält die fünf Belchen mit steigenden Azimuten (von Nordosten nach Südosten) sowie den Mont Blanc, wenn der Elsässer Belchen sich im Beobachtungspunkt befindet:

  • Elsässer Belchen (Vogesen), zentraler Punkt des prähistorisches Sonnenobservatoriums.
    • Kleiner Belchen, auch Kahler Wasen (Vogesen), Richtung des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende.
    • Großer Belchen (Vogesen), Richtung des Sonnenaufgangs am keltischen Feiertag Beltane (1. Mai). Vor 2000&nbsp:Jahren ging das auffällige Siebengestirn zu allen Jahreszeiten genau dort auf.
    • Schwarzwälder Belchen, auch Badischer Belchen oder nur Belchen (Schwarzwald), genau in Richtung Osten und Richtung des Sonnenaufgangs bei den Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) zu Frühlings- und Herbstbeginn.
    • Schweizer Belchen, auch Jura-Belchen, Bölchen, Bölchenfluh oder die Belchenflue (Schweizer Jura), Richtung des Sonnenaufgangs zur Wintersonnenwende. Umgekehrt geht die Sonne zur Sommersonnenwende vom Schweizer Belchen aus gesehen über dem Elsässer Belchen auf.
    • Mont Blanc (Grenze zwischen Frankreich und Italien), genau in Richtung Süden, wo alle Gestirne, insbesondere die Mittagssonne, ihre obere Kulmination auf dem südlichen Meridian erfahren. Vor 2500&nbsp:Jahren tauchte um Mitternacht dort der helle Stern Fomalhaut nach Jahrtausenden wieder auf.

Der südliche Meridian

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Genau in Richtung Süden findet überall auf der nördlichen Halbkugel der Erde die obere Kulmination aller Himmelsobjekte statt, also auch die aller Sterne, der Sonne, des Mondes und aller Planeten.

Vom Elsässer Belchen aus gesehen liegt der 221 Kilometer entfernte und mit 4810 Metern Höhe höchste Berg der Alpen, der Mont Blanc, fast genau in südlicher Richtung, die Abweichung beträgt nur 0,3 Bogengrad nach Osten. Trotz der Höhe des Mont-Blanc-Gipfels befindet sich dieser wegen der Krümmung der Erdoberfläche und der großen Entfernung nur einige Bogenminuten über dem geometrischen Horizont (Zenitdistanz = 90 Bogengrad).[3] Bei sehr guten Sichtverhältnissen ist er zu sehen.[4]

Der Elsässer Belchen befindet sich auf 47,8238 Bogengrad nördlicher Breite. Dies bedeutet, dass hier ein Himmelsobjekt mit einer bei einer Deklination von -42,1762 Bogengrad (-42° 10' 34,3") genau auf dem Horizont steht, wenn auf dem südlichen Meridian die obere Kulmination dieses Himmelsobjekts erfolgt. In der Bronzezeit war der sehr helle und auffällige Stern Formalhaut (α Piscis Austrini, scheinbare Helligkeit 1m) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) wegen seiner zu südlichen Deklination vom Elsässer Belchen aus nie zu sehen. Vor rund 2500 Jahren erreichte seine Deklination aufgrund der Präzession der Erdachse jedoch einen so hohen (nördlichen) Wert, dass seine scheinbare tägliche Bahn vom Elsässer Belchen aus gesehen den geometrischen Horizont hinreichend hoch überstieg. Somit wurde Formalhaut vom prähistorischen Observatorium auf dem Elsässer Belchen damals nach mehreren Jahrtausenden wieder sichtbar, als er im Hochsommer um Mitternacht auf dem südlichen Meridian und demnach genau über dem Mont Blanc kulminierte.

→ Siehe auch Änderung der Deklination von Fomalhaut.

Beginn der vier Jahreszeiten

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Somit können vom Elsässer Belchen aus die Anfänge der vier astronomischen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter bestimmt werden. Über dem höchsten Berg der gesamten Vogesen, dem Großen Belchen (1424 Meter), geht die Sonne von dort aus gesehen am 1. Mai auf. Vor 2000 Jahren stimmte dieser Azimut jahreszeitlich mit dem Morgenerst und örtlich dem heliakischen Aufgang des Kalendergestirns der Plejaden (das Siebengestirn) überein, nachdem diese für mehrere Wochen im Sonnenlicht verschwunden waren. Heute gehen die Plejaden zwar bei einem Azimut von 52 Bogengrad auf, vor 2000 Jahren war dies bei einem Azimut von 65 Bogengrad der Fall, also exakt in der Richtung, in der der Große Belchen zu sehen ist.

Das Belchen-System
Name Französische
Bezeichnung
Höhe
in Metern
Entfernung
in Kilometern
Beobachtungsrichtung Azimut
in Bogengrad
Datum des
Sonnenaufgangs
Bild
Elsässer Belchen Ballon d'Alsace 1247 0 Zentrum - -
Elsässer Belchen von Südwesten aus gesehen.
Kleiner Belchen Petit Ballon 1272 27 Nordost 50 Sommersonnenwende
Sonnenaufgang über dem Kleinen Belchen zur Sommersonnenwende vom Elsässer Belchen aus gesehen.
Großer Belchen Grand Ballon 1424 21 Ostnordost 65 Anfang Mai
Großer Belchen mit Radarstation.
Schwarzwälder Belchen Belchen 1414 74 Ost 90 Tag-und-Nacht-Gleichen
Sonnenaufgang über dem Schwarzwälder Belchen zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr vom Elsässer Belchen aus gesehen.
Schweizer Belchen Belchenflue 1099 89 Südost 125 Wintersonnenwende
Sonnenaufgang über dem Schweizer Belchen zur Wintersonnenwende vom Elsässer Belchen aus gesehen. Der Schweizer Belchen befindet sich unterhalb vom 3613 Meter hohen und 192 Kilometer entfernten Tödi (Piz Russein, der höchste Gipfel der Glarner Alpen in der Schweiz), der die Sonne in der Aufnahme gerade freigibt.

Beobachtungen vom Schwarzwälder Belchen aus

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Da der Elsässer und der Schwarzwälder Belchen auf dem gleichen Breitengrad liegen (47,822 Grad nördliche Breite), können auch vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen die Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) beobachtet werden.

Ferner liegen der Schwarzwälder Belchen (7,83 Grad östliche Länge) und der Schweizer Belchen (7,81 Grad östliche Länge) fast auf dem gleichen Längengrad, so dass sich ein Dreieck ergibt, das beim Schwarzwälder Belchen annähernd einen rechten Winkel hat. Der Schweizer Belchen befindet sich von hier aus in 51 Kilometern Entfernung und hat einen Azimut von knapp 182 Bogengrad, so dass er also knapp zwei Bogengrad westlich von der Südrichtung zu sehen ist und der Winkel zwischen Schweizer und Elsässer Belchen nur gut 88 Bogengrad beträgt.

  • Schwarzwälder Belchen, prähistorisches Sonnenobservatorium.
    • Elsässer Belchen, genau in Richtung Westen Sonnenuntergang bei den Tag-und-Nacht-Gleichen zu Frühlings- und Herbstbeginn.
    • Schweizer Belchen, in Richtung Süden, also der Richtung der täglichen Kulmination aller Gestirne auf dem südlichen Meridian.

Die genaue Südrichtung wird von hier aus durch den Liskamm (4527 Meter Höhe, 211 Kilometer Entfernung) in den schweizerischen Walliser Alpen markiert, der vom Schwarzwälder Belchen aus allerdings nicht zu sehen ist. Er verbirgt sich zwischen den nicht ganz so hohen, aber etwas näher liegenden Gipfeln der Berner Alpen vom Tschingelspitz (3310 Meter Höhe, 146 Kilometer Entfernung) und vom Gspaltenhorn (3426 Meter Höhe, 146 Kilometer Entfernung), die eine Scharte bilden.[2]

Die Achse Großer Belchen und Feldberg

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Schließlich sei auch noch darauf hingewiesen, dass auch der Große Belchen und der 68 Kilometer entfernte, etwas höhere und höchste Berg des Schwarzwalds, der Feldberg, fast auf dem gleichen Breitengrad liegen, und deswegen ebenfalls ein Gespann darstellen, das zur Ermittlung der Tag-und-Nacht-Gleichen im Sonnenkalender verwendet werden kann. Die Abweichungen von den genauen Daten betragen nur drei bis vier Tage:

Das System Großer Belchen und Feldberg
Name Französische
Bezeichnung
Höhe
in Metern
Breitengrad
in in Bogengrad
Beobachtungsrichtung Azimut
in Bogengrad
Bild
Großer Belchen Grand Ballon 1424 47,87 Ost 92,2
Der Große Belchen von Osten aus gesehen.
Feldberg Feldberg 1493 47,90 West 272,2
Der Feldberg von Westen aus gesehen. Rechts der Seebuck, der mit 1449 Metern Höhe der zweithöchste Berg in den den beiden Mittelgebirgen Vogesen und Schwarzwald ist.

Literatur

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  • Walter Eichin, Andreas Bohnert: Das Belchen-System, in Das Markgräflerland - Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Markgräflerland für Geschichte und Landeskunde e.V., Heft 2, Seiten 176 bis 185, Schopfheim, Geschichtsverein, 1985.

Einzelnachweise

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  1. Vom Elsässer Belchen Richtung Osten, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
  2. 2,0 2,1 Vom Schwarzwälder Belchen Richtung Süden, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
  3. Vom Elsässer Belchen zum Mont Blanc, https://www.udeuschle.de/panoramas/makepanoramas.htm
  4. Thomas Striebig: Vogesen-Durchquerung, Bergverlag Rother, 2021, Seite 180, ISBN 9783763344079

Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle

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Eingang zur Magura-Höhle.
Im Inneren der Magura-Höhle.

Dieses Kapitel zeigt Parallelen zwischen den Malereien in der Magura-Höhle in Bulgarien und schriftlich überlieferten Schöpfungsmythen auf. Ferner werden einige Darstellungen in archäoastronomischer Hinsicht untersucht, und es wird gezeigt, welche Elemente in Verbindung mit einer frühzeitlichen Kalenderführung stehen können.

Hypothesen

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Die beschrieben Untersuchungen verfolgen zwei Haupthypothesen:

  1. Die älteren sieben ersten Szenen der Höhlenmalerei in der Magura-Höhle stehen im Zusammenhang mit einem Schöpfungsmythos.
  2. Die sieben sequenziell dargestellten Szenen zeigen eine zusammenhängende Schöpfungsgeschichte (von rechts nach links):
    1. Den Lichtbringer.
    2. Den Himmelsstier in den heutigen Sternbildern Stier, Widder und Walfisch.
    3. Sieben Gestalten, die den sieben Wandelgestirnen entsprechen.
    4. Die Trennung von Himmel und Erde mit der Schöpfung von Lebewesen.
    5. Die besondere Stellung der Menschen in der Schöpfung.
    6. Die Erschaffung des Wassers.
    7. Die Vollendung der Schöpfung.

Unabhängig von diesen unbeweisbaren Hypothesen, wird in diesem Beitrag gezeigt, dass die genannten Szenen vor Jahrtausenden als Stationen und Gedächtnisstütze für die Erzählung eines Schöpfungsmythos sowie zu dessen Illustration gedient haben können. Die Darstellungen in den Höhlenmalereien der Magura-Höhle sind demzufolge Indizien dafür, dass neolithischen Nutzer der Höhle einen Schöpfungsmythos kannten und tradierten, der zahlreiche Ähnlichkeiten zu anderen, schriftlich überlieferten Schöpfungsmythen aufweist.

Einführung

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Schöpfungsmythen und Kalender existieren in vielen alten Kulturen. Sie beantworten häufig einige Fragen zum Woher des Menschen und zu seiner Umwelt und können religiöse Traditionen begründen, wie das Feiern von Festen sowie das hiermit verbundene Führen von Kalendern. Über Jahrtausende wurden die Mythen mündlich tradiert, und bevor sie aufgeschrieben werden konnten, nachdem die Schrift erfunden wurde, können sie auch schon bildlich festgehalten worden sein. Dies kann als bildliche Ergänzung zu den gesprochenen oder gesungenen Erzählungen gedient haben (heute würde der Begriff „multimedial“ verwendet), kann aber auch als Gedächtnisstütze verwendet worden sein, damit wichtige Details nicht versehentlich ausgelassen oder in der falschen Reihenfolge wiedergegeben wurden.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie sich aus ikonographischen Bildern Schriftzeichen herausgebildet haben. In der alteuropäischen Vinča-Kultur, in deren Gebiet auch die Magura-Höhle lag, wurden bereits im Neolithikum prähistorische Zeichen verwendet („Donauschrift“).

Für die nördliche Hemisphäre der Erde kann folgendes festgestellt werden: Die Schriftrichtung von rechts nach links entspricht dem langfristigen Lauf der Sonne und des Mondes entlang der Ekliptik in Bezug auf den Fixsternhimmel. Dieser Lauf kann am einfachsten beim Mond erkannt werden, da er sich innerhalb eines siderischen Monats (27,322 Tage) einmal komplett durch den Fixsternhimmel bewegt. Die alten Inder und die Beduinen haben diese in sich geschlossene und sich ewig wiederholende Strecke vor langer Zeit in 27 beziehungsweise 28 Mondhäuser eingeteilt. Die Schriftrichtung von links nach rechts entspricht dem täglichen Lauf aller Gestirne in Bezug zum Horizont vom Aufgang im Osten über die Kulmination auf dem Meridian im Süden zum Untergang im Westen.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass sich bereits unsere Urahnen auf das am Himmel zu beobachtende Geschehen bezogen haben, den sie noch völlig ohne Lichtverschmutzung wahrnehmen konnten. Insofern scheint es unerlässlich, archäoastronomische Aspekte bei der Interpretation der alten Darstellungen zu berücksichtigen. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Menschen im Altertum weniger verständig waren als in der Neuzeit, sie hatten allerdings weniger Wissen angesammelt als das, über das wir heute verfügen können. Der ewige Lauf der Sterne, der Planeten, des Mondes und der Sonne kann bei hinreichend langer Beobachtung zwar zunehmend genau beschrieben, jedoch nicht ohne weiteres erklärt werden. Für die damals unerklärlichen Vorgänge und Zusammenhänge am Himmel, insbesondere am Nachthimmel, wurden demzufolge mythische Geschichten erfunden, die danach immer weiter ausgesponnen und verbreitet wurden. Viele Religionen beziehen sich auf diese als göttlich bezeichneten Vorgänge unter anderem, um Kalender und die Termine von bestimmten Festtagen festzulegen.

In der Magura-Höhle gibt es insgesamt über eintausend bildliche Darstellungen aus verschiedenen prähistorischen Epochen.[1] Die Datierung scheint problematisch zu sein, die alten Höhlenmalereien sollen spätestens 2600 Jahre vor Christi Geburt entstanden sein, die ältesten jedoch noch früher.[2] In diesem Kontext ist es erwähnenswert, dass der südliche Stern Phakt (α Columbae) im Sternbild Taube (Columba) bedingt durch die Präzession der Erdachse vor gut 4000 Jahren zum ersten Mal vom Gipfel des Magura-Berges beobachtet werden konnte, was von damaligen Beobachtern sicherlich als spektakuläre Sensation wahrgenommen wurde:

→ Siehe auch Kapitel Die Stele vom Rocher des Doms, Abschnitt Phakt.

Dieses Wikibook beschäftigt sich vor allem mit den sieben älteren Darstellungen, die beginnend von Eingang der Höhle eine Bildergeschichte erzählen zu scheinen, und greift auch einige der tiefer in der Höhle befindlichen Darstellungen auf.

Beschreibung

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Karte
Die Lage des Magura-Komplexes südlich des Rabischa-Sees und nordwestlich des Ortes Rabischa (Рабиша).

Die Magura-Höhle liegt ungefähr zwei Kilometer nordwestlich der bulgarischen Stadt Rabischa ganz im Nordwesten des Landes.[3] Die höchste Erhebung des Bergs liegt 461 Meter über dem Meeresspiegel und zirka 170 Meter über dem Wasserspiegel des unmittelbar nördlich gelegenen Rabischa-Sees. Dieser See hat in West-Ost-Richtung eine Ausdehnung von knapp zweieinhalb Kilometer und in Nord-Süd-Richtung von gut anderthalb Kilometer. Nach Osten hin erstreckt sich auf über 20 Kilometer eine zur Donau hin leicht abfallende Ebene, so dass der Horizont im Quadranten zwischen Norden und Osten völlig unverdeckt und bei hinreichend klarer Atmosphäre alle dort aufgehenden Gestirne äußerst spektakulär zu sehen sind. Die Donau bildet hier die Staatsgrenze zu Rumänien. in gut 400 Kilometern Entfernung liegt in dieser Richtung das Schwarze Meer. Vom Magura-Gipfel aus von links nach rechts gesehen liegt zwischen dem Azimut von 335 Bogengrad in Richtung Nordnordwest bis zum Azimut von 120 Bogengrad in Richtung Ostsüdost der geographische Horizont überall unterhalb des geometrischen Horizonts, es sind also sogar negative Höhen am Himmel beobachtbar. Insbesondere die freie Sicht nach Osten macht den Magura-Berg zu einem ausgezeichneten Observatorium für aufgehende Himmelsobjekte, das auch schon von den Neolithikern benutzt werden konnte. Die Nordrichtung wird durch die Transsilvanischen Alpen (Südkarpaten) markiert, deren Gipfel wegen der Entfernung von über 160 Kilometern ebenfalls unterhalb des geometrischen Horizonts liegen. Im Süden befinden sich die westlichen Ausläufer des Balkangebirges mit seinen beiden Höhenzügen Veneza und Vedernik, der 38 Kilometer entfernte, mit 2169 Metern Höhe höchste serbische Berg Midschur ist in südlicher Richtung zu sehen. Die Grenze von Serbien verläuft in westlicher Richtung 15 Kilometer entfernt in den Bergen.


Die Magura-Höhle ist eine vor zirka 15 Millionen Jahren durch Lösung von Kalkgestein gebildete Karsthöhle mit einer Lufttemperatur von 12 Grad Celsius. Sie verfügt eine Gesamtlänge von zweieinhalb Kilometer, ist heute mit einer elektrischen Beleuchtung versehen und kann allerdings nur in Teilen und im Rahmen einer Führung ganzjährig besichtigt werden.

Die Höhle befindet sich im östlichen Zipfel der vor rund 7000 Jahren von der Vinča-Kultur geprägten Region, in der mit Keramik gearbeitet wurde. Aus dieser Zeit sind auch prähistorische Zeichen, die Vinča-Symbole, bekannt, die offenbar religiösen Zwecken gedient hatten. Die Höhlenmalereien scheinen aus mehreren Epochen zu stammen, die bis in die Bronzezeit reichen. Die Künstler der ältesten Höhlenmalereien haben vor ungefähr 5500 Jahren mit Fledermaus-Guano gearbeitet, das aus den Exkrementen der Tiere hergestellt wird.[4] Es gibt in der Hauptgalerie insgesamt sechs verschieden große Hallen und drei weitere seitlich abgehende Galerien. Am Eingang der Höhle befindet sich mit der über 100 Meter langen und bis zu 58 breiten sowie bis zu 28 Meter hohen Triumph-Halle (auch Bogen-Halle) die größte Halle des Komplexes.

Die Magura-Höhle wurde schon in der Altsteinzeit von Menschen genutzt. Eine indoeuropäische Völkergruppe der Thraker hat sie in der Bronzezeit für mehrere Jahrhunderte bewohnt. Die Triumph-Halle wurde von zahlreichen Menschen bewohnt. Auch später wurde die Höhle genutzt, da sich keramische Artefakte aus der Eisenzeit finden ließen.[5]

1984 wurde die Höhle in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.[6] Seit 2009 gibt es im Eingangsbereich eine Ausstellung mit den Höhlenmalereien.[5] Ähnliche Malereien und weitere mit Darstellungen der Sonne und von Mondsicheln gibt es in der Bailovo-Höhle in der Nähe von Sofia.[7]

Schöpfungsmythos

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Rekonstruktion des Mittelpunkts der Welt nach dem vorsokratischen griechischen Philosophen Anaximander. Beim georgischen Strom Rioni (griechisch: Φάσις = Phasis) gab es im Altertum ausgedehnte Sümpfe, die nach Norden eine natürliche Barriere für Menschen darstellten. Bereits Hesiod erwähnt den Strom in seinem Werk „Theogonie“, in dem die Entstehung der griechischen Götter und der Welt beschrieben wird.

Die Hochkulturen der Steinzeit lebten nicht nur südlich, sondern auch westlich des Schwarzen Meeres. Die Permafrostgrenze lag während der letzten Kaltzeit immer nördlich dieser Region, und die Landbrücke zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer konnte begangen werden. Das Schwarze Meer wurde über zahlreiche Flüsse mit Süßwasser gespeist. Die gesamte Küstenregion war daher gut mit Trinkwasser und Meerestieren versorgt und stellte somit einen gut geeigneten Lebensraum für die damaligen Bewohner dar. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Menschen aller angrenzenden Regionen bereits damals auf dem Landweg Handelswaren, Geschichten und Information sowie Wissen ausgetauscht haben, und dass dies in den Artefakten, Traditionen und Mythen der verschiedenen Völker gemeinsame Spuren hinterlassen hat. Es wäre also nicht überraschend, wenn sich bei der Entwicklung der Gesellschaften in allen Richtungen von den Ufern des Schwarzen Meeres zahlreiche Gemeinsamkeiten und Parallelitäten ergeben hätten. Durch die zunehmende Erwärmung der Erde und die dabei abschmelzenden Gletscher stiegen die Wasserspiegel der Ozeane und der Binnenmeere allmählich um über einhundert Meter an, und an den flachen Küstenregionen des Schwarzen Meeres verdrängte das Wasser das Ufer um mehrere hundert Kilometer ins Landesinnere. Die Landbrücke zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer brach irgendwann vor 7500 bis 9500 Jahren auf, und das Mittelmeer und das Schwarze Meer egalisierten ihre Meeresspiegel. Die Menschen mussten fortan Boote benutzen, um zwischen den nicht mehr auf dem Landweg zu erreichenden westlichen und südlichen Küstenregionen des Schwarzen Meeres zu reisen.

Die ersten sieben Stationen mit Höhlenmalereien in der Magura-Höhle stammen offenbar aus einer früheren Periode der Malereien in der Magura-Höhle.[2] Sie lassen viele Elemente eines Schöpfungsmythos erkennen, wie zum Beispiel einen Lichtbringer, die Sieben, Himmel und Erde, Lebewesen, Mann und Frau oder Wasser.[8] In weiteren Darstellungen ist offenbar ein Kalender und sind Elemente einer Sintflut zu erkennen.

Insgesamt ergeben sich bei den Malereien in der Magura-Höhle nicht nur erstaunliche Bezüge zur Genesis (Bereschit der jüdischen Tora beziehungsweise Erstes Buch Mose des christlichen Alten Testaments), sondern auch zum sumerischen Atraḫasis-Epos beziehungsweise Gilgamesch-Epos, in denen von einem Himmelsstier und ebenfalls von einer Sintflut die Rede ist. Die Sintfluterzählung gilt als eine Ergänzung der Schöpfungserzählung. Der sumerische Urozean beziehungsweise das kosmische Wasser wurde Abzu („Uranfänglicher“) genannt. Der babylonische Schöpfungs-Mythos Enuma elisch erzählt auf sieben Tontafeln zum Beispiel von den Attributen der sieben Winde und von einer Sturmflut sowie von der Schaffung der Sternbilder durch die erstmals im dritten Jahrtausend vor Christus erwähnte sumerische Gottheit Marduk. Sehr ähnliche Motive tauchen auch in alten chinesischen, mündlich überlieferten Volksmärchen auf, wie in den Erzählungen „Die Menschwerdung der fünf Alten“ und von der Schöpfergöttin des Menschengeschlechtes „Nü Wa“.[9][10]

In der Magura-Höhle gibt es neben den hier vorgestellten Ausschnitten fast eintausend weitere Zeichnungen.[11] Es ist daher denkbar, dass diese einen längeren „Magura-Epos“ erzählen, der über die Berichte von der Schöpfung der Welt und der Sintflut deutlich hinausgeht.

Die folgenden sieben Abschnitte behandeln die ersten sieben und offenbar ältesten Stationen in der Magura-Höhle.[2] Die entsprechenden Höhlenmalereien werden hierin als ein Bericht von der Schöpfung der Welt interpretiert.

Hier findet sich eine kurze einfache Nacherzählung des im Folgenden ausführlicher beschriebenen Schöpfungsmythos:

→ Nacherzählung des Schöpfungsmythos aus der Magura-Höhle

Erste Station

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Trennung von Licht und Finsternis

Sie geht Morgen für Morgen, für jeden wahrnehmbar, im Osten auf.

Das erste Zeichen erinnert an einen mythischen Lichtbringer, wie er in der aufgehenden Sonne gesehen werden kann, die sich auf einer Wasseroberfläche spiegelt. Der Leuchteffekt auf der Wasseroberfläche wird Glitzerpfad (englisch: „glitter path“) genannt.[12]

Durch Brechungseffekte in der Atmosphäre (astronomische Refraktion) erscheint die Sonne in vertikaler Richtung etwas gestaucht. Durch die Rayleigh-Streuung wird das kurzwellige blaue Licht der Sonne seitlich abgelenkt, so dass vor allem die langwelligen rötlichen nicht gestreuten Anteile den Beobachter auf direktem Weg erreichen.

→ Siehe hierzu auch: Wikibook „Digitale bildgebende Verfahren“, Kapitel „Beleuchtung“, Abschnitt „Streuung“.

Westlich des Goldenen Tors der Ekliptik (links im Bild zwischen Aldebaran und den Plejaden) liegt der astronomische Urozean in den zusammenhängenden Wassersternbildern Walfisch (Cetus), Fische (Pisces, sumerisch Aruru), Wassermann (Aquarius, sumerisch GU.LA) und Steinbock (Capricornus, babylonisch Ziegenfisch, sumerisch SUHUR.MAŠ). Aus diesem dunklen Urozean (dem sumerischen Süßwasserozean Abzu) heraus treten die sieben Wandelgestirne in Richtung Osten durch das Goldene Tor der Ekliptik.

Zur Tag-und-Nacht-Gleiche erfolgt der Sonnenaufgang genau im Osten und kann dann gut vom westlichen Zipfel des Rabischa-Sees am Fuße des Magura-Berges beobachtet werden, da dieser nach Osten hin seine größte Ausdehnung hat und sich dahinter eine sehr weite zur Donau und zum Schwarzen Meer hin abfallende Tiefebene erstreckt. Vom westlichen Ufer eines Ozeans oder eines großen Gewässers, dessen gegenüberliegendes Ufer wegen der Krümmung der Erdoberfläche nicht gesehen werden kann, wie am Schwarzen Meer, kann die aufgehende Sonne am Horizont sogar vollständig mit ihrem Spiegelbild verschmelzen.

Hierzu die ersten fünf Verse der Schöpfungsgeschichte aus dem Alten Testament nach der Einheitsübersetzung:[13]

1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.

Auch das sumerische Urwasser Abzu bezieht sich auf den Sonnenaufgang.

Unter den altägyptischen Gottheiten wurde Re als die Sonnengottheit verehrt, die durch das Wirken ihrer Kraft auf der Erde das Leben ermöglichte.

Der mittelalterliche Liber Quare („Das Buch Warum“)[14] erklärt zur Frage, warum gen Osten gewandt gebet wird, damit dass Gott zwar überall und unerforschlich groß ist[15], er aber nach dem ersten Kapitel des Evangeliums nach Lukas derjenige ist, der als Glanz des ewigen Lichts die Finsternis erleuchtet hat:[16]

78 Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
79 um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Für die nordamerikanischen Indianervölker der Haida und der Tsimshian in Britisch-Kolumbien ist ein großer dunkler Rabe der Lichtbringer. Bevor das Licht in die Welt gebracht worden war, war sie nichts anderes als eine gigantische Urflut. Der Rabe wurde in der Dunkelheit geboren, war der Macher und Wandler aller Dinge sowie ein wunderbar singender Magier und Heiler. Der Rabe gilt in diesen Schöpfungsmythen als Bringer der Sterne, des Mondes und der Sonne, aber auch des Trinkwassers und des Feuers.[17]

Diese Geschichte kann auf zweierlei Art und Weise astronomisch gedeutet werden:

  1. Der Rabe als im Osten am Ende der Nacht als Sonne über einer großen Wasserfläche aufgehendes Geschöpf.
  2. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne wandern entlang der Ekliptiklinie aus dem dunkeln Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik. Wird die Himmelsregion beim Goldenen Tor der Ekliptik mit den beiden sehr auffälligen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden in diesem Sinne interpretiert, fällt es nicht schwer, in dieser Konstellation einen Raben zu erkennen. Im nächsten Abschnitt wird diese Region in einer weiteren Interpretation dem Himmelsstier zugeordnet.

Zweite Station

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Schöpfung des Himmelsgewölbes

Aufmerksame und ausdauernde Beobachter sehen sie ewig durch dieses Tor ins Licht ziehen.
Steinzeitliches Stierornament mit langen Hörnern auf einem zirka 6000 Jahre alten Menhir in einem Dolmen aus Gavrinis und Table des Marchands am Golf von Morbihan in der südlichen Bretagne. Unter den Hörnern ist ein Zeichen zu sehen, das eine auffällige Ähnlichkeit zu Zeichen aus der Magura-Höhle aber auch zu anderen mit Rindern in Verbindung stehenden Zeichen aus dem Altertum aufweist (siehe unten).

Stiere scheinen seit jeher eine besondere Bedeutung für die Menschen gehabt zu haben und wurden schon vor rund 40000 Jahren in der El-Castillo-Höhle im spanischen Kantabrien und in der Kalksteinhöhle von Lubang Jeriji Saléh auf Borneo in Indonesien gemalt. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele: Der Auerochse in der Chauvet-Höhe an der südfranzösischen Ardèche soll zirka 31000 Jahre alt sein. Angehörige der Magdalénien-Kultur haben vor rund 16000 Jahren die Stier-Malereien in der Höhle von Lascaux in der französischen Dordogne sowie vor etwa 13000 Jahren den Wisent in der Höhle von Niaux in den französischen Pyrenäen und das Steppenbison in der Höhle von Altamira in Nordspanien (Kantabrien) gemalt. In der Schweiz wurden an verschiedenen archäologischen Ausgrabungsstätten mehrere sogenannte "Mondhörner" mit Lochreihen aus der späten Bronzezeit gefunden, die sehr an die Form eines Stierkopfes erinnern.[18] Auch in den Dolmen in Locmariaquer im Département Morbihan sowie auf der vorgelagerten Insel Gavrinis im im Golf von Morbihan in der südlichen Bretagne in Frankreich gibt es lebensgroße Darstellungen von Stieren mit langen Hörnern, die mindestens 6000 Jahre alt sind.[19][20][21][22]

Das zweite Zeichen aus Magura hat eine große Ähnlichkeit mit dem Himmelsstier.[23] Nach oben hin könnten zwei lange Hörner dargestellt sein, der Körper ist nach unten geöffnet und zeigt in der Mitte etwas wie einen Fußabdruck von etwas, dass in diesen Stier hineintritt. Die Darstellung weist die gleiche Orientierung auf wie der Asterismus Himmelsstier am westlichen Abendhimmel, durch den alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne (die Sonne, der Mond sowie die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) aus einem sternarmen, und somit in der Nacht besonders dunklen Himmelssegment des Trichters der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik ins Licht der helleren Objekte entlang der Ekliptik hineintreten. Dabei werden diese sieben Wesen quasi aus dem Himmelsstier heraus geboren und ziehen anschließend ihre Bahnen im Licht der Sterne entlang der Ekliptik.

Dieser Asterismus umfasst Teile der heutigen Sternbilder Stier (Taurus), Widder (Aries) und Walfisch (Cetus) beziehungsweise Teile der entsprechenden beduinischen Sternbilder „Lamm“ (arabisch: al-hamal, beim Stern Hamal (α Arietis)) mit dem „Bäuchlein“ des Lammes (arabisch: al-buṭayn, beim Stern Nair al Butain beziehungsweise Bharani (41 Arietis)) und den „vielen Kleinen“ im „fetten Schwanz“ des Lammes (arabisch: al-thurayya, der offene Sternhaufen der Plejaden beziehungsweise das Siebengestirn (M45)) sowie dem „Nachfolgender“ (arabisch: al-dabarān, der Rote Riese Aldebaran (α Tauri)) und der „amputierten Hand“ (arabisch: al-kaf al-jadhma, der Stern Kaffaljidhma beziehungsweise Kaffaljidh (γ Ceti)) mit dem Stern Menkar (α Ceti) am Trichter der Thuraya. Das Siebengestirn ist das auffälligste Himmelsobjekt in diesem Asterismus, befindet sich auf dem Rücken des Himmelsstieres und könnte als der Urquell der sieben Wandelgestirne angesehen werden (siehe hierzu auch: Plejaden / Überlieferungen).

Darstellung des Himmelsstiers in den fünf ersten Mondhäusern des arabischen Manazil al-Qamar mit den hellsten ekliptiknahen Sternen. Die rote Linie markiert die Lage der Ekliptik und unten sind die dazugehörigen ekliptikalen Längen zum Frühlingspunkt der Epoche J0000.0 und rechts die ekliptikalen Breiten aufgetragen.

Der Frühlingspunkt wanderte wegen der Präzession der Erdachse in den letzten Jahrtausenden vom Sternbild Zwillinge (Gemini) über den Stier (Taurus) und den Widder (Aries) bis in die Fische (Pisces), wo er sich heute befindet. Er markiert den Punkt auf der Ekliptik, an welchem die Sonne und der Neumond zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr aufgehen. Gleichzeitig markiert er den Punkt, an welchem der Vollmond zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst untergeht. Vor 4500 Jahren befand der Frühlingspunkt sich im Kopf des Sternbilds Stier (Taurus), direkt im Goldenen Tor der Ekliptik zwischen dem Stern Ain im offenen Sternhaufen der Hyaden und dem offenen Sternhaufen der Plejaden.

Die Schaffung des Himmelsgewölbes wird im Alten Testament in den Versen 14 und 15 zu Beginn des vierten Schöpfungstags beschrieben.[25] Es gibt einen deutlichen Hinweis auf die Kalenderfunktion der Lichter am Himmel:

14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es.

Die beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres, und es ist interessant darauf hinzuweisen, dass Aldebaran und Ain nicht nur die astronomischen Namen α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) haben, sondern dass sie auch mit dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ain des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden können.[26] Im später eingeführten hebräischen Alphabet entsprechen diese dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ajin (zu Deutsch "Auge"). Diese Buchstaben tauchen auch im eng verwandten paläohebräischen Alphabet als Aleph und Ayin auf.

Ferner ist bemerkenswert, dass die Sonne während eines tropischen Jahres vom Anfang bei Aldebaran (lateinisch: "A" / griechisch: "Alpha") auf der Ekliptik bis zum Ende bei Ain (lateinisch: "O" / griechisch: "Omikron") zieht, genau dort wo sich vor 4500 Jahren der Frühlingspunkt befand. Im Christentum ist das "A und O" (das Alpha und das Omega) in der Offenbarung des Johannes bezeugt:[27]

Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Das chinesische Schriftzeichen 牛 für Rind beziehungsweise für Ochse hat die folgende etymologische Entwicklung durchgemacht:

Dritte Station

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Schöpfung der Himmelskörper

Die in immerwährender Bewegung am Himmel seienden Sieben.
Wir sind die Wir-sind-da.

Dieser Figur schließt sich an der dritten Wand des Höhlengangs die Darstellung einer mythisch anmutenden Gruppe mit einer Siebengestalt an, die für die sieben aus dem Himmelsstier kommenden Wandelgestirne stehen könnten. Sie können daher als die aus dem Himmelsstier geborenen Himmelsstierkinder aufgefasst werden (vergleiche oben bei der zweiten Station „sibunstirri“ und „septemtriones“), nämlich die Sonne, der Mond sowie die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn:

Die sieben Wandelgestirne
Name Wochentag Scheinbare Helligkeit Siderische Umlaufzeit
in Jahren
Mond Montag -13m 0,075
Planet Merkur Mittwoch -2m 0,21
Planet Venus Freitag -5m 0,62
Sonne Sonntag -27m 1,0
Planet Mars Dienstag -3m 1,9
Planet Jupiter Donnerstag -3m 12
Planet Saturn Samstag -0,5m 29,5

→ Siehe hierzu auch: Wikibook „Quadriviale Kuriositäten‎“, Kapitel „Zahlen“, Abschnitt „Zur Sieben“.

Der offene Sternhaufen der Plejaden (das Siebengestirn) wie er im Südwesten über dem Horizont ausgerichtet zu sehen ist mit seinen sieben hellsten Sternen Atlas, Pleione, Alkione, Merope, Maia, Electra, und Taygeta (von links nach rechts).

Vielleicht ist auch das Siebengestirn (der offene Sternhaufen der Plejaden), das Bestandteil des Himmelsstiers ist, mit diesen sieben Wesen gemeint. Diese Plejaden wurden in der griechischen Antike mit den gleichnamigen Nymphen gleichgesetzt.

Bei den Höhlenmalereien tauchen insgesamt sehr viele solcher luftgeisterartigen Figuren mit zum Himmel erhobenen Armen auf.[8]

Das Sternbild Orion mit den drei Gürtelsternen Alnitak (ζ Orionis), Alnilam (ε Orionis) und Mintaka (δ Orionis, von links nach rechts) sowie den vier Ecksternen Beteigeuze (α Orionis, links oben), Bellatrix (γ Orionis, rechts oben), Saiph (κ Orionis, links unten) und Rigel (β Orionis, rechts unten).

Einige Figuren der Höhlenmalereien ähneln deutlich dem heutigen Sternbild Orion mit seinen drei Gürtelsternen. Die hellsten sieben Sterne dieses bereits in der Antike genannten Sternbilds sind:

Die sieben Hauptsterne des Sternbilds Orion
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Lage Scheinbare
Helligkeit
α Orionis Beteigeuze links oben 0,0 bis 1,5m
β Orionis Rigel rechts unten 0,0m
γ Orionis Bellatrix rechts oben 1,5m
ε Orionis Alnilam mittlerer Gürtelstern 1,5m
ζ Orionis Alnitak linker Gürtelstern 1,5m
κ Orionis Saiph links unten 2,0m
δ Orionis Mintaka rechter Gürtelstern 2,5m

Nach der Schaffung des Himmelsgewölbes wird im Alten Testament in den Versen 16 bis 19 die Schaffung von Sonne (Herrscherin des Tages), Mond (Herrscher der Nacht) und Sternen erwähnt.[28] Die fünf mit bloßem Auge sichtbaren und gegenüber dem Fixsternhimmel ebenfalls wandelnden Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn wurden offensichtlich zu den Sternen gezählt:

16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne.
17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten,
18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war.
19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag.

Vierte Station

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Trennung von Himmel und Erde / Schöpfung der Lebewesen

Hier die ewig Himmlischen, dort die vergänglich Irdischen.

Die vierte Station ist horizontal zweigeteilt und greift im oberen Teil („Himmel“) die figürlichen Darstellungen der sieben himmlischen Gestalten mit erhobenen Händen auf. Der untere Teil zeigt Menschen sowie Landtiere und Vögel („Erde“), jedoch keine Fische. In der ersten größeren Zusammenstellung von gezeichneten Figuren sind in der oberen Hälfte also mehrere Himmelsgestalten zu erkennen, wohingegen darunter eine irdische Szene mit Menschen und Tieren („Lebewesen“) zu sehen ist. Die beiden Teile sind auf der Felsoberfläche durch eine lange horizontale Kante getrennt.

Mit dieser Darstellung wird das Motiv „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“ vom allerersten Vers der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament aufgegriffen. Sie beschreibt am fünften und sechsten Tag das Geschehen auf der Erde danach folgendermaßen:[29]

20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.
22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag.
24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es.
25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.

In den zehn Geboten des jüdischen Tanach wird folgendes geboten:[30]

4 Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

In den Psalmen gibt es zahlreiche Bezüge zu Himmel und Erde, wie zum Beispiel die folgenden:

Psalm 8 "Die Herrlichkeit des Schöpfers – die Würde des Menschen":[31]

2 HERR, unser Herr, / wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.

Psalm 50 "Der rechte Gottesdienst":[32]

1 Ein Psalm Asafs. Gott, ja Gott, der HERR, hat gesprochen, / er rief die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
2 Vom Zion her, der Krone der Schönheit, ging Gott auf in strahlendem Glanz.
3 Unser Gott möge kommen und nicht schweigen; Feuer frisst vor ihm her; um ihn stürmt es gewaltig.
4 Dem Himmel droben und der Erde ruft er zu, um sein Volk zu richten:
5 Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schließen beim Opfer!
6 Da taten die Himmel seine Gerechtigkeit kund; weil Gott selbst der Richter ist.

Psalm 57 "Geborgenheit im Schutze Gottes":[33]

6 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!
12 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!

Psalm 85 "Bitte um Frieden und Gerechtigkeit":[34]

12 Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Psalm 89 "Verheißung an David und Klage über die Verwerfung seines Hauses":[35]

12 Dein ist der Himmel, dein auch die Erde; den Erdkreis und was ihn erfüllt hast du gegründet.

Psalm 103 "Loblied auf den barmherzigen und gerechten Gott":[36]

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so mächtig ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
19 Der HERR hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.

Psalm 106 "Sündenbekenntnis Israels angesichts seiner Geschichte":[37]

20 Denn herabgeschaut hat der HERR aus heiliger Höhe, vom Himmel hat er auf die Erde geblickt.

Psalm 108 "Gott, Geborgenheit und Schutz seines Volkes":[38]

6 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!

Psalm 113 "Loblied auf Gottes Hoheit und Liebe zu den Geringen":[39]

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der wohnt in der Höhe,
6 der hinabschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde?

Psalm 121 "Der Hüter Israels":[40]

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Psalm 124 "Israels Dank für die Befreiung":[41]

8 Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 134 "Nächtliches Loblied im Tempel":[42]

3 Es segne dich der HERR vom Zion her, er, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Psalm 146 "Preislied auf Gott, den Helfer der Armen":[43]

6 Er ist es, der Himmel und Erde erschafft, / das Meer und alles, was in ihm ist. Er hält die Treue auf ewig.

Psalm 148 "Lobpreis auf den Herrn, den König des Kosmos":[44]

13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.

Im Christentum wird die Zweiteilung zwischen Himmel und Erde im Gebet des Herrn aus dem sechsten Kapitel des Matthäusevangeliums thematisiert:[45]

9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name,
10 dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf der Erde.

Der Apostel Paulus greift dieses Bild im 15. Kapitel seines ersten Briefes an die Korinther auf:[46]

47 Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der zweite Mensch stammt vom Himmel.
48 Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren.
49 Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.

Fünfte Station

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Menschenschöpfung

Die fortwährende Voraussetzung für die Schaffung neuen menschlichen Lebens.

Die fünfte Station zeigt zwei Figuren, die wie eine Frau und ein Mann aussehen und gleichzeitig Ähnlichkeit mit den himmlischen Wesen von den Stationen drei und vier haben.

Die Darstellung erinnert an einen Paartanz mit nach oben gestreckten Armen (in fünfter Position). Die häufig genau auf diese Weise dargestellten Sylphen beziehungsweise Sylphiden sind nach dem in der ersten Hälfte der 15. Jahrhunderts tätigen Naturphilosophen Paracelsus mythische Luftgeister und gelten als ein Beispiel für die Spiritualisierung von Materie.

Die Schöpfungsgeschichte im Alten Testament beschreibt am sechsten Tag die Schaffung des Menschen:[47]

26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.
28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es.
31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.

Sechste Station

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Erschaffung des Wassers

Im Wasser ist himmlische Kraft, durch das Wasser ist irdisches Leben.

Die horizontal ausgerichteten Zickzacklinien im sechsten Teil erinnern an Wasserwellen. Die Urflut bestand aus Wasser. Wasser ist eine wesentliche Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. In Schöpfungsmythen wird häufiger erwähnt, dass das ursprüngliche Wasser in das Wasser am Himmel und das Wasser in den Flüssen, Seen und Meeren aufgeteilt wird. Die Zickzacklinien der Höhlenmalereien von Magura tauchen sowohl in den oberen als auch in den unteren Bereichen der Darstellungen auf.

Die Schöpfungsgeschichte im Alten Testament beschreibt die Urflut und das Wasser bereits vor der Schaffung des Menschen:[48]

6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.
7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es.
8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.
9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es.
10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.
11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es.
12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.
13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag.

Meereswellen bei leichtem Wind im Sonnenlicht.

In diesem Kontext fallen zwei Punkte auf, die eine Abweichung zwischen der Reihenfolge der Höhlenmalereien und der biblischen Schöpfungsgeschichte darstellen:

  • Dieser Block mit dem zweiten und dritten Schöpfungstag erscheint erst nach dem sechsten Schöpfungstag, ansonsten ist die Reihenfolge identisch.
  • Von allen Versen des ersten Kapitels der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament spiegeln sich nur die Verse 11 bis 13, in denen es um die auf das Licht und das Wasser angewiesenen Pflanzen geht, nicht in den bildlichen Darstellungen der ersten sieben Stationen der Magura-Höhle wider.

Große Wassermassen stellen später die Menschen während der Sintflut auf die Probe, die in einer späteren Station offenbar thematisiert wird. Siehe unten: Sintflut.

Siebente Station

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Sieben Symbole bei der siebenten Station der Höhlenmalereien.

Besinnung auf die Zahl Sieben

Die Sieben steht für eine mystische Vollkommenheit.

Die siebente Station befindet sich etwas verborgen hinter einer Wand und zeigt sieben unterscheidbare Symbole mit Kreisen, Bögen und Kreuzen.

In diesem Zusammenhang sei ebenfalls auf sehr deutliche Ähnlichkeiten dieser Symbole aus der Magura-Höhle zu einigen Buchstaben des ältesten bekannten Alphabets in der 4000 Jahre alten protosinaitischen Schrift hingewiesen, aus der das phönizische Alphabet und somit noch später auch das aramäische, das hebräische und das griechische Alphabet hervorgegangenen sind:

Protosinaitische Schriftzeichen
Name Symbol Anmerkung Ägyptische Hieroglyphe Phönizischer Buchstabe Griechischer Buchstabe Lateinischer Buchstabe
alp alp Ochse, Stier, erstes Zeichen des Alphabets
F1
(alf) (alpha) a, A
haw haw Fenster, Anbeter, Lobpreisung
A28
(hē) (epsilon) e, E
waw waw Haken
G43
(wau) (ypsilon) y, Y
en en Auge
D4
(ain) (omikron) o, O
taw taw Markierung, Siegel, letztes Zeichen des Alphabets
Z9
(tau) (tau) t, T

Nach der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament wurde am siebenten Tag das Werk der Schöpfung vollendet. Dies ist zu Beginn des zweiten Kapitels nachzulesen:[49]

1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.

Die sieben den gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelskörper und deren Zuordnungen zu den Wochentagen in der Darstellung eines Heptagramms, das mit dem Mond beginnend entgegen dem Uhrzeigersinn und aufsteigend nach den siderischen Umlaufzeiten angeordnet ist. Die Sonne befindet sich oben.

Die Zahl Sieben ist eine besondere Zahl, da sie als einzige Zahl der Zahlen von Zwei bis Zehn teilerfremd mit sämtlichen anderen Zahlen ist. Am siebenten Schöpfungstag ist die Weltordnung hergestellt und die mythische Schöpfung vollendet. Die sieben Tage einer Woche entsprechen einem Mondviertel, die Schöpfungsgeschichte beginnt im Deutschen, im Lateinischen (Vulgata) und im Hebräischen (Bereschit) mit diesen sieben Worten:

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

Es gibt sieben mit bloßem Auge sichtbare ewig entlang der Ekliptik durch den Fixsternhimmel ziehende Wandelgestirne. Weitere astronomische Objekte mit Bezug zur Zahl Sieben sind die jeweils sieben hellsten Sterne der Asterismen Orion, Großer Wagen, Kleiner Wagen, Kopf des Stieres oder Siebengestirn (Plejaden) beziehungsweise die sieben hellsten Objekte des Fixsternhimmels in der Nähe der Ekliptik.

→ Siehe hierzu auch: Wikibook „Quadriviale Kuriositäten“, Kapitel „Zahlen“, Abschnitt „Zur Sieben“.

Die sieben Symbole der Höhlenzeichnung bei der siebenten Station erinnern in ihrer Form sowohl an die sieben himmlischen Gestalten der dritten Station als auch teilweise an noch heute gebräuchliche astronomische Symbole.

Astronomische Symbole und Planetenmetalle
Name Symbol Planetenmetall Wochentag
Mond Altlicht im Herbst Neumond Zunehmende Mondsichel Vollmond Abnehmende Mondsichel Silber Montag
Planet Merkur Merkur Quecksilber Mittwoch
Planet Venus Venus Kupfer Freitag
Sonne Sonne Gold Sonntag
Planet Mars Mars Eisen Dienstag
Planet Jupiter Jupiter Zinn Donnerstag
Planet Saturn Saturn Blei Samstag
Astronomische Symbole von Sternbildern
Name Symbol Anmerkung
Sternbild Wassermann (Aquarius) Wassermann Dunkle, sternenarme Region im Trichter der Thuraya
Sternbild Fische (Pisces) Fische Heutiger Frühlingspunkt, dunkle, sternenarme Region im Trichter der Thuraya
Sternbild Widder (Aries) Widder Frühlingspunkt vor 2000 Jahren, beduinisches Sternbild Lamm mit Schwanz in den Plejaden, Bestandteil des Himmelsstieres
Sternbild Stier (Taurus) Stier Frühlingspunkt vor 4500 Jahren, mit Hörnern und Kopf des Himmelsstieres sowie inklusive der Plejaden, Goldenes Tor der Ekliptik

Im Himmelssegment dieser vier Lebewesenkreiszeichen (siehe auch Trichter der Thuraya) gibt es gemessen vom Stern Deneb Algedi (δ Capricorni) im Sternbild Steinbock (Capricornus), dem „Schwanz des Ziegenböckchens“, keine ekliptiknahen Sterne mit einer Größenklasse 3,5m oder heller. Erst im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) übertreffen die Plejaden, die Hyaden sowie Aldebaran diese Helligkeit, und zwar erheblich. Dies bedeutet, dass alle in diesem Quadranten in der Nähe der Ekliptik liegenden Fixsterne in der Helligkeit von mehreren hundert anderen Sternen des Nachthimmels sowie sehr deutlich von den sieben Wandelgestirnen übertroffen werden.

Nachdem der Mond das Sternbild Steinbock (Capricornus) verlassen hat, zieht er Monat für Monat sieben Tage lang durch die drei entlang seines Pfades an der Ekliptiklinie dunklen und unauffälligen Sternbilder Wassermann (Aquarius), Fische (Pisces) und Widder (Aries), bevor er ins Licht des Goldenen Tors der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) tritt.

Sintflut

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Die bei der sechsten Station sichtbaren Zickzacklinien werden im weiteren Verlauf der Höhlenmalereien mehrfach aufgegriffen, wo sie eventuell im Zusammenhang mit der Darstellung der Sintflut stehen könnten. Unmittelbar vor den kalenderartigen Darstellungen (→ siehe hierzu auch unten: „Kalender“), die im Zusammenhang mit einer Neuordnung der Welt gesehen werden können, gibt es im oberen Bereich der Zeichnung beispielsweise eine kräftige horizontal ausgerichtete Zickzacklinie, die alle Bäume, Felder und Wesen sintflutartig zu überspülen scheint. Unterhalb dieser Flutwelle ist auch eine quadratisch angeordnete Matrix mit vierzig Punkten dargestellt – die Sintflut soll nach der schriftlichen Überlieferung im Alten Testament vierzig Tage lang gedauert haben.

Darstellung mit verschiedenen Elementen einer Sintflut: Wellen, Bäume, Felder und eine Matrix mit vierzig Punkten. Oben in der Bildmitte ein himmlisches Wesen, das die Katastrophe verursacht.

Im sechsten Kapitel der Genesis wird wegen des verdorbenen und gewalttätigen Verhaltens der Menschen eine gravierende Maßnahme angekündigt:[50]

11 Die Erde aber war vor Gott verdorben, die Erde war voller Gewalttat.
12 Gott sah sich die Erde an und siehe, sie war verdorben; denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben.
13 Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist gekommen; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Siehe, ich will sie zugleich mit der Erde verderben.

Im siebenten Kapitel wird dann erzählt, wie die hierfür verursachte Sintflut vonstatten ging:[51]

4 Denn noch sieben Tage dauert es, dann lasse ich es vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die Erde regnen und tilge vom Erdboden alle Wesen, die ich gemacht habe.
...
10 Als die sieben Tage vorbei waren, kam das Wasser der Flut über die Erde.
11 Im sechshundertsten Lebensjahr Noachs, am siebzehnten Tag des zweiten Monats, an diesem Tag brachen alle Quellen der gewaltigen Urflut auf und die Schleusen des Himmels öffneten sich.
12 Der Regen ergoss sich vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die Erde.

Der offene Sternhaufen der Plejaden hatte auf Grund seines ungewöhnlichen und beeindruckenden Anblicks in vielen Kulturen eine besondere Bedeutung. Er wurde auch als Kalendergestirn verwendet, nach dessen Auf- und Untergängen landwirtschaftliche und seefahrerische Tätigkeiten ausgerichtet wurden, wie es zum Beispiel schon bei den griechischen Dichtern  Hesiod um 700 vor Christus[52][53] oder  Aratos von Soloi (* zirka 310 vor Christus; † 245 vor Christus) belegt ist. Hesiod erwähnt in seinem Text auch, dass die Plejaden im Frühjahr regelmäßig vierzig Tage und Nächte lang nicht zu sehen sind, da sie dann vom Licht der vorbeiziehenden Sonne überstrahlt werden. Auch der Begriff Quarantäne (vom Französischen „quarantaine (de jours)“ = „vierzig Tage“) soll auf diese Weise mit den Plejaden beziehungsweise mit der Dauer der Sintflut zusammenhängen.

Am Ende des achten Kapitels der Genesis folgen beim Bericht vom Ende der Sintflut mehrere Hinweise darauf, welche zentrale und elementare Rolle ein Kalender für die überlebenden Menschen fortan haben wird:[54]

Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.

Kalender

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Sonnenkalender

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Im hinteren Teil der Höhle gibt es eine komplexe Darstellung mit diversen Attributen, in denen Bezüge zu einem Sonnenkalender festgestellt werden konnten.[55]

Neolithische Malereien in der Höhle von Magura - im rechten Drittel befindet sich der Sonnenkalender.

Links oben befindet sich ein sonnähnliches Symbol. Halb links ober befindet sich eine Matrix mit neunzehn Punkten. Der Meton-Zyklus hat eine Dauer von neunzehn Sonnenjahren. Im rechten Bereich befindet sich eine weitere Matrix mit 27 Punkten. Der siderische Mondzyklus dauert etwas mehr als 27 Tage.

Detail mit Elementen eines Sonnenkalenders.[55]

Mondkalender

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Aber auch bezüglich einer lunaren Kalenderführung gibt es mehrere Hinweise.[55] Im folgenden werden noch einige weitere Befunde dargestellt:

Erste Hälfte des synodischen Monats in einer Darstellung der Höhlenmalerei von Magura. Rechts ist die schmale, liegende Mondsichel des Altlichts beim Morgenletzt zu sehen. Ein bis zwei Tage später ist Neumond, danach nimmt der Mond wieder zu, und nach insgesamt sechzehn Tagen wird der Vollmond erreicht (links).
Dicht über dem Horizont befindlicher Vollmond mit den Spiegelungen des Glitzerpfads auf einer großen Wasserfläche.
Über dem südöstlichen Horizont beim Morgenletzt gerade noch sichtbares Altlicht des abnehmenden Mondes 53 Stunden vor Neumond mit der vom Erdschein beleuchteten Nachtseite des Mondes zum Herbstbeginn.

Insbesondere gibt es eine Darstellung des Altlichts beim Morgenletzt des Mondes mit einer liegenden Mondsichel, an das sich nach links fünfzehn strichförmige Markierungen und eine sechzehnte kreisförmige Figur mit einer Ausbuchtung nach unten anschließen, die den Vollmond mit darunterliegendem Glitzerpfad symbolisieren könnte. Vom Altlicht des Mondes über Neumond und zunehmenden Mond bis zum Vollmond sind es sechzehn Tage.

Auf der bronzezeitlichen Himmelsscheibe von Nebra sind drei verschiedene Darstellungen einer kreisförmigen Grundstruktur vorhanden, die nach dem österreichischen Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher[56] mit den drei Mondphasen des Altlichts, des ersten Viertels und des Vollmonds in Zusammenhang gebracht werden können, so wie sie auch in der Sequenz der Höhlenmalerei von Magura dargestellt sein könnten:

Auch im altägyptischen Mondkalender, der bereits im Neolithikum in Verwendung war, begann der Monat nicht mit dem unsichtbaren Neumond, sondern bereits mit dem gerade noch sichtbaren Altlicht des Morgenletztes des Mondes.[57]

Im weiter hinten liegenden Abschnitt der Magura-Höhle mit der Darstellung des Sonnenkalenders sind Felder mit 27 oder 28 Punkten zu sehen, die darauf hindeuten, dass die Menschen bereits damals die Länge des siderischen Monats gezählt und gekannt haben. Nach dieser Zeit steht der Mond erneut im selben Mondhaus (arabisch: „manazil al-qamar“), beziehungsweise bei der gleichen ekliptikalen Länge oder beim selben Stern des Fixsternhimmels.

Ferner tauchen bei den Höhlenmalereien Felder mit 19 und mit 25 Punkten auf.[58]. Diese könnten wie beim Kalenderstein von Mnajdra auf den Meton-Zyklus sowie die Anzahl der Siebentagewochen innerhalb synodischer Perioden beziehungsweise die vollendeten Mondviertel zwischen den Tag-und-Nacht-Gleichen beziehungsweise zwischen den Sonnenwenden hindeuten.

→ Siehe hierzu auch:

Schlusswort

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Wenn unseren Urahnen die gleiche Kreativität wie uns heute unterstellt werden darf, ist es nicht überraschend, dass auf Basis des damaligen zunächst ausschließlich mündlich tradierten Wissens Mond- und Sonnenkalender sowie Schöpfungsmythen entstanden sind. Die künstlerisch begabten Zeitgenossen konnten mit den damals verfügbaren Werkzeugen entsprechende bildliche Darstellungen erzeugen und hinterlassen. Durch die Dokumentation von astronomischen Beobachtungen und Ereignissen beispielsweise in Form von Strichlisten, Tabellen, Listen oder auch Zeichnungen konnte im Laufe der Jahrtausende immer mehr Wissen gesammelt werden, das mit Hilfe menschlicher Kognition ausgewertet und für die Vorhersage zukünftiger Ereignisse verwendet werden konnte.

Es ist sicherlich sehr schwierig, diese frühen Dokumente heute zu interpretieren, und noch schwieriger nachgewiesene Korrelationen zu beweisen, aber dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass es auffällige und bemerkenswerte Parallelen in verschiedenen Traditionen und Darstellungsformen gibt.

Es wäre wünschenswert, wenn in der prähistorischen und archäologischen Forschung in stärkerem Maße auch das zweifellos vorhandene und nicht triviale astronomische Wissen der damals Agierenden berücksichtigt werden könnte. Hierzu ist ein gründliches Verständnis der astronomischen Sachverhalte und Zusammenhänge erforderlich, welches eine entsprechende Bildung zur Voraussetzung hat.

→ Siehe hierzu auch: Wikibook „Quadriviale Kuriositäten“, Abschnitt „Astronomie“.

Einzelnachweise

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  1. Kiril Lyubchov Kirilov: The complete catalog of all Magura cave paintings – creation, use and perspectives., magnaaura.wordpress.com, 23. Juni 2016
  2. 2,0 2,1 2,2 Kiril Lyubchov Kirilov: Consecutive animal species and appearance of previously unseen conceptions determine two stages of creation of Magura cave paintings. Continuation of the painting’s style and meaning over a large time span, magnaaura.wordpress.com, 25. Juni 2016
  3. Andrea Arcà: Magura Cave paintings, Bulgarian rock art
  4. Enrico Sassoni, Elisa Franzoni, Milyana Stefanova, Zdravko Kamenarov, Paolo Scopece, Emanuele Verga Falzacappa: Comparative Study Between Ammonium Phosphate and Ethyl Silicate Towards Conservation of Prehistoric Paintings in the Magura Cave (Bulgaria), in: Coatings, 10, 250, 9. März 2020
  5. 5,0 5,1 Peštera Magura - Rabiša - Magura Cave, showcaves.com
  6. The Magoura cave with drawings from the bronze age, World Heritage Convention, UNESCO
  7. Alexey Dimitrov Stoev, Penka Vlaykova Muglova (Stoeva): Archaeoastronomical Investigations of the Prehistoric Anthropogenic Influences on the Karst Near the Village of Bailovo, Sofia District
  8. 8,0 8,1 Kiril Lyubchov Kirilov: The origin of civilizations according to the prehistoric paintings of Magura cave, magnaaura.wordpress.com, 29. Juni 2017
  9. Die Menschwerdung der fünf Alten, Wikisource
  10. Nü Wa, Wikisource
  11. Kiril Lyubchov Kirilov: The complete map of all Magura cave paintings – creation, use and perspectives., magnaaura.wordpress.com, 21. Juni 2016
  12. Richard Fleet: Sea Glitter Path, Optical Effects in Air, Water and Ice, 2004-2008
  13. Genesis 1, Vers 1 bis 5, Einheitsübersetzung, 2016
  14. Liber Quare / Das Buch Warum, Zur Liturgie im 11./12. Jahrhundert, Einleitung, Übersetzungen und Anmerkungen von Lorenz Weinrich, Zusatz 54, mit Bezug auf Psalm 145,3 und Lukas 1,78+79. Verlag Brepols&Publishers, 2020, ISBN 978-2-503-58686-1
  15. Psalm 145, Vers 3, Einheitsübersetzung, 2016
  16. Lukas 1, Vers 78 und 79, Einheitsübersetzung, 2016
  17. Jarich Oosten, Frédéric Laugrand: The bringer of light: the raven in Inuit tradition, Polar Record 42 (222), 187–204, United Kingdom, Juli 2006
  18. Fund ohne Funktion? Das rätselhafte Boswiler Mondhorn, Departement Bildung, Kultur und Sport, Abteilung Kultur, Kantonsarchäologie Aargau, Archäologische Sammlung
  19. Charles-Tanguy Le Roux, Jean-Paul Gisserot, Philippe Laplace: Gavrinis, Editions Jean-Paul Gisserot, 1995, ISBN 9782877471459
  20. Charles-Tanguy Le Roux: A propos des fouilles de Gavrinis (Morbihan) : nouvelles données sur l'art mégalithique armoricain, Bulletin de la Société préhistorique française, 81-8, 1984, Seiten 240 bis 245
  21. Éric Gaumé: Cornes d'aurochs (supplique pour le réexamen d'une gravure néolithique de bovidé dans l'île morbihannaise de Gavrinis, Bretagne), Bulletin de la Société préhistorique française, 104-1, März 2007, Seiten 81 bis 88
  22. Jean-Pierre Mohen: Le menhir au taureau brisé de Gavrinis (Morbihan), in: Pierres vives de la préhistoire: Dolmens et menhirs, Odile Jacob, 2009, Seiten 133 ff, ISBN 9782738123077
  23. Andrea Arcà: Magura Cave, a unique (?) horned figure, a schematic bovid (AA)
  24. Magura cave photogallery number 16, TRACCE, Online Rock Art Bulletin, Nummer 33, 19. November 2014
  25. Genesis 1, Vers 14 bis 15, Einheitsübersetzung, 2016
  26. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  27. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung, 2016
  28. Genesis 1, Vers 16 bis 19, Einheitsübersetzung, 2016
  29. Genesis 1, Verse 20 bis 25, Einheitsübersetzung, 2016
  30. Exodus 20,4, Einheitsübersetzung, 2016
  31. Psalm 8, Vers 2, Einheitsübersetzung, 2016
  32. Psalm 50, Verse 1 bis 5, Einheitsübersetzung, 2016
  33. Psalm 57, Verse 6 und 12, Einheitsübersetzung, 2016
  34. Psalm 85, Vers 12, Einheitsübersetzung, 2016
  35. Psalm 89, Vers 12, Einheitsübersetzung, 2016
  36. Psalm 103, Verse 11 und 19, Einheitsübersetzung, 2016
  37. Psalm 106, Vers 20, Einheitsübersetzung, 2016
  38. Psalm 108, Vers 6, Einheitsübersetzung, 2016
  39. Psalm 113, Verse 5 und 6, Einheitsübersetzung, 2016
  40. Psalm 121, Vers 2, Einheitsübersetzung, 2016
  41. Psalm 124, Vers 8, Einheitsübersetzung, 2016
  42. Psalm 134, Vers 3, Einheitsübersetzung, 2016
  43. Psalm 146, Vers 6, Einheitsübersetzung, 2016
  44. Psalm 148, Vers 13, Einheitsübersetzung, 2016
  45. Matthäus 6, Verse 9 uns 10, Einheitsübersetzung, 2016
  46. 1. Korinther 15,47 bis 49, Einheitsübersetzung, 2016
  47. Genesis 1, Verse 26 bis 31, Einheitsübersetzung, 2016
  48. Genesis 1, Verse 6 bis 13, Einheitsübersetzung, 2016
  49. Genesis 2, Vers 1 bis 3, Einheitsübersetzung, 2016
  50. Genesis 6, Verse 11 bis 13, Einheitsübersetzung, 2016
  51. Genesis 7, Verse 4 bis 12, Einheitsübersetzung, 2016
  52. Hesiodos: Werke und Tage (ΕΡΓΑ ΚΑΙ ΗΜΕΡΑΙ), Egon und Gisela Gottwein, 13. Juni 2019
  53. Hesiod: Hauslehren II. (’Έργα καὶ ‛ημέραι), Projekt Gutenberg.de, übersetzt von Johann Heinrich Voß
  54. Genesis 8, Vers 22, Einheitsübersetzung, 2016
  55. 55,0 55,1 55,2 Kiril Lyubchov Kirilov: The Solar-Lunar-Earth calendar of Magura cave. A very sophisticated calendar created some 14000 years ago. Part 1, magnaaura.wordpress.com, 17. Oktober 2016
  56. Paul Gleirscher: Zum Bildprogramm der Himmelsscheibe von Nebra: Schiff oder Sichel?, Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 85, Nummer 1, ISSN 0016-8874, Seiten 23-33, 2007
  57. Joachim Friedrich Quack: Zwischen Sonne und Mond - Zeitrechnung im Alten Ägypten, Seite 38, in: Harry Falk (Herausgeber), Vom Herrscher zur Dynastie. Zum Wesen kontinuierlicher Zeitrechnung in Antike und Gegenwart, Bremen 2002
  58. Alexey Stoev, Penka Maglova: Astronomy in the Bulgarian Neolithic, in: Clive L. N. Ruggles (Herausgeber): Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, Springer, New York, 7. Juli 2014, ISBN 978-1-4614-6141-8

Bedeutung in anderen Disziplinen

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Viele Bezeichnungen für verschiedene Lehren werden mit der aus dem Altgriechischen stammenden Endung "-logie" (altgriechisch λόγος ("logos"), zu Deutsch „Lehre“) gebildet. Die folgenden Disziplinen sind in diesem Kontext hervorzuheben, da sie insbesondere für die  Archäoastronomie wertvolle wissenschaftliche Ergänzungen zur  Astronomie (aus den altgriechischen Wörtern ἄστρον ("ástron", zu Deutsch „Stern“) und νόμος ("nómos, zu Deutsch „Gesetz“) zusammengesetzt also „Sterngesetz“) liefern:

  • Die  Archäologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen ἀρχαῖος ("archaios"), zu Deutsch „Altertumslehre“) beschäftigt sich mit der kulturellen Entwicklung der Menschheit.
  • Die  Etymologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen ἔτυμος ("etymos"), zu Deutsch „Wortherkunftslehre“) untersucht die geschichtliche Herkunft von Wörtern.
  • Die  Mythologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen μῦθος ("mythos"), zu Deutsch „Erzählungslehre“), die sich wissenschaftlich mit der Sagenwelt beschäftigt.
  • Die  Theologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen θεός ("theós"), zu Deutsch „Gotteslehre“) mit ihren Lehren zum religiösen Glauben und dessen Glaubensdokumenten.
  • Die  Kosmologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen κόσμος ("kósmos"), zu Deutsch „Weltenlehre“) ist hingegen eine Lehre, die sich im Laufe der Jahrtausende deutlich verändert hat und sich auch heute noch erheblich weiterentwickelt, da es in der modernen Astronomie und Astrophysik mit zunehmend hohem technischen Aufwand immer wieder zu neuen Erkenntnissen kommt.

Zur Etymologie

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Die Genesis aus dem Alten Testament greift die Thematik der Verwirrung der einheitlichen Sprache in ihrem elften Kapitel auf, und beschreibt, wie die bereits sternenkundigen Menschen im Norden Mesopotamiens übermütig geworden waren und in Babel einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel errichten wollten:[1]

1 Die ganze Erde hatte eine Sprache und ein und dieselben Worte.
2 Als sie ostwärts aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an.
3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel.
4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel! So wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
5 Da stieg der HERR herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.
6 Und der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, wenn sie es sich zu tun vornehmen.
7 Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht. 8 Der HERR zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen. 9 Darum gab man der Stadt den Namen Babel, Wirrsal, denn dort hat der HERR die Sprache der ganzen Erde verwirrt und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.

Es mag weniger verwunderlich sein, dass Schöpfungsmythen oder Berichte über Katastrophen nicht nur einen astronomischen Hintergrund haben, sondern in völlig verschiedenen Kulturen sehr ähnliche Merkmale zeigen, wenn man sich das Folgende bewusst macht: Einige Indizien deuten auf einen für viele Kulturen gemeinsamen Ursprung hin, der auf eine tiefsinnige Betrachtung und Beobachtung des Himmelsgeschehens hindeutet.

Bei bestimmten Wörtern sind die Ähnlichkeiten in vielen lebenden und toten Sprachen so auffällig, dass sie ein gemeinsames Ursprungswort (Etymon) haben und somit Kognaten sein dürften.

"Stern"

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Bei den Wörtern „Gestirn“ beziehungsweise „Stern“ sind die Ähnlichkeiten in vielen lebenden und toten Sprachen sehr auffällig, und diese Verwandtschaften mögen durch die Wörter für "Stern" in den folgenden Sprachen belegt werden:

  • Akkadisch "istar"
  • Indogermanisch "ster"
  • Griechisch "astro" / "asteri"
  • Lateinisch "astrum" / "stella"
  • Althochdeutsch "stern(o)"
  • Jiddisch "shtern"
  • Katalanisch und Spanisch "estrella"
  • Portugiesisch "estrela"
  • Englisch "star"
  • Niederländisch "ster"
  • Westfriesisch "stjer"
  • Italienisch und Korsisch "stella"
  • Rumänisch "stea"
  • Sardisch "istedda"
  • Maltesisch "stilla"
  • Französisch "étoile" aus Altfranzösisch "estoile"
  • Galicisch "estrela"
  • Walisisch "seren"
  • Dänisch und Norwegisch "stjerne"
  • Schwedisch "stjärna"
  • Isländisch "stjarna"
  • Kurdisch "stêrk"
  • Gujarati "Tārō"
  • Hindi "तारा" (taara)
  • Marathi "तारा" (Tārā)
  • Nepalesisch "तारा" (Tārā)
  • Punjabi "ਤਾਰਾ" (Tārā)
  • Singhalesisch "තරුව" (taruva)
  • Khmer "តារា" (tara)
  • Armenisch "աստղ" (astgh)
  • Tadschikisch "ситора" (sitora)
  • Hausa "tauraro"
  • Krio "sta"

"Stier"

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Eine starke Ähnlichkeit gibt es in vielen Sprachen auch zwischen den Wörtern „Stern“ und „Stier“. Der Stier bezeichnet zudem auch ein bedeutendes und eines der ältesten Sternbilder überhaupt:

→ Siehe auch Himmelsstier.

  • Akkadisch und Assyrisch "šūru"
  • Aramäisch "tōra"
  • Hebräisch "šǒr"
  • Ugaritisch "twr"
  • Arabisch "ثور" ("thawr")
  • Griechisch "ταύρος" ("tauros")
  • Lateinisch "taurus"
  • Althochdeutsch "stior"
  • Italienisch, Katalanisch und Spanisch "toro"
  • Galicisch "touro"
  • Gallisch "tarvos"
  • Französisch "taureau"
  • Schwedisch "tjur"
  • Dänisch "tyr"
  • Irisch und Gälisch "tarbh"
  • Wallisisch "tarw"

"Horn"

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Auch die Hörner des Stieres betreffend setzen sich die vielen Ähnlichkeiten fort:

  • Akkadisch "carnu"
  • Aramäisch "qeren"
  • Griechisch "κόρνο" ("korno")
  • Lateinisch "cornu"
  • Maltesisch "qrun"*
  • Arabisch "قرون" ("qurun")
  • Französisch "corne"
  • Italienisch "corne"
  • Rumänisch "corn"
  • Haitianisch "kòn"

"Sieben"

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Die in vielen Kulturen als heilig angesehene Zahl Sieben taucht im Zusammenhang mit der Astronomie als Anzahl der mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne und als Zahl der Hauptsterne in vielen Asterismen auf:

  • Sieben Wandelgestirne: Sonne Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn
  • Siebengestirn im Himmelsstier: Alkione, Atlas, Electra, Maia, Merope, Taygeta, Pleione
  • Sternbild Orion: Beteigeuze, Rigel, Bellatrix, Alnilam, Alnitak, Saiph, Mintaka
  • Asterismus Großer Wagen: Alioth, Dubhe, Alkaid, Mizar, Merak, Phekda, Megrez

→ Siehe auch:

Wegen der hohen kulturellen, rituellen oder mythischen Bedeutung gibt es in vielen Kulturen und Sprachen etymologische Übereinstimmungen:

  • Akkadisch "sebe"
  • Proto-Indoeuropäisch "septḿ̥"
  • Hetitisch "sipta"
  • Proto-Germanisch "*sebun"
  • Althochdeutsch "sibun"
  • Hebräisch "sajin" (Buchstabe) oder "scheva" (Wort)
  • Etruskisch "semph"
  • Maltesisch "sebgħa"
  • Arabisch "sabʿa"
  • Griechisch "επτά" ("(h)epta")
  • Lateinisch "septem"
  • Ungarisch "het"
  • Proto-Balto-slawisch "septin"
  • Proto-Indo-Iranisch "saptá"
  • Katalanisch "set"
  • Spanisch "siete"
  • Galicisch "sete"
  • Lettisch "septiņi"
  • Italienisch "sette"
  • Französisch "sept"
  • Englisch "seven"
  • Wallisisch "saith"
  • Bosnisch / Kroatisch "sedam"
  • Rumänisch "șapte"
  • Irisch "seacht"
  • Swahili "saba"
  • Haitianisch "sèt"

Zur Mythologie

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Seit Jahrtausenden blicken Menschen in den Nachthimmel und versuchen, die unzähligen Lichter am Firmament zu deuten. Schon früh begannen sie, die von ihnen erfundenen Sternbilder und die unablässig durch den Himmel ziehenden Wandelgestirne durch Geschichten über Götter, Helden oder andere Wesen zu interpretieren, zu erzählen und zum Teil über Jahrhunderte hinweg zu tradieren. Die Mythologie spielte dabei eine zentrale Rolle: Sie half nicht nur, eine symbolische Ordnung in den geheimnisvollen Kosmos zu bringen, sondern prägte auch viele der Bezeichnungen und Vorstellungen, die bis heute in der beschreibenden Astronomie überlebt haben.

Die Verbindung zwischen Mythologie und Astronomie ist tief verwurzelt und zeugt vom menschlichen Bedürfnis, das wahrgenommene, aber dennoch unfassbare Universum durch räumliche und zeitliche Vorstellungen sowie durch Erzählungen begreifbar zu machen. Das Geschehen am Himmel musste auf die Menschen vor der Erfindung der Bewegtbilder und des Films in der späten Neuzeit sowohl attraktiv als auch spektakulär gewirkt haben. So konnten verschiedene mythische Gestalten am Himmel durch ihre scheinbaren Handlungen wahrgenommen werden. Durch die Wiederholung solcher Deutungen konnten sich besonders beliebte Mythen im kulturellen Kontext über die Zeit verfestigen, und entsprechende Riten konnten sich etablieren.

Damit war auch eine wesentliche Voraussetzung für den Glauben der Menschen an eine höhere Macht oder mehrere höhere Mächte gegeben. Der Begriff Religion stammt vom lateinischen Inifiniv "relegere" ab. Dieses Verb bedeutet wörtlich übersetzt "wieder lesen" und meint im Sinne von "überdenken" das bewusste Wahrnehmen von Prophezeiungen oder Omen sowie das nachhaltige Beachten tradierter Vorschriften.

→ Siehe:

Zur Theologie

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Die Theologie (vom Altgriechischen θεός = theós = Gott und λόγος = lógos = Lehre) ist die Lehre von einem Gott oder von mehreren Göttern. Sie lehrt einen ausgeprägten religiösen Glauben, begründet rituelle Traditionen und deutet die vorhandenen Glaubensdokumente.

Wahrnehmbarkeit und Vergänglichkeit nach Aristoteles

Die Theologie des  Aristoteles (384–322) postuliert drei mögliche Substanzen:[2]

  1. Die sinnlich wahrnehmbare und vergängliche Substanz. Diese umfasst konkrete Einzeldinge, die nur eine begrenzte Teilhabe an der Ewigkeit haben, wie zum Beispiel Lebewesen.
  2. Die sinnlich wahrnehmbare und ewige Substanz. Diese umfasst konkrete Einzeldinge, die nur eine unbegrenzte Teilhabe an der Ewigkeit haben, namentlich die sieben Wandelgestirne und die Fixsterne.
  3. Die nicht sinnlich wahrnehmbare, ewige und unvergängliche Substanz. Hierbei handelt es sich um einen lebendigen, unbewegten Beweger, der auch der Ursprung aller anderen Dinge ist.

Dieses theologische Prinzip wurde später auch von  Thomas van Aquin (1225-1274) in seinen „Quinque viae ad Deum“ ("Fünf Wege zu Gott") und auch von  Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1717) in seiner Hypothese von „Gott als letztem und zureichendem Grund der Welt“ aufgegriffen.

Auch im 90. Psalm wird dieser Ansatz thematisiert:

Das vierte Buch
Der ewige Gott – der vergängliche Mensch
1 Ein Bittgebet des Mose, des Mannes Gottes. O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht.
2 Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
3 Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!
4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.

Darüber hinaus gibt der vierte Vers einen deutlich Hinweis auf das Verhältnis des Jahrtausende langen Präzessionszyklus und der Dauer eines siderischen Monats, da der Mond an einem Tag genauso weit entlang der Ekliptiklinie wandert, wie der Frühlingspunkt in tausend Jahren.

→ Siehe Präzession und Nutation.

Der griechische Dichter  Aratos von Soloi in Kilikien (≈310–245) hatte seine astronomischen Kenntnisse vom Astronomen und Mathematiker  Eudoxos von Knidos (geboren nach 390, gestorben nach 338) erhalten. In dem in der Antike verbreiteten Lehrgedicht Φαινόμενα (Phainomena = „Himmelserscheinungen“) von Aratos wird der Sternenhimmel in zahlreichen Hexametern beschrieben. Der Apostel  Paulus von Tarsus (geboren vor 10, gestorben nach 60) war der bedeutendste Missionar des Urchristentums und kannte diesen Text. Im 17. Kapitel der Apostelgeschichte des Lukas wird ihm ein Zitat aus dem Prolog des Lehrgedichts über die Abstammung der Menschen von Gott in den Mund gelegt.[3]

17,28 Τοῦ γὰρ καὶ γένος ἐσμέν.

17,28 Wir sind von seinem Geschlecht.

Zahlen in Religionen

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Die Zwei steht oft für Gegensätze, wie zum Beispiel Tag und Nacht, Aufgang und Untergang, Sommerhalbjahr und Winterhalbjahr, zunehmender und abnehmender Mond oder obere und untere Kulmination. Eine solche Zweiteilung findet sich oft auch in gegensätzliche Kategorien wieder, die in vielen Disziplinen, insbesondere auch in der Ethik und in Religionen verwendet werden, wie beispielsweise gut und böse, oben und unten, Leben und Tod, Licht und Schatten, Wärme und Kälte oder Himmel und Hölle.

Interessant ist auch die frühgeschichtliche astronomische Auffassung von zwei mächtigen Gegenspielern, die sich im Sternenhimmel an zwei gegenüberliegenden Seiten befinden, der der Himmelsstier und der der Himmelsskorpion.

→ Siehe Zur Zwei.

Die astronomischen Zahlen Sieben und Zwölf werden als heilige Zahlen angesehen. Sie werden in vielfältigen Kontexten in religiösen Texten erwähnt und für viele religiöse Symbole verwendet. Ferner spielt auch die astronomische Zahl Vier in Religionen eine bedeutende Rolle, wo sie deswegen manchmal ebenfalls als heilige Zahlen angesehen wird:

Altes Testament

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In den folgenden Bibelstellen aus dem Alten Testament spiegeln sich astronomische Vorstellungen in Bezug auf Gott wider:

Genesis 1:

1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. ...
5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
...
14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es.
16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne.

Psalm 4:

4 Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt.

Portrait des jungen Johannes Keplers mit dem Motto "Coeli enarrant gloriam Dei." nach Psalm 19: "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes."

Psalm 19:

2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.

Psalm 90:

2 Ehe geboren wurden die Berge, / ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Psalm 102:

26 Vorzeiten hast du der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände.

Psalm 103:

19 Der HERR hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.

Psalm 104:

19 Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht.

Psalm 113:

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobt der Name des HERRN.
4 Erhaben ist der HERR über alle Völker, über den Himmeln ist seine Herrlichkeit.

Psalm 136:

3 Dankt dem Herrn der Herren, denn seine Huld währt ewig!
4 Ihm, der allein große Wunder tut, denn seine Huld währt ewig,
5 der den Himmel gemacht hat in Weisheit, denn seine Huld währt ewig,
6 der die Erde gefestigt hat über den Wassern, denn seine Huld währt ewig,
7 der die großen Leuchten gemacht hat, denn seine Huld währt ewig,
8 die Sonne zur Herrschaft über den Tag, denn seine Huld währt ewig,
9 den Mond und die Sterne zur Herrschaft über die Nacht, denn seine Huld währt ewig.

Psalm 148:

Lobpreis auf den Herrn, den König des Kosmos
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
3 lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne,
4 lobt ihn, ihr Himmel der Himmel, ihr Wasser über dem Himmel!

Mit den "Wassern über dem Himmel" können nicht die Wolken unterhalb der Sternensphäre gemeint sein. Vielmehr dürfte es sich um eine Anspielung auf den Urozean beziehungsweise die Urflut handeln (siehe hierzu auch Urozean). Diese Urflut existierte bereits vor der Erschaffung des Lichts und der Gestirne. Man erinnere sich an den Beginn der Schöpfungsgeschichte in den ersten drei Versen der Bibel (siehe oben).

Buch der Weisheit:

Salomos Gebet um Weisheit
9,1 Gott der Väter und Herr des Erbarmens, / du hast das All durch dein Wort gemacht.

Jesus Sirach 42:

Lob Gottes in der Schöpfung
15 Nun will ich der Werke des Herrn gedenken, / und was ich gesehen habe, werde ich erzählen: Durch die Worte des Herrn sind seine Werke / und durch seinen Segen gab er ihnen ihre Bestimmung.
16 Die leuchtende Sonne blickt auf alles hernieder / und von der Herrlichkeit des Herrn ist sein Werk erfüllt.
17 Der Herr gab es selbst den Heiligen nicht, / all seine Wunder zu erzählen, der Herr der Herrscher über das All, hat sie gegründet, / sodass das All in seiner Herrlichkeit Bestand hat.
18 Abgrund und Herz hat er durchforscht / und ihre Absichten hat er durchschaut; denn der Höchste kennt alles Wissen / und er blickt auf die Zeichen der Zeiten.
19 Er tut das Vergangene und das Kommende kund / und enthüllt die Spuren des Verborgenen.
20 Kein Gedanke entgeht ihm / und kein einziges Wort bleibt ihm verborgen.
21 Die Großtaten seiner Weisheit hat er geordnet; / wie er ist von Ewigkeit und in Ewigkeit. Ihm ist weder etwas hinzugefügt noch weggenommen worden / und er hat keines Ratgebers bedurft.

Auch im nachfolgenden Kapitel lobt Jesus Sirach die Sonne, den Mond und die Sterne in den höchsten Tönen:

Jesus Sirach 43:

1 Der Stolz der Höhe ist ein Firmament von Reinheit, / die Gestalt des Himmels beim Anblick der Herrlichkeit.
2 Die Sonne verkündet durch ihr Erscheinen beim Aufgang, / ein wunderbares Geschöpf, ein Werk des Höchsten!
3 Zur Mittagszeit trocknet sie den Boden aus, / wer wird bestehen vor ihrer Glut?
4 Wer in einen Ofen bläst bei Arbeiten mit Glut - / dreimal so stark versengt die Sonne Berge; sie atmet Feuerdämpfe aus / und blendet mit gleißenden Strahlen die Augen.
5 Groß ist der Herr, der sie gemacht hat, / mit seinen Worten beschleunigt er ihren Lauf.
6 Auch der Mond hält sich in allem an seinen Zeitpunkt, / zur Festsetzung der Zeiten und als Zeichen auf Dauer.
7 Vom Mond geht das Zeichen für einen Festtag aus, / ein Gestirn, das abnimmt bis zur Vollendung.
8 Der Name Monat kommt vom Neumond, / der wunderbar zunimmt beim Wechsel, ein Geschöpf des Heeres in der Höhe, / das am Himmelsgewölbe leuchtet.
9 Die Schönheit des Himmels ist der Glanz der Sterne, / ein strahlender Schmuck in den Höhen des Herrn.
10 Durch die Worte des Heiligen stehen sie gemäß ihrer Bestimmung / und sie ermüden nie bei ihrer Wache.
...
27 Vieles werden wir sagen, aber wir kommen nie an ein Ziel / und das Ende der Worte ist: Er ist das All.

Ein Lobpreis auf die Werke, Engel und Mächte Gottes am Gewölbe des Himmels findet sich im Buch Daniel, Kapitel 3. Der Text macht inhaltlich eine ganz ähnliche Aussage wie der Lobpreis auf den Herrn, den König des Kosmos in Psalm 148 (siehe oben):

56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, / gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
57 Preist den HERRN, all ihr Werke des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
58 Preist den HERRN, ihr Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
59 Preist den HERRN, ihr Engel des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
60 Preist den HERRN, all ihr Wasser über dem Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
61 Preist den HERRN, all ihr Mächte des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
62 Preist den HERRN, Sonne und Mond; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
63 Preist den HERRN, ihr Sterne am Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

Der Himmelsthron

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Der Himmelsthron wir in vielen Texten des Alten Testaments als der Sitz Gottes genannt. Hier zunächst einige Erwähnungen in den Psalmen:

11,4 Der HERR ist in seinem heiligen Tempel, der HERR hat seinen Thron im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen.

33,13 Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.
33,14 Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde.

89,37 Sein Haus soll bleiben auf ewig, sein Thron habe Bestand vor mir wie die Sonne;

103,19 Der HERR hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.

Im Buch der Weisheit stehen die folgenden beiden Verse:

9,9 Mit dir ist die Weisheit, die deine Werke kennt / und die zugegen war, als du die Welt erschufst. Sie weiß, was wohlgefällig ist in deinen Augen / und was recht ist nach deinen Geboten.
9,10 Sende sie vom heiligen Himmel / und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile / und ich erkenne, was wohlgefällig ist bei dir!

Diese Bild von Gottes Thron im Himmel wir auch im Neuen Testament aufgegriffen, wie beispielsweise beim Evangelisten Matthäus (Kapitel 5, Vers 34) oder in der Offenbarung des Johannes, wo im vierten Kapitel die eröffnende Himmelsvision mit dem Abschnitt über "Die Huldigung vor dem Thron Gottes" beginnt:

1 Danach sah ich und siehe, eine Tür war geöffnet am Himmel; und die erste Stimme, die ich gleich einer Posaune mit mir reden gehört hatte, sagte: Komm herauf und ich werde dir zeigen, was dann geschehen muss.
2 Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel; auf dem Thron saß einer,
3 der wie ein Jaspis und ein Karneol aussah. Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der wie ein Smaragd aussah.
4 Und rings um den Thron standen vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, in weiße Gewänder gekleidet und mit goldenen Kränzen auf dem Haupt.
5 Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes.
6 Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte des Thrones und rings um den Thron waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten.
7 Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.

Der achtstrophige Adventshymnus Veni redemptor gentium (die deutschsprachige Kontrafaktur heißt "Nun komm, der Heiden Heiland") wird dem Kirchenvater Ambrosius von Mailand (339–397) zugeschrieben. In der fünften Strophe wird mit Bezug auf die Himmelfahrt des Messias der Sitz Gottes erwähnt:

5,1 Egressus eius a Patre,
5,2 Regressus eius ad Patrem;
5,3 Excursus usque ad inferos,
5,4 Recursus ad sedem Dei.

5,1 Sein Ausgang ist vom Vater,
5,2 Seine Rückkehr ist beim Vater;
5,3 Hinausgelaufen bis zu den Toten,
5,4 Zurückgelaufen bis zum Sitz Gottes.

Es ist nicht viel Phantasie erforderlich, um den Thron Gottes im Himmelsstier wiederzuerkennen. Die vierundzwanzig Throne, die sich entlang der Ekliptik um diesen Thron herum aufreihen, stehen für die vierundzwanzig Stunden eines Tages, und sie sind je zwei für jedes der zwölf Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks. Die als sieben lodernde Fackeln vor dem Thron sind die sieben Wandelgestirne, die als die sieben Geister Gottes immer wieder durch das Goldene Tor der Ekliptik in der Sitzfläche des Thrones ziehen. Die vier besonderen Lebewesen sind die vier Evangelistensymbole bei den vier zoroastrischen Königssternen.

→ Siehe Himmelsstier.

→ Siehe Ekliptik.

→ Siehe Zodiak.

→ Siehe Goldenes Tor der Ekliptik.

→ Siehe Bedeutung der Vier in Religionen.

→ Siehe Königssterne.

Das Lamm

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Im ersten Kapitel des Evangeliums nach Johannes wird Jesus von Nazareth explizit als "Lamm Gottes" bezeichnet:[4]

29b Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!
...
36b Seht, das Lamm Gottes!

Es handelt sich beim „Lamm Gottes“ (Kirchenlatein: „Agnus Dei“) um ein seit ältester Zeit verbreitetes Symbol für Jesus Christus. Es wird auch als das Osterlamm bezeichnet, das am Ostertag, also kurz nach der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr auferstanden ist. Nach dem Evangelisten Markus wurde die Auferstehung „... am ersten Tag der Woche, früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“, also am Ostersonntag während der Morgenröte im Osten entdeckt.[5] Am 40. Tag ist Jesus Christus nach dem Zeugnis der Evangelisten Markus und Lukas in den Himmel aufgefahren. Zu Beginn der Apostelgeschichte wird dieses Ereignis folgendermaßen beschrieben:[6]

7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.

Im altrömischen Glaubensbekenntnis gibt es die Textstelle:

„ascendit in caelis, sedet ad dexteram Patris“

Zu Deutsch:

„aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten des Vaters“

Das Lamm (astronomisch Widder) befindet sich am nördlichen Sternenhimmel zur Rechten des Stieres (Taurus). Sowohl der mesopotamische Himmelsstier als auch das altarabische Sternbild Thuraya verbinden diese beiden neuzeitlichen Sternbilder zu einer Einheit. Der Hauptstern im Sternbild Widder (Aries) heißt Hamal, und das arabische Wort "hamal" steht für ein einjähriges Lamm.[7] Der fette Schwanz des Lammes wird durch die Plejaden (Siebengestirn) markiert.[7] Die Augen des Stieres sind die Sterne Aldebaran und Ain. Zwischen dem Kopf des Stieres und den Plejaden befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik, durch das alle Wandelgestirne regelmäßig hindurchziehen.

→ Siehe auch Bibelstellen zum Siebengestirn.

→ Siehe auch Goldenes Tor der Ekliptik.

Der Frühlingspunkt der Sonne, also deren Ort auf der Ekliptiklinie zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr, ist von der monotheistischen Schöpfung bis zur Geburt des christlichen Gottessohns vom Kopf des Stiers (bei den Sternen Aldebaran und Ain im Goldenen Tor der Ekliptik) im heutigen Sternbild Stier (Taurus) bis zum Kopf des Lammes (beim Stern Hamal) im heutigen Sternbild Widder (Aries) nach Westen gewandert. Heute befindet sich der Frühlingspunkt bereits am westlichen Ende des Sternbilds Fische (Pisces), das sich westlich an das Sternbild Widder anschließt.

Offenbarung des Johannes

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In der Offenbarung des Johannes heißt es im 7. Kapitel:

10b Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.
17a Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt.

Wird der Thron Gottes mit dem Himmelsstier identifiziert (siehe oben), dann sitzt das Lamm (Aries, Sternbild Widder) westlich und somit rechts vor diesem Thron. Im weiteren Verlauf der Ekliptik nach Westen befinden sich die zusammenhängenden Wassersternbilder des Urozeans, dem Urquell des Lebens. Es handelt ich um die heutigen Sternbilder Fluss Eridanus, Walfisch (Cetus), Fische (Pisces), Wassermann (Aquarius), Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) und Delphin (Delphinus) sowie Steinbock (Capricornus, früher Ziegenfisch).

→ Siehe auch Urozean.

Interpretiert man das Sternbild "Lamm" (Widder / Aries) als Mittler auf dem ekliptischen Weg vom finsteren kosmischen Urozean im Westen (rechts) zum strahlenden majestätischen Sternbild Stier (Taurus) im Osten (links), ergeben auch andere Bibelstellen in Bezug auf den Sternenhimmel einen tiefen symbolischen Sinn, die in den folgenden Abschnitten aufgeführt sind.

Evangelium nach Johannes

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Die Rede von Jesus an den Jünger Thomas aus dem 14. Kapitel des Evangeliums nach Johannes ist in diesem Zusammenhang interessant:

6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Alle Wandelgestirne bewegen sich entlang der Ekliptiklinie (Weg) durch das heutige Sternbild Widder (das altarabische Sternbild "Lamm") im Westen zum Goldenen Tor der Ekliptik nach Osten im großen Himmelsstier (Vater / Thron).

Evangelium nach Markus

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Im Evangelium nach Markus heißt es:

14,62 Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.

16,19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

Evangelium nach Lukas

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Im Evangelium nach Lukas ist es folgendermaßen formuliert:

22,69 Von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen.

Evangelium nach Matthäus

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Auch im Evangelium nach Matthäus findet sich eine entsprechende Stelle:

26,64 Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.

Brief an die Hebräer

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Im Brief an die Hebräer, dessen Autor unbekannt ist, gibt es etliche entsprechende Stellen:

Gottes Rede in seinem Sohn
1,3 er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
1,10 Und: Du, Herr, hast vorzeiten der Erde Grund gelegt, / die Himmel sind das Werk deiner Hände.
1,11 Sie werden vergehen, du aber bleibst; / sie alle veralten wie ein Gewand;
1,12 du rollst sie zusammen wie einen Mantel / und wie ein Gewand werden sie gewechselt. Du aber bleibst, der du bist, / und deine Jahre enden nie.
1,13 Zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Setze dich mir zur Rechten / und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße?

Die Liturgie des neuen Bundes
8,1 Die Hauptsache bei dem Gesagten aber ist: Wir haben einen solchen Hohepriester, der sich zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat,
8,2 als Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes, das der Herr selbst aufgeschlagen hat, nicht ein Mensch.

Christus als Mittler des neuen Bundes
9,24 Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor Gottes Angesicht zu erscheinen für uns;

Das Opfer Jesu Christi als endgültige Versöhnung mit Gott
10,12 Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;

Das Beispiel Jesu Christi
12,2 und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.

Erster Brief des Petrus

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Der erste Brief des Petrus zählt zu den katholischen Briefen des Neuen Testaments. Dort heißt es im letzten Satz über Jesus Christus:

22 der in den Himmel gegangen ist; dort ist er zur Rechten Gottes und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

Apostelgeschichte

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Die Apostelgeschichte schließt an das Evangelium nach Lukas an und wird ebenfalls diesem zugeschrieben. Hier kommen der erste bekennende sowie erste berufene Apostel Petrus und der erste christliche Märtyrer Stephanus zu Wort:

Die Pfingstpredigt des Petrus
2,33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Steinigung des Stephanus
7,55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
7,56 und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

Gedanken zur wundersamen Brotvermehrung

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Evangelien

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Jesus mit vier seiner Jünger mit fünf Broten und zwei Fischen an einem Säulenkapitell in der romanischen Wallfahrtskirche Saint Nectaire auf dem Mont Cornadore in Saint-Nectaire in Frankreich (Département Puy-de-Dôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes).

Die wundersame Speisung der mehreren Tausend mit wenigen Broten und Fischen wird in aller vier Evangelien der Bibel erwähnt. Das Ereignis fand auf einem Berg am Ufer des Sees von Galiläa (auch als "See von Tiberias", "See Genezareth" oder "Galiläisches Meer" bekannt) statt. In der abgelegenen Gegend gab es damals sehr wenig künstliche Lichtquellen, so dass ein ungestörter Anblick des Sternenhimmels möglich war.

Evangelium nach Johannes
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Im sechsten Kapitel des Evangeliums nach Johannes tauchen bei der Beschreibung der Brotvermehrung durch Jesus zum jüdischen Pessachfest neben einigen weiteren Symbolen mit astronomischer Deutungsmöglichkeit auch die expliziten Zahlen Zwei, Fünf und Zwölf auf:

9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
...
31 Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
33 Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
34 Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
35 Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.
...
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Evangelium nach Markus
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Eine ähnliche Schilderung befindet sich im sechsten Kapitel des Evangeliums nach Markus, wo das Ereignis an einem abgelegenen und einsamen Ort stattgefunden hat:

38 Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische.
39 Dann befahl er ihnen, sie sollten sich in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern.
40 Und sie ließen sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig nieder.
41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen.
42 Und alle aßen und wurden satt.
43 Und sie hoben Brocken auf, zwölf Körbe voll, und Reste von den Fischen.
44 Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

Die Brotvermehrung auch ein weiteres Mal im achten Kapitel des Evangeliums nach Markus erwähnt:

5 Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben.
6 Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen; und die Jünger teilten sie an die Leute aus.
7 Sie hatten auch noch ein paar Fische bei sich. Jesus segnete sie und ließ auch sie austeilen.
8 Die Leute aßen und wurden satt. Und sie hoben die Überreste der Brotstücke auf, sieben Körbe voll.
9 Es waren etwa viertausend Menschen beisammen. Danach schickte er sie nach Hause.
...
19 Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten ihm: Zwölf.
20 Und als ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten: Sieben.
21 Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

Evangelium nach Lukas
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Ebenso verhält es sich im neunten Kapitel des Evangeliums nach Lukas, wo das Ereignis dem Ort Betsaida (zu Deutsch: „Haus des Fisches“) am See Genezareth zugeordnet ist:

12 Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf und sagten zu ihm: Schick die Leute weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.
13 Er antwortete ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für dieses ganze Volk etwas zu essen kaufen.
14 Es waren nämlich etwa fünftausend Männer. Er aber sagte zu seinen Jüngern: Lasst sie sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig lagern!
15 Die Jünger taten so und veranlassten, dass sich alle lagerten.
16 Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.
17 Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

Evangelium nach Matthäus
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Auch im vierzehnten Kapitel des Evangeliums nach Matthäus ist von einem abgelegenen Ort in einer einsamen Gegend die Rede:

17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.
18 Er antwortete: Bringt sie mir her!
19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten
20 und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll.
21 Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.

Etwas abgewandelt taucht die Brotvermehrung mit sieben Körben auch im fünfzehnten Kapitel des Evangeliums nach Matthäus auf:

34 Jesus sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben - und ein paar Fische.
35 Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen.
36 Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach sie und gab sie den Jüngern und die Jünger gaben sie den Menschen.
37 Und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Stücke ein, sieben Körbe voll.
38 Es waren viertausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.
39 Danach schickte er die Menge nach Hause, stieg ins Boot und fuhr in die Gegend von Magadan.

Der Ort Magadan ist möglicherweise mit dem heutigen Ort Migdal (aramäisch: Magdala) am westlichen Ufer des Sees Genezareth gleichzusetzen.

Astronomische Bezüge

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Das Sternbild Fische (links) und das Sternbild Wassermann (rechts) im ägyptischen Zodiak von Dendera aus der Zeit kurz vor Christi Geburt.

Zu diesen Bibelstellen sind im folgenden einige Hinweise mit astronomischen Bezügen aufgeführt. Die Bezugspunkte liegen hierbei in der Nähe der Ekliptik:

  • In den Versen im Evangelium nach Johannes ist mehrfach vom Brot, das vom Himmel herabkommt die Rede.
  • Das zur Herstellung von Brot erforderliche Getreide kann durch eine Kornähre symbolisiert werden. Am Sternenhimmel wird die Kornähre durch den hellen, ekliptiknahen Stern Spica (α Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) repräsentiert.
  • Alle Pflanzen benötigen für das Gedeihen Wasser. Die zur Herstellung von Wein erforderlichen Trauben enthalten überwiegend Wasser. Das Wasser wird am Himmel durch die drei Wassersternbilder der Ekliptik Fische (Pisces), Wassermann (Aquarius), und Ziegenfisch (Steinbock, Capricornus) westlich des Frühlingspunktes repräsentiert. Diese Sternbilder bilden mit einigen weiteren angrenzenden Wassersternbildern den Urozean am Himmel (siehe hierzu auch Der Trichter der Thuraya).
  • Das Sternbild Fische (Pisces) besteht seit der Antike aus zwei Fischen.
  • Zu Lebzeiten von Jesus von Nazareth war der Frühlingspunkt vom Sternbild Widder (Aries, ursprünglich das Hinterteil des großen Sternbilds Himmelsstier (Taurus caeli)) seit vergleichsweise kurzer Dauer nach Westen in das Sternbild Fisch gewandert. Die Sonne und der Neumond standen im jüdischen Monat Nisan, also dem Monat des jüdischen Pessachfestes, im Sternbild Fische. Der erste Monat des Jahres Nisan hieß in der älteren mesopotamischer Tradition auf Akkadisch "nisannu" (siehe hierzu auch Plejaden-Schaltregeln). In der jüdischen Tradition war der Nisan dem Sternbild Widder sowie dem israelitischen Stamm Juda zugeordnet.
  • Zu Lebzeiten von Jesus von Nazareth war der Herbstpunkt vom Sternbild Waage (Libra, ursprünglich die Scheren des großen Sternbilds Himmelsskorpion (Scorpio caeli)) seit vergleichsweise kurzer Dauer nach Westen in das Sternbild Jungfrau gewandert. Um 285 nach Christi erreichte der Herbstpunkt dann die ekliptikale Länge des Sterns Spica (α Virginis). Der Vollmond stand zum jüdischen Pessachfest im Sternbild Jungfrau (Virgo).
  • Die fünf Brote können mit den fünf wahrnehmbaren Wandelgestirnen Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn gleichgesetzt werden.
    Anmerkung: In der Bibel wird in der Regel nicht zwischen Fixsternen und Planeten unterschieden. Für eine Ausnahme siehe 2. Buch der Könige, Kapitel 23, Vers 5 aus dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert, wo in der Einheitsübersetzung explizit von "den Wandelsternen" und in der Luther-Bibel von "den Planeten" die Rede ist.[8] Die Vulgata schreibt hier allerdings von den "duodecim signis" (zu Deutsch: "zwölf Zeichen"), womit die zwölf Sternzeichen der Ekliptik gemeint sind, durch die die sieben Wandelgestirne ziehen. Die Septuaginta spricht noch allgemeiner von den "μαζουρωθ" ("mazuroth") nach dem Hebräischen Wort "מַזָּלָה" ("mazzaroth"), womit allgemein eher Sternkonstellationen und nur im engeren Sinne die Sternzeichen des Zodiaks gemeint sind.
  • Die zwei Fische können mit den beiden flächenhaft wahrnehmbaren Wandelgestirnen Sonne und Mond gleichgesetzt werden.
  • Die Summe der fünf Brote und der zwei Fische respektive die sieben Brote (oder die sieben Körbe) entsprechen der Anzahl der freiäugig sichtbaren sieben Wandelgestirne, die sich entlang der Ekliptiklinie stetig gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen. Siehe hierzu auch:
  • Die ausgeteilten Brote und Fische durchmaßen die gesamte versammelte Menschenmenge, die durch den vollständigen Lebewesenkreis (Zodiak) mit den zwölf Lebewesenkreiszeichen beziehungsweise durch die zwölf Körbe symbolisiert wird. Der Planet Jupiter, der den Zodiak in zwölf Jahren einmal durchläuft, wurde in Babylonien mit dem babylonischen Hauptgott Marduk gleichgesetzt.
  • Insgesamt gibt es am Fixsternhimmel gut 2800 Sterne bis zur scheinbaren Helligkeit 5,5m und knapp 8800 Sterne bis zur scheinbaren Helligkeit 6,5m, die ohne Lichtverschmutzung mit bloßem Auge als Lichtpunkt gesehen werden können. Diese verteilen sich allerdings in der gesamten Himmelssphäre, so dass von einem Punkt auf der Erdoberfläche aus zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur ungefähr die Hälfte davon gesehen werden kann. An den beiden Polen sind stets nur die Sterne der jeweiligen nördlichen oder südlichen Hemisphäre zu sehen, und am Äquator können im Laufe eines Jahres alle Sterne gesehen werden. Je nach Breitengrad und Zeitpunkt können in der Regel gut viertausend und unter günstigsten Bedingungen fast siebentausend Sterne gesehen werden.[9] Diese Spanne entspricht der Angabe der bei der Brotvermehrung versammelten Menschen, deren Anzahl in den Evangelien mit viertausend beziehungsweise fünftausend angegeben ist.
    • Im ersten Buch des alten Testaments (Genesis) wird Abram aus Ur in Mesopotamien bereits das Folgende prophezeit:

15,5 Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein
...
17,5 Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham, Vater der Menge, wird dein Name sein; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt.

  • Die Gruppen von (ungefähr) fünfzig oder hundert Männern entsprechen den Sternbildern, die über den gesamten Himmel verteilt sind. Nach der Festlegung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) von 1930 gibt es heute 88 Sternbilder, die den Himmel vollständig abdecken. Mit den maximal fast 8800 freiäugig sichtbaren Sternen entspricht dies im Mittel also 100 Sternen pro Sternbild. Bei 4400 freiäugig sichtbaren Sternen wären es 50 Sterne pro Sternbild.
  • Das Brot und der Wein werden nach der christlichen Lehre bei der Transsubstantiation in den Leib und das Blut des vom Himmel herabgekommenen "Brot des Lebens" (vergleiche die Rede über das Himmelsbrot von Jesus in der Synagoge von Kafarnaum in Evangelium nach Johannes 6,48–58) gewandelt, das die kosmische Ewigkeit verheißt.

Die Zahlen Zwei, Fünf, Sieben und Zwölf stehen in einem einfachen arithmetischen Zusammenhang, bei dem die beiden jeweils vorhergehenden Zahlen der Folge addiert werden:

Zahl Summe Anmerkung
2 Anzahl der freiäugig als flächenhaft wahrnehmbaren Wandelgestirne (Sonne und Mond), siehe Zur Zwei
5 Anzahl der freiäugig als punktförmig wahrnehmbaren Wandelgestirne Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn
7 = 2 + 5 Anzahl der freiäugig wahrnehmbaren Wandelgestirne sowie der Tage in der Woche, siehe Zur Sieben
12 = 5 + 7 Anzahl der Monate im Jahr, der Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks sowie der Erdenjahre pro Jupiterjahr, siehe Zur Zwölf, vergleiche hierzu auch Der Zodiak
19 = 7 + 12 Anzahl der Jahre mit zwölf Monaten und sieben Schaltmonaten einer Meton-Periode, siehe Zur Neunzehn, vergleiche hierzu auch Die Plejaden-Schaltregeln und Der Meton-Zyklus

Weitere Bezüge

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Weitere Bezüge von der Astronomie zur Theologie ergeben sich bei den folgenden Sachverhalten:

→ Siehe biblische Erwähnungen von Konstellationen.

→ Siehe Der Stern von Bethlehem.

→ Siehe Ochs und Esel / Krippe / „Ich bin das Alpha und das Omega“.

→ Siehe Biblische Bezüge zu den Mondhäusern / Mondstationen.

Zur Kosmologie

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Die Kosmologie beschäftigt sich sich mit der Struktur, dem Ursprung und der Entwicklung des Universums. Dadurch ergeben sich zahlreiche Bezüge zur beobachtenden Astronomie und zur Astrophysik, aber auch zur Quantenphysik.

Die Auswertung der astronomischen Beobachtungen hat zu der heute allgemein geteilten Auffassung geführt, dass das Universum bei einem Urknall entstanden ist und seitdem expandiert. Die Berücksichtigung des Äquivalenzprinzips zwischen schwerer und träger Masse, das zu der von Albert Einstein (1879–1955) formulierten Allgemeinen Relativitätstheorie führt, brachte Alexander Friedmann (1888–1925) 1922 zu der theoretischen Vorhersage eines dynamischen Universums. Fünf Jahre später schlussfolgerte der belgische Astronom Georges Lemaître (1894–1966) aus den von Vesto Slipher (1875–1969) beobachteten Rotverschiebungen von fernen Galaxien und den von Edwin Hubble (1889–1953) ermittelten Entfernungen dieser Galaxien, dass das Universum expandiert. Aufgrund dieser Erkenntnis ergibt sich, dass das Universum einen Ursprung mit sehr kleinem Radius gehabt haben muss. Diesen Zustand nannte er "primordiales Atom" beziehungsweise "Uratom". In der Folgezeit etablierte sich für diesen initialen Vorgang der Begriff "Urknall" (im Englischen: "Big Bang").

Viele Astrophysiker versuchen heute mit dem sogenannten Standardmodell der Kosmologie (auch ΛCDM-Modell beziehungsweise Lambda-CDM-Modell, wobei "CDM" für "cold dark matter" steht, also für "kalte, dunkle Materie") die Entwicklung des Universums nachzubilden. Hierfür wenden sie das kosmologische Prinzip an, das von zwei grundlegenden Annahmen ausgeht:

  1. Das Weltall sei homogen, was bedeutet, dass es in groben Zügen von jedem Punkt aus gleich aussieht.
  2. Das Weltall sei isotrop, was besagt, dass es in groben Zügen in jede Richtung gleich aussieht.

Mit diesen Annahmen kann das Modell berechnet werden, und mit diversen zusätzlichen Annahmen stimmt es in vielerlei Hinsicht mit den astronomischen Beobachtungen überein. Zu den zusätzlichen Annahmen gehören die folgenden beiden hypothetischen Größen:

  • Kalte, dunkle Materie, die zwar der Gravitation unterläge, aber keine Wechselwirkung mit elektromagnetischer Strahlung zeigt.
  • Eine kosmologische Konstante, die eine dunkle Energie beschreibt und für die beschleunigte Expansion des Universums verantwortlich sei.

Weder für die Homogenität noch für die Isotropie des Kosmos konnten bislang Belege gefunden werden, und auch die kalte dunkle Materie und die dunkle Energie konnte bislang keine physikalische Interpretation geliefert werden. Ferner ist auch die Annahme, dass die Naturkonstanten, insbesondere die Gravitationskonstante oder die kosmologische Konstante, unveränderliche Werte haben, nicht begründbar. Auf der kosmischen Zeitskala kann es durchaus Änderungen geben, die wir nicht messen können.

Darüber hinaus mehren sich Anzeichen und Hinweise, die gegen die Ergebnisse des Standardmodells der Kosmologie sprechen, beziehungsweise durch weitere Hypothesen, die physikalisch nicht begründet werden können, im Standardmodell berücksichtigt werden müssen. Die folgende unvollständige Liste soll hierzu einige Anhaltspunkte liefern:

  • Präzise astronomische Beobachtungen zeigen, dass das Weltall auch auf großen Längenskalen nicht homogen ist, sondern Strukturen zeigt.
  • Präzise astronomische Beobachtungen zeigen, dass das Weltall auch auf großen Längenskalen nicht isotrop ist (Asymmetrie der kosmischen Hintergrundstrahlung).
  • Dunkle Materie konnte nicht nachgewiesen werden.
  • Dunkle Energie konnte nicht nachgewiesen werden.
  • Das beobachtete Vorkommen des dritten Elements im Periodensystem, also des Alkalimetalls Lithium, ist mindestens dreimal geringer als vom Standardmodell vorhergesagt.
  • Die Rotverschiebung von fernen Galaxien ist deutlich größer als es durch das Standardmodell möglich wäre.
  • Die beobachteten Rotationskurven von Spiralgalaxien stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen des Standardmodells.
  • Das Standardmodell ist nicht in der Lage, die Abwesenheit von Antimaterie im sichtbaren Teil des Universums zu erklären.

Zur Astrologie

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Eine Sonderstellung nimmt die  Astrologie (zusammengesetzt mit dem altgriechischen ἄστρον ("astron"), zu Deutsch „Sternenlehre“) ein. Sie ist ein weiteres Beispiel für eine Disziplin, bei der grundlegende Kenntnisse über die Astronomie eine Voraussetzung sind. Sie versucht, Zusammenhänge zwischen den Konstellationen der Wandelgestirne oder astronomischen Ereignissen mit irdischen Geschehnissen oder Veränderungen am Sternenhimmel herzustellen, insbesondere was besonderen Konjunktionen und daraus abgeleitete Prophezeiungen betrifft. Sie wurde bereits in Mesopotamien und in anderen alten Kulturkreisen von Astronomen ausgeübt. Noch der Astronom  Johannes Kepler (1571–1630) hat als einer der letzten Astronomen einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte durch Horoskope bestritten. Aber schon Aristoteles hatte festgestellt und beschrieben, dass bei bestimmten Konstellationen am Himmel die vorhergesagten Ereignisse nicht eingetreten waren.

Vor der Aufklärung haben astrologische Prophezeiungen noch eine große und weitreichende gesellschaftliche Bedeutung gehabt. Als Beispiel seien die Behauptungen des ersten im Kurfürstentum Brandenburg tätigen Astrologen  Johannes Carion (1499–1537) genannt, der für 1524 eine Sintflut vorhersagte, die nicht eingetroffen ist.[10] Der Wiener Hofastronom  Georg Tannstetter (1482–1535) sah sich 1523 bemüßigt, die schon lange im Voraus erhitzten und besorgten Gemüter zu beruhigen:[11]

Nun hat sich überall, in allen Köpfen, in allen Seelen das Gerücht eingeschlichen:
die Gelehrten und Weisen sind in ständigem Streitgespräch, andere hingegen sind derart verstört, dass sie ihren Geschäften nicht mehr nachgehen können; sie verkaufen ihre Anwesen, ihre Felder und Besitztümer oder lassen davon ab, Güter zu kaufen, in der Hoffnung, ihr Geld leichter in die sicheren Berge transportieren zu können. Andere wiederum verschieben ihr Heiratsversprechen, kündigen ohne scheinbaren Grund Verträge auf, entziehen sich ihren christlichen Gelübden, arbeiten faul und missmutig auf dem Land und fragen sich, was es denn nütze, Geld und Gut anzuhäufen, wenn doch in kürzester Zeit niemand mehr davon Nutzen ziehen könne.

→ Siehe auch:

Einzelnachweise

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  1. Genesis 11, Genesis, Kapitel 11, Einheitsübersetzung
  2. Aristoteles: Metaphysik, Kapitel XII (Λ), Philosophische Theologie, Seiten 1069a –1076a
  3. Apostelgeschichte 17,28, Abschnitt: Paulus in Athen, Novum Testamentum Graece und Einheitsübersetzung
  4. Johannes 1,29, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  5. Markus 16,2, Einheitsübersetzung, 2016
  6. Apostelgeschichte 1, Einheitsübersetzung, 2016
  7. 7,0 7,1 Danielle Adams: The Lamb – A folkloric celestial complex, Two Deserts, one Sky – Arab Star Calendars
  8. 2. Buch der Könige, Kapitel 23, Vers 5, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  9. Bob King: 9,096 Stars in the Sky—Is that all? How many stars in the sky can you see?, skyandtelescope.org - The essential Guide to Astronomy, 17. September 2014
  10. Markus Bautsch, Friedhelm Pedde: Vor 500 Jahren: Die Sintflut von 1524 die nicht stattfand. In: Dem Himmel nahe.. Nr. 19, Berlin, ISSN 2940-9330, S. 16–19 (https://wfs.berlin/wp-content/uploads/2024/05/A19-BROplanetA4_40s-feb2024ff_www-rz.pdf).
  11. Georg Tannstetter: Libellus consolatorius contra opiniones de diluvio et aliis horrendis periculis anni 1523

Nachwort

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Karl Popper im Jahr 1990.

Die Astronomie nimmt einen sehr anspruchsvollen Rang unter den vier freien Künsten des Quadriviums ein, da die anderen drei Künste eine wesentliche Voraussetzung für die ernsthafte und fruchtbringende Beschäftigung mit ihr darstellen. Ohne die Kenntnisse zu den Schwingungsverhältnissen von musiktheoretischen Intervallen, ohne die Beherrschung der Gesetze der Arithmetik und der Geometrie könnte keine erfolgreiche Astronomie betrieben werden.

Insofern scheint es angebracht, darauf hinzuweisen, dass naturwissenschaftlichen Kenntnisse über den Himmel und das Verständnis der Astronomie nicht nur nutzbringende, sondern sogar wesentliche Voraussetzungen für die umfassende und ernsthafte Beschäftigung mit Mythen oder Religionen sind.

Lassen wir zum Schluss dem Philosophen  Karl Popper (1902–1994) das Wort, indem wir ihn aus dem ersten Band seiner "Vermutungen und Widerlegungen: das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis" zitieren:[1]

Es dürfte uns guttun, uns manchmal daran zu erinnern,
dass wir zwar in dem Wenigen, das wir wissen, sehr verschieden sein mögen,
dass wir aber in unserer grenzenlosen Unwissenheit alle gleich sind.

Die Urania war im antiken Griechenland die Schutzgöttin der Sternkunde. Sie wurde im 17. Jahrhundert in Frankreich in einem  Air de Cour besungen:

Air de Cour "Je suis ravi de mon Uranie" von Étienne Moulinié (1625) interpretiert von Hauptautor dieses Wikibooks.

Französischer Originaltext:

Je suis ravi de mon Uranie,
Toute beauté pres d'elle est ternie;
Jamais l'amour dedans ces bois
   n'en a fait voir, n'y régner de pareille.
C'est une merveille,
Sa seule voix peut dompter, et sousmettre les plus grands Roys.

Übersetzung:

Ich bin entzückt von meiner Urania,
Alle Schönheit in ihrer Nähe ist verblasst;
Niemals hat die Liebe in diesen Wäldern
   weder so etwas vorgewiesen, noch solches verbreitet.
Das ist ein Wunder,
Allein ihre Stimme kann die mächtigsten Könige bezwingen und unterwerfen.

Einzelnachweise

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  1. Karl Popper: Vermutungen und Widerlegungen: das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis, Band I, Tübingen, Seite 43, 1963